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Wie muss ein Krankenhaus gestaltet sein, um den Bedürfnissen von Menschen mit Demenz gerecht zu werden? In diesem Handbuch erfahren Sie gebündelt, was ein demenzsensibles Krankenhaus auszeichnet. Die hochkarätigen Autoren verbindet dabei das gemeinsame Ziel, die Situation von kognitiv beeinträchtigten Patienten zu verbessern. Aus der Praxis für die Praxis entstanden, bietet das Werk einen umfassenden Überblick anhand der Abläufe im Krankenhaus - von der Aufnahme über die Diagnostik und Behandlung bis hin zur Entlassung. Es beleuchtet ferner Aspekte wie Architektur, Raumgestaltung, Nahrung, Kommunikation u. v. m. Viele Menschen, nicht nur Ärzte und Pflegekräfte, leisten hierzu einen wichtigen Beitrag. Sie alle werden von der Lektüre profitieren. Für die 2. Auflage wurden die Kapitel aktualisiert. Ein neues Kapitel beschreibt die Erfahrungen eines Kognitionsteams bei der Etablierung eines demenzsensiblen Krankenhauses.
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Seitenzahl: 740
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Cover
Titelei
Vorwort zur 2. Auflage
Vorwort zur 1. Auflage
1 Demenz braucht breites Denken und Handeln
1.1 Demenz und Delir: Verwirrtheit ist komplex
1.1.1 Zusammenfassung
1.1.2 Einleitung
1.1.3 Wie kann sich Verwirrtheit äußern?
1.1.4 Was führt zu Verwirrtheit – differenzialdiagnostische Überlegungen
1.1.5 Welche Patienten profitieren von einem demenzsensiblen Krankenhaus?
1.1.6 Literatur
2 Strukturen und Rahmenbedingungen für kognitive Beeinträchtigungen schaffen
2.1 Orientierungslos? Architektur und Raumgestaltung
2.1.1 Zusammenfassung
2.1.2 Wohlbefinden und Orientierung
2.1.3 Vorbereitung
2.1.4 Transport
2.1.5 Aufnahme
2.1.6 Die Station
2.1.7 Das Patientenzimmer
2.1.8 Wege und Flure
2.1.9 Räume der Begegnung und Besuchsräume
2.1.10 Aufsicht und Kontrolle
2.1.11 Partnerschaft
2.1.12 Literatur
2.2 Erfolgsfaktor demenzsensibler Mitarbeiter
2.2.1 Professionalität und Fachlichkeit im Umgang mit Demenz und Delir
2.2.2 Mitarbeiter im Blick: Resilienz als Burn-out-Prävention
2.2.3 Ehrenamtliche kümmern sich
2.3 Reden und Zuhören: das A & O im Umgang
2.3.1 Zusammenfassung
2.3.2 Ziele der einfühlsamen Kommunikation
2.3.3 Die besondere Haltung der einfühlsamen Kommunikation
2.3.4 Die Praxis der einfühlsamen Kommunikation – wie geht das ganz konkret?
2.3.5 Abschließende Überlegungen
2.4.6 Literatur
3 Und das passiert im Krankenhaus
3.1 Aller Anfang ist schwer: demenzsensible (Not-)Aufnahme und Anamnese
3.1.1 Zusammenfassung
3.1.2 Einleitung
3.1.3 Epidemiologischer Hintergrund
3.1.4 Warum werden Menschen mit Demenz im Krankenhaus aufgenommen?
3.1.5 Welche Bedeutung hat die Prähospitalphase?
3.1.6 Wo liegen die Problemfelder für Menschen mit Demenz in der Notaufnahme?
3.1.7 Was sind häufige Komplikationen in der Notaufnahme und wie lassen sie sich verhindern?
3.1.8 Was ist bei der elektiven Aufnahme zu beachten?
3.1.9 Medizinische und pflegerische Inhalte der Anamnese
3.1.10 Kognitives Screening in der Aufnahmesituation
3.1.11 Positives Screening – und was dann?
3.1.12 Literatur
3.2 Delirprävention – damit es nicht (noch) schlimmer wird
3.2.1 Zusammenfassung
3.2.2 Epidemiologischer Hintergrund des Delirs
3.2.3 Risikofaktoren des Delirs
3.2.4 Bausteine der Delirprävention
3.2.5 Diagnostisches Vorgehen
3.2.6 Delirmanagement
3.2.7 Literatur
3.3 Begegnungen auf Station
3.3.1 Was gute Organisation alles möglich macht – ein integratives Konzept
3.3.2 Sonderfall: Geriatrie mit Demenzbereich – ein segregatives Konzept
3.4 Diagnostik im Krankenhaus
3.4.1 Zusammenfassung
3.4.2 Einleitung
3.4.3 Demenzdiagnostik im Krankenhaus: Chance und Risiko
3.4.4 Vorgehen bei der Diagnostik
3.4.5 Literatur
3.5 Behandlung der Nebendiagnose Demenz
3.5.1 Herausforderung Operation – nicht nur der Eingriff zählt
3.5.2 Demenzsensible Pflege
3.5.3 Medikation und Medikationsmanagement
3.5.4 Gefangen im Schmerz
3.5.5 Gerontopsychiatrie und -psychotherapie als Bestandteil der Behandlung
3.5.6 Mit »klassischer« Therapie ist es nicht getan: Frührehabilitation im Akutkrankenhaus
3.5.7 Nicht pharmakologische und psychosoziale Therapien: was sonst noch hilft
3.6 Wenn Essen und Trinken vergessen werden
3.6.1 Zusammenfassung
3.6.2 Ernährungsprobleme bei Demenz
3.6.3 Folgen von Mangelernährung und Dehydration
3.6.4 Maßnahmen zur Förderung bedürfnis- und bedarfsgerechter Ernährung
3.6.5 Rahmenbedingungen
3.6.6 Literatur
3.7 Demenzsensibles Krankenhaus – Ein Praxisbeispiel
3.7.1 Zusammenfassung
3.7.2 Lösungskonzept
3.7.3 Ziele
3.7.4 Umfeld
3.7.5 Projektgruppe
3.7.6 Herangehensweise
3.7.7 Zielgruppe
3.7.8 Kognitionsteam
3.7.9 Praktische Umsetzung
3.7.10 Wirksamkeitsevaluation
3.7.11 Projektabschluss
3.7.12 Entwicklungen nach Projektabschluss und Ausblick
3.7.13 Fazit
3.7.14 Literatur
3.8 Raus aus dem Krankenhaus – aber wie und wohin?
3.8.1 Zusammenfassung
3.8.2 Ein Wort vorab
3.8.3 Diagnostik und Beratung
3.8.4 Aktuelle Gesetzeslage
3.8.5 Demenzsensibles Entlassmanagement – darauf kommt es an
3.8.6 Entlassung in die Häuslichkeit – was gilt es zu beachten?
3.8.7 Abschließende Anmerkung
3.8.8 Literatur
4 Haltung, Handeln und Führen
4.1 Spiritualität im demenzsensiblen Krankenhaus
4.1.1 Zusammenfassung
4.1.2 Was bleibt, wenn das Gedächtnis geht?
4.1.3 Spiritualität und Krankheit
4.1.4 Spiritualität als Suche nach innerer Resonanz
4.1.5 Bedeutsame Aspekte von Spiritualität für demenziell erkrankte Menschen
4.1.6 Pflege, Sorge und Spiritualität in den Phasen einer demenziellen Erkrankung
4.1.7 Spiritualität und die Person der Pflegenden bzw. Betreuenden
4.1.8 Literatur
4.2 Ethische Herausforderungen
4.2.1 Zusammenfassung
4.2.2 Einleitung
4.2.3 Ethische Zielsetzung 1: Verbesserung der innerklinischen Versorgungsstrukturen
4.2.4 Ethische Zielsetzung 2: Vermeidung von Krankenhauseinweisungen
4.2.5 Autonomie und Selbstbestimmung
4.2.6 Umgang mit »herausforderndem Verhalten«
4.2.7 Konkrete Umsetzungsvorschläge
4.2.8 Separate Abteilungen für Patienten mit Demenz?
4.2.9 Forschung an demenziell erkrankten Menschen
4.2.10 Patientenverfügungen von demenziell erkrankten Menschen
4.2.11 Literatur
4.3 Zwischen Recht und Unrecht – was gilt es zu beachten?
4.3.1 Zusammenfassung
4.3.2 Einleitung
4.3.3 Krankenhausaufnahme und -entlassung
4.3.4 Einwilligung in die ärztliche Heilbehandlung
4.3.5 Freiheitsentziehende Maßnahmen in Kliniken
4.3.6 Schlussbemerkung
4.3.7 Literatur
4.4 DRGs und demenzsensible Konzepte – ein Widerspruch?
4.4.1 Zusammenfassung
4.4.2 Grundlagen der Finanzierung von Krankenhausleistungen
4.4.3 Jährliche Weiterentwicklung des DRG-Systems
4.4.4 DRGs und demenzsensible Konzepte: Eine Kontraindikation?
4.4.5 DRGs und demenzsensible Konzepte: Eine Frage der Ausgestaltung!
4.4.6 Literatur
5 Die Zukunft ist schon da
5.1 (Innovative) Versorgungsmöglichkeiten – der Blick nach Österreich
5.1.1 Zusammenfassung
5.1.2 Ausgangssituation
5.1.3 Start zum delirsensiblen und demenzfreundlichen Krankenhaus
5.1.4 Unsere Projektergebnisse
5.1.5 Status quo des Projekts und Projektfolgeaktivitäten
5.1.6 Literatur
5.2 Demenz digital – Chancen Digitalisierung und Demenz
5.2.1 Zusammenfassung
5.2.2 Einleitung
5.2.3 Aufklärung und Stärkung der Patienten-/Angehörigenrolle
5.2.4 Unterstützung in der Prävention, Diagnostik und Therapie
5.2.5 Case Management und ganzheitliche Versorgungsnetzwerke
5.2.6 Fazit und Ausblick
5.2.7 Literatur
5.3 Gesundheitsversorgung zukunftsfähig gestalten
5.3.1 Einführung
5.3.2 Versorgung für Menschen mit Demenz – wo stehen wir?
5.3.3 Versorgung von Menschen mit Demenz – wo wollen wir hin?
5.3.4 Primärversorgung stärken für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung
5.3.5 Ausblick und offene Fragen
5.3.6 Literatur
Verzeichnis der Autorinnen und Autoren
Sachwortverzeichnis
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Cover
Inhaltsverzeichnis
Titelseite
Impressum
Inhaltsbeginn
Die Herausgeber
Dr. rer. pol. Markus Horneber ist ein erfahrener Gestalter im Gesundheitswesen und seit April des Jahres 2012 Vorstandsvorsitzender von AGAPLESION. Er ist unter anderem Mitglied des Aufsichtsrats der Evangelischen Bank, Vorstandsmitglied des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbands (DEKV), Vorsitzender des Hochschulrats der Wilhelm-Löhe-Hochschule Fürth und Mitglied im Beirat des Diakoniewissenschaftlichen Instituts der Universität Heidelberg, der Gesundheitswirtschaft Rhein-Main, der Bank für Sozialwirtschaft und der Ecclesia.
Dr. rer. pol. Markus HorneberVorstandsvorsitzenderAGAPLESION gAGGinnheimer Landstraße 9460487 Frankfurt am Main
PD Dr. med. Rupert Püllen war bis 2024 Chefarzt der Medizinisch-Geriatrischen Klinik am AGAPLESION MARKUS KRANKENHAUS in Frankfurt am Main. Er war an der Goethe-Universität Frankfurt zuständig für den Querschnittsbereich Medizin des Alterns und des alten Menschen. Er war Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie und bis zum Jahr 2023 Vertreter im Fullboard der europäischen Geriatriegesellschaft EuGMS sowie Mitherausgeber der Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie und der Reihe Altersmedizin in der Praxis im Kohlhammer Verlag.
PD Dr. med. Rupert PüllenChefarztMedizinisch-Geriatrische KlinikAGAPLESION MARKUS KRANKENHAUSWilhelm-Epstein-Straße 460431 Frankfurt am Main
2., erweiterte und überarbeitete Auflage
Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Pharmakologische Daten, d. h. u. a. Angaben von Medikamenten, ihren Dosierungen und Applikationen, verändern sich fortlaufend durch klinische Erfahrung, pharmakologische Forschung und Änderung von Produktionsverfahren. Verlag und Autoren haben große Sorgfalt darauf gelegt, dass alle in diesem Buch gemachten Angaben dem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Da jedoch die Medizin als Wissenschaft ständig im Fluss ist, da menschliche Irrtümer und Druckfehler nie völlig auszuschließen sind, können Verlag und Autoren hierfür jedoch keine Gewähr und Haftung übernehmen. Jeder Benutzer ist daher dringend angehalten, die gemachten Angaben, insbesondere in Hinsicht auf Arzneimittelnamen, enthaltene Wirkstoffe, spezifische Anwendungsbereiche und Dosierungen anhand des Medikamentenbeipackzettels und der entsprechenden Fachinformationen zu überprüfen und in eigener Verantwortung im Bereich der Patientenversorgung zu handeln. Aufgrund der Auswahl häufig angewendeter Arzneimittel besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.
Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen und sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.
Es konnten nicht alle Rechtsinhaber von Abbildungen ermittelt werden. Sollte dem Verlag gegenüber der Nachweis der Rechtsinhaberschaft geführt werden, wird das branchenübliche Honorar nachträglich gezahlt.
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Umschlagabbildung: Dz – stock.adobe.com2., erweiterte und überarbeitete Auflage 2025
Alle Rechte vorbehalten© W. Kohlhammer GmbH, StuttgartGesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Heßbrühlstr. 69, 70565 [email protected]
Print:ISBN 978-3-17-044655-7
E-Book-Formate:pdf:ISBN 978-3-17-044656-4epub:ISBN 978-3-17-044657-1
Wegen des großen Interesses am demenzsensiblen Krankenhaus kam der Verlag auf uns als Herausgeber zu mit der Bitte, eine zweite Auflage des Buches zu ermöglichen. Dieser Bitte sind wir gerne nachgekommen. Das Thema liegt uns weiter sehr am Herzen. Viele Entwicklungen der letzten Jahre – in der Medizin wie auch im Gesundheitswesen allgemein – stärken die Bedeutung eines demenzsensiblen Ansatzes im Krankenhaus. So wird die vom Gesetzgeber geforderte und begünstigte Ambulantisierung der Medizin dazu beitragen, dass der Anteil kognitiv beeinträchtigter Personen im Krankenhaus weiter wachsen wird.
Trotz mancher Fortschritte bleibt die Therapie einer Demenz und eines Delirs schwierig; umso wichtiger ist die Prävention. Evidenzbasierte Prävention erfordert einen breiten Ansatz, der rein medizinische Maßnahmen übersteigt. Das vorliegende Buch hat sich als das umfassendste Werk zu diesem Thema im deutschen Sprachraum bewährt.
Alle Kapitel wurden von den Autoren/Herausgebern durchgesehen; die meisten Kapitel wurden überarbeitet. Hinzugekommen ist ein Beitrag aus der Praxis: Erfahrungen eines Kognitionsteams beim Aufbau demenzsensibler Strukturen in einem Krankenhaus.
Eine weitere Veränderung bringt die zweite Auflage mit sich: Janina Hübner, die maßgeblich zum Gelingen der ersten Auflage beigetragen hat, stand nach einer beruflichen Neuorientierung für die zweite Auflage nicht mehr als Herausgeberin zur Verfügung.
Abschließend ein Wort zu unseren Autorinnen und Autoren: Sie alle haben die Arbeit an diesem Buch neben einem oft anstrengenden beruflichen Alltag geleistet. Ihnen allen gilt unser großer Dank!
Frankfurt, im September 2024
Dr. Markus HorneberPD Dr. Rupert Püllen
Vorstandsvorsitzender AGAPLESIONChefarzt,
Medizinisch-Geriatrische Klinik,
AGAPLESION
Markus Krankenhaus,
Frankfurt/M
»Zu Risiken und Nebenwirkungen der deutschen Krankenhausmedizin für Menschen mit Demenz gibt es keine Packungsbeilage, aber wir empfehlen Ihnen, unser Werk hochdosiert oder in kleineren Einheiten einzunehmen.«Die Herausgeber
Die Menschheit wird immer älter und zunehmend wird es auch mehr Alte und Hochbetagte geben – das ist längst kein Geheimnis mehr. Dass mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit einer kognitiven Beeinträchtigung steigt, ist ebenso bekannt.
Jedem sollte klar sein, dass dies kein fernes Zukunftsszenario ist. Wenn wir vielleicht auch (noch) nicht zu der Bevölkerungsschicht über 65 Jahren zählen, bei denen eine Demenz verstärkt auftritt, so sind wir sicherlich als Angehörige schon einmal mit dem Thema konfrontiert worden. Wenn die Lieblingsoma auf einmal ihre Enkel nicht mehr erkennt, der Vater pausenlos Brille und Schlüssel »wegversteckt« und die Ehefrau glaubt, mit einem Fremden im Bett zu schlafen, dann ist die Demenz in das Leben von Menschen und ihren Angehörigen getreten.
Nie standen uns so viele Möglichkeiten in der Medizin offen wie heute. Aber warum können wir Demenz noch nicht adäquat behandeln? Bislang sind kaum Fortschritte in Bezug auf eine effektive Therapie von demenziellen Erkrankungen gelungen. Aktuell ist Prävention der wirksame Ansatz, mit dem am besten gearbeitet werden kann. Schaut man hier auf die verschiedenen Risikofaktoren, so ist ein Krankenhausaufenthalt ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht, die kognitiven Fähigkeiten vom Menschen mit Demenz zu verschlechtern.
Im Klartext bedeutet dies: Menschen mit Demenz sollten nach allen Regeln der (ärztlichen) Kunst vom Krankenhaus ferngehalten werden. Und nur, wenn es keine Alternative für eine stationäre Einweisung gibt, sollte eine Aufnahme ins Krankenhaus erfolgen. Hier fängt die Herausforderung für die Organisation und ihre Mitarbeitenden an. Und genau hier müssen die Risiken und Nebenwirkungen der Spitzenmedizin erkannt und ihrerseits behandelt werden.
Gemeinsam mit einer Vielzahl von Experten1 haben wir die vielfältigen Möglichkeiten und Ansatzpunkte für ein demenzsensibles Krankenhaus aufgearbeitet und in verschiedenen »Dosierungen zur Einnahme« zusammengestellt. Der Mensch mit Demenz steht im Mittelpunkt unseres Handelns, die Schaffung der Rahmenbedingungen liegt jedoch bei den Verantwortlichen, Führungskräften und Mitarbeitenden von Krankenhäusern. Um diesen einen praxisorientierten Zugang zu ermöglichen, sind die Kapitel nach Unterstützungs-, Kern- und Führungsprozessen sowie weiteren Teilprozessen gegliedert. Je nach Bedarf und Interessenschwerpunkt kann ein einzelnes Thema, ein Themenblock oder ein Teilprozess betrachtet werden – durch die gewählte Struktur ist immer eine Konsistenz im Gesamtzusammenhang gegeben.
Wie kam es konkret zu diesem Buchprojekt? Dass das Thema »Demenz im Krankenhaus« ein zukunftsrelevantes, komplexes und ganzheitliches Thema ist, war im Kohlhammer Verlag seit längerem präsent. Für den Einstieg in das Themenfeld bedurfte es daher einer Herausgeberschaft, die sich dem Thema mit all seinen Facetten systematisch und praxisorientiert widmet. Und so kam 2016/2017 der erste Kontakt mit Dr. Markus Horneber, Vorstandsvorsitzender von AGAPLESION, zustande. Schnell war für beide Seiten klar, dass das Thema nicht nur Potenzial hat, sondern auch eine Herzensangelegenheit ist.
»Liebe den Nächsten«, dieser Auftrag ist wortwörtlich im Namen AGAPLESION enthalten – in dieser gemeinnützigen Aktiengesellschaft, Deutschlands größtem christlichen Gesundheitskonzern, wirkt Dr. Markus Horneber seit 2012 als Vorstandsvorsitzender. In unserer christlich-diakonischen Tradition ist der ureigene Auftrag zur Hinwendung zum Menschen und der medizinisch-pflegerischen Versorgung fest verankert. Vor allem denjenigen, die besonderer Zuwendung bedürfen wie ältere und hochaltrige Menschen, lassen wir diese Hilfe auch bewusst zu Teil werden. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, aktiv mit den kognitiven Beeinträchtigungen, von denen diese Patienten häufig betroffen sind, umzugehen. Daher sind wir in der Behandlung von älteren Menschen »zu Hause« und verfügen in diesem Gebiet über die entsprechende Expertise. Die Angelegenheit ist für uns so bedeutend, dass sich bereits im Jahr 2011 eine Arbeitsgruppe und seit 2016 auf Konzernebene die Lenkungsgruppe »Demenz« damit befasst und das Thema vorantreibt.
Daher: Unserem inneren Antrieb verbunden ist dieses Werk eine Herzensangelegenheit. Unser Ziel ist, ausgerichtet am Bedarf und den Bedürfnissen der Menschen mit Demenz im Krankenhaus, einen Rahmen zu schaffen, der Orientierung, Geborgenheit und Struktur bietet, in dem man sich auf Augenhöhe begegnet und Maßnahmen ergriffen werden, um die kognitiven Funktionen zu schützen und zu erhalten.
Wir hoffen, all denjenigen, die im Großen wie im Kleinen daran mitwirken, ein demenzsensibles Krankenhaus zu schaffen, mit unserem praxisorientiert ausgestalteten Buch einen Werkzeugkoffer zur Verfügung zu stellen.
Die HerausgeberDr. Markus Horneber, Dr. Rupert Püllen und Janine Hübner
1In diesem Buch wurde stets versucht, eine geschlechtsneutrale Formulierung zu wählen. Wenn dies jedoch nicht möglich war, wurde aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet. Hiermit sind selbstverständlich Männer und Frauen gleichermaßen gemeint.
Markus Horneber und Janine Hübner
Für den Patienten, der sich in eine stationäre Krankenhausbehandlung begibt, steht seine medizinische und pflegerische Versorgung im Mittelpunkt. Für das Krankenhaus als Organisation stellt die stationäre Behandlung das Kerngeschäft für das Unternehmen dar. Die Erbringung der Krankenhausbehandlung kann jedoch nur funktionieren, wenn verschiedene Strukturen und Rahmenbedingungen im Sinne von Unterstützungsprozessen etabliert sind. Die folgenden Kapitel befassen sich daher mit den Möglichkeiten einer demenzsensiblen Ausgestaltung in den Bereichen Infrastruktur, Personal und Kommunikation.
Die Infrastruktur kann durch eine geeignete Architektur und Raumgestaltung positiv auf Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen wirken. Hier gilt es vor allem, Sicherheit zu vermitteln, indem den Betroffenen Orientierung gegeben und eine Reizüberflutung verhindert wird. Durch das Erzeugen von Wohnlichkeit und die Förderung von »sinnlichem Erleben« kann zudem das Wohlbefinden der Betroffenen gesteigert werden.
Die Mitarbeitenden sind Ansprechpartner, Bezugspersonen und natürlich auch Experten in der Betreuung und Behandlung von Patienten und ihren Erkrankungen. Damit sie diesen Ansprüchen auch gerecht werden können, gilt es sie in ihrer Fachlichkeit und Professionalität zu stärken, die Mitarbeitergesundheit und Resilienz zu fördern sowie Ehrenamtliche über geeignete Konzepte mit in die Organisation einzubinden.
Die Interaktion zwischen Patienten und Mitarbeitenden ist ein grundlegender Bestandteil des Behandlungsprozesses. Ist die Kommunikationskompetenz des Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung eingeschränkt, stehen die Mitarbeitenden vor der Herausforderung, diesem Umstand angemessen zu begegnen. Dies kann über eine einfühlsame Kommunikation gelingen, in deren Mittelpunkt das Verstehen der Bedürfnisse des Menschen mit Demenz liegt.
Eckhard Feddersen
Ein Krankenhausaufenthalt stellt für Menschen mit Demenz eine sehr beängstigende Erfahrung dar. Das Fachmagazin »Demenz« beschrieb jüngst anhand berührender Beispiele, in welche Not Menschen mit einer demenziellen Erkrankung geraten, wenn sie mit der Institution Krankenhaus konfrontiert werden (Ganß 2017). Denn hier trifft eine auf Höchstleistung getrimmte und fein justierte Maschine zur Wiederherstellung des Menschen auf das unabsehbar reagierende Chaos der menschlichen Psyche. Bereits der Ortswechsel selbst stellt eine so gravierende Veränderung dar, dass eine Vermeidung der Krankenhauseinweisung in vielen Fällen die bessere Alternative zu sein scheint, bzw. es dafür äußerst gewichtiger Gründe bedarf. In den meisten Fällen liegen diese Gründe nicht in der Demenzerkrankung selbst, sondern beruhen auf Stürzen, Infektionen oder anderen allgemeinen polymorbiden Zuständen. Als Architekt stellt sich hier schon die erste Aufgabe, den Übergang selbst – also den Transport, das Ankommen und die Entlassung für den Patienten so angenehm wie möglich zu gestalten.
Dazu braucht es eine vertraute Begleitperson, denn die Verlorenheit eines Menschen mit kognitiven Einschränkungen lässt sich nur durch die dauerhafte Begleitung einer zweiten, mit diesem Menschen professionell und emotional verbundenen Person verbessern. Sie ist der Fels in der Brandung des Unbekannten, Mentor und Sprachrohr. Alle Fachleute, die dieses Thema in Deutschland bearbeiten, wie z. B. Prof. Thomas Klie, Dr. Georg Pinter, Michael Ganß (2017) oder Michael Schmieder aus der Schweiz, kommen hier zum gleichen Ergebnis wie auch die Bremer Landesinitiative Demenz (2014). Dieses »Zweipersonenprinzip« im Krankenhaus für Menschen mit Demenz sollte für jeden planenden Architekten zur Gestaltungsrichtlinie werden.
Der zweite große Themenbereich umfasst die Gestaltung der räumlichen Umgebung selbst, von der Aufnahme bis zur Entlassung oder – ein Aspekt, dem bisher wenig Beachtung geschenkt wurde – bis zum Sterben und der damit verbundenen Palliativpflege. Auch hier stellen sich für die Behandlung von Menschen mit kognitiven Einschränkungen viele neue Fragen, die die meisten Krankenhäuser bisher kaum in den Blick genommen haben. Diese neu aufgeworfenen Fragen stammen sämtlich aus dem Bereich des psychologisch einschätzbaren Verhaltens, aus typisch anthropologischen Erkenntnissen: Was erzeugt Angst? Wie kann man Sicherheitsgefühle stimulieren? Welche Indikationen werden angenommen und verabreicht, welche abgelehnt?
