Das Bee-Team - Marshals - Alexander Ruth - E-Book

Das Bee-Team - Marshals E-Book

Alexander Ruth

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Beschreibung

Der Klimawandel und das sechste Artensterben gehen Hand in Hand. Als die Folgen auch das sonst verschonte Tumbawunda-Tal erreichen, treffen in dem Moment die tierischen Abgesandten aller Kontinente mit ihren katastrophalen Notrufen ein. Romy und Oskar bleibt keine Wahl: Erneut müssen sie das Bee-Team rufen. Denn es wird klar: Weltweit ist die Situation viel dramatischer, als es die meisten verstehen. Tierwelt und Menschheit rennt die Zeit weg. Waldbrände, Starkregen, steigender Meeresspiegel, Hurrikans, Tornados, Dürren, Ernteausfälle und viele Naturkatastrophen mehr nehmen extrem zu, werden kräftiger, bedrohen ganze Erdregionen und damit Milliarden Lebewesen. Der Auslöser dafür ist klar: der Mensch. Er zerstört damit das einzige Raumschiff in diesem tödlichen Universum, auf dem alle gemeinsam leben können. Dass der Kampf gegen die dahintersteckenden bösen Mächte für das Bee-Team zu groß ist, versteht sich von selbst. Doch das Universum hat eine Antwort: Die mysteriösen »Marshals« betreten den Planeten Erde. Im Namen aller nehmen sie jetzt den Kampf dagegen auf …

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhaltsverzeichnis

1. Friede, Freude, Eierkuchen

2. Es braut sich was zusammen

3. Es geht so schnell

4. Die Entstehung

5. Verdammt viel Glück

6. Roboter, Limousinen und Co.

7. Das Delta

8. Der Sandsturm

9. Von Hohenkohlen

10. Atlantis-Richtline 54

11. Ayudaremos al mundo!

12. Ajala, Balu und Molai

13. Das Great Barrier Reef

14. Don't look down

15. Uluru und XuXu

16. Little Ben

17. Die Ritter-Ranger

18. Ohne Tumbawunda-Taler geht's nicht

19. Helgoländer Hochseehelden

20. New York, Los Angeles, die ganze Welt

21. Das Raumschiff Erde summt

Weitere Schmetterlingsgeschichten

Das

Bee-Team

-

Marshals

von

Alexander Ruth

© Januar 2023 Alexander Ruth, 1. Edition

Alle Rechte vorbehalten.

© Grafik/Fotos: Alexander Ruth (Ильгиз Сайфутдинов, Kittikiti, Le Panda, Vectonauta/freepik.com, AlonzoDesign/istockphoto.com, Prapass Wannapinij/dreamstime.com), NASA, Umweltbundesamt

Alle Rechte beim Autor.

The moral right of the author has been asserted.

ISBN: 9783754692646

Verlag: Alexander Ruth, Am Eichenkreuz 1,

40667 Meerbusch, [email protected]

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar

»Und sie sägten an den Ästen, auf denen sie saßen und schrien sich ihre Erfahrungen zu, wie man besser sägen könne. Und fuhren mit Krachen in die Tiefe. Und die ihnen zusahen beim Sägen schüttelten die Köpfe und sägten kräftig weiter.«

Bertolt Brecht

… Es begab sich aber zu einer Zeit, da hatten Mensch und Tier ihre Welt gerettet. Zeiten der Wunder, Zeiten des Friedens waren hereingebrochen. Aber nicht lange: Die eigene Welt war eine Illusion. Das, was sich außerhalb zubraute, war viel größer und gefährlicher als alles, was es bisher gab. Extremer und tödlicher. Und es war bereits da. In ungeahnten Dimensionen. Sie hatten nichts gelernt.

Die Menschen fällten noch viel mehr Bäume, fuhren weiterhin mit zu vielen Autos, mit Kreuzfahrtschiffen, flogen einfach viel zu viel mit Flugzeugen. Sie bauten mehr und mehr Fabriken, setzten noch mehr auf fossile Verbrennung und sorgten so für steigende Temperaturen – und damit für katastrophale Dürren, Waldbrände und Überschwemmungen weltweit. Und so erging es auch dem Tumbawunda-Tal.

Lest hier die magische Geschichte, wie sich die Tiere wehrten – und sie die Geschicke der Erde mit einem Mal veränderten. Und sie waren nicht allein.

Denn so hat es sich zugetragen, keine Frage …

1. Friede, Freude, Eierkuchen

Der umherwehende Duft von Kräutern wie Rosmarin und Thymian, von frischem Gras und blühenden Blumen erquickte jede Seele, jeder Blick berührte jedes Herz, jeder Sinn des Lebens war hier Realität geworden. Überall summte es, überall brummte es, nirgendswo gab es einen schöneren Flecken Erde, auf diesem wunderbaren blauen Planeten – das Tumbawunda-Tal war zu einem vor Energie strotzenden bunten Paradies geworden. Zwar war es früher und länger warm geworden, aber dank des neugestalteten Tals mit seinen Schatten spendenden Bäumen, seinen klug angelegten Bächen, hielt sich die Hitze für den Einzelnen in Grenzen und das Wasser verdunstete kaum. Das eigene Leben war eine fantastische Traumwelt geworden. Kein Leid, kein Kummer, keine Sorgen. Hier hüpften Häschen vergnügt herum, dort traktierten Amseln einen Apfel auf dem Boden. Grün war die bestimmende Farbe, es schien sogar, dass es im Herbst einen Kampf gegeben hatte: Das Braun wollte endlich seine natürliche Rolle übernehmen, aber die Farbe des prallen Lebens weigerte sich. Der Niedergang des Sommers sollte noch nicht eingeleitet werden. Am Ende hatte er nachgegeben, die Geburt des kleinen Bruders Frühling war bereits beschlossene Sache gewesen. Nun war er auf der Welt: »Ist das nicht herrlich?«, stand Wildbienenkönigin Majesta I. stolz auf einer Kamillenblüte vor dem großen Feld, unter ihr wippten grüne Grashalme sanft im Wind. Majesta I. zeigte mit ihrem goldenen Zepter immer wieder dahin, dann dorthin. Ihre goldene Krone schien noch mehr zu glänzen als sonst. Hunderte Wildbienenaugen ihrer neuen Leibgarde folgten ihr. Einige schwebten neben, unter und über ihr, einige saßen rechts und links, andere sicherten das Areal um sie herum. Niemand würde ihr auch nur ein Haar krümmen können. Hier schützten Hunderte Stacheln die beste, schönste und größte Wildbienenkönigin, die das Tumbawunda-Tal je gesehen hatte! Keine Meise, kein Rotkehlchen oder sonst ein »Feind« würde sich an sie herantrauen. Was auch gar niemand machen würde. Denn: Im Tumbawunda-Tal lebten die Tiere so eng miteinander, dass man sie schon als »befreundet« bezeichnen musste. Nur falls ein Vogel von »außerhalb« des Tals kommen sollte, der nicht so viel Ahnung hatte, dafür mussten sie sich wappnen. Und eine Sache konnten sie auch nicht verhindern: »Platsch« traf ein einziger Regentropfen Königin Majesta I.. So schnell, dass sie sich noch nicht einmal erschrecken konnte. Die Leibgardisten sprangen sofort in die Lüfte und machten Karate- und Kung-Fu-Schläge in alle Richtungen. Das hinderte den Tropfen allerdings nicht daran, von ihrer Krone über ihr Gesicht zu laufen und sich dann auf ihrem Bauch zu verlieren. »He?«, schaute Majesta fragend gen Himmel. Da war keine einzige Wolke, kein einziger grauer Fleck. Die Wildbienenkönigin schüttelte sich einmal sanft, dann war der Regentropfen auch schon wieder vergessen. »Hoffentlich war das kein Zeichen«, murmelte irgendwo unten im Gras eine Stimme. Zwei Leibgardisten schauten kurz hinunter, aber außer wackelnden Grashalmen konnten sie nichts sehen. Das friedliche Leben hatte alle sofort wieder. Majesta I. betrachtete weiter voller Stolz »ihr Reich«. Und wie sie sie alle liebten: In dem Moment flogen sogar vier Tumbawunda-Spatzen spielend an ihnen vorbei. Als sie erkannten, dass Ihre Majestät dort auf einer Kamillenblüte ihr Feld voll duftender Wildblumen inspizierte, die Königin beobachtete, wie Tausende ihrer Arbeiterinnen von Blüte zu Blüte hüpfend Pollen und Nektar sammelten, hielten sie kurz in der Luft an, salutierten fliegend, indem sie einen Flügel an den Kopf schwangen, ihr grinsend zu nickten, dabei »Servus« fiepten, und dann weiterflogen. Ja, was war das für ein wundervolles Leben im Tumbawunda-Tal geworden! Ob Mensch oder Tier, alle hatten dank der bunten Wildblumenwiesen, der neuen Bäche, der gefüllten Seen und Tümpel genug zu trinken und zu essen! Sogar innerorts hatten die Menschen Grundstücke gefunden, bei denen der Stadtrat einstimmig voller Freude beschlossen hatte, sie nicht mehr zu bebauen, sondern sie zu kleinen Oasen des Lebens zu gestalten: Kleine Inseln mit Hecken und Sträuchern für Vögel und Kleintiere; kleine Brunnen mit Wasserläufen zu Teichen mit seichten Rändern; Obst- und Nussbäumen sowie vom Jahresanfang bis in den Winter blühende Wildblumen und Kräuter. Dazu hatten sie kleine Wege angelegt, die durch diese Wunderorte führten. Bänke luden überall zum Verweilen, Genießen und Entspannen ein. Von dort konnten Besucher auch auf die großen aufgestellten Insektenhotels, hängenden Brutkästen und Laub- und Altholzhaufen, auf kleine Bereiche mit Sandbädern und Steinmäuerchen schauen. Letztgenannte dienten meist als Umrandung für kaskadenförmig aufgebaute Beete. Damit boten sie Unterschlupf für Mauerbienen und Co.. Fast egal zu welcher Jahreszeit, hier blühte immer etwas, hier schlüpfte irgendwo irgendwer irgendwann immer aus einem Ei, verwandelte sich eine Raupe in einen Schmetterling, eine Kaulquappe in einen Frosch, eine Larve in einen Marienkäfer. Sowohl in der Stadt als auch außerhalb, in den Feldern und in den Wäldern, Mensch und Tier ging es nirgendwo so gut wie im Tumbawunda-Tal. Und alle wussten: Das hatten sie alles dem »Bee-Team« zu verdanken! »Hach«, seufzte Königin Majesta glücklich. »Haaaach«, ertönte es sofort hundertfach um sie herum. Alle Mitglieder der Leibgarde waren für diese Sekunde mit eingetaucht in dieses gedankliche Paradies. Dies war wahr geworden auf dem Flecken Erde, auf dem sie gerade weilten! Ja, was war das für ein wundervolles Leben im Tumbawunda-Tal geworden! In diesem Frühling waren alle, aber wirklich alle aus dem Winterschlaf »aufgestanden«. Wohl genährt und voller Kraft. Als die Temperaturen dann »endlich« die 10 Grad überschritten, der lebensweckende Duft des Frühlings vollends in dem Bienennest Einzug hielt, hatte ihre Kammerzofe Lavendula auch sie geweckt. In den Winterschlaf hatte sie das vergangene Jahr genommen und durchgehend davon geträumt. Und was war das wieder für ein Jahr gewesen. Nachdem »Das Bee-Team« vor drei Sommern die Wildbienen, die Tiere und alle anderen gerettet hatte, war es einfach wundervoll geworden. Jahr für Jahr. Menschen und Tiere gingen im Tumbawunda-Tal Hand in Hand, lebten Seite an Seite, arbeiteten sogar miteinander, und viel wichtiger, … füreinander. Die Menschen hegten und pflegten ihre Umwelt, die Natur; dafür bestäubten die Wildbienen alle Pflanzen. Vögelchen und Marienkäfer »beseitigten« Blattläuse und Co. auf den Feldern, niemand musste mehr »Insektengifte« bei sich im Garten oder auf dem Feld einsetzen. Dank des neuen Gleichgewichts zwischen Mensch und Tier, aber dadurch auch innerhalb der Tierwelt, hatte alles wieder seine Ordnung gefunden. Es gab eine gesunde Zahl an Habichten, Bussarden und Co.. Daher gab es aber wiederum auch eine gesunde Zahl an Feld- und Wiesenmäusen sowie Hasen. Infolgedessen und natürlich auch ein wenig dank der »Magie« des »Bee-Teams« fuhren die Bauern Lemke, Müller, Furz und Bommel die besten Ernten auf der ganzen Welt ein. Der ganzen Welt! Immer wieder schauten Vertreter von Landwirtschaftsverbänden vorbei und ließen sich das »Wunder vom Tumbawunda-Tal« erklären. Aber, und das war dann ja wohl auffällig, schienen sie es nicht so gut hin zu bekommen wie Lemke, Müller und Co.. Ansonsten hätten sie ja dieselben Ergebnisse am Jahresende und die Tumbawunda-Bauern wären nicht mehr die besten Landwirte der Welt. War ja logisch. Aus Sicht der Wildbienen war es ausschließlich die Magie: Das Volk der Majesta hatte wieder zur alten Stärke gefunden! »Haaach«, seufzte die Wildbienenkönigin erneut glücklich. »Haaaaaach«, ertönte es sofort wieder hundertfach hinterher. Literweise Honig hatten sie hergestellt. Gleich mehrere neue Jungköniginnen hatte Majesta das Licht der Welt erblicken lassen – und sie am Ende gestärkt mit rund 30.000 Arbeiterinnen in die weite Welt entlassen. So wie es immer war bei Bienen. Und was waren sie erstarkt. Gülden funkelte ihr Palast innen: Die Gänge, die Kammern, ihr Empfangssaal, einfach alles. Jede Biene, die hier ein- und ausflog, erfüllte ihn mit Kraft und Stärke, mit Liebe und Leben. Und auch von außen entging das starke Volk der Majesta niemandem. Schon von weitem war ihr Nest an der fast 1.000 Jahre alten Linde zu sehen. Jeder Mensch, jedes Tier wusste von ihrem Platz. Es war für alle wie ein Zauber. Schulklassen kamen vorbei und stellten sich unten hin. Dann erklärten die Lehrerinnen ihnen, wie Wildbienen lebten. Majesta hatte für diesen Fall 50 Arbeiterinnen abgestellt, die die Kids unter ihrer Linde mit kleinen Honigproben versorgten. Das wusste die Lehrerschaft oder die Kindergärtnerinnen. Manchmal waren gleich drei, vier Kindergruppen unter ihnen. Mal gleichzeitig, mal hintereinander. Sie saßen dann unten auf der Wiese, hörten den Erklärungen ihrer Leiterinnen, dem Summen der abfliegenden und ankommenden Bienen zu, … und schleckten sich die Tröpfchen von den Fingerspitzen. Wollte ein Kind noch eine Probe, musste es nur den Zeigefinger in die Luft heben. Dann dauerte es vielleicht vier, fünf Sekunden und sanft schwebte eine Arbeiterbiene herunter und beträufelte die Haut mit dem leckersten Honig der Welt. Wenn die Wildbienen der Majesta so viel Honig hergestellt hatten, dass sie nicht nur sicher durch den Winter kamen, sondern auch noch ein, zwei oder gar drei neue Jungköniginnen mit in die weite Welt schicken konnten, dann informierten sie die Menschen, sie könnten sich auch ein wenig Honig bei ihnen abholen. Gut, es war eigentlich immer Oskars Vater. So wie jetzt: Majesta blickte Generalin Bertha an und zeigte mit ihrem Zepter über das Feld zum Garten von Romy und Oskar. Sie konnte auf Höhe des Gartenzauns die Spiegelung einer Sonnenbrille sehen, dahinter werkelte ein bekannter Wirbelwind. Vater Jörg baute anscheinend den Sandkasten ab. Den benutzte seit Jahren hier niemand mehr. Romy war jetzt sieben, Oskar bereits zehn Jahre alt. »Kinderkram braucht hier niemand mehr«, murmelte der Förster vor sich hin. Seine Kids und deren Freundinnen und Freunde waren seit der Geschichte vor drei Jahren so etwas von groß geworden, das haste nicht gesehen. Er schüppte gerade noch eine Ladung Sand in die Schubkarre, dann steckte er den Spaten so in den Boden, dass er sich darauf abstützen konnte. Sein Blick fiel für einen Moment auf Romy. Neben ihr lag ein Urlaubsprospekt von Helgoland. Dem roten Sandsteinfelsen in der Nordsee, dem eine gewisse Magie nachgesagt wurde. Vielleicht würden sie da mal hinfahren? Romy lag dort auf jeden Fall cool wie eine Teenagerin mit Freundin Sophie auf einem Handtuch und genoss die Frühlingssonne. Pink war schon lange »total out«. Naja, nicht ganz. Beide hatten blaue Jeans, bunte Shirts an … und pinke Sonnenbrillen auf. In den Händen hielten sie in ihren Cocktail-Gläsern Eistee, mit Zuckerrand und Sonnenhütchen. Eisprinzessin war einmal! Verdammt cool schlürften die beiden ihre »Drinks«. Zwei Eichhörnchen rannten immer wieder vom Tisch auf der Terrasse zu ihnen hin und brachten ihnen Chips und Erdnüsse. Förster Jörg konnte sehen, wie sich die Eichhörnchen immer wieder selber Erdnüsse in die Backen schoben. Sahen sie, wie er es mitbekam, hoben sie den Finger zum Mäulchen: »Pssst!« Da konnte er nur grinsen und zwinkernd nicken. Dann rannten sie weiter und versorgten die beiden Diven mit den Leckereien. Romy und Sophie hatten einen perfekten Platz: Sie konnten von ihrer Position das ganze Feld überblicken. Auch heute noch waren sie mächtig stolz auf das, was sie vor drei Jahren geschafft hatten. Man könnte auch sagen, die beiden Siebenjährigen waren sich vollends bewusst, dass sie im Tumbawunda-Tal zwei Promis waren. Und so gaben sie sich dann auch. Also gut, nur wenn sie alleine im Garten waren. Da konnte man schon einen raushängen lassen. Wenn sie in der Schule waren, und ja, seit einem Jahr waren die beiden »Schülerinnen«, … nicht mehr »Kindergartenkinder«. Dann waren sie eher normal, fast bescheiden und schüchtern. Naja, ab und zu. Jungs, vor allem ältere, bekamen von ihnen klare Ansagen. Immer. Ihr Vorteil: Alle an der Schule wussten, dass sie zum »Bee-Team« gehörten. Sie waren jetzt die A-Liga unter der Jugend im Tumbawunda-Tal. Noch heute bekamen alle, egal, ob ehemalige Eisprinzessinnen oder Ninjas, immer mal wieder in der Eisdiele ein Eis geschenkt. »Weil ihr es seid«, zwinkerte ihnen dann »Eistante« Trudi zu. Den Panda hatten sie schon lange nicht mehr gesehen. Er war damals noch einige Zeit geblieben, doch dann war er von jetzt auf gleich verschwunden gewesen. Anscheinend tauchte er nur auf, wenn die Welt im Argen lag. Da landete ein Regentropfen auf einem Glas von Romys Sonnenbrille. »He?«, schob sie sie hoch und schaute gen Himmel. Dort oben war eine kleine dunkle Wolke. »Aber das hat der Wetterbericht doch gar nicht gesagt«, beschwerte sie sich. In dem Moment landete die Lametta-beladene Bertha funkelnd wie eine Feuerwerksrakete auf dem Handrücken von Romys Vater. Sie klimperte wie Katze Mona, wenn sie mit Hunderten Glöckchen-Stoffmäusen gleichzeitig spielte. Dank ihrer Orden von oben bis unten auf ihrer Brust und der reflektierten Sonnenstrahlen leuchtete sie auf Vater Jörgs Handrücken wie eine Wunderkerze. Er nahm das Kitzeln vergnügt wahr und schaute die kleine Super-Soldatin, mit der einen Hand ihr Leuchten abwehrend, erfreut an. »Na, habt ihr wieder was für uns?!« Das kam ihm sogar recht gelegen. Damit konnte er den Abbau der schönen Vergangenheit noch etwas herauszögern. Niemand hatte etwas dagegen, wenn er mit einem leeren Honigglas zur alten Linde wandern durfte. Doch »Platsch« … landete auch direkt neben ihr auf dem Handrücken ein Regentropfen. »He?«, schauten beide nach oben. Er war sich sicher, dass für heute kein Regen angesagt war. Beide sahen die kleine Regenwolke … und zuckten mit den Schultern. Biene Bertha fing sofort an zu tanzen. Hin und her, hoch und runter, er möge mit dem Honigglas kommen. Er verstand den Tanz: Ein wenig »Bienensprache« hatte er gelernt. Es war noch immer so, dass Erwachsene nicht direkt mit Tieren sprechen konnten. Das war weiterhin nur den Kindern vorbehalten. Einen kleinen Spruch konnte er sich aber nicht verkneifen: »Sag mal, hast du jetzt gelernt zu rappen?«, kicherte er. Berthas Bewegungen wirkten zwar dank ihrer Orden und ihrer Körpermasse schwer, aber trotzdem ordentlich beschwingt. Sah schon cool aus. Nachdem Romy den Satz kichernd wiederholt hatte, stoppte Bertha ihren Tanz, zeigte ihm empört den Vogel und machte sich moppernd wieder auf den Rückflug. »Ich und rappen«, flog sie motzend an Romy und Sophie vorbei. Die beiden mussten sofort kichern. Hach, das Leben als Tiere verstehende »Superhelden« war schon toll. »Noch ein Nüsschen?«, krabbelte gerade ein Eichhörnchen flugs auf Romys Schulter und schaute flink von der Seite auf ihr Gesicht. Romy gab sich bescheiden: »Ja, aber bitte nur noch eins, ich muss in den nächsten Sekunden auf meine Linie achten.« Schon zischte es weg, das andere brachte ihr und Sophie gerade eine Schale Gummibärchen. Die hatten sie vor einer Minute geordert. So ganz Sinn machte das alles zwar nicht, aber das musste es auch nicht. »Hihi«, kicherten die beiden Mädels.

Oskar und die Jungs hingen professionell ab. Hier auf dem Marktplatz war wie immer einiges los. Die Temperaturen waren in diesem Frühling auf rund 30 Grad gesprungen. Sowohl zuhause im kühlen heimischen Garten als auch hier im bepflanzten Dorfzentrum merkte man davon aber wenig. Dort standen an diesem Samstagmorgen sechs, sieben Wochenmarktstände. Vier davon konnten sich vor Kunden gar nicht retten: Die Gemüse- und Obststände der Tumbawunda-Bauern Lemke, Müller, Furz und Bommel. Von weit außerhalb kam die Kundschaft, um die besten Früchte des Bodens zu kaufen. Das Gemüse und Obst stand sogar im Verdacht, »Superkräfte« zu verleihen. Zumindest erzählten sich das die Menschen außerhalb – natürlich in Umlauf gebracht von den Bauern selbst. Angefeuert von der heimischen Presse erreichten Obst und Gemüse einen Status, den es sonst nirgends auf der Welt gab. Und niemand aus dem Tumbawunda-Tal hatte auch nur ansatzweise Lust, das zu ändern. Wer von hier irgendwo auf der Welt darauf angesprochen wurde, bestätigte das genüsslich. Die Lebensmittel aus dem Tumbawunda-Tal kamen einem Mythos gleich. »Hoffentlich kommen die Chinesen nicht auf die Idee, das liegt an den magischen Händen von Lemke, Müller und Co.. Sonst kidnappen die uns noch die«, kicherte Nathaniel neben Oskar. Er und Paul waren im Freundeskreis neu dabei. Der Rest war dieselbe Crew der ehemaligen »Ninjas«: Johann, Dominik, Stefan, Kevin, Niklas II., Oskar, Noah, Nico, Niklas und Sophia. So durfte man sie aber auf gar keinen Fall mehr nennen. Das war damals gut, heute waren sie auf dem strammen Weg Teenager zu werden. Und da durfte so ein »Kinderkram« keine Rolle mehr spielen. Sie lehnten hier gerade lässig an einer Mauer auf dem Marktplatz. Johann, Dominik und Stefan saßen oben auf. Vor ihnen lagen ihre Mountainbikes und ihre Skateboards. Sie trugen teils zerrissene Jeans, hatten nur T-Shirts an, der ein oder andere hatte auch ein Cappy auf. Sie hatten heute früh schon ein Fußballspiel gehabt und den Gegner mit 9:1 vom Platz gefegt. Oskar hatte drei Hütten erzielt. »Moinsen«, watschelten drei Waschbären schnell an ihnen vorbei. Die Jungs nickten … und grinsten. Die Waschbären hatten ihre Hände voll mit Kartoffeln, Möhren und Radieschen und waren zweifelsfrei auf der Flucht. Sie waren so bepackt, dass sie immer wieder etwas verloren, gar nicht richtig laufen konnten. »Oma Lisbeth« aus dem Buschend, einem Ortsteil im Tumbawunda-Tal, hatte wohl beim Plausch mit »Oma Inge« und »Oma Mia« nicht ganz aufgepasst. Die drei Meisterdiebe hatten sich an ihrem Einkaufsbeutel bedient … und nun flugs die Flucht angetreten. Witzigerweise war die Fellfärbung der drei Waschbären auf Höhe ihrer Augen auch so, dass es aussah, als ob sie eine Panzerknackermaske trügen. Kaum waren die drei Waschbären hinter der Mauer verschwunden, eine Möhre fiel kurz vorher noch runter, kam »Oma Lisbeth« verschwitzt bei den Jungs an. »Habt ihr die drei gesehen?!« Unschuldig zuckten die Jungs mit den Schultern, schauten in die Luft oder einfach nur weg. »Wen denn?« »Oma Lisbeth« kniff ein Auge zusammen und musterte die rumlungernden Strolche genau. »Erzählt mir keinen Blödsinn, ich weiß genau, ihr habt Paul, Paule und Pauline gesehen!« Die Jungs konnten sich das Grinsen nicht mehr verkneifen. Paul, Paule und Pauline waren stadtbekannt. Im Tumbawunda-Tal gab es alles im Überfluss für Mensch und Tier. Nur die drei Waschbären konnten ihr altes Leben nicht so ganz ablegen. »Damit wir nicht aus der Übung kommen, falls mal wieder schlechtere Zeiten anbrechen«, hatten sie unlängst vor »Gericht« der Tiere erzählt. Die Stadt Tumbawunda hatte den Tieren einen Tag der Woche im Gerichtssaal eingeräumt. An vier Tagen wurden Menschendinge verhandelt, am fünften Tag übernahm die weise Eule Justizia das Pult. Meist waren es Streitigkeiten. Unter Mäusen, unter Braunbären, unter Enten, und, und, und. Der wollte mit mir zum Feld den Sonnenuntergang gucken, ist aber zum anderen Feld mit mir gegangen. Eigentlich ging es nur um Befindlichkeiten. »Jedem Tierchen sein Pläsierchen«, war der meistgehörte Spruch der Justizia. Mit ihrem Feingefühl fand sie immer eine Lösung, so dass alle Tiere nachher Arm in Arm den Gerichtssaal verließen. Hier wurde nie etwas Schlimmes verhandelt, selten waren dieselben Tiere hier. Nur Paul, Paule und Pauline mussten fast einmal im Monat hin. Der Vorteil: Sie wurden von Justizia immer überführt. »Bekennt ihr drei euch schuldig?«, fragte sie immer und hielt sich genervt einen Flügel an den Kopf. Und immer antworteten sie: »Aber so was von!«, klatschen sie dann untereinander ab. Das war wie eine Ehrung für sie. Sie konnten es noch. Als Strafe mussten sie den Wald, den Stadtpark oder auch mal den Marktplatz aufräumen. Und da sie das immer machten und das sogar sehr gut, wollte eigentlich auch niemand, dass sie mit ihren »Übungen« aufhörten. Das war schon ganz praktisch … und eben wie heute auch lustig. Oskar gab sich einen Ruck. »Dort entlang und dann da hinter der Mauer sind sie weg«, zeigte er ihr den Weg. Da landeten zwei, drei Tropfen Regen auf den Jungs. »He?«, schauten sie gen Himmel. Da war auf einmal eine große dunkle Wolke, in der Mitte konnten sie ein unheimliches Wetterleuchten sehen. »Meine Mutter sagte, heute solle es gar nicht regnen«, runzelte Dominik auf der Mauer sitzend die Stirn. Auch die anderen Jungs konnten sich nicht daran erinnern, dass der Wetterbericht irgendwas anderes gesagt hätte. Sie wollten nachher alle noch einmal zum Mittagessen nach Hause, aber dann wieder raus. Es war Frühling, da musste man unterwegs sein und die Straßen »sicher« machen. Das war hier schließlich ihre »Hood«. Sie wunderten sich, als sie nach oben schauten. Die Wolke hatte etwas, dass ihnen nicht geheuer war. Als sie wieder auf den Marktplatz blickten, sahen sie auf der anderen Seite »Urgroßmütterchen Hermine« aus der Bank kommen. In der Hand hielt sie einen dicken Bündel Geldscheine. Im Tumbawunda-Tal kannte fast jeder jeden. Und die Hundertvierjährige war schon eine Ikone. Sie war die älteste Frau, die es in der Stadt gab. Die Jungs sahen, wie die anderen Passanten zu beschäftigt waren und einfach an ihr vorbeigingen. Manch einer grüßte sie zwar auch nebenbei, sie grüßte aber nicht zurück. Sie war so in Gedanken, so kannte sie niemand. Die Jungs schauten unbewusst genau hin. In ihnen ging ein Alarm los. Da stimmte was ganz und gar nicht. Sie war auch ungewöhnlich flott. Jeder wusste, wenn sie mal zum Markt einkaufen ging, brauchten sie Stunden. Drei Minuten für den Einkauf, Stunden für den Tratsch. Mal hier, mal dort. Sie kam eigentlich auch immer nur ein paar Meter weit, dann traf sie schon die nächsten Bekannten. Aber jetzt ignorierte sie fast alle. »Lass das checken«, kniff Dominik Oskar in die Schulter und hüpfte von der Mauer. Alle neun Jungs und Sophia schauten sich an, bei jedem von ihnen war das innere Warnradar angesprungen. Sie verteilten sich auf dem Platz wie Geheimagenten. Oskar und Nathaniel steuerten auf »Minchen« zu. Sie konnten immer genauer erkennen, dass sie Angst zu haben schien. Das waren garantiert mehrere Tausend Euro, die sie da in der Hand hielt. Wo wollte sie nur hin? »Hallo Minchen«, grüßten sie leicht gekünstelt, als sie an ihr vorbeigingen. Nichts, keine Antwort. »Minchen« bekam sie gar nicht mit. Sie umklammerte die Geldscheine und ging extrem zügig an ihnen vorbei. Jetzt kamen Kevin und Niklas II. auf Oskar und Nathaniel zu. Die beiden verfolgten sie unauffällig. »Da hinten am Ende des Marktplatzes steht einer. Sieht aus, als ob der auf sie wartet«, flüsterten die beiden Oskar und Nathaniel schnell zu, die sich logischerweise von »Minchen« gerade entfernten. Kevin und Niklas II. blieben an »Minchen« dran, Oskar und Nathaniel gingen noch einige Schritte, dann schlugen sie einen Bogen ein. Obwohl »Minchen« für ihre Verhältnisse flott unterwegs war, waren die beiden Zehnjährigen schneller. Mühelos konnten sie einen unscheinbaren Bogen machen und dann parallel zu »Minchen« zwischen den Marktständen aufschließen. Nico, Niklas und Sophia kamen indes von hinten in die Nähe von dem Fremden. Sie taten so, als ob sie sich über das Fußballspiel heute Morgen unterhalten würden. Das war simpel, es war auch ein verdammt gutes Spiel gewesen. Nur ließen sie den Fremden dabei nicht aus den Augen. Er merkte nichts. »Minchen« war jetzt ganz knapp bei ihm. Er winkte sie in die schmale Nebengasse. Dort herrschte Schatten. Sie lag direkt neben dem großen Elektronikgeschäft, das in seinen Schaufenstern große Fernseher in Mosaikform aufgebaut hatte. Dort lief gerade ein Bericht über einen Kometen auf hundert Mattscheiben. »Minchen« folgte dem Mann einige Schritte, dann hielt er an … und drehte sich zu ihr um. Sie zitterte. »Hier haben sie das Geld, reicht das für die Operation meines Enkels? Wird er überleben??«, konnten sie sie ängstlich fragen hören. Zack, wussten die Jungs sofort Bescheid. Nur zu oft hatten sie über die Warnungen in den Zeitungen und im Fernsehen gehört. Oskar drückte sich jetzt an das Schaufenster und hob seinen Arm. Seine Uhr war auch ein Telefon. Alle Jungs und Mädels hatten so eine. Das war gerade »in«. Sie konnten aber nur drei, vier Nummern wählen wie die ihrer Eltern und Omas. Aber auch die »110«. Oskar presste sich ans Schaufenster. »Hau rein, das ist ein Enkeltrick, und das in live!«, flüsterte Nathaniel, der sich mit Oskar an die Glasscheibe vor den großen Fernsehern presste. Die anderen Jungs waren jetzt auch alle in der Nähe. Sie konnten sofort zuschlagen, wenn das Zeichen dazu kam. Oskar wählte den Notruf. »Notrufzentrale?«, ertönte es leise. Oskar hatte schnell noch die Lautstärke heruntergestellt. Was für ein Geistesblitz. »Kommen sie schnell zum Marktplatz, in der Tumbaviehgasse wird Urgroßmütterchen Hermine abgezogen, Enkeltrick. Mindestens ein Typ. Wir sind dran«, hauchte er in seine Uhr. »Verstanden, wir schicken Streifen«, hörten die beiden Jungs die Polizistin sagen. Dann tippte sie etwas, war aber sofort wieder da. »Können sie sie noch beobachten?« »Ja!« »Bleiben sie in sicherer Entfernung und unternehmen nichts.« Oskar und Nathaniel schauten sich an. Sichere Entfernung? Sie waren drei, vier Meter entfernt. »Ja, ich nehme jetzt das Geld und fahre es sofort ins Krankenhaus, machen sie sich keine Sorgen. Ihr Enkel wird damit sofort wieder gesund«, sagte der Betrüger. »Minchen« ahnte nichts. »Oh, vielen, vielen lieben Dank!«, drückte sie ihn sogar noch. Man konnte hören, wie ihr ein Stein vom Herzen fiel. Plumps. »Ich muss dann auch sofort los, dann kann die Operation gleich beginnen«, hörten sie ihn sagen, dann wie seine Schritte sich von »Minchen« entfernten. »Grüßen sie Jürgen schön von mir, ich komme ihn übermorgen besuchen«, rief sie ihm noch hinterher. »Hach«, seufzte sie. Da kamen die Jungs aus der Deckung und bogen in die Gasse ein. Sie konnten den Mann noch sehen. Er entfernte sich schnellen Schrittes. Die Tumbaviehgasse war ein wirklich langer Gang. Er würde noch fast eine Minute brauchen, bis er da raus war. Oskar und Nathaniel sprangen auf »Minchen« zu. »Hallo Jungs«, freute sie sich. »Was …, was …,«, zerrten sie sie heraus auf den Marktplatz. Im Hintergrund waren jetzt Sirenen der Polizei zu hören. Der Rest der Crew machte sich auf, dem Typen hinterher. Im Halbschatten drehte sich der Betrüger um … und sah, dass er verfolgt wurde – was er aber nicht sah: Wie drei tapsige Silhouetten neben ihm auf der alten Backsteinmauer hüpften. Dann rieselte auf einmal ein Stein an der Mauer herunter. Er drehte sich im Gehen um, sah hinten die Konturen von mehreren Jungs (die zweifellos in dem Moment, als sie erkannten, dass er sie sah, anfingen zu rennen), … und dann drei Waschbären, die mit gespreizten Armen und Beinen von der Mauer direkt auf sein Gesicht zuflogen. Klatsch, Päng, Buff, Bäng: Paul, Paule und Pauline! Von beiden Seiten rannten die Mädels und Jungs auf dieses Knäuel am Boden zu. »Aua, Autsch, Äiiii«, schrie der Betrüger, dann war es schon vorbei: Als die Kids ankamen, lag er bäuchlings auf dem Boden, seine Arme und Beine waren mit seinem Gürtel über seinem Rücken zusammengebunden. Er war gefesselt! »Boa«, schauten sie von beiden Seiten überrascht drein, was sich nach einigen Sekunden in absoluten Respekt verwandelte. Sie umstellten den Gangster. Paul, Paule und Pauline schüttelten sich den Dreck vom Fell. »Kleinigkeit, Jungs!«, hob Pauline cool den einen Arm, während sie schaute, ob an ihrem edlen Umhang noch irgendwo eine Verunreinigung war. Dann blickten die drei Waschbären auf und schauten den Betrüger echt angepisst an. »Aua«, murrte der Gangster am Boden. Paul verpasste ihm einen Tritt. »Klappe! Wenn der Kuchen spricht, hat der Krümmel zu schweigen!« Paul war immer noch recht sauer. »Wir sind die einzigen hier im Tumbawunda-Tal, die mal was«, hob er jetzt beide Arme und machte mit den Fingern Anführungszeichen in die Luft »moppsen«. »Äi, das ist der absolute Hammer«, trat Oskar einen Schritt vor, schaute noch einmal runter auf den gefesselten Enkeltrick-Betrüger, dann klatschte er mit Paul, Paule und Pauline ab. Die anderen Jungs und Mädels zollten ihnen Respekt und machten es Oskar gleich. Klatsch, Klatsch, Klatsch. In dem Moment tauchten auf beiden Seiten der Gasse jeweils vier Polizisten auf. Sie erkannten den Pulk und rannten auf sie zu. Paul, Paule und Pauline nickten schnell den Tumbawunda-Kids zu, … dann hüpften sie mit geübten Sprüngen die alte Backsteinmauer rauf und verdrückten sich an den Polizisten vorbeilaufend in die Ferne. Die Beamten bemerkten sie gar nicht. Als sie am »Tatort« ankamen, blieben sie erstaunt stehen. Der Gangster lag jammernd auf dem Boden, die Geldscheine auf seinem Rücken. Zwei weitere Beamte führten »Urgroßmütterchen Hermine« vom Marktplatz herkommend durch die Tumbaviehgasse auf die Menschengruppe zu. Und was sie dabei fluchte. Auf Großmütterchen-Art, versteht sich. »Ui, ist die sauer«, flüsterte Sophia Noah zu. »Minchen« konnte es nicht fassen, dass ausgerechnet SIE auf SO EINEN reingefallen war. Sie war entsetzt, und noch mehr stinke, stinke sauer. »Ja, das ist er!«, zeigte sie auf ihn. Sie entriss sich der haltenden Hände der Polizisten, beugte sich zu seinem Gesicht herunter … und verpasste ihm eine Ohrfeige. Patsch. »Du Schmutzfink!« Sie nahm sich das Geld, machte einen Schritt zurück und trat gegen den dunklen an der Backsteinwand anliegenden Rucksack. Huch, den hatte ja noch niemand gesehen. Er fiel um und aus ihm purzelte eine Fellmütze mit Büffelhörnern. Vier der Polizisten nahmen bereits die Aussagen der Jungs auf, zwei befreiten den Betrüger vom Gürtel. Sie zerrten ihn auf beide Beine und verpassten ihm Handschellen. »Mal schauen, wen du noch so alles auf dem Gewissen hast«, sagten sie, während sie ihn bereits abführten. Ein Polizist schnappte sich den Rucksack, stopfte die Fellmütze wieder rein und nahm ihn mit. Polizeihauptkommissarin Neele Goldermann hatte hier das Kommando, eine Frau mit dem Herz am richtigen Fleck. »Jungs«, sagte sie grinsend zu Oskar. Neben ihm standen jetzt Noah, Nico und Niklas. Die Sonne drehte gerade so bei, dass der Schatten aus der Tumbaviehgasse endgültig verschwand. Die Gesichter kamen voll zum Vorschein. »Also, das ist eigentlich nicht richtig, dass ihr das hier übernommen habt. Da hätte viel passieren können«, schimpfte sie. Dann schien sie langsam, aber sicher die Gesichter wiederzuerkennen. »Aber das ist ja nochmal gut gegangen, in Zukunft … äh … kenne ich euch nicht?« Oskar und die Jungs spielten kleine Unschuldslämmchen. »Öhm, nö?!«, flutschte es einem von ihnen raus. Die anderen Polizistinnen und Polizisten waren mit den Zeugenaussagen fertig. Zwei begleiteten »Minchen« gerade wieder in Richtung Marktplatz, damit sie das Geld wieder zur Bank bringen konnten, die anderen stellten sich hinter ihre Chefin Neele. So standen sie da, Polizistinnen und Polizisten auf der einen Seite, die Jungs mit Sophia aus dem Tumbawunda-Tal auf der anderen … in der kleinen Tumbaviehgasse. »Moment, ich erkenne euch doch auch wieder!«, sagte eine andere Polizistin. Jetzt machte es bei nahezu allen »Klick«. »Ihr …, ihr seid doch … das Bee-Team!« Sofort schaltete die Crew auf »cool«. »Ja, also wenn sie das so sehen wollen«, grinste Noah und streckte dabei stolz die Brust raus. »Ja …, dann können sie uns gerne so nennen!« »Genau«, rief ein Polizist und klatschte sich mit der Hand an den Kopf. »Da war doch noch ein anderer Name«, murmelte sie vor sich hin. Polizeihauptkommissarin Neele nickte respektvoll. »Tolle Arbeit!« Dann flüsterte sie sich zu Oskar runterbeugend. »Habt ihr das wieder mit den Tieren zusammengemacht?« Oskar zuckte grinsend mit der Schulter und zeigte dann auf die Backsteinmauer. Alle Polizisten drehten sich mit einem Mal um … und blickten in gefühlt Hunderte Tieraugen. Mehrere Trupps Spatzen saßen mit kleinen Tütchen voll Würmer wie Popcorn im Kino da, einige Meisenpaare, zwei, drei Adler, drei Otter, Wildbienen, mehrere Rotkehlchen und unzählige Insekten hatten es sich still und leise bequem gemacht. Alle hatten es von den Waschbären bereits erfahren und wollten nun wenigstens den Rest der Show mitbekommen. »Ooooookay«, hauchte sie. Dann drehten sich alle Polizisten zu den Jungs um. Hauptkommissarin Neele wollte erst etwas sagen, dann stoppte sie und setzte noch einmal an. »Aber beim nächsten Mal wartet ihr auf uns und wir erledigen das, … das ist einfach sicherer. Verstanden?« »Jaja, auf jeden Fall«, hoben alle Jungs und Sophia wie auf ein unsichtbares Zeichen hin die Arme. Irgendwie merkte allerdings jeder Anwesende, dass es nicht ganz so ernst gemeint war, was die Kids da gerade versprachen. Die ersten Polizeibeamtinnen grinsten nun ebenfalls, nickten den Jungs dankend zu, drehten sich um, schauten noch einmal zu den Vögeln, Wildbienen und anderen Insekten, die sich oben auf dem Sims eingefunden hatten, zwinkerten ihnen zu, dann gingen sie wieder in Richtung ihrer Wagen. »Ah«, rief jetzt die eine Polizistin aus. Ihr war es wieder eingefallen: »Ihr seid die Ninjas!« Ja, nix da: »Pfff«, »Paah«, »Wir sind doch keine kleinen Kinder mehr«, gaben sich Oskar und seine Freunde empört, drehten sich ebenfalls sofort um und machten sich auf den Weg Richtung Marktplatz. Damit war die Aktion hier zweifelsfrei zu Ende. »Pfff, Ninjas«, murmelten die einen noch. Da verdunkelte sich mit einem Mal der Himmel über ihnen … und es fing an zu regnen. Die Kids waren gerade oben am Marktplatz angekommen und drückten sich sofort an das Schaufenster mit den Fernsehern. Hinter ihren Rücken wurde der Komet samt Schweif in Nahaufnahme gezeigt. »Regen? Der war doch für heute gar nicht angesagt. Über den Marktplatz schauend konnten sie über den Dächern eine fast schwarze Front erkennen, aus der immer wieder Blitze herausschossen. »Auweia«, zeigte Oskar gen Himmel. »Wir sollten schnell nach Hause, damit wir nicht zu nass werden!« Er hatte seine Worte kaum ausgesprochen, da vibrierten ihre Uhren. Bei allen Jungs tauchten Nachrichten-Meldungen ihrer Eltern auf. Sie schauten erst gar nicht rein, sondern rannten alle zu dem Mäuerchen los, wo sie abgehangen hatten. Dort standen ihre Mountainbikes, lagen ihre Skateboards. Auf dem Marktplatz leerten sich im nu die Stände, fluchtartig verließen alle vor dem Regen den Platz. Die Bauern schlossen eilig ihre Verkaufsstände und verteilten sich in alle vier Winde. Was niemand sah: Im Schaufenster des Elektroladens erzeugten alle Fernseher gemeinsam ein riesiges Bild, … auf dem ein Panda vor einem roten Hintergrund warnend, fast panisch auf und absprang …

2. Es braut sich was zusammen

Romy und Sophie standen vor dem großen Wohnzimmerfenster und schauten nach draußen. Vor ihnen auf der Fensterbank hockten rund 30 Wildbienen samt einigen Marienkäfern, drei Spatzen, zwei Rotkehlchen und ein Fink. Die Wildbienen hatten bei dem einsetzenden Regen noch nach Hause zu Majesta fliegen wollen, aber der Weg ins Wohnzimmer war kürzer gewesen. Romy hatte einfach in den Garten gerufen: »Wem es zu nass wird, kann reinkommen!« Eine Einladung, der nicht nur die Wildbienen, sondern auch die anderen Tiere gefolgt waren. Freundin Sophie war gerade bei Mutter Dani in der Küche und machte kleine Erfrischungsschälchen mit Honig fertig. Dazu gab es noch geschnittenes Obst und einige Körnchen. Zwei Wasserschälchen standen bereits auf der Fensterbank. Romy starrte mit den Tieren und Insekten fasziniert zum Himmel. »Das sieht so ganz anders aus als ein gewöhnliches Frühjahrsgewitter. Die Wolken am Himmel waren tiefschwarz. Aber es schien, dass sie sogar noch schwärzer wurden. »Geht das eigentlich?«, piepste jetzt ein Rotkehlchen leicht verängstigt. Sophie stellte das Futter ab und blieb dann bei ihnen am Fenster stehen. Es regnete schon recht stark. Minütlich wurde es schlimmer. Mutter Dani stellte jetzt die letzten Futterschalen auf der Fensterbank ab und ging zum TV. Mit einem Klick schaltete sie ihn ein. Sie drehte sich um und ging wieder in die Küche. Was sie daher nicht sofort sah: Das erste Programm zeigte gerade schon eine Sondersendung mit einem Meteorologen, unten am Bildschirm tickerten die News auf einem roten Hintergrund. » …. werden die zuständigen Behörden wohl gleich auch die Bevölkerung via SMS über die bevorstehende Unwetterkatastrophe warnen …«, tönte es ins Wohnzimmer. Moment, was habe ich da gerade gehört, dachte sich Mutter Dani, legte das Messer zum Anschneiden des Kuchens für alle Fälle zur Seite und ging ins Wohnzimmer. Unbewusst nahm sie dabei schon ihr Handy in die Hand. Oskar hatte sie aufgrund der dunklen Wolken bereits eine Nachricht geschrieben, er solle bitte schön flott nach Hause kommen. Aber jetzt dachte sie an ihren Mann. Förster Jörg war im Wald. »Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Zuschauer, die sich jetzt erst zugeschaltet haben. Aus einem kleinen Tiefdruckgebiet hat sich eine riesige Regenfront entwickelt, die unsere Wetterberechnungen so nicht haben so vorhersehen können. Sie erstreckt sich mittlerweile über ein Viertel von Europa und könnte Regenmengen von mindestens 170 Litern pro Quadratmeter mit sich bringen. Bleiben sie vorerst zuhause und warten sie auf die Warnungen ihrer jeweiligen Landkreise oder Städte …«, sagte die Moderatorin jetzt, der Meteorologe war stumm in den Hintergrund geschaltet. Er zeigte eine Wetterkarte, auf der alles lila gezeichnet war. Da lag auch das Tumbawunda-Tal. Mutter Dani tippte sofort die Kurzwahl ihres Mannes. Romy und Sophie samt der Tiere hatten sich umgedreht und glotzten jetzt auf den Fernseher. Die Tiere kapierten zwar nicht ganz, was da auf dem Bildschirm flackerte, aber anhand der Reaktionen von Mutter Dani und jetzt auch von Romy und Sophie war ihnen klar, dass die Menschen sich gegenseitig warnten – und dass sie mächtig Angst bekamen. Das konnten sie spüren … und riechen. Die Wildbienen wurden nervös. Sie mussten Königin Majesta warnen. Da zippelte die Erste von ihnen bereits bei Romy am Finger. Romy schaute runter. »Wir müssen raus, Majesta holen!«, zeigte sie auf die Terrassentüre. Flugs ging sie los und öffnete die Türe. Neben fünf Wildbienen zischte auch jeweils ein Exemplar der anderen Tiere und Insekten raus. Auch sie mussten ihre Angehörigen und die anderen Tiere warnen. Zisch, zisch, zisch, machten sich die Mutigen auf in den schon sehr kräftigen Landregen. Da klingelte es an der Türe. Mutter Dani löste sich vom TV und ging schnellen Schrittes zum Eingang. Ein komplett durchnässter Oskar stand dort. »Hab' meinen Schlüssel hier vergessen«, zuckte er entschuldigend mit den Schultern. Dani machte die Türe ganz auf. Dahinter waren noch Noah, Johann, Dominik, Stefan, Kevin, Niklas II., Nico, Niklas, Sophia, Paul und Nathaniel. Für sie wäre der Weg nach Hause noch weiter gewesen, daher waren sie jetzt hierhin mitgekommen. »Oh, da rufe ich aber mal schnell eure Mütter an, dass ihr hier seid«, winkte sie sie herein. »Ihr hättet aber auch schon was früher kommen können«, motzte sie noch schnell, dann befahl sie auf das Badezimmer zeigend: »Schuhe aus, Klamotten runter, abtrocknen …« Dann überlegte sie. »Und dann Fussi-Anzüge anziehen«, zeigte sie nun Richtung Keller. Sie hatten nach dem Spiel Waschdienst gehabt. Jetzt war der komplette Satz Trikots und Jogging-Anzüge bereits einmal durch die Waschmaschine und den Trockner gelaufen. Die Jungs nickten hörig und machten sich an die Arbeit. Mutter Dani ging zurück ins Wohnzimmer und telefonierte ihre Eltern durch. Ehemann Jörg hatte sich nicht zurückgemeldet, auch hatte er ihre Nachricht noch nicht gelesen. Romy und Sophie standen mit Handtüchern bewaffnet an der Terrassentüre. Der Himmel war bis zum Horizont komplett schwarz. Das schwärzeste Schwarz, das sie je gesehen hatten. Furchteinflößend schossen immer wieder Blitze durch den Himmel.

+++ Europäischer Wetterdienst warnt die Niederlande vor Extremereignis +++

Und der Regen wurde immer stärker. Jetzt kamen über die klitschnasse Wiese fünf Häschen angehoppelt. Romy und Sophie gingen in die Knie und öffneten die Handtücher. Die Tiere wussten sofort, dass sie dahinein hoppeln sollten. Sie ließen sich einer nach dem anderen einmal abrubbeln, dann wanderten sie weiter ins Wohnzimmer. Da klingelte es wieder am Eingang. Romy schaute zu ihrer Mutter, die hielt das Handy an ihren Kopf und deutete Romy mit ihren Blicken an, sie solle einmal zur Türe gehen. Bummm, donnerte es auf einmal so stark, dass alles wackelte. Scheiben, Gläser im Schrank, Türen, einfach alles. Es fuhr jedem durch Mark und Bein. Angst und Panik kitzelten jedermanns Körper bis zur Gänsehaut. Romy fasste sich wieder und öffnete die Türe. Dort standen pudelnass ihre Freundinnen Jule, Paula, Isabella, Eleina und Emma. Romy winkte sie herein. Sie schaltete auf ganz »erwachsen« und zeigte Richtung Badezimmer: »Schuhe aus, Klamotten runter, abtrocknen …«, dann überlegte sie. »Und dann Fussi-Anzüge anziehen«, zeigte sie nun Richtung Keller. Alles klar, nickten ihre Freundinnen. Als die Mädels gerade ins Bad hüpften, kamen Oskars Jungs in ihren roten Trainingsanzügen die Kellertreppe rauf. Kurz darauf waren sie im Wohnzimmer. Mutter Dani sagte schnell: »Eure Mütter wissen Bescheid, ihr könnt bei uns so lange bleiben, bis das Unwetter wieder weg ist.« Oskar schaute sich um. Dann ging er wieder los und holte noch mehr Handtücher. Als er wieder da war, drückte er sie allen Jungs in die Hand. Automatisch gingen sie auf die Terrassentüre zu, wo immer mehr Tiere hereinströmten. Im Schwarz hinten im Garten, vielleicht auch noch auf dem Feld, das konnten sie mittlerweile nicht mehr genau erkennen, leuchtete ein goldener Fleck auf. Und er kam immer näher. Er wurde immer größer und scheinbar immer schneller. Sie gingen alle nach vorne, ignorierten den laufenden TV. Fernsehschauen konnten sie später, jetzt war ihre Hilfe gefragt.

+++ Eine ein Grad Celsius wärmere Luft kann sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen +++

Noch während der mittlerweile goldene Fußball auf das Haus zuraste, hüpften weitere Tiere in ihre Handtücher: Fasane, Igel, Erdkröten, und, und, und. Sie rubbelten alle einmal schnell trocken, dann verteilten sich die Tiere im Wohnzimmer, nahmen nebeneinander Platz. Jetzt waren auch die Mädels da: In den roten Trainingsanzügen von Oskars Fußballmannschaft. Sie hatten sich Ärmel und Hosen hochgekrempelt. Die Mädels checkten das Wohnzimmer, dann gingen sie in die Küche. Mutter Dani überblickte das Wohnzimmer. Wenn noch mehr Tiere kämen, dann müssten sie ausweichen. »Als Nächstes könnt ihr ins Arbeitszimmer«, rief sie den Tieren zu. Sie wusste, dass sie das nicht verstanden. Romy wiederholte: »Als Nächstes könnt ihr ins Arbeitszimmer«, rief sie aus, sofort bestätigten alle Tiere, dass sie verstanden hatten. Da leuchtete es vor der Terrassentüre einmal kräftig auf. Der goldene Riesenball war … Königin Majesta mit ihrem Volk. Mit einem surrenden Zisch stießen sie ins Trockene hinein, bremsten deutlich hörbar ab … und landeten dann auf dem Esstisch zwischen drei Entenpaaren, zwei Gänsen und drei Feldmaus-Familien. Die putzten sich gerade alle. »Ein Glück, dass ihr Menschen für uns da seid!«, hob Majesta I. ihr Zepter zum Lob, Romy übersetzte. Majestas Zofe Lavendula hatte bereits ein Mini-Handtuch in der Hand und tupfte sie ab. Die Leibgarde positionierte sich so um sie herum, dass »etwas Sicherheitsabstand« zu Enten, Gänsen und Mäusen bestand. Nicht, dass sie ihnen nicht vertrauten, das war einfach ihr Job. Immer und zu jeder Situation. Das hatte nichts zu bedeuten. »Danke, dass ihr auch den Panda hinaus auf das Feld geschickt habt, er warnt alle Tiere!« Mutter Dani erstarrte nach Romys Übersetzung zur Salzsäule. Der Panda war wieder da!? Sie überschaute das Wohnzimmer, sah das Schwarz im Garten bis hinten zum Horizont, die Blitze. »Verdammt, warum nimmst du nicht ab, du Dummerchen«, tippte sie erneut, jetzt hektischer die Nummer ihres Mannes. Angst überkam sie. Und diese sprang langsam, aber sicher zu allen Lebewesen im Raum über. Nur Oskar und seine Freunde sowie Romy und ihre Freundinnen nahmen das noch nicht wahr. Sie trockneten jeden ab, der hereinkam. »Ohje«, zeigte Nathaniel jetzt auf den Rasen vor der Terrasse: Das Wasser schien nicht mehr abzulaufen. Es stand dort mittlerweile ein, zwei Zentimeter. »… Fürchten wir, dass es noch einmal schlimmer wird. Der Europäische Wetterdienst warnt nun vor lokalen Extremwerten von fast 200 Litern pro Quadratmeter … Paris, Berlin, Amsterdam, Madrid und Rom sollten sich auf das Schlimmste gefasst machen …« »Jetzt nimm schon ab!«, fluchte Mutter Dani, die Sorge um ihren Mann nahm mit jeder Sekunde zu. Da schepperte es vor der Eingangstüre, sie hörte einen Schlüsselbund klimpern. Mutter Dani rannte zur Türe … in dem Moment ging sie auf: Ein vollständig durchtränkter Förster Jörg hatte ein Kitten auf den Schultern, an seinen Beinen drängten sich Füchse und Wildschweine, hüpften bereits eilig Nutrias, Biber und andere Waldbewohner ins Haus. »Man sieht die Hand vor Augen nicht mehr«, schaute er sie entsetzt an. Sie verdrückte sich ihre Tränen. Ein Glück war ihm nichts passiert. Und ein Glück war er so ein toller Mensch, der bei seiner eigenen Flucht sogar noch Tiere rettete. Jetzt war der Eingangsbereich so nass und verdreckt, dass sie ihm auch nicht mehr sagen musste, er solle sich ausziehen. Wasser schwappte aus seinen Gummistiefeln. Als er durch war, wanderten noch das Mutter-Reh sowie drei weitere Wildschweine herein, dann schloss sie die Türe. Sie konnte sehen, dass das Wasser bereits auf ihrer Einfahrt einige Zentimeter hoch stand … und nicht mehr abfloss. »Kommt alle mal her«, rief jetzt Romy aus dem Wohnzimmer.

+++ Europäische Hauptstädte überlegen Katastrophenalarm auszurufen +++

Alle Tiere schauten auf. Vater Jörg lud das Kitten ab und eilte zur Terassentüre. Das Mutter-Reh stellte sich sofort daneben und leckte den schrecklichen Menschengeruch weg. Es näherten sich noch die Braunbärin Bienchen mit ihrem Braunbärenfreund Schnuffi sowie zwei Wölfe. »Kommt, kommt«, winkten Romy und Sophie sie herbei. Das war allerdings nicht das Besondere, … sondern der Pinguin, der sich mit letzter Kraft unter dem Zaun zum Feld hindurchwand. War da eine Pandahand, die ihn vorwärts schob? Als der Pinguin das Haus erblickte, raffte er sich für alle ersichtlich ein letztes Mal auf und watschelte auf das Haus zu. Er hechelte. Er schwankte. Sein schwarzer Rock verschwand nahezu vollständig mit dem Schwarz der Umgebung, nur sein Weiß schien ihn noch sichtbar zu machen. Beim Anblick von Romys und Oskars Gesichtern funkelten seine Augen vor Hoffnung auf. Ja, hier war er richtig. Romy ging einen Schritt nach vorne, streckte ihm ihre Hand entgegen. Er reckte seine Flosse nach ihr. Bei ihrer Berührung durchschoss ihn das Gefühl »Ziel erreicht« … und er brach zusammen.

3. Es geht so schnell

Der Regen wurde immer stärker und stärker. Das Wasser stand kurz vor der Oberkante der Schiene der Terrassentüre, der Rasen war nicht mehr zu erkennen. Sie hatten den ohnmächtigen Pinguin ins Katzenkörbchen gelegt, in Decken eingewickelt und eine Wärmflasche dazu gelegt. Nicht zu nah, dass er nicht überhitzte, aber so, dass er wieder zu Kräften kommen konnte. Verwunderlich war nur, dass eine seiner Flossen verkrampft schien. Sie war wie eine Faust verschlossen, eingerollt. In der Küche taute Vater Jörg tiefgefrorene Forellen auf. Das Fernsehen zeigte Bilder der westlichen europäischen Hauptstädte. Menschenmengen befüllten Sandsäcke. »… Haben die Wettermodelle dies nicht vorhergesehen. Was jetzt schon zweifellos sicher ist: Dieses gerade eintretende Extremereignis biblischen Ausmaßes ist eine klare Folge der Klimaerwärmung. Um es deutlich zu sagen: Eine ein Grad Celsius wärmere Luft kann sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen. Davor warnen Wissenschaftler seit über 40 Jahren. Seitdem der Mensch immer mehr und mehr fossile Brennstoffe wie Erdöl und Erdgas nutzt …« Vater Jörg hörte dies mit einem Ohr, Mutter Dani stand mit Oskar und seinen Jungs sowie Romy und ihren Freundinnen direkt davor. Die Kids hatten davon in der Schule schon gehört, aber alle Erwachsenen herum meinten immer, so schlimm würde es schon nicht werden. Wenn man die ein oder andere Autofahrt einsparen würde, würde es schon helfen. »Haben die Politiker nicht immer wieder betont, dass man nicht auf Erdöl und Erdgas verzichten könnte?«, fragte Sophia leise. »Ja, die scheinen da ein bisschen gelogen zu haben«, flüsterte jetzt Noah. Jeder konnte sehen, wie unwohl es ihm dabei war. »Aber auch nicht alle«, fispelte Nico. »Da gibt es einige, die davor gewarnt haben, aber die Anderen haben die als Öko-Spinner fertig gemacht.« »Echt?« »Echt!« Bei den Kids in ihren rotweißen Trainingsanzügen kam Misstrauen auf. Was durfte man den Erwachsenen denn glauben? Sowohl die Jungs als auch die Mädels schauten sich an, blickten zum Fernseher, dann nach draußen in den schwarzgetränkten Regen. Bevor sich dieses Gefühl verstärken konnte, sahen sie vor der Terrassentür wieder etwas. Ein schwarzweißes Wesen trug wankend etwas in den Garten. Der Panda! Dann lud er ein Tier mit kurzem sandfarbenem Fell ab und schaute traurig zu den Jugendlichen an der geöffneten Terrassentüre. Kaum hatten die Kids sich versehen, war der Panda auch schon wieder verschwunden. Das Tier lag im Wasser. Sofort berappelten sich die rotweißen Trainingsanzüge und machten einige Sprünge nach vorne … und hielten abrupt inne: Da lag …, da lag … ein Löwe! Oh Backe. Sie zögerten keine Sekunde. »Auweia«, packten Oskar, Noah, Paul und Niklas an. »Mama, Papa, kommt schnell«, rief Romy nach hinten. Ihre Eltern beeilten sich. Als sie im Wohnzimmer ankamen, hievten die Jungs den triefenden Löwen gerade hinein. »Öhm«, kratzte sich Vater Jörg die Stirn. Die Mädels hingegen nahmen sofort ihre Handtücher und trockneten ihn ab. Er atmete zum Glück noch, doch seine Brustkorbbewegung war flach. Und eines fiel auf: Anstatt, dass die anderen Tiere im Haus vor dem König der Savanne Angst bekamen, fieberten sie mit, ob er es schaffen würde. Königin Majesta I. blickte die anderen an. Sie alle überkam da eine Ahnung. Und als wenn das noch nicht genug wäre, machte es auf einmal direkt vor der Terrassentüre »Platsch«. Das Wasser spritze in alle Richtungen. Da war gerade … ein Koala-Bär vom Himmel gefallen! »Öhm«, staunten nun auch die Kids, fingen sich aber sofort wieder. Oskar ging einen Schritt nach vorne und hob ihn auf. Auch er war vor Schwäche kaum ansprechbar. »Hilfe«, hauchte der Koala und schaute verzweifelt auf. Oskar nahm ihn sanft in seine Arme und blickte von oben auf ihn herunter. Was für süße Augen! Oskar drehte sich zum Wohnzimmer um und trat hinein. Der Koala stotterte: »Bin ich hier bei …, bist du …, bist du … Oskar?« Oskars Augen wurden immer größer. Woher kannte er seinen Namen? »Ja …, ja, ich bin Oskar!« Sofort durchfloss den Koala eine zittrige Entspannungswelle, dann schloss er die Augen. Oh, Gott!? »Ist er …, ist er …, ist er tot?«, fragte eine Stimme. Oskar stand jetzt in der Mitte des Wohnzimmers. Seine Mutter, sein Vater sowie Romy und ihre Freundinnen wickelten den Löwen gerade in Decken ein und schoben ihm auch eine Wärmflasche unter die Seite. Oskar beugte sich vor und legte sein Ohr auf das klitschenasse Fell. »Nein, da schlägt noch ein Herz.« Ja, er war sich sicher. »Schwach, aber es schlägt!« Puuuh, durchfuhr es alle. Oskar ging nach hinten. Vater Jörg und Mutter Dani hatten gerade etwas Schwierigkeiten, den Löwen richtig einzuwickeln. Seine rechte Pfote war wie zu einer Faust zusammengerollt. So, als umschloss sie etwas, das er nicht loslassen wollte. »Hilfe«, stöhnte mit einem Mal noch eine Stimme. Was? Niemand konnte mehr etwas vor der Terrassentüre sehen. Dann … löste sich ein schwarzer Schatten aus der Dunkelheit und trat mit einer Pfote hinein ­– … ein Jaguar! Mit müden, erschöpften Schritten durchquerte er die Terrassentüre. Was war hier los?

+++ Europäischer Wetterdienst befürchtet jetzt in einigen Regionen bis zu 400 Liter Regen auf den Quadratmeter +++

Alle Tiere schauten ihn an. Da hüpften bereits Johann, Dominik und Stefan mit Handtüchern nach vorne. Der Jaguar schaute völlig erschöpft fragend auf: »Bin ich …, bin ich …, bin ich hier bei Romy und Oskar?«, hauchte er. Seine Beine schwankten, lange würde er nicht mehr stehen können. Isabella, Eleina und Emma rubbelten ihn bereits hektisch trocken. »Ja, du bist hier richtig«, zeigten sie stolz auf Oskar und Romy, die den anderen gerade halfen. Zufrieden, fast glücklich atmete er aus, hauchte dabei noch » … Endlich …« und brach dann zusammen. Da flackerte mit einem Mal das Licht im ganzen Haus, auch das Bild des Fernsehers zuckte, an und aus. »Ohje«, schaute Vater Jörg nach oben. Plötzlich rief eine Stimme von unten: »Kommt schnell in den Keller, hier läuft das Wasser rein!« Vater Jörg machte vom Löwen einen Schritt nach hinten, schaute zum Pinguin, dem Koala, dem Jaguar, zu all den anderen Tieren und Insekten, zu den Kids in den rotweißen Trainingsanzügen, dann rannte er die Kellertreppe herunter. In dem Moment heulten alle anwesenden Handys mit einem Sirenenton auf. Auch die Smartwatches der Kinder gaben ein Alarmsignal. Alle riefen die Nachricht auf: »Katastrophenalarm! Dies ist keine Übung. Katastrophenalarm aufgrund heftigster Unwetter. Begeben sie sich in höher gelegen Bereiche und warten sie Anweisungen ab! In den nächsten 30 Minuten erwartet ihr Standort Regenmengen von 450 Liter pro Quadratmeter! Katastrophenalarm! Begeben sie sich in höher gelegen Bereiche und warten sie Anweisungen ab! Schalten sie alle Sicherungen aus, um elektrische Stromschläge zu vermeiden!« In dem Moment fiel der Fernseher aus. Kein Empfang mehr. War die Sendestation zum Satelliten ausgefallen? Oh, Gott. »Alle sofort nach oben!«, rief Mutter Dani direkt und zeigte die Treppe hinauf. Jetzt sprang alles auf, was laufen, fliegen, krabbeln oder kriechen konnte. Alle setzen sich in Bewegung. Oskar sah, dass das Wasser durch die Terrassentüre bereits reinschwappte, und machte sich auf, sie zu schließen. Da schoss aus der Nacht und dem Regen etwas direkt an seinem Kopf vorbei … und krachte ins Wohnzimmer. Schepper, Boing, Plong … ein großer Vogel! Knack. »Öhhh«, stöhnte er. Es schien, als hätte er sich bei der Landung einen Flügel gebrochen. Er hing in der Mitte geknickt schlaff nach unten. Sophie stand vor Schreck mit weit aufgerissen Augen da: »Wer bist du denn?« »Bin ich …, bin ich …« Oskar reagierte sofort. »Ja, … du bist hier bei Romy und Oskar!« Zack. Dem Vogel fiel ein Stein vom Herzen. »Hilfe! Wir … sterben reihenweise auf der Welt! Ich bin …, ich bin …, der nordamerikanische Abgesandte!« In dem Moment machten sich als Letztes die Meisen, Spatzen und Bussarde von der Fensterbank auf, nach oben zu kommen. Beim Vorbeiflug gaben sie sich erstaunt. »Das ist ein kalifornischer Kondor«, fiepten sie kurz über ihm herumhüpfend noch, dann düsten sie die Treppe hinauf. Nico, Niklas und Sophia umhüllten den Kondor sanft mit Handtüchern, dann trugen sie ihn nach oben. Sie mussten ein wenig Schlange stehen, Sophie, Paula, Isabella und Eleina mühten sich ordentlich mit dem Löwen ab und verursachten einen kleinen Stau. »Sch&%$e!«, fluchte Vater Jörg unten aus dem Keller. Da knallte es mehrfach laut. Päng, Päng, Päng! Die Kellerfenster waren unter dem Druck des Wassers geplatzt! Jeder hörte, wie es plätscherte. Da kam Jörg schon die Kellertreppe heraufgerannt. Jeder, der dort gerade vorbeikam, konnte sehen, wie das Wasser extrem schnell stieg. Erst eine Stufe, innerhalb von wenigen Sekunden die zweite Stufe, dann die dritte, vierte, fünfte und so weiter … bis das Wasser das Erdgeschoss erreichte. Es vereinte sich mit dem, das über die Terrassentürschwelle hineinlief. »Alle nach oben!«, befahl jetzt Vater Jörg. Oskar versuchte noch schnell, die Terrassentüre zuzuschieben, aber das war leichter gesagt als getan. Da patschte von außen auf einmal eine weiß-schwarze Pandahand an das Glas … und half Oskar, sie zu verschließen. Oskar riss die Augen auf. »Nein, du musst auch mit nach oben!« Der Panda schüttelte sofort den Kopf. Er zeigte auf Oskar und dann nach oben. Jetzt wiederum schüttelte Oskar energisch den Kopf. Freunde ließ man nicht im Stich! Der Panda stampfte zornig auf den Boden, das Wasser spritzte nur so, dann zeigte er energisch nach oben. Los, los, los! »Okay!«, gab Oskar widerwillig bei und machte sich auf. Als er sich kurz vor der Wohnzimmertüre noch einmal umschaute, legte der Panda große Planken vor die geschlossene Glastüre und fing an, sie festzunageln. Oskar verstand nicht, rannte dann aber die Treppe nach oben hinauf. Vater Jörg war jetzt der Letzte im Erdgeschoss. Das ging alles so schnell. Als Oskar oben ankam, erkannte er durch das erste Fenster, welches auf die Straße vor ihrem Haus ausgerichtet war, dass die Straßenlaternen anscheinend angegangen waren. Aber es war doch erst Nachmittag?!

+++ Wissenschaft: Die Welt ist dabei, mehrere bedeutende Kipppunkte zu überschreiten. Desaströse Auswirkungen weltweit erwartet +++