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Fast 30 Jahre nach seiner Reise 1988/89 (40.000 Meilen von Alaska bis Guatemala mit einem selbst ausgebauten Bäckerei-Lieferwagen) kommt das Buch "Das Bäckerauto" von Hartmut Roderfeld in die Buchläden. Aktuelle Reiseführer gibt es zu Hauf und morgen sind sie überholt und nicht mehr aktuell. Aber dieses Buch ist eben kein Reiseführer, sondern macht neugierig auf diese Länder, die unglaubliche Natur und die Menschen dort, damals wie heute. Es macht einfach Spaß, es zu lesen. Interessant sind auch die rund 13 Seiten Kostenbuch, auf denen man nachsehen kann, was diese Fahrt an Ausgaben und Einnahmen bedeutete - richtig spannend, wenn man die heutigen Preise gegenrechnet. Fotos runden das Buch ab. Hartmut und Barbara haben ihre Wohnung in Hamburg aufgegeben, die guten Arbeitsstellen gekündigt, sind mit einem Frachtschiff nach USA geschippert, haben einen alten Bäcker-wagen gekauft, ihn selbst zum Wohnmobil ausgebaut und sind dann zwei Jahre über 40.000 Meilen von Alaska bis Guatemala und Belize gefahren - davon erzählt dieses Buch. Das war 1988/89, zu einer Zeit, als man seine Briefe noch „postlagernd“ abholte, Handys unbekannt waren und es kein weltweites Internet gab. Man postete nicht jedem wo man gerade war, sondern schrieb noch Tagebuch in einem kleinen Heft. Über seine Kosten führte man per Hand Buch, um die Übersicht nicht zu verlieren und Reiseführer und Informationen waren aus Papier. Menschen lerne man persönlich kennen, indem man sie besuchte (Servas) und zur nächsten Werkstatt musste man sich durchfragen. Dies war eine ganz private und persönliche Reise ohne „Publikum“. Erst jetzt, wo Hartmut genug Zeit hat, schreibt er dieses Buch und, wie er sagt, alles ist wieder so präsent, als wäre es gestern gewesen. Es soll Mut machen, seine Träume zu verwirklichen. Reisen sind Erfahrungen, die einem keiner mehr wegnehmen kann.
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Seitenzahl: 428
Veröffentlichungsjahr: 2017
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40.000 Meilen oder zwei Jahre
durch Nord- und Mittelamerika
(USA, Kanada, Mexiko, Belize, Guatemala)
mit dem Wohnmobil
1988/89
Nun erst recht
Amerika wir kommen
Wie wollen wir wohnen?
Es geht los
Unfreiwilliger Aufenthalt
Mücken und Alligatoren
On the road again
Mardi Gras“ in New Orleans
Don`t mess with Texas
Hier sollen Indianer sein
Die Straße der Nationalparks
Vor Farmern, Indianerkriegen und Geysiren
Das Treffen im freien Raum
Kanada, was bietest du?
Cowboys in Action
Der Ruf der Wildnis
The last Frontier
Natur pur
Lachszeit
Back in the USA
Unter Baumriesen
Wieder zu zweit
The second year
Stachlige Angelegenheiten
Spanisch müsste man können
Die Farben des Regenbogens
Schon mal von Belize gehört?
Promille Pflicht
Natur und Kultur
Wieder unter Stars and Stripes
Musik, Whiskey und Schlachten
Fracht nach Deutschland
Fast wie Europa
Noch einmal Kanada
Wieder südwärts
Der Kreis hat sich geschlossen
Kostenbuch
Fotos
Uns ist es eigentlich schon lange klar gewesen, dass wir es machen werden.
Irgendwann, wenn die Zeit günstig ist. Bloß wann ist das?
Irgendetwas stimmt doch immer nicht.
Beruf, große Wohnung und- oder was.
Also legen wir den Termin nach vielen Überlegungen fest. Herbst 1987.
Punktum.
Es nimmt uns sowieso keiner ernst.
Also jetzt erst recht.
Bücher lesen. Von den Erfahrungen anderer profitieren, die nachher doch nicht stimmen.
Autos ansehen, die ein gemütliches Wohnmobil werden sollen.
Oder kauft man das Auto dort?
Was sagen die Fachleute?
Ist es nicht schön, zu jeder Frage bekommt man die Antwort. Subjektiv, auf die persönlichen Belange abgestimmt. Nicht übertragbar.
Oder doch?
Oder vielleicht? Oder auch nicht?
Und überhaupt.
Jedenfalls stapelt sich bald die Lektüre.
Um einen Eindruck zu bekommen, suchen wir nach Fotos die Orte raus, die schön sind und wo man hin müsste.
Einfach schmökern, Lust bekommen und Tipps sammeln.
Die Entscheidung kann einem niemand abnehmen.
Auf die Nase fallen gehört dazu.
Neben Routenvorschlägen, Reisebeschreibungen und Einreisebestimmungen wälzen wir Flugpläne, Schiffspläne, Klimatabellen und was sonst noch alles.
Aber klar ist uns dann eigentlich nur, dass wir mit dem Schiff fahren wollen und damit unsere Reise an der Ostküste starten.
Mit dem Schiff deshalb, um nach dem ganzen Stress der Vorbereitungen abzuschalten und in aller Ruhe zu beginnen.
Zeit haben wir ja. Ein Jahr oder mehr?
Oder solange, wie das Geld reicht.
Es ist entschieden, dass wir unseren Wagen im Land des Automobils kaufen.
Amerika, wir kommen.
Wir haben einen Frachter gefunden, der Passagiere mitnimmt, von Delfzijl/ Holland nach Georgia/ USA.
Wir besitzen ein Journalistenvisum mit unbegrenztem Aufenthalt, wir haben unsere Wohnung aufgelöst, wir haben die Möbel untergestellt, wir haben einige Flohmärkte hinter uns und Sachen verkauft.
Es ist schon erstaunlich, was alles so in einer Wohnung rumsteht, überflüssig und scheinbar doch unverzichtbar und plötzlich auf dem Flohmarkt noch Geld bringt.
Unsere Freunde glauben jetzt auch, dass wir losfahren werden.
Eigentlich sind sie der Meinung, so was sollten sie auch machen, aber...... der Job, die Wohnung, die Karriere, die Kinder, die Familie, das Geld,...und was kommt danach?
Zahlt das Arbeitsamt noch hinterher? Was ist mit den Versicherungen? Was ist mit der Post und der Bank?
Fragen, die wir für uns gelöst haben.
Die lösbar sind.
Ausreden vor sich selbst.
Aber warum? Was treibt uns?
Fragen, die wir nicht genau beantworten können.
Die ich auch heute noch nicht beantworten kann.
Ich weiß nur, dass es richtig war.
Die letzte Abschiedsfete in unserer leeren Wohnung hat stattgefunden.
Eine Schlacht mit den letzten Kissen, Musik und Tanz.
Um zwei Uhr nachts kommt die Mieterin aus der Wohnung unter uns nach oben.
Sie hätte nichts gegen den Krach, aber jetzt habe sie doch Angst, der Kronleuchter schwanke.
Am Morgen ziehen wir mit unseren Koffern zu Freunden.
Unsere letzte Nacht in Hamburg.
(6.11.87) N 51°11`07`` - 01°39`45``, das heißt, wir sind in der Straße von Dover.
Die Abfahrt der "Patty" hätten wir fast nicht mitbekommen.
Den ganzen Tag wird sie mit Kaolin beladen, die Maschinen brummten und so gehen wir nur gegen 19.00 Uhr zufällig von unserer Kabine an Deck, als die Leinen losgeworfen werden und der Schlepper anzieht.
Es ist ein schönes Bild, langsam an den beleuchteten Raffinerien und Fabriken von Delfzijl, überdimensionalen Christbäumen gleich, vorbeizufahren.
Die Leuchtbojen und Feuer blinken zum Abschied rot, grün und weiß.
Es geht also los.
Eine Freundin hat uns am Morgen mit ihrem Auto nach Holland gefahren, der kleine Wagen war bis unters Dach voll, vom Campingkocher den wir haben, bis zu einer Werkzeugkiste.
Mit dem Flugzeug wäre das teuer geworden.
An Bord begrüßt uns der Kapitän herzlich und weist uns unsere Kabine zu.
Wir sind mit noch einem älteren Herrn die einzigen Passagiere. Ausnahme, denn die Heißwasseranlage der "Patty" soll während der Fahrt repariert werden und es sind keine Passagiere vorgesehen.
Wir haben Glück.
Erstes sind wir doch an Bord und zweitens fällt das Wasser nie aus.
Beim Frühstück am nächsten Morgen lernen wir unseren Mitpassagier kennen, einen pensionierten Pfarrer, und mit einem Reederei-Obermufti verwandt.
Daher ist er an Bord, kostenlos, nicht zum ersten Mal, und von der Crew nicht geliebt, da er als "Spion" der Reederei über alle Vorkommnisse berichtet, oder auch nicht. Aber abgesehen von seinem Betfimmel ist er nett und wenn das nicht uninteressante Dauergerede zu viel wird, kann man sich ja absetzen Da wir nur drei Passagiere sind, sitzen wir beim Essen mit dem Kapitän und den Offizieren am Tisch.
Die Mannschaft hat ihren eigenen Raum.
Wir unterhalten uns in Englisch, da die gesamte Crew aus Jugoslawen besteht.
Außerdem hat es den Vorteil, dass unser Pfarrer nicht alles mitbekommt, was noch viel Spaß bringen soll.
Zum Beispiel seine Sonntagspredigt, die er für sein und aller Seelenheil halten will. Natürlich morgens auf der Brücke und für die Mannschaft per Kabinenlautsprecher übertragen.
So steht er denn dort, mit dem Mikrophon in der Hand, betet und singt Choräle und ist glücklich.
Nicht so glücklich ist sicher die Wache auf der Brücke.
Aber glücklich sind alle anderen in ihren Quartieren.
Als verantwortungsvoller Kapitän hat Igor zwar jeden informiert, aber die Lautsprecher im Schiff nicht eingeschaltet.
Selbstverständlich, dass sich zumindest die Offiziere hinterher für den schönen Gottesdienst bei Opa bedanken.
Alle sind zufrieden.
Wir halten uns sehr viel auf der Brücke auf, klönen, lassen uns alles erklären und passen auf, dass man auch alles ordentlich macht, um uns sicher nach USA zu bringen.
Im Übrigen müssen wir jeden zweiten Tag unsere Uhren um eine Stunde zurückstellen.
Wir passen uns ganz dem Bordleben an.
Wir sind jetzt auf dem Atlantik, das Schiff schwankt ein wenig, die See ist aber nahezu spiegelglatt.
Das Essen ist mir zu reichlich und ich bitte um halbe Portionen, was auch klappt.
8 Uhr Frühstück, dann Kontrollgang auf die Brücke, 12 Uhr Mittagessen, wieder Kontrollgang, Mittagsschlaf, Kontrollgang, 17.30 Uhr dann Abendessen, eventuell Video und dann nach einem anstrengenden Tag ins Bett.
Gelegentlich ersetzen wir den einen oder anderen Part durch Spiele im Aufenthaltsraum oder durch Lesen.
Jedenfalls haben wir uns genau so eine gemütliche Schiffsreise vorgestellt.
Außerdem gibt es zollfrei Zigaretten und Wein und Slibowitz.
Heute ist richtig was los.
Es fängt damit an, dass das Frühstück teilweise vom Tisch fliegt.
Wir haben schweren Seegang, dabei aber herrlichen Sonnenschein.
Die Wellen sind Ausläufer eines Sturms weiter nördlich.
Unsere "Patty" taucht öfter so stark vorne unter, dass die Schiffsschraube freikommt. Es pfeift dann ganz schrill und Igor erzählt uns, dass in diesem Fall automatisch der Motor auskuppelt, um nicht zu überdrehen, wenn die Schraube keinen Wasserwiderstand mehr habe.
Beim Mittagessen gießt sich Opa seine Suppe über die Hose und das Weinglas des 2 Offiziers landet beim 1 Offizier.
Babs bekommt keinen Slibowitz mehr, sie torkelt schon durch die Gegend.
Zum Glück erweisen wir zwei uns als seefest und genießen die Schaukelei, besonders auf der Brücke, zwischen Ruder und Bord festgeklemmt.
N 36°01`46``- W 57°49`23``, 380 Meilen N von Bermudas.
Heute ist Babs Geburtstag
Die See ist wieder glatt.
Der Tag geht mit Waschen, Klönen, auf der Brücke stehen, ein wenig Lesen viel zu schnell vorbei.
Dann gongt es zum Abend-essen.
Irgendwas muss noch geschehen, alle sind so geheimnisvoll.
Beim Essen vergesse ich das aber wieder.
Es gibt gute jugoslawische Küche, aber die Gänge kommen heute gar nicht so schnell wie sonst?
Und dann bringt der Steward eine riesige Torte herein, mit "Happy Birthday" in weißer Schrift darauf.
Schichten von Schokolade, Creme, Teig und Cognac Mir schießen fast vor Rührung die Tränen in die Augen.
Mit einem großen Messer teile ich die Torte auf und alle lassen sie sich schmecken.
Hartmut hatte das alles mit dem Kapitän besprochen, wie ich später erfahre.
Er spendiert Sekt, Igor die Torte, denn dieser hatte sie schon geordert, da er aus meinem Pass mein Geburtsdatum wusste.
Was ein toller Geburtstag.
Wir passieren den Leuchtturm "Frying pan", bevor wir den Fluss hinauf nach Wilmington/ North Carolina fahren.
Wir sind da.
Land in Sicht.
Der Lotse kommt an Bord und wir schippern noch rund vier Stunden den Fluss hinauf.
Eine flache Landschaft, viele kleine Inselchen, der Fluss still wie ein Spiegel.
Zwei Schlepper bugsieren uns an den Kai.
Unser erster Besucher, der Immigration Officer.
Zuerst wird die Mannschaft abgefertigt, Ausgangserlaubnis.
Dann sind wir dran. Wie lange gültig wird wohl unser Visum gestempelt?
Immerhin haben wir ein Journalistenvisum in Hamburg bekommen.
Bei einem Kaffee mit ihm und dem Kapitän wird erstmal erzählt.
Amerikanische Lässigkeit, die sich auch darin zeigt, dass der Beamte keine Uniform trägt.
"Here are your visas. I don`t care on it anymore. Not my problem anymore soon."
Er geht demnächst in Rente.
Unser Visum gilt jetzt drei Jahre.
Na also.
Wie anders wäre es doch auf einem Flughafen gewesen, in einer Schlange mit 500 anderen genervten Passagieren und unfreundlichen Grenzern?
Der Abend sieht uns in einer Hotelbar in Hafennähe, bevor wir wieder in unserer Koje verschwinden.
Am nächsten Tag unternehmen wir einen ersten amerikanischen Stadtbummel.
Wie schön: breite Straßen, wenig Verkehr, Parkplätze, aber kaum Geschäfte.
Unser erstes großes Abenteuer: Ein Telefonat nach Deutschland per Münzfernsprecher und Telefonfräulein.
Zuerst sechs Dollar einwerfen bitte.
Anschließend ein längerer Plausch, gelegentlich spricht der Operator dazwischen, was ich aber nicht verstehe. Hauptsache wir werden nicht unterbrochen.
Dafür klingelt der Apparat, nachdem das Gespräch zu Ende ist.
Nanu?
Für uns?
Man kann ja mal abheben.
Und siehe da, das Telefonfräulein bittet, noch einmal nachträglich drei Dollar einzuwerfen.
Wir machen das zwar, sind uns aber nicht sicher, ob wir damit nicht zu einer verschwindenden Minderheit gehören; Nämlich genau in Bezug auf Verschwinden.
Wir sehen der Salzentladung auf der Patty zu, wofür ein kleiner Bagger in den Laderaum verholt wurde.
Babs hofft, dass auf dem Salz von ihrem Frühstücksei, vorher kein Raupenschlepper herumgefahren ist.
Zum Abend ein paar oder mehr Bier mit dem Radioofficer von der Patty in der bekannten Hotelbar.
Insgesamt 14 Biere, davon zwei für Babs.
Unser Mitpassagier hat uns verlassen.
Er will erst in Savannah wieder zusteigen und vorher irgendwelche Pfarrer besuchen, bevor er dann wieder mit nach Deutschland fährt.
An einem wunderschönen, zwar kalten aber sonnigen Herbsttag, geht es abends weiter.
Wir sind auf der Brücke und beobachten den Lotsen, wie er unser Schiff führt: Starbord 15, - less five, - 182, - Bord 10, usw.
Wir verfolgen auf der Karte seine Befehle und versuchen, sie vorher zu erraten.
Später erzählt uns der Kapitän, woher die Begriffe Starbord und Bord kommen: Als die alten Engländer mit ihren Segelschiffen England verließen und die afrikanische Küste entlang segelten, waren links die Häfen, also Port. Und rechts die Sterne, also Starbord.
Selbst wenn es nicht stimmt, ist es eine schöne Geschichte.
Endlich werden wir wieder in den Schlaf geschaukelt.
Der Abend sieht uns in Brunswick/ Georgia beim "Käptensdinner", alle in Frack und Fummel, bzw. Uniform.
Der Agent der Patty nebst Ehefrau ist geladen.
Selbst serviert wird von Platten und den Wein gibt es aus Flaschen und nicht den sonst üblichen Karaffen.
Der Inhalt ist auch nicht derselbe.
Wir haben unseren letzten Hafen erreicht: Savannah/Georgia (24.11.1987). Wir mustern ab.
Der Tag hat mit einem unvergleichlichen Sonnenaufgang begonnen, was wir als gutes Ohmen nehmen.
Bis auf die Tatsache, dass mich Babs um sechs Uhr morgens weckt, damit ich ihn auch betrachten kann.
Später sitzen wir mit dem Kapitän in einer Bar mit Blick auf die Patty. "Hier sitze ich gerne, denn ich kann beobachten, ob meine Leute arbeiten".
Hingefahren sind wir mit seinem Auto, das er in Savannah stehen hat.
Wieder kaum Verkehr, keine Geschäfte: Totentanz.
Aber viel Grün neben dem vielen Neon.
Beim Bier unterhalten wir uns über den Beruf des Seemanns: Rostklopfen, Streichen, .....Saubermachen.
Kürzest möglicher Aufenthalt im Hafen - Time is money - Arbeiten für die Frau zu Hause oder den Traum vom eigenen Häuschen, das man drei Monate im Jahr sieht. Stevenson`s Seefahrerromantik, ade.
Wir lassen uns von einem Taxi zum Flughafen bringen, wo wir uns einen Mietwagen besorgen wollen.
Nicht ganz so einfach, denn meist sind die Kofferräume zu klein.
Aber schließlich haben wir doch einen mit allem Schnickschnack, wie es sich für Amerika gehört.
Leider aber ein modernes Auto. Mein Traum von einem Straßenkreuzer muss noch warten.
Und dann zur Bank.
Aber die wollen unser Geld gar nicht.
Es gibt Probleme.
Unsere 25.000 $ sind zwar hierhin überwiesen worden und können abgehoben werden, aber ein Konto können wir nicht eröffnen.
No resident. Scheckkarte ade.
Außerdem wären Überweisungen nicht möglich, z.B. nach Alaska, und es gibt keine Einzelabrechnungen sondern nur eine monatliche Gesamtabrechnung, die einem zugeschickt wird.
Provinzbank (C+S, The Citizen and Southern National Bank) oder ist man in Amerika noch nicht soweit?
Die Bankschecks gelten sowieso nur für diese Bank und in Georgia.
Stattdessen sollen wir das Geld bar mitnehmen, was nun bestimmt nicht empfehlenswert ist, oder Reiseschecks einlösen.
Also 160-mal unterschreiben.
Uns fallen die Finger ab.
Es ist soweit: 24.11.1987, Savannah, wir heuern ab und verlassen doch etwas wehmütig die "Patty" und ihre liebenswerte Mannschaft, nicht ohne noch vorher einige Kästen Bier und Büchsen Kaffee spendiert zu haben.
Ich schreibe einen Artikel für eine deutsche Zeitung: Wenn Sie jeden Abend auf die Brücke gehen und sich vom diensthabenden Offizier die Position geben lassen können, dann sind Sie sicher nicht auf einem Kreuzfahrtschiff.
Wenn Sie außerdem noch auf der Seekarte erklärt bekommen, wo Sie gerade sind oder wie die nächste Hafeneinfahrt zu manövrieren ist, dann haben Sie eine Schiffsreise gewählt, die an persönlichen Eindrücken und Erholungswert nicht zu übertreffen ist, nämlich auf einem kleinen Frachtschiff.
Zum Beispiel Abfahrt am 5.November in Delfzijl/Holland-6.11. im Kanal von Dover, N 5 11`07``, O 1 39`45``-am 15.11. Position N 36 01`46``, W 57 49`23``18.11. um 11.00 Uhr der "Frying Pan" Leuchtturm, das erste Zeichen von den USA und gegen Nachmittag dann Wilmington/ Carolina.
Wenn Sie nur die Überfahrt gebucht haben, müssen Sie hier normalerweise das Schiff verlassen, denn der Passagiertransport zwischen inneramerikanischen Häfen wird nur von US-Schiffen durchgeführt. Haben Sie eine Rundreise mit Rückfahrt nach Europa gebucht, bleiben Sie an Bord.
Es empfiehlt sich allerdings, über ein US-Visum zu verfügen, denn dann können Sie in jedem Hafen an Land gehen, einen Stadtbummel machen oder auf dem Landwege weiterreisen und Ihr Schiff in einem der nächsten Häfen wieder besteigen.
Auf alle Fälle werden Sie ein ganz neues Erlebnis mit dem Zoll oder den Einreisebehörden haben.
Bei einer Tasse Kaffee an Bord, zusammen mit dem Kapitän und den amerikanischen Beamten werden ohne Stress und Hetze die Formalitäten erledigt.
Wer schon einmal auf einem Flughafen zusammen mit den Passagieren von vier weiteren Jumbojets abgefertigt wurde, weiß dies zu schätzen.
Überhaupt werden Sie während der Reise viel Ruhe haben.
Neben drei guten und reichlichen Mahlzeiten, mit Rücksicht auf meine Figur ließ ich meist das Mittagessen aus, ist es an Ihnen, ob Sie lesen, auf der Brücke dem Offizier "helfen" das Schiff zu steuern oder mit dem Ingenieur im Maschinenraum fachsimpeln.
Üblicherweise verfügen die Frachtschiffe über 12 Betten (ab 13 Passagieren muss ein Arzt an Bord sein), und so findet sich auch unter den Mittreisenden immer jemand für eine Runde Schach.
Einige der Frachter mit Passagierkabinen stehen im Komfort den großen Kreuzschiffen kaum nach: Sauna, Swimmingpool und Fahrstühle.
Nur auf einen Animateur, der Ihnen zeigt, wie Sie sich zu amüsieren haben, werden Sie verzichten müssen.
Auf meiner letzten Reise mit dem Frachter "Patty", außerhalb der Saison, waren wir nur drei Passagiere.
Ich habe mich selten so gut erholt und so direkt mit der Mannschaft das "Seefahrerleben" erfahren.
Da nicht mehr viele Reedereien auf ihren Frachtschiffen Passagiere mitnehmen, bucht man am besten über Schiffsagenturen, die verschiedene Linien repräsentieren.
Unser Mietauto ist kaum noch zu erkennen.
Beim Entladen des Kaolins entsteht ein weißer Staub, der sich schmierig und glitschig wie Schnee über das ganze Schiff und den Wagen gelegt hat.
Beim nächsten "Car wash" wird uns kostenlos der Dreck weggespritzt.
Wir fangen an, die Autohändler abzuklappern und machen unsere ersten Erfahrungen.
Motorhomes sind viel zu teuer.
Sogenannte Beachcars, Kleinbusse mit Plüsch, Eisschrank und TV gibt es viele.
Aber nicht das, worin man zwei Jahre leben möchte und kann.
Meine erste Liebe gilt einem gebrauchten Schulbus. Toll ausbaubar aber vielleicht doch etwas groß?
Erst mal vernünftig bleiben. Es ist ja der erste Tag unserer Suche.
Langsam geht es Richtung Süden, von Händler zu Händler, bis wir abends, wieder mal in Brunswick, in einem Motel landen und von Autos träumen.
Nächster Ort: Jacksonville/Florida.
Die Suche geht weiter.
Aber zuvor ein gutes Frühstück in einem kleinen "Truck Stopp".
Portionen zum Platzen, eine reicht für uns beide und Kaffee, soviel man will.
Immer wieder kommt ein Fräulein vorbei und gießt nach.
Na und dann in und um Jacksonville Autosuche.
Wohnmobile ausgebaut, Vans usw.
Aber eigentlich nichts, was uns vom Hocker reißt, vor allem, da wir immer noch nicht genau wissen, wie unser Auto auszusehen hätte.
Wie sagte ein Händler: "You are looking for a needle in a hay pile". Eigentlich wissen wir es ja doch schon, haben aber nicht das Geld, das Auto bauen zu lassen.
Obwohl, manche der Wagen waren schon ganz gut, - oder doch nicht. Vielleicht, aber wenn........, andererseits......., wenn man bedenkt.....!
Wir jedenfalls sitzen abends wieder in einem Motel, etwas teurer als gestern (27$) aber dafür nicht so gut.
Morgen ist Thanksgiving Day, also alles geschlossen.
Denkpause.
Beim nächsten Händler, zwei Tage später, erhalten wir eine Zeitschrift für gebrauchte Autos, um uns einen Überblick zu verschaffen.
Tipp des Händlers: Er besorgt sich fast alle seine Wagen aus Tampa oder St.Petersburg / Florida.
Also unser Ort, gesagt - getan, 150 Meilen südwärts.
Entfernungen sind inzwischen auch für uns kein Thema mehr.
Highway <301>, Höchstgeschwindigkeit 50 Miles.
Na und.
Kompliment aber jetzt an Babs.
In einem der Reiseführer hatten wir gelesen, dass man mindestens Abitur und eine 10 jährige Pfadfinderzeit brauche, um sich in dem amerikanischen Straßensystem zurecht zu finden.
Bullshit.
Mit Hilfe einiger aus Telefonbüchern geklauter Straßenpläne und dem unverzichtbaren "Rand Mc Nally- Atlas" kein Problem.
Man orientiert sich nicht nach Städtenamen sondern nach den Straßennummern und dem Zusatz North, South, East oder West.
So einfach ist das.
Es ist passiert: Wir haben ein Auto gekauft, 28.11. Tampa.
Aber der Reihe nach.
Also Frühstück, ausgiebig, na klar.
Dann fahren wir die Ausfallstraßen ab, hier sind meistens die Händler.
Auch wieder ein Versuch bei U-HAUL, einem Autovermieter, der ältere Wagen verkauft.
Wieder gute Auswahl, aber den kleinen LKW, den wir gerne haben wollen, leider eben nicht.
Immerhin verweist er uns an einen Freund,
Und siehe da, da steht doch ein kleinerer LKW.
Ein eckiger Verkaufswagen einer Bäckerei, Aluminium-Karosserie.
Sieht man oft rumfahren: Innenmaße des Kastens 3,60 x 2,04 Meter, Höhe 1,82.
Schiebetür zum Fahrerhaus, Extratür hinten rechts. Baujahr 1982, Diesel, Handschaltung, 180 PS, 110.000 miles, Zwillingsreifen hinten.
Ein richtiger stabiler Truck.
Probefahrt! Geht gut ab. Preis: 6.500 $.
Nochmal alles durchgeprüft: gekauft.!!
Jetzt brauchen wir erstmal ein schönes kaltes Bier- oder auch zwei, und ein Motel.
Zuvor vermessen wir den Wagen innen genau.
Den nächsten Tag, einen Sonntag, verbringen wir mit der Planung unseres Innenausbaus.
Wie hoch ist eine bequeme Sitzbank?
Wie breit für zwei Personen?
Was soll alles rein und was ist Luxus?
Immerhin wollen wir ja einige Zeit darin leben.
Uns fällt unsere alte Wohnung ein und was man auf 130 qm alles unterbringen musste und brauchte (oder auch nicht).
Heute geht der "Stress" los.
Zuerst mal muss das Auto versichert werden.
Einfacher gesagt als getan.
Schließlich landen wir bei "Allstate", die uns auch als Ausländer versichert.
Wir wirken seriös.
Bloß auf welche Adresse?
Schließlich findet Jerry, unser Autoverkäufer, dass seine Adresse so gut ist, wie jede andere. Wir sind ganz seiner Meinung und Allstate auch.
Einen Vorteil hat das außerdem noch, denn der Versicherungssatz in Tampa ist z.B. 300$ im Jahr billiger als in Fort Lauderdale, wo wir unsere erste Kontaktadresse haben.
Überhaupt sind die Versicherungspreise in den verschiedenen Bundesstaaten sehr unterschiedlich.
Florida liegt ganz unten auf der Liste.
Auch bei diesen Kosten sollte man sparen, es läppert sich.
Weniger erfolgreich sind wir bei dem Versuch, eine Werkstatt zu finden, die uns beim Ausbau hilft.
Alles nobel und teuer.
Dann nicht für uns.
Aber Jerry hat auch inzwischen rumtelefoniert und präsentiert uns Robby, einen Feuerwehrmann, Freund von ihm, der bereit ist, für uns die Metallrahmen zu schweißen, in die ich die Bretter für die Inneneinrichtung einhängen kann.
Ich reite wieder mal meinen Vogel, lieber alles etwas stabiler zu bauen.
Wir besorgen inzwischen allerhand Zubehör, vom Chemieklo über eine elektrische Kühltruhe bis zu Wasser-kanistern und einer Hand-Wasserpumpe für das geplante Spülbecken.
Außerdem finden wir nach langem Suchen einen Händler, der uns guten Schaumstoff nicht nur verkauft, sondern auch gleich auf unsere Maße zuschneidet.
Sein Laden sieht zwar aus, als habe er die letzten 50 Jahre alles nur dorthin gestellt, wo noch gerade Platz war, und es dann vergessen.
Aber was soll` s.
Mit Kreide haben wir zwischenzeitlich die Inneneinrichtung im Auto eingezeichnet und alles in Inch umgerechnet.
Ich glaube, das wird ganz nett und auch Babs scheint mit dem zufrieden, was bisher vor ihrem inneren Auge entsteht.
Ich übe mich im dreidimensionalen Zeichnen.
Robby wohnte vor zehn Jahren außerhalb der Stadt, heute ist dies Stadtgebiet, aber immer noch ganz schön weit zu fahren: Mit unserem Auto!!!!!
Und so pendeln wir von ihm zu unserem Motel oder besorgen das nötige Material.
Dazu dürfen wir seinen Pickup benutzen, den er hochgelegt hat.
Hochgelegt heißt dabei rund 1 Meter höher. Von oben hat man eine schöne Übersicht, aber für mich ist das Gefühl zur Straße verloren. Damit in Deutschland fahren- die ersten 500 Meter die Sensation, bis man dem nächsten Polizeiauto begegnet.
Wir arbeiten alle schon seit ein paar Tagen und alles nimmt Gestalt an. Robby und ich schweißen, Babs sägt die Bretter zu.
Anschließend werden sie eingepasst, verleimt oder geschraubt und die Ecken abgerundet.
Der Dreck der letzten Jahrhunderte muss auch noch aus dem Auto entfernt werden.
Es geht von morgens bis abends und wir lieben inzwischen die nicht vorhandenen amerikanischen Ladenschlussgesetze.
Wenn etwas fehlt, kauft man es halt, um wieviel Uhr auch immer. Außerdem finden wir einen "Winnie Dixi", der ab 22.00 Uhr die Reste des Essens vom warmen Grill für Cents verkauft, Chili con Carne für zwei Personen reichlich, für 50c.
Geht den Staat ja auch wirklich nichts an, wer wann arbeitet.
Wir fahren zurzeit noch mit einem provisorischen Pappnummernschild durch die Gegend, es dauert einige Tage, bis wir das endgültige bekommen. Jerry organisiert das für uns.
Unser Heim hat schon richtig "ein Gesicht", zumindest sind alle Grobarbeiten fertig. Sitzgruppe, Tisch, Bett, Küchenblock, Bad.
Wir leisten uns auch noch einen kleinen Generator für 210 $, zur Sicherheit.
Anschieben will ich unseren Truck nicht.
Apropos Einkaufen: Wir müssen einen neuen Hausstand gründen, denn wir haben ja fast nichts.
Angefangen vom Geschirrspülmittel bis zum Pfeffer, vom Handfeger bis zum Whisky.
An was man alles denken muss, oder auch nicht.
Geschäfte gibt es ja überall genug.
Die letzte Nacht in Tampa verbringen wir schon in unserem Auto auf dem Gelände von Robby bei offener Tür und Bullenhitze und Coleman-Lampe (Benzin). Immerhin, man kann schon einziehen.
Neues Nummernschild: H-OO55-H.
Die Nummer kann ich ja nennen, denn unser einziges Strafmandat wegen Falschparkens haben wir bezahl
Da wir keinen Bock auf Menschenmassen haben, fahren wir noch nicht nach Disneyland oder Cap Kennedy sondern am "Okeeschobee See" entlang in Richtung Fort Lauderdale.
Vom See allerdings sehen wir nicht viel, denn er ist eingedeicht.
Viele kleine Siedlungen an Kanälen, vor dem Haus das Auto, hinter dem Haus das Boot.
Unser erstes Schlafplätzchen zeigt uns deutlich, dass doch noch Fenster an unserem Truck fehlen.
Wir stehen aus Sicherheitsgründen, damit man kein Licht sieht bei geschlossener Tür und Saunatemperaturen, bei immerhin kaltem Bier, an einem Einkaufszentrum.
Das Thema der Übernachtungen muss eh noch einmal überdacht werden, auch wenn man unserem Truck kaum ansieht, dass darin jemand wohnen könnte.
Ob wir wohl zu vorsichtig sind, presseverseucht, mörderumschlichen?
Wir nähern uns Palm Beach auf der <A1A>.
Super Villen mit riesigen Parkanlagen, Golfplätze. Viel Geld zwischen Straße und Meer. Parkplatz und Bootssteg am Haus, aber diesmal alles eine Nummer größer.
Je näher wir Fort Lauderdale kommen, umso mehr hohe Apartmenthäuser, Hotels.
Laut Reiseführer in der Saison nur "Stopp and go" auf der Straße.
Der Alptraum geht aber um diese Jahreszeit an uns vorbei.
Gegen Mittag finden wir das Surf-Geschäft eines Bekannten aus Deutschland.
Sieben Tage Woche, mindestens 15 Stunden pro Tag.
Hier wie ein Tier zu arbeiten, um etwas Wohlstand zu bekommen, dann doch lieber Old Germany mit 38 Stunden Woche und demselben Standard.
Babs fängt an, mit der Hand die Bezüge für unsere Schaumstoffunterlagen zu nähen.
Wie war das doch gerade mit der vielen Arbeit?
Wir wohnen in unserem Auto vor der Tür des Hauses.
Die Alarmanlage sei zu kompliziert, um sie zu erklären.
Schlechte Erfahrungen?
Mit Besuch oder Einbrechern?
Abends ist die große Bootsparade, das Winterfest von Fort Lauderdale.
Menschenmassen über Menschenmassen auf den Brücken über die Kanäle. Oder ein bisschen Platz am Ufer, sonst ist ja alles Privat, und für 5 $ Eintritt in zehnter Reihe stehen.
Und dann kommen sie: Superjachten, mit bunt beleuchteten Werbeschriften geschmückt.
Ein Boot mit jubelerzeugendem Feuerwerk vorneweg - traurige Böllerschüsse, vereinzelt mal eine kleine Rakete.
Über allem ein Zeppelin, und das wirklich mit tollen Leuchtbildern an den Seiten, bunte Lampenraster wie an Spielautomaten, abwechslungsreich.
Trotzdem verlassen wir die "unbedingt sehenswerte" Bootsparade recht bald wieder.
Wir kaufen dann wieder einiges für unser "Heim" ein, bzw. versuchten es.
Als wir an der Kasse sind, vor uns nur eine Frau, reißt mir nach über einer halben Stunde die Hutschnur.
Die Frau bezahlt, wollte bezahlen, mit einer Kreditkarte.
Also war ja schon Geduld angesagt.
Es wird also der Kreditkartenbogen ausgefüllt.
Nur Geduld.
Dann wird per Telefon automatisch die Karte geprüft.
Nur Geduld, denn es geht ja automatisch und dauert daher Zeit.
Dann aber muss die Kartennummer in die Kasse eingegeben werden. Computerkasse.
Nichts.
Der Computer nimmt sie nicht an.
Der Kassierer an der Kasse spielt eine komplizierte Klaviersonate auf den Tasten.
Nichts.
Er spielt dasselbe noch einmal in Moll.
Nichts.
Da man aber viel Wert auf qualifiziertes Personal legt, beginnt er nun, den Computer zu zerlegen.
Stecker raus, Stecker nicht mehr rein.
Er passt nicht mehr.
Auch dem Oberaufseher, der dann zu Hilfe kommt, gelingt diese Übung nicht.
Uns reicht es.
Wir gehen ohne Ware.
Dabei haben wir uns schon fast an die Zahlgewohnheiten der Amerikaner gewöhnt.
Entweder per Kreditkarte incl. dem Ausfüllen komplizierter Formulare, oder per Zeitungsgutschein, wovon manchmal statt Bargeld eine Menge über den Schalter wandern.
Diese allerdings müssen dann auch mittels umständlicher Kodes in die Kasse eingetippt werden.
Kein Wunder, dass nur wenige Kassen besetzt sind.
Woher sollen die Kaufhäuser auch so viel hochgeschultes Personal mit mindestens Hochschulabschluss.
In spätestens zehn Jahren führen die Amerikaner wieder den Tauschhandel ein, da ein, da sonst keiner mehr durchblickt.
Aber damit vorerst genug der Boshaftigkeiten.
Man darf ja nicht verallgemeinern und übertreiben?
Aber unser Auto soll fertig werden.
Aus dem Branchenbuch suchen wir uns eine Werkstatt für Wohnmobile und fahren hin.
Bob Davis, der Owner empfängt uns freundlich und wir plaudern, und er macht uns Vorschläge und Preise, die fair sind.
Fenster, Elektroinstallation, Wasseranschlüsse für die Dusche usw.
Einige Teile müssen allerdings bestellt werden.
Aber Zeit ist nicht unser Problem.
Inzwischen haben wir auch Günter angerufen, den wir in Deutschland kurz kennen gelernt hatten.
Erst besucht er uns in unserem Wagen vor dem Haus von Klaus und anschließend lädt er uns ein.
Wir wohnen natürlich bei ihm.
Er ist schon ewig in den USA, amerikanische Gastfreundschaft.
Es wird sehr gemütlich mit ihm und Eleonora, seiner Frau.
Morgen müssen wir früh weg, aber ihr wisst ja wo alles liegt und wo die Dusche ist, der Eisschrank ist voll."
Wir ziehen also um.
Wir sind fast den ganzen Tag bei Bob.
Ich kleide die Dusche mit Fiberglas aus und einer seiner Leute bastelt die Elektrik und die Lampen an.
Den Abend sind wir wieder bei Gunter und essen "Chicken wings".
Whow!!!!!
Isst man in Old Germany kaum und ist doch so gut.
Frittiert mit "Cats killing souce", Knoblauch bis zur Vergiftung und höllisch scharf.
Aber auch höllisch gut.
Am nächsten Morgen wieder zu Bob.
Denkste.
Der Truck springt nicht an.
Wir nutzen die Zeit und verkleiden den Innenraum, die Wände und Borde mit Teppichboden. Erstens zur Isolation und zweitens sieht es jetzt saugemütlich aus.
Außerdem habe ich die Dusche innen gestrichen. blau, weiß.
Gut, dass wir nicht im Auto schlafen müssen, sonst wären wir schnell high von dem Farbgeruch.
Gleich früh rufen wir Bob an, nachdem es auch nichts genutzt hat, dass wir die Batterie geladen haben.
Das Auto springt immer noch nicht an.???
So werden wir auf das Gelände von Bob geschleppt und sein Techniker verschwindet im Motorraum.
Es wird alles durchgecheckt, aber kein Fehler gefunden.
Neue Zündkerzen rein.
Wieder quellen sie auf, "like a mushroom"??????
Wieder müssen wir die Kerzen abbrechen und aus den kleinen Öffnungen der Ein-spritzung rauspopeln.
Bob kapituliert und schleppt uns zu Oskars Diesel Repair, "Best mechanic in town".
Wir werden sehen.
Aber auch hier schleppen sich die Versuche die nächste Zeit dahin.
Keiner hat eine Idee.
Einspritzpumpe, Relais.......
Nur mit einem Startspray bekommen wir den Diesel zum Laufen.
Doch wohl nichts für die geplanten nächsten zwei Jahre.
Jedenfalls ziehen wir wieder mal um.
Diesmal zu Oskar` s Werkstatt, wo wir vor der Garage im Industriegebiet stehen dürfen.
Abends wird der Wagen aus der Werkstatt vor die Tür geschoben. Immerhin bewacht.
Für morgen hat Oskar eine Weihnachtsparty angesetzt - mit uns Alles wird schön sauber gemacht oder mit Weihnachtspapier verdeckt.
Das Fest selbst mit Kunden und Freunden, quält sich etwas dahin, aber Essen gibt es viel und gut, Getränke reichlich.
Wir holen uns zwischendurch einen kleinen Mietwagen, denn wir sind abends bei Gunter eingeladen.
Als wir sehen, dass gegen Ende die Gäste das Essen einpacken und mitnehmen, füllen auch wir einige Teller für die nächsten Tage, wenn auch anfangs mit einem merkwürdigen Gefühl.
Die Erfindung der "Doggie bags" ist wirklich nachahmenswert, auch in Restaurants.
Immerhin hat man sein Essen dort ja bezahlt und kann die Reste wirklich mitnehmen.
Wenn ich mir überlege, was bei uns weggeschmissen wird!
Die Fete bei Gunter ist nett, viele Polizisten aus Elenores Freundeskreis.
Sie arbeitet in einem Drugstore und die Cops jobben dort nebenbei als Ladendetektive.
Gunter hält die Bar, um ein sinnloses Leistungssaufen zu verhindern.
Zwei Tage mit Grübeln und Testen vergehen bei Oskar und bringen uns keinen Schritt weiter.
So fahren wir mit dem Starterspray zu einer Elektrospezialwerkstatt, die Oskar kennt.
Allerdings handelt es sich hier um Arschlöcher, die uns warten lassen, weil sie selbst nicht weiterwissen.
Als mir der Kragen platzt, landen wir wieder bei Oskar.
Auch die Fachwerkstätten von Chevy haben keine weitere Idee, als Oskar sie anruft und das Problem schildert.
Aber den Wagen dort abgeben und bezahlen, um zu hören, dass sie keine Idee haben, wollen wir nicht.
Es reicht.
Oskar präsentiert uns auch eine Zwischenrechnung dafür, dass nichts repariert ist.
Es sind Weihnachtsferien.
Wir haben die Schnauze von amerikanischen Dieselmaschinen voll und bestellen einen Benzinmotor.
Mit dem Spray kommen wir noch zurück zu Bob und bauen die Fenster ein.
Übernachten dürfen wir dort auch im Auto.
Und so erleben wir die zweite Christmas Party in einer Werkstatt, diesmal bei Bob.
Am nächsten Morgen, Bob schenkt uns ein Ladegerät, das wir als Konverter nutzen können, um uns mit unseren 12 Volt Autostrom an alle Steckdosen anschließen zu können und fahren wir auf einen Campingplatz in den Everglades um Weihnachten zu verbringen.
Mal abschalten von Werkstätten.
Avokadodip mit Steaks in Badehose vor dem Auto in der Sonne.
Was ein schönes Fest.
Wir spazieren noch durch die Gegend, sehr schön, nur gelegentlich unterbrochen vom Motorgedröhne der Gleitboote, die bis zu 20 Touristen durch die Sümpfe fahren.
1/2 Stunden für 11 $.
Warum müssen diese Boote so laut sein, wenn die Automotoren hier so gut isoliert sind, dass man sie kaum hört????
Die Strecken, die sie langdonnern, gibt es keine Tiere mehr.
Dafür kann man die Alligatoren beim "Alligator Ringen" am Campingplatz bewundern.
Wir schenken uns beides.
Dafür ausgiebige Spaziergänge durch die Marsch- und Sumpflandschaft bei herrlichem Sonnenschein.
Na und wo landen wir anschließend?
Bei Bob, denn die Lieferung unseres neuen Motors dauert über die Feiertage.
Dort lassen wir den Wagen, es ist noch einiges zu machen, und nehmen uns wieder mal einem Mietwagen und basteln noch etwas rum, Gardinen, Streichen.
Außerdem bauen wir eine Fliegentür vor der Seitentür: Winkeleisen, Fliegengitter und Phantasie.
Sylvester verbringen wir bei Gunter und Eleonora.
Sie sind unterwegs, aber wir haben das Haus für uns.
Um 18.00 Uhr erster Sekt: Sylvester in Deutschland, 24.00 Uhr amerikanisches "Happy New Year".
Wir stehen am Kanal hinter Gunters Haus, und knutschen.
Es ist angenehm mild.
Wofür hat man einen Mietwagen. Also satteln wir die PS und fahren nach Miami.
Horrorstrände, Mallorca; Highway, zwei Meter S Strand.
Aber es bessert sich in Richtung Key Biscane.
Der Strand wird breiter, Wäldchen.
Das Key erreicht man über eine Brücke und dort genießen wir den Ausklang des Tages, bevor wir wieder bei Gunter einfallen, nicht ohne uns vorher bei "Chicken plus" mit Hühnerflügeln gedopt zu haben.
Auch den nächsten Tag nutzen wir den Mietwagen, indem wir die Küstenstraße bis Fort Pierce fahren.
Wieder tolle Villen, Geld, aber auch öffentliche Strände.
Alles sehr gepflegt, keine "spanische" Küstenstraße.
Und abends: Chicken wings. Was sonst?
Wieder bauen wir bei Bob, und dann mit viel Hoffnung zu Oskar` s Diesel Repair.
Der neue Motorblock soll rein.
Er ist schon schön hellblau gespritzt.
Wenn er so fährt, wie er aussieht, kann ja nichts schief gehen.
Und dann ist er drin. 180 PS, acht Zylinder Chevy.
Verbrauch.???.....
Aber da ist doch ein Geräusch beim Probefahren.
Es ist nur der Reifen.
Übrigens das einzige Geräusch, der Benziner flüstert nur.
Auch nicht schlecht.
Probefahrt nach Key West- so richtig mit unserem fast fertigen „Home“.
"Home".
Jetzt hat doch alles mehr Zeit gebraucht, als wir gedacht haben.
Oder?
Erster Stopp in Key Largo an einem Flohmarkt, wo wir übernachten und dann weiter über die Brücken, welche die einzelnen Inseln verbinden.
Leider ist das Wetter schlecht und wir können die tollen Aussichten nicht richtig genießen.
Aber die Postkarten zeigen uns, wie es aussähe, wenn man was sähe.
Aber Key West selbst ist schön, wenn man die Straßen auslässt, in denen die Touristenbahnen entlangfahren.
Hemingway wäre heute sicher nicht mehr dorthin gezogen.
Wir kommen wieder zu der Überzeugung, dass wir die Hauptsaison meiden müssen.
Wir jedenfalls übernachten an einem kleinen Kanal bei Key Largo (wieder) und ich versuche zu Angeln.
Außer dass ich beinahe einen Vogel erwischt hätte, als meine Angel beim Werfen in einem Baum hängen bleibt, bin ich nicht erfolgreich.
Auch als wir versuchen, wir haben es anderen abgesehen, mit Taschenlampen Garnelen mit dem Netz zu fangen, ihre Augen leuchten im Dunkeln, werden wir frustriert.
Nudeln mit Tomatensoße sind auch lecker.
Dafür kleben wir den Boden unseres Autos mit Kachelfliesen aus. Putzfreundlich.
Wenn schon im Süden von Florida, muss man in den "Everglades Nationalpark".
Logisch?
Hoffentlich anders als der Campingplatz am Rande der Sümpfe.
Erster Anlaufsort natürlich das Visitor Center.
Wir bekommen erstklassiges Informationsmaterial. Was sich übrigens in allen anderen Nationalparks auf unserer Reise wiederholt.
Die Everglades reichten früher bis zum Okeechobee See.
Es gibt zwei Jahreszeiten, eine trockene im Winter und eine feuchte im Sommer.
Jetzt im Winter ist das Gras grau und die "hammocks", bewaldete kleine Inseln, liegen trocken.
Die Zypressen sehen von weitem wie vertrocknet und tot aus, wie mit einer Schicht Schnee darauf.
Die Weidelandschaft rechts und links der Straße täuscht, denn überall ist Wasser.
Wir würden gerne von der Straße abbiegen, aber erstens gibt es keine Wege und zweitens soll die Natur auch ihre Ruhe haben.
So fährt man von einem Aussichtspunkt zum nächsten.
Gut gemacht.
Man läuft einige hundert Meter auf Holzstegen zu den Aussichtspunkten, durch Sümpfe oder die Wälder und bekommt einen guten Eindruck von den Glades, zumindest als Autotourist.
Eine geplante Kanutour durch die Sümpfe, 10 Tage mit Zelt, hätte uns sehr gereizt, aber das Regenwetter hält uns ab.
Nach einem zweiminütigen Spaziergang in den Sümpfen sind auch die Mückenschwärme dagegen.
Die angebotenen Touristentouren von wenigen Stunden mögen wir nicht.
Wir verlasen den Nationalpark und fahren in Richtung Shark Valley am Rande des Parks.
Viele Gemüsestände am Straßenrand.
Wenn das kein Problem mit dem Park darstellt.
Farmer und Naturschützer- zwei Welten treffen aufeinander.
Thema Pflanzenschutz und Wasserwirtschaft.
Aber erstmal bunkern wir Tomaten und herrliche Chilis.
Im Shark Valley parken wir an einem Kanal in der Nähe des Parkeingangs.
Kostenlos, einige Wohnmobile.
Wir mieten zwei Fahrräder und radeln die Straße entlang durch den Park, die auch von einer albernen (subjektiv) Touristenbahn befahren wird.
Nicht einmal die Alligatoren lassen sich stören.
Sind sie aus Plastik? Wo ist der Schlitz für die Groschen zum Reinstecken, damit sie sich bewegen?
Der Aussichtspunkt am Ende der Straße bietet aber einen sehenswerten Überblick.
Wir haben noch einen sehr netten Abend mit einem anderen Paar aus einem kleinen Camper.
Zuvor hatte ich ein gutes Gespräch mit einem Rancher über die Probleme des Nationalparks. Ich will im Hauptquartier noch mal nachhaken.
Strecke zurück.
Da kommt doch am Abend ein Vertretertyp an unser Auto.
Wir sind eingeladen auf den Nobelcampingplatz von Naples.
Wir müssen uns nur ein Beratungsgespräch anhören, eine Tour mitmachen, und bekommen auch noch einen Grill geschenkt.
Nanu.
So stehen wir den nächsten Abend in Naples auf dem "Coast to Coast"-Wir sind neugierig.
Begrüßt werden wir von einem "üblen" Vertreter.
Da aber erst Donnerstag die nächste "Tour" stattfindet, bekommen wir drei Nächte frei, mit allem Luxus, wie einem Swimmingpool, Duschen usw.
Trotzdem ist der Platz für uns ein Alptraum.
Wagen an Wagen.
"Haben Sie mal Salz" von Fenster zu Fenster, von Wohnmobil zu Wohnmobil" - oder so ähnlich.
Andererseits ist es abends erstaunlich ruhig.
Als wäre man allein.
Man stelle sich dies in Deutschland vor, wo auf Campingplätzen bis spät in die Nacht der besoffene Bär tobt.
Außerdem Stromanschluß und Anschluss für Kabelfernsehen.
Warum haben wir noch keinen TV?
Barbara genießt alles, ich bin irgendwie noch nicht "unterwegs".
Für mich ist das eine Probefahrt, passiert noch was????
Die "Tour" entpuppt sich als Ochsentour, nämlich als Gehirnwäsche, um Mitglied bei "Coast to Coast" zu werden.
Sicherheit, 600 angeschlossene Plätze in den USA und Kanada, 1$ pro Nacht.
Aber erstmal 5.000 $ Mitgliedschaft für diesen "Homepark".
Die Mitgliedschaft kann man verkaufen oder vererben (jetzt schon?)
Nichts für uns.
Aber den Gas grill bekommen wir doch, zähneknirschend.
Das wir doch woanders und billiger Mitglied werden, übrigens zu unserer Zufriedenheit, ist eine spätere Geschichte.
Der Morgen beginnt um sechs Uhr (pfui Teufel), denn wir wollen pünktlich bei Pat vom Everglades Nat.Park sein, und sie hatte wirklich einiges mitzuteilen und klarzustellen.
Ich schreibe einen Artikel:
Den Everglades fließt die Zeit davon. Probleme in Floridas südlichstem Besuchermagnet.
Der Everglades Nationalpark gehört zu den gefährdeten Naturreservaten der USA.
Vertreter der Parkverwaltung geben ihm sogar den ersten Rang und weisen nicht nur auf die weltweit einmalige natürliche Beschaffenheit hin, sondern machen auch auf die touristische Bedeutung des Parks für Florida aufmerksam.
1987 besuchten 815.754 Gäste die Everglades.
Damit ist der Besucherrückgang seit 1979, bedingt durch die Ölkrise- die Parkverwaltung spricht vom Micky Mouse Syndrom, die amerikanischen Besucher scheuten die weite Fahrt in den Süden Floridas und fuhren nur bis Orlando/Disney World - weitgehend ausgeglichen.
Zugenommen haben auch die Besucherzahlen aus Übersee.
Saisonbedingt kommen 40 bis 60 Prozent aus Deutschland und Frankreich.
So gehört ein Besuch des Everglades Nationalparks zu fast allen touristischen Rund-reiseangeboten.
Vom Zentralflughafen Miami bis zum Parkeingang sind es nur 72 km.
Mit dieser Nähe zu den Wohn- und Siedlungsgebieten fangen aber bereits auch die Probleme an.
So verbraucht eine amerikanische Durchschnittsfamilie 189 bis 227 Liter Wasser pro Tag.
Wasser ist aber gerade für diesen Naturpark lebensnotwendig.
Kanäle - Anfang vom Ende
Die Everglades erstrecken sich eigentlich als Sumpf- und Marschland vom 100 km nördlich gelegenen Okeechobee-See über fast die Breite Floridas bis zu den Mangroven-wäldern der Florida Bay.
In der niederschlagsreicheren Sommerzeit fließen von diesem See langsam bis zu 80 km breite aber nur 15 cm tiefe Wassermassen nach Süden.
Der Wasserdurchfluss beträgt dann rund 0,8 km/Tag.
Als Folge der Besiedlung und landwirtschaftlichen Nutzung wurden aber weite Teile dieser Landschaft trockengelegt und kanalisiert.
Damit erhöhte sich der Wasserdurchfluss in den Kanälen auf 8 bis 11 km/ Stunde.
Die Folge war ein Rückgang des Wasserstandes in den Everglades, der sich vor allem im 1943 eröffneten Everglades Nationalpark auswirkt.
Hinzu kommt die intensive landwirtschaftliche Nutzung Südfloridas in direkter Nachbarschaft des Parks.
Durch Tiefenpflügung und Sprühbewässerung geht erneut weiteres Wasser verloren, durch überdurchschnittliche Düngung und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln wird der Rest des Wassers verseucht, das in den Nationalpark, als letztes Stück der Everglades, gelangt.
Immerhin liefert Südflorida 85 Prozent allen Wintergemüses (Tomaten, Paprika, Zucchini) für die USA und Kanada und ist größter Produzent der USA für Mangos, Limonen und Papaya.
"Wenn die Entwicklung so weiter geht, ist der Nationalpark in 15 bis 20 Jahren kaputt.
Aber bringen Sie einmal die Interessen der Farmer und Städtebauer mit den Interessen der Naturschützer unter einen Hut", meinte dazu Patricia A.Tolle von der Park-verwaltung.
So ist der Bestand an Baumstörchen von 2800 im Jahre 1983 auf 250 im Jahre 1986, der der Weißen Ibise von ursprünglich 250.000 auf wenige Brutpaare zurückgegangen.
Hinzu kommt, dass zum Beispiel Nutzfische, die ausgesetzt wurden, die ursprünglichen Fische verdrängen, da sie sich schneller vermehren und aggressiver sind.
Das gleiche gilt für Pflanzen wie beispielsweise den Brasilianischen Pfeffer, der inzwischen intensiv bekämpft werden muss.
Erkannt ist aber die Bedeutung des Mangrovenrandes an der Küste, als Regulator des Salzgehaltes des Wassers der Küstenregion und als Hochwasserschutz.
Entsprechend intensiv betreibt die Parkverwaltung ihre Aufklärungsarbeit für die Öffentlichkeit und vor allem für die Besucher des Everglades Nationalparks.
Neben Informationszentren und gut ausgebauten und mit Informationstafeln versehenen Wanderwegen (zwischen 6 und 20 km lang) und rund 211 km Kanurouten, gehören Vorträge und Touren mit Rangern zu den Angeboten.
Es werden Bootsfahrten ebenso wie Busfahrten organisiert.
Im Norden des Parks wurde in Shark Valley im Dezember 1987 ein neues Besucher-zentrum eröffnet.
Hinzu kommt die Intensivierung des seit 25 Jahren bestehenden Volontär-Programms. 60 bis 70 Freiwillige arbeiten hier jährlich von zwei bis zu drei Monaten für die Parkverwaltung, die diese ihren Erfahrungen und Qualifikationen entsprechend einsetzt.
Naturschutz sichern.
Der Gesamtetat der Parkverwaltung betrug 1987 rund 6 Millionen Dollar. Davon wurden etwa 1,3 Millionen Dollar für die Besucherbetreuung aufgewendet.
Verstärkt wird die Zusammenarbeit mit externen Organisationen zur Untersuchung der Wasserqualität und der Regulierung des Wasserflusses, bei der Erforschung einiger Tierarten wie zum Beispiel dem Panther und dem Amerikanischen Krokodil.
Das Problem ist erkannt und die Arbeit der Parkverwaltung trägt Früchte.
Dieser Tage fand in Key West eine Konferenz von Spezialisten der verschiedensten Fachrichtungen statt, und Bob Martinez, Gouverneur des Staates Florida, unterzeichnete eine Erklärung, die alle Ministerien auffordert, die Interessen des Everglades in ihre Planungen mit einzubeziehen.
"Die Everglades sind ein unersetzlicher natürlicher Schatz, der entscheidend für das Leben in Südflorida ist", sagte Gouverneur Martinez. "Wir müssen alle möglichen Schritte unternehmen, um die Zukunft der Everglades zu sichern."
Nach diesem interessanten Gespräch richten wir wieder die Nase unseres Autos in Richtung Fort Lauderdale, wo wir bei Oskar noch den Choke einstellen lassen wollen.
Außerdem kaufen wir uns noch einen kleinen Fernseher.
Muss man in Amerika haben. Oder?
Oskar gab mir dann noch ein Interview: Heute verlassen wir Oskar Mendes und er wird uns noch etwas sagen über den alten und den neuen Motor.
"Oskar, what has happened to the old engine in our truck?"
" Well, as you can tell right, we found out that you had problem with the glowplugsystem that they keep on burning and after trying so many times to fix it we find out that we are wasting our time because they just keep on burning out and therefore we decided to change the engine and convert it from diesel to gas."
"How long did you work at the old engine?"
"We already worked an average of forty hours trying to solve the problem to find out that we were not successful."
„But you don`t know exactly what the problem had been."
"Well we came to the conclusion that the problem was not the engine itself but was on the wiring which was part of the truck and it would be quicker and cheaper to convert the engine."
"You also asked some official dealers".
"We contact most of the dealers in town and in their opinion they agree with us to change the engine.
"What type of engine it had been?"
„A 6.2 Chevy diesel engine, and now you have a 350 Chevy million duty application four barrel carborator engine."
"Well, we had a small test to Key West, it runs good and we hope it will work the next 200.000 miles.
Oskar, thank you very much."
"You are welcome, I feel very confident that you will have no problems I wish you the best luck, I am appreciating meeting you and we will always remember you two nice German people."
Jetzt bleibt ja nur zu hoffen, dass er uns nicht nur in sein Herz geschlossen hat, weil er so gut verdiente.
Immerhin wird uns später erzählt, das unser Motor für 3000 $ überteuert gewesen sei.
Ich schrieb eine Glosse über diese "Glosse":
Bitte suchen Sie eine Spezialwerkstatt auf.
Mit dem eigenen Auto vereisen, ein alter Hut.
Das Fahrzeug in den USA kaufen, Land der Automobile, dichtes Werkstattnetz, genug Auswahl, warum nicht.
Aber wer wird denn gleich an die Werkstatt denken?
Selbst schon genug am Auto repariert.
Früher, alter VW-Bus, Schraubenzieher und Schlüsselsatz waren genug.
Vielleicht noch ein Fachbuch zum Selbstreparieren.
Wenn dort stand " Bitte suchen sie eine Werkstatt auf“, -- dann erst recht nicht.
Ging eigentlich auch immer so.
Das Auto in Amerika war schnell gefunden.
Chevy, Lieferwagen, Diesel.
Ideal zum Ausbau als Wohnmobil.
Diesel. Hält ewig, wenig Elektrik.
600 Meilen später sprang er nicht mehr an.
"Bitte suchen Sie eine Werkstatt auf."
Diesmal wohl doch.
Die erste Werkstatt arbeitet unter meinen "fachmännischen" Augen einen Tag."
Sorry Mister - bitte suchen Sie eine Spezialwerkstatt auf"
Noch eine Woche bis Weihnachten sollte reichen.
Die Spezialisten waren vier Tage zu Gange.
Auch hier ertrug man meinen wachsamen Blick.
Zwei Sätze Glühkerzen brannten durch, waren nicht mehr rauszuschrauben.
Abbrechen und durch die Öffnung der Einspritzdüsen rausfummeln.
Zwei Relais und zwei Kontrollfühler wurden durchprobiert.
Inzwischen machten wir eine schöne Weihnachtsfeier in der Werkstatt mit. Buffet und kalte Getränke für die Gäste, Kunden und Freunde.
Zu Weihnachten dann die Rechnung.
Das Auto sprang immer noch nicht an.
Inzwischen waren auch die Vertragswerkstätten konsultiert worden.
Keine Idee, das Problem ist unbekannt.
Gibt es nicht.
Tauschen Sie die Relais aus.
Über die Feiertage bekamen wir eine Dose Sprühstarter geschenkt: Nicht bei Glühkerzen benutzen.
Aber von denen war sowieso nur noch das Schraubgewinde im Motor, um die Löcher abzudichten.
"Fahren Sie irgendwo auf einen Campingplatz und machen sich schöne Feiertage.
Vergessen Sie die Probleme. Danach sehen wir uns wieder.
Bis dahin haben wir einen neuen Motor für Sie."
Weihnachten war trotzdem erholsam, das Auto ist fast fertig wohnlich ausgebaut.
Neujahr war ruhig - und zurzeit wird ein neuer Motor eingebaut.
Ein Benziner-Chevy.
Wegen der Aufhängung und der Anschlüsse.
Sollten Probleme auftreten: "Bitte suchen Sie eine Spezialwerkstatt auf."
Dann kommt der letzte Abend, diesmal wieder bei Klaus vor dem Haus, denn Elenore ist krank. Immerhin werden wir diesmal eingeladen, denn es sind noch andere Freunde dort.
Unter anderem ein Pärchen, das seit zwei Wochen mit einem VW-Bus unterwegs ist.
Sie erzählen uns von einer Organisation, die SERVAS heißt. Als "Reisender" ruft man "Gastgeber" an oder schreibt ihnen und besucht sie dann für einige Tage und ist dort zu Gast.
Erscheint uns gut, um Kontakte zu bekommen und nicht isoliert im Wohnmobil an den Amerikanern vorbei zu fahren.
Die Beiden allerdings nutzen die Gastgeber nur als billige Unterkunft, jeden Abend einen anderen. Das soll nicht der Sinn der Sache sein, sind wir sicher.
Aber Nassauer gibt es überall.
Wir jedenfalls werden uns über eine Mitgliedschaft Gedanken machen.
Kalt ist es heute. Im Fernsehen wird ausführlich berichtet, dass die Obstfarmer "Wache stehen", um bei Frost ihre Bäume mit Wasser zu besprühen. Unter dem Eis über den Orangen, gefrieren die Früchte nicht. Wissenschaftlich bewiesen und doch möchte ich mich nicht mit einem Eismantel wärmen müssen.
Die nächsten Tage verbringen wir noch bei Bob auf dem Werkstattgelände und machen das Auto endgültig fertig.
Ich darf sein Werkzeug und seine Maschinen benutzen, abends klönen wir noch einige Runden.
Zum Abschied veranstalten wir eine kleine Feier und Bob bekommt einen Orden.
Freunde hatten uns zum Abschied in Hamburg einen alten Orden aus dem Dritten Reich geschenkt: "Kann man bestimmt gut in USA verkaufen."
Und so wird Bob zu einer "Deutschen Mutter". -- Mutter aller RV-Besitzer.
Verdient hat er ihn bestimmt.
Weniger erfreulich ist ein erneuter Versuch, unser Geld auf einer Bank loszuwerden. Selbst nicht in der Zentrale der Barnett Bank. Die verschiedenen Banken sind tatsächlich nicht miteinander verbunden, es gibt -wie bei uns die Euroschecks- keine allgemein und überall gültigen Schecks.
Aber auf den Mond fliegen, das können sie. So legen wir unsere restlichen Mengen an Travellerschecks auf drei Monate mit 6.25% an. Danach soll das Geld, bis dahin brauchen wir es hoffentlich nicht, auf ein normales Sparkonto.
Von dort kann man sich dann per Brief, mit viel Kosten, Geld woanders hin überweisen lassen. Wenn man Zeit hat.
Wir werden vorerst von unserem Geld in Deutschland mit der Eurokarte leben.
Jetzt will ich aber die erste Nacht, endlich nach vielem Verabschieden unterwegs, nicht als Omen für unsere Reise betrachten.
Es ist der 30.Januar 1988, wir stehen in der Nähe der <1> an einem kleinen Kanal und schlafen, als ich wach werde, weil die Polizei ein anderes Auto wegschickt.
Kurz darauf klopft es dann auch bei uns. Also in die Hose und nach vorne ins Fahrerhaus. "Your passport please".-
"Thank you, good night."
Und damit fahren sie wieder weg.
Leider ist auch das andere Auto bald wieder da und noch einige andere mit Halbstarken, die jetzt feten und als "Mutprobe" an unser Auto bumsen.
Was oder wer mag da wohl drin sein?
Unsere Fenster sind so hoch angebracht, dass man nicht einfach von draußen reinsehen kann.
Uns aber wird es zu blöd und wir fahren weiter auf eine Raststätte, wo wir zwischen anderen "LKW`s" schlafen.
Gemütlich tuckern wir weiter in Richtung Cape Canaveral. Die Nebenstraßen entlang.
Ein Nachtplatz soll laut einem Reiseführer an einem kleinen See sein.
(USA/Kanada, H.R.Grundmann).
Bis auf seinen Spleen, jede Bade- oder Surfstelle zu erwähnen, ganz gut.)
Wir also hin.
