Das Erbe einer Großtante - Viola Maybach - E-Book

Das Erbe einer Großtante E-Book

Viola Maybach

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Beschreibung

Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an. Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt. Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen. Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert. »Was? Die alte Schachtel ist endlich gestorben?«, rief Georg Unterwanger, ein entfernter Verwandter von Otto Bernhard, dessen sechzigster Geburtstag heute gefeiert wurde. Georg liebte solche deftigen Aussprüche, er streute sie besonders gern vor Publikum sehr wirksam in seine Sätze ein. Seine Frau Marianne sah dann immer ganz peinlich berührt aus, sagte leise, wie auch jetzt: »Georg, bitte!«, und schloss dann, wenn er einfach weiterredete, kurz die Augen, als könnte sie sein Verhalten auf diese Weise ungeschehen machen. Otto Bernhards Tochter Luisa beobachtete Marianne mit stiller Neugier. Warum hielt sie sich nicht einfach die Ohren zu, wenn sie doch nichts mehr hören wollte? Da! Jetzt schloss sie die Augen, weil Georg natürlich weitermachte, nun erst recht, er hatte schließlich auch schon einiges getrunken. Mit dröhnender Stimme rief er: »Die war doch stinkreich, oder? Hat sie euch wenigstens ordentlich was hinterlassen? Ich meine, wie viele Männer hat sie gehabt? Vier oder fünf? Und einer reicher als der andere, da müssen ja ganz schön viele Millionen zusammengekommen sein!« Luisa begegnete dem Blick ihres Vaters. Otto zwinkerte ihr zu, er amüsierte sich über Georg, wie immer. Warum, hatte er Luisa und ihre Mutter einmal gefragt, sollte er sich über jemanden aufregen, den er sowieso nicht mehr ändern würde? Außerdem fand er, dass Georg, trotz seiner manchmal ordinären Sprüche, im Grunde ein guter Kerl war, wenn auch nicht ›die hellste Kerze auf der Torte‹. An Georg schieden sich die Geister, das war schon immer so gewesen.

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Seitenzahl: 116

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Der neue Dr. Laurin – 119 –Das Erbe einer Großtante

Unveröffentlichter Roman

Viola Maybach

»Was? Die alte Schachtel ist endlich gestorben?«, rief Georg Unterwanger, ein entfernter Verwandter von Otto Bernhard, dessen sechzigster Geburtstag heute gefeiert wurde.

Georg liebte solche deftigen Aussprüche, er streute sie besonders gern vor Publikum sehr wirksam in seine Sätze ein. Seine Frau Marianne sah dann immer ganz peinlich berührt aus, sagte leise, wie auch jetzt: »Georg, bitte!«, und schloss dann, wenn er einfach weiterredete, kurz die Augen, als könnte sie sein Verhalten auf diese Weise ungeschehen machen.

Otto Bernhards Tochter Luisa beobachtete Marianne mit stiller Neugier. Warum hielt sie sich nicht einfach die Ohren zu, wenn sie doch nichts mehr hören wollte? Da! Jetzt schloss sie die Augen, weil Georg natürlich weitermachte, nun erst recht, er hatte schließlich auch schon einiges getrunken. Mit dröhnender Stimme rief er: »Die war doch stinkreich, oder? Hat sie euch wenigstens ordentlich was hinterlassen? Ich meine, wie viele Männer hat sie gehabt? Vier oder fünf? Und einer reicher als der andere, da müssen ja ganz schön viele Millionen zusammengekommen sein!«

Luisa begegnete dem Blick ihres Vaters. Otto zwinkerte ihr zu, er amüsierte sich über Georg, wie immer. Warum, hatte er Luisa und ihre Mutter einmal gefragt, sollte er sich über jemanden aufregen, den er sowieso nicht mehr ändern würde? Außerdem fand er, dass Georg, trotz seiner manchmal ordinären Sprüche, im Grunde ein guter Kerl war, wenn auch nicht ›die hellste Kerze auf der Torte‹.

An Georg schieden sich die Geister, das war schon immer so gewesen. Otto hatte noch hinzugesetzt: »Der wäre gern ein wichtiger und erfolgreicher Mann geworden, aber das hat nicht geklappt, also macht er auf andere Weise auf sich aufmerksam. Das ist nicht immer geschmackvoll, aber meistens doch recht lustig.«

»Nur nicht, wenn er betrunken ist«, hatte Luisas Mutter Ilona eingewandt. »Dann er ist er schlicht und einfach unausstehlich.«

»Da hast du Recht, aber das ist er ja nicht so häufig. Außerdem sehen wir ihn höchstens vier Mal im Jahr, und da ich sonst nicht gerade viele Verwandte habe, halte ich den Kontakt aufrecht zum Sohn der Schwägerin meiner Großmutter – oder so ähnlich.«

Sie hatten gelacht. Das Verwandtschaftsverhältnis zwischen Otto und Georg war tatsächlich so kompliziert, dass Luisa es sich bis heute nicht merken konnte.

Sie ließ ihren Blick weiterwandern, weg von Georg und der peinlich berührten Marianne zu den Freunden, Bekannten und Nachbarn ihrer Eltern, die sich eingefunden hatten, um mit ihrem Vater diesen runden Geburtstag zu feiern. Es war, für einen solchen Anlass, eine eher kleine Runde, weil ihre Eltern große Feiern nicht mochten.

Sie hatten in ihr Haus eingeladen, sich das Essen liefern lassen, damit sie sich ganz ihren Gästen widmen konnten, und so war es ein schönes, harmonisches Fest.

»Luisa?«

Sie sah auf, neben ihr stand Marianne und lächelte schüchtern. »Lenk mich ab«, bat sie mit leiser Stimme, »Georg macht mich wieder einmal völlig verrückt.«

Luisa lachte. Sie mochte Marianne gern, vielleicht gerade, weil sie immer so verschämt war, wenn sich ihr Mann in ihren Augen danebenbenahm. Sie hatte sich schon manchmal versucht, vorzustellen, wie sie damit umgehen würde, wenn sie einen Mann wie Georg hätte. Aber es war ihr unmöglich, diese Frage zu beantworten, denn es war ja so: Auf gar keinen Fall würde sie jemals einen Mann wie Georg haben. Sie mochte Georg gern, wie ihr Vater, aber sie hätte mit jemandem wie ihm niemals zusammenleben können.

»Vielleicht«, sagte sie, »solltest du einfach anders damit umgehen. Du schämst dich jedes Mal, wenn er so laut wird, und du wünschst dich meilenweit weg. Aber er wird sich ja nicht mehr ändern, also ist es nur Kraftverschwendung, wenn du dich aufregst.« Sie zitierte, mehr oder weniger, ihren Vater, aber das konnte Marianne ja nicht wissen.

Marianne sah sie so verblüfft an, dass Luisa fragte: »Was ist? Findest du es ungehörig, dass ich so rede?«

»Nein, nein, im Gegenteil, ich finde es sehr klug. Wieso habe ich selbst noch nie so darüber nachgedacht?«

»Weil du damit beschäftigt warst, dich über Georg aufzuregen?«

Sie lachten beide, und wieder einmal dachte Luisa, dass Marianne richtig hübsch aussah, wenn sie so gelöst wirkte. Sie war Anfang fünfzig, ein wenig mollig, was gut zu ihr passte. Sie hatte sehr schöne dunkelblonde Haare, in denen sich erst einzelne silberne Fäden zeigten, und große blaue, immer ein wenig erstaunt in die Welt blickende Augen. Neben ihr sah Georg, auch das dachte Luisa nicht zum ersten Mal, ziemlich alt aus, dabei war er sogar ein Jahr jünger als Marianne.

»Du siehst toll aus in dem grünen Kleid«, sagte sie.

Marianne errötete vor Freude. »Das hat Georg auch gesagt«, gestand sie.

Als sie zu ihrem Mann zurückkehrte, sah Luisa ihr nachdenklich hinterher. Marianne fand das Benehmen ihres Mannes manchmal schrecklich, aber es gab keinen Zweifel daran, dass die beiden sich immer noch liebten.

Jemand drängelte sich durch die kleinen Gruppen, die überall im weiträumigen Wohnzimmer ihrer Eltern saßen und standen, zu Luisa durch.

»Niko!«, rief sie erfreut, sprang auf und fiel ihm um den Hals. Niko Wellendorf hatte früher in der Nachbarschaft gewohnt, er war ein Jahr älter als sie und so etwas wie ihr selbsternannter Beschützer gewesen. Sie hatte sich immer einen großen Bruder wie ihn gewünscht, er hatte diese Rolle mit Freuden übernommen. Später hatten sich ihre Wege getrennt, er war ins Ausland gegangen, aber wann immer sie sich heute trafen, freuten sie sich und redeten bald ›von den alten Zeiten‹ – worüber sie spätestens, wenn es ihnen bewusst wurde, von Herzen lachten.

Niko hatte, zu seinem Leidwesen, irgendwann aufgehört zu wachsen, während Luisa weiter in die Höhe geschossen war. Heute überragte sie ihn um einen Kopf, was ihn nicht daran hinderte, sie weiterhin »Kleine« zu nennen. Er hatte pechschwarze Haare und fast schwarze, kluge Augen in einem Gesicht mit scharfem Profil. Obwohl er eben nicht gerade groß war, schien er, nach allem, was Luisa mitbekommen hatte, bemerkenswerten Erfolg bei Frauen zu haben, auch solchen, die ihn überragten, was sie für ihn freute. Nur hatte er die Richtige offenbar noch nicht gefunden, denn er war, wie sie selbst auch, noch immer Single.

»Na, Kleine? Schön dich zu sehen«, sagte er, während er sie ebenfalls umarmte.

»Endlich«, sagte sie, als er sie losließ und sie einen einigermaßen ruhigen Platz vor einem der großen Fenster gefunden hatten, die den Blick auf den Garten freigaben.

»Endlich – was?«

»Endlich jemand in meinem Alter, mit dem ich über andere Dinge reden kann als zum Beispiel über den Tod von Tante Alice.«

»Die sagenhaft reiche Großtante, die überall auf der Welt gelebt hat mit oft wechselnden Ehemännern und einem sich stetig vergrößernden Vermögen?«, fragte er.

»Genau die!«

»Von der war ja schon damals ständig die Rede, weißt du nicht mehr? Da lebte sie, glaube ich, gerade auf den Seychellen.«

»Später auf den Bahamas, in New York und Florida, auf Mauritius, in Südafrika oder Namibia, genau weiß ich das alles nicht mehr. Und eine Weile auch in einem Palast in Indien.«

»Hast du sie noch kennengelernt? Das war damals dein größter Wunsch.«

»Nein, habe ich nicht, leider. Meine Mutter übrigens auch nicht. Mein Vater hat sie als junger Mann das letzte Mal gesehen, danach hat sie ihr unstetes Leben begonnen und ist nie mehr nach Europa zurückgekehrt. Sie war auch kein Familienmensch, jedenfalls hat mein Vater das immer gesagt, aber sie hat uns viele Ansichtskarten geschrieben, die hat er aufbewahrt. In den letzten Jahren hat sie seltener geschrieben, das mit den Karten ist ja auch ein bisschen aus der Mode gekommen. Außerdem war sie auch schon über neunzig, ihre Schrift sah zum Schluss ein bisschen zittrig aus. Aber irgendwie war ich immer in dem Glauben, dass sie unsterblich ist. Sie schien … unverwüstlich zu sein. Also: Ich kenne sie, wie damals, nur von Fotos, auf denen sie aussah wie ein Filmstar.«

»Die hast du mir damals gezeigt, daran erinnere ich mich auch noch. Ich habe vorhin jemanden sagen hören, dass dein Vater jetzt den unermesslichen Reichtum seiner Tante erben wird, weil es niemanden sonst gibt.«

»Glaub nicht alles, was du hörst«, sagte Luisa. »Mein Vater denkt, dass er keinen Cent erbt.«

»Aber wieso denn nicht?«

»Er sagt, sie war schon als junge Frau sehr eigensinnig, und sie hatte eben wenig Familiensinn, also nimmt er an, dass sie alles an irgendwelche Vereine oder Stiftungen vererbt. Außerdem: Du kennst ja meine Eltern. Die haben alles, was sie brauchen, sie sehnen sich nicht nach mehr Geld.«

»Und du?«

Luisa lächelte ein verträumtes Lächeln, während sie sich mit beiden Händen die widerspenstigen braunen Locken aus dem Gesicht strich. Ihre braunen Augen mit den kleinen grünen Einsprengseln leuchteten, als sie sagte: »Ich würde wahnsinnig gern viel Geld erben, denn dann könnte ich das Haus für vernachlässigte Kinder eröffnen, von dem ich so sehr träume.«

Niko schüttelte den Kopf und erwiderte ihr Lächeln. »Immer noch?«, fragte er. »Ich glaube, darüber hast du schon mit elf oder zwölf gesprochen, als dieses Mädchen in eure Klasse kam, weißt du noch? Die wurde von ihren Eltern geschlagen und bekam nichts zu essen, wenn sie etwas getan hatte, was den beiden nicht passte. Die Lehrer hatten die Eltern erst überzeugen müssen, dass die Tochter unbedingt aufs Gymnasium gehen sollte, weil sie so begabt war. Ich glaube, später ist sie in eine Pflegefamilie gekommen.«

»Katrin«, sagte Luisa. »Katrin Möller. Es stimmt, die Idee hatte ich, als ich irgendwann mitbekam, was bei ihr zu Hause los war. Aber das war erst, als sie dann tatsächlich aus der Familie geholt wurde, nachdem ihr Vater es einmal mit den Schlägen übertrieben hatte – das war so schlimm, dass Katrin im Krankenhaus behandelt werden musste, da ist das Jugendamt endlich aufgewacht. Ich weiß noch, dass ich sie im Krankenhaus besucht habe, aber sie konnte eigentlich gar nicht mit mir reden. Sie ist dann zu Pflegeeltern gekommen, in einer anderen Stadt. Ich habe nie wieder von ihr gehört und das immer bedauert. Ich hätte damals gern gewusst, warum sie sich niemandem anvertraut hat. Mittlerweile weiß ich mehr darüber und kann es mir vorstellen: Sie hat sich geschämt, und natürlich wollte sie ihre Eltern nicht verraten – das ist bei den meisten misshandelten Kindern so.«

Luisa machte eine kurze Pause, bevor sie nach Nikos Hand griff und sie kurz drückte. »Es stimmt, damals habe ich gedacht, dass ich mich, wenn ich erwachsen bin, gern um solche Kinder kümmern würde, wenn sich keine Pflegefamilien für sie finden. Und dieser Traum ist mir geblieben.«

»Deshalb bist du Sozialpädagogin geworden.«

»Ja. Und dafür könnte ich, wie du dir vorstellen kannst, jede Menge Geld gebrauchen.«

»Du bist immer noch eine Romantikerin!«

»Gar nicht mal. Die Gegenwart ist nicht besonders romantisch, aber es gibt viele Möglichkeiten, etwas Sinnvolles zu tun. Das ist eigentlich mein Ziel: Ich will meine Zeit nutzen.«

»Hast du noch dieselbe Stelle wie damals, als wir das letzte Mal darüber sprachen.«

Sie nickte. »Ja, ich arbeite vor allem mit Menschen, die hierher geflohen sind – aus den unterschiedlichsten Gründen.«

»Mit den Kindern?«

»Mit Kindern und Eltern, das lässt sich nicht gut trennen. Aber wenn ich sehe, dass ich Menschen helfen kann, macht mich das glücklich. Ich kann mir für mich sowieso keinen Beruf vorstellen, bei dem ich nicht mit Menschen zu tun hätte.«

»Du meinst, so wie ich könntest du nicht leben.«

»Stimmt. Ich wäre als Informatikerin die totale Fehlbesetzung.«

Niko grinste.

Luisa fuhr fort: »Ich mache den Job gerne, nur möchte ich trotzdem irgendwann etwas Eigenes aufbauen. Aber es ist auf jeden Fall hilfreich, dass ich jetzt Erfahrungen sammeln kann. Ich habe es ja auch nicht eilig, ich muss noch viel lernen, schätze ich.« Sie wechselte abrupt das Thema. »Wie lange bleibst du in München?«

»Ich reise morgen schon ab, aber du weißt ja: Unsere Wege kreuzen sich immer wieder. Schreib mir doch mal, wie die Sache mit dem Erbe weitergeht. Eure Tante Alice hat mich schon damals interessiert.«

Sie lachte. »Das weiß ich noch. Aber es war weniger Tante Alice, die dich interessiert hat, als ihr sagenhaftes Vermögen, gib es zu.«

»Ich gestehe«, sagte Niko, ebenfalls lachend.

Sie schickten sich ab und zu Nachrichten, gelegentlich auch Fotos. Nicht sehr oft, aber doch oft genug, um sich nicht ganz aus den Augen zu verlieren.

Plötzlich übertönte Georg Unterwangers Stimme wieder einmal alle anderen: »Na, wenn die alte Schachtel dir ihr ganzes Vermögen vererbt, Otto, dann lässt du es aber krachen, oder? Hoffentlich mit uns!« Er lachte dröhnend über seinen eigenen Witz, und unwillkürlich suchte Luisa mit dem Blick nach Marianne.

Die lehnte ganz gelassen an der Theke zur offenen Küche, bemerkte Luisas Blick und zwinkerte ihr verschwörerisch zu, ohne die geringste Verlegenheit im Gesicht.

Sieh mal einer an, dachte Luisa, das ging aber schnell!

*

Alexander Obermann betrachtete zufrieden den Korb voller Pilze, die er gefunden hatte. Das waren gleich mehrere schmackhafte Mahlzeiten, der lange Marsch hatte sich also gelohnt. Einige Pilze würde er sogar trocknen können, für den Winter, so reichhaltig war die Ausbeute gewesen. Er musste ja vorsorgen, damit er nicht so viel Geld für Lebensmittel verbrauchte in der kalten Jahreszeit. Noch kam er zurecht, aber seine Ersparnisse schrumpften weiter, und das konnte er sich eigentlich nicht leisten, denn noch wollte er seinen Plan nicht aufgeben, und nie war der Zeitpunkt günstiger gewesen als jetzt.

Die Gemeinde war nicht abgeneigt, sein Projekt zu unterstützen. Er musste grinsen, als er an seinen letzten Auftritt dort dachte. Wenn es sein musste, konnte er sehr überzeugend auftreten und Leute beeindrucken – was ihm sicherlich niemand, der ihn jetzt gerade sah, zutrauen würde.

Sein Bart war schon wieder viel zu lang, die Haare ebenfalls, und er wusste zwar, dass seine Kleidung sauber war, aber sie war nun einmal abgetragen, und Jacke wie Hose hatten Löcher. Aber er würde den Teufel tun, sein kostbares Geld für Kleidung auszugeben, die er nicht dringend brauchte.