Das Bee-Team - Alexander Ruth - E-Book

Das Bee-Team E-Book

Alexander Ruth

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Beschreibung

Der sechsjährige Oskar und seine vierjährige Schwester Romy aus dem Tumbawunda-Tal machen im Frühjahr eine schreckliche Entdeckung: Nirgends summt es, nirgends brummt es. Sind die Wildbienen im Garten etwa nicht mehr da? Und auch sonst stimmt irgendetwas nicht. Es sind viel weniger Vögel im Garten, weniger Hasen auf dem Feld. Was ist denn da los in der Natur? Nachdenklich gehen sie abends zu Bett. Doch die Wildbienen und die Tiere gehen ihnen nicht mehr aus dem Kopf. Kurz vor dem Einschlafen passiert es: Im Halbschlaf sprechen sie in Angst um Hummeln, Eichhörnchen, Igel und Co. den magischen Code aus … und rufen das »Bee-Team«! Ruckzuck sind Oskar und Romy mittendrin: Gemeinsam mit den Ninjas der »Fantastic Ten« und der pinken Eisprinzessinnen-Gang dreht das »Bee-Team« das gesamte Tumbawunda-Tal einmal um. Doch wird es reichen, um alle zu retten? Am Ende steht nicht nur das Tumbawunda-Tal Kopf, … sondern die gesamte Welt.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhaltsverzeichnis

1. Das Erwachen

2. Der Hilferuf

3. Der mysteriöse Lichtstrahl

4. Merkwürdige Geschehnisse

5. Die Versammlung

6. Der Geheimplatz

7. »Wir müssen schnell loslegen«

8. Des Bauers Zaubermittel

9. Die Zeugen

10. Die besten Bauern der Welt

11. Der sterbende Tumbawunda-Wald

12. Ninjas kennen ihre Pflichten

13. Ein magisches Herz

14. Der Anschlag

15. Was ist denn mit den Erwachsenen los?

16. Eine neue Welt

17. Ehre, wem Ehre gebührt

18. Das ist doch Hexerei!

19. Ein Paradies mit Makeln

20. Dankesmelodie der Tiere

Weitere Schmetterlingsgeschichten

Das

Bee-Team

von

Alexander Ruth

Impressum:

Alexander Ruth

Am Eichenkreuz 1

40667 Meerbusch

© März 2020 Alexander Ruth

Alle Rechte vorbehalten.

© Grafik Alexander Ruth (Ильгиз Сайфутдинов, Kittikiti, Le Panda, pixabay.com)

Alle Rechte beim Autor.

The moral right of the author has been asserted.

[email protected]

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Die Luft wird dünner und ohne Feuchtigkeit sein, die Flüsse werden ohne Wasserzufuhr bleiben, das Erdreich nichts mehr wachsen lassen. Die Tiere werden verhungern. Auch den Menschen wird nichts übrig bleiben, als zu sterben. Die einst fruchtbare Erde wird wüst und leer.

Leonardo da Vinci

… Es begab sich aber zu einer Zeit, da lebten Tiere und Menschen friedlich zusammen. Paradiese voller Hasen, Rehe, Bären, Igel und Füchse, voller Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und Vögel. Voll Gezwitscher, voll Gesumme und Gebrumme. Wunderschön lagen diese Kinderstuben der Natur direkt neben Siedlungen von Menschen, gingen ineinander über, respektierten sich ­– in absoluter Harmonie. Doch dann veränderten sich die Menschen: Sie entfernten ihre Blumen aus den Gärten, einige tauschten sie gegen Steine und Beton ein. Sie verbauten vorher wunderschöne Grünflächen mit Häusern, immer mehr und mehr. Es kam aber noch viel schlimmer: Landwirte sprühten, um mehr zu ernten, Gift auf die Felder, beackerten die letzten freien Stellen, nahmen damit auch den letzten Lebensraum. Die Menschen fällten Bäume, fuhren mit zu vielen Autos, bauten zu viele Fabriken und sorgten so für steigende Temperaturen – und damit für Dürren und Waldbrände weltweit. Und so erging es auch dem Tumbawunda-Tal. Lest hier die magische Geschichte, wie sich die Tiere wehrten – und sie die Geschicke der Erde mit einem Mal veränderten. Und sie waren nicht allein.

Denn so hat es sich zugetragen, keine Frage …

1. Das Erwachen

Der warme Wind bewegte sich wie ein honigsüßes Streicheln der Seele über die Halme. Der frische Duft des Frühlings wehte in jeden Winkel des Feldes. Während der eine seine Energien langersehnt verlor, wuchsen eben diese bei jemandem anderen: Überall wich der Winter, er hatte den Kampf verloren, überall besiegte das Leben die todbringende Kälte im Tumbawunda-Tal. Endlich! Frühling! Das Grün drückte sich durch das Braun. Überraschenderweise hatte es bereits im Februar zwar schon einen kurztägigen Sommeranlauf mit bis zu 30 Grad gegeben, aber so schnell das gekommen war, so schnell war es auch wieder verschwunden. Das Wetter spielte im Winter verrückt. Was für Zeiten. Doch jetzt schienen die kleinen weißen Wolken verzückt mit dem Blau des Himmels zu spielen. Die Temperaturen waren nachts bereits konstant über zehn Grad. Tagsüber ging es teilweise schon recht hoch. Und auch hier kündigte sich bereits die zweite Hitzewelle des Jahres an. Aber alle wussten: Zurück in den Winter ging es jetzt nicht mehr. Hier raschelte es, dort wackelte es. Feldhasen zippelten mit den Schwänzchen, Igel schüttelten das Laub aus ihren Stacheln. Ob Marienkäfer, kleine Feuerwanze oder Grashüpfer ­– nun würden wieder die wahren Herren die Kontrolle über Wiesen und Felder übernehmen: die Wildtiere. Und die Insekten: die Wildbienen, die Hummeln, die Schmetterlinge und alles andere, was da kreuchte und fleuchte. Ein Gefühl erklomm jedes Lebewesen, als könne man den Lavendel schon riechen, die Erdbeeren bereits schmecken, Kirschen, Äpfel und Pflaumen lecker an den Ästen baumeln sehen. Herrlich, einfach herrlich. Und schon geschah die Magie der Natur auf diesem aus dem Winterschlaf erwachenden Feld: Zum ersten Mal in diesem Jahr brachen die Sonnenstrahlen auf das Bienennest des Volkes von Königin Majesta, die 723ste, herein. An einer fast 1000 Jahre alten Linde hing er königlich: Ein goldener Palast, mit goldenen Wänden, goldenen Fußböden, einfach alles schien hier aus Gold zu sein. Kein Wunder: Sie waren der größte Wildbienenstamm an diesem Feld. Herrlich, einfach herrlich. Sie reckte und streckte sich, schrubbte sich den Sandmännchenstaub aus den Augen. Müüüüde gähnte sie, merkte aber, dass das Schlafen ein Ende hatte. Majesta wackelte noch einmal mit dem Hintern, schüttelte ihre Beine durch, dann blickte sie auf das Nachttischchen neben ihrem Himmelbett. Da war sie: ihre güldene Krone. Sie schwang ihren Hintern aus dem Bett, griff ihren funkelnden Stolz … und zack … war sie schon auf ihrem Kopf. »Dann wollen wir mal den Frühling willkommen heißen«, grinste sie sich im Spiegel selbst an und zwinkerte sich zu. Sie stand vor ihrem Spiegelbild und schaute, dass ihre schwarz-gelben Ringe auch alle an der richtigen Stelle waren. »Jawoll.« Da klopfte es bereits an der Türe. Majesta salutierte mit einem breiten Grinsen vor sich selbst, dann ging sie kraftvollen Schrittes zur Türe. Aber: Es klopfte immer heftiger. »Ja, ja, nur kein Stress, ich bin wach«, raunte sie. Sie wusste, das konnte nur Lavendula sein, ihre fleißigste Dienerin und Beraterin. Sie war wahrscheinlich schon so ungeduldig, sie konnte das Beginnen des Treibens ihres Bienenvolkes gar nicht mehr abwarten. Klopf, Klopf, Klopf. Was hatte die denn? Lavendula hatte ja noch nie so einen Krach gemacht! Majesta war gleich bei der Türe. War alles in Ordnung? Mit einem gezielten Griff öffnete sie … und schaute nicht in das Gesicht ihrer treuen Dienerin Lavendula, … sondern in die panischen Augen der dicken Bertha, ihrer ranghöchste Generalin. Eigentlich eine Wuchtbrumme, niemand wollte sich mit ihr und ihrem Stachel anlegen. Fast 30 Orden klebten an ihrer Brust. Darunter der eiserne Dorn, die höchste Ehrung, die eine Soldatin erhalten konnte. Wow. Ja, es hieß sogar, sie habe einen Seeadler im Flug bezwungen und sogar einem Bären das Fürchten gelehrt. Sie hatte ihn ganz allein verprügelt, als er sich über ihren Honig hermachen wollte. Das war nicht nur irgendeine erfundene Geschichte: Als die Verstärkung eintraf, floh der Bär vor aller Augen! Aber jetzt war diese starke Biene kreidebleich. Gleich einem Geist, der vor ihr stand. Die dicke Bertha nahm all ihre Kraft zusammen, öffnete den Mund, … aber es kam kein einziges Wort heraus. Sie, sie war sprachlos. Völlig verängstigt. Majesta erkannte den Schock. Jetzt hatte sie auch einen. »Was, was ist los?«, zitterte mit einem Mal Königin Majesta, als würde ihr Körper wissen, dass das, was jetzt kam, alles andere als eine gute Nachricht werden würde. Die dicke Bertha setzte noch einmal an, holte tief Luft, hielt sich schwach am Türrahmen fest, … dann entkam ihr die apokalyptische Nachricht: »Tot, fast alle sind tot, meine Königin!« Von rund 30.000 Bienen, die mit ihnen in den Winter gegangen waren, lebten gerade einmal nur noch wenige hundert. Und auch sie waren schwach, sehr schwach. Ihnen war die Nahrung ausgegangen! Sie hatten im vergangenen Jahr nicht genug Pollen und Nektar sammeln können. Der Bauer hatte nur im Frühjahr etwas angebaut, das sie nutzen konnten. Und die Menschen in der an das Feld angrenzenden Siedlung hatten entweder gar keine Blumen im Garten gehabt oder solche, die zwar schön aussahen, aber keinen Pollen und Nektar als Nahrung lieferten. Einige hatten sogar das Grün entfernt und Steine an seine Stelle gesetzt: Vorgärten aus tödlichem Stein waren in Mode gekommen! Königin Majesta und ihr Beraterstab hatten zwar vor dem Winter gewusst, dass in den Vorratslagern wenig war – aber sie hatten gedacht, sie würden es schaffen. Mehr hatten sie einfach nicht bekommen. Was hätten sie auch machen sollen? Majesta wurde es schwindelig, sie wusste nicht mehr, wo oben und unten, wo rechts und links war. Vor ihr schien ein Abgrund und sie schien tief hineinzufallen. Alles vor ihr war verschwommen. Der Großteil des Volkes von Königin Majesta, die 723ste, der wildlebenden Honigbienen aus dem Tumbawunda-Tal … war über den Winter gestorben. Doch es kam noch schlimmer: »Eure Hoheit, das …, das …, das ist aber noch nicht alles.« Nicht alles? Majesta hörte die Stimme der dicken Bertha wie in weiter Entfernung hallen. Nur langsam drangen die Worte an sie heran. Nicht alles? Was konnte denn noch kommen? »Vor unseren Toren warten die Abgesandten anderer Wildbienenarten … und bitten um Einlass … oder um Pollen, Nektar und Wasser …

Sie schaute in unzählige Augen, sie sahen alle matt aus. Schlecht. Ausgehungert und ausgelaugt. Mauer-, Holz- und Sandbienen, Baum-, Erd- und Steinhummeln standen in der ersten Reihe. Dahinter waren noch viel, viel mehr Vertreter der verschiedensten Wildbienen- und Hummelarten. Am Rande des Feldes, hier an der alten Linde im Tumbawunda-Tal herrschte Not! Große Not! Hungersnot! Dürre! Durst! Königin Majesta fühlte sich machtlos. Sie wusste nicht, was sie machen sollte. Denn: Ihre Verwandten brauchten Hilfe, aber sie konnte ihnen nicht helfen. »Ich …«, setzte sie an, verstummte aber wieder sofort. Die Abgesandten der Wildbienen standen schwach vor ihr auf Krücken oder stützten sich gegenseitig. Einige von ihnen zitterten und husteten, andere konnten schon gar nicht mehr fliegen. Ein Wunder, dass sie überhaupt den Winter überlebt hatten, schoss es Majesta durch den Kopf. Aber sie hatte ja selber genug Probleme. Nein, das war untertrieben. Königin Majesta schossen die Tränen in die Augen. Das war nicht mehr ihre Welt. Vielleicht war sie ja nur in einem Traum, einem schlechtem, einem Albtraum … und sie würde gleich erwachen? Drei, zwei, eins … sie trat sich selber auf den Fuß, … aber nichts passierte. Der Duft des Frühlings lag in der Luft – doch vor ihr standen ihre Verwandten … und litten Hunger und Durst. Was sollte sie machen? Sie war die mächtigste Königin des größten Wildbienenvolkes hier am Feld gewesen, aber das war … Geschichte. Die Not war da: »Majesta, gebt uns Pollen und Nektar!«, hauchte eine schwache Biene ihr zu. Eine Bitte, in größter Not. Das Leid in den Augen war unverkennbar. Der Blick, dieser Blick. Majesta spürte, wie die dicke Bertha sich neben sie stellte, ihr mit ihrem wuchtigen Körper Halt gab. »Ja, gebt uns wenigstens Honig! Und Wasser! Ihr habt doch so viel!«, rief jetzt eine Stimme krächzend von hinten. Und wieder, die nächste: »Ja, gebt uns Honig, ihr seid das größte Volk hier am Felde!« Hoffnungsvolle Blicke kamen ihr entgegen. Sie musste doch Honig haben, sie musste einfach! Königin Majesta wurde langsam nervös. Es tat ihr in der Seele weh. Sie war durch ihren goldenen Palast gegangen – und hatte es mit eigenen Augen sehen müssen. Ihr Herz hatte geblutet. Denn: Ihre Gänge waren leer gewesen. Überall hätten Tausende ihrer Bienenkinder langsam aus dem Schlaf erwachen, das Leben in diesen wundervollen Königinnensitz hauchen sollen. Aber nahezu nichts war passiert. Nur hier und da schleppten sich einige Arbeiterinnen, wenige Dienerinnen und Soldatinnen durch die Gänge. Für sie hatte die letzte Nahrung gereicht. Sie waren es auch gewesen, die ihre Geschwister gefunden hatten – tot. Über den Winter verhungert. Und sie, Majesta, hatte es selbst gesehen: Ihre Vorratskammern waren leer. »Ich …«, hob Majesta die Hand. »Wir …«, sagte sie, doch dann fiel ein Schatten auf alle Anwesenden, hier in luftiger Höhe, an der Linde, vor dem goldenen Eingangsportal des goldenen Palastes. Der Schatten wurde immer größer, immer breiter. Vögel! »Rette sich wer kann!«, riefen die ersten Bienen, Majesta winkte bereits alle zu sich in den Palast herein, hier konnten sie Schutz finden, … da versperrte die dicke Bertha ihnen den Weg! Soldatinnen gesellten sich zu ihr, bildeten eine Barriere! Sie ließen niemanden durch! Was? Was?? Verrat!! Sie würden alle verloren sein, das Mittagessen der geflügelten Räuber! Verrat! Aber: »Eure Hoheit, fürchtet euch nicht!«, kam es mit einer milden, sanften Stimme vor ihr. Die Stimme der dicken Bertha klang so ruhig, so sicher, so vertrauensbildend. Die Wildbienen konnten nicht anders … und blieben überrascht stehen. Und da sahen sie es: Die Vögel griffen nicht an, … sie setzen sich in die Zweige, hielten einigen Abstand. Majesta war sprachlos, konnte es nicht glauben: Sie blickte in die verängstigen Augen von Rotkehlchen, Meisen, Amseln, Zaunkönig, Grünfink, Spatz, ja, die ganze Vogelschar. Sie verstand nicht. Was? »Keine Angst«, streichelte die dicke Bertha ihr die Schulter. Immer mehr und mehr Vögel landeten im Baum der alten Linde. Und waren da auch ein paar blau leuchtende Glühwürmchen dabei? Es dauerte keine Minute, da war kein Platz mehr in den Ästen der alten Linde frei. Hier war alles aus dem Tumbawunda-Tal, was fliegen konnte. »Was, was hat das zu bedeuten?«, schaute Königin Majesta ihre oberste Generalin, die dicke Bertha an. Die lächelte nur mit einer Weisheit, wie sie nur wenige haben. »Schaut bitte auch nach unten«, riet sie ihr und zeigte mit dem Finger dorthin. Die Morgensonne arbeitete sich am Himmel weiter empor. Hinten am Rand des Feldes konnten aufmerksame Beobachter einen kleinen und einen etwas größeren Punkt, die sich bewegten, in einem Garten sehen. Durch eine weiße Schäfchenwolke brachen sich die Sonnenstrahlen so, als würden sie wie ein Spotlight auf die sich bewegenden Punkte in diesem Garten des Hauses am Rand des Feldes zeigen. Ja, es war geradezu so, als würden die Sonnenstrahlen auf magische Art und Weise zwei Pfeile bilden, … die dort in den Garten zeigten. Majestas Blick klebte wie gebannt am Horizont. »Nach unten, meine Königin«, berührte sie Generalin Bertha jetzt sanft und riss sie aus ihrer Starre. Majesta folgte der Bitte … und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Dort hatten sich alle Wildtiere des Feldes versammelt: unzählige Hasen- und Kaninchenpaare, Rebhühner, Feldhamster, Mäuschen, Grashüpfer, Igel, Rehe, Frösche und noch viele, viele mehr. Und war das da ein Panda? Majesta rieb sich die Augen. Als der Panda sie sah, winkte er fröhlich, kratzte sich mit einem Mal fragend den Kopf … und fiel dann zur Seite, um ein kleines Nickerchen zu machen …

2. Der Hilferuf

Der Frühling, endlich der Frühling. Wie lange hatte sie darauf schon gewartet?! Ihre Mutter hatte ihr erlaubt, barfuß in den Garten zu gehen. Endlich! Das war immer so ein tolles Gefühl unter den Füßen! Die kleine Blondine riss die Terrassentüre auf und hüpfte voller Freude in den Garten. Was für ein herrlicher Duft! Tief sog sie die Luft ein. Freiheit, Frühling, Freude! Sie wollte die Welt erobern, allen zeigen, zu was sie in diesem Jahr bereits fähig war. Denn: Sie war jetzt ein Jahr älter als letztes Jahr. Und das war verdammt viel! Und für diesen Frühling hatte sie sich gewappnet: Sie hatte ihr pinkes Prinzessinnenkleid angezogen! Und noch viel wichtiger: Sie hatte ihre neue funkelnde Kreide dabei! Ja, in diesem Jahr würde sie nicht nur einfach Bilder auf die Terrasse malen, nein, … sie würde den Bienen diesmal eine richtige Landebahn herbeizaubern! »Damit ihr alle den Weg noch besser findet!«, murmelte sie mit einem Lächeln. Bereits im letzten Jahr hatten sie gemeinsam Sonnenblumen gezüchtet. Und das waren vielleicht Dinger gewesen. Bis zum Himmel waren sie gegangen. »Fast drei Meter hoch«, hatte ihr Vater gemeint. Und das war verdammt riesig. Wahrscheinlich hundertmal so hoch wie sie groß war. Oder so. Das wollten sie in diesem Jahr wieder machen. Das hatten sich alle in der Familie versprochen. Und sie hatten schon angefangen: Den Samen hatten sie bereits in einem Anzuchtset gesetzt! Ja, da war sie ziemlich stolz drauf. Sie goss sie, jeden Tag. Also, … meist dann, wenn ihre Mutter sie daran erinnerte. Aber manchmal dachte sie auch von selbst daran. Jaha! Sie war ja jetzt schließlich schon vier. Nicht mehr drei wie einige ihrer Freundinnen es noch waren. »Mach mal Platz«, schubste sie mit einem Mal ihr Bruder beiseite. Er war so schnell unterwegs, sie hatte ihn nicht kommen hören. Aktuell war er ein Ninja. Er hatte einen echten Ninja-Anzug an! Mit seiner Wasserpistolen-Armbrust auf der Jagd nach einem Monster. Es hieß, es würde den Frühling aufhalten wollen. Aber das konnte es vergessen. »Äääi«, motzte Romy direkt. Wenn Blicke töten könnten. Das zahl ich dir nachher heim, war sich die Vierjährige sicher. Aber jetzt musste sie erst einmal ihre Sonnenbrille holen. Verdammt war das gerade hell. So als ob ein Sonnenstrahl sie wie ein Pfeil treffen würde. Nur sie. Und okay: auch ihren Bruder Oskar. Der stand mitten auf dem verdorrten Rasen und hielt sich die Hand vor die Augen. Romy drehte sich flugs um, rannte ins Haus und kam mit ihrer Sonnenbrille wieder. Pink, in Herzchenform. Die hatte sie noch aus ihrem letzten Urlaub. Aber das Komische: Egal, wo sie sich im Garten bewegte, der Sonnenstrahl folgte ihr! Das war ja witzig. Und er war so angenehm warm. »Hihi«, kicherte Romy, sprang einmal schnell nach vorne, dann wieder zurück. Der Sonnenstrahl klebte ihr förmlich am Körper. Auch Oskar hatte das jetzt erkannt. Er machte eine wirklich exzellente Ninja-Judo-Rolle nach vorne, hechtete einmal völlig unerwartet links zur Seite, … aber der Sonnenstrahl klebte so an ihm, als wäre er ein Magnet. »Romy, schau mal«, rief er direkt begeistert und setzte zu dem vielleicht schnellsten Sprint an, den er in diesem Garten je gelaufen war. Er rannte im Kreis, machte eine Schleife, dann einen Sprung nach hinten … und haute gleich mehrere Blumentöpfe um. Schepper, Krach, Boing. »Hihi«, kicherte Romy und zeigte auf Oskar. Das war für das Schubsen. Aber: Die Sonnenstrahlen folgten ihnen beiden immer noch. Egal wie sie sich bewegten. »Was ist denn hier los?«, wollte auf einmal eine Stimme wissen. Klick, … die beiden Sonnenstrahlen waren verschwunden. Ihre Mutter stand auf der Terrasse. Romy schaute Oskar überrascht an. »Nichts, Mama. Nichts!«, hob er unschuldig die Hände und stellte die Blumentöpfe schnell wieder hin. Zum Glück waren sie alle heil geblieben. »Für nichts war das aber ziemlich laut hier draußen«, raunte sie, sah, dass nichts kaputt und niemand verletzt war … und ging wieder zurück ins Haus. Klick, … waren die Sonnenstrahlen wieder da. »Hihi«, konnte Romy nur kichern. Allerdings schob sich nun eine weiße Schäfchenwolke über sie am Himmel. Und irgendwie hatte sie das Gefühl, als würden Hunderte Augenpaare auf sie gerichtet sein. Nicht nah, sondern von der anderen Seite des Feldes, das direkt hier an ihr Haus grenzte. Ihren Garten trennte lediglich eine kleine Hecke. Aber sie konnte da mittlerweile drüber schauen. Sie war ja schließlich nicht mehr drei und damit kein kleines Mädchen mehr. »Wollen wir mal Frühjahrsbienen zählen?«, kam Oskar an sie ran. Ohja! Das hatten sie letztes Jahr auch gemacht. Und das war einfach: Man musste sich einfach vor den blühenden Rosmarin setzen und loszählen. Romy und Oskar wanderten durch den Garten, vorbei an der Schaukel und dem Sandkasten, und setzen sich vor den grünen Strauch. Er duftete so wundervoll mit seinen lila Blüten. Ihr Vater war Förster und hatte ihn aus dem Wald mitgebracht. Oder so. Sie hatten beide nicht genau zugehört. Egal, auf jeden Fall war der Rosmarin auf einmal da gewesen. Im vergangenen Jahr hatten sich die Wildbienen darauf gestürzt. Romy und Oskar hatten sich deswegen und wegen der Sonnenblumen je einen Bienenretter-Ausweis gebastelt. Das war aber top secret. Streng geheim. »Siehst du was?«, wollte Oskar von Romy wissen. Außer drei blau leuchtenden Glühwürmchen, war da nämlich tote Hose. »Hmm«, kratzte sich Oskar am Kopf. Er stand auf und ging zum Thermometer. Er konnte ja bereits lesen. »Es ist aber warm genug«, rief er zu Romy. Es waren über zehn Grad, das hatte er gecheckt. Wo waren denn nur die Wildbienen? Letztes Jahr waren sie um diese Jahreszeit im Frühling bereits hier gewesen! Komisch, verdammt komisch. Oskar schaute Romy fragend an. Die konnte in ihrem pinken Prinzessinnenkleid nur traurig mit den Schultern zucken: »Ich weiß es nicht … « Sie stand auf und ging näher an den Rosmarin heran. »Hmm«, jetzt waren auch die drei blau leuchtenden Glühwürmchen verschwunden. Ach nein, da waren sie ja. Da hinten beim Insektenhotel. Romy folgte ihnen und stand jetzt vor dem Holzblock mit Löchern drin. Es hing recht weit oben am Gartenhäuschen. Oskar stellte sich neben sie. »Also, normal ist das nicht«, kratzte er sich erneut demonstrativ am Kopf. Die Löcher, die verschlossen waren, hätten jetzt eigentlich geöffnet sein müssen. Meist waren es Mauerbienen. Aber sie hätten nun bereits geschlüpft und unterwegs sein müssen, um bereits selber fleißig die Röhren mit Eiern, Pollen und Nektar zu befüllen. Das war ihr Job. Schon seit Anbeginn der Zeit. So war es Gesetz. »Soll ich dich mal hochheben und du schaust, ob welche drin sind?«, wollte Oskar wissen. »Ohja«, juchzte Romy. Oskar war ihr großer Bruder – und er war ziemlich stark. Drei, zwei, eins … hatte er schon seine Hände unter ihren Schultern … und sie schoss in die Höhe. Von oben auf dem Insektenhotel sitzend schauten ihr die drei blau leuchtenden Glühwürmchen zu. »Nichts zu sehen, Oskar«, rief sie von oben runter. Romy ging mit einem Auge sogar ganz nah an ein Loch im Holzklotz ran. Komisch. Da war rein gar nichts zu sehen. Romy spürte wie sie traurig wurde. Dabei hatten sie sich doch letztes Jahr so viel Mühe gegeben. »Uff«, kam es von unten. Romy blickte noch in ein anderes Loch hinein. Nichts, rein gar nichts! »Wie lange noch?« »Da ist keine Biene, Oskar!« Oskar setzte seine kleine Schwester stöhnend wieder ab. Und jetzt? Eine Antwort gab es auf die Frage: »Kommt ihr jetzt bitte wieder rein?«, rief ihre Mutter. Ninja-Oskar war auch geknickt. Sie wussten schon länger, dass es den Wildbienen nicht gut ging. Deswegen hatten sie sich ja die Bienenretter-Ausweise gebastelt und im letzten Jahr die Sonnenblumen gepflanzt. Ihr Vater hatte mit ihnen extra die Insektenhotels gebaut! Was mochte wohl mit ihnen passiert sein? Waren sie vielleicht umgezogen? Fanden sie ihren großen Garten mit ihren vier, fünf Sonnenblumen nicht gut genug? Ihr Garten war doch groß! Hier war viel gemähter Rasen zum Spielen! Da könnten sich die Bienen doch auch austoben? Oskar und Romy drehten sich noch einmal um. Da fiel ihnen auf: Die beiden Sonnenstrahlen waren verschwunden. Und: Die drei blau leuchtenden Glühwürmchen auch. Könnte es sein, dass sie in ihrem großen Garten viel zu wenig schmackhafte Blumen und Kräuter für Wildbienen hatten? Oder: »Vielleicht sind sie auch nur einfach von einem Monster entführt worden?«, schaute Oskar Romy erschrocken an. »Ohje«, flutschte es aus ihr raus. Oskar nahm wieder seine Ninja-Position ein. Romy stellte sich ängstlich hinter ihn. »Dann, … dann«, seine Fantasie ging mit ihm durch. Es waren bestimmt die drei doppelköpfigen Troll-Marsianer gewesen, die er vorhin gejagt hatte. Dabei hatte er Romy zu ihrer Sicherheit beiseiteschieben müssen, sonst hätten sie sie gefressen. Aber wenn sie in der Lage waren, alle Wildbienen vom benachbarten Feld zu entführen, vielleicht sogar noch andere Lebewesen, oder sie sogar zu fressen, … dann war er alleine nicht genug. Das musste schon so eine Art von Superhelden-Truppe machen. Romy merkte, dass die Fantasie mit ihrem Bruder gerade voll durchging. Ohja, das mochte sie. Einfach toll! Daraus entstanden die tollsten Geschichten! Hier müsste eine supergeheime Special-Forces-Elite-Einheit zum Einsatz kommen, … die er mit seinen Ninja-Kräften unterstützen könnte. So was wie … »das Bee-Team«, rief er aus. Romy riss die Augen auf. »Ja, das Bee-Team!« Romy und Oskar klatschten ab … und umarmten sich. Doch plötzlich: »Kinder, kommt ihr ins Haus?« Mist! Nicht jetzt! Was sie nicht sahen: Hektisch zischten drei Feldhasen los. Sie hatten in der Hecke gehockt … und den beiden zugehört. Als der Name »Bee-Team« fiel, hatten sie große Augen bekommen. Nun rannten sie, was das Zeug hielt. Das »Bee-Team«. Sie hatten jetzt einen Namen, das war ihre einzige Chance…

… Abends im Bett gab ihre Mutter ihnen nach dem Gute-Nacht-Gebet noch einen Kuss auf die Stirn, dann machte sie die Türe bis auf einen Spalt breit zu. Romy und Oskar warteten noch, bis sie sie die Treppe runtergehen hörten. »Ich haben den lieben Gott gebeten, dass er das Bee-Team schickt«, flüsterte Romy Oskar zu. Der schaute gerade zum leuchtenden Sternenhimmel über ihren Betten. Er wartete kurz. »Ich auch«, flüsterte er zurück. Wie sie wohl aussehen würden, überlegte er, während er sich umdrehte. Romy sah schon vor Augen, wie das »Bee-Team« alle rettete. »Gute Nacht«, flüsterte sie und spielte noch ein wenig mit den Füßchen in der Bettdecke. Sie drückte ihre Kuscheltier-Katze eng an ihren Hals. »Wir brauchen das Bee-Team«, hauchte sie. Ihre Gedanken wanderten jetzt zu ihren Freundinnen und Freunden, denen mussten sie das von den fehlenden Bienen unbedingt erzählen, … dann waren sie eingeschlafen. Aber schnell setzten bei beiden die Träume ein. Und sie waren nicht schön: Da waren Wildbienen, die von Hunderten Monstern gefressen wurden, und andere, … die auf kahlen Feldern verhungerten und verdursteten. Bauern standen in ihren Stiefeln direkt vor ihnen und lachten sie beim Sterben aus. Sie zeigten mit den Fingern auf sie. Da waren Nachbarn, die schrien, »den Wildbienen und Tieren zeigen wir es«. Dann rissen sie in ihren Gärten auch noch die letzten Blumen und Sträucher aus, fällten die letzten wunderschönen Bäume, brannten ganze Wälder ab. Dann kamen Betonmischer und asphaltierten alles zu. Alles wurde grau. Auch Gärten. Sie wollten Platz für Autos und stinkende Fabriken. Kein Flecken blieb mehr grün. Keiner. Romy und Oskar fingen beide in ihren Betten an, zu schwitzen und zu zittern. »Hilfe, Hilfe«, murmelten sie ängstlich. Sie zuckten. Mit einem Mal hauchten sie gleichzeitig in die Nacht hinaus: »Hilfe, wir brauchen das Bee-Team!« ­… und lösten damit einen magischen Code aus. Die drei blau leuchtenden Glühwürmchen von außen an ihrer Fensterscheibe rissen die Augen auf. Denn: Es knisterte und knackte mit einem Mal im Zimmer der beiden Kinder. Die Magie kehrte auf den blauen Planeten zurück. Direkt über ihren Betten bildeten sich Tausende kleine Sternchen, sie elektrisierten förmlich die Luft. Und dann geschah es: Plötzlich tanzten die goldenen Sternchen wundervoll über den Gesichtern von Oskar und Romy, strömten dann in der Mitte des Raums zusammen … und verwandelten sich zu einem regenbogenfarbenen Energieball. Das Kinderzimmer war jetzt ein funkelnder Teil der Regenbogenmagie. »Bee-Team, komm«, wälzten sich Oskar und Romy gleichzeitig im Schlaf … und schon schoss der magisch-bunte Ball hinaus in die Nacht, tief hinein ins Weltall. Sie hatten den universumweit gültigen Hilferuf ausgelöst und gesendet, … den Code. Den des echten »Bee-Teams« …

3. Der mysteriöse Lichtstrahl

Der Wecker riss Romy und Oskar aus dem Bett. Man, waren sie noch müde. Das war ja eine Nacht. »Los, kommt aufstehen«, rief der »Wecker«, also Mama, ins Kinderzimmer. Irgendwie waren heute beider schlapper drauf als sonst. Romy schaute verschlafen zu Oskar, er zu ihr. Nur langsam bekamen beide ihre Beine bewegt. »Ich habe komische Dinge geträumt«, sagte Romy und schaute Oskar an. »Ich auch«, kratzte er sich den Kopf. Sie verließen nicht das Bett, schafften es aber, ihre Beine rausbaumeln zu lassen. »Los, ihr Schlafmützen!« Der »Wecker« nervte. Aber es nutzte ja nichts … »Hach«, seufzte Romy, deckte ihre Kuscheltier-Katze wieder zu und bettete ihren Kopf sanft auf ihrem Kopfkissen. Wenigstens sie konnte noch ein wenig weiterschlafen. Da schaute der Kopf des »Weckers« zur Kinderzimmertüre rein. »Los, los, ab ins Bad!« Öff. Romy und Oskar marschierten müde ins Badezimmer, zogen sich danach an und wanderten zum Frühstückstisch. Ungewöhnlich war: Der Fernseher lief. Ein Nachrichten-Sender war eingeschaltet. Immer wieder zeigten sie dort einen bunten Lichtstrahl, der aus dem Himmel kam. Wie ein gerader Regenbogen sah er aus. Unzählige Handyvideos von der ganzen Welt zeigten sie dort. JuTube wimmelte nur so davon. Mal aus der Perspektive, mal aus jener. »… Wissen wir nicht, woher der Ursprung des mysteriösen Lichtstrahls stammt«, sagte die Nachrichtensprecherin. Unten im Ticker liefen Zeilen wie: »Haben Aliens ein Signal zur Erde geschickt?« »Unbekannter Lichtstrahl aus den Tiefen des Universums trifft Erde!« »Ort des Einschlags ist mutmaßlich das Tumbawunda-Tal … Bewohner sollen normal ihrem Alltag nachgehen … Experten treffen sofort ein, um mögliche Auswirkungen zu untersuchen ... « Oskar und Romy nahmen das nur vage wahr. Sie saßen zwar am Tisch, waren aber einfach noch viel zu müde. Außerdem kreisten ihre Gedanken um die Bienen und ihre komischen Träume. Von beidem mussten sie ihren Freundinnen und Freunden erzählen. Dann wurden sie aus ihren Gedanken gerissen: »Nur noch heute«, sagte ihre Mutter, während sie ihnen die Brote schmierte. He? »Dann habt ihr es geschafft!« Romy döste vor sich hin, Oskar verstand nicht. »He?« Ihre Mutter grinste. »Dann ist Wochenende und danach habt ihr die nächsten zwei Wochen Ferien!« Aaaaah. Das war ja besser als jeder Kaffee bei einem Erwachsenen! Sofort erfüllten Romy und Oskar die Lebensgeister. Sie hatten ja nur noch heute Kindergarten und Schule! »Hihi«, kicherte Romy jetzt. Die letzte Nacht hatten sie schon fast vergessen. Aber saßen da nicht wieder drei blau leuchtende Glühwürmchen auf der Fensterbank? Und … ähm … schaute daneben ein Panda zu ihnen ins Esszimmer herein? Oskar rieb sich die Augen … und schon waren die blau leuchtenden Glühwürmchen und der Panda wieder verschwunden. Er rieb sich erneut die Augen. Aber … da war nichts mehr. »Boah«, schaute er verblüfft drein. Da passierte allerdings noch mehr: Jetzt sahen sie einen Kamerawagen eines TV-Senders vor ihrem Haus langsam die Straße entlangfahren. Merkwürdig. »Habt ihr heute Nacht etwas davon mitbekommen?«, wollte ihre Mutter nun nebenbei wissen. He? Sie konnte sofort die fragenden Blicke ihrer Kinder erkennen. He? »Nein, anscheinend nicht«, kicherte Mama und gab den beiden ein Küsschen auf den Kopf. »Fertig?« Romy stopfte sich noch das letzte Stückchen Brot in den Mund, dann schob sie demonstrativ ihren Teller nach vorne. Fertig! Oskar exte noch schnell seinen letzten Schluck Orangensaft. »Fertig!« Ihre Mutter schnappte sich Teller und Tassen und ging in die Küche. Niemand von den dreien nahm noch von der TV-Sprecherin im Hintergrund Notiz: »… Neben den Meldungen vom mysteriösen Strahl im Tumbawunda-Tal erreicht uns noch eine weitere besorgniserregende Nachricht: In Deutschland gibt es ein Insektensterben. Bis zu 80 Prozent aller Insekten sind verschwunden … Etwa 80 Prozent der wildwachsenden Pflanzen werden von Insekten bestäubt … Bleiben die Insekten weg, können sich auch die Pflanzen nicht mehr vermehren …« Da passierte es wieder: Ein Panda kletterte auf den Fenstersims von außen … und wackelte wie bei einem Hawaii-Tanz hin und her. Jetzt sah Romy ihn auch. Sie bekamen große Augen. Romy und Oskar wussten nicht, wie sie reagieren sollten. Mussten sie auch nicht: Der Panda winkte ihnen, verlor dabei aber das Gleichgewicht … und stürzte nach hinten von dem Fenstersims runter, direkt in ihren Garten. Zack … waren Romy und Oskar aufgesprungen, rannten zur Haustüre raus und um die Ecke. Aber: Da war nichts. Nichts war aber falsch. »Seid ihr noch nicht startklar?« Völlig überrascht drehten sie sich um … und nahmen den Tumult vor ihrem Haus jetzt erst richtig wahr. Vor ihnen warteten bereits die Brüder Noah und Nico sowie Freund Dominik auf ihren Fahrrädern. Auch Stefan und Kevin waren dabei. Allerdings waren sie alle nicht alleine: Mindestens ein Elternteil war bei ihnen. Die Erwachsenen tuschelten, unterhielten sich, schauten sich immer wieder fragend um. Denn: Überall im Tumbawunda-Tal waren alle Straßen mit Kamerawagen von großen Fernsehsendern verstopft. Dazwischen waren Fahrzeuge der Regierung, Männer und Frauen in Vollkörperschutzanzügen gingen dort umher, sie trugen Atemmasken, hatten komische Geräte mit Antennen bei sich. Sie blinkten und piepten. Auch Menschen mit Plakaten auf denen stand »Wir sind nicht allein!«, »Nehmt mich mit!« und »Das Ende ist nah – Freibier für alle!« liefen umher. Einige von ihnen hatten selbst gebastelte Hüte aus Aluminium auf den Köpfen. Andere von ihnen waren ohne jeden Zweifel Hippies, die in ihren bunten Klamotten direkt auf den Straßen tanzten oder meditierten. Zwei hatten sogar vor ihrem Haus einen Schrein aufgebaut und beteten ein Alien-Spielzeug an. »Ommmm.« Oskar und Romy waren ganz aufgeregt. Was war denn hier los? Noah und Nico erkannten die Überraschung in den Gesichtern. »Habt ihr heute Nacht nichts davon mitbekommen?« Die Antwort übernahm ihre Mutter: »Nee, die haben tief und fest geschlafen.« Sie hatte bereits Oskars Schultornister dabei, Romys Kindergartenrucksack, schob gleichzeitig noch ihre Fahrräder, schaffte es dabei irgendwie noch Katze Maja zu füttern und hatte noch Welpe Ben an der Leine. »Los, auf geht’s«, signalisierte sie Romy und Oskar. Sie wollten sofort folgen, doch total verrückt: Aus dem Augenwinkel sahen sie noch in letzter Sekunde den Panda winken. Er zwinkerte ihnen fröhlich zu! Boaah! Was sie nicht sahen, was niemand sah: Die drei blau leuchtenden Glühwürmchen. Zwei von ihnen krabbelten in Romys Schäfchenrucksack, einer von ihnen in Oskars Schultornister. Dann machten sie sich auf den Weg, Noah kam flugs ganz nah an Oskar ran. »Irgendwas ist hier im Tumbawunda-Tal passiert«, flüsterte er jetzt Oskar zu. Der nickte schnell. Ohja, keine Frage …

4. Merkwürdige Geschehnisse

Das war der komischste Vormittag in ihrem ganzen Leben gewesen: Die ganze Stadt schien vor fremden Menschen zu explodieren. Weil die Polizei überfordert war, halfen sogar Soldaten, den Verkehr zu regulieren. Immer wieder flogen Hubschrauber über sie hinweg. Und dass die Luft über der Stadt nur so vor Kameradrohnen wimmelte, war keine Frage. Bereits im Kindergarten hatten Sophie, Paula, Isabella, Eleina, Emma und Jule Romy empfangen, die Mädels diskutierten eifrig, was im Tumbawunda-Tal passiert sein konnte. Gut, sie spielten auch einige mögliche Szenen durch. Aber das half, das Ganze zu verstehen. Und auch bei Oskar in der Grundschule ging es heiß her. Aber: Wesentlich professioneller als im Kindergarten. Gemeinsam mit seinen Kumpels den Gebrüdern Noah und Nico, Niklas und Sophia, Johann, Dominik, den Gebrüdern Stefan und Kevin sowie Freund Niklas II. hatte sich Oskar in den Pausen in einen vor Erwachsenenaugen gut geschützten Bereich verkrümelt. Hier wurde Weltgeschehen behandelt. Top secret! »Mein Vater sagt, dass es der Kommunikationsstrahl einer weit entfernten Zivilisation sein könnte«, sagte Noah. Sie hockten in einem Kreis. Alle nickten. Hier wusste zwar nicht jeder, was eine Zivilisation war, dafür wussten andere nicht, was ein Kommunikationsstrahl war. Einige wussten beides nicht. Aber: Niemand ließ sich das anmerken. Selbstverständlich nickten sich alle ernst zu. Ja, da konnte was dran sein! »Sie suchen jetzt auf jeden Fall das ganze Tumbawunda-Tal ab.« Ja, auch da stimmten alle zu. Dazu kam: Oskar erzählte ihnen von seinen schlimmen Beobachtungen mit den Wildbienen. Sie waren verschwunden! Und auch da stimmten die anderen mit ein. Ja, sie hatten das auch schon beobachtet. Schrecklich. Sophia merkte an, dass sie das Gefühl habe, es gebe auch weniger Vögel. Und ja: Das war den anderen auch schon aufgefallen. »Es fehlen auch irgendwie noch die anderen Tiere«, sagte Dominik. In dieser Geheimrunde runzelten alle die Stirn. Ja, auch das stimmte. Gab es da wohl einen Zusammenhang mit dem bunten Sternenstrahl? Oskar überlegte gerade, er wollte doch noch was sagen? Wofür hatte er gleich noch einmal gestern Abend gebetet? Hmm, sein Kopf arbeitete und arbeitete, … aber hier im Tumbawunda-Tal war seit heute Morgen so viel los … »Nee, kann nicht sein, der kam ja erst später!«, murmelte irgendeiner in der Runde und riss Oskar damit wieder aus seinen Gedanken. »Richtig«, bestätigte Nico. Der Strahl kam ja erst später. Der kann gar keinen Einfluss auf die Wildbienen, die Vögel und die Tiere gehabt haben. Die anderen nickten zustimmend. Wo sie sich auf jeden Fall einig waren: Nach dieser Pause hatten sie nur noch eine Stunde Unterricht! Und dann war ja wohl klar: Sie würden sich alle treffen, um selber zu suchen. Das war schließlich ihre Heimat hier. Und wer kannte sich da schon besser aus als sie? Niemand! War ja logo: Sie waren hier schließlich schon unter jede Hecke, in jeden Strauch und auf jeden Baum geklettert. Sie kannten Verstecke, auf die Erwachsene niemals kommen würden! Sie kannten geheime Tunnel und Höhlen. Tja, diese sich gerade hier gründende Spezialeinheit war allen Erwachsenen auf jeden Fall weit voraus. Da waren sich alle sicher. Genauso wenig hatten die Erwachsenen ein kleines blau leuchtendes Glühwürmchen, das gerade aus Oskars Brusttasche krabbelte, sich in die Mitte des Kreises setzte und den Plänen hier verträumt weiter lauschte, … bis es merkte, dass es ruhig wie bei einem vernünftigen Mittagsschläfchen war. Zu ruhig. Ohje: Alle Augenpaare von Oskar und seinen Freunden ruhten auf ihm! Schockschwerenot! Es hatte geträumt! Ohje. Mist! Nix wie weg! Und »Plopp« war es mit einer regenbogenfarbenen Mini-Sternenexplosion verschwunden. Es hatte sich einfach in Luft aufgelöst! Der regenbogenfarbene Stern zerfiel in der Luft … und kleiner regenbogenfarbener Glitzer rieselte zu Boden. Dort, wo er auf den Boden traf, riss der Beton des Pausenhofes. Es knirschte und knackte leicht, … dann bohrte sich eine Mini-Sonnenblume durch den Asphalt … und Sekunden später sah es so aus, als wäre dieses wunderschöne Gewächs schon immer da gewesen. Nico hob den Zeigefinger, alle schauten ihn an. Er holte Luft, aber dann senkte er seinen Finger wieder, sagte nichts. Dann zeigte Johann auf. Auch ihn schauten alle an, er wollte was sagen. »Öhm …« Ihm fiel nichts ein, er ließ die Hand wieder runter. Niemand hier in der Runde hatte eine Erklärung für das, was hier gerade geschehen war. Sie waren einfach nur baff.

Im Kindergarten von Romy war es hingegen nicht so unentdeckt geblieben. Eine Erklärung hatte dafür aber auch niemand: Mitten auf dem Außenspielplatz ragte jetzt eine güldene Bienenstatur in die Höhe. Auf ihren Schultern hockten alle Tiere des Waldes und der Vorgärten, dazu Schmetterlinge, Marienkäfer und noch viele, viele Insekten mehr. Siebenmal so groß wie die Mini-Sonnenblume auf dem Pausenhof. Pro Kind eine Höhe – Sophie, Paula, Isabella, Eleina, Emma, Jule und Romy. Sie hatten im Sandkasten großes Kochstudio gespielt. Ihre geheime Geheimzutat: Je ein blau leuchtendes Glühwürmchen. Denn als die beiden Begleiter im Schäfchenrucksack von Romy mitbekommen hatten, dass es hier im Kindergarten ziemlich friedlich zuging, die Erzieher zwar die Kinder beobachteten, aber im Detail nicht alles mitbekamen, hatten sie ihre Vorsicht leicht über Bord geworfen und mit Romy und ihren Freundinnen gespielt. Dabei hatte Romy von den fehlenden Bienen erzählt. Und auch ihre Freundinnen hatten bemerkt, dass alle anderen Tiere weniger geworden waren oder gar ganz fehlten. Emma hatte sogar einen toten Feldhasen im vertrockneten Gras am Fahrradweg gesehen, Jule tote Hummeln und Bienen auf einem Vorgarten aus Stein und Beton. Was wäre denn da nicht logischer gewesen, als wenn man sich welche »backen« würde? Die blau leuchtenden Glühwürmchen waren beim Spielen sogar hoch erfreut gewesen, dass die Mädchen sie als »Schmankerl« in jeden Sandkuchen reinsteckten. Das war aus ihrer Sicht nicht ganz so schlimm. Ihre eigentliche Aufgabe konnten sie dadurch immer noch erfüllen. Und weil es ihnen so Spaß machte, hatten sie in jeden »Kuchen« noch ein kleines Geschenk gesteckt. Und drei, zwei, eins … waren ihre Geschenke ebenfalls in Sekundenschnelle gewachsen, dann miteinander verschmolzen … und bildeten jetzt die goldene Statur mitten im Außenbereich des Kindergartens. Anfangs hatten sich die Mädels noch gefreut, doch jetzt belagerten bereits die ersten Kamerateams den Kindergarten. War das ein außerirdisches Wunder? Überall schwirrten Menschen von der Stadtverwaltung umher, die Kindergartenleiterin weinte bereits aufgrund der vielen Befragungen. Nur irgendwie dachte kein Erwachsener daran, die sieben Freundinnen zu fragen. Hätte auch nichts gebracht: Sie hatten in einem heiligen Schwur beschlossen, ihr Geheimnis zu bewahren … und ihre neuen Freunde zu beschützen! Außerdem: Auch sie hatten sich bereits für nach dem Kindergarten verabredet, um dem Geheimnis des mysteriösen Regenbogenstrahls aus dem Weltall auf den Grund zu gehen. Das war jetzt Ehrensache. Genauso wie bei Oskar und seinen Kumpels. Und außerdem hatten sie alle so ein Gefühl, sie würden da mehr in Erfahrung bringen als alle Erwachsenen zusammen. Und das Glück stand auf ihrer Seite: Von der Grundschule konnten sie den »Gong« der Schulglocke hören. Hunderte Kinder strömten freudig heraus, … jetzt waren Ferien!

5. Die Versammlung

Der Tag neigte sich dem Ende, die Sonne ging langsam hinter dem Feldrand unter. Die drei Feldhasen saßen in der Mitte. Um sie herum: Alles was in Wald und Wiese kreuchte und fleuchte, was summte und flog, was brummte und zischte. Das ganze Tierreich vom Tumbawunda-Tal hatte sich um die drei Langohren hier an der alten Linde, unter dem goldenen Palast, im vertrockneten Gras versammelt. Zahlenmäßig waren die Wildbienen aber am meisten hier vertreten. Und das war … leider nicht viel. Generell schienen es noch weniger zu sein, als noch vor einiger Zeit. Und die Anwesenden sahen nicht gut aus: Sie hatten lichtes Fell und waren dünn, einige waren schmutzig, sahen aus wie Vagabunden, andere konnten sich vor Kraftlosigkeit kaum noch auf den Beinen halten. Die Feldhasen konnten kaum hüpfen, die Amseln und Meisen kaum fliegen, die Hummeln kaum noch summen. Einige husteten, andere zitterten. Hier saßen sogar Jäger und Gejagte friedlich nebeneinander. Niemand hier ging auf den anderen los, wie es in »guten« Zeiten eigentlich der Fall war. Sie waren einfach zu schwach, die Not war viel zu groß – sie mussten zusammenhalten. Am deutlichsten aber war es bei den verschiedenen Wildbienenarten zu sehen, … sie stützten sich gegenseitig. Einige weinten, andere schluchzten. Bei ihnen waren noch nicht mal mehr alle in der Lage, Flüge zur Nahrungssuche anzutreten. Königin Majesta, die 723ste, hatte daher verfügt, dass der wenige Honig ihres stolzen Volkes mit den anderen Wildbienen und Hummeln geteilt wurde. Aber: Es war nur noch so wenig Honig vorhanden, er musste rationiert werden. Das bedeutete: Am meisten Honig erhielten die Wildbienen, die auf Nahrungssuche gingen. Nur wenn sie genügend Kraft hatten, konnten sie Pollen und Nektar sammeln. Sie mussten ausfliegen, um die Chance aufrechtzuerhalten, Nahrung für alle zu finden. Es machte leider Sinn, das sahen alle ein. Das bedeutete aber auch zwangsweise: Andere erhielten noch weniger von dem wenigen, was noch da war, … doch was war auf einmal das? Bei dieser Zusammenkunft machten kleine Honigtropfen die Runde?! Sie konnten sich mit einem Mal unerwartet stärken! Die Antwort hatte einen roten Kopf: Brownie, die Braunbärdame des Tales, hatte ihren letzten Honigtopf mitgebracht. Sie hatte ihn noch vom Winterschlaf übrig. Eigentlich wollten die Wildbienen jetzt sauer sein. Denn: Woher sie wohl den Honig hatte?! Aber das war jetzt egal. Für eine Diskussion waren sie alle zu schwach. Das Glücksgefühl, sich mit leckerem Honig stärken zu können, überwiegte. Jede Wildbiene, jede Hummel schlug sich den Bauch voll.

»Und ihr habt das genau gehört?« Königin Majesta stand vor den drei Feldhasen und kratzte sich am Kopf. »Diese beiden Menschenkinder haben also wirklich ‚Bee-Team‘ gesagt?« Die vor Aufregung hüpfenden Langohren legten ihre Pfoten auf die Brust. »Ja, das haben sie wirklich gesagt! Wir schwören!« »Habe ich noch nie was von gehört«, zuckte der Fuchs in der dritten Reihe mit den Schultern. Die beiden Wildentendamen neben ihm auch nicht. Sie schnatterten noch schnell leise was miteinander, dann schauten sie wieder nach vorne. Von oben aus den Ästen gab es ernste Blicke. Amseln, Meisen, Rotkehlchen, aber auch Habichte, Bussarde und Adler schauten grimmig nach unten. Man, gingen die ihnen auf den Keks: Wildenten, … die hatten immer was zu schnattern. Jetzt schauten auch die Wildgänse nach oben. Aber jeder wusste: Wildgänse standen den Wildenten beim »Klönschnack« in nichts nach – die hatten auch immer was zu tratschen wie alte Waschweiber! Das reichte dem Weißkopfadler: Er schwenkte einen Flügel Richtung seines Kopfes, formte mit zwei Federn an der Flügelspitze zwei Finger, zeigte mit ihnen auf seine Augen. Dann formte er grimmig einen Zeigefinger gen Enten und Gänse. Klappe halten, klar? Ich hab' euch im Auge! »Schluck«, konnten alle Anwesenden hören. Wildgänse und -enten zogen alle ein klein wenig ihre Hälse ein. Wir sagen ja schon nichts mehr! »Hat hier schon irgendwer einmal was von dem Bee-Team gehört?«, fragte Wildbienenkönigin Majesta nun in die versammelte Runde. Es schien, dass ihre güldene Krone nicht mehr ganz so glänzte wie noch vor einem Jahr. Es dauerte ein wenig, aber dann schüttelten die meisten Anwesenden die Köpfe. Nein, noch nie gehört. Weder den Braun- und Schwarzbären, den Igeln, den Fasanen, den Nattern, den Waschbären, den Heuschrecken, noch irgendeinem anderen Anwesenden war der Name ein Begriff. »Dass die Hummeln es nicht wissen, war mir klar«, flüsterte heimlich eine Biene. Die meisten Wildbienen hielten die Hummeln für nicht so helle. Die waren ja nahezu mit jeder Blume zufrieden, Wildbienen waren da schließlich viel wählerischer. Püh. »Niemand, … ist hier niemand, der schon einmal etwas von dem Bee-Team gehört hat?« Königin Majesta blickte die drei Feldhasen, dann verzweifelt die dicke Bertha an. Die überlegte und überlegte, dann schien sie eine Idee zu haben. Bingo! Schnell ging die Generalin auf und ab, ihre Blicke wanderten suchend durch die Reihen der Bodenhocker. Vorbei an den Rehen, an den Wildschweinen und Dachsen, an den blauen Holzbienen, vorbei an den Lurchen, an den verschiedensten Fröschen. Da musste sie doch irgendwo sein!? »Ist Methusala noch nicht da?«, rief sie auf einmal. Methusala? Jeder kannte sie: Methusala war die älteste Bewohnerin unter den Tieren im Tumbawunda-Tal. »Doch klar, die ist hier!«, riefen die Wasserflöhe mit quickender Stimme. Toll. Die waren so klein, niemand wusste jetzt gerade, von wo die Stimme kam. Generalin Bertha aktivierte ihre Flügel und erhob sich mit klimpernden Orden in die Lüfte. Sofort machten es alle Wildbienen ihr nach, … und mit einem Mal erfüllte ein leichtes Summen den Versammlungsort. Alle quälte die Frage: Wo war Methusala? Ihre Blicke hatten eine Richtung: Im hinteren Bereich, linke Ecke, hatten sich die Fluss- und Teichbewohner des Tumbawunda-Tals versammelt. Das war nicht weit weg von dem kleinen Bach. Er war zu einem Rinnsal vertrocknet, aber immerhin konnten die meisten sich dort eben einmal schnell mit Wasser beträufeln. Und siehe da: Ja, Methusala war da! Die mindestens hundert Jahre alte europäische Sumpfschildkröte hatte sich ebenfalls hier unter der Linde im vertrockneten Gras eingefunden … und schlief. »Schnarch, Schnarch., Schnarch«, konnten es aber nur die vernehmen, die nahe genug an ihrem Panzer waren. Die dicke Bertha brachte ihren fülligen Leib in Bewegung, schnappte sich ein kleines Ästchen, flog an sie heran … und klopfte auf ihren Panzer. Aber nichts geschah. »Schnach, Schnarch, Schnarch«, machte es immer noch. Jetzt landete Königin Majesta neben Methusala. Sie hielt sich die Krone bei der Landung und verdrängte Bubbles und Blobber, zwei recht junge europäische Sumpfschildkröten. Alle vermuteten, dass es mindestens Ur-Ur-Enkel von Methusala waren, wenn nicht sogar ihre Ur-Ur-Ur-Enkel. Sicher war sich da aber niemand. Schildkröten legten schließlich ihre Eier einfach ab und verdrückten sich dann. Aber verwandt auf jeden Fall. Jetzt nahm sich Königin Majesta den Stock von Generalin Bertha … und klopfte kräftig auf dem Panzer rum. »Plong, Plong, Plong.« Bubbles und Blobber kicherten. Mittlerweile hatte sich um die schlafende Methusala eine Traube gebildet. Jedes Tier, jedes Insekt wollte wissen, ob sie das »Bee-Team« kannte. »Plong, Plong, Plong.« Jetzt hatte Königin Majesta den Stock sogar schon in beiden Händen und hämmerte auf ihrem Panzer rum. Aber nichts passierte, … außer: »Schnarch, Schnarch, Schnarch.« Grrrr. Schnell schnappte sich Generalin Bertha auch noch einen Stock … und es dauerte nur wenige Sekunden, da hallte es im Akkord: »Plong-Plong, Plong-Plong, Plong-Plong.« Und endlich geschah es: Langsam, sehr langsam fuhren ihre Beine vorne und hinten heraus, … und noch viel langsamer schob sich ein sehr, sehr alter Schildkrötenkopf nach vorne: »Hat jemand geläutet?«, krächzte die alte Sumpfschildkröte. Sie hatte ihre Augen noch auf Halbmast, musste sich erst einmal orientieren. Auf welchem Planeten war sie nochmal? Ach ja, die Erde. Gut. Welches Jahrhundert? Hmm, 21stes? Könnte sein. Welches Jahr, welcher Wochentag? »Ach komm«, murmelte Methusala zu sich selbst, so weit wollte sie gar nicht gehen. Sie gähnte erst einmal kräftig, dann rieb sie sich gemütlich die Äuglein. Als sie sie dann richtig offen hatte, staunte sie allerdings nicht schlecht. Denn: In all den Jahrzehnten hatte sie noch nie so viele Augenpaare auf sich gerichtet gesehen. Sie schaute überrascht nach links, dann nach rechts. »Ähmm«, blickte sie nun Königin Majesta und Generalin Bertha vom größten Wildbienenvolk hier im Tumbawunda-Tal an. Die beiden hatten immer noch ihre Stöcke in der Hand. »Ähm«, schaute Methusala zu ihnen … runter. »Ja, bitte?« Königin Majesta drehte sich gerade zu ihrer stolzen Generalin um, da schrie schon irgendwer aus den Ästen über ihnen: »Kennst du das Bee-Team??« Methusala hob langsam ihren Kopf. Oweia, da war ja auf den Ästen kein Blatt mehr frei! Auf einmal rieselte eine Feder sanft nach unten. Methusala krächzte nach oben: »Was hast du gesagt?« Die Sumpfschildkröten-Oma war nicht mehr die Jüngste, das wusste hier jeder. Und daher logisch: Ihre Ohren machten nicht mehr so mit wie früher. War auch gar nicht mal so schlecht, wie sie fand: Sie musste sich nicht immer den ganzen Stuss von den jungen Dingern anhören. Man, konnten die Schildkröten-Weibchen über andere Schildkröten-Weibchen lästern. So war sie früher nie gewesen. Hach, die guten alten Zeiten, fing sie nun an, in Erinnerungen zu schwelgen. Doch nicht lange: »Kennst du das Bee-Team??«, brüllte jetzt einer der Waschbären aus der hinteren Reihe, er hatte beide Pfoten zu einem Trichter vor seinem Mund geformt. Methusala wackelte mit ihrem Panzer, um sich damit ein wenig wacher zu machen. Was hatte der junge Mann da hinten gerufen? Hatte sie das gerade richtig gehört? Als würde der Groschen langsam fallen, … öffneten sich ihre Augen in Zeitlupe immer mehr und mehr, ja, sie riss sie förmlich auf … bis sie strahlten! Ihre Augen funkelten wie der Nachthimmel! Und mit einem Mal strotzte sie vor Energie, als wäre sie gerade aus dem Ei geschlüpft! Und das erkannten alle Anwesenden, … einige bekamen sofort Gänsehaut. In Methusala sammelten sich Kräfte, die noch nie jemand im Tumbawunda-Tal so schnell in ein Lebewesen hatte fahren sehen. Sumpfschildkröten-Oma Methusala wollte aber auf Nummer sicher gehen … und schaute Königin Majesta und Generalin Bertha mit ernstem Blick an. Mit der ruhigen Stimme der Ewigkeit fragte sie: »Könnt ihr eure Frage noch einmal wiederholen?« Die beiden ließen vor Ehrfurcht ihre Stöcke fallen, … dann öffnete Majesta, die 723ste, ihren Mund und hauchte: »Kennst du das Bee-Team?« Ruhe, Pause, Stille. Da wurde es unheimlich: Von jetzt auf gleich vibrierte der Boden, die Linde fing magisch an zu zittern. Sofort rückten einige Vögel ängstlich aneinander, einige Frösche sprangen vorsichtshalber in den Matsch des Baches, die Bären nahmen eine misstrauische Position ein. Und: Das Unheimliche schien von der anderen Seite des Feldes zu kommen. Das spürte hier jeder. Mittlerweile war die Abenddämmerung fast vorbei, die Nacht wollte nun ihren Dienst antreten. Da geschah es: Erst funkelte auf der anderen Seite des Feldes ein Fenster regenbogenfarben, … dann schoss von dort ein magisch-bunter Energieball schräg hoch in den Abendhimmel hinauf, … hinaus in die Weiten des Weltalls. »Boaaaaah«, juchzten die Wildtiere. Dann kehrte kurze Zeit Ruhe ein. Alle Augen waren hoch zum Universum gerichtet. Die Ewigkeit schien den Moment zu bestimmen. Zeit spielte keine Rolle mehr. Worte konnten dieses Gefühl nicht ausdrücken, … da zitterte mit einem Mal wieder der Boden, die Linde wackelte … und das Universum antwortete: Ein magisch-bunter Regenbogenstrahl bohrte sich tief aus dem Weltall, weit weg von einer fernen Galaxie kommend durch diesen wunderschönen Abendhimmel, vor den Augen aller Wildtiere … in den Wald des Tumbawunda-Tals! Niemand konnte den Augenblick beschreiben. Der magisch-bunte Regenbogenstrahl blendete sie, … aber es war das Schönste, was sie alle je gesehen hatten. Sofort waren alle ergriffen, spürten die Magie tief in ihnen drin: Ihre Herzchen glühten. Sie pumpten. Sie hüpften. Sie tanzten. Glück, traf es vielleicht noch am besten. Hoffnung pumpte sich durch jedes Gefieder, durch jedes Fell, durch jede Schuppenhaut, durch jeden Panzer. Wildbienen und Hummeln, Bussarde und Adler, Rotkehlchen und Spatzen, Rehe und Feldhasen, die Waschbären und Bachbewohner, alle waren sie wie gefesselt. Methusalas starke, fast freudige, erwartungsvolle, aber vor allem alles übertönende Stimme vernahm jetzt jeder: »Oooh jaaa, … das Bee-Team kenne ich …

6. Der Geheimplatz

Die Temperaturen waren gestiegen, der Sommer kündigte sich mit der bereits zweiten ungewöhnlich starken Hitzewelle bis an die 35 Grad Celsius an. Zur Überraschung aller hatten sie bereits im Februar mit fast 30 Grad Celsius zu kämpfen gehabt, … aber die meisten Menschen hatten sich über die warmen Temperaturen mehr gefreut, als dass sie sich Sorgen gemacht hätten. Und bei dem Wetterchen jetzt herrschte bei den Menschen im Tumbawunda-Tal reges Treiben wie in einem Ameisennest. Sie kamen alle so richtig in Schwung. Oskar rannte zu seiner Mutter und gab ihr einen Kuss. Er hatte sich für die heutige Mission extra seinen Ninja-Anzug mit der Rambo-Biene angezogen. Romy schulterte in ihrem pinken Eisprinzessinnenkleid bereits ihren Schäfchenrucksack, ging ebenfalls zu ihr, gab ihr auch einen Kuss und kam zeitgleich mit ihm an der Haustüre an. »Aber ihr seid spätestens um 17 Uhr wieder da!«, rief ihnen ihre Mutter hinterher. Sie hatten direkt nach den wenigen Stunden Schule (in Rekordgeschwindigkeit) zu Mittag gegessen – eigentlich viel zu früh, Romy hatte sogar zur Überraschung nicht gemäkelt und alles aufgeputzt – und wollten sich jetzt direkt wieder mit ihren Freunden treffen. Zwei Wochen Ferien, zwei Wochen, in denen sie jetzt alles aufklären konnten! Oskar und Romy gingen schnell hinaus, jeder setzte sich auf sein Fahrrad. Dann ließen sie sich die Einfahrt nach unten rollen und blieben an den Platten des Bürgersteigs unten stehen. Die Straße war immer noch voll. Menschenmengen schoben sich durch das Tumbawunda-Tal. Es schienen noch mehr als heute Morgen zu sein. Kein Wunder: Jetzt waren auch Menschen aus den entlegensten Winkeln der Erde angekommen. Dort konnten sie ein japanisches Filmteam sehen, an anderer Stelle wanderten chinesische UFO-Gläubige durch die Mengen. Sie trugen ziemlich bescheuert aussehende Alien-Scanner-Brillen. Diese waren allerdings mit ihren teuren Smartphones verbunden. In Kombination mit ihren Bildern, die sie überall schossen, »werteten« sie die Umgebung aus. Einer blieb sogar kurz vor Romy und Oskar stehen. Er »scannte« die beiden mit seiner Brille, fuhr mit dem Smartphone einmal an Oskar, dann an Romy hoch und runter … und schenkte ihnen dann grinsend einen dicken Daumen. Grünes Licht! Alles in Ordnung, ihr seid keine Aliens! Aber das war noch längst nicht alles vor ihrem Haus. Es roch in der Straße wie auf einem Jahrmarkt: Einige schlaue Nachbarn hatten Tapeziertische in ihren Gärten aufgebaut und verkauften jetzt Kuchen und Kaffee an die Touristen. Kasse machen war angesagt! Sie sahen, wie ihre Nachbarn immer wieder nicht nur Wespen verscheuchten, auch einige Wildbienen versuchten, an etwas heranzukommen. Wenn die beiden Bienenretter hätten genauer hinsehen können: Zuckerkrümel waren in irgendeine Flüssigkeit gefallen und hatten sich zu einer Art von Zuckerwasser aufgelöst. Aber die Nachbarn wedelten sie immer wieder weg, die Frau versuchte sogar, sie mit einer Fliegenklatsche zu töten oder trat die auf dem Boden nach Errettung Lechzenden tot. »Ha, hab ich wieder eine«, freute sie sich sogar, während sie parallel dazu noch einige Spatzen verscheuchte. Die waren sichtlich geschwächt und versuchten mit zerzaustem Federkleid, Kuchenkrümel aufzupicken. Oskar und Romy atmeten einmal tief ein, dann nickten sich Bruder und Schwester cool zu: Sie hatten viel, viel, viel zu tun in diesen Ferien, … beide schossen in entgegengesetzter Richtung voneinander mit ihren Rädern los. Oskar nahm den Weg rechts entlang, Romy fuhr links den Bürgersteig hoch. Kaum hatte Oskar die ersten Häuser passiert, da stießen auch schon Noah und Nico auf ihren Rädern hinzu, … beide im Ninja-Dress. Überraschung. Noah hatte dazu ein Fernglas um seinen Hals baumeln, Nico eine Lupe. Die Brüder waren ein eingespieltes Team: Der eine konnte perfekt in die Ferne schauen, der andere die kleinste Kleinigkeit finden. Schnell fuhren sie gemeinsam weiter, winkten auch noch einmal Oskars Oma zu, als sie rechts abbogen. Die Oma lugte schon die ganze Zeit vor ihrem Haus über die Hecke und beobachtete haargenau, was die Menschen in »ihrer« Straße machten. Zwischen ihren Füßen lagen ihre beiden Katzen Lisa und Kitti und dösten. Als die Oma ihren Enkel mit der Piratenfahne an seinem Rad sah, winkte sie schnell zurück, widmete sich aber sofort wieder misstrauisch dem Treiben auf der Straße. Wer hier Müll fallen lassen würde, den würde sie ordentlich lang machen! Jawoll! Noch nicht weit entfernt, aber auch unterwegs war bereits Freundin Emma zu Romy gestoßen. Auch Emma trug … ein pinkes Prinzessinnenkleid. Beide wirkten auf ihren Rädern wie ein pinkes Kindergarten-Sonderkommando. Und auch Emma hatte einen Rucksack auf ­– in Einhornform, mit einem bunten Horn. Sie radelten, was das Zeug hielt. Allerdings wären sie vorhin beinahe auf dem Bürgersteig vom Fahrrad gefallen, als zwei schottische Touristen (nur mit ihren Kilts bekleidet, die Oberkörper bunt bemalt) sie in letzter Sekunde sahen. Die Schotten wollten ein weiteres Begrüßungslied für Außerirdische auf ihren Dudelsäcken anstimmen und hatten dadurch Romy und Emma fast übersehen. Einmal mussten die beiden sogar von ihrem Rad absteigen: Die tamilische Familie am Ende ihrer Straße nutzte ebenfalls die Gunst der Stunde und verkaufte Würstchen vom Grill. Fünf Euro das Stück. ­Verdammt teuer, aber sie zahlten, … und standen sogar Schlange. Nun hatten Romy und Emma aber wieder freie Fahrt und bogen links ein. Hier wurde die Straße etwas leerer, aber es waren trotzdem noch ziemlich viele Menschen unterwegs. Und da war noch etwas: Zur Hälfte aus einer Hecke schaute ein Panda lächelnd heraus. Romy und Emma zischten so schnell an ihm vorbei, dass sie gerade noch seine winkende Pfote sehen konnten, so, als ob er ihnen sagen wollte: Ihr seid auf dem richtigen Weg! Emma schaute Romy zwar nicht an, sie musste sich auf das Radfahren ordentlich konzentrieren, fragte aber: »War da gerade ein Panda?« Romys Gesichtchen überkam ein Lächeln. Oskar und sie waren nicht mehr die Einzigen, die ihn gesehen hatten. »Ja, ich denke schon«, sagte sie nüchtern. Okay, dann war ja alles klar. Alles klar war aber da vorne nichts mehr. Sie konnten in einem Vorgarten sehen, wie dort eine tote Amsel und ein toter Feldhase lagen. Romy und Emma fuhren jetzt etwas langsamer. In dem Garten war ein feiner englischer Rasen, der aber vor Durst schon gelb war. Den Seitenrand zierten leuchtende Lavendelsträucher … aus Plastik. Aber sonst nichts. Um den Garten schien sich nicht wirklich jemand zu kümmern. Sie hatten von ihren Vätern schon längst mitbekommen, dass seit einigen Monaten Dürre herrschte. So nannten Erwachsene eine ungewöhnlich lange Phase von Trockenheit. Romy und Emma konnten sich auch nicht mehr dran erinnern, wann es in diesem Jahr einmal geregnet hatte. Im Januar vielleicht? Als sie auf Höhe der toten Amsel und des toten Feldhasen vorbeikamen, konnten sie genau erkennen, dass sie zu einer auf dem Boden liegenden Schaufel wollten. Da hatte sich beim letzten Mal wohl Wasser drin gesammelt, das hatten sich die Amsel und der Feldhase gemerkt, … aber es hatte ihnen nichts mehr genutzt. Die Schaufel war trocken. Sie waren vor Erschöpfung zusammengebrochen … und verdurstet. Romy und Emma erkannten das … und mit einem Mal zog es in der Magengegend. Sie sagten für die nächsten Meter kein Wort mehr, fuhren schweigend nebeneinander her. Dann durchbrach eine von beiden die Stille. »Wo treffen wir uns nochmal?«, wollte Emma wissen, während sie neben Romy fuhr. Die blickte weiter geradeaus, sie konnte bereits die Schwestern Sophie und Paula sehen, die mit ihren pinken Mädchenrädern an der Garagenausfahrt vor ihrem Haus auf sie warteten, … in pinken Eisprinzessinnenkleidern. Ganz normal. »Auf der anderen Seite vom Feld«, verdrehte Romy jetzt leicht die Augen. Das hatten sie heute Morgen doch alles geklärt. »Unter der alten Linde, wie immer …