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»Sie hatten mich belogen. Sie hatten mich in Ketten gelegt. Und sie hatten mir gestohlen, was mir von Geburt an zustand.« Caleas Mutter ist die Königin der Hölle, ihr Großvater war der Teufel, und trotzdem fließt durch ihre Adern keinerlei Magie. Als die Dämonenprinzessin jedoch erfährt, dass ihre Mächte bei ihrer Geburt absichtlich gebannt wurden, kehrt Calea dem Königspalast im Hades den Rücken und macht sich in den mystischen Weiten Schottlands auf die Suche nach ihrer wahren Bestimmung. Dabei ist ihr ausgerechnet ein Mensch behilflich, denn Caleas Gefühle für Kenzo bringen ihr magisches Erbe zum Glühen – Ein Glühen, auf das dunkle Mächte, die im Verborgenen lauern, nur gewartet haben ... Im lang ersehnten Spin-Off von »Elyanor« überzeugt Alexandra Stückler-Wede durch ein einnehmendes atmosphärisches Setting und eine mutige und starke Heldin, die nichts mehr will als ihre Freiheit – und dabei die große Liebe findet. //Alle Bände der fantastischen »Elyanor«-Reihe im Loomlight-Verlag: -- Band 1: Elyanor – Zwischen Licht und Finsternis -- Band 2: Elyanor – Zwischen Eis und Feuer -- Band 3: Calea – Zwischen Asche und Rauch Das Spin-Off ist in sich abgeschlossen und kann als Einzelband gelesen werden.//
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Das Buch
»Sie hatten mich belogen. Sie hatten mich in Ketten gelegt. Und sie hatten mir gestohlen, was mir von Geburt an zustand.«
Caleas Mutter ist die Königin der Hölle, ihr Großvater war der Teufel, und trotzdem fließt durch ihre Adern keinerlei Magie. Als die Dämonenprinzessin jedoch erfährt, dass ihre Mächte bei ihrer Geburt absichtlich gebannt wurden, kehrt Calea dem Königspalast im Hades den Rücken und macht sich in den mystischen Weiten Schottlands auf die Suche nach ihrer wahren Bestimmung. Dabei ist ihr ausgerechnet ein Mensch behilflich, denn Caleas Gefühle für Kenzo bringen ihr magisches Erbe zum Glühen – Ein Glühen, auf das dunkle Mächte, die im Verborgenen lauern, nur gewartet haben ...
Die Autorin
© Maximilian Dreher
Alexandra Stückler-Wede wurde 1996 in der Nähe von Hannover geboren. Die Autorin lebt mit ihrem Mann im Herzen von München, wo sie Elektro- und Informationstechnik studiert hat und sich nun ganz der Literatur widmet. Ihre ersten Geschichten verfasste Alexandra bereits mit sieben Jahren. Neben dem Schreiben bloggt sie als @alexandra_nordwest auf Instagram über Bücher und das Autorenleben oder reist mit Rucksack und Zelt um die Welt. Zu ihren liebsten Genres gehört alles, was mit fantastischen Welten, tiefen Gefühlen, Spannung und Magie zu tun hat. Genauso wie ihr Herz an dunklen Geheimnissen, verworrenen Schicksalen und Charakteren hängt, die immer wieder über sich hinauswachsen. Alexandra schreibt außerdem unter dem Pseudonym Alexandra Flint.
Alexandra Stückler-Wede auf Instagram: www.instagram.com/alexandra_nordwest/?hl=de
Der Verlag
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Viel Spaß beim Lesen!
Alexandra Stückler-Wede
CaleaZwischen Asche und Rauch
Für Alinchen – ich meine es ernst, diese Reise ist für Dich.
»Verrate mir eines, Kenzo, wenn ich dir ein Angebot machen würde – dein Leben gegen das von Calea –, würdest du darauf eingehen? Würdest du für sie sterben?«
»Ich bin nicht so dumm, mich auf einen Handel mit dir einzulassen«, brachte Kenzo gepresst hervor.
»Natürlich nicht. Lass es mich anders formulieren: Wenn ich sagen würde – rein theoretisch –, du hättest mein Wort, dass ich Calea verschonen würde, würdest du es dann tun? Würdest du ohne Gegenwehr und unter dem Schutz dieser Abmachung dein Leben für ihres geben? Du weißt, als Teufel kann ich nicht lügen, mein Wort ist so bindend wie ein Blutschwur.«
Es wurde still. Selbst die gegnerische Armee verstummte, während eine beinahe unerträgliche Anspannung die Festung zum Knistern brachte.
Ich biss mir so fest in die Wange, dass ich Blut schmeckte. Warum diese Frage? Was spielt das für eine Rolle? Warum –
Ich riss die Augen auf.
»Nein, Kenzo. Nein!«, stieß ich im nächsten Moment hervor.
Kenzos Blick zuckte für einen Sekundenbruchteil zu mir und seine Züge wurden weich.
Tränen traten mir in die Augen, liefen über meine Wangen, während ich hilflos den Kopf schüttelte. Nein.
»Nein, Kenzo.«
»Ja«, sagte er dann und sah mir in die Augen. »Ja, ich würde für Calea sterben. Ich würde mein Leben für ihres geben.«
Unser Gegner ließ von Kenzo ab und nickte langsam. »Was wäre ich für eine ehrlose Person, würde ich dir diesen letzten Wunsch nicht erfüllen?« Eine funkelnde Klinge erschien wie durch Zauberhand in seinen Fingern, der orangerote Schein der Flammen tanzte auf der Schneide.
»Nein!«, schrie ich. »Lauf, Kenzo!«
Doch Kenzo rührte sich nicht. Eine Hand an seine geschundene Kehle gepresst, blickte er seinem Widersacher direkt ins Gesicht. »Dein Wort. Gib mir dein Wort, dass dieser Handel bindend ist.«
Der Mistkerl strich mit einem Finger über die stumpfe Seite des Messers. »So bindend und endgültig wie der Tod, Kenzo Warren.Du wirst durch meine Hand sterben und Calea wird leben.«
»Gut«, erwiderte Kenzo ruhig und lächelte. Lächelte, wie jemand, der Frieden mit dem Ende geschlossen hatte.
Im nächsten Moment stürzte er vor.
Direkt auf seinen Gegenspieler zu.
Direkt in die offene Klinge.
Ich kreischte, während unser Gegner fluchend zurückwich.
»Du Narr! Du verfluchter, törichter Narr!«
Doch es war zu spät. Die Klinge steckte bereits bis zum Anschlag in Kenzos Körper. Raubte ihm das Leben.
Ein warmes Lächeln teilte seine Lippen, als sein Blick ein letztes Mal wie eine Liebkosung über meine Züge glitt.
Ehe er die Augen verdrehte.
Und zusammenbrach.
»Und was meinst du, wie lange dauert es, bis Ryker hier auftaucht und dich zurück in den Palast zerrt?«
Ich ließ den gespannten Bogen aus schwarzem Holz sinken und wandte mich zu Atarah um. Meine beste – und eigentlich auch einzige - Freundin saß mit wehenden roten Haaren auf einem runden Felsen und musterte mich mit zusammengezogenen Augenbrauen.
»Der Rekord liegt bei eineinhalb Stunden«, gab ich zurück und nahm den Bogen wieder auf. Mein Ziel war ein alter, knorriger Baumstamm, der an das dunkle Ufer des Kur’Tarak gespült worden war.
Der Kur’Tarak war einer meiner liebsten Orte. Ich mochte die Vorstellung, dass das blaue Wasser keine Grenzen besaß. Von dem schwarzen Strand aus, der von glühenden, onyxfarbenen Felsen eingerahmt wurde, breitete sich das Meer des Hades ohne erkennbares Ende aus – und bisher war ich niemandem begegnet, der mir sagen konnte, ob Kur’Tarak überhaupt ein Ende fand. Vermutlich, weil niemand verrückt genug war, es herauszufinden. Man munkelte, dass sich einst selbst der Teufel vor der See und den unzähligen grausamem Kreaturen darin gefürchtet hatte.
Ich verlagerte das Gewicht auf meinen nackten Füßen, grub die Zehen tiefer in den warmen, schwarzen Sand und spannte meine Waffe dann ein weiteres Mal. Einatmen, anvisieren, ausatmen – schießen.
Der gefiederte Pfeil jagte lautlos durch die Luft, die feucht und schwer von der Gischt war, und bohrte sich in perfekter Präzision in das Holz.
»Ich bin gespannt, wann sie dir eine Kette anlegen, so oft, wie du abhaust.«
»Es wundert mich, dass du dir nach all den Jahren überhaupt noch Gedanken darüber machst, Atti.« Grinsend zwinkerte ich Atarah zu und zog einen neuen Pfeil aus meinem Köcher, den ich mir quer über den Rücken geschnallt hatte.
»Das ist meine Pflicht, schätze ich. Darauf achten, dass du nicht zur wandelnden Zielscheibe wirst – obwohl ich in dieser Hinsicht vermutlich auf verlorenem Posten kämpfe.«
Ich schluckte die scharfe Entgegnung, die mir auf der Zunge lag, herunter und schoss stattdessen den zweiten Pfeil ab. Wie gewollt spaltete er den ersten perfekt in der Mitte und blieb kerzengerade im Stamm stecken. Noch einen Moment länger starrte ich auf die gesplitterten Pfeilreste am Boden, dann schulterte ich meinen Bogen und schlenderte zu Atarah.
»Ich glaube kaum, dass ich hier zur Zielscheibe werde. Das ist Sperrgebiet und der einzige Zugang liegt innerhalb der Palastmauern.« Seufzend sah ich zu den glühenden Felsspitzen, aus denen sich die Festung des Hades-Palastes erhob – die Festung meiner Eltern. Und dahinter die gewaltige Hauptstadt der Hölle: Aker. Ein Ort, von dem ich noch nicht viel mehr gesehen hatte, als die Lichter und Schemen, die von meinem Balkon auszumachen waren.
Weil du eine einzige Enttäuschung bist. Ein Risiko, das die gesamte Ordnung der Hölle zerstören könnte …
Alte Bitterkeit kroch in mir hoch und trieb mir einen sauren Geschmack auf die Zunge.
»Wenig beruhigend in Anbetracht der Tatsache, dass sich dort die schlimmsten Bewohner des Hades befinden.« Elegant sprang Atarah von ihrem kleinen Felsen und strich sich das bräunliche, schlichte Kleid glatt. »Was ist, sollen wir zurück in den Palast?«
Es war mir ein Rätsel, warum sie so sehr darauf pochte, diese altmodische Kleidung zu tragen, die gut und gerne aus einem Mittelalterroman hätte stammen können. Dabei war es nicht so, dass in der Hölle die Zeit stehen geblieben war. Ich selbst trug meistens schwarze Jeans, bedruckte Shirts oder viel zu große Pullover. Nichtssagende Sachen, die mir zwischen die Finger kamen, weil es schlichtweg egal war, was ich anhatte. Es spielte keine Rolle. Selbst wenn ich mich wie die Prinzessin des Hades, die ich laut meines Geburtsrechts war, gekleidet hätte, ich würde doch immer unsichtbar bleiben.
»Calea?« Atarah berührte mich sanft am Arm.
Hastig fuhr ich zurück und schüttelte den Kopf. »Nein. Dort wartet nichts auf mich.«
Die Miene meiner Freundin verfinsterte sich, als würde ein Gewitter darin aufziehen. »Das stimmt nicht und das weißt du auch. Wir haben dieses Thema schon unzählige Male durchgekaut.«
Ich verzog das Gesicht und zupfte an meinem dunkelgrauen Oversized-Pullover, unter den ich ein schwarzes Spitzentop gezogen hatte. »Und wir können es noch tausendmal diskutieren – es ändert gar nichts. Ich passe da nicht rein.«
»Aber sie sind deine Familie.«
»Meine Familie, die mich totschweigt und versteckt hält wie einen verdammten Warzendämon. Der Palast«, ich deutete hinter mich, »ist ein Gefängnis – mein Gefängnis, Atti. Nicht mehr und nicht weniger.«
»Um dich zu schützen«, hielt Atarah mit funkelnden, hellblauen Augen dagegen. Rote Flecken bildeten sich auf ihrer Porzellanhaut. »Und nur fürs Protokoll, du bist viel zu hübsch, um ein Warzendämon zu sein.«
Ich war ihr nicht böse, dass sie es nicht einfach gut sein ließ und nach der langen Zeit noch immer dieselbe Meinung wie meine Eltern teilte. Es war gewissermaßen Atarahs Pflicht, denn auch wenn sie meine Freundin war, diente sie noch immer meinen Eltern.
Langsam atmete ich aus und winkte ab. »Das ist kein Beschützen mehr.« Meine Stimme war leise und die Bitterkeit darin war Resignation gewichen.
Als Atarah mir dieses Mal eine Hand auf die Schulter legte, ließ ich sie gewähren. »Du solltest nicht daran zweifeln, dass sie dich lieben – denn das tun sie.«
»Bei Jade bin ich mir da nicht so sicher.«
»Jade kann niemanden leiden, außer sich selbst. Und Ryker.«
Ihre Antwort entlockte mir ein leises Lachen. Jade, meine jüngere, fünfzehnjährige Schwester, war im Augenblick ein kleines Biest und wirklich unausstehlich. Mit ihrer seltenen Gabe des blauen Feuers hielt sie seit einiger Zeit den gesamten Palast auf Trab und duldete kein Nein. Der Einzige, den Jade in ihre Nähe ließ, ohne demjenigen eine schmerzhafte Warnung zukommen zu lassen, war unser Bruder Ryker. Jade vergötterte ihn geradezu und wenn ich ehrlich mit mir war, dann verstand ich sie sogar. Mein Zwillingsbruder und Thronerbe der Hölle war perfekt. In jeder Hinsicht, in der ich es nicht war.
»Wow, ein Lachen, ich wusste gar nicht, dass du dazu noch in der Lage bist.«
Ich versetzte Atarah einen Knuff in die Seite und horchte auf, als ich das Bewusstsein von Hero am Rand meines eigenen bemerkte.
Du bekommst Gesellschaft, Prinzessin, hallte seine körperlose Stimme durch meinen Kopf, nachdem ich Hero in meine Gedanken gelassen hatte.
»Hero?«, riet meine Freundin und sah sich auf der Suche nach meinem kleinen schwarzen Kami-Dämon um. »Wo steckt der überhaupt?«
Hero war meine erste und einzige Rebellion gegen meine Eltern und das ewige Versteckspiel gewesen. Ich hatte den kleinen Dämon mit sechs Jahren auf einem meiner Streifzüge in den Höhlen unterhalb des Palastes gefunden und kurzerhand an mich gebunden. Seitdem waren wir über unsere Gedanken und unser Blut miteinander verbunden und zu so etwas wie Freunden geworden.
Im Nachhinein wusste ich, wie gefährlich es war, einen niederen Dämon in sein Innerstes zu lassen, doch damals wie heute war ich froh darüber. Mit Hero und unserer mentalen Verbindung spürte ich zumindest ein wenig Magie in meinen Adern pulsieren.
Ich zuckte mit den Schultern und antwortete Hero in Gedanken: Danke für die Vorwarnung. Wo treibst du dich rum?
An der Seite des hochwohlgeborenen Höllenprinzen persönlich. Heros ganz eigene Note Sarkasmus tanzte auf seinen Worten und ließ mich schmunzeln.
Nur einen Moment später spannte sich Atarah neben mir merklich an und sank in eine Verbeugung. Keine Ahnung, warum sie das immer noch tat, schließlich war sie mit Ryker und mir im Palast aufgewachsen, als wären wir Geschwister.
»Mein Prinz.«
Ich schnitt eine Grimasse und wandte mich zu meinem Zwillingsbruder um, mit dem ich mir außer dem Geburtstag und unseren blaugrauen Augen nichts teilte. Im Gegensatz zu mir war er eine beeindruckende Gestalt, keine Frage. Kräftige schwarzgefiederte Flügel ragten aus seinem breiten Rücken, er trug die Uniform der Eliteeinheit der Königin und in seinen fast schwarzen Haaren saß der goldene Reif des Thronerben.
»Hallo, Schwesterchen.« Rykers Mundwinkel zuckte, als er mir Hero vor die Füße warf und dann die muskulösen Arme vor der Brust verschränkte.
Eingebildeter Schnösel. Hero fauchte wütend und tapste dann an meine Seite. Wie alle Kami-Dämonen, die mittlerweile sehr selten im Hades geworden waren, sah auch Hero auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche schwarze Katze aus – wenn man mal von den längeren, schneeweißen Fangzähnen und den kleinen obsidianfarbenen Hörnern auf seinem Kopf absah. In seiner normalen Form reichte er mir etwa bis zum Knie, fühlte er sich bedroht oder war auf der Jagd, konnte Hero jedoch problemlos auf die Größe eines Löwen anwachsen und mit seinen rasiermesserscharfen Zähnen zu einer tödlichen Gefahr werden. Das machte ihn neben seinem Hang zu Unfug so gefährlich.
»Du hast mich gefunden, ich gratuliere«, begrüßte ich meinen Bruder und legte den Kopf schief.
»Wenn du nicht ständig verschwinden würdest, müsste ich dich erst gar nicht suchen und zurück in die Festung schleppen.«
»Ja, ich kann mir vorstellen, dass du eigentlich unzählige und viel wichtigere Angelegenheiten zu erledigen hast.«
Ryker verengte die Augen und sah dann zu Atarah: »Wie hat sie dich heute überzeugen können?«
Atti errötete. »Es tut mir leid. Ich hätte Calea von diesem Regelverstoß abhalten sollen.«
Regelverstoß? Dass ich nicht lachte. Der kleine Ausflug an den Strand des Kur’Tarak war wohl kaum ein Regelverstoß, sondern vielmehr eine winzige Pause von meinem einengenden, öden Leben innerhalb der Palastmauern.
»Ich stehe direkt neben euch, falls es euch noch nicht aufgefallen ist«, brummte ich und nahm Hero auf den Arm. Kami-Dämon hin oder her, letztlich war Hero genauso kuschelbedürftig wie eine Hauskatze unter Liebesentzug.
Mein Bruder legte die Stirn in Falten und betrachtete Hero einen Augenblick lang missbilligend, ehe er mich ansah. »Das ist kein Spaß, Cat. Du weißt, was auf dem Spiel steht. Wie gefährlich es hier draußen für dich ist.«
Nun lachte ich doch freudlos auf. »Gefährlich? Ernsthaft? Siehst du hier irgendjemanden, der sich hinterhältig an mich heranschleicht, um mich zu erdolchen? Richtig: Nein. Und weißt du auch, warum? Weil es niemanden gibt, der das jemals tun wird, weil nämlich niemand weiß, dass ich überhaupt existiere.«
Kopfschüttelnd hob Ryker das Kinn, eine Geste, mit der er unserem Vater so ähnlich sah, dass ich unwillkürlich scharf die Luft einsog. »Und das muss auch so bleiben.« Mehr sagte er nicht. Er ging weder auf das Brodeln in meiner Stimme ein noch auf den Zynismus oder Spott. Und das machte mich nur noch wütender. Er würde es vermutlich nie ganz verstehen. Für ihn war das Leben leicht. Mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten, der mächtigen Magie, die durch seine Adern floss … Ryker war frei. Wurde gesehen, war ein Teil dieser Welt, aber ich … ich erstickte jeden Tag, den ich eingesperrt und unsichtbar war, ein wenig mehr.
Ich erstickte daran, dass nur eine Handvoll Personen meinen Namen kannten, geschweige denn wussten, wer ich war.
Ich erstickte daran, seit neunzehn Jahren nichts anderes als die endlosen Gänge des Palastes zu sehen.
Mein Leben war einengend und einsam und niemand schien das zu bemerken. Für meine Eltern und Ryker, selbst Atarah, war es nur wichtig, mich in Sicherheit zu wissen. Dass diese Sicherheit auf eine ganz andere Art und Weise gefährlich für mich war, daran dachte keiner von ihnen.
Ich krallte die Hände fester in Heros seidiges Fell, das sämtliches Licht des rötlichen Himmels zu absorbieren schien, und fixierte Rykers Augen. »Du klingst schon wie Mutter und Vater.«
Ein Muskel an seinem Kiefer zuckte. »Wenn ich das muss, um dich zur Vernunft zu bringen und zu beschützen, dann ist mir das egal.«
Ich wollte ihn für seine Antwort hassen, dafür, dass er mich genauso einsperrte wie unsere Eltern, aber ich konnte es nicht. Denn in jeder einzelnen Silbe seiner Worte schwang ein tiefer Schmerz mit. Derselbe Schmerz, der auch in mir brannte. Ryker verabscheute, dass er mir das antun musste. Er verabscheute zu sehen, wie ich litt und er verabscheute es, dass er rein gar nichts dagegen unternehmen konnte.
Niemand konnte das. Nicht einmal die mächtigsten Geschöpfe der Hölle.
Es war eine grausame Fügung des Schicksals gewesen, dass Ryker nur ein paar Minuten vor mir als mächtiger Dämon geboren worden war, während in mir nicht der kleinste Funke Magie loderte. Ich mochte die Tochter der Höllenkönigin sein, aber objektiv betrachtet war ich nicht mehr als ein gewöhnlicher Mensch. Ich war ein Niemand inmitten von tödlichen Dämonen, die Feuer und Eis und Magie beherrschten. Die mit einem einzigen Gedanken töten konnten.
Manchmal, in meinen dunkelsten Momenten, hegte ich die hässliche Vermutung, dass mich meine Eltern versteckt hielten, weil sie sich für mich schämten. Für ihr Kind, das keinen Tag draußen im Hades, außerhalb der dunklen Festung, überleben würde.
Und das Schlimmste daran war, dass sie damit recht hatten.
Ich ließ die Schultern sinken und nickte langsam. Ryker hatte gewonnen. Natürlich hatte er das.
Mein Bruder seufzte leise, vermutlich erleichtert darüber, dass er mich nicht packen und zurückzerren musste. Das war schon oft genug vorgekommen und wir waren es beide leid.
Ein dünnes Lächeln schob sich auf seine Lippen, dann lockerte er seine Haltung. »Mutter und Vater erwarten uns zum Abendessen. Es wäre schön, wenn du dieses Mal dabei bist. Sieh es als Geburtstagsgeschenk für mich, Cat.«
Cat, so nannte er mich schon seit unserer Kindheit. Ryker hatte mir den Spitznamen gegeben, nachdem ich mich mit Hero verbunden hatte und mir der Kami kaum von der Seite gewichen war.
Eine Katze für eine Katze.
Ich hob einen Mundwinkel und setzte Hero ab. »Mal sehen.«
Dabei wussten wir beide, dass es keine Rolle spielte, ob heute unser neunzehnter Geburtstag oder sonst irgendein Tag war. Ich nahm schon lange nicht mehr an Familienessen oder Feiern Teil und das würde auch heute ganz sicher nicht geschehen. Nicht, solange ich nun einmal war, wie ich war, und um das zu ändern, bräuchte es ein Wunder.
Ein Wunder, an das ich längst jeden Glauben verloren hatte.
Wie lange willst du noch dastehen und wortlos in die Nacht starren? Heros samtige Stimme flog durch mein Bewusstsein, nur einen Sekundenbruchteil, bevor er auf die Brüstung sprang. In dem dämmrigen Licht der Fackeln, die die Tür zu meinem Schlafzimmer säumten, war er bis auf seine grünlich schimmernden Augen beinahe unsichtbar.
Ich stützte mich seufzend auf das verschnörkelte Eisengeländer meines weitläufigen Balkons und zuckte mit den Schultern. Spielt das eine Rolle?
Heros Schwanz schwang langsam hin und her. Der Kotzbrocken hat schon recht. Es ist euer Geburtstag. Man wird nicht jeden Tag neunzehn.
»Und trotzdem ist es ein Tag wie jeder andere«, gab ich laut zurück und sog den Anblick der leuchtenden Stadt vor mir in mich auf. Von hieraus wirkte Aker beinahe surreal. Wie ein Gemälde, in dessen Dunkelheit der Maler wahllos orangefarbene und goldene Lichter gestreut hatte.
Was gäbe ich dafür, eines dieser Lichter zu sein.
Es ist traurig, wenn jemand das über den eigenen Geburtstag sagt, Calea. Dein Geburtstag sollte der wichtigste Tag im Jahr sein. Ein verdammter Feiertag.
Ich grinste schief und begann nachdenklich, Heros Kopf zu kraulen, was er mit einem selbstgefälligen Schnurren quittierte.
Du weißt, ich bin sonst uneingeschränkt auf deiner Seite, kleine Prinzessin, aber vielleicht hättest du heute über deinen Schatten springen und bei deiner Familie sein sollen.
»Und was hätte das geändert?« Zähneknirschend hielt ich beim Kraulen inne und fuhr in Gedanken an Hero gerichtet fort: Sie wollen mich nicht dabeihaben. Keiner von ihnen würde es je laut aussprechen, aber mein Platz … ist nicht an ihrer Tafel. Das war er nie.
Ich drehte Aker mit seinen Lichtern den Rücken zu und setzte mich auf die Umrandung. Irgendwann im Laufe der Jahre hatte ich aufgehört zu zählen, wie oft diese Gedanken durch meinen Kopf gegeistert waren. Wie oft ich das Gefühl gehabt hatte, dass mit mir irgendwas nicht stimmte. Doch heute … heute drängten sich diese Emotionen mit beinahe schmerzhafter Intensität in den Vordergrund. Als wollten mir meine dunkelsten Gedanken um jeden Preis meine Unzulänglichkeiten vor Augen führen. Und egal, wie sehr ich mich auch auf andere Dinge zu konzentrieren versuchte, ich kehrte doch immer zu der Finsternis in meinem Herzen zurück.
Als wäre ich verflucht.
Ich ballte die Hände zu Fäusten und schloss die Augen.
»Calea.«
Ruckartig sah ich auf und begegnete dem erstaunlich ruhigen Blick meiner Mutter. Ich hatte damit gerechnet, dass sie früher oder später bei mir auftauchen würde, nur hatte ich gehofft, dass es eher später sein würde.
»Darf ich mich eine Weile zu dir setzen?«
Resigniert ließ ich die Schultern sinken und betrachtete sie einen Moment lang schweigend. Meine Mutter, Königin Elyanor, Herrscherin über den Hades und als Dämon-Iljos-Mischling eines der mächtigsten Wesen der Übernatürlichen Welt. Alles an ihr strahlte so mühelos Macht aus, wie andere atmeten oder ihren Namen buchstabierten. Von ihren kunstvoll hochgesteckten, dunkelblonden Haaren, in denen eine goldene, geschwungene Krone saß, bis hin zu ihrem schwarzen, fließenden Kleid, das mit Goldfäden durchwoben und onyxfarbenen Diamanten besetzt war. Sie war eine Königin durch und durch und manchmal fiel es mir schwer zu glauben, dass ich wirklich ihre Tochter war. Dass in unseren Adern dasselbe Blut floss.
Als ich nichts erwiderte, betrat meine Mutter den Balkon, wobei ihr Kleid leise raschelte, und ließ sich dann neben mir nieder. »Ryker hat mir erzählt, dass du mit Atarah am Strand warst.« War ja klar, dass er gepetzt hatte. Für Ryk war Loyalität alles. »Nicht, um dich zu verraten, Calea, sondern weil er sich Sorgen um dich macht«, fuhr sie fort.
Ich verzog das Gesicht. »Raus aus meinen Gedanken, Mom.«
Ein Mundwinkel zuckte, doch das halbe Lächeln schaffte es kaum über ihre Lippen hinaus. Die Königin wirkte seltsam erschöpft.
Wegen mir?
Es war ja nicht das erste Mal, dass ich mich aus dem Palast gestohlen hatte.
»Wir machen uns alle Sorgen um dich. Ich weiß, dass du es nicht leicht hast, Calea. Dass es dir schwerfällt, mit dem zu leben, was dich in deinen Augen so offensichtlich von allen anderen unterscheidet. Aber nichts davon ändert etwas daran, dass du uns wichtig bist. Du bist eine Dämonin und unsere Tochter, ob mit oder ohne Magie und … wir wollen nicht, dass du dich noch weiter zurückziehst, weil du glaubst, dass du dich verstecken musst. Dass du nicht dazugehörst. Denn das stimmt nicht.«
Ich presste die Lippen aufeinander. »Kannst du es mir verdenken?« Meine Antwort kam schärfer als beabsichtigt, alte Wut und Verbitterung sprachen aus jeder einzelnen Silbe.
Hero drückte sich enger an meine Seite. Sie ist deine Mutter, Cat, vergiss das nicht.
»Nein, Schätzchen. Ganz im Gegenteil. Ich verstehe dich, ich kenne das Gefühl, anders zu sein und nicht ins Bild zu passen.«
Meine Mutter hatte uns schon oft von ihrer Kindheit und Jugend erzählt. Von ihrer Zeit in London, in der sie erfahren hatte, warum sie sich in all den Jahren so anders gefühlt hatte. Doch im Gegensatz zu mir war sie durch ihre Andersartigkeit nur mächtiger geworden. Mom war jemand ganz Besonderes, die Brücke zwischen zwei Welten, die sich jahrhundertelang bekriegt hatten, der Schlüssel zum Frieden, während ich … ein Niemand war.
»Aber vertrau mir, wenn ich dir sage, dass es nicht für immer so sein wird. Du bist jetzt neunzehn Jahre alt und –«
»Und was?«, fuhr ich dazwischen und sprang so hastig von der Umrandung herunter, dass Hero fauchend zurückwich und das Fell sträubte. »Glaubst du wirklich, dass sich dadurch irgendetwas verändern wird? Du und Vater habt es mir selbst gesagt: Ich bin so geboren worden. Eine Folge der Tatsache, dass Ryker und ich Zwillinge sind. Er hat die Fähigkeiten und Superpower bekommen und ich … nichts. Es bräuchte ein Wunder, um etwas daran zu ändern und du solltest am besten wissen, dass Wunder nicht existieren. Nicht einmal in der verfluchten Hölle.«
Ein dunkler Schmerz flog über die Züge meiner Mutter und ließ ihre grauen Augen leuchten. »Du wirst es verstehen. Bald«, war alles, was Mom erwiderte, ehe sie ihren Blick auf die Hauptstadt richtete.
Ich stieß den Atem aus und stützte mich schwer auf das Geländer. »Nein, das glaube ich nicht.«
Behutsam, beinahe so, als würde sie fürchten, dass ich ebenso fauchend zurückweichen würde wie zuvor Hero, legte sie eine Hand auf meine. Unzählige goldene Ringe funkelten an ihren schlanken Fingern und mittendrin der Ring, der sie an meinen Vater band.
»Du wärst überrascht, wie viele Dinge es zwischen Himmel und Hölle, zwischen Erde und Feuer gibt, mein Kind.« Verständnislos sah ich sie an. »Es gibt für alles eine Erklärung und einen Grund. Auch für dich. Und wenn du ihn einmal erkannt hast, wird sich alles ändern, Calea. Alles, was du brauchst, ist Geduld und Offenheit für das Verborgene.«
Ich verzog das Gesicht zu einer beinahe gequälten Maske. »Ich habe es noch nie gemocht, wenn du in Rätseln sprichst, Mom.«
Lächelnd drückte sie meine Finger und sah in den nur noch schwach glühenden Himmel.
Stirnrunzelnd folgte ich einem dunklen Schatten, der in einiger Entfernung durch die Luft schoss – vermutlich einer der Wachposten, die patrouillierten –, und löste mich dann von meiner Mutter. »Vielleicht sollte ich gehen.«
Die Königin zog die Augenbrauen zusammen und schüttelte den Kopf. »Nein. Das kommt nicht infrage. Dein Zuhause ist hier, Calea.«
»Zuhause? Wie kann der Hades mein Zuhause sein, wenn ich nicht hierher passe?« Ich stieß mich von der Brüstung ab und fasste meine langen hellbraunen Haare zu einem unordentlichen Knoten zusammen.
»Sag so etwas nicht. Du passt hierher. Du gehörst hierher.« Der Nachdruck in ihren Worten hinterließ einen seltsamen Geschmack auf meiner Zunge.
Mir kam ein freudloses Lachen über die Lippen. »Ach ja? In mir fließt nicht ein Tropfen magisches Blut, Mom. Ich bin eine Enttäuschung. Schwach. Ich habe nichts im Hades verloren und das weißt du auch. Oder warum sonst versteckt ihr mich wie euer kleines schmutziges Geheimnis?« Herausfordernd breitete ich die Arme aus und zuckte erschrocken zurück, als kleine Funken über die Haut meiner Mom zuckten. Ein Zeichen ihrer Wut und der Beweis, dass sie kurz davor war, ihre Geduld zu verlieren.
»Du bist kein schmutziges Geheimnis. Wie kommst du auf die Idee? Wir tun alles, um dich zu schützen. Jeden Tag. Du hast keine Vorstellung davon wie –«
»Ich habe keine Vorstellung? Du hast doch keine Ahnung davon, wie es ist, ich zu sein. In jeder einzelnen Sekunde damit konfrontiert zu werden, wie wenig man in sein eigenes Leben passt!« Meine Stimme war zu einem Fauchen geworden und Tränen brannten in meinen Augen. »Ryker und Jade – sie haben alles, verflucht noch mal. Sie sind alles. Sie könnten mich mit einem Fingerschnipsen auslöschen. Wie eine gewöhnliche Sterbliche.«
Eine einzelne Träne rann über die Wange meiner Mutter, während sie mich wortlos ansah.
»Eine Sterbliche … warum also sollte ich nicht genau dorthin gehen, wo ich so offensichtlich hingehöre?« Aufgebracht fuhr ich mir übers Gesicht und drehte der Königin den Rücken zu. »In der Welt der Menschen wäre ich zumindest endlich normal.«
Ich kniff die Augen zusammen und kämpfte gegen das Brennen in meinem Hals an. Mit jedem stolpernden Herzschlag in meiner Brust hatte ich das Gefühl, weniger Luft zu bekommen. Plötzlich schien der Balkon zu klein, schien mich regelrecht zu erdrücken, obwohl sich über uns der unendliche Himmel ausbreitete. Ein Himmel, der wirkte, als würde er auf mich herabstürzen.
»Warum könnt ihr mich nicht einfach gehen lassen?«, flüsterte ich nach einer kleinen Ewigkeit, in der es beinahe gespenstisch still gewesen war.
Ich hörte meine Mutter tief Luft holen. »Das können wir nicht.«
»Warum?« Eine Träne löste sich aus meinem Augenwinkel, eine zweite und dritte folgten, als ich zur Königin herumfuhr. »Wieso sperrt ihr mich ein? Ich bin alt genug, kein Kind mehr, wieso … wieso lasst ihr mich nicht einfach mein Leben leben?«
Das Gesicht meiner Mutter wurde beinahe ausdruckslos. Das verräterische Schimmern war aus ihrem Blick verschwunden, genauso wie jedes Anzeichen von Schmerz. Als hätte sie ihre Gefühle einfach ausgeschaltet. Als würde sie bei dem Anblick meines Schmerzes nicht das Geringste fühlen.
»Du wirst nicht gehen, Calea. Du wirst den Palast nicht verlassen.«
Ich ballte die Hände zu kraftlosen Fäusten. »Was willst du tun? Mich in Ketten legen? Ihr könnt mich nicht dazu zwingen«, hielt ich dagegen, obwohl ich es besser wusste. Es bräuchte nur einen winzigen Wink ihres kleinen Fingers, um mich an Ort und Stelle zu halten.
Weil ich schwach war.
Weil ich ihrer Magie nicht das Geringste entgegenzusetzen hatte.
Weil ich machtlos war.
»Du wirst den Palast nicht verlassen«, wiederholte sie nur und senkte den Blick, als könnte sie mir nicht länger in die Augen schauen. Ein Anflug von Bedauern und Qual zuckte über ihre Miene. »Das ist mein letztes Wort.«
Dann wandte sie sich, ohne mich ein weiteres Mal anzusehen, ab, und ließ mich alleine auf dem Balkon zurück. In meinem Gefängnis, das schwerer auf mir wog, als jede Kette es gekonnt hätte. Und ich fragte mich unwillkürlich, wie lange ich dieses Gewicht noch ertragen konnte, bis es mich unter sich begraben würde. Bis ich zusammenbrechen würde – einfach so, weil mein Schicksal es so entschieden hatte.
Calea.
Der unruhige Traum aus Dunkelheit und verworrenen Schemen löste sich schlagartig auf, als mein Name durch den Wall des Schlafs brach.
Calea.
Ich blinzelte, rollte mich knurrend auf die andere Seite – und landete unsanft auf dem harten Boden.
Was zum …?
Mit einem gemurmelten Fluch öffnete ich die Augen und richtete mich langsam auf. Statt in meinem Bett, lag ich auf den schwarzen Dielen zwischen Kamin und der blutroten Samtchaiselongue. Das Feuer war längst heruntergebrannt und mein Schlafzimmer lag in dämmriger Dunkelheit vor mir.
Ich musste beim Lesen eingeschlafen sein, zumindest entnahm ich das dem aufgeschlagenen Wälzer, der noch immer auf dem weichen Stoff der Chaiselongue lag.
Gähnend kam ich auf die Beine und sah zu den großen Fenstern, hinter denen der Hades noch immer in trüber Dunkelheit lag. Es war also noch mitten in der Nacht, was zum Teufel hatte mich dann geweckt?
Ich schlang die Arme um mich und ließ den Blick zu Heros großem Kissen wandern, auf dem er normalerweise schlief. Doch jetzt war es verlassen und wo sein ruhiges Schnarchen sonst immer das Schweigen der Nacht füllte, lag Stille.
Irgendetwas stimmt nicht.
Ich lief durch mein Zimmer und schnappte mir einen dicken Pullover von einem der Sessel, der unter der Flut an Klamotten jeden Moment zusammenzubrechen drohte, und runzelte die Stirn.
Irgendetwas hatte mich aus dem Schlaf gerissen, nur …
Calea.
Ich fuhr heftig zusammen und drehte mich hastig um die eigene Achse. Eine Gänsehaut breitete sich über meinen gesamten Körper aus, während es mir eiskalt den Rücken hinunterlief.
»Wer ist da?«
Natürlich bekam ich keine Antwort. Wo auch immer diese körperlose Stimme herkam, ich konnte es in dem Dämmerlicht nicht ausmachen.
Calea, komm zu mir, erwiderte die tiefe, männliche Stimme. Eine Stimme, die ich nie zuvor gehört hatte.
Ich krallte die Finger in den Saum meines schwarzen Pullovers und pustete mir eine verirrte Strähne aus der Stirn. Die vielen filigranen Ketten um meinen Hals klimperten leise.
»Wer bist du?«
Jemand, der dir Antworten geben kann.
Ein schauriges Lachen huschte durch meinen Geist und ich hatte das Gefühl, jeden Moment den Verstand zu verlieren. Träumte ich? Halluzinierte ich?
Weder noch. Du bist im Akym – einer Ebene zwischen Wirklichkeit und Traum, zwischen den Lebenden und den Toten. Ein fragiles Konstrukt, dessen Tor sich nur zu besonderen Anlässen überhaupt öffnet. Einem neunzehnten Geburtstag beispielsweise. Du solltest diese Gelegenheit nutzen.
»Du kannst meine Gedanken lesen.« Wieder drehte ich mich um meine eigene Achse, in dem Glauben, jeden Moment einen Dämon oder sonst jemanden aus den Schatten treten zu sehen.
Ich kann noch viel mehr, aber dafür musst du zu mir kommen, Calea.
»Ist das ein Trick?«
Kein Trick, du hast mein Wort. Du wirst schnell feststellen, in dieser Ebene kann dir kein Leid geschehen. Niemand kann dich sehen oder hören. Niemand, außer demjenigen, der das Akym gezogen hat. Wir beide sind unter uns. Nur du und ich.
Ich rümpfte die Nase. Von etwas Derartigem hatte ich noch nie gehört oder gelesen. »Warum solltest du das tun?«
Weil ich etwas für dich habe, von dem ich glaube, dass man es dir nicht noch länger vorenthalten sollte.
Ein Schauer fuhr durch mich hindurch. »Wovon sprichst du?«
Finde es heraus, Calea. Ich erwarte dich.
»Moment! Wo?« Reflexartig machte ich einen Schritt nach vorne.
Auf dem Hauptplatz in Aker. Triff mich dort und zögere nicht zu lange. Dieses Akym existiert nur für diese eine Nacht.
Ich schüttelte den Kopf. »Ich kann nicht aus dem Palast, ich …« Zähneknirschend brach ich ab. Ich bin eine Gefangene.
Ticktack … die Zeit läuft, Calea.
Meine Nackenhärchen stellten sich auf, dann war das fremde Bewusstsein aus meinem Geist verschwunden. Ich fuhr mir durch die wirren Haare und sah zwischen Bett und Tür hin und her.
Ich kann nicht aus dem Palast …
… doch kannst du, hielt meine innere Stimme dagegen. Das hier ist dein Traum. Ein abgedrehter, verrückter Traum, aber immer noch dein Traum.
Langsam atmete ich ein und aus und nickte mir selbst zu. Mein Traum. Meine Regeln. Ich würde ganz sicher nicht zulassen, dass mir der Käfig meiner Eltern auch noch die Freiheit im Schlaf raubte.
Entschlossen griff ich mir Köcher und Bogen – selbst im Traum sollte man nicht unbewaffnet durch die Höllenhauptstadt laufen – und verließ mein Schlafzimmer.
Bereits nach ein paar Schritten stellte ich fest, dass die körperlose Stimme recht gehabt hatte. Keine der vor meiner Tür oder auf den Gängen postierten Wachen bemerkte mich. Beinahe so, als wäre ich Luft. Genauso unsichtbar, wie ich mich immer gefühlt hatte. Selbst als ich auf einen der Soldaten mit einem lauten Buh zusprang – wenn das kein Beweis war, dass ich den Verstand verloren hatte –, kam keine Reaktion.
»Was geht hier vor?«, murmelte ich, während ich den breiten Korridor des Stockwerks durchquerte, auf dem die Gemächer von Ryker, Jade und mir lagen.
Es war so still. Bis auf das viel zu schnelle Schlagen meines Herzens hörte ich nicht das geringste Geräusch. Als wäre der Palast ausgestorben. Als wäre ich nicht länger ein Teil der realen Welt.
Ich beschleunigte meine Schritte, folgte dem von Fackeln erleuchteten Gang ins ausladende Treppenhaus und stieg dann die dunklen Stufen hinab bis ins Erdgeschoss. Niemand hielt mich auf, als ich die gewaltige Eingangshalle mit der schwindelerregend hohen, gewölbten Decke durchquerte und die massiven Türgriffe umschloss. Niemand warnte mich, im Palast zu bleiben, als ich den Zugang öffnete und über die Schwelle trat. Niemand rief meinen Namen, als ich nach draußen ging und die Festung hinter mir ließ.
Eine prickelnde Mischung aus Euphorie und Furcht durchströmte mich und wurde mit jedem Schritt, den ich mich vom Palast entfernte, drängender.
Euphorie darüber, dass ich das erste Mal seit neunzehn Jahren Aker sehen würde, und Furcht davor, was passieren würde, sollte dieser Traum oder Akym oder was auch immer es war, plötzlich enden.
Darüber kannst du dir später noch Gedanken machen. Genieß es, solange du kannst. Sei frei.
Ich schluckte meine Angst herunter, sah ein letztes Mal zu der dunklen Festung zurück, dann wandte ich mich ab und rannte los.
Die Dimensionen im Akym mussten andere sein, denn ich erreichte den Hauptplatz von Aker schneller, als es mir eigentlich zu Fuß hätte möglich sein sollen. Vielleicht hatte ich aber auch längst jedes Gefühl von Zeit und Raum verloren.
Deutlich langsamer als noch zuvor setzte ich einen Fuß vor den anderen und betrat den weitläufigen runden Platz, in dessen Mitte ein gewaltiger Brunnen aus poliertem Onyx aus dem Boden ragte. Verschlungene Kreaturen, halb Schlange, halb Dämon, zierten das Konstrukt, das meine Eltern dort hatten errichten lassen, wo meine Mutter vor so vielen Jahren Beliar getötet hatte. Den Teufel. Meinen Großvater.
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und trat an den Brunnen. Das Wasser darin floss in der Traumwelt wie dickflüssiger Honig und gegen die natürliche Richtung. Von unten nach oben. Vom Becken zur Quelle.
Mit schief gelegtem Kopf streckte ich eine Hand nach dem Wasser aus und zuckte zurück, als meine Finger hindurchglitten, als bestünde ich nicht länger aus Materie.
»Bei der Hölle …«
»Ich fürchte, die Hölle trägt daran keine Schuld.«
Mit rasendem Puls fuhr ich herum und riss die Augen auf, als ich erkannte, wer vor mir stand.
»Du … du bist nicht real. Du bist tot.«
Der Mann vor mir verzog die Lippen zu einem dünnen Lächeln. Ein Lächeln, das die Macht besaß, durch Fleisch zu schneiden und tiefe, klaffende Wunden zu hinterlassen. »Bin ich das?« Der Mann ließ seinen Blick aufmerksam über mich schweifen, ein unnatürliches Funkeln trat in seine dunklen Augen.
Nein, das war kein Mann. Das vor mir war der Teufel. Der Teufel, der durch Moms Klinge getötet worden war, bevor sie seinen Platz als Herrscherin der Hölle eingenommen hatte. Der Teufel – Beliar. In makellosem, schwarzen Dreiteiler, genauso, wie er in all den Büchern gezeigt wurde.
Ich machte stolpernd einen Schritt rückwärts und stieß gegen den unnachgiebigen Stein des Brunnens. »Du hast mich hergelockt. Das ist ein Trick!« Meine Stimme sprang eine Oktave nach oben und klang selbst in meinen Ohren schrill.
»Nein, Calea, ich habe dich gebeten zu kommen und du bist dieser Bitte gefolgt.«
»Was willst du von mir?« Angst kroch mein Rückgrat hinab.
Beliar versenkte die Hände in den Taschen seines schwarzen Mantels und legte den Kopf leicht schief, als würde er meine Furcht nicht nachvollziehen können. »Ich möchte den Fehler, den meine missratene Tochter und ihr nichtsnutziger Gemahl gemacht haben, beseitigen.«
Ich riss die Augen auf. »Du wirst mich töten.« Eine Feststellung, keine Frage.
»Nein. Du bist nicht der Fehler, von dem ich spreche. Wenn überhaupt, bist du die Leidtragende in dieser Tragödie. Erstaunlich, dass dir das nie in den Sinn gekommen ist. Dabei trägst du sogar das Blutmal genau dort, wo es sein sollte.« Die Ehrlichkeit in seinen Worten ließ mich aufhorchen, doch ich wusste, dass das seine größte Stärke war. Sein Trumpf. Beliar war ein Meister der Täuschung und Manipulation gewesen, ein Genie im Beeinflussen von Gefühlen.
Reflexartig legte ich eine Hand an das längliche, rotbraune Feuermal unter meinem linken Auge. Ein weiterer Makel, der mich von meiner Familie unterschied. »Wovon sprichst du?«
»Davon, dass man dir das größtmögliche Leid angetan hat, etwas, das nicht einmal ich zu meinen Zeiten gewagt hätte.«
In mir zog sich etwas schmerzhaft zusammen, als ich an die Härte in der Stimme meiner Mutter dachte. Daran, dass sie mich ein weiteres Mal abgewiesen und eingesperrt hatte.
»Elyanor und Royath haben dir dein Geburtsrecht verwehrt. Deine Macht. Deinen innersten Kern in Ketten gelegt.«
Mein Herz geriet ins Stolpern, während ich zu begreifen versuchte, was Beliar da sagte. Es gelang mir nicht.
»Ich besitze keine Macht«, gab ich leise zurück und schluckte. »Ich besitze gar nichts.«
Resignation machte sich in mir breit. Für einen winzigen Moment hatte ich geglaubt, das hier wäre wahr. Beliar, seine Andeutungen, dass dieses Wunder, auf das ich insgeheim immer gehofft hatte, doch existierte. Dass es eine Erklärung gab. Doch ich hatte mich geirrt. Das hier war ein Traum und Beliar und seine Worte reines Wunschdenken.
»Haben sie dir das gesagt?« Beliar lachte leise. »Welch teuflische Züge meine ach so friedliebende Tochter doch angenommen hat.«
Irgendetwas an seinem Tonfall ließ neue Wut in mir aufsteigen und überlagerte meine Furcht mühelos.
»Was soll das? Was sollen all diese Andeutungen und Lügen?«
»Ich bin der Teufel, Calea, ich lüge nicht. Jedes meiner Worte entspricht der Wahrheit und ich bin bereit, dir die Antworten zu geben, nach denen du dich schon seit so langer Zeit sehnst. Welchen Beweis brauchst du noch, um nicht noch mehr unserer wertvollen Zeit zu vergeuden?«
Nein, du bist nicht der Teufel. Der Teufel ist mit dir gestorben, Beliar, als meine Mutter Königin der Hölle geworden ist!
Ich knirschte mit den Zähnen und machte einen Schritt in seine Richtung. »Beweis mir, dass das hier kein Traum ist! Kein Hirngespinst meiner Gedanken.« Meine Stimme zitterte merklich. »Beweis mir, dass ich nicht vollkommen den Verstand verloren habe.«
Seufzend fuhr sich Beliar übers Kinn, dann überwand er die Distanz zwischen uns so schnell, dass mir ein überraschter Laut über die Lippen kam, als er plötzlich direkt vor mir stand.
»Nun gut.«
Im nächsten Moment hatte er auch schon nach meinem rechten Arm gegriffen und zog mit einem seiner langen, schwarzen Nägel eine Linie um mein Handgelenk. Meine Haut öffnete sich sofort und dunkles Blut sickerte aus dem Schnitt, der sich wie ein grausames Armband um meinen Unterarm wand.
Ich schrie auf. Tränen traten mir in die Augen, während ich gegen seinen schraubstockartigen Griff ankämpfte – und abrupt zurücktaumelte, als er mich wieder freigab.
»Wenn du erwachst, wird aus dem Schnitt eine Narbe geworden sein. Der Beweis, dass jede einzelne Sekunde unseres Treffens der Wahrheit entsprochen hat. Das Akym ist real, Calea. Du bist real.«
Mit klopfendem Herzen presste ich meinen verletzten Arm an meinen Oberkörper und funkelte Beliar aus verengten Augen an. »Du bist wahnsinnig.«
»Und du wolltest einen Beweis, Calea. Sei vorsichtig mit deinen Forderungen, es gibt genügend verdorbene Kreaturen in dieser und jeder anderen Welt, die nur allzu bereit sind, sie dir zu erfüllen.« Beliars Stimme war hart und kalt geworden. »Bist du nun gewillt, mir zuzuhören?« Wortlos schob ich das Kinn nach vorne. »Gut, denn uns läuft die Zeit davon. In wenigen Minuten wirst du in deinem hübschen, weichen Bett aufwachen und dieses Akym wird Vergangenheit sein, also hör mir jetzt ganz genau zu.« Mein Herzschlag beschleunigte sich und trommelte in meiner Brust, als wollte es mir die Rippen zertrümmern. »Du bist nicht ohne Macht geboren worden, Calea. Ganz im Gegenteil. Dir wohnt eine ungeheure Macht inne. Stärker und einzigartiger als die deiner Mutter und weitaus mächtiger als die deiner Geschwister zusammengenommen.«
Verwirrt schüttelte ich den Kopf. »Nein. Nein, das ist nicht wahr.«
Beliar überging meine geflüsterten Worte. »Bei deiner Geburt haben Elyanor und Royath deine Macht gebunden. Sie hatten Angst, dass es ihnen ergeht wie mir. Dass ihr eigenes Kind sich gegen sie wenden wird.«
»Das … das würde ich nie tun …«
Eine seiner schwarzen Augenbrauen zuckte nach oben. »Keiner von ihnen war bereit, das Risiko einzugehen, das von einem erstgeborenen Zwilling ausgeht, also haben sie es gebannt. Sie haben dich gebannt.«
Ich konnte nur wieder und wieder den Kopf schütteln. »Ryker ist der ältere von uns … der mächtige.«
»Rykers Macht erblasst neben deiner, Calea. Und ich kann dir sagen, wie du zurückerhältst, was man dir niemals hätte nehmen dürfen.«
Heiße Tränen liefen mir über die Wangen. Das konnte nicht wahr sein, das durfte ganz einfach nicht wahr sein. Mutter und Vater würden mir so etwas niemals antun.
Bist du dir da sicher?
Die kleine, schneidende Stimme in meinem Inneren verschaffte sich mehr und mehr Gehör.
Kannst du das mit Sicherheit sagen?
»Du bist mächtig. Du besitzt eine überaus starke und wertvolle Magie und ich kenne jemanden, der die Fesseln, die dein Innerstes zurückhalten, lösen kann.«
Meine Sicht verschwamm, als etwas in mir riss. »Warum erst jetzt?«
»Weil ich bis zu deinem neunzehnten Geburtstag warten musste, um dich erreichen zu können.« Natürlich schwang keine Spur von Bedauern in seinen Worten mit, Beliar war selbst in dieser Zwischenebene immer noch der Teufel – meine Mutter mochte die Hölle übernommen haben, doch Beliar war und blieb der Teufel – aber ich bildete mir ein, eine gewisse Spur von Anteilnahme aus seiner Stimme herauszuhören.
Fesseln lösen … wertvolle Magie…
Das, was ich mir immer gewünscht hatte, schien zum Greifen nah. Eine Erklärung.
Mein Wunder. Zu schön, um wahr zu sein.
Ich blickte ruckartig auf und wischte mir über die feuchten Augen. Eine ganz andere Art von Prickeln machte sich in mir breit und befeuerte meine Nervenenden. »Wer? Wer kann mich befreien?« Ich erkannte meine Stimme kaum wieder. Die Härte darin und die fragile Hoffnung.
Beliars Mundwinkel zuckte und vermutlich hätte mir das eine Warnung sein sollen. Vermutlich hätte ich mich in diesem Moment abwenden und verschwinden sollen, doch … doch meine Neugier war größer. Der unbändige Wunsch, endlich dazuzugehören. Endlich ich und vollständig zu sein.
»Du musst den Hades verlassen und nach Schottland reisen. Weit im Norden gibt es einen Ort namens Sinclair Girnigoe, dort wirst du die Person finden, die deine Ketten lösen kann. Dein Dämonenblut wird dir den Weg weisen.«
Ich erschauderte. Den Hades verlassen.
»Warum? Warum tust du das? Was hast du davon?«
Beliar fuhr das Feuermal unter meinem Auge nach, wobei seine schwarzen Nägel über meine Haut kratzten. »Lass mich so viel sagen, kleine Calea, ich mag der Teufel sein, aber auch ich habe gewisse Moralprinzipien, an die ich mich halte. Und ich dulde keine Verletzung dieser Grundsätze – nicht einmal über meinen Tod hinaus.« Er ließ von mir ab und sah mir in die Augen. »Ich fürchte, das muss dir genügen. Und was den Rest betrifft … du wirst deine Antworten finden. Darauf gebe ich dir mein Wort als Teufel.«
Ich schlug keuchend die Augen auf. Um mich herum nahm mein Zimmer nach und nach Gestalt an. Hero schnarchte auf seinem Kissen und das orangefarbene Licht eines neuen Tages flutete jeden Winkel meiner Gemächer.
Hastig rutschte ich in den Kissen nach oben und zog dann ungeduldig meinen rechten Arm hervor.
Es war ein Traum. Ein grausamer, brutaler Traum, der mit meinen dunkelsten –
»Bei den ewigen Flammen …«
Mit bebenden Fingern fuhr ich die rötliche Narbe nach, die sich wie ein blutiges Armband um mein Handgelenk schlang.
Kein Traum.
Es war real gewesen. Beliar. Seine Erklärungen … Das, was meine Eltern getan hatten.
Mein Wunder. Sie haben mir mein Wunder genommen.
Ich presste die Lippen zu einer schmalen Linie zusammen und kämpfte gegen das Brennen in meinen Augen an. Wie konnten sie mir das antun?
Sie hatten mich belogen.
Sie hatten mich in Ketten gelegt.
Und sie hatten mir gestohlen, was mir von Geburt an zustand.
Ich atmete zittrig aus und biss die Zähne zusammen.
Meine Mutter hatte recht gehabt. Es gab eine Erklärung für all das. Eine Erklärung, die das Gewicht von meiner Brust nehmen und mich befreien konnte. Und ich würde sie finden.
Nur nicht hier.
Meine Antworten lagen irgendwo da draußen und wie auch immer diese aussehen mochten, was auch immer mich dort erwarten würde, alles war besser, als noch weitere neunzehn Jahre im Palast eingesperrt zu sein. Das hier war meine Chance. Vielleicht die Einzige, die ich jemals bekommen würde.
Entschlossen schlug ich die Decke zur Seite und sprang aus dem Bett.
Es war Zeit, den Hades zu verlassen.
Mit einem leisen Ächzen hievte ich die Kiste aus dunklem Holz auf den Tisch und ließ die Scharniere aufschnappen. In der Stille der Waffenkammer war das Geräusch beinahe unnatürlich laut.
Bereits den ganzen Morgen über war ich im Kopf eine mentale Liste von Dingen durchgegangen, die ich für meine Reise benötigen würde. Und dazu zählten definitiv Waffen. Denn auch wenn ich Beliars Hinweisen nachgehen würde, er war immer noch der Teufel – Akym-Ebene und verdrehter Traum hin oder her. Ich würde mich ganz sicher nicht blindlings und unbewaffnet auf diese Mission begeben, von der ich kaum erahnen konnte, was sie alles für mich bereithalten würde.
Mit einem Satz hievte ich mich auf den ausladenden Tisch, der beinahe die gesamte freie Fläche der persönlichen Waffenkammer der Herrscherfamilie einnahm, und ließ mich im Schneidersitz vor der Truhe nieder. Ihr Holz war abgenutzt, ein wenig rissig und in der rechten Ecke des schweren Deckels prangten windschiefe, eingeritzte Buchstaben. Lächelnd strich ich mit dem Finger darüber und erinnerte mich zurück an den Tag, an dem sie entstanden waren – an dem wir die alte Truhe zu unserer Truhe gemacht hatten.
Ryker und ich hatten uns als Kinder immer wieder in die Waffenkammer geschlichen, wir waren vielleicht sechs oder sieben gewesen, und hatten hier drin ein Abenteuer nach dem anderen erlebt. Mit Waffen, die wir kaum hatten heben können, und Bögen, für deren Spannkraft wir noch zu schwach gewesen waren. Für mich waren diese Stunden die schönsten meiner Kindheit gewesen. Ryker war an meiner Seite geblieben, anstatt draußen mit den anderen zu spielen, weil ich nicht aus dem Palast durfte. Schon damals hatte mein Bruder immer zuerst an mich gedacht, bevor er sich Gedanken um sich selbst gemacht hatte.
Wenn wir drinnen bleiben müssen, dann bringen wir eben das Abenteuer zu uns, Cat. Keine große Sache, hatte Ryker schulterzuckend gesagt, sich meine Hand geschnappt und mich in die Tiefen der Waffenkammer gezogen.
Keine große Sache, für mich aber hatte es die Welt bedeutet.
Calea & Ryker
Langsam fuhr ich die krakeligen Buchstaben nach und verlor mich noch einen Augenblick länger in der Erinnerung, wie Ryker unsere Namen mit einem gebogenen Messer ins Holz geritzt hatte, ehe ich die Kiste öffnete. Unzählige kleine Schätze, jeder einzelne davon eine winzige Momentaufnahme vergangener Tage, lagen darin verstreut und waren seit Jahren unangetastet geblieben. Ich entdeckte zwei Bündel schwarzgefiederter Pfeile, die Ryk und ich aus den Stacheln eines Sryll-Dämons angefertigt hatten, die kleinen Klingen, mit denen wir unsere ersten Übungsstunden absolviert hatten, und den alten Dolch unserer Mutter.
Bist du dir immer noch sicher, dass das die richtige Entscheidung ist? Hero sprang neben mir elegant auf den Tisch und streifte um die Truhe.
»Ich denke, das kann ich dir erst sagen, wenn ich es gemacht habe.«
Mein Kami-Dämon legte den Kopf schief, sodass sich das Fackellicht in seinen kleinen Hörnern spiegelte. Keine gute Voraussetzung für etwas, das dich den Kopf kosten könnte, Prinzessin.
Kopfschüttelnd stupste ich ihn an und griff beherzt nach den Pfeilen. »Was ist denn die Alternative? Hier sitzen und Däumchen drehen?«
Hero fauchte leise. Nachdenken wäre eine Option, bevor du dich kopflos auf ein Himmelfahrtskommando begibst. Du kennst die Menschenwelt nicht. Du hast die Festung noch nie verlassen.
»Und genau deswegen muss ich gehen.«
Weil es dir dein Wachtraum gesagt hat?
Ich verzog das Gesicht und legte Moms Dolch neben die Pfeile. »Kein Wachtraum, Hero, eine Chance.« Unwillkürlich wanderten meine Finger ein weiteres Mal zu der armbandartigen Narbe, die mir Beliar gestern Nacht verpasst hatte.
Es war kein Traum, sagte ich noch einmal in Gedanken zu Hero und sah ihm direkt in seine grünlichen Augen. Aber es steht dir natürlich frei, hierzubleiben, wenn du dich vor ein bisschen Menschenluft fürchtest.
Wieder fauchte er, dieses Mal lagen Empörung und Spott darin. Pah! Und dich allein losziehen lassen?
Schmunzelnd fuhr ich ihm über den weichen Kopf, wobei ich mich tunlichst von den kleinen, rasiermesserscharfen Hörnern fernhielt.
Zumal ich ja immer noch nicht dran glaube, dass du es überhaupt aus der Hölle herausschaffst. Und selbst wenn, Elyanor wird dich an den Haaren zurückschleifen.
»Ich bin froh, dass ich mich nach allem immer noch auf deinen Pessimismus verlassen kann.«
»Führst du schon wieder Selbstgespräche?«
Ich blickte auf und begegnete dem schiefen Grinsen meiner kleinen Schwester. Jade lehnte mit verschränkten Armen, gekleidet in Schwarz und Gold an einem der Regale und betrachtete mich mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Abneigung und Gleichgültigkeit.
»Jade«, begrüßte ich sie und hob fragend die Augenbrauen. »Womit habe ich die Ehre deines Besuchs hier unten verdient?«
Geschmeidig stieß sich Jade ab und schlenderte mit langen Schritten auf mich zu. Alles an meiner fünfzehnjährigen Schwester war elegant und geschmeidig. Beinahe katzenartig. Von ihrer schlanken Gestalt bis hin zu dem Funkeln in ihren goldbraunen Iriden, die sie von unserem Vater Royath geerbt hatte.
»Mir hat ein Vögelchen gezwitschert, dass du dich mal wieder hier runter verirrt hast.« Ohne mich aus den Augen zu verlieren, umrundete sie den Tisch und ließ einen ihrer langen Finger über das raue Holz gleiten. »Nur warum, frage ich mich.«
»Brauche ich einen Grund?« Herausfordernd legte ich den Kopf schief.
»Nach dem, was Mutter und Vater uns gestern beim Abendessen erzählt haben, ja.«
Ich setzte ein Pokerface auf. Auf keinen Fall wollte ich Jade zeigen, dass ich keine Ahnung hatte, wovon sie sprach. Die Genugtuung wollte ich ihr ganz sicher nicht geben. Aber vermutlich brauchte ich das, dem schiefen Lächeln, das ihre schmalen Lippen nun teilte, nach zu urteilen, auch gar nicht.
Sie mag jung sein, aber unheimlich ist sie trotzdem, murmelte Hero in meinen Gedanken. Unheimliches, kleines Biest.
»Schließlich können wir nicht zulassen, dass du dich noch einmal in Gefahr begibst.« Jade kam neben mir zum Stehen, ihr langer dunkelbrauner Pferdeschwanz wippte noch leicht. »Wozu also die Waffen?«
»Um mich nicht in Gefahr zu begeben«, wiederholte ich ihre Worte in demselben Singsang, in dem sie sprach, und schlug ihr die Truhe vor der Nase zu. »Kannst du nicht jemand anderem auf die Nerven gehen?«
Jade überkreuzte die Arme vor der Brust und betrachtete mich wie eine Jägerin ihre Beute. Irgendetwas an ihrem Blick jagte mir einen eiskalten Schauer über den Rücken. »Dabei möchte ich doch nur Zeit mit meiner großen Schwester verbringen. Du solltest dich über meine Gesellschaft freuen, sie ist weitaus kostbarer als die deines minderwertigen Kamis.«
Hero bleckte knurrend die Zähne.
Lass gut sein, Hero.
Ich kannte diese Seite an Jade. Wusste, woher sie kam und verstand sie sogar ein Stück weit. Jade war talentiert im Umgang mit ihren Fähigkeiten, aber egal, wie sehr sie sich auch anstrengte, sie blieb doch immer hinter Ryker und gewissermaßen sogar hinter mir zurück. Unsere Eltern hatten ihr gesamtes Augenmerk darauf gelegt, Ryker auf seine Rolle als Thronerben vorzubereiten und mich versteckt zu halten. Und Jade … sie war irgendwo dazwischen verloren gegangen.
Also ja, ich verstand Jade, was im Umkehrschluss jedoch nicht bedeutete, dass ich es duldete, dass sie ihre Unzufriedenheit an mir ausließ.
Kopfschüttelnd kraulte ich Hero und hob einen Mundwinkel. »In diesem Fall lehne ich dankend ab. Ich genieße die Gesellschaft meines minderwertigen Kamis zufälligerweise sehr.«
Ein Muskel an ihrem Kiefer zuckte. »Vater hat recht. Du solltest gänzlich unter Verschluss gehalten werden, bevor du noch mehr Schande über unsere Familie bringen kannst.«
Ich hasste es, wie sehr mich ihre Worte schmerzten. Hasste, dass sie sich wie Klingen in meine Eingeweide gruben und mehr brannten, als es jede physische Waffe jemals zustande gebracht hätte. Obwohl ich wusste, dass Dad so etwas niemals sagen würde. Die Lüge brannte trotzdem wie Säure.
»Verschwinde, Jade«, zischte ich.
Ihr Lächeln wurde breiter, dann zuckte sie mit einer ihrer schmalen Schultern. »Ich sage es ja nur. Du bist eine wandelnde Katastrophe und früher oder später werden auch Mutter und Vater das einsehen müssen. Denk an meine Worte, Catty.«
»Es reicht, Jade.«
Jade und ich fuhren gleichzeitig erschrocken herum. Ryker stand mit finsterer Miene im breiten Türrahmen und wirkte, als würde er sich jeden Augenblick in den Dämon verwandeln, der unter seiner Haut lauerte.
»Ryker«, erwiderte Jade und richtete sich merklich auf. Ich war mir ziemlich sicher, dass sie in der kurzen darauffolgenden Stille noch mehr zu ihm sagte. Über ihre mentale Verbindung versteht sich, sodass ich außen vor blieb.
»Davon will ich nichts hören. Geh, wir reden später.« Rykers Stimme war hart und unnachgiebig.
Ein Schatten flog über Jades Gesicht, dann verzog sie die Lippen zu einem Schmollmund. »Immer dann, wenn es spannend wird. Wir sehen uns nachher, Cat-Cat.«
Mit diesen Worten spazierte sie an Ryker vorbei aus der Waffenkammer, die Tür lautstark hinter sich zuwerfend.
Seufzend ließ ich den Atem entweichen, von dem ich nicht einmal gewusst hatte, dass ich ihn angehalten hatte. Ich runzelte die Stirn. »Ich weiß deinen Großer-Bruder-Einsatz zu schätzen, aber mit Jade wäre ich auch alleine klargekommen, Ryk.«
Unwillkürlich musste ich an die Andeutungen von Beliar denken, daran, dass ich die Ältere von uns beiden war.
»Bist du dir da sicher? Nicht einmal ich kann Jade bändigen.« Er grinste schief und kam näher. »Unsere Truhe. Hatte schon fast vergessen, dass es sie noch gibt.«
»Wirklich? Bei all den Abenteuern, die wir ihr zu verdanken haben?«
Ein Teil der Härte floss aus seinem Blick und ließ den Ryker durchschimmern, mit dem ich als Kind jede freie Minute verbracht hatte. »Du hast recht, das würde ich niemals vergessen. Was hast du damit vor?« Ryker griff nach dem Dolch unserer Mutter und drehte ihn langsam in den Händen.
»Trainieren«, gab ich zurück und hörte, wie meine Stimme automatisch schrill und irgendwie falsch klang.
Den Zweifeln nach zu urteilen, die sich nun auf die Züge meines Zwillingsbruders schlichen, war es Ryker ebenfalls aufgefallen.
»Es ist beinahe bemerkenswert, dass du nach neunzehn Jahren immer noch glaubst, mich belügen zu können.«
»Ich gebe eben nicht so schnell auf und liebe meine Prinzipien.«
Die Furchen auf seiner Stirn vertieften sich, dann legte er die Klinge zur Seite und lehnte sich mit überkreuzten Armen gegen den Tisch. »Ehrlich gesagt bin ich nicht hier runtergekommen, weil ich Jades unqualifizierte Meinung über dich gehört habe, Cat. Ich hatte gehofft, in Ruhe mit dir sprechen zu können.«
Ich horchte auf. »Weil ich das Geburtstagsabendessen versäumt habe?«
Ryker ging nicht auf die Ironie in meinen Worten ein, sondern betrachtete mich nur mit undurchdringlicher Miene. »Nein, weil Mutter mir von deiner Idee erzählt hat, zu verschwinden, und ich in deinem Zimmer eine halbgepackte Tasche gefunden habe.«
Mein Herz machte einen ungesunden Sprung. »Seit wann spionierst du mir nach?!«
»Ich spioniere dir nicht nach, Calea, ich war in deinen Gemächern, weil ich dich gesucht habe. Jeder hätte über die Tasche stolpern können«, zischte er mit gedämpfter Stimme. »Was soll das? Du hast noch nie davon gesprochen, dass du den Hades verlassen willst. Ich weiß, dass du dich eingesperrt fühlst, aber … gehen? Möchtest du das wirklich?«
Ertappt sah ich zur Seite.
»Was hat sich geändert?«
Sein sanfter Tonfall ließ mich wieder zu Ryker schauen, direkt in seine graublauen Augen, die meinen so ähnlich waren. Sorge stand darin, eine gänzlich andere Sorge als die, die darin lag, wenn ich mich mal wieder an den Strand geschlichen oder ein Familienessen geschwänzt hatte. Es war echte Sorge, die tiefer ging, als mir lieb gewesen wäre.
»Rede mit mir.«
Der Teil in mir, der auf einer tieferen Ebene mit Ryker verbunden war, drängte mich dazu, ihm von Beliar zu erzählen. Davon, dass es womöglich einen Ort gab, an dem ich Antworten auf all meine Fragen finden würde. An dem ich erfahren konnte, warum ich so anders war. Doch der andere Teil warnte mich davor, den Mund aufzumachen. Was wäre, wenn er mich aufhalten würde, wenn er erfuhr, dass mich ausgerechnet Beliar angestoßen hatte? Oder wenn Ryker wusste, dass unsere Eltern meine Macht gebunden hatten? Wenn er es billigte und unterstützte?
Das würde ich nicht verkraften.
Mutter und Vater … ihr Verrat schmerzte, aber ich zwang mich dazu, nicht zu sehr darüber nachzudenken und mich stattdessen auf diese Chance zu konzentrieren. Würde sich jedoch herausstellen, dass auch Ryker in diese Sache verwickelt war …
»Hey.« Ryker griff nach meiner rechten Hand und fluchte, als er das blutrote Narbenarmband bemerkte. »Bei der Hölle! Calea, was ist das?!« Hastig riss ich meinen Arm zurück, doch Ryker war schneller und stärker. Seine Augen nahmen ein goldenes Leuchten an. »Was. Ist. Das?! Hast du dir das angetan?!«
»Spinnst du?! Nein, das ist …« Ich brach ab und schüttelte den Kopf. »Das verstehst du nicht.«
»Da hast du recht! Ich verstehe es nicht. Die Tasche. Diese Narbe. Dein seltsames Verhalten. Seit wann hast du Geheimnisse vor mir, Calea?!«
Als ich mich dieses Mal von ihm losmachte, ließ er es zu. »Und du?«, entgegnete ich wütend. »Was ist mit dir und deinen Geheimnissen?«
»Wovon zum Teufel sprichst du? Was ist los mit dir?«
Meine Wangen wurden heiß, dann sprang ich vom Tisch und baute mich vor meinem Bruder auf. Gegen seine breitschultrige Gestalt konnte ich kaum etwas ausrichten, aber das war mir in diesem Moment gleich. »Ich spreche von den Lügen, Ryk! Von den Lügen, die ihr mir seit neunzehn Jahren auftischt!«
Verwirrung trat in seinen Blick, dann legte er mir seine schweren Hände auf die Schultern. »Was für Lügen?«
Ich schluckte und suchte in seinem Gesicht nach irgendeinem Anzeichen dafür, dass er mich wieder belog. Doch ich fand keines. Alles, was ich darin lesen konnte, waren Unruhe und Besorgnis.
War es möglich, dass er wirklich nichts wusste? Dass sie ihn genauso belogen haben wie mich?
Ich stieß den Atem aus und wandte den Kopf zur Seite.
