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»Wir sind alle dem Untergang geweiht« steht in großen Lettern an der Wand eines Hochhauses in Antje Ippensens Story DAS INNERE oder DIE NULLTE STIMME und dieser Satz ist Programm für alle hier in dieser Zusammenstellung gesammelten Erzählungen und Novellen.
Alle sieben Geschichten zeugen vom Interesse der Autorin an abseitigen, morbiden, okkulten und den gemeinhin phantastisch genannten Themen. Dieser Band wurde direkt für Bärenklau Exklusiv zusammengestellt.
Folgende Geschichten sind in diesem Band enthalten:
› Blutige Worte, tiefblau
› Kinder der Zeit
› Bewusstlos
› Das Innere oder Die nullte Stimme
› Blut und Bär
› Im Auge der Macht
› David Murphy und der Dämonenstein
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Antje Ippensen
Blutige Worte,
tiefblau
Horror-Geschichten
Copyright © by Author/Bärenklau Exklusiv
Cover: © by Steve Mayer mit Bärenklau Exklusiv, 2024
Korrektorat: Bärenklau Exklusiv
Verlag: Bärenklau Exklusiv. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau (OT), Gemeinde Oberkrämer. Kerstin Peschel (Verlegerin), Am Wald 67, 14656 Brieselang
Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.
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Inhaltsverzeichnis
Impressum
Das Buch
Blutige Worte, tiefblau
Vorwort
Blutige Worte, tiefblau
Kinder der Zeit
Bewusstlos
Das Innere oder Die nullte Stimme
Blut und Bär
Im Auge der Macht
David Murphy und der Dämonenstein
»Wir sind alle dem Untergang geweiht« steht in großen Lettern an der Wand eines Hochhauses in Antje Ippensens Story DAS INNERE oder DIE NULLTE STIMME und dieser Satz ist Programm für alle hier in dieser Zusammenstellung gesammelten Erzählungen und Novellen.
Alle sieben Geschichten zeugen vom Interesse der Autorin an abseitigen, morbiden, okkulten und den gemeinhin phantastisch genannten Themen. Dieser Band wurde direkt für Bärenklau Exklusiv zusammengestellt.
Folgende Geschichten sind in diesem Band enthalten:
› Blutige Worte, tiefblau
› Kinder der Zeit
› Bewusstlos
› Das Innere oder Die nullte Stimme
› Blut und Bär
› Im Auge der Macht
› David Murphy und der Dämonenstein
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Horror-Geschichten
von Antje Ippensen
»Wir sind alle dem Untergang geweiht« steht in großen Lettern an der Wand eines Hochhauses in Antje Ippensens Story DAS INNERE oder DIE NULLTE STUNDE und dieser Satz ist Programm für alle hier in dieser Zusammenstellung gesammelten Kurzgeschichten.
Und Sie, lieber Leser, sollten sich auch nicht von dem vagen und neutralen Titel dieser Story in die Irre führen lassen.
Selbst die längste Erzählung dieses Bandes, KINDER DER ZEIT, nach einer Idee von mir für einen Schreibwettbewerb Ende der 90’er Jahre des vergangenen Jahrhunderts eingereicht (und mit einem Preis verziert!), passt bereits in diesen Kontext.
Alle Erzählungen zeugen vom Interesse der Autorin an abseitigen, morbiden, okkulten und den gemeinhin phantastisch genannten Themen. Mal surreal versponnen, wie in BLUTIGE WORTE, TIEFBLAU, einer vordergründig blumig erzählten, kaleidoskopartigen Aneinanderreihung von einzelnen Worten, die zum Ende ein stimmiges Muster bilden.
Es sind stets plakative und manchmal zum Widerspruch reizende Metaphern einer Autorin der Postmoderne, deren schriftstellerische Wurzeln ganz bodenständig bis zu E.A. Poe zurückreichen.
Nicht anders verhält es sich mit BEWUSSTLOS … eine brutale, bitterböse ironische Überzeichnung heutiger Zustände, in fast schon schnodderig zu nennender Sprachauskleidung mit den typischen Sujets der Science-Fiction Literatur.
Und das Beste: kommt zum Schluss. Nach all der Hoffnungslosigkeit, Ausweglosigkeit, nach Elend, Dreck und Kummer, Resignation und Kapitulation öffnet die Autorin in ihrem dystopischen (fast schon im medizinischen Sinn) letzten Beitrag DAS INNERE oder DIE NULLTE STUNDE endlich auch die Hintertür für ein winziges Quäntchen Hoffnung einen Spaltbreit mit dem Satz »alles wandelt sich und sie schrieb sich selbst in andere Welten hinein«. Damit schließt sich der Kreis.
Jörg Martin Munsonius
Sehnsucht, Qual, wüstenmondhafte Sehnsucht: auf den gewohnten Pfaden anderswohin zu gelangen. Essie fühlte sich wie ledrige fünfzig Jahre alt, während sie hinaufstarrte in die Abgründe der Nacht; da oben schwebte der kleine Planet, geschäftig umkreist von seinem riesenhaften Begleiter, auf dem sie stand, dem Mond, der schon lange nicht mehr blau war wie einst, sondern bräunlich-grau beschichtet unter der schrumpeligen Walnusssonne. – Kleiner Planet, so hell, so freundlich, in Perltönen schimmernd!
Majestätisch schwebte das Füllfederraumschiff über Essie hinweg und zerteilte die ewige All-Nacht … Sie rieb sich die Augen.
Einkaufen in einer Großstadt namens Hier. Essie rieb sich nun nicht mehr die Augen, sondern die Ellbogen wund am Volk der Ganzvielen, das diese Großstadt eilig bewohnte. Das war nun ihr Los; und als sie erschöpft, auf der Terrasse eines Cafés strandete, klemmte Essie sich in einem kollabierenden Klappstuhl ein und brauchte Stunden, um sich wieder zu befreien – da war ihr Kaffee längst kalt geworden, und das Croissant hatten sehr freche Spatzen gefressen.
Wochenende in einer kleineren Stadt namens Ist. In Ist waren die Straßen glatter Marmorteppichboden. Niemand sprach, aus Furcht, auszurutschen, und alle Soflachen – so nannte man die Ist-Bewohner – klopften Fleisch unter der Erde. Das war der einzige Beruf in Ist.
Das dumpfe, niemals endende Schlagen und Klatschen verfolgte Essie auch am Montag, bis in das Dorf Ein. Die Eindörfler lächelten unaufhörlich. Wenn sie besonders gemein waren, dann grinsten sie. Essie hatte dort ein Vorstellungsgespräch, aber es ging übel aus für sie, denn als sie zu lange zögerte mit einer Antwort, die sich auf ihre Lebenstüchtigkeit hätte beziehen sollen, jagte man sie sogar lachend davon. Essie spürte noch lange ein Geräusch wie von dumpf pochendem Lachen in ihrem Kopf.
Und wieder erschien das Raumschiff mit seinem riesigen schlanken schwarzen langgestreckten Körper, das mit seiner goldenen Spitze einen Mond zerteilte und sich sacht in die Sonne bohrte, um ihre Energie zu trinken …
Essie starrte dorthin – so weit weg war es, doch ihr erschien es nah … erschreckend nah, sie erschauderte. Sie betete das Raumschiff an und wäre fast vor ihm auf die Knie gesunken.
Sie zog weiter.
Silvester in Ort! Endlich in Ort, diesem wunderbar netten Marktflecken.
Essie sah sich um und erkannte, dass auch das Vertraute unheimlich werden konnte. Vor ihr ging eine junge Frau mit schwerer, überquellender Einkaufstasche. Ein taufrischer Kohlkopf quoll heraus und fiel – platsch! – zu Boden. Sieben Schritte weiter hinterließ die Tasche zwei Erdbeeren. Blutstropfengleich funkelten sie auf dem Pflaster. Dann ein Hühnerbein. Die junge Frau zog eine Spur nahrhafter Dinge hinter sich her, verlor sie sie absichtlich? In schmunzelndem Misstrauen folgte Essie und hob die Sachen auf, sammelte sie ein: pralle Pampelmusen, gelbgrüne Bananen, in Zeitungspapier gewickelter Räucherfisch, eine blutige Hand.
Die junge Frau bog um eine Ecke.
Essie blieb stehen. Dreihändig. Ihr Mund öffnete sich zu einem Schrei, der sich in warme, schwarz fließende Luft verwandelte und sich in dunstigen Zeichen an einer Mauer niederschlug.
WÜSTENMOND!
Essie begann zu rennen, und das war der Moment, wo sie die weißen Papierpfade von Ort verließ, durch die buchstabenförmigen Gebäude hindurch rannte, sich kurz an einem Punkt festhielt, und dann abrutschte, anderswohin glitt.
Sie sah sich wieder einmal um. Leicht verwirrt. Das Blatt Papier war an einer Wand festgenagelt, und die Namen der Häuseransammlungen, die Essie so oft besucht hatte, leuchteten schräg und fett hervor, glänzender als das sie umgebende Schwarz der restlichen Worte.
Ihre Geschichte.
Nah, der kleine perlweiße Planet. Allzu nah jetzt. Er fraß ihre Träume.
Und aus dem Planetenschatten tauchte der schwer gepanzerte Füllfederraumer wieder auf und verspritzte einen Tintenklecks von der Größe einer Sternenwolke.
War das ein Traum im Traum im Traum?
Zaghaft versuchte Essie den Satz, den die fetten schrägen Wörter bildeten, zu vollenden … an dem ich endlich Kaffee trinken und ein Croissant essen werde.
Aber bedurfte der Satz überhaupt einer Vollendung?
»Halt!«, schrie Essie plötzlich. »Ich muss zurück, ich habe etwas vergessen!«
Und schrie es noch, als die riesige goldene Spitze des Füllhalters auf sie zukam, lautlos funkelnd, ihren Leib durchbohrte und aufspießte.
***
(nach einer Idee von Marten Munsonius; die Geschichte wurde 1998 mit dem Preis des Freien Deutschen Autorenverbandes ausgezeichnet)
Falun erwartete sie. Der »bunte Freizeitpark für Leute mit besonderen Ansprüchen« zog offenbar in diesem Sommer besonders viele Familien an. Im letzten Jahr hatte Troy es noch schön gefunden, hier die beiden altvertrauten mannshohen Kakteen wiederzusehen, die ihre stachligen Arme wie zum Willkommensgruß in die Höhe reckten. Da waren sie, so wie jedes Jahr, doch diesmal ließen sie ihn vollkommen kalt. Fast erwartete er, dass sie daraufhin ihre Stachelarme betrübt hängenlassen würden … aber das geschah natürlich nicht. Troy hatte über sich selbst den Kopf geschüttelt. Für solche kindischen Gedanken war er nun wirklich zu alt.
Jetzt waren sie schon drei Tage hier, doch Troy hatte sich nie weiter als fünfzig Schritte vom Wohnwagen entfernt. Es ging nicht nur darum, dass er sich langweilte – nein, es fiel ihm schwerer als im letzten Jahr, herumzutollen und mit den schillernden Schmetterlingen zu spielen, auf Bäume zu klettern und die rotblaugelben Papageien aufzuscheuchen. Er wusste nicht wieso. Es fiel ihm einfach – schwerer. Ich langweile mich, dachte er wie schon so oft, und im gleichen Moment fühlte er die forschenden Blicke seiner lieben Eltern im Rücken. Troy drehte den Kopf. Pops näherte sich dem Sohn ein wenig unschlüssig, doch dann schien er sich zu ermannen.
»Nun lauf doch mal ein wenig herum und amüsiere dich!«, befahl Pops seinem Sohn endlich ungeduldig. Mumsy saß auf ihrem Klappstuhl unweit des blitzenden weißen Wohnwagens; sie versuchte, ihrem Jungen aufmunternd zuzulächeln, aber die Sorgenfalten in ihrem Gesicht waren nicht zu übersehen. An ihren schlanken Beinen glänzte Sonnencreme, mit der sie sich gerade einrieb. Troy wandte den Blick ab und trottete ein Stück davon, bevor er wieder stehenblieb. Schließlich gab Pops ihm den entscheidenden Anstoß, weil er ihm nämlich nachkam und ihm leise ins Ohr zischte: »Sei kein solcher Angsthase, Troy. Beweg dich und sei fröhlich. Du weißt doch, wie sehr deiner Mutter daran liegt.«
Er wollte kein Angsthase sein. Aber es waren vor allem die verlogenen Worte, die ihn regelrecht vertrieben. Und das falsche ängstliche Lächeln von Mumsy. Dieser ständige Druck, fröhlich sein zu müssen … Wo sie doch genau wussten … Moment. Wussten sie denn wirklich etwas? Weg mit diesen Gedanken, weg damit! Troy nahm sein federleichtes Modellflugzeug mit und ließ es fliegen, als könne es seine wirren, trüben Gedanken durch die Luft davontragen, durch diese helle klare Luft, in der sie sich auflösen würden … Silbern schoss das Spielzeug über dem blühenden Schilf hin und her. Troy hörte auf zu denken und vergaß die Zeit.
Nun hatte er sich schon ziemlich weit vom Wohnwagen entfernt. Es dämmerte bereits, und er beschloss, sein Flugzeug ein letztes Mal loszuschicken und dann umzukehren. Er musste sich in der Nähe des Flusses befinden, denn plötzlich drang das Rauschen des Wassers bewusst an sein Ohr.
Hier war es überhaupt feuchter; er blieb stehen und spiegelte sich in einem kleinen brackigen Tümpel. Das Gesicht, das ihm da entgegenflimmerte, umspielt von den Strahlen der untergehenden Sonne … für einen Moment gefiel es ihm, und er wusste auch, dass er breitschultrig war wie Pops. Zwar hatte er einen etwas gedrungenen, unproportionierten Körper, aber das war nicht ungewöhnlich in seiner Familie. Was also war es? Troy wusste selbst nicht genau, was er mit »es« meinte. Klar, seine Kameraden – seine ehemaligen Kameraden, sollte er sie wohl lieber nennen – sahen etwas anders aus. Na und? Seit jenem letzten Zwischenfall ging er ohnehin nicht mehr zur Schule.
