Verlag: Goldmann Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2013

Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück E-Book

Helen Fielding

(0)

Das E-Book lesen Sie auf:

Kindle MOBI
E-Reader EPUB
Tablet EPUB
Smartphone EPUB
Computer EPUB
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Sicherung: Wasserzeichen E-Book-Leseprobe lesen

E-Book-Beschreibung Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück - Helen Fielding

Mit ihrem Romandebut, »Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück« hat die britische Autorin Helen Fielding die Bestsellerlisten in aller Welt auf Anhieb erobert. Männerlos, aber mit einer Mutter, die es nur gut mit ihr meint und einem besten Freund, der nicht auf Frauen steht, ist Bridget Jones eine Frau von heute. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Jude und Shazzer werden alle zentralen Fragen des Daseins gelöst – von der Bindungsunfähigkeit der Männer über Dreißig bis zur Interpretation von Schwangerschaftstests...

Meinungen über das E-Book Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück - Helen Fielding

E-Book-Leseprobe Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück - Helen Fielding

Schokolade zum Frühstück

Bridget Jones ist Anfang dreißig, lebt allein und ist fest entschlossen, ihr Leben radikal umzukrempeln: Sie wird das Rauchen aufgeben, ein paar Kilo abnehmen, den Mann fürs Leben finden und ihre Wohnung aufräumen. Dass Bridget diese Ziele knapp verfehlt, liegt an ihren Freunden, Eltern und anderen Menschen, die Bridgets Ego versehentlich oder systematisch in den Staub treten. Da ist zum Beispiel der gutgemeinte Versuch ihrer Mutter, Bridget mit Mark Darcy zu verkuppeln, der Socken mit aufgestickten Hummeln und Pullis mit Rautenmuster trägt. Gegen Daniel, Bridgets gutaussehenden, jugendlichen Boss, hat der artige Mark keine Chance. Oder doch?

Autorin

Helen Fielding arbeitete mehrere Jahre für die BBC und verschiedene Zeitungen, bevor sie mit ihrem Roman »Schokolade zum Frühstück« über Nacht zur weltweit gefeierten Bestsellerautorin wurde. Auch die beiden Fortsetzungen des Kultbuchs, »Am Rande des Wahnsinns« und »Verrückt nach ihm«, eroberten ein Millionenpublikum. Helen Fielding lebt mit ihren beiden Kindern in London und manchmal in Los Angeles.

Von Helen Fielding außerdem lieferbar:

Bridget Jones – Verrückt nach ihm. Roman Auch als E-Book erhältlich

Helen Fielding

___________________________________________

Schokolade zum Frühstück

Aus dem Englischen von Ariane Böckler

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.Der Verlag weist ausdrücklich darauf hin, dass im Text enthaltene externe Links vom Verlag nur bis zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung eingesehen werden konnten. Auf spätere Veränderungen hat der Verlag keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.

Die Originalausgabe von »Schokolade zum Frühstück«erschien 1996 unter dem Titel»Bridget Jones’s Diary«bei Picador, an imprint of Macmillan Publishers, London

Copyright © der Originalausgabe 1996 by Helen Fielding

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 1997

by Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,Neumarkter Str. 28, 81673 München

Übersetzt von Ariane Böckler

Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur, München

Umschlagfotos: Universal Studios

AB · Herstellung: Str.

Satz: Uhl +Massopust, Aalen

ISBN: 978-3-641-12912-5V002www.goldmann-verlag.de

Für meine weise, witzige und liebe Mutter Nellie – zum Dank dafür, dass sie nicht wie Bridgets Mutter ist

INHALT

JANUAREin außergewöhnlich schlechter Anfang

FEBRUAR Massaker am Valentinstag

MÄRZMassive Mittdreißigerinnen-Panik wg. Geburtstag

APRILInnere Ausgeglichenheit

MAIDie werdende Mutter

JUNIHa! Fester Freund

JULIHä

AUGUSTZerfall

SEPTEMBER Auf der Feuerwehrstange

OKTOBER Verabredung mit Darcy

NOVEMBER Ein kriminelles Familienmitglied

DEZEMBER Ach du lieber Weihnachtsmann!

Gute Vorsätze zumneuen Jahr

WAS ICH NICHT MEHR TUN WERDE:

Mehr als vierzehn Alkoholeinheiten pro Woche trinken.Rauchen.Geld für folgende Gegenstände vergeuden: Nudelmaschinen, Eismaschinen oder anderen kulinarischen Schnickschnack, den ich sowieso nie benutze; Bücher von unlesbaren, hochliterarischen Autoren, die man sich nur ins Regal stellt, um Eindruck zu schinden; ausgefallene Unterwäsche, da sinnlos, weil kein Freund vorhanden.Mich zu Hause gehenlassen; werde mir stattdessen vorstellen, beobachtet zu werden.Mehr ausgeben, als ich verdiene.Den Korb mit der eingehenden Post überquellen lassen.Auf irgendetwas vom Folgenden hereinfallen: Alkoholiker, Workaholics, Beziehungspaniker, Typen mit festen Freundinnen oder Ehefrauen, Frauenfeinde, Größenwahnsinnige, Chauvis, emotionale Flachwichser oder Schmarotzer, Perverse.Mich über Mum, Una Alconbury oder Perpetua ärgern.Mich über Männer aufregen; werde stattdessen die gelassene und kühle Eiskönigin geben.Mich in Männer verknallen; werde stattdessen nur Beziehungen eingehen, die auf reifer charakterlicher Würdigung beruhen.Hinter ihrem Rücken über andere Leute herziehen; werde mich stattdessen positiv über jeden äußern.Mich auf Daniel Cleaver fixieren, da erbärmlich, à la Miss Moneypenny et al. in den Boss verknallt zu sein.Darüber jammern, keinen Freund zu haben, sondern stattdessen innere Ausgeglichenheit und Autorität entwickeln sowie Gefühl für mich selbst als gestandene Frau, die auch ohne festen Freund vollwertig ist, da beste Methode, um Freund zu finden.

WAS ICH TUN WERDE:

Das Rauchen aufgeben.Nicht mehr als vierzehn Alkoholeinheiten pro Woche trinken.Oberschenkelumfang mit Hilfe von Antizellulitisdiät um acht Zentimeter reduzieren (d. h. jeden um vier Zentimeter).Sämtliches überflüssige Zeug aus der Wohnung schaffen.Alle Klamotten, die ich zwei Jahre oder länger nicht getragen habe, für Obdachlose spenden.Beruflich aufsteigen und neuen, ausbaufähigen Job suchen.Geld in Form von Ersparnissen anlegen. Evtl. auch Rentenversicherung abschließen.Selbstsicherer sein.Entschlossener auftreten.Die Zeit besser nutzen.Nicht jeden Abend ausgehen, sondern zu Hause bleiben, gute Bücher lesen und klassische Musik hören.Einen Teil meines Einkommens für wohltätige Zwecke spenden.Freundlicher sein und anderen mehr helfen.Mehr Hülsenfrüchte essen.Morgens sofort nach dem Aufwachen aufstehen.Dreimal die Woche ins Fitnessstudio gehen, und zwar nicht nur, um ein Sandwich zu essen.Fotos ins Fotoalbum einkleben.Compilations für verschiedene Stimmungen aufnehmen, damit Kassetten mit sämtlichen romantischen/tanzbaren/feministisch aufstachelnden Lieblingsstücken bereitliegen, anstatt zu einem volltrunkenen Pseudo-DJ zu werden und Kassetten über den ganzen Fußboden zu verstreuen.Eine funktionierende Beziehung mit einem verantwortungsbewussten erwachsenen Menschen eingehen.Lernen, den Videorecorder zu programmieren.

JANUAREin außergewöhnlich schlechter Anfang

Sonntag, 1. Januar

58,5 kg (post-weihnachtlicher Ausnahmezustand), Alkoholeinheiten 14 (umfasst aber eigentlich zwei Tage, da vier Stunden der Party auf Neujahr gefallen sind), Zigaretten 22, Kalorien 5424.

Heute verzehrte Nahrungsmittel:

2 Packungen Emmentaler in Scheiben

14 kalte neue Kartoffeln

2 Bloody Marys (enthalten Worcestersauce und Tomaten und zählen damit als Essen)

⅓ Laib Ciabatta-Brot mit Brie

Korianderblätter – ½ Päckchen

12 Milk-Tray-Pralinen (am besten sämtliche von Weihnachten übrig gebliebenen Süßigkeiten auf einmal aufessen und morgen ganz von vorn anfangen)

2 Weihnachtspasteten

13 Cocktailspießchen mit Käse und Ananas

eine Portion von Una Alconburys Truthahncurry mit Erbsen und Bananenscheiben

eine Portion von Una Alconburys Himbeerdessert mit in Dosenhimbeeren ersäuften Bourbon-Keksen, angerichtet in Schichten mit 30 Litern Schlagsahne und hübsch dekoriert mit glasierten Kirschen und kandierter Angelikawurzel.

Mittag. London. Meine Wohnung. Uäh. Das Letzte, wozu ich mich körperlich, emotional oder geistig gerüstet fühle, ist, zu Una und Geoffrey Alconburys Neujahrs-Truthahncurry nach Grafton Underwood zu fahren. Geoffrey und Una sind die besten Freunde meiner Eltern und kennen mich, wie Onkel Geoffrey nie zu erwähnen müde wird, seit ich splitternackt auf der Wiese herumgetollt bin. Meine Mutter hat mich am letzten Feiertag im August morgens um halb neun angerufen und mir das Versprechen abgerungen, dass ich hingehe. Na ja, ihre Taktik war auch einzigartig. Von hinten durch die Brust ins Auge.

»Oh, hallo, Liebes. Ich wollte nur mal hören, was du dir zu Weihnachten wünschst.«

»Weihnachten?«

»Oder soll es lieber eine Überraschung werden?«

»Nein!«, brüllte ich. »Entschuldige. Ich meine …«

»Vielleicht möchtest du ja ein paar Rollen für deinen Koffer haben.«

»Ich habe doch gar keinen Koffer.«

»Dann kaufe ich dir eben einen kleinen Koffer mit Rollen dran. Du weißt schon, wie Stewardessen sie haben.«

»Ich habe schon eine Reisetasche.«

»Ach, Liebes, du kannst doch nicht mit diesem schmuddeligen grünen Segeltuchding wegfahren. Damit siehst du aus wie eine Kreuzung aus Mary Poppins und Pechmarie. Einfach ein kompakter kleiner Koffer mit einem Griff zum Herausziehen. Es ist erstaunlich, wie viel man da hineinkriegt. Willst du einen in Marineblau auf Rot oder in Rot auf Marineblau?«

»Mum. Es ist halb neun Uhr morgens. Es ist Sommer. Es ist sehr heiß. Ich will keinen Stewardessenkoffer.«

»Julie Enderby hat einen. Sie sagt, sie nimmt nie was anderes.«

»Wer ist Julie Enderby?«

»Du kennst doch Julie, Liebes! Die Tochter von Mavis Enderby. Julie! Die, die diesen sagenhaften Job bei Arthur Andersen hat …«

»Mum …«

»Nimmt ihn immer mit, wenn sie auf Reisen geht …«

»Ich will keinen kleinen Koffer mit Rollen dran.«

»Pass mal auf. Wäre es nicht am besten, Jamie, Daddy und ich würden alle zusammenlegen und dir einen richtigen großen, neuen Koffer und einen Satz Rollen besorgen?«

Erschöpft hielt ich den Telefonhörer vom Ohr weg und fragte mich, woher der missionarische Koffer-als-Weihnachtsgeschenk-Eifer kam. Als ich den Hörer wieder ans Ohr drückte, sagte sie gerade: »… man bekommt sie sogar mit einem Extrafach für Duschgel, Shampoo und dergleichen. Meine andere Idee wäre eine Einkaufstasche auf Rollen.«

»Gibt es irgendetwas, was du dir zu Weihnachten wünschst?«, sagte ich verzweifelt und blinzelte in das blendende, feiertägliche Sonnenlicht.

»Nein, nein«, sagte sie munter. »Ich habe alles, was ich brauche. Aber, Liebes«, zischte sie plötzlich, »du kommst doch an Neujahr zum Truthahncurry bei Geoffrey und Una, oder?«

»Tja, äh, ich glaube, ich …« Mich packte die Panik. Eine Ausrede, schnell! »… werde wohl an Neujahr arbeiten müssen.«

»Das macht nichts. Du kannst ja nach der Arbeit kommen. Ach, was ich noch sagen wollte: Malcolm und Elaine Darcy kommen auch, und sie bringen Mark mit. Erinnerst du dich noch an Mark, Liebes? Er ist einer von diesen Staranwälten. Haufenweise Geld. Geschieden. Es geht erst um acht los.«

O Gott. Nicht schon wieder ein seltsam angezogener Opernfreak mit einer Frisur wie ein seitlich gescheitelter Staubwedel. »Mum, ich hab’s dir doch gesagt. Ich brauche nicht verkuppelt zu werden …«

»Jetzt komm schon, Liebes. Una und Geoffrey veranstalten das Neujahrsbuffet schon, seit du splitternackt auf der Wiese herumgetollt bist! Natürlich kommst du. Da kannst du gleich deinen neuen Koffer benutzen.«

23.45 Uhr. Erster Tag im neuen Jahr war Tag des Grauens. Kaum zu glauben, dass ich das Jahr schon wieder in einem Einzelbett zu Hause bei meinen Eltern beginne. Es ist einfach zu erniedrigend in meinem Alter. Ich überlege, ob sie es wohl riechen, wenn ich am offenen Fenster eine Kippe rauche. Nachdem ich den ganzen Tag daheim herumgehangen und darauf gehofft habe, dass der Kater nachlässt, habe ich es schließlich aufgegeben und mich viel zu spät auf den Weg zum Truthahncurry gemacht. Als ich bei den Alconburys ankam und auf die Klingel drückte, die sich anhörte wie das Glockenspiel vom Rathaus, befand ich mich immer noch in einer merkwürdigen, eigenen Welt – schwummrig, mit dickem Schädel und übersäuertem Magen. Außerdem litt ich unter den Nachwirkungen eines spektakulären Autobahnkollers, nachdem ich versehentlich auf die M6 statt auf die M1 eingebogen war und halb nach Birmingham fahren musste, bevor ich eine Ausfahrt fand, an der ich umkehren konnte. Ich war so wütend, dass ich das Gaspedal durchdrückte, um meinem Ärger Luft zu machen, was sehr gefährlich ist. Resigniert sah ich zu, wie Una Alconburys Gestalt – durch die gerippte Glastür faszinierend deformiert – in einem fuchsienroten Zweiteiler auf mich zustürzte.

»Bridget! Wir hatten dich schon fast abgeschrieben! Ein gutes neues Jahr! Beinahe hätten wir ohne dich angefangen.«

Irgendwie brachte sie es in einer einzigen Bewegung fertig, mich abzuküssen, mir den Mantel auszuziehen, ihn übers Treppengeländer zu hängen, mir ihren Lippenstift von der Wange zu wischen und mir unglaubliche Schuldgefühle einzuflößen, während ich mich, überwältigt von so viel Freundlichkeit, an das Bord mit dem Nippes lehnte.

»Tut mir leid. Ich habe mich verfahren.«

»Verfahren? Tsas! Was machen wir denn nur mit dir? Aber komm doch rein!«

Sie führte mich durch die Milchglastüren in den Salon und rief: »Sie hat sich verfahren, Leute!«

»Bridget! Ein glückliches neues Jahr!«, sagte Geoffrey Alconbury, der in einem gelben Pullover mit Rautenmuster steckte. Er machte zum Spaß eine Art Tanzschritt und umarmte mich dann dermaßen, dass ich fast um Hilfe gerufen hätte.

»Hahumpf«, sagte er, lief ganz rot an und zog seine Hose am Bund nach oben. »An welcher Ausfahrt bist du denn rausgefahren?«

»Ausfahrt neunzehn, aber da war eine Umleitung …«

»Ausfahrt neunzehn! Una, sie ist an Ausfahrt neunzehn rausgefahren! Kein Wunder, damit bist du schon mal eine Stunde unterwegs, bevor du überhaupt richtig losgefahren bist. Na komm, wir besorgen dir etwas zu trinken. Und wie steht’s mit deinem Liebesleben?«

O Gott. Warum kapieren es verheiratete Leute einfach nicht, dass das keine höfliche Frage mehr ist? Wir stürmen doch auch nicht auf sie los und fragen: »Wie läuft’s mit eurer Ehe? Schlaft ihr noch miteinander?« Es ist allgemein bekannt, dass die Partnersuche ab dreißig nicht mehr das unbeschwerte Gerangel ist, das es mit zweiundzwanzig war, und dass eine ehrliche Antwort eher lauten müsste: »Offen gestanden ist mein verheirateter Geliebter gestern Abend mit Strapsen und einem entzückenden nabelfreien Angora-Top bei mir aufgetaucht, hat mir erzählt, dass er schwul/sexsüchtig/drogenabhängig/beziehungsunfähig ist, und mich dann mit einem Gummipenis niedergeschlagen«, als: »Fantastisch, danke.«

Da ich keine geborene Lügnerin bin, murmelte ich Geoffrey schließlich mit schamrotem Gesicht ein »prima« zu, woraufhin er tönte: »Du hast also immer noch keinen Kerl!«

»Bridget! Was sollen wir bloß mit dir anstellen!«, rief Una. »Ihr Karrierefrauen! Ich weiß nicht! Du kannst es nicht ewig aufschieben, weißt du. Tick-tack-tick-tack.«

»Ja. Wie schafft es eine Frau eigentlich, in deinem Alter noch ledig zu sein?«, grölte Brian Enderby (verheiratet mit Mavis, war früher mal Vorsitzender des Rotary Clubs von Kettering) und schwenkte sein Sherryglas durch die Luft. Zum Glück kam mir mein Vater zu Hilfe.

»Ich freue mich sehr, dich zu sehen, Bridget«, sagte er und nahm meinen Arm. »Deine Mutter war schon drauf und dran, die Polizei zu rufen, um schnellstens eine Suchaktion nach deiner zerstückelten Leiche einzuleiten. Komm und bezeuge deine Anwesenheit, damit ich endlich auch ein bisschen Spaß habe. Was macht der rollige Koffer?«

»Er ist unvorstellbar groß. Was macht der Ohrhaarschneider?«

»Oh, der ist wunderbar – du weißt schon – schneidig.«

Es war wohl so weit ganz in Ordnung. Ich wäre mir ein bisschen gemein vorgekommen, wenn ich nicht aufgetaucht wäre, aber dieser Mark Darcy … igitt. Jedes Mal, wenn mich meine Mutter in den letzten Wochen anrief, ging es wieder los: »Aber natürlich kennst du die Darcys, Schätzchen. Sie haben uns einmal besucht, als wir noch in Buckingham gewohnt haben, und du und Mark habt zusammen im Pool herumgeplanscht!« oder »Oh! Habe ich schon erwähnt, dass Malcolm und Elaine zu Unas Truthahnessen auch Mark mitbringen? Er ist anscheinend gerade erst aus Amerika zurückgekommen. Geschieden. Er ist auf der Suche nach einem Haus in Holland Park. Offenbar hat ihn seine Frau barfuß durch die Hölle gejagt. Japanerin. Ausgesprochen grausames Volk.«

Das nächste Mal kam es wie aus heiterem Himmel: »Erinnerst du dich an Mark Darcy, Liebes? Der Sohn von Malcolm und Elaine? Er ist einer dieser sagenhaften Staranwälte. Geschieden. Elaine sagt, er arbeitet ununterbrochen und ist entsetzlich allein. Ich glaube, er wird wohl auch zu Unas Truthahncurry an Neujahr kommen.«

Ich weiß nicht, warum sie es nicht unverhohlen ausgesprochen und gesagt hat: »Liebes, bums doch beim Truthahnessen unbedingt Mark Darcy, ja? Er ist wirklich sehr reich.«

»Du musst Mark kennenlernen«, säuselte Una Alconbury, bevor ich auch nur dazu gekommen war, mir einen Drink zu genehmigen. Gegen den eigenen Willen mit einem Mann verkuppelt zu werden, ist eine Ebene der Erniedrigung, aber tatsächlich von Una Alconbury dazu gezerrt zu werden, während man noch mit einem übersäuerten Kater kämpft, und dabei von einem ganzen Zimmer voller sogenannter Freunde der Familie dabei beobachtet zu werden, kommt einer öffentlichen Hinrichtung gleich.

Der reiche, von seiner grausamen Frau geschiedene Mark – ziemlich groß übrigens – stand mit dem Rücken zum Raum und studierte das Sortiment im Bücherregal der Alconburys: überwiegend ledergebundene Buchreihen über das Dritte Reich, die Geoffrey sich bei Reader’s Digest bestellt. Schon der Name Darcy kam mir reichlich albern vor. Wie aus einem Roman von Jane Austen. Außerdem stand ihm diese piefige Arroganz nicht, mit der er sich abseits hielt. Ich meine, warum nennt er sich nicht gleich Heathcliff und verbringt den geselligen Abend im Garten? Dann bräuchte er nur ab und zu nach seiner Cathy zu rufen und seinen Kopf gegen den Baum zu rammen.

»Mark!«, sagte Una, als wäre sie eine Elfe des Weihnachtsmannes. »Ich möchte Sie mit jemand Nettem bekanntmachen.«

Er drehte sich um und enthüllte, dass das, was von hinten wie ein harmloser marineblauer Pullover ausgesehen hatte, in Wirklichkeit einen V-Ausschnitt sowie ein in verschiedenen Gelb- und Blautönen gehaltenes Rautenmuster hatte – wie es unter anderem die ältere Garde unter Englands Sportreportern bevorzugt. Wie mein Freund Tom häufig bemerkt, ist es erstaunlich, wie viel Zeit und Geld man bei der Partnersuche sparen kann, wenn man genau auf die Einzelheiten achtet. Eine weiße Socke hier, ein paar rote Hosenträger dort, ein grauer Slipper oder ein Hakenkreuz reichen meistens aus, um einem klarzumachen, dass es zwecklos ist, sich die betreffende Telefonnummer zu notieren und Geld für teure Restaurants aus dem Fenster zu werfen, weil sowieso nie was daraus werden wird.

»Mark, das ist die Tochter von Colin und Pam, Bridget«, sagte Una und wurde ganz rosarot und flatterig. »Bridget arbeitet bei einem Verlag, stimmt’s, Bridget?«

»Ja, stimmt ganz genau«, sagte ich, als nähme ich bei Capital Radio an einer Anrufsendung teil und wollte Una gerade fragen, ob ich meine Freunde Jude, Sharon und Tom, meinen Bruder Jamie, alle aus dem Büro, meine Mutter und meinen Vater und schließlich noch sämtliche Gäste beim Truthahncurry grüßen dürfte.

»Tja, ich lasse euch zwei jungen Leute mal allein«, sagte Una. »Tsas! Wahrscheinlich habt ihr ohnehin schon die Nase voll von uns alten Tattergreisen.«

»Überhaupt nicht«, sagte Mark Darcy verlegen und mit einem ziemlich unattraktiven nervösen Kichern, worauf Una, nachdem sie mit den Augen gerollt, sich eine Hand auf den Busen gelegt und ein heiteres, perlendes Lachen ausgestoßen hatte, den Kopf nach hinten warf und uns dann unserem grässlichen Schweigen überließ.

»Ich. Äh. Lesen Sie irgendwelche, zum Beispiel … Haben Sie in letzter Zeit irgendwelche guten Bücher gelesen?«, fragte er.

Ich zermarterte auf die Schnelle mein Hirn, wann ich zuletzt ein richtiges Buch gelesen hatte. Für Leute aus der Verlagsbranche hat Lesen als Freizeitgestaltung etwa denselben Reiz wie das Durchwühlen der hauseigenen Abfalltonne nach Feierabend für den Müllmann. Ich habe Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus, das Jude mir geliehen hat, etwa zur Hälfte gelesen, nahm aber nicht an, dass Mark Darcy trotz seiner seltsamen Art sich deswegen gleich als Marsmensch bezeichnen würde. Dann hatte ich eine Eingebung.

»Backlash – Die Männer schlagen zurück von Susan Faludi«, sagte ich triumphierend. Ha!

Ich habe das Buch zwar nicht direkt gelesen, habe aber das Gefühl, ich kenne es ganz gut, weil Sharon dauernd davon schwadroniert hat. Jedenfalls eine todsichere Wahl, da ein Softi im Rautenmuster-Pulli niemals ein fünfhundertseitiges feministisches Traktat gelesen haben kann.

»Ah. Wirklich?«, sagte er. »Das habe ich gleich gelesen, als es herauskam. Fanden Sie nicht, dass sie meistens nur auf Einzelfälle abhebt?«

»Oh, na ja, es geht …«, sagte ich hektisch und überlegte verzweifelt, wie ich ihn von dem Thema wieder abbringen konnte. »Haben Sie Weihnachten bei Ihren Eltern verbracht?«

»Ja«, antwortete er prompt. »Sie auch?«

»Ja. Nein. Ich war gestern Abend auf einer Party in London. Ehrlich gesagt bin ich ein bisschen verkatert.« Ich sülzte so in einem fort vor mich hin, damit Una und Mum nicht dachten, ich sei schon mit einer Flasche wie Mark Darcy überfordert. »Aber ich meine eigentlich, rein praktisch kann man gar nicht erwarten, dass Vorsätze für das neue Jahr gleich am ersten Januar umgesetzt werden, oder? Denn weil das nämlich die Fortsetzung von Silvester ist, sind die Raucher gerade in einer Rauchphase und können nicht einfach Schlag Mitternacht aufhören, wenn sie schon dermaßen viel Nikotin im Blut haben. Es ist auch keine gute Idee, eine Diät an Neujahr anzufangen, weil man da nicht vernünftig essen kann, sondern wirklich die Freiheit braucht, all das zu konsumieren, was im Moment eben nötig ist, um den Kater zu bekämpfen. Ich denke, es wäre wesentlich vernünftiger, mit den guten Vorsätzen immer erst am zweiten Januar anzufangen.«

»Vielleicht sollten Sie sich etwas zu essen holen«, sagte er, stürzte dann plötzlich aufs Buffet los und ließ mich allein vor dem Bücherregal stehen, während mich alle anstarrten und dachten: Deshalb ist Bridget also nicht verheiratet. Sie schlägt sie wirklich alle in die Flucht.

Das Schlimmste daran war, dass Una Alconbury und Mum es nicht dabei belassen konnten. In dem verzweifelten Bemühen, mich ein weiteres Mal mit Mark Darcy in Berührung zu bringen, schickten sie mich andauernd mit Tabletts voller Essiggurken und Gläsern mit Cream Sherry herum. Am Ende waren sie vor Enttäuschung dermaßen durchgedreht, dass Una sich in der Sekunde, als ich mit den Gurken bis auf etwa einen Meter an ihn herangekommen war, quer durchs Zimmer stürmte und ausrief: »Mark, Sie müssen sich Bridgets Telefonnummer aufschreiben, bevor Sie fahren, damit Sie sich in London bei ihr melden können.«

Ich konnte leider auch nichts dagegen tun, dass ich hochrot anlief. Ich merkte nur, wie mir das Blut in den Kopf schoss. Jetzt dachte Mark wahrscheinlich, dass ich sie dazu angestiftet hatte.

»Ich bin sicher, Bridget ist auch so voll ausgelastet, Mrs Alconbury«, sagte er. Humpf. Nicht, dass ich mir gewünscht hätte, er würde sich meine Telefonnummer notieren, aber dass er einfach so darauf verzichtete, wollte ich nun auch wieder nicht. Als ich nach unten blickte, sah ich, dass er weiße Socken trug – mit einem gelben Hummelmotiv.

»Kann ich Sie nicht mit einer Essiggurke in Versuchung führen?«, sagte ich, um zu zeigen, dass ich einen triftigen Grund hatte, zu ihm zu stoßen, einen Grund, der eindeutig gurkenbasiert und nicht telefonnummerbezogen war.

»Danke, nein«, sagte er und sah mich leicht beunruhigt an.

»Bestimmt nicht? Vielleicht eine gefüllte Olive?«, drängte ich weiter.

»Nein, wirklich nicht.«

»Silberzwiebel?«, ermunterte ich ihn. »Ein Würfelchen Rote Bete?«

»Vielen Dank«, sagte er verzweifelt und nahm sich eine Olive.

»Hoffentlich schmeckt sie Ihnen«, sagte ich triumphierend.

Gegen Ende sah ich, wie er von seiner Mutter und Una traktiert wurde. Gemeinsam schleppten sie ihn dann zu mir und blieben vorsichtshalber hinter ihm stehen, während er mit gnadenloser Förmlichkeit fragte: »Suchen Sie vielleicht eine Mitfahrgelegenheit nach London? Ich bleibe zwar hier, aber ich könnte Sie von meinem Wagen fahren lassen.«

»Was, ganz von allein?«, stieß ich hervor.

Er sah mich verständnislos an.

»Tsas! Mark hat einen Firmenwagen mit Chauffeur, Dummchen«, sagte Una.

»Vielen Dank, das ist sehr nett«, sagte ich. »Aber ich werde mich morgen früh von einem meiner Züge zurückbringen lassen.«

2 Uhr nachts. Oh, warum bin ich nur so unattraktiv? Warum? Selbst Männer, die Hummelsocken tragen, finden mich schrecklich. Ich hasse das neue Jahr. Ich hasse alle. Außer Daniel Cleaver. Zum Glück habe ich noch von Weihnachten eine riesengroße Tafel Cadbury’s Vollmilchschokolade auf meinem Toilettentisch liegen und dazu ein witziges Minifläschchen Gin Tonic. Werde mir beides einverleiben und eine Kippe rauchen.

Dienstag, 3. Januar

59 kg (erschreckendes Abgleiten in die Fettleibigkeit – warum? warum?), Alkoholeinheiten 6 (hervorragend), Zigaretten 23 (s. g.), Kalorien 2472.

9 Uhr. Uäh. Kann mir nicht vorstellen, heute zur Arbeit zu gehen. Das Einzige, was es erträglich macht, ist die Vorstellung, Daniel wiederzusehen, aber selbst das ist nicht empfehlenswert, da ich dick bin, einen Pickel am Kinn habe und mir nur noch wünsche, auf dem Sofa rumzusitzen, Schokolade zu essen und mir Weihnachtssondersendungen im Fernsehen anzuschauen. Es kommt mir moralisch verwerflich und unfair vor, dass einem Weihnachten mit all seinen stressigen und nicht zu bewältigenden finanziellen und emotionalen Ansprüchen erst vollkommen gegen seinen Willen aufgezwungen und dann brutal wieder weggenommen wird, wenn man sich gerade langsam daran gewöhnt. Zum Beispiel, dass Busse und Bahnen nach Sonntagsfahrplan fahren und es also in Ordnung ist, so lange im Bett zu bleiben, wie man will, sich jede Menge Süßigkeiten hinter die Kiemen zu schieben, dazu alkoholische Getränke ohne Rücksicht auf die Tageszeit, sogar morgens. Jetzt sollen wir uns alle plötzlich wieder in superschlanke, megajugendliche Windhunde verwandeln. Und wofür? Für die Tretmühle.

22 Uhr. Uäh. Perpetua, die etwas länger in der Firma ist als ich und sich deshalb einbildet, sie wäre meine Vorgesetzte, war ausgesprochen widerlich und herrschsüchtig und ist mir ewig mit dem protzigen Anwesen auf die Nerven gegangen (schlappe halbe Million), das sie sich zusammen mit ihrem reichen, aber leicht bescheuerten Freund Hugo kaufen will: »Sücher, sücher, es geht nach Norden, aber sie haben sich etwas unglaublich Schlaues mit der Beleuchtung einfallen lassen.«

Ich sah sie nur traurig an, ihren breiten, ausladenden Hintern, der in einem engen roten Rock steckte, zu dem sie eine absonderliche, dreiviertellange, gestreifte Weste angezogen hatte. Welch ein Segen, wenn man offenbar schon mit der Arroganz der Reichen und Stinkreichen geboren wurde. Perpetua konnte so breit sein wie ein Renault Espace und keinen Gedanken daran verschwenden. Wie viele Stunden, Monate, Jahre habe ich damit zugebracht, mir über mein Gewicht den Kopf zu zerbrechen, während Perpetua in der Gegend um die Fulham Road fröhlich nach Lampen mit Porzellankatzen als Standfuß gesucht hat? Auf jeden Fall fehlt ihr eine Quelle des Glücks. Umfragen haben erwiesen, dass Glück nicht von Liebe, Reichtum oder Macht herrührt, sondern von der beharrlichen Arbeit an realistischen Zielen: Und was ist eine Diät schon anderes?

Auf dem Heimweg habe ich mir, um den Abschied von Weihnachten zu verdrängen, eine Schachtel Schokosterne gekauft (eigentlich für den Christbaum, dafür aber Sonderangebot) nebst einer Flasche Schaumwein aus Norwegen, Pakistan oder so für 3,69 £. Ich verleibte mir alles im Licht des Weihnachtsbaumes ein, zusammen mit ein paar Weihnachtspasteten, dem Rest des Weihnachtskuchens und etwas Stilton, während ich mir eine Folge von Eastenders ansah und so tat, als sei es eine Weihnachtssondersendung.

Jetzt überfallen mich allerdings Scham und Ekel. Ich kann richtig spüren, wie das Fett aus meinem Körper quillt. Was soll’s. Manchmal muss man erst den Kalorien-Gau erlebt haben, um wie Phönix aus der Asche mit einer entschlackten und wunderschönen Michelle-Pfeiffer-Figur aus den Trümmern einer cholesterinverpesteten Welt aufzusteigen. Morgen fange ich mit einem eisernen Gesundheits- und Schönheitsprogramm an – garantiert.

Mmmm. Daniel Cleaver allerdings. Ich liebe seine verruchte, leichtlebige Ausstrahlung, während er andererseits s. erfolgreich und klug ist. Heute war er s. witzig und hat allen erzählt, wie seine Tante dachte, der Küchenrollenhalter aus Onyx, den ihr seine Mutter zu Weihnachten geschenkt hat, sei ein stilisierter Penis. Hat es wirklich s. lustig gebracht. Hat mich außerdem ziemlich kokett gefragt, ob ich etwas Schönes zu Weihnachten bekommen hätte. Werde morgen vielleicht kurzen schwarzen Rock anziehen.

Mittwoch, 4. Januar

59,5 kg (absoluter Notstand, als ob Fett in Kapselform über Weihnachten eingelagert war und nun langsam unter der Haut freigesetzt wird), Alkoholeinheiten 5 (besser), Zigaretten 20, Kalorien 700 (s. g.).

16 Uhr. Büro. Akuter Notstand. Jude hat gerade in Tränen aufgelöst von ihrem Handy aus angerufen und es schließlich sogar fertiggebracht, uns mit weinerlicher Stimme mitzuteilen, dass sie sich soeben unter einem Vorwand aus Vorstandssitzung stehlen musste (Jude ist Leiterin der Termingeschäfte bei Brightlings), da sie sonst dort in Tränen ausgebrochen wäre, und saß nun mit Augen wie Alice Cooper und ohne Schminktäschchen in der Damentoilette. Ihr Freund, Richard der Gemeine (ein haltloser Beziehungspaniker), mit dem sie seit achtzehn Monaten mit Unterbrechungen zusammen ist, hat sie verlassen, weil sie ihn gefragt hat, ob er mit ihr in Urlaub fahren würde. Typisch, aber natürlich hat Jude sich an allem selbst die Schuld gegeben.

»Ich kann einfach nicht allein sein. Das ist schon kein normales Bedürfnis mehr, es ist eine Sucht nach Nähe. Und wer macht das schon auf Dauer mit? Ach, wenn ich nur die Zeit zurückdrehen könnte.«

Ich rief sofort Sharon an, und für halb sieben wurde im Café Rouge ein Notstandsgipfel einberufen. Ich hoffe, ich komme weg, ohne dass die dämliche Perpetua Theater macht.

23 Uhr. Schriller Abend, Sharon begann sofort mit ihrer Theorie in puncto Richard: »Emotionale Flachwichserei, die sich wie ein Buschfeuer unter Männern über dreißig ausbreitet.« Wenn Frauen von den Zwanzigern in die Dreißiger übergehen, behauptet Shazzer, verlagert sich insgeheim das Machtgleichgewicht. Selbst die coolsten Frauen verlieren die Nerven und haben mit den ersten Anfällen von Lebensangst zu kämpfen: zum Beispiel einsam und allein zu sterben und drei Wochen später gefunden zu werden, angenagt vom eigenen Schäferhund. Sterotype Vorstellungen von Staub, Spinnrädern und einem total eingerosteten Sexleben vereinen sich und bewirken, dass man sich ungeheuer blöd vorkommt, egal, wie intensiv man an Joanna Lumley und Susan Sarandon denkt.

»Und Männer wie Richard«, schäumte Sharon, »nützen die Schwachpunkte des anderen aus, sie wollen nicht erwachsen werden und lehnen jegliche Verpflichtung, die sich aus einer Beziehung ergibt, grundsätzlich ab, ganz egal, was sie sagen.«

Zu diesem Zeitpunkt machten Jude und ich bereits »Schhh, schhh« und versanken in unseren Mänteln. Schließlich gibt es nichts Unattraktiveres für einen Mann als schrillen Feminismus.

»Wie kann er sagen, dass er sich eingeengt fühlt, wenn du ihn fragst, ob er mit dir in Urlaub fährt?«, brüllte Sharon. »Was redet er da eigentlich?«

Während ich verträumt an Daniel Cleaver dachte, riskierte ich die Bemerkung, dass nicht alle Männer wie Richard seien. Daraufhin ließ Sharon eine endlose, aber höchst aufschlussreiche Liste emotionaler Flachwichserei, wie sie Freundinnen von uns erlebt haben, vom Stapel: Okay, da war eine, die mit ihrem Freund seit dreizehn Jahren zusammen ist, aber über eine gemeinsame Wohnung darf nicht einmal andeutungsweise gesprochen werden; eine andere, die viermal mit einem Mann ausgegangen ist, der ihr dann den Laufpass gab, weil es ihm zu ernst wurde; eine dritte, die drei Monate lang mit leidenschaftlichen Heiratsanträgen von einem Typen verfolgt wurde, nur um drei Wochen, nachdem sie ihn erhört hatte, von ihm sitzengelassen zu werden, damit er das Ganze bei ihrer besten Freundin wiederholen konnte.

»Wir Frauen sind nur verletzlich, weil wir eine Generation von Pionierinnen sind, die es wagt, in der Liebe Kompromisse zu verweigern und sich auf ihre eigene wirtschaftliche Kraft zu verlassen. In zwanzig Jahren werden es die Männer gar nicht mehr wagen, uns mit dieser Flachwichserei zu kommen, weil wir ihnen einfach ins Gesicht lachen werden«, tobte Sharon.

ENDE DER LESEPROBE