Berufsausbildung 2015 -  - E-Book

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Beschreibung

Die berufliche Bildung in Deutschland steht vor großen Herausforderungen: Der Wandel der Arbeitswelt, die zunehmende Internationalisierung der Arbeitsmärkte und der demographische Wandel seien hier nur beispielhaft genannt. Um diesen Herausforderungen gewachsen zu sein, sind Reformen notwendig, die über den tagespolitischen Horizont hinausgehen. Doch allzu oft bleibt es in der fragmentierten Akteurslandschaft der beruflichen Bildung bei einem kurzfristigen Kurieren an Symptomen. Aufbauend auf den Ergebnissen einer umfangreichen Experten-Befragung hat die Bertelsmann Stiftung vor diesem Hintergrund in 2008 eine Reihe von Expertenworkshops zu zentralen, mittelfristigen Entwicklungsbereichen der beruflichen Bildung durchgeführt ("Berufsausbildung 2015"). Ziel des Prozesses war es, eine innerhalb der Anspruchsgruppen möglichst breit getragene Agenda für den mittelfristigen Reformbedarf in der beruflichen Bildung zu formulieren. Die Ergebnisse der Workshops wurden in einem online-gestützten, interaktiven Prozess weiter bearbeitet und zu dem vorliegenden Leitbild einer "Berufsausbildung 2015" verdichtet. Der Band enthält neben dem Leitbild selbst die Ergebnisse der Experten-Befragung sowie ausführliche Dokumentationen zu den Inhalten der Workshop-Reihe.

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Veröffentlichungsjahr: 2010

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2010 E-Book-Ausgabe (EPUB) © 2009 Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh
Verantwortlich: Clemens WielandLektorat: Rudolf J. Gajdacz, team4media&event, MünchenHerstellung: Sabine ReimannUmschlaggestaltung: Nadine HumannUmschlagabbildung: Martin Barraud/OJO imagesSatz und Druck: Hans Kock Buch- und Offsetdruck GmbH, Bielefeld
ISBN : 978-3-86793-141-0
www.bertelsmann-stiftung.de/verlag
Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum
Abkürzungsverzeichnis
»Berufsausbildung 2015« - ein partizipativer Ansatz
Teil A: Die Ergebnisse
Leitbild »Berufsausbildung 2015«
1 Warum ein Leitbild?
2 Kompetenzorientierung in der Berufsausbildung konsequent umsetzen
3 Übergänge in die Berufsausbildung durchlässig gestalten
4 Reformen mit neuer Tatkraft strategisch gestalten
Zur Begründung des Leitbilds »Berufsausbildung 2015«
1 Präambel
2 Übergreifende Ziele der Berufsausbildung
3 Gestaltungsfelder
4 Schritte zur Umsetzung
Teil B: Die Workshops
Paper Workshop I: »Leitbild einer Berufsausbildung 2015«
1 Ausgangsfragen
2 Befunde: Ergebnisse aus der Befragung von Berufsausbildungsexperten
3 Blick zurück nach vorne? - Bestehende Zielausrichtungen in der Berufsausbildung
4 Der unscharfe Konsens: Beruflichkeit als Leitprinzip der deutschen Berufsausbildung
5 Begründungen für die Notwendigkeit einer Leitbilddiskussion in der Berufsausbildung
6 Abschluss
Paper Workshop II: »Durchlässigkeit im (Berufs-)Bildungssystem«
1 Herausforderung: Ein durchlässiges (Berufs-)Bildungssystem
2 Ausgewählte Ergebnisse aus der Befragung von Berufsausbildungsexperten
3 Bildungspolitische Ausgangspunkte
4 Durchlässigkeit am unteren Rand: »Übergangssystem«
5 Durchlässigkeit zur akademischen Bildung
6 Anerkennung informell erworbener Kompetenzen in der Berufsausbildung
7 Übergreifende Ansätze zur Verbesserung der Durchlässigkeit
Paper Workshop III: »Qualitätsentwicklung in der Berufsausbildung«
1 Ausgangspunkte
2 Ergebnisse aus der Befragung von Berufsausbildungsexperten
3 Leitprinzipien der Qualitätsentwicklung
4 Gegenstände der Qualitätsdiskussion
5 Abschluss
Paper Workshop IV: »Berufliche Kompetenzen in der globalen Wirtschaft«
1 Herausforderungen der Globalisierung an die Berufsausbildung
2 Ergebnisse aus der Befragung von Berufsausbildungsexperten
3 Bildungspolitische Aspekte
4 Internationalisierung der Qualifikationsanforderungen
5 Kompetenzorientierung der Berufsausbildung als Bedingung ihrer Internationalisierung
6 Resümee
Teil C: Die Umfrage »Berufsausbildung 2015«
1 Zusammenfassung
2 Ziele der Untersuchung
3 Methodische Grundlagen
4 Zentrale Ergebnisse
5 Zusammenfassung der Ergebnisse
Literatur
Endnoten
Anhang: Der Fragebogen
Danksagung
Abkürzungsverzeichnis
AEAusbildungseinheitAEVOAusbilder-EignungsverordnungAkAAufgabenstelle für kaufmännische Abschluss- und ZwischenprüfungenBABundesagentur für ArbeitBBiGBerufsbildungsgesetzBerBiRefGBerufsausbildungsreformgesetzBGBlBundesgesetzblattBIBBBundesinstitut für BerufsbildungBLKBund-Länder-KommissionBMBFBundesministerium für Bildung und ForschungBRPBerufsreifeprüfungDQRDeutscher QualifikationsrahmenECTSEuropean Credit Transfer SystemECVETEuropäisches Leistungspunktesystem für die Berufs ausbildung (European Credit System for Vocational Education and Training)EGVVertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (Kurzform: EG-Vertrag)EQFEuropäischer QualifikationsrahmenERFAErfahrungsnoteHWKHandwerkskammerHwOHandwerksordnungIABInstitut für Arbeitsmarkt- und BerufsforschungIATInstitut für Arbeit und TechnikIHKIndustrie- und HandelskammerIKAInformation, Kommunikation, AdministrationKMKKultusministerkonferenzKMUKleine und mittlere UnternehmenLAPLehrabschlussprüfungLSA-VETVocational Education and Training - Large Scale AssessmentMINT-FächerMathematik, Informatik, Naturwissenschaften (Biologie, Chemie, Physik) und TechnikNQRNationaler QualifikationsrahmenOECDOrganisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Co-operation and Development)OESOperativ eigenständige SchulePALPrüfungsaufgaben- und LehrmittelentwicklungsstelleQmbSQualitätsmanagementsystem für berufliche Schulen in BayernSEISSelbstevaluation in SchulenW&GWirtschaft und GesellschaftZPAZentralstelle für Prüfungsaufgaben
»Berufsausbildung 2015« - ein partizipativer Ansatz
Als die Bertelsmann Stiftung 1999 den international ausgerichteten Carl Bertelsmann-Preis für exzellente gesellschaftliche Innovationen im Bereich »Berufliche Bildung der Zukunft« verlieh, war die Diskussion um die Qualität der Berufsausbildung auch im eigenen Land in vollem Gange. Zahlreiche Experten wiesen bereits damals auf deutliche Mängel im System der deutschen Berufsausbildung hin. Auch an Reformvorschlägen, Studien oder Positionspapieren mangelte es ehemals nicht.
Dass heute, genau zehn Jahre später, die Diskussion um Zustand und Zukunft der beruflichen Bildung in Deutschland immer noch - und nun sogar dringlicher denn je - geführt werden muss, hat seine Gründe. Zwar ist vieles in den letzten Jahren für die berufliche Bildung in Deutschland getan worden: Der »Innovationskreis berufliche Bildung« hat seine Ergebnisse vorgelegt, innovative Ansätze wurden erprobt, und der Ausbildungspakt hat wichtige Erfolge bewirkt. Doch eine nachhaltige Verbesserung des dualen Berufsausbildungssystems oder der allgemeinen Situation auf dem Ausbildungsmarkt konnte trotz des großen Engagements aller Beteiligten bislang leider nicht erreicht werden.
Die Ursachen hierfür sind vielschichtig, doch offenkundig mangelt es dem dualen System trotz vieler Maßnahmen und Initiativen der vergangenen Jahre an der notwendigen strukturellen Wandlungsfähigkeit, um auf die sich stetig verändernden Arbeitsprozesse und Arbeitsmarktanforderungen, auf den sich öffnenden europäischen Arbeits- und Bildungsraum und auch auf die Auswirkungen des demographischen Wandels rasch und angemessen reagieren zu können. Die Diskussionen über mangelnde Ausbildungsreife, über ein diffuses und unkoordiniertes Übergangssystem zwischen Schule und Ausbildung, in das jährlich fast ebenso viele junge Menschen eintreten wie in die betriebliche Berufsausbildung selbst, oder auch über die mangelnde Durchlässigkeit von einer Bildungsstufe zur nächsten sind nur einige der deutlichen Signale dafür, dass die duale Berufsausbildung neue Impulse benötigt. Veränderungen sind nötig - und zwar solche Veränderungen, durch die nicht nur lokale Brände gelöscht bzw. kurzfristig Symptome kuriert werden, sondern die an den Strukturen des Berufsbildungssystems ansetzen und eine mittelfristige Perspektive in den Blick nehmen.
Aus diesem Grund hat die Bertelsmann Stiftung die Initiative »Berufsausbildung 2015« auf den Weg gebracht. Mit diesem auf einen überblickbaren Zeitraum angelegten Vorhaben sollen wirksame Reformimpulse für eine stärkere und nachhaltige Zukunftsorientierung der beruflichen Bildung in Deutschland gesetzt werden. Ganz in der Tradition ihrer bisherigen Arbeit folgt die Bertelsmann Stiftung dabei dem Ansatz, keine abstrakte, wissenschaftstheoretische Debatte zu initiieren, sondern eine sachbezogene Diskussion anzuregen, die in jedem Punkt durch eine ganzheitliche Problemsicht geprägt ist.
Eine besondere Herausforderung bei der Konzeption und Umsetzung von Reformen im beruflichen Bildungsbereich liegt in der stark heterogenen Gruppe der beteiligten Akteure. Sie stammen aus so unterschiedlichen Bereichen wie Ministerien, Verbänden, Unternehmen, Gewerkschaften, berufsbildenden Schulen und Bildungseinrichtungen, aus der Wissenschaft und aus Behörden. Mit dem Ziel einer möglichst breit getragenen Reformagenda hat die Bertelsmann Stiftung daher ihren grundlegenden Ansatz, Vertreter der unterschiedlichen Lager zusammenzuführen und den entstehenden Austausch und Dialog zu moderieren, im Rahmen der Initiative »Berufsausbildung 2015« zu einem umfassenden partizipativen Gestaltungsprozess weiterentwickelt.
Den Ausgangspunkt dafür bildete eine breit angelegte empirische Untersuchung, mit der führende Vertreter aller beteiligten Institutionen und renommierte Experten nicht nur zur Bedeutsamkeit einzelner Reformthemen in der Berufsausbildung befragt wurden. Als ergänzendes - aber für wirksame Reformen überaus relevantes - Kriterium wurde zusätzlich auch nach der Aufmerksamkeit gefragt, die jedem Thema in der politischen Wahrnehmung nach Auffassung der Experten zukommt.
Insgesamt wurden fast 1.200 Vertreter aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen, Unternehmen, Lehrer- und Ausbilderverbänden, Ministerien mit nachgeordneten Behörden, politischen Parteien, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, Schulen und Bildungseinrichtungen sowie Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit der Online-Befragung angesprochen. Eine ungewöhnlich hohe Rücklaufquote von über 23 Prozent hat die Akzeptanz des Vorgehens unterstrichen.
Aus den Ergebnissen der Befragung ließen sich vier Themenkomplexe ableiten, auf deren Basis eine weitere Vertiefung erfolgen sollte. Diese waren:
• Leitbild einer Berufsausbildung 2015
• Berufliche Kompetenzen in der globalen Wirtschaft
• Qualitätsentwicklung in der Berufsausbildung
• Durchlässigkeit im (Berufs-)Bildungssystem
Diese vier Themenfelder bildeten die Grundlage für eine Reihe von vier Experten-Workshops, in denen die einzelnen Inhalte zum gemeinsamen Leitbild »Berufsausbildung 2015« ausgearbeitet wurden. Zu jedem dieser Workshops wurden etwa 20 Experten geladen, die in einem ausgewogenen Mischungsverhältnis aus den verschiedenen Lagern und institutionellen Gruppen ausgewählt wurden. Begleitet wurde die Workshop-Reihe durch ein für die beteiligten Akteure offenes Online-Forum, auf dem die jeweiligen Zwischenergebnisse zur Diskussion gestellt wurden.
In diesem innovativen Format eines breit angelegten Beteiligungsprozesses sieht die Bertelsmann Stiftung nicht nur die Möglichkeit, deutlich ziel- und umsetzungsorientierter zu den Kernfragen notwendiger Reformbemühungen vorzustoßen. Die Einbeziehung aller relevanten Akteure vermeidet darüber hinaus auch eine von den Anforderungen aus der Praxis losgelöste theoretische Diskussion sowie regional- bzw. branchenfokussierte Insellösungen, denen der Blick für die übergeordneten systemischen und strukturellen Entwicklungsbedürfnisse fehlt.
Vor diesem Hintergrund stellen das Leitbild »Berufsausbildung 2015« und die daraus abgeleiteten Reformempfehlungen einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur nachhaltigen Entwicklung des dualen Berufsbildungssystems in Deutschland dar. Alle auf diesem Weg notwendigen Schritte müssen dabei - sowohl auf individueller als auch institutioneller Ebene - vor allem durch einen Bewusstseinswandel in Richtung einer größeren Flexibilität und Veränderungsbereitschaft geprägt sein. Nur so sind Reformen möglich und nur so wird das duale System auch zukünftig wieder ein Garant für Teilhabegerechtigkeit, qualifizierte Fachkräfte und einen zuverlässigen Weg in Ausbildung und Beruf sein.
Der vorliegende Band dokumentiert die einzelnen Phasen des Prozesses: Im ersten Teil - gewissermaßen in umgekehrter Chronologie - finden sich die Kurz- und die Langfassung des eigentlichen Leitbilds, in welchem die Ergebnisse der einzelnen Prozessschritte kondensiert sind. Bei der Zusammenstellung dieser Ausführungen waren wir darauf bedacht, in möglichst ausgewogener Form die zahllosen Diskussionsbeiträge und Kommentierungen der Online-Phase zu erfassen. Inwieweit dies gelungen ist, mag die Fachwelt entscheiden.
Im zweiten Teil folgen die Ergebnisberichte aus den vier Workshops. Diese Berichte dienen zum einen dem Zweck, den Leser in allgemeiner Form in die jeweilige Thematik einzuführen. Zum anderen enthalten sie zentrale Argumentationsstränge, so wie sie im Rahmen der Workshops diskutiert wurden.
Die Ergebnisse der Umfrage, die zum Auftakt des Prozesses im Winter 2007 durchgeführt wurde, finden sich schließlich im dritten Teil des Bandes. Dieser Teil gibt einen Überblick über die wesentlichen Einzelergebnisse der Befragung und enthält auch den zugrunde liegenden Fragebogen, der an die Teilnehmer versandt wurde.
Der Band schließt mit einer Danksagung an all diejenigen, die uns ihre Expertise während des Prozesses zur Verfügung gestellt haben.
Bereits an dieser Stelle danken wir den Professoren Dr. Dieter Euler vom Institut für Wirtschaftspädagogik (IWP) der Universität St. Gallen und Dr. Eckart Severing vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) in Nürnberg. Beide waren als Experten maßgeblich an der Entwicklung und Durchführung des Vorhabens »Berufsausbildung 2015« beteiligt.
Dr. Jens U. PragerDirector Programm Zukunft der Beschäftigung Bertelsmann Stiftung
Clemens WielandProject Manager Programm Zukunft der Beschäftigung Bertelsmann Stiftung
Teil A: Die Ergebnisse
Leitbild »Berufsausbildung 2015«

1 Warum ein Leitbild?

Seit einigen Jahren wird in Deutschland eine intensive Diskussion über die Modernisierung der beruflichen Bildung in Deutschland geführt. Dabei besteht eine breite Übereinstimmung darin, dass nachhaltiger Modernisierungsbedarf in der Berufsausbildung besteht. Zugleich werden viele Vorschläge und Initiativen von den beteiligten Akteuren aus Wissenschaft und Berufsausbildungspraxis kontrovers diskutiert. Im Gesamtbild zeigt sich allerdings die Gefahr einer Berufsausbildungspolitik aus dem Stegreif und einer Patchwork-Gestaltung, bei der das Handeln durch kurzfristige Problemwahrnehmungen, die Partikularinteressen einzelner Anspruchsgruppen oder Formen der symbolischen Politik bestimmt wird und bei der zwar viel Bewegung, jedoch keine kohärente Zielausrichtung und Langfristperspektive erkennbar ist. Hier setzt das vorgelegte Leitbild an.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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