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Überall und in jeder Situation sind wir darauf bedacht, unsere Privatsphäre zu schützen. Aber haben Sie es schon einmal selbst erlebt oder darüber nachgedacht, dass Sie bei Cappuccino und Sahnetorte durch unmittelbare Nähe zum Nachbartisch viel von Ihren Freuden, Gefühlen, Sorgen, Ängsten preisgeben? Durch die (meist) angenehme Umgebung im Café öffnen sich die Menschen und erhalten durch eine "Momentaufnahme" Einblick in die Welt der anderen. Einige dieser "Momentaufnahmen" sind hier in Geschichten verpackt. Es sind Geschichten zum schmunzeln, zum lachen, zum nachdenken, aber auch zum weinen.
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Veröffentlichungsjahr: 2018
Gedanken und Gespräche
bei Kaffee und Kuchen
erzählt von
Veronique Rosen
Der Kaffee!
Eine Liebeserklärung an das göttliche Getränk!
Wir trinken ihn im Flieger,
im Auto und auf dem Boot!
Wir trinken ihn ohne alles,
zu Kuchen oder Brot!
Wir trinken ihn im Zimmer,
auf der Straße oder im Cafe!
Wir trinken ihn braun und
mit Schaum getupft wie ein Reh!
Wir trinken ihn,
wenn der Tag erwacht!
Wir trinken ihn zum munter bleiben
tief in der Nacht!
Wir trinken ihn kalt oder heiß!
Wir trinken ihn schwarz oder weiß!
Wir trinken ihn als Espresso,
Cappuccino oder Latte mit Schuss!
Aber in jedem Fall ist und bleibt er ein
H o c h g e n u s s !
(selbst)
Vorwort
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Sie haben dieses Büchlein gekauft, weil Sie vielleicht selbst gern im Cafe sitzen oder weil es Sie interessiert, was Ihre Mitmenschen dazu bewegt, ihre Freizeit im Cafe zu verbringen. Gerne würden wir doch auch mal ein Gespräch am Nachbartisch belauschen. Den meisten von uns verbietet aber die gute Erziehung, dies zu tun. Aber mal ehrlich: Plagt uns nicht alle ein bisschen die Neugier? Nichts interessiert die Menschen so sehr, wie das Leben der anderen! Diesem natürlichen „Trieb“ möchte ich mit diesen Geschichten Rechnung tragen.
Ich besitze selbst ein Cafe in einer Kleinstadt und möchte Ihnen die lustigsten, merkwürdigsten, aber auch ernsteren Geschichten aus der Sicht meiner Gäste erzählen. Vielleicht kommt Ihnen ja die eine oder andere Situation bekannt vor.
Langeweile XXL!
Ich öffnete die Augen und wusste: Es war ein Tag wie viele andere, seit ich in den wohlverdienten Ruhestand gegangen war. Sicher, mein Leben war auch vorher nicht besonders aufregend gewesen. Und jetzt? Na, was soll`s.
Ich stellte fest, dass es gleich Mittag war. Die Fernsehnacht war wieder etwas lang geworden. In der Früh war ich bereits kurz aufgestanden, um die Rollos zu öffnen. Man muss ja schließlich den Schein wahren und will nicht als „Müßiggänger“ gelten. Die Morgen- (was ja eigentlich eine Mittags-) toilette war, war schnell erledigt. Das Gefühl allerdings beim Blick in den Spiegel war auch nicht gerade umwerfend. Die Dauerwelle musste unbedingt erneuert werden. Na, ja, ein Mann kam sowieso nicht mehr in Frage. Deshalb hatte ich auch den Aufwand für gutes Aussehen auf ein Minimum reduziert. Auch die Kleidung war nicht mehr die beste. Nur auf ein gutes „Duftwässerchen“ legte ich noch großen Wert. Das stellte aber auch kein großes Problem dar. Denn bei meinem täglichen Rundgang durch die Parfümerien fand ich immer das eine oder andere Tester Fläschchen
Wohlriechend und guter Dinge landete ich in meinem Lieblings Café. Während ich ausgiebig frühstückte, blickte ich in die Runde. Die Bedienung schien heute auch nicht gut drauf zu sein. Und dieses Paar am Nachbartisch ging mir auch tierisch auf die Nerven. Sie ließen sich über die Erziehung der Enkelkinder aus. Wahrscheinlich waren das verzogene Gören mit schlechten Noten und einer großen Klappe. Manchmal, in einer stillen Stunde, habe ich es bedauert, dass mein Friedrich und ich keine Kinder hatten. Aber wenn ich das so höre, bin ich heilfroh, dass mir das erspart geblieben ist. Die beiden am Nachbartisch zahlten und gingen. Gott sei Dank! Ich kaute weiter an meinem Brötchen und hing wieder meinen Gedanken nach. In diesem Augenblick ging die Tür auf, und ein „Wesen“ betrat das Cafe, das eher an eine Presswurst als an eine Frau erinnerte. Gefärbte Haare, enges, kurzes Oberteil und ein roter Gürtel, der die Fettwulst am Bauch in zwei Teile trennte. Schauerlich! Aber einen Stapel Papiere unterm Arm! Hauptsache, wichtig aussehen! Sie entschwand schlurfenden Schrittes – weil sie in den hochhackigen Schuhen nicht richtig laufen konnte – auf der Terrasse des Cafés. Ich schaute auf die Uhr. Meine Bekannten waren wieder nicht gekommen. Schade! Mit der Frau konnte ich mich gut unterhalten. Ihr Mann schien immer desinteressiert und vertiefte sich in seine politischen Zeitungen. Ob sie sich zu Hause über Themen daraus unterhielten? Glaube ich eher nicht.
Wenn keiner kommt, werde ich eben in einer der neuesten Illustrierten blättern. Das Leben der Reichen und Prominenten ist immer interessant. Besonders, wenn es wieder einmal eine Frau geschafft hatte, ihren reichen “Noch-Ehemann“ um ein paar Millionen zu erleichtern. Geschieht ihm recht! Die Ehefrau ist an seiner Seite gealtert, und der nimmt sich so eine junge „Tussi“. Das dicke Bankkonto lenkt sicher von den Runzeln in seinem Gesicht ab. Aber eben nicht lange.
Mir fiel plötzlich ein, dass ich die Bedienung schon vor 10 Minuten um die Rechnung gebeten hatte. Es schien sie nicht zu interessieren. Ich muss mich wohl noch einmal lautstark melden. Schließlich will ich noch durch diverse Geschäfte bummeln. Vielleicht treffe ich ja dort noch den einen oder anderen für einen Plausch. Danach muss ich mich aber sputen, um nach Hause zu kommen. Schließlich fängt dann meine Lieblingssendung an. Wird bestimmt wieder ein langer Fernsehabend! Aber morgen ist ja auch noch ein Tag! Ich muss mir nur den Wecker wieder stellen, damit ich nicht vergesse, die Rollos zu öffnen.
Das Ritual!
Es war ein Morgen wie jeder andere auch. Er begann wie jeder Tag in meinem Leben, seit mein Herbert vor einem Jahr gestorben ist. Er sah mich jeden Morgen von dem Foto auf meinem Nachttisch mit seinen großen, sanften Augen an, als wollte er mir sagen: „Hallo, mein Schatz! Aufstehen! Das Leben geht weiter!“ Wie recht er hatte! Also, raus aus den Federn und unter das kalte Wasser. Das Leben hatte mich wieder.
