Da habe ich dich getragen -  - E-Book

Da habe ich dich getragen E-Book

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Beschreibung

Das neue Buch zum bekannten Gedicht "Spuren im Sand", herausgegeben von Konstanze von der Pahlen, enthält Hoffnungsgeschichten für alle, die Ermutigung, Zuspruch und Trost brauchen. Das weltbekannte Gedicht "Spuren im Sand" ist schon für viele Menschen in schweren Situationen zu einer Hoffnungsquelle geworden. Vom Gedicht inspiriert erzählen Autorinnen und Autoren ganz persönlich, wie Gott sie gerade in Krisen mit großer Liebe getragen und weitergeführt hat. Ihre Erlebnisse und tiefen Gedanken schenken Trost, machen Hoffnung und ermutigen zu neuem Glauben und Vertrauen. Mit Beiträgen von: Jürgen Werth, Frank Heinrich, Regina Neufeld, Luitgardis Parasie, Monika Wegener, Susanne Degenhardt, Dr. Rolf Sons, u.a.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 154

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Konstanze von der Pahlen (Hrsg.)

Da habe ich dich getragen

Hoffnungsgeschichten zum Gedicht „Spuren im Sand“

Bibelzitate folgen, wo nicht anders angegeben, dem Bibeltext der Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Ferner wurden verwendet und wie folgt gekennzeichnet:

NL – Neues Leben. Die Bibel © 2002 und 2006 SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten.

Hfa – Hoffnung für alle®, Copyright © 1983, 1996, 2002 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung von Fontis – Brunnen Basel.

NGÜ – Neue Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen. Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft. Genesis u. Exodus © 2020 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, und Brunnen Verlag GmbH, Gießen. Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten.

ELB – Elberfelder Bibel © 1985/1991/2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen.

© 2023 Brunnen Verlag GmbH, Gießen

www.brunnen-verlag.de

Idee & Lektorat: Konstanze von der Pahlen

Umschlaggestaltung: Jonathan Maul

Umschlagfoto: Denni Van Huis/stocksy.com

Satz: Brunnen Verlag GmbH

ISBN Buch 978-3-7655-3629-8

ISBN E-Book 978-3-7655-7688-1

Inhalt

Spuren im Sand

Vorwort – Da werde ich dich tragen

Wenn wir Gott nicht mehr verstehen – Silke Töpke

Göttliches Timing – Stefan Loß

Die große Frage nach dem Warum – Regina Neufeld

Gott trägt mich in meinen Wachstumsschmerzen – Monika Wegener

Ich wollte nicht mehr Pastorin sein – Luitgardis Parasie

Spuren meines Lebens – Andrea Langpape

Hohe Wellen und Lebenskrisen – Susanne Degenhardt

Linke Seite alles schwarz – Luitgardis Parasie

In der Wüste aushalten – Jürgen Werth

Warum hast du mich alleingelassen? – Regina Neufeld

Warten auf Gott – Silke Töpke

Nicht allein – Susanne Degenhardt

Liegen bleiben dürfen – Regina Neufeld

Getragenwerden mit Anmeldung – Andrea Langpape

Wiedergefundenes Gottvertrauen – Gudrun Theurer

„Euer Beten hat geholfen“ – Luitgardis Parasie

Ein überraschender Traum – Rolf Sons

Rückblick – Frank Heinrich

Wohin mit meiner Wut? – Monika Wegener

Der nach mir fragt – Konstanze von der Pahlen

Du bist ein Gott, der mich sieht – Gudrun Theurer

Spuren hinterlassen – Jürgen Werth

Gehalten – Silke Töpke

Über die Autorinnen und Autoren dieses Buches

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum:

Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.

Vor dem dunklen Nachthimmel

erstrahlten, Streiflichtern gleich,

Bilder aus meinem Leben.

Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,

meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen

vorübergezogen war, blickte ich zurück.

Ich erschrak, als ich entdeckte,

dass an vielen Stellen meines Lebensweges

nur eine Spur zu sehen war.

Und das waren gerade die schwersten

Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:

„Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen,

da hast du mir versprochen,

auf allen Wegen bei mir zu sein.

Aber jetzt entdecke ich,

dass in den schwersten Zeiten meines Lebens

nur eine Spur im Sand zu sehen ist.

Warum hast du mich alleingelassen,

als ich dich am meisten brauchte?“

Da antwortete er: „Mein liebes Kind,

ich liebe dich und werde dich nie alleinlassen,

erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.

Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,

da habe ich dich getragen.“

Margaret Fishback Powers

Vorwort

Da werde ich dich tragen

Als Margaret Fishback Powers 1964 das berühmte Gedicht „Spuren im Sand“ schreibt, ist sie Anfang zwanzig und bis über beide Ohren verliebt in einen jungen Mann. Bei einem gemeinsamen Strandspaziergang hält er um ihre Hand an. Margaret ist überglücklich.

Am Ende des gemeinsamen Ausflugs dreht sie sich noch einmal um und blickt den Strand entlang. Sie beobachtet, wie das Meer ihre Spuren verwischt und dass dort, wo eben noch zwei Spuren im Sand gewesen sind, nur noch eine zu sehen ist.

Die junge Frau erschrickt. Sorgenvolle Gedanken über die Zukunft ergreifen von ihr Besitz. Werden sie und ihr zukünftiger Mann dem Leben zu zweit gewachsen sein? Werden sie den Stürmen standhalten können, die sicherlich auf sie zukommen werden? Wird Gott an ihrer Seite bleiben?

In dem Traum, den Margaret Fishback Powers kurz darauf in ihrem Gedicht beschreibt, guckt sie zurück auf ihr Leben und sieht, wie Streiflichtern gleich, Bilder aus ihrer Vergangenheit vorbeiziehen. In Wirklichkeit liegt der Großteil ihres Lebens noch vor ihr, als sie dieses Gedicht verfasst, und es ist nicht der Blick zurück, sondern der Blick nach vorn, der ihr Angst bereitet.

Geht es uns nicht genauso, dass wir oft weniger ängstlich zurückschauen, sondern uns mehr vor dem fürchten, was vor uns liegt? Dass wir uns fragen: Wie werde ich zurechtkommen mit dieser Diagnose? Werde ich den Neuanfang wagen? Wie werde ich ohne den geliebten Menschen weiterleben? Kann ich die Schwierigkeiten bewältigen, Lösungen finden, genug Kraft aufbringen für den Weg, der vor mir liegt?

Wenngleich Margaret Fishback Powers in ihrem Gedicht auf ihr Leben zurückschaut, so bieten die Antworten darin auch Trost und Ermutigung für unseren bangen Blick in die Zukunft. Es will uns daran erinnern, dass Gott uns auch für alles, was kommt, zusagt: „Da werde ich dich tragen. Da, wo du dich am einsamsten fühlen wirst, da, wo es am schwierigsten werden wird, da, wo du erschöpft sein wirst, da werde ich dich tragen.“

Die Geschichten in diesem Buch erzählen genau von solchen Situationen: von Krisen, Tiefpunkten, Nöten, dem Gefühl, verlassen zu sein, nichts mehr zu verstehen. Doch sie berichten auch davon, wie Gott Wort gehalten und durchgetragen hat. Wie er seine Nähe und neue Hoffnung geschenkt hat. Sie bezeugen, wie Vertrauen zerbrach und neu gefunden werden musste, wie Gott heilsam gesprochen und eingegriffen hat, manchmal scheinbar in letzter Sekunde. Und wie sein Wirken in der schweren Situation nicht immer spürbar war, doch im Rückblick offenbar wurde.

Von Herzen wünsche ich Ihnen, dass Sie sich selbst in diesen Geschichten wiederfinden – und dass Sie vor allem Gott darin entdecken, der auch an Ihrer Seite ist und Sie nicht nur, aber besonders durch die schweren Stunden begleiten und tragen möchte. Ich hoffe, dass die ehrlichen, tiefen, wahren Geschichten Sie ermutigen, Vertrauen zu fassen für die Zukunft, dass sie zur Heilung beitragen für die Wunden der Vergangenheit und dass sie Stärkung bringen für die Gegenwart, damit Sie unerschrocken weitergehen können – egal, was vor Ihnen liegt.

Seien Sie reich gesegnet!

Konstanze von der Pahlen, Herausgeberin

Wenn wir Gott nicht mehr verstehen

Silke Töpke

Geht es dir auch so, dass du Gott manchmal einfach nicht mehr verstehst? Findest du Gottes „wunderbaren“ Plan für dein Leben manchmal gar nicht so wunderbar? Hast du schon einmal dafür gebetet, die richtige Entscheidung zu treffen, und dann fühlte sich deine Entscheidung doch völlig falsch an und dein Leben bestand nur noch aus Scherben?

Passiert in deinem Leben vielleicht gerade so viel, dass es dir den Boden unter den Füßen wegzieht und jeder einzelne Tag deine ganze Kraft fordert? Und du fragst dich, wo Gott, dem du immer vertraut hast, denn jetzt eigentlich ist? Vielleicht fragst du dich auch: Liebt Gott mich nicht mehr? Habe ich etwas falsch gemacht?

Dem Verfasser von Psalm 10 geht es so ähnlich. In Vers 1 (NGÜ) schreibt er: „Warum, Herr, bist du so fern, warum verbirgst du dich in Zeiten der Not?“ In den dunklen Tälern unseres Lebens, wenn unaussprechliches Leid wie eine steile Felswand links und rechts von unserem Weg aufragt und alles verdunkelt, was vorher einmal unser Leben war, stellen wir fast immer die Frage nach dem Warum. Wir glauben, wir könnten das alles leichter ertragen, wenn wir einen Sinn darin sehen können.

Doch Gott antwortet nicht auf unsere Warum-Frage und schweigt. Das ist sehr verwirrend und macht uns hilflos und vielleicht sogar wütend auf ihn. Wenn wir Gott nicht mehr verstehen – den Gott, dem wir unser ganzes Leben anvertraut haben –, zu wem sollen wir dann gehen?

Es ist sehr schwer, die Unbegreiflichkeit Gottes auszuhalten, aber wir sind damit nicht allein. So wie sich Gottes Liebe wie ein roter Faden durch die ganze Bibel zieht, finden wir dort auch immer wieder Geschichten von Menschen (Abraham, Mose, Hiob …), denen diese Unbegreiflichkeit auf ihrem Lebensweg zugemutet wurde, manchmal über eine sehr lange Zeit.

Einer dieser Berichte, den ich am beeindruckendsten finde, ist der von Johannes dem Täufer. Seine Geschichte übte schon auf uns als Kinder eine düstere Faszination aus. Über das Bild in unserer Kinderbibel, auf dem der abgehackte Kopf des Johannes auf einem Teller liegend dargestellt wird, hatte meine Mutter einen Karli-Knusper-Bäckereiaufkleber geklebt, damit wir nicht traumatisiert werden. Wir haben wirklich alles versucht, um trotzdem etwas zu erkennen, aber der Karli-Knusper-Aufkleber ist ein Superaufkleber und vollkommen blickdicht. Eigentlich müsste man ihn über die ganze Geschichte kleben, denn die Unbegreiflichkeit Gottes ist in dieser Geschichte besonders schwer zu ertragen.

Johannes ist nicht nur der Wegbereiter für Jesus und sein Täufer, die beiden sind auch miteinander verwandt. Johannes ist nur ein paar Monate älter als Jesus und es wird beschrieben, wie er im Bauch seiner Mutter vor Freude hüpft, als diese der schwangeren Maria begegnet.

Später lebt Johannes ein sehr einfaches Leben in der Wüste und ruft die Menschen zur Buße auf. Dann wird er gefangen genommen, weil er den Landesfürsten für sein unmoralisches Verhalten kritisiert hat. Während er im Gefängnis sitzt (das er bis zu seiner Hinrichtung nicht wieder verlassen wird), hört er, wie Jesus viele Wunder wirkt.

Aber Jesus hat für ihn kein Wunder übrig, er besucht ihn noch nicht einmal. Johannes hat sein ganzes Leben darauf verwendet, Jesus den Weg zu bereiten, er hat dafür auf vieles verzichtet. Er hat ihn immer bewundert und an ihn geglaubt. Es muss für ihn unbegreiflich gewesen sein, dass Jesus sich gar nicht bei ihm meldet, dass er einfach schweigt.

Deshalb schickt Johannes seine Jünger zu Jesus und lässt ihn fragen: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ (Matthäus 11,3; NGÜ). Ich finde es erstaunlich, dass Johannes hier von Jesus keine Erklärung für sein Leid fordert und auch kein göttliches Eingreifen verlangt. Er stellt nur die Frage: „Bist du derjenige?“ Warum reicht es ihm, so eine Frage zu stellen?

Johannes kämpft mit seiner Unsicherheit in Bezug auf die Person Jesus. In seiner Situation ist es für ihn sehr wichtig, Gewissheit darüber zu haben, wer Jesus ist. Und dieser gibt mal wieder eine ungewöhnliche Antwort. Er hätte ja einfach erwidern können: „Hör mal, Johannes, du weißt doch, dass ich Gottes Sohn bin.“ Stattdessen beschreibt er ihm, was er gerade Wunderbares tut, und sagt ihm, dass er sich nicht über ihn ärgern soll. Diese Antwort wäre für mich mitten im Leid nicht genug gewesen, doch für Johannes scheint sie mehr als genug.

Und tatsächlich ist sie das auch. Die Antwort ist ein Zitat aus Jesaja 35, eine Prophezeiung, die beschreibt, wie der Retter, den Gott schickt, diese Wunder wirkt, von denen Johannes berichtet wurde. Jesus weiß, dass Johannes sich (als Sohn eines Priesters) gut in der Schriftrolle von Jesaja auskennt. Und mithilfe seiner Antwort wird Johannes sich auch an die Verse erinnern, die um diese Textstelle herumstehen und die so viel Trost und Ermutigung für ihn enthalten. „Sagt den verzagten Herzen: ‚Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott!‘“ (Vers 4), und: „Ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen“ (Vers 10).

Johannes stellt in der Dunkelheit seines Gefängnisses nicht die Frage nach dem Warum. Für ihn ist es nur wichtig zu wissen, dass es wirklich Gott ist, für den er das alles auf sich genommen hat. Auf diese Weise kann er Trost darin finden, dass dann alles in den Händen des Retters ist, den er angekündigt hat. Diese Vorstellung tröstet ihn, weil er das richtige Bild von Gott in seinem Herzen trägt.

Wenn wir uns in tiefer Dunkelheit befinden und uns hilflos und verlassen fühlen, wird unsere Frage danach, warum Gott das gerade alles in unserem Leben zulässt, für uns überhaupt keine Hilfe sein. Unser Glaube kann daran zerbrechen, weil wir vielleicht zu der Schlussfolgerung kommen, dass wir die ganze Zeit eine falsche Vorstellung von Gott hatten. In dunkelster Nacht finden wir nur einen Halt in unserem Glauben daran, wie Gott ist.

Was weiß dein Herz über Gott, wie hast du ihn in den vergangenen Jahren kennengelernt? Was sagt die Bibel über ihn und was kannst du, bei all dem Unbegreiflichen, das dir gerade passiert, ganz sicher über ihn wissen? Wenn dir gerade keine Antwort einfällt, schau auf seine durchbohrten Hände und sieh, was er für dich getan hat. Glaubst du, dass er dich unendlich liebt?

Als eine unserer Töchter zwei Jahre alt war, entwickelte sie eine Mastitis. Das ist eine chronische Darmverstopfung. Wir mussten ihre gesamte Ernährung auf eine sehr ballaststoffreiche Nahrung umstellen. Aber bis diese Ernährungsumstellung wirkte, mussten wir ihr mehrmals in der Woche Einläufe verabreichen. Das lief dann so ab, dass das Kind auf unserem Bett lag und einer von uns sie festhalten und beruhigend auf sie einwirken musste und der andere den Einlauf durchführte.

Hinterher waren wir alle drei verschwitzt und zittrig und ich hätte am liebsten geweint. Ich konnte es kaum ertragen, sie dort liegen und leiden zu sehen, diese winzige Person mit den großen verzweifelten Augen, die zu fragen schienen: Warum tut ihr das? Aber wie sollte ich einer Zweijährigen erklären, dass der Arzt diese Einläufe angeordnet hatte, weil sie sich sonst selbst vergiften würde? Ich hätte alles dafür gegeben, dort an ihrer Stelle zu liegen, wenn ich ihr dadurch alles hätte ersparen können. Aber das konnte ich nicht, ich konnte sie nur in meinen Armen halten und ihr die verschwitzten Locken aus dem Gesicht streichen.

Wenn die Bibel uns sagt, dass Gott ein liebevoller Vater ist, kannst du dir dann vorstellen, dass er deine Tränen sieht, dass er dich in seinen Armen hält und mit dir mitleidet, wenn er in deine großen schmerzerfüllten Augen sieht? Und dass sein Herz aus Liebe zu dir schmerzt, weil er zulassen muss, dass dir ein Leid geschieht, das er dir weder erklären noch von dir nehmen kann? Gottes Liebe zu uns ist so viel bedingungsloser, stärker und tiefer, als die Liebe eines Vaters oder einer Mutter jemals sein kann. Wie sehr wird er dann wohl in deinem Leid mit dir mitfühlen!

Ich wünsche dir, dass du dieses Bild von Gott als liebevollem Vater in deinem Herzen mit dir trägst und dass du dich in den Zeiten, wenn du dich von Gott verlassen fühlst (und nur eine Fußspur auf deinem Lebensweg erkennen kannst) daran erinnerst, dass er dich in Wirklichkeit die ganze Zeit in seinen Armen hält und mit dir weint.

Göttliches Timing

Stefan Loß

Gott ist immer bei dir, haben sie gesagt. Er will, dass du geheilt wirst. Auf jeden Fall. Du musst nur genug beten und glauben. Haben sie gesagt. Aber es half alles nichts. Meine chronische Nierenkrankheit machte sich mit der Zeit immer deutlicher bemerkbar: Schmerzen in den Seiten, geplatzte Zysten, hohe Entzündungswerte. Dass meine Nieren immer weniger funktionierten, bekam ich auch deutlich zu spüren durch Schlaflosigkeit, hohen Blutdruck, fehlenden Appetit – nicht mal das Bier schmeckte mir noch. Es war absehbar, dass es nicht mehr lange dauern würde: Nierenversagen, Dialyse. Und das mit Anfang fünfzig.

Ich konnte nichts dagegen tun. Wenn es geholfen hätte – ich wäre jeden Morgen laufen gegangen oder sogar schwimmen, wäre stundenlang Fahrrad gefahren und hätte freiwillig abgenommen. „Kann man machen, hilft aber nichts“, so die nüchterne Information der Ärzte. Früher oder später würde ich an der Dialyse landen. Das war so klar wie das Amen in der Kirche. Wartezeit auf eine Transplantation: mindestens acht bis zehn Jahre.

Ich war ausgeliefert. Mein Leben plötzlich eingeengt, vorgezeichnet. Dreimal jeweils fünf Stunden Dialyse die Woche. Das würde bedeuten, dass ich mitten aus einem spannenden Leben mit einem herausfordernden Job, vielen Reisen und einer lebhaften Familie herausgerissen werden würde. Lahmgelegt, abgelegt.

„Gott, warum ich? Wie habe ich das verdient?“ So muss Hiob sich gefühlt haben. Allein, verzweifelt, geschunden. In der Asche seines Lebens sitzend. Keine Perspektive und die Frage im Herzen: WARUM, Gott, WARUM ICH?

Auch ich fühlte mich alleingelassen von Gott. Meinen ganzen Frust warf ich ihm vor die Füße. Ich war enttäuscht und das sollte er auch wissen. Unverhofft kam mir Gottes Antwort an Hiob in den Sinn: „Wo warst du, als ich die Welt erschaffen habe?“ Mit einem Mal verstummten meine Klagen. Da war nicht mehr nur ich. Da war Gott. Da war Größe, da war Macht – und da war Trost.

Ich verstand plötzlich: Ich muss nicht alles wissen, ich habe keinen Anspruch darauf, alle meine Fragen beantwortet zu bekommen. ER war da. Trost war da und Liebe. So viel mehr als Antworten auf meine verzweifelten Fragen. Trotz aller Herausforderungen erlebte ich eine Art Geborgenheit. Besonders, heilsam.

Irgendwann im Sommer 2016 war es dann so weit. Unausweichlich: stationärer Aufenthalt im Krankenhaus. Eine meiner Nieren wurde entfernt. 3,5 Kilogramm schwer, groß wie ein Männerkopf.

Als Nächstes dann die Dialyse.

Ich war leer. Es war dunkel. Keine Idee von der Zukunft.

Und Gott? Ich hatte mich auf eine Auszeit in der Klinik fast schon gefreut, um endlich zur Ruhe zu kommen, mehr Zeit mit ihm zu haben, intensiver seine Nähe zu erleben. Das sagt man ja so: Wenn’s schlimm wird im Leben, dann ist dir Gott besonders nah.

Doch davon keine Spur. „Pfeifendeckel“ – so heißt das in der Kurpfalz, wo ich aufgewachsen bin. Es bedeutet nichts anderes als: Pech gehabt, dumm gelaufen, falsch gedacht. Denn: Ich bemerkte nix von Gott, keine nächtlichen Erscheinungen, kein strahlender Engel an meinem Bett (außer der Nachtschwester, die mir „was zum Schlafen“ brachte).

Dann ging es los mit der Dialyse. In der Klinik waren meine Bettnachbarn bei der Blutwäsche vor allem Notfälle. Menschen wie du und ich, die es plötzlich aus dem Leben katapultiert hatte. Sie lagen da, apathisch, schweigend, manche laut jammernd.

Die Behandlungen wurden Routine. Mein Körper wurde dreimal die Woche entgiftet. Erst in der Klinik, dann zu Hause in der nächstgelegenen Dialysepraxis.

Meine Seele dämmerte vor sich hin. Einziger Silberstreif am Horizont: Möglicherweise konnte meine Frau mir eine ihrer Nieren spenden. AB0 – inkompatible Lebendspende nennt man so etwas. Ein Wunder – ein medizinisches. Wenn es funktioniert. Aber bis dahin war es noch ein längerer Weg voller Checks, Untersuchungen, Ängsten und Zweifel. Der Traum von einem normalen Leben – ohne Dialyse mit einer transplantierten gesunden Niere: Ich traute mich nicht, ihn zu träumen. Das „normale“ Leben war nur wenige Meter weit weg – auf der anderen Seite der Glasscheibe –, aber gleichzeitig meilenweit entfernt.

Trauer, Angst und wieder die Frage: Gott, wo bist du?

Funkstille. Ein langer dunkler Tunnel.