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Das ewige Licht (Das Tor) (Der Weltenglobus) Die Roman Trilogie erzählt von Liebe, Begegnung und dem sich selbst und einander Finden. Alles beginnt in einer Art Traumwelt. Glühwürmchen treffen bei Neumond einer Mittsommernacht auf Kinder. Doch alsbald betreten auch Erwachsene die Bühne. Und es zeigt sich, dass was aus Kinderperspektive so leicht und klar erscheint, es aus erwachsener plötzlich nicht mehr ist - oder doch? Der dreiteilige Roman spielt in einer Welt voller Überraschungen, changierend zwischen Wachsein und Träumen. Zugleich ist es eine kleine Abenteuergeschichte, voller Erlebnisse der Protagonisten, die mit Kunst, Literatur und manchem mehr in Berührung kommen. Die ganze Erzählung über alle Bände hinweg ist lebhaft, eben als würde sie tatsächlich gerade erzählt, voller Sprachbilder, Dialoge, innerer Monologe und Gedichte.
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Seitenzahl: 182
Veröffentlichungsjahr: 2020
Lea Baerens, 1977 in West-Berlin geboren, wuchs zwischen Leinwand und Farben inmitten der damaligen Kreuzberger Künstlerszene, einer modernen Arztpraxis im Rheinland und freier Natur an der deutsch-luxemburgischen Grenze auf. Ihre ersten Buch-Illustrationen mit Bild und Schrift verfasste sie im Alter von gut vier Jahren, wenig später erste längere Briefe in Lautschrift. Heute umfasst ihr privates Werk Gedichte, Kurzgeschichten, einen mehrteiligen Roman, autobiografische Notizen, sowie Bilder, Skizzen, Fotografien und Mode-Design.
Als promovierte Kunstwissenschaftlerin und mit einem Master of Business Administration (MBA) publiziert Lea Baerens parallel zu ihrem privaten Werk im Geisteswissenschaftlichen und als Ko-Autorin einer medizinischen Universitäts-Forschungsgruppe. Längere USA-Aufenthalte seit der Jugend, darunter als Post-Graduate Fellow an der Harvard University, Cambridge, legten den Grundstein für ihr bilinguales – deutsch-englisches – Werk.
Lea Baerens lebt aktuell mit ihrem Partner in der Nähe von Frankfurt am Main. Ihr Sohn ist erwachsen. Partner und Sohn widmet Lea Baerens ihr gesamtes privates Werk in Wort & Schrift, Bild, Foto und Design.
Website der Autorin: www.privateeditionbyleab.com
Kontakt zur Autorin: [email protected]
Von Lea Baerens liegen bei BoD vor:
THE SHIRT # elements to go – private edition by Lea B. (9783751929912)
DAS EWIGE LICHT (9783751902717) – Teil 1 Roman
DAS TOR (9783751902724) – Teil 2 Roman (Teil 3 folgt)
RAUM & FIGUR bei BECKMANN & MIES VAN DER ROHE (9783751901000)
GENESIS # Der Schaffensmoment eines Gedichts (9783751904513)
POEMS # Liebe.01 & Liebe.02 (9783751900416)
POEMS # Familie&Familiäres * kurz gedacht * last supper (9783751900430)
POEMS # aufgeschrieben * dialog(e) * der.die.da * gesagt_getan (9783751900447)
NOTIZEN # Erotik (9783751900386)
NOTIZEN # Du * Notizen (9783751900409)
KLEINE TEXTE # Die besten Geschichten schreibt das Leben (9783750495074)
Die Entdeckung des Lichts
Das Leuchten beginnt
Innen
Die Entdeckung der Welt
Die Begegnung
Momos Welt
Sechs Sekunden
Erwachen im Licht
Damals und heute
Weiter geht’s des Nachts im Licht
Erste Erkenntnis
Drei
Das ewige Feuer
Die Entdeckung der Farben – sein, wer man ist
Lady Mimi
Von Elfen und Feen
Erwachen
Begegnung
Der Klang der Stille
Blau
Die Unendlichkeit des Himmels
Zeitreise
Morgensonne
Vom Rieseln der Zeit
Licht im Dunkeln
Licht(im)raum
Zeit
Schwarzer Puma
Wiederentdeckung
28
Zeit des Erwachens
Kinder des Lichts
Wenn vorne hinten ist
Licht
147
Die Stunde null beginnt 1-4-7
Der Klang der Stille
Farbenpracht
Die erste Zeitenwende
Momo wird drei
Das Jetzt zurückholen
Der Traum
In der Kirche
Wenn die Welt erklingt
Lulu und Leon sitzen auf einem Baumblatt und erzählen. Es ist ein Abend wie viele andere. Nur dass es noch länger dauert bis die Sonne untergeht. Und die Großen sind ganz aufgeregt über die kommende Nacht. Angeblich sollen Lulu und Leon dann endlich verstehen, warum sie Glühwürmchen genannt werden. So blicken die beiden also gemeinsam in die Ferne zum Horizont. Langsam färbt er sich in den schönsten Rosa- und Blautönen.
Nach und nach landen immer mehr Glühwürmchen auf den Blättern neben Lulu und Leon. Aufgeregt schwirren sie hin und her und begrüßen alle Bekannten.
Plötzlich wippt das Blatt von Lulu und Leon heftig auf und ab. Die beiden purzeln fast hinunter. Erstaunt drehen sie sich um. Hinter ihnen ist der große Fred gelandet.
„Na ihr zwei, seid ihr schon aufgeregt, heute Abend in den Reigen der Großen aufgenommen zu werden?”
„Ja”, antworten sie wie aus einem Mund.
„Aber warum sagen alle, dies sei ein ganz besonderes Jahr dafür?”
Niemand sonst außer dem großen Fred lauscht den neugierigen Fragen von Lulu und Leon so geduldig. Und es weiß auch sonst keiner so gute Antworten. Fred ist nämlich eines der ältesten Glühwürmchen, sehr gesellig und bekommt viel mit. Nicht das Wenigste davon hat er zudem selbst erlebt.
„Ja wisst ihr, es ist so: die kommende Nacht wird nicht nur die kürzeste des Jahres. Sie wird auch die dunkelste in ganz vielen Jahren. Es wird Neumond sein. Wenn es stockfinster ist, dann werden wir beginnen zu leuchten. Das ist der Sommernachtstraum, von dem die Menschen erzählen.”
Dann malt er für Lulu und Leon die Mondphasen auf.
„Okay”, meint Lulu, „aber wie sollen wir denn leuchten?”
Verwundert blickt sie auf den Teil ihres Rumpfs, der ihr besonders dunkel erscheint.
„Ja, und tut das nicht weh?”, will Leon wissen, „oder wird heiß oder grell?”
„Und können wir dann alles sehen, so wie bei Tag?”
Das mulmige Gefühl von Lulu und Leon schwindet. Jetzt können sie es kaum noch erwarten.
„Können wir uns dann ein- und ausknipsen? Huh, das wird ein lustiges Versteckspiel. Und wie wir die Großen dann erschrecken können…”
Fred lächelt zufrieden während er der Abenteuerlust der beiden lauscht.
„Wo werden wir denn überhaupt leuchten?”
Lulu und Leon betrachten abwechselnd ihren eigenen Körper und den des jeweils anderen.
„Da wo ihr am dunkelsten seid, Lulu hatte schon das richtige Gefühl.”
„Aber wie kann ich denn da leuchten, wo ich fast schwarz bin?”
Fred lacht liebevoll. Generationen von Glühwürmchen haben ihm schon die gleiche Frage gestellt. Aber nur wenige, wie Lulu und Leon, wollten es wirklich wissen.
„Was wisst ihr denn über die Farben und das Licht?”
Lulu und Leon gucken sich verwundert an.
„Na ja, die sind eben da. Und wenn die Sonne scheint, können wir sie sehen. Nachts ist es zu dunkel.”
„Und es gibt ganz viele Farben: Rot, Blau, Grün, Gelb, Weiß, Braun, Schwarz…” „… und Rosa und Violett, Türkis, Blau, Orange…” Lulu und Leon zählen alle Farben auf, die sie schon gesehen haben und deren Namen sie kennen. Irgendwann fällt ihnen keine mehr ein und sie blicken gedankenverloren zum Horizont.
„Aber abends, wenn es dunkel wird, verändert der Himmel seine Farbe – und dann sehen auch die Farben anders aus…”, meint Leon in die Stille hinein.
„Ja das ist schade”, stimmt Lulu zu, „ich wünschte, ich könnte die Farben mitten in der Dunkelheit zurückholen.”
Sie seufzt.
Aber Leon ist noch mitten in Überlegungen über die Farben an sich.
„Warum sieht Wasser von weitem so aus, als habe es eine eigene Farbe, ist aber eigentlich durchsichtig?”
Beide schauen Fred erwartungsvoll an.
„Wenn der Himmel blau ist, sieht es blau aus. Bei Wolken weißlichgrau. Und die Bäume am Ufer vom Fluss spiegeln sich. Und an manchen Stellen schimmert der Flussgrund durch”, bekräftigt Lulu Leons Frage. „Bei Wind und Sonnenschein spielt das Licht auf dem Wasser. Dann funkelt und glitzert es, und alle anderen Farben scheinen im Licht zu verschwinden.”
Lulu blickt wieder auf ihre dunkle Rumpfpartie. Sie kann sich einfach nicht vorstellen, wie aus Schwarz Licht werden soll.
„Welche Farbe hat denn das Licht? Was meint ihr …?”
Lulu und Leon blicken sich verwundert an. Licht soll eine Farbe haben?
„Aber es ist doch durchsichtig und einfach hell, sonst könnten wir all’ die anderen Farben gar nicht sehen. Es kann sogar so grell sein, dass es blendet.”
Da hat Leon Recht.
„Aber, wenn ihr etwas heller sehen bzw. haben wollt, was denkt ihr euch dazu?”
Fred versucht es anders.
„Weiß.” Lulu ist sich sicher. „Dunkelblau und Weiß ist Hellblau.”
Gemeinsam gehen sie die Farben durch, erkennen, dass immer mehr Weiß die Farbe verschwinden lässt. Nur bei Rot bekommt man Rosa statt Hellrot.
„Und was tut man für dunklere Farben?”
Das ist einfach: „schwarz beimischen”, rufen Lulu und Leon wie aus einem Mund.
„Wie im Schatten”, fügt Leon an.
Lulu schaut immer verwunderter auf das Schwarz auf ihrem Rumpf.
Dunkel soll leuchten, zu Licht werden?!
„Was wisst ihr denn, wo die Farben herkommen?”
Heute nimmt Fred ihnen aber wirklich nichts ab.
„Die Blütenblätter haben sie... Und ganz viele andere Pflanzen und Tiere…”
Lulu stockt mitten im Satz. Ja, sie haben ihre Farben, aber woher?
Sie wachsen so, kommen so zur Welt, das ist gewiss.
Plötzlich erinnert Lulu sich.
„Neulich haben wir auf einem Stein mit Blütenstaub gespielt. Der war gelb, orange, rot, und die Blütenblätter blau. Es sah aus wie kleine Körner. Wir konnten mit ihnen malen und sie mischen.”
Lulu hält die Luft an.
„Und dann wurden es andere Farben.”
„Stimmt, Blau und Gelb wird erst Türkis und dann Grün”, fällt Leon ihr mitten ins Wort.
Wie mit Weiß und Schwarz zum Aufhellen und Abdunkeln gehen sie nun alle möglichen Farbmischungen durch. Bis sie beim Mischmasch aller Farben ankommen – Braun.
„Auf welche Farben könntet ihr also nie verzichten?”
„Rot.”
„Gelb.”
„Blau.”
„Weiß.”
„Schwarz.”
„Denkt euch Weiß und Schwarz einmal als Licht und Schatten. Habt ihr die drei Grundfarben denn schon einmal gesehen, ohne dass ihr sie anfassen konntet?”
„Ja, aber nicht alleine”, wagt Leon sich vorsichtig vor. „Die anderen Farben dazwischen waren auch da, aber nicht so klar. Als würden sie die drei Grundfarben nur verbinden.”
Fred nickt ihm aufmunternd zu.
„Im Regenbogen”, sagt Leon, jetzt seiner Sache sicher. „Das war nach dem großen Gewitter, als es tagsüber erst ganz dunkel wurde, mit Blitz und Donner und Regen, und dann plötzlich die Sonne durch die Wolken brach.”
Lulu zuckt innerlich zusammen. Stimmt, da war Licht mitten in der Dunkelheit. Aber eins, das gefährlich sein konnte. Lieber erinnert sie sich an die schillernden Farben.
„Es war, als hole das Licht, also die Sonnenstrahlen, die Farben aus dem Dunkeln wieder hervor. Wie bei Sonnenaufgang morgens.
Nur plötzlicher. Und während alles noch ganz nass ist.”
Gedankenpause.
„Wo kommt der Regenbogen eigentlich her?”
„Irgendwie kommt und geht er einfach. Und man kann ihn nicht anfassen. Außerdem ist er oft nur aus einem bestimmten Winkel sichtbar.”
Fred hört den beiden geduldig zu, wie genau sie doch beobachten.
„Wenn alles trocken ist, ist der Regenbogen plötzlich weg.”
Leon ist ganz aufgeregt bei seinen eigenen Worten.
Jetzt erinnert er sich.
„Manchmal sieht man einen Miniregenbogen auf Wassertropfen morgens. Dann schillert das Wasser. Und man kann weder durchsehen, noch hat es die Farbe von Himmel oder Untergrund, dem Blatt.”
Lulu und Leon blicken Fred erwartungsvoll an. Er kann ihnen bestimmt den Zauber von Licht, Wasser und Farben erklären.
Aber Fred denkt gar nicht daran, den beiden einfach alles zu erklären. Sie sind so aufgeweckt und neugierig, dass sie die Welt selbst entdecken und verstehen können. Seine schützenden Flügel hält Fred dabei gerne über sie und hört ihnen zu, bestätigt sie in ihren Gedanken und Gefühlen, wofür die anderen oft zu beschäftigt sind.
Leon blickt konzentriert auf den in rot, rosa, gelb eingefärbten Abendhimmel. Langsam wird ihm klar, dass die Sonne bestimmt nicht ihre Farbe und Lichtintensität ändert, wenn sie unter- oder aufgeht. Die Farben müssen also irgendwie aus dem Licht kommen. Und je nachdem, wie hell es ist und in welchem Winkel das Licht zu ihnen kommt, zeigt es einen Teil seiner Farben.
„Die Farben sind alle im Licht”, murmelt er gedankenverloren vor sich hin.
Lulu und Fred waren inzwischen ganz dicht an Leon herangerückt und hören seine Worte.
Lulu betrachtet wieder ihre schwarze Rumpfpartie.
„Heißt es deswegen ‚Licht in die Dunkelheit bringen’?”
Das hat sie von den Großen aufgeschnappt.
Fred lacht.
„Eigentlich meint es, ‚eine Sache aufklären’. Aber du hast schon recht, zuerst muss man alles sehen, mit Formen, Farben usw.”
„Zumindest ist es doch so, dass Licht das Dunkel, das Schwarz aus den Farben vertreibt. Und nur was wirklich schwarz ist, sieht dann auch so aus… die Farben vom Regenbogen und auf den Wassertropfen morgens, wird da das Licht in seine Farben sortiert und spiegelt sich wie sonst der Himmel oder die Bäume am Fluss?”
Fred nickt.
„Ja, so in etwa ist es, so könnt ihr es euch vorstellen.”
Jetzt wird auch Leon ungeduldig, was das alles mit ihrem dunklen Rumpfteil zu tun hat.
Er stupst Fred an.
„Wenn wir leuchten könnten, bedeutet das, alle Farben sind in uns und wir lassen sie später aus dem Schwarz hervorkommen?”
Lulu stellt sich vor, wie alle Farben unter dem Schwarz an ihrem Körper versteckt aussehen könnten.
„Moment Kinder – erinnert ihr, was ihr mir über ganz helles Sonnenlicht erzählt habt? Dass es euch blenden kann, wenn ihr reinschaut?”
Beide nicken.
„Die Dinge leuchten dann aber fast selbst, eben nur in ihren Farben”, fügt Leon an.
Lulu seufzt, darauf war sie noch gar nicht gekommen.
„Weiß für Licht und Schwarz für Dunkel sind Gegenpole, oder? Und das Licht hat alle Farben in sich. Wenn es also auf etwas scheint, dann bestärkt es die Farben der Dinge, weil es diese in sich hat, aber nicht selbst zeigt. Deswegen müssen wir schwarz sein, um besonders hell leuchten zu können.”
„Wir bringen heute Nacht mitten in der Dunkelheit alles in seiner Farbenpracht zum Leuchten”, stimmt Leon ein.
Jetzt können sie beide kaum noch abwarten, bis es endlich ganz dunkel ist. Den Abendstern erkennen sie schon. Doch wie sie nun das Leuchten in sich anknipsen sollen, das wissen sie immer noch nicht.
Und dann passiert es. Ganz von selbst. In jenem Augenblick der totalen Dunkelheit.
Nur die Sterne funkeln heller als sonst am Himmel.
Plötzlich ist diese unglaubliche Wärme, die Lulu und Leon sonst nur eng aneinandergeschmiegt oder unter den schützenden Flügeln von Fred spüren, in ihnen. Sie spüren es im ganzen Körper. Es fühlt sich ganz leicht und ganz schwer zugleich an. Sie schweben und sitzen doch regungslos auf ihrem Blatt. Ihre Händchen und Füßchen scheinen von etwas Kuschelweichem umgeben. Eben waren sie noch hungrig, jetzt aber ist ein wohliges Gefühl in ihrem Bauch. Sie sind da und doch nicht da. Beide ganz für sich erstmals. Es ereignet sich einfach mit einem Mal, so wie sie erstmals ihre Liebe füreinander spürten. Dieses tiefe innere Urgefühl.
Lulu blickt auf, Leon ist noch ganz bei sich. Sie schaut ihn an. Und dann passiert es noch mal. Sie hat nichts getan, kann es auch nicht aufhalten. Will sie auch gar nicht, es ist viel zu schön. Der Raum um sie verzerrt sich, auch die Proportionen. Leon wirkt näher und weiter weg gleichzeitig. Die Zeit scheint sich aufgelöst zu haben. Es sind Sekunden, aber Lulu erlebt es als eine halbe Ewigkeit. Es ist ein Moment absoluter Ruhe in ihr und um sie herum. Sie nimmt nur noch Leon wahr.
Es fühlt sich an als trete er in ihre Sphäre ein, die sie soeben erstmals selbst wahrgenommen hat.
Er sieht wunderschön aus, weil sie ihn liebt, ihren besten Freund. Nun spürt sie dieses tiefe warme Gefühl für sich und für ihn.
Langsam entzerrt sich der Raum, ein leichter Lufthauch holt sie zurück.
Die Augen noch immer bei Leon. Dessen Verwunderung über das, was mit ihm passiert, sie nun deutlich spüren kann. Sie haben wohl beide eigene Gefühle und können doch die des anderen wahrnehmen, erstaunlich. Lulus Herz beginnt zu pochen. Sie ist glücklich. Ihr ganzer Körper kribbelt und sie spürt ein Strahlen in sich. Natürlich kann kein Licht in ihr sein.
Ups. Da funkelt wie ein Stern am Himmel ihr Rumpf plötzlich auf. Sie hat es ganz deutlich gesehen. Überhaupt sieht sie alles viel deutlicher nun, trotz der Dunkelheit. Und hört jedes kleinste Geräusch, sogar Leons tiefe ruhige Atemzüge. Er ist ganz in seiner Sphäre.
Lulu genießt den Duft der Blätter um sie, der ihr jetzt noch intensiver vorkommt. In ihr ist alles in Bewegung. Sie fühlt sich als öffne sich die Welt.
Und eigentlich kann sie kaum noch stillhalten. Aber sie wartet geduldig auf Leon, lässt sich fallen in dieses bewusste Erleben.
So fühlt sich also Glück an. Und in dem Moment glüht sie auf. In einem wunderschönen, hellen Licht.
Leon bemerkt das erst nach einer Weile, so sehr ist er zunächst noch ganz bei sich. Dann aber blickt er auf, ganz tief in Lulus Augen, er sieht sie ja in ihrem Licht.
Und dann erlebt er was kurz zuvor Lulu widerfahren ist. Erst das Finden seiner Liebe für sich selbst und Lulu zugleich. Dann das Glück, das Funkeln. Und schließlich das Leuchten.
Sie lachen los und springen auf. Jetzt erst denken sie wieder an Fred, der voller Freude hinter ihnen sitzt.
Hand in Hand stürmen sie auf ihn zu und umarmen ihn. Und da beginnt auch Fred zu leuchten. Ihr Blatt wippt von dem freudigen Hüpfen auf und ab. Und mit einem Mal purzeln sie hinunter, lachend, Hand in Hand, Lulu in der Mitte zwischen Leon und Fred. Ihre Flügel tragen sie sofort.
Und ohne sich abzusprechen fliegen sie ganz selbstverständlich von Blatt zu Blatt. Umschwirren wie ein Wirbelwind die überraschten Glühwürmchen, die sogleich selbst zu leuchten beginnen und sich von ihren Blättern in die Luft erheben. Die drei sind so schnell, dass die Blätter des Baums durch die auffliegenden Glühwürmchen fast mitzutanzen scheinen.
Irgendwann sind sie alle in der Luft. Und lassen sich treiben im Zauber ihres eigenen Lichts.
Nach einer Weile schickt Fred die beiden alleine los, er ist aus der Puste.
Sie verabreden sich auf ihrem Blatt.
Jetzt aber halten Lulu und Leon einander ganz fest, um sich in dem Wirrwarr nicht zu verlieren. Sie fliegen an die obere Spitze des Schwarms und blicken in die Sterne.
„Wollen wir Sternschnuppe spielen?”
Leon ist immer wieder verwundert über Lulus Abenteuergeist. Aber warum nicht. Sie schauen sich an, halten ihre Hände noch fester.
„Auf drei”.
Nicken, nicken – los.
Sie klappen die Flügel ein und lassen sich im Sturzflug durch die Glühwürmchen fallen, die lachend ausweichen. Erst kurz vorm Boden werden Lulu und Leon langsamer.
„Noch mal”.
Und „noch mal”.
Dieses leichte Kribbeln im Bauch im freien Fall ist zu schön, und zu zweit nochmals schöner.
Aber dann fliegen sie zurück zu Fred. Ohne Worte weiß er, dass die beiden die hellen Lichtkegel durch die Menge waren. Er hat das früher, ganz früher auch gemacht. Bei der Erinnerung seufzt er, ja, manchmal wäre er gerne nochmals jung. Und dann aber wieder auch nicht.
Lulu und Leon bemerken seine zugleich glücklichen und traurigen Augen. Er erzählt immer wieder von damals, von seinen Erlebnissen. Und ein wenig ist es als dürfe er es durch Lulu und Leon ein zweites Mal erleben, nur eben jetzt und selbst älter.
Die beiden sind viel zu aufgeregt, als dass sie sich einfach still zu ihm setzen könnten. Also tanzen sie um ihn herum, stupsen ihn liebevoll an, reißen ihn aus seinen Gedanken.
„Wir lassen dich hüpfen!”
Und ehe Fred etwas sagen kann, lassen die beiden sich aus einiger Höhe im freien Fall zu beiden Seiten auf das Blatt von Fred plumpsen.
Das Blatt wippt nach unten und Fred ist kurz in der Luft.
Durch die Beschleunigung ihres Körpergewichts sind sie zusammen schwerer als Fred. Eigentlich sind Lulu und Leon aber noch eine halbe Portion. Was bei all ihren Abenteuern hilfreich ist, so passen sie durch kleinste Öffnungen und sind auch schwer zu sehen. Dass Fred stattlich gebaut ist, hat durchaus Vorteile. Er ahnt es schon und wandert an die Spitze des Blatts.
Lulu und Leon fliegen auf ein kleines Blatt etwas höher. Lulu stellt sich hinten auf den Blattstängel. Leon stellt sich vor sie und holt tief Luft.
Das erste Mal pocht das Herz immer.
Innerlich zählt er „eins, zwei, los!”, läuft an, springt mit aller Kraft auf die Blattspitze, lässt sich im leichten Winkel nach vorne in die Luft katapultieren, und kurz bevor seine Fliehkräfte sich umkehren, kugelt er sich ein und beginnt sich um sich selbst zu drehen.
Fred sieht eine leuchtende Kugel auf sich zukommen und schüttelt lächelnd nur den Kopf. Gerade rechtzeitig öffnet sich Leon und landet auf seinen Füßchen. Fred hält ihn fest, damit er nicht vom Blatt purzelt.
Bei den allerersten Versuchen sind die beiden jedes Mal beim Aufkommen ordentlich ins Schwanken gekommen und Fred hat die schwindeligen Abenteurer gesichert. Sie mussten sich ans Drehen erst gewöhnen. Inzwischen versuchen sie immer mehr Rotationen pro Sprung zu schaffen.
Leon fliegt zu Lulu, sie tauschen die Plätze, diesmal bildet er das Gegengewicht für ihren Absprung. Und auch sie landet halbwegs sicher auf den eigenen Füßchen direkt vor Fred. So geht es dann noch eine Weile.
„Kann man dieses Gefühl dieser tiefen inneren Wärme noch intensiver machen?”
Fast wie aus einem Mund gucken Lulu und Leon Fred erwartungsvoll an.
Er wusste, dass auch dies wahrscheinlich heute Nacht kommen würde.
Aber einfach verraten, nein gewiss nicht.
„Was glaubt ihr denn wie es noch intensiver sein könnte?”
„Wenn man noch ruhiger dabei ist”, meint Leon.
„Was meinst du mit Ruhe?”
„Na ja, wenn ich dafür selbst nichts tun muss.”
„Wenn man sich da reinfallen lassen kann – so wie beim Einschlafen”, fügt Lulu an.
„Wir müssten uns also gegenseitig drehen.”
„Oder du uns, Fred.”
Die beiden drehen sich innerlich schon vor Aufregung um sich selbst.
Und Fred weiß, diese Bewegung in ihnen findet erst Ruhe, wenn sie sich wirklich wie von selbst um sich drehen. Und natürlich ist Fred vorbereitet, es sollte eine Überraschung für die beiden werden.
„Kommt, Kinder!” Mit diesen Worten fliegt er los.
Diese Momente lieben die beiden. Fred hat immer die wunderbarsten Dinge für sie parat.
Es geht quer durch den Baum, entlang von Astgabeln und Winkeln, die Lulu und Leon noch nie erkundet haben. Sie fliegen zumeist hinaus, anstatt sich ins Innere ihres Baums vorzuwagen. Jetzt aber ist die Neugierde größer als ihre Scheu. Außerdem ist Fred ja bei ihnen und weist ihnen den Weg.
Aufmerksam betrachten sie die Blätter und Äste in ihrem eigenen Licht.
Mit einem Mal öffnet sich das dichte Blattwerk und sie sind in einer Art Höhle. Inmitten dieser Höhle hängt etwas. Ein kleiner gerader Ast an zwei langen Strängen. Fred schwebt daneben.
„Setz’ dich Lulu – und du Leon komm’ zur anderen Seite.”
Lulus Herz bubbert, aber sie kann es kaum erwarten was jetzt passiert.
Mit ihren Ärmchen wickelt sie sich an den Strängen nach oben ein.
Denn irgendetwas sagt ihr, dass sie gleich Halt braucht.
„Leon, du fasst an deiner Seite an und fliegst einfach im Kreis hinter mir her.”
Gesagt, getan.
