Das Einzige, was stört, ist der digitale Kunde - Edgar K. Geffroy - E-Book

Das Einzige, was stört, ist der digitale Kunde E-Book

Edgar K. Geffroy

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Beschreibung

**Hilfe, der Kunde schickt eine E-Mail!** Während immer mehr Menschen das Internet zur Information und zum Kauf nutzen, sind in vielen Unternehmen die Vertriebs-, Service- und Verkaufsabteilungen immer noch im "Offline-Denken" verhaftet. Diese Unternehmen verpassen die Veränderung ihrer Kundenwelt und laufen Gefahr, den Kontakt zu ihren Käufern und Klienten zu verlieren. Die Orientierung am digitalen Kunden erfordert es, die Kommunikation neu zu gestalten: Die gesamte Kundenorientierung muss internetfähig werden. Um sich diese neue Gruppe optimal zu erschließen, ist es unerlässlich, dass ein neues Denken und neue Prozesse im gesamten Unternehmen Einzug halten. Edgar K. Geffroy hat dazu ein "Update" seines bekannten Erfolgskonzepts des Clienting vorgenommen - und zeigt, dass das neue Online-Clienting der richtige Schlüssel zum digitalen Kunden ist.

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Seitenzahl: 228

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.  

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]  

2. Auflage 2013

© 2011 by Redline Verlag, FinanzBuch Verlag GmbH, München,

Nymphenburger Straße 86 D-80636 München Tel.: 089 651285-0 Fax: 089 652096  

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.  

Satz: HJR, Manfred Zech, Landsberg am Lech

Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

Printed in Germany

ISBN ePub: 978-3-86414-209-3

Weitere Infos zum Thema

www.redline-verlag.de

Inhaltsverzeichnis
Das Einzige, was stört, ist der digitale Kunde
Vorwort
Der Tag, an dem bei Zabels Filmverleih das Licht ausging
Revolution: Warum jeder verstehen muss, was sich technisch ändert
Rahmen: Wie sich die Bedingungen für Ihr Business verändern
Realität: Wie sich Ihr Geschäftsmodell ändert
Rundherum: Warum sich dem Evernet kein Kunde entziehen will
Risiko: Warum sich dem Evernet kein Unternehmen entziehen kann
Reset: Ihre große Chance!
Der Tag, als Sybille Becker ein Licht aufging
Danksagung
Über den Autor
Links

Vorwort

Was passiert gerade mit mir? Und was passiert gerade um mich herum?

Es ist geschafft: Das Buch ist fertig geschrieben. Fehlt nur noch das Vorwort. Es eilt. Wie immer. Da mein nächster Termin erst um elf Uhr beginnt, habe ich jetzt Zeit, mir dazu Gedanken zu machen. Ich suche mir ein Café in der Nähe des Treffpunktes, schalte das iPad an und lege los. Noch eben meine wichtigsten Mails checken, ein Buch bei Amazon bestellen und online den Leihwagen für den nächsten Urlaub reservieren. Zeitgleich kommen über Facebook und Xing einige Direktnachrichten rein, die Wichtigsten beantworte ich noch schnell. Ort: irgendwo in Düsseldorf.

Zustand: normal. Die Business-Welt hat ihre neue Revolution. Ich nenne es Evernet. Das mobile Internet. Meine Rechtschreibprüfung markiert Evernet noch mit Rot. Ein gutes Zeichen. Denn es bedeutet, dass es noch nicht normal ist. Die besten Gelegenheiten ergeben sich dann, wenn man die Grundregeln ändert. Das Business wird durch diese Entwicklungen noch einmal eine neue Gründerzeit erleben. Für alle.

Das Internet hatte mich bereits fasziniert, als die meisten Menschen mit dem Kürzelwwwnoch nichts anfangen konnten. In der New Economy Ära besaß ich bereits eine Online-Akademie und habe Webinare gegeben. Damals wusste noch keiner, was das ist und zugegeben: Die Technik hat oft noch nicht mitgespielt, da einfach nicht genügend Bandbreite vorhanden war.

Als ich vor Kurzem einen Vortrag in Berlin hielt, kam ein Telekom-Manager zu mir und sagte: »Herr Geffroy, Sie haben vor 5 Jahren gesagt, das Internet ändere alles. Ich habe Ihnen nicht geglaubt. Jetzt bestimmt das Internet meinen Job-Alltag. Das wollte ich Ihnen nur mal sagen.«Das erlebe ich zurzeit häufig. Vorträge mit meinem neuen Thema»Der Triumph des digitalen Kunden«sind überbucht. Die positive Resonanz überrascht selbst mich in ihrer Deutlichkeit. Da viele Teilnehmer mich kennen, ist die Erwartungshaltung extrem hoch. So geschehen vor einigen Tagen beim SchmidtColleg in Bayreuth. Wenn ich allerdings nach meinem Vortrag die Bestätigung erhalte: »So habe ich das bisher nicht gesehen. Sie haben mir die Augen geöffnet. Ich habe plötzlich völlig neue Perspektiven«, dann ist mein Ziel erreicht. Genaudasist meine Absicht! Ich möchte Menschen zu neuen Geschäftsideen inspirieren.

Ich habe bereits einmal etwas Vergleichbares erlebt: Anfang der 90er Jahre stellte ich das Marketing infrage und forderte mit meinen Clienting-Thesen eine konzentrierte Ausrichtung aller Unternehmensaktivitäten am Kunden. Das war der Zeitpunkt, als die ganze Welt entdeckte, dass wir ganz anders mit Kunden umgehen müssen. Jetzt kommt es mir gerade vor wie ein Déjà-vu. Wieder bin ich überzeugt, einen neuen Trend erkannt zu haben. Damit meine ich nicht Social Media. Das ist nur ein Teil des Ganzen.

Mir wurde vor einiger Zeit bewusst, dass hier eine gigantische Revolution stattfindet, an deren Ende kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Das Evernet, und damit der digitale Kunde, werden die Unternehmen in ihren Grundfesten erschüttern. Die Macht verschiebt sich! Die Guten werden die neuen Marktführer sein. Neue Pioniere werden geboren, die heute selber noch nicht wissen, dass sie es sind. Es ist eine neue Gründerzeit durch das Internet angebrochen. Für alle!

Machen Sie es sich einfach. Seien Sie ganz vorne mit dabei! Jeder kann jetzt sein Geschäft noch einmal völlig neu erfinden. Warten Sie nicht ab, sondern legen Sie los. Nehmen Sie dieses Buch einfach in zehn Jahren noch einmal in die Hand. Ich hoffe, dass dann Ihr Geschäftserfolg auf den Thesen dieses Buches basiert. Und Sie ganz oben sind.

Oder lassen Sie es mich so sagen: Glauben Sie mir einfach. Das hat schon ein paarmal geklappt.

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen viel Erfolg. Ihr Erfolg ist mein Ziel. Melden Sie sich, wenn Sie Fragen haben. Und empfehlen Sie mich weiter.

Vielen Dank für Ihr Interesse

Ihr

Edgar K. Geffroy

www.geffroy.de

Der Tag, an dem bei Zabels Filmverleih das Licht ausging

Es dämmert. Helmut Zabel sitzt hinter seiner Theke auf dem Barhocker, wie schon so viele Stunden an ungezählten Tagen. Hinter ihm hängt ein großes Plakat an der Wand. Vor einem leuchtend orange-gelben Hintergrund läuft George Clooney los, um die Welt zu retten. Daneben versprechen blauköpfige Avatare und computeranimierte Clownfische beste Bildschirmunterhaltung. Vor dem mittelgroßen Mann mit hohem Haaransatz und dünnem Zopf liegt ein Stapel DVD-Hüllen. Gedankenlos schiebt er die Filme von einer Seite des Verkaufstresen auf die andere.

Helmut Zabel erinnert sich an den Start seiner Videothek, die er Anfang der 80er in dem Vorort von Köln eröffnete. Ein kleiner Verkaufsraum mit hohen Regalen, in denen Filmhighlights wie »Krieg der Sterne«, »Der Pate«, »Zurück in die Zukunft« als Videokassetten parat lagen. Zunächst waren Video 2000 und Beta gängige Formate, doch bald schon setzte sich VHS durch. Die begehrtesten Filme gab es in mehrfacher Ausführung – und dennoch waren sie am Wochenende regelmäßig vergriffen. Doch die Kunden, die im Laden mit langem Gesicht vor dem nicht mehr verfügbaren Titel standen, fanden beim Stöbern fast immer eine Alternative, die sie glücklich machte. Die Cleveren reservierten die Filme langfristig für ihren Wunschtermin. Ein Service, der sehr gern in Anspruch genommen wurde – und nur durch unzuverlässige Zurückbringer torpediert werden konnte. Doch Helmut Zabel hatte einen engen Kontakt zu seinen Kunden. Er erinnert sich, wie ein Junge 1986 mit Tränen in den Augen vor ihm stand, weil seine Eltern für ihn »Rocky IV« fürs Wochenende reserviert hatten – aber der Vorkunde brachte den Film am Samstag nicht zurück.

Zum Glück und aus weiser Voraussicht hatte Helmut Zabel die Telefonnummern seiner Kunden in einem roten Aktenordner notiert, er erreichte den säumigen Ausleiher – und der Junge konnte seinen Film nachmittags doch noch abholen. In weiteren Aktenordnern hatte Zabel seinen Filmbestand katalogisiert. Wer unentschlossen war, konnte darin herumblättern und sich einen Film aussuchen.

Kam der Kunde dann, hoffte er insgeheim, an eine Kassette von guter Qualität zu geraten. Zwar kontrollierte Zabel beim Zurückgeben der Filme immer, ob auch ordnungsgemäß zurückgespult worden war. Wenn das nicht der Fall war, hatte der Kunde mit einem Aufpreis zu rechnen. Jedoch gelang es dem Videotheken-Besitzer nicht jedes Mal, die Filme nach Rückgabe durchzusehen, und so kam es schon einmal vor, dass Filme »leierten« oder sonstige Qualitätsmängel aufwiesen.

Zunächst waren die Preise mit rund zehn D-Mark pro Verleihtag noch recht saftig, doch boomte das Entleihgeschäft mit den Filmen derart, dass Zabel und seine Kollegen nicht über Kundenmangel klagen konnten. Die topaktuellen Filme waren so nachgefragt, dass sie zum Teil Wochen im Voraus bestellt werden mussten. Und da nicht jeder Haushalt über die entsprechenden Abspielgeräte verfügte, hatte Helmut Zabel auch bald einige Leihgeräte parat. Nicht selten stand die ganze Familie vor seinem Tresen und wartete mit leuchtenden Augen darauf, dass Vati die Gebrauchsanweisung mit Zabel durchging, bevor der das Videogerät in Empfang nahm und stolz ins Auto trug.

Helmut Zabel nutzte die gesetzlich möglichen Öffnungszeiten in vollem Umfang, er stellte Mitarbeiter ein, die ihm unter die Arme griffen und am Verkaufstresen vertraten. Er mietete einen benachbarten Verkaufsraum dazu und erweiterte sein Filmangebot ständig. Helmut Zabel hatte den Anspruch, dass er alles, was es auf dem deutschen Videomarkt gab, auch parat halten wollte.

Mehr als Filme

Neben den Filmhighlights konnten sich die Kunden in Zabels Videothek mit dem nötigsten Accessoires für einen zünftigen Videoabend versorgen. Es gab Chips und Cola, Zigaretten und Bier. Popcorn war im Angebot, Weingummis und in unregelmäßigen Abständen Rot- und Weißwein zu Sonderpreisen oder eine Auswahl an Schokoladentafeln – je nachdem, was Helmut Zabel im Großmarkt in die Finger fiel. Seine Kunden schätzten das Überraschungsmoment in seinem Laden ebenso wie die fixen Größen. Dazu nutzte er die zahlreichen Angebote der Filmverleihe, Neuerscheinungen mit Merchandisingprodukten zu ergänzen. Das Lichtschwert aus den »Star Wars«-Filmen konnten Fans bei Zabel ebenso erhalten wie Filmplakate und T-Shirts mit Aufdrucken von Stars oder Filmtiteln.

Doch Helmut Zabel pflegte seinen Kundenstamm darüber hinaus. Mit Angeboten wie »3 Filme, 3 Tage, 10 DM« sicherte er sich Stammkunden und machte Neukunden auf sich aufmerksam. Es machte ihm Freude, eigene Filmempfehlungen abzugeben, wenn er danach gefragt wurde. Die Kunden konnten sich darauf verlassen, dass er immer die neuesten Infos aus Hollywood & Co. parat hatte und sein Insiderwissen gern mit ihnen teilte. Filmzeitschriften waren rar und teuer und wurden auch im Zabel’schen Filmverleih angeboten. Helmut Zabel war es eine Selbstverständlichkeit, dass er immer auf dem neuesten Stand war und Filme nicht nur als Produkt betrachtete, das seine Einkünfte sichern sollte, sondern als Leidenschaft, die er mit seinen Kunden teilte.

Ende der 80er, Anfang der 90er änderte Helmut Zabel die Angebote in seiner Videothek: Nun gab es Filme für 1, 3, 6 und 9 D-Mark, Verleihzeit immer für drei Kalendertage. Da konnte der Genuss von Kultfilmen wie mit dem Tarantino-Streifen »Pulp Fiction« von 1994 ganz entspannt übers Wochenende gestreckt werden. Mittlerweile war die DVD ein gängiges Medium, die es zunächst parallel zu den VHS-Kassetten gab. Doch schließlich verschwanden die Videoformate aus den Regalen, die DVD verdrängte alles andere. Der letzte Hollywood-Film, der auf VHS erschien, war »A History of Violence« im Jahr 2006.

Doch schon deutlich früher verabschiedete sich Helmut Zabel von dieser Technik. Zunächst tauschte er seine Video-Leihrekorder gegen DVD-Player aus. So hatten Kunden immer noch die Möglichkeit, ein Film-»Gesamtpaket« bei ihm zu bekommen. Doch nach und nach verfügte nahezu jeder Haushalt über eigene Abspielmöglichkeiten. DVD-Player wurden immer billiger, Computer hielten verstärkt Einzug in die privaten Wohnzimmer. Für Zabel rechnete sich das Geschäft mit den Playern nicht mehr und er stellte den Geräteverleih ein.

Mit Rabattsystemen wie »Einen Film im Monat gratis leihen« und seinem großen Filmangebot für Jugendliche und Erwachsene hielt er seine Stammkundschaft weiter bei der Stange – doch es ließ sich nicht wegdeuten: Mit dem Aufkommen der DVD und ihrer wachsenden Verbreitung Ende der 90er gingen die Kundenbesuche in seiner Videothek deutlich zurück.

Flashback

Er erinnert sich an eine junge Frau, deren Eltern schon zu seinen Kunden gehörten. Sie erzählte: »Das war immer so spannend, vor Ihrer Videothek im Auto zu warten, wenn die Eltern im Laden einen Film aussuchten!« Die Scheiben der Videothek waren komplett bis zur Decke zugeklebt und sie habe immer mit Ehrfurcht darauf gestarrt und sich aufgeregt gefragt, was die Eltern wohl mitbringen. Doch die junge Frau kam immer seltener zu ihm. Und immer häufiger erzählte sie, dass ein Freund ihr einen Film »kopiert« habe und sie ihn so umsonst sehen konnte. »Flashback« zum Beispiel, eine Actionkomödie mit Dennis Hopper und Kiefer Sutherland. Dennis Hopper, einmal nicht als Exzentriker oder Psychopath. Wie in »Speed« von 1994, der auch Sandra Bullock als Busfahrerin weltberühmt machte. Mit Vollgas durch L.A. Das war die Zeit, als auch Zabel noch Vollgas gegeben hat.

Helmut Zabel öffnete seine Videothek nun rund um die Uhr. Er warb immer noch damit, alle Filmneuheiten sofort nach Erscheinen anbieten zu können. Dazu versprach er fundierte Filmberatung durch die Mitarbeiter. Doch mit zurückgehender Kundenzahl wurde es immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu bekommen und zu halten. Und so saß Helmut Zabel immer häufiger wieder selbst hinter dem Tresen. Doch immer seltener läutete das Telefon, immer seltener erklang der Türgong. Irgendwann zwangen ihn die schlechten Umsatzzahlen, den zweiten Verkaufsraum wieder abzugeben. Er hatte von den meisten Filmen nur noch sehr wenige Exemplare vorrätig, dennoch waren Vorbestellungen immer seltener notwendig. Und parallel dazu hörte er immer öfter von Menschen, die Filme schon gesehen hatten, bevor sie bei ihm im Verleih waren. Irgendwann hatte er auch seinen letzten Mitarbeiter entlassen müssen. Ein Jugendlicher, dem sowieso egal war, was er machen sollte. Filme interessierten ihn ebenso wenig wie alles andere. Er brauchte nur Geld, um am Wochenende zu »chillen«. Oder mit Freunden am Computer zu spielen. Oder online Filme zu schauen.

Helmut allein zu Haus

Jetzt sitzt Helmut Zabel vor den leeren Regalen. Einzig die Filmplakate zeugen noch von seinem ehemals so erfolgversprechenden Geschäftsmodell, alles andere ist in Kisten verpackt. Die Süßigkeitenständer sind leer und werden morgen von einem Tankstellenbesitzer abgeholt. Der holt gratis ab, und so muss Zabel nichts fürs Recyling bezahlen. Das war alles, was ihm dafür angeboten wurde. Gratis abholen.

Die hohen Regale für seine Verleihfilme sind ausgeräumt. Er erinnert sich daran, dass er die Spezialmöbel extra anfertigen ließ, in Zeiten, als die Kurve steil aufwärts zu zeigen schien. Viel Geld hat er damals dafür bezahlt. Die Filme gehen an den Filmverleih zurück, einige sind verkauft oder verschenkt. Die teuren Regale bleiben mit ungewisser Zukunft in den Räumen zurück. Am Wochenende wird der Vermieter die Handwerker beauftragen, um mit Renovierungsarbeiten zu beginnen. Obwohl es, wie Helmut Zabel vermutet, noch gar keinen Nachmieter gibt für das Geschäft. In der Straße stehen schon zwei ehemalige Einzelhandelsläden leer, der Trend geht in die großen Einkaufszentren der Städte, da werden die Kleinbetriebe überflüssig.

Zabel steht auf und geht noch einmal durch die Regalreihen. Er lässt die Filmcover Revue passieren. Erinnert sich an »Taxi Driver«, »Apocalypse Now« und »Einer flog über das Kuckucksnest« in den 70ern. In den 80ern folgten Höhepunkte wie »Star Wars«, »Amadeus« und »Highlander«. Nicht zu vergessen »Die unendliche Geschichte«: In Zabels heiligen Hallen gab es sogar einen Drachen Fuchur, der eine ganz blank gescheuerte Nase hatte, von all den Kinderhänden, die ihn unbedingt berühren wollten.

»Jenseits von Afrika« erhöhte die Frauenquote in seiner Videothek. Die Männer zogen in den 90ern mit »Der mit dem Wolf tanzt« nach. »Night on Earth«, »American Beauty« und der unvergessliche Streifen »Pulp Fiction« sind ihm noch bestens in Erinnerung. Dann in jüngerer Vergangenheit lagen harte Filme im Trend wie »No Country for Old Men« oder »Million Dollar Baby«. Clint Eastwood bescherte Zabel mit seinen »Dirty Harry«-Filmen schon in den 70ern gute Umsätze, nun steht er mittlerweile auch hinter der Kamera und sorgt immer noch für Furore. »Warum hab ich das nicht geschafft?«, fragt sich der erschöpfte Ex-Videotheken-Betreiber. Er seufzt und geht zum Sicherungskasten. Er kippt einen Schalter nach dem anderen nach unten und geht zur Tür, an der noch immer die Plakate hängen, die die Neueingänge anpreisen. Das Licht ist aus, er zieht die Tür hinter sich zu und geht nach Hause.

Im Kühlschrank findet sich noch eine Flasche Bier. Das Einzige, was den Abend jetzt noch erträglich gestalten kann, ist ein guter Film, denkt er sich. Doch in seinem Abschiedskummer und Abwicklungsstress hat er nicht daran gedacht, sich seine Lieblingsstreifen zu sichern: Die befinden sich mit allen anderen in den Umzugskisten im Laden.

Doch Zabel ist viel zu matt, um noch einmal zurückzukehren. Er fährt seinen Computer hoch und googelt in einer der zahlreichen Online-Videotheken nach dem Film »Titanic«. Bezahlt wird bequem per Kreditkarte: Ein Klick, und der Film beginnt zu laden. Bis Helmut Zabel seine Tiefkühlpizza im Ofen zubereitet hat, ist der Download vollendet. Ein Klick auf Play, und der Film, startet. Und transportiert Helmut Zabel in eine andere Welt ....

Revolution: Warum jeder verstehen muss, was sich technisch ändert

Vor einigen Wochen wollte ich mit meiner Familie zu unserem Lieblings-Thai-Restaurant in Düsseldorf gehen. »Gehen wir wieder dahin, wo man sich die Schuhe ausziehen darf?« fragte meine 6-jährige Tochter und war schon ganz aufgeregt. Auch die Kinder mögen das Restaurant sehr, weil sie von den Inhabern immer so herzlich aufgenommen werden, weil sie den Duft der Gewürze lieben und den Springbrunnen in der Mitte des Raumes. Wir fuhren also in die Stadt, parkten vor dem Restaurantgebäude und glaubten unseren Augen nicht zu trauen: Der Laden war geschlossen. Wir wussten, dass die Besitzer in ihrer Winterpause nach Thailand zu ihrer Familie gefahren sind – aber offenbar waren sie nicht aus ihrem Heimaturlaub zurückgekehrt.

Meine Kinder waren sehr enttäuscht, und die Kleine war den Tränen nah. Was also tun? Nun, wir sind in der digitalen Welt angekommen, also zückte ich mein iPhone. Ich klickte mich ins Internet und ließ mir über eine Suchmaschine alle Thai-Restaurants der näheren Umgebung anzeigen. Über eine weitere Internetseite, auf der Online-Nutzer die Restaurants bewerten, sah ich mir die Bewertungen an. Wir entschieden uns für das am besten bewertete, das auch noch in der Nähe lag – und keine Viertelstunde später hatten wir unseren neuen Lieblings-Thai gefunden. Meine Kinder waren hochzufrieden, und für sie war ich der Held des Abends.

Der eigentliche Held der Geschichte ist jedoch mein iPhone und die Möglichkeit, dass ich mich von jedem beliebigen Ort aus ins Internet begeben kann. Früher wären wir wieder nach Hause gegangen, wenn wir bei unserem Lieblings-Thai vor geschlossenen Türen gestanden hätten. Oder wir wären in einer gähnend leeren Kaschemme an der nächsten Ecke gelandet. Heute haben wir dank des mobilen Internets die Gelegenheit, uns nach genau passenden Alternativen umzuschauen – auch ohne erst den heimischen Computer hochfahren zu müssen.

Von der Idee, dass man stationäre Geräte benötigt, um die Weiten des Internets zu nutzen, können Sie sich verabschieden. Mobilität ist das neue Schlagwort, wenn es um Kaufentscheidungen von Kunden geht. Sie nutzen das Internet von jedem beliebigen Ort aus, um sich vor dem Kauf ausführlich zu informieren. Erst dann treffen sie ihre Wahl, bei wem und zu welchem Preis sie ein bestimmtes Produkt kaufen wollen. Voraussetzung für diese steigende Mobilität der Gesellschaft sind technische Entwicklungen, die das Internet immer schneller und an immer mehr Orten verfügbar machen. Unsere Smartphones sind nur eine davon.

Tempo, Tempo, Tempo!

Falls Sie Gordon Earle Moore nicht kennen: Der amerikanische Chemiker und Physiker ist Mitgründer der IT-Firma Intel, dem heute weltweit größten Halbleiterhersteller mit Hauptsitz in Kalifornien. Der mittlerweile 82-jährige schrieb im April 1965 einen Artikel für die Zeitschrift »Electronics«. Darin stellte er fest, dass sich die Anzahl der elektronischen Bauteile in einer integrierten Schaltung auf einem Computerchip in den vorhergehenden Jahren rund alle zwölf Monate verdoppelt hatte – sprich: Computer wurden in ihrer Rechnerleistung jedes Jahr um das Doppelte schneller. Zehn Jahre später änderte er seine Aussage und sprach von einer Verdoppelung alle zwei Jahre. Moores Intel-Kollege David House korrigierte die Rechnung wiederum und schätzte die Zeit der Verdoppelung auf 18 Monate.

Dieser Zeitraum ist heute die am meisten verbreitete Variante des Mooreschen Gesetzes, benannt nach Gordon Earle Moore, dem man in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts vorgeworfen hat, Science-Fiction zu beschreiben. An ihr macht die Halbleiterindustrie ihre Entwicklungspläne auf mehrere Jahre hinaus fest. Auf die genauen Zeitabstände kommt es dabei gar nicht an, denn das Mooresche Gesetz ist kein wissenschaftliches Gesetz, sondern eine Faustregel: Ob 12, 18 oder 24 Monate, fest steht, dass die digitale Entwicklung und damit die Schnelligkeit der Computerleistungen nicht mehr aufzuhalten ist.

Kritiker haben immer wieder vermutet, dass unüberwindbare technische Hindernisse irgendwann das Ende der Mooreschen Faustregel bedeuten würden. Doch die Industrie hat bislang alle prognostizierten Hürden überwunden. Es ist schließlich auch im Sinne der Unternehmen, dass sie immer bessere und schnellere Mikrochips entwickeln, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Dem Nutzer kann eine solche Entwicklung nur recht sein: Je schneller ein Mikrochip, umso mehr Möglichkeiten bieten sich für die mobile Datenübertragung. Ohne schnelle Internetverbindungen wären zum Beispiel Applications, genannt Apps, undenkbar – also die kleinen Softwareanwendungen, die man sich auf Smartphones herunterladen kann und die zahlreiche Funktionen haben: Sie stellen aktuelle Informationen bereit, wie zum Beispiel Daten zur Börse, zum Wetter oder Einträge in ein Lexikon; sie helfen beim Komponieren, sie erkennen Musikstücke oder dienen als Instrumente; sie bieten Online-Spiele, Aufnahmefunktionen, Streckenprofile für die Radtour und, und, und ... Täglich erfinden die App-Entwickler neue Anwendungen. Und sie reagieren auf die Bedarfe der User immer schneller. So standen bereits 14 Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Japan vom 11. März 2011, in dessen Folge sich einer der schwersten Atomunfälle der Menschheitsgeschichte ereignete, bereits zwei sogenannte AKW-Finder im Apple-Store zum download bereit. Weitere folgten innerhalb der nächsten Tage. Durch das eingebaute GPS und den entsprechenden Kompass im iPhone zeigt dieses kleine Hilfsprogramm seinem Besitzer stets an, wie weit er von welchem Atomkraftwerk gerade entfernt ist.

Weit über 350.000 Apps sind mittlerweile allein für das bekannte iPhone von Apple verfügbar. Schnelligkeit ist aber auch für videobasierte Kommunikation nötig sowie für die Übertragung von Bildern und Tönen. Und je schneller die Datenströme werden, umso mehr Anwendungsmöglichkeiten für das Internet werden die Menschen finden.

Das Internet von überall

Gerade Präsentationen werden gerne auf den letzten Drücker fertig. Also ist es sehr gut, dass ich ein Nachtmensch bin. Komme ich beispielsweise um 23 Uhr ins Hotel, gehe ich aufs Zimmer, klappe mein Laptop auf, logge mich ins WiFi-Netz ein und sichte die Lieferung meines Spezialisten für die Präsentationen. Schön vorbereitet auf Keynote, dem Apple-Pendant zu Powerpoint von Microsoft: Aber eine oder zwei Änderungswünsche habe ich natürlich doch noch, trotz der späten Stunde.

Also beame ich meinen Mitarbeiter über Skype an, inzwischen hat ja jedes Notebook eine integrierte Kamera. Wir unterhalten uns über die letzten Änderungen und führen ein ganz normales Gespräch. Für uns inzwischen ganz normal. Der Freelancer ist ebenfalls ein nachtaktiver Geselle und ein Mann – wie Sie sich vielleicht denken können. Denn da besteht noch ein Unterschied. Frauen überlegen immer, wie sie aussehen und vor der Kamera wirken, weshalb sie sich weniger gern zu Videokonferenzen einfinden. Aber auch das wird sich geben, genau wie die Skype-Konferenzen immer selbstverständlicher werden. Ob 2er oder 6er Konferenzen, kein Problem, solange ein Netz da ist.

Jeder zweite Coffee-Shop bietet diese Möglichkeit und jedes Hotel. Zumindest jedes Hotel für Geschäftsreisende, denn sonst würde da keiner mehr einchecken. Wie unvorstellbar und geschäftsschädigend wäre es, wenn ich während meiner Reisen keinen Zugriff auf Daten und Adressdateien hätte? Und nicht mit meinen Leuten sprechen könnte? Die Konferenz ist inzwischen unabhängig von Ort und Zeit. Ob mein Geschäftspartner in Überlingen, in Singapur oder New York sitzt, ich kann schnell und kostengünstig Kontakt mit ihm aufnehmen. Ich kann Fragen sofort beantworten und Dinge nachprüfen. Hat er recht mit der Behauptung, dass iPad 2 »Facetime« integriert hat? Ja, das Videokonferenzsystem ist nicht nur beim neuen iPhone installiert, sondern auch beim neuen iPad. Auch das wird die Videokonferenzen immer einfacher und häufiger werden lassen.

Es kommt heute nicht mehr darauf an, wo Sie sich gerade befinden. Der Zugang zu Informationen ist von überall her möglich.

Kunden und potenzielle Käufer können sich jedoch nur über diejenigen Produkte informieren, die auch im Internet zu finden sind. Unternehmen und Produkte, die Sie online nicht finden, existieren quasi nicht mehr. Wenn Sie noch einmal an unseren Lieblings-Thai denken: Vielleicht hätte es in der Nähe noch ein anderes Thai-Restaurant gegeben? Wir wissen es nicht – weil das Internet es uns nicht gezeigt hat. Und damit ist es für uns nicht existent.

Die Menschen sind dank des Internets mobiler geworden. Es spielt keine Rolle mehr, wo Sie sich gerade befinden oder zu welcher Tageszeit Sie online etwas erledigen möchten: Das Internet schläft nicht. Und das Internet ist nicht mehr abhängig davon, wo Ihr PC angeschlossen ist. Heutzutage tragen immer mehr Menschen iPhones, iPads, Android-Geräte, Smartphones oder andere elektronische Geräte mit sich herum, mit denen sie jederzeit und überall online gehen können. Auch Einkäufe können zu jeder Zeit und an jedem Ort getätigt werden. Oder man kann sich Informationen über ein Produkt einholen.

Selbst wenn ich bereits im Supermarkt stehe, kann ich den Barcode der Ware fotografieren. Und über die Suchfunktion sofort feststellen, wo es das Produkt vielleicht gerade günstiger gibt. Das kann sich selbst bei kleinen Dingen lohnen. Beispielsweise schätzen wir sowohl zu Hause als auch in der Firma ein spezielles Markenwasser, klar und rein im Geschmack und ohne Kohlensäure. Wenn wir eine größere Menge ordern, kann das schon einmal ins Geld gehen. Also checke ich am Point of Sale nochmals, ob ich richtigliege, gerade hier und heute zu kaufen.

Oder ich kann einen unpässlichen Verkäufer umgehen, noch vor Ort. Es ist nicht zu glauben, aber gerade war ich bei Saturn, um ein Headset für mein iPhone zu kaufen. Und musste mit anhören, wie der verzweifelte Kerl mitten im Beziehungsgespräch war, er diskutierte mit seiner Freundin, ob es denn noch Sinn machen würde, zusammenzubleiben. Im Job! Mehrere potenzielle Käufer schauten, genau wie ich, peinlich berührt zu Boden. Ich habe beigedreht, bin eben auf Amazon gegangen, habe Bewertungen verglichen und das gewünschte Headset sogar noch 37 Prozent günstiger bestellt, als es im Elekronikmarkt angeboten war. Die drei Tage Lieferfrist nahm ich in diesem Fall gerne in Kauf.

Derselbe Elektronikmarkt soll übrigens mit seiner Internetstrategie nicht weiterkommen, weil die einzelnen Storeleiter blocken. Das ist, als würde man im Zeitalter der persönlichen Mobilität das Auto ignorieren. Im Zeitalter der digitalen Mobilität geht es nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie. Dies gilt auch für die Größten einer Branche. Schließlich war auch die Titanic nicht unsinkbar.

Im Hier und Jetzt

Ein anderes Beispiel aus dieser spannenden Welt: Notfall im Vorzimmer, ein Monitor hat seinen Geist aufgegeben. Auch der Ersatz wollte nicht anspringen und das Büro sollte unbedingt besetzt bleiben. Also ging der Chef, einer meiner Geschäftspartner, unlängst selbst los, um einen neuen Monitor für den Computer seiner Assistentin zu kaufen. Zügig hatte er sich im Internet über die Angebote informiert, die Testberichte und Empfehlungen von Nutzern gecheckt und sich für ein Modell entschieden. Er notierte den Markennamen und ging mit der konkreten Vorstellung zum Medienmarkt, um dort den gewählten Bildschirm zu kaufen.

Das Geschäft hatte das Gerät jedoch nicht vorrätig. Der Weg zurück ins Büro, um noch einmal den Computer nach Alternativen zu durchsuchen, wäre zu aufwendig gewesen – und im Fall des Kollegen war er auch gar nicht nötig. Er griff nach seinem Smartphone, stellte direkt im Geschäft eine Verbindung zum Internet her und recherchierte erneut, welche alternativen Monitore es gibt. Nach kurzer Zeit hatte er einen anderen vergleichbaren Monitor gefunden, der in den Bewertungen der Nutzer ebenfalls gut abgeschnitten hatte. Er fragte den Verkäufer, ob dieses Gerät vorrätig sei – und hatte Glück. Allerdings war diese zweite Variante beim Elekronikmarkt um einiges teurer als der ursprünglich vorgesehene Monitor.

Also zückte der Mann erneut sein Smartphone und suchte sich Internetseiten, auf denen die Preise von Produkten verglichen werden. Schnell hatte er einen akzeptablen Preis gefunden. Er zeigte dem Verkäufer den recherchierten Preis und fragte, ob er den Monitor für diesen Preis bekommen könne. Obwohl der beim Medienmarkt ausgezeichnete Preis um einiges höher lag, ließ sich der Verkäufer darauf ein. Gutgelaunt fuhr mein Kollege mit dem neu erstandenen Monitor zurück, um ihn direkt anzuschließen. Do it yourself. Seine Assistentin war glücklich und wieder auf dem Stand des Tages.