Das alte Bernau bei Berlin -  - E-Book

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Beschreibung

- Geschichte Bernaus in sieben Jahrhunderten - - Die erste Stadtbesiedlung - - Die Kalandsbrüder - - Die Hussiten - - Die Reformationszeit - - Der 30jährige Krieg - - Dem Zeitalter des alten Fritz - - Der Freiheitskriege - - Die Eisenbahn - - Die Marienkirche - - Die Stadtbefestigung - - Bernau als Bierstadt - - Eine Stadtführung - - und vieles mehr - - mit vielen Bildern und Darstellungen, sowie einem historischen Stadtplan -

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Seitenzahl: 120

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Heraldische Beschreibung Des Wappens der Stadt Bernau in der Mark

in der Sprachform der Zeit um 1616

(Ältester Siegelring der Stadt mit Wappen)

Blasonierung eynes P. P. der hochlöblichen Stadt Bernau in der Mark. Nemlich eyn silberner Schild, darinnen ein natürlicher Eichenbaum, vor dem eyn rechts gewendeter brauner Bär schreitet und ueber dem ein roter, nach rechts schauender Adler mit ausgebreytetem Flug und roten Waffen herauswachset.

Inhalts-Verzeichnis

Geleitwort

Zueignung

Bernau in sieben Jahrhunderten

Die alte Stadtsiedlung

Die alte Verwaltung, die Gilden

Die Kalandsbrüder

Landbesitz, Brauerei, Befestigung

Die Hussiten vor Bernau

Blütezeit im 15. Jahrhundert

Der 30jährige Krieg

Die Refugiés

Der Chronist Tobias Seiler

Zeitalter des alten Fritz

Bernau um 1800, Städteverordnung

Die Zeit der Freiheitskriege

Die Eisenbahn

Bernau von 1850 – 1900

Die Marienkirche

Die Baugeschichte der Marienkirche

Die Stadtbefestigung vor Bernau

Die Rüstkammer (Hussitenmuseum)

Die katholische Kirche

Bernau im heutigen Kultur- u. Wirtschaftsleben

Bernau als Bierstadt

Rundgang durch die Stadt

Ausflüge in die Umgebung

Bildanhänge aus der 3. Auflage (bis auf Stadtplan)

Geleitwort.

Dieses Büchlein will ein hilfsbereiter Führer durch die Stadt Bernau und ihre Umgebung sein. Es erscheint im Zeichen der gemeinsamen Feier der 500. Wiederkehr des Tages der siegreichen Hussitenschlacht und des 700 jährigen Bestehens der Stadt.

Angelehnt an früher erschienene Führer und an die Stadtchroniken von Seiler und Wernicke, will dieses Werk Junge und Alte, Einheimische und Fremde in herzlicher Freundschaft noch enger mit unserer altehrwürdigen „Hussitenstadt“ verbinden. Es erinnert an die inhalts- und ruhmreiche Vergangenheit der Stadt, an meisterhafte, stilvolle Baukunst, an vorbildlichen Gemeinschaftssinn, hehren Stolz, emsigen Fleiß, trutzige und opferbereite Wehrhaftigkeit der Bürgerschaft. Echte wirtschaftliche Blütezeiten wechseln ab, mit entbehrungsreichem Niedergang und grauenhafter Not. Jedoch spricht aus den Schilderungen und Bildern der zähe und tatkräftige Wille der Bürger zum Wiederaufbau unter der bewährten Führung verantwortungsfreudiger und verdienstvoller Persönlichkeiten. In gedrängter Fülle ziehen die wechselvollen Geschehnisse mehrerer Jahrhunderte vorüber, als kraftvoller Ausdruck eines aufwärtsstrebenden Siedlungsgebietes und eines seine Kräfte erfolgreich einsetzenden Gemeinschaftslebens.

Allen Mitarbeitern, die in liebenswürdiger und uneigennütziger Weise die Herausgabe dieses heimatkundlichen Werkes unterstützen, sei herzlichst gedankt!

Möge dieser „Führer durch Bernau“ die Verbundenheit zwischen der Stadt und ihren alten Freunden stärken, sowie ihr neue Freunde gewinnen! Möge er allen Lesern in den Stunden beschaulicher,

erholungsreicher Muße, oder freudigen Schaffensdranges dauerhafte Werte und anregende Kenntnisse vermitteln, von der Geschichte und den Schönheiten Bernaus, nebst seiner reizvollen Umgebung!

Erfüllt von Achtung und Ehrfurcht vor den guten Kräften und hervorragenden Leistungen einer stolzen Vergangenheit, mit klarem Blick für die Verhältnisse und tatfrohem Willen für die Bedürfnisse der schwierigen Gegenwart, sowie getragen von unerschütterlichem Glauben an eine aufstrebende Entwicklung ihrer Zukunft, tritt die Bürgerschaft Bernaus in das 8. Jahrhundert ihrer Lebens- und Schicksalsgemeinschaft.

Bernau bei Berlin, im Juni 1932.

Zueignung.

Klein ist unter den Städten Germaniens freilich die Meine – Soll ich beginnen, wie einst Goethe sein Weimar besang, Sang seinem Fürsten? Zwar sind die Großen selten geworden, Selten die Stätten, die noch festliche Freude verleihn, Und dem Zweifelnden scheint´s wohl, daß aus den früheren Zeiten Nur das Mäßige blieb, während das Hohe entschwand. Daß nur die Not sich verzehnfacht, und jedes Dunkel von ehmals Wie ein Mahlstrom auf uns, ärmstes Geschlecht, sich ergoß. Aber wir leben. Und ist´s nicht der Wirkung lebendigste Bürgschaft, Wissenden Aug´s die Gefahr messend lebendig zu sein? Aber wir hoffen! Und ist´s nicht der Hoffnung sprudelnste Quelle, Kennen den glücklichen Ahn, stehn über forderndem Land? Wahrlich, so lasset still auf siebenhundert Jahre uns horchen, Staunend die Mauern umgehn, die das Geheimnis bewahrn. Laßt uns wandeln die alten Gassen mit neuem Sinne; Wie uns die Stumpfheit entsinkt, schärft sich uns Wille und Herz. Prüfender spähen wir aus, ein früheres treiben zu fühlen; Menschen erstehn wie wir, streitend und kämpfend beschwingt. Heller hören die Ohren, und da! die alten Gespräche Gehen von Acker und Brot, Arbeit und Liebe und Glück. Hart auf hart steigt Stufe auf Stufe; sie schleppten wie wir auch, Und die mühlose Frucht traf auch dort keinen Mann. Schicksale kamen und brachen die stolz erwachs´nen Geschlechter; Um das Haus rast die Pest, Straßen zerflackern in Glut. Schicksale aber, sie wurden auch klug und wachsam bestanden, Freier atmet das Land, wenn sich Untragbares hob. Und wie weit ihr so rückwärts schreitet, nach vorwärts euch nähert: Alles war Wandlung und Tausch, und man meistert´s zuletzt. „Lebt nicht auch Ihr? Werdet Meister!“ So rufen die alten Gefährten, Stifter des Blutes, das euch trägt. „Leidet und meistert die Not! Meistert euch selbst! Denn dies ist aller Anfang und Ende; Wollt ihr die große Zeit? Werdet ein großes Geschlecht! Ehrt die Vergangenheit! Sie bleibt Nahrung und Mahner; Bildet die Gegenwart! Sie ist euch Pflicht und Besitz! Liebt die Zukunft! Ihr ahnt das Reich eurer Kinder und Enkel; Recket die Schultern an! Baut eure Kinder ins Licht!“ Hört ihr sie, Freunde? Und lebt ihr? Wir leben! Vergangnes und Künft´ges bannt uns, zwingt uns zum Pflug; Licht quillt zur Seite uns auf.

Hoffnung, Hoffnung! Wo ist das Dunkel, daß wir´s bestreiten? Neu besonnt glänzt das Land, wenn wir´s als Erben begrüßt!

Und nun gehen wir die grünen Alleen, die früchtebeworfnen, Biegen das Korn mit der Hand, wie sich´s uns traulich erhebt. Spüren die sandigen Wege, die sonnigen, und in des nahen Waldes Schatten zu stehn, heißt uns die Andacht und Lust. Aber wo immer wir wandeln, uns leuchten die alten Türme, Ruft zu lebendiger Tat, einendem Werk unsre Stadt! Ja, wir sind dir verbunden! Und tiefer schließen und fester Die Erwachten sich neu in deinen treibenden Gang, Schließen die Kette enger, die Hände freier zusammen, Einer Heimat verschworn, einem Lande getreu. Sieh, nun wächst Größe wieder, die Enge weitet und dehnt sich, Not gewinnt Flügel, und da: Auch der Mahlstrom verrinnt! Froh tönt das Lied: Genügsam sind wir und freuen Uns unseres kleinen Reviers! – Rühm´ dann der Dichter auch uns: Seht sie! So wende nach innen, so wende nach außen die Kräfte Jeder, da wird´s noch ein Fest, Deutscher mit Deutschen zu sein!

Fischblasenfries an der Südfront der St. Marienkirche.

Bernau in sieben Jahrhunderten

Gründung der Stadt. Schon in grauer Vorzeit bestand in unserer Gegend eine uralte Siedlung der Germanen. Beweise hierfür liefern uns die Funde aus der Bronzezeit: Gefäße der Lausitzer Periode, Äxte, Fibeln und andere Schmuckgegenstände, die auf dem Werder und an den Ufern des Liepnitzsees aufgefunden worden sind. Das altgermanische Bernau, ein zeitliches Gegenstück zum Bronzedorf von Buch, südlich unserer Gemarkung, lag auf der diluvialen Bodenschwelle (Mühlenberg) im Nordwesten der heutigen Stadt mitten in Laubwäldern. Der Name dieser, durch Rodung gewonnenen Siedlung, könnte vom alt-hochdeutschen bernen (brennen) hergeleitet werden. Als die Germanen von den Slawen verdrängt wurden, entstand am Nordrande des Panketals ein wendisches Dorf. Daher leiten heute manche Forscher den Namen Bernow aus dem wendischen Brno (Sumpf) her. Dies ansehnliche Dorf Bernow, oder Bernaw hatte im 11. und 12. Jahrhundert regen Marktverkehr und weitreichende Handelsbeziehungen. Darauf weist die Gründungssage unserer Stadt durch Albrecht den Bären im Jahre 1141 hin.

Der Askanier soll um 1139 bei einer Jagd, in dem Waldkrug (heute Schuhknechtsches Haus: Ecke Kronen und Königstraße) eingekehrt sein. Das dort geschenkte Bier habe ihm so trefflich geschmeckt, daß er beschloß, an besagter Stelle eine Stadt zu gründen. In dem Gedicht des ehemaligen Bernauer Künstlers A. Ewald ist diese Gründungssage noch weiter ausgemalt:

„So legt Albertus ursus, Der treulich war bemüht, Daß Handel und Gewerbe In seinen Marken blüht, Am klaren Bach der Panke Auf dieser, Bären-Au‘ Den Grund zu einem Städtchen Des Namen ist Bernau.“

St. Georgenhospital

Nach neueren Forschungen ist unsere Gemarkung aber erst nach 1225 aus wendischer Herrschaft und wahrscheinlicher Lehnshoheit der pommerschen Herzöge an die Askanier Johann I. und Otto III. gelangt. Da nach Eroberung, auch des südlichen Barnim, die am Nordrande zum Schutz gegen die Slawen angelegten Burgen und Schlösser (Oderberg, Angermünde, Eberswalde, seit 1220 auch Biesenthal), keine ausreichende Sicherung für das neueroberte und kolonisierte Land gewährten, so lag es im Interesse der Askanier, feste Städte zu gründen, oder vorhandene deutsche und wendische Dörfer zu solchen auszubauen, zumal diese auch durch ihre Abgaben dazu beitrugen, die vielen Kriege der Askanier zu finanzieren. So wurde das Dorf Bernaw durch Johann und Otto 1232 mit dem Stadtrecht begabt, also schon früher, als die Nachbarstadt Berlin.

Nach Spandowschen, d. h. brandenburgischem Stadtrecht, richtete der Landesherr die neue Stadt Bernaw ein, indem er einen Lehnschulzen, der dann zum Stadtschultheiß ernannt wurde, ermächtigte, zu der schon bestehenden Siedlung neues Land hinzuzukaufen. Er mußte die Verpflichtung übernehmen, von den neu hinzuziehenden Kolonisten gewisse Abgaben zu erheben, die sie vor der Stadtgründung dem Landesherrn (das waren die Zinsen), oder an den Bischof von Brandenburg (die Zehnten) zahlten, zu dessen Diözese Bernau, wie alle Gebiete bis zur Oder, gehörte. Aus dieser Zeit stammt wahrscheinlich auch der älteste Bau der Marienkirche. Auf den Straßen, an den Grenzen der Stadt, wurden Zölle für den Landesherrn erhoben. Noch jetzt stehen an der Börnicker Grenze, im Osten der Stadt und an der Nordgrenze des Nachbardorfes Ladeburg, solche Zollhäuser aus früherer Zeit. In den Notzeiten erhielten die Städte die niedere Gerichtsbarkeit, als Privileg, übertragen.

Die alte Stadtbesiedlung. In der Stadt wohnten neben den Bürgern, die Landwirtschaft, oder ein Gewerbe betrieben, mehrere markgräfliche Beamte, wie der Heidereuter, der die Waldungen beaufsichtigte, der Münzmeister und der Mühlenmeister. Urkunden und sonstige Zeugnisse aus jenen Tagen sind wahrscheinlich mit anderen Dokumenten der Stadt, durch die großen Brände der Jahre 1406 und 1483 vernichtet worden. Auf wirtschaftlicher Grundlage setzte nach Verleihung der Stadtrechte in Bernau eine starke Neubesiedlung ein; deutsche und slawische Bevölkerung vermischte sich. Das eine Meile entfernt gelegene Dorf Lüpenitz, zwischen dem See gleichen Namens und der Vorderheide, hat wohl mindestens bis zur historischen Stadtgründung bestanden, ja annähernd solange, wie das auf der heutigen Feldmark Bernaus gelegene Dorf Smetzdorp und das zwischen Börnicke und, Birkholz, Schwanebeck und Zepernick, ehemals befindliche Dorf Lindow, deren Namen uns in heutigen Flurbezeichnungen erhalten sind und deren Gemarkung, wie Woltersdorp, nördlich Ladeburg, erst im 17. Jahrhundert durch Zerstörung wüst wurden. Während deutsche und slawische Dörfer auf dem Sande (dem Diluvialboden) gebaut, d. h. den zwischen dem Wasserturm und dem Marktplatz gelegenen höheren Stadtteil bewohnt hatten, wurden von den jüngeren Städtern die sumpfigen Niederungen zwischen dem Markt und den Angerwiesen im Osten der Stadt trocken gelegt und besiedelt. Statt der Feldsteine nahm man nunmehr Ziegel (Backsteine) zum Bau der Häuser. Um 1200 lag der Ort noch zwischen Wald und Wasser und war von Holzungen, Teichen, Bächen und Heide umgeben. Aus der Heide führte die Straße durch die „Landwehr“, einen Wall mit Graben. Vor dem Wall befanden sich Pallisaden, d. h. Bretterzäune. Zwei Jahrzehnte aber nach der Stadtgründung ragen über die Baumwipfel des Waldes bereits einzelne Wachtürme und schmucklose Steinbauten, während die älteren Bauten ausschließlich aus Holz waren.

Die alte Verwaltung der Stadt. Die Verwaltung der Stadt leitete in der ersten Zeit der Rat, der durch den Landesherrn und den Schulzen erwählt wurde. Seiler sagt Seite 43 seiner Chronik über den Rat: „Der Rat besteht aus 16 Personen: 4 Bürgermeistern (2 regierende und 2 beratende), 2 Richtern, 2 Kämmerern, 8 Ratsherren, oder Ratsverwandten (in den Urkunden werden sie consules genannt) und 1 Stadtsekretär.“ Seit dem 15. Jahrhundert stand an der Spitze der städtischen Verwaltung ein Bürgermeister, ihm war ein Stellvertreter, oder zweiter Bürgermeister beigeordnet (später Beigeordneter genannt). Der ausscheidende Rat legte dem neugewählten Rechnung, übergab ihm das Stadtvermögen und gab den Bericht über die Lage der städtischen Angelegenheiten. Die Gerichtssitzungen wurden bis ins 19. Jahrhundert im Rathaus abgehalten. Als Strafen wurde verhängt: Verlust eines Ohrs, eines Fingers, oder einer Hand. Die christlichen Bürger durften bei schwerer Strafe kein Geld auf Zinsen ausleihen, wohl aber durften die Juden Geld-, oder Pfandgeschäfte betreiben. Sie konnten auch das Bürgerrecht und eigene Häuser erwerben, mußten aber besondere Kleidung und Abzeichen tragen. Eine Zeitlang beanspruchten die reichen Grundbesitzer, Kaufleute, Gewandschneider und Tuchhändler das Vorrecht, in den Rat gewählt zu werden, für sich allein, während die meisten Handwerker und Ackerbürger zu den Armen gehörten.

Die Gilden. Mit dem Aufblühen der Stadt aber hob sich das Ansehen der Handwerker. Sie vereinigten sich zu Gilden, Gewerken, oder Innungen, die der Ratskontrolle unterstanden. Die bedeutendsten Gilden wurden die Fleischer, Bäcker, Schuster und Wollenweber. Bald beanspruchten diese die Ratsposten für sich und beherrschten häufig den Rat. Während sonst nur die großen Städte das Niederschlagsrecht für gewisse Durchgangswaren hatten, erhielt es Bernau schon im 14. Jahrhundert. Eine alte Handelsstraße führte von Berlin, entlang der Panke, nach Oderberg und Stettin. Namentlich der Wollhandelstand hier im 13. Und 14. Jahrhundert in großer Blüte, da rege Schafzucht betrieben wurde. Hatten die Bewohner des Rundlings (um die Marienkirche herum) sich hauptsächlich von Ackerbau und Viehzucht ernährt, so entstand in der angrenzenden germanischen Straßensiedlung durch den Mauerwall geschützt, ein Nährzweig nach dem andern. Während an der Nordseite der Stadt sich eine dreifache Anlage von Wall und Graben befand, war an der Südseite ein geringerer künstlicher Schutz notwendig, da dort ein ausgedehntes sumpfiges Terrain schon vor einem Überfall schützte.

Welche von den bereits erwähnten Gilden in Bernau zuerst entstanden ist, ist aus den Urkunden nicht zu ermitteln. Es ist aber anzunehmen, daß die der Wollenweber (Tuchmacher) und Gewandschneider zuerst zu großem Ansehen gelangten. Stiftete dieses Gewerk doch das St. Georgenhospital vor dem Mühlentor im Jahre 1328, wie aus den alten Hospitalakten hervorgeht. Als Stiftungstag wählte man den Georgstag, den 2. Montag nach Ostern. Auch die Ackerbürger bildeten eine besondere Gilde, die ein Acker-, oder Flurgericht, die Wröhe, einrichtete. Diese, aus drei Wröheherren bestehend, führte die Aufsicht über die Feldmark, besonders streng z. Zt. des Flurzwangs und der Drei-Felderwirtschaft, wo alljährlich durch Toranschlag bekannt gegeben wurde, auf welchen Brachflächen gepflügt werden sollte. Neben den Gewerks- und Ackergilden bestand in Bernau eine Schützengilde, die zuerst im Jahre 1418 erwähnt wird.

Die Kalandsbrüder. Aus den Jahren 1345-47 haben wir 2 Urkunden (Bestätigung des Probstes Gerwinus). Die Erste handelt von dem durch die hiesige Kalandgilde in der Katharinenkirche (Marien