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Sei gespannt, was Ella in ihrem Teil 2 der Buchreihe Broken Dreams - Wege im Labyrinth des Lebens zu berichten hat. Von Mallorca, ihrem selbsternannten Paradies. Warum es erneut zu einer Insel-Pause kommt und weshalb ihre ereignisreiche Vergangenheit sie immer wieder einzuholen scheint. Ein wahres, authentisches Coming Out. BROKEN DREAMS 2.
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Seitenzahl: 185
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Für Biggi, meinen Schmetterling
Prolog
KAPITEL 01: Die schwarze Nacht
KAPITEL 01: Die schwarze Nacht
KAPITEL 02: Beach, Bucht und Berge
KAPITEL 03: Das christliche Mallorca
KAPITEL 04: Besondere Bergdörfer
KAPITEL 05: Mallorca im Mittelalter
KAPITEL 06: Die Wach- und Wehranlagen
KAPITEL 07: Bizarre Küstenwanderung
KAPITEL 08: Wandern im Tramuntana
KAPITEL 09: Wandern im Llevant
KAPITEL 10: Das Naturwunder
KAPITEL 11: Eine blutige Epoche
KAPITEL 12: Das heilige Fest
KAPITEL13: Herbergsleben
KAPITEL 14: Immer wieder Mallorca
KAPITEL 15: Hätte ich das bloß vorher gewusst
KAPITEL 16: Ahnen
KAPITEL 17: Flensburg 2023, Teil 2
KAPITEL 18: Chakra Stäbchen
KAPITEL 19: Lebe jeden Tag, als ob es dein Erster wäre
KAPITEL 20: Das ABC des Lebens
KAPITEL 21: Wiedersehen mit Rob
KAPITEL 22: Liebe will, wonach das Herz verlangt
BONUSKAPITEL: Die Welt der Elfen -Eine Erden Saga -Teil 1: Die Befreiten
Kapitel 1: Angst ist nur ein Zustand, in dem du dich befindest.
Kapitel 2: Die erste Mission
Kapitel 3: Ein höllisch guter Plan
Epilog
Danksagung
Buchempfehlung
Glaube nicht alles, was du selbst von dir denkst. Jeder Gedanke will wichtig und wahrgenommen werden, doch ist jeder Gedanke auch wirklich so wichtig zu nehmen und vor allem, entspricht es der Wahrheit? Wie viel Zeit wir doch damit verbringen, an unsere Gedanken zu denken. Das lenkt uns letztlich nur davon ab, im Hier und Jetzt zu leben.
Ich denke von mir, dass ich oft viele Gedanken zu sehr der Vergangenheit und der Zukunft widme. Habe mittlerweile herausgefunden, dass es wichtig ist, was man dabei fühlt, bei jedem Gedanken. Denn die Gefühle kreieren unsere Realität, gemäß dem Gesetz der Resonanz. Also glaube nicht alles, was du selbst von dir denkst. Fühle, was du selbst von dir hältst, fühle, was dich ausmacht, was dir Freude bereitet. Alles andere lass weg.
Ella erwachte schweißgebadet aus ihrem Traum. Es war zwei Jahre her, diese schreckliche, schwarze Nacht. Die wohl schwärzeste Nacht, die Ella in ihrem Leben bisher erlebt hatte.
Und nun verfolgte sie dieses Erlebnis wiederholt im Traum, als wäre es gestern erst passiert. Trotz allem es so schrecklich war, schrieb Ella ihren Traum in ihr Tagebuch:
Ich spüre, wie mir höllisch der Oberarm schmerzt, als ER die Tür mit voller Gewalt auftritt. ER zerrt mich raus ins Treppenhaus. Dann der erste, feste Schlag mitten auf die Nase. Mir wird schwarz vor Augen und ich sinke vor unerträglich starken, pochenden Schmerzen zu Boden.
Ich spüre, wie mir das Blut aus der Nase läuft. Wehrlos packt ER mich an den Haaren und schleudert mich abwechselnd, links und rechts, gegen die Treppenhauswände, während ausgerissene Haarbüschel sich mit meinen Blutstropfen am Steinboden vermischen. Manolo, der Nachbar, stürmt aus seiner Wohnung. Endlich reißt jemand den vom Wahnsinn getriebenen Kerl von mir weg. Und das alles nur wegen Rob. (Eintrag Ende)
Zwei Jahre Paguera hatten es wirklich in sich gehabt. Gott sei Dank war es Ellas letzte Nacht in Paguera gewesen. Sie schaute auf ihre Umzugskisten, Tränen flossen vor Erleichterung.
Endlich raus aus diesem Paguera! Das war hier wahrlich kein paradiesisches Fleckchen auf Erden mehr.
Als Ella bei Rob einzog, hatten sie sich gerade mal zwei, drei Male vorher gesehen. Es war eine der glücklichen Vitamin B Gelegenheiten, die Ella als WG Partnerin am 15.10.2019 bei Rob einziehen ließ. Vitamin B, das allerwichtigste Vitamin auf der Insel: B wie Beziehungen. Abends, an ihrem Einzugstag, lag Ella erschöpft aber glücklich in ihrem neuen Bett.
Sie war gerade eingenickt, als sie Rob die Wohnungstür aufschließen hörte. Anschließend hörte sie ihn duschen gehen und konnte es kaum glauben, sie hörte Thomas, ihren Lieblingssänger.
Es war Robs Duschmusik, die Ella hörte und sich sanft durch ihre Wand, in ihr kleines, gemütliches WG – Zimmer hallen ließ.
Der Song „Du und ich“.
Der Text des Liedes ist wirklich sehr interessant, er hat überhaupt nichts mit einem Liebespaar zu tun. Vielmehr geht es darum, dass man doch so oft nur die Oberfläche eines Menschen betrachtet.
„Denn wir sehen, nur was wir sehen“, so heißt es in einem Satz des Songs. Und was wissen wir schon wirklich voneinander? Und wie wichtig ist wer überhaupt?
Nach diesem musikalischen Volltreffer in der ersten WG Nacht, entwickelte sich diese Wohngemeinschaft zwischen Ella und Rob zu einer angenehmen, vertrauten Freundschaft. Mal schauten sie einen Film zusammen, teilten sich eine Pizza oder chillten einfach gemeinsam auf dem blumen- und pflanzenreichen Balkon ab.
Kurz vor Weihnachten, es war der 22.12.2019 landeten die beiden spontan auf der Dachterrasse auf ihrem 4 - stockigen Wohnhaus. Eines der wunderbaren Dächer über Paguera, mit Millionen-Ausblick. Es war ein gigantischer Ausblick unweit des Meeres, wo sich einige Laternenlichter im Wasser, wie ein sanfter Lichtstreif spiegelten.
Rob erzählte Ella von seiner ersten, großen Liebe, Ava, die einige Jahre zurücklag. Warum er von Ava und ihrem Kennenlernen erzählte, wusste er hinterher auch nicht mehr so genau.
Einige Stunden später sah man Ella und Rob wild knutschend auf einem Sofa, in einer der gemütlichsten Chill-Out Klubs, am Strand von Paguera.
Diese unglaubliche Nacht muss ich erst einmal verdauen.
Als Rob mir gestern Abend sagte, dass er, ich zitiere:
„Auf einmal voll Bock hat, mich zu küssen“.
Da war ich schon etwas überrumpelt, mit seiner Zunge in meinem Mund, die gleich nach dem Satz folgte.
Jedoch gefiel mir gleichzeitig seine Sanftheit, wie er mich küsste.
Und es tat ja keinem weh, schließlich sind wir ja beide Single und wollen es auch weiterhin bleiben.
Trotz dieser Nacht.
Nach dem wilden Geknutschte in der „Maya-Lounge“, gingen wir anschließend zügig nach Hause.
Dort ging es weiter mit dem wilden Geknutschte und zusätzlichem Gefummel.
Unsere Klamotten haben wir auch sehr schnell entfernt.
Es war einfach unbeschreiblich, wie er mit meinem Körper und meinen Sinnen umgegangen ist.
Ich habe ehrlich gesagt, noch nie so guten Sex gehabt, weil ich mich noch nie so gut habe fallen lassen können wie bei Rob heute Nacht, die bis gerade eben in den Morgen gedauert hat.
Acht geplatzte Kondome später sitze ich jetzt hier. (Eintrag Ende)
Zwei Tage später stand Weihnachten vor der Tür. Eigentlich machte Ella sich schon längst nichts mehr aus Weihnachten. Für sie war es nur noch eine „Konsumveranstaltung“ geworden.
Wer dachte schon noch an das Jesuskind, das an Weihnachten geboren wurde? Stattdessen nur noch
Völlerei und kaufen, kaufen, kaufen!
Bei dem einen oder anderen heißt es nur:
Achtung Zwangsbesuch, weil Weihnachten droht.
Und das nennt sich nun „Heiliger Abend“.
Eher scheinheilig.
Ella nahm also die Weihnachtstage ganz gelassen hin. Rob wollte mit seinem Kumpel Axel um die Häuser ziehen. Und so entschied sie sich, die Einladung von ihrer Freundin Bärbel anzunehmen, (Bärbel war das Vitamin B für Ella gewesen, so gelangte sie in Robs WG Zimmer) auch wenn sie Bärbels Lebenspartner Micha nicht unbedingt mochte.
Das beruhte im Übrigen auf Gegenseitigkeit. Micha war nicht sonderlich begeistert von Ella, da sie halt eine Frau ist, die gerne ihre Meinung sagt.
Sichtlich erstaunt war Ella über das Geschenk, was sie von beiden bekam. Ein neuwertiges Handy.
Das passte Ella äußerst gut, denn ihr altes Handy gab langsam den Geist auf, so nahm sie das
Geschenk dankend an.
Und wer hätte gedacht, dass dieses Handy noch für mächtigen Aufruhr sorgen würde in Paguera.
Micha und Bärbel unterhalten sich an einem der zwei äußeren Stehtische.
Bärbel: „Mist, Micha, ich glaube, die hat etwas gemerkt.“
„Was meinst du, das mit der Speicherkarte?“, fragte Micha. „Ja, ich glaube, die weiß, dass es geklaut ist.“
„Axel schickt mir die ganze Zeit so komische Nachrichten“, antwortete Bärbel sichtlich nervöser werdend.
„Wieso hast du Axels Nummer noch?“, fragte Micha wütend. „Ich habe dir gesagt, du sollst seine Nummer löschen, ich bestimme, mit wem du befreundet bist, ist das klar?“
„Ist klar, Schatz“, antwortete Bärbel kleinlaut und drückte ihrem Micha einen Kuss auf die Wange.
Micha fuhr drohend fort: „Dann halt dich dran, wenn du weiterhin mit mir zusammen bleiben willst, zwei Autos fahren willst und in dem schönen Haus wohnen bleiben willst!“
„Ja, Schatz“, parierte Bärbel sofort zurück.
Micha holte die zwei fertigen Currywürste vom Tresen ab, kam mit, nur einer Gabel, zurück an den Stehtisch und sagte zu Bärbel: „Du isst heute mal lieber nichts mehr heute, hast ganz schön zugelegt über Weihnachten.“
Bärbel sagte nichts, sie hatte sichtlich Tränen in den Augen, jedoch war sie Michas verletzende Art ja schon gewohnt, seitdem sie mit ihm zusammen war. Was sie an Micha fand, war nicht nur Ella ein Rätsel gewesen.
Bärbel steckte sich eine Zigarette an, schaute auf ihr Handy und wurde noch nervöser: „Micha, jetzt schickt mir Ella gerade Sprachnachrichten.“
„Spiel sie ab“, befahl Micha. Sofort spielte Bärbel, Ellas Nachrichten, nacheinander ab:
1. Nachricht, 13 Uhr 13:
„Hey, ich wollte mich nochmal bei euch bedanken! Für das geklaute Handy, das ihr mir zu Weihnachten geschenkt habt. Ihr werdet es nicht glauben! Ich habe Axel, den rechtmäßigen Besitzer des Handys beziehungsweise der Speicherkarte, kennengelernt, er war sichtlich gerührt, als ich ihm seine eigenen Hochzeitsvideos gezeigt habe, die er seit zwei Jahren sehnlichst vermisst hat. Rob war mit Axel unterwegs und hat ihn am 2. Weihnachtstag zu uns eingeladen. Solche Zufälle aber auch.“
2. Nachricht, 13 Uhr 14:
„Und Micha, die Speicherkarte bzw. das Handy, dass du urplötzlich zurückverlangst, ist jetzt bei dem rechtmäßigen Besitzer, also wendet euch an den!“
„Ihr zwei, seid echt das Letzte!“
„Jeder Mensch, der uns begegnet, ist eine Erfahrung.“
Danach wollte Ella noch schnell den Müll runterbringen. Rob kam gerade vom Einkaufen. Er ging gemütlich und gut gelaunt die Treppen hoch, stellte seine Einkäufe ab, wollte gerade mit der Tür ins Schlüsselloch, als Ella plötzlich die Tür öffnete.
Sie grinsten sich an.
Rob sagte: „Oh, das passt ja gut. Der eine kommt, die andere geht.“
„Was machst du gleich noch?“
Natürlich landeten sie wieder im Bett, diese Nacht, und dieser Nacht folgten noch viele weitere Nächte.
Es war mittlerweile Mitte April und Ella fühlte sich überhaupt nicht mehr wohl in ihrer Haut. Irgendwie hatte Ella sich in Rob verliebt.
Aber konnte oder wollte es ihm nicht sagen.
Aus Angst vor einer Abfuhr.
Oder war es vielleicht ausschließlich das faszinierende, schöne Sexuelle, was sie so in den
Rausch der Liebe trieb?
Und dann war da noch Ellas Ex-Freund, der anscheinend schon einige Male an deren Haustür, heimlich lauschend gesehen wurde.
Dann gab es noch ein weiteres großes Problem: Lola.
Lola hatte eine tolle, blonde Lockenmähne.
Sie war eine kleine, sympathische, „typisch Berliner Schnauze“ Schönheit.
Rob lernte sie in der Bar Romana kennen.
Die Bar Romana befand sich in Paguera, am Rande des deutschen Ecks. Genauer gesagt, war es die letzte Bar am deutschen Eck in Paguera, bevor es zum Ortsausgang Richtung Santa Ponsa ging.
Romana, die Gastwirtin, benahm sich dort gelegentlich sogar wie das „allerletzte“.
Also schien der Standort absolut perfekt zu sein für ihre Bar, mit ausnahmslos deutschen
Stammgästen, die gerne schnellstmöglich stramm sein wollten, egal zu welcher Tageszeit.
Jedenfalls hatte Lola dort Rob kennengelernt.
Er gefiel ihr auf Anhieb. Genau ihr Beuteschema:
Ca. 20 – 30 Jahre jünger als sie, offen für alles, feiert und trinkt anscheinend gerne.
Rob gefiel an Lola ähnliches, des Weiteren musste Lola auch vermögend sein.
Sie trug einiges an echtem Goldschmuck an sich.
Ihren Mercedes-Cabriolet parkte sie immer direkt neben der Bar im Halteverbot.
Sie passte gut in Rob sein Beuteschema.
Frau mit viel Geld und Gold.
Rob lernte Lola ungefähr zu dem Zeitpunkt kennen, als er das Date auf dem Dach mit Ella hatte.
Mittlerweile verbrachte Rob die Wochenenden bei Lola. Sie besaß eine schöne, große Eigentumswohnung in Palma, am Randgebiet von Porto Pi, nahe dem Hafen.
Rob genoss sie sehr, die Zeit mit Lola.
Sie bezahlte alles, egal, was er brauchte.
Die Wochenenden gestalteten sie sich sehr Alkohol trächtig und gönnten sich auch gerne mal eine
Prise weißen Nasenspaß.
Lola war froh, dass sie endlich jemanden bei sich zu Hause hatte, um den sie sich kümmern konnte.
Sie gab sich alle Mühe und scheute keinerlei Kosten, um die Gunst von Rob zu erwerben.
Er nutzte Lola eher für seine sehr bequeme „Komfortzone“, die wollte er auf keinen Fall verlieren.
Jedoch gab es da eine Sache, die ihm Lola nicht geben konnte. Den besten Sex der Welt, den hatte er mit Ella. So kam Rob natürlich in den Zwiespalt. Er konnte Lola auf keinen Fall sagen, dass er ein sexuelles Verhältnis mit seiner WG Mitbewohnerin hatte, dann war er sofort seine „Komfortzone“ los.
Er brauchte Lola weiterhin, um das Leben in vollen Zügen genießen.
Er konnte diese Geldquelle auf keinen Fall verlieren! Und diese wundervolle Sache mit Ella wollte er auch nicht aufgeben.
Was Ella anging, sie war sichtlich überfordert mit ihren Gefühlen und mit sich selbst. Sie musste eine
Lösung finden, um aus dieser teuflischen Dreiecks-Beziehung herauszukommen, sonst wird das alles bald ein heftiges, böses Ende nehmen.
Lola hatte einige Male an der Tür geklopft. Immer Sturz-Betrunken, schrie und weinte sie verzweifelnd im Hausflur herum. Wie eine Verrückte hämmerte sie dann an der Haustür, meist einige Minuten später, und schrie, Rob solle bitte die Tür öffnen.
Wenn Ella zu Hause war, öffnete sie nicht.
Auf Bitten von Rob, wenn er sich einige Tage in sein Schlafzimmer einschloss weil er eine Lola-Pause benötigte.
Lola wollte mehr von Rob. Aber er wollte nicht.
Das wird dann irgendwann anstrengend.
Ella verstand Lolas und Robs Beziehung nicht so ganz, jedoch durchschaute sie irgendwann Robs Absichten. Ella verstand, dass er sie brauchte und Umgekehrt. Ein Chaos-Pärchen in totaler Co-Abhängigkeit und Ella mittendrin, mit ihren Gefühlen.
Gefühle waren hier wirklich fehl am Platz.
So beschloss Ella sich Mitte April, schnellstmöglich eine eigene Bleibe zu suchen.
Als Überbrückung hatte sie schnell ein Ferienapartment angeboten bekommen, so nutzte Ella ihre Chance, schnellstmöglich ihr
Leben wieder in Einklang bringen zu können.
Und auf Mallorca wollte sie endlich wieder das Paradies entdecken.
Doch es sollte noch viel schlimmer kommen.
Ach, liebe Biggi, heute ist dein 9.
Himmelsgeburtstag.
Und ich erlebe mal wieder die reinste Hölle im Paradies. Was für ein fataler Fehler, dass ich vor vier Tagen in die Ferienwohnung gezogen bin. Das Packen hätte ich mir auch sparen können.
Echt beschissen, das Paradies gerade hier!
Jetzt sitze ich wieder auf meinem Bett, in meinem WG-Zimmer bei Rob.
Er hat mich erst mal wieder aufgenommen. Nach dieser Horrornacht. Die schlimmste, übelste, fieseste, gemeinste Nacht meines Lebens.
Rob holt mir gerade Eis aus dem Kühlfach für mein geschwollenes Gesicht, verursacht durch einen Nasenbruch. Mein rechter Oberarm ist zertrümmert. Das Schreiben kann ich wohl erst einmal vergessen. Einige, größere Hämatome zieren meinen gesamten Körper. Mein Schädel platzt fast, vor hämmernden Kopfschmerzen.
Der Großeinkauf in der Apotheke wird es schon richten. Wenigstens fühle ich gerade nichts, weder Schmerzen noch ein Gefühlschaos.
Das Motiv? Eifersucht, gepaart mit Alkoholeinfluss.
Vier Augenzeugenanzeigen, plus mindestens eine Anzeige vom Staat.
Karma wird es für Tim 2.0 richten, auch wenn du dich an nichts erinnern kannst.
Ich hoffe, du hast einen himmlischen Geburtstag mit all deinen Engels-Chören.
„Miss you kiss you“, mein Schmetterling! (Eintrag Ende)
Ich hab echt die Schnauze voll. Von Männern.
Das war der letzte Versuch.
Nie wieder sage ich einem Mann, dass ich in ihn verliebt bin.
Das war echt beschissen heute Mittag.
Endlich konnte ich allen Mut zusammenbringen, an Robs Zimmertür klopfen, mich an seine Bettkante setzen und ihm einfach sagen:
„Ich hab mich irgendwie in dich verliebt.“ Und seine Antwort war:
„Was machen wir denn da jetzt, bei mir ist das leider nicht so!“
Autsch, das tat wirklich weh! Als wenn alle Schwerter meines Tarotkarten-Sets auf einmal (und das sind viele) sich gerade in mein Herz bohren!
Mir reicht es echt ein für alle Mal!
F**k Love! (Eintrag Ende)
Diese wirkliche Pause vor Männern fing allerdings etwas später an. Erst als sie mit Rob ihre letzte Inselnacht verbrachte. Noch ein letztes Mal ließ sie sich fallen.
Rob verlässt in drei Tagen die Insel.
Er kehrt zurück nach Deutschland.
Will seinem alten Job beim Film wieder nachgehen.
Ich denke, dass es eine Flucht ist, die Flucht aus dem Paradies.
Was meine Männerpause angeht, jetzt erst recht!
Vertrag mit mir selbst. Einhaltung unbedingt erforderlich!
Keinen Sex mehr, nur noch mit einem, dem Richtigen!
Beginn: 1.08.2020, vorher habe ich noch etwas zu verabschieden.
Ich vereinbare ein Date mit Rob, er willigt ein.
(Eintrag Ende)
Bis Dezember 2020 zog sich Ellas Männerpause dahin, über Wochen, über Monate.
Sie konnte Rob einfach nicht vergessen und ohne ihn war Paguera irgendwie anders geworden. Paguera war sowieso anders in diesem Jahr. Es war das Jahr des Virus, dessen Namen keiner mehr hören kann. Ganz Mallorca war, wie leer gefegt. Wahrscheinlich war die Insel nie so „Touristenfrei“ wie in diesem Jahr.
Keine dicken Bierbäuche, keine Liegen, keine Schirme, keine „wolle Massage“ fragenden Frauen, keine Sonnenbrillenverkäufer, keine Massen-Touri–Buskolonnen.
All das hatte natürlich Positives zur Folge, dass sich vor allem die Meeresnatur paradiesisch erholte. Und die Einheimischen konnten ihre Insel, fast ein Jahr lang allein für sich genießen.
Es gibt immer zwei Seiten der Medaille. In unserem dualen, menschlichen Dasein auf Erden.
Die andere Seite war viel Frustration, der Beginn einer neuen Armutswelle, die Familien in Not brachten, viele zur Verzweiflung und es, zum Leidwesen vieler, ein sehr gewaltvolles und existenzzerstörendes Jahr war.
Und dies war erst der Beginn.
Der Beginn weiterer, extremer Wellen.
Das sagen jedenfalls die Verschwörungstheoretiker.
Obwohl es gar keine Verschwörungstheorien mehr gibt, es haben sich ja alle bewahrheitet.
Nur Ella hatte ihre eigene Verschwörungstheorie, gegen sich selbst.
Es muss eine Verschwörungstheorie sein, dass es den Richtigen, meinen Deckel, meinen Seelenpartner, meine „big fat love“ für mich gibt!
Warum zur Hölle begegne ich immer wieder nur emotional, fehl erzogenen Männern, die am besten und auch sehr gut, ohne ihre Gefühle leben können.
(Eintrag Ende)
Drum war es für Ella die beste Entscheidung, ihre Männerpause auch im kommenden Jahr 2021 durchzuziehen.
Und sie tat es auch.
Zwar hatte sie die eine oder andere kurze, männliche Bekanntschaft gemacht, jedoch waren sie alle vom Grundschema identisch.
(mindestens schon zehn Mal erwähnt in diversen, anderen Tagebüchern!)
Es läuft wie folgt ab.
Du bist nach jämmerlichen 3-6 Monaten oder Jahren! Herzschmerz, endlich emotional fertig mit deinem Ex, hast ihn entsorgt wie eine ausgeleierte Hose. Bist wieder offen für neue Begegnungen. Und dann passiert ein bis drei Dates später, das: Sie laden dich zum Essen ein, erzählen dir, wie toll sie sind, was sie alles schon gemacht haben oder durchgemacht haben.
Eigentlich wollen sie dir schnellstmöglich an die Wäsche, aber da die Männer allesamt ihre „Ego-Maske“ aufgesetzt haben, fallen sie ja nicht gleich mit der Tür ins Haus.
Sie sind einfach zu feige für ihre eigene Ehrlichkeit.
Anstatt ehrlich zu sagen:
„Ich hatte seit Monaten oder Jahren keinen Sex mehr!“ Oder „Ich habe übelsten Hodenstau!“
„Wann können wir endlich zu mir oder zu dir?“ Stattdessen langweilen sie einen, stehlen einem kostbare Zeit.
Die meisten Männer leiden wirklich unter chronischer Selbstüberschätzung.
Dann lügen sie dir auch noch mitten ins Gesicht, verschweigen ihre Ehefrauen oder haben es einfach schlichtweg mit Absicht „vergessen“, zu erwähnen, dass sie eigentlich nur ein sexuelles Abenteuer für nebenbei suchen.
Doch der Suchende sucht ewig.
Und bei mir bitte erst recht nicht mehr!
(Eintrag Ende)
Männer. Mit ihnen geht es nicht, ohne auch nicht.
Diese Gattung von Mensch, namens Mann.
Einst erschaffen nach dem Vorbild männlicher
Götter. Doch welcher Mann besitzt ihn heutzutage noch, diesen göttlichen Funken? Welcher Mann spürt sie noch, die bedingungslose Liebe, die er seit seiner Geburt in sich trägt?
Ich, von der anderen Gattung Mensch, der Frau, habe zwangsläufig bis zu meinem physischen
Lebensende mit ihnen zu tun.
Ein Sohn, ein Ehemann, ein vertrauter Freund, ein Mentor, ein Vater, ein Bruder, einen Geliebten, ein Mann, der dir am Herzen liegt.
Das sind Männer, die hat „Frau“ gerne um sich herum.
Doch dann gibt es noch die andere Sorte.
Die bösen Männer. Die Lügner, die Betrüger, die Venusfallen (die, die eigentlich nur Sex wollen, um ihr Ego zu füttern).
Diese Sorte Männer mögen wir Frauen überhaupt nicht.
Wie dem auch sei, wir Frauen leben mit ihnen hier, auf unserem wunderbaren Planeten Erde.
Müssen wir nun mal zwangsläufig, es wurde noch kein Frauenplanet entdeckt, wo wir uns hin flüchten könnten.
Es gibt sie halt hier und nur mit uns.
Der Eine gut, der Andere böse.
Sicherlich gibt es auch böse Frauen, aber ich stelle mich natürlich auf die Seite meinesgleichen.
Wir sind nun mal das emotionalere Geschlecht und haben genug auszubaden.
(Eintrag Ende)
Die Carrer sa Madona ist eine blumenreiche, lange Straße in Costa de la Calma mit recht vielen
Hausnummern.
Eine Ansammlung an frei stehenden Häusern, sowie eng aneinander gereihte, kleine, putzige Reihenhäuschen zieren diese Straße.
Ruhig gelegen, am Randgebiet zwischen Paguera und Santa Ponsa.
Diese Straße ist eine sehr beliebte Wohngegend, überwiegend bei den Deutschen.
Trotz aller dem war die „Sa Madona“ Ellas Ausflucht.
Endlich raus aus Paguera.
Rein in die „Straße der Verrückten“, wie Ella schon einige Male gehört hatte.
Die Niederländer hier in Costa de la Calma nennen sie sogar die „Straße der bösen Deutschen“.
Jedoch ließ sich Ella durch das Gerede nicht beirren; sie blieb sich selbst wie immer treu, mit ihrer Haltung.
Nicht auf Gerede anderer hören, selbst die Erfahrung machen. So ergab sich wieder ein wunderbarer Zufall, dass Ella durch reines Vitamin-B-Glück, nach Costa de la Calma in die Carrer sa Modana, in ein kleines Reihen– Mittelhäuschen umziehen konnte.
Lisa klingelte, nicht wie pünktlich um 9.00 Uhr, an Ellas Wohnungstür in Paguera. Sondern erst zwei Stunden später.
Der heftige Regen hatte dem Umzug vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht.
