C.M.Kneisel: Schriften -  - E-Book

C.M.Kneisel: Schriften E-Book

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Beschreibung

Carl Moritz Kneisel schreibt Gedichte und verfasst eine Geschichte der Bonner Lese- und Erholungsgesellschaft.

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Seitenzahl: 78

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

1814 Jan 15 »Der Tag der Freiheit«

1829 C. M. Kneisel: „Festgesang..."

1837 C. M. Kneisel: „Fest-Lieder zur halbhundertjährigen Jubelfeier der Lese- und Erholungs-Gesellschaft in Bonn"

1837 C. M. Kneisel: »Geschichte der Lese- und Erholungs-Gesellschaft in Bonn«

I. Periode: Die Lese-Gesellschaft unter der kurfürstlich-kölnischen Herrschaft von 1787 bis 1791.

II. Periode: Die Lese-Gesellschaft unter französischer Herrschaft, von 1795 bis 1813.

III. Periode: Die Gesellschaft unter der Regierung Friedrich Wilhelms III. von Preussen, von 1814 bis 1837.

Liste der Mitglieder der >Lese< bis zum Jahr 1837

Literaturverzeichnis

Index

1814 Jan 15 »Der Tag der Freiheit«1

den 15. Jenner 1814.

Ergo omni longo solvit se civitas Teucria [luctu]2.

Vergilius.

O schöner Tag, den jeder Bönner

aus vollem Herzen selig preist,

und der die spottenden Verkenner

des deutschen Ruhmes Schweigen heißt,

nach neunzehn bang durchlebten Jahren,

wo wir, zu unserem Mißgeschick,

den Franken unterthänig waren,

bringst du die Freyheit uns zurück.

Die Freiheit, jede Himmelstochter,

die einzig durch Gesetze reift,

und die dem Haufen Unterjochter

der Fesseln Lastgewicht entstreift;

sie, die der Völker Wohlfahrt gründet

und durch der Pflichten heil'ges Band

den Menschen an die Tugend bindet,

den Bürger an das Vaterland.

Gestillt ist unser Glutverlangen!

Und alles athmet Himmels-Lust;

die Freude röthet alle Wangen:

die Freyheit schwellet jede Brust.

Gestürzt sind ja die schweren Rechte,

die unsern Handel eingeengt;

vertrieben die gedungnen Knechte,

die man uns schimpflich aufgedrängt.

Die Bürger gehn auf allen Wegen

mit herzbegeisterndem Geschrey

den Rettern ihres Land's entgegen,

und rufen: »Wir sind wieder frey!«

Wer mischt nicht in diese Wonnefülle

auch seinen lauten Jubel ein?

Und wer(d) wird nicht in frommer Stille

aus seinen Dank der Vorsicht weihn?

Der Knabe kann im Lenzgefilde

den Keim des künft'gen Glückes sä'n,

der Jüngling sieht die Traumgebilde

der Kindheit in Erfüllung gehn;

der Mann erneuert, kraftgestählet,

den unterbrochenen Thatenlauf,

der Greis, von neuem Muth beseelet,

lebt in dem Glück der Enkel auf.

Die Jungfrau liebt jetzt keusch und edel;

kein luft'ger Modeschmetterling,

mit vollem Beutel, leerem Schädel,

der sie oft schändlich hintergehen,

dass Liebe heuchelnd sie bethören;

sie will mit deutschem Biedersinn

dem deutschen Jüngling angehören,

ihm giebt sie Herz und Hand nur hin.

Der Bürger Herz pocht nun geschwinder,

weil sie das Trostgefühl ergötzt:

»Wir sind nicht Frankreich Findelkinder,

Nein, Deutschlands freie Söhne jetzt!«

Der Franke folgt den Zwangsbefehlen

Und kennt die freye Tugend nicht;

der wahre Deutsche kann nicht fehlen,

sein Wahlspruch ist: »Gesetz ist Pflicht!«

Die Huld der hohen Bundesmächte

setzt heut die alte Freiheit ein,

drum, Bönner, sucht mit vollem Rechte

des deutschen Namens werth zu seyn,

bald, lange kann es nicht mehr währen,

stellt sich der Tag des Friedens ein;

dann wollen wir an den Altären

des Dankes unseren Weihrauch streu'n.

M. C. K-

1 Bonn, gedruckt bei P. Neusser, Nro 41. Beilage zum Bönnischen Wochen-Blatt, # 108, vom 06.02.1814.

2 Vergil, Aen. II,26: „Und ganz Teukrien sagt sich los von der langen Betrübnis."

1829 C. M. Kneisel: „Festgesang..."3

Festgesang | zur | Bewillkommnung | SEINER KÖNIG-LICHEN HOHEIT | UNSERS ALLGELIEBTEN KRONPRIN-ZEN4 | in Bonn's Mauern, | gesungen | von der städtischen Jugend | beim Empfange | des heißersehnten, hohen Gastes. | verfaßt von C. M. Kneisel, | Gymnasiallehrer.

Begrüßt im Jubelton

Des theursten Königs Sohn,

Des Reiches Lust!

Laut, gleich des Donners Klang,

Tön' ihm zum Festempfang

Des Volkes Hochgesang

Aus vollster Brust.

Wie laut das Herz auch spricht,

Der Mund kann würdig nicht

Sein Lob erhöh'n.

Längst that der Muse Mund

Dem weiten Erdenrund

Des Helden Thaten kund,

Die nie verweh'n.

Er, der mit Muth und Kraft

Für Mit- und Nachwelt schafft

Durch That und Wort,

Lebt, groß durch eigen Werth,

Von Freund und Feind geehrt,

Durch Sieg und Ruhm verklärt,

Unsterblich fort.

Wie rings, vom Rhein zum Meer,

Vereint mit Volk und Heer

Zum Feyerchor,

Schwingt auch der Bonner Fleh'n

Sich zu des Himmels Höh'n

Um Glück und Wohlergeh'n

Für Ihn empor.

Der reinsten Liebe Zoll

Werd' Ihm, stets warm und voll,

Als Preis zu Theil!

Aus freud'gem Herzensdrang

Schall' Ihm mit Jubelklang

Ein donnernd: „Lebe lang

Zu Preußen's Heil!"

3 Fundstelle: ULB Bonn; urn:nbn:de:hbz:5:1-70001.

4 Der spätere https://www.wikiwand.com/de/Friedrich_Wilhelm_IV.

1837 C. M. Kneisel: „Fest-Lieder zur halbhundertjährigen Jubelfeier der Lese- und Erholungs-Gesellschaft in Bonn"5

Fest-Lieder | zur | halbhundertjährigen Jubelfeier | der | Lese- und Erholungs-Gesellschaft | in | Bonn. Von | C. M. Kneisel, | Secretär der Gesellschaft.

I.

Melodie: Im Kreise froher, kluger Zecher u.s.w.

Erhebet heut durch Klang und Lieder

Und hier in ihrem Heiligthum,

Als ihres Reiches treue Glieder,

Der Göttin Eintracht Preis und Ruhm,

Und pflanzet ihn durch That und Wort

Bis auf die fernsten Enkel fort!

Sie herrscht im weiten Schöpfungskreise

Dort lenket sie am Himmelszelt

Der Sterne Tanz in ew'gem Gleise,

Und einigt Geist- und Körper-Welt ;

Hier knüpfet sie mit sichrer Hand

Der Völker und Familien Band.

Das Kleine reift in ihrem Schosse

Und kräftigt sich zum Meisterstück;

Doch ohne sie zerfällt das Grosse

Oft spurlos in sein Nichts zurück :

Was je der Menschheit Glück gemacht,

Ward unter ihrem Schild vollbracht.

Das Werk der Bösen selbst erhielte,

Wenn es, gepflegt von ihrer Hand,

Sich je dem Recht befreundet fühlte,

Durch sie allein vielleicht Bestand:

Doch nimmer noch, trotz Macht und Gold,

War sie dem Wahn und Laster hold.

Aus schwachem Keime spross und blühte

Durch sie auch unser Bund hervor,

Und wuchs an Umfang, Kraft und Güte

Zum schattenreichen Baum empor,

An dessen Früchten, wie wir jetzt,

Sich einst die Nachwelt noch ergötzt.

Hier lodert zu der Göttin Preise

Noch stets ein fester Opferherd;

Dank Jedem, der in unserm Kreise

Die heil'ge Glut als Priester nährt,

Und nach der Ahnen Sinn und Art

Sie treu den Erben aufbewahrt.

Drum singt ihr Preis in vollen Chören,

Erschöpft sich gleich ihr Loblied nie;

Doch, um recht würdig sie zu ehren.

Bewahrt und übt und fördert sie!

So lang sie unsern Bund umflicht,

Droht ihm Gefahr und Trennung nicht.

So schwört denn Alle jetzt aufs neue

Zum Schluss, verschlungen Hand in Hand

Der Göttin Eintracht Pflicht und Treue,

Die uns zu gleichem Zweck verband:

Sie bleibe, wie von Anbeginn

Bis jetzt, stets unsre Schützerin!

II.

Melodie: Bekränzt mit Laub u.s.w.

Mit freud'gem Hochgefühl sei unserm Bunde

In Lieb' und Freude heut,

Am Stiftungsfest, aus vollem Herz und Munde

Ein jubelnd Hoch geweiht!

Mit Ehren währt er jetzt schon fünfzig Jahre

In Kraft und Eintracht fort;

Und stets noch war das Gute, Schöne, Wahre

Sein Ziel und Losungswort.

Er zeigt uns auf der grossen Weltenbühne

Des Lebens Marktgewühl,

Des Rechtes Sieg und Lohn, des Frevels Sühne,

Des Schicksals Wechselspiel.

Er beut zu Zeitvertreib und Sinnesläut'rung

Uns Frohsinn, Ernst und Scherz,

Und spendet durch Belehrung und Erheit'rung

Genuss für Geist und Herz.

Er opfert gern der Musen heiterm Dienste,

Pflegt Saitenspiel und Tanz,

Verehrt die Kunst und widmet dem Verdienste

Mit Dank den Feierkranz.

Der Zwietracht und der Langeweile Hyder

Blieb stets aus ihm verbannt;

Und immer schlang sich noch um seine Glieder

Der Eintracht goldnes Band.

So stehn auch wir denn heut, im Geist der Väter,

Vereint von fern und nah,

Als dreier Lebensalter Stellvertreter

Am Jubelgrenzstein da:

Der Vorzeit, die mit Eifer, Muth und Stärke

Den Bund in Flor gebracht..

Und uns, zu Lust und Sporn, mit ihrem Werke

Ihr Beispiel übermacht;

Der Mitwelt, die noch stets sich des Bestandes

Und Ruhms der Stiftung freut,

Und heut ihr für die Erbschaft dieses Pfandes

Den Zoll des Dankes weiht;

Der Nachwelt, die, bei treuer Huf und Pflege,

Recht lang und ungestört

Sich am Genuss des Schatzes weiden möge,

Der sich als echt bewährt.

Beseelt nur stets Gemeinsinn, thät'ger Wille

Und Eintracht unsern Bund,

Dann steht er, gross und stark, in eigner Fülle,

Fest wie auf Felsengrund;

Und dient, geschirmt vor Spaltung, Stolz und Neide,

Mit immer hellerm Ruhm,

Stets fort und fort der Bildung, Kunst und Freude

Zum Lieblingsheiligthum.

III.

Melodie: Es kann ja nicht immer so bleiben u.s.w.

Vereint Euch am Festtag der Stiftung

Der heute zum fünfzigsten Mal

Mit steigendem Glanz sich erneuet,

In Eintracht zum fröhlichen Mahl!

Wohl ziemt es sich, dass wir uns heute

Der Stiftung der Ahnen erfreun:

Sic streuten den Samen; wir ernten

Die Frucht ihrer Wirksamkeit ein.

Mit Recht hat die Weisheit der Stifter,

Von Eifer zum Guten beseelt,

Das Wohnzelt der emsigen Biene

Zum Sinnbild des Bundes gewählt.

Sic schlürfet den Nektar der Blüthen

Und sammelt als Honig ihn ein,

Nicht bloss, um sich selber zu nähren

Auch Andern Genuss zu verleihn. –

Und treu dem erkorenen Vorbild

Verfolgten sie rastlos die Bahn,

Und rangen mit reichem Erfolge

Stets weiter zum Ziele hinan.

Ihr Werk, das, trotz Schicksal und Stürmen

Ein halbes Jahrhundert gewährt,

Hat stets sich mit rühmlichem Fortschritt

Als gut und gediegen bewährt;