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Behandlungskonzepte häufiger Indikationen mit Chinesischer Diätetik und ergänzenden Empfehlungen zur Ernährungsberatung.
Ein idealer Überblick für eine gezielte therapeutische Umsetzung der Chinesischen Diätetik: Das für Behandlungen relevante Grundlagenwissen ist kompakt und übersichtlich dargestellt. Über 204 Nahrungsmittel sind mit ihren qualitativen Merkmalen sowie Indikationen und Kontraindikationen prägnant beschrieben.
Die Farbteile garantieren leichte Orientierung und raschen Zugriff:
Gelb: Grundlagen, Diagnosestellung
Grün: Nahrungsmittel und ihre Eigenschaften, Funktion, Indikation und Kontraindikation
Blau: Zuordnung von TCM Syndromen zu westlichen Krankheitsbildern und mit Therapieempfehlungen der chinesischen Diätetik
Rot: Ernährungsberatung
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Seitenzahl: 358
Veröffentlichungsjahr: 2020
Checkliste Chinesische Diätetik
Herausgegeben von Stefan Englert
Unter Mitarbeit von Claudia Lorenz
225 Abbildungen 55 Tabellen
2., unveränderte Auflage
„Wie kann einer, der Nahrungsmittel nicht kennt, die Krankheiten des Menschen verstehen?“ (Hippokrates, der griechische „Ur-Vater“ der Medizin, 460 – 370 v. Chr.)
Ernährung und die darum kreisenden Fragen – was tut mir gut, was macht mich krank, und was soll ich essen? – betreffen die grundsätzlichsten Themen des Lebens überhaupt.
Essen – wir tun es ständig, in der Regel mehrfach täglich, wir brauchen es zum Überleben. Zusätzlich gibt es so viele Informationen zum Thema Ernährung wie nie zuvor. Sowohl in Laien- als auch in der Fachpresse wird vielfältig über Diäten, angeblich gesunde Inhaltsstoffe oder Schadstoffbelastungen im Essen berichtet.
Dem gegenüber steht eine in der Form noch nie da gewesene Verunsicherung der breiten Bevölkerung in Sachen Ernährung: Acrylamid, Pestizide, Schwermetalle, Skandale um verdorbenes Fleisch, Käse oder Fisch. Was soll der Konsument davon halten, welcher Werbung soll er glauben und wie soll er sich letztendlich ernähren?
In der Schule spielt die Informationsübermittlung zu Ernährungsthemen eine untergeordnete Rolle. Im Medizinstudium lernen angehende Ärzte fast nichts über Ernährung und noch weniger über Ernährungsberatung. Und selbst die sog. Ökotrophologie – Ernährungswissenschaft – beschäftigt sich überwiegend mit dem Gehalt an Kalorien, Vitaminen und speziellen Diäten bei bestimmten Erkrankungen wie Diabetes, weiß aber wenig über die individuellen Unterschiede im Stoffwechsel von normalen gesunden Menschen. Man geht von einem idealtypischen Durchschnittsverbraucher aus. Da dieser „Verbraucher“ auch informiert werden soll, wurde die Deklarationspflicht von allen Inhalts- und Zusatzstoffen auf den Verpackungen von Lebensmitteln eingeführt. Fragt man aber einen selbst überdurchschnittlich gebildeten Kunden in einem Supermarkt, was all diese Begriffe bedeuten, findet man so gut wie niemanden, der auch nur annähernd genauere Vorstellungen davon hat, was denn E 560, Benzoesäure, Beta-Karotin oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren bedeuten, und ob das speziell für ihn eher gut oder schlecht sein dürfte.
Dieser riesigen Kluft in Sachen Ernährung – von enormer Bedeutung, riesiger Auswahl in den Geschäften und der jederzeit verfügbaren Menge von Daten („Informationsgesellschaft“) bei gleichzeitiger großer Verunsicherung und einem geringen Wissensstand bei vielen Menschen – ist es wahrscheinlich zuzuschreiben, dass es wahre „Heilsbringer“ sind, die wie Gurus mit ihren Vorträgen durchs Land ziehen und den Menschen bestimmte „Wunderdiäten“ empfehlen.
Das enorm große Interesse an Ernährungsfragen und insbesondere am Thema Gewichtsreduktion zeigen auch die beinahe wöchentlich erscheinenden „neuen“ Wunderdiäten in den einschlägigen Frauenzeitschriften wie „Brigitte“ und Co.
Dennoch steigt das durchschnittliche Gewicht der Deutschen (gemessen am BMI) weiter kontinuierlich an. Die Kosten für ernährungsbedingte Folgeschäden des Gesundheitssystems belaufen sich schätzungsweise auf 300 Milliarden € pro Jahr.
Die Chinesische Ernährungsheilkunde richtet sich an alle Menschen – an Gesunde und an Kranke – zur Vorbeugung und Gesunderhaltung, aber auch als Medizin für durch Erkrankung geschwächte Patienten. Die Chinesische Diätetik diagnostiziert dank ihres individuellen Ansatzes zunächst den Typus des Einzelnen. Auf dieser Grundlage kann überhaupt erst eine sinnvolle Beratung stattfinden, in der einem Patienten erklärt wird, was für seinen Stoffwechsel hilfreich und gesund erhaltend, und was eher belastend ist. Dieser individualisierte Behandlungsansatz stellt meines Erachtens eine der großen Bereicherungen unserer westlichen Medizin und Ökotrophologie durch die Chinesische Medizin dar.
In diesem Sinne soll dieses Buch den so wichtigen Bedarf der Menschen an fundierter Information von dem, was wir in Form von Nahrung in uns aufnehmen, abdecken helfen. Es richtet sich an alle Therapeuten, insbesondere an die, die mit der Chinesischen Medizin bereits etwas vertraut sind.
Ravensburg, im April 2011
Dr. med. Stefan Englert
Teil 1
1 Geschichte
1.1 Die Ernährung des Menschen in der Vorzeit
1.2 Die Entwicklung aus Sicht der Chinesischen Medizin
1.2.1 Geschichte einer Medizin-Diät in China
1.2.2 Die Hauptpathogene im Wandel der Zeiten
2 Ernährung und Psyche – Der Darm beeinflusst das Gehirn
3 Was ist Diätetik?
3.1 „Diät“ im westlichen Denken
3.2 Chinesische Diätetik – Die Nahrung wird zur Medizin
3.3 Nahrung
3.3.1 Nahrungsaufnahme
3.3.2 Ernährung und die Neren-Essenz
3.4 Das Fasten aus Sicht der Chinesischen Medizin
3.5 Ernährungsfehler und ihre Folgen
3.5.1 Übermaß an kalter (physikalisch und energetisch kalt), roher Nahrung
3.5.2 Übermaß an feuchter (sehr „nährender“, Säfte produzierender) Nahrung
3.5.3 Übermaß an sehr warmer und heißer (physikalisch und energetisch heiß) Nahrung
3.5.4 Übermaß an trocknender Nahrung
3.5.5 Umstände und Umgebung
4 Die Erkennung des energetischen Musters – Diagnosestellung
4.1 Die Fünf Wandlungsphasen Wu Xing und ihre fünf Funktionskreise
4.1.1 Chinesischer Funktionskreis Milz
4.1.2 Chinesischer Funktionskreis Lunge
4.1.3 Chinesischer Funktionskreis Niere
4.1.4 Chinesischer Funktionskreis Leber
4.1.5 Chinesischer Funktionskreis Herz
4.2 Diagnosestellung
4.3 Die Materia diaetetica
4.3.1 Temperaturverhalten
4.3.2 Geschmacksrichtung
4.3.3 Wirkort – Wo entfaltet sich im Körper die entsprechende Wirkung?
4.4 Die Einteilung der Nahrungsmittel
4.5 Funktion und Art der Zubereitung der Nahrung
4.5.1 Das Erhitzen der Nahrung – Die Tradition des Kochens
4.6 Zusammenstellung der Nahrung
4.7 Nahrung gemäß der Tageszeit
4.8 Nahrung gemäß der Jahreszeit
Teil 2
5 Getreide 谷物 wŭgŭ
5.1 Buchweizen (Fagopyrum esculentum) 荞麦 qiáomài
5.2 Dinkel (Triticum spelta) 斯卑尔脱 sībēi'ěrtuō xiǎomài
5.3 Gerste (Hordeum vulgare) 大麦 dàmài
5.4 Grünkern (Triticum spelta) 斯卑尔脱小麦 lǜ sībēi’ěrtuō xiǎomài
5.5 Hafer (Avena sativa) 燕麦 yànmài
5.6 Hirse (Panicum miliaceum) 小米 xiǎomĭ
5.7 Mais – Polenta (Zea mays) 玉米 yùmĭ
5.8 Reis – Langkorn (Oryza sativa indica) 籼米 xiānmĭ
5.9 Reis – Rundkorn (Oryza sativa japonica) 粳米 jīngmĭ
5.10 Roggen (Secale cereale) 黑麦 hēimài
5.11 Weizen (Triticum aestivum L.) 小麦 xiǎomài
6 Hülsenfrüchte 豆子 dòuzi
6.1 Azukibohne (Vigna angularis) 红豆 hóngdòu
6.2 Bohne, grün (Phaeseolus vulgaris) 菜豆 càidòu
6.3 Bohne, weiß (Phaeseolus lunatum) 百豆 báidòu
6.4 Kichererbse (Cicer arietinum) 鹰嘴豆 yīngzuĭdòu
6.5 Linse (Lens culinaris) 兵豆 bīngdòu
6.6 Linse, rot (Lens culinaris) 红兵豆 hóngbīngdòu
6.7 Kidneybohne (Phaseolus aconitifolius) 架豆 jiàdòu
6.8 Sojabohne, gelb (Glycine max) 黄豆 huángdòu
6.9 Sojabohne, grün (Phaseolus radiata) 绿豆 lǜdòu
6.10 Sojabohne, schwarz (Phaseolus vulgaris) 黑豆 hēidòu
6.11 Sojasprossen (Glycine max [L.] Merr.) 豆芽 dòuyá
6.12 Tofu (Glycine max) 豆腐 dòufŭ
7 Gemüse 蔬菜 shūcài
7.1 Alge (Porphyra purpurea) 藻类 zǎolèi
7.2 Artischocke (Cynara scolymus) 洋蓟 yángjì
7.3 Aubergine (Solanum melongena) 茄子 qiézi
7.4 Avocado (Persea americana) 鳄梨 èlí
7.5 Bambus (Phyllostachys-edulis) 竹笋 zhúsŭn
7.6 Blumenkohl (Brassica oleracea) 白花菜 báihuācài
7.7 Brokkoli (Brassica oleracea) 绿花菜 lǜhuācài
7.8 Champignon (Agaricus spec.) 蘑菇 mógū
7.9 Chicorée (Cichorium intybus var. foliosum) 苣荬菜 jùmǎicài
7.10 Chinakohl (Brassica rapa ssp. pekinensis) 白菜 báicài
7.11 Endivie (Cichorium endivia) 苦苣 kŭjù
7.12 Erbse (Pisum sativum) 豌豆 wāndòu
7.13 Feldsalat (Valeriana locusta) 田色拉 tiánsèlā
7.14 Fenchel (Foeniculum vulgare) 茴香 huíxiāng
7.15 Frühlingszwiebel (Allium fistolusum) 青葱 qīngcōng
7.16 Gurke (Cucumis sativus) 黄瓜 huángguā
7.17 Karotte (Daucus carota) 胡萝卜 húluóbo
7.18 Kartoffel (Solanum tuberosum) 马铃薯 mǎlíngshŭ
7.19 Kohlrabi (Brassica oleracea var. Gongylodes) 球茎甘蓝 qiújīng gānlán
7.20 Kürbis, gelb/weiß (Cucurbita maxima) 南瓜 nánguā
7.21 Kürbis (Hokkaido; Cucurbita maxima) 南瓜 nánguā
7.22 Lauch (Allium porum) 韭葱 jiŭcōng
7.23 Meerrettich (Armoracia rusticana) 辣根 làgēn
7.24 Olive, grün (Olea europaea) 绿橄榄 lǜgǎnlǎn
7.25 Olive, schwarz (Olea europaea) 黑橄榄 hēigǎnlǎn
7.26 Paprika (Capsicum annuum) 灯笼椒 dēnglóngjiāo
7.27 Petersilienwurzel (Petroselinum crispum) 欧芹根 ōuqíngēn
7.28 Radieschen (Raphanus sativus) 小萝卜 xiǎoluóbo
7.29 Rettich, schwarz (Raphanus sativus L. var. niger) 黑萝卜 hēiluóbo
7.30 Rettich, weiß (Raphanus sativus) 白萝卜 báiluóbo
7.31 Rotkohl (Brassica oleracea var. Capitata) 红叶卷心菜 (紅葉捲心菜) hóngyè juǎnxīncài
7.32 Rübe, gelb (Brassica rapa) 黄芜菁 huángwújīng
7.33 Rübe, rot (Beta vulgaris subsp. vulgaris var. conditiva) 甜菜根 tiáncàigēn
7.34 Rucola (Eruca sativa) 芝麻菜 zhīmacài
7.35 Salat, grün (Lactuca sativa) 色拉 sèlā
7.36 Schwarzwurzel (Scorconera hispanica) 黑根 hēigēn
7.37 Sellerie (Apium) 芹菜 qíncài
7.38 Spargel (Asparagus officinalis) 龙须菜 lóngxūcài
7.39 Spinat (Spinacia oleracea) 菠菜 bōcài
7.40 Süßkartoffel (Ipomoea batatas) 甘薯 gānshŭ
7.41 Tomate (Lycopersicum esculentum) 西红柿 xīhóngshì
7.42 Weißkohl (Brassica oleracea var. Capitata) 卷心菜 juǎnxīncài
7.43 Wirsingkohl (Brassica oleracea var. Sabauda) 卷心菜 juǎnxīncài
7.44 Zucchini (Curcurbita pepo) 西葫芦 xīhúlú
7.45 Zwiebel (Allium cepa) 洋葱 yángcōng
8 Obst 果 guŏ
8.1 Ananas (Ananas cosmosus) 菠萝 bōluó
8.2 Apfel (Malus domestica) 苹果 píngguŏ
8.3 Aprikose (Prunus armeniaca) 杏子 xìngzi
8.4 Banane (Musa paradisiaca) 香蕉 xiāngjiāo
8.5 Birne (Pyrrus communis) 梨 lí
8.6 Brombeere (Rubus fructiosus) 黑莓 hēiméi
8.7 Dattel (Phoenix dactylifera) 海枣 hǎizǎo
8.8 Erdbeere (Fragaria spec.) 草莓 cǎoméi
8.9 Feige (Ficus carica) 无花果 wúhuāguŏ
8.10 Grapefruit (Citrus paradis) 西柚 xīyòu
8.11 Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) 歐洲越橘 ōuzhōuyuèjú
8.12 Himbeere (Rubus idaeus) 树莓 shùméi
8.13 Holunderbeere (Sambucus nigra) 西洋接骨木 xīyángjiēgŭmù
8.14 Honigmelone (Cucumis melo) 蜂蜜瓜 mìguā
8.15 Johannisbeere (Ribes rubrum) 红穗醋栗 hóngsucùlì
8.16 Kirsche (Prunus avium) 樱桃 yīngtáo
8.17 Kiwi (Actinidia chinensis) 猕猴桃 míhóutáo
8.18 Lychee (Litchi chinensis) 荔枝 lìzhī
8.19 Mandarine (Citrus reticulata) 橘子 júzi
8.20 Mango (Mangifera indica) 芒果 mángguŏ
8.21 Orange (Citrus sinensis) 柑橘 gānjú
8.22 Papaya (Carica papaya) 木瓜 mùguā
8.23 Pfirsich (Prunus persica) 桃子 táozi
8.24 Pflaume (Prunus domestica) 李子 lĭzi
8.25 Quitte (Cydonia oblonga) 榅桲 wēnpo
8.26 Rhabarber (Rheum rhabarbarum) 大黄 dàhuáng
8.27 Sauerkirsche (Prunus cerasus) 酸樱桃 suānyīngtáo
8.28 Traube, rot (Vitis vinifera) 红葡萄 hóngpútáo
8.29 Traube, weiß (Vitis vinifera) 白葡萄 báipútao
8.30 Unreife Beere 生的浆果 shēngde jiāngguŏ
8.31 Wassermelone (Citrullus lanatus) 西瓜 xīguā
8.32 Zitrone (Citrus limon) 柠檬 níngméng
9 Fleisch 肉 ròu
9.1 Ente (Anas spec.) 鸭肉 yāròu
9.2 Gans (Anserinae) 鹅肉 éròu
9.3 Hase (Lepus europaeus) 兔肉 tùròu
9.4 Hirsch (Cervus elaphus) 鹿肉 lùròu
9.5 Huhn (Gallus gallus) 鸡肉 jīròu
9.6 Kalb (Bos primigenius) 小牛肉 xiǎoniúròu
9.7 Lamm (Capra spec.) 羔羊肉 gāoyángròu
9.8 Pute (Meleagris gallopavo Linnaeus f. domestica) 火鸡肉 huŏjīròu
9.9 Rind (Bos primigenius) 牛肉 niúròu
9.10 Schwein (Sus scrofa) 猪肉 zhūròu
9.11 Wachtel (Coturnix coturnix) 鹑肉 chúnròu
9.12 Wildschwein (Sus scrofa) 野猪肉 yězhūròu
9.13 Ziege (Capra spec.) 羊肉 yángròu
10 Fisch 鱼 yú
10.1 Aal (Cyema) 鳗鲡 mánlí
10.2 Auster (Ostrae edulis) 牡蛎 mŭlì
10.3 Barsch (Perca fluviatilis) 鲈鱼 lúyú
10.4 Forelle (Salmo gaiderii fario) 鳟鱼 zùnyú
10.5 Garnelen (Litopenaeus vannamei) 大虾 dàxiā, Shrimps (Penaeus spp) 小虾 xiǎoxiā, Languste (Palinuridae) 龙虾 lóngxiā
10.6 Hering (Chupea harengus) 鲱鱼 fēiyú
10.7 Hummer (Homarus) 龙虾 lóngxiā
10.8 Karpfen (Cyprinus carpio) 鲤鱼 lĭyú
10.9 Kaviar (Huso huso) 鱼子酱 yúzĭjiàng
10.10 Krebse (Crustacea) 蟹 xiè
10.11 Kabeljau (Gadus morhua) 鳕鱼 xuěyú
10.12 Lachs (Salmo salar) 鲑鱼 guīyú
10.13 Miesmuschel (Mytilis edulis) 蓝贝 lánbèi
10.14 Sardelle (Engraulis encrasicolus) 鳀鱼 tíyú
10.15 Sardine (Sardina pilchardus) 沙丁鱼 shādīngyú
10.16 Thunfisch (Thunnus spec.) 鲔鱼 wěiyú
10.17 Tintenfisch (Sepia officinalis) 墨鱼 mòyú
11 Gewürze 作料 zuòliào
11.1 Anis (Pimpinella anisum) 茴芹 huíqín
11.2 Basilikum (Ocimum basilicum) 罗勒 luólè
11.3 Bohnenkraut (Satureja hortensis) 豆草 dòucǎo
11.4 Chili (Capsicum frutescens) 辣椒 làjiāo
11.5 Curcuma (Curcuma longa) 姜黄 jiānghuáng
11.6 Dill (Anethum graveolens) 莳萝 shíluó
11.7 Estragon (Artemisia dracunculus) 龙蒿 lónghāo
11.8 Fenchelsamen (Semen Foeniculum vulgare) 茴香 huíxiāng
11.9 Galangawurzel (Alpinia officinarum Hance) 高良姜 gāoliángjiāng
11.10 Ingwer, frisch (Zingiberis recens) 生姜 shēngjiāng
11.11 Kardamom (Elettaria cardamomum) 小豆寇 xiǎodòukòu
11.12 Knoblauch (Allium sativa) 大蒜 dàsuàn
11.13 Koriandersamen (Coriandrum sativum) 芫荽 yánsuī
11.14 Kreuzkümmel (Cuminum cyminum) 小茴香 xiǎohuíxiāng
11.15 Kümmel (Carum carvi) 葛缕子 gélǚzi
11.16 Lorbeer (Laurus nobilis) 月桂叶 yuèguìyè
11.17 Majoran (Origanum majorana) 马郁兰 mǎyùlán
11.18 Muskat (Nuces moschatae) 肉豆蔻 ròudòukòu
11.19 Nelke (Syzygium aromaticum) 丁子香 dīngzĭxiāng
11.20 Oregano (Origanum vulgare) 牛至 niúzhì
11.21 Paprikagewürz (Capsicum annuum) 柿子椒 shìzĭjiāo
11.22 Petersilie (Petroselinum crispum) 欧芹 ōuqín
11.23 Pfeffer, rot (Piper ruber) 红胡椒 hónghújiāo
11.24 Pfeffer, schwarz (Piper nigrum) 黑胡椒 hēihújiāo
11.25 Pfefferminze (Mentha x piperita) 薄荷 bòhé
11.26 Rosmarin (Rosmarinus officinalis) 迷迭香 mídiéxiāng
11.27 Safran (Crocus sativus L.) 藏紅花 zànghónghuā
11.28 Salz (Sal) 盐 yán
11.29 Schnittlauch (Allium schoenoprasum) 细香葱 xìxiāngcōng
11.30 Senfkörner (Granum sinapis) 芥子粕 jièzĭpò
11.31 Sternanis (Illicium verum) 八角 bājiǎo
11.32 Thymian (Thymus vulgaris) 百里香 bǎilĭxiāng
11.33 Vanille (Vanilla planifolia) 香草 xiāngcǎo
11.34 Zimt (Cinnamomum verum) 肉桂 ròuguì
12 Nüsse 坚果 jiānguŏ und Samen 种子 zhŏngzi
12.1 Cashewnuss (Semen Anacardium occidentale) 腰果 yāoguŏ
12.2 Erdnuss (Arachis hypogaae) 花生 huāshēng
12.3 Haselnuss (Corylus avellana) 榛子 zhēnzi
12.4 Kastanie (Castanea sativa) 栗子 lìzi
12.5 Kokosnuss (Cocos nuciferae) 椰子 yēzi
12.6 Kürbiskern (Cucurbitae pepo) 南瓜子 nánguāzĭ
12.7 Leinsamen (Linum usitatissimum) 亚麻子 yàmázĭ
12.8 Mandel (Prunus dulcis) 杏仁 xìngrén
12.9 Mohn (Papaver) 罂粟籽 yīngsùzĭ
12.10 Pinienkern (Pinus pinea) 松子 sōngzĭ
12.11 Pistazie (Pistacia vera) 开心果 kāixīnguŏ
12.12 Sesam (Sesamum indicum) 芝麻 zhīma
12.13 Sonnenblumenkern (Helianthus annuus) 葵花子 kuíhuāzi
12.14 Walnuss (Juglans regia) 胡桃 hútáo
13 Sonstiges
13.1 Butter oder Ghee (Bos primigenius) 牛油 niúyóu
13.2 Ei (Gallus gallus) 鸡蛋 jīdàn
13.3 Essig (Acetum) 醋 cù
13.4 Honig (Mel) 蜂蜜 fēngmì
13.5 Joghurt (Bos primigenius) 酸奶 suānnǎi
13.6 Käse, allgemein (Caseus) 奶酪 nǎilào
13.7 Kürbiskernöl (Cucurbita pepo var. styriaca) 南瓜子油 nánguāziyóu
13.8 Leinöl (Linum usitatissimum) 亚麻子油 yàmázĭyóu
13.9 Milch (Lacteus) 牛奶 niúnǎi
13.10 Öl, allgemein, kalt gepresst (Oleum) 油 yóu
13.11 Olivenöl (Oleum olivarum) 橄榄油 gǎnlǎnyóu
13.12 Sahne (Sagina) 奶油 nǎiyóu
13.13 Sauerrahm 酸奶油 suānnǎiyóu
13.14 Schafs-/Ziegenkäse (Ovis caseus/Capra caseus) 羊奶酪 yángnǎilào
13.15 Sesamöl (Oleum sesamum indicum) 芝麻油 zhīmáyóu
13.16 Sonnenblumenöl (Oleum helianthus annuus) 葵花油 kuíhuāyóu
13.17 Zucker, braun (Saccharum officinarum) 红糖 hóngtáng
13.18 Zucker, weiß (Saccharum officinarum) 白糖 báitáng
14 Getränke 饮料 yĭnliào
14.1 Bier, allgemein 啤酒 píjiŭ
14.2 Früchtetee 花茶 huāchá
14.3 Getreidekaffee 五谷咖啡 wŭgŭkāfēi
14.4 Kaffee (Coffea arabica) 咖啡 kāfēi
14.5 Kakao (Theobroma cacao) 可可 kěkě
14.6 Tee, grün (Camelia sinensis) 绿茶 lǜchá
14.7 Tee, schwarz (Camelia sinensis) 红茶 hóngchá
14.8 Wein, weiß (Vitis vinifera) 白葡萄酒 báipútaojiŭ
14.9 Wein, rot (Vitis vinifera) 红葡萄酒 hóng pútaojiŭ
Teil 3
15 Die häufigsten 31 westlichen Krankheitsbilder
15.1 Allgemeines Erschöpfungssyndrom
15.1.1 Ernährung bei allgemeinem Erschöpfungssyndrom
15.2 Atemwegserkrankungen
15.2.1 Ernährung bei Asthma bronchiale
15.2.2 Ernährung bei Infektanfälligkeit
15.2.3 Ernährung bei akutem grippalem/fieberhaftem Infekt
15.2.4 Ernährung bei Sinusitis
15.3 Chronische Schmerzsyndrome
15.3.1 Ernährung bei Kopfschmerzen
15.3.2 Ernährung bei HWS-Syndrom
15.3.3 Ernährung bei LWS-Syndrom
15.3.4 Ernährung bei rheumatischen Gelenkbeschwerden
15.4 Geistige und emotionale Störungen
15.4.1 Ernährung bei Schlafstörungen
15.4.2 Ernährung bei Depression
15.4.3 Ernährung bei mentaler Leistungsminderung
15.5 HNO-Erkrankungen
15.5.1 Ernährung bei Schwindel
15.5.2 Ernährung bei Tinnitus
15.6 Herz-Kreislauf-Erkrankungen
15.6.1 Ernährung bei Hypertonie
15.6.2 Ernährung bei Hypotonie
15.6.3 Ernährung bei Palpitation/Herzrhythmustörungen
15.7 Magen-Darm-Erkrankungen
15.7.1 Ernährung bei Colon irritabile
15.7.2 Ernährung bei entzündlichen Darmerkrankungen
15.7.3 Ernährung bei Diarrhöe
15.7.4 Ernährung bei Gastritis
15.7.5 Ernährung bei Obstipation
15.7.6 Ernährung bei Lebensmittelunverträglichkeiten
15.8 Urogenitale Erkrankungen
15.8.1 Ernährung bei Harnwegsinfekt/Reizblase
15.8.2 Ernährung bei Impotenz
15.8.3 Ernährung bei Prostatitis
15.9 Gynäkologische Erkrankungen
15.9.1 Ernährung bei Amenorrhöe
15.9.2 Ernährung bei Dysmenorrhöe
15.9.3 Ernährung bei Infertilität – Unerfüllter Kinderwunsch
15.9.4 Ernährung bei klimakterischen Beschwerden
15.10 Hauterkrankungen
15.10.1 Ernährung bei Hauterkrankungen
16 Chinesische Diätetik bei häufigen Krankheitsmustern der TCM
16.1 Milz-Qi-Mangel
16.2 Schleim-Akkumulation
16.3 Nieren-Yang-Mangel
16.4 Blut (Xue)- und Yin-Mangel
16.5 Hitze-Nässe-Erkrankungen
16.6 Zur allgemeinen Reinigung des Organismus: die „milde Reinigungskur“
16.6.1 Durchführung
Teil 4
17 Ernährungsberatung
17.1 Diätratgeber und Ernährungsdogmen
17.2 Praxis der Ernährungsberatung
17.2.1 Erfolgreiche Wissensvermittlung
17.2.2 Schriftliche Ausführungen
17.2.3 Wenig ist mehr
18 Essen – Nicht nur Nahrungsaufnahme
18.1 Essen – Die Rahmenbedingungen
18.2 Allgemeine Essensregeln
18.3 Die richtige Nahrungszubereitung
18.4 Heißwasser-Trinkkur
19 Übergewicht – Thema Nummer eins in der heutigen Zeit
19.1 Definition und Klassifikation von Übergewicht und Adipositas
19.2 Bedeutung und Messung der Fettverteilung
19.3 Gesundheitsproblem Adipositas
19.3.1 Verbreitung der Adipositas
19.3.2 Komorbiditäten und Komplikationen von Übergewicht und Adipositas
19.3.3 Metabolisches Syndrom
19.3.4 Mortalität und Lebenserwartung
19.4 Ursachen von Übergewicht und Adipositas
19.4.1 Die häufigsten Ursachen von Übergewicht
19.4.2 Weitere Ursachen
20 Unterschiede zwischen westlicher Ökotrophologie und Chinesischer Diätetik
20.1 Neueste genetische Erkenntnisse der Verdauungsindividualität
20.2 Westliche Ökotrophologie
20.3 Chinesische Ernährungslehre
21 Unterschied zwischen Chinesischer Phytotherapie und Chinesischer Diätetik
22 Alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede
22.1 Altersspezifische Unterschiede
22.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede
23 Ernährungstipps – Ernährung bei Säuglingen, Abstillen ab dem 6. Lebensmonat
23.1 Allmähliches Abstillen
23.2 Tagesplan nach dem Abstillen
24 Kleines Brevier zu den verschiedenen Ernährungsschulen
24.1 Die Säure-Basen-Kost (SB)
24.1.1 Grundgedanke
24.1.2 Die Säure-Basen-Kost aus Sicht der Chinesischen Medizin
24.2 Die neue Glyx-Diät
24.2.1 Grundgedanke
24.2.2 Die Glyx-Diät aus Sicht der Chinesischen Medizin
24.3 Die Haysche Trennkost
24.3.1 Grundgedanke
24.3.2 Die Trennkost aus Sicht der Chinesischen Medizin
24.4 Die Insulin-Trennkost (SIS)
24.4.1 Grundgedanke
24.4.2 Die Insulin-Trennkost aus Sicht der Chinesischen Medizin
24.5 Die Atkins-Diät (LCHP)
24.5.1 Grundgedanke
24.5.2 Die Atkins-Diät aus Sicht der Chinesischen Medizin
24.6 Ernährung nach den Regeln der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.)
24.6.1 Grundgedanke
24.6.2 Ernährung aus Sicht der Chinesischen Medizin
Anhang
25 Nahrungsmittel nach Temperaturverhalten und Bezug zur Wandlungsphase
26 Ausbildungsmöglichkeiten für Chinesische Diätetik und Ernährungsberatung
27 Literatur
28 Abbildungsnachweis
29 Sachverzeichnis
1 Geschichte
2 Ernährung und Psyche – Der Darm beeinflusst das Gehirn
3 Was ist Diätetik?
4 Die Erkennung des energetischen Musters – Diagnosestellung
Man kann nicht über Ernährung sprechen, ohne die grundsätzliche Frage zu stellen, für welche Ernährung der Mensch idealerweise gebaut ist. Natürlich haben sich die menschliche Physiologie und das Verdauungssystem genau an die seit vielen hunderttausend Jahren zur Verfügung stehende Nahrung angepasst. Der Vorteil der menschlichen Physiologie ist, dass der Mensch ein „Allesfresser“ ist, der in Notzeiten oder Änderungen des Angebots – bedingt durch Klima und Jahreszeiten – auf andere Nahrungszusammensetzungen relativ leicht ausweichen kann. Weiterhin hat er in der Frühzeit durch nomadisierende Lebensweise sich bestimmten Einflüssen entziehen oder die Umgebung seinen Bedürfnissen entsprechend in bestimmten Grenzen wählen können. Dennoch ist und bleibt die Frage hochinteressant, welches eigentlich unsere Urnahrung gewesen ist, und ob diese für uns heute noch genauso ideal wäre. Der Mensch und seine Umwelt beeinflussen sich gegenseitig. Die menschliche Entwicklung auf der sozialen Ebene beeinflusst das Nahrungsangebot und dieses wirkt auch auf seine Physiologie.
Die verschiedenen Stadien der Entwicklung menschlicher Gesellschaften (siehe ▶Tab. 25.5):
Jäger und Sammler
Ackerbau mit Sesshaftwerdung, Domestizierung von Tieren
Weiterentwicklung von Viehzucht und Ackerbau
Industrialisierung im 19. Jh., die sich von England, Westösterreich und Preußen (mit dem Ruhrgebiet) ausgehend über Europa vollzog
Die letzte große Umwälzung und Revolutionierung für die Ernährung brachte die Moderne mit der Entwicklung der Biochemie, die den großflächigen und standardisierten Einsatz von Pestiziden, Insektiziden und Düngemittel zur Ertragssteigerung ermöglichte.
Einsatz von Antibiotika, Hormongaben und neuerdings auch gentechnisch verändertem Saatgut
In der Ernährungswissenschaft fragt man sich, was ist die ideale oder eigentliche Ernährung des Menschen, für die er gemacht ist, an die er sich im Laufe der Entwicklungsgeschichte mit seinen Verdauungsorganen und seinem Stoffwechsel anpassen konnte. Die „darwinistische Medizin“ glaubt, dass wir von einer gewissen Rückbesinnung auch heutzutage profitieren könnten. Daran schließen sich natürlich auch die beiden Fragen an, ob der Mensch als „Allesfresser“ sich nicht in den letzten Jahrhunderten umstellen und anpassen konnte, und/oder ob für uns heute wichtige Informationen aus dem Verständnis der für Jahrtausende bestehenden Ernährungsgewohnheiten gewonnen werden können. Eiweiß, z. B. Fleisch, wurde lange roh verzehrt. Feuer war zuerst nur bei Blitz- oder Spontanentzündungen nutzbar. Erst mit der Kontrolle über das Feuer wurden manche Nahrungsmittel durch Erhitzung zubereitet (vor ca. 500 000 Jahren). Das bedeutete neben Wärme und Vertreibung von Raubtieren v. a. Keimreduktion durch Abtötung von Bakterien und Entlastung des Verdauungssystems.
▶Tab. 1.1 Anthropologische Entwicklung menschlicher Gesellschaften.
Phase
Beschreibung
Nahrung
Entwicklung
Resultierende Entwicklung
Jäger und Sammler 1 000 000 – 15 000 v. Chr.
längste Phase der Menschheitsgeschichte:
Menschengruppen bewegten sich innerhalb fließender Grenzen und Reviere
Männer gingen der Jagd nach, jüngere Frauen dem Sammeln, auch Kleinkinder konnten dazu mitgenommen werden
Wurzeln, Kräuter, Beeren, Früchte, Samen, Kerne, Wildgemüse, Insekten, Reptilien, kleine Säugetiere, gefundene Reste von Großtieren, wenn Raubtiere etwas übrig ließen
langsame Anpassung der frühmenschlichen Physiologie und des Verdauungssystems an das vorhandene Nahrungsangebot: viele Ballaststoffe, hochwertiges Eiweiß, wenig hochwertiges Fett und wenig Kohlenhydrate
ebenso Anpassung des Muskelstoffwechsels an die Notwendigkeit, der Nahrung „hinterherzulaufen“: die längste Zeit war die Ausdauerjagd die übliche Jagdform, durchschnittlich täglich zurückgelegte Strecken von 20–30 km
Agrarkulturen ab 15 000 v. Chr. – 1800 n. Chr.
Sesshaftwerdung mit Viehzucht (Domestizierung) und Ackerbau
Samen von Süßgräsern werden im Herbst aufbewahrt und im Frühjahr ausgesät
größer werdende Menschenansammlungen, Städteentwicklung erfordern größere Menge an Nahrungsmitteln
Getreide (höherer Anteil von Kohlenhydraten)
Eiweiß (zunehmend von domestizierten und weniger von Wildtieren)
rascher werdende Veränderung eines modifizierten Nahrungsangebotes und Beeinflussung der menschlichen Physiologie
z. B. werden jetzt Individuen gefördert, die durch Mutationen (Gendefekte) Milcheiweiß im Erwachsenenalter verdauen können (heute bei der mittel- und nordeuropäischen Bevölkerung und den davon abstammenden Nordamerikanern)
statt Ausdauer beim Jagen wird jetzt Krafteinsatz bei der Feldarbeit gefordert:
zahlreiche Menschen können sich an das erhöhte Kohlenhydratangebot anpassen
Industrialisierung 19. Jh.
Raffinierungsprozesse/Beginn der Industrialisierung, auch der Nahrungsmittelgewinnung
Auszugsprodukte und daraus hergestellte Produkte, Brot, Nudeln, Industriezucker
noch schnellere Änderungen in Ernährungsgewohnheiten
große Zahl von Menschen verliert Bezug zur Herstellung von Nahrungsmitteln (Städter, Fabrikarbeiter)
körperliche Arbeit wird weit weniger oder sehr viel einseitiger
Moderne ab 20. Jh. bis heute
Entwicklung der Chemie, organische und Biochemie: Pestizide, Insektizide, Düngemittel, Antibiotika (auch Obstbau und Viehzucht), Gentechnologie (Mais, Kartoffeln, Viehzucht usw.)
zunehmend verschiedene chemische Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln: Konservierungs-, Farbstoffe, Emulgatoren oder Geschmacksverstärker
ganzjährig sind exotische Gemüse und Früchte durch Überseehandel verfügbar
extrem schnelle Änderung von Nahrungsmitteln und darin enthaltenen Zusatzstoffen, z. T. von Stoffgruppen, die bis dahin für den Körper unbekannte Moleküle darstellen
der durchschnittliche Angestellte legt täglich noch ca. 700m zurück
Die erste große Nahrungsrevolution beginnt bereits vor ca. 15 000 Jahren. Am „neuesten“ und ungewohntesten für den Jungsteinzeitmenschen sind die Verwendung von Getreide (Weizen, ohne Ackerbau nicht verfügbar) und Milchprodukten (ohne Viehzucht nicht verfügbar). Hierzu wurden im Herbst Samen von Süßgräsern (Pflanzenfamilie der Poaceae) aufbewahrt, um diese im Frühjahr in den Boden zu säen. So konnte durch Auswahl und Zucht eine allmähliche Ertragssteigerung der sonst recht wenig ergiebigen Grassamen erzielt werden. Ähnlich wurde mit dem Anbau von stärkehaltigen Wurzeln und Knollen verfahren. Damit änderten sich zwei extrem entscheidende Faktoren: Zum einen standen nun in hohem Maße relativ konstant Kohlenhydrate zu Verfügung, da sich diese noch dazu viel besser lagern ließen als Wildgemüse. Zum anderen wurde jetzt, statt einer auf Ausdauer ausgerichteten Muskulatur für die Hetzjagd, eine für Entfaltung von Kraft zum Bestellen der Felder benötigt. Sehr wahrscheinlich vollzog sich dieser massive Entwicklungsschritt nicht zufällig, sondern wurde durch die Eiszeiten stark angeregt. Nach wärmeren Perioden – mit subtropischen Klimabedingungen in Mitteleuropa – wurde durch die Kälteperioden Nahrung knapper und Vorratshaltung sinnvoller. Dadurch wurden erst größer werdende Menschenansammlungen und später Städteentwicklungen möglich, die umgekehrt wiederum größere Mengen an Nahrungsmitteln und eine arbeitsteilige Nahrungsbeschaffung erforderlich machten.
Um ca. 7000 v.Chr. fand eine Genmutation in Mittel- und Nordeuropa statt, die Erwachsenen die Möglichkeit der Verdauung von Milch und Milchprodukten auch nach der Kindheit ermöglichte. Alle Säugetiere bilden Laktase während der Stillzeit und normalerweise verliert sich danach allmählich die Aktivität dieses Enzyms auf Werte von 5 – 10 %, bezogen auf den Ausgangswert in der Stillzeit. Diese Mutation war sicher ein Selektionsvorteil und setzte sich deshalb in diesem regionalen Gebiet durch. Dennoch liegt auch heute noch bei einer Großzahl der Erwachsenen eine im Grunde natürliche Milchunverträglichkeit vor. Daher gilt dies nur in Ländern mit einer weitgehenden Laktosetoleranz als Pathologie (in Deutschland geschätzt 15 – 20 % der Gesamtbevölkerung), während in den meisten Ländern der Erde (Asien, Afrika) dies nicht als Krankheit gesehen wird.
Gerade diese menschheitsgeschichtlich relativ „neuen“ Nahrungsmittel – die Kohlenhydrate und Milchprodukte – bestimmen auch noch heute unsere Speisepläne. Sie sind auch deswegen besonders „beliebt“ geworden, da sie leicht in großen Mengen produziert werden können (riesige Getreidefelder) und die Produktion steigerbar ist (durch Düngung, Großmaschinen und Gentechnologie).
Neueste Forschungen ergaben, dass auch heute noch verschiedene Menschen einen sehr unterschiedlichen – genetisch festgelegten – Stoffwechseltypus aufweisen. Die einen stellen quasi noch Nachfahren des Nomadentypus dar, während andere in ihrer Physiologie bereits genetisch mehr dem „Ackerbauern“ entsprechen. Der Nomadentypus hat eine Ausdauermuskulatur, die eher Einweiß benötigt, aber weniger gut größere Mengen an Kohlenhydraten verwerten kann. Der Ackerbautypus hingegen benötigt viel mehr stärkehaltige Nahrungsmittel und kann diese bei seiner mehr auf Kraft basierenden Feldarbeit auch gut verstoffwechseln [55].
Eine der wichtigsten Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte ist sicherlich, dass Nahrungsmittel sich je nach Entstehung/Produktion erheblich in ihrer Zusammensetzung unterscheiden. Die früher kaum beachteten sog. sekundären Pflanzenstoffe – Polyphenole, Terpene, Antioxidanzien, Omega-3-Fettsäuren – sind in erheblich unterschiedlichen Konzentrationen z. B. in Eiern vorhanden, je nachdem, was ein Vogel oder Huhn gefressen hat: Gras- und Getreidesamen, kleine Insekten usw. oder industriell gemischtes Fertigfutter.
Genau das Gleiche trifft auf Milch und Fleisch zu. Auch bei zahlreichen Gemüsesorten zeigt sich, dass die mehr naturbelassenen, natürlich angebauten oder wild vorkommenden Arten wesentlich reichhaltiger an diesen sekundären Pflanzenstoffen sind.
Die zweite große Nahrungsrevolution nach der Entwicklung von Ackerbau und Viehzucht wird durch die Industrialisierung im 19. Jh. eingeleitet. Durch die Entwicklung und den Bau von Großmaschinen gelingt es, den Acker viel effektiver zu bestellen und die Ernte einzubringen. Auch die Weiterverarbeitung der Nahrung wird mehr und mehr automatisiert. Raffinierungsprozesse erleichtern und verdrängen bei Herstellung und Verteilung der Nahrung die sonst mühsame Handarbeit. Dadurch wird für viele die tägliche Bewegung weiter reduziert. Gleichzeitig werden die Nahrungsmittel noch „nahrhafter“, enthalten aber weniger „lebendiges Qi“. Dies begünstigt die Entstehung von Nässe und Schleim.
In der Neuzeit bestimmen die explosionsartige Entwicklung der Chemie und insbesondere auch der organischen Chemie und der Biochemie die sich weiter beschleunigenden Veränderungen. Durch Pestizide, Insektizide und Düngemittel wird nun versucht, Anbau und Ertrag noch weiter zu optimieren und zu maximieren. Der Einsatz von Antibiotika in der Viehzucht sowie die Mastnahrung und industrialisierte und elektronisch gesteuerte Stallhaltung werden zunächst relativ unkritisch eingesetzt. Die Nahrung selbst wird auch oft mit Zusatzstoffen (Aromastoffe, Emulgatoren) versehen, z. T. aus Haltbarkeitsgründen (Konservierungsstoffe), des besseren Aussehens willen (Farbstoffe, Antioxidanzien, Beta-Karotin) oder als Kaufanreiz mit vermeintlichen gesundheitsfördernden Vitaminzusätzen. Dabei ist gar nicht vollständig geklärt, ob Vitamine immer nur positiv sein müssen (Vitamin C, A, B, Eisen). Fast alle Lebensmittel und Fertiggerichte sind auch als Tiefkühlkost erhältlich. Selbst Brötchen werden häufig vorgebacken und erst im Laden „aus“gebacken.
Die Mikrowelle soll helfen, solche Gerichte möglichst schnell warm auf den Tisch zu bringen. Und den neuesten Versuch weiterer Optimierung und Gewinnmaximierung stellt die Gentechnologie dar (Mais, Kartoffeln, Viehzucht usw.).
Demzufolge ist eine Art Gegenbewegung verständlich, die sich mit mehr und mehr Stimmen meldet und eine solche Entwicklung infrage stellt. Ausdruck davon sind zahlreiche Bio-Produkte, die mittlerweile nicht nur im Naturkostladen, sondern auch schon im Supermarkt Einzug gehalten haben. Bio ist schon fast „in“ geworden, sicher auch durch Ängste und Verunsicherung der Menschen der Nahrungsmittelindustrie gegenüber. Dennoch wissen viele Menschen nicht wirklich, was gut für sie wäre, was sie guten Gewissens essen und wo sie unbelastete Nahrungsmittel am besten einkaufen können.
Bereits vor 2000 Jahren gab es in China eine Tradition, die die Ernährung als Therapie in Form von medizinischen Diätrezepten anwendete. Dies können wir dem „Inneren Klassiker des Gelben Kaisers“, Huang Di Nei Jing, entnehmen, neben den Mawangdui-Texten eine der frühesten Abhandlungen der Chinesischen Medizin. So heißt es im Huang Di Nei Jing [46]:
„Das Yin wird von den fünf Geschmacksrichtungen der Nahrung projiziert und von den fünf Zang-Organen gespeichert, die aber wiederum durch einen unangemessenen Gebrauch der Aromen geschädigt werden können. Zu saure Nahrung führt zu einer gesteigerten Funktion der Leber und zu einer verminderten Funktion der Milz. Zu salzige Nahrung kann die Knochen schwächen, die Muskeln kontrahieren und verkümmern und das Herz-Qi stagnieren lassen. Zu süße Nahrung stört das Herz-Qi und versetzt es in Unruhe. Außerdem kann es zu einer Unausgewogenheit der Nieren-Energie kommen, die das Gesicht schwarz werden lässt. Zu bittere Nahrung verringert die Fähigkeit der Milz, Nahrung zu transformieren und weiterzubefördern. Außerdem kann der Magen nicht mehr wirksam verdauen und wird aufgebläht. Die Muskeln und Sehnen können gedehnt werden. Zu pikante Nahrung schädigt Muskeln und Gefäße und beeinträchtigt Jing Essenz und Shen Geist.“
Und weiter:
„Die Elemente Feuer und Wasser werden ebenfalls in Yang und Yin eingeteilt: Feuer ist Yang, Wasser ist Yin. Der funktionale Aspekt des Körpers ist Yang, der nährende, substanzielle Aspekt ist Yin. Nahrung kann den Körper stärken und nähren, aber die Fähigkeit des Körpers, Nahrung zu verwandeln, hängt vom Qi ab. Der funktionale Teil des Qi stammt von Jing, der Essenz. Nahrung wird zu Jing geläutert; sie stützt das Qi. Qi ist sowohl für die Transformation als auch für die Körperfunktionen notwendig. Aus diesem Grund wird der Körper geschädigt, wenn man falsche Nahrung zu sich nimmt, und Jing, die Essenz, kann sich erschöpfen, wenn man übermäßig aktiv ist.
Geschmack ist eine Yin-Qualität und von absteigender Natur, während das Qi Yang ist und zu den oberen Körperöffnungen aufsteigt. Ein intensiver Geschmack ist reines Yin, ein milder Geschmack ist Yang im Yin. Schwereres Qi ist reines Yang, während leichteres Qi Yin im Yang ist.
Sind ein Geschmack oder eine Speise schwer und trüb, können sie Diarrhöee hervorrufen, ein leichterer, raffinierterer Geschmack hingegen kann durch die Leitbahnen zirkulieren. Es ist deshalb ratsam, einfache und milde Speisen statt reichhaltiger zu sich zu nehmen.
Das leichtere Qi dehnt sich aus und hat die Tendenz, durch die Poren und Öffnungen aus dem Körper zu strömen. Das schwerere, substanziellere Qi kann das Yang bei der Produktion von Feuer im Körper unterstützen. Besteht ein Yang/Feuer-Überschuss, kann er das Yuan-Ursprungs-Qi des Körpers schädigen. Deshalb sollte man es vermeiden, einen Überschuss an Feuer im Körper zu erzeugen.“
Aus Sicht der Chinesischen Medizin würde ich sagen, dass wir in der Neuzeit aus ernährungstechnischer Sicht das Hauptpathogen unserer Zeit in der Nässe zu sehen haben. Wenn vor 2000 Jahren im Shang Han Lun die Kälte als das bedeutendste aller Übel angesehen wurde, wurde dies über 1000 Jahre später durch das Wen Bing Lun um die große Bedeutung der „warmen“ Erkrankungen erweitert. Auch dies war damals notwendig geworden, da sich die soziokulturellen Rahmen- und Lebensbedingungen der Menschen verändert hatten und das Shang Han Lun den Wen-Bing-Anhängern zufolge dem pathogenen Faktor Hitze zu wenig Rechnung trug. Somit müssten wir heute wiederum als Antwort auf das sich gewandelte Nahrungsangebot mit seiner hohen Kaloriendichte das Pathogen Feuchtigkeit/Nässe (Shi) in den Mittelpunkt unserer Betrachtung nehmen. Dies ergibt sich aus den nachfolgend aufgeführten Gründen (▶Tab. 1.2).
Die Nahrung ist „größer“ geworden. Der Apfel, das Schwein und das Weizenkorn. Durch gezielten Anbau und Züchtung ist sie nahrhafter geworden – sie enthält mehr Stärke und Eiweiß. Dies war zunächst ein Vorteil (vor Jahrhunderten, als die Menschheit noch von Hungersnöten geplagt wurde).
Heute ist der Überfluss an Nahrung das Hauptproblem in der zivilisierten Ersten Welt. Prozentual ist Nahrung im Durchschnitt sogar billiger geworden (siehe Butterpreis und Billigfleisch). Außerdem ist es gleichzeitig immer aufwendiger und kostspieliger, sich wirklich mit den qualitativ hochwertigen Produkten einzudecken (kalt gepresste Öle, frische, unbehandelte und nicht überzüchtete Obst- und Gemüsesorten, qualitativ hochwertiges Fleisch).
Daher sind sich sehr viele Experten, Gesundheitswissenschaftler und Politiker einig: Das Wichtigste in unserem Jahrhundert sind Aufklärung und Anregung zur Korrektur schädlicher Ernährungs- und Lebensgewohnheiten. Sicherlich liegt hier ein noch größeres Potenzial als in der Forschung neuester Arzneimittel, z. B. gegen Diabetes und Hypertonie, da viele dieser Erkrankungen dann seltener auftreten würden.
Zusätzlich gehört gleichberechtigt ein ausreichendes Maß an körperlicher Bewegung dazu, weil sie Nässe vertreibt und das Qi bewegt/reguliert.
▶Tab. 1.2 Die Hauptpathogene im Wandel der Zeiten.
Epoche
Hauptpathogen
Niederschlag in Literatur
Soziokulturelle Rahmenbedingung
zur Zeitenwende
Kälte
Shang Han Lun (ca. 220 n. Chr.)
spärliche Heizung
einfachste Lebensbedingungen
ab 900 – 1800 n. Chr.
Hitze
Wen Bing Lun (ca. ab 1600 n. Chr.)
reichhaltiges Nahrungsangebot, Genussmittel, Sake erst „das reichste Zeitalter“ – „Große Friedensperiode“ (Tai Ping), dann durch Kriege und Unruhen Infektionskrankheiten: ca. 64 große Epidemien in Ming- (1368 – 1644) und 74 in Qing- Dynastie (1644 – 1911)
ab 1900 n. Chr.
Nässe
–
Möglichkeit durch Überzüchtung und Biochemie:
chem. Düngemittel: machen Weizen nahrhafter
Kühlschränke und Tiefkühl-Produkte: viel Wei und wenig Qi (viele Backwaren, Pizza, Brot, Brötchen, Gemüse)
Auszugs-Produkte: Mehl, Zucker, Sahne, Milch (pasteurisiert/homogenisiert)
Fleisch: Mastvieh ohne Bewegung, durch Hormone (Östrogene) mehr Yin und mehr Feuchtigkeit Die Tiere wiegen dann mehr und bilden mehr Masse, aber nicht mehr Qi.
Fette – Streichfette, gehärtete Fette (Margarine): weniger lebendige Öle/weniger Omega-3-Fettsäuren
Die Forscher Ernersson und Nyström [21] stellten bei gesunden Versuchspersonen, die sich freiwillig einer experimentellen 4-wöchigen Fast-Food-„Diät“ unterzogen, fest, dass Stimmungslage und allgemeiner Antrieb deutlich vermindert waren und depressive Symptome sich häuften.
Die Beeinflussung von Gehirn, Stimmung und kognitiver Leistungsfähigkeit geschieht auf vier unterschiedlichen Wegen:
Im Darm sind – wie sonst nur im Zentralnervensystem und im Rückenmark – Ansammlungen von Nervenzellen verbunden, die man im Zusammenspiel das „dritte Gehirn“ oder auch das „enterische Gehirn“ nennt.
Im Darm werden Stoffe gebildet, die nach neuesten Erkenntnissen unmittelbar auf das Gehirn wirken können: sogenannte „Darmhormone“, die den Neurotransmittern im Gehirn selber ähneln. Die Forscherin Gómez-Pinilla
[27]
konnte z. B. einzelne dieser Hormone beschreiben, die im Darm gebildet werden und über die Blut-Liquor-Schranke das Gehirn direkt in seinen kognitiven, aber sogar auch emotionalen Funktionen beeinflussen können.
Im Darm befinden sich ca. 1 – 2 kg Darmbakterien, deren Zusammensetzung extrem und unmittelbar von unseren Ernährungsgewohnheiten abhängt. Nach Nahrungsumstellung beginnt sich diese Flora bereits nach wenigen Tagen zu ändern. Umgekehrt beeinflussen diese Mikroorganismen über verschiedene Wege unser Wohlbefinden. Manche der Ausscheidungsprodukte haben direkten Einfluss auf unser Zentralnervensystem, andere wirken dagegen indirekt über sog. Zytokine. Dies sind Entzündungsbotenstoffe und kommen bei einigen Depressionskranken in erhöhter Konzentration vor. Der Verzehr von Weißmehlprodukten, gesättigten Fettsäuren und Zucker erhöht die Menge an Zytokinen im Körper und damit auch die Entzündungsbereitschaft. Omega-3-Fettsäuren dagegen scheinen Entzündungsreaktionen zu dämpfen.
Der Darm beherbergt das größte Immunsystem des Körpers. Die lymphatischen Gewebe im Mund- und Racheneingang sind im Vergleich mit der Zahl der Lymphknoten und Immunzellen im Darm beinahe vernachlässigbar. Dass Immunsystem und Psyche eng korrelieren, belegt insbesondere das relativ neue interdisziplinäre Forschungsgebiet der Psychoneuroimmunologie.
Diätetik geht über die reine Ernährung zum Lebenserhalt hinaus und verfolgt gesundheitliche bis medizinische Ziele.
Der Begriff „Diät“ stammt von dem griechischen Wort „Diaita“ ab, was ursprünglich durchaus als „Lebensführung“ im weiteren Sinne gemeint war. Diätetik bezeichnet die wissenschaftliche Beschäftigung mit der für Patienten richtigen Ernährungsform.
Eine „Diät“ einhalten müssen demnach bestimmte Patientengruppen
bei speziellen Erkrankungen (z. B. Diabetes-Diät oder glutenfreie Kost bei Zöliakie),
zur Gewichtsreduktion bei Übergewicht und Adipositas (Reduktionsdiät),
in der Rekonvaleszenzphase bei geschwächtem Organismus nach schwerer Krankheit (Aufbaudiät).
In diesem Sinne ist eine Diät eine Ernährungsform, bei der spezielle Nahrungsmittel über eine längere Zeit konsequent und gezielt ausgewählt – und möglicherweise auch besonders zubereitet – werden.
Gelegentlich werden auch bestimmte Diäten zur Reinigung des Körpers eingesetzt, z. B.:
die Mayr-Kur
[56]
das Buchinger-Fasten [
6
,
7
]
andere Diätformen mit speziellen Nahrungsmitteln, die über Tage bis wenige Wochen gereicht werden, z. T. auch nur frische Fruchtsäfte, sodass hier auch ein fließender Übergang zum Fasten besteht
Die Zielsetzung ist meistens eine Vorbeugung zur Gesunderhaltung und Verbesserung des Wohlbefindens durch „Entgiftung“ und „Entschlackung“ (Prophylaxe). Gelegentlich ist eine Diät aber auch eine Therapie zur Unterstützung der Genesung bei bestimmten Krankheiten.
Es gibt zahlreiche Hinweise aus der Vorzeit, dass Nahrung und Medizin gar nicht zweierlei Dinge waren. Auch im Tierreich gibt es mittlerweise zahlreiche Beobachtungen dafür, dass sich Tiere bestimmte Nahrung mit eindeutig therapeutischer medizinischer Absicht einverleiben, dass sie quasi „Medizinkenntnisse“ haben und anwenden (Primaten, Elefanten).
Es werden z. B. aus dem Tierreich Beobachtungen berichtet über die gezielte Anwendung „heilender Nahrungsmittel“ im Sinne einer arzneilichen Einnahme: Es konnte eine hochträchtige Elefantenkuh beobachtet werden, die über 20 km zurücklegte, bis sie einen Baum fand, dessen Blätter wehenfördernde Inhaltsstoffe enthält, die sie zu sich nimmt, um danach dort zu entbinden. Primaten suchen in einem anderen als ihrem eigenen Territorium Blätter eines Baumes, die üblicherweise sonst nicht auf ihrem Speiseplan stehen. Bei näherer Untersuchung wird eine anthelminthische (Nematoden abtötende) Wirkung dieser Blätter nachweisbar, und im Stuhl des Schimpansen fand man eindeutige Nachweise für einen Wurmbefall des Tieres.
Hippokrates sagte bereits: „Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein.“ (Hippokrates, 460 – 370 v. Chr., [71])
Auch in der jüngeren Geschichte gibt es zahlreiche Therapeuten-Persönlichkeiten, denen es um den Einsatz der Ernährung als Medizin ging. Um nur einige Beispiele zu nennen:
Hildegard von Bingen, die bereits den thermischen Aspekt bestimmter Nahrungsmittel angab [
2
,
29
]
Bircher, der das Müsli publik machte (was allerdings zunächst aus geriebenem Apfel und Haferflocken bestand)
Buchinger, der das Heilfasten entwickelte [
6
,
7
]
F. X. Mayr, der die nach ihm benannte Mayr-Kur einführte
[56]
M. O. Bruker, der den Frischkornbrei und Rohkost propagierte [
4
,
5
]
Auch in China – wie im Abendland – gibt es eine lange Tradition der Verwendung bestimmter Nahrungsmittel zur Erreichung medizinischer Wirkungen. Bereits im Huang Di Nei Jing finden sich dazu zahlreiche Hinweise. Dazu wurden die verschiedenen Nahrungsmittel in Kategorien eingeteilt und ihre Wirkungen beschrieben. Der erste, rein diätetische Text ist möglicherweise das 26. Kapitel in dem von Sun Simiao verfassten Werk „Rezepte, die tausend Goldstücke wert sind“ (Qian jin fang) und geht auf das Jahr 659 n. Chr. zurück.
Die Ernährung ist des Patienten Hausaufgabe. Aber was, wenn jemand gar nicht genau weiß, was für seine Konstitution zuträglich und was eher schädlich ist? Die Chinesische Ernährungstherapie zeichnet sich dadurch aus, dass sie immer eine „individuelle“, auf den Einzelnen zugeschnittene Ernährungsform darstellt. Das unterscheidet sie auch ganz wesentlich von westlichen Ernährungsratgebern und Diätvorschlägen der verschiedenen Frauenzeitschriften. Zunächst wird – wie bei der Akupunktur und Kräutermedizin auch – eine individuelle, energetische Diagnose gestellt. Nach dieser werden die Nahrungsmittel und Ernährungsformen aufgezeigt, die gut tun und die Disposition des Patienten kräftigen können. Dabei spielt neben der Wirkung der einzelnen Nahrungsmittel auch deren Kombination, die Uhrzeit, wann gegessen wird, und die Form der Zubereitung eine wesentliche Rolle.
Einem Patienten mit einem Yang-Mangel wird der Therapeut grundsätzlich eher gekochte Speisen empfehlen und weniger Salate und Rohkost. Ganz meiden sollte er eisgekühlte Getränke, da das sein Verdauungsfeuer noch weiter schwächen würde.
Bei einem Patienten mit einem Yin-Mangel werden die Nahrungsmittel eher von befeuchtender und leicht kühlender Natur sein, da dieses Krankheitsbild mit innerer Trockenheit und der Tendenz zu innerer Hitzeempfindung einhergeht. Hier sind süße Obstsorten wie Weintrauben und Milchprodukte sowie Sahne und hochwertige Öle von besonderer Wichtigkeit.
Die Chinesische Medizin betrachtet alle Einflüsse auf unser System als Wirkkräfte, die uns stärken oder krank machen können. Bei jeder dieser Wechselwirkungen – z. B. beim Einnehmen einer Mahlzeit – sind zwei Komponenten von Bedeutung:
das, was von außen in unser System als Nahrung eintritt.
der Zustand unseres energetischen Systems, auf welchen die aufgenommene Nahrung trifft.
Wenn wir z. B. eine energetisch wärmende Nahrung aufnehmen, hängt die Frage, ob diese Nahrung uns gut tut oder nicht, davon ab, in welchem energetischen Zustand unser Körper sich befindet. Ist ein Mensch ein Hitze-Typ, d. h. in westliche Begriffe übersetzt, seine Stoffwechselprozesse laufen eher übersteigert ab, wäre eine wärmende oder aufheizende Ernährung eher nachteilig, weil diese ihn noch weiter überhitzen könnte. Genau umgekehrt verhält sich diese wärmende Kost bei einem Kälte-Typus, chinesisch gesprochen bei einem Qi- und Yang-Mangel, was in Begriffen der westlichen Medizin grob übertragen eine eher vagotone Stoffwechsellage wäre. Hier wird die wärmende Wirkung der Nahrung den Organismus wärmen und der Mensch wird sich wohler fühlen und verschiedene Beschwerden werden allmählich verschwinden.
Um also als Therapeut hier beratend tätig zu werden oder die Wirkkräfte therapeutisch zu nutzen, müssen wir dazu zweierlei wissen:
Wir müssen wissen, wie ein bestimmter Einfluss auf uns wirkt, d. h., wir müssen Informationen über die in der Nahrung ruhenden Kräfte, die Wirkrichtungen und die Art und Weise, wie und wo sie im Körper wirken, haben.
Wir müssen den Energiezustand dieses bestimmten Systems kennen, um beurteilen zu können, ob es förderliche oder schädigende Einflüsse sind, die wir zu uns nehmen.
Dies trifft natürlich genauso auf klimatische Einflüsse, Einnahme von Medikamenten und seelische Einflüsse durch bestimmte vorherrschende Gemütszustände zu. Bei unserer Ernährung ist dies von ganz besonderer Bedeutung, denn im Gegensatz zu Arzneimitteln, die wir ja in vielen Fällen nur eine bestimmte Zeit einnehmen, essen und trinken wir vom ersten Lebenstag an mehrfach täglich. Auch können wir damit nicht „aufhören“, wie man ein Medikament absetzen kann. Und Essen und Trinken spielen eine viel größere Rolle als nur Energieaufnahme, wie das Auftanken eines Autos zum Beispiel. Wir gehen mit unserem Liebsten essen, wir laden uns Freunde ein, um mit diesen zusammen eine Mahlzeit einzunehmen, wir belohnen uns mit einem guten Essen, wir unternehmen vielleicht sogar kulinarische Reisen, um die Speisenvielfalt anderer Länder und Kulturen kennenzulernen. Kurzum: Essen und Trinken zelebrieren wir auch als Genuss, als soziales Ereignis, als Balsam für Leib und Seele oder als „Event“.
Jedes Nahrungsmittel enthält zwei Aspekte: Einen Qi-Aspekt und einen WeiAspekt (▶Tab. 3.1).
Das Qi in der Nahrung stellt die Grundlage dar für die Ergänzung unseres körpereigenen Qi durch das Essen. Wenn das Essen verdaut ist, spüren wir wieder neue Kraft und haben Qi, um tätig zu sein; wir können – und haben auch Lust dazu – wieder Qi verbrauchen. Qi ist immateriell, man könnte sagen „feinstofflich“.
Wei bedeutet wörtlich „Geschmack“. Der Geschmack basiert auf bestimmten stofflichen Inhaltsstoffen in der Nahrung, die über unseren Geschmackssinn erfahrbar sind. Gleichzeitig stellt es die Grundlage für die Erneuerung der Säfte und des Blutes (Xue) dar.
Insofern besteht bei jeder Nahrung ein bestimmtes Verhältnis von Qi und Wei. Sehr vitale und frische Kost enthält viel Qi. Hochwertiges frisches Gemüse und Kräuter verströmen schon von Weitem ein markantes Aroma. Fertigprodukte, Tiefkühlkost oder lange gelagerte Nahrungsmittel haben weniger Aroma, aber nicht selten einen intensiven Geschmack. Bei deutlichem Überwiegen des Wei-Anteils ist Nahrung durch das fehlende Qi schwerer verdaulich und erzeugt eher Nässe und Schleim (▶Abb. 3.1). Umgekehrt bedeutet viel Qi und wenig Wei sehr energiereiche und aromatische Nahrung, deren Qi selbst zu einer leichteren Verdaulichkeit beiträgt und daher günstiger zu verstoffwechseln ist (▶Abb. 3.2). Naturgemäß ist eine solche Nahrung geeignet bei geschwächten Systemen und zum Reduzieren von Gewicht, aber auch ein Gesunder profitiert davon mit mehr Vitalität und Wohlbefinden. Dennoch sollte die Auswahl der Nahrung ausgewogen sein und auch noch genügend substanzielle Wei-Anteile enthalten, die v. a. für die Nährung der Säfte notwendig sind. Insbesondere dann, wenn eine Tendenz zu Blut- oder Yin-Mangel bei zierlichen oder ausgezehrten Patienten besteht.
▶Tab. 3.1 Die zwei Aspekte jedes Nahrungsmittels.
Aspekt
Bedeutung
Wirkung
zu starkes Überwiegen eines Aspektes in der Nahrung
Qi-Aspekt
Energie Aroma
gibt „Power“
nach dem Essen fühlt man sich leicht und gestärkt, aber nicht voll und müde
viel Qi und zu wenig Wei:
„nährt nicht genug“, man wird nicht satt
im Extremfall:
Duftöl
Parfüm
Essenzen
Wei-Aspekt
Geschmack Substanz
gibt das „Sättigungsgefühl“ und nährt, aber wirkt nicht dynamisierend
man fühlt sich wohlig gesättigt und etwas müde
viel Wei und zu wenig Qi:
macht „pappsatt“ und dick, liefert aber kaum Energie
im Extremfall:
Fast Food
Fertig- und Tiefkühlprodukte
▶Abb. 3.1 Verhältnis Qi und Wei: viel Wei, wenig Qi.
▶Abb. 3.2 Verhältnis Qi und Wei: viel Qi, wenig Wei.
Die Vorstellungen der Nahrungsaufnahme und -resorption bzw. -assimilation unterscheiden sich zum Teil von denen der westlichen Physiologie. Der Funktionskreis Magen nimmt die aufgenommene Nahrung auf. Der Funktionskreis Milz steht für die Nahrungstransformation und Erneuerung des Qi. Ebenso werden aus der Nahrung die „klaren Säfte“ destilliert und somit steht die Milz auch mit der Produktion von neuem Xue – oft als Blut übersetzt – in Verbindung. Xue (Blut) ist für die Nährung von Geweben und Organen zuständig (▶Abb. 3.3).
Da der Mittlere Erwärmer somit die Hauptquelle für die tägliche Wiederauffüllung und Regeneration der Energien Qi und Xue (Blut) darstellt, wird diese Instanz – zusammen mit dem Lungen-Funktionskreis – als Sitz der erworbenen Konstitution bezeichnet. Der Lungen-Funktionskreis ergänzt durch Aufnahme von Sauerstoff aus der Atemluft – Himmlisches Qi – ebenso wie die Milz kontinuierlich die im Organismus verbrauchten Energien. Als Gegensatz dazu wird die Nieren-Energie mit Sitz im Unteren Erwärmer als angeborene Konstitution bezeichnet. Sie stellt die „Ahnen-Energie“ dar und entspricht zum Teil unserem genetischen, angeborenen Potenzial (▶Abb. 3.5).
▶Abb. 3.3 Erneuerung von Qi und Xue.
