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Liebe in stürmischen Zeiten: Der Familiengeheimnisroman »Das Echo vergangener Sommertage« von Juliette Mead jetzt als eBook bei dotbooks. Wenn der Schlüssel zu deinem Glück in der Vergangenheit liegt … Ist sie bereit dafür, eine eigene Familie zu gründen? Bisher war Journalistin Elena vor allem auf ihre Karriere fixiert, aber nun fragt sie sich, ob es sie glücklich machen würde, ein Kind zu bekommen. Vorher will sie aber endlich verstehen, warum ihre eigene Mutter so ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit macht – denn Anna weigert sich bis heute, über das zu sprechen, was ihr in den 40er Jahren widerfahren ist. Als Elena zu recherchieren beginnt, lernt sie Theo kennen, einen Veteranen, der während des Krieges in Kairo und Rom stationiert war. Welche Rolle hat er in Annas Leben gespielt? Elena taucht ein in eine Geschichte, die sie tief berührt – und sie die Zukunft in anderem Licht sehen lässt … Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der Schicksalsroman »Das Echo vergangener Sommertage« von Juliette Mead. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.
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Seitenzahl: 735
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Über dieses Buch:
Wenn der Schlüssel zu deinem Glück in der Vergangenheit liegt … Ist sie bereit dafür, eine eigene Familie zu gründen? Bisher war Journalistin Elena vor allem auf ihre Karriere fixiert, aber nun fragt sie sich, ob es sie glücklich machen würde, ein Kind zu bekommen. Vorher will sie aber endlich verstehen, warum ihre eigene Mutter so ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit macht – denn Anna weigert sich bis heute, über das zu sprechen, was ihr in den 40er Jahren widerfahren ist. Als Elena zu recherchieren beginnt, lernt sie Theo kennen, einen Veteranen, der während des Krieges in Kairo und Rom stationiert war. Welche Rolle hat er in Annas Leben gespielt? Elena taucht ein in eine Geschichte, die sie tief berührt – und sie die Zukunft in anderem Licht sehen lässt …
Über die Autorin:
Juliette Mead wurde 1960 geboren und war nach ihrem Abschluss an der Universität Oxford zunächst als Investmentbankerin in Dallas, New York und London tätig, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Ihre Romane entwickelten sich schnell zu Bestsellern. Sie lebt mit ihrem Mann und vier Kindern in Wiltshire.
Bei dotbooks erscheinen von Juliette Mead folgende Romane:
»Das Stadthaus in der Charlotte Street«
»Ein Landhaus in Wiltshire«
»Damals in der Kingston Road«
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eBook-Neuausgabe November 2021
Die englische Originalausgabe erschien erstmals 1997 unter dem Originaltitel »Sentimental Journey« bei Simon & Schuster, London. Die deutsche Erstausgabe erschien 1999 unter dem Titel »Herzensreise« bei Blanvalet.
Copyright © der englischen Originalausgabe 1997 by Juliette Mead
Copyright © der deutschen Erstausgabe 1999 Blanvalet Verlag, München in der Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH
Copyright © der Neuausgabe 2021 dotbooks GmbH, München
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung von Shutterstock/CkyBe, Saga Photo and Video, Aisha_ray, Stylish_Pics
eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (ae)
ISBN 978-3-96655-788-7
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Juliette Mead
Das Echo vergangener Sommertage
Roman
Aus dem Englischen von Christoph Göhler
dotbooks.
Für meine Mutter
und meine Töchter.
»Die Tragödie des Lebens besteht darin, daß es nur in der Schau nach rückwärts verstanden werden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden kann.«
Sören Kierkegaard
Ich werde eine Liebesgeschichte erzählen, und zwar eine wahre. Doch bevor ich beginne, möchte ich einiges klarstellen. Zuerst einmal entsprechen weder der Junge noch das Mädchen dem jugendlichen Traumbild der Liebe, das Mädchen ganz eindeutig nicht, das bin schließlich ich, aber auch der Junge nicht, denn er ist zufällig der Mann meines Herzens, der bald seinen vierzigsten Geburtstag feiern wird. Zum zweiten dreht sich die Geschichte, so gern ich sie auch in sich abgeschlossen und sauber verpackt hätte, nicht um zwei Menschen, sondern um fünf – vielleicht sogar sechs oder sieben, je nach Standpunkt. Aber das ist an sich kein Bruch mit der literarischen Tradition, denn in allen guten Liebesgeschichten spielen Menschen außerhalb des magischen Paares im Zentrum eine Rolle. Drittens handelt die Geschichte vom Krieg, doch es ist nicht meine Absicht, die Schrecken des Krieges anzuprangern oder die Frage zu klären, ob ein Krieg jemals »gut« sein kann. Soviel physisches, psychisches und moralisches Leid der Krieg auch auslöst, Männer und Frauen wollen sich dennoch weiterhin verlieben oder entlieben, wollen Kinder bekommen und sie großziehen.
Schließlich muß ich Sie unmißverständlich warnen, daß ich nicht weiß, wie die Geschichte enden wird, weil ich in der Mitte beginne. Klingt das allzu verwirrend? Hoffentlich nicht.
Es ist einfach so, daß ich von Menschen erzähle, die sich ineinander verlieben, von Menschen, die sich in ihre Kinder verlieben, und von Menschen, die sich in ihre Eltern verlieben. All das wurde mir erst richtig klar, als ich einunddreißig war – und schwanger. Damals fing alles an.
Etwa drei Wochen vor dem Entbindungstermin fuhr ich mit der U-Bahn in die Hangar Lane zu einer Schneiderin, die meiner Mutter im Lauf der vergangenen fünfzehn Jahre peu à peu die Kleider geweitet hatte. Ich klingelte. Eine kleine, untersetzte Frau unbestimmbaren Alters öffnete die Tür. Meine Mutter hatte mir erzählt, daß Mrs. Shokaralou Zypriotin war, den größten Teil ihres Lebens in England verbracht und nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes ganz allein vier Kinder großgezogen hatte. Sie tätschelte meinen hochschwangeren Bauch und schenkte mir eine Tasse süßen Tee ein, während wir über meine Kleider sprachen. Als ich mich wieder auf die Füße quälte und gehen wollte, packte sie meine Hände und fragte mich, ob ich einen Jungen oder ein Mädchen bekäme. Ich antwortete, mir sei beides recht, solange das Kind nur gesund sei. Sie lächelte, beugte sich vor und erklärte verschwörerisch: »Bitten Sie Gott, daß er Ihnen ein kleines Mädchen schenkt. Jede Frau braucht mindestens einen kräftigen, gesunden Sohn. Ich habe drei. Aber es gibt ein Sprichwort in meinem Land: Sobald ein Sohn geboren ist, führt ihn seine Reise immer weiter von seiner Mutter fort; die Reise einer Tochter bringt sie ihr immer näher.«
Während der ganzen langen Heimfahrt ging mir dieser Satz nicht mehr aus dem Kopf.
Ich hasse Geburtstage. Seit meinem dreiundzwanzigsten schlagen mir Geburtstage auf den Magen. Seitdem ich von zu Hause ausgezogen bin und mir eine eigene Wohnung gekauft habe, habe ich an jedem meiner Geburtstage (wie auch an einer ganzen Reihe anderer Tage) nach dem Aufwachen den von meiner Freundin Rebecca und mir so getauften »Fünf-Schritte-Test« gemacht. Dabei stellt man sich an der Wand gegenüber dem Badezimmeroder Schlafzimmerspiegel auf (je nachdem, wo das Licht greller ist). Dann tritt man ganz langsam näher, Schritt für Schritt, bis die ersten Falten zu sehen sind. Am Morgen meines einunddreißigsten Geburtstages sah ich auf drei Meter Abstand noch ziemlich gut aus, bei einem Meter fünfzig ganz okay, aber aus dreißig Zentimetern Entfernung sah mich eine Unbekannte an, und die bot keinen schönen Anblick. Ich wollte schon entsetzt zurück ins Bett fliehen, aber ich dachte: Hey, wer sieht dich überhaupt aus dieser Nähe, und noch dazu ohne Make-up? Niemand außer deinem Zahnarzt (und in diesem Fall sind Krähenfüße noch dein geringstes Problem), oder jemand küßt dich, und jeder Küsser mit einem Mindestmaß an Feingefühl sollte auf diese Entfernung die Augen schließen, sonst fängt er an zu schielen.
Der Test beunruhigte mich nicht besonders – schließlich hatte ich ihn nicht zum ersten Mal gemacht. Ich wußte, daß ich bis zu einem aussagekräftigen Ergebnis mindestens drei Minuten warten mußte, deshalb legte ich das Stäbchen auf die Ablage und schlug die Zeit tot, indem ich mich über den Spiegel beugte und der Vergänglichkeit ins Antlitz starrte.
Einen Klecks Feuchtigkeitscreme in der Hand, ging ich Zug um Zug mein Gesicht durch. Haare – eindeutig von Mutter: ohne den Hauch einer Locke, spinnwebfein und von einem unbestimmbaren Farbton zwischen dunkelblond und hellbraun. Meine Mutter hatte immer »schmutzigblond« dazu gesagt und mich noch vor meinem achtzehnten Geburtstag zu einem Tönungsspezialisten geschleift. Stirn – breit und hoch mit einer blaßgrünen Ader an jeder Schläfe. Mein Vater behauptet, er könne immer erkennen, wenn Ma oder ich kurz vor der Explosion stehen, weil ihm dann diese Adern das Zeichen zum Rückzug in sein Arbeitszimmer zumorsten. Augen – wahrscheinlich von meinem Vater, aber eigentlich von niemandem. Während meiner gesamten Kindheit hatte meine Mutter immer wieder Dankesgebete zum Himmel geschickt, daß ihre beiden Kinder die Augen von ihrem Vater und nicht von ihr geerbt hätten, aber im Grunde haben weder Charlie noch ich die Augen unserer Eltern. Meine sind ganz okay, einigermaßen groß und grün, und das Weiße ist weiß und ohne gelbe Flecken oder rote Äderchen – noch. Meine Nase verdient keine weitere Erwähnung. Meinen Mund habe ich von beiden Elternteilen, von jedem eine Lippe: eine dünne Ober- und eine volle Unterlippe.
Wenn ich die Nasenspitze an den Spiegel drückte, sah ich ein flächendeckendes Gespinst feiner Fältchen, aber wenn ich mich aufrichtete, konnte ich nur eine tiefe Falte quer über der Stirn und zwei Furchen beiderseits meiner Nase entdecken, und ein weiteres Mal dankte ich im stillen meiner Mutter, die mit dreiundsiebzig immer noch eine bemerkenswert gute Haut hat. Gerade als mich ein winziger selbstzufriedener Schauer überlief, kam mir der Gedanke, daß der Fünf-Schritte-Test vielleicht mehr über nachlassende Sehkraft als über einen glatten Teint aussagt. Wenigstens weiß ich, was mich erwartet. Ich habe meine Mutter als Vorlage dafür, wie ich später mal aussehen werde. Ich versuchte mich zu erinnern, wann mir aufgefallen war, daß der Hals meiner Mutter faltig wurde, wann ihre Lider schlaffer wurden, aber vergebens. Meine Mutter war über vierzig, als sie mich bekam, und in meinen Augen nie »alt« gewesen, bis ich Mitte zwanzig war. Bis dahin war sie für mich stets mittelalt, in jenem undefinierbaren Stadium von »vorbei und höchstwahrscheinlich nie richtig dabei gewesen«, in das jedes Kind seine Mutter verbannt.
Mein Handtuch fiel zu Boden, und als ich mich bückte, sah ich sie. Die Füße meiner Mutter. Da war es – das Alter sprang mir direkt ins Gesicht. Schon als Kind hatte ich meine Mutter dabei beobachtet, wie sie barfuß durchs Haus watschelte, und mich gefragt, warum sie wohl so komische Füße hatte. Solange ich mich erinnern kann, kamen sie mir eigenartig plattgetreten vor, wie klumpige Fremdkörper mit komischen, eingerollten kleinen Zehen, so ganz anders als meine mädchenhaften, hohen und eleganten Füße. Als ich meine jetzt sah, war ich wie gelähmt. Als hätte mir eine niederträchtige Fee mitten in der Nacht meine vertrauten Füße gestohlen und sie gegen die einer alten Frau ausgetauscht. Und ich konnte das Absinken der Riste nicht einmal auf eine Schwangerschaft schieben. An den Haaren, den Lippen, selbst an den Falten kann man eine Menge machen, um die Jahre hinwegzumogeln, aber von einem Fußlifting habe ich noch nie gehört.
Bis ich zwölf war, nannte ich meine Mutter Mummy. Dann kam mir der Gedanke, daß es idiotisch klänge, mit achtzehn oder zwanzig noch Mummy zu ihr zu sagen, es dann aber zu spät wäre, etwas daran zu ändern. Mir war klar, daß ich sie nie und nimmer mit ihrem Vornamen ansprechen konnte, deshalb begann ich ab meinem dreizehnten Geburtstag, sie Mutter oder Ma zu nennen. Ihr fiel das auf, sie stellte mich deshalb zur Rede, und ich legte ihr meine Gründe dar. Sie fand meine Bedenken komisch und erklärte mir, ich würde mir unnötig den Kopf zerbrechen. Als Kind zerbrach ich mir ständig wegen irgendwelcher Dinge den Kopf. Mein Vater meinte, ich trüge einen alten Kopf auf jungen Schultern (ein weiterer beklemmender Gedanke), und meine Mutter sagte immer: »Beschwör’s nicht herauf«, aber ich kann einfach nicht anders. Allem Erbgut zum Trotz bin ich nicht wie die beiden. Zum Beispiel meint mein Vater, das Beste an meiner Mutter sei, daß sie in vierzig Jahren kein böses Wort über irgend jemanden gesagt hätte. Ich finde das unvorstellbar, und bisweilen habe ich den Verdacht, daß sie die bösen Worte denken muß, selbst wenn sie nicht damit herausplatzt. Aber meistens muß ich zugeben, daß sie sie wahrscheinlich nicht einmal denkt. Meine Eltern sind nette Menschen. Früher glaubte ich, sie führten eine Ehe voller Unschuld und Weisheit – wobei meine Mutter für ersteres, mein Vater für letzteres stand. Je älter ich wurde, desto klarer wurde mir, daß sie beide unschuldig und beide weise sind. Beide sehen das Leben optimistisch und nehmen im Zweifelsfall immer das Beste von ihren Mitmenschen an. Es will mir einfach nicht in den Kopf, warum ich diese Eigenschaft nicht ebenso geerbt habe wie die pochende Ader.
Ich machte mir immer noch zu viele Gedanken. Wenn ich im Bett neben David lag, stellte ich mir bisweilen vor, wir seien verheiratet. Dann stellte ich mir vor, wie ich, wenn wir tatsächlich verheiratet wären, im Bett liegen und mir ausmalen würde, wie es wäre, nicht verheiratet zu sein und so dicht neben ihm zu liegen, daß sich die Härchen auf meiner Haut, wenn ich mich nur stark genug konzentrierte, aufstellen und seine berühren könnten, und wenn ich dann verheiratet wäre und es nicht sein wollte, dann würde mir diese Berührung einen Schauer über den Rücken jagen, weil mir dann klar würde, wie dicht ich neben einem Mann lag, mit dem ich nicht zusammensein wollte. Das sind eindeutig zu viele Gedanken. Als mir das durch den Kopf ging, mußte ich über mich selbst lächeln, begann mit dem Auftragen der Creme und zögerte Minute um Minute hinaus, bis plötzlich Charlies Gesicht über meiner Schulter im Spiegel auftauchte. Er grinste und versuchte gleichzeitig zu summen: »Some day my prince will come, some day …« Ich schnappte mir das Stäbchen von der Ablage und preßte es in meiner Faust.
»Verpiß dich, Charlie. Kannst du ein Mädchen nicht mal eine Sekunde in Ruhe lassen?«
»Nicht, wenn das Mädchen nur ein Bad hat.«
Sosehr ich meinen Bruder liebte, wenn er bei mir übernachtete, brachte er mich zur Weißglut. Er langte an mir vorbei nach seinem Rasierer und begann, sich zu rasieren, wobei er sich auf meine Schulter stützte und mich vom Spiegel wegdrängte. »Komm schon, Elle, das ist nicht fair – ich habe in einer halben Stunde ein Vorstellungsgespräch.«
Ich trat zurück, lehnte mich an die Wand und beobachtete, wie er mich im Spiegel ansah. »Weißt du was, Elle? Du siehst Mum jedes Jahr ähnlicher.« Er wischte sich mit meinem Handtuch den Schaum vom Gesicht. »Alles Gute zum Geburtstag übrigens.« Es klingelte an der Tür. »Kannst du hingehen? Ich erwarte einen Kurier.«
Ich ließ ihm viel zuviel durchgehen, ganz eindeutig. Ich stürmte zur Tür, das Handtuch immer noch unter den Achseln festgeklemmt, ein Auge mit Mascara geschminkt, das andere ohne. Es war nicht der Kurier, es war David, und plötzlich fiel mir das Stäbchen in meiner Hand wieder ein. Ich glaube, in diesem Augenblick wurde ich erwachsen.
David und ich kannten uns damals seit über zwei Jahren. Ich hatte ihn während eines Auftrags für die Sunday Times kennengelernt. Man hatte mich gebeten, ein Feature über die zwanzig wichtigsten Selfmademen in Großbritannien zu schreiben, und irgendwie hatte man David überredet, die dazugehörigen Fotos zu machen – für die Zeitung ein ziemlicher Coup. Sein Name war mir natürlich geläufig – David Turcan (»Der Türke« für seine Freunde) war einer der Großen des Fotojournalismus, aber allgemein hielt man Porträt- oder Prominentenfotos für unter seiner Würde. Davids Nische waren die Kriegs- und Katastrophenschauplätze. Auch ohne ihn zu kennen, würde man mit ziemlicher Sicherheit mindestens eines seiner Fotos wiedererkennen. Vielleicht den kurdischen Soldaten, dessen Gewehr ganz beiläufig in die Kamera zielt. Oder das von der Alten, die, mit nur einem Schuh am Fuß, nach dem armenischen Erdbeben ihren Enkel in den Armen hält. Oder die verwüstete Bar in Saigon. Das war eines seiner ersten.
Die Sunday Times mußte ihm ein Vermögen gezahlt oder ihn irgendwie erpreßt haben. Als ich endlich dazu kam, ihn zu fragen, warum er den Auftrag angenommen hatte, lagen wir bereits miteinander im Bett. Er antwortete, er hätte mich kennenlernen wollen. Das war absoluter Quatsch. David Turcan hate ganz bestimmt noch nie von mir gehört, ganz zu schweigen davon, daß er mich kennenlernen wollte. Er ist Amerikaner und stammt ursprünglich aus South Carolina – nicht daß man ihm das angemerkt hätte. Mit achtzehn verließ er die Staaten, und obwohl er seit über zwanzig Jahren teils in London, teils in Paris gelebt hat, kann man, wenn er sehr müde oder sehr wütend ist, immer noch einen leichten Singsang in seiner Stimme hören. Ich war und bin freischaffende Journalistin und verfasse leicht verdauliche Features für jeden, dem ich sie verkaufen kann. Ich stand nie im Kugelhagel, deshalb kann einzig und allein des Schicksals unergründliche Laune uns zusammengebracht haben.
1990 verbrachten wir vier Tage zusammen, während der wir im Land herumreisten und Britanniens Größte und Beste interviewten und fotografierten – oder zumindest Britanniens vom Glück Begünstigte und Reiche. Im ersten Augenblick fühlte ich mich von David eingeschüchtert, später war ich ihm dankbar. Er ist durch und durch Profi und, was noch besser ist, ein guter Autofahrer. Ich fahre äußerst ungern. Ich hatte ein Auto mieten müssen und den ersten Tag über das Getriebe malträtiert und alle anderen Autofahrer verflucht. Ideal für mich wäre ein Landrover mit Automatikgetriebe in einer Wüste. An jenem ersten Abend übernachteten wir in einem Pub in der Nähe von Newcastle (bei den Spesen war die Sunday Times längst nicht so großzügig wie bei den Honoraren), und David rief bei Hertz an, um seinen Namen in die Versicherung eintragen zu lassen.
Um ehrlich zu sein, hätte ich vielleicht allein dieser galanten Geste wegen mit ihm geschlafen, aber tatsächlich landeten wir erst in der dritten Nacht zusammen im Bett, und bis dahin waren wir in einem eleganten Hotel in einem kleinen Dorf namens Castle Beauchamp in Wiltshire angelangt. Ich hatte Gary Boyd interviewt, der etwa fünfzehn Kilometer entfernt in einem Gutshaus lebte. Er war ein absolutes Arschloch mit den Allüren einer Diva und hatte damit gedroht, die Zeitung und mich persönlich zu verklagen, wenn wir uns nicht ausschließlich schmeichelhaft über seine mannigfachen Erfolge äußerten. Er hatte als Werkmeister in einer Fabrik für Krankenhausbetten in Staffordshire angefangen, dann ein eigenes Unternehmen gegründet, seinen alten Boß unterboten und einen immensen Auftrag an Land gezogen, alle Krankenhäuser des staatlichen Gesundheitsdienstes zu beliefern. Später hatte er sich dazu noch auf Immobilien verlegt. Einige der widerwärtigsten Einkaufszentren in Gewerbegebieten gingen auf sein Konto. Er hatte die Konservativen an seinen finanziellen Tropf gehängt, bis er ganz zufällig in den Ritterstand erhoben wurde. Ein Freund von mir, der in der Parteizentrale der Konservativen arbeitete, hatte mir eine Anekdote über Sir Gary Boyd erzählt, nachdem ich beim Grab meiner Mutter geschworen hatte, sie nicht in meinem Artikel zu verwenden. Demzufolge hatte der Wahlkampfleiter einst persönlich bei Boyd angerufen, um mit ihm eine neue Anti-Labour-Anzeigenkampagne zu besprechen, und dabei erwähnt, daß man leider ein bißchen knapp bei Kasse sei. Sir Gary, stets ein Freund des offenen Wortes, hatte erwidert, wenn man ihn nur auf Knien darum anfleht, könne er wohl noch mal »ein-, zweihundert Riesen rauswichsen«. Der entsprechende Scheck ging mit der nächsten Post ein. Wie charmant.
David verschoß nur einen Film, in nicht mal zehn Minuten, und versicherte Boyd, er habe alles, was er brauche. »Ich verlaß mich darauf, daß Sie mich zwanzig Jahre jünger und zwanzig Pfund leichter machen – kapiert, Junge? Die kleine Lady hier ist also Ihr Mädchen? Nettes Ding, wenn sie Sie ranläßt!« David hatte ihm verschwörerisch zugewinkert und ich vor Wut gekocht.
Als wir Hartstreet House verließen, um uns auf die Suche nach der nächsten Unterkunft zu machen, schlug David vor, an einem angenehmeren Ort zu übernachten, um uns für die Demütigung eines solchen Auftrags zu entschädigen. Auf der Fahrt zu einem Landhotel in Castle Beauchamp erklärte er mir, er werde die Übernachtung auf seine Spesenrechnung setzen, und falls die Sunday Times den Betrag nicht berappen sollte, sei er bereit, ihn selbst zu übernehmen – er habe etwas zu feiern. In der Bar erzählte ich ihm die Wichs-Anekdote. Er antwortete mir, die Fotos würden Boyd als das Arschloch zeigen, das er war, mit den beringten Fettfingerchen im Vordergrund.
Während des Essens erzählte er, daß er seine Laufbahn 1972 als Achtzehnjähriger begonnen habe, als der Vietnamkrieg dem Ende zuging und er vorübergehend aus Princeton ausgeschlossen worden war. Er ließ eine Flasche Champagner kommen und eröffnete mir, daß er in dieser Woche genau die Hälfte seines Lebens in Kriegsgebieten verbracht habe. Ich kannte ihn nicht gut genug, um einzuwenden, das sei wohl kaum ein Grund zum Feiern. Er war demzufolge acht Jahre älter als ich – sechsunddreißig gegenüber meinen achtundzwanzig. Ich hatte ihn älter geschätzt, aber ich vermutete, was er miterlebt hatte, habe ihn in mehr als einer Hinsicht altern lassen. In seiner Gegenwart fühlte ich mich unerfahren und schüchtern. Ich bin normalerweise nicht auf den Mund gefallen, aber wenn ein so eindrucksvoller Mann Interesse an mir zeigt, dann zieht mir das schon den Teppich unter den Füßen weg.
Beim abschließenden Schlummertrunk erwähnte David, daß er seit elf Jahren geschieden sei. Ich wollte ihn fragen, ob ihn das sehr mitgenommen hatte, ich meine, mein Gott, mit fünfundzwanzig geschieden zu werden … Mein Gott! Mit fünfundzwanzig verheiratet zu sein! Statt dessen erzählte ich ihm, daß ich gerade eine zweijährige Beziehung mit einem Fondsmanager hinter mir hätte. Kaum ein fairer Tausch: eine gescheiterte frühe Ehe gegen eine halbherzige Affäre mit einem Vollidioten, der einen Hang zu Hosenträgern hatte, aber mehr konnte ich nicht bieten. Als David nach dem Grund der Trennung fragte, fiel mir keiner ein, und ich fragte mich selbst, warum; ich wußte nicht einmal mehr, warum ich jemals mit Peter zusammengewesen war, aber das wollte ich nicht zugeben. Er fragte mich, ob meine Eltern traurig oder froh gewesen waren, als die Beziehung zu Ende ging, und ich weiß noch, daß ich das für eine ungewöhnliche Frage hielt. Eigenartig, dieser vollkommen Fremde merkte, wie wichtig mir die Meinung meiner Eltern war. Mir fiel auf, daß er mit den Münzen in seiner Tasche spielte. Die Nervosität dieser Geste stand im Widerspruch zum müden Blick seiner grauen Augen und seinem gelassenen, trockenen Lächeln. In diesem Augenblick durchzuckte mich die Erkenntnis, daß es absolut verrückt war, sich derart zu diesem Fremden hingezogen zu fühlen, und mich überwältigte ein Schauer erotischer Besessenheit. Ich mußte mich zusammenreißen, um weiterzusprechen und nicht die Hand auszustrecken und ihn zu berühren. Ich sagte, sie seien erleichtert und tief betroffen gewesen. Damit meinte ich, daß mein Vater erleichtert und meine Mutter betroffen gewesen war.
Die Sunday Times zahlte für zwei Zimmer. Wir kamen nur bis zur ersten Tür. Die meiste Zeit verbrachten wir in dieser Nacht mit Reden. Im Dunkeln reden die Menschen, als gäbe es kein Morgen. Mit dem Nachthimmel scheint sich die ganze Welt zu öffnen, und alles drängt aus uns heraus. Weil wir das Gesicht unseres Gegenübers nicht sehen können, glauben wir irgendwie, daß er sich nicht an das Gesagte erinnern und es uns deshalb nie vorhalten wird. Die Dunkelheit gibt uns eine Carte Blanche, eine »Du-kommst-aus-dem-Gefängnis-frei«-Karte, eine Garantie auf ein Entkommen vor der Wirklichkeit. Inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher: Ich glaube, im Dunkeln zu reden gibt einem mitnichten einen Freischein; statt dessen spielt man dem anderen einen Joker in die Hand, den er jederzeit zücken kann.
Tags darauf hatten wir noch zwei weitere Termine. Um halb elf abends waren wir wieder in London, und David übernachtete in meiner Wohnung in Notting Hill. Nach dieser Nacht bekam ich ihn drei Monate lang nicht zu Gesicht. Nicht, daß er nicht angerufen hätte – das tat er, oft sogar, aber er war immerzu im Ausland oder auf dem Sprung dorthin oder zu kaputt, weil er gerade zurückgekommen war. Zweimal war ich nicht in London, als er zurückkam; beim dritten Mal war er nur für eine Nacht in der Stadt, und ich erklärte ihm perverserweise, ich hätte keine Zeit. Meine Gefühle für ihn waren schizophren, einerseits wollte ich auf gar keinen Fall, daß er in unserer Beziehung nur ein unbedeutendes Techtelmechtel sah, andererseits war ich ebenso fest entschlossen, cool zu bleiben. Als er zum vierten Mal in der Stadt war, hatte ich tatsächlich zu tun: Meine Eltern feierten ihren vierzigsten Hochzeitstag, und ich spielte mit dem Gedanken, David mit zum Empfang im Savoy zu nehmen, entschied mich aber dagegen. Ich wollte nicht, daß meine Mutter sich Hoffnungen machte. Danach, vier Monate nach unserer ersten Begegnung, kam David zu mir in die Wohnung und blieb drei Wochen lang. Es war eine höchst merkwürdige Zeit. Die ersten drei Tage schlief er tagsüber fast durch; nachts liebten wir uns wie rasend. Er redete nicht viel, und ich betrachtete ihn inzwischen als magisches, knisternd erotisches, aber definitiv nur episodisches Zwischenspiel in meinem Alltagsleben. Wenn mich damals jemand gefragt hätte, ob ich in David verliebt sei, hätte ich wohl geantwortet »wahrscheinlich schon« – wenigstens glaubte ich, in ihn verliebt zu sein. So jedenfalls hätte ich es einem aufdringlichen Fremden auf einer Party erklärt. Und in Wahrheit? In Wahrheit versagte mir fast die Stimme, so verliebt war ich in ihn. Ich verglühte vor Liebe zu David Turcan.
Wenn man verheiratete Freundinnen nach ihren vorehelichen Beziehungen befragt, bekommt man fast immer zu hören: »Ach ja, wir haben uns geliebt«, worauf sofort die Einschränkung folgt: »Jedenfalls glaubten wir damals, uns zu lieben, aber wir waren noch so jung.« Ich weiß nicht, ob mir dieses Konzept wirklich einleuchtet. Ich habe eine Menge Freunde und Freundinnen durch glückliche und unglückliche Romanzen begleitet und nicht einen Augenblick an ihren Worten gezweifelt, wenn sie mir erklärten, sie seien »hoffnungslos verliebt«. Meine Freundin Rebecca habe ich fünfmal verliebt erlebt, jedesmal absolut aufrichtig, wobei das jüngste Objekt ihrer Zuneigung ihr Mann Michael ist. Doch wenn ich mit ihr über seine Vorgänger spreche, antwortet sie: »Ach, komm schon, Elena! Okay, ich hab geglaubt, ich bin verliebt, aber das war keine wahre Liebe, so wie ich Michael liebe.« Quatsch. Vielleicht ist man verpflichtet, allen vorhergehenden Liebesbeziehungen abzuschwören, wenn man erst verheiratet ist. Eigentlich gehört ein solcher Satz ins Ehegelübde, denn für alle verheirateten Frauen in meinem Bekanntenkreis scheint es ein Gelübde zu sein: »Ich habe X nie wirklich geliebt – nicht wirklich. Ich glaubte, daß ich Y liebe, aber ich war noch viel zu jung. Erst Z hat mich gelehrt, was Liebe wirklich bedeutet. Alles davor war Spielerei.« Natürlich kann ich nicht für Becca sprechen; ich kann nur meine eigene Geschichte erzählen. Und ich weiß, daß ich dreimal verliebt war. Einmal über mehrere Jahre hinweg in Nick; einmal kurz in Peter, den Vollidioten; und einmal in David. In Nick bin ich immer noch ein bißchen verliebt, obwohl ich ihn seit sechs Jahren nicht mehr gesehen habe. Ich kann beim besten Willen nicht begreifen, was ich jemals in Peter gesehen habe, aber ich bin aufrichtig genug zuzugeben, daß ich ihn früher einmal geliebt habe.
In David war ich vom ersten Augenblick an verliebt, bis über beide Ohren, und das machte die Sache nicht einfach für mich, denn mir graut immer davor, die Kontrolle zu verlieren. Vielleicht war ich deshalb anfangs so zurückhaltend.
Nicht daß Davids Job die Sache erleichtert hätte. Während der ersten Monate hinterließ er, wenn er denn anrief, nur knappe Botschaften auf dem Anrufbeantworter, nicht mehr als: »Hallo. Ich bin’s. Wie geht’s denn so? Ich bin in Moskau … Wilna … Jerusalem … Ich melde mich, wenn ich wieder zurück bin.« Manchmal war ich bei seinen Anrufen sogar im Zimmer und hob nicht ab, aus Angst, er bliebe so kurz angebunden, wenn ich persönlich mit ihm sprach.
Ich war früher eine fast zwanghafte Nachrichten-Schauerin, doch nachdem ich David kennengelernt hatte, hörte ich damit auf. Ich war nicht besorgt um ihn. Solche Gedanken ließ ich gar nicht erst aufkommen. Ich konnte es einfach nicht ertragen, mit meiner Selbstsucht konfrontiert zu werden, wenn ich angesichts der Bilder von Tod und Zerstörung dachte: Wo ist David? Ist er in einer Bar? Ist er mit einer Frau zusammen? Erzählt er gerade einer anderen von seiner Scheidung / seinem Leben / seiner Arbeit / seiner Unfähigkeit, sich in eine Beziehung einzubringen?
Während Davids sporadischer Aufenthalte in England wohnten wir meistens in meiner Wohnung. Ein paarmal trafen wir uns auch in seiner, einem wunderschönen umgebauten Atelier mit dem Chelsea Stadion im Rücken. Er hielt sich nicht oft darin auf, aber er arbeitete oder und übernachtete hin und wieder dort, wenn ich nicht in London war oder andere Verpflichtungen hatte. Nach jedem Auftrag mied er ein paar Tage lang alle gesellschaftlichen Anlässe. Wir kamen gut miteinander klar. Wir drängten einander nicht, wir respektierten gegenseitig unsere Privatsphäre, wir arbeiteten beide. Phasenweise waren unsere Liebesbezeugungen zumindest codiert, wenn nicht sogar eindeutig unaufrichtig. Manchmal rief David aus seinem Studio an und fragte: »Willst du mit mir essen gehen? Hast du Zeit?«
Worauf ich antwortete: »Also, heute abend ist es schlecht – ich muß auf einen Empfang, dann bin ich mit einer alten Freundin zum Essen verabredet. Wie wär’s mit morgen?«
Worauf er etwas sagte wie: »Ich fliege um acht Uhr früh nach Tel Aviv.«
Und ich: »Ach so. Okay«, und zwar, wie ich hoffte, verständnisvoll und zugleich sehnsüchtig genug, um ihm die Frage zu entlocken: »Kann ich nach dem Essen vorbeikommen?«, doch er fragte nie.
Statt dessen sagte er: »Also gut – paß gut auf dich auf. Ich ruf’ dich an, wenn ich zurück bin.«
»Paß auch auf dich auf«, verabschiedete ich ihn dann, legte auf, brach in Tränen aus und hättte mich am liebsten in den Hintern getreten, weil ich nicht gesagt hatte: »Liebling – Liebling – bitte komm sofort – ich pfeife auf die Party und das Essen –« Gut, es hat eine ganze Reihe solcher Telefonate gegeben, aber wir haben auch gute Zeiten erlebt, manchmal über mehrere Wochen hinweg, und deshalb war die Sache für mich wirklich okay. Glaube ich.
Mittlerweile fällt es mir schwer zu beschreiben, was ich damals empfand. Ich kann nicht behaupten, meine wahre Erfüllung gefunden und vor Glück gestrahlt zu haben, aber ich hatte Ordnung in mein Leben gebracht. Beruflich lief alles gut, das heißt, ich hatte genügend Angebote, um auswählen und Arbeit ablehnen zu können, was für einen Freiberufler wohl das höchste der Gefühle ist. Und vor allem liebte ich David. Ich fand ihn extrem gut aussehend und irrsinnig aufregend, und ich genoß den Mitläufertriumph, im Abglanz des Ruhmes des »Türken« zu baden. Meine Freunde platzten fast vor Neugier, doch ich hielt mich immer bedeckt, teils weil ich ihn für mich behalten und seine mystische Aura bewahren wollte, teils weil ich nicht recht wußte, was ich über ihn erzählen sollte. Ich erklärte ihnen, ich sei froh, eine Beziehung zu führen, die mich nicht völlig vereinnahmte; ich hielt mich für vom Glück gesegnet, weil ich einen Mann gefunden hatte, der keinen Besitzanspruch auf mich anmeldete. Okay, vielleicht wäre es ganz schön gewesen, wenn er wenigstens versucht hätte, Ansprüche anzumelden, wenigstens ein paar, aber … Diese Art von Beziehung kam uns beiden entgegen. Immer, wenn er in London war, waren wir glücklich. Ansonsten blieben mir mein eigenes Leben und meine Unabhängigkeit, und ich verschloß mich allen Gedanken darüber, was kommen würde oder könnte. Was nicht zerbrochen ist, braucht nicht geleimt zu werden – das war damals meine Maxime.
Ich erinnere mich noch an einen Abend 1992, als eine Chance von fünfzig zu fünfzig bestand, daß David nach London käme. Ich hatte Rebecca und ihren Mann Michael zum Abendessen eingeladen. Ich hatte sogar gekocht.
Es war nicht gerade einer meiner denkwürdigeren Versuche. Das Problem war, daß David nicht auftauchte und daß das Kalbfleisch (a) schweineteuer, (b) politisch nicht korrekt und (c) trokken wie Pappkarton war. Rebecca schielte mir über die Schulter in die klumpende Weinsoße. »Manchmal glaube ich, daß ich alle Männer hasse …«, bemerkte sie, »und manchmal weiß ich es genau.«
»Was hat Michael schon wieder angestellt?« hakte ich gehorsam ein. Er war im Wohnzimmer, checkte meine CDs und beklagte sich hörbar über meinen miserablen Musikgeschmack. Ich klappte den Ofen auf und sofort wieder zu. Aus dem Schulunterricht meinte ich noch vage zu wissen, daß sich Holzkohle bei hohen Temperaturen einfach in Luft auflöst; vielleicht würde das mit dem Kalbfleisch auch funktionieren, und ich konnte vergessen, daß es je existiert hatte. Ich nahm eine Schale mit saurer Sahne und etwas Taramas aus dem Kühlschrank und sprenkelte fröhlich und mit Hingabe Kartoffelchips darum. Rebecca tunkte einen langen Finger in die Sahne und lutschte ihn gedankenverloren ab.
»Nur das Übliche. Keinerlei Einfühlungsvermögen und nackter Egoismus, getarnt als Gequatsche von wegen beflissener neuer Mann und unverstandener Brotverdiener.« Sie gebrauchte eine rotbemalte Kralle, um die Sahne unter den Chips herauszukratzen. »Und dann ist da noch die Sache mit dem Sex.«
Als hätte er auf dieses Stichwort gewartet, kam Michael zu uns in die Küche. »Essen wir noch heute abend, Elena, oder hast du uns eigentlich zum Frühstück eingeladen?« fragte er und tunkte seinen Finger in das Taramas. »Und was für eine Sache mit dem Sex?«
»Ich kann einfach nicht begreifen, warum Männer glauben, daß es schon als Vorspiel gilt, wenn mitten in der Nacht ein halbsteifer Schwanz gegen deinen Hintern klopft, das ist alles«, erläuterte Rebecca zuckersüß. »Ich meine, ich bin intelligent, ich habe einen recht passablen Abschluß in Oxford gemacht, selbst wenn es nur einer in Geographie ist, aber komischerweise hat mir das noch nie jemand erklärt. Mutter hätte wirklich mit mir darüber sprechen sollen.« Eigens für Michael nuckelte sie verführerisch an ihrem Finger. »Gestern abend zum Beispiel, Elle, kamen wir erst nach Mitternacht heim. Die ganze Zeit habe ich mir anhören müssen, wie müde Michael ist, wie zuwider es ihm ist, unter der Woche auszugehen, wie gern er nur ein bißchen ferngesehen hätte und früh ins Bett gegangen wäre, also sind wir ins Bett, haben das Licht ausgemacht, kein Kuscheln, nichts, und eine Viertelstunde später drückt dieses Ding gegen meinen Hintern. Wie in einem miesen Horrorfilm. Was zum Teufel erwartet er eigentlich von mir?« Sie schaufelte sich einen weiteren Finger voll Sahne in den Mund.
»Ich hätte gedacht, das sei offensichtlich«, knurrte Michael.
»Braucht ihr beiden mich noch, oder soll ich lieber rausgehen, bis ihr das geklärt habt?«
»Ich wollte nur wissen, was du über diese Sache mit dem Sex denkst.«
»Nein, das wolltest du nicht. Du wolltest mich nur demütigen.« Michael drohte seiner Frau mit dem Finger.
»Ich glaube inzwischen«, fuhr sie fort, »daß sich alle Ehen in zwei Kategorien einteilen lassen. Zum einen gibt es die Männer, die Hinternrammeln für einen Mordsspaß halten und sich dann beklagen, daß ihre Frauen frigide alte Säcke sind, zum anderen die, deren Frauen sich ständig beklagen, daß sie nicht genug Sex kriegen und daß ihre Männer nicht mit ihren unersättlichen Forderungen mithalten können. Bestimmt ist es für einen Mann demütigender, für einen Schlaffi als für einen Sexprotz gehalten zu werden, meinst du nicht, Elle?«
Ich stellte den Topf mit der Soße in die Spüle, wo sie unbehelligt klumpen konnte. »Ich weiß nichts über Ehemänner und Ehefrauen, Bec. Ich glaube, du nörgelst einfach gern über Michael.«
»Und ist es nicht süß von ihm, mir soviel Gelegenheit dazu zu geben?«
Ich bestellte indisches Essen für drei Personen; es war mittlerweile halb zehn, und ich hatte es aufgegeben, auf David zu warten. Ich machte eine weitere Flasche Wein auf, während wir auf das Essen warteten, und bat sie anzufangen, sobald es gekommen war.
»Was ist mit David?« fragte Michael, den Mund voll mit Krabben-Puri.
»David kann mich mal.«
»Wie oft läßt du ihn denn?«
»Geht es dich etwas an, wie oft sie es tun?«
»Reine Neugier.« Michael entkorkte die nächste Flasche. »Und nachdem du Elena unbedingt an unserem Sexleben teilhaben lassen möchtest – oder zumindest an unseren kläglichen Versuchen dazu –, steht es mir ja wohl zu, auch an ihrem teilzuhaben. Also, Elena, selbst wenn Rebecca nicht an deinem Liebesleben interessiert ist – ich bin es. Ich möchte alles darüber wissen.«
»Da gibt es nichts, was du nicht schon weißt. Er ist Amerikaner. Und Fotograf.«
»Ach so, Fotograf. Nur David Turcan, der Türke. Nur der berühmteste Fotograf in der westlichen Hemisphäre. Wir wissen bereits, daß er Fotograf ist, Elle, wir sind bloß nicht überzeugt, daß du ihn auch persönlich kennst. Wir kennen ihn jedenfalls nicht. Er taucht nie auf; und seine Unterhosen liegen nicht im Wäschekorb. Ich hab nachgesehen.«
»Ich habe ihn letztes Jahr bei einem Auftrag kennengelernt. Bei dieser Reportage über Englands neue Millionäre. Er hat die Bilder gemacht. Er ist fast immer im Ausland.«
»Sieht er gut aus?«
»In gewisser Hinsicht.«
»Wie alt?«
»Siebenunddreißig oder achtunddreißig, schätze ich.«
»Du weißt es nicht?«
»Okay, er ist siebenunddreißig.«
»Ledig?«
»Geschieden.«
»Und du hast mit ihm geschlafen? Steht eine Hochzeit ins Haus? Schläfst du immer noch mit ihm?«
»Ja, nein und weiß nicht.«
»Immer noch das alte schmallippige Pokerface, das wir alle kennen und lieben, nicht wahr, meine Süße?« Michael tätschelte meine Hand.
»Es gibt einfach nicht viel über ihn zu erzählen«, verteidigte ich mich störrisch, statt zuzugeben, daß ich einfach nicht viel über ihn wußte.
»Tja, meine Liebe, die Zeit steht nicht still, wie du weißt. Du bist jetzt – wie alt – neunundzwanzig?«
»Du weißt haargenau, wie alt ich bin, Bec. Ich bin genauso alt wie du –«
»Ah! Also auch dreiundzwanzig!« warf Michael ein. »Das Alter tut sowieso nichts zur Sache. Elena hatte nie Probleme, einen Mann zu kriegen, sie hat nur Probleme, mit einem zusammenzubleiben, und wenn sie noch Zeit zum Nachdenken braucht –«
»Kannst du einfach mal die Klappe halten, Michael? Ich mache mir nie Gedanken über Männer. Ich verbringe meine Tage nicht damit, David nachzuschmachten. Ich habe kein Interesse daran, eine Familie zu gründen. Ich stecke zur Zeit bis zum Hals in Arbeit. Um genau zu sein, bin ich an einer größeren Sache –«
»Gut bezahlt?«
»Na klar, ein Spitzenhonorar; wahrscheinlich an die zehn Pfund, wenn ich Glück habe –«
Ich hörte, wie die Wohnungstür ging.
Wenn David ein Zimmer betrat, erregte er immer Aufsehen, nicht zuletzt, weil er groß, kräftig und sehr dunkel ist. Bec war plötzlich ganz aufgekratzt und Michael redselig und albern wie ein Halbwüchsiger. Der Abend wurde trotzdem kein Erfolg. David war hundemüde und nicht in Plauderstimmung. Er gab sich alle Mühe, höflich zu bleiben, floh aber bald ins Bett. Als ich in der Tür stand und Michael und Bec in ihr Auto stiegen, kam Bec noch mal die Treppe heraufgelaufen und drückte mich. »Elle, ich will alles über euch beide wissen. Jedes kleine Detail.«
Ich weiß nicht, ob Männer mit ihren Freunden so über ihre Beziehungen sprechen, wie Frauen es tun. Es mag sexistisch klingen, aber ich glaube nicht. Aber vielleicht – und das ist eine beängstigende Vorstellung – beichten sie, während wir glauben, sie unterhielten sich über die englische Nationalmannschaft oder das nächste Testspiel gegen Westindien, in Wirklichkeit dem Typen im Büro nebenan, daß sie sich weder emotional noch physisch ausgefüllt fühlen. Ich weiß noch, daß ich dachte, das könne mir nie passieren, weil David sich nicht lange genug an einem Fleck aufhielt, um echte Freunde zu haben, und die Agenturfotografen, Fernsehberichterstatter und Sonderkorrespondenten, diese Nomaden, aus denen sich das internationale Pressekorps zusammensetzte, ganz gewiß nicht als normale Menschen gelten konnten. David würde den Ausdruck »bester Freund« nie verwenden, doch wenn man ihn dazu drängte, würde er wahrscheinlich Steve Heffner anführen, einen Newsweek-Reporter, den er seit ewigen Zeiten kennt. Ich bin Heff oft begegnet, er ist ein echtes Original, aber niemand, der noch einigermaßen bei Sinnen ist, würde ihn als normal bezeichnen.
Dieses Essen veranstaltete ich einen Monat bevor alles anfing, ein paar Wochen vor meinem einunddreißigsten Geburtstag. Wir wollten in Kürze ein weiteres Projekt angehen – unser erstes gemeinsames seit dem Auftrag der Sunday Times. Diesmal hatte ich alles eingefädelt. Ein paar Monate zuvor hatte ich bei der Buchvorstellung eines Freundes einen Verleger getroffen und mich mit ihm über die Royal Air Force und das Fliegen unterhalten, meine geheime Leidenschaft seit meiner Schulzeit und dem Geschichtsunterricht der göttlichen Mrs. Heavens, die ständig über die »armen, lieben Abessinier« redete, die mit Pfeil und Bogen auf die italienischen Kriegsflugzeuge am Himmel schossen. Ich meinte zu ihm, es könnte ganz interessant sein, eine Interviewserie mit alten R.A.F.-Fliegern zu machen, bevor sie alle über den Jordan seien – ich plapperte was davon, das wahre Wesen von Heldentum und Kameradschaft ergründen zu wollen, anekdotisch, doch zugleich visionär, sagte ich wohl. Ich war in Fahrt, hatte drei Glas Wein zuviel getrunken, und ein Windhauch hätte mich umschmeißen können. Tags darauf rief mich der Verleger an, lud mich zum Mittagessen ein und bot mir noch während des Essens einen Vertrag an. Graham – mein Verleger, der ähnlich anfällig für Weltkriegsnostalgie ist wie ich – sagte, der beste Zeitpunkt für so ein Buch sei das fünfundsiebzigjährige Jubiläum der Royal Air Force. Er wollte neben die Interviews neue Porträtfotos sowie alte Kriegsbilder setzen. Als ich erwähnte, daß ich entfernt mit David Turcan bekannt sei, hätte Graham vor Begeisterung fast seine Kürbissuppe ausgespuckt. Ich glaubte keine Sekunde daran, daß David wirklich mitmachen würde, aber er meinte, eine kleine Pause käme ihm ganz gelegen. Er hatte das vergangene Jahr größtenteils im israelisch besetzten Gazastreifen verbracht und war bereit, mein Projekt mit seinem Namen und seinem Genie zu schmücken, vorausgesetzt, man zahlte mir einen besseren Vorschuß. Ich erwiderte ihm, eigentlich sei mir vor allem an einem zuverlässigen Fahrer gelegen, und wischte damit das überhebliche Lächeln von seinem Gesicht.
Und so standen wir uns gegenüber, am Morgen meines einunddreißigsten Geburtstags, während Charlie das Bad in Beschlag genommen hatte, ich im Handtuch und halb geschminkt und David mit einer Tasche in der Hand und drei Kameras über der Schulter. Ich wußte nicht mal, wo er gewesen war, geschweige denn, daß er zurückkommen würde. Nach über zwei Jahren wußte ich im Grunde immer noch nicht das Geringste über David Turcan.
Dann brach es aus mir heraus: »David, du hast meinen Geburtstag vergessen, und ich bin schwanger.« Und ich streckte das Stäbchen mit dem dünnen blauen Strich vor wie ein Kind einen blutenden Finger.
Nachdem Charlie sich verzogen hatte, gingen David und ich ins Bett. Ganz behutsam legte er die Hand auf meinen Bauch. »Bist du wirklich schwanger?«
»Nein, das ist unmöglich. Ich habe das verdammte Ding so lange in der Hand gehalten, und ich habe so schwitzige Hände – es muß falsch angezeigt haben. Nein, doch, ich glaube schon, daß ich schwanger bin. Gestern abend habe ich noch gedacht, ich sollte mir einen Test kaufen, nur um sicher zu sein; dann habe ich ehrlich keinen Gedanken mehr daran verschwendet – ich habe ihn eben erst gemacht, bevor du zur Tür reinspaziert bist. Vielleicht bin ich es wirklich. Sie sollen ziemlich genau sein, aber nicht, wenn man sie ewig durch die Gegend schleppt so wie ich.« David schwieg, und ich quasselte weiter. »Wahrscheinlich sollte ich noch mal einen machen, einfach um sicherzugehen. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, David. Ich habe das ganz bestimmt nicht geplant. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Es hat sowieso keinen Zweck, irgendwelche Entscheidungen zu treffen, bevor wir sicher sind.« Ich fühlte mich ja so erwachsen, so reif und selbständig, wie ich genau einunddreißigjährig und möglicherweise schwanger in meinem hübschen Messingbett lag und das Sonnenlicht in Flecken durch die ungeputzten Fenster fiel. Ich hatte nicht die leiseste Idee, was ich da redete, es war alles viel zu weit weg, aber ich wollte David keine Gelegenheit geben, mich mit seinen müden Augen anzusehen und zu sagen: »Dir ist doch klar, daß ich keine feste Bindung eingehen kann?« Deshalb plapperte ich immer weiter. »Gleich nachher kaufe ich noch einen Test, den mache ich morgen. Es gibt unzählige mögliche Erklärungen, weißt du? Vielleicht ist es ja bloß blinder Alarm.« Plötzlich herrschte entsetzliche Stille, doch David hatte die Augen geschlossen.
»Ich hoffe nicht«, sagte er ruhig.
»Du hoffst, daß ich nicht schwanger bin?«
»Nein. Ich hoffe, es ist kein blinder Alarm.«
Ich kaute auf meiner Lippe und betrachtete ihn, wie er so in den Kissen lag. Über seinen Lidern lagen lila Schatten, als hätte er sich geprügelt, und ich verzehrte mich danach, sie zu streicheln.
»Würdest du heiraten wollen, wenn du schwanger wärst?«
»Nein, natürlich nicht. Reden wir nicht mehr darüber«, wehrte ich hastig ab. Es war nicht gerade ein Antrag, es war bloß eine einfache Frage, und er ließ sie auf sich beruhen. Er begann, mir von einem Korrespondenten zu erzählen, den er in Mogadischu kennengelernt hatte, schlief aber sofort darüber ein, mitten im Satz, wie so oft, wenn er von einem Auslandseinsatz zurückkam. David konnte schlafen wie kein zweiter; er war ein begnadeter Schläfer. Ich glaube, es gefiel ihm einfach, daß er dann auf nichts und niemanden zu reagieren brauchte. Als das Telefon klingelte, riß ich sofort den Hörer von der Gabel, um ihn nicht aufzuwecken.
»Elle?« Es war Rebecca. »Ich ruf nur kurz an, um dir zu gratulieren, Schätzchen. Ich wollte nur sichergehen, daß dich die Last der Jahre nicht erdrückt.«
»Das wäre doch nur verständlich.«
»Also, bei einem Baby wie mir nicht, aber bei dir natürlich schon.« Becca lachte, aber sie klang nicht fröhlich dabei. »Hast du schon irgendwas vor, oder soll ich mit einer Flasche Prickelwasser und deinem Geschenk vorbeikommen?«
»Kommt drauf an, was es ist.«
»Ein Bilderrahmen von Zimmer mit einer roten Schleife dran. Wir könnten ein bißchen die Zeit totschlagen, uns die Zehennägel lackieren, quatschen, so wie früher.«
»David ist da. Er ist eben aus Somalia zurückgekommen.«
»Ach so.« Ich hörte Beccas Enttäuschung. »Das ist ja toll. Zu zweit läßt es sich immer am besten feiern.« Ihre Stimme zitterte ein bißchen.
»Ist alles okay, Bec?«
»Bestens. Ich hätte mir nur nie träumen lassen, daß in der Blüte meines Lebens meine wichtigsten Entscheidungen darin bestünden, ob die Kinder noch mit ihren Schuhen auskommen und ob ich mich aufraffen kann, Michael bei Marks & Spencer neue Boxershorts zu kaufen. Wie hat es mit uns nur so weit kommen können, Elle?«
Ich machte mir nicht die Mühe, sie darauf hinzuweisen, daß ich nie meine Zeit damit verbrachte, über Kinderschuhe oder Boxershorts nachzudenken, und ich wischte auch die plötzliche Erkenntnis beiseite, daß Kinderschuhe in Zukunft möglicherweise eine wesentliche Rolle in meinen Gedanken spielen könnten. Ich nahm an, daß Bec mit »Wir« das weibliche Geschlecht im allgemeinen meinte, und hielt es für besser, sie aufzuziehen, als sie in ihrem Selbstmitleid ertrinken zu lassen.
»Du willst es doch gar nicht anders haben, Bec. Du hast mir immer erklärt, du wärst gern die verwöhnte Frau eines reichen Mackers, und genau das bist du geworden. Ruf doch einfach bei Harrods an und laß dir dreißig Paar Calvin-Klein-Unterhosen rüberschicken.« Ich warf einen unruhigen Blick auf David, um sicherzugehen, daß er noch schlief. Die wenigen Male, bei denen er Rebeccas und meine Klagegesänge über das Leben als Frau im allgemeinen mitbekommen hatte, schien er sich ungeheuer gelangweilt zu haben.
»Gute Idee. Also, Schatz. Grüß David von mir. Ich wünsch dir was. Wir feiern dann ein andermal.«
»Du klingst wie aus einem Groschenroman.« David hatte die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Ein Auge war offen.
»Was für ein Groschenroman?«
»Keiner für Einunddreißigjährige.« Er streichelte meinen Rücken, um sicherzugehen, daß ich es ihm nicht übelnahm. Ich rollte mich auf den Bauch, damit ich sein Gesicht besser studieren konnte. Unter seinen Augen lagen tiefe Schatten, und er sah ausgelaugt aus, aber um seinen Mund spielte jenes spöttische Lächeln, in das ich mich von Anfang an verliebt hatte. Mit seinem trägen Lächeln konnte David Steine zum Schmelzen bringen. »Was würdest du heute gerne machen?«
»Rate mal.«
»Ich kann es nicht leiden, wenn ich raten muß. Mir ist es lieber, wenn ich etwas sicher weiß, und ich habe mich nie ungeprüft auf meinen Instinkt verlassen.«
Ich fragte mich, ob er auf meine Schwangerschaft anspielte, aber ich wollte das Thema nicht anschneiden, nicht einmal darüber nachdenken. »Was für ein Quatsch. Du sagst doch immer, daß es zu einem guten Foto neunzig Prozent Instinkt und zehn Prozent Können braucht.«
»Falsch, Liebling. Ich sage immer, daß es zu einem guten Foto neunzig Prozent Glück und zehn Prozent Können braucht. Vielleicht sage ich das, weil ich kein so technisch versierter Fotograf bin. Wenn auch ein glücklicher.«
»Graham sieht das anders. Ich meine, er findet natürlich auch, daß du technisch unter aller Kanone bist«, hier haute David mir auf den Rücken, »aber er findet, selbst wenn eines deiner Bilder nicht perfekt ist – wenn es zum Beispiel verwackelt ist –, strahlt es immer noch Magie aus.«
»Wenn es verwackelt ist?« David starrte mich fassungslos an. »Bitte erzähl mir doch, wo er jemals ein Bild von mir gesehen hat, das verwackelt war.«
Ich ging gar nicht darauf ein. Eine Diskussion über Fotografie war das, was einem Gespräch über Davids Arbeit noch am nächsten kam, und selbst darauf ließ er sich selten ein. David war viel zu erfahren und zu berühmt, als daß ich oder Graham ihm irgendwelche Tips geben konnten. Die Bildredakteure bekamen sowieso nur die guten Bilder zu Gesicht, deshalb konnte Graham nicht ahnen, daß David sich rühmte, ein besseres Gut-zu-Beschissen-Verhältnis zu haben als die meisten seiner Kollegen.
»Er meint, du hättest einen irrsinnigen Instinkt. Er behauptet, deine Bilder würden einem etwas erzählen, das man nicht erwartet hätte – daß man ein Foto immer mit einer gewissen Erwartungshaltung betrachtet, deine Bilder aber weit darüber hinausgehen. Er sagt, sie schaffen einen Dialog.«
»Also, dafür bin ich ihm natürlich mächtig dankbar, aber wenn ich bis heute noch nichts über das erzählerische Moment beim Fotografieren gelernt hätte, dann hätte ich meinen Beruf schon längst an den Nagel gehängt.« Dann küßte er mich und zog mich quer über seine Brust. »Du hast meine Frage nicht beantwortet. Was möchtest du heute machen, mein Hongimund?«
Ich rollte von ihm herunter, räkelte mich genüßlich und fuhr dann langsam mit dem Finger über seine Brust. »Zuerst möchte ich, daß du mir Eier à la Benedikt machst. Dann möchte ich, daß du mit mir zum Portobello Market fährst und mir deine Kreditkarte überläßt, damit ich mir alles kaufen kann, was meine Äuglein als passendes Geburtstagsgeschenk erspähen. Dann möchte ich von dir auf ein spätes Mittagessen im Kensington Palace eingeladen werden. Dann könnten wir den Nachmittag im Bett verbringen«, seine Augen wurden bei jedem Wort größer, »dann könntest du mir ein richtig teures Kleid kaufen, dann könnten wir auf einen Champagner ins Joe’s, danach könnten wir bei meinen Eltern vorbeischauen, um meine Geschenke vorzuführen, und schließlich könnten wir zum Abendessen ausgehen – wie wär’s mit L’Interlude de Chavrot?«
»Jetzt klingst du wirklich wie aus einem Groschenroman. Und bei einem derartigen Appetit mußt du wohl schwanger sein, und in diesem Fall solltest du nicht trinken. Wie groß ist eigentlich der Vorschuß, den Graham uns zahlt, und wie hoch ist mein Anteil an den Tantiemen?«
»Das hängt davon ab, wie viele Bilder verwackelt sind«, gab ich zurück.
Tatsächlich war Davids Honorar wesentlich höher als meines, was er dem überlegenen Verhandlungsgeschick seines Agenten sowie der Tatsache verdankte, daß seine Arbeit sehr gefragt war. Er knurrte und zog mich wieder in seine Arme. Ich fühlte mich außerordentlich wohl dort.
»Ich mach dir ein Sandwich mit Speck – vorausgesetzt, ich finde welchen in deinem vergammelten Kühlschrank. Ich werde für eine gute Stunde ins Studio verschwinden, weil ich noch ein paar Filme beschriften muß, währenddessen kannst du dir in dem Ramschladen an der Ecke was aussuchen, solange es nicht über dreißig Pfund kommt – soviel müßte ich noch in meiner Brieftasche haben. Dann verschwinden wir aus der Stadt und essen irgendwo auf dem Land zu Abend.«
»Und was machen wir dann?«
»Nichts. Schlafen. Uns lieben.«
»Findest du nicht, daß wir miteinander reden sollten?«
»Ich sag dir was, Süße, du redest, und ich hör zu.«
»Mir wäre es andersrum lieber. Können wir über Somalia reden?«
Im gleichen Moment, noch während sich die sanften grauen Augen schlossen, hätte ich mir am liebsten die Zunge abgebissen. »Vergiß es. Wir werden nicht darüber reden. Niemals.«
Er setzte sich auf und schüttelte mich, schon beinahe fest. »Elena, bitte verschon mich damit. Du bist eine intelligente Frau, selbst wenn du dir alle Mühe gibst, dich wie ein Volltrottel aufzuführen. Ich werde es dir ganz einfach erklären: Ich will nicht über meine Arbeit sprechen. Sie hat nichts mit dieser Welt zu tun«, hier schüttelte er mich noch mal, »nicht das geringste. Ich möchte diese beiden Welten trennen. Falls ich jemals darüber sprechen will, wirst du die erste sein, die ich das wissen lasse, das verspreche ich dir. Hast du das verstanden?« Seine Augen blickten tief in meine, aber ich konnte nichts in ihnen lesen.
»Ja«, log ich. Ich verstand überhaupt nichts, außer daß ich das Thema fallenlassen sollte. Ich kannte David schon lange als Chamäleon: der Mensch, der er in meiner Gegenwart war, hatte nichts mit dem Fotografen David Turcan zu tun. Vielleicht war es seine Fähigkeit zur inneren Abgrenzung, die es ihm gestattete, so leicht aus einer Lebenswelt in die nächste zu schlüpfen. Das war nicht unbedingt ein gutes Omen für die Vaterrolle, auch wenn ich über diesen Gedanken nicht länger nachsinnen wollte.
»Können wir uns nicht mal über ganz normale Dinge unterhalten? Das Wetter? Oder Gedichte?« Er seufzte und ließ sich ins Bett zurücksinken, die Augen immer noch auf mich gerichtet, doch sein Blick war sanft. »Ich werde dir sagen, worüber wir reden können: Wir können über dein Buch reden. Ich kann sofort anfangen, vorausgesetzt, du hast deine Hausaufgaben gemacht. Ich gehöre sozusagen ganz dir.«
»Und wie lange beabsichtigst du, mir ganz zu gehören?« Selbst das war bei David eine gefährliche Frage; die Klappe konnte jederzeit wieder fallen. Ich wartete, während sein Blick hin- und herwanderte. Auf mich; von mir weg; auf mich; wieder von mir weg.
»Einen Monat, sechs Wochen? Zwei Monate? Keine Ahnung. Je nachdem, wann die nächste Bombe hochgeht. Im wahrsten Sinn des Wortes. Ich bin dein Chauffeur, vergiß das nicht.«
»Hauptsache, du vergißt das nicht, Junge, denn gute Knipser gibt es wie Sand am Meer und gute Fahrer dazu. Also, wo bleibt das Sandwich, oder sind all deine Versprechungen nur heiße Luft?«
David schlug die Decke zurück, musterte mich von Kopf bis Fuß und kniff mich in die Taille. »Kommt sofort, Madam. Ich bin gespannt, ob du während der Schwangerschaft mit deiner Sklaventreiberei aufhörst. Falls du wirklich schwanger bist, heißt das.«
Das Kissen traf ihn voll am Kopf, noch bevor er aus dem Zimmer verschwinden konnte.
David kaufte mir ein Paar Ohrringe, die ihn siebzig Pfund kosteten. Er war ein großzügiger Mensch und hätte leicht das Zehnfache ausgegeben, hätte er soviel Geld besessen, was er nicht tat. Er gab sein Geld verschwenderisch und sorglos aus, soviel er verdiente, und sobald er es verdient hatte, und es war ihm völlig egal, wenn ihm das Geld ausging. Bei der Stunde im Studio handelte es sich in Wahrheit um drei Stunden, und da ich ihm das versprochene Dinner auf dem Land auf gar keinen Fall erlassen wollte, beschloß ich, meine Eltern in ihrer Wohnung am Sloane Square zu besuchen, solange er mit seinen Filmen beschäftigt war. Ganz bestimmt wollte ich nicht durch London wandern und mir Gedanken darüber machen, was ich mit einem Baby im Schlepptau anfinge. Tief in meiner Handtasche lag ein zweiter Test, der bis auf weiteres gerne dort bleiben konnte, aus meinen Augen, wenn auch nicht aus meinem Sinn.
Mein Vater war allein in der Wohnung. Er öffnete die Tür und breitete die Arme weit aus. »Mein Lieblingsmädchen! Meine Lieblingstochter!«
»Deine einzige Tochter, meinst du.«
»Elena, ich habe dir schon oft gesagt, du sollst nicht so pedantisch sein. Das ist eine höchst unvorteilhafte Eigenschaft, die du dir von dieser Geschichtslehrerin abgeschaut hast – wie hieß sie noch? Die mit dem orangefarbenen Haar?«
»Mrs. Heavens.«
»Genau. Eine charmante Frau.«
»Du fandest alle meine Lehrer charmant.«
»Nein; nur die Lehrerinnen. Von diesem Englischlehrer, der immer schwarze Pullover trug und Motorrad fuhr, habe ich eher wenig gehalten.«
»Mr. Fletcher? Das war der erste Mann, den ich absolut angehimmelt habe.«
»Er hat eindeutig seine Kompetenzen überschritten, indem er die jungen Mädchen in seiner Obhut bezauberte, und das noch dazu auf meine Kosten. Also, mein Schatz, wie wär’s mit etwas zum Anstoßen, wo du doch heute dein Wiegenfest begehst? Ich habe in weiser Voraussicht bereits eine Flasche in den Kühlschrank gelegt, obwohl wir vielleicht auf deine Mutter warten sollten, sie ist eben ins Kaufhaus gestürmt. Sie wird rasen vor Wut, wenn sie sieht, daß du vor ihrer Rückkehr gekommen bist. Sie war überzeugt, daß du vor Mittag ganz bestimmt nicht aus den Federn und vor dem frühen Abend nicht zu uns kommen würdest.«
»Manchmal überrasche ich sie ganz gern – das hält sie jung.«
»Ich bin froh darüber. Es ist mir ein besonderes Vergnügen, dich ganz für mich allein zu haben. Wenn deine liebe Mutter dabei ist, komme ich so gut wie gar nicht zu Wort.«
Es war ein alter Familienwitz der Stewarts, daß Mutter wie ein Wasserfall reden konnte, aber im Grunde sind wir allesamt vernarrt in den Klang unserer eigenen Stimme. Wir tranken ein Glas Sekt und unterhielten uns über Charlie, dessen Lebensweg mein Vater mit einer Mischung aus Stolz und Bestürzung verfolgte. Mit Stolz, weil Charlie bislang mühelos von einem Erfolg zum nächsten gesegelt war – von der Ernennung zum Captain der Cricket-Schulmannschaft zu einem Stipendium auf dem Worcester College, Oxford, und weiter zu einem zweifachen Abschluß summa cum laude und zwanzig Stellenangeboten – und mit Bestürzung, weil Charlie im Alter von neunundzwanzig immer noch nicht wußte, was er mit seinem Leben anfangen sollte, und sich von einem Abschluß zum nächsten hangelte, in der Hoffnung, dabei zufällig auf sein wahres Interessengebiet zu stoßen. Vor nicht allzu langer Zeit hatte er ein Diplom in Betriebswirtschaft gemacht und spielte seither mit der Idee, als Investmentbanker Karriere zu machen. Ich erzählte meinem Vater von dieser neuen Wendung der Ereignisse, doch der blieb skeptisch. »Ach, ich zweifle keine Sekunde daran, daß man Charles eine Stelle anbieten, sondern nur daran, daß er sie nehmen wird. Man hat ihm schon so vieles angeboten, und alles hat ihn kaltgelassen. Nein, ich wage zu prophezeien, daß er deiner Mutter und mir noch lange Jahre auf der Tasche liegen wird.«
»Dreh ihm einfach den Hahn ab, Dad, dann bleibt mehr für mich.«
»Mein liebes Kind, jedesmal, wenn deine Mutter mit dem Portemonnaie in der Hand das Haus verläßt, dezimiert sich dein potentielles Erbe. Ich hoffe, du erwartest keinen Treuhandfonds.«
»Ich hab’ Charlie erklärt, daß er bei mir nur noch übernachten darf, wenn er was beisteuert.«
»Sehr vernünftig. Aber während du und ich eisern zu unseren Entschlüssen stehen, ist deine Mutter Wachs in seinen Händen. Sie himmelt den Jungen an. Deine Mutter –«
Sie trat ins Wohnzimmer, beide Arme voller Einkaufstüten, Empörung im Gesicht. Sie war Anfang siebzig und sah zwanzig Jahre jünger aus.
»Elena! Was machst du denn hier?« verkündete sie vorwurfsvoll. »Wo ist David? Du solltest gar nicht hier sein. Ben, ihr hättet wenigstens auf mich warten können, bevor ihr mit dem Feiern anfangt.«
»Möchtest du ihr nicht zum Geburtstag gratulieren, meine Liebe?« tadelte mein Vater sie milde, und Mutter flog durch das Zimmer, um mich an ihre Brust zu drücken.
»Alles, alles Gute zum Geburtstag, mein kleines Mädchen. Ben, schenk mir ein Glas von dem ein, was ihr da trinkt. Ich gebe Elena währenddessen ihre Geschenke. Schätzchen, wahrscheinlich wirst du sie sofort wieder einpacken und in den Laden zurücktragen wollen, deshalb habe ich alle Kassenzettel und Preisschilder drangelassen – aber ich habe eine umwerfende Bluse gefunden, die dir ganz bestimmt gefallen wird, obwohl ich sie ausgesucht habe.« Meine Mutter bückte sich über ihre Einkaufstaschen und fing an, mit Einpackpapier und Kleidungsstücken um sich zu werfen. »Sag bloß, ich hab’ sie an der Kasse liegenlassen? Manchmal glaube ich ernsthaft, ich werde senil, Liebling, was meinst du? – und ich meine nicht dich, Ben, du kannst dir also deine sarkastischen Bemerkungen schenken, ich weiß genau, was du sagen wirst, und danke, ich will es gar nicht hören …« Über ihren gebeugten Rücken hinweg sah ich meinen Vater an. Er verdrehte die Augen und beschrieb mit einem Zeigefinger einen Kreis in der Luft.
»Ma –«
