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Checkliste Dermatologie - die gesamte aktuelle Dermatologie in der Kitteltasche! Der graue Teil bietet Ihnen mit praxisrelevanten Grundlagen sowie Arbeits- und Untersuchungstechniken die Basis für eine gute Diagnostik. Auf alle Fragen dermatologischer, venerologischer, phlebologischer und andrologischer Krankheitsbilder gibt Ihnen der blaue Teil schnell und kompetent konkrete Antworten und Handlungsanweisungen für Ihre tägliche Arbeit. Spezielle konservative und operative Therapieverfahren sowie alle notwendigen Informationen für den dermatologischen Notfall finden Sie im roten Teil. Der grüne Teil führt Sie auf dem oft schwierigen Weg vom Leitsymptom zur Diagnose. In der Neuauflage wurden - die Inhalte vollständig aktualisiert, besonders die Therapiemethoden - das Kapitel über Ultraschalldiagnostik wurde völlig neu aufgearbeitet und mit vielen Bespielbildern versehen, zusätzlich sind weitere Ultraschallbilder und Videos online verfügbar
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Seitenzahl: 1287
Veröffentlichungsjahr: 2014
Checkliste Dermatologie
Wolfram Sterry, Walter Burgdorf, Margitta Worm
Ulrike Blume-Peytavi, Viktor Alexander Czaika, Jorge Frank, Felix Kiecker, Agata Kurek, Hae-Hyuk Lee, Martin Metz, Eva Peters, Sandra Philipp, Gregor Schäfer, Sylke Schneider-Burrus, Gerd Wolf
Mitarbeiter früherer Auflagen: Heike Audring, Marc Beyer, Guido Bruning, Ulrike Drecoll, Peter von den Driesch, Rüdiger Eming, Markus Friedrich, Christoph Garcia Bartels, Sylke Gellrich, Ina Hadshiew, Michael Hertl, Martina Hund, Wolfgang Kimmig, Marcus Maurer, Ralf Paus, Andreas Plettenberg, Bertold Rzany, Peter Schulze, Wolfgang Schulze, Ute Siemann-Harms, Hans Sperl, Gerda Sterry, Eggert Stockfleth, Hans-Jürgen Tietz, Uwe Trefzer, Claas Ulrich, Christiane Voit, Torsten Zuberbier
7. Auflage
321 Abbildungen
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
mit dem Fortschreiten der elektronischen Medien ist es an der Zeit, auch unsere bewährte Checkliste in neuer Form zur Verfügung zu stellen. Wenngleich wir von der „alten“ Druckform nicht lassen mögen, so soll doch derjenigen oder demjenigen, die nun eine Checkliste kauft und in der Hand hält, auch die Möglichkeit gegeben werden, diese auch in elektronischer Form, sei es auf dem Smartphone, sei es auf dem Tablet, zur Verfügung zu haben und somit jederzeit und überall zu nutzen.
In diesem Zusammenhang haben sich alle Autoren der Mühe unterzogen, eine komplette Aktualisierung des Inhaltes vorzunehmen, und dies in relativ kurzer Zeit. Hierfür sind wir Ihnen seitens der Herausgeber ganz besonders dankbar.
Dem Thieme Verlag gilt unser Dank für die Möglichkeit, die Checkliste nun auch mittels einer elektronischen Version noch leichter im Alltag verfügbar zu machen, und wir wären Ihnen allen dankbar, wenn Sie, unsere Leserinnen und Leser, uns eine Rückkopplung geben würden, wie es sich damit arbeiten lässt.
Wir wünschen Ihnen nun viel Freude und Befriedigung bei der Arbeit mit der neuen elektronischen Checkliste und sind
mit den besten Grüßen
Ihre
Prof. Dr. Wolfram Sterry
Dr. Walter Burgdorf
Prof. Dr. Margitta Worm
1 Einführung in die Biologie der Haut
2 Dermatologische Diagnostik
3 Andere diagnostische Methoden
Wolfram Sterry
Die Haut ist das größte und das schwerste Organ unseres Körpers. Sie hat eine Oberfläche von 1,5–2 m2, ihr Gewicht beträgt ca.1/7 bis 1/6 des Körpergewichtes.
Im Gegensatz zu allen anderen Organen können an der Haut direkt und unmittelbar die Schlüsselprinzipien der Biologie und der Pathologie beobachtet und analysiert werden. Umgebung und Lebensgewohnheiten hinterlassen in der Haut unverwechselbare Spuren für denjenigen, der imstande ist, sie zu lesen. Unterzieht man die Haut einer professionellen Untersuchung, so können sich hieraus wertvolle Hinweise über den Allgemeinzustand, innere Erkrankungen, soziale und kulturelle Gewohnheiten, das Essverhalten, psychische Störungen und auch den Beruf des Patienten ergeben. All dies bietet ganz wesentliche medizinische Informationen, auch wenn die Dermatologie nicht Ihr Hauptinteressensgebiet darstellt.
Die Haut hat deutlich mehr Schlüsselfunktionen als wir im täglichen Leben wahrnehmen. Es ist daher nicht erstaunlich, dass der Verlust von nur 20 % unserer Haut bereits zum Tod führt.
Allgemeiner Aufbau: Dicht besiedeltes, gut hydratiertes und exzellent perfundiertes Gel aus Mukopolysacchariden mit elastischen Eigenschaften und zahlreichen verschiedenen, miteinander kommunizierenden Zellpopulationen (► Tab. 1.1). Die Elastizität wird durch ein Netzwerk an verflochtenen elastischen Fasern bedingt, die mit zunehmender Lichtexposition und dem Alter degenerieren.
Zellpopulation:
Wichtigste Zellen in der Dermis:
Dermale Fibroblasten. Die Lokalisation der mesenchymalen Stammzellen, aus denen diese Fibroblasten entstehen, ist derzeit unklar.
Wandernde Immunzellen:
Mastzellen (relativ sesshaft, präferenziell um Hautnerven, Blutgefäße und Haarfollikel), professionelle Phagozyten (Makrophagen, auch Histiozyten genannt), dermale Dendrozyten (dendritische Zellen); diese Immunzellen bilden eine weitere wichtige Abwehrlinie gegen eindringende Mikroorganismen, in ihnen treffen sich das angeborene und das erworbene Immunsystem.
Mastzellen und Makrophagen bilden die Grundlage eines zusätzlichen, unmittelbar aktivierbaren angeborenen Immunabwehrsystems,welches sofort in Funktion tritt, wenn ein infektiöses Agens die Epidermis überwunden hat, ein Insektenstich unerwünschtes biologisches Material direkt in die Dermis verbracht hat oder eine Hautverletzung eine offene Eintrittspforte geschaffen hat; sie sezernieren dann eine Vielzahl von Molekülen, die zu einer raschen Hochregulation von Abwehrmechanismen (z.T. auch autodestruktiven Mechanismen) führen, die darauf abzielen, die eingedrungenen infektiösen Agenzien an Ort und Stelle aufzuhalten und einzugrenzen, bis die Protagonisten der spezifischen Immunität (Langerhans-Zellen, T-Zellen) aktiviert und voll funktionsfähig geworden sind, oder bis andere Bestandteile der angeborenen Immunabwehr (Neutrophile, Eosinophile) über die Blutgefäße der Haut angelockt wurden und ihre Funktion erfüllen konnten.
Mastzellen und Makrophagen tragen darüber hinaus auch gemeinsam zur Regulation der Fibroblastenfunktion bei und nehmen somit wesentlich an der Remodellierung der Dermis unter physiologischen und pathophysiologischen Bedingungen teil.
Abb. 1.8 Spezialisierte Nervenrezeptoren in der Haut entlang einer ekkrinen Schweißdrüse.
Abb. 1.9 Gefäßnetzwerk der Haut.
Reiches Netzwerk von Nerven, welches ganz besonders dicht um die Haarfollikel gesponnen ist und dessen freien Nervenendigungen auch in der Epidermis liegen, aber auch spezialisierte Rezeptoren innerhalb des kutanen Bindegewebes.
Ekkrine Drüsen: Sieverlaufen durch die Dermis, bevor sie ihren Schweiß auf die epidermale Oberfläche entleeren.
Komplexes Gefäßnetzwerk (► Abb. 1.9): Zwei ausgedehnte, miteinander verbundene und gut innervierte Gefäßnetze; eines davon an der Grenze zwischen der Epidermis und der Dermis (papillärer Plexus) und eines an der Grenze zum subkutanen Fettgewebe (retikulärer Plexus); diese Blutgefäßnetze werden durch ein System von Lymphgefäßen ergänzt, deren angeborene Fehlbildungen oder erworbene Fehlfunktionen zu massiven Hautödemen aufgrund einer Imbalance zwischen Flüssigkeitszufluss und Flüssigkeitsabfluss führen.
Tab. 1.1
Zelluläre Protagonisten der Haut.
Zelle
Lokalisation
Funktion
Bemerkungen
Keratinozyten
Epidermis, Haarfollikel und Nagelapparat
Barrierefunktion
UV-Schutz
antimikrobielle Abwehr
Sekretion von Enzymen und regulatorischen Molekülen
wichtige endokrine und metabolische Aktivitäten
terminale Differenzierung in nicht vitale hexagonale Korneozyten
epitheliale Stammzellen befinden sich in der Bulge-Region des Haarfollikels und in den epidermalen Reteleisten
Sebozyten
Dermis; mit den Haarfollikeln assoziiert (Talgdrüsen, Haarfollikel-Einheit)
Talgproduktion
Sekretion von Enzymen und regulatorischen Molekülen
wichtige endokrine und metabolische Aktivitäten
stammen von den Keratinozyten des Haarfollikel ab
Talgproduktion erfolgt durch holokrine Sekretion der Sebozyten
Apokrine Drüsenzellen
Subkutis; assoziiert mit Haarfollikeln
Produktion von apokrinem Schweiß und von Pheromonen
stammen von Keratinozyten des Haarfollikels ab
stehen unter adrenerger neuraler Kontrolle
Schweißproduktion erfolgt durch Dekapitationssekretion
Schweißdrüsenzellen
Subkutis
Thermoregulation
Exkretion verschiedener Substanzen über den Schweiß (viele Medikamente werden über den Schweiß eliminiert)
stammen von epidermalen Keratinozyten ab
hochgradig verschlungene Drüsen, die in einigen Aspekten den Glomerula der Niere ähneln
Myozyten
Mm. arrectores pilorum, Muskelzellen der Blutgefäße
Kontraktion
regulieren den Blutfluss
lösen Gänsehaut aus, wenn sich die Haare aufstellen
Granulozyten
Blutgefäße der Haut
angeborene Immunität
neutrophile, basophile und eosinophile Granulozyten befinden sich in normaler, nicht entzündlicher Haut fast ausschließlich innerhalb der Blutgefäße
Endothelzellen der Blutgefäße
Blutgefäße
Bildung und Regeneration von Blutgefäßen
Perfusion
interagieren mit Immunzellen zur weiteren Verstärkung oder Herabregulation einer lokalen Immunreaktion
Endothelzellen der Lymphgefäße
Lymphgefäße
Flüssigkeitsbalance der Haut
Abflussweg von Immunozyten und Antigenen aus der Haut
Ernährung
Abtransport von Stoffwechsel- und anderen Hautprodukten
dermale Endothelzellen sind ein integraler Bestandteil der dermalen mikrovaskulären Einheit, wobei wandernde Immunzellen mit Endothelzellen, Fibroblasten, glatten Muskelzellen und perifollikulären Mastzellen sowie Makrophagen interagieren
Erythrozyten
Blutgefäße der Haut
Sauerstofftransport
in der normalen, nicht entzündlichen Haut befinden sich Erythrozyten ausschließlich in den Blutgefäßen
die Menge und der Oxygenierungsstatus von Erythrozyten im papillären Plexus sind ein Hauptfaktor für die Hautfarbe
Merkel-Zellen
Epidermis, Haarfollikel
mechanorezeptorisch spezialisierte Zellen
Abstammung unklar: epitheliale Abkunft oder Herkunft aus der Neuralleiste (?)
Melanozyten
Epidermis, Haarfollikel
Schutz vor UV-Licht und reaktiven Sauerstoffspezies
Haarschaft- und Epidermispigmentierung
Abstammung von der Neuralleiste
dendritische Zellen, die Melanin produzieren und es zu Keratinozyten und Haarfollikelzellen transportieren
T-Lymphozyten
alle Kompartimente der Haut (besonders Papillarkörper, Epidermis und distales Haarfollikelepithel)
antimikrobielle Abwehr
Tumorüberwachung
Regulation entzündlicher Reaktionen
in der normalen Histologie innerhalb der Epidermis fast nicht zu sehen
wandern fortlaufend in die Haut ein und verlassen diese über die Lymphgefäße wieder in Richtung Lymphknoten und Zirkulation
Langerhans-Zellen
Epidermis; auch Dermis, distales Haarfollikelepithel
wichtigste antigenpräsentierende Zellen der Haut
dendritische Morphologie
wandern von der Epidermis aus zu den regionalen Lymphknoten zur Antigen- bzw. Allergenpräsentation an T-Zellen
Mastzellen
Dermis, Subkutis; besonders häufig um Hautnerven, Blutgefäße und Haarfollikel
wichtiger Bestandteil der angeborenen Immunität: rasche Abwehr gegenüber bakteriellen und parasitären Infektionen
mögliche Rolle bei der Wundheilung
Angiogenese
Kontrolle des Haarwachstums
Mastzelldegeneration führt zu Urtikaria und Angioödem
Schlüsselrolle bei der neurogenen Inflammation
vielleicht auch zentrale Schaltstelle von Entzündungsvorgängen und Gewebsremodellierungen
Nervenzellen
der Zellkörper der sensorischen Neuronen der Haut liegt in den dorsalen Ganglien des Rückenmarks oder im Ganglion trigeminale; in der Haut befinden sich nur die Axone
Sensibilität
trophische Funktionen
immunmodulatorische Funktionen
Nervenfasern der Haut haben zahlreiche verschiedene Funktionen jenseits der Sensibilität
autonome Nervenfasern regulieren auch die Spannung der Blutgefäße und die Schweißproduktion
Glia-Zellen (Schwann-Zellen)
umgeben myelinisierte Nervenfasern der Haut
Aufrechterhaltung und Modulation der Funktion der Nervenfasern
Sekretion von Nervenwachstumsfaktoren
wichtige Rolle in der Regeneration von Nervenfasern während der Wundheilung
wichtige Quelle von Neurotrophinen
Fibroblasten
Dermis, bindegewebige Scheide und dermale Papille der Haarfollikel
Sekretion, Organisation, Abbau und Remodellierung der Extrazellularmatrix (Kollagen und elastische Fasern)
Generierung und Remodellierung der Basalmembranzone (zusammen mit Keratinozyten)
spezialisierte Fibroblasten der Haarfollikel bewahren ihre induktive und morphogenetische Eigenschaft während des gesamten Lebens und bestimmen Haarfollikelgröße und Wachstumsaktivität des Haarfollikels
die bindegewebige Scheide des Haarfollikels enthält auch mesenchymale Stammzellen, die für die Wundheilung wichtig sind
Adipozyten
Subkutis, unteres Korium
Wärmeisolierung
physikalische Pufferfunktion
Energiespeicher
endokrine und metabolische Aktivität
Organisation in gut vaskularisierten Fettgewebsläppchen, die durch dünne Septen voneinander getrennt sind, welche auch die Subkutis mit den darunterliegenden Muskelfaszien verbinden
Makrophagen
Dermis und Subkutis
wichtigste Phagozyten der Haut
regulieren Fibroblastenfunktionen
werden auch Histiozyten genannt
mehrere Makrophagen können fusionieren und bilden dann vielkernige sog. Riesenzellen (z.B. bei Fremdkörpern, sarkoiden oder tuberkuloiden Granulomen)
Wolfram Sterry
Allgemeine Anmerkung: Die Diagnose von Hautkrankheiten ist nicht so schwer wie es scheint. Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Verständnis von Anatomie und Physiologie der Haut, ihrer vollständigen und sorgfältigen Untersuchung sowie in der Erfassung von Entzündungs- und Wachstumsmustern durch Erlernung der dermatologischen Terminologie.
→ Erhebung und → Beschreibungdes Hautbefunds: Die Dermatologie ist ein visuelles Fach. Die sorgfältige morphologisch-deskriptiv orientierte Erhebung des Hautbefunds, die durch keine apparative Untersuchung oder Laboruntersuchung ersetzt werden kann, steht daher an erster Stelle des dermatologischen Untersuchungsgangs. Sie führt in vielen Fällen bereits zur Diagnose und muss sorgfältig erlernt werden.
→ Einfache klinische Tests: Die Dermatologie macht auch deshalb so viel Spaß, weil man zur Diagnosestellung nicht auf aufwändige Labor- oder Bildgebungsverfahren angewiesen ist. Außerdem gibt es viele einfache klinische Tests, die den Hautbefund ergänzen und diagnostisch wegweisende, zuweilen pathognomonische Informationen bieten können.
→ Technische Hilfsmittel.
→ Anamnese: Sie liefert wichtige (differenzial-) diagnostische Hinweise, ergänzt die anhand der Erhebung des Hautbefunds erstellten Fakten und gibt Informationen über weitere Erkrankungen des Patienten sowie mögliche Begleitmedikation.
Tipps zur Vorgehensweise bei der Untersuchung der Haut:
Üben Sie eine logische und systematische Vorgehensweise ein!
Halten Sie den beschreibenden Prozess bzgl. des dermatologischen → Untersuchungsgangs und bzgl. der → Befundbeschreibung routinemäßig ein, dies eröffnet bei jedem Patienten den sichersten Weg zur korrekten Diagnose.
Erheben Sie den Befund bei Tageslicht!
Untersuchen Sie bei der Erstkonsultation grundsätzlich die gesamte Haut, dazu gehören:
Hände und Fußsohlen, Submammär-, Interdigital-, Inguinal-, Genital-, Axillar- und Perianalregion, Ohren.
Angrenzende Schleimhäute: Lippen, Mundhöhle, Anus, Konjunktiven, Nase.
Hautanhangsgebilde (Haare, Nägel) und Kopfhaut.
„Screening“ auf → melanomverdächtige Pigmentveränderungen, sonstige Hauttumoren und → In-situ-Karzinome.
Beurteilung des allgemeinen Hautzustands: Farbe, Textur, Trockenheit, Turgor, Geruch.
Exposition gegenüber Noxen: Licht, Nikotin, Alkohol, etc.
Gleichen Sie die geschilderten Beschwerden mit objektiven Befunden ab. Beispiel: Der Patient verneint Juckreiz, weist aber zahlreiche Exkoriationen auf – dies könnte ein Hinweis auf psychische Störungen sein.
„Mit den Fingern sehen“. Der Palpationsbefund kann wesentliche Zusatzinformationen z.B. über die Lokalisationshöhe (Epidermis, Korium, Subkutis), den Charakter des Krankheitsprozesses und zu erwägende Differenzialdiagnosen liefern.
Bestimmen Sie den anatomischen Sitz des pathologischen Geschehens in der Haut:
Sitz des Befunds epidermal, dermal, subkutan?
Von Hautanhangsgebilden, Hautgefäßen oder Hautnerven ausgehender Befund?
Definieren Sie Leitsymptome, dies erleichtert die → Differenzialdiagnose.
Nutzen Sie konsequent einfache Hilfsmittel bei der Befunderhebung, z.B. einfache, sofort anwendbare Tests am Patienten, → technische Hilfsmittel, → klinische Tests.
Abb. 2.1 Primär- und Sekundäreffloreszenzen.
Tab. 2.2
Sekundäreffloreszenzen.
Bezeichnung
Beschreibung/mögliche Ursachen
Pustel (Pustula)
die Pustel kann Primäreffloreszenz sein (► Tab. 2.1); sie kann aber auch sekundär aus einer Vesikel hervorgehen (Sekundäreffloreszenz)
Squama (Schuppe)
größere Aggregationen von Hornzellen, die makroskopisch sichtbar sind; je nach Größe werden fein-, mittel- und groblamellöse Schuppen unterschieden; auch die Farbe kann bedeutsam sein, z.B. silbrig-weiß bei der Psoriasis
Crusta (Kruste)
eingetrocknetes Serum oder Exsudat
Erosion
Defekt innerhalb des Epithels (Haut oder Schleimhaut)
Exkoriation
exogen verursachter, bis ins Korium reichender Defekt
Ulkus (Geschwür)
chronischer, mindestens bis in Korium reichender Defekt, der durch Gewebsnekrose entstanden ist und eine schlechte Heilungstendenz zeigt
Zikatrix
Narbe
Zyste
epithelial ausgekleideter Hohlraum, der meist mit Produkten epidermaler Zellen (z.B. Hornmaterial, Talg) ausgefüllt ist
Nekrose
abgestorbenes Gewebe
Farbe: Farbqualität(en), Homogenität (gleichmäßig, inhomogen, fleckig).
Form (Konfiguration, Begrenzung) und Oberfläche der Einzeleffloreszenzen:
Zirzinär: Bogige Begrenzung.
Anulär, polyzyklisch: Kreisförmige Begrenzung.
Diskoid, nummulär: Scheiben- oder münzförmig.
Serpiginös: Gewunden (schlangenförmig).
Ovalär, fingerförmig, blütenblattartig, wirbelartig, sternförmig.
Kokarden- bzw. irisförmig.
Begrenzung: Scharfe oder unscharfe Begrenzung zur umgebenden gesunden Haut (► Abb. 2.2).
Oberfläche: Glatt, rau, warzig, vegetierend, glänzend, matt.
Konsistenz, Struktur und Mobilität: Weich, hart, teigig, derb, fluktuierend, gelappt, knotig, verschieblich/nicht verschieblich, mit anderen Strukturen verbacken.
Abb. 2.2 Begrenzung von Effloreszenzen (nach Steigleder).
Lineär: Entlang einer gedachten Linie.
Retikulär: Netzförmig.
Gruppiert: In unregelmäßigen, dicht zusammenstehenden Haufen.
Herpetiform: Traubenförmig.
Zosteriform: Auf Dermatom(e) begrenzt (► Abb. 4.7).
Diskret: Einzeln stehend.
Konfluierend: Ineinander übergehend.
Schachbrettartig: In rechteckigen Arealen.
Disseminiert: Regellos verteilt.
Entlang der Blaschko-Linien (embryonale Auswachslinien der Haut).
Abb. 2.3 Blaschko-Linien.
Gesamtausdehnung: Umschrieben, regional, generalisiert, universell.
Begrenzung auf bestimmte Hautareale: z.B. intertriginös, Handteller und Fußsohlen.
Spezielle Verteilungsmuster (vgl. ► Tab. 49.7): z.B. symmetrisch, asymmetrisch, lichtexponierte Haut, Intertrigo- oder „seborrhoische“ Areale (vgl. ► Tab. 49.21), Druckstellen, klassische „Prädilektionsstellen“.
Follikulär gebunden(d.h. in der direkten Umgebung des Haarkanals bzw. von sichtbaren Haarschäften lokalisiert).
Nur in interfollikulärer und/oder palmoplantarer Haut (Palmoplantarhaut ist frei von Haarfollikeln).
Bevorzugt in Hautregionen mit hoher Schweiß- oder Talgdrüsendichte.
Hinweis: Die nachfolgend aufgeführten Begriffe werden häufig verwendet.
Atrophie: Substanzverlust der Haut.
Ekchymose: Großes Areal mit Erythrozytenextravasaten.
Enanthem: Plötzliches Auftreten gleichartiger Schleimhautveränderungen; analog zu Exanthem.
Erythem: Rötung der Haut.
Exanthem: Rasches Auftreten gleichartiger Hautveränderungen in einem größeren Hautareal oder generalisiert.
Fissur, Rhagade: Schlitzförmiger, schmerzhafter Substanzdefekt, der bis wenigstens ins Korium reicht.
Lichenifikation: Vergröberung der Hautfelderung; entsteht durch reaktive Vermehrung des Kollagens im oberen Korium bei chronischen juckenden Dermatosen.
Livedo: Netzartige Blauverfärbung der Haut, kann reguläres oder irreguläres Netzmuster haben.
Petechien: Kleine punktförmige Einblutungen in die Haut.
→ Poikilodermie: Kombination von Atrophie, Teleangiektasien und Pigmentverschiebungen.
Purpura: Großflächiges Auftreten von Petechien.
Sklerose: Verhärtung und Verdickung der Haut, sodass sie nicht mehr verschiebbar ist; oft mit Kontrakturen oder Atrophie verbunden.
Sinus: Mit Epithel ausgekleideter Gang, oft mit Absonderung von Flüssigkeit.
Suggilation: Synonym für Ekchymose.
Teleangiektasie: Kleine, sichtbare, dauerhaft dilatierte Blutgefäße.
Allgemeiner Hautstatus und Veränderungen der Hautbeschaffenheit: z.B. Turgor, Xerosis, Seborrhö, Ichthyose, aktinische Schädigung, Atrophie, Verdickung, abnorme Textur, Hyper-, Hypo- oder Anhidrosis.
Gefäßstatus und Perfusionsverhältnisse: z.B. Zyanose, Blässe, Kälte, Überwärmung, Varikosis, Stauungsödem, Hautnekrosen.
Charakteristika der Wundheilung:
Zentrale oder periphere, narbige, atrophische Abheilung.
Zurückbleibende Pigmentveränderungen, Defekte der Hautintegrität (Erosion, Ulkus) oder Schuppenbildung.
Dynamik der Effloreszenzentwicklung:
Effloreszenzen alle im gleichen Entwicklungsstadium?
Verschiedene Phasen nebeneinander?
Assoziierte körperliche Befunde: z.B. regionale Lymphadenopathie, Fieber.
Hinweis: Diese Untersuchungen können bereits während der Untersuchung durchgeführt werden.
Palpation: Konsistenz, Verschieblichkeit, Adhärenz, Abgrenzung, anatomische Lage, Schmerz, Pulsation, Fluktuation? Haut warm/kalt/trocken/feucht? Fußpulse?
Kruste entfernen: Blutung? Wundgrund? Ulkus- bzw. Tumorausdehnung?
Sekret exprimieren: Art, Konsistenz, Farbe, Geruch, Menge?
Abstreifen von Belägen und Schuppen: Abstreifbar? Festhaftend?
Abheben der Hornschicht: Kapillarschleifen sichtbar? Hornkegel?
Ausziehen von Haaren: Kolbenhaare? Brüchige Haare, leicht ausziehbar?
Sondieren: Tiefe und Verlauf der Hautveränderung? Knopfsonden-Einbruch?
Klinische Zeichen erheben: Dermografismus, → Auspitz-Phänomen, → Nikolski-Phänomen, → Darier-Zeichen.
Holzspatel zum Entfernen von Schuppen und Krusten, zur Überprüfung des Dermografismus und des Rachenreflexes.
Glasspatel (Diaskopie): Durch vorübergehende Anämisierung (Druck des Glasspatels) wird das Vorliegen, u.U. sogar die Art dermaler Veränderungen erkennbar (z.B. granulomatöse Prozesse, Erythrozytenextravasate).
Die Handlupe ist das klassische Untersuchungsinstrument des Dermatologen. Mehr noch als die Handlupe erlaubt die Auflichtmikroskopie eine stark verfeinerte klinische Sofortdiagnostik (s.u.).
Synonyma: Epilumineszenzmikroskopie.
Definition:
