Bruneckerinnen -  - E-Book

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Beschreibung

Dieses Buch stellt erstmals die Frauen Brunecks in den Mittelpunkt der Stadtgeschichte. Lange blieben ihre Lebenswelten, Erfahrungen und Handlungen unbeachtet. In verschiedenen Beiträgen und Kurztexten erzählen Historiker*innen von Beginen, Hebammen, Stifterinnen, Arbeiterinnen und Aktivistinnen – vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Das Buch eröffnet neue Perspektiven auf das Leben und Wirken von Frauen in der Stadt. Ein facettenreicher Sammelband, der Forschung und Vermittlung verbindet – für alle, die Brunecks Geschichte neu entdecken möchten.

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Seitenzahl: 579

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Franziska Cont, Andreas Oberhofer (Hg./a cura di)Bruneckerinnen

Ein Projekt von:

© 2025 by Studienverlag Ges.m.b.H., Erlerstraße 10, A-6020 Innsbruck

E-Mail: [email protected]

Internet: www.studienverlag.at

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Der Verlag behält sich das Text- und Data-Mining nach § 42h UrhG vor, was hiermit Dritten ohne Zustimmung des Verlages untersagt ist.

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

ISBN 978-3-7065-6494-6

Buchgestaltung nach Entwurfen von himmel. Studio fur Design und Kommunikation,

Innsbruck / Scheffau – www.himmel.co.at

Satz & Umschlag: Studienverlag/Maria Strobl – www.gestro.at

Umschlagfoto: Stadtarchiv Bruneck, Sammlung Liensberger, Hertha Liensberger am Balkon der Villa Liensberger, vermutlich spate 1930er – Anfang der 1940er Jahre.

Dieses Buch erhalten Sie auch in gedruckter Form mit hochwertiger Ausstattung in Ihrer Buchhandlung oder direkt unter www.studienverlag.at

Inhaltsverzeichnis Indice

Vorwort. Ein Frauenstadtbuch für Bruneck

Vorwort. Frauen als Wegbereiterinnen der Stadtgeschichte

Franziska Cont, Andreas Oberhofer

Wessen Geschichte? Der andere Blick auf die Stadtgeschichte

Eduard Visintini

Die ‚edle Frau Suanihilt‘ und die Anfänge Brunecks. Die früheste Urkunde im historischen Kontext

Isabella Brandstätter

Seelenheilpflege für alle! Frauen in Brunecker Bruderschaften

Wie die Beginen lebten, oder: Das älteste Beginenhaus Tirols

Siglinde Clementi

Wie Frauen erbten. Zur Verlassenschaft eines Brunecker Adeligen im 17. Jahrhundert

Janine Maegraith

Karriereweg Kloster: Wie Maria Scholastika von Söll zur Äbtissin von Sonnenburg wurde

Frauen und Frömmigkeit, oder: Wie die Menschen in Bruneck die Muttergottes verehrten

Eva Cescutti, Andreas Oberhofer

„Zum Besten der Stadt“? Drei Perspektiven auf die Gründung des Brunecker Ursulinenklosters

‚Koloniales‘ Bruneck? Oder: Drei afrikanische Mädchen im Ursulinenkloster

Michael Span

Zwischen Gebetbuch und Landesordnung. Buchbesitz von Frauen im Stadtgericht Bruneck 1750–1800

Schreibende Wirtinnen, oder: Wie die Sternwirts-Töchter einen Kauf vereinbarten

Andreas Oberhofer

„wahrhafftig ich muesß vor hunger sterben“. Zur Geschichte der Armut im 18. Jahrhundert

Wie die Witwe Kathrein für ihr Alter vorsorgte

Wie Veronica Prennerin in einem Haus in der Stadtgasse wohnte

Jenny Körber

Phantasmatische Frauen und liebeskranke Trinker. Die Brunecker ‚Trinkstube‘ und ihre Wappen als Ort vormoderner Imagination

Marie von Sternbach (1834–1919), oder: Künstlerin ohne Anerkennung?

Christina Antenhofer

Eine spätmittelalterliche Brautreise. Paula Gonzaga in Bruneck

Ellinor Forster

Hoher Besuch in Bruneck 1738: Maria Theresia und Franz Stephan von Lothringen auf dem Weg zur Huldigung in Florenz – eine logistische und zeremonielle Herausforderung

Die ‚Maurermeisterin‘ Gertraud Gasserin, oder: Wem in Bruneck ein Findelkind anvertraut wurde

Marina Hilber

Im Einsatz für Mutter und Kind. Zur Geschichte der Brunecker Hebammen, 17.–19. Jahrhundert

Franziska Cont

(K)Ein Frauengewerbe. Elisabeth von Grebmer und das Brunecker Postgasthaus

Francesca Brunet

“... und ich spürte, daß von mir etwas weggehe”: un caso di infanticidio di inizio Novecento

Loden und Lohnarbeit, oder: Frauen in der Brunecker Textilindustrie

Daniel Gunz

Schauplatz ‚Heimatfront‘. Brunecks weibliche Bevölkerung im Ersten Weltkrieg, 1914–1918

Das Seeböckhaus und seine Stifterin, oder: Wie die Stadtgemeinde einen letzten Willen nie erfüllte

Alessandra Spada

Il ruolo delle donne nel periodo fascista a Brunico

Stefan Lechner

Damenwahl: Die ‚Option‘ in Bruneck aus frauengeschichtlicher Perspektive

Neubeginn nach 1945, oder: Wie die Brunecker Schulen bei den Ursulinen einzogen

Franziska Niederkofler

Zwischen Wohltätigkeit und Emanzipation: Die Geschichte von „Frauen helfen Frauen Bruneck“

„Frauen gegen Nordring“, oder: Wie sich weiblicher Protest regte

Endnoten Note finali

Bildnachweis

Dank

Vorwort.Ein Frauenstadtbuch für Bruneck

Das vorliegende Buch möchte Frauen in der Stadtgeschichte sichtbar machen – nicht nur einzelne ‚verdiente‘ Persönlichkeiten, sondern vor allem die vielfältigen weiblichen Lebens- und Wirkungsbereiche, die lange im Schatten der historischen Überlieferung standen. Mit der Publikation reiht sich Bruneck in eine Tradition ein, die in Südtirol von Städten wie Bozen, Brixen und Meran mit ihren ‚Frauenstadtbüchern‘ begründet wurde. Sie alle haben damit einem lange vernachlässigten Aspekt ihrer Stadtgeschichte Sichtbarkeit verliehen.

Der Verein Brunopolis – Geschichte sichtbar machen

Das Buchprojekt wurde durch die maßgebliche Unterstützung des Vereins „Brunopolis – Verein für Geschichte/Associazione per la storia“ ermöglicht. Der Verein wurde vor sechs Jahren mit dem Ziel gegründet, Stadtgeschichte zu erforschen und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Seither hat er mit einer Reihe von Projekten auf sich aufmerksam gemacht: etwa mit „1870: Aufbruch ins Grün/Evasione nel Verde“, einer Auseinandersetzung mit den Anfängen des Fremdenverkehrs in Bruneck und im mittleren Pustertal, oder mit der Ausstellung zum fotografischen Werk von Jakob August Lorent (1813–1884), dem ersten Reisefotografen in Bruneck. Die Auswahl der Themen orientiert sich stets an zwei zentralen Kriterien: einer fundierten wissenschaftlichen Basis und einer engen Bezugnahme auf die historischen Quellen der Stadt in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv.

Eine Lücke schließen

Im Zuge dieser Arbeit wurde schnell offensichtlich: Frauen kommen in den historischen Arbeiten Brunecks nur spärlich vor. Wenn sie erwähnt werden, dann oft nur indirekt. Über Jahrhunderte wurde Geschichte von Männern geschrieben, die die Themen und Perspektiven bestimmten.

Das auffällige Fehlen von Frauen in der Brunecker Geschichte war für uns Anlass, nachzuforschen: Wie lebten Frauen in Bruneck? In welchen Bereichen waren sie tätig? Welche Bedeutung kam ihnen in der Gesellschaft zu? Dieses Buch möchte dazu beitragen, ihre Lebenswelten sichtbar zu machen – und die Geschichte Brunecks in ihrer Gesamtheit zu erzählen.

Dank

Unser besonderer Dank gilt Franziska Cont (Zentrum für Regionalgeschichte) und Andreas Oberhofer (Stadtarchiv Bruneck), deren engagierter Einsatz dieses Projekt erst ermöglicht hat.

Ein solches Vorhaben wäre ohne die notwendige finanzielle Unterstützung nicht realisierbar gewesen. Wir danken daher dem Amt für Kultur der Autonomen Provinz Bozen, der Stadtgemeinde Bruneck, insbesondere dem Bürgermeister Roland Griessmair, und der Raiffeisenkasse Bruneck für ihre großzügige und wichtige Förderung. Ihre Unterstützung zeigt, dass Geschichte nicht nur bewahrt, sondern aktiv erforscht und populärwissenschaftlich vermittelt werden muss, um allen Facetten einer Stadtgesellschaft gerecht zu werden.

Margit Santer

Vorsitzende des Vereins „Brunopolis“

Vorwort.Frauen als Wegbereiterinnen der Stadtgeschichte

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das vorliegende ‚Frauenstadtbuch‘ stellt eine längst überfällige Aufarbeitung und Ergänzung der bisherigen Geschichtsschreibung unserer Stadt dar, indem es sich intensiv mit der Geschichte der Brunecker Frauen auseinandersetzt.

Über viele Jahre hinweg war die Geschichte Brunecks von einer einseitigen Perspektive geprägt, die vor allem männliche Akteure in den Mittelpunkt stellte. Die Beiträge der Frauen, ihre Lebenswelten und ihr Einfluss auf das gesellschaftliche Leben wurden dabei häufig übersehen oder bewusst ausgeblendet. Dieses Buch tritt an, diese Lücke zu schließen und den Frauen von Bruneck die Anerkennung zu verschaffen, die ihnen in der historischen Erinnerung gebührt.

Zum ersten Mal wird eine umfassende Perspektive auf die Rolle der Frauen in der Geschichte Brunecks eröffnet. Es zeigt sich eindrucksvoll, dass Frauen keineswegs am Rand der Gesellschaft standen, sondern aktiv und prägend in verschiedenste Bereiche eingebunden waren – auch wenn ihre Geschichten oft im Schatten männlicher Erzählungen verblieben. Dieses Buch lädt uns ein, in die Vergangenheit zu blicken und die tiefen Spuren zu erkennen, die die Frauen von Bruneck in der sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung hinterlassen haben.

Ein besonderer Dank gebührt dem Geschichtsverein „Brunopolis“, der als Initiator die Entstehung dieses Buches ermöglicht hat. Ebenso danke ich der Historikerin Franziska Cont und dem Stadtarchivar Andreas Oberhofer, die mit ihrer sorgfältigen Recherche und Expertise den vielen Frauen von Bruneck einen würdigen Platz in der Geschichtsschreibung verschaffen. Unsere Geschichte wird damit vollständiger und gerechter.

Roland Griessmair

Bürgermeister

Wessen Geschichte?Der andere Blick auf die Stadtgeschichte

Franziska Cont, Andreas Oberhofer

Von der Stadtgeschichte zu den Stadtgeschichten: Eine Einführung

Was ist Stadtgeschichte? Schon diese scheinbar einfache Frage hat es in sich. Typischerweise ist der Gedanke sofort beim Dorf- oder Stadtbuch, das für nahezu jede Gemeinde in Südtirol existiert.1 Doch ist dies tatsächlich der einzig mögliche Blick auf die Lokalgeschichte? In anderen Worten: Ist das wirklich alles?

Seit Langem widmen sich Historiker*innen unter dem Sammelbegriff der Frauen- und Geschlechtergeschichte der Suche nach neuen Wegen der Geschichtsschreibung, nach neuen Perspektiven, Methoden und Fragestellungen. Zwei zentrale Anliegen stehen dabei im Mittelpunkt: Einerseits wird gefragt, wie Frauen als historische Akteurinnen sichtbar gemacht werden können, andererseits, wie Geschlecht – verstanden als soziale Konstruktion – historisch wirksam und wandelbar war. Ziel ist es, Machtverhältnisse und Rollenzuschreibungen in unterschiedlichen Kontexten zu analysieren. Damit bietet die Frauen- und Geschlechtergeschichte nicht nur die Möglichkeit, Frauen in den Vordergrund zu stellen, sondern auch einen neuen Zugang zur Geschichte, eine neue Leseart insgesamt.2 Auch für die Stadtgeschichte erweist sich diese Perspektive als erkenntnisreich. Voraussetzung ist dabei, sie als Geschichte aller Bewohner*innen zu verstehen, als Geflecht unterschiedlicher städtischer Lebensrealitäten, Erfahrungen und Identitäten.3

Das vorliegende Buch verfolgt diesen Ansatz: Es will nicht die Frauenstadtgeschichte Brunecks im Singular beleuchten, sondern möchte vielmehr verschiedenste Frauen der Vergangenheit sichtbar machen und zugleich die Bedeutung von Geschlecht in der Stadtgeschichte herausarbeiten.

Die Perspektive der Stadtbücher

Die Stadt Bruneck verfügt über mindestens fünf sogenannter ‚Heimatbücher‘, die in Südtirol häufig als Stadt- oder Dorfbücher bezeichnet werden.4 Auch für die einzelnen Fraktionen existieren entsprechende Publikationen.5 Trotz ihres vielfältigen Erscheinungsbildes weisen diese Arbeiten Merkmale auf, die sie als Vertreter des ‚klassischen‘ Heimatbuch-Typs charakterisieren. Eine Ausnahme bildet lediglich die jüngste Publikation von Stefan Lechner.6

Drei Merkmale stechen besonders hervor: Erstens wurden die Stadt- und Dorfbücher nicht von professionellen Historikern verfasst, sondern von sogenannten ‚gebildeten Laien‘, insbesondere Lehrern oder (Gemeinde-)Beamten – hier bewusst in der männlichen Form genannt, da Frauen in der Autorenschaft kaum präsent sind. Zweitens ist der Stil zumeist chronikalisch oder rein beschreibend. Quelleninhalte wurden oft unverändert ohne Kontextualisierung oder Interpretation übernommen. Drittens bleibt der Auswahlprozess, also die Entscheidung, welche Quellen und Inhalte aufgenommen und welche ausgeklammert werden, den Leser*innen nicht dargelegt. So entsteht der Eindruck einer vermeintlich objektiven und abgeschlossenen Stadtgeschichte mit klaren Anfangs- und Endpunkten.

Tatsächlich bieten Stadt- und Dorfbücher in ihrer ‚klassischen‘ Form jedoch einen spezifischen, selektiven Blick auf die Vergangenheit, fokussiert auf politische und diplomatische Ereignisse.7 Der Historiker Stefan Eminger interpretiert die Perspektive der ‚klassischen‘ Heimatbücher als „Selbstbeschreibung der männlichen Eliten der Gemeinden“, deren Sichtweisen und Interessen sich widerspiegeln.8 Auch im Fall Brunecks zeigt sich, dass bestimmte Gruppen, bestimmte Lebens-, Arbeitsund Handlungsbereiche weitgehend ausgeblendet bleiben. Besonders auffällig ist die Ausklammerung von Frauenbiografien und weiblichen Lebenswelten, die auch in den Brunecker Stadtbüchern bislang nahezu vollständig unbeachtet geblieben sind.9 Diese Tendenz hat eine gesellschaftliche Wirkung: Stadt- und Dorfbücher prägen als zentrale und langlebige ‚Geschichtsbücher‘ das kollektive Gedächtnis und damit die Identität einer Gemeinschaft10 und lassen dabei das Bild einer Stadtgeschichte ohne Frauen entstehen.

Quellen der Stadtgeschichte(n)

Wie kann beziehungsweise können neue Stadtgeschichte(n) geschrieben werden? Mit welchen Quellen lässt sich die Geschichte, lassen sich die Geschichten der Frauen in Bruneck erforschen? Die Geschichtswissenschaften bedienen sich einer Vielzahl von historischen Quellen, darunter Oral-History-Interviews, Selbstzeugnissen, bildlichen Darstellungen, materiellen Artefakten, Zeitungen, literarischen Werken etc.11 Archivalische Überlieferungen bleiben dabei weiterhin zentral. Aus frauen- und geschlechterhistorischer Perspektive ist das Archiv jedoch ein ambivalenter Ort: Es spiegelt Macht- und Herrschaftsverhältnisse wider und ist damit von einer obrigkeitlichen Perspektive geprägt. Dies ergibt sich zum einen aus Auswahl- und Sammelpraktiken, die entscheiden, was dokumentiert, aufgehoben und für die Nachwelt bewahrt wird. Zum anderen regulieren spezifische Ordnungs- und Verzeichnungslogiken den Zugang zum Archiv und seinen Dokumenten, sodass bestimmte Fragestellungen und Themen entweder leicht auffindbar oder nur schwer zu erforschen sind.12

Dieser Befund gilt auch für das zentrale Archiv der Brunecker Stadtgeschichte, das Stadtarchiv. Es dokumentiert die Stadtgeschichte vor allem aus der Sicht der Herrschenden, politischen Repräsentanten und städtischen Verwaltungsorgane und damit aus einer obrigkeitlich-männlichen Perspektive. Dieser Fokus wurde durch Verzeichnislogiken im frühen 20. Jahrhundert verstärkt. Beispiele dafür finden sich im ersten vollständigen Urkundeninventar des Stadtarchivs, das im Jahr 1942 im Staatsarchiv Bozen erstellt wurde und lange als Katalogisierungsgrundlage und wichtigstes Orientierungswerkzeug der lokalen Forschung diente.13 Ein Abgleich zwischen dem Inventar und einigen der 690 Originalurkunden der Reihe, die den Zeitraum von 1319 bis 1838 umfasst, zeigt die Tendenz, Akteurinnen und ihre Handlungen unsichtbar zu machen. So vermerkt das Inventar etwa bei einer Urkunde von 1519 eine Jahrtagsstiftung in der Kirche zu Unserer Lieben Frau in Bruneck durch Jacob Schreiner, wobei fünf Männer als Zeugen genannt werden.14 Tatsächlich zeigt die Originalurkunde, dass auch Jacobs Frau Katherina am Rechtsakt beteiligt war. Sie bestätigte die Stiftung, indem sie im Urkundentext in der Ich-Form in Erscheinung trat und der Übergabe eines Ackers zustimmte, eine Rolle, die im Inventar nicht erwähnt ist. Ebenso bleibt – was für Urkundenregesten, das heißt die knappen inhaltlichen Zusammenfassungen von Urkunden, allerdings üblich ist – die sogenannte Siegelbitte unerwähnt, in der Jacob und Katherina gemeinsam den Brunecker Bürger Raphael Prack um sein Siegel zur Bestätigung der Rechtskräftigkeit des Dokumentes ersuchen.15 Eine weitere Urkunde, diesmal aus dem Jahr 1560, wird im Inventar als „Kaufvertrag zwischen Wolfgang Kniepasser und Cassian Saumüllner“ („Strumento di compravendita tra Volfango Kniepasser e Cassiano Saumüllner“) angeführt.16 Im Originaldokument zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Cassian Saumüllner verkaufte nicht nur an Wolfgang Kniepasser, sondern ebenso an dessen Frau Cristina, die explizit als Käuferin genannt ist.17 Der Rechtsakt, der in der inhaltlichen Zusammenfassung als Vereinbarung zwischen zwei Männern dargestellt wird, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Kaufgeschäft eines Ehepaares.

Die retrospektive Ausblendung dieser an Rechtsgeschäften beteiligten Frauen im Inventar lässt sich vermutlich auf bürgerliche Geschlechtervorstellungen zurückführen, die Frauen ausschließlich dem ‚häuslichen‘ und als ‚privat‘ definierten Bereich zuordneten.18 Aus dieser Perspektive des 19. und 20. Jahrhunderts wurden Frauen in mittelalterlichen und neuzeitlichen Urkunden lediglich als nebensächliche ‚Anhängsel‘ männlicher Akteure gelesen. Dabei ist vom genauen Gegenteil auszugehen. Die Mediävistin Julia Hörmann-Thurn und Taxis weist in ihrem Beitrag über adelige Frauen als mittelalterliche Klostergründerinnen darauf hin, dass in weiblichen Stiftungen häufig auch der Ehemann genannt wird, selbst wenn dieser am Vorgang nur nominell beteiligt war.19 In solchen Fällen war nicht die Frau das ‚Anhängsel‘ des Mannes, sondern vielmehr der Mann eine rein formale Ergänzung der handelnden Frau. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass auch die in den Brunecker Urkunden genannten Frauen nicht als ‚Begleiterinnen‘ ihrer Ehemänner auftraten, sondern aktiv am Rechtsakt beteiligt waren. In der Ordnungspraktik des 20. Jahrhunderts wurden ihre Handlungen jedoch zunehmend unsichtbar und so für zukünftige Forscher*innen erschwert zugänglich gemacht.

Archive sehen und verbergen damit gleichzeitig: Sie enthalten zentrale Dokumente, die aus frauen- und geschlechterhistorischer Perspektive aufschlussreich sind, sind aber zugleich Spiegel von Ungleichheit, Unterdrückung und Herrschaft. Dies gilt in Bezug auf das Geschlecht gleichwohl wie auf andere Kategorien wie beispielsweise die soziale, ‚ethnische‘ oder religiöse Zugehörigkeit. Damit muss einerseits gefragt werden, welche Absichten und Logiken hinter historischen Dokumenten, dem in ihnen enthaltenen Wissen und ihrer Verwahrung stehen. Andererseits gilt es aber auch, sie neu zu lesen – das heißt, scheinbar Nebensächliches und Unbedeutendes, Randbemerkungen und Lücken ins Auge zu fassen.20 Ein solcher Blickwinkel erlaubt es, Frauenspuren überall zu finden, selbst dort, wo man sie nicht vermutet.

Zugänglichkeit von Archiven als Forschungsbedingung

Zugänglichkeit zu Archiven – verstanden auch in ihrer physischen Dimension – ist Grundvoraussetzung des Forschens. Ein Blick in die Geschichte des Brunecker Stadtarchivs zeigt diese Problematik deutlich: Bis 2013 beziehungsweise 2018 waren die archivalischen Bestände des Stadtarchives als zentrale Quelle der Stadtgeschichtsforschung teils nicht vor Ort präsent, teils räumlich nicht für Nutzer*innen zugänglich. 1940 war der historische Teil des Archivs in das Staatsarchiv Bozen überführt und nur jene Unterlagen, die zur Abwicklung der laufenden Verwaltungsprozesse notwendig waren, in Bruneck behalten worden. Der Teil in Bruneck erlebte in der Folge verschiedene Umzüge – vom Rathaus am Graben in jenes an der Lampistraße, in die Feuerwehrhalle, in den Keller der Gemeindepolizei und schließlich in das neue Rathaus. Die Räumlichkeiten waren jedoch nie dafür gedacht, einem geschichtsinteressierten Publikum ein konsultierbares Archiv zu bieten, sondern mehr oder weniger reiner und oft dennoch nicht sachgemäßer Verwahrungsort der Dokumente.21 Die Folge: Historische Forschung zu Bruneck anhand der städtischen Verwaltungsdokumente konnte nur in Bozen gemacht werden; vor Ort war dies kaum möglich. Erst durch die Einrichtung des Stadtarchivs im Jahr 2013 konnte eine Forschungsinfrastruktur geschaffen werden, die Benutzer*innen die Zugänglichkeit und Benutzung des Archivgutes garantiert und damit eine elementare Voraussetzung für wissenschaftliche Arbeit darstellt.

Während öffentliche Archive klare Strukturen und geregelte Zugangsmöglichkeiten bieten, ist die Möglichkeit, Privatarchive einzusehen, nach wie vor in vielen Fällen begrenzt. Ihre Nutzung hängt von der Bereitschaft der Eigentümer*innen und deren Bewusstsein über den historischen und gesellschaftlichen Wert der verwahrten Bestände ab. Denn auch Privatarchive enthalten entgegen der Bezeichnung als ‚privat‘ Dokumentation, die Einblick in die lokale und regionale Verwaltungsgeschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Kulturgeschichte, Frauen- und Geschlechtergeschichte etc. gibt.

Struktur des Sammelbands

In seiner Struktur will der Sammelband die Pluralität, die Unabgeschlossenheit und Prozesshaftigkeit von Geschichte sichtbar machen. In diesem Sinne sind die Beiträge sehr heterogen gestaltet: Sie variieren in ihrer Länge, wählen unterschiedliche Zugänge und Perspektiven, gehen von einer präzisen Quelle oder verschiedenen Beständen aus, bieten abschließende Befunde oder werfen Schlaglichter auf die Stadtgeschichte und laden damit zum Weiterforschen ein. Sie rücken verschiedene Gruppen und Individuen der Stadt in den Fokus, die von adeligen und bürgerlichen Frauen bis hin zu Arbeiterinnen und/oder finanziell prekären Gruppen reichen. Für die Anordnung dieser vielfältigen Beiträge wurde keine strikt chronologische Ordnung gewählt, sondern eine thematische Verbindung angestrebt. Dies wird insbesondere durch die Schlüsselwörter deutlich, mit denen jeder Beitrag versehen ist und die ausschildern, welche Thematiken im Zentrum des Textes stehen. Alle Beiträge verbinden dabei die zwei Ziele, Frauen als aktive Akteurinnen der Stadtgeschichte sichtbar zu machen und zu zeigen, welche gesellschaftlichen Positionierungen und Handlungsräume ihnen in verschiedenen Jahrhunderten in Verbindung insbesondere mit ihrer sozialen Verortung offenstanden.

Am Anfang des Buches steht die erste urkundliche Erwähnung der Stadt, genauer gesagt des historischen Ortskerns Ragen, im 10. Jahrhundert. Eduard Visintini ordnet die Urkunde ihrem historischen Entstehungskontext zu und hebt dabei besonders hervor, dass es sich um die Schenkungsurkunde einer Frau handelt – der edlen Frau Suanihilt. Visintini hinterfragt die möglichen Motive der Schenkung und thematisiert dabei besonders die Bedeutung von Machtbeziehungen und zeitgenössischen Frömmigkeitsvorstellungen. Auch im zweiten Beitrag spielt Frömmigkeit eine zentrale Rolle. Isabella Brandstätter untersucht, wie Frauen als Mitglieder und Stifterinnen von Bruderschaften aktiv an der Gestaltung des religiösen Lebens in Bruneck teilnahmen, wobei vor allem wohlhabende Frauen im Fokus stehen. Siglinde Clementi widmet sich der Adelsgeschichte und zeigt, wie sich auch ‚männlich‘ gedachte Quellen für die Frauen- und Geschlechtergeschichte nutzen lassen. Sie arbeitet am Beispiel des Georg von Vintler, eines Amtmannes in Bruneck im 17. Jahrhundert, heraus, wie Erbpraktiken als patrilineare Strategien dienten, die jedoch Mechanismen enthielten, um die Schwierigkeiten einer solchen Ordnung für weibliche Familienmitglieder abzufedern. Janine Maegraith beleuchtet die Karriere einer adeligen Frau außerhalb des Ehemodells, indem sie die Biografie von Maria Scholastika von Söll skizziert, die eine religiöse und politische Karriere als Äbtissin von Sonnenburg durchlief. Auch hier spielt Vermögen, insbesondere die Weitergabe von Vermögen an weibliche Familienmitglieder, eine zentrale Rolle. Der Beitrag zeigt zudem, wie das Amt der Äbtissin nicht nur religiöse Bedeutung hatte, sondern Frauen auch in politische Machtpositionen brachte. Ein Frauenkloster steht auch im Beitrag von Eva Cescutti und Andreas Oberhofer im Zentrum: Sie widmen sich anhand dreier verschiedener Quellen der Ansiedlung der Ursulinen und damit ‚klassischer‘ Lehrschwestern in Bruneck. Diese zeigen neben Vorbehalten und offener Ablehnung auch das Selbstverständnis einer Ordensschwester, die die Fahrt und Ankunft in Bruneck als Teil einer religiösen Mission dokumentierte. Michael Span betrachtet in einem breiteren Kontext die Frage der Bildung und Alphabetisierung, indem er den Buchbesitz von Frauen im 18. Jahrhundert am Beispiel Brunecks untersucht. Er stellt fest, dass ein höheres ererbtes Vermögen und ein höherer sozialer Status tendenziell mit einer größeren Wahrscheinlichkeit des Buchbesitzes bei Frauen korrelieren, zeigt jedoch zugleich auf, wie Ausnahmen von dieser Tendenz möglich waren. Einen anderen Zugang zur weiblichen Literalität wählt Andreas Oberhofer: Er untersucht Bittschriften von Frauen an den Stadtrat und das Stadtspital aus dem gleichen Zeitraum, von denen einige von den Bittstellerinnen selbst verfasst wurden. Diese dienen ihm als Quellen, um die soziale (Selbst-)Einordnung der Autorinnen aus unteren und mittleren Schichten sowie ihr Selbstverständnis als ‚arm‘ und ‚unterstützungswürdig‘ zu analysieren. Während Oberhofer die schriftliche Selbstinszenierung von Frauen untersucht, befasst sich Jenny Körber mit der bildlichen Darstellung von Frauen durch männliche Künstler. Sie analysiert das Bildprogramm der sogenannten Trinkstube im heutigen Haus der Apotheke von Zieglauer und zeigt, dass die weiblichen Figuren – entgegen früheren Annahmen – mehr sind als bloße moralisierende oder obszöne Beiwerke. Vielmehr sieht die Autorin in ihnen einen Schlüssel zum Verständnis des Bildprogramms, der eine Vielzahl von Interpretationsmöglichkeiten der Darstellung von Frauen in der Frühen Neuzeit eröffnet.

Zwei Exkurse, verfasst von Christina Antenhofer und Ellinor Forster, fokussieren jeweils auf Ereignisse im Zusammenhang mit dem Besuch von Frauen des Hochadels in Bruneck. Beide Beiträge veranschaulichen nicht nur ein Stück Stadtgeschichte, sondern auch die Potenziale und Möglichkeiten frauen- und geschlechterhistorischer Zugänge jenseits der Lokalgeschichte.

Drei Autorinnen widmen sich in ihren Beiträgen dem Themenkomplex der weiblichen Berufs- und Arbeitswelten. Marina Hilber untersucht den Berufsstand der Hebammen im Zeitraum vom 17. bis zum 19. Jahrhundert und richtet dabei besonderes Augenmerk auf die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen. Indem sie die Hebamme – eine zentrale Figur der neuzeitlichen Stadtgesellschaft – ins Zentrum rückt, leistet sie einen Beitrag zur Geschichte von Fürsorge und Pflege, eines historisch weiblich konnotierten Arbeits- und Wirkungsbereiches. Auch Franziska Cont setzt sich mit ‚Frauenarbeit‘ auseinander, richtet ihren Fokus jedoch auf das Gastgewerbe im 19. Jahrhundert. Anhand eines Fallbeispiels analysiert sie die gesetzlichen Beschränkungen weiblicher Betriebsführung und beleuchtet den Rechtsstreit einer Gastwirtin, die – als Frau von der Erteilung einer persönlichen Gastwirtschaftserlaubnis ausgeschlossen – gegen die Verweigerung dieser Erlaubnis gerichtlich vorging. Während Cont die Figur der Wirtin ins Zentrum stellt, richtet Francesca Brunet den Blick auf das weibliche Gasthauspersonal. Sie untersucht anhand der Kreisgerichtsakten den Fall einer Brunecker Köchin, die 1912 wegen Kindsmordes verurteilt wurde. Brunet analysiert das soziale Profil der Angeklagten sowie die Umstände der Tat und nimmt darüber hinaus die Darstellung des Falls in den Gerichtsprotokollen in den Blick, wodurch sie die rechtliche und gesellschaftliche Bewertung weiblicher Devianz zu Beginn des 20. Jahrhunderts beleuchtet.

Der chronologisch anschließende Abschnitt vereint drei Studien, die sich mit den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und damit mit dem Themenbereich ‚Krieg und Regime‘ befassen. Daniel Gunz eröffnet diesen Bereich mit einer Analyse der Bedeutung des Ersten Weltkriegs an der ‚Heimatfront‘ und zeigt, wie sich der Krieg grundlegend auf die Lebens- und Arbeitsrealität von Frauen in Bruneck auswirkte. Alessandra Spada setzt sich mit der Italianisierungspolitik des faschistischen Regimes auseinander. Ihr Fokus liegt dabei auf Frauen sowohl als Adressatinnen staatlicher Maßnahmen als auch als aktiven Akteurinnen derselben. Am Beispiel des italienischen Kindergartens in Bruneck und der Organisation weiblicher Jugendgruppen zeigt sie auf, wie Fürsorge, Erziehung und ideologische Einflussnahme miteinander verflochten wurden. Stefan Lechner analysiert die Beteiligung von Frauen an den öffentlichen Diskussionen zur ‚Option‘ und wertet die Brunecker ‚Options‘-Akten quantitativ aus. Dabei zeigt er, dass mehr Frauen als gemeinhin angenommen selbstständig eine Entscheidung über ihre Zugehörigkeit zu Italien oder das Auswandern ins Deutsche Reich trafen.

Den Abschluss des Sammelbandes bildet ein kulturanthropologischer Beitrag von Franziska Niederkofler, in dem sie auf der Grundlage von Interviews die Gründung und Entwicklung der ersten Frauenberatungsstelle im Pustertal „Frauen helfen Frauen“ (entstanden 1986) nachzeichnet. Der Beitrag verweist als Abschluss des Buches auf den fließenden Übergang zur Gegenwart.

Die Beiträge wurden in der jeweils von den Autor*innen gewählten Sprache (Deutsch oder Italienisch) verfasst. Jedem Beitrag ist eine kurze Zusammenfassung in der jeweils anderen Sprache vorangestellt, in der die zentralen Fragen und Befunde hervorgehoben werden.

Die Abfolge der Beiträge ist durch Kurztexte der Herausgeber*innen unterbrochen, die als Hinweise auf weiterführende Themen, Quellen oder Fragestellungen dienen. Sie verdeutlichen einmal mehr, dass Stadtgeschichte vielschichtig und erkenntnisoffen ist: Sie ist nicht als abgeschlossenes Ergebnis, sondern als offener Prozess und ständige Suchbewegung mit neuen Perspektiven zu verstehen.22 Dabei geht es nicht nur um die Betrachtung der Stadt an sich, die als Exempel untersucht wird, sondern auch um die Einbettung in größere historische, kulturelle und gesellschaftliche Zusammenhänge, um die Auseinandersetzung und den Vergleich mit anderen Realitäten, theoretischen Ansätzen und aktuellen Forschungsergebnissen.

Seelenheilpflege für alle!Frauen in Brunecker Bruderschaften

Isabella Brandstätter (Universität Innsbruck)

Abstract

Le confraternite erano associazioni religiose che, nel Medioevo e in età moderna, si dedicavano alla salvezza dell’anima, un concetto centrale nella mentalità dell’epoca. Aperte sia agli uomini che alle donne, esse costituivano spazi importanti di partecipazione religiosa e sociale. Il presente contributo analizza il ruolo delle donne nelle confraternite di Brunico, esaminando sia la loro partecipazione interna sia il contesto più ampio in cui essa si inserisce. Attraverso l’analisi di statuti, registri contabili e altre fonti d’archivio, si evidenziano la presenza femminile e il suo significato. Particolare attenzione è rivolta al ruolo delle donne come fondatrici/benefattrici della Confraternita di San Sebastiano. L’indagine mostra come le donne furono attivamente coinvolte nella definizione e nell’organizzazione della vita religiosa cittadina.

Keywords: Frömmigkeit, Seelenheil, Stiftungen, Bruderschaften

Geschlecht und geistlicher Stand

Um die Handlungsmacht und die Wirkungsbereiche von Frauen im mittelalterlichfrühneuzeitlichen Christentum besser zu verstehen, ist es wichtig, neben der Kategorie Geschlecht auch die Unterscheidung zwischen Klerus und Laien und Laiinnen zu berücksichtigen. In diesem Zusammenhang spricht die Forschung häufig von vier ‚Geschlechtern‘ und betont damit die Bedeutung des geistlichen Standes für die Handlungsmöglichkeiten und gesellschaftliche Verortung von Individuen: So muss zwischen geistlich und weltlich lebenden Frauen sowie geistlich und weltlich lebenden Männern differenziert werden.1 Die jungfräuliche Ehelosigkeit galt dabei als die ideale Lebensform; Teil einer religiös-geistlichen Gemeinschaft zu sein, hatte einen höheren Stellenwert als das eheliche Leben.2 Allerdings konnten geistliche Frauen in der Regel nicht denselben Status wie geistliche Männer erreichen, da sie von Kirchenämtern beziehungsweise den mit der Priesterweihe verbundenen Führungsstrukturen der Kirche ausgeschlossen waren.3 Dieser Ausschluss bedeutete jedoch nicht zwangsläufig Ausgrenzung oder Unterordnung für Frauen in der Kirche.4 Neben der Geistlichkeit übernahmen auch Laien und Laiinnen, also Personen ohne kirchliches Amt, eine wesentliche Rolle in der Gestaltung des religiösen Lebens.5 Trotz institutioneller Beschränkungen und ihres untergeordneten Status konnten auch Laienfrauen das religiöse Leben aktiv mitgestalten – etwa durch ihr Wirken in und um Bruderschaften.

Adam und Eva am ‚Baum der Erkenntnis‘. Malerei an der Fassade des Hauses Nr. 23 in der Brunecker Stadtgasse. Die Höherstellung des Mannes wurde unter anderem mit der Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments begründet, wonach der Mann, also Adam, nach Gottes Ebenbild geschaffen sei. Auch der Sündenfall diente häufig als Rechtfertigung für die Ungleichheit zwischen Mann und Frau: Eva habe als Erste vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gegessen und sei damit die Urheberin der Erbsünde.6

Zwischen Diesseits und Jenseits: Wirkungsbereiche von Bruderschaften

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war die Lebenserwartung deutlich niedriger als heute – vor allem aufgrund von Krankheiten wie der Pest sowie der hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit. Dennoch konnten Frauen und Männer durchaus ein Alter von 80 Jahren oder mehr erreichen, insbesondere wenn sie ein klösterliches Leben führten. Die meisten Menschen in Stadt und Land erreichten jedoch selten ein so hohes Alter, da harte Arbeitsbedingungen, mangelnde Hygiene sowie schlechte Ernährung und Wohnverhältnisse ihre Gesundheit beeinträchtigten. Vor allem in den Städten herrschten Mangelzustände, die sich defizitär auf die Gesundheit auswirkten. Männer lebten im Durchschnitt länger als Frauen, da Schwangerschaften und Geburten deren Lebenserwartung erheblich verringerten.7

Zwischen 1150 und 1250 setzte sich im christlichen Glauben die Vorstellung des Fegefeuers als läuternder Ort durch. Nach dieser Vorstellung mussten Verstorbene in einem Zwischenreich „zwischen Leben und Himmel“8 – das nicht mit der Hölle als Ort ewiger Verdammnis verwechselt werden darf – eine Läuterung durchlaufen. Gebete für die Verstorbenen sollten ihren Aufenthalt im Fegefeuer verkürzen. Vereinfacht gesagt glaubte man, dass nur Heilige oder besonders fromm lebende Menschen direkt in den Himmel gelangten, während alle anderen zunächst von ihren Sünden gereinigt werden mussten.9 Vor diesem Hintergrund wird die immense Macht und der Einfluss der Kirche deutlich.10 Dies führte zu einer verstärkten Sorge um das eigene Seelenheil und die Wahrnehmung der Notwendigkeit, angemessen für das Jenseits vorzusorgen. Bruderschaften versprachen hier Abhilfe. Sie sollten den Mitgliedern helfen, nach dem Tod einfacher und schneller das Seelenheil, die Erlösung der Seele, zu erlangen. Zwar galt ein gottgefälliges Leben als wichtigste Voraussetzung für die Erlösung, doch auch andere Maßnahmen, wie sie Bruderschaften anboten, konnten nach damaliger gesellschaftlich-religiöser Vorstellung dazu beitragen. In gewisser Weise lassen sich Bruderschaften mit einer heutigen Lebensversicherung vergleichen – allerdings nicht für das diesseitige, sondern für das Leben nach dem Tod.11

Besonders im Hochmittelalter standen die Gründungen vieler Bruderschaften in engem Zusammenhang mit der Ausbreitung der Pest.12 Bereits zu dieser Zeit verliefen durch Tirol und das Pustertal stark frequentierte Handelsrouten, sodass eingeschleppte Erreger immer wieder Ausbrüche des ‚Schwarzen Todes‘ verursachten.13 Ein besonders verehrter Schutzpatron gegen diese todbringende Krankheit war der heilige Sebastian,14 nach dem auch eine Bruderschaft in Bruneck benannt wurde.15

Arme Seelen hoffen auf schnelle Erlösung aus dem Fegefeuer. Detail eines Altars in der Egerer Kapelle der Pfarrkirche von St. Lorenzen, Jörg Stieger und Mitarbeiter, wohl frühes 18. Jahrhundert.

Der Totendienst stand im Zentrum der Bruderschaften. Ihre primäre Ausrichtung auf den Tod und die damit verbundene Jenseitsfürsorge unterscheidet sie von anderen Zusammenschlüssen wie den mittelalterlichen Zünften, die sich zwar vor allem um die Ausübung eines bestimmten Berufs drehten, in denen aber auch Glaube und Frömmigkeit eine Rolle spielten.16 Die Mitgliedschaft in einer Bruderschaft begann mit dem Erhalt eines sogenannten Bruderschaftszettels – eines kunstvoll gestalteten Aufnahmescheins, der die Regeln und Vorteile der jeweiligen Gemeinschaft darlegte. Verstarb ein Mitglied, wurde dieser Zettel an die zuständige Pfarrei übersandt.17

Was bedeutete nun Jenseitsfürsorge in der Praxis? Neben der Gestaltung von Begräbnissen gehörten auch die Stiftungen von Altären und Messen sowie das regelmäßige gemeinsame Gebet, wie etwa das Vaterunser oder das Ave-Maria, zu den zentralen Tätigkeiten der Mitglieder.18 Eine weitere wesentliche Aufgabe war die Gestaltung von Prozessionen, insbesondere an bestimmten Feiertagen. So führte die Fronleichnamsbruderschaft in Bruneck „an jedem ersten Monatssonntag, vor Beginn des Hochamtes, um das Wolkenstain-Haus [das spätere Palais Sternbach, Anm.], dann um die Kirche herum“ eine Prozession durch, wobei der ‚Himmel‘ (ein von vier Männern getragener Baldachin über dem Priester mit dem Allerheiligsten in der Monstranz), der eigens dafür angeschafft worden war, von den Bruderschaftsmitgliedern „mit brennenden Windlichtern andächtig begleitet“ werden musste.19

Daneben unterstützten die Bruderschaften ihre Mitglieder auch in Notlagen im Diesseits, etwa durch die Auszahlung von Almosen. Für Bruneck belegt eine Almosenliste diese Praxis.20 Üblicherweise ließen Frauen und Männer Bittschriften verfassen, in denen sie ihre Anliegen vortrugen und um Geldspenden oder Sachleistungen – wie Brennholz für den Winter – baten.21 Während die Almosenlisten in Bruneck erhalten geblieben sind, fehlen die entsprechenden Bittschriften an die Bruderschaften, sodass die Bitten und deren Begründungen nicht nachvollzogen werden können.

Schwestern und Brüder: Frauen als Mitglieder von Bruderschaften

Während mittelalterliche Bruderschaften oft durch soziale Exklusivität gekennzeichnet waren und vor allem wohlhabendere Personen, Adelige und Mitglieder des gehobenen Bürgertums aufnahmen,22 änderte sich dies in der frühen Neuzeit. Die Gemeinschaften öffneten sich zunehmend auch für ärmere Bevölkerungsschichten.23

Bruderschaften waren weit verbreitet.24 In vielen Pfarreien finden sich historische Quellen zu diesen konfessionellen Vereinigungen – etwa in Form von Statuten oder Rechnungen. Diese Dokumente belegen, dass Bruderschaften häufig nicht nur Männer, sondern auch Frauen aufnahmen.25

Auch in Bruneck existierten Bruderschaften, in denen Frauen als Mitglieder aktiv waren. Die Stadt Bruneck sowie das Pustertal überhaupt waren Teil des Bistums Säben-Brixen,26 was bedeutet, dass auch die Bruderschaften in Bruneck – die Bruderschaft zur Pfarre zu Unserer Lieben Frau Mariä Himmelfahrt, die Bruderschaft zum allerheiligsten Altarssakrament, die St. Nepomuk-Bruderschaft, die Bruderschaft zum Herzen Mariens,27 die Dreifaltigkeits-28 sowie die Rosenkranzbruderschaft29 – der Verwaltung des Bistums unterstanden. In den letzteren beiden Bruderschaften sowie in der Fronleichnamsbruderschaft waren nachweislich nicht nur Männer, sondern auch Frauen als Mitglieder vertreten. Quellen wie Rechnungsbücher (sogenannte „Raitungsbücher“), Statuten (Bruderschaftsregeln) und Mitgliederverzeichnisse belegen dies. Die namentliche Erfassung der Mitglieder und die Formulierung „Brüder und Schwestern“ in den Statuten verdeutlichen die Praxis. So findet sich beispielsweise in den erhaltenen Statuten der Fronleichnamsbruderschaft von Bruneck die Anordnung, dass der Bruderschaftsschreiber „die Einschreibung der Brüder und Schwestern“ vorzunehmen hatte.30

Innerhalb der Bruderschaft hatte das Geschlecht durchaus Wirkungsmacht: So galten in einigen Fällen für Männer ‚strengere Regeln‘, etwa wenn es darum ging, am Patronatstag der Bruderschaft in der Kirche anwesend zu sein. Ohne triftigen Grund für ihr Fernbleiben konnten sie sogar mit Geldstrafen belegt werden. Für Frauen galt diese Regel nicht, da man allgemein davon ausging, dass sie aufgrund von Haushaltspflichten bereits genug belastet seien und der Weg zur Kirche beschwerlich sei – insbesondere, wenn sie in entlegeneren Gegenden wohnten.31 Bei der Besetzung höherer Ämter wie jenem des Brudermeisters hatten Frauen generell das Nachsehen und waren selten an internen Entscheidungsprozessen beteiligt. Totendienstliche Aufgaben wie Ablässe und das namentliche Totengedenken wurden jedoch unabhängig vom Geschlecht übernommen. Die Vorsorge und Fürsorge für das Jenseits durch die Bruderschaften kamen somit sowohl Frauen als auch Männern gleichermaßen zu.32

Die Regeln oder Statuten der Bruderschaften wurden oft in Mitgliedsverzeichnissen erfasst, in denen die Namen der neu aufgenommenen Personen festgehalten wurden, manchmal nach Geschlecht getrennt, häufig auch gemischt. Darin wurden auch die Mitgliedsbeiträge aufgeführt, die je nach finanzieller Lage unterschiedlich hoch sein konnten, da ärmere Mitglieder oft geringere Beiträge zahlen mussten. Manchmal handelte es sich auch um materielle Abgaben beispielsweise in Form von Wachskerzen, die nicht nur rituelle Bedeutung hatten, sondern auch als Beleuchtung einen hohen praktischen Wert im alltäglichen Leben besaßen.33 Oft waren die Mitgliedsverzeichnisse aufwändig gestaltet,34 wie das Beispiel des Brunecker Pfarrmesners Hans Mayrhoffer zeigt. Er stellte der Rosenkranzbruderschaft im Jahr 1650 in Rechnung, dass er „bei Tag und bei Nacht“ an einer Kopie und dem „Haupt Bruedershafft Puech“ gearbeitet und insgesamt 5.123 Personen in alphabetischer Reihung eingetragen habe. Dafür verlangte er eine stattliche Summe von 24 Gulden, was einem guten Monatsgehalt entsprach.35 Die oft auch optisch ansprechend gestalteten Verzeichnisse wurden vermutlich auch deshalb so aufwändig angefertigt, weil sie in einigen Fällen während der Gottesdienste auf den Altar gelegt wurden, um die Bruderschaft zu repräsentieren und ihr gesellschaftliches Prestige zu konstruieren und zu vermitteln.36 Anhand dieser Praxis lässt sich eine weitere Funktion von Bruderschaften erkennen: Als für die Bruderschaft stellvertretendes Objekt durfte das Buch in unmittelbarer Nähe zum Allerheiligsten platziert werden. Altäre waren beziehungsweise sind auch heute noch ‚Stätte des Opfers‘ und somit jene Orte, an denen „Anbetung ihren höchsten Ausdruck“ findet.37 Daher war es von großer Bedeutung, wer an diese Mittelpunkte der Liturgie herantreten durfte: Im Mittelalter und in den frühen Jahren des Christentums war der Zutritt sowohl Laienmännern als auch -frauen grundsätzlich untersagt.38 Hier wird die Bedeutung des geistlichen Standes im Gegensatz zu jenem der Laien ersichtlich. Ob die Mitgliedschaft in einer Bruderschaft hierbei einen Unterschied machte und Bruderschaftsmitglieder als Laien und Laiinnen dennoch Zugang zu den Altären hatten, ist nach dem aktuellen Stand der Forschung unklar. Auf jeden Fall stifteten Bruderschaften auch Altäre.39 Die Nähe ihres Bruderschaftsbuches zur ‚Opferstätte‘ machte für die Gläubigen im Kirchenraum die privilegierte Stellung der Mitglieder sichtbar, eine Praxis, die wohl zum sozialen Prestige – sowohl der Männer als auch der Frauen – beitrug.

Für Bruneck ist diese Praxis nicht dokumentarisch greifbar. Jedoch finden sich im Statut der Fronleichnamsbruderschaft detaillierte Vorschriften zum Vorgehen im Falle des Todes eines Mitglieds. So sollte etwa für den „Verstorbenen innerhalb [von] acht Tagen an einem Montag auf dem [...] Hochaltar in der Pfarrkirche eine Seelenmesse gelesen werden“.40 Um die Stadtbewohner*innen wissen zu lassen, dass es sich um ein verstorbenes Bruderschaftsmitglied handelte, wurde ferner die mittlere und nicht wie üblich die kleinste Glocke (‚Sterbeglocke‘) geläutet.41 Bruderschaftsmitglieder, Männer wie Frauen, wurden demnach – das kann damit auch für Bruneck belegt werden – anders behandelt als andere Verstorbene. Die Mitgliedschaft in Bruderschaften trug somit zur gesellschaftlichen Konstruktion von Ansehen bei, das auch über den Tod hinaus fortbestand.

Brunecker Frauen als Stifterinnen

Frauen traten nicht nur als Mitglieder von Bruderschaften in Erscheinung, sondern auch durch Stiftungen oder die Übertragung von Zinseinnahmen aus Grundbesitz. Die Raitungsbücher, Rechnungsbücher der Bruderschaften, dokumentieren Einnahmen und Ausgaben und ermöglichen es so festzustellen, wer wieviel an eine Bruderschaft stiftete. Für Bruneck ist dabei eine Reihe von weiblichen Stifterinnen dokumentiert. Ein Beispiel ist die „fürnehme Jungfrau Katharina Gartnerin“, die von „Michael [29. September, Anm.] 1791 bis Michael 1792“ das „beleicht geld“ (Geld für Beleuchtung) für die Fronleichnamsbruderschaft stiftete, um den Kauf von Kerzen zu finanzieren – eine gängige Praxis, die zur Förderung des Seelenheils beitrug.42 Es handelte sich dabei um zwei Gulden, was eine im Verhältnis zu ähnlichen Stiftungen übliche Summe war.43 Für Bruderschaften oder bedürftige Menschen zu spenden, kam nach Vorstellung jener Zeit dem Seelenheil zugute.44

Besonders hervorzuheben ist die Stiftungstätigkeit von Frauen in der Sebastiani-Bruderschaft in Bruneck, deren Bestehen zumindest für den Zeitraum von 1515 bis 1531 nachgewiesen werden kann. Diese Vereinigung betrieb ihren Statuten zufolge ein Bruderhaus, welches wohl auch Bedürftigen zur Verfügung stand und beispielsweise Speisen und Getränke an kranke Menschen ausgab. Außerdem war in diesem Regelwerk festgehalten, an welchem Ort Gedenkzeremonien stattfinden sollten, nämlich in der „Sand Sebastians Capellen“.45 Diese Kapelle war Teil der Pfarrkirche, wurde allerdings im Zuge des Neubaus im Jahr 1850 abgetragen.46 Darüber hinaus sollten Kerzen angezündet werden. Die verstorbene Person wurde auch „trewlich mit den Sacramenten“ versehen.47

Die Unser-Lieben-Frauen-Kirche im Oberragen auf einer Stadtansicht um 1620. Die Sebastianikapelle ist vom Kirchenschiff verdeckt. Aus: Mathias Burglechner, „Der Tiroler Adler“, Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien.

Für die Sebastiani-Bruderschaft betätigten sich verschiedene Frauen als Stifterinnen, wie Veronica geborene von Neidegkh, seit 1508 Witwe Christoffs von Welsperg48 (Christoph VI.), die nach dem Ableben ihres ersten Ehemanns wiederum in ein bekanntes Adelsgeschlecht eingeheiratet hatte (indem sie Christoph von Thun ehelichte).49 Im Jahre 1509 schenkte sie als Witwe den Verwaltern der „wuerdigen Sand Sebastians Kirche zu Brauneck“ und der ebenfalls dem Heiligen Sebastian gewidmeten Bruderschaft acht Gulden.50 Für diese beachtliche Summe erhielt man zu dieser Zeit in etwa 340 Kilogramm Roggen.51

Ebenfalls als Stifterin zeigte sich im Jahr 1513 eine gewisse Dorothea, „hausfraw“52 des im Jahr 1509 als Verwalter der Sebastiani-Bruderschaft aufscheinenden Hans von Rubatsch,53 der 1536 den Adelsbrief durch König Ferdinand I. (1503–1564) erhielt.54 Als ‚Hausfrau‘ war Dorothea Ehefrau und Vorsteherin eines Haushalts. Der mittelalterlich-frühneuzeitliche Haushalt konnte ein komplexes Gebilde sein, welches nicht nur aus Eheleuten und Kindern bestand, sondern je nach sozialer Herkunft und wirtschaftlicher Situation auch Dienstleute umfasste.55Darüber hinaus war Dorothea als ‚Hausfrau‘ nicht nur auf den häuslichen Bereich beschränkt, sondern auch wirtschaftlich aktiv beziehungsweise konnte unter bestimmten Umständen wirtschaftliche Verantwortung übernehmen.56