Bestattung – Anregungen für eine innovative Praxis -  - E-Book

Bestattung – Anregungen für eine innovative Praxis E-Book

0,0

Beschreibung

Die Bestattungskultur hat sich unverkennbar pluralisiert. Der Friedhof verliert seine Monopolstellung. In ungewisser Zeit sind Menschen auf der Suche nach Sinn und Trost. Sie suchen nach neuen Orten der Bestattung und persönlichen Formen der Trauerfeier. Auch in kirchlichen Trauerfeiern soll das »Lieblingslied« der Verstorbenen erklingen. Der aktiven Mitwirkung der Trauernden und ihrer Mitarbeit im Trauerprozess kommt eine wachsende Bedeutung zu. Gott kann nicht einfach »verkündigt« werden, sondern muss gemeinsam mit den Trauernden in »tastender Gewissheit« gesucht werden.Lutz Friedrichs stellt verschiedene Modelle vor, die zu einer seelsorglich-diakonischen Praxis anregen: Sie wenden sich mit kritischem Einfühlungsvermögen je dem Einzelnen zu und suchen vor dem Hintergrund der eigenen Tradition nach ansprechenden Formen für Gottesdienst und Predigt. Die Gottesdienstmodelle reichen von der »Urnenbestattung in einem Friedwald« über »Sozialbestattungen mit Friedhofsmitarbeitenden« bis hin zu »Heiligabend auf dem Friedhof«. Die verschiedenen Predigten spiegeln die gemeinsame Grundhaltung, sich von den Toten »belehren« zu lassen, wie es Hilde Domin feinsinnig formuliert: Sie wissen um das Geheimnis eines jeden Menschen und wie schwer es ist, dafür im Angesicht des Todes Sprache zu finden.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 197

Veröffentlichungsjahr: 2013

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



DIENST AM WORT

Die Reihe für Gottesdienst und Gemeindearbeit

Band 153

Vandenhoeck & Ruprecht

Lutz Friedrichs (Hg.)

Bestattung – Anregungen für eine innovative Praxis

Vandenhoeck & Ruprecht

Mit zwei Abbildungen

Umschlagabbildung: Engel des Jüngsten Gerichts, Wassily Kandinsky, © akg-images

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-525-63052-5

ISBN 978-3-647-63052-6 (E-Book)

© 2013, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen / Vandenhoeck & Ruprecht LLC, Bristol, CT, U. S. A.www.v-r.de

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages.Printed in Germany.

Satz: textformart, Göttingen

Druck und Bindung: Hubert & Co, Göttingen

Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier.

Inhalt

Vorwort

I.     Evangelische Bestattung im gesellschaftlich-kulturellen Wandel: Praktisch-theologische Grundlegung

1. Einstimmung

2. Trost und Sinnstiftung in postsäkularer Zeit: Herausforderungen der gegenwärtigen Bestattungskultur

2.1. Pluralisierung – Mitspieler werden

2.2. Ökonomisierung – Gegenspieler werden

2.3. Ästhetisierung – sich neuen Zugängen öffnen

3. »ynn der Elbe oder ymm walde« (Martin Luther): Vergewisserung in fünf Stationen

1.    Station: Realismus und Imagination der biblischen Tradition

2.    Station: Mittelalterliche Totenfürsorge

3.    Station: Reformatorische Umbrüche

4.    Station: Der religionskulturelle Bruch der Aufklärung

5.    Station: Trost in postsäkularer Zeit?

4. Konsequenzen für die Bestattungspraxis heute

4.1. Auf andere Orte zugehen

4.2. Sich neuen Formen öffnen

4.3. Erlebnisdichte fördern

4.4. In tastender Gewissheit reden

4.5. Musik als Lebenshilfe begreifen (Stephan A. Reinke)

5. Fazit

6. Literatur

II.   Der Trauer und Solidarität Raum geben

1. Anregungen für Trauergottesdienste

»Von allen Seiten umgibst du mich«

Urnenbestattung in einem Friedwald

Thomas Rheindorf

Trauerfeier in einfacher Sprache mit Kerzenritual

Anne Gidion

Um Licht beten

Kleine Liturgie der Urnenbeisetzung – anstelle einer Trauerfeier

Margit Zahn

»So nimm denn meine Hände«

Urnenbeisetzung mit einem demenzkranken Witwer in kleinstem Kreis

Anke Trömper

Umgang mit Urnen

Kurze praktische Erwägungen

Thomas Hirsch-Hüffell

Solidarität leben

Die Segensliturgie der Tobiasbruderschaft Göttingen

Würde suchen

Sozialbestattungen mit Friedhofsmitarbeitenden

Sabine Sauerwein

Heiligabend auf dem Friedhof

Isolde Böhm

2. Einzelne liturgische Stücke

3. Bestattungsmusik – aktuelle Trends

Stephan A. Reinke

III. »Jeder, der geht, belehrt uns ein wenig …« (Hilde Domin) Bestattungspredigten

Der Mensch ist hier nicht zu Hause / 1Kor 13,12

Frau, 86 Jahre, in der evangelischen Kirchengemeinde nicht in Erscheinung getreten, aber – wie sich bei Durchsicht des Nachlasses herausstellte – religiös sehr interessiert.

Klaus Eulenberger

Haltung und Neigung / Jer 31,3

Frau, 93 Jahre, deren Leben in einer gewissen Distanziertheit mit den Begriffen »Haltung« und »Neigung« gewürdigt wird.

Kathrin Oxen

Ich bin vom Leben geküsst / Mt 10,22

Frau, 45 Jahre, nach langjähriger Krebserkrankung gestorben, deren Lebenshaltung den Prediger tief beeindruckt hat: »Ich bin vom Leben geküsst«.

Johann Hinrich Claussen

Over the rainbow / Psalm 23

Frau, 30 Jahre, an Brustkrebs erkrankt und gestorben; eines ihrer Lieblingslieder war »Over the rainbow«.

Sabine Sauerwein

Sehnsucht nach Natur / Apk 21,4

Mann, katholisch, 77 Jahre, ein Städter, der in seiner Sehnsucht nach Natur bestimmt hatte, auf dem Friedwald bestattet zu werden.

Thomas Rheindorf

Stark wie zwei / 2Kor 12,9

Mann, 50 Jahre, sein Vermächtnis an seine Frau: die Kraft des Liedes von Udo Lindenberg: »Stark wie zwei«.

Ligaya Jardas

Thy will be done / 1Kor 13,13

Frau, 19 Jahre, Mitglied im Gospelchor, der das Lied »Thy will be done« kurz vor deren Tod neu einstudiert hatte.

Christiane Berthold-Scholz

Was werden wir sehen? / Apk 2,9

Mann, 76 Jahre, ein Leben zwischen Ost und West, dessen Blick im Sterben die Frage wach hält: »Was werden wir sehen?«

Petra Zimmermann

Unseren Augen entzogen zu Gott / Joh 12,20–26

Frau, 81 Jahre, ein Leben mit Bildern, das den Prediger reizt, nach Trost in Bildern zu fragen, »die uns eigentlich entzogen sind«.

Helmut Wöllenstein

Mad World / 1Kor 13,12

Frau, 50 Jahre, psychisch erkrankt, hat sich das Leben genommen, ihr Liedwunsch zu ihrer Bestattung: »Mad World«.

Anke Trömper

Als sie sich entschied zu gehen, ist er dageblieben und mitgestürzt

Frau, 62 Jahre alt, hat sich das Leben genommen; Annäherung an ihre Biographie über mystische Christologie: Christus ist »mitgestürzt«.

Thomas Hirsch-Hüffell

Das letzte Kleid hat keine Taschen / Ps 31,6

Mann, 45 Jahre, Friedhofsmitarbeiter, mit dem Tod täglich konfrontiert, einer seiner Lieblingssätze: »Das letzte Kleid hat keine Taschen«.

Martin Lückhoff

Wir wissen wenig. Und doch viel / Ps 31,16

Frau, 52 Jahre, mit Downsyndrom, der Predigerin persönlich nicht bekannt: »Sie war ein Sonnenschein«.

Anne Gidion

I did it my way … / EG 361 Befiehl du deine Wege

Frau, 72 Jahre, Gespräch mit den drei Kindern über das Lieblingslied der Mutter und die Episode: »Anna auf einer Milchbank sitzend und singend …«.

Lutz Friedrichs

Time to say goodbye / 1Kor 13,13

Frau, 62 Jahre, die Trauerfamilie kann nicht loslassen; das Lied »Time to say goodby« wird aufgegriffen, um Erinnerungen Raum zu geben.

Margit Zahn

Das Dennoch der Rose / Ps 73,23

Predigt bei der Urnenbeisetzung von »Sternenkindern«.

Gundula Goldbach-Bolz

Quellenverzeichnis

Verzeichnis der Autorinnen und Autoren

Vorwort

Die Bestattung ist eine Stärke der evangelischen Kirche. Wie kann diese Stärke im Umbruch der Bestattungskultur heute zum Zug kommen?

Von dieser Frage bewegt, habe ich Kolleginnen und Kollegen um anregende Materialien aus ihrer eigenen Bestattungspraxis gebeten, die neue Wege beschreiten – unter anderem zu:

– anderen Orten der Bestattung,

– neuen Formen der Trauerfeier,

– kreativem Umgang mit »Lieblingsliedern« der Verstorbenen,

– biographisch ausgerichteten Predigten, die das Evangelium in »tastender Gewissheit« weitergeben.

Über die Texte, die ich bekam, war ich sehr erfreut. Ich danke an dieser Stelle meinen Kolleginnen und Kollegen für ihre Bereitschaft, mich an ihrer – oft sehr berührenden – Praxis teilhaben zu lassen und mit mir das Material auszuwählen, von dem wir meinten, es sei für andere anregend und hilfreich.

So ist dieses Buch entstanden. In einer Einführung werden die Herausforderungen der kirchlichen Bestattung in der postsäkularen Gesellschaft skizziert. Die folgenden Materialien für Gottesdienst und Predigt haben Modellcharakter, können also nicht einfach eins-zu-eins übernommen werden. Das wäre auch – besonders für die Predigt – nicht möglich, da es ihr von ihrem Grundverständnis her um Würdigung lebensgeschichtlicher Individualität geht.

Ist dann ein Abdruck solcher Predigten überhaupt sinnvoll? Ich meine: ja, weil sich an ihnen eine theologisch-homiletische Haltung lernen lässt, die darauf aus ist, sich von den Toten »belehren« zu lassen, wie es Hilde Domin in ihrem Gedicht »Unterricht« feinsinnig formuliert, wissend um das Geheimnis eines jeden Menschen, wissend auch um das Wagnis, im Angesicht des Todes Sprache zu finden, auch wenn unsere Worte den Menschen, der erinnert werden soll, letztlich nur verfehlen können.

Um besser nachvollziehen zu können, welchen Hintergrund eine Predigt oder eine besondere Form der Trauerfeier hat, sind ihnen jeweils »Fallskizzen« vorangestellt. Alle Materialien stammen ausnahmslos aus der Praxis vor Ort und sind für diesen Band durchweg anonymisiert worden.

Wir, die Autorinnen und Autoren und ich als Herausgeber des Bandes, hoffen, dass die Praxismodelle Mut machen, die Umbrüche der Bestattungskultur – um der Menschen willen, die wir in ihrer Trauer heute begleiten – als Gestaltungsaufgabe wahrzunehmen.

Kassel, im Mai 2013Lutz Friedrichs

I.     Evangelische Bestattung im gesellschaftlich-kulturellen Wandel

Praktisch-theologische Grundlegung

1. Einstimmung

Als ich meinen Dienst in einer Kirchengemeinde Kassels begann, war ich bei meinem Antrittsbesuch auf dem Hauptfriedhof überrascht: Der Leiter gab mir einen Flyer mit der Einladung zu einer »Krimi-Lesung im Krematorium« in die Hand.

Was passiert hier? Makabrer Event oder kreatives Memento Mori? In jedem Fall zeigt die kleine Episode, wie stark heute der Wandel der Friedhofskultur ist: Der Friedhof wird – unter ökonomischen Druck – zu einem Veranstaltungsort eigener Art.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!