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Die Pastoralkonzepte der deutschen Bistümer mit den größeren Pfarreien und Seelsorgeräumen scheinen weitgehend von der Stadt-Situation geprägt zu sein. Doch welche Bilder bestimmen die Praxis "auf dem Land"? Eines der Ergebnisse der Tagung der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral (Kamp) im Herbst 2011 in Zusammenarbeit mit der Theologischen Fakultät Fulda und der Diözese Fulda war, dass die pastorale Situation zwischen Stadt und Land gar nicht so unterschiedlich ist. Bilderwechsel will besagen, dass an beiden Orten der Blick weg von einer zentralisierten gleichgeordneten Pastoral hin zu einer Pastoral der Vielfalt und der Ermöglichung durch viele freiwillig Engagierte erfolgen muss. Der aus der Tagung hervorgegangene Band befasst sich mit den theologischen und soziologischen Grundlagen zu dieser Thematik, er bebildert die Praxis etlicher beispielhafter Orte der Landpastoral, er zieht daraus konzeptionelle Konsequenzen und möchte die kirchlichen Mitarbeiter in ihren vielfältigen Wirkungsfeldern ermutigen sowie die Diözesanverantwortlichen zu konzeptuellen Veränderungen anregen.
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Seitenzahl: 254
Veröffentlichungsjahr: 2012
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Fuldaer Hochschulschriften
Fuldaer Hochschulschriften
Im Auftrag der Theologischen Fakultät Fulda herausgegeben von Jörg Disse in Zusammenarbeit mit Richard Hartmann und Bernd Willmes
Richard Hartmann (Hrsg.)
Kirche – herausgefordertdurch ländliche Räume
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über ‹http://dnb.d-nb.de› abrufbar.
© 2012 Echter Verlag GmbH, Würzburg
www.echter-verlag.de
Gestaltung: Hain-Team, Bad Zwischenahn (www.hain-team.de)
Druck und Bindung: Druckerei Friedrich Pustet, Regensburg
ISBN 978-3-429-03544-0 (print)
ISBN 978-3-429-04664-4 (PDF)
ISBN 978-3-429-06073-2 (ePub)
Vorwort
Dagmar Denker
Einführung
Richard Hartmann
Zeichen der Zeit : Neu sehen
„Bilderwechsel“ – Akzente zur pastoralen Neuausrichtung im Spiegel ausgewählter aktueller Verlautbarungen deutscher Bischöfe
Hubertus Schönemann
Zeichen der Zeit sehen
Gerhard Stanke
Landsichten
Stärken und Schwächen unserer Dörfer – Wie könnte ein Fitnessprogramm für die Zukunft aussehen?
Gerhard Henkel
Der ländliche Raum im Wandel von der Industrialisierung bis zur Globalisierung
Alois Glück
Gestaltwandel
Bilderwechsel – Des Kirchtums neue Kleider: Wie Kirche sich landläufig neu gestalten kann
Stefan Weyergraf gen. Streit
Damit Kirche in der Fläche bleibt: Das Modell der Verbände bietet eine große Chance für eine zukunftsfähige Landpastoral
Richard Stefke
Partizipation und Innovation in ländlichen Räumen am Beispiel bürgerschaftlichen Engagements. Der Verein „Hilfe von Haus zu Haus“
Maria Hensler
Der Beitrag der Landvolkshochschulen im Prozess der Kirchenentwicklung am Beispiel der katholischen Landvolkshochschule „Anton Heinen“ Hardehausen
Stephan Kreye
„Kirche in der Fläche“ als Schwerpunktthema im Reformprozess der Evangelischen Kirche in Deutschland
Jürgen Schilling
Theologische Einsichten
Gottes Landpastoral: Was macht ein Stadtbewohner auf dem Land?
Hans-Joachim Sander
Land ist mehr
Birgit Hoyer
Konzeption der konzeptionellen Offenheit: Herausforderungen – Nachfragen – Konkretionen
Richard Hartmann
Autorenverzeichnis
Dagmar Denker
Es mag sein, dass „Land“ und „Stadt“ einmal sehr unterschiedliche Lebensräume waren – zumindest in den Bildern, die wir in uns tragen. Das habe ich als „westfälisches Landei“ sehr eindrücklich erlebt. Wir spielten im Dorf auf dem Hof und auf der Straße, jeder kannte jeden, alles war vertraut und geregelt; wir feierten zusammen und weinten gemeinsam, wir kauften in „unserem“ Laden, gingen in „unsere“ Kirche.
Natürlich erlebten wir alle die Kehrseite dieser Idylle: soziale Kontrolle, Engstirnigkeit, sehr begrenzte Freiräume, wenig Mobilität ∇ eine kleine Welt eben. Aber es waren und sind doch vor allem die positiven Bilder, die blieben − schöngefärbt und schöngeredet. Die „große“ Stadt, damals in unerreichbarer Entfernung (40 Kilometer), war Reiz und Bedrohung zugleich.
Es ist kein Geheimnis, dass diese Bilder heute nicht mehr stimmen – und vermutlich die Wirklichkeit immer nur sehr unzureichend abgebildet haben. Dennoch verstärkt sich der Eindruck, dass sich ein nicht unerheblicher Rest dieser Vorstellungen erhalten hat und gepflegt wird; nicht zuletzt, weil wir uns nicht davon trennen wollen. Ein Rest an Nestwärme und Idylle möchten wir uns nur allzu gern erhalten.
Ähnlich gilt das auch für unsere religiösen Sehnsüchte und Vorstellungen. Auch da sehnen wir uns allzu oft nach Bildern der Vergangenheit, die sich in der Rückschau mehr und mehr verklären und die Wirklichkeit verschwimmen lassen. Umso bedeutsamer ist es, bei allen pastoralen Fragen (eine) Wirklichkeit wahrzunehmen, die möglichst unbelastet ist von überholten Bildern, übersteigerten Ängsten und gepflegter Wehmut. Es geht um eine Wirklichkeit, die geprägt wird von Menschen dieser Zeit, in diesen Sozialformen, mit ihren Ängsten und Sorgen, ihrer Trauer und Angst dieser Tage.
Wie werden wir die Frage nach Gott in Zukunft (noch) vernehmbar und überzeugend stellen können? Wie werden wir das Evangelium lebendig halten und weitersagen? Wie und wo werden wir miteinander unseren Glauben feiern – in 10 Jahren, in 20 Jahren, in der kommenden Generation? Wie werden wir als Kirche weiterhin im Leben der Menschen in unterschiedlichen Lebensräumen Bedeutung haben? Das sind die eigentlichen Fragen, die sich hinter all den Bemühungen um die Pastoral und eben auch hinter dem Schlagwort der „Landpastoral“ verbergen.
Wir haben inzwischen verstanden, dass wir bei allen pastoralen Überlegungen sehr viel genauer hinschauen müssen auf die Lebensräume, die Menschen prägen und die von Menschen geprägt werden; dass wir die differenzierten Lebensentwürfe wahrnehmen müssen, die sie entwickeln, und dass wir gefordert sind, Wege zu finden, mit ihren veränderten Lebensumständen umzugehen: mit Vereinzelung, zerbrochenen Biografien und brüchigen Beziehungen. Immer wieder in Erinnerung rufen müssen wir uns, dass wir auf all diese bedrängenden Fragen nur dann eine Antwort geben können, wenn unser Suchen nach Antworten durchdrungen ist vom Vertrauen in einen Gott, der uns nicht jenseits dieser Wirklichkeit, sondern in den Menschen dieser Zeit entgegenkommt. Ich bin zutiefst überzeugt, dass in einem aufrichtigen und einem dem Menschen zugewandten Suchen für uns als Kirche die wirklichen Aufbrüche und die eigentliche Erneuerung liegen.
Das Hünfelder Symposion zur Landpastoral, das in diesem Band wesentlich dokumentiert wird, hat viele der oben aufgeführten Blitzlichter im Licht der Wissenschaft und der kirchlichen Dokumente in den Blick genommen und hinsichtlich einer zukunftsfähigen Pastoral beleuchtet. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag zu all den Prozessen, die im Moment nicht nur im Bistum Fulda zu tief greifenden Veränderungen führen und führen müssen. Viele Beiträge dokumentieren darüber hinaus, dass es bereits viele sehr konkrete Ansätze und gelungene Antwortversuche gibt. Dennoch markiert diese Dokumentation nicht das Ende, sondern einen neuen Abschnitt eines interessanten Weges, den wir vor uns haben − der allerdings durch die Erfahrungen ebendieser Veranstaltung noch einmal neuen Schwung aufgenommen hat.
Richard Hartmann
Der vorliegende Band hat eine doppelte Funktion: Er versteht sich einerseits als Tagungsdokumentation der Tagung „Landpastoral“ in Hünfeld vom 10.–12. Oktober 2011 und greift bewusst über die rein wissenschaftlichen Beiträge hinaus eine Vielfalt von Tagungselementen auf: neben der Predigt von Generalvikar Stanke auch Erfahrungsberichte oder gar ein Arbeitsprotokoll. Andererseits soll über den Charakter der Tagungsdokumentation hinaus das Thema in einen weiteren Rahmen gestellt werden, um die Herausforderung der Landpastoral zu neuen Handlungsschritten zuzuspitzen.
Im ersten Abschnitt „Zeichen der Zeit: Neu sehen“ legt Hubertus Schönemann in der Durchsicht bischöflicher Dokumente Texte vor, die verdeutlichen, wie wichtig eine pastorale Neuausrichtung ist. In deren Grundaussagen wird bereits spürbar, dass auch auf höchster Ebene pastorale, konzeptionelle und planerische Veränderungen als notwendig erkannt worden sind. Gerhard Stanke ordnet in seiner Predigt den Prozess in die Rezeption der Rede von den Zeichen der Zeit von Johannes XXIII. und die Aufgaben der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ ein und stellt die provozierende Frage, was uns hindert, heute diese Zeichen zu verstehen.
Der zweite Abschnitt „Landsichten“ wendet den Blick auf die Landerfahrungen selbst. Der renommierte Geograph Gerhard Henkel entfaltet – auf dem Hintergrund seiner langjährigen Erfahrung und aus gegenwärtigen Begegnungen heraus – die Chancen und Herausforderungen der Landregionen. Er wirft mit uns einen Blick „aufs Land“. Bei der Tagung selbst konnten wir uns dies noch anschaulicher durch die von den Fernsehanstalten produzierten Bilder und Schemen vor Augen führen: Klaus Bassiner vom ZDF präsentierte Einblicke in die Serienproduktionen der öffentlichen und privaten Medienanstalten. Mit dem Referat des Vorsitzenden des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken Alois Glück, das beim Renovabiskongress vom 1.∇3. September 2011 in Freising gehalten worden war, nehmen wir die Erfahrungen jahrzehntelanger politischer Arbeit mit in den Band auf, die nicht unmaßgeblich geprägt war von der eigenen Lebensgeschichte in der Katholischen Landjugend- und Landvolk-Bewegung.
Mehrere Beiträge dokumentieren im dritten Abschnitt den „Gestaltwandel“. Der Theologe und Künstler Stefan Weyergraf gen. Streit, der etliche Projekte der Umgestaltung von Kirchen auf dem Land begleitet, gewährt auch in diesem Beitrag den Leserinnen und Lesern Einblick in die Erfahrungen, die der Blickwechsel nach sich zieht. Richard Stefke befasst sich mit dem Gestaltwandel aus Sicht der Verbände, Stephan Kreye wendet sich der Institution einer Land-Volkshochschule zu. Kirchliches Engagement auf dem Land kann, wie Maria Hensler zeigt, auch als klassisch bürgerschaftliches Engagement verstanden werden. Mit Jürgen Schilling richten wir den Blick auf die Evangelische Kirche, die mit ähnlichen Herausforderungen ringt.
All diese Erfahrungen führen zu etlichen theologischen Fragestellungen, denen sich im vierten, „Theologische Einsichten“ betitelten Abschnitt Hans-Joachim Sander und Birgit Hoyer widmen. Hans-Joachim Sander geht auf das Verhältnis von Stadtreligion und Landreligion ein und fragt nach den Orten Gottes und den Heterotopen. Birgit Hoyer sieht, dass das Land anders ist, anders als viele erwartete Idyllen und auch wesentlich konfliktbeladener. Als Erfahrungshintergrund dient ihr das Schicksal der Vertriebenen in den Dörfern.
Was folgt aus all dem? Im abschließenden Beitrag versucht Richard Hartmann die wichtigsten Herausforderungen zu benennen, um fast schon eine Agenda für die pastoralen Zukunftsentscheidungen vorzulegen. Wer sich dem Thema „Kirche auf dem Land“ stellt, wird sich doppelt „umschauen“ müssen: zunächst einfach im Sinne aufmerksamen Wahrnehmens, dann aber auch im Sinne einer neuen und veränderten Ausrichtung des Handelns.
Hubertus Schönemann
Unzweifelhaft befindet sich die katholische Kirche in Deutschland in einem tief greifenden und fundamentalen Transformationsprozess. Unabhängig davon, ob man ihn an einen von außen – durch die veränderten gesellschaftlichen Gegebenheiten – in Gang gesetzten und somit als „aufgezwungenen“ oder als einen von innen heraus im Sinne eines gestalteten Aufbruchs versteht: Das Selbstverständnis, die Strukturen und die pastorale Praxis der Kirche sind im Wandel. Alte Selbstverständlichkeiten werden im besten Sinne frag-würdig, Neues bricht sich Bahn. Wenn die in diesem Band vertretene These, dass sich der derzeitige Umbruchsprozess der Kirche in ländlichen Räumen am deutlichsten zeigt und von dorther zu neuen Perspektiven und zu neuen Haltungen und Handlungsoptionen für eine missionarisch-lernende Kirche führt, so mag es als orientierende Lesehilfe dienlich sein, den Blick auf die pastorale Situation in ländlichen Räumen auf dem Hintergrund von Akzenten wahrzunehmen und zu deuten, die deutsche Bischöfe in ihren jüngeren Verlautbarungen über den Wandel der pastoralen und kirchlichen Situation insgesamt derzeit setzen. Möglicherweise erschließt sich von dort her die pastorale Situation in der Fläche als theologischer Ort, der Ausgangspunkt eines neuen pastoraltheologischen Erkenntnisprozesses ist. Dies kann zu einer dem Evangelium und der veränderten gesellschaftlichen Situation gleichermaßen adäquaten kirchlichen Praxis führen.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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