Ein Jahr durch Afrika - Hartmut Roderfeld - E-Book

Ein Jahr durch Afrika E-Book

Hartmut Roderfeld

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Beschreibung

Irgendwie durch Afrika: Quer durch Afrika von Tanger bis Kapstadt. Zwei junge Männer um die 26 Jahre erfüllten sich einen Traum. Mit einem alten VW-Bus durch die Sahara, am schlimmsten Tag mehr gegraben und geschoben als gefahren, überfallen in Ghana, Bus in Kamerun verkauft. Mit einem Schiff den Kongo hinauf, Gorilla-Pirsch und dann den Zaire illegal verlassen. Mit einem kleinen Lastkahn. ehemals aus dem Duisburger Hafen, nach Madagaskar. Eisenbahn in Sambia und sonst mit allem weiter, was sich so vorwärts bewegte. Am Schluß per PassagierLinienschiff von Kapstadt zurück bis England. Bier war ein Grundnahrungsmittel, gegessen wurde, was es gab und krank werden durfte man nicht, Aids war noch nicht bekannt. Weiter, Nerven behalten und bis zehn zählen, der Zufall und das Glück kommt unverhofft- wenn nicht, weiter. Einfach war es nicht und man hat es uns oft nicht leicht gemacht. Aber wir haben auch richtig gute Leute kennengelernt- unabhängig von der Hautfarbe. Und wir haben es geschafft- verdammt noch mal. Manche Länder gibt es nicht mehr, einige heißen inzwischen anders. Das Tagebuch mag heute politisch, sprachlich inkorrekt sein, aber es ist authentisch. 1975/76 erlebt und aufgeschrieben. Incl.Kostenbuch und einem RomanAnfang.

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Seitenzahl: 437

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Für Axel, der nicht einmal 50 Jahre alt geworden ist

Vorbemerkung

1975 / 76 in diesen Jahren reiste ich mit meinem Freund Axel Schwarz durch den afrikanischen Kontinent. Von Tanger bis Kapstadt.

Anfangs mit einem VW-Bus durch die Sahara, Spanisch Sahara, Mauretanien, wenn schon, dann die harte Tour. Na gut, Visa für Algerien hatten wir nicht bekommen.

Später ab Kamerun, wo wir den Wagen verkaufen mussten, weiter mit allem, was sich bewegte.

Per Flugzeug nach Kinshasa (Zaire), mit dem Flussdampfer den Kongo hoch bis Kisangani (Zaire), Gorilla-Pirsch, illegal über die Grenze nach Ruanda, Kilimanjaro, Safari, Serengeti etc.

Von Mombasa mit dem Seelenverkäufer Sambirano (MS Lippe, einst aus dem Duisburger Hafen) nach Madagaskar.

Flugzeug, Trampen, Eisenbahn, Buschtaxi und so weiter- Kapstadt.

Mit einem Linienschiff zurück nach Edinburgh, Europa.

Wilde Zeiten damals, auch politisch.

Einige Länder heißen heute anders, andere gibt es nicht mehr.

Jetzt, rund 40 Jahre später, sehe ich manches anders, trotzdem möchte ich keinen Tag dieser Reise missen.

Wenn in dem Tagebuch von Bimbos geschrieben wird, übrigens „farbneutral“, so steht es halt so da.

Und so lasse ich das Tagebuch, wie es ist, nämlich authentisch.

Jeder mag sich seine eigenen Gedanken und Interpretationen machen oder noch besser, selbst hinfahren und eigene Erfahrungen machen.

Das gleiche Afrika ist es nicht mehr.

Inhaltsverzeichnis

Vorbereitung

Afrika wir kommen

Transsahara

Es wird schwarz

Abschied vom eigenen Auto

Mit allem, was sich vorwärts bewegt

African Wildlife

Wo der Pfeffer wächst

Weiter Richtung Kap

Weiß Afrika

Kostenbuch

Roman - Anfang

Vorbereitung.

1.April 1975. Der Aprilscherz wird Wirklichkeit.

Mein Schulkamerad und Freund Axel Schwarz und ich fahren mit einem VW-Bus los, Richtung Süden erst einmal, das Ziel letztlich soll aber Kapstadt am südlichsten Ende Afrikas sein.

Die letzten Dinge wurden erledigt, der Rest gepackt und dann starten wir den Motor, nicht ohne uns noch vorher von Allen zu verabschieden.

Ein paar Tränchen rollen bei unseren Lieben, wir haben es ja einfacher, wir fahren dem großen Abenteuer entgegen.

Die Vorbereitungen liefen schon seit fast einem Jahr, nachdem wir uns dazu entschlossen hatten und unsere Freunde alles für einen Aprilscherz hielten oder für Folgen des Deliriums.

Aber wir meinten es wirklich so.

Bus Kauf am 28.Mai 1974.

Es dauerte einige Zeit, bis sie merkten, dass wir es ernst nahmen und unser älterer VW-Bus merklich sein Äußeres und Inneres änderte.

Ich bastelte mit Freunden am Auto und Axel verschwand in Bergen von Afrikabüchern, Reisebeschreibungen und Karten.

Die Routenplanung ist seine Sache und macht ihm Spaß.

Wir haben zusammen nur grob die Orte festgelegt, von denen wir glauben, dass man sie unbedingt gesehen haben muss.

Unser Freund Georg Damm, ein Schweißkünstler, tatsächlich ein Künstler, der Schweißplastiken macht, war dann auch viel beschäftigt. Wir erhöhten das Dach des Busses in der Mitte auf Stehhöhe, verstärkten die Stoßstangen und konstruierten Schutzbleche für die Unterseite, die den von VW angebotenen sicher nicht nachstanden.

Aber darüber und andere Arbeiten will ich etwas mehr berichten.

Nach vielen Überlegungen schnitten wir das Busdach in der Mitte auf und klappten das Blech nach oben und ergänzten die Lücken, fertig war der Hochbau.

Klingt einfach genial, ist aber mühsam.

Als Deckel bekam die „Kiste“ ein Blechdach, das man auch noch aufstellen konnte. Dies allerdings klapperte und trommelte später unsere Ankunft in den Dschungel voraus, bis wir Tücher dazwischen klemmten.

Vor und hinter dem Aufbau schweißten wir je einen sehr stabilen großen Dachgepäckträger.

Vor den Bus setzten wir eine Reifenhalterung und einen Stoßfänger. Dieser blieb allerdings genau so lange dran, bis uns der erste Polizist nach zehn Minuten auf der Straße in Berlin stoppte. Derartige Anbauten müssten vom TÜV eingetragen werden.

Auf den TÜV legten wir nun aber gar keinen Wert mehr und bauten den Stoßfänger wieder so lange ab, bis wir unser Zollkennzeichen hatten.

Die Motorklappe sicherten wir für Afrika mit einem stabilen Vorhängeschloss.

Wir wollten ja kein Selbstbedienungs-Ersatzteillager werden.

Während ich mit Schorch schweißte und konstruierte, beschäftigte sich Axel zwischendurch mit dem Bau der Innenausrüstung, wenn er es nicht wieder schaffte, gerade dann arbeiten zu müssen und in der Redaktion unentbehrlich zu sein.

Außerdem kauften wir bei VW einige Ersatzteile, die ich für nötig hielt, oder die in den Reisebeschreibungen anderer häufig kaputt gingen.

Den Rest besorgten wir uns auf dem Schrottplatz, hielten uns aber zurück, um nicht vor lauter Vorsicht mit noch einem zweiten Bus in Form von Ersatzteilen, loszufahren.

Aber wir beschlossen, den Motor noch einmal auszubauen und gemeinsam wieder zusammenzusetzen.

Besser wir üben das hier, als dass wir unterwegs den Motor zusammen-bauen und erstaunlicherweise immer wieder Teile übrig behalten.

Also verabredeten wir uns mit unserem Freund Udo, einem begnadeten Autobastler, der uns anleiten wollte.

Aber wer kam nicht? Axel hatte Dienstverpflichtungen.

So bauten Udo und ich den Motor aus, zerlegten ihn, überholten ihn und dann kam Axel doch noch. Er hatte wohl gehofft, wir seien schon fertig.

Leider flog Udo dann beim Bohren ein Metallsplitter ins Auge und so konnte Axel ihn ins Krankenhaus fahren. Aber nach drei Stunden waren sie wieder zurück, Udo hatte Glück gehabt, und wir bauten weiter.

Endlich war unser neues Zuhause fertig.

Gleichzeitig machten Axel und ich einen Erste Hilfe Kurs, man kann ja nie wissen und stellten mit Hilfe des Tropeninstituts und meiner Hausärztin einen guten Medizinkasten zusammen.

Woher hat Hartmut nur diesen so entsetzlichen Tintentripper und schreibt Seiten um Seiten im Tagebuch voll?

Aber vielleicht liegt seine Schreibwut daran, dass er außer dem bisschen Autobasteln eigentlich nichts zu tun hat, während ich in der sonstigen Vorbereitungsarbeit ersticke.

Da waren ersten Mal die Visa: 15 Botschaften und Konsulate wurden angeschrieben und um Antragsformulare gebeten.

Bis auf Mali und Algerien haben alle die Unterlagen geschickt. Nachdem ich in der Algerischen Botschaft anrief, erfuhr ich, dass die zwar gerne Anträge zuschickt, aber keine Anträge genehmigt.

Deutsche zurzeit unerwünscht.

Das bedeutet für uns, statt der ursprünglich geplanten, einfachen Route durch Algerien müssen wir nun die schwere, unbekannte Strecke durch Marokko, Spanisch Sahara und Mauretanien nehmen.

Positiv denken: Wir kommen so auch nach Westafrika.

Einige Visa haben wir nun schon, einige werden wir uns wegen der kurzen Gültigkeit unterwegs besorgen müssen.

Nigeria will noch eine Bescheinigung des Arbeitgebers, können wir türken, denn als Journalist werde ich nicht reisen.

Aber auf Papier der Uni haben wir uns zu Studenten gemacht.

Den ersten Eindruck von „Afrika“ habe ich schon erhalten, und zwar beim Spanischen Generalkonsulat wegen der Visa für Spanisch Sahara. Beim ersten Mal prügelten sich neben mir ein paar Spanier, während ich weiterbedient wurde.

Dann sechs Wochen Pause.

Die Anträge würden in Spanien bearbeitet und die Post gehe nur mittwochs.

Als dann die Anträge zurück waren und ich mit unseren Pässen hinging, musste ich am nächsten Tag wieder zum Konsulat, da es einen Tag dauert, die Stempel in die Pässe zu machen.

Schorch haben wir heute als Dank eine Urkunde überreicht, in der er zum Ehrenhäuptling des ersten Negerstamms ernannt wird, den wir in Afrika zeugen werden:

„ Schorsch hat beim Bau von Hubdach, Gepäckträger und Stoßfänger afrikanischen Ideenreichtum, Geduld und Trinkfestigkeit bewiesen. Wenn das Kunstwerk längst von Elefanten zertreten im Tümpel liegt, wird sein Stern in ganz Afrika noch den Stern des Südens überstrahlen. Danke Schorsch! Berlin den 24.2.1975.“

Wir hatten inzwischen noch einig Großeinkäufe getätigt: Wasserkanister, 5 dicke Goldimitatprotzuhren, 20 Feuerzeuge als Geschenke, Fackeln, Töpfe usw. sowie 5 Polaroid-, 20 s/w - und 30 Farbfilme.

Das ging alles ganz schön ins Geld.

Dann schlossen wir noch einige Versicherungen ab und begannen mit den Impfungen.

Zwölf Benzinkanister holten wir uns von einem Händler in Carlsberg.

Bei einem Gebrauchtteilehändler holte ich uns eine Lichtmaschine.

Als ich sie bei Bosch prüfen lassen wollte, erfuhr ich, dass sie nicht in unseren Bus passt. Zurück zum Händler tauschte er sie mir um.

Also wieder zu Bosch. Diesmal zeigte sich, dass die Lichtmaschine kaputt war.

Mit Blutdruck 300 fuhr ich wieder zum Händler, um ihn mit der Maschine zu erschlagen.

Er musste es mir angesehen haben, denn ich bekam sofort das Geld zurück.

Nach unserer großen Abschiedsfete, Axels Wohnung war genauso voll wie später wir - es musste die größte Ansammlung von Pressevertretern seit anno soundso-, gemessen am Alkoholverbrauch, gewesen sein - wollte ich am nächsten Tag mit dem Bus wegfahren.

Er sprang nicht an.

Jetzt schon Probleme.

Ich fand ein loses Kabel und schloss es an einen freien Stecker.

Jetzt konnten wir fahren, wenn das Standlicht brannte. Aber nur dann.

Na ja, am nächsten Tag sollte der Wagen sowieso zu einer letzten Inspektion in die Werkstatt.

Zollkennzeichen, was eine Rennerei.

Erst Kraftverkehrsamt, dann Versicherung, dann wieder KVA, dann zum Zoll die ovalen Kennzeichen abholen.

Die Carnets vom ADAC hatten wir dann auch.

Es kam keine Langeweile mehr auf.

Lebensmittel einkaufen, Schläuche in alle Reifen, Reisekonto bei der Sparkasse eröffnen und Vollmachten für unsere Eltern eintragen lassen usw.

Toll, so ein Zollkennzeichen.

Beim Falschparken gab es keine Zahlkarte sondern ein Zettel mit der Bitte, sich doch zukünftig an die deutschen Verkehrsregeln zu halten. Leider mussten wir Deutschland mit dem Kennzeichen bald verlassen.

Der Bus wurde gepackt.

Eine Kiste nach der anderen verschwand unter der Liegefläche und auf dem Dach.

Es passte alles rein und rauf.

Nach einer Zwischenrechnung ergab sich, dass wir ohne Autokauf schon fast 7000.-DM ausgegeben hatten.

Afrika, wir kommen.

Die erste Grenze kennen wir leider schon zu gut, wir müssen durch die DDR.

Es ist der 1.4. 1975.

Für die Durchfahrt erhalten wir ein neues Nummernschild statt dem Zollkennzeichen.

Wir scheinen schon echt auszusehen, denn der Ostgrenzer fragt uns als erstes, ob wir deutsch sprechen.

Am Abend sind wir in Bayreuth bei einer Freundin von Axel. Unsere letzte Nacht für lange Zeit in einem richtigen Bett.

Am Morgen bemerken wir die ersten Dinge, die wir vergessen haben und kaufen noch eine Lampe zum Einstellen der Zündung und zwei Gummispinnen, um die Dachladung besser zu sichern.

Die nächste Nacht sind wir in München bei einer anderen Freundin.

Leider hat sie nicht einmal Bier im Haus und so telefoniere ich rum, bis ich einen alten Bekannten erreiche, mit dem wir noch einmal um die Dörfer ziehen und deutsches Bier auf Vorrat trinken.

Wir verbringen eine für eine Afrikareise typische Nacht in Frankreich, wir schneien ein.

Trotzdem ist es ein gemütlicher Abend.

Wir leeren eine Flasche Sechsämtertropfen, das Abschiedsgeschenk aus Bayreuth und hören, nachdem Hartmut den Kassettenrecorder erst reparieren muss, die Kassette eine Freundin, die sie für uns mit Musik und dummen Sprüchen bespielt hatte.

Am nächsten Tag essen wir billig und reichlich in einem der vielen Le Routier-Fernfahrerlokale kurz vor Nimes.

Am Nachmittag beginnt der Bus auseinander zu fallen.

Eine der Schrauben an unserem Hubdach fällt einfach ab!

Darf doch nicht wahr sein, Schorsch du Laie.

Wenn die Schweißstellen schon auf Asphalt abfallen, was bleibt dann auf Wellblechpiste übrig?

Das Wetter bleibt lausig und an diesem Tag hat uns der Winter wieder eingeholt.

Die Bergstraße nach Andorra ist zwar geräumt, aber daneben liegt der Schnee meterhoch.

Wir kommen gerade noch nach Andorra rein, dann müssen wir wieder kehrtmachen. Ohne Schneeketten kein Weiterfahren.

Warum haben wir für eine Afrikareise keine Schneeketten dabei?

Immerhin kaufen wir zu Andorra-Billigpreisen Weinbrand und Zigaretten.

Dann fahren wir den gleichen Weg zurück und bei Bourg-Madame über die Grenze nach Spanien.

Etwas 35 km hinter der Grenze übernachten wir auf einem Parkplatz. Vor uns liegt eine lausig kalte Nacht, Schneetreiben schon seit Stunden. Aber der Brandy wird uns retten.

Es ist dann zwar nicht weniger kalt, aber uns egal.

Ansonsten ist die verschneite und bereifte Berglandschaft wunderschön, die Strukturen gehen durch die tief hängenden Wolken ineinander über.

Inzwischen gibt die Kupplung ein fürchterliches Geräusch von sich und ich stelle sie neu ein. Ich glaube, der Andrückring klappert.

Zuerst habe ich die Kupplung nachgezogen, aber bald wird es noch schlimmer.

Also versuche ich es andersherum.

Jetzt ist es o.k.

Axel wollte gar nichts reparieren, sondern sich lieber an das Geräusch gewöhnen.

Vor Sagunto, auf einem Nachtplatz abseits allen Trubels, nimmt Axel Witterung auf.

Wir finden in einer alten Garage eine Kneipe.

Und so weiter bis zum bitteren Ende.

Heute haben wir den ersten (von wie vielen??) Reifenwechseln dieser Reise.

Beim Hochkurbeln des Busses bricht prompt die Kurbel, mit der wir auch den Motor bei Startschwierigkeiten in Gang bringen wollen.

Wir haben uns auf die Schwungscheibe einen entsprechenden Aufsatz aufgeschweißt.

Ein netter „Taller mecanico“ im nächsten Dorf repariert sie wieder - umsonst.

Hartmut hat sich einen Spiegel gekauft und beim ersten Blick in diesen hat er nichts Besseres zu tun, als sich beim nächstbesten Barbier rasieren zu lassen.

Jetzt stinkt es im Bus wie in einem Puff.

Es ist der 9. April und wir sind in Afrika.

Wir haben die Mittags-Fähre von Algeciras nach Tanger genommen.

Grenzabfertigung in Marokko.

Na ja, was haben wir erwartet.

Da wir ein Zollkennzeichen haben, müssen wir einen Antrag auf die vorübergehende Einführung eines Kfz stellen.

Ein riesiges Formular, in dreifacher Ausführung.

Während Axel sich die Finger fusselig schreibt, helfe ich einem Zöllner, in unserem Bus nach Waffen zu suchen.

Natürlich findet er keine, denn wir haben keine.

Aber dafür übersieht er dank meiner Hilfe unseren Schnaps.

Als guter Geist erweist sich ein sprachkundiger „Führer“, der uns auch zu einer Kfz-Versicherung führt (angeblich Pflicht) und uns bei der Besorgung von Benzingutscheinen und beim Geldwechsel hilft.

Wir hatten schon mit einem solchen Helfer gerechnet und er ist auch nützlich.

Etwas länger dauert dann die Verhandlung über seine Bezahlung.

Er fängt natürlich hoch an. Aber da er ja schon alles gemacht hat und damit auf unsere Fairness angewiesen ist, handeln wir ihn auf ein akzeptables Bakschisch zurück.

Wir fahren weiter in Richtung Rabat und nehmen auf dem Weg ein erfrischendes Bad im Atlantik bei einem schönen grünen Wald.

Wir sind ganz überrascht, wie anders die Gegend jetzt aussieht, bevor die Hitze im Sommer alles verdorrt.

Bei dem was Axel zusammensäuft, würden ihm die Kalorien einer Salzstange an fester Nahrung für den Tagesbedarf genügen.

Gleich am Vormittag lassen wir in einer leistungsstarken Spezialwerkstatt unseren vor zwei Tagen gewechselten Reifen flicken.

Dabei lassen die Reparateure einiges Unverständnis durchblicken, dass wir sie überhaupt mit so einem prächtigen Reifen, der lediglich ein markstückgroßes Loch hat, belästigen.

Sonst pflegen sie wohl bloß Reifen zu flicken, die auf der gesamten Lauffläche durchsichtig sind.

Aber jetzt treibt es uns doch mächtig in Richtung Marrakesch, wo uns ein wunderschöner Biergarten erwartet, den wir dort vor 1 ½ Jahren zufällig entdeckt hatten.

Unterwegs am Straßenrand die ersten Kinder, die uns den marokkanischen Nationalgruß „Zigarett“ zurufen.

Wahrscheinlich lernen sie dieses Wort noch vor „Mama“.

Nachmittags erreichen wir Marrakesch.

Clever wie wir sind, finden wir auf Anhieb unseren alten Campingplatz und den Biergarten - aber der ist geschlossen.

Fassungslos nehmen wir die Recherchen auf, was aus ihm geworden ist, bis uns erklärt wird, der Biergarten sei „antik“, also Vergangenheit.

Scheiß Marrakesch.

Trotzdem, in dieser Stadt ist noch immer schwer was los.

Wir laufen über den Platz der Geköpften (Place Djemma el Fua), wo wieder die Tänzer, Schlangenbeschwörer, Schreiber und sonstige Betrüger aller Schattierungen voll zu Gange sind, und weiter durch die dahinterliegenden Basarstraßen und sind wieder halbwegs mit Marrakesch versöhnt. Halbwegs.

Im Übrigen studiert Hartmut wieder das schlaue Reparaturbuch, weil die Kupplung wieder klappert - wen wundert’s?

Aber wahrscheinlich wird Hartmut dieses Problem noch in Kapstadt bewegen.

Vormittag in Marrakesch: Wir versuchen Sandleitern für die Wüstenfahrt zu kaufen, nachdem wir den dafür vorgesehenen Maschendraht- zu dem wir ohnehin kein Vertrauen hatten - in Berlin vergessen haben.

Der Maschendraht war so eine komische Idee aus einem „Fachbuch“ für Afrikafahrer. Da sind die richtigen Sandleitern oder –bleche schon was anderes.

Immerhin werden diese schweren Eisen-Lochbleche ja auch zum Bau von provisorischen Landebahnen benutzt.

Zu unserer eigenen Verblüffung gelingt es mir, der französisch sprechenden Umgebung unseren Wunsch klar zu machen, indes: Wir finden kein Geschäft, das Sandleitern führt.

Schließlich nehmen wir uns einen Führer, der uns in einer 3-Stunden-Tour über sämtliche Schrottplätze von Marrakesch führt.

Auf einem finden wir tatsächlich Sandbleche, aber die Verbrecher fordern für ihre rostigen Dinger sagenhafte 350 Dirham ,also rund 200.-DM und lassen sich nur auf die Hälfte runterhandeln, so dass wir beschließen, unser Glück in Agadir zu versuchen.

Unser Führer, der auf eine schattige Medina-Tour gehofft hatte, ist schließlich froh, die beiden irren Blechkäufer los zu werden - nicht einmal einen Tee will er noch mit uns trinken.

Wir entlohnen ihn mit 10 Dirhams.

Der Tag war nicht sein Tag.

Anschließend sind wir erfolgreicher.

Ich erstehe mir für lumpige 3 Dirhams einen wunderschönen Sonnenhut aus Stroh, der viel schicker aussieht, als Hartmuts lächerlicher Sheriffs-Stutzen.

Ich weiß gar nicht, was Axel an seinem Strohhut schön findet.

Solche Hüte tragen hier sonst nur die Droschkenpferde oder Neckermänner.

Wir fahren weiter.

Zwischen Essaouira und Agadir sehen wir oben Ziegen auf den Arkadien-Bäumen, die dort fressen.

Als ich eine fotografiere beginnt ein großes Lamento der mindesten zehn Ziegenhüter, die höchstens zehn Jahre alt sind.

Wir geben ihnen Zigaretten, da sind sie zufrieden.

Sicher bekommen die hier ihre erste Fluppe von der Hebamme.

In Agadir lassen wir einen Ölwechsel machen und neues 40/50er Öl wegen der zu erwartenden Hitze einfüllen.

Und nun zu den Sandblechen.

Wir finden sogar einen Laden, der sie hat. Aber der macht erst Montag wieder auf.

Auch nicht schlecht, machen wir zwei faule Badetage in Agadir.

Heute Abend haben wir unser Hubdach eingeweiht und essen nun Abendbrot beim Schein unserer guten Coleman- Benzinlampe, der Wind streicht durchs Moskitonetz.

Wir haben über unseren Köpfen im Hubdach eine Afrikakarte angeklebt und tragen unsere gefahrene Strecke ein.

So sehen wir jeden Morgen beim Aufwachen, was uns noch bevorsteht.

Masochismus?

Um Mitternacht bekommt Axel, der seinen Rausch ausschläft, gar nicht mit, wie ich versuche, einen Hund zu ermorden, der auch diese Nacht wieder durchgehend um das Auto heult.

Leider ohne Erfolg, das Vieh ist zu schnell und gerissen.

Ich hoffe, er hat wenigstens Flöhe.

Nach dem Frühstück fahren wir frohgemut nach Agadir hinein, um endlich die Sandleitern zu kaufen.

Große Pleite: Der Laden, der sie angeblich haben soll, hat nur ganz gewöhnliche Lochbleche, nichts für die Sahara.

Daher große Stadtrundfahrt a la Marrakesch: Von „Magazin“ zu „Magazin“, von Schrottplatz zu Schrottplatz.

Auf einem finden wir endlich zwei passende Bleche, aber der Boss will sie nicht verkaufen, da er sie selber braucht.

Wir suchen weiter, ohne Erfolg.

Wir fahren zum Schrottplatz zurück, vielleicht können wir den Boss doch beschwatzen.

Pech, der hat Mittagspause.

Wir auch.

Anschließend wieder dorthin zurück.

Chef hat immer noch Mittagspause.

Aber dann kommt er doch und erklärt uns, in Inezgane, zehn Kilometer hinter Agadir, gebe es Sandbleche wie Sand am Meer.

In unserer Verzweiflung glauben wir ihm und fahren hin.

Und siehe da: Auf einem Schrottplatz am Ende des Nestes stehen sie haufenweise rum.

Der Rest ist Verhandlungssache.

Sie fordern 150 Dirhams, wir handeln sie runter auf 90, incl. dem Zurechtschneiden auf die passende Länge, sie müssen nämlich zwischen die Achsen passen, da wir ja Hinterradantrieb haben.

Am frühen Nachmittag kommen wir weiter und fahren nach Goulimime, wo es einen interessanten Kamelmarkt geben soll.

Das ist schon richtig, aber er findet nur am Samstag statt, heute ist Montag.

So lange wollen wir in diesem traurigen, verstaubten Nest nicht bleiben und fahren weiter.

Am Abend veranstalten wir einen schönen Suff mit andorranischem Brandy und Schultheiss-Bier aus Berlin - jawohl: Unsere Vorräte sind noch lange nicht erschöpft.

Der späte Vormittag sieht uns in TanTan, der letzten Stadt vor der Sahara und Ende der Asphaltstraße und der Welt.

So was von einem verlorenen Nest.

Aber viel Militär.

Wir passen uns dem geschäftigen Treiben der Bevölkerung an und sitzen stundenlang in einem Café.

Vorher hatten wir noch auf der Polizeistation erfahren, dass morgen ein Autokonvoi nach Spanisch Sahara abfahren soll.

Wir wollen uns anschließen - falls einer fahren sollte.

Transsahara

Die Gegend wird immer „afrikanischer“, wir haben angefangen, unser Trinkwasser mit Mikropur-Pulver zu entkeimen.

Als der Tankwart in Goulimine, wo wir für die Wüstenfahrt Wasser und Benzin gebunkert hatten, sah, wie wir das Pulver in die Wasserkanister schütteten, fragte er uns, ob man davon gesund wird.

Ich sagte ja, da wollte er auch eine Tüte haben. Er hat sie bekommen.

Was ein Tag!

Es ist null Uhr und wir sind komplett besoffen.

Und das kam so: Um sechs Uhr klingelte der Wecker. Pünktlich um 7.45 Uhr waren wir in TanTan, um den Lastwagen Konvoi zu treffen.

Natürlich nix Konvoi.

Stattdessen fragen wir einen Militärsheriff.

Der sagt uns, wir sollten ruhig losfahren, ab TanTan-Plage würden dauernd Militär Fahrzeuge nach Tarfaya verkehren.

Also fahren wir los.

In Tan-Tan-Plage nix Militär, stattdessen eine Sahara-Tours-Reisegruppe.

Als wir deren Landrover Fahrer fragen, erklärt er uns, die Strecke bis Tarfaya sei gar kein Problem, alles asphaltiert etc.

Also fahren wir los:

Die ersten 100 Kilometer gar kein Problem, recht gute Asphaltstraße.

Aber dann Feierabend.

Die Piste beginnt.

Nach einigen Kilometern treffen wir zwei VW-Busse aus Bad Aiblingen (Bayern), die glauben, kein Benzin mehr genug zu haben, um bis Spanisch Sahara zu kommen.

Wir beruhigen sie und fahren im Konvoi weiter.

Welch ein Glück.

So oft, wie die uns aus dem Sand gezogen haben!

Die Piste wird schlimmer und schlimmer.

Abwechseln Geröll und Flugsand.

Einer versucht mit Schwund durch den Sand zu kommen, was nicht immer gelingt.

Aber durch muss er, damit er anschließend die anderen ziehen kann.

Schieben - Sandleitern - schieben - ziehen.

Bis zum Erbrechen.

Außerdem braucht man zum Ziehen möglichst einen festeren Untergrund.

Wir legen die Sandleitern vor die Antriebsräder, also hinten, und da die anderen Busse auch Leitern haben, diese vor die Vorderräder. Mit Glück reicht der Schwung, um auch wieder auf diese Leitern zu kommen, dann kommt man etwas weiter.

Ohne die Bayern (4 Männer, 2 Frauen) wären wir jämmerlich stecken geblieben.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei kaum 10 Km/h.

Zwischendurch eine lausige Panne.

Mitten in einer Sanddüne bleibt unser Auto stehen, springt nicht mehr an.

Hartmut und die bayrischen Kumpane finden schließlich den Fehler, Unterbrecherkontakt oder sowas.

Er wird ausgetauscht und weiter geht‚s.

Und das bei einer gnadenlosen Sonne, die uns den Pelz verbrennt und die Zunge am Gaumen festklebt.

Später treffen wir noch zwei deutsche VW-Busse im Nirgendwo.

Vielleicht haben wir uns gegenseitig gerochen, im wahrsten Sinn des Wortes.

Oder hier muss ein Nest sein.

Konvoi zu fünft bis Tarfaya.

Dort geben wir unsere Pässe bei der Polizei-Station ab.

Morgen früh um 9 Uhr sollen sie mit Ausreisestempeln versehen sein.

Wir starten ein großes Besäufnis.

Plötzlich und unerwartet bekommen wir um 23 Uhr doch noch unsere gestempelten Pässe zurück.

Vielleicht schaffen wir morgen noch die Grenze, die nur an zwei Tagen in der Woche vormittags offen ist.

Wir werden sehen.

Ansonsten: Unser Afrika-Führer schreibt über das heute gemeisterte Pistenstück:

„ Wer diese Strecke ohne große Probleme schafft, braucht auch für den Rest der Sahara Durchquerung keine Angst mehr zu haben.“

Wir haben die Strecke geschafft.

Aber wie?

Eine mörderische Piste.

Schotter, Steine, Flugsand, kilometerweit ohne jede Markierung.

Das heißt, einer muss irgendwie im Gelände die beste Strecke suchen.

Schließlich kommen wir doch mit allen fünf Bussen in der Abenddämmerung nach Tarfaya- nach mindestens 20 Mal Ausbuddeln und Anschieben.

Das ist das Besäufnis wert.

Morgen früh geht‚s weiter.

Das Besäufnis in unserem Bus war kolossal: Zu fünft und teilweise noch drei besoffene Einheimische.

Der Tag fängt so harmlos an.

Mit den vier anderen Bussen zuckeln wir im Konvoi los und erreichen ohne Probleme die Grenze nach Spanisch Sahara.

Unser Kater von gestern Abend macht uns mehr zu schaffen, als die Piste.

Vor der Grenze müssen wir durch zahllose Kontrollen, Militärposten an der Straße, über Asphalt bis Aaiun.

Dort füllen wir unsere Kanister für die nächste Wüsten-Etappe, ca. 780 Km ohne Tankstelle.

Trinkwasser gibt es hier nicht mehr umsonst. Der Liter kostet 1 ½ Peseten, ca. 6 Pfennig.

Am Abend fahren wir mit den vollbeladenen Bussen vor die Stadt.

Dort beginnt dann an allen Bussen das große Basteln, Schrauben nachziehen, nach der schlimmen Pistenfahrt des Vortages.

Zuerst entferne ich nur den reichlichen Sand aus dem Abdeckblech vorne.

Dann will ich den Bus zur Seite fahren.

Aber siehe da, die Kupplung trennt jetzt nicht mehr.

Nachdem wir alles überprüft haben, ist unser Latein am Ende und wir tippen auf das Ausrücklager.

Das heißt: Motor raus.

Warum geht eigentlich immer der Bus kaputt, mit dem ich fahre???

Nach langem Suchen finden wir eine Werkstatt und schleppen unseren Bus dorthin.

Dann verabschieden wir uns von den anderen Bussen.

Eigentlich schade, wir hatten uns doch gut eingespielt.

Der Begriff Werkstatt ist ja wohl auch sehr relativ.

Ein Dreckplatz mit einer Mauer rundherum.

Schrott, Wellblechhütte, Öltonne zwar vorhanden, aber doch mehr Öl im Sand.

Mir fällt unser Reparaturbuch von VW ein: Reinigen sie die Teile vorsichtig und halten sie sie von Staub und Schmutz frei.

Also Motor raus.

Große Spannung. Ach du Scheiße.

Von dem Hebel an dem das Kupplungsseil hängt, ist einer der beiden Arme abgebrochen, auf denen das Ausrücklager hängt.

Das habe ich auch noch nie gehört.

Und natürlich haben wir genau dieses Teil auch nicht mit.

Um 16 Uhr machen die Geschäfte wieder auf - was für Geschäfte? - und dann will unser Mechaniker versuchen, ob er das Teil bekommt.

Sonst muss es aus Las Palmas eingeflogen werden.

Mal sehen.

Axel und ich gehen jetzt erst mal ins Schwimmbad, das es hier sogar gibt.

Es ist jetzt Abend.

Axel und ich sitzen wieder in unserer „Stammkneipe“.

Folgendes ist inzwischen passiert.

Wie zu erwarten, gab es das Teil in keinem Geschäft oder Schrottplatz oder Werkstatt, obwohl das alles mehr oder weniger dasselbe ist.

Also hat unser Mechaniker das kaputte Teil angeschweißt.

Immerhin ist er in seinem Schweißerstolz überzeugt, dass eher alles andere kaputt ginge, als dieses Teil.

Als hätte Schorsch gesprochen.

Wann ging doch gleich seine erste Schweißnaht wieder auf?

Auch der Motor ist schon wieder eingebaut, aber noch nicht angeschlossen.

Manana.

Wir haben einen Schlüssel für den Werkstatthof, um nachher wieder rein zu kommen, da wir im Bus schlafen.

Nudeln und Rindfleisch zwischen Autoteilen und Gerümpel.

Wo sitzen wir?

In der bekannten Kneipe!?!

Wo sonst!!

Das Auto ist inzwischen auch fertig und sogar einen neuen Regler haben wir.

Der alte Regler gab ohne Angabe von Gründen seinen Geist auf.

Und auch das alt bekannte Geräusch an der Kupplung haben wir wieder mit eingebaut.

Wie beruhigend.

Alles zusammen sind wir mit rund 160.-DM gut davon gekommen.

Also warten wir auf neue Konvoi-Partner.

Das kann frühestens Montag sein, da die Marokkanische Grenze nur Montag und Donnerstag offen ist.

Ich hoffe, wir warten nicht noch länger.

Wir sitzen....

Nein, nicht in der Kneipe, sondern in unserem Bus und lassen einen mittleren Sandsturm über uns ergehen.

Es heult und jault um uns herum und der Sand prasselt gegen den Wagen.

Aber innen ist es einigermaßen staubfrei aber dafür stickig und heiß.

Bevor der Sturm kam, hatten wir den Bus noch leergeräumt und Probe gefahren, da er nicht richtig zog.

Es lag aber nicht am Gewicht und den vollen Kanistern.

Der Bus lief nur auf drei Zylindern.

Eine Kerze und Kerzenstecker waren kaputt.

Unser großer Techniker hatte den Motor etwas brutal eingebaut.

Ich wechselte gleich alle Kerzen aus und baute welche mit einem höheren Wärmewert ein.

Die Lenkung habe ich auch geschmiert.

Jetzt sollte unser Bus aber richtig schnurren.

Vormittags machen wir wegen der Langeweile einen Ausflug zum Hafen, der rund 25 km entfernt ist.

Na ja, ein richtiger Hafen ist das auch nicht.

Die Schiffe liegen vor der Küste und die Waren werden von großen schwimmfähigen offenen Lastwagen, oder sind es Landungsboote mit riesigen Rädern, was auch immer, an Land gebracht.

Dort treffen wir einen deutsch sprechenden spanischen Soldaten, der neun Jahre in Konstanz gelebt hat und jetzt hier seinen Wehrdienst ableistet.

1 ½ Jahre- die arme Sau.

Uns reichen schon die paar Tage.

Wo sind wir zum Mittag?

In unserer Stammkneipe, wieder in Aaiun.

Wo sonst?

Ein Typ gesellt sich zu uns, der perfekt deutsch spricht.

Er hat ca. 25 km hinter Aaiun eine Bar.

Mitten in der Wüste?

Es stellt sich heraus, dass er ein ehemaliger Söldner ist.

Die Einladung, ihn in seiner Bar zu besuchen, nehmen wir natürlich für einen der nächsten Tage an.

Dann wird‚s gemischt.

Ein gammeliger Typ aus Baden-Baden taucht auf, der mit einem VW-Bus und zwei Französinnen nach Togo will.

Ein Visum für Mauretanien und Mali haben sie aber noch nicht.

Übrigens auch keine Benzin- und Wasserkanister, von Sandleitern ganz zu schweigen, aber halt viel Gottvertrauen.

Immerhin sind sie damit bis hierher gekommen weil der Bus so leer und leicht ist und auch über die Grenze, die eigentlich heute geschlossen sein sollte.

Na ja, die Französinnen.

Falls wir mit dem Typ im Konvoi fahren sollten, na dann, gute Nacht.

Hartmut will nur die Französinnen mitnehmen und den Typ in der Wüste verscharren.

Er hat zu viel Sonne abbekommen, mit seinen blöden Sprüchen.

Hoffentlich kommen morgen, wenn die Grenze offiziell offen ist, ein paar vernünftige Leute.

Heute wollte der Typ seinen Anlasser reparieren und wusste noch nicht einmal, wo der liegt.

Und so was will durch die Sahara.

Kein Wunder, dass die Leute aus Mauretanien keine Lust haben, dauernd solche Neulinge zu suchen.

Axel und ich sitzen jedenfalls wieder in .....

Wo sonst.

Wir haben ein Schild an unseren Bus gemacht, dass wir Konvoi Partner suchen und hier in der Kneipe anzutreffen sind.

Das Auto steht vor der einzigen Tankstelle.

Die Warterei erweist sich als große Fehlanzeige: Niemand kommt.

Unser Mechaniker gibt immerhin dafür eine Lage Bier aus.

Langsam aber sicher gehören wir zum festen Inventar der Kneipe.

Es folgt ein typischer Sahara-Abend:

Wir sitzen um einen Holzkohle-Ofen, weil es saukalt ist, essen Palatschinken (Eierkuchen) und besaufen uns an Gin mit etwas Cola,

Wir sind in die Bar unseres deutsch- sprechenden Freundes gefahren. der uns ja eingeladen hatte.

Der Weg war leicht zu finden, 15 km hinter Aaiun links ab, dann kommen ein paar Palmen, dann durch ein Tal, dann kommt das Fort Schakal, an dem links vorbei und dann einfach nach der Bar fragen.

Wir haben sie gefunden.

Normalerweise beschlucken sich hier allabendlich die Legionäre aus der Festung, aber seit vorgestern hat es ihnen der Oberstleutnant verboten.

Unser Freund vermutet, der Grund dafür ist, dass er keine Nutten bereithält.

So sind wir die einzigen Gäste.

Unser Gastgeber ist gebürtiger Prager (daher der Palatschinken), jetzt spanischer Staatsbürger, ehemaliger Söldner, jetzt Kneipenwirt (Karriere!), und lebt hier am Ende der Welt mit seiner ca. 10-jährigen schwarzen Adoptivtochter, die ebenfalls deutsch spricht, dem Hund Iwan und zwei weiteren obskuren Typen.

Wir sitzen ..... usw., wo sonst.

Vorher waren wir noch auf der Polizei, unsere Visa verlängern lassen.

Das heißt, wir werden noch den nächsten Donnerstag abwarten, wegen der offenen Grenze und dann, komme was wolle, Freitag losfahren.

Wir hatten uns inzwischen überlegt, unserem Freund zu helfen und dazu wollten wir die beiden Französinnen mit in seine Bar nehmen.

Dann gäbe es einen Aufstand in dem Fort, wenn die Soldaten nicht in die Bar dürfen.

Die Mädchen hatten aber wohl den Verdacht, wir wollen sie an einen Soldatenpuff vermieten.

Eigentlich keine schlechte Idee.

Jedenfalls wollten sie dann doch nicht mit.

So fahren wir alleine zu unserem Freund.

Es wird wieder ein gemütlicher Abend.

Diesmal gibt es auf Holzkohle gegrillte Koteletts.

So lässt es sich sogar hier aushalten.

Zur Abwechslung sind wir mal wieder im Schwimmbad.

Auch der Begleiter der Französinnen kommt dazu und springt mit seinen Shorts ins Pool, um anschließend zu merken, dass er noch seine Papiere und Geld in der Tasche hatte.

Kein Kommentar.

Am Abend sind wir wieder mit dem Tschechen verabredet.

Er kommt, aber es wird vorerst nichts aus dem gemütlichen Abend, da er seine Bar schließen will und alle seine Sachen rausholen möchte.

Also fahren wir zu seiner Bar.

Viel ist es ja nicht, was wir in sein und unser Auto laden, während er gleichzeitig einen gewaltigen Streit mit seiner jetzt ehemaligen Bedienung hat.

Trotz der Lautstärke verstehen wir nicht viel, bekommen aber den Höhepunkt mit, als sie ihn beschuldigt, Hitler zu sein.

Ihr sei das zwar egal, aber es müsse schon was schlimmes sein, wenn alle Leute darüber reden.

In der Zwischenzeit leeren wir alle angebrochenen Flaschen.

Ziemlich angetrunken fahren wir nun zum Tschechen nach Hause nach Aaiun, wo er eine Wohnung hat.

Leider geht sein Auto auf der Strecke kaputt und wir lassen es in der Wüste stehen.

Im Dunkeln können wir nicht viel machen.

Seine Wohnung liegt in einer reizenden Gegend, dem Gestank nach direkt am Fluss.

Inzwischen haben wir schon wieder Durst oder sind so besoffen, dass es nicht mehr darauf ankommt.

Jedenfalls werden jetzt auch noch mehr Flaschen aufgemacht.

Irgendwann kapituliere ich und trinke Cola, was mich in den Verdacht bringt, pervers zu sein.

Die anderen, Axel, der Tscheche und sein Freund, saufen weiter, harte Sachen aus Wassergläsern.

Die Sprachunterschiede fallen nicht mehr ins Gewicht.

Der Freund fährt laufend Essen auf, ignorierend, dass wir satt sind.

Gegen drei wirft auch Axel das Handtuch.

Michael Serpas, unser Tscheche, spuckt noch große Töne, ein Mitglied der spanischen Ehrenlegion bleibt immer senkrecht.

Er zeigt uns seinen Legionsausweis, obwohl er kaum noch stehen kann.

Außerdem verkündet er, wie er in Spanisch Sahara Revolution machen würde.

Z.B. vor allem die spanische Regierung verunsichern, indem er Leute entführt und nach einiger Zeit wieder frei lässt, ohne irgendwas gefordert zu haben.

Oder Bomben hochgehen lassen, aber so, dass niemand verletzt wird.

Sein einziger Kummer ist, dass sowohl die Polizei etwas dagegen hat und seine arabischen Freunde die Taktik für blöd halten.

Sie wollen Tote sehen.

Falls wir verhört werden, sollen wir sagen, dass er stolz darauf ist, Spanier zu sein und er sich gar nicht erklären kann, wieso jemand etwas gegen ihn hat.

Aus solchem Holz wie Michael sind also die Leute geschnitzt, die das Elend der Erde beenden.

Als er die Luftmatratze aufblasen will, haben wir Angst, er kotzt hinein.

Letzter Tag in diesem Kaff:

Wir sitzen stundenlang in unserer Kneipe und warten auf Konvoi Partner.

Das tragische ist, dass wir nur noch spanisches Geld für sieben läppische Bier haben.

Diese ziehen wir den ganzen Tag über in die Länge und sitzen halb-trocken herum.

Aber niemand kommt.

Das Leben kann so hart sein, vor allem, wenn man Nachdurst hat.

Der eine Typ ist übrigens mit seinen Französinnen per Schiff nach Las Palmas gefahren, um sich die Visa zu besorgen.

Wahrscheinlich werden ihn die Girls dort verlassen, nachdem sie wieder in menschlichen Gegenden sind und sich einen neuen Idioten suchen, der sie irgendwohin mitnimmt.

Der Knackarsch reicht sicher wieder als Fahrkarte.

Endlich geht es weiter.

In unserer Stammkneipe wird ja heute das Rätselraten ausbrechen, was mit uns ist.

Laut Karte soll die Straße nicht so schlecht sein.

Die spanische Grenzstation ist schon weit vor der Grenzlinie, es folgen noch 120 km Straße und dann sind wir an der Grenze.

Genau da hört die Asphaltstraße auf und weiter geht es auf Piste.

Nur einmal sanden wir ein, weil wir vergessen haben, die Luft vorher aus den Reifen zu lassen.

Irgendwann brauchen wir wieder den Kompass, um uns für eine der vielen Fahrspuren zu entscheiden.

Zum Glück merken wir rechtzeitig, dass der Kompass im Auto völlig anders anzeigt, als draußen.

Eigentlich logisch, wegen der Metallmasse des Busses.

Könnte eine hübsche Inschrift auf einem Grabstein sein.

In Bir Moghrein, dem mauretanischem Posten, bittet uns der Grenzer, einen Passagier bis Zouerate mitzunehmen.

Was kann man einem Grenzer schon abschlagen, wenn der die Papiere hat.

Der Mitfahrer erweist sich dann aber sogar als ganz nützlich, denn er kennt den Weg.

Außerdem muss er beim Buddeln und Schieben helfen, wir sanden ein paarmal ein.

Zum Abendbrot begnügt er sich mit einer Dose Ölsardinen und einer Tasse Tee, allerdings mit acht Stück Zucker.

Wegen dem hellen Mondschein möchte er aber im Bus schlafen.

Na ja, während der Fahrt hat er auch schon immer so komische Sachen gesungen und alle Stunde gebetet - die Hitze.

Er schläft vor dem Bus.

Unser Auto ist endgültig am Auseinanderfallen.

Mal sehen, was morgen in Zouerate noch heil ist.

Außerdem geht bei einem Reifenwechsel der Wagenheber kaputt.

So stützen wir das Auto ab und buddeln unter dem Reifen ein Loch, bis das Rad frei ist.

Besser gesagt, unser Gast buddelt sich Blasen an die Hände.

Endlich sind wir da.

Zuerst ist Zouerate eine große Enttäuschung, ein Sand- und Drecknest. obwohl eine Stadt mit französischer Mine.

Eigentlich bauen die Minengesellschaften doch für ihre Leute wenigstens Asphaltstraßen und richtige Häuser, schon um sich, wie sie glauben, von den Einheimischen zu distanzieren und ihre Überlegenheit zu zeigen.

Doch nach einiger Querstraßen ist es dann auch hier so.

Schwarze nur noch als Dienstpersonal.

Und es gibt wieder ein Schwimmbad.

Als wir unserem Mitfahrer anbieten, mit uns weiter bis Atar zu fahren, wo er eigentlich auch hin will, sagt er uns, dass er ab hier lieber die Bahn nimmt.

Bei seinem Glück mit den Verkehrsmitteln, wird sicher der Zug entgleisen.

Aber zuerst fahren wir zum europäischen Club und essen gute französische Küche.

Preis 70.-DM. Da wir aber nicht vorher gefragt hatten, buchen wir es als Lehrgeld ab.

Immerhin war es lecker.

Am Morgen lassen wir für 2 Mark und ein Feuerzeug den Wagenheber reparieren, nur um anschließend unter dem Beifahrersitz einen zweiten Heber zu finden.

Hatten wir vergessen.

Der Rest des Tages faulenzen wir im Schwimmbad und fahren am Abend noch weiter bis Fort Derik, auch einem Sandnest.

So habe ich mir meinen Geburtstag, 29.4. vorgestellt! Alles voller Sand, selbst beim furzen staubt es.

Im Moment machen wir Mittagspause auf einem Stück Geröllpiste inmitten von Sanddünen, durch welche man den Bus wie ein Idiot durchreiten muss: Zweiter Gang- Vollgas, der Motor beginnt zu sterben - schnell den ersten Gang rein-Vollgas, usw., irgendwie in der Art.

Mit der Zeit lernt man es.

Trotzdem bleibt der Bus immer wieder stecken.

Er hat halt keinen Vierradantrieb und ist außerdem schwer beladen.

Also ausgraben und Sandleitern legen.

Meistens bleibt der Wagen stecken, weil er mit dem Motor im Sand aufsetzt.

Axel erweist sich als großer Graber und ich durchquere die Wüste zum großen Teil zu Fuß, weil ich oft erst vorgehe, um den besten Weg zu suchen.

Eigentlich ist es wunderschön hier, eigentlich.

Den Kompass brauchen wir kaum, da alle Reifenspuren ungefähr in die gleiche Richtung führen.

Aber für heute machen wir Schluss.

Und was haben wir geschafft?

52 km in zehn Stunden.

Ich glaube, ich spinne.

Eben fährt ein großer Lastwagen an uns vorbei und schaltet sogar in den dritten Gang hoch.

Sie hatten einen Bogen gefahren, um zu sehen, wer da noch im Nirgendwo ist.

An einer Stelle hingen wir fast drei Stunden, wir kamen immer gerade um eine Sandleiter-Länge weiter.

Dabei sauste eine Leiter, als ich auf sie fahre, nach hinten weg und traf Axel am Bein.

Zum Glück gibt es nur einen blauen Fleck.

Ein gebrochenes Schienbein hätte noch gefehlt.

Ein Reifenwechsel war auch noch nötig.

Schnauze voll?

Als Pistenmarkierung hinterlassen wir heute Abend einen leeren Bierkarton mit einer guten Menge leerer Büchsen.

Wenn ich gestern hinter Schnauze voll noch ein Fragezeichen gesetzt habe, so ist heute ein Ausrufezeichen angebracht.

48°C im Schatten.

Axel hat den Rekord im Wüste umgraben gewonnen.

Mit 47 PS ist das Auto einfach untermotorisiert.

Ansonsten haben wir heute keinen anderen Menschen gesehen.

Wir werden mal probieren, ob wir auf den Schienen einer Eisenbahn fahren können, die durch die Wüste führt.

Es ist eine Erzbahn, wir haben sie schon gesehen, wie vier Dieselloks einen unendlichen Bandwurm von Anhängern hinter sich herzogen.

Man kann auf den Schienen fahren, sogar sehr gut.

Allerdings zerfetzen die Stahlsplitter von den Schienen die Reifen - zuletzt unseren allerletzten Reservereifen.

Jetzt haben wir nur noch die vier Reifen, die dran sind.

Aber wir werden durchkommen, verdammt noch mal.

68 km haben wir heute geschafft, mit den 52 km von gestern sind das 120, wir haben also bloß noch lumpige 184 km bis Atar - wäre doch gelacht.

Gegen Abend, der Tag war wieder drückend heiß, auch wenn es inzwischen dunkler wird, ein Zischen.

Verdammt ein Reifen kaputt.

Wir steigen aus, aber alle Reifen sind o.k.

Dafür sehen wir auf der Antennenspitze ein kleines blaues Feuer brennen.

Martinsfeuer, wo bleibt der Klabautermann.

Der Himmel hat sich bezogen und man glaubt es kaum, es beginnt zu regnen und zu gewittern.

Und das mitten in der Sahara.

Es ist unglaublich, ja fast unheimlich.

Wir fahren neben die Schienen und springen aus den verschwitzten Klamotten und duschen im Regen.

Hoffentlich hält der Regen an, bis die Seife abgewaschen ist.

Er hält an.

Mauretanien hat ja doch mehr zu bieten als nur Dreck und Sand.

Danach machen wir Feierabend für heute.

Frischgeboren machen wir den letzten Brandy alle.

Das Wetter hat es heute am 1. Mai ganz gut mit uns gemeint, der Himmel ist bewölkt und gelegentlich regnete es.

Im Moment stehen wir neben einem deutschen VW-Bus, der sich mit der Eisenbahn angelegt haben musste, denn er sieht nun wirklich nicht mehr serienmäßig aus.

Wir nehmen den stummen Hinweis ernst, denn wir fahren auch schon wieder seit einiger Zeit auf den Schienen, die einzige Möglichkeit für uns, weiter zu kommen.

Allerdings haben wir ein flaues Gefühl im Magen, denn unsere Reservereifen sind ja alle aufgebraucht.

Es geht trotzdem auf den Schienen weiter, bis diese anfangen, sich auf einer Trasse ins Gebirge zu winden.

Wir haben keinen Blick mehr wenn ein Zug kommen sollte und von der aufgeschütteten Trasse kommen wir auch nicht mehr runter.

So lege ich den Rückwärtsgang ein und fahre so weit zurück, bis wir seitlich von den Schienen runter kommen und außerdem eine Möglichkeit sehen, uns so durchzuschlagen.

Es geht weiter auf Geröllpiste und teilweise in einem alten Flussbett.

Es ist schon ziemlich anstrengend, das Lenkrad festzuhalten, da die Räder immer wieder wegdrehen wollen.

Aber jetzt wollen wir es wissen und kommen tatsächlich gegen 16.00 Uhr in Choum an, einem kleinen Stationsposten der Eisenbahn, einige Loks, Werkstatt, Hütten, wenige richtige Häuser.

Hoffentlich wache ich jetzt nicht auf und habe nur geträumt und sitze immer noch in der Scheiße.

Wir gehen in Choum nämlich zu den Häusern der Franzosen, um wegen der Möglichkeit zu fragen, unsere Reifen flicken zu lassen.

Aber so schnell geht das nicht.

Das erste, was man uns anbietet, ist kaltes Bier in einer kleinen Privatbar.

So kommen wir ins Gespräch und lernen alle sechs Franzosen kennen, die hier arbeiten.

Später werden wir sogar noch zum Essen eingeladen, gute französische Küche mit mehreren Gängen.

Und damit nicht genug, duschen können wir auch noch.

Wir haben wieder einmal den Punkt im Umkreis von -zig Kilometern gefunden, wo es sich aushalten lässt.

Und das nach solchen Tagen, wie den letzten.

Die Franzosen erzählen, dass fast alle Touristen, so wenig wie es auch sind, an ihrem Posten vorbeifahren.

Deshalb hätten sie sich auch gefreut, mal wieder andere Gesichter zu sehen.

Kann ich gut verstehen.

Eigentlich wollen wir heute weiter bis Atar fahren, aber dann fallen wir an der Dorfausfahrt einem größenwahnsinnigen Dorfzöllner in die Hände.

Erst will er unsere Devisen-Deklaration sehen.

Na gut.

Dann alle Devisen, bis auf den letzten Pfennig.

Von uns aus.

Also blättern wir ihm den Inhalt unserer Geldgürtel und des Geheimfaches auf den Tisch.

Plötzlich großes Problem. Wir haben 100 Dollar mehr dabei, als angegeben.

Die waren im Geheimfach gewesen, und die hatten wir beim Ausfüllen der Deklaration glatt vergessen.

Daraufhin stellt der Zöllner unser Auto auf den Kopf und fördert noch 10 einzelne Dollar, 10 Dirham und 20 Mark zutage, die er zusammen mit den 100 Dollar zu viel beschlagnahmt.

Außerdem konfisziert er unsere Polaroid-Kamera, weil angeblich nur ein Fotoapparat pro Person erlaubt sei.

Zusätzlich zur Beschlagnahme verlangt er eine Geldstrafe von 1000 Mark.

Was zu viel ist, ist zu viel.

Wir schalten auf stur, da er erstaunlicherweise auch nicht bestechlich ist.

Jetzt hat er ein Problem.

So ruft er am Nachmittag seinen Vorgesetzten in Atar an, der uns alle drei für morgen zu sich beordert.

Wir lassen uns das beschlagnahmte Geld und die Kamera quittieren, die er uns aber später wieder zurück gibt.

Mal sehen, was uns morgen in Atar beim Oberzöllner erwartet.

Immerhin hatten die Franzosen schon unsere drei Reservereifen umsonst geflickt und nehmen uns auch wieder unter ihre Fittiche.

Das Verhalten des Zöllners überrascht sie nicht, wahrscheinlich habe ihn seine Alte die Nacht vorher aus dem Bett geschmissen.

Wir dürfen eine Eisenbahn besichtigen, die hier steht.

Normalerweise haben die hier keinen Aufenthalt, wenn vier Zugmaschinen rund 193 Anhänger vorbeischleppen.

Perverserweise haben wir uns erkundigt, dass man sein Auto von Choum bis Atar auch per Bahn verladen kann.

Aber das wäre stillos und 200 Mark teuer - und zu bequem für den Zöllner, der ja morgen mit uns muss.

Die Franzosen laden uns wieder zu einem guten Essen ein und um 22 Uhr sind wir besoffen und fallen in die Schlafsäcke.

Mit halbstündiger Verspätung- unser Zoll-Effendi hatte verschlafen- fahren wir um halb 9 los in Richtung Atar.

Unterwegs lassen wir unseren Effendi erst mal ein bisschen graben und schieben, leider bleibt das erste auch das letzte Sandloch.

Dafür haben wir wieder mal einen Platten.

Als wir beim Übergang vom Sand auf Steinpiste den Luftdruck in den Reifen erhöhen wollen, geht die Pumpe prompt kaputt.

Der Effendi will daraufhin ein vorbeifahrendes Auto anhalten, aber die kümmern sich nicht um ihn, bis er seinen Ballermann aus dem Halfter nestelt und Krieg spielen will.

Da hält das andere Auto dann doch lieben an und wir bekommen eine Luftpumpe geliehen.

Später will der Effendi selbst ans Steuer, weil Hartmut ihn zu langsam fährt.

Aber wir lassen ihn nicht. Wir brauchen das Auto noch.

Da ist er eingeschnappt. Na und.

Gegen halb2 mittags kommen wir in Atar, einem der übelsten mauretanischen Steinhaufen mitten im Sand, an und treffen dort einen der beiden bayerischen VW-Busse, mit denen wir in Marokko im Konvoi gefahren waren.

Die Bayern sind schon wieder auf dem Rückweg in Richtung Heimat.

Sie waren bis Dakar geknüppelt und knüppeln jetzt die gleiche Strecke zurück.

Ob die je ausgestiegen sind?

Bis 4 Uhr müssen wir warten, bis wir die Audienz beim Oberzöllner bekommen.

Er erzählt uns den gleichen Quatsch wie unser Zoll-Effendi, dass er das Geld konfiszieren müsse, außerdem 1000 France Geldstrafe und - hahaha! - 15 Tage Haft.

Wir wollen gerade unsere Ziehgertel aus dem Auto holen, als er erklärt, er habe jedoch Verständnis für uns arme Studenten.

Darum würde er auf die Strafe verzichten und uns auch das beschlagnahmte Geld zurückgeben.

Aber wir dürften das nie wieder tun.

Das haben wir ihm auch versprochen.

Unserem Zoll-Effendi aus Choum, der zwischenzeitlich bereits Interesse an unseren Armee-Hemden und Musik-Kassetten bekundet hat, schenken wir zum Abschied ein Polaroid-Sofortbild von ihm und einen Film, denn er behauptet, er habe genau so eine Polaroid Kamera wie wir.

Wer weiß, bei welchen armen Touristen er das Ding mal eingezogen hatte.

Nach dem Ärger mit dem Zoll fahren wir gleich weiter und schlafen irgendwo hinter Atar.

Heute, 4.5., kommen wir in Akjoujt an.

Da Sonntag ist, wollen wir dort irgendwo bleiben und am Montag Geld für Benzin wechseln, damit wir weiterkommen.

In Akjoujt ist auch eine französische Minengesellschaft und wir finden schnell den Club. Mit Schwimmbad!

Nur gegessen haben wir diesmal nichts, wegen unserer schlechten Erfahrung aus Zouerate, in Bezug auf den Preis.

Aber wir erfahren, dass es in Adjoujt keine Möglichkeit geben soll, Geld zu wechseln.

Wie das Benzin bezahlen?

Aber einer von der Minengesellschaft gibt uns etwa 40.-DM (600 Quguigas) und die Adresse der Minengesellschaft in Nouakchott, wo wir das Geld nach dem Wechseln zurückgeben sollen.

Ohne Quittung, ohne alles.

Wir werden das Geld natürlich auch zurückgeben.

Jetzt machen wir Nachtpause kurz vor Nouakchott, nachdem wir seit langer Zeit mal wieder auf Asphalt gefahren sind.

Axel schläft in der letzten Zeit sehr unruhig, nachdem ich zwei ziemlich harmlose Fotos von Pinup Girls an die Decke des Busses über unserer Liegefläche geklebt habe.

Gegen Mittag sind wir in Nouackchott, wechseln Geld und bezahlen unsere Schulden und fahren gleich weiter in Richtung Grenze.

In Rosso bildet der Fluss Senegal die Grenze und außer dem Zoll und der Polizei muss auch eine Fahrkarte für die Fähre besorgt werden, was alles in allem über zwei Stunden dauert, da wir von einer Stelle zur anderen geschickt werden.

Die Mauretanier spinnen sich noch einmal so richtig aus und immer wieder ertönt Axels verzweifelter Ruf.“ Was für ein Land“ durch die Gegend, was ja wohl auch so viel heißt wie: “ Die sollen sich doch zuscheißen.“

Es wir schwarz

Na ja, jetzt sind wir jedenfalls in Senegal.

Schwarz Afrika.

Die unsittlichen Angebote, vor denen man sich laut Reiseführer kaum retten kann (und wer wollte das auch?), können beginnen.

Heute sind wir in St.Louis und sehen uns dort einen alten Fischerfriedhof an und kaufen ein, unter anderem einen großen Fisch (Senegalesischer Brack-Schuppenpieker), den wir als Mittagessen mit viel Vergnügen verputzen.

Nach dem frugalen Mahl fahren wir gemächlich bis kurz vor Dakar, nicht ohne in Thies unser erstes senegalesisches Bier getrunken zu haben.

Beim Abendessen ist dann der traurige Augenblick gekommen: Wir trinken unsere letzten beiden Dosen Schultheiß-Pils.

Gestern war bereits der Schnaps alle.

Oh Afrika.

Aber wenigstens ist in Senegal Sprit erhältlich.

Überhaupt ein freundliches Land nach dem erbärmlichen Sandloch Mauretanien: Am Straßenrand viele Dörfer mit freundlichen Menschen, die sich mächtig über unsere weggeworfenen Konservendosen freuen.

Währen ich als Kulturmensch gerade Beethoven höre, liegt Hartmut hinten im Auto und demonstriert sein totales Banausentum.

Zum Glück kann er bei Beethoven wenigstens nicht mitsingen.

Auf den Tag pünktlich- wie vorausgeplant ( 7.5.)- sind wir in Dakar angekommen.

Unser erster Weg führt uns zur Hauptpost, um die vielen postlagernden Briefe unserer Freundinnen abzuholen.

Aber Pustekuchen: Hartmut hat nur Post von seiner Mutter und Oma und ich von meiner Tante.

Jetzt haben unsere Freundinnen selbst Schuld, wenn wir das nächste unsittliche Angebot annehmen.

Am Nachmittag bringen wir den Bus in die hiesige VW-Werkstatt: Ölwechsel, Abschmieren, Motorwäsche.

Während Hartmut den Bimbos auf die Finger schaut, gehe ich zum Informationsministerium, um unsere erste afrikanische Journalisten-Adresse auszuprobieren, die ich mit habe.

Ich finde Ismael Lo auch und er lädt uns für den Abend zu sich ein, in eine schon etwa angegammelten Wohnung in einer angegammelten Neubausiedlung.

Außer Bier (immerhin) und netten Worten hat er uns aber nichts Interessantes zu bieten; wir ihm allerdings auch nicht.

Morgen sollen wir bei seiner Familie eine senegalesisches Spezialität essen: Reis und Fisch.

In der VW-Werkstatt muss ich den Bimbos nicht nur auf die Finger schauen, sondern teilweise auch einiges selbst machen, damit es ordentlich wird und nicht noch Tage dauert.

An Schorch`s Motorschutzgitter muss auch eine Stelle neu geschweißt werden, denn es hat sich allmählich der Form des Motors angepasst.

Ich möchte mir nicht vorstellen wie der Motor ohne das Gitter aussähe.

Im Übrigen bin ich neugierig, was uns der morgige Tag bei Ismael bringen wird, außer höflicher Konversation mit Sprachschwierigkeiten.

Wahrscheinlich werden wir nur Zeit vergeuden, aber das ist das Risiko bei fremden Adressen.

Der Vormittag bei Ismael bringt uns erst mal eine Köstlichkeit: gestampfter Mais mit saurer Milch.

Nachdem wir den Pamps runtergewürgt haben, verlassen wir Ismael und beginnen mit der Besichtigung von Dakar.

Dabei besteigen wir auch den Leuchtturm von Cap Verte, dem zweithellsten Afrikas (nach dem am Kap der Guten Hoffnung, den wir in einigen Monaten auch besteigen wollen).

Im Fischerdorf Soumboudioune bei Dakar kaufen wir uns zwei Fische fürs Abendbrot und suchen vergeblich nach dem dort angeblich befindlichen Künstlerdorf.

Hartmut hatte bereits vorher die hiesigen Kunstschaffenden kräftig unterstützt und sich für 3000 France (knapp 40.-DM) eine hölzerne Tanzmaske gekauft.

Immerhin: Die Schwarzen hatten zuerst 20.000 France gefordert, wir 2.500 geboten.

Als wir zum Auto zurückkommen, haben uns verdammte Kanackenkinder alle Türschlösser mit Holzspänen zugestopft, so dass wir durch die Heckklappe ins Auto klettern müssen.

Wir hatten abgelehnt, als sie sich anboten, unser Auto zu bewachen.

So hat Hartmut für den Abend eine hübsche Beschäftigung, die Schlösser ausbauen, auseinandernehmen, Holz raus, Schlösser wieder zusammensetzen und einbauen.

Immerhin funktionieren anschließend alle wieder.

Die Fische, die es anschließend zum Abendbrot gibt, versöhnen uns wieder mit dem Senegal und unsere Mägen mit Ismaels Schlangenfraß.

Wir sind in der Botschaft vom Zaire wegen eines Visums.

Aber tatsächlich gibt es zurzeit keine Visa für Autoreisende, sondern nur wenn man zuerst nach Kinshasa kommt, also nur per Flugzeug.

Anschließend auf zur nigerianischen Botschaft wegen der Verlängerung unserer Visa, die sonst abgelaufen sind, bevor wir dort ankommen.

Es soll keine Schwierigkeiten geben, man könne sie jederzeit und überall verlängern.

Da der Reiseführer es empfiehlt, fahren wir gegen Mittag mit einem Boot 20 Minuten zur Dakar vorgelagerten Insel Goree.

Zu Glück berechnet der Kassierer vom Schiff aus Versehen nur den Preis für eine Person, sonst wäre es doch recht teuer geworden.

Die Insel selbst ist sehr klein aber recht hübsch.

Trotzdem hätte man nichts versäumt, nicht dort gewesen zu sein.

Als wir wieder in Dakar sind, beginnt die Arbeit des Tages.

Diesmal für Axel.

Wir schreiben zwei Briefe an zwei Journalisten im Zaire, deren Adressen wir auch haben, ob sie uns bei der Beschaffung der Visa helfen können.

Und diese Briefe darf Axel jetzt ins französische übersetzen.