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Carl Friedrich Ferdinand Böhme machte den Feldzug 1812 als Sousleutnant und Verpflegungs-Offizier im Grenadier-Bataillon von Spiegel (Grenadier-Kompanien der Regimenter Prinz Max und v. Rechten) mit. Er focht mit dem Bataillon bei Wolkowysk (15./16.11.1812) und Kalisch (13.02.1813). Sein Tagebuch enthält neben interessanten Einblicken in den Verpflegungs- und Truppendienst einen gezeichneten Plan zur Schlacht bei Wolkowysk.
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Seitenzahl: 148
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Beiträge zur sächsischen Militärgeschichte zwischen 1793 und 1815
Heft 46
Abb. 01 – die letzte Seite des Tagebuchs
Carl Friedrich Ferdinand Böhme machte den Feldzug von 1812 im Grenadier-Bataillon von Spiegel, bestehend aus den Grenadier-Kompanien der Regimenter Prinz Maximilian und von Rechten, mit.
Das Grenadier-Bataillon von Spiegel stand in der Brigade des Generalmajor von Sahr (2.Brigade der 2. sächsischen (später 22.) Infanterie-Division der Großen Armee), zusammen mit den Grenadier-Bataillon Anger und dem 2. leichten Infanterie-Regiment.
Am 16.02.1812 wurde anbefohlen, dass sämtliche Regiments-Quartiermeister in die Depots zu schicken sind und ihre Stelle auf dem mobilen Etat durch einen Mann aus dem Depot zu besetzen war. Ihren Dienst hatte ab dem 18.02. ein Offizier der bei jeder Einheit befindlichen Wirtschafts-Kommission zu verrichten. Beim Grenadier-Bataillon von Spiegel war der Sousleutnant Böhme dieser Offizier.
Ab dem 25.02. waren die Offiziere der Wirtschafts-Kommissionen nicht mehr gänzlich von den übrigen Diensten befreit, so dass Böhme in seiner Verpflegungs- und Geldgeschäfte freien Zeit auch „normale“ Dienstverrichtungen – so u.a. die von ihm mehrfach beschriebenen Wachdienste – leisten musste.
Dafür durfte er – bedingt durch die mit dem Geld- und Verpflegungsgeschäft verbundene Reisetätigkeit auch dienstlich ein Pferd auf königliche Kosten nutzen und ausfüttern, welches ihm aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen – bei Wagram war Böhme durch beide Beine geschossen worden – sicher entgegen kam.
Böhme gibt uns aufgrund seiner speziellen Verwendung interessante Einblicke in Organisation der Truppenverpflegung und die je nach Aufgabe wechselnden Unterstellungsverhältnisse.
Die in seinem Tagebuch befindlichen und von ihm selbst gezeichneten Pläne zu den Gefechten bei Podobna und Wolkowysk sind im Original wiedergegeben.
Das Original-Tagebuch zur 2ten Periode umfasst 614 paginierte Seiten. Diese Originalpaginierung ist im Text mit Seite eingefügt.
An dieser Stelle möchte ich mich bei Ihnen, verehrter Leser, dafür bedanken, dass Sie sich zum Kauf dieses Buches entschlossen haben. Insofern Sie Anregungen und Kritiken haben oder mir einfach nur mitteilen wollen, ob Ihnen das Buch gefallen hat, so können Sie mich via email unter [email protected].
Ihr
Jörg Titze
Die
Beschreibung meiner Tage
seit
den unruhigen und traurigen
Zeiten vom Jahr
1811 bis 1818
Zweite
Periode
gehalten
von
Carl Friedrich Ferdinand Böhme
Überfall und Schlacht bei
Wolkowisk am 15ten und 16ten Novbr. 1812
Position der Franzosen, Sachsen und Würzburger
Aufstellung unserer leichten Truppen
Biwak unserer Truppen
Andringen der Russen beim Überfall
Verteidigung der Sachsen gegen die in der Stadt sich festgesetzten Russen
Aufstellung der Franzosen und Würzburger
Aufstellung eines österreichischen Kavallerie-Regiments
Angriff der sächsischen Kavallerie
Position der Russen am 16ten Novbr. mit Inbegriff der Stadt
Eintreffen von österreichischen Truppen
Sturmlaufen von französischen und sächsischen Truppen
Rückzug der Russen
Den 10ten Novbr.
Ging ich nach Wolkowisk; man wusste, das heute unsere Equipage daselbst ankam, ich wartete auf selbige, da ich etwas von meinen Sachen an mir nehmen wollte, was ich bei mir sicherer verwahrt glaubte, da die Equipage durch die man- 300 nigfaltigen Marsch-Direktionen, immer im Ungewissen sein musste; als ich meinen Zweck erreicht hatte, ging ich des Nachmittags nach dem nach-stehenden, als 3 Stunden davon entfernt liegenden Lapinice, wo ich unsere Vorposten traf und sich auch eine Bäckerei daselbst angelegt hatte; ich blieb daselbst über Nacht
Den 11ten Novbr.
Das Korps hatte die Gegend von Lapanice wieder verlassen, war in die Gegend des Dorfes Bowrinicky marschiert und ohnfern dieses Ortes war sein Biwak aufgeschlagen. Am Abend er- 301 langte ich nachgenanntes Dorf, meldete mich beim Intendanten als von meinem Kommando eingetroffen, war froh nun wieder bei dem Ganzen sein zu können, blieb heute in diesem Dorfe und bequartierte mich mit zu mehreren Kameraden, die ihres Verpflegungs-Geschäftes halber, sich auch einquartiert hatten, und wollte mit Behaglichkeit einmal so recht die Ruhe genießen; allein kaum als wir unser frugales Abendbrot verzehrt hatten, kam unsere schmutzige Wirtin mit Wehmut und weinend in die Stube und wollte uns immer etwas bekannt ma- 302 chen, was uns vermöge ihrer Sprache nicht verständlich wurde. Wir sahen aber wohl, dass sie immer nach der Türe wies und dies bewog uns, dann auch heraus zu gehen und in welchen Schrecken wurden wir versetzt, als wir ein Haus gleich neben uns in vollen Flammen sahen! --- Wir mussten sogleich nach unsern Pferden greifen und alles setzte sich in Bewegung, um nur unsere Sachen zu retten, in dem auch die Wirtsleute solches ihr weniges Habe in Sicherheit zu bringen suchten, alles lief durcheinander, jedes wollte gern das seinige retten, und kaum als man solches bewerkstelligen konnte, so stand auch schon unser 303 in Besitz gehabtes Quartier in vollen Flammen; das ganze Intendanz-Personal, welches in diesen Dorfe bequartiert war, verließ solches, und nahm in der Nähe desselben einen Platz ein, um nun hierauf den Einwohnern beistehen zu können; allein leider konnte unsere Hilfe nicht viel ausrichten, denke man sich, man hatte nicht einmal eine Feuerspritze, und da die Wände der Wohnungen alle von starken Pfosten erbaut die in sich zusammengepfalzt sind, so wird es fast zur Unmöglichkeit, eine Wohnung niederreißen zu können. Das Feuer griff immer mehr 304 um sich, und das wenige Hineinschütten des Wassers mit Töpfen und andern Geschirren konnte keinen Effekt gewähren. An musste größtenteils das Feuer in seiner Wut fortgehen sehen, ohne eine angewendete Hilfe, bei den besten Willen, geben zu können, und so stand in kurzer Zeit fast eine ganze Seite des Dorfes in Flammen, und so schrecklich dadurch das Elend für die Einwohner wurde, so war es doch noch einigermaßen noch nicht ganz trostlos, denn noch war das Feuer nicht auf die andere Seite des Dorfes, er Straße gegenüber gekommen, wo nichts als noch mit ungeheuren Vorräten angehäufte Scheunen standen; end 305 lich musste auch hier noch die Flamme ihre schreckliche Wut ausbreiten, es brannten in kurzer Zeit 2 Scheunen, man denke sich, dass durch die brennenden Schöber, welche – schreckliches Elend – alle noch nicht abgedroschen waren, da der Pole gewöhnlich diese Arbeit nicht eher vornimmt, als bis er das Getreide braucht, es nun so eine Glut wurde, dass man sich des in Flammen stehenden Dorfes fast nicht mehr nähern konnte, und doch arbeiteten unsere Soldaten im Kampfe menschlicher Kräfte in den nebenstehenden Scheunen, um nur die Vorräte heraus zu bringen, und so, mit dieser kaum glaubhaften Möglichkeit, brachte 306 man es dann doch dahin, die weitere Vernichtung zu unterdrücken, und so waren doch noch mehrere Häuser erhalten worden und waren nur 2 Scheunen abgebrannt.
In denjenigen Hause, wo das Feuer ausgebrochen war, hatten 2 Offiziers von unserer leichten Infanterie im Quartier gelegen, welche das Fassungsgeschäft ihrer Parteien zu besorgen hatten; und es war wohl zu vermuten, dass durch Vernachlässigung derer Bedienten dieses Unglück entstanden war. Kein Mensch oder Tier war dabei verunglückt, und man hatte alles herausgebracht, allein diese unglücklichen Einwohner standen doch in einer so traurigen Jahres 307 zeit ohne Wohnung da!
Fast die ganze Nacht hatte ein großer Teil unserer Soldaten gearbeitet, so schrecklich kalt es doch war, denn es wollte immer Schneien und konnte vor Kälte es nicht. Nach den Mitternachtsstunden, und als das Feuer nicht mehr in dieser Wut war, ging ich nach den Ort, wo das sämtliche Intendantur-Personal seine Equipage aufgefahren hatte, und wo ich auch die Meinige wusste. Mein Bursche hatte mir ein großes Strohlager bereitet, in welchen ich mich, um nun ein wenig zu ruhen, hinein wickelte, vor der bedeutenden Kälte aber mich kaum erwärmen und also auch nicht schlafen konnte.
Der Transport hatte den Leutnant v.Raab 308 begegnet, und derselbe war demnach gleich den Tag unseres beiderseitigen Abganges wieder eingetroffen.
Den 12ten Novbr.
Noch in finstern Morgenstunden, da ich es vor Kälte nicht mehr auf meinen Lager aushalten konnte, suchte ich ein Wachtfeuer, um meine erstarrten Glieder wieder aufzuwärmen; mein Bursche suchte mich sehr bald, und machte mir bekannt, das mit meinem Schimmel etwas vorgegangen sein müsse, und ich sollte mich nur hiervon, und – welches Schrecken! – mein Schimmel hatte in dieser Nacht ein unzeitiges Füllen geboren; ich suchte hierüber einige Kenner zu Rate zu ziehen, die das Pferd untersuchten, 309 und mir die Beruhigung gaben, dass dem Pferde in keinem Fall ein Nachteil erwachsen würde, ich sollte es mehrere Tage nur nicht reiten, sondern es bloß führen lassen; dieses befolgte ich dann auch, ritt meinen kleinen Fuchs, und mein Schimmel erholte sich bald wieder, so dass ich keine nachteiligen Folgen verspürte. Wahrscheinlich hatte die anhaltende Strapaze, die ich während meiner jetzt gehabten Versendung, meinen Pferden hatte zumuten müssen, eine Veranlassung hierzu gegeben, und beinahe konnte ich nun auch auf den Grund der Vermutung kommen, warum der Leutnant v.K…… getauscht hatte; da nur diese Sache so abgegangen war, blieb mir 310 übrigens dieser Tausch auch nicht unangenehm.
Die Armee brach diesen Morgen von ihren Biwak auf, und zog sich wieder in die Gegend Lapinice; es ist jetzt wieder ein Hin- und Hermarschieren an der Tagesordnung, dass man nicht weiß, was man denken soll. Man kann unsere jetzigen Bewegungen mit denen auf den Schachbrett vollkommen vergleichen.
Den 13ten Novbr.
Es bleibt heute alles ruhig stehen, wir Verpflegungs-Offiziere waren in Lapinice in einem großen Kloster, wo der Intendant wohnte, oder zum Teil in der Nähe davon untergebracht, und die Verpflegung derer Truppen auf mehrere Tage hier zu 311 sammen zu bringen, war heute unsere Beschäftigung. Eben als wir in den Nachmittags-Stunden wieder Lebensmittel entnehmen sollten, hatte der Feind, von Hornostiawice herkommend, unsere Vorposten angegriffen; der Intendant befehligte mich, sogleich nach den Vorposten zu reiten, daselbst den Herrn Obristen von Langenau, welcher in der Suite des Generals Reynier sein müsse, aufzusuchen und ihn zu befragen, was noch mit denen im Magazin vorrätigen Lebensmitteln werden solle, ob solche an die Truppen verteilt oder weiter transportiert werden sollten, da das Korps auf mehrere Tage verpflegt sei; ich ritt eine Weile 312 längst der im Feuer begriffenen Vorposten-Linie abwärts, bis ich bei einer reitenden Batterie ankam, wo ich, indem ich nach der Suite fragte, einige Erkundigung einzog, wo sich selbige ohngefähr aufhalten werde; ich traf hierauf solche auch bald, meldete den Obersten meinen Auftrag, welcher mich zu verweilen verwies; der General begab sich auf mehreren Angriffspunkten, und ich folgte immer der Suite, welches mir sehr angenehm war, indem ich dadurch eine so schöne Gelegenheit hatte, das Gefecht so recht übersehen zu können. Der General blieb anfänglich ohnfern der sich aufgestell 313 ten Blänkler Linie, die von Husaren und leichten Infanteristen zusammengestellt war, lange in stiller Beobachtung; man sah, dass es nichts mehr als ein Gefecht der feindlichen Avantgarde war, darum wurden auch von unsern Truppen, außer unsern und den Grenadier-Bataillon Anger, nichts im Gefecht gezogen; die Kosaken waren uns ganz nahe und man konnte ihre Manieren so recht wahrnehmen. Von der Bedeckung der Suite wurde ein Husar erschossen. Später wurde das Gefecht etwas lebhafter, indem eine feindliche Infanteriemasse auf den rechten Flügel des Feindes aus einem 314 Walde hervorbrach, unser Grenadier-Bataillon kam teilweise und so auch das ganze Grenadier-Bataillon Anger, in lebhaften Infanterie-Feuer, welches auch noch auf beiden Seiten ein Kanonenfeuer unterstützte; es wurde von beiden Seiten kein Terrain gewonnen und so endete sich das Gefecht erst mit der einbrechenden Nacht. Ein jeder Teil behauptete seinen Platz und erst in den späten Abendstunden zogen sich unsere Grenadier-Bataillons wieder in die Linie des Korps zurück, indem dann nur die gewöhnlichen Vorposten vorne stehen geblieben waren. Mit Beendigung des Ge 315 fechts ging der General wieder nach Lapinice zurück, und auf mein abermaliges Anfragen bei dem Obristen von Langenau gab mir derselbe in Auftrag, den Intendanten zu sagen. „was er von Wagen entlehnen könne, solle er heraus schicken, um die Blessierten nach Lapinice bringen zu lassen; der Vorrat an Lebensmitteln solle an die Truppen verteilt werden, und diese Nacht um 12 Uhr würde das Korps aufbrechen“. Ich überbrachte sofort den Intendant diese Nachricht, und derselbe gab mir wieder den Befehl, alle vorrätigen Wagen in die Gegend, wo das Gefecht gewesen, zu führen, dafür Sorge zu tragen, dass die Blessier 316 ten aufgesucht und darauf herein gebracht würden; es war ein Glück, dass ich die Gegend kannte und das es heller Mondenschein war, welches mein missliches Geschäft doch unterstützen konnte, denn ich war für das Herumschwärmen der Kosaken nicht ganz sicher, da ich mich an einigen Stellen über die aufgestellten Vorposten hinaus begeben musste. Ich traf hinter unsern Vorposten noch eine Ambulanz, wo der größere Teil der Blessierten schon hingeschafft worden war, und welche ziemlich meine mitgebrachten Wagen beladen konnten, und so war ich noch bis gegen 11 Uhr des Nachts 317 beschäftigt, zu welcher Zeit ich ermüdet nach Lapinice zurück kam, während meine, wegen der Verpflegung daselbst gebliebenen Kameraden in Ruhe geblieben waren; auch konnte mein Aufenthalt in Lapinice nicht sehr lange sein, und nur ohngefähr so lange, um etwas zu mir zu nehmen und meine erstarrten Glieder von den bedeutenden Kälte zu erwärmen, denn um 12 Uhr setzte sich alles von den Fuhrwesen im Marsch, die Truppen sollten um 3 Uhr von ihren Biwak in Stille aufbrechen, nachdem die Wachtfeuer erst recht lebhaft gemacht werden sollten, und wir Verpflegungs-Offiziere waren an die Begleitung 318 des Intendanten gewiesen. Der Marsch ging nach Wolkowisk und trotz alles Schneegestöbers brachen wir letztern um 3 Uhr im vollen Trupp nach Wolkowisk auf.
Der Feind hatte bei unserer heutigen Affäre viel mehr verloren als wir; wir hatten im Ganzen 3 blessierte Offiziers und 89 tote und blessierte Unteroffiziers und Gemeine.
Den 14ten Novbr.
Alles, wie schon bemerkt, war diesen Morgen um 3 Uhr aufgebrochen und marschierte seitwärts nach Wolkowisk. Der Feind drängte uns jetzt recht lebhaft; das österreichische Korps 319 war schon vorwärts nach Slonim zu im Marsch, um wahrscheinlich einen russischen Korps immer zur Seite zu bleiben, welches sich von demjenigen feindlichen Korps, mit welchem wir es zu tun hatten, getrennt haben mogte; der Feind mogte uns darum immer zu beschäftigen dringende Veranlassung fühlen, um uns abzuhalten, dass wir unsere jetzige Operations-Basis nicht verfolgen könnten und um uns allein, ohne die Österreicher, zu beschäftigen, indem wir doch wieder allmählig der Großen Armee bei einem weitren Fortgang näher kommen konnten, 320 denn man sagt nämlich unter sich, dass Napoleon mit der Großen Armee wieder von Moskau zurück bis Smolensk gegangen sei; bestätigt sich solches, so hat ihm gewiss die spärliche Subsistenz hierzu genötigt.
Um 7 Uhr des Morgens kam ich in der Suite des Intendanten nach Wolkowisk, die Armee kam einige Stunden später. In Wolkowisk fanden wir schon alles voll einquartiert, es war die Division Durutte, welche hier zu uns stoßen sollte, sie bestand aus einigen Batterien Artillerie, einigen Infanterie-Regimentern Franzosen und 3 Bataillons Würz 321 burgischer Infanterie; wenn letzteres schon ein guter Schlag von Menschen war, so waren die Franzosen gerade das Entgegengesetzte, es war die die zusammengeraffte Hefe und früher von der Konskription sich geweigerte und jetzt gesammelte Masse, von denen ohnfern Hollands Grenzen liegenden, jetzt an Frankreich gehörenden Inseln, Ilse de Walchern, de Rhe etc., ein roher Haufen von Menschen, der uns für die Zukunft mehr unsere Subsistenz erschwerte, als er uns etwa Erleichterung verschafft hätte, denn 322 er besaß keinen Mut, wie wir noch in der Zukunft deutlich hiervon überzeugt wurden.
Wolkowisk ist ein kleines Judenstädtchen mit nichts als hölzernen Gebäuden versehen, es liegt in einem Tal /: siehe den hier von à coup d’oeil entworfenen Plan :/ unsere Armee stellte sich mit einigen französischen Regimentern, welche aus der Stadt rückten, auf den westlich gelegenen Höhen der Stadt auf, während unsere leichten Truppen sich auf der östlichen Seite, wo wir hergekommen waren und zwar kurz vor der Stadt, 323 aufstellten. Da das Hauptquartier, die Intendanz, die Ambulanzen, die Kriegs-Kasse und Gott weiß was noch in dieser Stadt Platz nehmen sollten, wo überdies viele Franzosen und Würzburger blieben, so gab es so einen Wirrwarr in der Stadt, der sich ohnmöglich beschreiben lässt, und man wusste nicht, wie es einem möglich werden sollte, ein sicheres Unterkommen zu finden, welches man hier gerade so sehr benötigt war, da diesen Nachmittag Gebührnisse aus der Feld-Kriegs-Kasse erhoben werden sollten. Gleich mit meiner Ankunft bestimmte ich mich mit einem vom Regiment Prinz Friedrich August zu eben 324 diesen Verpflegungs-Geschäft bestimmten Kameraden, den Premierleutnant Beck ein Quartier zu beziehen; wir fanden nicht weit vom Eingang der Stadt, in der Gegend wo wir hergekommen waren und ohnfern der über einen kleinen Fluss gelegten Brücke eine Wohnung, wo zwar Platz für unsere Pferde war, allein es waren mehr als 20 Mann Würzburger daselbst einquartiert und man konnte also auch nicht auf die mindeste Bequemlichkeit Rechnung machen. Es wimmelte in dieser Stube und mein, in dieser Art mit größeren und mannigfaltigeren Spriela- 325 tionen ausgerüsteter Gesellschafter, der Leutnant Bock, nahm es sich gleich vor, für ein anderes Unterkommen für uns sich zu bemühen, während ich wegen unserer Pferde und übrigen Equipage daselbst verblieb,. Nach einiger Zeit kam mein Freund Beck wieder und versicherte mir, dass er in einem Hause Eintritt gefunden, wo zwar 7 französische Offiziers mit mehreren Ordonnanzen einquartiert wären, die ihm aber den Antrag gemacht hätten, nur immer noch bei ihnen Platz zu nehmen und wo wir auch unsere 4 Pferde unterbringen könnten; wir 326 verließen also sofort unser erstes Quartier und zogen ei diesen Offiziers ein. Zwar kamen wir aus einer Wust von Menschen in die andere, mit welchen man sich nicht einmal hinlänglich mitteilen konnte, doch man behandelte uns freundschaftlich, mir dachte, es kann nun einmal nicht anders sein; allein! Nicht lange waren wir daselbst, so kam ein französischer Brigade-General mit seinen Adjutanten, Bedienten und Pferden und die französischen Offiziers sowohl als wir beide mussten ihm Platz machen, welcher uns daselbst noch mit Grobheiten begegnete, indem wir nach seiner Meinung das Quartier nicht 327
