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Die Publikation enthält umfassende Angaben zur Geographie, Kultur und ethnographisch-historischen Entwicklung der Region. Von der detaillierten geologischen Beschreibung durch Friedrich Freiherr von Hüne über die Darstellung archäologischer Untersuchungen durch Dr. Carl Schuchhardt zur Tradition und zu den alltäglichen Gewohnheiten der Dobrudschadeutschen, beschrieben von Dr. Paul Traeger. Dieses Kapitel wird besonders eingehend behandelt. Das letzte Kapitel befasst sich mit Kriegsberichten aus dem Hauptquartier, wobei die Offensive, der Durchbruch und die Verfolgung die Schwerpunkte bilden.
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Seitenzahl: 361
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Überblick über die Geologie der Dobrudscha
Die Säugetiere und Vögel der Dobrudscha
Die Donau und das Schwarze Meer
Die Fischerei im Gebiet der Dobrudscha
Die wirtschaftliche Bedeutung der Dobrudscha
Altertumsforschung in der Dobrudscha
Studien über die Dobrudscha
Ein Weihnachtsfest in der Dobrudscha vor 32 Jahren
Der Dobrudscha-Feldzug
Die Dobrudscha
Von Friedrich Freiherr von Huene, a. o. Professor an der Universität Tübingen, Leutnant der Landwehr.
In dem Winkel zwischen dem vielverzweigten untersten Donaulauf und dem Delta des Riesenstromes liegt die Dobrudscha, auf einer Karte Europas nur ein unscheinbares Fleckchen am Schwarzen Meer. Im Norden umgeben von den weiten Getreideländern Bessarabiens, im Westen von den fruchtbaren Ebenen der Walachei, sollte man auch in der Dobrudscha, zunächst beim Donaudelta, die Fortsetzung jener Ebenen erwarten. Das ist aber nicht der Fall, sondern steil und schroff erhebt sich ein Gebirge im Winkel der Donau. Auch nach Süden hin ziehen sich langgestreckte Erhebungen, die wesentlich höher sind als die angrenzende walachische Ebene. So ist die Dobrudscha schon dem unbefangenen Auge auffallend. Es stellt sich also von selbst die Frage: Wie ist dies zustande gekommen? Warum diese Abweichung von der sonstigen Umgebung? Die genauere Betrachtung der geologischen Verhältnisse wird auf solche Fragen die Antwort nicht schuldig bleiben. Die Geologie der Dobrudscha ist sogar eine ungewöhnlich mannigfaltige und interessante, die jedoch nur in ihren großen Zusammenhängen mit den Nachbargebieten und -gebirgen richtig aufgefaßt werden kann.
Kommt man mit der Eisenbahn von Varna her in die Dobrudscha, so befindet man sich jenseits der bulgarischen Grenze auf einer baumlosen, flachwelligen Hochfläche von 300—100 Meter Höhe, die sowohl nach dem Meere wie auch nach der Donau sich etwas senkt. Namentlich nach der Donau sind zahlreiche zum großen Teil trockene Täler eingerissen. Die Küste bildet einen steilen, meist felsigen Absturz. Einen Hauptabschnitt bildet die große Quersenke, die von der Donau bei Cernavoda über Medgidia und Murfatlar sich bis in die Nähe von Konstanza erstreckt. Von manchem wird dieses Tal für einen alten Donauarm gehalten; die Entstehung ist jedoch eine andere. Felsige und zum Teil pittoreske Ufer begleiten die Donau von Süden her bis Harsova.
Dobrudschasteppe
Strand bei Mangalia
Strand bei Mangalia
Bei Cernavoda erheben sie sich mehr als 100 Meter über den Strom. Südlich sind sie höher, nach Norden nehmen sie ab.
Strand bei Mangalia
Von der Valea Carasu bei Medgidia bis an die waldigen Höhen der Linie Cap Dolojman—Ceamurli de Sus—Topolog erstreckt sich das flachwellige Land. Nördlich von Konstanza wird die Küste flach und ist von verschiedenen Strandseen begleitet, die nach Norden hin schön mit dem Donaudelta zusammenhängen. Von dem malerischen Tasaulsee zieht nach Nordwesten ein felsiger Höhenzug bis zum Cara Tepe Bair, der von der Straße Pazarli—Chirislic, einer der romantischsten, die man sich denken kann, durchquert wird. Westlich von hier liegt der Alah Bair mit seinen interessanten Schluchten. So kommt Abwechslung in den sonst recht eintönigen Abschnitt zwischen Medgidia und dem nördlichen Waldgebirge.
Löß Abhang am alten Sumpfboden zwischen Cernavoda und Medgidia
Fährt man auf der Straße von Konstanza nach Babadag, so hat man auf der Höhe zwischen Sariut und Principele Nicolae zum ersten Mal in der Dobrudscha den Eindruck, ein richtiges Gebirge, ein bewaldetes Mittelgebirge vor sich zu haben. Es sind flache Bergflächen, mit tief und steil eingeschnittenen Tälern, ein typisches Tafelgebirge. Nach Norden wird es begrenzt von der Linie Babadag—Baschioi—Orthachioi—Satoul Nou. Durch die beiden Täler von Ciucurova und von Baspunar wird das Gebirge in der Längsrichtung gegliedert.
Der noch übrige schönste Teil der Norddobrudscha zerfällt in einen westlichen gebirgigen und einen östlichen flacheren Teil, getrennt durch die Linie Baschioi—Samova.
Der östliche waldlose Teil zeigt nur an der Donau, namentlich bei Bestepe, einige höhere Erhebungen, außerdem die Höhen von Agighiol und den steilen vereinzelt dastehenden Denis Tepe.
Der westliche Teil besteht aus mehreren hohen bewaldeten Bergzügen, die parallel als Kettengebirge nach Nordwesten ziehen und an manchen Stellen felsige Abstürze von beinahe alpinem Charakter bilden. Die Täler von Meidanchioi und von Ziganca und die Kessel von Cerna und von Greci senken sich dazwischen ein.
Der felsige Untergrund eines sehr großen Teils der Dobrudscha wird durch eine dicke Lößdecke verborgen. Der Löß (oft unrichtigerweise schlechthin Lehm genannt) wird in manchen Gegenden der Süddobrudscha bis zu 80 Meter dick. Löß ist vom Winde zusammengetriebener Steppenstaub der jüngsten Diluvialzeit. Daher ist er auch völlig ungeschichtet. Oft ist er von feinen Wurzelröhrchen der ehemaligen Gräser durchzogen. Man findet darin auch die Gehäuse einiger Schnecken, die damals in der Steppe lebten. Knochen von Säugetieren sind mir aus dem Löß der Dobrudscha bisher nicht mit Sicherheit bekannt geworden, aber wahrscheinlich kommen sie vor. Nach Norden wird die Lößdecke etwas dünner, beträgt aber z.B. auf den Höhen südlich Medgidia noch 40—50 Meter. Selbst im Gebirge der Norddobrudscha fehlt der Löß nicht, so ist er z.B. bei 350 Meter Höhe am Westabhang des Sacar Bair zwischen Carjelari und Atmagea noch 10 Meter dick. Alle Täler und Niederungen im und neben dem Gebirge werden hoch von ihm zugedeckt. An der Oberfläche wird der Löß durch Entkalkung infolge des Eindringens von Regenwasser in zähen Lehm umgewandelt. An der Grenze von Lehm und Löß sammelt sich häufig der angesammelte Kalk in harten Knollen, den sogenannten Lößkindln an. Solche Lehm- und Lößkindlzonen finden sich auch gelegentlich innerhalb des Lößkomplexes entsprechend einer ehemaligen Lage der Oberfläche.
Schwefelbad bei Mangalia
Meeresküste bei Konstanza
Der ganze südliche und mittlere Teil der Dobrudscha ist einfach und einheitlich aufgebaut. Wenn man sich den Löß wegdenkt, würde fast die ganze Oberfläche von den flachliegenden Schichten der sarmatischen Formation bedeckt sein, die schwach gegen das Meer geneigt sind.
Kalksteinküste bei Kontanza
Die sarmatischen Schichten bestehen ans einer Folge von groben und oft löcherigen Kalken (etwa 50 Meter) mit zahlreichen versteinerten Muscheln und Schneckenschalen oder deren Abdrücken und darunter (etwa 8 Meter) weichen Mergeln, Tonen, sandigen und knolligen Schichten, zum Teil auch mit Gipslagern. Den letzteren entströmen vermutlich die Schwefelquellen von Mangalia. Beim Kasino von Konstanza z.B. liegt der sarmatische Kalk in der Brandungszone und das hohe Ufer südlich von Konstanza wird von den weiteren sarmatischen Schichten gebildet. Die sarmatischen Schichten sind jungmiozänen Alters. Das Miozän seinerseits ist der vorjüngste Zeitabschnitt.
Gesprengte Borceabrücke bei Fetesti
Hier sei ein kurzes Wort über den Grundsatz geologischer Zeitrechnung gestattet und eingeschaltet. Die Geologie ist eine historische Wissenschaft. Bei der Altersbestimmung der Sedimente, d.h. der geschichteten und im allgemeinen im Wasser abgesetzten Gesteine richtet man sich nach den darin eingeschlossenen Überresten von Fauna und Flora. Denn Tiere und Pflanzen ändern ihre Formen im Laufe langer Zeiträume. Es handelt sich also bei der geologischen Zeitrechnung nicht um absolute Werte in Jahren, sondern um die relativen Werte einer Reihenfolge. Da die ganze Reihenfolge von außerordentlichem Umfange ist, hat man künstliche Schnitte gemacht und die Abschnitte und Unterabschnitte als Epochen, Formationen, Schichten, Horizonte mit Namen1 belegt, unter denen man jedoch gemeinhin sowohl die betreffenden Ablagerungen versteht, als auch die Zeit, die sie repräsentieren.
Die sarmatischen Schichten sind in flachem Wasser abgelagert, wie die eingeschlossene reiche Fauna deutlich erkennen läßt. Nach Norden sind diese Schichten verbreitet bis etwa Konstanza und Cernavoda. Bedeutend weiter nördlich kommen sie nur noch an einer Stelle, westlich von Sariut, vor. Im Süden reichen die sarmatischen Schichten bis in die Gegend von Varna.
Donaubrücke bei Cernavoda
Die sarmatischen Schichten liegend transgredierend (ungleichförmig übergreifend) auf verschieden alter Unterlage, d.h. nirgends sind sie die direkte natürliche Fortsetzung der nächstälteren Meeresablagerungen, sondern diese fehlen in verschiedenem Umfang. Es besteht eine Lücke in den Ablagerungen. Im allgemeinen liegen die sarmatischen Schichten im Süden und Westen auf Schichten der mittleren und oberen (jüngeren) marinen Kreide. Aber in der Gegend von Varna, ferner auch an einer Stelle etwa 20 Kilometer östlich von Silistria und bei Harlic an der altbulgarischen Grenze, 26 Kilometer südöstlich Oltina, befinden sich Nummulitenkalke jungeozänen Alters zwischen den sarmatischen Schichten und der Kreide. Es sind marine Kalkschichten, die die Geten, enthalten. In größerer Ausdehnung finden sich jungeozäne Ablagerungen in dem dreieckigen Raum zwischen Cernavoda, Calachioi, 5 Kilometer nördlich von Boascic (an der Donau), und Caratai, 10 Kilometer östlich von Medgidia. Hier sind die eozänen Schichten fluviatiler und zum Teil vielleicht lunnischer Natur, es sind Sande, Konglomerate, Tone, die nur selten fossiles Holz enthalten. Nur an einer Stelle, bei Saligny, enthalten sie auch Nummuliten führende Kalkschichten, zeigen also einen vorübergehend bis dahinreichenden Meerbusen an.
Tor der großen Donaubrücke bei Cernavoda
Inneres der großen Donaubrücke bei Cernavoda häuse großer scheibenförmiger Foraminiferen, der Nummuli-
Schienenauto Cernavoda — Borcea
An zwei Stellen, nördlich und südlich von Cernavoda, nämlich bei Seimeni und bei Cochirleni, kommen ganz beschränkt auch altmiozäne austerführende marine Ablagerungen der ersten Mediterranstufe unter sarmatischen Schichten vor. Sie liegen transgredierend auf Kreide. Diese beiden kleinen, nur 1 Meter bzw. 30 Zentimeter dicken Schollen sind Erosionsreste, d.h. untermiozäne Meeressedimente hatten eine größere Verbreitung, wurden aber vor Ablagerung der sarmatischen Schichten wieder zerstört.
An drei ganz beschränkten Stellen haben sich auch jüngere als sarmatische Schichten gefunden, nämlich pliozäne (dazische) Congerienschichten: am Donauufer bei der Ausmündung des Canliatales 13 Kilometer westlich Oltina, dort liegen sie auf Kreide; am Donauufer von Oltina bis zum Marleanusee und am Nordostufer des Beilicusees, der südlich an den vorigen anschließt. Es sind mergelige und tonige Schichten, die Brackwassermuscheln enthalten, namentlich auch Congerien.
Diese ganze nach Osten geneigte tertiäre Tafel ruht auf Schichten des oberen Jura und der Kreide. Die ältere Unterlage des Tertiär kommt längs der Donau von Silistria bis Harsova zum Vorschein und zeigt sich auch in den tiefer eingeschnittenen Tälern, die nach Westen führen, besonders in der Valea Carasu und nördlich von da. Die Oberfläche dieser Schichten am Kontakt mit dem Tertiär, gleichviel ob es Jura, untere, mittlere oder obere Kreide ist, ist durch lange Verwitterungseinflüsse erodiert und sogar von Tälern durchfurcht. In diese hinein und über die ehemaligen Höhen hinweg haben sich die tertiären Schichten abgelagert; sie beginnen auch stets mit Konglomeraten und groben Sanden.
Die Schichten des Jura und der Kreide sind Meeresablagerungen, die aber mehrfach unterbrochen waren, Lücken aufweisen mit transgredierender Überlagerung. Sie stammen zum großen Teil aus flachem und küstennahem Wasser.
Cernavoda
Ablagerungen des obersten Jura finden sich in der Gegend des Girlitasees (östlich Silistria), bei Oltina, am Donaunfer von Harsova an südwärts bis unweit Boascic, dann östlich, westlich und südlich von Medgidia, auch nochmals bei Canara (nördlich Konstanza). Meist sind es helle, harte Kalke, die der Portlandstufe, der jüngsten Abteilung des oberen Jura, angehören. Sie enthalten namentlich in der Gegend von Medgidia zahlreiche Turmschnecken (Nerinea crebriplicata) und dickschalige Muscheln (z.B. Diceras, Pachyrisma usw.). Schichten der älteren Horizonte des oberen Jura stehen am Donauufer nördlich bis Harsova an. Sie sind an manchen Stellen sehr reich an Versteinerungen, namentlich an Ammoniten (scheibenförmig gewundenen Gehäusen von den Tintenfischen angehörigen Tieren). Fundorte wie Cecirgeoa bei Topalu und andere sind weltbekannt. Bei Harsova kommt unter den Oxfordschichten, den ältesten des oberen Jura, auch der jüngste Horizont des mittleren Jura, Callovienschichten, zum Vorschein. Das sind die ältesten in der Dobrudscha vorhandenen Juraschichten.
Straße zwischen Beilic und Oltina
Felsen von Harsova mit Donaumonitor
Viel verbreiteter sind die Ablagerungen der Kreidezeit. Sie begleiten die Donauufer und greifen in den Tälern zum Teil bis in und über die Mitte der Dobrudscha hinein. Am besten bekannt und am schönsten entwickelt sind sie in der Gegend von Cernavoda und der Valea Carasu. Hier reichen sie über Murfatlar nach Osten hinaus und bis an den Siut Ghiol bei Canara (nördlich Konstanza). Im Süden umgreift die Kreide das tertiäre Tafelland aus der Linie Varna—Silistria. Die Kreideschichten reichen bis an das Balkangebirge und nehmen an seinem Aufbau teil.
Cernavoda
Sämtliche Stufen der Kreide sind in der weiteren Umgebung der Valea Carasu vorhanden, zum Teil mit vielen und gut erhaltenen Versteinerungen. Lücken sind vorhanden zwischen Jura und Kreide, in der mittleren (Beginn des Albien) und bei Beginn der oberen (Cenoman) Kreide. Es sind nicht stets alle Kreideschichten vorhanden, wo die obersten da sind. So beginnt z.B. bei Medgidia die Kreide mit dem Albien. Sehr schön ist die transgredierende Auflagerung der gelbgrauen Sande des Albien auf Portlandkalk am Westausgang von Medgidia neben der Straße nach Cernavoda bzw. Tortoman zu sehen. An anderen Stellen beginnt die Kreide mit Cenoman. Die Felsabhänge bei Cernavoda gehören der unteren Kreide an. Zwischen Saligny und Medgidia findet man mittlere und den unteren und mittleren Teil der oberen Kreide. Die in großen Brüchen ausgebeuteten weißen Kreidemergel von Murfatlar gehören dem Senon, der obersten in der Dobrudscha vorhandenen Kreide an.
Ein großer geologischer Abschnitt in der Dobrudscha wird durch die nordwestlich gerichtete Linie Canara, Doborantu, Baltagesti, Tichilesti, Donauschlinge nördlich Harsova bezeichnet. Dem nicht geologisch geschulten Auge fällt der landschaftliche Unterschied nördlich und südlich dieser Linie wohl kaum auf. Hier beginnt die Zone der grünen Schiefer.
Kalkberge bei Ester
Sie reicht nördlich bis zu der parallelen Linie Balta Zmeica an der pontischen Küste, Camena, Baspunar, Picineaga an der Donau. Die grünen Schiefer sind steil gefaltete und nach Nordwesten streichende2 grüne Tonschiefer, zum Teil mit sandigen Partien, mit Quarzliesen und Quarzgängen und mit eingeschaltetem Diabas. Das Einfallen ist ein überwiegend südwestliches, doch kommt auch senkrechte Lage und nordöstliches Fallen vor. In der Gegend zwischen Picineaga, Ostrov und Topolog schwankt die Streichrichtung von der nordwestlichen in die ostwestliche um. Auch in einigen mittleren Teilen der Grünschieferzone kommt diese Streichrichtung vor. Lokal wird sie in der Nähe der Donau sogar südwestlich.
In der südlichen Hälfte der Zone werden die steilstehenden grünen Schiefer stellenweise von flachgelagerten Jurakalken überlagert. Die südlichste Entblößung der Grünschiefer ist bei Cogea Ali wenig nördlich Canara. Äußerst malerisch ist der Tasaulsee mit seinen felsigen Ufern, die im Norden von Jura, im Süden von Grünschiefer gebildet werden. In den Tasaulsee ergießt sich von Nordwesten der Casimceabach. Er ist tief in den Grünschiefer eingeschnitten. Auf der Südwestseite folgt seinem Lauf ein breites Band von horizontalgelagerten hellen Jurakalken auf den Grünschiefern, das in steilem Absturz gegen den Bach abbricht. In dem Quertal, das von Chirislic nach Pazarli hinaufzieht, glaubt man sich in den fränkischen Jura versetzt. An Versteinerungen sind nur wenige Brachiopodenschalen und Criuoideustielglieder zu finden. Ähnlich überdeckt der Jurakalk den Grünschiefer am Alah Bair bei Baltagesti. Die vorjurassische Oberfläche der abgetragenen Grünschieferfalten war eine wellige, denn die Auflagerung der Juraschichten erfolgt in recht wechselnder Höhenlage. Zum Teil mögen allerdings auch spätere Senkungen in Betracht zu ziehen sein, sodaß an solchen Stellen die Plattenkalke und Crinoidenkalke vor der Erosion besser geschützt waren.
Bergwerk Altan Tepe.
Ganz am Ostende der Nordgrenze der Grünschieferzone erfolgt eine Auflagerung cenomaner Kreideschichten auf die grünen Schiefer in ähnlicher Weise wie im Süden die Juraauflagerung. Das ist östlich und nördlich des Dorfes Casapchioi und nördlich von Prinzipele Nicolae. Im übrigen ist die Nordgrenze eine geologisch kompliziertere.
Die Grenze zwischen der Grünschieferzone und dem nördlich anschließenden gefalteten Gebirgsland besteht in einer Störungslinie, an der durch von Südwesten kommenden tangentialen Druck Quetschung, Zusammenpressung und zugleich Absenkung des Nordflügels stattgefunden hat. Die Linie wird durch die Orte Picineaga, Baspunar und Camena bezeichnet. Diese Linie ist zugleich eine tektonische Beugungszone, denn die Streichrichtung der grünen Schiefer und der nördlich anliegenden Falten divergiert mit etwa 20° nach Nordwesten und weiterhin biegen die nördlichen Falten noch mehr nordwärts. Außer diesen auffallenden tektonischen Erscheinungen ist die Störungslinie Picineaga—Camena auch durch vulkanische Intrusionen und Eruptionen gekennzeichnet, indem Amphibolit, Pegmatit, Porphyrit und Quarz in die Sedimente eingedrungen sind und sie verändert haben. Auch die Wirkung ehemaliger heißer Quellen ist in der Caolinisierung der Grünschiefer von Altân Tepe zu erkennen.
Bergwerk Altân Tepe — Maschinenbaus und Schacht I.
In Zusammenhang mit diesen posteruptiven Vorgängen steht auch die Imprägnierung der Schiefer von Altan Tepe mit Kupfererzen. Die Zeit dieser Vorgänge ist an den Schluß der Karbonzeit zu setzen, während ein Teil der tektonischen Ereignisse viel späteren Zeiten angehört. Als Beweis für letzteres führe ich eine kleine Jurascholle an, die zwischen Carjelari und Aiorman an der Verwerfung (Spalte mit Absinken eines Flügels) neben den Grünschiefern abgesunken und zwischen devonische Kalke und Quarzite und karbonische Schiefer eingeklemmt ist. Im Zusammenhang soll aber auf das historische Bild erst später kurz eingegangen werden.
Viele Einzelheiten des interessanten tektonischen Bildes in der Nähe der Störungszone sind durch die große, langgestreckte Kreidescholle von Babadag zugedeckt. Diese liegt flach auf den älteren gefalteten Gesteinen wie die Jurascholle längs dem Lasimceabache auf den steilstehenden Grünschiefern.
Das Donauüberschwemmungsgebiet der Balta; Gezeichnet von Richard Canisius
Seefront von Konstanza
Das Kreideplateau ist im Süden durch das Tal von Baspunar, im Norden durch die Linie Satul Nou (unweit der Donau)— Babdagsee begrenzt. Die Kreideschichten sind cenomanen Alters. Sie enthalten nur wenige Versteinerungen, seltene Ammoniten (Pachydiskus), Muscheln (Innozeramus, Austern), Brachiopoden, Krinoidenstielglieder und Foraminiferen.
Getreidesilo im Hafen von Konstanza
Das Gestein besteht aus Kalksandstein, Mergelkalk und Glaukonitsand. Die Dicke der Kreideplatte beträgt über 150, vielleicht gegen 200 Meter. Die Schichten neigen sich verschieden stark nach Südwesten und sind durch wenigstens eine Verwerfung mit Westnordwestrichtung (Südende von Babadag—Slava Cherchesa—Ciucurova), deren Nordflügel abgesunken ist, stufenförmig angeordnet. Wahrscheinlich aber bestehen mehrere parallele Verwerfungen und außerdem kommen Störungen in anderen Richtungen vor. Das Gebiet der Kreidescholle von Babadag als Ganzes genommen stellt eine tektonische Senke dar, sowohl gegenüber der südlich, wie auch gegenüber der nördlich angrenzenden Zone. Die Absenkung auch am Nordrande ist z.B. in der Gegend gut zu erkennen, indem die Triasschichten, auf denen dort die Kreide ruht, stark nach Südwesten einfallen und die untersten Kreideschichten nach Norden sehr bedeutend überhöhen. Aber auch am Nordrande ist das Bild nicht überall das gleiche, so bestehen z.B. die Felsen, auf denen die Ruine Enisala steht, aus steil nach Nordosten fallenden Jura- (mit Brachiopodenschalen) und Kreidekalken.
Wie in der mittleren Dobrudscha Jura und bei Babadag Kreide das ältere tektonische Bild teilweise verhüllen, so geschieht das im nördlichsten Teile der Dobrudscha auf weite Erstreckung durch Triasschichten. Aber im westlichen Teile der Norddobrudscha ist der alte Faltenwurf deutlich zu erkennen.
Inneres des durch Fliegerbombe beschädigtem Spielkasinos in Konstanza
Zunächst ein paar Worte über das Material, aus dem die Gebirgsketten der Norddobrudscha zusammengesetzt sind. Es nehmen sowohl Sedimente als kristalline Gesteine3 an dem Aufbau teil. Die ältesten bestimmbaren Sedimente sind devonische Kalke, Tonschiefer, Hornschiefer, Quarzite. Die Kalke und Schiefer enthalten in der Gegend von Cerna Versteinerungen unterdevonischen Alters (hauptsächlich Muscheln, Brachiopoden, Krinoiden). Die karbonischen Sedimente bestehen in grauen, bräunlichen, hellen, aber auch roten, grünen und bunten Schiefern,
Im Hafen von Konstanza
ferner Tuffen, Sandsteinen, Quarziten, Konglomeraten in Verbindung mit verschiedenen Graniten, Dioriten, Amphiboliten, Gabbros, Diabasen und Porphyren. Die Sedimente gehen zum Teil in kristalline Schiefer (Phyllit, Serizitschiefer, Epidotschiefer) über. Die wenig veränderten karbonischen Schiefer der Norddobrudscha werden als Karapelitschiefer bezeichnet nach dem gleichnamigen Berg bei Orthachioi.
Der geologische und der topographische Kettenbau stimmen nicht überein, außer in der allgemeinen Richtung. Die Schichten des geologischen Gewölbebaus sind eng zusammengepreßt und stehen im allgemeinen steil oder nach einer Richtung steil geneigt. Es ist also infolge der starken Zusammenpressung das Einfallen in beiden Gewölbeschenkeln ein gleichmäßiges (isoklinales). Die Lage der Kammlinie (sogenannte Antiklinale) einer Kette und der Muldenlinie (sogenannte Synklinale) zwischen zwei Ketten kann also hauptsächlich aus dem Alter der betreffenden Gesteinsserie geschlossen werden, da die ältesten Schichten den Kern, die jüngsten die Decke der Gewölbe bilden. An dem Aufbau der betreffenden Falten beteiligen sich devonische und karbonische Sedimente außer den dazugehörigen kristallinen Gesteinen.
Der Ovidplatz in Konstanza mit zerstörten Häusern
Mit solchen und ähnlichen Mitteln — grob umrissen — läßt sich erkennen, daß ein großer Faltensattel zwischen Turcoia und Cerna nach Nordwesten streicht. Es sind devonische Kalke, Schiefer, Quarzite. Der hohe Quarzitberg Priopcea fällt besonders in die Augen. Die nordwestliche Fortsetzung ist in M. Baiosa, Macin und dem Hügel Orliga, dem letzten Ausläufer nordwestlich Macin, zu finden. Die südöstliche Fortsetzung jenseits der Kreidetafel dürfte in den devonischen Kalken von Baspunar bis in die Nähe des Klosters Uspenia zu suchen sein. Der Granit des Sacar Bair bei Atmagea und der westlich anschließende ausgedehnte Porphyrerguß liegen im Gebiet der Antiklinale.
Rathaus in Konstanza
Die diese Falte westlich begleitende Faltenmulde ist zu suchen in den von Granit injizierten und von Porphyr durchbrochenen Schiefern südlich Turcoia sowie dem auf der anderen Donauseite gelegenen Hügel Blasova, den violetten Karapelitschiefern von Carjelari und den Kohlenschmitzen und Konglomerate führenden Karapelitschichten an der Quelle des Baches von Baspunar nördlich von Sultan Bair. Der zuerst genannte Granit ist der seltene und wunderschöne Alkaligranit (mit Ägirin und Ribeckit) von Jakob Deal und Piatra Rosie. Ob der südlich Carjelari neben einer Jurascholle nahe der großen Störungslinie gelegene devonische Quarzit eine neue westlicher gelegene Falte anzeigt, möchte ich nicht entscheiden.
Die die Falte von Cerna östlich begleitende Faltenmulde ist durch ausgedehntes Vorkommen der Karapelitformation gekennzeichnet. Beginnend bei Kitlau (zwischen Macin und Luncavita), und ausgeprägter von Greci an zieht sich die Schieferformation nach den Bergen zwischen Cerna und Hamcearca und dem Berg Karapelit in breiter Ausdehnung. Auch südlich der Chaussee findet sie zwischen Jaila und dem Hügel Bubair bei Orthachioi ihre Fortsetzung, um dann allerdings von Kreide überdeckt zu werden. Aber bei Atmagea und zwischen diesem Dorf und Jaila sticht der Karapelitschiefer mehrfach durch die Kreide hindurch. Im Südosten ist der bunte Schiefer des Hügels nördlich Camena offenbar als Fortsetzung anzusehen. Die Porphyrvorkommnisse beiderseits Camena und bei Uspenia gehören auch in diese Zone, die übrigens reich an Porphyrstöcken und -gängen mit interessanten Begleiterscheinungen ist in der Gegend von Orthachioi und Balabancea.
Straßenhandel in Konstanza
Der nächste Faltensattel ist durch die devonischen Kalke folgender Punkte bezeichnet: Insel Popina mare nordöstlich von Vacareni, Kalk und Quarzit südöstlich von Luncavita und bei Tiganca, Kalk bei Lineli südlich des Konsulberges. Vielleicht sind Quarzite und Kalkbreccien nördlich von Camena auch dahin zu rechnen.
Je weiter man nun nach Osten vorrückt, desto verschleierter wird das tektonische Bild, weil es mehr und mehr von Triasschichten zugedeckt wird, die diese älteste Faltung nicht mitgemacht haben, weil sie erst nach derselben abgelagert sind, ihrerseits aber auch später schwächer gefaltet wurden.
Eine weitere Faltenmulde ist noch in den Karapelitschiefern von Rakel, Baschioi und Camber zu erkennen, also stets in etwa parallelen Zügen.
Vielleicht sind Bruchstücke noch eines Faltensattels durch einige Stellen südlich Kloster Cilicu maici und bei Trestenic gegeben. Ein kleines Vorkommen von Quarzit und Hornschiefer mit Gabbro am Seeufer bei Enisala führt die Antiklinale vielleicht bis dorthin unter die Kreidetafel.
Es sind also wohl drei große parallele nach Nordwesten ziehende Falten oder geologische Gebirgsketten in der Norddobrudscha zu erkennen. Weiter ostwärts scheinen sie eine andere Richtung anzunehmen. Es kommen bei Cataloi und in der Zone Tulcea—Bestepe—Mahmudia noch karbonische und devonische Gesteine unter dem Mantel von Trias und Löß zum Vorschein, jedoch streichen sie in östlicher bis ostnordöstlicher Richtung. Der verquarzte Tonschiefer von Cartal auf der russischen Donauseite gegenüber Isaccea gehört entweder zur Antiklinale von Tulcea oder zu der von Cilicu—Trestenic.
Villa Sutu in Konstanza
Die ganzen ehemals hohen Ketten sind durch Erosionswirkung im Laufe der langen Zeit bis zuHügeln und relativ kleinen Bergen erniedrigt worden. Wasserläufe haben sich eingesägt und die jetzigen Formen herausmodelliert. Dabei waren weniger Antiklinalen und Synklinalen alsStreichrichtung und Härte der Gesteine maßgebend. Die Quarzite, Granite, Porphyre ragen hoch und steil empor, während die Sedimente stärker abgetragen sind.
Am Ovidplatz in Konstanza
Der Nordosten der Dobrudscha wird von Meeresablagerungen der Trias eingenommen, soweit nicht der dicke Lößmantel alles zudeckt und einebnet. Es sind helle und rötliche, rote oder schwarze Kalke, dunkle Mergel, weiße und dunkle Sandsteine und Konglomerate. Die älteren und mittleren Partien enthalten versteinerte Ammoniten und Muscheln, die eine genaue Parallelisierung mit ähnlichen Schichten der bayrischen und tiroler Alpen ermöglichen. Von den deutschen Triasformationen Buntstein, Muschelkalk und Keuper weicht die Dobrudschatrias, wie auch die alpine ganz wesentlich ab. Aus der Buntsandsteinzeit stammen z.B. die ammonitenführenden Meeresablagerungen von Zibil. Der Petrosberg bei Hagighiol ist durch seine schönen Muschelkalkammoniten bekannt. Solche und jüngere Triasablagerungen sind durch Muscheln der Gattung Halobia charakterisiert. Die Mehrzahl der Hügel von Dunavatu de Sus bis Baschioi, Tulcea und Telita besteht aus solchen Schichten. Aber die jüngste Trias und vielleicht der Beginn der Liaszeit (unter Jura) ist durch grobe Sandsteine und Konglomerate repräsentiert. Der obere Teil des isolierten und auffallend dastehenden Denis Tepe und der größte Teil der Berge zwischen Baschioi, Nicolitel und Posta besteht aus ihnen. Selbst die Schlangeninsel (Fidonissi) vor der Donaumündung ist aus diesen hellen Konglomeraten aufgebaut.
Die Triasschichten liegen keineswegs ungestört, auch sie haben eine Faltung erfahren, namentlich im westlichen Gebiet.
Landschaft bei Adam Klissi; Gezeichnet von Richard Canisius
Aber die Faltung ist wesentlich geringer als die der paläozoischen Schichten. Sie liegen auch diskordant über diesen letzteren, wo sie sie überdecken. Die permischen roten Sandsteine und Konglomerate, die z.B. in der Gegend von Tulcea einige Verbreitung haben, aber auch anderwärts, schließen sich der Trias enger an als den karbonischen Falten.
Fliegerhaus in Konstanza
Im äußersten Osten bei Dunavatu de Jos besteht der Hügel Cara Tepe aus dunklem Jurasandstein und Kalk von abweichendem Charakter. Die Faltung dieses Gebiets muß also in nachjurassischer Zeit und vor Ablagerung der cenomanen Kreide erfolgt sein. Die erste Faltung der paläozoischen Ketten ist in nachkarbonischer und vor-triassischer Zeit geschehen, wie aus den gegebenen Daten ohne weiteres hervorgeht, genauer am Schluß der Steinkohlenzeit.
Aus hier zu weit führenden Gründen werden die grünen Schiefer für vorpaläozoisch gehalten. Ihre Faltung gehört der sogenannten huronischen Faltungsperiode an. Ihre Fortsetzung (im Streichen) ist angedeutet in den grünen Konglomeraten von Petricica an der Westseite des oberen Sereth und kann selbst bis Przemysl verfolgt werden; andererseits sind diese Grünschiefer in Kleinasien wiederzufinden. Diesen präkambrischen Falten parallel gehen andere gleichalte in Rußland.
Badeleben bei Konstanza
Über Kambrium und Silur weiß man nichts Bestimmtes aus der Dobrudscha. Es ist möglich, daß Sedimente dieses Alters sich in durch Granit allzu stark verändertem Zustand in den nordwestlichen Ketten verbergen. Zur Zeit des Devon war hier Meer von mäßiger Tiefe, zur Karbonzeit wurde das Wasser flacher und es setzten sich ungeheure Ablagerungen am Grunde ab. Gegen Schluß dieser Zeit fanden bedeutende Intrusionen granitisch-syenitischen Magmas statt, auch zahlreiche Porphyrergüsse. Zugleich setzte eine sehr kräftige Zusammenpressung der Schichten zu einem großen Faltensystem ein. Es ist die sogenannte variszische Faltung. Eine Fortsetzung dieses Faltengebirges geht unter den jüngeren Teilen der Karpathen hindurch ins schlesische Kohlengebiet und die Sudeten, dann im Bogen um Böhmen herum, in breitem Zuge durch Erzgebirge, Thüringerwald, Harz, ins rheinische Schiefergebirge und die nördlichen Kohlenreviere beiderseits des Rheins, durch Südbelgien und Nordfrankreich, durch Südengland und Südirland, setzt sich jenseits des Atlantischen Ozeans in New-Foundland und den Alleganies fort. Auf der anderen Seite der Dobrudscha gehört die Krim zum gleichen Faltensystem. Es entstanden hohe Alpengebirge, die karbonischen Alpen (auch die Gletschermoränen jener Zeit erkennt man an manchen Stellen). Je höher ein Gebirge, desto stärker wirkt die Zerstörung durch Verwitterung und Wasserläufe. Große Mengen von rotem Sandstein und Konglomeraten in der Permzeit (=Rotliegendes) rühren von der Abtragung der karbonischen Alpen. Auch in der Dobrudscha ist das zu erkennen. So erklärt sich leicht die Diskordanz des Perm mit dem Carapelit.
Öltanks bei Konstanza
Nachdem die variszischen Gebirge bis auf die Wurzeln abrasiert sind, breitet sich ein Teil des „alpinen" Triasmeeres von mäßiger bis mittlerer Tiefe in der Gegend aus. Die Senkung ist langsam vor sich gegangen, so daß die Ablagerungen sich ziemlich konkordant auf die permischen Konglomerate absetzten. Nach Osten und Westen erstreckt sich das Meer, aber im Norden war festes Land von Podolien bis zum Donezbecken. Dies ist ein sogenannter Horst (d.h. fest stehengebliebenes Gebiet, von Senkungsfeldern umgeben), der nun längere Zeit hindurch eine gewisse Rolle spielt.
Am Schluß der Trias hebt sich das Land wieder und wird (wohl im Lias) trocken gelegt. Daher rühren die Sandsteine und Konglomerate z.B. des Denis Tepe. Während des übrigen Teils der älteren und mittleren Jurazeit war die ganze Dobrudscha Festland und hing mit dem südwestrussischen Horst zusammen. Aber die nahe Krim war damals anfänglich noch von Meer bedeckt. In diese Zeit fallen Eruptionen von porphyrischen Laven.
Kurz vor Beginn der Zeit des oberen Jura fängt von neuem eine Senkung an, die bei Harsova das Meer mit mitteleuropäischer Fauna herbeiführt. Das Jurameer breitet sich von da nach Süden und langsam auch nach Osten und nach Nordosten aus. In der zentralen und östlichen Mitteldobrudscha liegen schließlich Portlandkalke direkt aus alter Unterlage. Aber die allerjüngsten Juraschichten fehlen nicht nur in der ganzen Dobrudscha, sondern auch in der Krim, im Donezgebiet, in Podolien und in Polen. Es ist die Zeit der zimmerischen Gebirgsfaltung. In der vorhergehenden Jurazeit war der kleinrussische Horst von Süden und Westen her zum Teil unter Wasser gesetzt. Jetzt faltet sich das Gebiet von der Krim, der Dobrudscha, dem moldauischen Karpathenland, Galizien und hebt sich sogar bis nach Polen (Sandomir) vorübergehend aus dem Meer. Zu dieser Zeit werden die Triasgebiete gefaltet, aber auch die variszischen Ketten werden nochmals nachgefaltet. Überhaupt treten Faltungen mit Vorliebe in schon früher gefalteten Gegenden und mit gleicher Richtung auf.
Öltanks bei Konstanza
Mit Beginn der Kreide liegt die mittlere und südliche Dobrudscha wieder unter dem Meeresspiegel. Die vorübergehenden Unterbrechungen und sandigen Sedimente der zentralen Dobrudscha spiegeln die in der Norddobrudscha und den östlich und nordwestlich anschließenden Gebieten vor sich gehende sogenannte dazische Faltung wieder. Von neuem hebt das ganze Gebiet sich kurz über den Meeresspiegel soweit es nicht schon Insel oder Festland ist. Das ist die Fernwirkung der nicht allzuweit stattfindenden dazischen Gebirgsbildung. Dann aber transgrediert das cenomane Meer die Dobrudscha, jedoch wohl einzelne Teile im Norden freilassend. Viel von diesen Sedimenten ist im ältesten Tertiär wieder durch Erosion zerstört worden. Gegen Schluß der Kreide wird das Gebiet wieder Festland. Das feste Land erstreckt sich nun nach allen Richtungen weithin, nur in Siebenbürgen blieben noch bis Schluß der Kreidezeit Lagunen bestehen, aber mit Beginn des Eozän verschwinden auch diese.
In der zweiten Hälfte der Eozänzeit rückt das nach Süden gedrängte Mittelmeer wieder in das Gebiet der Karpathen, des Balkan und der Krim vor. Es überflutet auch das Donez- und Dnieprgebiet und bis nach Podolien, so daß also das Gebiet der zimmerischen Faltung ohne Verbindung mit dem ehemaligen kleinrussischen Horst bleibt und die zimmerische Insel bildet. Das nummulitenführende Meer reicht von Süden her bis in die Gegend von Varna und von Harzalic in der Süddobrudscha. Das Gebirge von Macin — und damals noch mit großer Verlängerung nach Norden und Osten — ragte in beträchtliche Höhe empor und es ergoß sich ein größerer Fluß nach Süden. Er führte aus dem nördlichen Gebirge große Mengen von Sand und Kies mit sich, darin waren namentlich auch die charakteristischen dunkeln Hornsteine, Kieselschiefer und hellen Quarzite reichlich vertreten, aber auch heller und rötlicher Tonschlamm, von den verwitterten granitischen Gesteinen jener Gegend herrührend. Diese sandigtonigen und konglomeratischen Fluß- und Deltaablagerungen sind in dem Dreieck zwischen Boascic, Cernavoda und dem Osten Medgidias zu beobachten (namentlich Saligny), Defcea, Medgidia-Süd). Es fehlt auch nicht an in verschiedenaltrige Jura- und Kreideschichten eingegrabenen Südsüdost gerichteten Rinnen, die mit diesen detritischen torrentiell geschichteten Ablagerungen ausgefüllt sind. In der Nähe derselben ist die alte Felsoberfläche häufig mit eisenhaltiger Quarzlösung stark imprägniert, ist dadurch stahlhart geworden und zeigt altkorrodierte Oberflächenformen. Als typisches Verwitterungsprodukt ist mancherorts sogenannter Terra rossa (zäher roter Verwitterungslehm) vorhanden.
Altes Museum im Stadtgarten von Konstanza
Die zimmerische Insel erhält sich auch während der Oligozänzeit.
Zu Beginn der Miozänzeit, als das Mittelmeer die größte Ausdehnung besaß, erreichte das Meer die zentrale Dobrudscha (Seimeni und Cochirleni) von Westen her, es war flaches Wasser mit vielen Austern. Die Norddobrudscha blieb Festland. Während des Miozän werden die Alpen, die Karpathen und der Balkan aufgefaltet und in Zusammenhang damit vertiefen sich die vorhandenen Senken, so die der Walachei, iejenige nördlich des zimmerischen Landes (Podolien, Dniepr- und Donezgebiet), aber auch die Moldau als Abbröckelung des nördlichen Teils des zimmerischen Landes.
Kriegerfriedhof bei Konstanza
Das Hauptbecken des Schwarzen Meeres bestand noch nicht. Bildung von Spalten und Verwerfungen in der Dobrudscha und an deren Westund Nordrande ging Hand in Hand damit, also auch starke Erosion und Abtragung nach den umliegenden Senken hin. Man sieht das namentlich auch an den dicken Ablagerungen in der Walachei zunächst der Donau. Der nordwärts und dann ostwärts gerichtete untere Donaulauf geht auf diesen Spalten. Die an der Oberfläche gelegenen Schichten wurden also wieder weitgehend abgetragen und zerstört, so die eben erwähnten untermiozänen Meeressedimente und die eozänen Fluß- und Meeresablagerungen. Der Zusammenhang der Decke von Jura- und Kreidegesteinen wurde auch weiter zernagt. Eine größere Anzahl von nordwestsüdostlaufenden Verwerfungen der mittleren Dobrudscha (z.B. die Linie des Casimceabaches mit dem Tasaulsee) und der Kreidescholle von Babadag stammen wohl auch aus dieser Zeit. Auch die Störungslinie Picineaga— Cainena hat sich wohl damals noch mehr ineinander geschoben (Einklemmung der Jurascholle von Carjelari).
Heldengrab bei Konstanza
Als zur Obermiozänzeit das Meer nachmals die ganze südliche und zentrale Dobrudscha überflutete, war es nicht mehr das Mittelmeer, weil seit der Alpenfaltnng Gebirge und Hochländer sich dazwischen bauten (das ägäische, Marmara- und pontische Becken bestanden noch nicht), sondern ein von diesem abgeschnürtes flaches Becken, das sarmatische Binnenmeer. Dieses erstreckte sich über Podolien, Bessarbien, Moldau, Walachei, Süddobrudscha, Krim bis Nordkaukasien. Nach Osten dehnten sich die sarmatischen Ablagerungen (Varna—Konstanza) ohne Zweifel noch weithin aus. Die transgredierende Natur der sarmatischen Ablagerungen zeigt sich in der Dobrudscha auch darin, daß sie an der Auslagerungsfläche stets Konglomerate und Sande führen, wenn auch oft nur in ganz geringer Dicke. Die sarmatischen Ablagerungen, die in der Dobrudscha etwa 60 Meter Dicke besitzen, sind in der benachbarten walachischen Ebene (Tiefbohrung von Marculesti) auf 140 Meter angeschwollen. Man sieht also, daß auch unter der Wasserfläche die Dobrudscha als Horst eine höhere Lage, folglich dünnere Sedimente, hatte.
Mit Beginn der Pliozänzeit taucht die Dobrudscha endgültig aus dem Wasser auf. Das ehemalige sarmatische Binnenmeer wird brackisch und nimmt an Umfang ab. Nach und nach löst es sich in halbsüße Seen aus. Zu mittelpliozäner Zeit werden die Karpathen, der Balkan und der Kaukasus nochmals kräftig nachgefaltet. Die Bewegung in der Erdrinde macht sich auch auf der Dobrudschainsel spürbar, indem die sarmatischen Schichten in ganz leichte, etwa nordsüdliche wellenförmige Falten gelegt werden. Zugleich setzt kräftige Erosion ein. Brackwasserablagerungen der dazischen (mittelpliozänen) Zeit mit Kongerien erreichen aus dem walachischen Becken noch einmal vorübergehend den Rand der südlichen Dobrudscha. Die Gebirge stehen nun in ihren heutigen Linien da und die Dobrudscha hängt schon als Festland mit dem bulgarischen Hügelland und mit dem Balkan zusammen, wird aber im Westen von inzwischen völlig süßgewordenen (levantinischen jungpliozänen) Seen begrenzt, die nach und nach auch schwinden. Als Reste des sarmatischen Binnenmeeres und der brackischen dazischen und pontischen Seen sind die heutige Bucht von Odessa mit den Küstenlimanen (einschließlich Donaudelta bis Isaccea), das Asowsche Meer und die Nordhälfte des Kaspischen Meeres zu betrachten.
Erst an der Wende von Pliozän und Diluvium brachen die tiefen Becken des Schwarzen Meeres, des Marmara Meeres, des Ägäischen Meeres mit ihren Verbindungskanälen, sowie die tiefe Südhälfte des Kaspischen Meeres ein. Es senkt sich die sarmatische Platte der Dobrudscha gegen die neu entstandene Küste des Schwarzen Meeres. Damit ist die heutige Oberflächengestaltung erreicht. Die Donau fließt schon in ihrem jetzigen Bett. Kräftige Erosion bringt die Täler der Dobrudscha zu ihrer jetzigen Tiefe und die Donau wälzt gewaltige Massen von Schutt und Schlamm in die durch die Punkte Isaccea, Kilia und Dunavatu bezeichnte damalige Bucht des Schwarzen Meeres, sie langsam ausfüllend.
In der Diluvialzeit brachten die Winde von den westlichen Gebirgen und der walachischen Ebene gewaltige Staubmassen in die von Steppe bedeckte Dobrudscha, die sich niedersetzten und mit einem dicken Lößmantel alles verhüllten. Die Erosion arbeitete dauernd die schon vorhandenen Täler wieder frei, so das ganz allmählich das heutige Bild entstand.
* * *
Diese kurzen und zumeist nur andeutungsweisen Ausführungen mögen gezeigt haben, daß die Entstehungsgeschichte der Dobrudscha weit zurückgreifend und sehr mannigfaltig ist. Etwas von all dem Vergangenen ist an ihr haften geblieben, von den Faltungen, den Eruptionen und den Meeren der Vorzeit. Als Wahrzeichen und Überrest dieser abwechslungsreichen Geschichte ragt die Dobrudscha heute noch über ihre Umgebung empor. Und nun wogt eine neue und eiligere Geschichte, die wechsel- und wirrnisreiche Menschheitsgeschichte über sie hinweg, unbekümmert um die früheren Geschehnisse, aber unbewußt durch sie an gewisse Bahnen geknüpft. Nur wenige schauen so weit zurück, aber wer es tut, wird reich belohnt.
Ostrov; nach einem Aquarell von Richard Canisius
1 Die Hauptabschnitte der Formationseinteilung sind:
2 Unter der Streichrichtung versteht man die Richtung der Linie, in der eine gedachte horizontale Ebene die Schichten schneidet; senkrecht dazu ist die Richtung des Einfallens.
3 Kristalline Gesteine (z.B. Granit, Porphyr) sind im Gegensatz zu den als Niederschlag entstandenen geschichteten Sedimenten solche, die aus feuerflüssigem Magma teils in der Tiefe langsam erstarrt, teils emporgequollen sind (an der verschiedenen Auskristallisierung der sie zusammensetzenden Mineralien ist das zu erkennen). Auch metamorphe Gesteine nahmen ähnliche Formen an; das sind solche, die entweder durch Berührung mit Eruptivgesteinen oder durch tektonischen Druck physikalisch verändert wurden. Je nachdem spricht man von Kontakt- oder von Dynamometamorphose. Solche Gesteine werden als kristalline Schiefer bezeichnet (z. B. Gneis, Glimmerschiefer).
Von Robert Ritter von Dombrowski.
Dobrudscha! Dieses Wort war mir von Jugend auf gleichbedeutend Eldorado und als ich mein fünfundzwanzigstes Jahr hatte, lag die Dobrudscha eines Tages vor mir, die meinen Jugendtraum gebildet — die Gegend sah aber ganz anders aus, als ich sie mir ausgemalt hatte.
Bevor ich meinen Lesern die Tierwelt der Dobrudscha vorführe, ist es notwendig, über die geographischen und klimatischen Verhältnisse dieses Gebietes kurz zu sprechen.
Die erst seit dem Jahre 1878 zu Rumänien gehörige Provinz ist politisch in zwei Präfekturen eingeteilt. Nahezu den Grenzen dieser Einteilung entsprechend, weist die Dobrudscha zwei ganz verschiedene Boden- gestaltungen auf.
In dem im Süden des Landes gelegenen Bezirk Konstanza ist der Steppencharakter vorherrschend. Einförmig breitet sich das regenarme Land aus, im Frühjahr eine gute Weide, zum Teil auch recht gutes Ackerland. Die Oberfläche gliedert sich in viele Hügelketten, die durch die tiefen Einschnitte der außer im Frühjahr wasserleeren Regenschluchten entstanden sind. Die breitgewölbten, bis zu 200 Meter ansteigenden Hügel schmückt nur selten ein verkrüppelter Baum oder Strauch. Die Bevölkerung ist in dieser wasserarmen Gegend sehr dünn. Nur die südwestliche Ecke des Bezirkes weist größere Wälder auf, die denen von Babadag im Bezirk Tulcea gleichen, nur nicht eine so große Ausdehnung besitzen. Pittoreske Kalksteinfelsen durchziehen sie, oft senkrecht in die Täler abfallend. An der Donau liegen einige größere und kleinere Seen; die größten sind der Garlita- und der Oltinasee.
Sehr verschieden davon sind die Verhältnisse in dem nördlich gelegenen Bezirk Tulcea. Mannigfaltig ist hier die Oberfläche gegliedert, Höhenzüge der verschiedensten Bildung durchziehen das Land, meist in nordwest-südöstlicher Richtung.
Die höchste Erhebung liegt im Maciner Gneisgebirge, wo der Tutuiat 450 Meter hoch ist; eine verhältnismäßig bedeutende Erhebung, wenn man bedenkt, daß hier das Donautal nur 10-20 Meter über dem Meeresspiegel liegt. An diesen Gneisstock schließen sich andere Bergketten aus Grünstein-Melaphyr oder altem Tonschiefer bestehend an, mit Erhebungen von 2-400 Meter gegen Südosten allmählich verlaufend. Ein langgestreckter Bergrücken, aus Kalk und Sandstein zusammengesetzt, erstreckt sich im Nordosten mit einer Höhe von 240 Meter, der Bestepe. Der nördliche Teil der Dobrudscha ist also, wie wir sehen, ein Bergland mit verhältnismäßig viel Wald. So haben die Wälder bei Babadag eine ungefähre Ausdehnung von 1800 Quadratkilometer. Der Wald besteht vorherrschend aus Eichen, Linden, Eschen, Weißbuchen, wilden Birn-, Äpfel- und Kirschbäumen. Der nahezu undurchdringliche Unterwuchs wird vorzüglich von Hasel-, Weißdorn- und Hartriegelsträuchern gebildet. In den Tälern, welche meist von kleinen Bächen durchflossen werden, finden wir Erlen-, Weiden- und Pappelarten. Der Boden ist im allgemeinen recht gut; aus ihm wird Acker- und Weinbau betrieben.
Fliegeraufnahme von Konstanza
Mole des Hafens von Konstanza
Spielkasino von Konstanza
Mittelbau der Präfektur in Konstanza
Fast dieselbe Ausdehnung wie das Bergland nehmen das Überschwemmungsgebiet der Donau und das Mündungsdelta ein, sowie auch die Meeresdünen, die durch größere und kleinere Salzseen unterbrochen werden, unter denen der Razelmsee der größte ist. Weithin breiten sich diese alljährlich von Hochwasser überschwemmten Sumpf- und Waldgebiete aus, welch letztere von Weiden- und Pappelarten gebildet werden. Nur an zwei Stellen geben die Sümpfe größerem Laubwald Raum, dem von Kara-Orman und dem von Lethe; diese enthalten auch harte Holzarten. Beide verlieren aber durch Flugsand der Meeresdünen von Jahr zu Jahr an Ausdehnung. Bewohnt wird dieses riesige Sumpfgebiet nur sehr spärlich, an vielen Stellen ist es überhaupt ganz unzugänglich und bildet mit seinen Seen, Teichen, Lacken, von toten und strömenden Girlen, von Weideninseln, Sandbänken, Rohrfeldern und Wiesen ein Eldorado für alle Sumpf- und Wasservögel. Großes Interesse beanspruchen die im Delta an vielen Stellen vorkommenden schwimmenden Inseln.
Wurzelstöcke, altes Rohr und alle möglichen anderen Pflanzenreste ballen und verfilzen sich untereinander und formen sich im Laufe der Jahre zu Inseln, welche mitunter einen Flüchenraum von hundert und mehr Quadratmetern erreichen. Wehe dem Kahn, welcher bei Sturm in dieses Gewirr von Inseln und Inselchen gerät, er ist bestimmt verloren.
Die Lagunen, die an der Ostküste dem Festland vorgelagert sind, verdanken ihre Entstehung der Dünenbildung des Meeres. Früher hat das Meer bis an die Hügelketten gereicht und ist durch die tief eingeschnittenen Täler bis tief in das Land eingedrungen, wie an manchen noch nicht genügend versandeten Stellen noch heute zu sehen ist. Als Beispiel will ich nur den See von Babadag anführen, wo man 30 Kilometer landeinwärts noch Salzwasser vorfindet.
Das Klima ist im allgemeinen gemäßigt, jedoch ziemlich trocken, besonders im Herbst, wo oft Monate vergehen, ohne daß ein Tropfen Regen fällt.
Bedingt durch die Bodengestaltung sind die Winde besonders im Herbst und Winter sehr heftig, meist aus nordöstlicher Richtung.
Von Interesse sind auch die öfters auftretenden Wirbelwinde, welche zu merkwürdigen Erscheinungen Anlaß geben, insofern sie sich durch Erfassen leichter Gegenstände wie Staub, Stroh usw., welche sie hoch in die Luft führen, als fortschreitende mannigfaltige Gestalten darstellen.
Linker Flügel der Präfektur in Konstanza zurzeit Sitz der Deutschen Etappenverwaltung in der Dobrudscha.
Die Fauna der Dobrudscha ist an Tierarten reicher als alle anderen Teile Rumäniens. Diese Tatsache findet ihre Erklärung in der großen Mannigfaltigkeit des Bodens und seines Klima.
Ein weiterer Umstand, der zum Reichtums der Fauna der Dobrudscha das seinige beiträgt, ist auch, daß die Dobrudscha auf einer Hauptzuglinie der Zugvögel liegt und im Herbst, Winter und Frühjahr eine Menge von östlichen und nordischen Gästen beherbergt.
Der ursprüngliche Charakter der Fauna hat freilich unter der Ausbreitung des Menschen einigermaßen gelitten. Aber nur der Rothirsch, der früher in den Wäldern der Dobrudscha vorkam, ist von den Menschen ausgerottet worden.
Schildkröten im Walde
An Säugetieren finden wir in den Bergwäldern zwischen Macin und Babadag das Reh und im Donaudelta zahlreich das Wildschwein. Der Hase ist, wenn auch nicht häufig, so doch überall zu finden. Sehr zahlreich ist aber das Raubwild vertreten, wie Wolf, Fuchs, Dachs, Wildkatze, Hufeisenmarder (unserem Steinmarder ähnlich), den Nerz, die Fischotter, den Tiger- und Steppeniltis, das Hermelin, das Wiesel sowie eine große Menge kleinerer Säugetiere, wie der Blindmoll, der Kurzschwanzhamster, der Igel, der Maulwurf, das Eichhörnchen usw.
Trotzdem der Vogelreichtum der Dobrudscha noch immer sehr groß ist, so reicht er doch nicht annähernd mehr an die früheren Mengen heran. Vollständig ausgestorben ist das Birkenhuhn, sehr in ihrer Zahl zurückgegangen, besonders was die Brutvögel anlangt, sind die Geier, Pelikane und der Edelreiher. Hätte man in den letzten Jahren nicht soviel für ihren Schutz getan, wären auch diese schon verschwunden. Wie häufig früher z. B. der Kuttengeier war, ist aus den Angaben der Gebrüder Sintenis ersichtlich, die in den Brutperioden 1873, 1874 und 1875 nur aus den Waldgebirgen bei Babadag, die eine Ausdehnung von ungefähr 7½ Quadratmeilen haben, 377 Eier erhielten. Bemerkt muß hier werden, daß der Kuttengeier in der Regel nur ein, sehr selten zwei Eier legt. Heute brüten in der ganzen Dobrudscha nur mehr sehr wenige Paare.
Was die beiden Arten Pelikane (gemeiner Pelikan und Krauskopf-Pelikan) aulangt, so sind sie als Brutvögel noch im Donaudelta zu finden, an der oberen Donau sind sie vollständig ausgerottet.
