Checkliste Orthopädie -  - E-Book

Checkliste Orthopädie E-Book

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Beschreibung

Kompakt, übersichtlich, konkret – perfekt für den klinischen Alltag


Orthopädie-Wissen, das du auf dem Weg zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie brauchst!

Grundlagen des orthopädischen Arbeitsalltags, z. B. klinische Untersuchung, Bildgebung, technische Orthopädie, findest du im grauen Teil.

Der grüne Teil bietet zahlreiche Algorithmen zum konkreten Vorgehen bei den wichtigsten orthopädischen Leitsymptomen.

Alle relevanten orthopädischen Krankheitsbilder und Verletzungen inkl. differenzierten Informationen zu Diagnostik und Therapie sind im blauen Teil.

Der rote Teil hilft dir, bei orthopädischen Notfällen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Darüber hinaus werden hier die wichtigsten orthopädischen Operationen beschrieben.
Der Anhang bietet die wesentlichen Informationen zu Klassifikation und Vorgehen bei den wichtigsten Frakturen.

Die Checkliste Orthopädie ist speziell auf den klinischen Einsatz in der Orthopädie ausgerichtet. Sie liegt nun als unveränderte 4. Auflage vor.

Sie bietet dir:

  • Algorithmen zum Vorgehen bei orthopädischen Leitsymptomen
  • vertiefende Kapitel zur Rheumatologie in der Orthopädie
  • eine ausführliche Darstellung der arthroskopischen Techniken an Schulter, Ellenbogen, Hüfte, Knie und Fuß mit allen modernen arthroskopischen minimalinvasiven Therapieverfahren
  • Zugang zu Filmen mit den häufigsten klinischen Untersuchungen in der Orthopädie

Jederzeit zugreifen: Der Inhalt des Buches steht dir ohne weitere Kosten digital in der Wissensplattform eRef zur Verfügung (Zugangscode im Buch). Mit der kostenlosen eRef App hast du zahlreiche Inhalte auch offline immer griffbereit.

Damit hast du das perfekte „elektronische Kitteltaschenbuch“!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 899

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Checkliste Orthopädie

Andreas B. Imhoff, Ralf Linke, René Baumgartner †

Ralf D. Linke, Christoph Bartl, René Baumgartner †, Knut Beitzel, Sepp Braun, Peter U. Brucker, Stefan Buchmann, Matthias Bühler, Florian Dreyer, Nadine Dreyer, Rüdiger von Eisenhart-Rothe, Stefan Hinterwimmer, Andreas B. Imhoff, Andreas Lenich, Stephan Lorenz, Frank Martetschläger, Kai Megerle, Philipp Minzlaff, Jochen Paul, Michael Rasper, Wolfgang Rüther, Katrin Schumann, Thomas Tischer, Andreas Veihelmann, Stephan Vogt, Andreas Voss, Wolfgang Waldeyer, Simone Waldt, Markus Walther, Thomas Wessinghage,

4., unveränderte Auflage

500 Abbildungen

Vorwort

Auch die 2. Auflage der Checkliste Orthopädie wurde von den Lesern so gut angenommen, dass nun die 3. Auflage erscheinen konnte. Diese große Beliebtheit war für uns der Anreiz, uns bei jungen Assistenzärzten/-innen und Studenten/-innen umzuhören. Hierzu haben wir u. a. eine ausgedehnte Umfrage bei AGA-Studenten vorgenommen. Diese Studenten als Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie AGA fokussieren sich bereits in den letzten beiden Jahren ihrer Ausbildung auf die orthopädisch-traumatologische Richtung und sind deshalb ein wichtiges Zielpublikum für die Checkliste Orthopädie. Die bewährte Aufteilung des großen Fachgebietes in zwei einzelne Bücher, Checkliste Orthopädie sowie Checkliste Traumatologie, haben wir beibehalten. Dies ermöglicht uns, die orthopädischen Themen besonders ausführlich und vertiefend zu behandeln. So finden Sie in diesem Buch z. B. die arthroskopische Technik für alle Gelenke, die spezifischen physiotherapeutischen Nachbehandlungen sowie ein Kapitel über Begutachtung. Als Neuerung erhält der Leser dieser Auflage den Zugang zu einzelnen Videoclips mit den häufigsten Untersuchungsschritten in der Orthopädie. Diese Videoclips (Andreas Voss) sind mit Hilfe der AGA-Studenten entstanden und können jederzeit den aktuellen Bedürfnissen angepasst werden, so dass die Checkliste Orthopädie nicht nur als App, sondern auch mit den verlinkten Videoclips zukunftsfähig bleibt. Ich möchte mich bei allen Mitarbeitern meiner Klinik und den vielen Autoren bedanken, die erneut in kurzer Zeit eine umfassende Überarbeitung und Erweiterung gestaltet haben – eine Überarbeitung, die in einer konzentrierten Klausur in langen Nächten in den Schweizer Bergen überaus erfolgsversprechend und zielorientiert möglich wurde. Ebenso gilt mein Dank den Mitarbeitern des Thieme Verlags, insbesondere Frau Amelie Knauß. Der medizinisch-technische Fortschritt in unserem orthopädisch-traumatologischen und sportorthopädischen Gebiet ist so schnell, dass wir die Checklisten laufend anpassen werden müssen. Aus diesem Grund bin ich jedem Leser dankbar, wenn er uns Hinweise zur Verbesserung, zur Erweiterung und zur Vertiefung gibt. In diesem Sinne freue ich mich, dass die Checkliste Orthopädie weiterhin in jede Kitteltasche passt und trotzdem hochaktuell sein darf.

München, im Juni 2014Für die Herausgeber: Andreas Imhoff

Teil I Grauer Teil: Grundlagen

1 Allgemeine Untersuchungstechniken

2 Gelenkspezifische Untersuchungstechniken

3 Bildgebende Diagnostik

4 Arbeitstechniken und Pharmakotherapie in der Orthopädie

5 Technische Orthopädie

6 Rehabilitation und Physiotherapie

7 Begutachtung

1 Allgemeine Untersuchungstechniken

R. D. Linke

1.1 Anamnese

1.1.1 Orthopädische Anamnese

„Warum kommen Sie zu uns?“

Aktuelle Beschwerden:

Beginn (Zeitpunkt, akut oder schleichend), Auslöser, intensivierende oder lindernde Faktoren.

Charakter (Anlauf-, Einlaufschmerz, Ruhe-, Belastungs-, Bewegungsschmerz).

Schmerzqualität (dumpf, stechend, brennend, „elektrisierend“, wandernd).

Schmerzlokalisation und -ausstrahlung (genau zeigen lassen).

Intensität der Beschwerden (visuelle Analogskala 1 – 10).

Zeitliches Auftreten und Häufigkeit (morgens, nachts, nur ab und zu, regelmäßig, wie oft).

Instabilitätsgefühl.

Schwäche, motorisches Defizit.

Gefühllosigkeit.

Vorgeschichte:

Unfallereignisse mit möglichst genauer Rekonstruktion des Unfallmechanismus.

Evtl. Funktionseinschränkungen, Gelenkblockierungen, Schnappphänomene, Krepitationen.

Gehfähigkeit (Gehstrecke bemessen in Zeit oder Entfernung, Treppensteigen, Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, teilweise oder vollständige Bettlägerigkeit), Sportfähigkeit.

Abhängigkeit von fremder Hilfe (bei An- und Auskleiden, Essen, Trinken, Fortbewegung, hygienischen Verrichtungen, Defäkation, Miktion).

Hilfsmittel (Orthesen, Prothesen, orthopädisches Schuhwerk, Stock, Rollstuhl, technische Hilfen an Wohnung, Arbeitsplatz, Auto).

Bisherige Behandlung: Maßnahmen, Verlauf und Ergebnisse; ggf. Ergänzung durch Angehörige, Arbeitgeber, Akten anderer Kliniken, Hausärzte, Versicherungen.

1.1.2 Allgemeine Anamnese

Eigenanamnese:

Geburtsfehler, psychomotorische Entwicklung.

Störungen von Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-System, Urogenitalsystem, psychische Erkrankungen.

Stattgehabte Operationen.

Medikamente, Allergien, Alkohol-, Nikotin-, Drogenabusus.

Schwangerschaften.

Familienanamnese: Erbkrankheiten, Tumoren, Stoffwechselerkrankungen, Hauterkrankungen.

Sozialanamnese: Beruf (Arbeitsbelastung und -haltung), Sport, Familienstand, Kulturkreis, Schule, Umschulung, Arbeitsfähigkeit, evtl. bestehende Rente, MdE, Kuraufenthalte.

1.2 Körperliche Untersuchung

1.2.1 Grundlagen

Immer vollständiger orthopädischer Status bei der ersten Untersuchung.

Untersuchung am entkleideten Patienten (bis auf Unterhosen und BH)!

Erfassen von anthropometrischen Basisdaten: Körpergröße, Gewicht, Body-Mass-Index (BMI = Körpergewicht [kg]/Körpergröße2 [m]). Klassifikation des Körpergewichts s.  ▶ Tab. 1.1 .

Tab. 1.1 

Klassifizierung des Körpergewichts (aus Hepp WR, Debrunner HU. Orthopädisches Diagnostikum. 7. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2004).

Klassifizierung

Body-Mass-Index

Beispiel: Patient mit einer Körpergröße von 1,80 m

Untergewicht

< 20,0

< 64,8 kg

Normalgewicht

20,0 – 24,9

64,8 – 80,7 kg

Adipositas Grad I

25,0 – 29,9

80,8 – 96,9 kg

Adipositas Grad II

30,0 – 39,9

97,0 – 129,3 kg

Adipositas Grad III

≥ 40

≥ 129,4 kg

Merke: Notwendig ist eine klare und reproduzierbare Dokumentation der Untersuchungsergebnisse mit Datum und Unterschrift.

1.2.2 Inspektion (Gehen, Stehen, Liegen)

Haltung, Körperlänge, Körperbau, Körperreife, Konstitutionstyp.

Allgemein- und Ernährungszustand, Alter (erst abschätzen, dann erfragen).

Gangbild, s.  ▶ Ganganalyse.

Deformitäten von Rumpf und Extremitäten, v. a. Achsfehlstellungen.

Haut (Farbe, Schwellung, Ödeme, Narben, Fisteln, Pigmentierungen, Tumoren, Druck- und Scheuerstellen).

Operationsnarben.

Atrophien, Lähmungen, Amputationen.

Orthesen, Prothesen, Hilfsmittel (Passform, Funktionalität, Gebrauchsspuren); Frage nach dem Orthopädietechniker, Orthopädieschuhtechniker, Sanitätshaus. Ablaufbild des Schuhwerks.

1.2.3 Palpation

Druckschmerz (umschrieben oder generalisiert, Punctum maximum).

Erguss, Schwellung, Ödem, Zyste.

Hauttemperatur, Hautturgor, Feuchtigkeit.

Indurationen, Tumoren, Fluktuation.

Muskeltonus, Myogelosen.

1.2.4 Bewegungs- und Funktionsprüfung

Beachte: Untersuchung im Liegen und im Stehen.

Dokumentation nach der ▶ Neutral-Null-Methode. Mitbeurteilung der angrenzenden Gelenke.

Messung von ▶ Länge und Umfang der Extremitäten und Vergleich mit der Gegenseite.

1.2.5 Neurologische Untersuchung

Merke: Beurteilung neurologischer Defizite immer im Seitenvergleich!

Motorik:

Paresen ( ▶ Tab. 1.2 ), Atrophien, Hypertrophien.

Muskeltonus, Spastik, Rigor, Tremor.

Beurteilung der Muskelkraft s.  ▶ Tab. 1.3 .

Tab. 1.2 

Pareseprüfung (nach Grehl H., Reinhardt F.: Checkliste Neurologie. Thieme; 2013).

Funktion

Hauptmuskel

Wurzel

Nerv

obere Extremität:

Schulterelevation

M. trapezius

C 3 –C 4

N. accessorius (N. XI)

Oberarmelevation (> 60°)

M. deltoideus

C 5 –C 6

N. axillaris

Oberarmabduktion

M. supraspinatus

C 4 –C 6

N. suprascapularis

Oberarminnenrotation

M. subscapularis

C 5 –C 6

N. subscapularis

Oberarmaußenrotation

M. infraspinatus

C 4 –C 6

N. suprascapularis

Oberarmaußenrotation

M. teres minor

C 4

N. axillaris

Skapula-Adduktion an Wirbelsäule

Mm. rhomboidei

C 3 –C 5

N. dorsalis scapulae

Armretroversion

M. teres major

C 5 –C 6

N. subscapularis

Armanteversion

M. serratus anterior

C 5 –C 7

N. thoracicus longus

Hände aneinanderpressen

M. pectoralis major

C 5 –Th 1

Nn. pectorales

Armbeugung in Supination

M. biceps brachii

C 5 –C 6

N. musculocutaneus

Armbeugung in Mittelstellung

M. brachioradialis

C 5 –C 6

N. radialis

Supination bei gestrecktem Ellenbogen

M. supinator

C 5 –C 7

N. radialis

Armstreckung

M. triceps brachii

C 7 –Th 1

N. radialis

Handstreckung (Radialabduktion)

M. extensor carpi radialis

C 6 –C 8

N. radialis

Handstreckung (Ulnarabduktion)

M. extensor carpi ulnaris

C 6 –C 8

N. radialis profundus

Fingerstreckung im Grundgelenk

M. extensor digitorum communis

C 7 –C 8

N. radialis profundus

Daumenabduktion (Grundphalanx)

M. abductor pollicis longus

C 7 –C 8

N. radialis profundus

Extension prox. Daumenphalanx

M. extensor pollicis brevis

C 7 –C 8

N. radialis profundus

Extension dist. Daumenphalanx

M. extensor pollicis longus

C 7 –C 8

N. radialis profundus

Zeigefingerextension

M. extensor indicis

C 7 –C 8

N. radialis profundus

Pronation von Unterarm/Hand

Mm. pronatores

C 5 –Th 1

N. medianus

Handbeugung (Radialabduktion)

M. flexor carpi radialis

C 6 –C 8

N. medianus

Handbeugung (Ulnarabduktion)

M. flexor carpi ulnaris

C 8 –Th 1

N. ulnaris

Beugung der Mittelphalangen

M. flexor digitorum superficialis

C 7 –Th 1

N. medianus

Beugung der Endphalangen Dig. II + III

M. flexor digitorum profundus II + III

C 7 –C 8

N. medianus

Beugung der Endphalangen Dig. IV + V

M. flexor digitorum profundus IV + V

C 8 –Th 1

N. ulnaris

Beugung der distalen Phalanx des Daumens

M. flexor pollicis longus

C 7 –Th 1

N. medianus

Beugung der Grundphalanx des Daumens

M. flexor pollicis brevis

C 7 –C 8

N. medianus

Abduktion Metacarpale I

M. abductor pollicis brevis

C 7 –C 8

N. medianus

Opposition Daumen gegen kleinen Finger

M. opponens pollicis

C 7 –C 8

N. medianus

Daumenadduktion

M. adductor pollicis

C 8 –Th 1

N. ulnaris

Kleinfingerabduktion

M. abductor digiti V

C 8 –Th 1

N. ulnaris

Fingerspreizung

Mm. interossei dors.

C 8 –Th 1

N. ulnaris

Fingerbeugung im Grundgelenk, Streckung im Mittel- und Endgelenk

Mm. lumbricales

C 8 –Th 1

N. medianus (Dig. I + II), N. ulnaris (Dig. III–IV)

untere Extremität:

Hüftbeugung

M. iliopsoas

L 1 –L 3

N. femoralis

Hüftstreckung

M. glutaeus maximus

L 5 –S 2

N. glutaeus inferior

Beinabduktion

M. glutaeus medius + minimus

L 4 –S 1

N. glutaeus superior

Beinadduktion

Mm. adductores + gracilis

L 2 –L 4

N. obturatorius

Kniebeugung

M. biceps femoris, semitendinosus, semimembranosus

L 5 –S 2

N. ischiadicus

Kniestreckung

M. quadriceps femoris

L 2 –L 4

N. femoralis

Fuß-Plantarflexion

M. triceps surae

L 5 –S 2

N. tibialis

Fuß-Dorsalextension

M. tibialis anterior

L 4 –L 5

N. peroneus profundus

Fuß-Inversion

M. tibialis posterior

L 5 –S 1

N. tibialis

Fuß-Eversion

Mm. peronei

L 5 –S 2

N. peroneus superficialis

Zehenbeugung

M. flexor digitorum longus

L 5 –S 2

N. tibialis

Zehenhebung/-streckung

M. extensor digitorum longus + brevis

L 5 –S 2

N. peroneus profundus

Großzehenhebung

M. extensor hallucis longus

L 4 –L 5

N. peroneus profundus

Tab. 1.3 

Beurteilung der groben Muskelkraft.

Kraftgrad

Beurteilung

Prüfung

5/5

normal

volles Bewegungsausmaß gegen starken Widerstand

4/5

gut

volles Bewegungsausmaß gegen leichten Widerstand

3/5

schwach

volles Bewegungsausmaß gegen die Schwerkraft

2/5

sehr schwach

volles Bewegungsausmaß ohne Einwirkung der Schwerkraft

1/5

fast keine

sicht- oder tastbare Aktivität, unvollständiges Bewegungsausmaß

0/5

null

komplette Lähmung, keine Kontraktionen

Sensibilität: Berührung, Schmerz-, Temperatur- und Vibrationsempfinden, 2-Punkt-Diskrimination (Dermatome, ▶ Abb. 1.1).

Abb. 1.1 Sensible Innervation (Dermatome). In beiden Ansichten: rechte Körperhälfte radikuläre Innervation, linke Körperhälfte periphere Innervation.

(nach Schünke M, Schulte E, Schumacher U. Prometheus. LernAtlas der Anatomie. Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem. Illustrationen von M. Voll und K. Wesker. 5. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2011)

Reflexe:

Eigenreflexe.

Arm: Bizepssehnenreflex (BSR), Trizepssehnenreflex (TSR), Radiusperiostreflex (RPR).

Bein: Patellarsehnenreflex (PSR), Achillessehnenreflex (ASR; ▶ Tab. 1.4 ).

Fremdreflexe (z. B. Bauchhautreflex; ▶ Tab. 1.5 ).

pathologische Reflexe (z. B. Babinski; ▶ Abb. 1.2).

Tab. 1.4 

Klinisch wichtige Eigenreflexe (nach Grehl H., Reinhardt F.: Checkliste Neurologie. Thieme; 2013).

Reflex

Segment

Muskel

peripherer Nerv

Skapulohumeral-

C 4 –C 6

M. infraspinatus + teres minor

N. suprascapularis + axillaris

Bizepssehnen-

C 5–C 6

M. biceps brachii

N. musculocutaneus

Radiusperiost-

C 5–C 6

M. brachioradialis (+ biceps brachii, brachialis)

N. radialis + musculocutaneus

Trizepssehnen-

C 7–C 8

M. triceps brachii

N. radialis

Trömner-

C 7–C 8

Mm. flexores digitorum

N. medianus (+ ulnaris)

Adduktoren-

L 2–L 4

Mm. adductores

N. obturatorius

Patellarsehnen-

L 3–L 4

M. quadriceps femoris

N. femoralis

Tibialis-posterior-

L 5

M. tibialis posterior

N. tibialis

Achillessehnen-

S 1–S 2

M. triceps surae

(u. a. Flexoren)

N. tibialis

Tab. 1.5 

Klinisch wichtige Fremdreflexe (nach Grehl H., Reinhardt F.: Checkliste Neurologie. Thieme; 2013).

Reflex

Segment

Muskel

peripherer Nerv (Efferenz)

Bauchhaut-

Th 6–Th 12

Abdominalmuskulatur

Nn. intercostales, hypogastricus, ilioinguinalis

Kremaster-

L 1–L 2

M. cremaster

R. genitalis N. genitofemoralis

Bulbokavernosus-

S 3–S 4

M. bulbocavernosus

N. pudendus

Anal-

S 3–S 5

M. sphincter ani externus

N. pudendus

Nervendehnungszeichen: Z. B. Lasègue, Bragard; Grad-Angabe.

Koordination: Romberg, Unterberger, Blindgang (Ataxie, Tremor?).

Vegetativum: Blasen-, Mastdarmfunktion, Schweißsekretion.

Psyche: Psychische Auffälligkeiten (Beschwerden glaubhaft?).

Abb. 1.2 Babinski-Gruppe.

Abb. 1.2a

(aus Grehl H., Reinhardt F.: Checkliste Neurologie. Thieme; 2013)

Abb. 1.2b

(aus Grehl H., Reinhardt F.: Checkliste Neurologie. Thieme; 2013)

Abb. 1.2c

(aus Grehl H., Reinhardt F.: Checkliste Neurologie. Thieme; 2013)

Abb. 1.2d

(aus Grehl H., Reinhardt F.: Checkliste Neurologie. Thieme; 2013)

1.2.6 Pulsstatus

Palpation der Aa. carotis, radialis, ulnaris, femoralis, poplitea, tibialis posterior, dorsalis pedis.

1.3 Goniometrie

1.3.1 Goniometrie nach der Neutral-Null-Methode

Nach der Neutral-Null-Methode werden die Bewegungsumfänge eines Gelenkes aus einer definierten Neutralstellung (Nullstellung) gemessen. Der ermittelte Winkelwert gibt das Ausmaß der Bewegung an. Gemessen werden der aktive und der passive Bewegungsumfang.

0-Stellungder Gelenke: Anatomische Normalstellung des aufrecht stehenden Menschen mit hängenden Armen, nach ventral gerichteten Daumen und parallel stehenden Füßen ( ▶ Abb. 1.3).

Abb. 1.3 Bezeichnung der Raumebenen.a Sagittalebene,b Frontal- oder Koronalebene,c Transversalebene.

Bewegungsumfang: Er wird mit 3 Ziffern angegeben, wovon die mittlere die Nullstellung wiedergibt. Die beiden anderen beschreiben die Endausschläge der Bewegung (z. B. Flexion/Extension).

Wird die 0-Stellung erreicht und passiert, so steht die Null zwischen den Endstellungswerten.

Bei Bewegungseinschränkungen steht die Null nicht in der Mitte, sondern auf der Seite der nicht erreichten Endstellung (z. B. Extensionsdefizit von 20° bei freier Beugung im Kniegelenk: F/E 150°/20°/0°).

Dokumentation: Die Dokumentationsreihenfolge der Endausschläge muss definiert werden (z. B. Flexion/Extension [F/E], Pronation/Supination [Pro/Sup], Abduktion/Adduktion [Abd/Add]).

1.4 Längen- und Umfangsmessungen

1.4.1 Kopf und Hals

Kopfumfang: Messung horizontal entlang der Stirn.

Halsumfang: Horizontale Messung von ventral auf Höhe des Schildknorpels nach dorsal auf Höhe der maximalen Lordose.

1.4.2 Wirbelsäule, Rumpf

Sitzhöhe: Normal 50 % der Körperlänge (bei Erwachsenen und Kindern über 10 Jahren).

Brusttiefe: Thoraxdurchmesser auf Höhe des kaudalen Endes des Proc. xiphoideus bis zum Proc. spinosus des Wirbels der entsprechenden Höhe. Messung in maximaler Inspiration und Exspiration.

Brustumfang: Umfangsmessung kaudal der Axilla bei hängendem Arm. Bei Frauen kranial des Brustansatzes, bei Männern kranial der Mamillen. 3 Messungen: In Atemmittellage, in max. Exspiration, in max. Inspiration.

1.4.3 Schulter

Schulterbreite: Distanz zwischen den Akromionspitzen.

1.4.4 Arm/Hand

Längenmessungen:

Gesamtarm: Abstand zwischen Akromionspitze und Proc. styloideus radii (am hängenden Arm im Stehen).

Oberarm: Abstand zwischen Akromionspitze und Epicondylus humeri radialis.

Unterarm: Abstand zwischen Epicondylus humeri radialis und Proc. styloideus radii in maximaler Supination.

Elle: Abstand zwischen Olekranon und Proc. styloideus ulnae.

Hand: Abstand zwischen der Verbindungslinie vom Proc. styloideus radii et ulnae und dem längsten Finger.

Finger: Abstand zwischen Fingergrundgelenk und Fingerspitze (Messung auf der Dorsalseite bei flektiertem Grundgelenk).

Umfangsmessungen:

Oberarm: Auf Höhe des Ansatzes des M. deltoideus bei in 45° flektiertem Ellenbogen.

Biceps femoris: 15 cm kranial des Epicondylus humeri radialis (Ellenbogen in Streckung).

Ellenbogen: Auf Höhe des Olekranons in Streckung.

Unterarm: 10 und 20 cm distal des Epicondylus humeri radialis.

Handgelenk: Direkt distal der Ebene der Processus styloidei radii et ulnae.

Mittelhand: Über dem Köpfchen Metakarpale II–V.

Finger: Mitte der Grund-, Mittel- und Endphalanx.

Fingergelenk: Proximales und distales Interphalangealgelenk.

1.4.5 Becken

Beckenkammbreite: Größter Abstand der Beckenkämme in der frontotransversalen Ebene.

Trochanterbreite: Abstand zwischen den Trochanteres majores.

1.4.6 Bein

Längenmessungen:

Gesamtes Bein: Spina iliaca anterior superior oder Spitze des Trochanter major bis zur Spitze des Malleolus lateralis.

Oberschenkel: Spitze des Trochanter major bis lateraler Kniegelenkspalt.

Unterschenkel: Lateraler Kniegelenkspalt bis zur Spitze des Malleolus lateralis.

Fuß: Hinterste Kontur der Ferse bis zur Spitze der längsten Zehe.

Umfangsmessungen:

Oberschenkel: 15 und 20 cm kranial des medialen Kniegelenkspaltes bei Erwachsenen; bei Kindern 6 und 10 cm kranial des medialen Kniegelenkspaltes. Alternativ kranial des proximalen Patellapols. Messgenauigkeit±1 cm.

Unterschenkel: 15 cm distal des medialen Kniegelenkspaltes. Alternativ Messung des maximalen und minimalen Umfangs (i. d. R. auf der Wadenmitte und am Achillessehnenansatz).

Fuß: Fersenmaß: Über Ferse und Rist. Ristmaß: Über dem Os naviculare. Ballenmaß: Über dem Großzehenballen ( ▶ Abb. 1.4).

Abb. 1.4a, b Umfangs- und Längenmessungen an der unteren Extremität.

Abb. 1.4a seitlich

Abb. 1.4b von vorne

1.5Ganganalyse

1.5.1 Grundlagen

Am Gangbild ist der gesamte Bewegungsapparat beteiligt, nicht nur die unteren Extremitäten. Das Ziel ist die Fortbewegung mit einem minimalen Aufwand an Energie, wobei sich der Kopf mit seinen wichtigen Sinnesorganen in möglichst gerader Linie fortbewegt, unabhängig von der Beschaffenheit des Bodens.

Beim normalen Gehen wechseln Stand-(Stemm-) und Schwung-(Spielbein-)phase in rhythmischer Folge ab. Die Einheit zur Beurteilung ist der Schrittzyklus oder Doppelschritt, der aus 2 Einzelschritten besteht.

Die Standphase besteht aus Fersenauftritt, Sohlenkontakt, Fersenablösung, Zehenabstoß ( ▶ Abb. 1.5).

Die Schwungphase besteht aus Beuge- und Streckphase des Kniegelenks.

Abb. 1.5 Phasen eines Doppelschritts.

Doppelbelastung: Beide Füße berühren gleichzeitig den Boden.

Wanderschritt: Zyklusdauer 0,1 – 1,0 s, Schrittzahl 110 – 120/min, Schrittlänge ca. 78 cm.

Der Körperschwerpunkt setzt sich nicht in gerader Linie fort. Er beschreibt eine schraubenförmige Bewegung in einem imaginären Tunnel von ca. 3 cm Durchmesser. Auch in der Sagittalebene hebt und senkt sich das Becken um 4 – 5 cm, in der Frontalebene um ca. 3 cm, in der Schwungphase zur Seite des unbelasteten Beines. In der Transversalebene beschreibt das Becken eine Rotationsbewegung von 6 – 8°.

Beachte: Jede Abweichung gilt als pathologisch und erfordert einen erhöhten Energieaufwand.

1.5.2 Gangstörungen

Hinken kann einseitig oder beidseitig auftreten.

Verkürzungshinken: Bei anatomischer Beinverkürzung oder funktioneller Beinlängendifferenz (z. B. Spitzfuß, Streckdefizit am Knie, Adduktionskontraktur der Hüfte). Klinisch apparent ab 3 cm Beinlängendifferenz.

Lähmungshinken: Durch neuromuskuläre Störung. Trendelenburg- oder Duchenne-Zeichen positiv (s. u.).

Verbeugungshinken: Bei Flexionskontraktur der Hüftgelenke.

Schmerzhinken: Schonhaltung zur Vermeidung schmerzhafter Stellungen (z. B. bei Arthrose, posttraumatisch).

Spastisches, athetotisches Hinken: Bei zentralnervösen Störungen.

Merke: Häufig beobachtet man Kombinationen aus den genannten Hink-Typen.

1.5.3 Untersuchungsmethoden

Klinisch:

Inspektion von allen Seiten im Untersuchungszimmer, auf dem Laufband, auf der Treppe.

Zehenspitzengang, Fersengang.

Eversions-, Inversionsgang.

Inspektion der Fußform mit und ohne Belastung.

Sohlenbeschwielung.

Achsanalyse.

Palpatorische Erfassung der Vor- und Rückfussflexibilität, Beweglichkeit im OSG/USG.

Objektiv:

Rechnergestützte Auswertung der Bewegungen mit Kamera- oder Videosystemen.

Elektromyografische Ableitung der Muskelaktivität.

1.5.4 Klinische Zeichen

Siehe ▶ Abb. 1.6.

Trendelenburg-Zeichen: Bei Läsion des N. glutaeus superior (traumatisch, Hüft-OP, intraglutaeale Injektion, Poliomyelitis).

Parese, Insuffizienz der Mm. glutaei medius et minimus und des M. tensor fasciae latae.

Fehlen der aktiven Hüftabduktoren (pelvinotrochantäre Muskulatur).

Das Becken kann im Einbeinstand nicht stabilisiert werden und sinkt auf der gesunden Seite ab. (Beim Gesunden kontrahiert die pelvinotrochantäre Musklatur im Einbeinstand und hält die nicht unterstützte Seite horizontal.)

Positiv auch bei ▶ Hüftdysplasie, ▶ Morbus Perthes und ▶ Coxa vara, weil hier der Hebelarm der Muskulatur verkürzt ist.

Duchenne-Zeichen(Duchenne-Hinken): Gegenregulierendes Pendeln des Oberkörpers beim Gehen, um das Abkippen des Beckens zu kompensieren.

Positiv bei Insuffizienz der Mm. glutaei.

Bei beidseitiger Insuffizienz: Enten- oder Watschelgang.

Abb. 1.6 Trendelenburg-Zeichen. Merke: Trendelenburg-Prüfung immer mit geradem Oberkörper!

Abb. 1.6a Im Einbeinstand waagerechte Beckenhaltung durch Kraft der Hüftabduktoren (M. glutaeus medius) → Trendelenburg links negativ.

Abb. 1.6b Bei Glutaeusinsuffizienz links Absinken des Beckens zur gesunden Gegenseite → Trendelenburg links positiv.

Abb. 1.6c Falsch negativer Trendelenburg durch Ausgleich der Hüftabduktionsinsuffizienz durch Oberkörperüberhang (= Duchenne-Zeichen).

2 Gelenkspezifische Untersuchungstechniken

R. D. Linke, A. B. Imhoff

2.1 Wirbelsäule und Iliosakralgelenk

2.1.1 Grundlagen

Untersuchung im Stehen.

0-Stellung: Aufrechte Körperhaltung, Becken in der Frontalebene horizontal eingestellt. Beinlängenunterschiede mit Brettchen ausgleichen.

Beurteilung der Haltung: Siehe ▶ Abb. 2.1.

Abb. 2.1 Haltungsinsuffizienzen der Wirbelsäule. Beachte die unterschiedliche Beckenkippung.

Abb. 2.1a Normale Haltung,

Abb. 2.1b Rundrücken,

Abb. 2.1c Hohlrundrücken,

Abb. 2.1d Flachrücken

2.1.2 Untersuchung der Halswirbelsäule (HWS)

Untersuchung am sitzenden Patienten von hinten.

Normaler Bewegungsumfang ( ▶ Abb. 2.2):

Inklination/Reklination (Flexion/Extension): (35°– 45°)/0°/(35°– 45°).

Lateralflexion nach rechts und links: 45°/0°/45°.

Rotation (60°– 80°)/0°/(60°– 80°).

Abb. 2.2 Bewegungsumfang der HWS.

Abb. 2.2a Vorneigen/Rückneigen (Flexion/Extension),

Abb. 2.2b Seitneigen,

Abb. 2.2c Rotation in Flexion 45°/0°/45°, Rotation in Extension 60°/0°/60°.

HWS-Rotations-Screening: Der Kopf wird mit beiden Händen in der Parietalregion umfasst und nach beiden Seiten rotiert. Geprüft wird:

Beweglichkeit im Seitenvergleich: Eine Bewegungsstörung ist Ausdruck einer segmentalen Dysfunktion (z. B. Arthrose, Verkürzung, Muskelverkürzung).

Endgradiger Anschlag: Ein harter Anschlag mit Schmerz ist Hinweis auf degenerative Veränderungen (Spondylose, Spondylarthrose), ein weicher Anschlag deutet auf eine muskuläre Pathologie (z. B. Verkürzung der Nackenstrecker).

Cave: Bei Auftreten von Schwindel zerebrale Durchblutung abklären!

Kopfrotationstestin maximaler Inklination und Reklination: Erlaubt eine Aussage über die Etage der Pathologie; eine Bewegungseinschränkung ist meist Ausdruck von degenerativen oder entzündlichen Prozessen.

Segmente distal von C 2 sind in maximaler Inklination gesperrt: Rotation weitgehend in den Kopfgelenken.

Kopfgelenksregion ist in maximaler Reklination gesperrt: Rotation v. a. in den distalen HWS-Segmenten.

Perkussionstest: Beklopfen aller Dornfortsätze der leicht gebeugten HWS.

Lokalisierter Schmerz bei Fraktur oder muskulär-ligamentärer Störung.

Radikuläre Symptomatik bei Bandscheibenschädigung mit Irritation der Nervenwurzel.

O’Donoghues-Test: Zur Differenzierung zwischen muskulären und ligamentären Nackenschmerzen. Der Untersucher neigt den Kopf des vor ihm sitzenden Patienten zunächst passiv nach beiden Seiten. Dann neigt der Patient den Kopf aktiv gegen den Widerstand der Hand des Untersuchers (an Jochbein und Schläfe) nach lateral.

Schmerzen bei passiver Kopfneigung: Hinweis auf ligamentäre, artikulär-degenerative Störung.

Schmerzen bei aktiver Kopfneigung: Muskuläre Dysfunktion.

HWS-Distraktionstest: Zur Differenzierung zwischen radikulären und ligamentär-muskulären Schmerzen im Nacken-Arm-Schulter-Bereich. Der Untersucher fasst den Kopf des Patienten an Kinn und Hinterhaupt und übt unter Rotation axialen Zug in kranialer Richtung aus.

Schmerzreduktion unter Distraktion: Hinweis auf bandscheibenbedingte Irritation der Nervenwurzel (Entlastung von Bandscheibe und korrespondierender Nervenwurzel).

Schmerzzunahme unter Distraktion: Muskulär-ligamentäre bzw. artikulär-degenerative Störung.

2.1.3 Untersuchung der Brust- und Lendenwirbelsäule

Untersuchung am stehenden Patienten von hinten.

Normaler Bewegungsumfang ( ▶ Abb. 2.3):

Extension der Einheit BWS/LWS: 30° im Stehen oder 20° im Liegen.

Lateralflexion der Einheit BWS/LWS: 30 – 40° im Stehen.

Rotation der Einheit BWS/LWS: 30° im Stehen.

Abb. 2.3