Brandon und Toni - Frank Böhm - E-Book

Brandon und Toni E-Book

Frank Böhm

4,0

Beschreibung

Brandon und Toni kennen sich zwar erst seit etwas mehr als einer Woche, dennoch, oder gerade deswegen, können sie es kaum erwarten, sich endlich wiederzusehen. In Köln lernt Brandon zudem auch Tonis besten Freund Acim und den netten Kumpel Malte kennen, die ihn ihrerseits mehr oder minder neugierig unter die Lupe nehmen — und für gut befinden. Als Toni knapp drei Wochen nach diesen romantischen Tagen nach Hamburg fährt, um mit Brandon dessen Geburtstag zu feiern und zudem Oma Magda zu treffen, erreicht ihn, wie schon zu Ostern, ein Anruf seiner Mutter. Wird es endlich zu einer Versöhnung zwischen Mutter und Sohn kommen oder stellt ihr angespanntes Verhältnis die junge Liebe zwischen Brandon und Toni auf eine harte Probe? Der Inhalt dieses Buches umfasst ca. 11.000 Wörter.

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Frank Böhm, Valerie le Fiery

Brandon und Toni

Schmetterlinge im Bauch

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Achtung auf Gleis zwei …

„Toni! Tooooooooni! Sag mal, bist du taub und blind zugleich? Siehst du mich nicht? Was ist los mit dir?“

Hektisch dreht sich Toni in die Richtung, aus der er angesprochen wurde, und schließt seinen Brandon nach ewiglangen sechs Tagen am Sonntagabend nach Ostern wieder in die Arme.

„Tut mir leid, ich war mal wieder durcheinander und dachte, du kämst aus der anderen Ecke, aber es ist dermaßen schön, dass du endlich hier bist. Sag mal, die Rose, die du da in der Hand hast, ist die für mich?“

Sofort, nachdem er diese Worte hektisch hervorgestoßen hat, begrüßt er seinen Freund mit einem innigen Kuss.

„Das ist so ganz mein Toni“, erklärt Brandon lächelnd, nachdem sich seine Lippen wieder von Tonis gelöst haben. „Erst hält er natürlich am gegenüberliegenden Gleis nach mir Ausschau, als Nächstes denkt er, ich käme aus der anderen Richtung und dann ist das Erste, was er sieht, eine Rose. Aber um deine Frage zu beantworten, natürlich ist sie für dich. Ich hoffe, du freust dich.“

„Und wie!“, antwortet Toni breit grinsend, nimmt die duftende Blume freudestrahlend entgegen, hält sie krampfhaft fest und riecht mehrfach daran.

„Übrigens habe ich auch daran gedacht, dir ein paar Franzbrötchen mitzubringen. Die hatten heute sogar welche mit Apfel und Vanillepudding, die sollen megalecker sein. Können wir nachher bei dir zu Hause probieren.“

„Dafür könnte ich dich schon wieder knutschen, Brandon. Aber nun lass uns gehen. Ich bin schon irre gespannt, was du zu meiner WG sagst.“

Hastig greift Toni nach Brandons Hand und zieht ihn vom Gleis in Richtung Ausgang.

„Wie lange bleibst du denn? Hatten wir irgendwie gar nicht drüber gesprochen. Ich hoffe, gaaaaanz lange.“

Kopfschüttelnd, aber zugleich lächelnd setzt Brandon zu einer Antwort an.

„Mittwochmittag starte ich ab Düsseldorf in Richtung Berlin. Bis dahin habe ich frei, schließlich habe ich jetzt auch sechs Tage durchgearbeitet. Ich hoffe, ich kann bis dahin bei dir unterkommen?“

„Was für eine Frage! Du kannst natürlich bleiben, so lange du willst. Ich bin doch froh, wenn du bei mir bist. Meine WG-Mitbewohner habe ich schon eingeweiht, die freuen sich auf dich. Außerdem wollen Acim und Malte dich endlich kennenlernen. Und morgen habe ich keine Vorlesung, da könnten wir gaaaaaanz in Ruhe frühstücken und es uns gemütlich machen. Nur wenn du willst natürlich.“

In diesem Moment kann man ein enormes Funkeln in Brandons Augen erkennen.

„Auf den gemütlichen Teil freue ich mich besonders, Toni. Und auf deine Haut, deine Lippen, ach, auf den ganzen Kerl. Kannst du dir eigentlich vorstellen, wie sehr ich dich vermisst habe?“

Toni bleibt abrupt stehen und setzt einen konzentrierten Blick auf.

„Moment, lass mich einen Augenblick lang nachdenken. Ich glaube, du hast mich genauso sehr vermisst, wie …“, Toni legt eine kurze Kunstpause ein, „… wie ich dich, genau! Genauso sehr wie ich dich!“

Brandon bestätigt die Aussage mit einem Nicken und beide Männer versinken abermals in einem langen Kuss, bevor sie Hand in Hand weitergehen und nach etwa einer halben Stunde das Haus im Latin Quarter erreichen, in dem sich Tonis WG befindet.

„Wir müssen in den vierten Stock“, erklärt Toni seinem Gast. „Glücklicherweise gibt es einen Fahrstuhl, oder möchtest du lieber die Treppe nehmen?“

„Öhm, falls du so fragst, verschwinde ich sehr gern für einen Moment mit dir im Lift.“

„Und was willst du dort drin mit mir anstellen? Muss ich mich etwa fürchten?“, haucht Toni an Brandons Ohr, während er aufschließt und ihn in Richtung Aufzug zieht.

„Lass dich doch einfach überraschen“, raunt Brandon zurück und wartet sehnsüchtig, dass sich die Türen des Fahrstuhls öffnen und beide Männer darin verschwinden können.

Kaum hat sich das Teil in Bewegung gesetzt, um sie in den vierten Stock zu verbringen, treffen sich erneut ihre Lippen. Hände gehen auf Wanderschaft und ertasten die in den letzten Tagen so schmerzhaft vermisste Haut des anderen.

„Ich könnte mit dir jetzt noch stundenlang so weiter fahren, aber wir sind oben“, haucht Toni und deutet auf das Lichtzeichen, das signalisiert, dass der vierte Stock erreicht ist. „So, komm mit, dort drüben, den ganzen Flur entlang!“

Toni zieht Brandon aufgeregt hinter sich her, bis die beiden zu einer Tür gelangen, an der vier Namen stehen, die Brandon aufmerksam liest.

„Alles Männer?“, fragt Brandon gleich darauf und deutet auf das Schild, das er soeben studiert hat.

„Jepp!“, bestätigt Toni. „Eifersüchtig?“

Brandon wiegt seinen Kopf hin und her und grinst dabei ein wenig.

„Sofern es einen Grund gibt, dann ja!“

„Also!“, beginnt Toni zu erklären. „Drei Mitbewohner, alle männlich, durch die Bank gut aussehend und im besten Alter. Definitiv ein Grund für dich, sich ein paar Gedanken zu machen. Aaaaber, es sind durchweg Heten. Wir sind also die einzigen Gays hier. Also keine Panik, ist alles ganz locker hier.“

„Dann bin ich ja beruhigt!“, antwortet Brandon erleichtert und nickt mit spitzen Lippen, während er den Flur der Wohnung betritt und neugierig Ausschau hält, ob er nicht den einen oder anderen WG-Kumpel entdecken kann. In der Wohnung ist es allerdings komplett ruhig, was Toni sofort mit einem Lächeln im Gesicht begründet.

„Heiko, Holger und Andreas sind wahrscheinlich in der City noch was trinken gegangen. Das machen die sonntags häufiger. Wir haben also mehr oder weniger sturmfreie Bude.“

„Mehr oder weniger?“, hakt Brandon nach.

„Ja, es gibt eine Katze. Die gehört Heiko, schleicht aber regelmäßig durch alle Räume. Madame tut dabei natürlich so, als würde ihr die Wohnung gehören. Ich hoffe, du bist nicht allergisch.“

„Nein! Katzen sind kein Problem für mich. Wir hatten zu Spitzenzeiten bei meiner Oma drei Stück. Also daran bin ich gewöhnt. Aber jetzt zeig mir endlich dein Zimmer. Wo wohnst du in dieser Bude?“

„Genau hier!“, ruft Toni Brandon entgegen, öffnet eine Tür und bittet ihn mit einer Handbewegung hinein. „Auf diesem Bett werden wir heute Nacht unseren Spaß haben. Natürlich nur, wenn du nichts dagegen hast. Deine Sachen kannst du einfach irgendwo platzieren. Ich habe dir sogar ein Fach im Schrank ausgeräumt. Linke Seite! Doch bevor du deine Tasche auspackst, kommst du erst noch mal zu mir. Und vergiss nicht, die Tür zu schließen. Schließlich kann man nie wissen, wann die Jungs hier wieder aufkreuzen.“