Black Ice - Frank Lauenroth - E-Book

Black Ice E-Book

Frank Lauenroth

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Beschreibung

Frankie ist Frachter-Pilot. Ein Einzelgänger und Malocher. Vor allen Dingen ist er Optimist. Das muss er auch sein, denn die Zeiten sind hart. Draußen, in den äußeren Systemen, in denen er mit seinem Schiff »Corona« Frachten ausliefert, regiert die Handelsgesellschaft mit gnadenloser Hand. Als er durch ein Missverständnis in den Besitz einer großen Menge der wertvollen DrogeBlack Icegerät, hat er plötzlich den gefürchteten Vollstrecker Duistermach auf den Fersen. Auf seiner Flucht trifft er alte und neue Freunde – aber auch forzianische Kopfgeldjäger, die Geißel der äußeren Systeme. Bald bleibt nur noch ein verzweifelter Ausweg… »Ein Pulp-Abenteuer der leichten Art, das sich selbst nicht allzu ernst nimmt.« (Josefson – derStandard.at) »Ein verrückter Space-Trip mit einer skurrilen Crew.« (Judith Madera – literatopia.de)

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Seitenzahl: 343

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Black Ice - Band 1 der Corona Saga  

Frank Lauenroth

 

 

Sciencefiction

 

Vollständige E-Book-Ausgabe der Druckausgabe

 

ISBN 978-3-946348-50-4

ISBN 978-3-946348-49-8 (Print Ausgabe)

© Eridanus Verlag | Jana Hoffhenke

Hastedter Heerstr. 103 | 28207 Bremen

Alle Rechte vorbehalten

 

Lektorat: Jana Hoffhenke

Umschlaggestaltung | Illustration: Detlef Klewer

Satz | Gestaltung: Jana Hoffhenke

Ebook-Realisierung: Jana Hoffhenke

 

https://eridanusverlag.de

https://www.instagram.com/eridanus.verlag.sf

https://www.facebook.com/eridanusverlag

 

TOY PLANET

Ein Job – nur ein Job!

 

Frankie liebte sein Schiff.

Es war schmutzig, doch es war schnell. Und es hatte ihn noch nie im Stich gelassen. Die Corona, wie er es getauft hatte, als er das Schiff zum ersten Mal vor der aufgehenden Sonne von Gnamoria gesehen hatte, war ein Raumer der Beta-Klasse. Keines dieser mächtigen Frachtschiffe, aber groß genug, um Planetenfähren aufzunehmen.

Die Corona, die damals noch LY-428 hieß, stand neben zwei baugleichen Schwesterschiffen und schien nur darauf zu warten, von ihm in Besitz genommen zu werden. Die Transferbehörde auf Gnamoria Zwölf hatte dieses Juwel verschrotten wollen! Was für Ignoranten!

Ihre Unwissenheit war Frankies Glück gewesen. Mit der bescheidenen Anzahl an Credits, die er damals besaß, hätte er normalerweise allenfalls einen dieser Planeten-Hopper erstehen können. Deren Halbwertszeit lag bei zwei Jahren. Und das war gelinde gesagt ein Fliegenschiss im Universum. Doch mit der Corona als Sicherheit konnte er ein Darlehen aufnehmen. Mit dem Darlehen konnte er sein Schiff verbessern. Mit dem verbesserten Schiff zog er Aufträge an Land und bezahlte die Rechnungen und das Darlehen.

Lächelnd erinnerte er sich der Hyperjet-Depesche, die er im Nachhinein von der Transferbehörde erhalten hatte. Er möge zurückkommen und das Schiff wieder abgeben. Es sei ein Irrtum passiert und so weiter und so fort.

Doch Frankie wollte sich niemals wieder von der Corona trennen. Und eben darum hatte er schnellstens ein System installiert, das sicherstellte, dass sein Schiff nur von ihm geflogen oder demontiert werden konnte. Die neuzeitlichen Möglichkeiten der DNA-Personalisierung waren unumkehrbar, und so hatte er dafür gesorgt, dass die Corona und er eine untrennbare Arbeitseinheit wurden. Frankie war ein Malocher. Einer, der selbst Frachten annahm, die andere Piloten verweigerten, der das potenzielle Risiko schlau zu kalkulieren wusste. Auch wenn die Zeiten rauer und die Gewinne kleiner geworden waren, Frankie versuchte stets, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten an die jeweiligen Gesetze zu halten. Was in der äußeren Handelszone alles andere als einfach war. Vor jedem Planetenanflug lud er sich deshalb die letzten Gesetzesanpassungen herunter und ließ sie von seiner Schiffs-KI auf ungünstige Veränderungen durchsuchen. Das alles musste erledigt sein, bevor er den Orbit erreichte. Denn dort begann die Gesetzeszone jedes Planeten. In der letzten Zeit hatten sich die Zustände verkompliziert. Die lokalen Regierungen wechselten so rasch, dass man den Überblick verlieren konnte, und über allem thronte die LaLeLimbus-Handelsgesellschaft. Dabei durfte man sich von dem vermeintlich lustigen Namen nicht täuschen lassen. Die Gesellschaft war ein mächtiges Unternehmen, das von den drei InVitro-Brüdern Lambis, Lembos und Limbus knallhart geführt wurde.

Die Corona trat gerade in den Orbit von Clarion Prime ein, dem Herrschaftssitz der fünf Clarion-Planeten.

 

Frankie wollte dem Schiff eine überfällige Reparatur gönnen. Der Schildgenerator hatte seit seinem letzten Ausflug nach Clarion Prime deutlich an Kapazität eingebüßt. Außerdem hatte er schon länger nicht mehr den Rumpf auf Lartis-Ratten untersuchen lassen. Deren Eier wollte kein Frachterpilot an oder im Schiff haben. Natürlich hoffte er auch auf Fracht. Er hatte bereits ein paar Container mit legalen Drogen geladen, doch die Frachträume vier und fünf standen leer.

»Corona. Ihre Autoidentifizierung war erfolgreich. Was ist der Grund Ihres Besuchs auf Clarion Prime?«, kam die übliche Frage von einem Lotsen des Raumhafens.

»Ein Werkstattaufenthalt und Geschäfte … hoffe ich«, antwortete Frankie wahrheitsgemäß.

»Wie lange beabsichtigen Sie, zu bleiben?«

»Zwei oder drei Tage.«

»Okay, wollen Sie im Orbit parken? Eine unserer Fähren kann Sie gegen ein geringes Entgelt …«

Frankie unterbrach den Lotsen, der die Fragen offensichtlich ablas oder so stumpf auswendig gelernt hatte, dass er sich selbst nicht mehr richtig zuhörte.

»Ich muss in eine Werkstatt.«

»Ah, ja. Mein Fehler. Im Raumlandeplatz Vierzehn sehe ich eine freie Parkbucht. Folgen Sie den Koordinaten, die ich Ihrer KI übermittle.«

»Geht klar.« Frankie trennte die Verbindung.

Im nächsten Moment löste die KI Generalalarm aus. Vor Schreck wäre er beinahe aus dem Cockpitstuhl gefallen.

»Verdammt«, fluchte er.

Doch er ahnte bereits, was geschehen war, noch bevor die KI sich meldete. Der Schildgenerator dümpelte bei vierzig Prozent Leistung dahin, und irgendjemand oder irgendetwas hatte diese Schwäche ausgenutzt und sich in einen der freien Frachträume portiert.

Frankie lächelte triumphierend. »Idiot!«

Der Eindringling hatte sich einen der wenigen Orte an Bord ausgesucht, die Frankie vom Cockpit aus kontrollieren konnte. Im Moment war der Frachtraum verriegelt und der ungebetene Gast eingesperrt.

»Ich brauche Hilfe!«, hörte Frankie plötzlich eine Stimme aus den Lautsprechern. Offensichtlich hatte die KI automatisch eine Sprechverbindung zu Frachtraum Fünf geöffnet.

»Und das sagt jemand, der sich uneingeladen auf ein fremdes Schiff portiert?«, konterte Frankie.

»Ich muss Clarion Prime schnell verlassen!«

Die Worte klangen zwar eindringlich, doch irgendwie leblos. Das konnte aber auch an der Übertragungsqualität liegen, die nicht gerade die beste war. Da konnte die eine oder andere Nuance schon mal verloren gehen.

»Ich muss sofort weg von Clarion Prime!«, wiederholte der Fremde.

»Da hast du dir das falsche Schiff ausgesucht. Ich will gerade dort landen!«

»Ich kann Sie bezahlen«, kam die prompte Antwort.

Das traf einen empfindlichen Nerv. Chronisch pleite war eine treffende Umschreibung von Frankies monetärem Zustand.

»Wie viel?«

Keine Antwort. Frankie wollte die Frage bereits wiederholen, als die Stimme aus dem Lautsprecher quäkte: »Zwanzigtausend.«

Das war der pure Wohlklang in seinen Ohren.

»Hast du die Credits dabei?«

»Ja.«

Frankie überlegte. Es konnte ein Trick sein. Wenn er den Typen ins Cockpit ließ, war die Gefahr groß, dass die Corona im Handumdrehen nicht mehr die seine war. Aber 20.000! Damit könnte er die Reparatur bezahlen und hätte außerdem eine Rücklage für schlechte Zeiten. Also für noch schlechtere Zeiten …

»Wo soll die Reise denn hingehen?« 20.000 Credits konnten viel oder wenig sein, je nachdem, wo der Fremde abgesetzt werden wollte.

»Pächnidhia«

Im ersten Moment wollte Frankie frohlocken. Wenn er im Overstream flog, befand sich besagter Planet gerade einen Tag entfernt. Dann erinnerte er sich, dass Pächnidhia vor langer Zeit von der LaLeLimbus-Gesellschaft auf die Landeverbotsliste gesetzt worden war, auch wenn er den Grund dafür nicht kannte.

Was auch immer der Anlass dafür sein mochte, er wäre ein Idiot, seine Reputation dafür aufs Spiel zu setzen. Wenn das Geld nicht wäre!

Frankie überdachte seine Möglichkeiten, das Verbot zu umgehen oder die eventuell dort stationierten Rückmeldesysteme zu manipulieren.

»Stört es dich, wenn du die Reise im Frachtraum zurücklegst?«

Der Typ war offensichtlich auf fremde Hilfe angewiesen. Die Kombination, Clarion Prime per Fluchtportierung zu verlassen und anschließend Pächnidhia als Ziel anzugeben, machte ihn nicht gerade zum Wunschpassagier. Er sollte das wissen. Und keinen Luxus während der Reise erwarten.

»Nein.«

Diese Antwort war nicht nur die von Frankie erhoffte, es war auch der Schalter, der ihn alle Vorsicht über Bord werfen ließ.

»Dann haben wir einen Deal!«, bestätigte er.

Frankie machte sich sofort daran, denen da unten klarzumachen, dass Clarion Prime nicht das Ziel aller Wünsche war.

»Raumhafen, bitte melden. Hier spricht die Corona.«

»Raumhafen, hier. Sprechen Sie, Corona«, antwortete der Lotse.

»Ich habe soeben ein Frachtangebot per Hyperjet erhalten. Ich breche den Anflug ab und komme ein anderes Mal wieder. Sie können die Parkbucht wieder freigeben.«

Parallel dazu ließ Frankie die KI die digitalen Formalitäten erledigen.

»Verstanden, Corona. Guten Flug.«

Frankie bereitete alles für den Overstream vor und lehnte sich zurück.

»Ein Job«, sagte er leise zu sich, »nur ein Job!« 

 

Verbotene Zone

 

Im Weltraum zu fliegen, ist ein eigenartiges Gefühl. Es herrscht immer Nacht. Bis auf ganz seltene Ausnahmen bewegt man sich im absoluten Dunkel. Die Sterne verkommen zur Staffage. Was Frankie als Kind fasziniert hatte – der Blick hinauf zu den leuchtenden Punkten in der alles umspannenden Schwärze – war zum Alltäglichen geworden.

Allein der Overstream mit seinen farbigen Schlauchstrukturen brachte Abwechslung. Frankie hatte gefühlt sein halbes Leben im Stream verbracht. Die meiste Zeit allein.

In einem plötzlich aufkeimenden Gefühl von Einsamkeit schaltete er die Sprechverbindung zum Frachtraum Fünf frei.

»Bist du noch wach?«, fragte er seinen Passagier.

Schweigen.

Frankie wollte die Verbindung schon trennen, als doch noch eine Antwort kam.

»Ja.«

»Lust auf ein Gespräch?«

»Ja.«

Frankie schmunzelte. Vielleicht würde er nun mehr über seinen Gast erfahren.

»Willst du mir erzählen, warum du von Clarion Prime fliehen musstest?«

Wieder dauerte es eine Weile, bis die Antwort im Cockpit ankam. Die Stimme klang leise. Beherrscht. Irgendwie traurig …

»Es war nicht mein Zuhause.«

»Und wo ist dein Zuhause?«

»Nein.«

Frankie verstand nicht. Meinte der Fremde damit, keine wirkliche Heimat zu besitzen? Vielleicht begriff er auch die Frage nicht. Oder er wollte nicht darüber reden. Frankie beließ es dabei und versuchte, stattdessen etwas über das Ziel der Reise zu erfahren.

»Was willst du auf Pächnidhia?«

»Unerledigte Geschäfte.«

Die Antwort kam zu schnell. Eine Lüge? Andererseits war es die einzige Frage, die Frankies Gast von Anfang an hatte erwarten können.

»Was gibt es auf Pächnidhia, das ein Geschäft lohnen würde?«, hakte Frankie skeptisch nach. Er wusste nicht einmal, ob sein Gast überhaupt menschlich war. Die Frachträume besaßen keine DNA-Scanner. Im Bauch der Corona konnte ein forzianischer Schleimgrabbler stecken. Insofern konnten die Unschärfen des Gesprächs auch leicht der veralteten Firmware eines Universalübersetzers geschuldet sein.

»Pächnidhia ist der Toy Planet.« Der Fremde setzte offensichtlich voraus, dass Frankie bereits davon gehört hatte. Er irrte sich.

»Sollte mir das irgendetwas sagen?«

Es musste einen wichtigen Grund geben, dass die LaLeLimbus-Gesellschaft ein Anflugembargo über diesen Planeten verhängte. Die Sternkarte des Bordcomputers wies Pächnidhia als bewohnt aus. Mit Industrie, doch ohne nennenswerte Bodenschätze. Was war an diesem Planeten so besonders?

»Der Toy Planet war einst ein aktives Protektorat des Clarion-Systems und damit der Handelsgesellschaft«, begann sein Passagier. Es klang mechanisch, wie auswendig gelernt. Frankie wusste, dass für die Universalübersetzer unendlich viele Firmwareversionen existierten. Sein Gast musste ein veraltetes Exemplar erwischt haben. Trotzdem lauschte Frankie interessiert der Geschichtsstunde.

»Vor beinahe zehn Standardjahren«, fuhr sein Passagier fort, »wurde der Planet wegen ethischer und moralischer Vergehen auf den Planeten-Index gesetzt.«

Frankie versuchte sich zu erinnern, wie lange er schon hier draußen in den Außenbezirken herumflog. Eine lange Zeit, aber höchstens sieben Jahre.

»Wieso eigentlich Toy Planet?«

»Einige Jahre zuvor hatte die Handelsgesellschaft einer Firma namens ›Toy Planet‹ die Lizenz erteilt, auf Pächnidhia Forschungen für ein neuartiges Spielzeugsystem zu betreiben und dieses letztendlich auch zu produzieren. Die Wissenschaftler schufen mit DNA-imitierenden Nano-Schwärmen lebendiges Spielzeug. Keine Roboter, die im Haus halfen, keine Maschinen, die stumpf ihren Job in der Fabrik erledigten. Echtes, lebendiges Spielzeug.«

Die Idee klang revolutionär. Aber da Frankie weder vom Toy Planet noch von einem dieser Spielzeuge je gehört hatte, musste das Projekt gescheitert sein. Doch das allein konnte nicht der Grund dafür sein, auf dem Index der Gesellschaft zu landen. ›Ethnische und moralische Vergehen‹ hatte der Fremde gesagt …

»Die Forschung verschlang Millionen an Credits und währte drei Jahre. Zu diesem Zeitpunkt existierten von dem geplanten Spielzeug lediglich einige Prototypen, die auf die Zulassung durch die Handelsgesellschaft warteten. Die Wissenschaftler waren ausnahmslos Männer. Männer, die drei Jahre für ihre Berufung gelebt hatten. Die auf Pächnidhia keine Frauen kennenlernen konnten und dennoch Triebe besaßen. Irgendwann kam einer der Forscher auf die Idee, dass sie alles, was sie brauchten, bereits vorrätig hatten: DNA-imitierende Nano-Schwärme.«

»Ich ahne Böses«, warf Frankie ein, doch sein Passagier erzählte bereits weiter.

»Es war lediglich eine Frage der Zeit, bis diese Männer Spielzeuge mit Kopulationsöffnungen versahen, mit einer Stöhntaste, mit Gefühlsturbo. Sie orientierten sich an der besten Vorlage, die sie kannten – der menschlichen Frau.«

Vor Frankies geistigem Auge bildeten sich Bilder von Quietsche-Entchen mit vulvaähnlichen Zugängen. Klein und im besten Sinne handlich. Schauderhaft!

»Lange Zeit blieben diese dunklen Geheimnisse im Verborgenen. Doch nach und nach wurden aus den äußerlich unauffälligen Spielzeugen komplettere Körper, aus Plüschbären wurden kleinwüchsige Frauenimitate. Es entstand ein Schwarzhandel, der abseits des Verkaufsmarktes der echten Spielzeuge diese Sex-Toys über die gesamten Außenbezirke vertrieb. Den Kunden verlangte es nach Mehr, nach echten Gefühlen seitens der Spielzeuge, nach devotem Verhalten, nach spitzen Schreien. Die Spielzeuge erhielten ein Gedächtnis, künstliche Erinnerungen, die aufgrund der potenziellen Käuferschar sehr speziell ausfielen. Aus vormals toten Öffnungen wurden echte, lebende, pulsierende, fordernde Weichorgane.«

Frankie war eigentlich ein harter Hund. Doch selbst er war in diesem Moment voller Abscheu.

»Die Company nahm bereitwillig in Kauf, dass die Wesen, die sie erschaffen hatten, sich dabei offenbar selbst vervollkommneten. Nach der Einbringung einer KI zur zunehmenden Vermenschlichung der Schwärme brauchte es lediglich drei Generationswechsel der Nano-Intelligenz – also nicht mehr als fünf Minuten –, bis sie aus sich selbst etwas Neues schufen. Die Nano-Schwärme imitierten die DNA nicht mehr, sondern manifestierten sie als festen Bestandteil ihrer selbst und damit auch als Teil der Spielzeuge. Was nichts anderes bedeutete, als dass sie nicht nur funktionsfähige Geschlechtsteile, sondern komplette Fortpflanzungs- und Gebärorgane erschufen. Irgendwann verschwanden einige der Gespielinnen, die zwar perfekte Bettgesellinnen waren, aber statt echter Stimmbänder nur über ein Quietschventil verfügten. Die Firma hatte sich einige Blockaden einfallen lassen, wodurch man die Spielzeuge zweifelsfrei von echten Menschen unterscheiden konnte.«

»Ein kluger Schachzug der Firma«, merkte Frankie an.

»Es ist barbarisch!«, erzürnte sich der Fremde. Es war das erste Mal, dass er die Stimme erhob.

»Oberflächlich betrachtet vielleicht. Jedoch nur, wenn du die Nano-Schwärme echten, fühlenden und lebenden Organismen gleichsetzen würdest.«

»Sie haben mir nicht zugehört. Aus den Spielzeugen wurden irgendwann lebende Organismen.«

Frankie hatte zugehört. Aber er hatte nicht verstanden. Bis jetzt. Eine eigentümliche Betroffenheit ließ ihn schweigen.

»Wollen Sie immer noch reden?«, fragte die Stimme aus Frachtraum Fünf.

»Ja«, erwiderte Frankie leise. Er wollte wissen, wie die Geschichte ausgegangen war.

»Die Firma entdeckte erst sehr spät, wohin sich die verloren gegangenen Spielzeuge zurückgezogen hatten. Da war längst die erste Generation von Mensch-Spielzeug-Hybriden geboren.«

Das klang unglaublich!

»Jetzt verstehe ich, weshalb der Planet auf den Index kam.«

Es erklärte außerdem, warum er nie zuvor den Begriff Toy Planet oder von den Spielzeugen gehört hatte. Ein weiteres Beispiel dafür, dass die Gesellschaft hier draußen einiges unter den Teppich kehrte, um der Zentralregierung keinen Grund für eine militärische Intervention zu bieten.

»Und die unerledigten Geschäfte?«, hakte Frankie nach.

»Ich bin müde.« Die Antwort klang unerwartet schroff. Als sein Passagier beharrlich schwieg, schaltete Frankie die Sprechverbindung aus. Er schaute auf die Anzeigen der KI, blickte ein letztes Mal hinaus in den Stream und lehnte sich zurück.

Zeit zu schlafen. 

 

Pächnidhia

 

Als er erwachte, stand sein Passagier neben ihm. Frankie erschrak so heftig, dass er fast aus dem Pilotensitz gefallen wäre.

»Was … was …?«, stammelte er mit wild klopfendem Herzen.

Der Fremde ließ ihm Zeit, sich zu sammeln. Er hielt weder eine Waffe auf Frankie gerichtet, noch hatte seine Haltung irgendetwas Bedrohliches an sich. Und er war ein Mensch.

»Wir sind bald da, nicht wahr?«, fragte er und wies hinaus in den Stream.

Frankie richtete sich auf.

»Ja«, bestätigte er. »In zehn Minuten springen wir zurück in den Standardraum.«

Er schielte zu den Anzeigen für die Frachtraumtüren. Bis auf Frachtraum Fünf waren alle geschlossen.

»Zehn Minuten«, wiederholte der Fremde und blickte unverwandt hinaus in den Stream.

Er war größer als Frankie, vielleicht einen Meter neunzig. Dunkles, in der Mitte gescheiteltes Haar. Stechende, grüne Augen. Gut aussehend. Er trug schwarze Kleidung mit einem kaum wahrnehmbaren Muster. Auf seinen Schultern steckten zwei Add-Ons in kybernetischen Ports. Diese künstlichen Apparaturen konnten einen Zusatzspeicher für das Langzeitgedächtnis beinhalten. Oder einen Tank für biologische Muskelverstärker. Die Einsatzgebiete der Add-Ons waren nahezu grenzenlos und ihre Benutzung in den Außenbezirken üblich. Doch was eigentümlich war: Das Muster auf der Kleidung des Fremden bewegte sich anscheinend. Frankie erinnerte sich, auf einem der Holo-Sender vor einiger Zeit einen Bericht über Kleidung gesehen zu haben, die sich dem Hintergrund anpasste. Eine solche Kleidung wäre bei paramilitärischen Truppen sicherlich sehr beliebt …

Frankie beschlich eine dunkle Ahnung, was der Fremde mit ›Unerledigten Geschäften‹ gemeint haben könnte.

»Soll ich auf dich warten?«, fragte er. Ihre Abmachung sah schließlich vor, dass Frankie ihn nur auf Pächnidia ablieferte.

Sein Gast sah ihn mit einer Mischung aus Unglauben und Überraschung an. Als hätte er mit dieser Frage am wenigsten gerechnet. Mehr noch: als hätte ihm noch nie jemand in seinem Leben diese Frage gestellt.

»Das wäre … gut«, antwortete sein Passagier betont vorsichtig.

»Gut«, sagte auch Frankie mit einem Nicken. Er ging hinüber zu den Cockpitschränken und kramte in den unteren Schubfächern herum. Schließlich hatte er das Gesuchte gefunden und präsentierte seinem Gast eine Art Gürtel mit diversen anhängenden Gerätschaften.

»Was ist das?«, fragte der Mann verwundert.

»Ein Tracker. Falls ich dich schnell von dort unten zurückholen muss.« Dass der Tracker auch eine Holobild-Kamera enthielt, behielt er lieber für sich.

In dem Moment schrillte der Alarm los.

»Schnall dich an. Wir fallen aus dem Stream.«

Der Fremde setzte sich rasch neben Frankie auf den Platz des Copiloten. Der Alarm hatte eine Vorwarnzeit von zwanzig Sekunden. Der Countdown wurde in großen, roten Ziffern auf das Sichtfenster projiziert.

Sie sahen, wie sich der Stream an den Rändern auflöste, erste Lücken in den Standardraum zeigte, bis er zusammenbrach und es beide Passagiere der Corona brutal nach vorne schleuderte. Frankie fluchte leise, als die Gurte schmerzhaft in seinen Oberkörper schnitten.

»Sollte die Rückfallenergie in den Standardraum nicht durch ein internes Feld kompensiert werden?«, fragte der Fremde, der anscheinend nicht halb so starke Schmerzen wie Frankie ausgestanden hatte.

»Wenn der Schildgenerator über hundert Prozent Leistung verfügen würde …«, knurrte Frankie.

Der Fremde löste den Gurt und legte den Tracker-Gürtel an.

»Ich weiß nicht, wie lange ich brauchen werde«, gab er zu bedenken.

»Ich habe mir für die nächsten Tage nichts vorgenommen.«

Daraufhin versuchte der Fremde so etwas wie ein Lächeln. Es misslang, aber der Versuch zählte.

»Ich heiße Frankie.«

Frankie streckte seinem Gast die Hand entgegen.

»Ich bin Holly«, antwortete der Andere und schüttelte ihm kurz die Hand.

Frankie schmunzelte. »Das ist ja nun kein typischer Männername …«

»Ich muss gehen«, unterbrach ihn Holly. Er deutete mit einer Kopfbewegung nach vorn, wo jenseits des Sichtfensters der Planet Pächnidhia schwebte, und wandte sich zur Cockpittür um. Frankie wollte ihn begleiten, doch als er aufstand, schob Holly ihn sanft in den Pilotensitz zurück.

»Ich kenne den Weg.«

Frankie zuckte die Achseln und lehnte sich lässig in seinem Sitz zurück.

»Mi casa es su casa«, erwiderte er lakonisch. Mit einem irritierten Blick verließ Holly das Cockpit.

Frankie schaute ihm nachdenklich hinterher. Wieso sollte er nicht hier warten? Die Geschäfte liefen schlecht. Und die Prämie würde einiges erleichtern …

Verdammt! Er hätte auf der Auszahlung der Credits bestehen sollen, bevor Holly die Corona verließ!

Frankie sprang auf und lief seinem Passagier nach. Er brauchte nur ein paar Sekunden bis zum Transporterraum, trotzdem war von Holly nichts mehr zu sehen. Dafür lagen auf der Transporterbank, dem Steuerelement des Generators, der einen punktgenauen Stream erzeugen und durch den Standardraum schleusen konnte, fein säuberlich abgezählt zwanzigtausend Credits. Kein virtuelles Geld. Saubere, echte Credits!

»Guter Mann!«, kommentierte Frankie die Tatsache, dass Holly zu seinem Wort gestanden hatte. Er steckte die Credits ein und machte sich auf den Weg zurück ins Cockpit. Das Geld legte er rasch in ein geheimes Fach unterhalb des Sichtfensters und schaltete danach die Kamera an Hollys Tracker-Gürtel ein.

Würde er nun erfahren, was es mit den ›unerledigten Geschäften‹ auf sich hatte? Voll düsterer Erwartung leitete Frankie die Übertragung auf die Holobild-Plattform um. Das Bild der Kamera war dunkel und verwaschen. Es dauerte eine Weile, bis er einzelne Schemen erkennen konnte. Es herrschte Dämmerlicht. Die Umgebung wirkte karg und weitestgehend tot. In der Ferne tobte ein Sandsturm. Davor erkannte Frankie so etwas wie Bäume. Zumindest schienen diese Dinger direkt aus dem Boden zu wachsen. Sie besaßen aber keine Kronen. Holly näherte sich diesen Gebilden. Zwischen seltsamen Gewächsen bewegte sich etwas. Kleine und große Wesen flitzten hin und her. Frankie kniff die Augen zusammen, hoffte, dadurch mehr Details zu erkennen. Plötzlich gellte der Kollisionsalarm durchs Schiff. Noch bevor er die Gurte anlegen konnte, schleuderte ihn das Ausweichmanöver der Schiffs-KI aus dem Pilotensitz.

Frankie rappelte sich fluchend auf, schaute aus dem Sichtfenster und entdeckte zu seinem Entsetzen eine Rakete. Er schätzte das torpedoförmige Objekt vielleicht auf zwanzig Meter Länge und fünf Meter im Durchmesser. Sie musste direkt aus dem Stream gefallen sein, denn ein Schiff, von dem sie gestartet wurde, konnte er nirgends entdecken. Sie hielt direkt auf den Toy-Planeten zu! Hektisch wies Frankie den Bordcomputer an, Hollys Tracker-Signal und den potenziellen Aufschlagpunkt der Rakete auf einer Oberflächenkarte darzustellen. Beides lag verdammt nah beieinander! Holly hatte keinen Kommunikator, das Bild der Gürtelkamera war die einzige Verbindung zu seinem Passagier. Er schaute wieder auf das Holobild und erkannte endlich, worum es sich bei den seltsamen Gewächsen handelte: Es waren offenbar Geschosse, die sich in den Boden Pächnidhias gebohrt hatten! Ähnlich der Rakete, die gerade die Corona passiert hatte. Die hin- und herflitzenden Wesen waren nicht mehr zu sehen. Wussten sie, was gleich geschehen würde?

Dann tauchte die Rakete in Frankies Übertragung auf. Weiter von Holly entfernt, als ursprünglich angenommen, jagte sie dem Boden entgegen. Wie ein Feuerball fraß sie sich durch die Atmosphäre, schlug auf dem Boden auf und hüllte das gesamte Holobild für einen Moment in gleißendes Gelb. Dann verschwand die Helligkeit der Explosion so schnell, wie sie gekommen war. Im matten Licht des brennenden Raketenstumpfs kehrten kurz danach die Wesen zurück ins Bild. Genau genommen strebten alle der Einschlagstelle entgegen. Ebenso Holly, der sich jetzt in Bewegung setzte.

Je näher Holly und damit die Kamera dem bereits versiegenden Feuer kamen, desto deutlicher wurde, was dort geschah. Die Rakete war von den Wesen geöffnet worden. Einige sahen wie Menschen aus, viele jedoch wie unfertige Spielzeuge mit Armen und Beinen. Er meinte sogar, Teddys in dem Gewusel entdeckt zu haben. Ein scheinbar unendlicher Fluss an kriechenden, hüpfenden, laufenden oder hinkenden Spielzeugen strömte ins Innere und wieder heraus. Jedes Wesen, das die Rakete verließ, trug etwas bei sich. Einen Minicontainer. Ein Paket. Einen Kasten. Einen Karton. Die Spielzeuge sahen allesamt angeschlagen aus. Unfertig. Schmutzig.

Frankie hatte noch nie gehört, dass ein Naniten-Schwarm schmutzig werden konnte. Es sei denn, er wollte schmutzig aussehen. Das dort unten war mittlerweile weit vom Ursprungsentwurf entfernt, dessen war er sich sicher. Offenbar hielt die LaLeLimbus-Gesellschaft diese Wesen am Leben. Versorgte sie mit Essen und anderen Dingen. Es war nicht schwer zu erraten, warum. Solange die Wesen alles Lebensnotwendige bekamen, würden sie den Planeten nicht verlassen wollen. Darum die Versorgung über Raketen, die nicht wieder starten würden, und nicht mit einem Raumschiff, das man kapern konnte.

Nur eines verwirrte Frankie: Warum ließ die Gesellschaft die Spielzeuge am Leben? Warum zerstörte sie den Planeten nicht einfach?

In dem Moment tauchte etwas am Rand des Holobilds auf, das er zuvor nicht bemerkt hatte: Holly trug eine Waffe. Ein großes, klobiges, massives Ding. Plötzlich dämmerte es Frankie. War Holly geschickt worden, um der Gesellschaft die lästigen Toys vom Hals zu schaffen? Das würde einen Sinn ergeben. Niemand konnte die Handelsgesellschaft mit der Corona, einem unbedeutenden Raumschiff, in Verbindung bringen. Selbst wenn die Gräueltat eines Tages ans Licht der Zentralsysteme gelangte.

Und er hatte Holly hierher gebracht!

Frankie starrte ungläubig auf das Holobild.

Die Wesen, die aus der Rakete zurück ins Freie gelangten, verließen den Platz nicht. Sie machten sich nichts ahnend an Ort und Stelle über die Pakete her. Ein wahres Heer an Spielzeugwesen war Hollys Waffe schutzlos ausgeliefert. Er brauchte nur abzudrücken, um seinen Auftrag zu erfüllen.

Doch Holly wartete.

Frankie dachte an Hollys Überraschung, als er ihm angeboten hatte, im Orbit zu bleiben. Hatte sein Passagier sich ursprünglich auf eine Mission ohne Wiederkehr begeben? Änderte Frankies Angebot seine Pläne?

Ein Blick aufs Holobild zeigte, dass Holly sich nun von der Versammlung abwandte. Er entfernte sich und lief über eine weite Ebene. Begann zu rennen. Das Bild wurde unscharf. Kein Holobild-Generator konnte aus einem derart verwackelten Signal ein vernünftiges Bild erstellen. Dann beruhigte sich alles wieder und Frankie erblickte das, was einmal der Hauptsitz der Firma gewesen sein mochte: einen riesigen Gebäudekomplex, so groß, dass die Kamera im Tracker-Gürtel das entlegene Ende nicht erfassen konnte. Holly ließ die Waffe sinken. Der Komplex war verfallen. Frankie erkannte Meteoritenkrater rund um das Gebäude und auch das Haus selber hatte einige Treffer abbekommen. Die Atmosphäre Pächnidhias war dünn und stellte keinen Schutz vor den Geschossen des Weltalls dar. Ein funktionierendes Kraftfeld existierte offenbar schon lange nicht mehr. Auf dem Dach prangten lediglich die Buchstaben T Y LA T. Kein Licht oder ein anderes Zeichen von Aktivität. Handelte es sich um den Ort, an dem Holly erschaffen wurde?

Wäre nicht die Szenerie um die brennende Rakete gewesen, nichts hätte auf Leben auf Pächnidhia hingedeutet.

Einzig die Raketen und der Inhalt, den sie bargen, sicherten das Überleben der Ausgestoßenen. Im selben Moment, in dem Frankie das erkannte, brach das Holobild von Pächnidhia zusammen und er sah nur noch seinen eigenen Transporterraum.

Holly war zurückgekehrt!

Frankie sprang auf und erreichte den Transporterraum in der Sekunde, als die Tür sich öffnete. Schlagartig fiel ihm Hollys riesige Waffe ein. Doch da war es bereits zu spät. Er prallte mit Holly zusammen, versuchte eine Abwehrbewegung und traf mit der Hand Hollys Schulter. Eines der beiden Add-ons löste sich und fiel zu Boden.

Frankie wollte sich bereits entschuldigen, als Holly den Mund öffnete. Anstelle eines Wortes entwich ihm nur ein einziger langer Ton, den Frankie niemals vergessen würde: Tröööööööööööööt!

Entsetzen spiegelte sich auf Hollys Gesicht wider. Er fiel auf die Knie, angelte hastig nach dem verlorenen Add-on und steckte es zurück in den kybernetischen Port. Danach erhob er sich langsam.

Eine Weile standen sie sich regungslos gegenüber. Keiner von ihnen sprach ein Wort. Frankie wusste nicht, ob Holly das Add-on erst wieder booten musste oder ob er zu geschockt war, dass jemand sein Geheimnis entdeckt hatte.

Frankie erinnerte sich an die Gedächtnisimplantate, die Holly erwähnt hatte. Gut möglich, dass die künstlichen Erinnerungen ihm lange Zeit die Wahrheit vorenthalten hatten. Waren die Implantate irgendwann ausgefallen?

Es war nicht wichtig, um Holly zu verstehen. Viel wichtiger fand Frankie das, was sich vor seinen Augen auf dem Toy Planet abgespielt hatte. Holly hatte Größe bewiesen, als er sich seinen nanitischen Geschwistern gegenüber als gnädig erwies. Und jetzt wahrscheinlich heimatloser war als je zuvor.

»Du sagtest, du hättest kein wirkliches Zuhause?«, fragte Frankie. Er vollführte lächelnd eine weit ausholende Geste, die Holly seine Corona als zukünftiges Heim anbot. »Mi casa es su casa.«

Holly schien in dem wieder verbundenen Add-on-Speicher eilig nach einer Aussage zu suchen, die Frankies Frage halbwegs beantworten würde.

»Braucht denn jedes Wesen ein Zuhause?«, entgegnete er schließlich.

»Ein Wesen vielleicht nicht. Ein Mensch bestimmt«, antwortete Frankie.

Er musterte Holly, der eine Weile stumm blieb. Dann überraschte er Frankie mit einer Wortgruppenkombination, die unmöglich so in dem Add-on gespeichert sein konnte.

»Es ist ein weiter Weg, um ein Mensch zu sein. Nicht wahr?«

Frankie nickte.

»Stimmt. Und wir stehen alle erst am Anfang.«

 

 

CLARION PRIME

 

Neue Ziele

 

Leise Musik erklang im Cockpit der Corona. Frankie hatte die Augen geschlossen und ließ sich mit seinem Schiff durch den Overstream treiben. Die Augen nahmen die Helligkeitswechsel des Streams dennoch wahr und manchmal – nicht immer – passte das Flackern sogar zum Wispern oder Donnern des Orchesters.

Debussy und der Stream!

»Störe ich?«, fragte Holly, der wieder einmal lautlos neben Frankie erschienen war und die Offensichtlichkeit von leiser Musik und geschlossenen Augen noch nicht vollständig begriffen hatte.

Frankie stemmte sich in seinem Sitz hoch und schaute seinen neuen Kumpan an.

»Kein bisschen!«, antwortete er und meinte es auch so. Zu lange war er hier draußen alleine unterwegs gewesen, zu lange hatte er sich nach einer Begleitung gesehnt, mit der er sich unterhalten konnte, um jetzt verstimmt zu rea­gieren.

Debussy konnte warten.

»Ähm, danke noch mal wegen …«

Frankie winkte ab.

»Du musst dich nicht alle zehn Minuten bedanken. Ich bin froh, dass du hier bist.«

Holly schien damit jedoch emotional überfordert. Frankie mutmaßte, dass sein neues Crewmitglied in seinem Leben – oder seinen Erinnerungen daran – noch nichts Positives erfahren hatte. Wie sonst konnte er sich derart hilflos verhalten? Die Grundregeln menschlichen Miteinanders waren ihm nicht fremd. Doch die Feinheiten zwischen dem Offensichtlichen und dem Alltäglichen waren das, was Holly entweder nicht kannte oder in seinen Umgang mit Frankie nicht einbringen konnte.

Jetzt erst bemerkte Frankie etwas, das einen dunklen Schatten hinter Holly bildete. Wortlos deutete er auf dieses Etwas.

»Ein kaldasinischer Vier-Ebenen-Tisch«, erklärte Holly. »Habe ich in Frachtraum Drei gefunden.«

»Und?«, fragte Frankie.

»Wäre der nicht gut, um das Cockpit etwas wohnlicher zu gestalten?«

Frankie schmunzelte. Holly bemühte sich, das musste er ihm zugestehen. Ein Toy, der sich aufmachte, ein Mensch zu werden. Doch bevor Frankies Neuzugang seine ästhetische Ader vollends entfaltete, sollte der Kapitän der Corona ein Machtwort sprechen.

»Ich nehme an, der Tisch war dort vertäut?«

Holly nickte.

»Also abgesehen davon, dass es sich bei diesem Stück um Ladung handelt und es somit jemand anderem gehört, lautet die erste Regel im All, dass alles irgendwo befestigt wird. Wenn der Schwerkraftgenerator ausfällt, dann ist es ungemein hilfreich, wenn man sich nicht erst durch Unmengen unbefestigter Dinge kämpfen muss, die einem im Weg herumschweben.«

Das war für Frankies Verhältnisse eine ziemlich lange Ansprache.

»Wieso sollte der Schwerkraftgenerator ausfallen?«

»Ein Meteoritentreffer? Ein Angriff eines Piratenschiffs? Ein …«

»Haben wir bei einem Meteoritentreffer nicht ganz andere Probleme?«

»Du meinst, wegen des Druckverlustes? Bruch der Außenhülle?«

»Ich würde zumindest erwarten, dass ein Schiff dieser Größe dann Probleme bekommt.«

»Vielleicht. Vielleicht nicht. Die Corona ist mit einem speziellen System zur Versiegelung von Bruchstellen ausgerichtet. Außerdem würden sich die Schotts so schließen, dass die Sektion mit dem nicht automatisch zu schließenden Bruch abgegrenzt werden würde.«

»Klingt aufwändig.«

»Wenn es ums Überleben geht …«, antwortete Frankie.

»Und bei einem richtig großen Loch?«

»Wir haben ja noch die Raumanzüge. Die Corona verfügt über sechs Stück, alle gewartet und in einem Top-Zustand. Na ja, wenn man davon absieht, dass die Mikrofone in den Helmen nicht funktionieren. Aber das ist ja zum Glück nichts, was lebensnotwendig wäre.«

Der Toy schien es dabei bewenden zu lassen. Zumindest wollte er sich bereits dem kaldasinischen Tisch zuwenden, als ihm doch noch eine Frage einfiel.

»Es gibt hier Piratenschiffe?«

»Das war nur ein Beispiel. Und ja, es gibt tatsächlich Piratenschiffe. Es hält sich allerdings hartnäckig das Gerücht, dass diese Schiffe für die LaLeLimbus-Gesellschaft auf Kaperfahrt gehen.«

»Denen gehört doch sowieso schon fast alles in diesem Sektor!«, meinte Holly und offenbarte damit, dass er sich in manchen Dingen durchaus auf der Höhe der Zeit befand.

»Zum Glück eben nur fast. Aber wer sagt denn, dass man nicht einhundert Prozent anstreben kann?«

Kaum, dass Frankie das ausgesprochen hatte, zweifelte er bereits daran, dass Holly die Ironie würde verstehen können.

»Einhundert Prozent«, sagte Holly leise.

Frankie schaute ihn fragend an.

»Ich wüsste gern zu einhundert Prozent, wer ich bin, wofür ich gemacht wurde und weshalb man mich nach Pächnidhia geschickt hat.«

»Du weißt es nicht?«

»Ich weiß nur, dass ich irgendwie blockiert war. Dass ich etwas tun sollte. Es jedoch nicht wollte oder konnte.«

»Das sah für mich genauso aus. Du hattest die Toys oder deren Nachfahren sozusagen auf dem Präsentierteller und hast die Waffe wieder gesenkt.«

Frankie erinnerte sich, dass sich Hollys Riesenwumme noch immer im Transporterraum befand. Sie war einfach zu groß für seinen vergleichsweise winzigen Waffenschrank im Cockpit. Die Schränke im Transporterraum boten etwas mehr Raum.

»Ich weiß nicht, warum ich es tat. Kannst du mir mein Handeln erklären?«, fragte Holly.

»Weil du in deinem tiefsten Innern menschlicher bist, als du glaubst.«

»Aber nicht alle Menschen sind … gnädig, oder?«

Frankie schüttelte den Kopf.

»Nicht viele hätten wie du gehandelt. Das stimmt. Aber wenn man all die Motivationen fortlässt, die aus dem Homo sapiens der Neuzeit ein Raubtier gemacht haben – also Gier, Lust, Machthunger – dann ist der Mensch im Kern … meist gut.«

»Auch die LaLeLimbus-Brüder?«

»Eher nicht. Fragst du, weil du glaubst, dass sie dich geschickt haben könnten?«

Frankie schaute seinen Untermieter schräg von der Seite an. Diesmal war es Holly, der nickte.

»Tief, sehr tief in meinen Erinnerungen gibt es so etwas wie den Gedanken an ein vorheriges Gefühl, dass die Brüder an meinem Schicksal schuld sind.«

»Eine vage Ahnung?«

»Ein Funke, mehr nicht.«

Frankie glaubte Holly. Erinnerungen sind eine fragile Sache. So manch Erlebtes schaffte es aus dem Kurzzeitgedächtnis nicht in die Langzeitabspeicherung. Und Frankie wusste, dass es Möglichkeiten gab, von außen einzugreifen, Erinnerungen zu löschen oder gar neue, fremde zu implantieren. Letzteres war unter Androhung drakonischer Strafen von den Gesetzgebern der Kernsysteme verboten worden. Doch die Kernsysteme waren weit entfernt und die Versuchung groß. Nicht zufällig hatte es so etwas wie die Entwicklungen auf dem Toy-Planeten hier draußen gegeben. In den äußeren Sektoren tummelte sich all das, was in den Kernsystemen einen schweren Stand hätte: Gesetzesbrecher, Flüchtige, Schmuggler und Dealer.

»Ich kenne auf Clarion Prime einen Karenadier namens Wood, der dir helfen könnte«, sagte Frankie.

»Um mich zu erinnern?«

»Genau«, bestätigte Frankie. »Bist du schon einmal einem Karenadier begegnet?«

Holly verneinte.

»Die Karenadier sind Holzwesen. Keine wandelnden Bäume, eher wie kleine Menschen mit Rindenüberzug.«

»Wie Marionetten?«, fragte Holly.

Frankie schmeckte der Vergleich nicht so recht, doch in Ermangelung einer passenden Analogie stimmte er seinem neuen Crew-Mitglied zu.

»Irgendwie ja. Nur ohne Fäden!«, schob er eilig nach.

»Dieser Wood … er ist dein Freund?«

Frankie überlegte. Er hatte Wood einmal dessen hölzernen, kleinen Hintern gerettet. Und immer, wenn er Clarion Prime anflog, besuchte er ihn. ›Auf ein Glas‹, war dabei die Floskel, die sie gebrauchten, um sich zu verabreden. Frankie musste schmunzeln.

Sicherlich, Wood war ein Sonderling.

Karenadier im Allgemeinen und Wood im Besonderen wurden nicht müde, ihre Ehre zu betonen. Eine eventuelle Schuld einem anderen gegenüber wog in ihrem Wertesystem äußerst schwer, doch war Wood viel zu selbstbewusst, um diese offene Rechnung ständig zu erwähnen.

»Ja, er ist mein Freund«, antwortete Frankie eine Spur feierlicher als beabsichtigt. »Und er ist der Fachmann, wenn es um verlorene Erinnerungen geht.«

Holly ließ dies unkommentiert.

Wieder ertönte der Alarm und die zwanzig Sekunden Vorwarnzeit wurden auf dem Sichtfenster heruntergezählt.

»Wir fallen aus dem Stream«, sagte Frankie, doch Holly hatte sich längst angeschnallt. Irgendetwas schien ihn zu beschäftigen.

Frankie wollte im Moment nicht nachfragen, er konzen­trierte sich vielmehr darauf, die Gurte möglichst fest zu ziehen.

Noch drei, zwei, eins …

Es fühlte sich an, als würde die Corona bei voller Fahrt Anker werfen. Frankie wurde nach vorn gerissen. Holly ebenso. Sie waren zurück im Standardraum. Während Holly sich bereits wieder ohne ein Zeichen von Schmerzen abschnallte, sah es bei Frankie etwas anders aus.

»Verdammt«, fluchte er laut. Es wurde wirklich Zeit, den Schildgenerator reparieren zu lassen! Und ohne den Abstecher zum Toy-Planeten wäre das auch längst geschehen.

Frankie schaute zu Holly hinüber, der stumm und starr auf den Planeten hinunterblickte.

Clarion Prime!

»Die zwanzigtausend, die du mir gegeben hast … von wem waren die?«

Holly löste sich von den Gedanken, die ihn eben noch festgehalten hatten, und schaute zu Frankie.

»Keine Ahnung. Meine einzige Erinnerung daran ist, dass ich mich in deinem Frachtraum befand und es nicht danach aussah, als ob du mir helfen würdest. Den Hinweis auf das Geld fand ich dann wie von selbst in meinen Add-on-Speichern.«

»Das klingt wirklich nach einem Job für Wood«, sinnierte Frankie.

Holly schaute derweil wieder auf Clarion Prime hinab.

»Wenn ich nur als Werkzeug benutzt wurde …«

Sein Gesicht zeigte etwas, das Frankie bei seinem neuen Partner bislang noch nicht bemerkt hatte.

Vielleicht war es Entschlossenheit.

Wahrscheinlich war es Wut. 

 

Voller Zorn

 

Holly und Frankie standen vor der Tür von Woods Wohneinheit. Und so wild entschlossen Holly auch war, endlich die Wahrheit über sein Leben zu erfahren, so gefesselt war er doch von dem Anblick, der sich ihm hier oben bot. Es war ein surreales Gefühl, auf einem Laubengang im 205. Stockwerk zu stehen und über die Stadt zu schauen. Die Häuserblocks hatten alle 50 Stockwerke Dockingplattformen, die von Lufttaxis und privaten Planetenjets angeflogen werden konnten. Tausende Fenster. Manche beleuchtet. Manche blind. Und dazwischen tiefschwarze Wände aus dem allgegenwärtigen Verbundstoff. Ihren Miet-Hopper hatten sie auf der untersten Ebene geparkt. Die oberen Dockingplattformen zu benutzen, war ein teures Vergnügen. Frankie fielen aus dem Stand zwanzig bessere Wege ein, seine Credits zu verpulvern. Also hatten sie einen der Standardlifte benutzt und waren so hier hinauf gelangt.

Clarion Prime wollte eine pulsierende Metropole sein, doch in dem Teil, in dem Wood wohnte, gab es viel Leerstand. Also war ihnen auf dem Weg vom Hangar bis hier kaum jemand begegnet. Ein Umstand, der Frankie sehr zupasskam.

Der Wind zerrte an Holly und Frankie, griff sich jeden Fitzel ihrer Kleidung und drohte, sie über die Brüstung zu ziehen. Freilich war das nicht möglich. Ein feines Grav-Netz hielt alles fest, was größer als eine Männerfaust war. Die kleineren Dinge jedoch wurden hinausgeschleudert, zerrissen, zerfetzt und legten sich als feiner, schmutziger Film über die Stadt.

Prime City war ein Moloch.

Es war eine traurige Wahrheit, dass sich die Welt hier draußen in den Außensektoren um dieses hässliche Etwas drehte, das vorgab, eine Metropole zu sein.

Frankie und Holly wandten sich ab. Die Faszination des Ausblicks hatte sich ins Nichts aufgelöst.

Sie waren hier, um Wood zu treffen. Und wenn dieser Karenadier nur halb so kompetent war, wie Frankie ihn Holly gegenüber angepriesen hatte, würde die nächste Stunde deutlich spannender ausfallen, als es selbst der beste Ausblick über Prime City jemals sein konnte.

»Eines noch«, sagte Frankie und hielt Holly davon ab, den Ankündigungsritus der Wohneinheits-KI zu starten.

»Er heißt Wood. Nenn ihn bitte niemals Woody. Das hasst er.«

Holly nickte.

Frankie dachte für einen Moment an sein geliebtes Schiff. Sie hatten die Corona in der Parkbucht gelandet, die ihnen von der KI des Raumhafens übermittelt worden war, und Frankie hatte das Reparaturteam angewiesen, den Schildgenerator am besten gleich komplett zu ersetzen. Dieses Team bestand ausschließlich aus Polmariern, die mit ihren sechs Händen und drei Gehirnen für so etwas prädestiniert waren.

Frankie hatte den Generator von seiner DNA-Sicherung entkoppelt. Anderenfalls hätten die Polmarier keine Chance gehabt, den Generator zu reparieren oder auszutauschen.

Die Corona biometrisch abzusichern, war eine der besten Ideen gewesen, die Frankie jemals gehabt hatte. Starten und in den Stream fliegen konnte sein Schiff somit nur, wer über seine DNA verfügte.

Frankie war sich nicht sicher, ob Holly auf Clarion Prime als unerwünschte Person galt, und hatte ihm daher sicherheitshalber eine gestohlene Identität verpasst. Die hatte er eigentlich für den Notfall – seinen Notfall – aufheben wollen. Doch im Moment war es besser, sie Holly zu geben und es gar nicht erst zu einem Notfall kommen zu lassen.

So oder so: Frankie würde sich wohler fühlen, wenn Hollys Geheimnis gelüftet war und sie den Planeten mit einer vollständig intakten Corona wieder verlassen hatten.

Der erste Schritt auf diesem Weg bestand darin, Wood einen Besuch abzustatten. Also startete Holly den Ankündigungsritus. Früher hätte es eine simple Hausglocke getan, doch heutzutage brauchte es einen etwas komplexeren Vorgang, um Besucher willkommen zu heißen. Je nach Gusto des Wohneinheitsbesitzers sprang damit der Kaffeemat an, gegebenenfalls wurden Musik und Zimmerbrunnen gestartet, möglicherweise wurde je nach Ankömmling das Licht gedimmt – die Gnamorianer sind dahingehend etwas empfindlich – und die möglicherweise geöffneten Schränke und Sicherheitsfächer wurden automatisch geschlossen. Jede Wohneinheit verfügte über eine frei programmierbare KI und somit konnte man die dringendsten Notwendigkeiten der Pre-Begrüßungsphase durch die künstliche Intelligenz erledigen lassen. Zumindest, so überlegte Frankie, gehörten dadurch Sätze wie ›Komme gleich‹ oder ›Moment, ich hab nichts an‹ der Vergangenheit an.

Na ja, zumindest der erstere.

»Komme gleich«, wisperte da ein dünnes Stimmchen hinter der Tür.

Frankie blickte direkt in die Kamera des Wohneinheitsüberwachungssystems und versuchte, so anklagend wie möglich dreinzuschauen. Wood würde sein Bild sicherlich auf einem der Bildschirme im Innern sehen können.

Frankie war kein Idiot. Die Tatsache, dass Wood sie vor der Tür warten ließ, bedeutete, dass er im Innern etwas tat, das keine KI übernehmen konnte und das sie aus irgendeinem Grund nicht sehen sollten.

Andererseits: Vielleicht war Wood nur vorsichtig, was Frankies Begleiter anging. Schließlich verfügte Holly neben seinem zuweilen naiven Gemüt auch über eine unübersehbare körperliche Präsenz. Letztere konnte man zweifellos durch die Kameralinse erkennen. Doch dann hätte Wood sich immer noch damit herausreden können, dass seine Wurzel lose im Wind baumle.

Wenn Frankies Vermutung richtig war, dann würde Wood ihm helfen wollen und erwartete sie mit entsicherter Waffe hinter der Tür.

»Okay, okay, bin schon da«, kam in dem Moment ein zweites Wispern. Kaum eine Sekunde später wurde die Tür aufgerissen und Holly blickte in den Lauf eines 97er-Blasters.

»Du!«, sagte Wood in Hollys Richtung, »Alle Waffen auf den Boden. Und schön vorsichtig bitte!«

Gleichzeitig nickte er Frankie zu.

»Alles in Ordnung?«

Frankie lächelte seinen Freund an.

»Er ist in Ordnung. Vertrau mir.«

Widerwillig senkte Wood seinen Blaster.

»Bist du sicher?«

Als Antwort schob Frankie Holly durch die Tür ins Innere von Woods Wohneinheit. Der kleine Karenadier sprang selbst für Frankie unerwartet behände durch den Raum und verstaute seine Waffe am anderen Ende. Danach kehrte er ebenso eilig zu ihnen zurück.

Frankie hatte die Tür hinter sich geschlossen und stellte die beiden einander vor.

»Mein neues Crew-Mitglied. Holly.«

»Angenehm, Wood«, erwiderte der Holzmann und wandte sich an Frankie.

»Neues Crew-Mitglied? Du fliegst doch alleine?«

»Jetzt nicht mehr.«

Wood sah ihn schräg von unten an.

»Läuft da was zwischen euch?«

Frankie musste lachen.

»Nein, Wood. Ich bin immer noch hetero.«

»Na, das hätten wir dann ja geklärt«, fuhr Holly etwas unsanft dazwischen und deutete so unauffällig wie möglich auf den Holzmann.