Breaking Me Softly - Melody Adams - E-Book

Breaking Me Softly E-Book

Melody Adams

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Beschreibung

Ich bin auf der Flucht vor meiner Vergangenheit. Viper ist der erste Mann, vor dessen Berührung ich nicht zurückschrecke. Er macht mich ganz, und zum ersten Mal hoffe ich auf eine Zukunft. Doch meine Vergangenheit holt mich ein und ich muss den einzigen Menschen betrügen, den ich je geliebt habe. Ich bin gebrochen. Irreparabel. Eine Zeit der Schmerzen liegt vor mir. Wenn ich mich endlich von den Fesseln meiner Vergangenheit befreien kann, ist es zu spät, denn Viper wird mir niemals vergeben können, was ich ihm angetan habe.  Fay ist die erste Frau, die mir unter die Haut geht, doch sie hat mich betrogen. Ihr Verrat sitzt wie ein Stachel in meinem Herzen. Jetzt gibt es für mich wieder nur meine Karriere als MMA Fighter. Ich war, bin und werde immer ein Fighter sein. Das war vor Fay so und das wird es auch wieder sein. Liebe ist eine Illusion für Schwächlinge! Ich bin eine Killermaschine und Kämpfen ist alles, was ich will. So lange, bis ich meinen letzten Atemzug getan habe. Und mit diesem letzten Atemzug werde ich sie verfluchen. Fay! Die Frau, die mich gebrochen hat!

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 238




Contents

Titel

Copyright

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Epilog

Breaking me Softly

Fighting Hearts 1

Melody Adams

Breaking me Softly

Fighting Hearts 1

Melody Adams

Deutsche Erstausgabe 2014

Love & Passion Publishing

www.lpbookspublishing.com

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copyright © 2014-2019 by Melody Adams

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© Cover Art by CMA Cover Designs

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Alle Rechte vorbehalten.

Alle Personen und Gegebenheiten in diesem Buch sind fiktiv. Ähnlichkeiten mit noch lebenden oder bereits verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Fay:

Ich bin auf der Flucht vor meiner Vergangenheit. Viper ist der erste Mann, vor dessen Berührung ich nicht zurückschrecke. Er macht mich ganz, und zum ersten Mal hoffe ich auf eine Zukunft. Doch meine Vergangenheit holt mich ein und ich muss den einzigen Menschen betrügen, den ich je geliebt habe. Ich bin gebrochen. Irreparabel. Eine Zeit der Schmerzen liegt vor mir. Wenn ich mich endlich von den Fesseln meiner Vergangenheit befreien kann, ist es zu spät, denn Viper wird mir niemals vergeben können, was ich ihm angetan habe. 

Viper: Fay ist die erste Frau, die mir unter die Haut geht, doch sie hat mich betrogen. Ihr Verrat sitzt wie ein Stachel in meinem Herzen. Jetzt gibt es für mich wieder nur meine Karriere als MMA Fighter. Ich war, bin und werde immer ein Fighter sein. Das war vor Fay so und das wird es auch wieder sein. Liebe ist eine Illusion für Schwächlinge! Ich bin eine Killermaschine und Kämpfen ist alles, was ich will. So lange, bis ich meinen letzten Atemzug getan habe. Und mit diesem letzten Atemzug werde ich sie verfluchen. Fay! Die Frau, die mich gebrochen hat!

Kapitel 1

Fay

Fröstelnd zog ich die Jacke fester um mich herum und senkte den Kopf, um dem eiskalten Wind weniger Angriffsfläche zu bieten. Es war Ende November und man konnte spüren, dass es heute Nacht Frost geben würde. Ich fluchte leise vor mich hin. Warum musste ich auch so dumm sein und meinen Rucksack aus den Augen lassen. Eine Minute hatte ich nicht hingesehen und schon war er weg gewesen. Jetzt hatte ich buchstäblich nur noch das, was ich auf dem Leibe trug und mein Handy, welches sicher in meiner Jackentasche steckte. Mit dem zerknitterten Zehner, den ich noch in der Hosentasche gefunden hatte, hatte ich mir einen Kaffee und einen Hotdog gekauft. Jetzt hatte ich nur noch das bisschen Wechselgeld übrig. Es war bereits nach zehn Uhr und ich hatte keinen Platz zum Schlafen. Nicht einmal ein billiges Motel konnte ich bezahlen. So hatte ich mir meine Freiheit nicht vorgestellt, doch ich würde trotzdem nicht zurückgehen. Niemals! Meine Mutter würde mich nicht vermissen und mein Arschloch von einem Stiefvater konnte sich ein anderes Opfer suchen. Ich würde nie wieder seine dreckigen Finger auf mir spüren. Lieber fror ich mir hier den Arsch ab.

„Hey, Baby. Wie viel?“, riss eine lallende Stimme mich aus meinen Gedanken. Gelächter folgte.

Ich blickte auf und sah mich einer Gruppe von jungen Kerlen gegenüber. Alle schienen angetrunken zu sein und alle sahen alles andere als harmlos aus. Mit Schrecken stellte ich fest, dass ich mich in einem heruntergekommenen Viertel befand. Ich war wegen der Kälte so lange blind durch die Gegend gerannt, dass ich gar nicht wahrgenommen hatte, wohin es mich verschlug. Ängstlich schaute ich mich um. Weit und breit war niemand zu sehen, der mir helfen könnte. Wegen dem ungemütlichen Wetter schienen kaum Leute unterwegs zu sein. Alle saßen jetzt irgendwo schön im Warmen. Alle, nur diese vier besoffenen Dreckskerle nicht, die mich langsam einkreisten.

„Verpisst euch!“, rief ich und bedachte sie mit meinem, wie ich hoffte, finstersten Blick. Das schien sie nicht sonderlich zu beeindrucken, denn sie lachten und kamen noch näher.

„Wenn du mir gesagt hättest, wie viel du für einen Blowjob verlangst, dann hätte ich dich bezahlt. Doch so wie es jetzt steht, darfst zu es umsonst machen“, sagte ein bulliger Kerl mit schmierigen dunkelblonden Haaren. Die anderen lachten.

„Ja, und mir darfst du auch einen blasen“, rief ein schlaksiger Typ mit roten Haaren und widerlichen schwarzen Zähnen.

Ich wich vor den Kerlen zurück, bis ich eine Mauer in meinem Rücken spürte. Panik machte sich in meinem Inneren breit. Ich war aus der Hölle geflohen, nur um an meinem ersten Abend in Freiheit in die nächste Scheiße zu geraten? Das musste ein schlechter Scherz sein. Ich war so was von fertig mit dem Schicksal.

„Fick dich selbst“, sagte ich angewidert und spuckte dem bulligen Typen ins Gesicht.

Ein Schlag riss meinen Kopf zur Seite und mein Schädel begann augenblicklich zu dröhnen. Ich schmeckte Blut in meinem Mund und meine Augen wässerten. Verdammt! Der Typ hatte einen noch härteren Schlag als mein Stiefvater.

„Irrtum, Sweetheart“, sagte der Bulle und packte mich bei meinen dunkelbraunen Locken. „Ich ficke dich! Und nach mir meine Jungs hier. Und wenn sie mit dir fertig sind, dann nehm ich mir dich noch mal vor.“

Ich wimmerte. Der Griff in meinen Haaren war so fest, dass mir erneut die Tränen in die Augen traten. Ich musste irgendetwas unternehmen. Nur was? Ich hatte wahrscheinlich nicht die geringste Chance gegen ihn, nicht zu vergessen, dass noch drei Typen hinter ihm standen.

„Auf die Knie, du kleine Schlampe“, sagte der Bulle und ich wusste, dass ich eher sterben würde, als diesem stinkenden Mistkerl einen zu blasen.

Du hast nur eine verdammte Chance, Mädchen!, erinnerte ich mich selbst. Es muss sitzen. Beim ersten Mal!

Den schmerzhaften Griff des Bullen ignorierend, sammelte ich alle meine Kräfte und rammte den Hurensohn mein Knie in die Weichteile. Ich hatte keine Mühe mein Ziel zu treffen. Offenbar hatte er nicht damit gerechnet, dass ich so etwas abziehen würde. Ein Schmerzenslaut glitt über seine wulstigen Lippen und sein Griff in meinen Haaren löste sich, als er sich reflexartig in den Schritt griff. Seine Augen wässerten und er war bleich geworden.

„Scheiße!“, hörte ich einen der anderen Männer rufen. „Die verfickte Fotze hat Will erledigt.“

Ich überlegte keine Sekunde länger und rannte los. Ich wusste, dass die Typen hinter mir herkamen. Ich hörte die Schritte und ihren schweren Atem.

„Hilfe!“, schrie ich aus heiserer Kehle. „Hilfe!“

Ich konnte hören, dass sie nicht weit hinter mir waren. Hastig bog ich um die Ecke und kollidierte mit etwas Solidem. Große Hände legten sich um meine Taille, um mich abzufangen.

„Hey! Sachte“, drang eine tiefe, leicht raue Stimme an mein Ohr. „Was ...?“

In diesem Moment bogen meine drei Verfolger um die Ecke.

„Hilfe“, sagte ich atemlos.

Ich hatte noch nicht einmal die Kraft, zu dem Mann aufzusehen, in den ich gerannt war. Ich hatte keine Garantie, dass er mir nicht auch etwas Böses anhaben wollte, doch im Moment war er meine einzige Chance auf Rettung. Die großen Hände schoben mich hinter einen breiten Rücken.

„Sucht ihr etwas?“, hörte ich die raue Stimme meines Retters.

„Wir sind zu dritt“, sagte einer der drei Kerle selbstbewusst. „Du willst dich sicher nicht wegen so ’ner kleinen Schlampe, die du nicht kennst, mit uns anlegen. Also sei brav und verpiss dich, dann passiert dir auch nichts.“

„Ihr drei seid gerade recht für ein kleines Aufwärmtraining“, erwiderte mein Retter ungerührt. Er trat vor, und damit in den fahlen Schein einer Laterne.

Ich konnte sehen, wie die drei Typen erbleichten.

„Scheiße!“, stieß der rothaarige Typ panisch aus. „Das ist Viper, Jungs!“

„Richtig“, bestätigte mein Retter. „Immer erfreut, ein paar Fans kennenzulernen. Ist wirklich nett von euch, dass ihr euch als Sparringpartner zur Verfügung stellen wollt.“

In diesem Augenblick bog der Bullige um die Ecke, Mordlust stand in sein Gesicht geschrieben.

„Habt ihr die Schlampe?“, fragte er grimmig, dann fiel sein Blick auf Viper. „Was ist?“, fragte er an seine Freunde gerichtet. „Angst vor einem einzelnen Mann? Macht ihn fertig!“

„Das ist Vincent Viper Mahony“, raunte einer seiner Freunde.

Der Bulle grinste.

„Ja und? Wir sind zu viert“, erwiderte er gelassen. „Stan, du greifst dir die Kleine, dass sie nicht abhaut und wir drei machen Mr. Viper zu Schlangenragout.“

Ich wollte schon losrennen, doch Viper fasst mich am Arm ohne seinen Blick von den Männern zu nehmen.

„Bleib!“, sagte er in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete. „Die vier sind kein Problem für mich. Wenn du jetzt rennst, gerätst du nur an die nächsten Lumpen. Gib mir ’ne Minute und ich hab die Hurensöhne am Boden.“

Ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte. Ich bezweifelte, dass ein Mann es mit vier Typen aufnehmen konnte, doch er hatte recht damit, dass ich wieder in irgendwelche Kerle laufen könnte. Ich nahm mir die Zeit, meinen Retter kurz zu mustern, soweit das in dem schwachen Lichtschein möglich war. Er war nicht nur riesig, er war auch gut gebaut. Sein Name, Vincent – Viper – Mahony ließ darauf schließen, dass er vielleicht ein professioneller Fighter war und die Typen schienen ihn zu fürchten. Vielleicht konnte er sie doch erledigen. Ich nickte also, obwohl Viper das nicht sehen konnte, denn er hatte seine Gegner nicht aus den Augen gelassen.

Ein Typ sonderte sich von den anderen ab und ich ging davon aus, dass es Stan sein musste, der mich festhalten sollte, während die anderen drei Viper angreifen würden. Ich fragte mich, wie mein Retter verhindern wollte, dass dieser Stan an mich heran kam, wenn er sich noch um die anderen Kerle zu kümmern hatte. Doch dann ging alles buchstäblich Schlag auf Schlag, dass ich kaum wusste, wie mir geschah. Mein Retter war unglaublich schnell und absolut schonungslos. Stan lag binnen Sekunden reglos auf dem Boden und Viper kämpfte mit den anderen drei Kerlen, die versuchten, irgendwie an ihn heranzukommen und einen Treffer zu landen. Doch mein Retter war trotz seiner massigen Körpermaße so schnell und wendig, dass sie seine Deckung nicht zu durchbrechen vermochten. Der Rothaarige ging als nächstes zu Boden, nachdem Vipers Faust ihn mitten ins Gesicht getroffen hatte. Das hässliche Knirschen, als das Nasenbein zerschmettert wurde, verschaffte mir eine Gänsehaut. Blut spritzte und der Kerl schrie vor Schmerz und rollte sich auf dem Boden. Viper kämpfte mit gezielten Schlägen und Tritten. Nicht ein Mal geriet er aus dem Konzept. Seine Miene zeigte nichts als eiserne Entschlossenheit. Als nur noch der Bulle übrig war, zückte dieser ein Messer und ein widerliches Grinsen erschien auf seinem Gesicht.

„Komm her, Arschloch“, forderte er Viper heraus. „Ich schlitz dich auf, und danach kümmre ich mich um die Kleine.“

„Ich fürchte, dass ich mit deinem Plan nicht einverstanden bin. Wenn du nichts dagegen hast, dann ändern wir ihn zu meinen Vorstellungen ab“, erwiderte Viper gelassen.

Die beiden Männer umkreisten sich mit lauernden Blicken. Mein Herz klopfte wie wild. Ich sah, wie sich der Rothaarige zu regen begann. Er griff in seine Hosentasche und holte eine Pistole heraus. Ohne weiter nachzudenken, griff ich nach einer Eisenstange aus einem Haufen Schrott zu meiner Linken, und ließ die Stange auf den Schädel des Rothaarigen niedersausen. Vipers Blick glitt zu mir, als der Rothaarige einen Schmerzenslaut von sich gab, und der Bulle nutzte die Gelegenheit, um anzugreifen. Vipers Arm schnellte vor und umfasste das Handgelenk seines Gegners so schnell, dass dieser überrascht aufschrie. Mit zwei Handgriffen hatte Viper dem Mistkerl das Handgelenk gebrochen und die Klinge landete scheppernd auf dem Boden. Das Gebrüll des Bullen hallte durch die Nacht. Mit ein paar weiteren, gezielten Schlägen hatte mein Retter den Kerl reglos auf dem Boden. Er wandte sich zu mir um und unsere Blicke trafen sich. Als er auf mich zukam wurde mir unangenehm bewusst, dass, nur allein weil er mich von den anderen gerettet hatte, es nicht bedeuten musste, dass mir von ihm keine Gefahr drohte. Ich wich langsam zurück und überlegte, was ich tun sollte. Ich hatte noch immer die Stange in meiner Hand, doch ich bezweifelte, dass ich schaffen würde, was vier kampferprobte Kerle nicht geschafft hatten.

„Ist okay, Baby. Du bist jetzt sicher“, sagte er in ruhigem Ton.

„Woher soll ich wissen, dass ich mit dir sicher bin?“, fragte ich.

Er schaute mich einen Moment verwundert an.

„Ich hab dich gerettet“, gab er zu bedenken.

„Vielleicht wolltest du mich nur für dich haben, wer weiß das schon?“, erwiderte ich und wich weiter zurück, die Eisenstange schützend vor mich haltend.

Er blieb stehen und schaute mich an, dann schüttelte er leicht den Kopf.

„Baby, wenn ich dir etwas antun wollte, dann hättest du keine Chance, mir hier zu entkommen.“

Ich nickte. Er hatte schon wieder recht.

„Schau, ich bin auf dem Weg nach Hause gewesen, aber wenn du mir sagst, wo du wohnst, dann bring ich dich heim. Ich liefere dich sicher an deiner Haustür ab und du siehst mich nie wieder.“

„Ich ...“, begann ich stockend. „Ich hab ... Ich bin neu hier und ...“

„Du hast keine Bleibe?“, fragte er und ich nickte.

Er seufzte und fuhr sich über sein ultrakurzes schwarzes Haar.

„Ich hab ein Gästezimmer. Du kannst heute bei mir übernachten und dann sehen wir weiter. Komm. Lass uns erst mal von hier verschwinden.“

„Bei ... bei dir ü-übernachten?“, stammelte ich panisch.

„Ich meine im Gästezimmer. Ich habe keinerlei sexuelle Hintergedanken, das kann ich dir garantieren. Du bist mir zu jung und nicht mein Typ.“ Er schaute mich etwas ungeduldig an. „Also, was ist nun? Möchtest du lieber auf der Straße übernachten?“

„Nein!“, erwiderte ich entsetzt über die Vorstellung. „Ich ... ich nehme dein Angebot an. Danke.“

„Okay, dann komm!“, sagte er und wandte sich ab.

Ich schaute unschlüssig auf die Eisenstange in meiner Hand, dann ließ ich sie fallen, und folgte Viper eilig nach. Er warf mir einen Seitenblick zu, als ich neben ihm angelangt war, dann starrte er wieder stur geradeaus.

Wir ließen den heruntergekommenen Stadtteil hinter uns und gelangten in ein Industriegebiet. Viper war nicht gerade gesprächig und ich kämpfte noch immer mit der Frage, ob es wirklich eine gute Idee war, mit ihm mitzugehen. Immerhin kannte ich ihn nicht und das einsam daliegende Industriegebiet erschien mir auch nicht sicherer als das heruntergekommene Viertel, wo ich ihn getroffen hatte.

„Es ist nicht mehr weit“, sagte er schließlich.

Wenig später bogen wir auf ein Gelände, gingen vorbei an drei großen Hallen, zu einem dreistöckigen Backsteingebäude. Ein paar Rottweiler in einem Zwinger neben der letzten Halle fingen an zu bellen und ich zuckte erschrocken zusammen. Ein Mann trat hinter dem Zwinger hervor. Er hatte einen weiteren Hund an der Leine.

„’N Abend, Viper“, grüßte er.

„Hey Buck, alles ruhig?“, erwiderte Viper.

Der Mann, dessen Alter irgendwo jenseits der fünfzig liegen mochte, nahm seine Kappe ab und nickte.

„Aye, ja, alles ruhig.“

„Gut.“

„Gute Nacht, dann“, sagte Buck. „Ich mach dann mal meine Runde.“

„Ja, gute Nacht.“

Buck setzte seine Kappe wieder auf seine schütteren grauen Haare und machte sich auf. Viper legte eine große Hand auf meinen Rücken und dirigierte mich zur Rückseite des Backsteinhauses, wo eine Feuerleiter nach oben führte. Wir erklommen die Metallstufen ganz nach oben, und Viper schloss eine rostig ausschauende Metalltür auf.

„Nach dir“, sagte er und hielt die schwer aussehende Tür für mich auf.

Ich schlüpfte unter seinem Arm hindurch ins Innere. Es war dunkel, doch Viper betätigte einen Schalter hinter mir, und ein paar Lampen an der Decke gingen an und beleuchteten Vipers Reich. Staunend stand ich da und nahm den Anblick in mich auf. Wir standen in einem riesigen Raum, der zu einer Seite hin eine große Fensterfront hatte. Massive Stützbalken waren in der Mitte des Raumes und hielten die Dachkonstruktion. Links von mir befand sich eine lange Küchenzeile in schwarz mit blank poliertem Chrome. Dahinter war ein großer Sitzbereich mit dem größten Flachbildfernseher, den ich je gesehen hatte. Rechts erstreckte sich ein Fitnessbereich mit verschiedenen Geräten und Hantelbänken, sowie einer Spiegelfront mit Hanteln davor. Weiter hinten sah ich drei Türen. Vermutlich die Schlafzimmer und vielleicht das Bad.

„Fühl dich wie zu Hause“, sagte Viper hinter mir und schlenderte in die Küche.

Ich stand noch immer wie erstarrt da, als er sich zu mir umdrehte.

„Kaffee?“, fragte er.

Ich nickte.

„Ja ... bitte“, brachte ich schließlich atemlos hervor. „Schwarz, kein Zucker.“

Er hantierte in der Küche herum, um den Kaffee zuzubereiten. Ich fasste ein Herz und ging langsam durch den Raum auf den Sitzbereich zu. Ein wenig unschlüssig blieb ich dort stehen.

„Setz dich ruhig“, hörte ich Vipers belustigte Stimme.

Ich setzte mich vorsichtig auf eine schwarze Ledercouch und schaute etwas verlegen zu Viper hinüber. Ich nahm mir die Zeit, ihn genauer zu mustern. In den Straßen war es recht schummrig gewesen und ich hatte nicht so viel von ihm erkennen können. Er hatte seine Lederjacke ausgezogen und das T-Shirt, welches er jetzt trug, zeigte deutlich seine massiven Arme. Er war gut gebräunt, wahrscheinlich besuchte er regelmäßig die Sonnenbank. Sein schwarzes Haar war an den Seiten ganz geschoren, nur auf dem Kopf trug er es stachelig kurz. Ich konnte seine Augen nicht sehen, doch sein Gesicht war kantig mit einem breiten Kinn, vollen Lippen und hohen Wangenknochen. Seine Nase schien schon mindestens einmal gebrochen gewesen zu sein, was bei seinem Sport wohl kein Wunder war. Es war klar, dass er irgendeine Art von Kampfsport betrieb. Da er nicht nur seine Hände, sondern auch seine Beine eingesetzt hatte, tippte ich auf MMA. Mein Stiefvater hatte mit Begeisterung MMA Kämpfe im Fernsehen angesehen.

Als Viper den Kaffee in zwei Becher gegossen hatte, schaute ich schnell weg. Ich konnte aber aus den Augenwinkeln sehen, wie er auf die Sitzgruppe zukam. Er setzte sich mir gegenüber und stellte einen Becher vor mich hin.

„Danke“, murmelte ich und griff nach dem Becher. Ich war froh mich mit dem Kaffee beschäftigen zu können, und somit mein Unbehagen zu überspielen.

„Also“, brach Viper nach einer Weile das Schweigen. „Jetzt erzähl mir, wie es kommt, dass du hier in New York ganz allein und ohne Wohnung bist. Und was du um diese Zeit in einem solchen Viertel zu tun gehabt hast.“

Ich starrte auf meine Tasse in meinen Händen hinab und überlegte, was ich ihm erzählen sollte. Ich hatte noch nie mit jemandem über meine familiäre Situation gesprochen.

„Wie heißt du überhaupt?“, fragte er, als ich nach einer Weile noch immer nichts geantwortet hatte.

„Fay“, erwiderte ich.

„Okay, Fay. Ich will dich nicht drängen. Sag mir nur eins. Du hast weder Wohnung, noch Geld, noch Job und keine Freunde oder Familie zu denen du gehen kannst, ist das richtig?“

Ich nickte.

„Hast du dir überlegt, was du tun willst, um das zu ändern?“

Ich schüttelte den Kopf.

„Ich ... ich hatte Geld. Man hat mir meinen Rucksack gestohlen. Dann bin ich rumgelaufen und irgendwie in dieses Viertel gelangt. Nun ja, den Rest kennst du ja.“

„Ich mach dir ein Angebot“, sagte er. „Du kannst das Gästezimmer haben und ich besorg dir einen Job. Wenn du auf die Füße gekommen bist, dann helfe ich dir dabei, eine Wohnung zu finden. Wie klingt das?“

Ich schaute vorsichtig auf und begegnete seinem Blick.

Grün. Seine Augen sind grün, dachte ich. Nein! Sie sind grau-grün.

„Was ... was verlangst du als ... Gegenleistung?“, fragte ich vorsichtig.

„Nichts“, erwiderte er ruhig, ohne den Blick von mir zu wenden. „Ich hab dir schon gesagt, dass du nicht mein Typ bist. Und zu jung sowieso. Wie alt bist du. Siebzehn?“

„Ich werde im Januar neunzehn“, erwiderte ich trotzig.

„Hast du einen Ausweis bei dir, der das beweisen kann?“

Ich schüttelte den Kopf.

„Der war in dem Rucksack“, sagte ich betrübt. „Aber es ist wahr!“

„Okay. Dann bist du eben achtzehn. Immer noch zu jung für mich.“

„Wie alt bist du?“, fragte ich.

„Ich bin ziemlich genau zehn Jahre älter als du. Ich werde im März neunundzwanzig.“

Ich nahm einen Schluck von meinem Kaffee und schaute mich um. Er verdiente offenbar ganz gut, denn die Möbelstücke sahen alle ziemlich teuer aus. Ich sah eine umfangreiche DVD-Sammlung und eine beinahe ebenso große Sammlung an CD’s. Auf einem kleinen Tisch lagen eine teuer aussehende Fotokamera und mehrere Objektive.

„Bist du hungrig?“, wollte Viper wissen.

„Nein, danke. Ich hatte ... einen Hotdog.“

„Einen Hotdog“, wiederholte Viper skeptisch. „Wie lange ist das her?“

Ich zuckte mit den Schultern und er seufzte.

„Ich mach dir ein schnelles Sandwich, dann zeig ich dir dein Zimmer. Morgen früh besorg ich dir was zum Anziehen. So kannst du nicht arbeiten gehen.“

Er erhob sich, ehe ich protestieren konnte. Verlegen nippte ich an meinem Kaffee während er in der Küche rumorte. Wenig später kam er zurück und stellte einen Teller vor mich. Zwei reichlich belegte Sandwichs mit Bacon, gekochten Ei, Salat und Majonäse lagen darauf.

„Danke“, sagte ich und griff nach einem Sandwich.

Erst als ich einen Bissen im Mund hatte bemerkte ich wie hungrig ich war. Im nu hatte ich die beiden Sandwichs aufgegessen. Viper hatte mir schweigend zugesehen. Ich war mir seines prüfenden Blicks unangenehm bewusst. Er hatte mich gerettet, gewährte mir Unterschlupf und machte mir sogar Sandwiches, doch ich konnte mich noch immer nicht recht entscheiden, was ich von ihm halten sollte. Ich hoffte, dass ich nicht an einen Loverboy geraten war. Ich hatte davon gelesen. Sie waren nett zu Mädchen und kümmerten sich um sie, dann zwangen sie die Mädchen zum Sex mit Männern und machten sie zu Huren. Ich würde eben auf der Hut sein müssen.

„Wenn du fertig bist, dann zeig ich dir jetzt dein Zimmer und das Bad“, sagte Viper und erhob sich.

Ich stellte meine Tasse ab und erhob mich ebenfalls. Er deutete mir, ihm zu folgen und wir gingen auf die linke der drei Türen zu. Er öffnete sie für mich und ich betrat das Zimmer, das mit einem schmalen Bett, einem Schrank und einem Waschbecken ausgestattet war.

„Ist nichts Tolles, aber besser als die Straße“, sagte er hinter mir.

„Es ist wunderbar“, erwiderte ich ehrlich.

Es war größer, als mein Zimmer zuhause und sauber. Die schweren, dunkelblauen Vorhänge vor dem Fenster und ein paar Bilder an den Wänden ließen den Raum recht hübsch erscheinen.

„Das Badezimmer ist nebenan. Es ist abschließbar“, erklärte er. „Brauchst du noch etwas? Handtücher findest du im Badezimmerschrank und du kannst mein Shampoo benutzen. Im Schrank unter dem Waschbecken dürftest du noch eine frische Zahnbürste finden.“

„Das ist sehr nett“, erwiderte ich. „Danke.“

„Nicht zu danken. Dann schlaf gut.“

Ich nickte.

„Danke. Gute Nacht.“

„Gute Nacht, Fay.“

Viper verließ das Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Ich stand eine Weile unschlüssig da, dann ging ich zum Bett und setzte mich erst einmal. Ich konnte noch gar nicht fassen, was heute alles passiert war. Erst die Sache mit meinem Rucksack, dann die vier miesen Kerle und jetzt hatte ich auf einmal ein weiches Bett, einen vollen Magen und bald vielleicht sogar einen Job, wenn Viper Wort hielt.

Angespannt lauschte ich in die Stille. Ich konnte Viper nebenan rumoren hören, dann ging Wasser an. Mein Gastgeber schien zu duschen. Der Gedanke an Vipers muskulösen gutgebauten Körper, nackt unter der Dusche, bescherte mir ein warmes Kribbeln zwischen meinen Schenkeln und ich schüttelte verwirrt den Kopf. Ich hatte mich nie sexuell für Kerle interessiert. Die Erfahrungen mit Martin, meinem Stiefvater, hatten in mir eine Abscheu gegenüber Männern erzeugt, doch jetzt saß ich hier und fantasierte über einen Typen, den ich kaum kannte. Ich musste verrückt geworden sein.

Das Wasser verstummte und wenig später wurde eine Tür geöffnet und geschlossen, dann klopfte es auf einmal an meine Tür.

Verdammt, was will der jetzt?, fragte ich mich mit klopfendem Herzen. Hatte er mir etwas vorgemacht? Wollte er nun doch Sex?

„Ja?“, rief ich aufgeregt, unfähig den Klang von Panik in meiner Stimme zu unterdrücken.

Die Tür ging auf und Viper stand auf der Schwelle. Er hatte ein Handtuch um seine Hüften geschlungen und Wassertropfen liefen seine breite haarlose Brust hinab. Er trug ein Tattoo in Form einer Schlange, deren Kopf an seinem Hals begann, wo es aussah, als wenn sie ihre Zähne in sein Fleisch geschlagen hätte, der Körper schlang sich einmal um seinen Oberkörper herum, und die Schwanzspitze verschwand an seiner rechten Seite unter dem Handtuch. Ich fragte mich, bis wohin die Schlange gehen mochte und errötete.

„Ich wollte dir nur sagen, dass ich morgen ganz früh aus dem Haus gehe und so gegen zehn Uhr zurück sein werde. Ich bringe dir Sachen mit. Du kannst dich wie zu Hause fühlen und dir Kaffee und Frühstück machen.“

Ich versuchte, meinen Blick von seinem Waschbrettbauch zu lösen und einen zusammenhängenden Satz zu formulieren, doch mein Gehirn schien sich in Brei verwandelt zu haben.

„Fay?“, erklang seine fragende Stimme. „Alles in Ordnung?“

Ich nickte.

„Ja, ähm ... Danke“, sagte ich und wandte endlich den Blick von seinem sexy Sixpack ab. Stattdessen starrte ich auf meinen Schoß hinab.

„Okay, dann schlaf gut“, sagte er. „Du kannst die Bürste nutzen, die auf der Ablage liegt. Ich brauche sie nicht. Ist ein Überbleibsel von einer der Frauen, die ... Du kannst sie benutzen. Sie ist sauber.“

Ich nickte. Die Erwähnung von Frauen beschwor Bilder in mir herauf, die ich lieber nicht sehen wollte. Bilder von Viper beim Sex mit vollbusigen Schönheiten. Es gefiel mir irgendwie nicht, obwohl es vollkommener Unsinn war, und mich ja nun wirklich nichts anging. Wir waren kein Paar. Er war nicht einmal an mir interessiert und ich ja auch nicht. Oder?

„Gute Nacht, Fay.“

„Gute Nacht“, erwiderte ich krächzend, dann hörte ich, wie die Tür sich schloss und ich wagte es endlich, wieder von meinem Schoß aufzusehen.

Ich wartete eine Weile, ehe ich mich traute, ins Badezimmer zu gehen. Es war größer, als ich vermutet hatte. Große, graue Fliesen zierten die Wände, die Bodenfliesen waren anthrazit. Es gab eine große Eckbadewanne mit eingelassenen Lichtern am Rand und Löchern für Blubberblasen am Boden. Ich hatte noch nie in einem Whirlpool gelegen und war versucht, es einmal auszuprobieren. Vielleicht morgen früh, wenn Viper nicht da war. Neben der Wanne gab es eine Jacuzzi Dusche, zwei große Waschbecken und natürlich eine Toilette. In einer Ecke stand ein hoher Schrank. Ich öffnete ihn und holte ein frisches Handtuch heraus. Mein Blick glitt über die männlichen Utensilien auf der Glasablage über den Waschbecken. Rasiermesser mit Seife und Pinsel in einem Ständer, Aftershave, Gel und eine Box mit Wattestäbchen auf der einen Seite und ein Handspiegel und eine Bürste auf der anderen Seite. Wieder kam mir Vipers Damenbesuch in den Kopf. Bestimmt hatte ein Kerl wie er viele Frauen. Er erschien mir nicht als der Typ für feste Beziehungen. Ich öffnete den Unterschrank und fand eine noch original verpackte Zahnbürste, genau, wie er gesagt hatte. Ich legte sie auf das Waschbecken und schaute mich im Spiegel an. Ich sah müde aus und meine Wange war geschwollen und gerötet, wo der bullige Mistkerl mich geschlagen hatte. Es sah aus, als wenn es blau werden würde.

Na wunderbar, dachte ich ärgerlich. Wie sollte ich so einen Job antreten?

Ich seufzte, dann begab ich mich unter die Dusche.

Nachdem ich frisch geduscht war, huschte ich mit dem Handtuch um den Leib gewickelt und meinen Kleidern über dem Arm aus dem Bad und in mein Zimmer. Ich war jetzt wirklich müde und das Bett sah mehr als einladend aus. Ich legte meine Kleider neben das Bett und löste das Handtuch, dann schlüpfte ich nackt unter die Decke. Das Licht ließ sich von einem Schalter neben dem Bett ausmachen. Die Decke bis zur Nasenspitze hochgezogen, rollte ich mich auf die Seite, und war wenig später fest eingeschlafen.

Kapitel 2

Viper

Ich wälzte mich