Berlin – HeimatMomente - Joscha Remus - E-Book

Berlin – HeimatMomente E-Book

Joscha Remus

5,0

Beschreibung

Berlin – mal ehrlich, wer möchte neben den stets überfüllten Sehenswürdigkeiten Museumsinsel, Fernsehturm und Reichstagskuppel nicht auch einmal ruhigere oder abenteuerlichere Winkel in der Hauptstadt besuchen? Ganz besondere Orte. Wer hätte gedacht, dass es hier 70 Inseln (!) gibt, dass die Stadt mehr Brücken zählt als Venedig und man die Ufer aller Flüsse, Kanäle und Seen Berlins 600 Kilometer lang abfahren könnte? Oft verbergen sich die besonderen Abenteuer im Zentrum gleich um die Ecke, wie das Futurium am Berliner Hauptbahnhof. Oder wie am Stadtrand ein altes Fort, das weitaus mehr ist als nur ein Drehort für einen berühmten Quentin-Tarantino-Film. Joscha Remus entführt in das Berlin der 1920er Jahre und das Berlin der Zukunft, führt zum kleinsten Strand der Stadt, zu Wildhopfenbieren, einer Dampflokomotive, festgefroren in der Zeit zwischen Bäumen. Beschreibt eine Arche an der Spree, Wasserbüffel auf einer alten Fischerinsel, ein Winterbadeschiff, einen unbekannten Fliegeberg und Räume der Stille mitten in der Stadt. Das Schönste an all den vorgestellten geheimen, besonderen Orten Berlins aber ist: Die allermeisten von ihnen können völlig kostenlos oder sehr günstig entdeckt, erlebt und bestaunt werden.

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Joscha Remus

Berlin

50MIKROABENTEUER

ZUM ENTDECKEN UND GENIEßEN

IMPRESSUM

Berlin

50 Mikroabenteuer zum Entdecken und Genießen

Joscha Remus

© 2021 360° medien

Nachtigallenweg 1 | 40822 Mettmann

www.360grad-medien.de

Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Über­setzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Der Inhalt des Werkes wurde sorgfältig recherchiert, ist jedoch teilweise der Subjektivität unterworfen und bleibt ohne Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

Redaktion und Lektorat: Christine Walter

Satz und Layout: Serpil Sevim-Haase

Gedruckt und gebunden:

Lensing Druck GmbH & Co. KG I Feldbachacker 16 I 44149 Dortmund

www.lensingdruck.de

Bildnachweis: siehe Seite 256

ISBN: 978-3-96855-148-7

Hergestellt in Deutschland

www.360grad-medien.de

Joscha Remus

Berlin

50 MIKROABENTEUER

ZUM ENTDECKEN UND GENIEßEN

Vorwort

Berlin kennt mich nun schon seit über vierzig Jahren. Und alle Geschichten, die mir diese meine Stadt in der Erinnerung erzählt, muten heute an wie aus uralter Zeit. Geschichten von Durchsteckschlüsseln, alten Kachelöfen und Kohlehändlern. Von wegen „Berlin ist dufte“. Über der Stadt lag in den 1970ern ein beständiger Dunst aus Ruß und Staub und die inoffizielle Stadthymne „Berliner Luft“ mutete schon damals an wie beißender Spott. Die Erinnerungen erzählen mir Geschichten von quietschenden S-Bahnen, in denen noch Holzbänke standen, von Zeiten, als der Reichstag noch ohne Kuppel war und die Oberbaumbrücke noch ohne Türmchen. Westberlin, eine Insel, von einer Mauer umgeben. David Bowie erfuhr damals von Busfahrern, was Berliner Schnauze bedeutet und behauptete trotzdem, Berlin sei die größte kulturelle Extravaganz gewesen, die man sich vorstellen kann. Neben Bowie gingen auch Patricia Highsmith, die Rolling Stones und Freddie Mercury nachts ins Cabaret Chez Romy Haag, um zu feiern. Für mich waren die 1980er-Jahre eine Zeit der verrauchten Kneipen und rauchigen Stimmen. Hildegard Knef feierte 1987 ihr Comeback im Musical „Cabaret“ im Theater des Westens. Kurz danach traf ich mich, von den Augen der Volkspolizisten und, wie ich später erfuhr, auch den Blicken der Stasi skeptisch beäugt, mit meiner ersten Ostliebe an der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz. Die Entdeckung Ostberlins vor dem Mauerfall war für mich eine Offenbarung. Punks und Hinterhof-Konzerte am Prenzlauer Berg, das Riesenrad im Plänterwald, die roten dicken Ledersessel in Erich Honeckers Lampenladen, dem Palast der Republik, in dem Udo Lindenberg 1983 auftrat, aber leider seinen „Sonderzug nach Pankow“ nicht besingen durfte. Berlin begann von der Freiheit zu träumen, und noch bevor wir auf der Mauer tanzten, entdeckte ich wie viel Grün, wie viel wilde Natur es um den Müggelsee und um Köpenick gab. Auch Berliner Lauben mit Bootssteg kannte ich bis dahin noch nicht.

Pepper und Joscha im Futurium

Viele Paradiese und besondere Orte, die in diesem Buch beschrieben werden, habe ich erst nach der Jahrtausendwende entdeckt. Die Bogenseekette, den Teufelsbruch, die Krumme Laake, die Peripherie der Stadt, die Mühlen, die Ruderfähre, die Wasserbüffel, die Eiszeitseen, die Fischerdörfer und die Abhöranlage. All die kleinen Abenteuer, die in diesem Buch zu finden sind, wurden auch durch meine Reisen in die Ferne inspiriert, auf denen ich stets das Besondere und Außergewöhnliche suchte. Oft schafft ja erst die Distanz einen neuen, frischen Blick auf die eigene Stadt.

Im Sommer 2013 schenkte ich Otto Sander in einer Kneipe in Schöneberg eines meiner Neuseelandbücher, weil er sich das wünschte. Sander warf einen Blick in das Buch, schaute mich traurig an und sagte: „Schreib doch mal ein Buch über Berlin, muss ja nich imma so weit wegfahren, um wat Schönet zu sehen.“

Joscha Remus

Inhaltsverzeichnis

WILLKOMMEN IN BERLIN

TOP TEN DER SEHENSWÜRDIGKEITEN IN BERLIN

KURIOSES UND BESONDERHEITEN AUS BERLIN

IM WESTEN BERLINS

  1.Baden im Wald: der Teufelssee

  2.Spionage in Berlin: Abhöranlage Teufelsberg

  3.Tiefwerder Wiesen: Fischerdorf und Wasserbüffel

  4.Vom Waschhaus zum Biergarten: Brauhaus Spandau

  5.Quentin Tarantinos Lieblingsdrehort: Besuch im Fort Hahneberg

  6.Wasserleben und Wildnistraining: Naturschutzzentrum Ökowerk…

  7.Willkommen im Mittelalter: Kolkviertel

  8.Zuflucht der Fledermäuse: Zitadelle Spandau

  9.Der schönste Liegeplatz: Pichelswerder und die „Alte Liebe“

IM HERZEN BERLINS

10.Kleine Dinosaurier: in Berlins Aquarium

11.Einmal auftanken, bitte! Die FIT freie internationale tankstelle

12.Berlins künstlerisches Gewissen: Käthe-Kollwitz-Museum

13.Naturoasen und Vogelparadies: die Bergmann-Friedhöfe

14.Der Malerpoet: Kurt Mühlenhaupt Museum

15.Der erste Film der Welt : Varieté-Location Wintergarten

16.Haus der Zukünfte: Futurium

17.Kreuzberg ober- und unterirdisch: Viktoriapark

18.Heimathafen für die Kultur: Café Rix

19.Ehemalige Kiesgrube und Mietskaserne: Körnerpark und Comenius-Garten

20.Der Herr der Stifte: Lippenstiftmuseum

21.Kulinarische Botschaft Luxemburgs: De Maufel

22.Street-Art Alley: Haus Schwarzenberg

23.Flair des Südens: die Heckmann-Höfe

24.Dinieren zwischen Maschinen: Alte Pumpe

25.Konzertsaal im Wasser: Liquidrom…

26.Tanzhaus mit Tradition: Clärchens Ballhaus

IM NORDEN BERLINS

27.Babylon Berlin: das Theater im Delphi

28.Einkehr und Ruhe: das buddhistische Haus

29.Berlins ältester Baum: Sechserbrücke und Dicke Marie

30.Berlins Insel-Republik: Reiswerder

IM OSTEN BERLINS

31.Mit dem Fährbär unterwegs: Solar-Bootstour auf dem Müggelsee

32.Berlins größter Asia Markt: das Dong Xuan Center

33.Schwarzer Kater und stiller Held: Werner-Klemke-Park

34.Wasserparadies: der letzte Fischer vom Müggelsee

35.Mit der Seilbahn unterwegs: in den Gärten der Welt

36.Aufwind im Osten: Bockwindmühle Marzahn

37.Büffel, Reiher und Biber: Erpetalwiesen

38.Die schönsten Kanäle Berlins: Neu-Venedig

39.Die verwunschene Prinzessin: Lehrkabinett Teufelssee

IM SÜDEN BERLINS

40.Die Lokomotive im Wald: Natur-Park Schöneberger Südgelände

41.Mutter Fourage: Hofcafé und Galerie

42.St. Tropez in Berlin: Hafen Tempelhof

43.Dracula, Wein und eine Prinzessin: der Buschkrug-Motorikpark

44.Das Milchmädchen und der Ginkobaum: Schloss und Gutshof Britz und das Museum Neukölln

45.Sri Lanka und die Eiszeit: Hindutempel Murugan und der Fennpfuhl

46.Sambaschule, Zirkus, Kulturhof …: ufaFabrik

47.Die kreativen Ritter: Malzfabrik

48.Kräuter und Kunst in der Königsheide: Späth’sche Baumschulen

49.Das Geheimnis der Liebesinsel: Britzer Garten

50.Otto-Lilienthal Gedenkstätte: der Fliegeberg

DAS KLEINE WÖRTERBUCH FÜR BERLIN

REGISTER

BILDNACHWEIS

In den Monaten vor der Veröffentlichung dieses Buchs ­mussten Lokale und Besucherattraktionen immer wieder ­aufgrund der Corona-Pandemie ihre Öffnungszeiten einschränken oder zeitweise komplett schließen. Die in diesem Band angegeben Öffnungszeiten wurden gewissenhaft nach dem letzten bekannten Stand recherchiert – mit weiteren ­Änderungen ist jedoch nach der Pandemie zu rechnen, weshalb wir Lesern empfehlen, während des Aufenthalts in Berlin Öffnungszeiten anhand der hier aufgeführten ­Internetseiten selbst zu überprüfen.

Britzer Garten

Willkommen in Berlin!

Berlin ist überraschend und großartig, so viel kann ich ihnen als Autor dieses Buches versprechen. Doch die Stadt ist nicht nur großartig, sondern auch ziemlich groß. Wer hätte gedacht, dass man Manhattan fünfzehnmal in Berlin unterbringen könnte? Würde man die 3,7 Millionen Einwohner Berlins gleichmäßig über die Stadt verteilen, fielen auf jeden Bewohner der Stadt immerhin noch 250 Quadratmeter. Bei solch einer Verteilung würden sich dann übrigens ein Drittel aller Berliner im Wald oder im Grünen befinden. Denn die deutsche Hauptstadt ist eine der grünsten Städte Europas. Um sich den Reichtum an Stadtbäumen bildlich besser vorzustellen, hat eine Tageszeitung in Berlin errechnet, dass die Waldfläche der Stadt 40.000 Fußballfelder füllen würde. So richtig im grünen Bereich ist die Stadt aber, wenn man bedenkt, dass zu all den Wäldern noch mehr als 2500 Parks und Gärten hinzukommen.

Das grüne Berlin

Besonders grün ist die Millionenstadt im einstigen Jagdgebiet der brandenburgischen Kurfürsten, dem Grunewald. Inmitten uralter Eichen, Moore und Heideflächen herrscht im Forst zwischen Havel und Seenkette kilometerweit Ruhe und Stille. Oft wird vergessen, wie viele kulturelle Sehenswürdigkeiten und zauberhafte Orte es mitten im Grunewald gibt. So ist das 1542 errichtete Jagdschloss Grunewald Berlins älteste Schlossanlage. Ein Denkmal auf der Halbinsel Schildhorn verweist auf den Slawenfürsten Jaxa und das Jahr 1157. Ein Zeitpunkt, zu dem es die Stadt Berlin noch gar nicht gab. Und wer sich den Grunewald von oben betrachten möchte, sollte auf den 78 Meter hohen Grunewaldturm steigen, der den Besuchern einen weiten Blick über den Grunewald, die Havel und den Wannsee gewährt. Spannend wird es, wenn man sich auf den Teufelsberg begibt. Die dortige ehemalige Abhörstation stelle ich in diesem Buch alsTipp 2 auf Seite 34 vor. Ein anderes Waldabenteuer Berlins könnte man übrigens im Waldhochseilgarten in der Jungfernheide erleben. Der Klettergarten ist so groß, dass man sich bequem einen halben Tag lang durch die Bäume hangeln könnte.

Doch in Berlin kann man nicht nur sein grünes, sondern auch sein blaues Wunder erleben. Denn Berlin ist eine der wasserreichsten Hauptstädte Europas und eine Metropole, die immerhin über 70 Inseln im Stadtgebiet verfügt. Hamburg, der ewige Konkurrent, was Flair und Weltläufigkeit betrifft, hat diesbezüglich gerade einmal drei Inseln zu bieten. Nun gut, nimmt man die neu entstandene Insel im Wattenmeer hinzu, sind es vier.

Berlin ist eine Wasserstadt mit mehr als doppelt so vielen Brücken wie Venedig. Während man in der italienischen Lagunenstadt etwa 400 zählt, sind es in Berlin annähernd 1000 Brücken. Erzähle ich Besuchern, dass es in Berlin 70 Inseln, 50 Seen, acht Kanäle und die drei Hauptflüsse Havel, Spree und Dahme gibt, bleibt vielen vor Staunen der Mund offenstehen. Dabei habe ich die vielen kleineren Flüsse wie Erpe, Panke, Wuhle und Bäke noch gar nicht erwähnt. Flüsschen, von denen allerdings auch die meisten Berliner und Berlinerinnen kaum je etwas gehört haben. Wer wollte, könnte 330 Kilometer allein auf den Fließgewässern Berlins zurücklegen. Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gleich noch einen Tipp: Nirgendwo in Berlin kann man eine derartig schöne Ostsee-Atmosphäre wie am Strandbad Wannsee erleben. Das größte Binnenseebad Europas bietet neben seinem Kilometer langen Sandstrand auch Sonnenplateaus, Duschkabinen, Strandkörbe und einen FKK-Bereich.

Aufgrund der historischen Entwicklung, vor allem aber der früheren Teilung, ist es heute schwierig in Berlin ein einziges Zentrum als Innenstadt festzulegen. Die Sehenswürdigkeiten und 175 Museen verteilen sich über die ganze Stadt und jedes Viertel, jeder Kiez, wie der Berliner sagt, hat seinen ganz eigenen Charme. Kein Wunder, dass Berlin in fast jedem Stadtteil völlig anders wirkt, denn 1920 wurden für die Hauptstadt ganze 59 Dörfer eingemeindet und schlagartig wurde Berlin flächenmäßig zur zweitgrößten Metropole der Welt; nur Los Angeles war damals größer. Im Ranking der Einwohner lag Berlin mit 3,6 Millionen Einwohnern nach New York und London damals auf dem dritten Platz. Seit vielen Jahrzehnten zieht die deutsche Hauptstadt Menschen aus der ganzen Welt an. 13 Millionen Gäste kommen Jahr für Jahr in die Stadt, das ist deutschlandweit Rekord. In den letzten 45 Jahren stieg die Einwohnerzahl Berlins um 18 Prozent.

Viel Wasser in Berlin!

Berlin ist international. Mittlerweile leben Menschen aus über 170 Ländern in der Stadt. Die multikulturelle Vielfalt Berlins zeigt sich besonders beim Karneval der Kulturen, der jedes Jahr um Pfingsten herum in Kreuzberg über eine Million tanzende Menschen auf die Straßen bringt. Bei Umfragen die Lebensqualität betreffend landet die deutsche Hauptstadt im weltweiten Vergleich regelmäßig unter den Top 13 (aktuelle Mercer-Umfrage).

Silvester am Reichstag

Berlin ist längst zu einer Weltstadt geworden. Doch trotz all der von mir aufgezählten Rekorde und all der in diesem Buch genannten Fülle an Naturoasen und Kulturwundern polarisiert die Stadt auch immer wieder. Der elendig lange Bau des Hauptstadtflughafens BER, die Ineffizienz, die Gentrifizierung, die Mietenpolitik, all das sind Gründe, warum Berlin nicht mehr ganz so großspurig daherkommt wie in den 1920er-Jahren. „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“. Tja, mittlerweile haben in der Hauptstadt viele Menschen die Bescheidenheit wiederentdeckt. Berlin ist vielfältiger geworden und das tut der Stadt gut. Wer als Besucher Berlins der Hektik Lebewohl sagen und die Ruhe, Vielfalt, Behaglichkeit und Besinnlichkeit der Metropole entdecken möchte, wird die fünfzig kleinen Abenteuer in diesem Buch genießen. Denn Berlin ist nicht nur eine Stadt, sondern auch eine Lebenseinstellung. Und so zeigt die Hauptstadt heute neben ihrem Asphaltdschungel viele andere und unbekannte Gesichter. Sie ist auch Insel, Wildnis, Schlucht, Strand, Sumpf, Schilf, Moor und sogar – wie wir sehen werden – Fischerdorf geblieben.

Top 10

DER SEHENSWÜRDIGKEITEN IN BERLIN

Dieses Buch konzentriert sich vor allem auf weniger bekannte, besondere Orte in Berlin, von denen sicherlich auch viele Einwohner der Stadt noch nichts gehört haben. Daneben gibt es aber selbstverständlich auch die Highlights, die alle, die Berlin besuchen, irgendwann einmal gesehen oder besucht haben sollten. Dazu zählen:

1Brandenburger Tor: Berlins bekanntestes Wahrzeichen war früher ein Mahnmal für die Teilung der Stadt. Es stand während der deutschen Teilung in einem Sperrbezirk und konnte weder von West- noch von Ostberlinern besucht werden. Doch seit dem Mauerfall verbindet man das einzige erhaltene Stadttor nicht mehr mit Trennung. Vielmehr ist es nun zu dem markantesten Symbol der Einheit Deutschlands geworden. Genau hier versammeln sich zu Silvester die Menschen, um ins neue Jahr zu feiern. Auch bei anderen Events wie „Berlin leuchtet“ steht das Brandenburger Tor und seine Quadriga im Mittelpunkt. Die fünf Durchfahrten sind übrigens nicht gleich bemessen. Am breitesten ist die mittlere Durchfahrt, weil sie einst für die königliche Kutsche vorgesehen war; brandenburger-tor-berlin.de

2Humboldt-Forum im Berliner Schloss: Wohl kaum ein anderer Neubau wurde in Berlin so heiß diskutiert wie das Berliner Stadtschloss. Genau hier, in Berlins Mitte, legte Kurfürst Friedrich II. 1443 den Grundstein zum Residenzschloss der Hohenzollern in der bis dahin unbedeutenden Doppel-Stadt Berlin-Cölln. Nach über 500 Jahren wurde der Prunkbau auf Befehl Walter Ulbrichts trotz massiver Proteste 1950 gesprengt. Seit 2020 sind nun wieder drei der Barockfassaden des Schlosses als originalgetreue Replik zu sehen. Die Spreeseite des Schlosses ist hingegen, genau wie das im Innern zu findende Humboldt-Forum, modern gestaltet. Die Namensgebung erinnert an den Universalgelehrten Wilhelm von Humboldt und seinen Bruder, den weitgereisten Weltbürger Alexander von Humboldt, der auf seinen Reisen verschiedenste Kulturen erforschte; humboldtforum.org

3Philharmonie: Die Heimat der Berliner Philharmoniker ist nicht nur ein Ort der Klassik, sondern auch ein Ort für Jazz, Soul, Flamenco und viele Musikrichtungen mehr. Eines der besten Orchester der Welt begann übrigens mit einem Aufstand, in dem die Musiker der Bilesischen Kapelle gegen ihren geizigen Direktor revoltierten. Und auch die Karriere des neuen Konzertsaales begann mit einem Knall. Im wahrsten Sinn des Wortes. Vor der Eröffnung des Konzertsaales prüften Experten die Akustik mit Pistolenschüssen. Anders als in klassischen Konzertsälen sitzt das Orchester der Philharmonie mitten im Raum und wird vom Publikum umgeben. Das sensationelle Klangerlebnis ergibt sich aus der zeltartigen Decke und den gefalteten Wänden; berliner-philharmoniker.de

4Gendarmenmarkt: Der Gendarmenmarkt ist zweifelsohne einer der schönsten Plätze der Hauptstadt. Ich finde, er gehört sogar zu den Top 10 der schönsten Plätze Europas und ist ein absolutes Muss für Berlinbesucher. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Der Französische und der Deutsche Dom, dazwischen das nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel erbaute Konzerthaus und das davor zu sehende Schillerdenkmal. Der Gendarmenmarkt ist ein Prunkstück, das auch schon seinen bekanntesten Anwohner E.T.A. Hoffmann täglich aufs Neue begeisterte. Wer das Glück hat, zum Zeitpunkt des Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt zu sein, sollte diese Sommerkonzertreihe auf keinen Fall verpassen. Doch auch der Weihnachtsmarkt, der hier stattfindet, gehört zu den schönsten der Stadt; berlin.de/sehenswuerdigkeiten/3560277-3558930-gendarmenmarkt.html

5East Side Gallery: Der längste noch bestehende Abschnitt der Berliner Mauer lässt sich am Spreeufer im Stadtteil Friedrichshain bewundern. Gleich nach dem Mauerfall begannen 118 Künstler aus 21 Ländern damit, die graue Mauer zu bemalen, zu besprayen oder andersartig zu bearbeiten. Die Kunstmeile, die dabei entstanden ist, wird täglich von Tausenden Berlinbesuchern bestaunt. Die 1,3 Kilometer Kunst zeigen, wie die Künstler die politischen Veränderungen der damaligen Zeit interpretiert haben. Birgit Kinders durch die Mauer brechender Trabant ist hier ebenso zu sehen wie die berühmte Abbildung von Dimitrji Vrubel, die den sozialistischen, sehr intensiven Bruderkuss zwischen Breschnew und Honecker verewigt; berlin.de/sehenswuerdigkeiten/3559756-3558930-east-side-gallery.html

6Oberbaumbrücke: Unter den fast Tausend Brücken Berlins findet sich so manche Schönheit. Auf Seite 150 in Tipp 29 ist mit der Sechserbrücke eine der interessantesten Stadtbrücken in diesem Buch beschrieben. Doch die wohl schönste und imposanteste Brücke der Stadt ist die Oberbaumbrücke. Seit 1896 verbindet die Sieben-Bogen-Brücke die Bezirke Kreuzberg und Friedrichshain. Bis 1893 befand sich an ihrer Stelle eine hölzerne Brücke, die dann durch eine neugotische Straßen-Eisenbahnbrücke ersetzt wurde. Während Fußgänger heute durch die Kopie eines mittelalterlichen Kreuzgangs wandeln, schauen die Fahrgäste der U-Bahn-Linie 1 beim Überqueren von oben herab auf die Spree, die an dieser Stelle auf 150 Metern Länge überquert wird; berlin.de/sehenswuerdigkeiten/3559975-3558930-oberbaumbruecke.html

7Denkmal für die ermordeten Juden Europas: Neben diesem offiziellen Namen wird dieser Ort auch kurz Holocaust-Mahnmal genannt. Das wellenförmige Feld aus 2711 quaderförmigen Betonstelen nach einem Entwurf des New Yorker Architekten Peter Eisenman erinnert an die rund sechs Millionen Juden, die unter der Herrschaft der Nationalsozialisten ermordet wurden. Vom Brandenburger Tor sind es nur wenige Fußminuten bis zum Mahnmal, das von jeder Seite aus zu betreten ist. Unter dem Stelenfeld liegt der „Ort der Information“, wo in verschiedenen Themenräumen die Verbrechen der Nazizeit dokumentiert, diskutiert und aufgearbeitet werden; stiftung-denkmal.de

8Reichstag: In einer Abstimmung im Jahr 1991 wählte man Berlin offiziell zum künftigen Regierungssitz Deutschlands. Damit war der Weg frei, den Reichstag nach dem preisgekrönten Entwurf des britischen Architekten Sir Norman Foster umzugestalten. Heute gehört der Sitz des Deutschen Bundestages mit seiner spektakulären Glaskuppel zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Besucher können hier live erleben, wie Politik gemacht wird, oder nach einem spiraligen Gang durch die Glaskuppel einen Blick von der Dachterrasse werfen; bundestag.de/besuche/architektur/reichstag

9Schloss Charlottenburg: Oh ja, Berlin ist auch eine Stadt der Burgen und Schlösser. Teilweise kommen sie sogar recht märchenhaft daher, wie das weiße Schloss auf der Pfaueninsel. Das prachtvollste der zwölf Berliner Schlösser ist das nach Königin Sophie Charlotte benannte Schloss Charlottenburg. An der ehemaligen Sommerresidenz der Hohenzollern wurde fast einhundert Jahre lang gebaut. Meine Empfehlung: an einem sonnigen Tag gratis fürstlich durch den prächtigen Schlossgarten wandeln; spsg.de/schloesser-gaerten/objekt/schloss-charlottenburg-altes-schloss

10Museumsinsel: Kein Wunder, dass diese Insel inmitten der Spree zum UNESCO-Welterbe ernannt wurde. Was für ein Gesamtkunstwerk! Fünf Museen drängen sich hier dicht an dicht, und natürlich möchte jeder Besucher der Museumsinsel einmal die Büste der Nofretete oder den berühmten Pergamonaltar sehen. So wurde das Pergamonmuseum zum meistbesuchten Museum in Berlin. Falls der große Saal mal wieder renoviert wird, bieten sich übrigens genügend Alternativen an. Das Bode-Museum an der Spitze der Museumsinsel mit seiner prachtvollen Skulpturensammlung oder das Neue Museum mit seiner Papyrus- und Antikensammlung und der eben bereits erwähnten Nofretete. Oder wie wäre es mit einem Rodin, einem Caspar David Friedrich, Manet, Monet und Renoir. Zu sehen im antiken Tempel der Alten Nationalgalerie; smb.museum

Kurioses und Besonderheiten

AUS BERLIN

Kurioses und Besonderes findet sich in Berlin in einer solchen Vielzahl, dass damit ganze Bücher gefüllt werden. Einige dieser außergewöhnlichen Kuriositäten sind beispielsweise:

Von Feuerland bis Kanada, von Südafrika bis Sibirien gibt es 118 Orte auf der Welt, die Berlin heißen. Darunter auch der 3148 Meter hohe Mount Berlin in der Antarktis und ein Berg in der pazifischen Tiefsee vor Hawaii.

Rund 90 Prozent der Berliner Mauer endeten als Straßenschotter. Unter anderem wurden große Teile des Schotters zum Bau der Straße zum Flughafen Schönefeld verwendet.

Der Klunkerkranich gehört zu den wenigen frei begehbaren und ganz besonderen Dächern in Berlin. Er ist vieles: Club, Strandbar und Künstlerinsel. Von der Neuköllner Dach-Location aus hat man einen spektakulären Blick bis zum Europa-Center und zum Fernsehturm. Ganz besonders empfehlenswert: ein sommerlicher Sonnenuntergang auf dem Dach.

Berlin hat nicht nur mehr als doppelt so viele Brücken wie Venedig, sondern war auch schon einmal Hansestadt. Das allerdings ist lange her, denn schon 1359 wird das damalige Berlin-Cölln Mitglied des Hansebundes und war es 92 Jahre lang.

Das erste Berliner Telefonbuch aus dem Jahr 1881 enthielt acht Namen.

Die erste, 1924 in Betrieb genommene Ampel Deutschlands war über acht Meter hoch. Ein Nachbau dieses berühmten Ampelturms steht heute auf dem Potsdamer Platz.

Zu den Abertausend Dingen, die in Berlin erfunden wurden, zählen der Briefmarkenautomat, Ohropax, die Taschenlampe, der Computer, das Teelicht, der Fön und das erste nahtlose Kondom der Welt (erfunden in einer Hinterhofwerkstatt im Prenzlauer Berg von Julius Fromm).

Als John F. Kennedy 1963 in Berlin vor zwei Millionen Menschen seine berühmten Worte sprach, hielt er sich genau an seine handschriftlichen Notizen. Auf seinem Zettel stand: „Ish bin ein Bearleener“. Außerdem stand noch darauf „Lusd z nach Bearleen comen.“ Lasst sie nach Berlin kommen. Doch zu diesem Satz kam Kennedy vor lauter Applaus nicht mehr.

Ein Mythos ist die Behauptung, Berlin sei die drittgrößte türkische Stadt der Welt. In Berlin leben ca. 100.000 Menschen türkischer Herkunft, allerdings gibt es in der Türkei über 70 Großstädte mit mehr Einwohnern.

Zu Tipp 44 auf Seite 218: Das spri.........chwörtliche Milchmädchen, nach dem man eine Rechnung benannte, gab es wirklich. Die Berlinerin Anna Schnasing verkaufte um 1890 für die Meierei Bolle Milch an Hausfrauen. Da sie oft betrogen wurde, erlernte sie eine unfehlbare Fingerrechnung, hinter deren Geheimnis später erst ein Mathematiker kam.

In Berlin verspeist man jedes Jahr rund 70 Millionen Currywürste. Das sind etwa 60 Milliarden Kalorien; eine Currywurst hat etwa 820 Kalorien.

Oh ja – auch die Hauptstadt feiert Karneval. Das weltoffene und diverse Berlin zeigt sich wohl nirgends so farbenprächtig wie beim „Karneval der Kulturen“. Zu den Straßenumzügen dieses internationalen Festes kommen regelmäßig über eine Million Besucher aus aller Welt.