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Auf den Goldfeldern Australiens treffen Digger, Bushranger, Sträflinge und Aborigines aufeinander. Hier gilt nur ein einziges Gesetz – das des gnadenlosen Outbacks. Die Polizei muss darauf reagieren und schickt erstmals einen Undercover-Ermittler in den Busch. Zwei Kriminalgeschichten in deutscher Erstübersetzung: "William Burrows - Vor dem Einsatz" und "R. P. Whitworth - Undercover"
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Seitenzahl: 52
Veröffentlichungsjahr: 2025
Bush Crime
Australische Kriminalgeschichten
Aus dem Australischen übersetzt und
herausgegeben von Shawnee Lawrence
1. Auflage 2025
Balladine Publishing Ltd & Co. KG, Köln
Copyright © 2025 Balladine Publishing
Alle Rechte vorbehalten
Umschlaggestaltung: Balladine
ISBN 978-3-945035-68-9
www.balladinepublishing.com
William Burrows – Vor dem Einsatz
R. P. Whitworth – Undercover
Über die Autoren
Glossar
Verzeichnis der Originaltitel
Weitere Titel aus unserem Programm
Auf einer Farm in der Nähe der Goldfelder von Sandhurst hätte man im Juli des Jahres 185– eine Gruppe junger Männer in der Uniform der berittenen Polizei sehen können, die es sich in einer Blockhütte, gewöhnlich als Küche für die Farm genutzt, rund um eine offene Feuerstelle bequem gemacht hatte.
Es war ein unangenehm verregneter Abend, aber da sie die Order bekommen hatten, sich in Bereitschaft zu halten, konnten sie nicht das tun, was die meisten von ihnen ausgesprochen gern getan hätten – nämlich schlafen zu gehen. Und so schlug jemand vor, sich die Zeit mit dem Erzählen von Geschichten über ihre Erlebnisse zu vertreiben.
Fred W., der Älteste aus der Gruppe, der früher ein Mitglied in Sturts Schwarzer Polizeitruppe gewesen war und oft über die guten alten Zeiten sprach, wurde einstimmig aufgefordert zu beginnen, was er folgendermaßen tat: »Da ihr etwas von mir hören wollt, Jungs, werde ich mein Bestes geben.«
Woraufhin Bill H., ein munterer kleiner Ire, der sich selbst zum Vorsitzenden gekürt hatte, ausrief: »Also, dann! Ruhe für Mr Freds Story. Der erste, der stört, muss raus in den Regen.«
Diejenigen, die rauchten, zündeten sich ihre Pfeifen an, und Fred, der als eingefleischter Anhänger des Krauts dazugehörte, erinnerte sich, zwischendurch Rauchwölkchen aus seinem Mund entlassend, an diesen Vorfall:
»Vor zehn Jahren, als man noch kein Gold entdeckt hatte und niemand auch nur einen Gedanken daran verschwendet hätte, war ich in Horsham, einem winzigen Ort im Distrikt Wimmera, stationiert.
Eines Tages erhielten wir auf unserem Posten einen Bericht darüber, dass die Frau eines Schäfers von einem Mann, der auf derselben Farm arbeitete oder gearbeitet hatte wie der Schäfer, angegriffen und getötet worden war. Der Ehemann der Frau meldete uns diese Nachricht persönlich, und ich habe niemals einen Menschen in solcher Aufregung gesehen.
Seiner Aussage nach war er wie immer mit den Schafen unterwegs gewesen und hatte nach der Rückkehr seine tote Frau vorgefunden. Ihr Schädel war infolge eines Axthiebs gespalten. Und sein Kind, ein sechs Monate alter Säugling, lag mit zerschmettertem Köpfchen auf der Türschwelle. Am Türrahmen und auf der Schwelle fanden sich Blutspuren.
Der Kerl, den er verdächtigte, diese grauenhaften Taten begangen zu haben, war am Abend vorher bei ihnen aufgetaucht. Angeblich sei er auf dem Weg zum Haupthaus gewesen, um nach Arbeit zu fragen. Der Mann erhielt ein Abendessen und, nachdem er in ihrer Hütte übernachtet hatte, auch ein Frühstück, bevor der Hausherr mit seinen Tieren loszog. Der Verdächtigte befand sich noch in der Hütte, als der Schäfer sich auf den Weg machte. Bei seiner Rückkehr war, wie man sich denken kann, von dem Wanderarbeiter nichts mehr zu sehen. Der bedauernswerte, trauernde Schäfer gab uns eine Personenbeschreibung und verließ anschließend die Polizeistation.
Da ich den Beschriebenen erst zwei Tage zuvor gesehen hatte, wurde ich angewiesen, mich in Zivil zu kleiden, mein Pferd zu satteln und loszureiten. Mein Befehl lautete, ihn möglichst zu finden und mir keine Gedanken darüber zu machen, wie lange es dauerte, sofern ich nur den geringsten Hinweis zu seinem Verbleib erhielte. Also ritt ich von Farm zu Farm, ohne ihm jedoch auf die Spur zu kommen. So ging das bis zum fünften Tag meiner Suche. Da erfuhr ich, dass ein Mann, auf den die Beschreibung zutraf, eine an einer Straße gelegene Hütte passiert hatte und auf dem Weg zum Glenelg River war.
Zur Mittagszeit des sechsten Tages kam ich zu dem Schluss, es wäre wohl besser, ein nahe liegendes Wäldchen zu durchqueren, um eine Farm zu erreichen, auf der ich, wie ich wusste, übernachten konnte. Das waldige Dickicht war zu dicht, als dass ich dort schnell hätte hindurchreiten können, und so führte ich mein Pferd am Zügel, bis ich in die Nähe des Flusses gelangte. Auf dem offenen Gelände fiel mir sofort ein aus Ästen und Blättern errichtetes Miami auf. Es erschien mir eigenartig, so etwas dort vorzufinden, weil es eindeutig nicht von Schwarzen aufgebaut worden war.
Ich machte mein Pferd an einem Baumstumpf fest und näherte mich dem Miami vorsichtig. Im Näherkommen sah ich durch das Geäst hindurch farbige Flecken, vermutlich von Kleidungsstücken stammend. Da der Gesuchte der Besitzer derselben sein konnte, zog ich meine Pistole, prüfte das Zündplättchen und schlich leise zu dem Schutzbau. Und da lag mein Mann, ruhig schlafend, eine Pistole neben sich. Sofort griff ich mir die Waffe und trat gleich darauf gegen seinen Fuß. Wie ein Gebissener sprang er auf die Füße, tastete in seinem Mantel nach der Pistole und entdeckte, dass sie fort war. Mir seine Hände entgegenstreckend sagte er: ›Leg mir schon die Handschellen an. Dieses Mal habt ihr mich ausnahmsweise geschnappt. Aber hätte ich meine Pistole gehabt, hätte ich dich umgelegt. Na, spielt auch keine Rolle, wofür ihr mich nun letztlich hängt.‹ Ich legte ihm die Handschellen an und brachte ihn für die Nacht zur Farm des Squatters.
Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Rückweg und zwei Tage später saß er gut verwahrt im Knast. Nach seinem Geständnis, erst die Frau getötet und dann den Kopf des Kindes gegen den Türrahmen geschlagen zu haben, danach durch den Busch gewandert zu sein und lediglich an dem Ort, an dem ich erstmals Informationen zu ihm erhalten hatte, die Straße genommen zu haben, wurde er gehängt.«
Als Fred geendet hatte, forderte er den alten Viehhirten Tom zum Erzählen einer Geschichte auf:
