Bewegung und Mobilitätsförderung -  - E-Book

Bewegung und Mobilitätsförderung E-Book

0,0
35,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Bewegung ist ein zentrales Pflegekonzept und die Förderung der Bewegung trägt maßgeblich dazu bei, die Gesundheit von Menschen zu erhalten, Teilhabe zu fördern und deren Funktionsfähigeit wiederherzustellen. Das umfassende Praxishandbuch zur Bewegung und Mobilitätsförderung in der Pflegepraxis - stellt die Grundlagen, Definitionen und Modelle von Bewegung verständlich dar und klärt die Zusammenhänge von Bewegungsverhalten, Gesundheit und Lebensqualität - erläutert warum Mobilität und Bewegungsförderung aus pflegewissenschaftlicher Sicht wichtig sind und beschreibt den Prozess des Bettlägerigwerdens sowie den Expertenstandard zur Mobilitätsförderung - stellt Bewegung, beeinträchtigte Mobilität und Bewegungsförderung im Rahmen des Pflegeprozesses und der Pflegediagnostik dar - beschreibt, wie sich Bewegung bei speziellen Erkrankungen, Problemlagen und Lebensphasen verändert und wie sie positiv beeinflusst werden kann - zeigt wie Pflege- und Gesundheitsberufe in Settings der Akut- und Langzeitpflege die Bewegungsfähigkeit von Klienten fördern und erhalten können - veranschaulicht, wie mit gezieltem Einsatz von Hilfsmitteln und Wohnraumanpassung die Beweglichkeit verbessert und Bewegungseinschränkungen kompensiert werden können - beschreibt interdisziplinäre Ansätze zur Bewegungsförderung aus logopädischer, physiotherapeutischer und ergotherapeutischer Sicht - erläutert, wie Menschen physiologisch gelagert und positioniert werden können - stellt präventive Ansätze und Angebote zur Bewegungsförderung vor

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 603

Veröffentlichungsjahr: 2019

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Bewegung und Mobilitätsförderung

Bewegung und Mobilitätsförderung

Elke Schlesselmann (Hrsg.)

Wissenschaftlicher Beirat Programmbereich Pflege:

Jürgen Osterbrink, Salzburg; Doris Schaeffer, Bielefeld; Christine Sowinski, Köln; Franz Wagner, Berlin; Angelika Zegelin, Dortmund

Wissenschaftlicher Beirat Programmbereich Palliative Care:

Christoph Gerhard, Dinslaken; Markus Feuz, Zürich

Elke Schlesselmann

(Herausgeberin)

Bewegung und Mobilitätsförderung

Praxishandbuch für Pflege- und Gesundheitsberufe

unter Mitarbeit von

Katrin Müller

Claudia Voelcker-Rehage

Angelika Zegelin

Andrea Schiff

Sylke Werner

Amit Choudhury

Beate Radzey

Alexandra Boll

Peter Nydahl

Silke Klarmann

Beate Wiedmann

Kerstin Dengler

Otto Inhester

Karen Kolsmann

Manuela Lautenschläger

Birgit Hennig

Sabrina Beer

Elke Patz

Susanne Sitterberg

Nikolaus Gerdelmann

Harry Wolpert

Stefan Giannis

Katharina Zwingmann

Katrin Müller

Stefan Kleinstück

Annett Horn

Miriam Mashkoori

Elke Schlesselmann (Hrsg.). Dr. Dt. PH

Dipl. Pflegewirtin und Lehrerin für Pflegeberufe.

Im Achterkamp 11

28359 Bremen

Tel.: +49151-44510833

Kontakt: [email protected]

Wichtiger Hinweis: Der Verlag hat gemeinsam mit den Autoren bzw. den Herausgebern große Mühe darauf verwandt, dass alle in diesem Buch enthaltenen Informationen (Programme, Verfahren, Mengen, Dosierungen, Applikationen, Internetlinks etc.) entsprechend dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes abgedruckt oder in digitaler Form wiedergegeben wurden. Trotz sorgfältiger Manuskriptherstellung und Korrektur des Satzes und der digitalen Produkte können Fehler nicht ganz ausgeschlossen werden. Autoren bzw. Herausgeber und Verlag übernehmen infolgedessen keine Verantwortung und keine daraus folgende oder sonstige Haftung, die auf irgendeine Art aus der Benutzung der in dem Werk enthaltenen Informationen oder Teilen davon entsteht. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.

Copyright-Hinweis:

Das E-Book einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar.

Der Nutzer verpflichtet sich, die Urheberrechte anzuerkennen und einzuhalten.

Anregungen und Zuschriften bitte an:

Hogrefe AG

Lektorat Pflege

z.Hd.: Jürgen Georg

Länggass-Strasse 76

3012 Bern

Schweiz

Tel. +41 31 300 45 00

[email protected]

www.hogrefe.ch

Lektorat: Jürgen Georg, Loriana Zeltner

Bearbeitung: Martina Kasper

Herstellung: René Tschirren

Umschlagabbildung: iStock, Dean Mitchell

Umschlag: Claude Borer, Riehen

Satz: punktgenau GmbH, Bühl

Druck und buchbinderische Verarbeitung: Finidr s.r.o., Český Těšín

Printed in Czech Republic

Format: EPUB

1. Auflage

© 2019 Hogrefe Verlag, Bern

(E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-95886-6)

(E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-75886-2)

ISBN 978-3-456-85886-9

http://doi.org/10.1024/85886-000

Nutzungsbedingungen:

Der Erwerber erhält ein einfaches und nicht übertragbares Nutzungsrecht, das ihn zum privaten Gebrauch des E-Books und all der dazugehörigen Dateien berechtigt.

Der Inhalt dieses E-Books darf von dem Kunden vorbehaltlich abweichender zwingender gesetzlicher Regeln weder inhaltlich noch redaktionell verändert werden. Insbesondere darf er Urheberrechtsvermerke, Markenzeichen, digitale Wasserzeichen und andere Rechtsvorbehalte im abgerufenen Inhalt nicht entfernen.

Der Nutzer ist nicht berechtigt, das E-Book – auch nicht auszugsweise – anderen Personen zugänglich zu machen, insbesondere es weiterzuleiten, zu verleihen oder zu vermieten.

Das entgeltliche oder unentgeltliche Einstellen des E-Books ins Internet oder in andere Netzwerke, der Weiterverkauf und/oder jede Art der Nutzung zu kommerziellen Zwecken sind nicht zulässig.

Das Anfertigen von Vervielfältigungen, das Ausdrucken oder Speichern auf anderen Wiedergabegeräten ist nur für den persönlichen Gebrauch gestattet. Dritten darf dadurch kein Zugang ermöglicht werden.

Die Übernahme des gesamten E-Books in eine eigene Print- und/oder Online-Publikation ist nicht gestattet. Die Inhalte des E-Books dürfen nur zu privaten Zwecken und nur auszugsweise kopiert werden.

Diese Bestimmungen gelten gegebenenfalls auch für zum E-Book gehörende Audiodateien.

Anmerkung:

Sofern der Printausgabe eine CD-ROM beigefügt ist, sind die Materialien/Arbeitsblätter, die sich darauf befinden, bereits Bestandteil dieses E-Books.

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Geleitwort

Vorwort

Einleitung

Teil I:Grundlagen, Definition und Modelle von Bewegung, Gesundheit und Verhalten

1 Gesund durch Bewegung

1.1 Definitionen im Rahmen der Gesundheitsforschung

1.2 Körperliche Aktivität im Rahmen von Gesundheitsmodellen

1.3 Ausmaß an körperlicher Aktivität zur Förderung der Gesundheit

1.4 Motivation zur Bewegung

1.4.1 Begriffe der Verhaltensänderung (Motivation, Volition)

1.4.2 Modelle des Gesundheitsverhaltens

1.4.3 Motivationale und volitionale Determinanten der Verhaltensänderung

1.5 Bewegung, physische, psychische Gesundheit und sozialer Kontext

1.5.1 Körperliche Aktivität und physische Gesundheit

1.5.2 Körperliche Aktivität und psychische Gesundheit

1.5.3 Körperliche Aktivität im sozialen Kontext

1.6 Bewegung und Kognition

1.6.1 Kognition und Altern

1.6.2 Effekte von körperlicher Aktivität auf kognitive Prozesse

1.6.3 Exemplarische Übungsauswahl für ein Koordinationstraining zur Schulung kognitiver Fähigkeiten

Teil II:Mobilität in der Pflegewissenschaft und Theorie

2 Bewegung und Mobilität in der Pflegetheorie

2.1 Pflegetheorien und ihre Sicht auf die Mobilität

2.1.1 Virgina Henderson (1897–1996)

2.1.2 Dorothea Orem (1914–2007)

2.1.3 Nancy Roper (1918–2004)

2.1.4 Schwester Liliane Juchli

2.1.5 Monika Krohwinkel

2.1.6 Mieke Grypdonk

2.2 Theoriegeleitete Konzeptentwicklung zur Förderung der individuellen Mobilität

3 Prozess des Bettlägerigwerdens

3.1 Vorarbeiten

3.2 Bettruhe

3.3 Studie

3.4 Studienergebnisse

4 Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“

4.1 Der Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Mobilität

4.2 Inhalte

4.3 Handlungsebenen

4.3.1 Einschätzungsebene

4.3.2 Planungs- und Koordinationsebene

4.3.3 Beratungsebene

4.3.4 Interventionsebene

4.3.5 Evaluationsebene

4.4 Ausblick

Teil III:Pflegediagnosen und Interventionen

5 Pflegediagnose „Beeinträchtigte körperliche Mobilität“ und Interventionen

5.1 Krankenbeobachtung in Bezug auf eine eingeschränkte Mobilität

5.2 Pflegeanamnese in Bezug auf eine eingeschränkte Mobilität

5.3 Klassifikationssysteme in der Pflege

5.4 Pflegediagnose „Beeinträchtigte körperliche Mobilität im Alter“

5.5 Pflegeinterventionen

5.6 Komplexe und spezifische Assessmentinstrumente

5.7 Pflegebedürftigkeitsbegriff und Neues Begutachtungsassessment (NBA)

5.8 Entbürokratisierung in der Pflegedokumentation

5.9 Zusammenfassung

Teil IV:Bewegung bei speziellen Erkrankungen, Problemlagen und Einschränkungen

6 Bewegung aus geriatrischer Sicht

6.1 Die klinische Geriatrie

6.2 Gangstörung und Stürze

6.3 Sarkopenie und Frailty

6.4 Bewegung und Erkrankungen des kardiovaskulären und respiratorischen Systemes

6.5 Erkrankungen des Bewegungsapparates

6.6 Degenerative Gelenkerkrankungen – Arthrosen

6.7 Wirbelsäulen-Syndrome

6.8 Osteoporose

6.9 Alterstraumatologie

6.10 Entzündliche Gelenkerkrankungen

6.11 Störungen der Bewegung durch neurologische Erkrankungen

6.12 Auswirkungen von Multimedikation

7 Bewegung und Demenz

7.1 Bewegungseinschränkungen bei demenziellen Erkrankungen

7.2 Bewegungsauffälligkeiten von Menschen mit Demenz

7.3 Bewegungstherapie und -förderung bei Demenz – Effekte und Programme

8 Mobilitätsförderung von Menschen mit geistiger/psychischer Behinderung

8.1 Mobilität als Voraussetzung zur Teilhabe

8.2 Stationäre Einrichtungen der Eingliederungshilfe

8.3 Kooperierende Leistungserbringer

8.4 Werkstätten für behinderte Menschen

8.5 Mobilitätsförderung durch Heilerziehungspfleger/innen

8.6 Bewohner-/patientenbezogene Hilfsmittel

8.7 Beispiele gelungener und misslungener Praxis

Teil V:Settings der Pflege und Betreuung

9 Mobilität im Krankenhaus

9.1 Rahmenbedingungen im Krankenhaus

9.2 Konsequenzen der Bettlägerigkeit im Intensivbereich

9.3 Frühmobilisierung im Intensivbereich

9.4 Pflegerische oder therapeutische Mobilisation

9.5 Mobilisierung auf allgemeinen Stationen

9.6 Rechtliche Grundlagen und Finanzierung

10 Mobilitätsförderung im Altenheim

10.1 Erhebung der Mobilität

10.2 Interventionen zur Mobilitätsförderung

10.3 Strukturelle Maßnahmen für ein Altenheim

11 Mobilitätsförderung in der häuslichen Pflege

11.1 Rahmenbedingungen der häuslichen Pflege

11.2 Pflegende Angehörige

11.3 Pflegebedürftige Person

11.4 Allgemeine Unterstützungsmöglichkeiten

11.5 Ambulante Pflege in Österreich und der Schweiz

12 Bewegung und Mobilitätsförderung in der täglichen Pflege

12.1 Mobilität ist ein Grundbedürfnis

12.2 Grundlagen der Alltagsaktivitäten

12.3 Kommunikation als Beitrag zur Bewegungsförderung

12.4 Sich bewegen können

12.5 Sich pflegen – die Ganzkörperpflege in Bewegung

12.6 Sich kleiden können

12.7 Sich bewegen und Ausscheidung

12.8 Selbst essen und trinken – ein Beitrag zum Lebensgefühl

12.9 Ruhen und Schlafen – dem Grundbedürfnis nachgehen

12.10 Sich beschäftigen – ein individuelles Bedürfnis

12.11 Die eigene Sexualität leben können

12.12 Für eine sichere und fördernde Umgebung sorgen

12.13 Soziale Kontakte und Beziehungsgestaltung sichern und gestalten können

12.14 Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen und sich dabei entwickeln können

12.15 Ausblick

Teil VI:Hilfsmitteleinsatz zur Unterstützung der Bewegung

13 Beweglichkeit, Bewegung und Mobilität: Unterstützung durch Hilfsmittel und Wohnumfeldgestaltung

13.1 Allgemeine Rahmenbedingungen für einen wirksamen Hilfsmitteleinsatz

13.2 Hilfsmittel sozialrechtlich betrachtet

13.3 Das Hilfsmittelverzeichnis

13.4 Beantragung eines Hilfsmittels bzw. Pflegehilfsmittels

13.5 Hilfsmittel in der stationären Einrichtung der Altenhilfe (Langzeitpflege)

13.6 Hilfsmittelversorgung durch die GKV

13.7 Tipps zur Initiierung und Beantragung von Hilfsmitteln

13.8 Übersicht und Anregungen zum Hilfsmitteleinsatz in der Mobilitätsförderung

13.9 Wohnumfeldanpassung und AAL

14 Kleine Hilfsmittel zur Unterstützung in der Praxis

14.1 Kriterien für den Einsatz von Hilfsmitteln

14.2 Auswahl und Anwendung kleiner Hilfsmittel

15 Versorgung mit Hilfsmitteln in der Schweiz und Österreich

15.1 In der Schweiz

15.2 In Österreich

Teil VII:Spezielle Therapien zur Förderung der Beweglichkeit

16 Bewegung als Grundlage für Kommunikation und Alternativen zur Lautsprache

16.1 Kommunikation und Bewegung

16.2 Interaktion und Kommunikation mit körper- und lautsprachlichen Mitteln

16.3 Unterstützte Kommunikation in der Pflege

16.4 Nachhaltigkeit von Maßnahmen der Unterstützten Kommunikation

17 Bewegung aus logopädischer Sicht

17.1 Atmung

17.2 Stimmgebung und Sprechablauf

17.3 Sprechstörungen

17.4 Sprachstörung

17.5 Schluckstörungen

17.6 Motorisches Lernen

18 Bewegungsförderung aus Sicht der Ergotherapie

18.1 Ergotherapeutischer Behandlungskontext in Deutschland, Österreich und der Schweiz

18.2 Kernelemente der Ergotherapie

18.3 Die ergotherapeutische Behandlung

18.4 Die Betätigungsorientierung der Ergotherapie und Bewegungsförderung

19 Die Rolle der Physiotherapie im pflegerischen Setting

19.1 Kernkompetenzen der Physiotherapie

19.2 Physiotherapie im Bereich der verschiedenen Pflegesettings

19.3 Implementierung der Physiotherapie als feste Instanz in der Institution

19.4 Einsatz der Physiotherapie in der Einrichtung

19.5 Vorteile der Physiotherapie in pflegerischen Teams

Teil VIII: Unterstützung bei der physiologischen Positionierung

20 Das Bobath-Konzept

20.1 Das Strukturmodell des Bobath-Konzeptes

20.2 Therapeutisch aktivierende Pflege

20.3 Gestaltung von Alltagsaktivitäten

20.4 Anwendung des Bobath-Konzepts bei der Aktivität „Bewegung“

20.5 Stabilität für Mobilität

20.6 Anwendung des Bobath-Konzepts bei der Aktivität Körperpflege

20.7 Anwendung des Bobath-Konzeptes bei der Aktivität Positionieren

21 Beweglichkeit erhalten, Komplikationen vermeiden: LiN-Lagerung in Neutralstellung

21.1 Lagerung ist eine pflegerische Leistung

21.2 Entwicklung der Lagerung in Neutralstellung (LiN)

21.3 Studien zur Lagerung in Neutralstellung (LiN)

21.4 Fazit

22 Bewegung aus kinästhetischer Sicht

22.1 Kinästhetik – das Studium der eigenen Bewegung

22.2 Welche Auswirkungen sollen erzielt werden?

22.3 Vom Beziehungsprozess zum Kinaesthetics-Konzeptsystem

22.4 Erfahrungen mit dem Lernmodell im beruflichen Alltag der Pflege

22.4.1 Fallbeispiel 1: Altenpflegerin S. reflektiert ihr Unterstützungsangebot

22.4.2 Fallbeispiel 2: Frau G. lernt ihre Köperspannung zu regulieren, um zum Sitzen zu gelangen

22.4.3 Fallbeispiel 3: Frau N. lernt sich in der Sitzposition fortzubewegen

22.4.4 Fallbeispiel 4: Häusliche Schulung von Herrn N. mit dem Ziel, weniger zu heben

Teil IX:Präventive Bewegungsangebote und Selbstpflege

23 Geräte und Technik für präventive Bewegungsangebote

23.1 Trainingstechnologie in der Pflege: Ressourcen und Barrieren

23.2 Geräte und Technik für die Nutzung unter Aufsicht

23.3 Geräte und Technik mit assistierter Nutzung

23.4 E-Health und Exergames

23.5 Geräte und Technik für die selbstständige Nutzung

24 „Spaziergänge“ durch die Einrichtungen

24.1 Entstehung des Klinikspazierganges

24.2 Spazierpfad „Hoffnung“

25 Tanzen für Menschen mit und ohne Demenz

25.1 Von der Idee zum Projekt und zur bundesweiten Initiative

25.2 Die Dame meines Herzens

25.3 Der Tanznachmittag: Ritual und Flexibilität

25.4 Die bundesweite Initiative

25.5 Unsere Vision – was dahinter steckt

25.6 Schlusswort

26 Implementation von Bewegungsförderung in der stationären Langzeitversorgung

26.1 Perspektive professioneller Akteure

26.2 Potenziale von Bewohnern

26.3 Hilfestellungen zur Implementation

26.4 Ergebnis

27 Selbstpflege – Bewegung für Pflegende

27.1 Die aktuelle Situation in der Pflege und ihre Folgen

27.2 Wie komme ich zur Selbstpflege?

Anhang

Expertenstandard Mobilität in der Pflege

Erfassungsbogen Mobilität – EboMo

Mobilitätsstatus Ortsfixiertheit

Flyer Spurensuche – Eine Entdeckungstour durch die Klinik

Autorenverzeichnis

Sachwortverzeichnis

Geleitwort

Ich freue mich sehr über dieses Buch, es ist seit Jahren überfällig. Mobilität ist die zentrale Pflegekategorie, von ihr hängt vieles Weitere ab. Selbstständigkeit ist eines der höchsten Güter in unserer Gesellschaft, die Verbindung zur Würde ist deutlich. Pflegende sollten mehr wissen über die Bedeutung, den Erhalt und die Förderung von Beweglichkeit. Seit 20 Jahren beschäftige ich mich mit Konzepten, um diese Kategorie in den Mittelpunkt zu stellen. Ich habe gesehen, dass Immobilisierung oft in Akutphasen beginnt und dann in der Langzeitpflege der weitere Niedergang eingeleitet wird. Pflegende sollten deutlich machen, dass sie hier Kompetenz besitzen, Kollegen und Kolleginnen brauchen und die Immobilisierung nicht länger hinnehmen wollen. Oft reichen einfache Maßnahmen der Gangunterstützung aus, dass Menschen selbstständig zur Toilette gehen oder einen anderen Raum aufsuchen können. Immobilität bedeutet Abhängigkeit und Freiheitsentzug. Menschen müssen auf Hilfe warten, werden mit Inkontinenzprodukten versorgt, können sich kein Getränk besorgen, sich nicht in Sicherheit bringen – zumindest im Nahradius sollte die individuelle Beweglichkeit gestützt werden.

Der Expertenstandard „Erhalt und Förderung der Mobilität“ wird in Deutschland in der Langzeitpflege empfohlen. Inzwischen gibt es Überlegungen, die Mobilitätsförderung auch rechtlich relevanter werden zu lassen sowie die Immobilisierung mit Folgen als Schaden oder „Pflegefehler“ zu verstehen. Dies ist begrüssenswert. Zwar sind die Auswirkungen schleichend, aber von enormer Auswirkung.

Dieses Buch richtet sich an alle in der Pflege Arbeitenden, aber auch an die Pflegebedürftigen selbst. Angehörige oder Hilfskräfte können es ebenfalls mit Gewinn lesen und Anregung für weitere Erkundigungen gewinnen. Ich wünsche mir sehr, dass die Pflegepraktizierenden sich mit diesem Buch beschäftigen, dass Studierende und Auszubildende das Werk kennen und dass Manager/Managerinnen und Bildungsverantwortliche, auch an den Hochschulen, aus diesem Buch Aktivitäten ableiten.

Erstmalig sind hier vielfältige Themen zur Mobilität in einem Buch versammelt und unter pflegerischem Aspekt aufgearbeitet: Es geht um die grundsätzliche Bedeutung von Bewegung, um zahlreiche Pflegehinweise und therapeutische Beiträge – alles auf einem neuen Stand.

Dr. Angelika Zegelin, Dortmund im Juli 2018

Krankenschwester, Pflegewissenschaftlerin, vorm. Universität Witten/Herdecke

Vorwort

Bewegung in der Pflegepraxis!

Seit meiner Dissertation im Jahre 2015 lassen mich die Themen „Mobilität“ und „Mobilitätsförderung in der Pflege“ nicht mehr los. Das Ergebnis meiner Prä- und Poststudie: Älteren Pflegeheimbewohnern geht es nach Intensivierung der Mobilitätsbemühungen besser, dies zeigte sich an der eigenen Mobilität und an ihrem gesteigerten Wohlbefinden.

„Bewegungsmangel wird zu einem immer größeren Problem in Deutschland. Waren es laut DKV-Report 2010 noch 60 Prozent, die den Richtwert für körperliche Aktivität erreichten, können sich mit aktuell 43 Prozent nicht einmal mehr die Hälfte aller Deutschen für ausreichend Bewegung begeistern. Damit ebnen sie den Weg für viele zivilisationsbedingte Erkrankungen wie Rückenschmerzen, Übergewicht, Bluthochdruck, verschiedene Krebsarten und Diabetes Typ II. (Presseinformation der Ergo-Group vom 30.07.2018).

Das Problem des Bewegungsmangels besteht in allen Pflegebereichen – vermutlich noch brennender als beim allgemeinen Publikum. Dieses Buch versucht erstmalig, aktuelle Erkenntnisse aus den verschiedensten Bereichen zusammenzutragen, insbesondere aus pflegerischer, sportwissenschaftlicher und therapeutischer Sicht. Ich hoffe, damit Anstoß und Anregung für die Pflegenden am Krankenbett zu geben, die letztlich all die klugen Empfehlungen umsetzen sollen. Ich weiß, wie sehr sie unter Druck stehen. Aber: Mehr Selbstständigkeit und Beweglichkeit verbessern nicht nur Lebensfreude und Gesundheit der Patienten, sondern erleichtern auch die Arbeit der Pflegenden!

Ich danke Angelika Zegelin, dass sie den Auftrag für diese Monografie an mich herangetragen hat!

Mein ganz besonderer Dank gilt Herrn Dr. Schottky, mit dem ich bereits viele Jahre zusammenarbeite. Unsere Wege haben sich bei der Bremer Heimstiftung gekreuzt. Unser erstes gemeinsames Projekt war die Überprüfung des Schmerzmanagements bei über 100 hochaltrigen Menschen. Hierdurch sind wir letzendlich auf das Thema der Bewegung gestoßen, denn Bewegungslosigkeit kann Ursache und Folge von Schmerzen sein. Dr. Schottkys besonnene Art, sein professioneller und wissenschaftlicher Blick waren für mich stets der Antrieb, Phänomene genauer zu beleuchten und auch „am Ball zu bleiben“.

Dank auch an meine liebe Familie, die mir immer wieder Zeiten eingeräumt hat, in denen ich arbeiten konnte. Vielen Dank an die Autoren, deren Begeisterung und Motivation für dieses Thema in den einzelnen Kapiteln deutlich wird.

Dr. Elke Schlesselmann, Bremen im Juli 2018

Einleitung

Elke Schlesselmann

„Mobilität“ bedeutet im Wortsinn zunächst nichts Anderes als „Beweglichkeit“. Die in unserem Zusammenhang gebrauchte Bedeutung ist allerdings sehr viel enger, etwa „körperliche Bewegung [des Menschen] für die Gesundheit“. Auf einen umfassenderen Begriff von „Mobilität“ kommen wir im weiteren Verlauf des Buches zu sprechen.

Dass Bewegungsmangel krank macht, scheint altes Volkswissen zu sein. Darauf verweist die schöne Geschichte „Der geheilte Patient“ von Johann Peter Hebel im Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes: „Ein reicher Mann, faul hinter dem Ofen sitzend, war, wie es heißt, nicht recht gesund und nicht recht krank; wenn man aber ihn selber hörte, so hatte er 365 Krankheiten, nämlich alle Tage eine andere.“

Er hörte von einem berühmten Arzt, der „100 Stunden weit entfernt wohnte“, und fragte bei ihm an. Der war auch bereit, ihn zu behandeln, allerdings unter der Bedingung, dass der Patient die Anreise zu Fuß machte. Nicht überraschend: Nach dem wochenlangen Fußmarsch war der Patient geheilt.

Genauso hält die körperliche Bewegung auch das Gehirn in Bewegung. Schon Aristoteles schlenderte mit seinen Schülern beim Philosophieren durch die Wandelhallen. Bewegung bringt die Gedanken in Fluss und inspiriert zu neuen Ideen, dies wussten bereits die alten Griechen.

Der Grund ist, dass bei der Bewegung ganz andere Areale im Gehirn gefordert sind, so dass der Kopf sich nach dem Sport wie „frei“ anfühlt, „wie ein reset“. Experimente des Hirnforschers Stefan Schneider deuten darauf hin, dass sich durch Sport die Hirnaktivität verändert: Der motorische Cortex, Zentrale für Bewegung und Koordination, wird aktiviert, wobei gleichzeitig die Aktivität des präfrontalen Cortex heruntergefahren wird. Der präfrontale Cortex ist für das logische Denken und Planen zuständig.

Wird kontinuierlich (dreimal die Woche) Ausdauertraining durchgeführt, können sogar die räumliche Vorstellungskraft sowie die Konzentrationsfähigkeit deutlich verbessert werden. Eine Arbeitsgruppe an der Universität Ulm konnte zeigen: Bewegung hellt die Stimmung auf.

Es sollte allerdings noch über 150 Jahre dauern, bis die Schädlichkeit von Bewegungsmangel und Bettruhe im Weltbild der Medizin ankam.

Bettruhe galt als unhinterfragte Standard-Basisbehandlung für jede Art von Leiden und dieser „Standard“ ist heute noch keineswegs überwunden (Zegelin, s. Kap. 3).

„Zurück zur Bewegung“, auch und gerade in Medizin und Pflege – dazu möchte dieses Buch einen Beitrag leisten.

Die Not ist größer geworden. Denn die zivilisatorische Entwicklung bringt mittlerweile ganz neue Probleme mit sich: Parallel zur Entwicklung einer wirksamen Medizin seit der Mitte des 19. Jh. gab es mehrere Schübe von Bewegungsverlust. Wir haben die „Sitzepidemie“! Dieser Trend ist bekannt, und die Suche nach Korrekturen nicht neu. In diesem Buch werden vielfältige Ansätze beschrieben, die Bewegung im Alltag sowie in den unterschiedlichen Pflegesettings zu fördern. Zu den Beiträgen in diesem Buch:

Gesundheit

Einleitend in diesem Buch stellen Müller und Voelcker-Rehage die „reinen“ Gesundheitsaspekte von körperlicher Bewegung vor, die für alle Altersgruppen, für Gesunde und Kranke, kognitiv Intakte und Menschen mit Demenz gelten (s. Kap. 1). Für alte Menschen gibt es inzwischen klare ärztliche Empfehlungen, welches Minimum an körperlicher Bewegung nicht unterschritten werden sollte.

Dabei sind drei Aspekte wichtig: Wie bekomme ich diejenigen, die es am dringendsten brauchen, aus dem Sessel, welche Bedeutung hat Bewegung im sozialen Zusammenhang, und welche Wirkung hat körperliche Bewegung auf den Erhalt der kognitiven Fähigkeiten.

Gesund im Alter

Viele Erkrankungen treten mit zunehmendem Alter häufiger auf, sie sind „Alterskrankheiten“. Oft sind sie schicksalhaft und nicht heilbar, erfordern jedoch nichtsdestoweniger Behandlung – zur Linderung und „Symptomkontrolle“, aber auch, um ein Fortschreiten zumindest aufzuhalten. Das ist Aufgabe der Geriatrie. So ist es angemessen, den Erörterungen über mögliche Hilfen, Therapien und Prophylaxen einen Überblick über die häufigsten Alterskrankheiten voranzustellen (s. Kap. 6). Ein großer Teil der sogenannten Alterskrankheiten betrifft die Beweglichkeit, zentral über das Nervensystem sowie peripher über die Funktionseinbußen des Bewegungsapparates.

Ganz unterschiedliche Ansätze sind geeignet, dem alten Menschen Freude an der Bewegung zu verschaffen oder sie ihm zurückzugeben. Geselligkeit ist ein wichtiger Antrieb. Vieles kann man zusammen tun, Spazierengehen z.B. (Zegelin, s. Kap. 24), und Tanzen (Kleinstück, s. Kap. 25). „Wir tanzen wieder“, die Initiative von Stefan Kleinstück, hat überdies die Komponente der Musik, die unabhängig vom Sprachlichen funktioniert und besonders wertvoll für Menschen mit Demenz ist. Die Beschreibung zeigt allerdings, wieviel Arbeit nötig ist, um so etwas auf die Beine zu stellen.

Auf der anderen Seite gibt es „technische Geräte“, die die Mobilität fördern. Zunächst im Sport, dann in der Fitnessindustrie und jetzt auch in der Pflege dienen hierzu Trainingsgeräte (Zwingmann, s. Kap. 23).

Theorie und Pflegeethik

Haben die Pflegetheorien Bedeutung für das sehr praktische Problem der Mobilitätsförderung in der Pflege? Diese Frage wird eindeutig mit ja beantwortet (s. Kap. 2) und öffnet die Tür zum eigenen Urteil, auch in ethischer Hinsicht.

Pflege

Pflegeaufwand und Immobilität stehen in direkter Beziehung: Je weniger beweglich ein Mensch ist, desto mehr Aufwand braucht die Pflege. Die Extreme sind die Krankheitsbilder:

Locked-in-Syndromhohe Querschnittslähmungfortgeschrittene Amyotrophe Lateralskleroseein bestimmter Anteil der Wachkoma-Patienten.

Die beiden erstgenannten gehören zusammen, Locked-in kann als extreme Form von Querschnittslähmung gelten. Alle können nur mit maschineller Beatmung überleben, alle sind fast oder ganz unbeweglich. Der hohe Querschnitt kann als unerträgliches Gefängnis erlebt werden, mit ausgeprägtem und anhaltendem Suizidwunsch (Film: „Das Meer in mir“). Locked-in-Patienten können meist mit einem Rest von Augenmuskel-Beweglichkeit kommunizieren (berühmtes Beispiel: „Schmetterling und Taucherglocke“ von Jean Dominique Bauby). Überraschenderweise sind etwa zwei Drittel der Locked-in-Patienten mit ihrem Dasein zufrieden. Das lässt manche Patientenverfügung als problematisch erscheinen, denn ein Gesunder kann sich ein Leben in extremer Abhängigkeit nicht wirklich vorstellen. Wenn die Situation eingetreten ist, kann der Überlebenswunsch stärker sein, als er oder sie sich je vorgestellt hat. So ist in solchen Extremsituationen die Kommunikation mit dem oder der Kranken der Angelpunkt für eine ethisch sinnvolle Entscheidung.

Das gilt in besonderem Maße für den geringen Prozentsatz von Wachkoma-Patienten, die bei Bewusstsein sind, sich aber überhaupt nicht äußern können (ca. 20%). Für diese Gruppe haben sich inzwischen neue Wege der Kommunikation und Diagnostik erschlossen (Hennig, s. Kap. 16).

Zwischen diesen Formen extremer Immobilität, sprich Abhängigkeit, und einem gesunden Alter, das durch Mobilität möglichst auch gesund bleiben soll, liegt das weite Spektrum, mit dem Pflege zu tun hat. Damit ist sie natürlich nicht allein. Die Medizin, die begleitenden Therapien und die unbezahlten Helfer, und vor allem die Angehörigen, sind unentbehrliche Stützen. Und ganz klar: Ohne Absprachen und Austausch wird man nichts erreichen.

Aber die Pflege hat eben auch sehr spezifische Aufgaben, die sie kaum delegieren kann. Horn und Mashkoori zeigen (s. Kap. 26), welche Defizite in Sachen Mobilitätsförderung in der Pflegepraxis bestehen, welche Voraussetzungen eine wirksame Förderung braucht, und welche Methoden geeignet sind, da Abhilfe zu schaffen.

Bilder von der praktischen Arbeit im Krankenhaus vermitteln die Aufsätze von Dengler (s. Kap. 12) sowie Nydahl und Klarmann (s. Kap. 9).

Nydahl und Klarmann schildern die Bewegungsförderung auf der Intensivstation, einschließlich der Beatmungspatienten. Jahrzehnte lang lag der beatmete Patient ganz selbstverständlich mehr oder weniger sediert im Bett, allenfalls passiv bewegt. Die Folge war ein langer Schatten von Folgeschäden, deren Reparatur viele Monate dauerte – wenn sie denn überhaupt gelang.

Besondere Gruppen

Einige Gruppen von Pflegebedürftigen erfordern besondere Expertise. Das sind einmal die Menschen mit Demenz, von denen ein kleinerer Anteil motorische Unruhe, die Tendenz zum „Wandern“, zeigt. Sie sind eine Ausnahme in unserem Zusammenhang, denn meist ist das therapeutische Ziel ja grade die Steigerung der motorischen Aktivität. Einen ungemein erhellenden Aufsatz über die motorischen Auffälligkeiten bei Menschen mit Demenz schreibt Radzey (s. Kap. 7), die langjährige Erfahrung auf diesem Gebiet hat. Schlüssel zum Umgang ist das Verständnis der Bedeutung, die das Wandern für die Kranken hat.

Eine weitere Gruppe, die besondere Expertise für eine adäquate Betreuung braucht, stellen die Menschen mit geistiger Behinderung dar (s. Kap. 8). Schlüssel auch hier: Das einfühlende Verständnis für den Betreffenden, das die passenden und weiterführenden Lösungen ermöglicht.

Im Zusammenhang mit der demenziellen Erkrankung ist die Schluckstörung zu erwähnen. Die Fähigkeit zu schlucken nimmt häufig im Laufe einer demenziellen Erkrankung ab (s. Kap. 7).

Kunst der Pflege, Kunst der Bewegung

Verschiedene „Schulen“ haben Zugänge zu einem vertieften Verständnis von Bewegung und Körperstellung entwickelt. Der Ansatz der Kinästhetik geht von einer exakten Selbstwahrnehmung der eigenen Bewegungsabläufe aus, die dann in die ergonomische und kommunikative Vervollkommnung mündet (Giannis, s. Kap. 22).

Die Bobath-Bewegung entstand aus dem ärztlichen Bemühen um Menschen mit motorischen Ausfällen durch neurologische Erkrankungen. Daraus ist inzwischen ein umfangreiches und ungemein praktisches Wissensgebiet entstanden, das überall in die allgemeine Pflegepraxis ausstrahlt (Gerdelmann, s. Kap. 20).

Bei der Lagerung in Neutralstellung (LiN) verhält es sich ähnlich – auch sie ist Bestandteil der allgemeinen Pflege geworden. Ihr Ziel ist, Kranke so zu lagern, dass der Auflagedruck nirgends kritische Werte überschreitet, und dass die Gelenke weder schmerzen noch Kontrakturen entwickeln (s. Kap. 21). Der Zusammenhang mit dem Thema Bewegung ergibt sich zwanglos daraus, dass ein Mensch ohne schmerzende oder kontrakte Gelenke sich leichter und lieber bewegt.

Kommunikation

Vielen Arbeiten in dieser Monografie ist ein überzeugend humaner Ansatz gemeinsam: Der Gedanke nämlich, sich mit dem oder der Pflegebedürftigen zunächst zu verständigen, auf verschiedene Weise und verschiedenen Ebenen. Bei der Wiederherstellung der Motorik der neurologisch schwer Geschädigten nimmt Dengler (s. Kap. 12) vor allem in der Berührung einen subtilen Dialog mit dem betroffenen Menschen auf. Kinästhetik stellt vor der eigentlichen Bewegungsaktion den Kontakt mit dem Menschen her (s. Kap. 22 „Fingertanz“). So werden die so alltäglichen und banal erscheinenden pflegerischen Abläufe zu Gesprächen, sie lassen den erkrankten Menschen teilhaben an dem, was folgt.

Selbstwert und Lebensqualität

Pflege stellt insofern ein Stück Lebensqualität wieder her, Teilhabe könnte man ganz allgemein als das soziale Element von Lebensqualität auffassen. Ein ebenbürtiger Begriff ist die Betätigung, wie er von der Ergotherapie – und nur von ihr – eingebracht wird. Der Wunsch nach Betätigung ebenso wie das Recht darauf sind die Themen von Patz (s. Kap. 18). Betätigung bindet die Pflegebedürftigen ins soziale Gewebe ein, auch sie ist ein Element von Teilhabe.

Freiheit

Mit „Mobilität“ meinen wir ja keineswegs nur die Fähigkeit, unseren anatomischen Bewegungsapparat zu betätigen, sondern auch, uns dahin zu bewegen, wo wir hinwollen. Allein das Bewusstsein, den Ort wählen zu können, den Ort, an dem man ist, zu verlassen, ist ein unschätzbarer, wenn auch häufig nur subjektiver Wert. Denn natürlich nehmen wir nur eine bescheidene Auswahl der Möglichkeiten wahr, manchmal auch gar keine – es genügt, wählen zu können.

Hilfe zur Unterstützung bei der Bewegungsfähigkeit beschreiben Inhester, Kolsmann und Lautenschläger (s. Kap. 13).

Unterstützung bei Pflegebedürftigkeit

Vor allem auch für die häusliche Pflege ist die Frage wichtig: Welche Unterstützung ist möglich, was wird finanziert? Zweidrittel der Pflege wird immer noch – meist von nahen Angehörigen – zu Hause geleistet. Diese brauchen Hilfe, und sie steht ihnen zu. Viele Hinweise, zu Beratung und Finanzierung gibt Herr Inhester (s. Kap. 13), auch über die österreichischen und schweizerischen Verhältnisse (s. Kap. 15).

Die kleinen Hilfen

Schließlich die „kleinen Hilfen“, die unentbehrlichen kleinen Helfer im Pflegealltag, zum Lagern, Betten, Aus-dem-Bett-Bewegen. Sie sind eher passive Hilfen für den Pflegebedürftigen, für eine schonende und schmerzarme Umlagerung bei der Pflege, wichtig aber auch vor allem fürs rückenschonende Arbeiten der Pflegenden (s. Kap. 14, Wiedmann).

Selbstpflege

Der „Pflegenotstand“ ist in aller Munde, er ist sogar zum Politikum geworden. Die meisten Pflegenden machen ihre Arbeit gerne und lieben diesen Beruf, der so nah am Menschen ist. Da mögen die kleinen Tricks und Hilfen, die Wiedmann (s. Kap. 27) beschreibt, dabei helfen, im Pflegealltag besser zurechtzukommen, Atem zu holen und bei der Stange zu bleiben.

Was die Stellenbesetzung mit Fachkräften betrifft, kann man eine einfache Rechnung aufmachen: Wenn die Verweildauer der Pflegenden im Beruf durch bessere Bedingungen und bessere Bezahlung nur um 10% verlängert würde, hätten wir keinen Fachkräftemangel mehr. Sicherlich tragen Wiedmanns Ideen dazu bei, ihren Kolleginnen und Kollegen das Leben zu erleichtern.

Beim Stichwort „Selbstpflege“ komme ich auf das Physiotherapie-Modell von Frau Sitterberg in Vechta zurück (s. Kap. 19). Dort ist die Physiotherapie in die Einrichtung integriert, die dort Tätigen sind Angestellte des Hauses. Das bedeutet nicht nur, dass sie ein ganz anderes Maß von Zuständigkeit für die ihnen anvertrauten Menschen entwickeln, sondern bietet die ideale Möglichkeit, die Pflegenden (und sonstigen Angestellten) „mitzupflegen“, sie zu gemeinschaftlichem Sport zu begeistern und individuell zu betreuen, wenn sie z.B. Rückenschmerzen haben. Ein Modell, das Schule machen sollte, denn man darf vermuten, dass es sich nicht nur in einer Hinsicht auszahlt.

Motivation als Schlüsselfaktor

Wer in Bewegung kommen soll, muss seinerseits dazu erst bewegt werden. Und genau dazu sind viele Menschen aus sich heraus kaum in der Lage. Dieses überaus verbreitete Problem ist Gegenstand der Motivationsforschung. Einige Aspekte dieser Thematik und unterschiedliche Motivationsansätze stellen Müller und Voelcker-Rehage vor (s. Kap. 1).

In den Institutionen der Alten- und Langzeitpflege obliegt es den Pflegenden, den Mangel an innerem Antrieb ganz oder teilweise zu ersetzen, durch äußere Anreize, aber auch durch das Bereitstellen der Möglichkeit, sich überhaupt in ansprechender Form intensiv zu bewegen. Die Pflegenden brauchen ihrerseits den Antrieb, den Willen und den Schwung, Bewegungsförderung in Gang zu bringen. Auch sie müssen nicht nur geschult, sondern eben auch motiviert werden.

Motivation wird damit ganz allgemein zum Schlüsselfaktor der Bewegungsförderung. Forschungsergebnisse helfen hier nur begrenzt weiter, die Früchte der Motivationsforschung sind nicht eben reichlich.

Daher stellen wir an diese markante Textstelle, mnemotechnisch günstig und leicht auffindbar, eine kurze Liste von Faktoren, die Motivation fördern, bahnen oder überhaupt ermöglichen:

einen festen Zeitplan aufstellenunbedingte Regelmäßigkeit anstreben – jede feste Gewohnheit senkt die HemmschwelleBewegung soll Spaß machen Geselligkeit – viele Menschen machen lieber etwas im Team oder in GemeinschaftBelohnungZiele definieren – nicht zu hoch, aber auch nicht zu bequem erreichbar, und angemessen steigerbareinladende Umgebung, eventuell Musik-Begleitungpädagogisch befähigte Leitung

Teil I:Grundlagen, Definition und Modelle von Bewegung, Gesundheit und Verhalten