Carl Augustin Bürger (III) - Jörg Titze - E-Book

Carl Augustin Bürger (III) E-Book

Jörg Titze

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Beschreibung

1836 und 1837 fertigte der 1786 in Torgau geborene und damit zur Zeit der Niederschrift 50- bzw. 51jährige Carl Augustin Bürger den ersten Teil seiner Erinnerungen an. B. trat im November 1808 in die Armee ein und avancierte mit Patent vom 23.10.1811 zum Sousleutnant im Infanterie-Regiment Prinz Friedrich August. Am Ende des Feldzuges von 1812 gehörte B. zu dem Teil des Regimentes Prinz Friedrich August, welcher als Garnison in die polnische Festung Modlin gelegt wurde.

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Seitenzahl: 132

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Beiträge zur sächsischen Militärgeschichte zwischen 1793 und 1815

Heft 95

Abb. 01 Faksimile der Einträge vom 19. - 25.10.1812

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Das Regiment Prinz Friedrich August im Großverband der 1ten kgl. Sächs. Division im Feldzug 1812

5. Quellen

Einleitung

1836 und 1837 fertigte der in Torgau am 26.07.1786 geborene und damit zur Zeit der Niederschrift 50- bzw. 51jährige Carl Augustin Bürger1 den ersten Teil seiner Erinnerungen2 an. B. trat im November 1808 in die Armee ein und avancierte mit Patent vom 23.10.1811 zum Sousleutnant im Infanterie-Regiment Prinz Friedrich August. Am Ende des Feldzuges von 1812 gehörte B. zu dem Teil des Regimentes Prinz Friedrich August, welcher als Garnison in die polnische Festung Modlin gelegt wurde.

1815 im sächsischen Dienst verbleibend, wurde B. am 01.04.1822 zum Premierleutnant befördert, diente 1825 in der Garnisons-Division der Festung Königstein und wurde am 01.01.1828 mit Pension und der Erlaubnis, die Armeeuniform zu tragen, aus dem Militärdienst entlassen.

Die Erinnerungen Bürgers werden in mehreren Bänden diese Reihe wiedergegeben.

Ich wünsche dem geneigten Leser eine spannende und interessante Lektüre.

Eilenburg im Juli 2025

Jörg Titze

1 Vater: Gotthold Augustin Carl Bürger (Sohn eines Landgeistlichen in Neiden bei Torgau; geboren 24.03.1757 in Belzig bei Wittenberg; Gerichtsschreiber beim Stadtgericht Torgau); Mutter:??? Dahme, älteste Tochter des Amts-Inspektors und Inhabers des Gasthofes „Zum goldenen Löwen“ in Torgau, wo sie die Wirtschaft führte.

2 Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 11372 Militärgeschichtliche Sammlung No. 437 „Erinnerungen meines Lebens“ Autobiographie

Das Regiment Prinz Friedrich August im Großverband der 1ten kgl. Sächs. Division im Feldzug 1812

Erste (ab 29.03. die 21.) Infanterie-Division Gltn. v.Lecoq

1. Infanterie-Brigade

Gmj. v.Steindel

Rgt. Prinz Friedrich August

Oberst v.Brochowski

3

Rgt. Prinz Clemens

Oberst v.Mellentin

Grenadier-Bataillon

Major v.Liebenau

2. Infanterie-Brigade

Gmj. v.Nostitz

Rgt. Prinz Anton

Oberst v.Gablenz

4

1. leichtes Regiment

Major v.Egidy

5

Kavallerie-Brigade

Gltn. v.Funck

6

Chev.leg. Rgt. Prinz Clemens

Oberst v.Gablenz

7

Chev.leg. v.Polenz

Oberst v.Hann

Husaren-Regiment

Oberst v.Engel

Artillerie

Major v.Großmann

1. 6pfd.ge reitende Battr.

Capt: v.Roth

1. 6pfd.ge Fuß-Battr.

Capt: v.Brause

Jedes Linienregiment 4 Stück. 4pfd.ge Kanonen Divisionspark

Den 13n August 1812

Früh sahen wir nur noch ein Corps vor uns stehen welches die Nachhut desselben war, und einige Mal angegriffen sich auch bald, und auf der Straße nach Kobryn, zurück zog.

Der Verlust auf unsrer Seite /: NB: der Sachsen :/ betrug

an Toten

1 Offizier /: Ltn: v.Kaufberg :/ u.

an Uffz: u. Gemein.

174 Mann u.

90 Pferde

an Verwundeten

17 Offiziere

671 Mann u.

32 Pferde

an Gefang./Verm.

2 Offiziere

66 Mann

Summa

931 Mann u.

122 Pferde

5 Stück Geschütz wurden demontiert, aber auch auf dem Schlachtfelde selbst wieder hergestellt.

Vom Verlust des Feindes kann ich nichts sagen, als daß, wie ich später erfuhr, gegen 200 Mann Gefangene gemacht worden.

Das Corps brach, um den fliehenden Feind zu verfolgen, bald vom Schlachtfelde auf, und ging, immer die Nachhut des Feindes drängend, in geschlossenen Kolonnen Regimenterweise nebeneinander bis nach Kobryn, wo es Abends 5 Uhr ankam, und diesseits des Flüsschens Muchawiec, die Übergänge über und durch dieselbe deckend, lagerte.

Den 14n August

Hatte das Corps Rasttag hier bei Kobryn. Diesen Morgen ganz zeitig kam der Leutn: v.Kaufberg von der leichten Infanterie, Bruder des gebliebenen zu uns um sich vom, auch zu ihm gedrungenen Gerücht, vom Tode des Bruders zu überzeugen, und ließ sich die näheren Umstände erzählen. Der gebliebene hatte sich niedergesetzt gehabt und wie sich die Grenade vor ihm herumwälzt, will auch er wie sein Nachbar derselben Platz machen, kann aber nicht so geschwind in die Höhe kommen, und ein Stück der geplatzten reißt ihm den größten Teil der Hirnschale weg. Als ich wieder zum Bataillon kam, war er schon hinter der Front begraben, und sein Degen mit ebenfalls gerissenen Gefäß, stak auf dem Grabhügel. Als man gleich nachdem Tode des Offiziers denselben beerdigt, und den Degen darauf gesteckt hat, kam bald darauf eine 12pfd. Kanonkugel und trifft den Degen, zerschlägt das ganze Gefäß so, daß die Klinge allein und nur kleine Stücke des Gefäßes übrig bleiben.

Zu mir kam auch früh bei Zeiten der Fahnjunker v.Schönermark, und klagte mir mit Tränen seine Not, daß er nicht wisse wo er sich anschließen solle und etwas zu Essen haben sollte, weil die Hautboisten, mit denen er bisher gemeinschaftliche Wirtschaft gemacht, zu Anfang der Schlacht hätten zurück gehen müssen und noch nicht wieder eigetroffen wären. Ihn hungere furchtbar.

Natürlich bot ich ihm an mit uns zusammen zu essen, und so lange zu bleiben als es ihm recht wäre. Für dieses Anerbieten fiel mir der arme Schelm um den Hals und weinte für Freude. Ich ließ ihm gleich noch eine Suppe kochen, und er lief um seine Portion Fleisch zu holen um daß sie mit den unseren gekocht werde, wozu ich Reis, den ich noch aus Slonim mitgenommen, kochte.

Nachmittags kam ein starkes Gewitter, welches uns alle ziemlich durch nässte, wovon das Blatt aus meinem Stammbuche, vom Leutn: Bucher beschrieben, noch die schönen Farben her hat.

Ich schrieb von hier aus an den Vater, um den guten Eltern, die Schlacht und deren Ausgang, so wie mein Wohlbefinden zu melden.

Den 15n August

Brach das Korps von hier auf um dem Feind weiter zu folgen. Wir gingen auf einer der flachsten Stellen gleich vor unsrer Front durch die Muchawiec, wobei wir doch bis an den halben Leib durch’s Wasser mußten, welches Bad den Leuten, weil das Wasser recht warm war, viel Spaß machte. Unser Marsch richtete sich nach der Stadt Brzesce zu und wir gingen bis zu dem Dörfchen Bulkow /: Quartier des General Reynier :/ und Roguczan, wo wir Stellung nahmen und die Nacht über stehen blieben. Dieser Weg führte uns wieder durch viel Wald und Moräste, welche ich wieder barfuß durchwatete.

Den 16n August Sonntag

Früh wieder aufgebrochen, bis zur Stadt Brzecz marschiert und daselbst vor der Stadt gelagert. Brzecz liegt am rechten Ufer des Bug, welcher zwischen dieser und dem Städtchen Terespol durchfließend die Grenze zwischen dem Großherzogtum Warschau und dem russ: Polen macht.

Brzecz ist eine nicht unbedeutende Mittelstadt, auch recht reinlich gebaut, wo man auch mehrere große Häuser findet. Einen Beweis von Wohlhabenheit der Stadt kann das abgeben, daß sich mehrere deutsche Handwerker hier festgesetzt haben und sich auch wohl befinden.

Den 17n August

Früh 8 Uhr brach das Corps von hier auf, um die Verfolgung des Feindes weiter fort zu setzen. Wir gingen durch Brzecz, passierten sowohl vor als nach der Stadt abermals die Muchawiec, welche von Kobryn kommend bei Brzecz in den Bug fällt. Nach einigen Stunden Marsch kamen wir in eine waldige aber noch mehr sumpfigte Gegend, welche, je weiter wir kamen, um so bedeutender wurde, ich, wie schon früher, die Schuh und Strümpfe auszog, die Beinkleider bis über’s Knie herauf streifte, um so durch zu gehen. Nachmittags gegen 6 Uhr kamen wir bei einem Dorfe Wielle Ryda /: Groß Ryda :/ an und lagerten uns daselbst. Das Hauptquartier war in einem Rittergut, Rudnia, ganz nah beim Dorfe.

Den 18n August

Erhielt das Corps einen Rasttag und nur ein Teil der Avantgarde unter General v.Gablenz ging bis zum Dorfe Mala Ryta /: Klein Ryta :/ vor.

Den 19n August

Früh 5 Uhr aufgebrochen um den Marsch durch eine sehr waldige und noch morastigere Gegend als die verlassene fortzusetzen, und beim Dorfe Mala Ryta zu lagern. Auf diesem Wege ging uns das Wasser oft bis über die Knie, weshalb auch meine Art dergleichen Wege zurück zu legen, mehr Nachahmer fand.

Den 20n August

Wieder früh 5 Uhr aufgebrochen, durch eine waldige und sehr morastige Gegend bis zum Dorfe Oltucz gegangen und gelagert. Mich traf das Kommando auf Wache in das Quartier des Brigade General v.Steindel, welcher auf dem Rittergute des Dorfes lag.

Das Dorf Oltucz aber noch mehr das Schloß lag in einer herrlichen und fruchtbaren Gegend. Beim Schlosse war ein schön angelegter und großer Garten, dessen hintere Seite an einen schon ziemlich großen See stieß. Der See konnte wenigstens die Größe des gr: Teiches bei Torgau haben.

Den 21n August

Früh 4 Uhr hier aufgebrochen, wieder durch lauter Wald und Morast gegangen, welche ich wieder barfuß passierte, wobei ich oft bis über die Hälfte der Oberschenkel in’s Wasser kam. Bei dem Dorfe Ochorow oder Orechowo lagerten wir.

Den 22n August

Früh aufgebrochen wieder wie gestern durch Wald und Morast gegangen und beim Dorfe Szasko marschiert, wo sich die verschiedenen Kolonnen des Corps, welche sich des schlechten Weges halber auf verschiedenen Wegen hierher zogen, gegen Abend alle vereinigten.

Den 23n August

Erhielten wir wider alle Vermutung einen Rasttag, welchen wir der Aufstellung des Russ: General Czaplic mit der Nachhut des Feindes bei Krimno /: einem Dorfe :/ und dem Flüsschen Pripiat, und des Widerstandes desselben zu verdanken hatten.

Den 24n August

Früh 6 Uhr aufgebrochen, und auf der Straße nach der Stadt Luboml zu marschiert. Die 8te Compagnie, wobei ich stand, erhielt ungefähr 2 Stunden vor dieser Stadt den Befehl, sich hier als Nachhut und Feldwache im Rücken des Corps aufzustellen, und in ein nahe gelegenes Dorf nach Lebensmitteln, das heißt Wasser zu schicken, welches auch sogleich geschah. Kaum waren die Wasserholer zurück, und wir waren im Begriff eine gewöhnliche Feldsuppe zu kochen, als der Östreich: General v.Zechmeister mit einem Bataillon Infanterie und gegen 40 Pferden Husaren bei uns eintraf um diesen Posten zu besetzen und uns befahl nach Luboml zum Corps zu gehen.

Mein Bursche welchen ich nach Wasser geschickt hatte brachte mir eine steinerne Büchse mit eingesottenen Perbris-Beeren8 mit, welche hier in der Gegend als Ersatz der Zitronen gebraucht werden, und die ihm ein Schlatitz /: eine Art Edelmann :/ im Dorfe welcher sehr freundlich gewesen und auch etwas deutsch gesprochen, für 1/4 Poln: Gulden /: 1 Gr. :/ überlassen hatte und dabei gesagt ich möchte nur von diesen Beeren etwas Weniges nehmen, und ins Wasser tun, so erhielte ich einen sehr kühlenden Trank. Bei ihnen machten sie sogar den Punsch in Ermangelung der Zitronen damit. Ich kann auch versichern, daß ich dies völlig bestätigt fand, und mir das Wasser einige Tage damit angemacht habe. Gegen Abend kamen wir in der Stellung welche das Corps bei Luboml eingenommen hatte an und lagerten uns auf den äußersten linken Flügel, wo wir mit einen Östreich: Jäger Bataillon welches uns zur Linken lag, zusammen trafen. Wie wir erfuhren, hatte das Corps bei seiner Ankunft hier, den Feind, zum Widerstand aufgestellt, erst nach einem sehr kurzen Widerstande, verjagen müssen, wobei sich vorzüglich Russ: Reiterei nicht mit Ruhm bedeckt haben sollte. Um Euch einen kleinen Begriff der Russ: Reiterei und deren Mut gegen Infanterie zu machen, gebe ich Euch hier einen Auszug aus den schon öfter erwähnten Werke der Feldzüge der Sachsen 1812 und 1813, Seite 519.

Den 24n August

Blieb das Corps in der Stellung bei Luboml. Da es an den Tagen der Märsche hierher, und auch einige Male des Nachts stark geregnet hatte so mußten die Leute aus Besorgnis, daß das Pulver unsrer Taschen Munition angezogen habe, und wohl gar unbrauchbar werden mögte, die Patronen aus den Taschen nehmen und dieselben auf den Deckel der Taschen und auf den breiten Seiten der Tornister ausbreiten, um sie durch die Sonne welche es heute wieder gar zu gut mit uns meinte, trocknen zu lassen. Es war ein eigener Anblick zu sehen, wie in der ganzen Linie der Stellung, so wie die Glieder geöffnet gestanden hatten, eine Patrone an der andern lag als hätten wir dergleichen zu verkaufen.

Nachmittags nahm ich mit Urlaub um in die Stadt zu gehen und einige Bedürfnisse zu kaufen. Kaum war ich in derselben und kaufte etwas feines Mehl und einige Gewürze, so hörten wir auch mehrere schnell auf einander folgende Gewehrschüsse, und auch einige einzelne aus Kanonen. Dies veranlaßte mich natürlich über Hals über Kopf zu laufen um zum Bataillon zu kommen, überließ daher meinem Burschen den weiteren Einkauf und traf, als ich im Lager ankam, natürlich Alles unter Gewehr. Das Feuern dauerte noch einige Zeit fort, entfernte sich aber nach einiger Zeit und hörte gegen Abend gänzlich auf. Wie ich erfuhr war es eine Rekognoszierung des Feindes gegen unsre Stellung, durch welche unsre Vorposten zurück gedrängt wurden. Als aber von unser Seite sowohl Infanterie als auch Artillerie zur Unterstützung vorgesendet worden, zog sich der Feind gegen Abend wieder zurück.

Den 26n August

Früh noch vor Anbruch des Tages traten wir wieder unter’s Gewehr, und erwarteten den Tag auf diese Weise, weil man einen etwaigen Angriff befürchtete, und sich nicht unvorbereitet finden lassen wollte. Als aber alles ruhig blieb, so wurden die Gewehre wieder angesetzt, und die Leute machten sich, von aus den nahen Laubholze geholten Ästen, Schirme gegen die Sonnenglut. Ich ging mit noch einigen Offizieren zu dem uns zur linken stehenden Bataillon Östreich: Jäger, wo wir von den Offizieren sehr freundschaftlich empfangen wurden, und recht gutmütige und gemütliche Leute an ihnen fanden, denen man es aber auch ansah daß sie recht gut für den Gaumen und Magen zu sorgen verstanden, denn sie baten uns gleich mit ihnen zu essen, und setzten ein gebraten Hühnel und Wein und auch Schnaps vor, da unser aber auch ein Mittagsbrot aus Rindfleisch bestehend erwartete, so schlugen wir die Einladung ab und genossen nur jeder ein Glas Wein vom Hauptmann der 1sten Jäger Compagnie .

Nachmittags ging ich in das Laubholz Büschchen um gleichfalls Äste zu einer Art Hütte zu holen und fand dabei eine Unzahl von Haselnüssen, von denen ich mir auch alle Taschen voll pflückte und mitnahm.

Gegen Abend kam eine, für die Zeit und den Ort und Stelle, wo sie erfolgte, ganz eigene Einladung an mehrere Offiziere bei dem Bataillon an. Diese bestand darin, daß der General v.Steindel jeden tanzlustigen Offizier einlud, in sein Quartier zu kommen, und einem Tee und Tanz beizuwohnen, machte jedoch die, für einen Soldat im Felde dem Feinde gegenüber nicht leicht zu erfüllende Bedingung, daß die daran Teil nehmen Wollenden, in Schuh und Strümpfen, kurzen Hosen und weißer Uniform kommen sollten. Dies war Ursache, daß nur sehr wenige Offiziere davon Gebrauch machten.

Bei unsrer Compagnie ereignete sich aber ein Fall auch ziemlich eigen in seiner Art. Vormittags war Löhnung an die Mannschaft ausgegeben worden, und der Feldwebel Hofmann hatte vom Hauptmann Mewes das Geld hierzu bekommen. Bei der Verteilung desselben fand es sich aber, daß einige Löhnungen zu wenig waren, und dies wurde natürlich dem Hauptmann gemeldet. Das Geld fand sich nachher beim Hauptmann welcher es für einige Leute so auf Lagerwache waren, zurück behalten hatte.

Dieser kam nun in die Hütte des Feldwebels und riß diesen auf eine furchtbare Art herunter, beschuldigte ihn der Veruntreuung, und schimpfte ihn, nach seiner gewöhnlichen Art und Weise, worunter die Ausdrücke „schlechter Kerl“ „niederträchtiger Hund“ usw. mit zum Vorschein kamen. Diesen Lärm konnte ich aus meiner Hütte mit anhören, wollte mich aber nicht darein mischen, weil ich die Art des Hauptmanns kannte und wußte daß er bald wieder anders gesinnt das Begangene wieder gut zu machen suchte. Bald darauf bemerkte ich wohl daß die Unteroffiziere der Compagnie fleißig zusammen sprachen und Etwas vorhaben mußten, glaubte aber es abwarten zu müssen, bis diese kommen, und Klage bei mir, als den ältesten Offizier der Compagnie, anbringen würden, wie der Gang des Dienstes ihnen vorschrieb. Aber siehe da ich wartete vergebens und glaubte schon es sei alles ausgeglichen als nach Verlauf von mehr als 1 Stunde der Hauptmann mit eiligen Schritten kam und sämtliche Unteroffiziere vor die Mitte der Compagnie verlangte. Es war nämlich zur Zeit der Aufstellung unterm Gewehr. Als sich diese, unter denen mehrere sehr achtungswerte Männer waren, sich versammelt, und einen Kreis um den Hauptmann geschlossen, fing diese auf eine Art anzureden, wobei uns beiden Offizieren, Berggold und ich, der Verstand stehen bleiben wollte. Er äußerte sich ungefähr auf folgende kräftige Art: