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Varkan und Shikan sind Dämonenschlächter. Als Kinder wurden sie aus dem Armenviertel an die Kriegerschule verkauft. Dort lernen sie, gegen die fürchterlichen Dämonen zu kämpfen, welche die Menschen bedrohen. Der Lohn für den Einsatz ihres Lebens besteht in Ruhm, Ansehen und dem Privileg, für die nächste Generation Dämonenschlächter zu sorgen. Varkan und Shikan sind stolz auf ihr Kriegertum und Konkurrenten im Ringen um Rum und Ehre. Varkan hätte gern mehr von Shikan als gemeinsames Training, doch dieser gibt sich ablehnend, bis er schwer verletzt wird. Durch diese Verletzung werden die beiden Kameraden darauf gestoßen, was Schändliches mit den Kriegern geschieht, die im Kampf versehrt werden und nicht sofort wieder einsetzbar sind… Können Varkan und Shikan dem von ihrer Gesellschaft vorgezeichneten Weg entkommen und sich ein Leben aufbauen, das ihnen erlaubt, einander gleichberechtigt zu lieben?
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Seitenzahl: 274
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Toya Bradly
Dämonenschlächter
Auf Ehre und Leben
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
Varkan, Dämonenschlächter
Krieger und Shuri
Das Labyrinth der Dämonen
Dämonenbrut
Ende eines Kriegers
Zwei Versionen einer Sache
Böses Erwachen
In Scherben
Wie eine Shuri
Varkan`s
Mariza
Warum?
Shikan allein
Fünf Tage im Paradies
Paradiesnacht
Paradiesmorgen
Dornen im Paradies
Rache
Der Preis
Herr der Schakalbande
Gesetzloser Aussatz
Karawanenwächter
Tod einer Legende
Der Krieger hinter der Legende
Die Zuflucht
Ein strahlender Morgen
Ein neues Leben
Ein neuer Anfang
Epilog
Impressum
Prolog
Varkan stand zwischen seinen Kameraden auf den Stufen der Kampfarena, auf die die Wüstensonne im Zenitstand herunterbrannte.
Ihre zerschlissenen gelben Pluderhosen und gelben Hemden, die ihre Zugehörigkeit zur Anfängerklasse zeigten, klebten ihnen am Körper. Die ausgefransten gelben Tücher, die sie als Sonnenschutz um ihre Köpfe gewickelt hatten, spendeten den einzigen Schatten. Obwohl sie die Jüngsten der Kriegerklasse waren, hatten sie Dank der Stufen alle einen guten Blick in die Arena.
Dort trugen zwei der ältesten Schüler einen Ehrenkampf aus. Das Weiß ihrer Hosen stach im Mittagslicht in den Augen. Varkan wusste nicht wirklich, um was es den beiden sehnigen Kriegern der obersten Klasse ging, doch es war ein Kampf auf Gedeih und Verderb, dem die ganze Schule gespannt zusah. Nur Ehrenkämpfe durften mit dem Tod eines der Kontrahenten enden! Varkan gegenüber standen die ein Jahr älteren Blauhosen auf den ansteigenden Arenastufen und rechts von ihnen die Braunhosen und neben diesen das überwältigende Feld weißer Hosen, welche den fertig ausgebildeten Kriegern vorbehalten waren. Morgen schon würden die weißen Hosen in die Kasernen der Stadt übersiedeln und ihren Dienst als Krieger im Labyrinth aufnehmen. Der Ehrenkampf musste für die jungen Männer eine hohe Bedeutung haben, wenn er unbedingt noch vor dem Übertritt ins wahre Kriegerleben stattfinden musste, schloss Varkan.
Eine ganz spezielle Spannung lag über der Arena, in der sonst das alltägliche harte aber meist unblutige Training durchgeführt wurde.
Die beiden Krieger, die unten Kampfposition einnahmen, trugen strahlendes Weiß, es blendete beinah die Augen.
Varkan leckte sich den Schweiß von der Oberlippe und dachte an das Wasser, das sie bald bekommen würden, während er die Augen zusammenkniff, damit ihm keine Bewegung entging. In der Arena gab der Schiedsrichter indes das Zeichen zum Angriff:
„Auf Gedeih und Verderb, kämpft!“
Die Mittagsstunde war nicht dazu geeignet, langen Geplänkeln Vorschub zu leisten und so gingen die beiden Krieger sofort aufeinander los. Für Varkans ungeschultes Auge war ihr Kampf nur ein Wirbeln ihrer Füße und Fäuste, des Blitzen des Speeres und des Funkeln des Dämonenschlächtersäbels, welche die beiden als Waffen gewählt hatten.
Es war zu Varkans Erleichterung schnell vorüber. Der Säbelkämpfer war der Geschicklichkeit und Kampfgier seines Gegners deutlich unterlegen, das war gleich zu sehen. Bald würde Varkan sein Wasser bekommen!
Einer der beiden Ehrenkämpfer fiel auch schon, es war wie vermutet der Säbelfechter, dessen Waffe weit von ihm fort in den Sand plumpste. Er selbst ging vom Speerschaft seines Gegenübers an der Schläfe getroffen wie ein Mehlsack zu Boden und blieb bewusstlos liegen. Statt von dem Besiegten abzulassen, pfählte ihn der andere nun schreiend mit der Speerspitze seiner Waffe und wählte somit das Verderben für seinen Gegner, statt ihm das Gedeihen zu schenken. Der Schmerz des eindringenden Speeres brachte den Bewusstlosen zu sich. Unter seinem Brüllen und Kreischen wurden seine Innereien mit dem Speer einmal gut durchgerührt, wie es für Varkan aussah. Der Sieger verwüstete den Körper des anderen von innen wie ein Besessener und seine zerrissene weiße Hose färbte sich mit Blut und Dreck ein.
Als der Sieger keuchend innehielt, winkte der Schiedsrichter die Zuschauer mit den Worten fort: „Der Ehre wurde Genüge getan!“
Erleichtert sprangen die Gelbhosen die Arenastufen hoch und versuchten, vor den Blauhosen ihre Zisterne zu erreichen, während sich der Sieger unten wie betäubt über die Stirn strich, der Verlierer starb und der Schiedsrichter den Gewinner sanft fortführte, damit der Sterbende weggebracht werden konnte. Währenddessen beeilten sich Varkan und die anderen Gelbhosen umsonst, wie immer. Sie wurden von den Älteren beiseite geschubst, ihnen wurden ihre Kopftücher in die Augen gedrückt und am Ende landeten sie in der Ausgabeschlange doch wieder ganz hinten.
Varkan richtete seinen Schal, der im Getümmel verrückt war und wischte sich unwillig die Stirn.
„Wir werden schon wieder nur diese verbeulten alten Näpfe kriegen!“, beschwerte sich Sinan halblaut, der vor Varkan in der Schlange stand, gelbbehost wie er selbst.
Immerhin gibt es Wasser für alle, nicht wie beim Essen, dachte Varkan, aber das war es nicht, was ihn beschäftigte. Er schubste seinen Freund an, der vor ihm anstand.
„Sinan, weißt du, worum es denen ging?“ Sinan drehte sich halb um, witterte nach dem Versuch, seinen Platz in der Schlange zu ergattern und fand nichts Anrüchiges in Varkans ruhigem Dastehen.
„Irgendso eine Älterensache“, mutmaßte er.
„Weißt du mehr?“
„Ist doch egal.“ Sinan war zu sehr damit beschäftigt, sein Umfeld im Auge zu behalten.
Als sie an der Reihe waren, nahm er den verbeulten Napf entgegen und trat beiseite, um konzentriert zu trinken. Varkan stellte sich neben ihn, in einer Armeslänge Entfernung, wie es befohlen war.
Sie kosteten den Luxus aus, dass im Zisternenhof mit Stöcken bewaffnete Aufseher über die disziplinierte und ungestörte Wasseraufnahme wachten, während man sie mit ihrem Napf voll Essen alleine ließ, so dass die fähigsten Kampfschüler auch stets die Sattesten waren.
Beinah gleichzeitig leerten Varkan und Sinan den Napf und hielten ihn hoch, zum Zeichen, ausgetrunken zu haben. Der Zisternenwächter winkte sie weg und sie rannten los, um einen guten Platz in der Essensschlange zu ergattern. Heute sah es aus, als hätten sie einmal Glück.
Köstlich duftete der sämige Eintopf aus Hülsenfrüchten, Öl und Fleisch, der aus großen Kesseln ausgegeben wurde. Einige Blauhosen-Jungen drängten sich von hinten heran und Varkan versuchte schnell, sie in ein Gespräch zu verwickeln, um die drei davon abzulenken, dass sie eigentlich vorhatten, die zwei Gelbhosen hinter sich zu schieben.
„Rashnas Segen mit euch!“, grüßte er sie höflich. „Wisst Ihr, worum es bei dem Ehrenkampf ging?“ Ihr dreckiges Lachen verriet es ihm sofort. Sie wussten es.
„Um kleine Scheißer und große Helden!“, erwiderte der eine und packte Varkan am Kopftuch. Dieser drehte sich zwar aus dem Griff heraus und behauptete sich recht gut gegen den einen Blauhosen-Krieger, aber nicht gegen seine Kumpane, die zu zweit Sinan schlugen, bis er im Dreck liegenblieb und dann, im Verein mit ihrem Freund, Varkan dazuwarfen.
„Hinten anstellen, ihr Gesindel“, grinste der eine Erfolgreiche, bis ihn wie aus dem Nichts ein Fausthieb an den Hinterkopf traf. Er fiel ohne einen Mucks um. Der Krieger in weißer Hose und weißem Burnus, der sich angeschlichen hatte wie eine verspielte Katze, grinste die Gelbhosen an und blieb vor ihnen stehen, während die anderen Blauhosen respektvoll zurückwichen. Sinan und Varkan zogen die Köpfe ein. Dem Mutwillen der Weißhosen war man hilflos ausgeliefert.
„Hat euch der Kampf gefallen?“, fragte der junge Krieger. Er sah sie lauernd an.
„Ja, Zisha“, erwiderte Varkan schnell demütig, denn Sinan konnte noch nicht wieder sprechen.
„Rakan hat es dem Fuchsgesicht richtig besorgt“, lachte die Weißhose sie an, während sie sich aufrappelten. Varkan hatte wohl die richtige Antwort gegeben.
„Ja, Zisha“, erwiderte Sinan nun auch und massierte seinen dünnen Hals, der deutliche Fingerspuren aufwies.
„Worum ging es denn, Zisha?“, erkundigte sich Varkan vorsichtig. Das war wohl zu vorlaut, denn die Miene des Älteren verdüsterte sich und er kniff Varkan schmerzhaft in die Wange, der sich jedoch hütete, sich zu wehren.
„Davon hast du Hosenscheißer doch keine Ahnung“, knurrte er. Ein Blick auf Sinan, der sich ängstlich krümmte, brachte ihn jedoch wieder zum Grinsen. Es sah sehr verschlagen aus. „Na schön. Es ging um eine alte Sache…Fuchsgesicht hatte…bei Rakan noch was gut. Ahnt ihr, was?“ Die beiden Gelbhosen schüttelten die Köpfe und ließen das herablassende Gelächter des anderen wie etwas über sich ergehen, das nicht zu vermeiden war. „Fuchsgesicht hat…“, er sah sich um, aber es waren nur Blau- und Gelbhosen im Hof, „er hat Rakan gefickt. Irgendwann mal. Vor Jahren. Ich glaub, sie trugen grad mal blau.“ Er musterte die Jungs, die sich vorgedrängt hatten und ihren ohnmächtigen Kumpan abfällig. „Sieht aus, als hätte das Rakan damals nicht gefallen…“ Er lachte über seinen Witz, sah sich dabei aber weiter vorsichtig nach Alterskameraden um.
„Ficken kann man doch nur Frauen“, platzte Varkan heraus. Er ließ sich doch nicht für dumm verkaufen! Der Ältere lachte auf, so dass seine weißen Zähne sichtbar wurden. Bevor Varkan auch nur quieken konnte, hatte er ihn sich geschnappt, vorgebeugt, an sich eingeklemmt und presste seine Finger an eine sehr eindeutige Stelle zwischen Varkans Hinterbacken. Varkan wand sich. Vergeblich. „Du bist wirklich noch ein Gelbhöschen“, frotzelte er bei diesem ungeordneten Widerstand und stieß rhythmisch durch den Hosenstoff gegen Varkans Anus. „Da rein. Jetzt begriffen?“
„Ja!“, keuchte Varkan, nur um losgelassen zu werden. Begreifen tat er erst später, als der Ältere gegangen war, um sich ganz vorn in die Schlange zu reihen.
Dann begriff er aber viel mehr. Es war eine Beleidigung, eine Provokation, „da rein“ gefickt zu werden. Klar, man fickte ja eigentlich nur Frauen. Schwächere. Eine Geste der Abwertung für Feinde, wenn es nicht dem Kinderzeugen für Rashna, dem Gott des Krieges gegen die Dämonen diente. Es war völlig einleuchtend. Dennoch kreiselten seine Gedanken immer noch um diese Sache, als er schon aß.
Sinan sagte plötzlich in seine Gedanken hinein:
„Varkan, ich warne dich…“
„Meine Ration reicht mir heute, glaub mir…das Training war so hart, ich könnte gar nicht mehr essen…“ Sinans Schnauben zeigte ihm, dass er mit seinem Verständnis von Sinans Warnung falsch lag. Doch sein Freund wollte ihm nicht verraten, was er gemeint hatte.
Varkan, Dämonenschlächter
Varkan setzte sich auf und streckte seinen Körper. Er war als Gelbhose schon großgewachsen gewesen und er war als Blauhose noch mehr ins Kraut geschossen. Ständig hatte er bei der Kleiderausgabe eine andere, längere Hose erbetteln müssen. Immerhin waren die blauen nicht mehr so ausgefranst gewesen wie die gelben Hosen. Er lächelte bei der Erinnerung an seine Lehrzeit. Mittlerweile trug er schon länger die weiße Hose und nicht mehr die Sandalen der Kinder sondern Stiefel, echte derbe kniehohe Lederstiefel, die ihn vor den Krallen und den peitschenden Schwänzen der Dämonen schützen sollten und er stand jede Nacht im Labyrinth und schlachtete Dämonen ab, statt es sich nur kühn in Tagträumen auszumalen.
Varkan setzte sich auf seiner mit Palmfasern gefütterten Schlafmatte auf und übersah die Reihen Kameraden, die auf ihren Decken lagen und schliefen. Das Abendlicht fiel still und weich auf die Matten, die heute leer geblieben waren. Die Wände ihres aus Wüstenstein erbauten Schlafsaales waren rot und gelb geädert und ihre Farben strahlten unter der verglühenden Wüstensonne auf, die abends, etwa eine Stunde vor dem Weckruf des Priesters, einfiel. Varkan fragte sich, ob es diese Farben waren, die ihn jeden Abend eine Stunde vor den Kameraden weckte oder das rhythmische Stöckeaneinanderschlagen vom Übungshof nebenan. Er saß auf seiner Matte und starrte auf die leeren. Eine davon hatte Sinan gehört. Sinan, seinem besten Freund. Sinan, der ihm so oft in den Rücken gefallen war, wie er ihm beigestanden hatte. Mindestens so oft, dachte Varkan. War er denn wirklich ein Freund gewesen? Varkan dachte darüber nach. Ja, entschied er dann. Ein guter Freund.
Sinan war es gewesen, der ihn auf jede kleine Schwäche aufmerksam gemacht hatte, die er zeigte, weil Sinan sie dann gnadenlos für eigene Vorteile nutzte. Dank Sinan bin ich heute so ein erfolgreicher Krieger. Kein Schwächling, der nach Hilfe heult.
Varkan wollte sich erheben, um sich zu waschen, ein paar leichte Aufwärmübungen machen und dann zum Gebet zu gehen, dann erinnerte er sich, dass Sinan ja in der letzten Labyrinthnacht vor der Kampfpause gestorben war. Heute Abend würden sie nicht ins Labyrinth ziehen, um die Dämonen zu töten, die durch das Tor kamen, welches das Labyrinth umgab. Es war eine verschachtelte, in sich verzweigte Falle, eigens errichtet, um die Dämonen zu verwirren und es ihren Schlächtern zu ermöglichen, sie einen nach dem anderen abzumetzeln, wenn sie in diese Welt krochen wie übler Odem. Jedoch heute Nacht würden andere Krieger sich im Labyrinth beweisen gehen.
Varkan legte die Hände in den Schoß, mit denen er sich bei dieser Erkenntnis die kurzen Haare zerwuschelt hatte.
Die Tatsache, nun für eine Woche nicht nächtens um sein Leben kämpfen zu müssen, brachte ihn in dem gewohnten Maße aus dem Tritt. Nach fünf Tagen allnächtlichen Dämonenschlachtens war der erste Abend frei immer ein kleiner Schock, weil man sich umsehen konnte, nicht länger so fokussiert sein musste und auf einmal die ganze Kampfwoche aufstand, um Revue zu passieren, mit all ihren Schauerlichkeiten und blutigen Dramen. In der letzten Nacht hatten besonders viele Dämonen durch das Tor gedrängt und aggressiver und blutgieriger als sonst unter den Kriegern gewütet. Daran wollte sich Varkan nicht zu ausführlich erinnern.
Also griff er nach seinen Stiefeln, wickelte die weiten weißen Hosenbeine um seine Wade und schlüpfte in die Stiefel. Er gürtete seinen Säbel und rückte ihn zurecht. Leise schlich er daraufhin aus dem Schlafsaal.
Die Nacht versprach kühl zu werden und er war froh, dass er bei der Kleiderausgabe einen noch nicht vollkommen fadenscheinigen Burnus ergattert hatte, der ihn davor schützen würde.
Vom Schlafhaus ging er hinüber zum Trainingsareal. Sinan hatte ihm eine letzte Lektion geschenkt, er wollte sie nicht ungenutzt lassen. Ein großer Dämon hatte es geschafft, sich den Zugriffen der anderen Kampfgruppen zu entziehen und war ihrer Gruppe in den Rücken geraten. Sinan hatte ihn durchgelassen, mitten unter sie, wohl, damit sie ihn besser einkesseln und abschlachten konnten. Der zischende, brodelnde Pechdämon hätte Varkan beinah von hinten erledigt. Beinah. Nur das jahrelange Training hatte Varkan gerettet, aber sein Entkommen war so knapp gewesen, dass es ihn gemahnte, sich nochmals in aller Aufmerksamkeit damit zu befassen, nach vorn sehend auch seinen Rücken zu decken. Er hatte gestern Nacht im Labyrinth gefühlt, dass seine Kameraden aufkeuchten und auswichen und auf gut Glück den Speerschaft nach hinten gerammt. Als er traf, hustete der Dämon ätzende Spuckefetzen über ihn. Danach hatten die Kameraden den Dämon angegriffen und jeder hätte der Tote sein können, aber der schwarze blubbernde Dämon hatte sich Sinan gewählt, um ihn mit in den Tod zu reißen. Während sie ihn mit den Speeren stachen und mit den Säbeln aufschlitzen, hatte er Sinan in Fetzen gerissen, während sein heißes Pech ihm die Haut versengte.
Varkan hatte die Trainingshalle erreicht und trat in ihren Schatten. Die Brandlöcher in Varkans Haut juckten und ziepten immer noch empfindlich, doch davon wollte er sich nicht vom Training abhalten lassen. Er hörte, dass bereits jemand trainierte. Er sah eine andere weiße Hose durch die schwarzen Säulen schimmern, deren Farbe die Nacht symbolisierte, in der die Krieger bald wieder kämpfen würden.
Langsam ging Varkan näher, von Säule zu Säule.
„Rashnas Segen!“, rief der andere plötzlich herüber, ohne auch nur zu ihm zu sehen. Varkan verzog den Mund, trat aber aus dem Schatten. Die Machtkämpfe waren subtiler geworden, je besser die Jungs geworden waren und je heftiger sie sich potentiell beim Kämpfen verletzen konnten. Bei Weißhosen waren Machtkämpfe beinah nur noch auf der Intrigenebene angesiedelt, es sei denn man lieferte sich einen Ehrenkampf, aber alte Gewohnheiten saßen tief. „Ah“, machte der der jüngere Krieger, als er sich sehen ließ. Er war vor einem Jahr aus dem Trainingslager angekommen, erinnerte sich Varkan. Er hatte gestern Nacht in einem anderen Teil des Labyrinthes gekämpft. Varkan sah einige Augenblicke bei seinem Training zu. Er empfand Shikan fast als Ebenbild seiner selbst. Ehrenhaft. Großgewachsen. Nach Perfektion strebend und niemals bereit, Schlendrian einreißen zu lassen, sei es im Training oder im Kampf. Außerdem kam Shikan aus demselben Armenviertel wie er, auch wenn sie einander nicht über den Weg gelaufen waren. Dafür war das Viertel zu groß gewesen, fast eine eigene Stadt.
Auch Shikans Eltern mussten es geschafft haben, ihren Sohn gut zu füttern, denn auch er war, wie Varkan, ein erstklassiger Dämonenschlächter in einem erstklassigen Kriegerkörper geworden. Das ging nur, wenn man als Kind gut gefüttert wurde, bevor einen die Kriegerschule übernahm, sagte alle. Varkan selbst erinnerte sich an diese Zeit kaum noch.
„Störe ich dich hier, Varkan?“, fragte Shikan und Varkan hörte den leisen Spott heraus. Shikan fühlte, dass sie einander ebenbürtig waren und dass nur das eine Jahr Altersunterschied Varkan einen hauchdünnen Vorsprung sicherte. Shikan wirkte, als arbeite er beharrlich daran, diesen Vorsprung zu überwinden. Wie weit mochte er damit gekommen sein?
Varkan legte seinen den Dämonen vorbehaltenen eigenen Säbel ab, nahm einen Speer aus dem Waffenständer und gesellte sich zu Shikan in das Übungsrund.
„Training gegen Schatten ist nicht so gut wie Training gegen einen anderen Mann“, sagte er und Shikan, dessen Wachsamkeit nicht nachgelassen hatte, seit er ihn gehört hatte, nickte.
Das hatte Varkan nicht anders erwartet. Dieses Angebot abzulehnen wäre hoch feige gewesen.
Beide nahmen Ausgangsposition ein. Varkans Part mit dem Speer hatte den ersten Schlag. Er führte ihn aus. Nicht lasch, nicht übermäßig hart. Shikan schien erleichtert. Sie gingen die Übungen durch, bis sie alle hunderteins sogenannten Patas der Weißhosen durchtrainiert hatten. Mittlerweile war die Nacht angebrochen und Diener hatten überall Öllampen angezündet, die so unstete Schatten warfen wie die Ölbecken im Labyrinth.
„Wie viele sind bei euch letzte Nacht gestorben?“, fragte Shikan unvermittelt. Varkan presste die Lippen zusammen.
„Sechs“, erwiderte er.
„Fünf“, informierte ihn Shikan und es war keine Herausforderung oder Beleidigung in seinem Tonfall.
„Tauschen wir die Waffen“, schlug Varkan vor. Shikan zögerte. Hatte er genug? Fürchtete er, die gewohntere Waffe abzugeben? Dann reichte er Varkan den schartigen Übungssäbel und nahm im Tausch dafür den Speer an, dessen Schaft von den Schlägen gezeichnet war.
„Gut“, sagte er nur. Dieses gleichgültige Gut brachte unvermittelt Varkans Blut zum Kochen. Was dachte dieser Kerl sich, einen auf so harten Knochen zu machen? Hielt er sich für so gut wie Varkan es war? Er drang mit dem Dämonensäbel auf Shikan ein. Schnell hatte dieser verstanden, dass es um die Ehre ging, um gewinnen oder unterliegen. Er wehrte sich, sie verließen den Übungsablauf der Pata. Varkan entwaffnete Shikan hohnlachend, weil er ihn in Reichweite seiner Hände ließ. Er schlug mit der stumpfen Klingenseite auf seine Finger und Shikan musste den Speer loslassen. Und weil seine Hände so schmerzten, musste er treten, ihm blieb keine andere Waffe.
Varkan glitt nach links zur Seite, fiel dabei auf sein rechtes Knie und vermied es, Shikan bei dieser Bewegung den Bauch aufzuschlitzen, weil er seinen Säbel an die linke Seite steckte, als wolle er ihn einstecken. Doch dort blieb er nicht. Als würde der Säbel gezogen zischte er zwischen Shikan Beinen hoch und zerschlitzte seine Hose im Schritt. Der schartige Säbel riss den Stoff mit einem scharfen Geräusch auf und kam, die Spitzte bedrohlich nah vor Shikans Augen, zum Halten. Shikan taumelte, denn sein Trittbein lag auf Varkans rechter Schulter, wo es Varkans Bewegung des Abkniens und Säbel wieder Hervorbringens ganz natürlich hinbefördert hatte.
Der Ausdruck des Schocks in Shikans Gesicht brachte Varkan einen Moment zum innehalten, dann grinste er triumphierend, richtete sich auf, wobei er Shikans Bein festhielt und warf den anderen Krieger nach hinten in den Sand auf den Rücken. Statt zurückzutreten kam er nach, spreizte Shikans Knie bis in die Überdehnung auseinander und presste ihm die schartige Säbelklinge an den Hals. Shikan wand sich und winselte, als Varkan den Druck auf die gespreizten Schenkel erhöhte. Dass Varkan durch sein Winden immerhin auch abrutschte, brachte ihm keinen Vorteil. Platt lag er unter seinem Gegner, die Klinge am Hals, keuchend, demütigenderweise mit im Schritt aufgerissener Hose.
„Geh jetzt runter“, fauchte Shikan, in Anerkennung seiner Niederlage, doch der Hurensohn von Älterem bestrafte ihn für das Reden mit einem Schubs der schartigen aber immer noch scharfen Klinge gegen seinen Kehlkopf und schüttelte den Kopf.
„Vielleicht später, Kleiner.“ Shikan bäumte sich auf, doch es führte zu Nichts außer zu Varkans Vergnügen. Er folterte Shikan mit der Klinge am Hals, bis dieser den Blick deutlich abwandte und den Körper ganz schlaff machte. Er hatte erkannt, dass er sich aus dieser Lage nur befreien konnte, wenn Varkan entschied, sein Ziel erreicht zu haben. Verflucht sollten alle Älteren dieser Welt sein!
Er konnte den Triumph des anderen geradezu körperlich fühlen, als er erschlaffte. Während Shikan auf dem Rücken lag, die Klinge am Hals, die Hände unglücklicherweise darunter geraten, als Schutz, der ihm nun nichts half, löste Varkan einer jähen Lust folgend die Bänder seiner Pumphose. Shikan dachte, aufgeben brachte ihn weiter? Wenn er ihn doch überflügeln wollte? Er würde ihm eine besondere Lehre erteilen! Aufgeben brachte einen niemals weiter! Shikan riss die Augen auf, als er ein hartes Glied an seinem nackten Hintern spürte.
„Du wirst meine kleine Shuri sein, Shikan“, flüsterte ihm der Überlegene zu, nur um das Aufbegehren zu fühlen und drückte in eben jenes Aufbegehren hinein die Scharten der Klinge tiefer in Shikans Kehlkopf, bis dieser seinen Körper kaum noch spürte sondern nur die Atemnot und dass Varkan gegen ihn stieß auf der Suche nach einem Eingang, den es für ihn nicht gab. Nachdem er sich auf ihm ergossen hatte, stand er auf und wich weit zurück. Shikan sprang auf die Füße, angeekelt, geschockt, zurückweichend. Varkan grinste ihn in der mittlerweile schwarzen Nacht drohend an.
„Das nächste Mal nehme ich Öl, Shuri, dann komme ich auch rein!“ Während sich Shikan nach seinem weggeworfenen Säbel umsah, hatte sich Varkan schon abgewandt und verschwand zwischen den Säulen. Shikan blieb keuchend zurück. Ein Sieg, ein Übergriff, alles konnte zerstört sein. Seine Ehre. Sein Ansehen. Den Stand, den er sich unter seinen Kameraden erarbeitet hatte. Es dauerte, bis sein Atem sich beruhigte.
Varkan hatte ihn gesucht, um mit ihm zu kämpfen. Hatte er ihm einen Grund gegeben? Fühlte er sich von ihm so bedroht? Braute sich etwas zusammen, das er übersehen hatte?
„Rashna, wie habe ich dich erzürnt?“, murmelte er, denn letztendlich war alles Rashnas Wille. „Wie habe ich mich als unwürdig erwiesen, Rashna?“ Doch wie immer schwieg der Gott.
Shikan raffte sich auf und biss die Zähne zusammen. Stehe so oft auf, wie du in den Staub fällst, lautete die alte Weisheit. Er musste sich stark zeigen, unbeeindruckt und mit intakter Hose, damit jeder das, was Varkan herumerzählen würde, für eine feige Lüge hielt. Und er musste Ausschau halten, ob Varkan auch seine Freunde auf ihn angesetzt hatte. Wenn ja, mussten sie wieder kämpfen und das schnell, bevor Varkans Freunde ihn fertig gemacht hatten! Außerdem musste Shikan dabei gewinnen, um seine Ehre wieder herzustellen, und alles vor Zeugen. Finster straffte sich Shikan. Das war doch nicht der erste Tiefschlag, den er in seinem Leben hinnehmen musste, oder? Und bisher hatte ihn niemand dauerhaft in den Staub treten können.
Aber zunächst die neue Hose. Shikan ließ die Übungswaffen liegen wo sie hingefallen waren und lief los. Varkans Sperma klebte unangenehm an seinem nackten Hintern, als sei Varkan noch immer Haut an Haut bei ihm.
Krieger und Shuri
Die nächsten Tage jedoch geschah nichts. Außer, dass Varkan ihm aus dem Weg ging. Sie sahen sich bei den Mahlzeiten, bei den Gebeten und beim regelmäßigen Training, doch Varkan schien ihn nicht zu bemerken. Und offenbar hatte er von den Ereignissen in der Kampfarena zu niemandem ein Wort verloren, denn niemand sah Shikan anders an oder ließ gar eine höhnische Bemerkung fallen.
Shikan konnte nicht einordnen, dass Varkan einen so vielversprechenden Ansatz zur Zerstörung eines Konkurrenten nun plötzlich brach liegen ließ. Was plante er? Da sich das Shikan nicht erschloss, konnte es sich nicht leisten, einen so weiten Abstand zu Varkan einzunehmen, wie er sich gewünscht hätte. Im Gegenteil, er musste den Unberechenbaren und selbst dessen Freundeskreis im Auge behalten und ihre nächsten Aktionen taxieren.
Daher störte es ihn nicht, vom Priester an dem Abend zu seinen Shuris geschickt zu werden, an dem auch Varkan den Ruf erhielt. Mittlerweile fand er das Warten beinah unerträglich. War das Varkans Taktik?
In einer Gruppe von zwanzig Kriegern verließen sie die Kriegerkaserne und machten sich auf den Weg in durch die Oberstadt den Stadtberg hinunter zum Viertel der Shuri.
Unterwegs wurde bereits viel gelacht und gescherzt. Shikans Gruppenführer unterhielt sich mit Varkans Hauptmann.
„Ich bin froh, dass wir nicht am letzten Abend gehen müssen, nach den Frauen sind die Krieger immer so schlapp“, meinte er und die beiden lachten herzlich.
„Wie viele, mein Freund, hast du geschwängert, sags noch mal“, erwiderte Varkans Hauptmann grinsend.
„Bisher sechzehn.“
„Ah, dann liege ich ja immer noch in Führung.“, antwortete der andere und warf sich an die Brust. Shikan seufzte. Um so viele Kinder gezeugt zu haben war er noch nicht lange genug Krieger.
„Aber ich habe davon mehr Söhne gezeugt.“, erinnerte Shikans Anführer. Shikan zog schon einmal den Kopf ein. Das war ein heikles Thema, denn Söhne waren das Ansehen des Mannes. Von einer Shuri geboren taugten sie ziemlich sicher zum Krieger und bekamen die beste Vorbereitung. Ein Mädchen wurde, wenn es hübsch war, Shuri wie seine Mutter. Wenn es nicht hübsch war und Talent hatte, konnte es Heilerin für die Krieger werden. Oder Helferin einer Heilerin. Shikan seufzte, als er an seine zwei Shuris dachte, der Anzahl, mit der jeder Krieger starten durfte, wenn er ein Jahr im Labyrinth überlebt hatte. Wen sollte er heute begünstigen?
Er sah zu Varkan. Dieser schritt voraus, schweigend, am Rande der Gruppe und sprach nicht. Er würde heute unter drei Mädchen wählen oder gleich alle beschlafen. Ob er das mit derselben Lust am Foltern tat, die er auf ihn losgelassen hatte, als er ihn in der Arena gedemütigt hatte? Shikan nahm sich vor, heute zu versuchen, die Mädchen über Varkan auszufragen. Und übermorgen im Labyrinth höllisch aufzupassen. Varkan plante gewiss etwas Dunkles.
Varkan behielt Shikan gut im Auge. Die ganze Woche hatte er sich zurückgehalten, gewiss plante er jedoch schon seine Rache, besprach sich mit seinen Freunden, machte Pläne. Würde es heute bei den Shuris stattfinden? Hatte Shikan eins der Mädchen bestochen, ihn zu vergiften? Oder gar einen Attentäter bezahlt, der ihn auf dem Liebeslager anfallen sollte? Varkan brummte. Sollte nur kommen. Alles, was in seine Reichweite kam, verlor mindestens eine Hand, wenn es um Leben und Tod gehen sollte, das klappte bei Dämonen, das sollte auch bei jedem Menschen funktionieren. Er weigerte sich, sich wegen seines unbedachten Übergriffs auf den anderen Dämonenschlächter Sorgen zu machen.
Das Viertel der Shuris war durch eine eigene Mauer geschützt und wurde von Torwachen bewacht. Ihre Gruppe trennte sich, nachdem sie das Tor passiert hatten und die Dämonenschlächter strebten den verschiedenen Häusern zu, in denen die ihnen zugewiesenen jungen Frauen lebten. Shikan und Varkan jedoch hatten weiterhin denselben Weg.
Schon jetzt schwebten Düfte in der Luft, die von den üppigen Blütenpflanzen an den Hauswänden stammten, von den unzähligen Bädern, die heute Nachmittag genommen worden waren, von den Parfümen, die versprüht worden waren, um den Gästen den Aufenthalt angenehm wie im Paradies zu gestalten und über allem lag für Varkan unvergleichlich lockend der Duft von gebratenem Fleisch.
„Kannst du überhaupt mit Frauen?“, flüsterte Shikan plötzlich hinter seiner Schulter, überholte ihn und rempelte ihn dabei noch an. Varkan hatte den Säbel schon halb gezogen, dann beherrschte er sich. Wollte er Shikan wirklich vor aller Augen enthaupten?
Gehört hatte ihn niemand. Alle anderen lachten und prahlten herum, priesen die Vorzüge ihrer Shuri und gaben mit der Kraft ihrer Lenden an.
Missmutig schob Varkan den Säbel die Handbreit zurück, die er aus der Scheide geglitten war.
Hatte er sich solche Sprüche von Shikan nicht sogar selbst eingebrockt? Wenn er nachdachte war das die erste Retourkutsche in einer ganzen Kampfpause. Seltsam, dieser Jüngere.
Feige konnte er nicht sein, das wäre aufgefallen und hätte sich als Spott verkleidet herumgesprochen. War er so vorsichtig beim Planen seiner Rache? Oder betrachtete er die Affäre einfach als zu unwichtig, um heftiger darauf zu reagieren als mit einem dummen Spruch?
Die Shuri erwarteten sie bereits auf den Stufen ihres Hauses. Leicht gewandet und beinah durchsichtig verschleiert jubelten sie ihnen entgegen und trillerten ihre Wiedersehensfreude in raschem Zungenschlag in die Nachtluft.
Manche der Krieger rannten ihnen die letzten Schritte entgegen. Varkan dagegen ließ sich zurückfallen und wartete darauf, dass seine drei Grazien sich aus der bunten Traube lösten und zu ihm tänzelten. Als sie das taten, belohnte er sie für die Unbill, ihre zarten Füße in den Straßenstaub setzen zu müssen, mit einem breiten Lächeln und offenen Armen. Als sich die drei an ihn drückten, hüllte ihr Parfümduft und ihre Zartheit ihn ein wie die Umarmung der Göttin der Liebe selbst. Er sog tief den Duft ihres Haars ein und mischte sich in ihr Willkommensgeplapper ein.
„Mir ist nicht wirklich etwas geschehen, seht ihr“, sagte er und überließ ihnen seine Hände, damit sie ihn ins Haus ziehen konnten. „Alle Gerüchte, ein Dämon hätte mich gefressen, sind, wie immer, falsch.“ Ihr mädchenhaftes Gelächter war wie ein weicher Teppich unter seinen Füßen, der ihn nach drinnen geleitete. Im Erdgeschoss der Shurihauses waren viele kleine Tische mit reich beladenen Platten voller ansprechend angerichtet Leckereien bereitgestellt worden. Varkan beobachtete seine Kameraden, die schon saßen und zulangten oder gerade im Begriff waren, zwischen ihren Shuris die Treppe ins Obergeschoss zu erklimmen. Shikan hatte sich mit seinen beiden Shuris ein Stück entfernt zum Essen niedergelassen, jedoch mit dem Rücken zu ihm. Als spüre er Varkans Blick, wandte er sich um und Varkan lächelte ihn hinterlistig an. Doch schnell wurde Shikan abgelenkt, als eine seiner Shuri ihm ihren Schleier überwarf und seinen Kopf zurückzog und ihn dabei neckte: „Nicht nach den anderen Mädchen schauen, Zisha…“ Varkan unterdrückte ein Lachen. Frauen. Begriffen es nie. Er widmete sich seinen drei Shuri, die ihm getrocknete Datteln reichten, luftig leichtes Fladenbrot, Hammelfleisch und dazu verschiedene Soßen. Sie tranken süßen Dattelwein und schenkten ihm scharfen Raszi ein und boten ihm dazu Konfekt aus ihren zarten, mit Henna geschmückten Händen an.
„Zisha, Ihr seid wie immer hungrig wie ein Löwe!“, bemerkte die junge Frau, die seine neueste Shuri war.
„Wir sollten nach oben gehen, damit Ihr vom Essen nicht ermüdet, Zisha!“, ergänzte schnell eine andere. Er seufzte. Diese Shuri waren so wild auf seinen Samen, dass es manchmal schon beinah ermüdend war. Wären die Aufenthalte im Shurihaus nicht so erbaulich gewesen, wäre diese Gier nach einer Schwangerschaft ernüchternd. Doch Varkan wollte nicht über die Intrigen der Frauen nachdenken, wollte nicht in Frage stellen, dass es richtig und gut war, dafür zu sorgen, dass viele Krieger für den Kampf gegen die Dämonen gezeugt wurden und ließ sich, von ihren drei Schleiern bedeckt, abführen wie ein Opferkamel. Dann begegnete er wenigstens nicht Shikan auf der engen Treppe, der noch keine Anstalten machte, sich von den aufgetürmten Leckereien trennen zu lassen.
Ob seine Shuri gelost hatten, wer ihn heute als erste besteigen durfte? Fragte Varkan sich auf der Treppe. Vielleicht sollte er einmal auswählen und sie ein wenig durcheinander bringen, dachte er grinsend. Er sah zurück, hinunter in den nur noch halbvollen Raum voller bunter Kissen, geplünderter Platten mit Leckerein und vereinzelter Shuris, die gerade keinen festen Krieger hatten und hofften, bald würde einem der jüngeren Männer der Sinn nach einer Abwechslung stehen und sie würden ausgewählt, seine Shuris zu ergänzen. Shikan saß noch da unten und trank bedächtig Raszi. Er sah zu ihm hoch. Ihre Blicke trafen sich. Varkan lächelte. Shikans zwei Shuris hatten sich an ihn geschmiegt, eine massierte seine Schultern, eine lag mit dem Kopf auf seinem Schoß und streichelte müßig seine Flanke. Varkans Blick galt jedoch nur dem Dämonenschlächter, nicht den Frauen.
„Kommt Zisha, Ihr müsst angespannt sein nach einer so langen Zeit Enthaltsamkeit…!“, lenkten seine Shuris Varkans Aufmerksamkeit schnell zurück auf sich selbst, bevor er eine ledige Shuri erspähen konnte, die ihm schöne Augen machte. Varkan knurrte. Er hätte lieber eine Entscheidung zischen ihm und Shikan provoziert, bevor sie wieder ins Labyrinth zogen. Unter Gekicher und unterdrücktem Lachen bugsierten ihn die drei Shuri jedoch in ein Zimmerchen, das fast nur aus einem einzigen Lotterlager bestand, welches bunt überdacht und weich gepolstert den kleinen Raum dominierte. Geschickt und routiniert banden sie seinen Gürtel los und legten den Dämonensäbel ehrfürchtig auf das im Zimmer bereit stehende Gestell. Dann entkleideten sie ihn und entledigten sich selbst der überflüssigen Lagen ihrer durchsichtigen Gewänder, sodass nun wirklich ihre Körper durch die dünnen Stoffschleier sinnlich zu erkennen waren. Seine neueste Shuri hatte sich den ganzen Körper mit Henna bemalen lassen, so dass sie sich vor ihm räkelte wie ein lebendig gewordenes Ornament. Seine älteste Shuri ließ lasziv aber unaufdringlich ihre Hüften kreisen, genau die Bewegung, die ihm viel Lust versprach. Seine mittlere Shuri tanzte verträumt ein paar Schritte eines populären Bauchtanzstückes. Varkan lächelte und winkte seine älteste Shuri heran, auch wenn sie am weitesten hinten stand. Er hatte in eineinhalb Jahren mit ihr immer noch kein Kind gezeugt. Das wurde ja langsam peinlich! Enttäuscht aber hoffnungsfroh schmachtend halfen ihr die beiden anderen auf ihn hinauf. Ihr Gewand teilte sich an der richtigen Stelle, als sie sich über ihn kniete und Hände halfen seiner steifen Männlichkeit in ihren Schoß. Varkan schloss die Augen, als er ihre Hitze um sich fühlte und überließ sich ganz ihrem Ziehen und Winden.
