Das Flüstern der Fische - Walter Christian Kärger - E-Book

Das Flüstern der Fische E-Book

Walter Christian Kärger

4,3

Beschreibung

In der Nähe von Meersburg wird eine Leiche in einem Swimmingpool entdeckt. Wer ist der Mann, und was haben die fünf toten Fische im Pool zu bedeuten? Hauptkommissar Max Madlener nimmt die Spur des Mörders auf. Und stößt mit Hilfe seiner jungen Assistentin und einer Pathologin, die schon bald mehr als nur eine Kollegin wird, auf ein ungeheuerliches Motiv.

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Seitenzahl: 593

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Walter Christian Kärger, geboren 1955 in Memmingen/Allgäu, studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film, arbeitete dreißig Jahre als Drehbuchautor in München (unter anderem Spielfilm: »2Männer, 2Frauen, 4Probleme«; Zweiteiler im TV: »Störtebeker«, »Trenck – Zwei Herzen gegen die Krone«, »Schuld und Unschuld«; Fernsehfilm: »Die Jahrhundertlawine«). Er lebt als Romanautor (»Das Geheimnis der Medica«) in Memmingen.

Dieses Buch ist ein Roman. Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind nicht gewollt und rein zufällig.

© 2013 Hermann-Josef Emons Verlag Alle Rechte vorbehalten Umschlagmotiv: photocase.de/currantbun Umschlaggestaltung: Tobias Doetsch eBook-Erstellung: CPI – Clausen & Bosse, LeckISBN 978-3-86358-223-4 Bodensee Krimi Originalausgabe

Fest hält die Fibel das zitternde Kind

Und rennt, als ob man es jage;

Hohl über die Fläche sauset der Wind –

Was raschelt drüben am Hage?

Das ist der gespenstische Gräberknecht,

Der dem Meister die besten Torfe verzecht;

Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!

Hinducket das Knäblein zage.

Aus: »Der Knabe im Moor« von Annette von Droste-Hülshoff

Prolog

Irgendwo tropfte Wasser mit enervierender Beständigkeit einen laut nachhallenden Takt.

Flapp.

Flapp.

Flapp.

Ihm war kalt. Ein sirrendes Geräusch war zu hören, das immer wieder abrupt abbrach und dann wieder von Neuem anfing. Als er endlich ganz wach war, dröhnte sein Kopf und sein Hals schmerzte. Er wollte mit der rechten Hand an die schmerzende Stelle fassen, aber es ging nicht. Alle Muskeln an seinem Körper zitterten, als habe er einen Dauerkrampf. Ob das von der Kälte kam? Ganz allmählich ließ das Zittern nach. Er spürte sein Herz, das unregelmäßig schlug und immer wieder aussetzte, als könne es seinen Rhythmus nicht finden. Das machte ihm Angst. Angst, die wie eine Welle durch seinen Körper flutete.

Er versuchte, regelmäßig zu atmen und seinen Herzschlag wieder unter Kontrolle zu bringen. Zunächst einmal musste er richtig wach werden und sehen, wo er überhaupt war. Sosehr er sich auch konzentrierte, er konnte sich an nichts erinnern. Mit schier übermenschlicher Anstrengung gelang es ihm, seine Augenlider zu öffnen. Jetzt konnte er das seltsame flirrende Geräusch identifizieren, das ihn schließlich aus seiner Ohnmacht geholt hatte. Das Geräusch kam von einer defekten Neonröhre über seinem Kopf, die immer wieder anging, sekundenlang unangenehm weißes Licht produzierte, und dann wieder erlosch.

Wo zum Teufel bin ich? Und wie bin ich überhaupt hierhergekommen?

Er wollte aufstehen und sich umsehen, aber es ging nicht. Er war gefesselt. Er konnte nicht einmal seinen Kopf bewegen. Er verdrehte seine Augen bis zur Schmerzgrenze, aber mehr als seine nackten Füße und danach einen kahlweißen unendlich langen Gang mit Rohren und Versorgungsleitungen und einem knallgelben Phosphorstreifen konnte er nicht erkennen.

Wieder machte sein Herz einen Stolperer und setzte kurz ganz aus. Und wieder durchflutete ihn die pure Panik. Er wollte schreien, aber auch das war unmöglich. Hatten sie ihm womöglich so eine Spritze verpasst, von deren Wirkung er einmal gelesen hatte? Eine Spritze, die einen völlig bewegungsunfähig machte, katatonisch. Man lag da, sah alles, hörte alles, aber man konnte nichts tun, sich nicht bemerkbar machen, war wie eine lebende Leiche. Seine Zunge konnte er jedoch bewegen, die Augenlider ebenfalls, konnte seine Muskeln an- und wieder entspannen. Also musste er gefesselt sein. Und sein Mund war zugeklebt, er musste durch die Nase atmen und bekam kaum Luft.

Hatten sie das gemacht? Aber warum?

Langsam setzte seine Erinnerung wieder ein. Er war beim Angeln gewesen, als auf einmal zwei oder drei Männer hinter ihm standen. Wie viele es genau waren, das wusste er nicht mehr. Wieso hatte er sie nicht gehört? Er hatte vom Ufer aus geangelt, wo man jeden Schritt im Kies hätte vernehmen müssen.

Seine verdammten Kopfhörer! Er hatte seine verdammten Kopfhörer aufgehabt, mit denen er beim Angeln immer Mahler hörte. Gustav Mahler. Die dritte Sinfonie. In voller Lautstärke. Fortissimo. Ausgerechnet jetzt kam ihm wieder das Altsolo aus dem vierten Satz in den Sinn, Friedrich Nietzsches gesungene Worte:

O Mensch! Gib acht!

Was spricht die tiefe Mitternacht?

Ich schlief!

Aus tiefem Traum bin ich erwacht!

Die Welt ist tief,

und tiefer, als der Tag gedacht!

O Mensch! Tief!

Tief ist ihr Weh!

Lust tiefer noch als Herzeleid!

Weh spricht – Vergeh!

Doch alle Lust will Ewigkeit,

will tiefe, tiefe Ewigkeit!

Ist das nicht verrückt? In meiner Lage an eine Arie aus einer Oper zu denken? Fange ich jetzt schon an zu delirieren?

Nein, die Gesangsstimme war Wirklichkeit. Sie kam wie aus weiter Ferne, irgendwo musste jemand genau dieses Lied über einen Lautsprecher spielen lassen, der die Schönheit und Würde der Stimme und der Worte verzerrte. Der Hall tat noch sein Übriges, um eines der erhabensten, göttlichsten Musikstücke der klassischen Moderne in eine pervertierte Karikatur ihrer selbst zu verwandeln.

Irgendwie fasste er das als eine Verhöhnung seiner Persönlichkeit auf, vielleicht war es sogar so gemeint. Je länger er es hörte, desto sicherer war er: Es musste Absicht sein. Nicht nur, dass er hilflos in ihrer Gewalt war, sie machten sich auch noch lustig über ihn. Trotz seiner verzweifelten Situation ließ ihn das irrsinnig wütend werden. In seinem Furor wand er sich wie ein Aal, um sich zu befreien. Aber es war sinnlos, er war viel zu stramm an seine unbequeme Unterlage gefesselt.

Plötzlich ein Ruck. Das Ding, auf dem er lag, setzte sich in Bewegung. Er musste auf eine fahrbare Trage geschnallt sein. Jemand schob ihn. Krampfhaft versuchte er, nach hinten zu schielen, doch er konnte nichts erkennen. Aber er hörte die klackernden Schritte der Person, die ihn schob, und das Quietschen der Räder, die wohl dringend geölt werden mussten.

Die fahrbare Trage machte eine scharfe Wendung nach rechts und bog in einen anderen Gang ein.

Ich liege da wie eine Leiche auf dem letzten Weg zum Verbrennungsofen im Krematorium, dachte er. Und ich mache mir Gedanken über quietschende Räder. Ich muss komplett verrückt geworden sein.

Das Gefährt stoppte vor einer schweren Stahltür mit Hebelmechanismus. Die Schritte gingen an seiner linken Seite vorbei, er roch ein dezentes Herrenparfum, nichts Billiges, und sah einen weißen Overall. Er konnte nicht einmal den Hinterkopf erkennen, weil der Mann die Kapuze des Overalls hochgezogen hatte. Der Mann vermied es, ihm sein Gesicht zu zeigen. Das ließ ihn plötzlich wieder hoffen.

Völlig irrational, oder?

Wenn sie es darauf angelegt hätten, ihn zu töten, wäre es ihnen gleichgültig gewesen, erkannt zu werden. Also gab es die Hoffnung, lebend davonzukommen, sie war nicht irrational. Sie würden irgendetwas mit ihm anstellen. Was, darüber wollte er erst gar nicht nachdenken. Aber dann würden sie ihn laufen lassen. Ja, so musste es sein!

Der Mann öffnete die Tür und stieß sie auf. Dann rauschte der weiße Overall zum Kopfende, und er wurde weitergeschoben. Es ging über eine Schwelle und in eine Art OP-Saal. Grelles Licht flackerte auf, weiße Kacheln waren zu erkennen, altmodische Metallschränke mit Glastüren, vollgestopft mit Medikamenten und Verbandsmaterial, Metalltische aus Edelstahl reihum an den Wänden. Er hörte Schritte von weiteren Menschen und wurde direkt unter die OP-Lampe gerollt. Niemand sprach ein Wort.

Oh Gott – was in aller Welt haben die mit mir vor?

Zwei weitere Männer in weißen Overalls traten an die Metalltische und streiften sich Gummihandschuhe über. Sie kehrten ihm den Rücken zu. Warteten, bis sich der dritte Mann, der ihn geschoben hatte, zu ihnen gesellte, dann nickten sie sich gegenseitig zu.

Bin ich in einem Alptraum? Aber ich bin doch schon wach …

Nichts wünschte er sich in diesem Augenblick sehnlicher, als dass er es nicht wäre.

Wie auf ein Kommando drehten sich die Männer um und kamen auf ihn zu. Er wollte die Augen schließen, aber er konnte es nicht. Weil er ihre Gesichter erkannte. Jeden Einzelnen von ihnen erkannte er.

Und jetzt überkam ihn eine furchtbare Erkenntnis.

Die endgültige Erkenntnis, dass sie kein Erbarmen mit ihm haben würden.

1

Max Madlener nahm das Handtuch und trat an den Spiegel. Vom ausgiebigen Duschen im kleinen Hotelbadezimmer war er beschlagen. Er wischte ihn sauber und betrachtete sich. Er müsste wieder mal dringend zum Haareschneiden, seine Exfrau Nummer zwei, Marlies, hätte ihm, wenn er noch mit ihr zusammen wäre, schon längst einen Termin beim Friseur gemacht. Sie mochte keine Männer mit langen Haaren, aber darauf kam es jetzt sowieso nicht mehr an. Hauptsache, er mochte sich selbst. Was in letzter Zeit nicht sehr häufig der Fall gewesen war. Wie lange war es schon her, dass er mit sich zufrieden gewesen war? Als er den Fall Kreuzkamm gelöst hatte, zum Beispiel. Aber da war er noch der beste Mann der Mordkommission in Stuttgart gewesen, mit Ambitionen nach oben. Er hatte mit einer Versetzung zum BKA oder wenigstens zum LKA geliebäugelt, aber weniger, um Karriere zu machen, eher, um von seinem Vorgesetzten namens König wegzukommen, der ihm, wo es nur ging, Steine in den Weg legte.

Als er noch jünger war, hatte ihm das wenig ausgemacht. Aber je älter er wurde, desto mehr ärgerte er sich darüber. Und wenn er seinem Ärger Luft machte, spielte er König, dem Leiter der Mordkommission, nur in die Karten. Das war auf Dauer nicht mehr auszuhalten. Aber Stuttgart war nun ohnehin Vergangenheit, dafür hatte eine einzige Nacht gesorgt, die er lieber vergessen wollte. Aber er konnte es nicht.

Madlener sah sich die ersten Anzeichen der Tränensäcke an, die sich unter seinen Augen gebildet hatten. Sie waren ihm egal. Weniger egal war, was er in seinen Augen sah: Kummer und Zynismus. Früher hatte er darin nur Hunger erkennen können, Hunger nach Leben und nach Arbeit, nach Herausforderungen, die er meistern konnte. Doch das Leben hatte ihn eines Besseren belehrt, nachdem er im Dienst einen Fehler begangen hatte, der nicht mehr rückgängig zu machen war und der einen siebzehnjährigen Jungen das Leben gekostet hatte.

Er öffnete die Badezimmertür und zog sich Hemd und Krawatte an. Er hasste Schlipse, aber heute trat er seine neue Stelle bei der Kripo Friedrichshafen an, und da war es wohl angebracht, nicht wie ein angeknockter Penner zu erscheinen, auch wenn er mit Krawatte auch nicht besser aussah als ohne. Es hatte nicht viel genutzt, dass er nach der brühend heißen Dusche, die er am Morgen einfach brauchte, so weit wie möglich auf kalt gedreht hatte und noch ein paar Minuten unter dem Wasserstrahl stehen geblieben war, bis er es nicht mehr aushielt. Die seit Tagen anhaltende Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit, die mit der in den Urwäldern des Kongo zu konkurrieren schien, ließ ihm, kaum hatte er sich abgetrocknet, schon wieder den Schweiß aus allen Poren brechen.

Im Frühstücksraum war nur ein vom Alter her undefinierbarer Typ, der aussah wie ein frustrierter Vertreter für Bleistiftspitzer. Sie nickten sich kurz zu mit einem Blick, der besagte, dass sie sich wortlos darin einig waren, dass mit dem heutigen Tag auch keine wesentliche Besserung der Weltlage im Allgemeinen und der persönlichen im Besonderen eintreten würde.

Madlener trank vier Tassen Kaffee, ein Glas kalte Milch und aß zwei Croissants, die schmeckten, als habe der Bäcker eine ordentliche Prise Sägemehl zu der Fertigbackmischung gegeben. Die Butter und die Marmelade, die er auf die Hälften schmierte, kamen aus kleinen Plastikdöschen. Auf Madleners Liste von Dingen, die die Welt nicht brauchte und die er stets im Kopf präsent hatte, waren sie auf Platz drei angesiedelt. Gleich nach der Duravit-Fernbedienung für Klospülungen, die er in einem Prospekt gesehen hatte, und der Schamhaarfrisur von Semino Rossi, dem Schnulzensänger. In diesem Zusammenhang fiel ihm ein, dass er eine neue Liste anlegen musste, die ausschließlich schlechte Musik betraf. Mehrere heiße Anwärter auf die vorderen Plätze hatte er im Nu parat, an erster Stelle alle von André Rieu eingespielten – Madlener dachte immer: weich gespülten – Coverversionen von Popsongs. Aber er wollte sich nicht den ganzen Tag vergiften, indem er zu intensiv an eine dieser grässlich vergewaltigten Melodien dachte. Gott sei Dank war der Frühstücksraum musikfreie Zone.

Ein kleiner Spaziergang ans Wasser würde ihm guttun, dachte er und machte sich auf den Weg.

An der Friedrichshafener Bodensee-Promenade war so früh nur die Stadtreinigung in Person eines signalorange gekleideten Mittfünfzigers zugange, der einen qualmenden Stumpen zwischen den Lippen hatte und mit einer langen Greifzange Papierreste, Kippen und zerknüllte Red-Bull-Dosen aufklaubte und stoisch in einen Eimer fallen ließ. Madlener setzte sich auf eine Bank und schaute ihm eine Weile zerstreut zu, dann schweifte sein Blick auf den Bodensee hinaus bis hinüber zum Schweizer Ufer, wo im Hintergrund die schneebedeckten Alpengipfel im Dunst glitzerten. Es roch nach Wasser und Abgasen von einer vorübertuckernden Jacht, deren Eigner offensichtlich zu faul war, Segel zu setzen. Möwen stritten sich kreischend um die Hälfte einer aufgeweichten Wurstsemmel, die auf den Wellen schaukelte.

Madlener hatte die Morgenzeitung aus dem Frühstücksraum geklaut und faltete sie auf. Eine leichte Brise machte es schwierig, sie flatterfrei zu halten. Er suchte den Sportteil, aber er fand nur Artikel über Spiele der örtlichen Fußballvereine aus der unteren Kreisklasse, die gegen den Abstieg kämpften, und Anzeigen für Treppen- und Badewannenlifte, neu oder, im Sonderangebot, gebraucht. Nach zwei Minuten war er eingedöst.

2

Georg Escher wartete mit ein paar Berufspendlern neben einigen Autos im Fährhafen von Konstanz-Staad darauf, dass die Fähre aus Meersburg anlegte. Die Auffahrtsrampe wurde heruntergelassen, und das Dutzend Fahrradfahrer und Wanderer mit Rucksäcken strömte ungeduldig heraus, dann folgten die Autos und zwei Lastwagen, bevor er auf die Fähre konnte.

Seidig spannte sich der Bodensee in der leichten Sommerbrise. Das heftige Gewitter vom späten Vorabend hatte sich verzogen, nachdem es die ganze Nacht noch am Horizont wild geblitzt und dumpf gegrollt hatte wie eine Techno-Party am weit entfernten Gnadensee, dem unteren Fischschwanz des Bodensees.

Escher hatte es nicht eilig. Obwohl es mitten in der Feriensaison war, waren so früh noch wenige Urlauber unterwegs, erst in zwei Stunden würden die Fähren voll sein mit Touristen in dreiviertellangen Cargohosen und quengelnden Kindern. Er stieg die seitliche Eisentreppe hoch in den ersten Stock, marschierte ins Heck und setzte sich auf eine Bank in der Sonne. Das Unwetter letzte Nacht hatte die Schwüle nicht vertrieben, trotzdem war Escher mit Halstuch und Windjacke bekleidet. Er setzte zum ersten Mal nach geraumer Zeit – er lebte seit seiner Pensionierung in Irland, wo er ein kleines Häuschen hatte – mit dem Schiff nach Meersburg über und wusste, dass man sich auch bei bestem Wetter warm anziehen musste, wenn man um halb acht in der Früh über den See fuhr. Doch das Heck war im Lee, und damit war es windstill, als die Fähre sich träge bewegte und schließlich ablegte.

Obwohl Escher lange Jahre im Paradies gewohnt hatte, einem Ortsteil von Konstanz, und er bestens vertraut war mit den Sehenswürdigkeiten der mittelalterlichen Altstadt, war er immer wieder fasziniert vom Hafen, dem Münster, den herausgeputzten gotischen Bürgerhäusern, dem Konzilsgebäude und dem ehemaligen Dominikanerkloster, in dem sich jetzt ein Fünf-Sterne-Hotel befand. Die Altstadt hatte den Zweiten Weltkrieg unzerstört überstanden, weil Konstanz im Laufe der Jahrhunderte mit dem schweizerischen Kreuzlingen so zusammengewachsen war, dass die Grenze mitten zwischen den Häusern verlief und die alliierten Bomberflotten es nicht riskieren wollten, aus Versehen eine Schweizer Stadt in Schutt und Asche zu legen.

Als Historiker glaubte Escher geradezu zu spüren, wie wichtig und einzigartig Konstanz in den Anfangsjahren des 15.Jahrhunderts gewesen war, der Mittelpunkt des Abendlandes während der Zeit des Konzils, der einzigen Papstwahl nördlich der Alpen. Da sie schon einmal zusammen waren, nutzten Kaiser und Klerus die Gelegenheit und verbrannten den Ketzer Jan Hus lebendig auf dem Scheiterhaufen, obwohl sie dem Reformator freies Geleit zugesichert hatten. Schon damals war Recht und Gerechtigkeit eine reine Machtfrage. Dieser Gedanke erheiterte Escher immer aufs Neue, wenn er am Gedenkstein für den Häretiker vorbeikam, der für seine Überzeugungen in den Tod gegangen war. Dabei waren die Mächtigen ihrer Zeit nicht nur Spielverderber und Heuchler. Sie waren auch keine Kostverächter. Sie verstanden etwas von der Macht der Liebe. Jedenfalls der käuflichen Liebe. Während des Konzils wimmelte Konstanz von Kurtisanen jeden Alters und jeder Couleur. Die Verkörperung dieser irdischen Lustbarkeit war das provokante neuzeitliche Wahrzeichen des Konstanzer Hafens. Die laszive Imperia, die sich langsam drehende, neun Meter hohe stilisierte Skulptur einer mittelalterlichen Hure, die in ihren Händen zwei verhutzelte Gnome hielt, eine Verballhornung von Papst und Kaiser, war vom Fährhafen aus nicht zu sehen, was Escher bedauerte. Er fand sie in ihrer unverhohlenen Sexualität immer schon herausfordernd, ein schwer umstrittenes Denkmal für Touristen und Einheimische, und so sollte ein Kunstwerk seiner Meinung nach sein.

Er holte seinen Feldstecher aus dem Futteral und warf damit einen Blick auf die Basilika Birnau, das rosafarbene Barockjuwel am Südhang des Überlinger Sees, die im frühmorgendlichen Dunst anmutig wie die Verheißung der ewigen Seligkeit herüberstrahlte. Er musste dem prächtigen Innenraum gelegentlich einmal wieder einen Besuch abstatten, um seinem Lieblingsputto rechts vor dem Altarraum zu huldigen, dem kindlich verspielten Honigschlecker.

Drei Männer um die vierzig, gekleidet wie Wanderer mit leichten Anoraks und Goretex-Stiefeln, setzten sich auf die Bank neben Escher. Ihm fiel auf, dass sie alle ziemlich ähnlich aussahen, so, als hätten sie im gleichen Geschäft für Sport- und Wanderausrüstung eingekauft. Sie trugen Sonnenbrillen, Halstücher und Dreitagebärte. Sie wirkten, als wären sie unterwegs zu einer Hochgebirgstour. Nur dass ihnen die Kletterausrüstung fehlte. Und statt Mützen hatten sie Baseballcaps auf dem Kopf.

Einer kam Escher sogar bekannt vor. Er wusste allerdings nicht, wie er ihn einordnen sollte. Aber das war ihm auch egal. Er war seit drei Jahren in Pension und interessierte sich ausschließlich für seine Leidenschaft, der er jetzt, da er so viel Zeit hatte, mit Akribie und Disziplin nachging. Der ehemalige Studiendirektor Dr.Escher, Fächer Englisch, Deutsch und Geschichte, schrieb historische Biografien, die er im Selbstverlag herausbrachte und die nicht sehr erfolgreich waren. Doch er war Junggeselle ohne jeglichen Anhang, pflegte keine verwandtschaftlichen Beziehungen und hatte niemandem Rechenschaft abzulegen, womit er seine Zeit verbrachte und wofür er sein Geld ausgab.

In diesem Jahr wollte er die Biografie über Annette von Droste-Hülshoff abschließen, an der er seit einiger Zeit arbeitete. Dazu war es ihm wichtig, regelmäßig an den Wirkungsstätten der Dichterin, dem alten Schloss Meersburg und dem Fürstenhäusle, einem idyllischen Dichterhäuschen inmitten der Weinberge, die Atmosphäre zu spüren und Witterung aufzunehmen. Er hatte gute Fortschritte gemacht und sein Arbeitspensum in der geplanten Zeit erledigt. Aber so war er schon immer gewesen: genau und diszipliniert, getaktet nach regelmäßigen Arbeits- und entspannenden Ruhephasen, die er auf die Minute einhielt. Genauso wie seine Spaziergänge, die er an der irischen Küste absolvierte, um fit zu bleiben. Seine Gesundheit war ihm wichtig, und er konnte sich nicht beklagen: Sein Arzt hatte ihm Herz und Kreislauf eines Vierzigjährigen attestiert. Dabei war er siebenundsechzig. Nur seine Hüfte hatte ihm Schwierigkeiten bereitet. Aber die waren, seit er eine Hüftprothese aus Titan bekommen hatte, behoben.

Vor einer Woche war er aus seinem Domizil in Irland wieder einmal an den Bodensee gekommen, um hier seine Studien zu vollenden. Während dieser Zeit wohnte er in einer kleinen Pension in der Nähe des Fährhafens in Konstanz. Die Miete hatte er für zwei Wochen im Voraus bezahlt, so lange plante er zu bleiben, um dann in seiner neuen Heimat die Biografie über die große deutsche Dichterin endgültig fertigzustellen.

Ein Kassierer kam und überprüfte die Fahrausweise. Escher hatte eine Dauerkarte, die drei Männer bezahlten ihre Tickets bar.

Die Fähre war jetzt fast fünfzehn Minuten unterwegs, und Escher begab sich nach vorne an den Bug, um das näher kommende Meersburg zu genießen, ein Panoramablick, an dem er sich nicht sattsehen konnte. Oben auf dem Berg die alte Meersburg, und, aufgereiht wie Perlen an einer Schnur, die barocken Residenzen der Bischöfe und farbenprächtigen Bürgerhäuser mit den Weinreben dazwischen. Schade nur, dass die Stadt bei näherem Hinsehen allzu touristisch war und es fast nur Läden mit Krimskrams und Nippes gab. Escher fand Konstanz authentischer, obwohl die Touristen in der Ferienzeit natürlich auch dort eine Landplage waren.

Er bemerkte, dass die drei auffallend schweigsamen Männer in Wanderkleidung ihm gefolgt und links und rechts neben ihn an die Reling getreten waren, wo sie beobachteten, wie die Fähre auf die von dicken Pfählen gebildete Anlandebucht zusteuerte. Escher mochte es nicht, dass die Männer allmählich näher an ihn heranrückten, obwohl das Zwischendeck ansonsten vollkommen leer war.

Gerade wollte er weggehen, als er von dem Mann links neben sich plötzlich und unvermittelt angesprochen wurde.

»Dr.Escher?«

Escher drehte sich zu ihm um. »Kennen wir uns?«, fragte er betont distanziert.

»Ja, wir kennen uns, Herr Doktor. Wir kennen uns sogar sehr gut.«

Er verzog das Gesicht zu einem falschen Grinsen, und in diesem Moment registrierte Escher im Augenwinkel, dass der Mann rechts von ihm ein handygroßes Gerät aus seinem Rucksack holte und es ihm an den Hals drückte. Er spürte zwei fingerlange, stricknadeldicke Metalldrähte an seiner Halsschlagader. Panik durchströmte ihn. Er wollte noch die Hand des Mannes wegstoßen, da durchfuhr ihn schon ein heftiger und blitzartiger Schmerz, so unerwartet, dass er nicht mehr schreien konnte. Sein Körper war plötzlich ein einziger Krampf, ein gurgelndes Röcheln kam noch aus seinem verzerrten Mund, dann verlor er das Bewusstsein.

Der Mann im roten Anorak steckte mit einer fließenden Bewegung das Elektroschockgerät, das den Körper von Escher mit siebenhundertfünfzigtausend Volt für ein paar Minuten absolut bewegungsunfähig gemacht hatte, in den Rucksack zurück, während die zwei anderen Escher auffingen und ihn wegschleppten wie einen Betrunkenen. Niemand hatte zugesehen, alle Passagiere warteten entweder schon in ihren Autos auf dem Unterdeck oder an der Auffahrtsrampe der Fähre, die gerade mit einem letzten, sanften Ruck andockte.

Die Männer führten den wehrlosen Escher im Eiltempo hinunter auf das Fährdeck und zu einem alten VW-Bus, der genau am Ende der Treppe geparkt war. Der Mann im roten Anorak schob die seitliche Schiebetür auf. Zu dritt hoben sie Escher in den Bus, wo ein Rollstuhl bereitstand, der am Boden befestigt war. Sie setzten Escher hinein und fixierten Hände und Füße mit Klebeband am Stuhl. Dann verklebten sie ihm noch Mund und Augen, während der Fahrer schon den Zündschlüssel drehte. Der Anlasser wimmerte.

Das letzte Fahrzeug war bereits auf der Rampe zur Ausfahrt, der Lademeister winkte dem orgelnden VW-Bus ungeduldig zu. Der Fahrer hob entschuldigend die Hand, endlich sprang der Motor an. Der Fahrer gab Gas und folgte dem letzten Wagen auf die Rampe.

Der dunkle VW-Bus, Modell Multivan, quälte sich die steile und kurvige Passstraße zur Oberstadt von Meersburg hoch und verschwand in Richtung Friedrichshafen.

3

Drei Minuten vor zehn Uhr stand Madlener in der Ehlersstraße vor der Polizeidirektion Friedrichshafen und sah zwei eifrig diskutierende Polizisten in Uniform hineingehen. Da bin ich nun an meiner zukünftigen Wirkungsstätte, dachte er mit einem Anflug von Sarkasmus und wischte sich mit einem Taschentuch den Schweiß von der Stirn. Obwohl es noch Vormittag war, schien die Sonne mit einer Inbrunst vom Himmel, als würde sie sich schon bald in einen roten Riesen verwandeln wollen. Die Polizeidirektion und das Finanzamt waren in einem großen, modernen Gebäude untergebracht, beide Behörden hatten verschiedene Eingänge.

Madlener zog seine Hose hoch. Sein Anzug war von seinem Nickerchen auf der Bank zerknautscht und sein Gesicht wahrscheinlich ebenfalls. Außerdem verspürte er so ein verräterisches Brennen an seiner Unterlippe. Er kratzte sich unbewusst, bis ihm klar wurde, dass er wohl ausgerechnet heute wieder mal seinen Lippenherpes bekommen würde, mit dem er sich regelmäßig alle paar Monate herumärgern musste. Er kramte in seinen Taschen und wurde nicht fündig. Natürlich hatte er das Zovirax, das er sonst ständig dabei hatte, in seinem Hotelzimmer vergessen. Er fluchte innerlich. Wenn er die juckende Stelle nicht rechtzeitig mit dem Zeug einschmierte, dann konnte er sich die nächsten Tage, wenn nicht sogar Wochen, mit einem Bläschenpaket herumplagen, das übel schmerzte und auch noch scheußlich aussah. Mist, Mist, Doppelmist!

Er gab sich einen Ruck und ging durch die Eingangstür. Am Empfangstresen wandte er sich an den diensthabenden Beamten, einen sportlichen Jungpolizisten in einer kurzärmligen Uniform, die an den Oberarmen so knapp saß, dass sein Träger wohl jeden Tag eifriger Besucher einer Muckibude war und zum Müsli am Morgen noch ein paar Löffel anabole Steroide mischte.

»Guten Tag. Mein Name ist Madlener. Ich soll mich beim Kriminaldirektor melden.«

»Bei Herrn Kriminaldirektor Thielen … das ist im ersten Stock. Die Treppe hoch und dann die erste Türe links. Da landen Sie im Vorzimmer bei Frau Gallmann. Das ist seine Sekretärin.«

»Danke.«

Er ging schon auf die Treppe zu, drehte sich aber noch einmal um. »Gibt’s hier irgendwo einen Kaffeeautomaten?«

»Nein. Aber eine Kantine.«

Madlener sah den Bodybuilder hinter seinem Tresen fragend an.

Der grinste entschuldigend, als er noch einen Satz nachschob. »Aber die macht erst um elf auf.«

»Na großartig.«

Madlener seufzte und angelte sich einen Kaugummi aus der Tasche, bevor er die Treppe zum ersten Stock hochging. Wenigstens sein Kaugummipäckchen hatte er nicht vergessen.

Kriminaldirektor Thielen, der Chef der Kripo in Friedrichshafen, zuständig für das halbe Bodenseegebiet, sah von der Akte »Madlener« hoch, die er vor sich auf dem Schreibtisch hatte, und äugte über den Rand seiner Lesebrille auf den Hintern seiner Sekretärin Frau Gallmann, die seine mickrigen Büropflanzen begoss. Er war verheiratet und hatte zwei erwachsene Kinder. Aber auch ein heimliches Faible für seine großgewachsene, schlanke Sekretärin, gerade weil sie so streng wirkte in ihren eng geschnittenen Kostümen und den hochhackigen Pumps, die sie immer trug. Ihr rot gefärbtes Haar passte gut zu ihren grünen Augen, und er musste sich jeden Morgen zurückhalten, damit seine Komplimente nicht allzu anzüglich ausfielen.

»Sie haben doch mit Stuttgart telefoniert, Frau Gallmann – was erzählt man sich denn so über diesen Max Madlener?«

»Wollet Se des wirklich wissen?«

Wenn sie unter sich waren oder wenn sie aufgeregt war, verfiel Frau Gallmann gerne ins Schwäbische, was sie ansonsten tunlichst unterdrückte.

Thielen sagte: »Sonst würde ich Sie ja nicht fragen.«

Sie zog ihr dunkelgrünes Kostüm, das wie immer perfekt saß, zurecht, und drehte sich zu ihm um.

»Der Herr Madlener hat einen aussagekräftigen Spitznamen, von dem er selber aber angeblich nix weiß. Isch nur hinter seinem Rücken verwendet worden, wie man mir gsagt hat.«

»Und wie lautet der?«

Sie machte eine bedeutungsschwangere Pause, bevor sie sagte: »Man nennt ihn Mad Max.«

Thielen griente und kaute auf seinem Brillenbügel. »Wie der Verrückte in diesem Film?«

Frau Gallmann nickte. Sie war Filmkennerin und hatte ein außerordentlich gutes Namens- und Jahreszahlengedächtnis. »Mel Gibson. Ja, genau der. Australien, 79.«

»Mad Max. Gefällt mir. Passt wie die Faust aufs Auge, wenn ich mir seine Akte so ansehe.«

In diesem Augenblick klopfte es an der Vorzimmertür.

»Des wird er sein«, sagte Frau Gallmann mit einem Anflug von schlechtem Gewissen wegen ihrer Tratschgeschichte und eilte mitsamt ihrer Gießkanne ins Vorzimmer. Kriminaldirektor Thielen setzte seine Brille wieder auf und gab vor, die Akte zu studieren.

Frau Gallmann sah wieder zur Tür herein. »Der Herr Madlener wäre jetzt da, Herr Kriminaldirektor«, sagte sie beflissen.

»Soll reinkommen«, antwortete Thielen betont cool, wie er es bei Tom Selleck im Fernsehen gelernt hatte, stand auf und streckte dem leicht übergewichtigen Mann mit den etwas zu langen braunen Haaren und dem misstrauischen Blick die Hand entgegen.

Madlener gab Thielen kurz, aber fest die Hand und stellte sich vor. »Madlener.«

»Thielen«, antwortete der Kriminaldirektor und wies auf den Besucherstuhl. Madlener setzte sich und wartete ab, etwas, was er offenbar sehr gut konnte.

Thielen unterbrach als Erster die peinliche Pause. »Wie war die Fahrt?«

Madlener zuckte mit den Schultern. »Okay. Ich bin schon seit gestern Abend hier. Hab mich in einem Hotel einquartiert.«

Thielen nickte und sah ihn dann über den Rand seiner Brille an. »Herr Madlener – sagen Sie mir, was soll ich mit Ihnen machen?«

Thielen taxierte Madlener wie ein in seiner Geduld überstrapazierter Lehrer seinen Schüler, der zwar talentiert war, wegen seiner Faulheit aber wieder einmal die letzte Klassenarbeit versaut hatte. Er seufzte noch einmal vielsagend, als er den Blick wieder abwandte und Madleners Akte weiter überflog. Er hatte sie bereits mehrfach genau durchgelesen und tat jetzt so, als sei er vor lauter Arbeit bisher nicht dazu gekommen.

»Dabei waren Ihre Beurteilungen immer ausgezeichnet. Und wie Sie den Fall Kreuzkamm gelöst haben – Respekt!«

Madlener sagte noch immer kein Wort.

Thielen kam allmählich ins Schwitzen. Um seine Unsicherheit zu verbergen, fing er an, seine Brille zu putzen.

»Ja … wie haben Sie sich Ihre Arbeit bei uns denn vorgestellt?«, fragte er schließlich.

»Ich weiß nicht. Sagen Sie’s mir«, antwortete Madlener.

Jetzt wurde Thielen die Situation wirklich ungemütlich. Er schaltete auf eine kontrollierte Offensive um.

»Sie wissen, dass Sie nach dieser unguten Geschichte in psychologische Behandlung müssen. Anordnung von oben.«

Er sah ihn direkt an. Madlener erwiderte seinen Blick, ohne zu blinzeln. Thielen schaute als Erster wieder weg. Madlener nickte.

»Ist mir bekannt, ja.«

Thielen klappte die Akte zu und setzte zu einem verkrampften Lächeln an.

»Aber machen Sie sich keine Sorgen.«

»Ich mache mir keine Sorgen.«

Thielen sah ihn irritiert an und setzte seine Brille wieder auf. Er bemühte sich, eine widerspenstige Haarsträhne mit der Hand wieder akkurat vom Seitenscheitel über seinen Kopf zu legen.

»Wir haben hier in Friedrichshafen einen sehr kompetenten Psychotherapeuten. Er hat eine eigene Praxis, kümmert sich aber auch um traumatisierte Kollegen. Eine Kapazität. Jede Menge Veröffentlichungen. Herr Dr.Auerbach. Meine Sekretärin Frau Gallmann gibt Ihnen nachher die Adresse. Sie zeigt Ihnen auch Ihr Büro. Ich habe mir gedacht, dass Sie sich am Anfang um einige Altfälle kümmern. Damit Sie sozusagen warmlaufen, nicht wahr, sich einarbeiten. Aktuell haben wir nichts vorliegen, was Hauptkommissar Binder, Ihr Kollege, nicht auch alleine schaffen würde. Wir haben nicht so viele Kapitalverbrechen hier. Gott sei Dank. Dann … willkommen bei der Kripo Friedrichshafen und auf gute Zusammenarbeit, Herr Madlener.«

Er stand auf und streckte ihm die Hand hin. Als Madlener einschlug, ließ er sie nicht los.

»Ach ja, bevor ich’s vergesse: Wir bekommen einen Azubi zugeteilt. Heißt Harry Holtby. Seltsamer Name, ist aber irgendwie ausländischer Abstammung. Vater Engländer oder Ire. Irgendwas Angelsächsisches. Frisch von der Polizeihochschule. Hat nur Bestnoten. Vielleicht können Sie ihm das eine oder andere aus der Praxis beibringen.«

»Ich bin es eigentlich gewohnt, allein zu arbeiten.«

Thielen lächelte wieder. Aber diesmal war das Lächeln auf seine Lippen beschränkt, die grauen Augen blieben eiskalt. Er überprüfte den Sitz seiner Haare.

»Das ist keine Bitte. Das ist eine dienstliche Anordnung, Herr Kollege Madlener. Sie sind ein erfahrener Mann, und Kommissar Binder hat schon einen jungen Kollegen als Mitarbeiter. Sie werden ihr Büro mit Harry Holtby teilen müssen. Ab sofort leiten Sie die AG Alt- und Vermisstenfälle. So heißt das bei uns. Sie erstatten mir einmal in der Woche Bericht über ihre Fortschritte. Die Akten finden Sie im Keller der Verkehrspolizei.«

Jetzt erst ließ er Madleners Hand los, öffnete die Tür zum Vorzimmer.

»Frau Gallmann …«

Thielens Sekretärin blickte von ihrer Tastatur hoch.

»Hauptkommissar Madlener möchte sein zukünftiges Büro sehen.«

Er wandte sich wieder an Madlener.

»Frau Gallmann ist der gute Geist hier im Hause. Bei allem, was Sie brauchen, wenden Sie sich am besten an sie.«

Damit war alles gesagt. Er schloss hinter Madlener die Tür.

4

Zu Madleners Erstaunen stöckelte Frau Gallmann nicht etwa ein paar Türen weiter, sondern geleitete ihn auf die Straße hinaus.

»Wo gehen wir hin?«

»Nur ein paar Häuser weiter, Herr Madlener. Wir haben Sie in einem Büro bei der Verkehrspolizei untergebracht. Da haben Sie es auch nicht so weit in den Keller zu den Vermisstenakten«, fügte sie quasi als Entschuldigung hinzu.

Madlener dachte sich seinen Teil. Also wollte man ihn abschieben. Auch gut, dann hatte er seine Ruhe und konnte seiner Arbeit nachgehen, ohne dass Kriminaldirektor Thielen ihm ständig auf den Füßen stand.

Sie liefen schweigend nebeneinander her, und Madlener hatte Mühe, mit den klackernden Trippelschritten mitzuhalten. Versehentlich biss er sich auf die Unterlippe und zuckte zusammen, weil er dadurch wieder schmerzhaft an seinen Herpes erinnert wurde.

Er blieb stehen. »Eine Frage, Frau Gallmann – gibt’s hier in der Nähe eine Apotheke?«

»Wieso, was brauchet Sie denn?«

Er starrte sie verblüfft an. Sie hatte das so selbstverständlich gesagt, als hätte sie eine Notfallausrüstung für jede erdenkliche Krankheit dabei. Als sie seinen Blick sah, entschuldigte sie sich sofort bei ihm. »Um Gottes willen, Herr Madlener – ich wollt jetzt net indiskret sein!«

»Nein, nein, das macht gar nichts. Ich krieg nur einen Lippenherpes, und wenn ich nicht rechtzeitig –«

Sie unterbrach ihn mit einer Geste. »Ich weiß, wie das ist. Wenn’s Ihnen nix ausmacht …«

Sie kramte in den Tiefen ihrer Handtasche, wurde fündig und streckte ihm eine kleine Tube hin. »Hier. Ist noch nicht angebrochen. Sie könnet se behalten.«

»Wirklich?«, fragte er und nahm die Tube.

»Wirklich. Nehmen Sie’s als Einstandsgeschenk«, sagte sie und lächelte.

»Sie sind ein Engel«, antwortete er und meinte es in diesem Augenblick auch so.

Frau Gallmann bekam tatsächlich rote Bäckchen und sagte schnell: »Des isch meine gute Tat für heute.«

Sie stöckelte weiter, während Madlener einen Klecks Salbe aus der Tube drückte und vorsichtig seine marode Lippe einschmierte, bevor er sich beeilte, wieder zu Frau Gallmann aufzuschließen.

Sie erreichten schließlich ein großes Gebäude, dem mehrere überdimensionale Garagen für Einsatzfahrzeuge gegenüberstanden. Das Haus sah aus wie ein zu groß geratenes Zweifamilienhaus aus den sechziger Jahren. Frau Gallmann grüßte fleißig die Kollegen in Uniform, die ihnen begegneten, und führte Madlener in den zweiten Stock.

Frau Gallmann stocherte mit einem Schlüssel im Türschloss zu Madleners neuem Büro herum. Endlich hatte sie den Dreh heraus und drückte die Klinke. Mit eindrucksvollem Schwung öffnete sie die Tür, als würde sie ihm den Zugang zu einer Schatzhöhle offerieren.

»Bitte sehr – Ihr zukünftiges Büro!«

Madlener machte Licht. Der Ausdruck »Büro« war der Euphemismus des Jahres.

Was er sah, war ein leerer, kahler Raum, eine bessere Abstellkammer.

»Sie werden sehen, des isch ideal für Sie.« Allerdings rümpfte sie leicht säuerlich die Nase. »Es riecht a bissle streng. Könnt mal wieder gelüftet werden«, sagte sie, ging auf das einzige Fenster zu und wuchtete den Rollladen hoch, sodass Tageslicht hereinkam. Madlener trat näher und sah, dass das Fenster auf einen großen Hof hinausführte, der als Parkplatz für die Besucher diente.

Madlener drehte sich in dem etwa zwanzig Quadratmeter großen, leeren Raum um, während Frau Gallmann gespannt an ihrer Betonfrisur herumnestelte. Er überlegte, was er für ein Gesicht machen sollte, und entschied sich für die neutrale Variante. Aber er blieb stumm, was sie sichtlich irritierte.

Als sie sah, dass er nicht reagierte, zerrte Frau Gallmann selbst am Fensterhebel herum, bekam ihn aber nicht auf. Sie drehte sich zu Madlener um und deutete mit einer gespielt hilflosen Geste auf das Fenster. Madlener griff ein, und mit gemeinsamer Kraftanstrengung gelang es ihnen schließlich, das Fenster zu öffnen.

»Na bitte, geht doch«, sagte sie.

Madlener sah hinaus. Dort unten kam gerade Thielen heran, sein neuer Chef, und unterhielt sich mit einem Kollegen in Uniform. Er holte aus seiner Jackentasche eine Packung Zigaretten heraus und zündete sich eine an. So gierig, wie er den Rauch inhalierte, schloss Madlener, dass Kriminaldirektor Thielen heimlicher Kettenraucher war. Das passte perfekt: ein bigotter Heuchler, der Wasser predigte und Wein trank. Aber heimlich, das erhöhte den Reiz. Madlener konnte es egal sein. Er hatte sowieso vor, sich seine eigenen Freiräume zu schaffen. Auch wenn sich Thielen die zukünftige Zusammenarbeit mit Hauptkommissar Madlener – »Teamwork« war sein zweitliebstes Wort, gleich nach »Aufklärungsquote«, hatte man ihm in Stuttgart gesagt – offenbar ganz anders vorstellte. Aber was sollten sie tun? Feuern konnten sie ihn nicht, er war Beamter. Und was andere über ihn dachten, war ihm herzlich egal. Jedenfalls im Beruf. Den würde er so ausüben, wie er es für richtig hielt.

Das war nach seinem Sabbatjahr nicht einfach. Dem erzwungenen Sabbatjahr, nachdem er und sein Partner in der unseligen Nacht, die er einfach nicht vergessen konnte, in eine Schießerei geraten waren, bei der Madlener einen Menschen erschossen hatte. In Notwehr, wie die Untersuchung später feststellte. Nur dass das Opfer ein siebzehnjähriger Schüler mit einer Schreckschusspistole war, die man in der Dunkelheit nicht richtig sehen konnte.

»Soll ich Ihnen jetzt den Aktenkeller mit den Altfällen zeigen?«

Frau Gallmann stupste ihn an. Wie so oft war Madlener in seine dunkle Gedankenwelt abgedriftet, die ihn immer überkam, wenn er schon glaubte, sie unter Kontrolle zu haben. Aber sie beherrschte ihn, dumpf brodelnd unter dem dünnen Firnis aus Gewohnheit und Routine, mit der er sein Leben abwickelte. Madlener schüttelte einen Anflug von Selbstmitleid ab und drehte sich zerstreut zu Frau Gallmann um.

»Ja?«

Sie sah ihn mit leichter Besorgnis an. So wie man eine unberechenbare exotische Echse anschaute, von der man nicht wissen konnte, ob sie einem die Hand abschlecken würde oder lieber zuschnappte. Aber vielleicht lag das auch daran, dass Madlener schon seit sechs Uhr in der Früh auf den Beinen war und sein billiger Konfektionsanzug aussah, als hätte er ihn gerade in einem Anfall von Reue wieder aus dem Sack für die Altkleidersammlung gezogen. Außerdem war ihm der Hosenbund zu eng. Er musste dringend abnehmen. Aber das war seine geringste Sorge.

»Ob ich Ihnen den Aktenkeller zeigen soll?«, wiederholte sie geduldig.

Er nickte. Sie ging voraus.

Madlener war vor zwei Wochen neunundvierzig geworden und wieder in der Provinz gelandet. Da, wo er herkam und eigentlich nie mehr hinwollte. Zwanzig Jahre lang hatte er in Stuttgart als Kripobeamter gearbeitet. Und jetzt war er in seine alte Heimat versetzt worden, auf eigenen Wunsch. Nicht aus Resignation, sondern einfach deshalb, weil er wegwollte von alten Geschichten und neu anfangen. Das war in seinem alten Revier in Stuttgart nicht mehr möglich. Dort hatte er sich zu viele Feinde gemacht, zu viel verbrannte Erde hinterlassen. Und zwei Exfrauen dazu.

Sein Chef in Stuttgart, mit dem es eine lautstarke Auseinandersetzung gab, die man durch das ganze Polizeipräsidium hören konnte und von der man noch monatelang hinter vorgehaltener Hand sprach, weil Madlener der Einzige war, der es jemals gewagt hatte, auf einer Pressekonferenz dem Leiter der Mordkommission ins Wort zu fallen und ihm zu widersprechen, hatte ihn schließlich vor die Wahl gestellt, sich wegen psychischer Probleme frühpensionieren zu lassen oder zurückzugehen in die Provinz. Nur dessen Vorgesetzter, Kriminaldirektor Bürklein, hatte Madlener die Stange gehalten und dafür gesorgt, dass es kein Disziplinarverfahren gab, sondern dass man ihm eine goldene Brücke baute wegen seiner Verdienste. Eine politische Entscheidung, denn es wäre in der Öffentlichkeit schlecht angekommen, wenn der Mann, der den Fall Kreuzkamm maßgeblich gelöst hatte, gefeuert worden wäre. Außerdem befürchtete man, dass Madlener zu viel wusste und gegebenenfalls schmutzige Wäsche gewaschen hätte. Und die gab es genug.

Madlener hatte das nie vorgehabt. Aber er hatte auch nicht vor, alles auf sich beruhen zu lassen und unter den Teppich zu kehren. Doch solange er keine Beweise dafür hatte, dass König, der Leiter der Mordkommission, Dreck am Stecken hatte, würde er nichts unternehmen. Wenn der Tag kommen sollte, an dem Madlener auspackte, dann nur, wenn alles hieb- und stichfest war. Aber diese Überlegungen waren nun zweitrangig. Jetzt ging es darum, erst einmal in seiner neuen alten Heimat Fuß zu fassen.

Madlener stand hinter Frau Gallmann vor der letzten Tür eines langen Ganges im Keller und wartete darauf, dass sie die schwere Stahltür aufbekam. Anscheinend hatte Frau Gallmann grundsätzlich Schwierigkeiten mit Schlössern und Riegeln. Madlener probierte einfach die Türklinke und drückte mit der Schulter gegen das Stahlblatt. Die Tür ging auf, sie war nicht verschlossen. Frau Gallmann war das sichtlich peinlich. Madlener genoss die Situation und hielt ihr gespielt galant die schwere Stahltür auf.

»Nach Ihnen«, sagte er süffisant und erntete dafür einen Blick, der töten konnte.

Neonröhren flackerten auf, als Frau Gallmann endlich den Lichtschalter ertastet hatte. Im grellen Licht sah Madlener, wie groß der fensterlose Raum war.

Vor Madlener standen endlose Regalreihen mit Kartons und Akten, dazwischen Spinnweben, die vermuten ließen, dass sich schon lange kein Mensch mehr hierher verirrt hatte.

Frau Gallmann seufzte inbrünstig. »Das Blöde isch, dass wir den Raum auch als Asservatenkammer benutzen«, sagte sie. »Als wir vom alten Präsidium in die neue Polizeidirektion umgezogen sind, hat man einfach alles, von dem man nicht wusste, wohin, hier hereingebracht.«

Sie zeigte auf die hinteren Regalreihen, die ausschließlich mit beschrifteten Kartons bestückt waren.

»Sind Sie schon so lange bei der Kripo?«, fragte Madlener.

»Fast fünfundzwanzig Jahre. Ich gehöre sozusagen zum Inventar, wie die meisten Akten hier«, sagte sie in einem leichten Anflug von Selbstironie, der sie für Madlener ein gutes Stück sympathischer machte. Er warf einen skeptischen Blick auf die schier endlosen Reihen mit Aktenordnern und Kartons.

»Da müsste mal jemand Ordnung reinbringen.«

»Wem sagen Sie das! Aber wer sollte das tun? Die Einzige, die sich einigermaßen auskennt, bin ich.«

Madlener sah sie auffordernd an und hob provokativ fragend die Augenbrauen. Frau Gallmann machte instinktiv zwei Schritte zurück und eine abwehrende Armbewegung.

»Wagen Sie nicht, daran auch nur zu denken! Ich habe eine schwere Stauballergie!«

»Ich auch.«

Er blies den Staub von einem Karton.

»Vielleicht wäre das ein Job für meinen neuen Assistenten«, grinste er.

»Sie haben wohl eine sadistische Ader«, grinste sie zurück. »Außerdem ist ihr Azubi eine Assistentin.«

»Herr Thielen sagte was von einem Harry Sowieso.«

»Da hat er etwas durcheinandergebracht. Aber Sie werden sie ja morgen kennenlernen.«

Damit ging sie ein paar Reihen weiter zu einem Tisch, auf dem ein hoher Stapel mit dünnen Aktenordnern lag. Sie packte ihn und drückte ihn Madlener in die Arme.

»Hier. Das sind nur die Vermisstenfälle. Die ungeklärten Fälle sind dahinten.«

Sie sah den schweren Packen in seinen Armen an.

»Aber fürs Erste dürfte das wohl reichen«, fügte sie hinzu.

5

In seinem Hotelzimmer legte Madlener den Packen mit Vermisstenfällen erst mal auf dem Bett ab. Frau Gallmann würde sich um die Einrichtung seines Büros kümmern. Er brauchte nicht viel: Schreibtisch, eine Besprechungsecke, ein oder zwei Regale und einen Computer.

So lange, bis er eine passende Wohnung gefunden hatte, würde er im Hotel »Zum silbernen Zeppelin« gleich hinter dem Busdepot wohnen. Es war nichts Besonderes, ein kleines, einfaches Drei-Sterne-Hotel in einem Hinterhof, aber in Gehweite von der Polizeidirektion und zehn Minuten von der Hafenpromenade entfernt, wo man, wenn man wollte, in Ruhe einen Kaffee trinken und den Touristen nachschauen konnte. Oder auf einer Bank einschlafen und dann völlig bedröselt aufwachen. Madlener beschloss, diesen peinlichen Vorfall auf seiner Liste für eigenes unbegreifliches Fehlverhalten einstweilen auf Position fünf einzuordnen.

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