Bilder aus dem Ehestandsleben im Orient - Heinrich von Maltzan - E-Book

Bilder aus dem Ehestandsleben im Orient E-Book

Heinrich von Maltzan

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Beschreibung

In "Bilder aus dem Ehestandsleben im Orient" entführt Heinrich von Maltzan seine Leser in die facettenreiche Welt der orientalischen Ehe und Familienverhältnisse. Der Autor verbindet intensive Beobachtungen mit eindringlichen Beschreibungen und vermittelt ein lebhaftes Bild der sozialen und kulturellen Dynamiken, die das Leben in diesen Regionen prägen. Maltzans stilistische Raffinesse spiegelt sich in seiner Fähigkeit wider, das Alltägliche mit tiefgründigen Einsichten zu verweben, und verleiht dem Werk sowohl literarischen als auch ethnographischen Wert. Dabei bleibt er stets sensibel gegenüber den komplexen Traditionen und Lebensweisen, die das Bild vom Orient erzeugen und herausfordern. Heinrich von Maltzan, ein deutscher Reisender und Autor des 19. Jahrhunderts, ließ sich von seinen Erfahrungen während mehrerer Reisen in den Orient zu diesem eindrucksvollen Werk inspirieren. Sein umfassendes Wissen über die Kultur, Religion und die sozialen Strukturen dieser Regionen, kombiniert mit einem kritischen Blick auf westliche Vorstellungen von Exotik, verleiht dem Buch eine bemerkenswerte Tiefe und Relevanz. In seiner Person vereinen sich eine Leidenschaft für das Reisen und ein Interesse an anthropologischen Fragestellungen, die seine Schilderungen mit Authentizität bereichern. "Bilder aus dem Ehestandsleben im Orient" ist ein unverzichtbares Werk für Leser, die ein tieferes Verständnis der orientalischen Gesellschaft erlangen möchten. Die geschickte Verknüpfung von persönlicher Erzählung und sozialwissenschaftlicher Analyse macht das Buch nicht nur unterhaltsam, sondern auch lehrreich. Es empfiehlt sich sowohl für wissenschaftliche Interessierte als auch für Neugierige, die an Geschichte und Kultur interessiert sind.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Heinrich von Maltzan

Bilder aus dem Ehestandsleben im Orient

Kulturelle Einblicke und Lebensweisen: Haremleben und Polygamie im 19. Jahrhundert
Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2024
EAN 8596547846727

Inhaltsverzeichnis

Cover
Titelblatt
Text
Nr. 1. Eine Todtschlägerin. – Frauenfeindschaft in vielweibigen Ehen. – Zauberei als Mittel, eine Nebenbuhlerin hinwegzuräumen. – Wie sich ein Magier zu helfen weiß. – Hochzeit und Brauttoilette im Orient. – Scene mit dem Schnupftuch. – Eifersucht arabischer Ehemänner. – Die Rache eines geschiedenen Ehemannes.

Vor einigen Monaten stand vor dem Gericht in Algier eine hübsche junge Kabylin, etwa achtzehn Jahre alt, deren für eine Landbewohnerin feine und zarte Züge das Herz der Zuschauer zum Mitgefühl stimmten und selbst auf die Richter nicht ohne Eindruck blieben. Was hatte diese Schöne verbrochen? „O, eine Kleinigkeit!“ würde ein Eingeborener geantwortet haben. Sie hatte nur ihre Mitgattin mit einer Axt todtgeschlagen. Das klingt allerdings schrecklich, wenn man es so trocken und ohne die begleitenden Nebenumstände aussagt. Aber in Wirklichkeit war die Angeklagte mehr zu bedauern, als zu verdammen. Sie war ein Opfer der traurigen Umstände geworden, welche nicht selten die Vielweiberei im Gefolge hat.

Tessalit, so hieß die junge Kabylin, war noch ein halbes Kind, als sie an einen Mann verheirathet wurde, der sich bereits einer älteren Ehehälfte erfreute. Letztere, Chadidscha genannt, wird als eine wahre Xanthippe geschildert. Gegen ihren Mann wagte sie freilich nicht allzu derb aufzutreten. Darin verstehen die Kabylen keinen Spaß. Sie mußte es dulden, daß dieser eine zweite Frau nahm, welche ihr an Schönheit und Liebenswürdigkeit überlegen war, und folglich von dem Gatten mehr geliebt wurde, als sie. Aber der armen Tessalit schwur sie Rache. Dazu fand sich eine gute Gelegenheit, als bald darauf der Ehemann wegen einiger falschen Begriffe über „Mein und Dein“ zu fünf Jahren Gefängniß verurtheilt wurde. Tessalit ahnte, was ihr bevorstand, und floh deshalb zu ihrem Vater. Aber der Gatte ließ sie durch einen seiner Brüder zurückbringen. Als sie kam, wies ihr zwar ihre liebenswürdige Mitgattin die Thür, was ihr sehr willkommen gewesen wäre, wenn sie dadurch die Möglichkeit zur Rückkehr zu ihren Eltern erlangt hätte. Aber nein! Die Xanthippe wußte, daß sie es dort gut hatte. Sie sollte es aber schlecht haben. Darum zeigte sie derselben die Thür und zwang sie, vor dem Hause und zwar im ummauerten Hofe zu bleiben und auch die kältesten und regnerischsten Nächte dort unter freiem Himmel zuzubringen. Sie sah sie nur als ihre Gefangene an, an der sie ihr Müthchen kühlen konnte. Die Zeugen melden von einer Reihe haarsträubender Mißhandlungen, denen die Aermste nun unterworfen wurde: tägliche Schläge, Brennen mit glühenden Kohlen, Hungerleiden und dergleichen mehr. Endlich faßte sich Tessalit ein Herz und machte einen Fluchtversuch. Aber Chadidscha kam ihr nach, überfiel sie mit einem Beil und versetzte ihr damit einige Hiebe. Da indeß der Zorn ihre Hand unsicher machte, so behielt das Opfer doch Kraft genug, ihr das Beil zu entwinden und sich mit demselben gegen die Wüthende zu wehren. Dabei fiel der tödtliche Schlag, der dem Dasein der Xanthippe ein Ende machte. Es war kaum mehr als Nothwehr. Das Gericht faßte es freilich als einen Todtschlag, jedoch unter mildernden Umständen begangen, auf, und verurtheilte sie zu einem Jahr Gefängniß. Nach europäischen Begriffen mag dies hart scheinen. Aber sie konnte ihrem Schöpfer danken, daß sie nicht vor ein arabisches Gericht gestellt worden war, denn ein solches urtheilt nur nach der Thatsache, daß man überhaupt den Tod eines Menschen verursacht hat, und hätte ihr Vergehen wie Mord bestraft.

Dergleichen traurige Ereignisse sind leider in den vielweibigen Ehen keine Seltenheit, wohlverstanden bei den Orientalen. Wie es damit bei den Mormonen und den Secten, welche dem Manne gestatten, mehrere sogenannte „Seelenbräute“ zu besitzen, hergeht, weiß ich nicht zu sagen. Möglich, daß die Mystik über die Eifersucht siegt. Aber die Orientalinnen wissen nichts von Spiritualismus und sind sehr materiell eifersüchtig, äußern auch diese Eifersucht oft auf sehr materielle Weise, wenngleich nicht gerade immer mit Axt und Beil, Gift und Dolch, was übrigens auch keineswegs selten ist.

Bei solchen Gesinnungen ist es manchmal ein Glück, wenn diese Schönen an irgend einem Aberglauben hängen, den sie ihren Rivalinnen gegenüber zur Hülfe rufen; dann wenigstens geschieht den letzteren dabei nur eingebildetes Leid. Ich erinnere mich eines Fekihs[1] aus Marokko, der aber in Dschedda in Arabien lebte und ein ziemlich gutes Geschäft mit dem Ausbeuten des Aberglaubens im Allgemeinen und der abergläubischen Praktiken in Ehestandssachen im Besonderen machte. Dieser Mann wurde vielfach von eifersüchtigen Gattinnen besucht, die ihn gut bezahlten, damit er ihren Rivalinnen einen Schabernak zufüge, und manchmal mehr als einen Schabernak, wenigstens in der Absicht. Ich hatte ihn in Algerien gekannt; als ich ihn in Dschedda wiedertraf, lud er mich in sein Haus ein, um mir verschiedene Raritäten zu zeigen, mit denen er nebenher Handel trieb. Was mir unter seinen Merkwürdigkeiten am meisten auffiel, war eine Anzahl höchst ungestalter kleiner Wachsfiguren, so roh wie die Götzenbilder von Völkern, die auf der tiefsten Kunst- und Culturstufe stehen. Es war übrigens unverkennbar, daß sie weibliche Wesen vorstellen sollten. Ich fragte ihn, was wohl der Zweck dieser Figürchen sein könne. Diese Frage setzte ihn in einige Verlegenheit; daran merkte ich, daß es sich wohl um irgend einen Aberglauben, von seiner Seite natürlich nur um eine Betrügerei handele, die er doch nicht einem Europäer gegenüber eingestehen mochte. Zum Glück überhob mich jedoch die Ankunft eines Kunden aller weiteren Fragen. Dieser Kunde war ein junger Mann, der, wie ich bald merkte, nur als Beauftragter seiner Schwester, der Gattin eines angesehenen Arabers, kam. Er schien ziemlich aufgeregt und mit dem Fekih unzufrieden, so daß er diesen gleich am Anfang mit einem Wortschwall von Vorwürfen überschüttete. Darüber vergaß Letzterer gänzlich meine Anwesenheit, und so wurde ich gegen seine Absicht Zeuge einer der sonderbarsten abergläubischen Handlungen, die ich jemals gesehen habe. Es war viel von einer „Puppe“ die Rede, mit welcher der Fekih versprochen hatte, irgend welche mysteriöse Dinge vorzunehmen. Aber dieses Versprechen schien er nicht gehalten zu haben. Wenigstens sagten dies die Worte des jungen Arabers:

„Du Schurke!“ so rief er, „Du Betrüger! Du hast das Geld meiner Schwester genommen und doch nicht Deine Zusage gehalten.“

Der Magier schwur bei Allem, was dem Muselmanne heilig ist, daß er es doch gethan habe. Aber der Araber wollte Näheres wissen.

„Hast Du sie vergiftet?“ frug er.

Der Fekih betheuerte, es gethan zu haben. Ich schauderte. Wer war hier vergiftet worden? Jedoch mein Schrecken sollte sich bald legen, denn die Sache war nicht so gefährlich, wie sie lautete.

Der Araber fuhr fort zu fragen: „Hast Du ihr einen Dolch in’s Herz gestoßen?“

Statt aller Antwort hob der Zauberer einen Schleier, der ein kleines Figürchen, ganz den oben geschilderten Wachsbildern gleich, bedeckte. Es stellte gleichfalls eine Frau dar, was man trotz der Plumpheit der Ausführung deutlich sah. Diese kleine Frau von Wachs war mit einem grünlichen Safte überzogen. Das sollte wahrscheinlich das Gift sein. Außerdem hatte sie eine Stecknadel in der Brust stecken, das war der in’s Herz gestoßene Dolch!