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Die geheimnisvolle Geschichte um Sirona & Darken geht weiter! Seit Sirona und der geheimnisvolle Darken auf dem Sommerfest auf Castello Del Guardiano Della Spada aufeinandertrafen, beginnt sie die volle Tragweite ihrer ungewöhnlichen Bestimmung zu begreifen und welche Rolle ihre Gefühle zu Darken dabei spielen. Sirona muss sich nicht nur mit ihren neuen Kräften vertraut machen, sondern auch das Leben ihrer kleinen Familie mit dem Leben des unsterblichen Geliebten in Einklang bringen. Sie gibt alles, bis sie schließlich unter dem Druck zusammenbricht und verzweifelt ihr Schwert gegen Darken erhebt ... Die spannende und vor Erotik und Magie knisternde Fortsetzung von »Darken 1 - Die Zusammenkunft«. Bei »Darken 2 - Für immer und ewig« handelt es sich um eine überarbeitete Neuausgabe des bereits im Oldigor-Verlag unter demselben Titel veröffentlichten Romans.
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Seitenzahl: 381
Veröffentlichungsjahr: 2015
Lee Bauers
Für immer und ewig
Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.
Die geheimnisvolle Geschichte um Sirona und Darken geht weiter!
Seit Sirona und der geheimnisvolle Darken auf dem Sommerfest auf Castello Del Guardiano Della Spada aufeinandertrafen, beginnt sie die volle Tragweite ihrer ungewöhnlichen Bestimmung zu begreifen und welche Rolle ihre Gefühle zu Darken dabei spielen. Sirona muss sich nicht nur mit ihren neuen Kräften vertraut machen, sondern auch das Leben ihrer kleinen Familie mit dem Leben des unsterblichen Geliebten in Einklang bringen. Sie gibt alles, bis sie schließlich unter dem Druck zusammenbricht und verzweifelt ihr Schwert gegen Darken erhebt …
Die spannende und vor Erotik und Magie knisternde Fortsetzung von »Darken 1 – die Zusammenkunft«.
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Danksagung
Als Sirona die Augen aufschlug, erblickte sie als Erstes die wunderbaren weißen Rosen in den Amphoren an ihrem Bett.
Hinter sich spürte sie Darken, der sich an sie schmiegte. Diese Nacht war ganz anders gewesen als die Nacht zuvor, sie war bestimmt von sanftem Entdecken. Obwohl sie sein Verlangen und seine Gier mit jeder Faser ihres Körpers gespürt hatte, war er unglaublich zärtlich gewesen. Sirona hatte sich fallenlassen, hatte alles mit sich geschehen lassen und war vollkommen auf ihre Kosten gekommen. Das Sternennetz, das Sirona in den Augenblicken höchster Lust um sie beide wob, war erst vor wenigen Stunden verschwunden, dennoch fühlte sie sich entspannt und ausgeruht. Unglaublich!
Ein schnurrendes Raunen erklang in ihrem Nacken, dann knabberte und saugte jemand an ihr, und Sirona räkelte sich wohlig, ehe sie sich umdrehte. Sie kam nicht weit, da lag sein Arm schon auf ihrer Hüfte und zog sie mit einer sicheren Drehung noch fester an sich heran. In der Bewegung fand er bereits ihren Mund und küsste sie. Dieser Mann schmeckte so gut, mittags, abends und am besten morgens früh, wenn man noch nicht ganz wach war, fand sie. Sie öffnete sich und gab sich ihm hin, während das Sternennetz wieder zu funkeln begann und ihre Körper umspielte.
Als Darken sich anschließend über sie schob, um sie warm zu halten, flüsterte er: »Ich will nie wieder aufwachen, ohne dich neben mir zu spüren.«
Sirona hielt die Luft an. Nie wieder? Gab es denn eine Zukunft für sie beide? War es wirklich möglich, dass sie und ihre kleine, normale Familie ein Leben an der Seite dieses atemberaubenden Unsterblichen führen könnten? An der Seite des Mannes, mit dem ihre eigene Seele seit Tausenden von Jahren verbunden war, ohne dass sie dieses vor Kurzem überhaupt geahnt hatte?
Die Realität holte Sirona ein. Sie drehte sich auf den Rücken, nahm Darkens Kopf und legte ihn auf ihre Brust. Sie streichelte seinen Kopf, wühlte zärtlich in seinem Haar, strich mit den Händen über seinen Nacken, die Schultern und wieder zurück. Ihre Finger ruhten für einen unmerklichen Augenblick auf dem Tattoo, das quer über seinen gesamten Schulterbereich ging. Ohne dass sie hinsehen musste, sah sie die leuchtend gekreuzten Schwerter über den nicht zu entziffernden Schriftzügen, dem angeblichen Gebet der Dog-Rib-Rae-Indianer. Sie erinnerte sich, als sie das erste Mal ein Tattoo dieser Art gesehen hatte, auf Taamins linker Schulter, als er sich provokativ das T-Shirt auszogen hatte und zu ihrer Familie und ihren Freunden in den Pool gestiegen war.
Ihre Familie. Sirona dachte an Kim. War sie wirklich erst seit ein paar Tagen hier, und war es wirklich erst gestern gewesen, dass sie ihrer Teenagertochter am Telefon erzählt hatte, sie hätte sich verliebt und würde noch ein wenig länger fortbleiben?
Darken schien zu spüren, dass es in Sironas Kopf arbeitete, und blieb still liegen, genoss ihre Zärtlichkeit und wartete.
»Darken, ich liebe dich.«
Darken drückte sein Gesicht in ihren nackten Bauch, hielt die Luft an und sah dann zu ihr hoch.
Sie lächelte und strich ihm die langen dunklen Haare aus dem Gesicht, um seine Augen besser sehen zu können. »Du siehst aus wie ein wildes Tier, völlig zerzaust und so herrlich animalisch.«
Er küsste ihre Brust und wollte gerade nach ihrer Brustwarze schnappen, als ihre Hand ihn davon abhielt. »Ich liebe dich, aber ich muss gehen, heute oder spätestens morgen.«
Sie spürte, wie er zusammenzuckte. Seine Augen wurden schmal, aber ihr herrliches Azurblau, das das bedrohlich dunkle Blau verdrängt hatte, das ihn bei ihrer ersten Begegnung noch so bestimmt hatte, blieb klar und offen.
»So schnell?«
»So schnell?«, antwortete sie leise. »Du hältst mich schon ganze zehn Tage auf Trab.«
»Du bist aber erst seit zwei Tagen bei mir, ich kann dich noch nicht gehen lassen!«
Sie sah ihn ernst an. »Du wirst mich gehen lassen, erinnerst du dich? Ich bin reiner Geist, frei von allen Grenzen, man kann mich nicht halten, ohne mich damit zu verlieren.«
Darken rutschte von ihr herunter, setzte sich auf die Bettkante und stand auf. An der Tür zum Bad drehte er sich um. »Ich werde dich nicht aufhalten, du bist nicht meine Gefangene!« Seine Stimme klang ruhig, aber es lag keine Zärtlichkeit mehr in ihr.
Sirona stieg aus dem Bett, ging auf ihn zu und baute sich vor ihm auf. »Wenn du mir etwas zu sagen hast, dann aber bitte nicht in diesem Ton!« Ihre Stimme klang hart, aber ihre Augen streichelten ihn.
Er richtete sich in seiner vollen Größe vor ihr auf. Leise sagte er: »Du sprichst mit deinem König!«
Sirona lachte laut auf. »König hin oder her, papperlapapp, hinter jedem starken Mann steht eine noch stärkere Frau, das weiß doch jeder Sterbliche. Ich fürchte mich nicht vor einem König! Du kannst ja mal versuchen, es mit mir aufzunehmen.« Dann stürzte sie sich lachend auf ihn, sprang ihn an und biss ihm in den Nacken.
Darken schnaubte, packte sie an den Hüften, drehte sie wie eine Puppe um, sodass er sie strampelnd von sich weghalten konnte. Ohne, dass sie sich wehren konnte, warf er sie aufs Bett, sprang auf sie, spreizte ihre Beine und drang in sie ein. Sie stöhnte und bog ihren Rücken in die Matratze.
Nachdem das Sternennetz dreimal hintereinander hell aufgeflackert war, um sich dann endgültig zu verflüchtigen, schmiegte er sich gegen sie und leckte ihren Hals.
»Gewonnen, ich habe gewonnen«, flüsterte sie.
Er hob den Kopf, schaute sie an und lächelte. »Die Waffen einer Frau, ich beginne langsam zu begreifen!« Er küsste sie, stand auf und ging ins Bad. Als er die Dusche aufdrehte, folgte ihm Sirona lächelnd.
Gemeinsam stiegen sie die große, breite Treppe in die helle Halle hinunter, um in der Sonne auf der Terrasse zu frühstücken. Zu Hause trug Sirona immer Jeans oder, wenn sie das Haus nicht verlassen musste, eine eng anliegende schwarze Trainingshose. Hier trug sie das, was sie mitgebracht hatte, als es hieß, sie sei zu dem Fest des neuen Firmenpartners eingeladen. Hier trug sie Kleider.
Seitdem sie sich Darken hingegeben hatte, fühlte sie sich mehr als Frau denn je zuvor. Das Bedürfnis, jedem zu beweisen, dass sie die sprichwörtlichen Hosen anhatte, war verschwunden. Die neue Weiblichkeit, die sie jetzt so sehr genoss, hätte sie früher nicht zugelassen. Mal davon abgesehen, dass man in einem Kleid viel schneller Körperkontakt herstellen konnte, als in einer Jeans. Wenn sie neben Darken stand, dann hatte er immer eine Hand auf ihrem Schulterblatt oder ihrem Nacken. Wenn sie auf seinem Schoß saß, schmiegte er gern sein Gesicht in ihr Dekolleté oder legte seine Hand auf ihren Schenkel, gern auch etwas höher, wenn ein Tisch oder eine Decke sie vor den Blicken der anderen schützte. Darken war genauso süchtig nach ihrer Haut wie sie nach seiner. Die ständigen kleinen Stromschläge, das wunderbare Prickeln, wenn sich ihre Körper berührten, wollte keiner von ihnen missen. Und doch musste sie zurück nach Lippstadt, zurück zu Kim und ihrer Mutter. Und Darken wäre wieder allein.
Als sie auf die Terrasse hinaustraten, saßen Taamin und sein Vater bereits dort und unterhielten sich angeregt. Sirona und Darken nahmen am gedeckten Frühstückstisch Platz. Taamin blickte auf und lächelte.
»Guten Morgen!«
Sirona entdeckte keinerlei Anzüglichkeit in seiner Stimme. Das unterschied ihn von ihren normalen Freunden. Die hätten mit kleinen Frotzeleien nicht gespart, wenn Darken und sie später aus dem Schlafzimmer gekommen wären, als es eigentlich anständig war.
»Sag mal, Taamin«, begann Sirona und bemühte sich erst gar nicht, den sarkastischen Unterton in ihrer Stimme zu verbergen, »trägt dein Vater eigentlich auch dieses indianische Gebet auf der Schulter? Ist er auch einer dieser Indianer, die dauernd mit einem Schwert gegen die Weißen gekämpft haben?« Sirona grinste, wusste sie doch längst, dass Taamin sie damals, als sie sein Tattoo entdeckt hatte, in seiner Not ziemlich stümperhaft belogen hatte.
»Mein Vater trägt dasselbe Mal wie ich.«
Sirona grinste, dann sah sie Darken zärtlich an, küsste ihn auf den kauenden Mund und schwieg.
Sie wandte sich wieder an Taamin und sagte ernst: »Ich möchte, dass du heute noch zu Kim und Omma fährst. Ich würde mich besser fühlen, wenn jemand im Haus wäre, der das Gleichgewicht wiederherstellen kann, wenn die beiden in pubertäre oder senile Eitelkeiten verfallen.«
Taamin lächelte und nickte. Er würde noch am frühen Nachmittag zurück nach Lippstadt fahren, wenn ihr so viel daran lag. Sirona wusste, dass ihr persönlicher Schutzengel, wie sie Taamin in Gedanken nannte, ihr keinen Wunsch abschlagen würde, schon gar nicht, wenn dieser damit zu tun hatte, dass sie länger bei Darken bleiben könnte. Länger und entspannter. Niemand wusste besser als Taamin, wie wichtig es für sie und Darken war, endlich Zeit miteinander verbringen zu können. Und niemand wusste besser als er, welche Wunden es bei beiden zu heilen galt.
Sie blieben nach dem Frühstück noch etwas in der Sonne sitzen und genossen die Stille. Sirona konnte sich auf der herrlichen, antiken Doppelliege bequem an Darken schmiegen, und jeder schien den eigenen Gedanken nachzuhängen. Als sich Taamin schließlich verabschiedete und auch sein Vater Freddie wenig später von Aluinn, Darkens treuem, unsterblichem Hausdiener, zum Flughafen gebracht wurde, um zurück nach Yellowknife zu fliegen, waren Sirona und Darken endlich allein.
»Darken, du musst mir helfen, ich weiß nicht, was ich tun soll. Du weißt, dass ich eine Tochter habe. Ich kann und will nicht ohne sie leben und ich will nicht ohne dich leben.«
»Könntest du denn ohne mich leben?«
»Ja, das könnte ich! Aber ich wäre dann genauso unglücklich und leer, wie du es in den letzten Jahrhunderten warst.«
»Verzeih mir, du hast recht. Wenn man so lange allein war, wie ich, und so lange vergeblich nach jemandem«, er sah sie an und zögerte einen Augenblick, »gesucht hat, dann neigt man womöglich zu einer gewissen Selbstüberschätzung, wenn man endlich am Ziel angekommen ist. Ich könnte es nicht ertragen, dich unglücklich zu sehen.«
»Kim ist fast vierzehn Jahre alt, sie schielt schon nach Jungs und denkt, sie benötigt mich nur noch, um gelegentlich anzudocken, aber ich weiß es besser. Sie braucht mich. Sie braucht meine Kraft und meine Stärke. Bald wird sie ihre eigenen Wege gehen, und dann bin ich frei und kann ganz für dich da sein.«
Sie schwieg einen Moment. »Was wird sein, wenn ich sterbe, wirst du mich dann wieder suchen und finden?«
Sirona vermutete, dass Darken jetzt an die Prophezeiung dachte, die sie ihm als Amazone vor mehr als zweitausend Jahren an den Kopf geworfen hatte, ehe er sie tötete. Der Fluch, der ihn umgetrieben hatte, der Fluch, der ihm immer und immer wieder die Frau, die jetzt als Sirona neben ihm saß, durch Tod entrissen hatte. Verdammt bist du auf ewig! Dein Blut wurde vom heiligen Schwert berührt. Dein Volk, das aus deinem Blute entsteht, wird dich in die Verdammnis begleiten und nur du kannst ihr Erlöser sein. So, wie ich dir die Verdammnis gab, kann nur ich sie dir nehmen. Denn ich bin der Geist der Weißmagie aus dem Haus der Götter, und wenn du weißt zu lieben, wird meine Seele dich erreichen und beherrschen, ist sie bereit, dich grenzenlos und mit Freiheit zu lieben.
Nachdenklich sagte er: »Du hast mich gerettet. Wenn die Rettung bedeutet, dass der Fluch von mir genommen ist, dann bin ich jetzt sterblich. Wir werden gemeinsam sterben.«
Sirona fuhr erschrocken hoch. »Dann bedeutet das, dass ich dich getötet habe!«
»Der Gedanke, mit dir zu sterben, ist der schönste Gedanke, den ich seit einer Ewigkeit denken durfte. Dich sterben zu sehen und allein zurückbleiben zu müssen würde ich nicht mehr ertragen können.«
Sie sah ihn an und flüsterte: »Sieht man von unserer ersten Begegnung ab, bei der ich dir die Nase gebrochen habe«, schuldbewusst streichelte Sirona über Darkens schöne Nase, »dann sind wir uns erst vor zwei Tagen wirklich begegnet. Dennoch, obwohl ich mich an meine früheren Leben nicht erinnere, spüre ich genau, dass wir uns schon seit Jahrhunderten kennen.«
Sie lagen still aneinandergeschmiegt in der Sonne und schwiegen wieder, es kam Sirona vor, als würde jeder von ihnen auf seine Weise versuchen, mit dieser gewaltigen Erkenntnis umzugehen.
Es war Darken, der zuerst sprach: »Deine Tochter und deine Mutter ziehen zu uns nach Castello Del Guardiano Della Spada. Aluinn würde sich freuen, wenn etwas Leben ins Haus käme.«
»Nein! Kommt nicht infrage, Kim ist fest in die Schule integriert und Omma ist alt. Sie liebt ihre Wohnung, alles wurde mit so viel Liebe eingerichtet. Kim würde sich außerdem sicher als Prinzessin aufspielen. Ich möchte, dass sie normal aufwächst, mit ganz normalen Teenagerproblemen, die sie selbst lösen muss. Hier gibt es weder andere Jugendliche noch eine Schule.«
»Dann ziehe ich zu euch!«
Sirona musste laut lachen. »Mit einem Mann zusammenzuleben ist eine Sache, aber mit einem Unsterblichen und seinem Hausdiener, das ist etwas ganz anderes. Ganz zu schweigen von dem Rest der Mannschaft, die dich so durch die Jahrhunderte begleitet hat, wie Taamin und sein Vater, um nur zwei zu nennen. Und ich wette, wo die herkommen, gibt es noch mehr.«
Sie wurde ernst und sah Darken an, der ihr zwar zugehört, aber nicht einmal mit der Wimper gezuckt hatte. Das konnte er doch unmöglich ernst meinen! Was wusste er schon vom Leben einer ganz normalen Familie in einer Stadt wie Lippstadt? »Du willst dir das Bad mit einer pubertären Göre teilen, die morgens um sechs Uhr durch dein Schlafzimmer rennt, weil sie zur Schule muss, während du dich noch nicht von der Nacht mit mir erholt hast?«
Er reagierte nicht. Dann grinste sie süffisant. »Mal davon abgesehen, habe ich ein Holzständerwerkhaus. Holz gibt zwar ein herrliches Klima ab, aber mit dem Schallschutz ist das so eine Sache. Die Nachbarhäuser stehen dicht an dicht, und ich möchte nicht erröten müssen, wenn ich irgendwann mal meinen Nachbarn auf der Straße begegne und die mich fragen, ob ich nachts regelmäßig von einem Raubtier gezüchtigt werde.«
»Du vergleichst mich mit einem Tier?«
»Ganz ehrlich? Das Animalische in dir berauscht mich besonders, wusstest du das noch nicht?«
Sie hatte es noch nicht ganz ausgesprochen, da lag er bereits auf ihr und sie spürte seine harte Männlichkeit zwischen ihren Beinen. Sie zwickte ihn in die Lippe, danach leckte sie ihm über den Mund »… es ist mir ein Vergnügen, unter dir zu liegen, aber nicht, wenn ich gerade versuche, ernsthafte Gespräche über meine Tochter zu führen!«
Er schnaubte, küsste sie und richtete sich widerstrebend auf.
Sirona unterdrückte ein Stöhnen. Sie konnte fast nicht glauben, dass dieser Mann in seiner ganzen Schönheit und Stärke nur ihr gehörte, nur ihr gehören wollte.
»Ich werde jeden Tag ins Büro fahren müssen und mein winziges Heim«, sie warf einen Blick über die Schulter auf sein Haus, bei dessen Anblick sich ihr immer das Wort Schloss als Erstes aufdrängte, »wird dir bald wie ein Käfig vorkommen.«
»Ich werde dich kündigen lassen«, schnurrte er. »Vergiss nicht, wem die Firma, bei der du arbeitest, inzwischen gehört!«
Sirona runzelte die Stirn. »Ich brauche meinen Job, ich war immer stolz darauf, meine Familie ernähren zu können. Ich bin keine Frau, die den ganzen Tag die Hände in den Schoß legt und ab und zu mal ein hübsches Bild malt oder ihrem Mann die Pantoffeln hinterherträgt.« Sie rückte von ihm ab.
Darken schien nachzudenken. »Hast du nie in deinem Leben davon geträumt, eines Tages den Jackpot zu knacken? Was hättest du dann mit dem Geld getan, wärst du weiter arbeiten gegangen? Jeden Tag ins Büro gefahren?«
»Jeder normale Mensch träumt mal davon«, gab Sirona zu. »Das ist wohl menschlich, obwohl ich nie Lotto gespielt habe, und, ja, ich hätte nach einer gewissen Zeit meinen Job gekündigt. Ich wollte immer schreiben, weißt du.«
Er zog sie wieder an sich und auf seinen Schoß. »Dann schreibe, meine Schöne. Aber eine Bedingung habe ich, ich möchte der Erste sein, der deine Bücher zu lesen bekommt.«
Sie verzog schmollend den Mund. »Du vertraust mir nicht? Hast du Angst, dass ich unser Geheimnis verrate?«
»Du hast gesagt, dass du stolz darauf bist, deine Familie ernähren zu können. Ich bin stolz darauf, meine beschützen zu können. Ich habe nämlich jetzt auch eine Familie, also lass dich beschützen, dich und die Deinen. Lass mich stolz sein.«
Ihr Kopf ruhte auf seiner Schulter, und sie schwieg, zu viele Gedanken gingen ihr durch den Kopf. Sie hatte immer hart gearbeitet, hatte ihr Leben lang gekämpft und sich immer gefragt, woher die Kraft dazu gekommen war. Nun wusste sie, dass ihre Seele eine Geschichte hatte, eine, die für sie noch im Dunkeln lag, aber eines war ihr inzwischen klar: Sie war immer und immer wiedergeboren worden, und die unglaubliche Willenskraft dieser Ersten – einen Namen hatte Sirona für sie noch nicht – hatte sich auch in ihr gezeigt. Und da sie nichts davon geahnt hatte, wer sie eigentlich war, nicht bis vor ein paar Tagen, hatte sie ihre überschüssige Energie eben ausgelebt und Dinge geschafft, die man ihr kaum zugetraut hatte. In den wenigen freien Stunden, die es in ihrem Leben gegeben hatte, war sie dann instinktiv in schnelle und tiefe Entspannung abgetaucht, bis diese Träume überhandgenommen hatten, Träume, die darauf hindeuteten, dass sie etwas verstehen musste, etwas, das lebenswichtig war. Etwas, dem sie nicht entkommen konnte, nicht entkommen durfte. Etwas, das ihr Schicksal war. Schon immer. Darken.
Ihr Leben hatte sich grundlegend geändert, nachdem sie bei der MICROBANK angefangen hatte. Dort hatte sie nette Kollegen, es gab keine Intrigen, nein, ihre Kollegen waren sogar zu Freunden geworden. Robert, der in sie verliebt war, oder Lora, die an ihr hing und inzwischen gut genug eingearbeitet war, um sie zu ersetzen.
Sirona schüttelte in Gedanken den Kopf. So viel hatte sich in so kurzer Zeit in ihrem Leben verändert. Was würde sie aufgeben müssen, wenn sie bei Darken blieb? Wenn sie ihn in ihr Leben ließ? Nicht, dass es eine Rolle gespielt hätte, denn eine Wahl hatte sie kaum, das wusste sie. Ein Leben ohne Darken kam nicht mehr infrage. Nur, wie sollte das Leben mit ihm aussehen? Wollte sie wirklich ihre Unabhängigkeit aufgeben? Wollte sie wieder von einem Mann abhängig sein? Es war ihr noch lebhaft in Erinnerung, wie schwer es für sie gewesen war, auf die eigenen Füße zu fallen, nachdem sie Werner verlassen hatte. Damals war sie elf Jahre jünger gewesen und hatte nicht geahnt, wer sie war. Verzweifelt hatte sie gekämpft und ihr Bestes gegeben, um ihr inneres Gleichgewicht zu finden und für ihre Familie zu sorgen. Jetzt sollte sie alles, wofür sie gekämpft hatte, aufgeben?
Darken streichelte ihr Haar und ihren Nacken, als ob er ihre schweren Gedanken lesen konnte, und schwieg.
Sie atmete tief ein, was Darkens Umarmung nur noch mehr verstärkte und ihr Zuversicht gab. Sie würde ihren Job aufgeben, aber würde sie dadurch etwas verlieren oder nicht vielmehr etwas gewinnen? Würde sie nicht eine Chance bekommen, sich selbst zu verwirklichen, ihre Grenzen auszuloten, ohne Existenzängste verdrängen zu müssen? Darkens über die Jahrhunderte angesammeltes Vermögen würde ihr und ihrer Familie bis in alle Ewigkeit ein sorgenfreies Leben garantieren, das wusste sie. Sie würde sich so gern ihrer Fantasie hingeben, so viel steckte in ihr, was nur zu Papier gebracht werden musste. Sie war mit Darken an ihrer Seite nicht mehr auf finanzielle Erfolge angewiesen, konnte sich mit ihm auf geistige Erfolge konzentrieren, auf ihre geistigen Erfolge. Sie war reiner Geist, und durch ihren reinen Geist war sie stark.
Sirona hob ihren Kopf und küsste Darken. »Du sollst stolz sein auf deine neue Familie, du sollst sie beschützen und nähren. Ich will das Gefühl, mich so geborgen zu fühlen wie jetzt gerade, nie wieder verlieren.«
»Du wirst morgen nach Hause gehen, mit Taamins Hilfe wirst du den Raum schaffen, den wir benötigen. Du wirst deine Familie vorbereiten, damit ich kommen kann. Wir werden sicher oft zwischen Lippstadt und Castello Del Guardiano Della Spada pendeln, aber Lippstadt ist dein Zuhause und Castello Del Guardiano Della Spada ist unsere Zufluchtsstätte, unser Nest.«
Sie nickte und lächelte ihn an. So würden sie es machen. Sie würden nicht viel Zeit miteinander verbringen, das wusste sie, denn Darken hatte Verpflichtungen. Aber jedes Mal, wenn sie Sehnsucht nach ihm bekommen würde, könnte sie ihre Magie einsetzen, könnte sie ihren Geist vom Körper trennen und zu ihm gehen. Mit Taamin an ihrer Seite wäre sie in diesen Momenten größter Verletzbarkeit bestens beschützt, das hatte er bewiesen.
Kim und Omma würde sie nur so weit in die Geheimnisse ihrer neuen Liebe und ihres neuen Lebens einweihen wie nötig. Omma war bereits zu alt, um Wunder wie dieses, das sie gerade erlebte, zu verstehen, sie würde nur unnötig verunsichert werden. Aufgrund ihres Alters würde sie eh nie merken, dass Darken unsterblich war.
Sie schloss die Augen und betete Gott an, ihren Gott, dessen Namen sie nicht kannte. Sie betete zu ihm, Darken nicht seine Unsterblichkeit zu nehmen, selbst wenn der alte Fluch, den sie vor Jahrtausenden ausgesprochen hatte, stimmte und ihre Liebe ihn sterblich gemacht hatte.
Ebenso wenig, wie sie Omma etwas über ihre Unsterblichkeit erzählen wollte, würde Kim je davon erfahren. Sie würde vermutlich wegen Darkens immensem Reichtum ausflippen, da war sich Sirona sicher. Kim war pubertär und naturgemäß rücksichtslos und egoistisch. Sie hatte noch nicht genug Selbstbewusstsein, um nicht Details aus Sironas Privatleben auszuplaudern, um sich bei ihren Freunden zu profilieren. Sirona traute ihrer Tochter in diesem Punkt noch nicht zu, Geheimnisse für sich zu behalten. Nein, sie würde Kim erst sehr viel später einweihen, wenn sie die nötige Reife hatte, jetzt war es noch zu früh dazu.
Ihre Hand fuhr unter Darkens T-Shirt, sie streichelte seine behaarte Brust und schnupperte an ihm. Morgen schon sollte sie nach Hause zurückfahren, ohne ihn, das würde ein schwerer Gang werden. Sie kuschelte sich an ihn, und er nahm sie an. Sie lagen noch eine ganze Weile stumm ineinander verschlungen und genossen die warmen Sonnenstrahlen. Sirona hatte das Gefühl, als hätten sich nicht nur ihre Seelen jahrhundertelang gesucht, sondern auch ihre Körper. Irritiert stellte sie fest, dass mit jedem Atemzug, den Darken unter ihren Händen tat, ihr Körper auf ihn reagierte, als habe sie keine Kontrolle über ihn. Sie wand sich aus der Umarmung, setzte sich hin und rückte bewusst ein wenig von ihm ab.
»Lass uns ein bisschen laufen, ich muss meine Gedanken sortieren und nachdenken, wie meine nächsten Schritte aussehen. Das kann ich nicht, wenn ich dich überall an mir spüre.«
Darken knurrte sie an, dieses herrliche, dunkle Knurren, das aus seiner Kehle stieg und das ihren Körper vibrieren ließ. Alles an diesem Mann erregte sie, erotisierte sie förmlich. Sie sprang hoch, solange sie sich noch von ihm lösen konnte.
Arm in Arm gingen sie auf das kleine Wäldchen zu, das sein Grundstück umgab. Anfangs lagen Sträucher und Büsche im Weg und sie verfing sich mit ihren Schuhen darin, aber Darken hob sie hoch und trug sie zu einem kleinen Trampelpfad, auf dem er sie wieder absetzte.
Sirona sah sich um und staunte: »Wohin führt der Weg? Gibt es hier wilde Tiere?«
»Nein, diesen Weg habe ich angelegt, ich bin das einzige wilde Tier hier«, witzelte er. »Der Pfad läuft einmal um das ganze Grundstück herum, ich benutze ihn, um mich fit zu halten und nachzudenken.«
»Na ja, für deine Fitness bin ich ja jetzt zuständig.« Sirona buffte ihn in die Seite, und er griff nach ihr und presste sie an sich. Sie spürte seine Männlichkeit hart an ihrem Bauch und keuchte. Obwohl sie es eigentlich nicht wollte, zog sie sich an seinem Hals hoch, rieb ihren Körper an seinem. Sie musste nachdenken, das wusste sie genau, aber nicht jetzt, nicht hier.
Darken reagierte schnell, er hob sie hoch und küsste ihren Hals, hielt sie mit einem Arm und öffnete mit der freien Hand seine Hose, die ihm von den Hüften rutschte. Dann zerriss er ihren String und schob sie auf sich. Sie stöhnte und keuchte, zog sich weiter an ihm hoch. Er packte sie mit beiden Händen unter dem Po und bestimmte das Tempo, erst langsam und genüsslich, dann schnell und hart, sie stöhnte und keuchte, das Sternennetz funkelte auf, und als sie gemeinsam die berauschende Explosion erlebten, ihre Muskeln sich zusammenzogen und sie sich der Welle der Befriedigung hingaben, drückte er sie so fest an sich, dass sie nicht herunterrutschen konnte, obwohl ihre Arme all ihre Kraft verloren hatten und sie sich nicht mehr festhalten konnte.
Sirona versteckte ihr Gesicht an seinem Hals und ruhte sich aus. Schließlich hob sie den Kopf und küsste ihn. »Das waren jetzt Übungen für die Oberarme, für die Oberschenkel und für die Bauchmuskulatur, wenn ich mich nicht irre. Ich hoffe, du bist mit meinem Trainingsprogramm zufrieden?«
»Wenn ich ehrlich bin, ich bin von der Art und Weise, wie du deine Gedanken sortierst und nachdenkst, tief beeindruckt.«
Sirona lachte und ließ sich nach hinten in seine Arme fallen, die Schenkel jetzt wieder fest um seine Hüften geschlungen. »Ich werde eine extra Kreditkarte benötigen, um meinen Vorrat an Strings aufzufüllen.«
»Die sollst du haben.«
Sie kuschelte sich wieder zurück an ihn und ließ sich dann von ihm gleiten, bis in die Hocke. Beim Aufstehen ergriff sie seine Hose und zog sie über seine sich wieder leicht aufrichtende Männlichkeit. Dieser Mann konnte immer, und es würde vermutlich nie leicht für sie sein, dieser Pracht nicht nachzugeben. Aber jetzt wollte sie nachdenken, basta.
Sie hob ihren String auf, der sich in den Sträuchern etwas abseits verfangen hatte, betrachtete das traurige Stück einige Sekunden und steckte es dann in Darkens Hosentasche. »Wir sollten ihn nicht hier liegen lassen, auf Dauer könnte es sonst zu bunt werden auf diesem Pfad.«
Er schnappte schon wieder nach ihrem Hals. Sie quiekte, hakte sich dann aber unter und zog ihn mit, den Pfad entlang.
Sie gingen eine Weile stumm nebeneinander her, dann begann Sirona laut zu denken: »Wir könnten das Dachgeschoss ausbauen, ein schönes, geräumiges Schlafzimmer mit Büro und Bad. Die Südseite zum Garten hinaus verglasen wir blickdicht. Dann kann uns niemand beobachten, aber wir könnten nachts die Sterne sehen. Vielleicht sollten wir aus unserem Schlafzimmer einen Schallschutzraum machen.« Sirona musste laut lachen.
Darken lächelte, während sie in Zukunftsplänen schwelgte, Zukunftspläne, die sie beide betrafen. »Mein jetziges Schlafzimmer mit Bad könnte Taamin bewohnen. Omma kann in ihrer Wohnung bleiben und uns verwöhnen, das kann sie am besten, da steht sie Aluinn in nichts nach. Obwohl: Ein wenig mehr Selbstständigkeit wirst du dir noch angewöhnen müssen.«
Darken blieb stehen, zog sie wieder zu sich hoch und küsste sie lange und intensiv. »Ich werde alles tun, was du mir sagst, fast alles!«
»Fast?« Sirona zog in gespielter Empörung eine Augenbraue hoch.
Darken knurrte und schnappte wieder nach ihren Lippen, und Sirona entschied sich, nicht weiter nachzufragen. »Was wohl die Nachbarn dazu sagen, wenn gleich zwei so starke Männer bei mir einziehen?« Darkens Rolle in ihrem Leben würde jeder erkennen. Er gehörte an ihre Seite und war von dort kaum mehr wegzudenken. Aber mit Taamin war es wesentlich schwieriger. Er war ein starker, sehr gut aussehender Mann. Welchen Grund sollte er haben, sich in ihrem und Darkens Schatten aufzuhalten, in einem Haus mit ihnen? Sie runzelte die Stirn.
»Welches Problem kannst du gerade nicht lösen?«, fragte Darken.
»Na ja«, überlegte Sirona. »Ich würde Taamin nicht gerade ein Problem nennen, aber wenn man mich auf ihn anspricht, kann ich ja schlecht antworten, dass Taamin mein unsterblicher Schutzengel ist und der Wächter über mich und meine Familie. Er wird bei mir sein, wenn du es nicht bist, das könnte Befremden auslösen in meiner Nachbarschaft und meinem Bekanntenkreis, und ich möchte, dass alles so normal wirkt wie nur möglich, sonst wird Kim als Erste darunter leiden.«
Auch Darken überlegte. Es war Sirona, die schließlich bockig stehen blieb. »Wer bin ich, dass ich mich rechtfertigen muss? Wenn mich jemand fragt, dann höre ich darüber hinweg, und wenn einer nachbohrt, sage ich, dass wir an einer wichtigen Sache zusammenarbeiten und es so einfach bequemer ist.« Dann schwieg sie.
Morgen würde sie nach Hause fahren, ihrem neuen Leben entgegen.
Sie drückte sich wieder etwas mehr unter Darkens Arm. »Ich möchte in mein altes Büro nach Münster zurück, ich möchte sauber aus der Firma ausscheiden und nicht einfach verschwinden. Kannst du mir eine offizielle Versetzung besorgen, eine für mich und Taamin, die eine enge berufliche Verbindung untermauern würde? Ich brauche nur so viel Zeit, dass ich mit Lora eine saubere Übergabe machen kann, und natürlich will ich, dass sie meinen Posten bekommt.«
Darken nickte nur.
»Gut, alles Weitere wird sich ergeben. Wollen wir zurück zum Haus?« Darken nahm die Frage als Aufforderung auf. Er blieb stehen, um sie auf den Arm zu nehmen, damit sie nicht mit ihren dünnen Riemchensandalen an Dornen und Sträuchern hängenblieb und sich die Füße zerkratzte, wenn sie die Richtung zum Haus einschlugen und den Weg durch den kleinen Wald abkürzten.
Es war zwar schon Nachmittag, aber die Sonne wärmte immer noch, und sie schlenderten Hand in Hand zurück auf die Terrasse. Sie waren kaum angekommen, als Aluinn schweigend und lächelnd Tee und Trüffel servierte. Sirona entschuldigte sich kurz, um sich frisch zu machen, was bedeutete, dass sie sich im Obergeschoss einen neuen String anzog.
Als sie zurückkam, saß Darken auf der hohen, breiten Gartencouch und trank einen Schluck Tee. Er grinste, als sie um die Ecke bog. »Willst du heute wirklich noch einen weiteren String opfern?«
Sie errötete leicht und antwortete: »Langsam gehen sie mir aus, ich bitte dich, etwas vorsichtiger zu sein, bis ich mir einen Vorrat angeschafft habe.«
Er zog sie zu sich auf die Couch, nahm sie in den Arm und küsste sie. »Ich werde mir Mühe geben, aber sagtest du nicht, dass es gerade das Tier in mir sei, dem du dich so gern hingibst? Ich kann dir also nichts versprechen!«
Sirona griff nach einem Trüffel und lutschte genüsslich darauf herum, dann legte sie ihre Beine auf seinen Schoß. Er begann ihre Füße zu massieren, die Sandalen lagen längst auf dem Boden vor der Couch.
»Was bedeutet eigentlich das Tattoo auf deiner Schulter? Taamin trägt ein ähnliches!«
»Ich habe lange Zeit versucht es zu entschlüsseln. Aluinn erzählte mir, dass ich es bereits hatte, als er mich damals auf dem Schlachtfeld fand, nachdem ich dich getötet hatte und bewusstlos zusammengebrochen war. Ich weiß genau, dass ich es nicht hatte, bevor ich auf dich gestoßen bin, daher gehe ich davon aus, dass du es mir verpasst hast. Aluinn war selbst verletzt, als er mich fand, und als er meine Wunden nähte, vermischte sich sein Blut mit meinem. Nachdem er mich versorgt hatte, wurde er bewusstlos, und als er aufwachte, trug er das Tattoo. Er wurde sozusagen ungefragt und nicht ganz freiwillig unsterblich, aber das haben wir ja erst viele, viele Jahre später begriffen. Es hat lange gedauert, ehe wir überhaupt darüber sprechen konnten.« Darken sah zum Wald und schien in Gedanken weit fort von ihr zu sein.
Sirona hielt ein wenig die Luft an, sie wollte ihn nicht unterbrechen.
»Ich habe Bücher mit Symbolen studiert, das Schwert steht für Macht. Die Schwerter sind gekreuzt, ein Dunkles, ein Helles. Das eine, dunkle Schwert, welches mir gehört, und das zweite, helle Schwert, welches auf dich hört. Du erinnerst dich an deinen ersten Besuch auf Castello Del Guardiano Della Spada? Das Schwert hat dich gefunden, als du es unbewusst gerufen hast. Beide Griffe sind so geformt, dass es den Anschein hat, dass sie früher einmal eins waren und zusammengehörten. Die Schriftzeichen ähneln keiner mir bekannten Sprache, ich habe sie alle studiert. Ich kenne die Übersetzung nicht, aber es sind wunderschöne Schriftzeichen.«
Sirona hatte konzentriert zugehört. »Lass mich das mal zusammenfassen. Du trägst zwei Schwerter, die anderen tragen nur eines davon, nämlich das dunklere, also deins. Und der Schriftzug ist bei dir wesentlich größer und schmuckvoller. Dein Blut hat offensichtlich die Macht, einen Menschen unsterblich zu machen. Wer von dir erschaffen wird, trägt ein kleines Tattoo als Zeichen, dass er dir dienen soll. Seid ihr zusammen also so eine Art Bruderschaft oder Gemeinschaft?«
Darken nickte.
»Mit Ausnahme von Aluinn wurden sie alle freiwillig unsterblich?«
Darken nickte wieder.
»Wie viele Unsterbliche gibt es?«
»Es gibt mich, Aluinn und weitere sieben. Freddie und Taamin bist du bereits begegnet. Die anderen fünf werden es sich aber nicht nehmen lassen, dich kennenzulernen, um dir zu huldigen.«
Sirona schluckte. Ihr zu huldigen? An den Gedanken, dass sie nun seine Königin war, hatte sie sich noch nicht gewöhnt. Außerdem hinkte die Geschichte, wie konnte sie Königin von Unsterblichen sein, wenn sie selbst sterblich war?
Darken schien ihre Gedanken förmlich zu riechen. »Du bist ihre Königin, und ich werde dich nicht unsterblich machen. Ich kann ein Volk erschaffen, aber keine Königin.«
»Wieso nicht?«
»Hast du vergessen, dass du mich verflucht hast? Du hast mich geschaffen.«
Sirona blinzelte irritiert, aber er sprach schon weiter: »Ich habe einmal vor langer Zeit eine Frau getroffen, sie war klug und sehr begabt. Sie hätte mir in einigen Dingen sehr behilflich sein können und wollte mir bereitwillig dienen.«
Sirona spürte etwas. Sie schüttelte sich und setzte sich erschrocken auf, stellte die Füße nebeneinander auf den Boden.
Darken schien ihre Anspannung zu bemerken und verstummte.
Sirona spürte etwas Brennendes, Bitteres in sich hochsteigen und sprang auf. Ihr Magen zog sich zusammen. Sie konzentrierte sich und erforschte dieses unangenehme Gefühl, das ihr nicht völlig fremd war. Und plötzlich wusste sie, was es war. Es war die gleiche negative Energie, die sie an dem Samstag auf dem Fest gespürt hatte, als Darken Taamin mit dunklen, bösen Augen fixiert hatte.
Sirona riss die Augen auf und starrte Darken an. Dann keuchte sie: »Das ist Eifersucht! Ich bin eifersüchtig! Ich war noch nie eifersüchtig!« Sie schüttelte sich. »Es schmeckt widerlich und tut höllisch weh.« Sie schluckte. »Lebt diese Frau noch?«
Darken konnte seine Freude darüber, dass sie wegen einer anderen Frau Eifersucht verspürte, kaum verbergen. »Nein, sie lebt nicht mehr.«
Sirona beruhigte sich und setzte sich wieder neben ihn auf die Couch. Um den Geschmack in ihrem Mund zu verbessern, griff sie nach der Tasse Tee und aß danach schnell noch einen Trüffel.
»Wenn du eifersüchtig bist, dann bist du wahnsinnig erotisch, weißt du das?«, hauchte Darken.
Sirona legte ihre Stirn auf seine Schulter, und er kraulte ihr den Nacken. »Ich mag dieses Gefühl nicht, egal, wie erotisch es mich erscheinen lässt, es ist bitter und schmerzt.«
Darken legte den Arm beschützend um sie und zog sie zu sich heran.
Sirona kuschelte sich ein. »Was ist damals mit ihr geschehen?«
»Ihr Blut entzündete sich und sie erlitt Schmerzen. Wir haben es danach noch dreimal versucht, ihr Blut konnte sich aber nie mit meinem vereinigen. Ich habe es später noch zweimal bei willkürlichen Frauen gegen deren Willen ausprobiert, um meinen Verdacht zu bestätigen. Ich kann keine Frauen unsterblich werden lassen.«
Sirona spürte, wie Tränen in ihr aufstiegen. Es gab also keine Möglichkeit, ewig mit Darken zu leben? Leise und still ließ sie ihren Tränen freien Lauf und murmelte: »Es tut mir so leid, ich habe so eine Angst vor den Schmerzen, die ich dir zufügen werde, wenn ich gehen und dich wieder zurücklassen muss. Es ist so grausam. Ich will nicht, dass du leidest. Darken, ich möchte so viel wissen. Was ist damals genau passiert? Ich möchte zurück in die Galerie, ich möchte die Bilder berühren. Ich will wissen, wer ich war, jedes Mal, wenn du mich in einem neuen Körper fandest. Und ich will wissen, wie du durch die Zeit gekommen bist.«
Sirona spürte, wie Darken sich versteifte. »Sirona, bitte warte noch, gehe nicht allein in die Galerie. Deine Stärke, deine Sicherheit wächst zwar von Tag zu Tag, aber du bist noch so verletzlich, ich will dich nicht verlieren.« Er schob sie von sich und schaute sie ernst an. »Versprich mir, dass du keines der Bilder berührst, bevor du nicht bereit bist und ich bei dir bin!«
Sirona spürte genau, dass es ihm hier nicht um Machtspiele ging, es war ernsthafte Sorge, die sich in seinen Augen spiegelte.
»Ich verspreche, dass ich noch etwas warten werde, und ich verspreche, dass ich sie nicht ohne dich berühren werde. Aber ich möchte freien Zutritt, ich möchte sie mir anschauen. Ich werde genügend Abstand einhalten.«
Darken nickte.
Die Sonne war mittlerweile untergegangen, und es wurde kühl, und so zogen sie sich zurück in den Salon, bis Aluinn ihnen mitteilte, dass das Essen serviert sei. Sie aßen, und Sirona erzählte Darken von ihrer Tochter, von ihren schulischen Erfolgen und Misserfolgen, wie sie damit umging und wie ihre Pläne für sie waren. Sie erzählte von Kims Unlust, Klavier zu üben, und ihrer Vorliebe für Musicals. Sie verschwieg auch nicht, wie Kim versuchte, gleichzeitig die Herzen mehrerer Jungs zu erobern und wie frech sie oft ihrer Mutter gegenüber war.
Darken schien jede Information über Kim aufzusaugen und so etwas wie Stolz zu verspüren. Er war noch nie ein Vater gewesen, hatte nie ein Kind gezeugt oder ein Baby im Arm gehalten. Sirona musste ihm die Gefühle genauestens beschreiben, die sie hatte, als Kim so frisch und verletzlich in ihren Armen lag. Darken war offensichtlich froh, dass der genetische Vater ihres Kindes nie sonderlich an den Geschehnissen in Kims Leben teilgenommen hatte, und Sirona spürte, dass sie darüber ebenfalls erleichtert war. So musste sie nicht befürchten, dass Darken eifersüchtig auf ihn sein könnte. Sirona erzählte ihm auch von Mabon, ihrem ungeborenen Sohn, wie sie ihn in Rom bei ihrer ersten Geistreise endlich gefunden hatte, aber sie verschwieg, wie sie ihn zuvor verloren hatte. Irgendwann brach sie ihren Bericht darüber ab, mit dem Versprechen, ihm alles genauer zu erzählen, wenn sie dazu bereit wäre, aber nicht heute.
»Darken, es ist schon spät, morgen muss ich gehen und ich will die letzte Nacht nicht mit dir in diesem Esszimmer verbringen«, schmunzelte sie und stand auf. Sie griff nach seiner Hand und zog ihn vom Sofa hoch. Gemeinsam gingen sie die Treppe hinauf in das Schlafzimmer.
»Mit welchem Auto soll ich morgen zurückfahren?«, fragte sie abrupt.
Darken antwortete nicht, sondern griff zum Hörer und sprach leise mit Aluinn, dann legte er auf. Sirona fragte nicht. Egal, was er veranlasst hatte, es würde gut sein.
Sie drehte sich zu ihrem Schwert an der Wand um, das wieder neben dem von Darken hing. Sie nahm es aus seinem Halfter und legte den Griff auf den von Darkens Schwert. Beide Griffe begannen sofort zu leuchten.
»Das ist wahre Magie«, flüsterte sie.
Er nahm sie von hinten in den Arm und drückte sie. »Ja, wahre Magie, deine Magie, deine Weißmagie.« Sie legte das Schwert zurück. »Aluinn wird versuchen, für morgen einen Flug für dich zu bekommen, das wäre der sicherste und schnellste Weg. Taamin könnte dich dann vom Flughafen abholen. Wenn es keinen Flug gibt, dann kannst du dir einen Wagen aus der Garage nehmen, die gehören jetzt auch alle dir.«
»Wagen? Wie viele hast du denn?«
»Ich weiß es nicht genau, irgendwann habe ich aufgehört zu zählen.«
Sirona schnaubte. »Ich glaube, ich nehme einen der Wagen!«
»Nur wenn es keinen Flug gibt. Ich sehe dich lieber im Flugzeug als allein auf der Autobahn.« Sein Ton ließ keinen Widerspruch zu, aber heimlich, wirklich ganz heimlich hoffte Sirona, dass Aluinn keinen Platz in irgendeinem Flieger für sie bekommen würde.
Sie entkleideten sich. Darken trug Sirona ins Bett und legte sie vorsichtig auf die rechte Seite. Dann legte er sich neben sie, und sie betteten ihre Köpfe beide auf einem Kissen. Sie drehten sich zueinander und sahen sich lange in die Augen, als wollten sie beide mit Gewalt dieses Bild in ihr Gedächtnis einbrennen. Sie wussten, dass sich morgen ihre Wege trennen würden, nicht lange, aber für sie zu lange.
Darken rutschte etwas näher und küsste sie, dann zog er sie ganz zu sich und liebkoste ihr Gesicht. Sironas Sternennetz leuchtete auf, nicht so stark wie in den Nächten zuvor, dafür strahlte es aber kontinuierlicher. Sie liebten sich zärtlich, ohne Gier, aber mit einer Leidenschaft, die einfach nicht enden wollte. Schließlich zog er sich früher zurück als sonst, Sirona wusste, er wollte, dass sie ausgeschlafen erwachte, dass sie stark und kraftvoll war, denn der Abschied würde beiden schwer genug fallen.
Sirona hatte Glück, es gab keinen Direktflug nach Paderborn. Nach dem Frühstück konnte sie Darken überreden, mit ihr in die Garage zu gehen. Das Tor fuhr hoch, die Neonbeleuchtung flammte automatisch auf.
Sirona verschlug es den Atem. Den Mercedes und den BMW Z4 erkannte sie sofort, den Hummer, den Porsche 911 und den Porsche Panamera Turbo auch. Selbst ihr Traumauto, der C 70, stand etwas weiter hinten, neben einem schwarzen Ferrari und einem schwarzen Lotus. Aber bei den andern musste sie etwas näher herangehen. Sie las Borgward und Maybach. Verzückt strich sie einem schwarzen Mercedes über die Haube. »Ein SLS, 571 PS, er wurde 2009 das erste Mal auf der IAA vorgestellt«, hörte sie Darken sagen.
Sironas Interesse galt jedoch inzwischen einem etwas nostalgisch wirkenden silbernen Cabrio mit rotem Dach. Darken war ihr gefolgt. Er genoss offensichtlich ihre Begeisterung. »Wiesemann, ein MF4 Roadster 321 PS«, flüsterte er ihr ins Ohr.
Sie drehte sich staunend um. »Sag mal, kommst du öfters hierher, um mit ihnen zu spielen? Sagtest du nicht mal was von Anonymität und Unauffälligkeit? Oder war es Taamin, der mir etwas von Diskretion erzählt hat?«
Darkens Grinsen spiegelte seinen Sammlerstolz, und sie sah, wie seine Brust anschwoll, er war halt doch nur ein Mann. Sie sah ihn herausfordernd an. »Jeden Herzenswunsch hast du gesagt, nicht wahr?«
Sie steuerte auf den schwarzen Ferrari zu und spürte, wie eine Welle von Angst auf sie zurollte. Sie drehte sich um, stemmte die Hände in die Hüften und wollte gerade loswettern, als sie seine Augen sah. Es war nicht die Angst um den Wagen, die ihr entgegenschlug. Er hatte Angst um sie, Angst, dass sie sich von der hohen PS-Zahl verführen lassen würde.
Sie ging zu ihm, legte ihre Arme um seinen Hals.
Er flüsterte leise: »Verzeih, aber du bist nicht unsterblich.«
Sie holte tief Luft und antwortete: »Ich würde gern mit dem ICE fahren, es gibt sicher eine Verbindung von Dresden nach Lippstadt, dann kann ich die Augen schließen und von dir träumen.«
Sein Körper entspannte sich augenblicklich, und er drückte sie fest an sich, dann küsste er sie lange und intensiv. Sie verließen schließlich die Garage und gingen zurück in die Halle, durch einen unterirdischen Gang, der beides miteinander verband.
Aluinn reservierte ihr schließlich einen Platz im ICE um 12:54 über Erfurt, sie würde um 18:24 in Lippstadt ankommen. Mit dem Wagen wäre sie nicht wesentlich schneller gewesen.
»Darken, ich möchte mich hier auf Castello Del Guardiano Della Spada von dir verabschieden, ich möchte, dass Aluinn mich zum Zug fährt. Ich kann mich nicht von dir am Bahnhof verabschieden. Es wird mir schon hier schwer genug fallen und ich will tapfer sein. Bitte lass uns ganz schnell die Tür schließen, wenn ich das Haus verlasse, ich werde mich nicht umdrehen. Es würde mir die Luft nehmen, wenn ich dich sehen würde, wie du mir nachsiehst. Ich weiß, das ist alles kindisch und so gar nicht meine Art, aber ich merke, wie ich jetzt schon nervös werde, obwohl ich noch eine Stunde Zeit habe.«
Darken drückte sie kurz, drehte sich dann um, ging zur Küchentür und bat Aluinn, den Koffer jetzt schon zum Wagen zu bringen. Es war ein Trolley im Miniformat, den sie leicht in der Hand tragen konnte, wenn sie am Bahnhof umsteigen musste. Was hätte sie auch schon groß mitnehmen sollen, sie würde ja bald wieder hier auf Castello Del Guardiano Della Spada sein.
Darken kam zu ihr zurück, nahm sie ohne Vorwarnung auf den Arm und trug sie in den Salon, dann legte er sich mit ihr auf das Sofa am Kamin und hielt sie einfach nur fest. Sie sprachen nicht, sie hielten sich im Arm, die Augen geschlossen. Als es eine Stunde später leise an der Tür klopfte, erschraken sie beide. War es schon so weit?
Sirona löste sich aus der Umarmung. Als Darken sich ebenfalls aufsetzen wollte, drückte sie ihn nieder. »Bitte bleib hier, steh nicht auf, komm nicht mit.«
Sie beugte sich zu ihm hinunter und küsste ihn auf den Mund, auf die Augen und dann wieder auf den Mund. Dann richtete sie sich auf, drückte den Rücken durch, drehte sich um und ging zur Tür.
Sie sah nicht zurück, sondern verließ das Haus und stieg in den Mercedes. Hinter seinen getönten Scheiben ließ sie ihren Tränen stumm freien Lauf, aber nur kurz, sie konnte sich nicht gehenlassen, denn sonst hätte sie die Kontrolle über sich verloren und vielleicht nicht wiedergewonnen.
Aluinn fuhr schweigend an. Neben ihr lagen ihre Handtasche und das Etui ihrer Sonnenbrille, die sie jetzt aufsetzte. Wenn er nicht an die Handtasche gedacht hätte, sie wäre ohne sie gefahren.
