Clemens - Retter in der Not - Viola Maybach - E-Book

Clemens - Retter in der Not E-Book

Viola Maybach

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Beschreibung

Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie "Der kleine Fürst" in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Alles beginnt mit einem Schicksalsschlag: Das Fürstenpaar Leopold und Elisabeth von Sternberg kommt bei einem Hubschrauberunglück ums Leben. Ihr einziger Sohn, der 15jährige Christian von Sternberg, den jeder seit frühesten Kinderzeiten "Der kleine Fürst" nennt, wird mit Erreichen der Volljährigkeit die fürstlichen Geschicke übernehmen müssen. "Der kleine Fürst" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken. Constanzes Gehirn weigerte sich zu glauben, was ihre Augen sahen: Der Sturm hatte ein richtiges Loch in das ohnehin schadhafte Dach des Schlösschens gerissen und infolgedessen war ein Teil davon eingestürzt. Durch das Loch konnte sie direkt in den Himmel sehen, an dem die Blitze jetzt immer schneller zuckten. Noch immer regnete es nicht sehr stark, aber es war eine Frage von Minuten, wenn nicht Sekunden, bis sich die Schleusen richtig öffnen und vermutlich wahre Sturzfluten auf die Erde niedergehen würden. Sie erwachte aus ihrer Erstarrung, als Clemens ihren Arm ergriff und sie heftig schüttelt. »Los!«, brüllte er, um den Donner zu übertönen. »Wir müssen versuchen, das Loch irgendwie abzudecken, bevor es richtig zu schütten beginnt.« Sie hatte ihn vergessen. Clemens von Renthofen, der mit ihrer Großmutter befreundet gewesen war und dem sie bei seinem ersten Besuch die Tür vor der Nase zugeschlagen hatte, weil ihr sein Name unbekannt gewesen war. Aber dafür konnte sie sich später entschuldigen – falls sie das überhaupt tat. Trotz des angefangenen Briefs an ihn, den sie im Sekretär ihrer Oma gefunden hatte, war sie noch nicht sicher, ob sie ihm trauen konnte. Aber damit konnte sie sich später beschäftigen. Jetzt galt es erst einmal, das Schlösschen vor noch größeren Schäden zu bewahren. Sie folgte ihm. Verständigen konnten sie sich nur noch schreiend, da das Donnergrollen zunahm und die Donnerschläge in immer kürzeren Abständen ertönten. Aber Worte waren auch nicht nötig. Er war bereits dabei, eine der Planen, die er mitgebracht hatte, auseinanderzufalten. Sie half ihm, anschließend legten sie sie direkt unter dem großen Loch im Dach aus. Jetzt erst bemerkte Constanze, wie vorausschauend ihre Arbeit am Nachmittag gewesen war: Die Planen, die sie so mühselig allein ausgelegt hatte, standen voller Wasser, das sonst direkt in die Decke des darunterliegenden Stockwerks gesickert wäre. Clemens hatte bereits die nächste Plane in der Hand, er deutete auf das Loch im Dach.

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Seitenzahl: 115

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Der kleine Fürst – 262 –Clemens - Retter in der Not

Viola Maybach

Constanzes Gehirn weigerte sich zu glauben, was ihre Augen sahen: Der Sturm hatte ein richtiges Loch in das ohnehin schadhafte Dach des Schlösschens gerissen und infolgedessen war ein Teil davon eingestürzt. Durch das Loch konnte sie direkt in den Himmel sehen, an dem die Blitze jetzt immer schneller zuckten. Noch immer regnete es nicht sehr stark, aber es war eine Frage von Minuten, wenn nicht Sekunden, bis sich die Schleusen richtig öffnen und vermutlich wahre Sturzfluten auf die Erde niedergehen würden.

Sie erwachte aus ihrer Erstarrung, als Clemens ihren Arm ergriff und sie heftig schüttelt. »Los!«, brüllte er, um den Donner zu übertönen. »Wir müssen versuchen, das Loch irgendwie abzudecken, bevor es richtig zu schütten beginnt.«

Sie hatte ihn vergessen. Clemens von Renthofen, der mit ihrer Großmutter befreundet gewesen war und dem sie bei seinem ersten Besuch die Tür vor der Nase zugeschlagen hatte, weil ihr sein Name unbekannt gewesen war. Aber dafür konnte sie sich später entschuldigen – falls sie das überhaupt tat. Trotz des angefangenen Briefs an ihn, den sie im Sekretär ihrer Oma gefunden hatte, war sie noch nicht sicher, ob sie ihm trauen konnte. Aber damit konnte sie sich später beschäftigen. Jetzt galt es erst einmal, das Schlösschen vor noch größeren Schäden zu bewahren.

Sie folgte ihm. Verständigen konnten sie sich nur noch schreiend, da das Donnergrollen zunahm und die Donnerschläge in immer kürzeren Abständen ertönten. Aber Worte waren auch nicht nötig. Er war bereits dabei, eine der Planen, die er mitgebracht hatte, auseinanderzufalten. Sie half ihm, anschließend legten sie sie direkt unter dem großen Loch im Dach aus. Jetzt erst bemerkte Constanze, wie vorausschauend ihre Arbeit am Nachmittag gewesen war: Die Planen, die sie so mühselig allein ausgelegt hatte, standen voller Wasser, das sonst direkt in die Decke des darunterliegenden Stockwerks gesickert wäre.

Clemens hatte bereits die nächste Plane in der Hand, er deutete auf das Loch im Dach. Sie begriff, dass er tun wollte, was sie vor dem Ausbruch des Unwetters an etlichen schadhaften Stellen des Daches bereits getan hatte, und so reichte sie ihm eine große Schere und suchte nach der Schachtel mit den Nägeln und nach dem Hammer. Es würde ihnen nicht gelingen, das Loch vollständig zu verschließen, aber vielleicht gelang es ihnen immerhin, das Schlimmste abzuhalten.

Er suchte sich zwei Eimer, leerte sie draußen über dem Dach aus und stieg hinauf.

»Von außen!«, schrie er ihr zu.

Das war natürlich besser, würde aber auch mehr Zeit kosten, und Zeit hatten sie eben nicht. Constanze hätte ihn gern von seinem Vorhaben abgehalten, ließ es aber, da er bereits begonnen hatte, die Plane von außen aufs Dach zu nageln. Der Regen wurde stärker, der Wind nahm zu. Clemens kam so langsam voran, dass Constanze immer nervöser wurde, dabei wusste sie, wie anstrengend es für ihn sein musste, auf den beiden Eimern auch nur die Balance zu halten, während ihm Wind und Regen gleichermaßen zusetzten. Sie selbst hatte ja schon genug Mühe, sich die Plane nicht einfach aus den Händen reißen zu lassen.

Sie wurde etwas ruhiger, als er eine Seite der Plane hatte befestigen können. Von nun wurde ihre Arbeit leichter. Doch er war noch nicht einmal halb fertig, als aus dem bisher eher dünnen Regenfall eine regelrechte Sintflut wurde. Sie waren im Nu von oben bis unten nass, und Constanze musste gegen die Versuchung ankämpfen, zur Seite zu springen, um sich in Sicherheit zu bringen. Aber Clemens konnte die Plane ohne sie auf keinen Fall befestigen, sie musste ihm, jetzt erst recht, helfen, sie festzuhalten und ihm die Nägel anzureichen, damit Regen und Sturm sie ihnen nicht einfach aus den Händen rissen.

Verbissen jagte er Nagel um Nagel in die Dachbalken, bis die Plane befestigt war. Natürlich kam an den Seiten trotzdem Wasser durch, aber eine Katastrophe hatten sie erst einmal verhindert. Was an Wasser durchkam, landete, vorerst zumindest, auf der Plane am Boden. Constanze fragte sich allerdings, ob es dem Sturm und den Wassermassen, die jetzt vom Himmel stürzten, nicht über kurz oder lang gelingen würde, sämtliche Planen über den Löchern im Dach zu zerreißen, so dass sie wieder von vorn anfangen mussten.

Clemens hatte offenbar die gleichen Befürchtungen, denn er schnitt bereits ein neues Stück Plane zu und schrie: »Wir nageln noch zwei von innen drauf, um die Lücken zu überdecken, und dann sichern wir die anderen undichten Stellen ab.«

Sie harrte also aus, bis sie schließlich zwei weitere Planen unter dem großen Loch angebracht hatten und jeweils eine weitere unter den kleineren Löchern, die sie nachmittags schon versucht hatte abzudichten. Währenddessen tobten Sturm und Regen mit unverminderter Kraft.

Aber wenn sie geglaubt hatte, jetzt könnten sie sich eine Pause gönnen, so sah sie sich getäuscht. Clemens eilte rastlos zu einer entfernten Ecke des Dachbodens, wo ein schmales, aber stetiges Rinnsal auf den Boden tropfte – und als sie sich umsah, erkannte sie, dass es im Grunde überall tropfte. Dort, wo sie am Nachmittag die Planen ausgelegt oder an die Dachsparren oder Balken genagelt hatte, blieben die Pfützen stehen, aber an ungeschützten Stellen sickerte die Nässe ungehindert in den Boden – und damit in die Decke des darunterliegenden Stockwerks.

Sie dachte voller Schrecken an die großen feuchten Stellen, die sie dort bereits in mehreren Zimmern entdeckt hatte – und an die feuchten Wände, von denen sich die schweren alten Tapeten in großen Stücken lösten. Ein solches Unwetter hatte es sicherlich lange nicht gegeben, aber wenn schon seit ­Jahren immer wieder Feuchtigkeit über das schadhafte Dach ins Schlösschen gelangt war, konnte sie sich die Folgen lebhaft vorstellen, die das Wasser im Mauerwerk angerichtet haben musste.

Sie hasteten von einer Stelle zur nächsten, versuchten, abzudichten, was sich abdichten ließ, aber es war ein Fass ohne Boden. Dennoch arbeiteten sie weiter, ohne sich eine Pause zu gönnen, bis ihnen irgendwann auffiel, dass sie nicht länger schreien oder gestikulieren mussten, um sich zu verständigen, sondern wieder in normaler Lautstärke miteinander reden konnten.

Sie hielten beide gleichzeitig inne und lauschten. Es regnete noch, aber was jetzt vom Himmel kam, klang eher wie ein ruhiger, sanfter Landregen. Das Gewitter hatte sich verzogen, von ferne war noch ab und zu ein Donnergrollen zu hören, aber das Schlimmste war vorüber.

Auf dem Dachboden des Ziehenthal-Schlösschens freilich war ein stetiges Glucksen und Tropfen zu hören. Auch jetzt noch drang Regen durchs Dach ins Innere des Gebäudes. Sie konnten nur hoffen, dass die Planen das Schlimmste abhielten.

»Ich muss unten nachsehen«, sagte Constanze mit schwacher Stimme, »ich meine, im Stockwerk unter dem Dach. Die Decken und Wände sahen vorher schon nicht gut aus. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es jetzt ist.«

»Die Decken sind mit Sicherheit feucht«, erwiderte Clemens, »aber die lassen sich auch wieder trocknen. Das ist gutes altes Mauerwerk, das hält eine Menge aus. Das ändert aber nichts daran, dass das Dach gemacht werden muss.«

»Wem sagen Sie das«, murmelte Constanze.

»Haben Sie die Planen ausgelegt, die hier schon lagen?«

»Ja, heute Nachmittag, als ich hörte, dass ein Sturmtief mit Regen erwartet wird. Ich hatte mir das Dach vorher schon mal angesehen. Überall Eimer und Wannen unter den schadhaften Stellen. Ich konnte meine Oma nicht mehr fragen, warum das Schlösschen in diesem Zustand ist – und Franzi will mir auch nichts sagen.«

»Ihre Haushälterin und gute Freundin?«

»Ja. Sie hatte einen Schlaganfall und erholt sich nur langsam. Sie soll möglichst wenig Aufregung haben, sagen ihre Ärzte.«

Er nickte nur und fragte nicht weiter, was sie ihm hoch anrechnete. Sie sahen sich noch einmal prüfend um, verrutschten hier eine Plane, dort einen Eimer, aber alles in allem sah es so aus, als hätten sie getan, was getan werden konnte, und so verließen sie den Dachboden.

Im Stockwerk darunter hatten sich in der Tat die feuchten Stellen an den Decken vergrößert, auch in die Wände war Wasser gesickert, mehrere Tapetenbahnen waren, schwer von Nässe halb von den Wänden gerutscht, und an einigen Stellen hatten sich Wasserlachen auf dem Parkett gebildet.

»Die trocknen wir gleich«, sagte Clemens, »und dann decken wir sie mit Planen ab. Sehen Sie, da oben? Da tropft immer noch Wasser aus der Decke, das müssen wir hier unten auffangen.«

Also begannen sie von neuem, aber die Arbeit hier war wesentlich weniger anstrengend als oben unter dem Dach: Hier hatten sie es mit einer überschaubaren Situation zu tun, die sie innerhalb von einer Stunde mehr oder weniger in den Griff bekamen.

»Und jetzt der Keller«, sagte Clemens.

Constanze lehnte sich an eine der Türen und schloss die Augen. Ihr war schwindelig vor Müdigkeit, und seltsamerweise fühlte sich ihr Magen leer an, dabei hatte sie doch etwas gegessen. Oder nicht? Sie war nicht mehr sicher. Sie hatte außerdem jegliches Zeitgefühl verloren.

»Essen Sie das«, hörte sie Clemens sagen.

Verwirrt öffnete sie die Augen und sah einen schmalen Riegel in seiner Hand.

»Was ist das?«

»Ein Schokoriegel – hilft gegen Unterzuckerung.«

»Danke. Und Sie?«

»Ich brauche im Augenblick nichts, aber ich habe noch Vorrat, keine Sorge.«

Sie aß die Schokolade, obwohl sie sich daraus nicht viel machte, aber erstaunlicherweise fühlte sie sich fast augenblicklich besser. »Komisch«, sagte sie, »ich weiß gar nicht, was mit mir los war, mir sind richtig die Beine weich geworden.«

»Das kommt vor. Aufregung, körperliche Anstrengung, Kummer – das alles zusammen kann einen schon mal umhauen.«

Sein Blick wurde prüfend. »Soll ich allein in den Keller gehen?«, fragte er.

Sie schüttelte den Kopf. Zwar graute ihr davor, jetzt dort hinunterzusteigen, aber auf keinen Fall würde sie ihn allein gehen lassen. Er hatte ihr geholfen, ohne ihn wären die Schäden am Schlösschen ohne Frage ungleich größer, das hieß aber nicht, dass sie ihm uneingeschränkt vertraute.

Er war zurückgekommen, obwohl sie ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen hatte und obwohl er wusste, dass Amanda gestorben war. Dafür musste es einen Grund geben, und sie war nicht sicher, ob seine Motive uneigennützig waren. Vielleicht hatte er ja ihrer Großmutter freundschaftliche Gefühle nur vorgespielt, um etwas von ihr zu bekommen, an dem er interessiert war? Das Schlösschen vielleicht? Unsinn, dachte sie, er musste doch wissen, dass Omi Erben und er deshalb keine Chance hatte.

»Kommen Sie?«, fragte Clemens. Er stand schon an der Treppe.

»Ja, natürlich, entschuldigen Sie, ich war in Gedanken.«

»Ist mir nicht entgangen.« Er lächelte bei diesen Worten.

Sie stiegen also in den Keller hinunter, wo es zu Constanzes Überraschung weniger schlimm aussah als befürchtet. Nur in einem der Räume stand etwa knöcheltief das Wasser und war von dort aus auch in den breiten Gang gelaufen, der den Keller in zwei gleiche Hälften teilte, aber der ganze Rest war trocken geblieben. Und der Raum, in den das Wasser gelaufen war, war mehr oder weniger leer.

»Glück im Unglück«, stellte Clemens fest.

»Das Fenster ist kaputt«, sagte Constanze. »Da muss das Wasser in den Keller gelaufen sein.«

Er nickte. »Die Schäden hier lassen sich am leichtesten beheben, so weit ich das bis jetzt überblicke.«

Als sie ins Erdgeschoss zurückgekehrt waren, fragte Constanze: »Wollen Sie einen Kaffee? Oder Tee?«

Er warf einen Blick auf die Uhr und stellte erstaunt fest, dass es noch längst nicht so spät war, wie er gedacht hatte. Ihm kam es so vor, als hätten sie Stunden auf dem Dachboden geschuftet. Es waren kaum anderthalb gewesen. »Lieber Tee«, entschied er, »Kaffee putscht mich nur noch mehr auf, das brauche ich jetzt nicht. Aber etwas Warmes wäre gut. Und haben Sie vielleicht ein Handtuch, damit ich mir die Haare trocknen kann?«

»Klar. Ich würde ja vorschlagen, dass wir beide duschen, aber da kommt kaum warmes Wasser, wahrscheinlich wäre uns hinterher erst richtig kalt.«

Sie holte Handtücher und suchte auch nach trockener Kleidung für ihn. Sie hatte ein übergroßes Sweatshirt, das sie gerne trug – das würde ihm vielleicht passen.

»Hier, bitte«, sagte sie. »Handtuch und Sweatshirt, vielleicht kommen Sie rein. Eine trockene Hose für Sie habe ich leider nicht. Oder halt, warten Sie, ich habe irgendwo noch eine alte, ziemlich ausgebeulte Jogginghose, die mir viel zu groß ist, genau wie das Sweatshirt.«

»Ich probiere es auf jeden Fall, denn diese nassen Sachen am Körper sind sehr unangenehm.«

Er zog sich im Bad um. Als er herauskam, musste sie lachen. Er hatte offenbar Mühe gehabt, in ihre Sachen hineinzukommen, aber es war ihm gelungen. Freilich waren sie zu kurz und zu eng.

»Sie sehen ein bisschen komisch darin aus«, stellte sie fest.

»Ist mir klar, aber ich fühle mich trotzdem wohl, weil sie warm und trocken sind.« Er ging zum Fenster und warf einen Blick hinaus. »Es stürmt noch, aber der Regen hat fast aufgehört.«

Sie setzte das Wasser für den Tee auf. Obwohl auch sie sich umgezogen hatte, fröstelte sie.

Er sah es, als er sich umdrehte. »Ziehen Sie noch was drüber«, riet er ihr. »Und vielleicht sollten Sie Ihre Haare trocken föhnen.«

»Wir beide«, beschloss sie.

»In Ordnung. Kann ich mich hier ein wenig umsehen, während Sie Ihre Haare trocknen?«

Nach kurzem Zögern nickte sie und verschwand im Bad. Als sie herauskam, kochte das Wasser, so dass sie den Tee aufgießen konnte.

Clemens tauchte wieder an der Küchentür auf, nachdem auch er sich die Haare getrocknet hatte. »Nicht nur das Dach ist schadhaft«, stellte er fest. »Am gesamten Schlösschen ist lange nichts gemacht worden.« Er sah sie fragend an, als erwartete er eine Erklärung von ihr – eine Erklärung, die sie selbst gern gehabt hätte.

»Offenbar schon seit Jahren nicht«, erwiderte sie zurückhaltend.

Sie würde ihm nichts von den Schulden erzählen, die sie geerbt hatte, so weit wollte sie nicht gehen, aber sie schob ihr Misstrauen ihm gegenüber, das noch nicht ganz überwunden war, immerhin so weit beiseite, dass sie hinzusetzte: »Ich habe meiner Großmutter versprechen müssen, dass ich dafür sorge, dass das Schlösschen nicht verkauft wird. Ich habe nicht verstanden, warum sie mir dieses Versprechen abgenommen hat, bis ich erfahren habe, dass ich es erbe.«

»Das war doch immer klar«, sagte er erstaunt.