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Maie hat ihre Dienstjahre bei der Winterherrin erfolgreich absolviert, fühlt sich jedoch nach dem Ende ihres Dienstes alleingelassen und von den Veränderungen in der Außenwelt überwältigt. Als ein Fluch sie auch noch in einen Frosch verwandelt, sitzt sie in einem Brunnen im Nirgendwo fest. Prinzessin Orla muss ebenso wie ihre Brüder einen Pfeil schießen, um ihre Zukünftige ausfindig zu machen. Als ihr magischer Pfeil in einen Brunnen fällt, hält sie die Mission für gescheitert - bis sie einen missmutigen Frosch aus dem Brunnen rettet. Können die zwei beieinander finden, wonach sie sich sehnlichst verzehren? "Das Fröschlein der Prinzessin" ist das erste Märchen aus Arl-Sere, gesammelt und aufbereitet von der Sorlyser Forscherin Eiris Elsett.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Das Fröschlein der Prinzessin
Märchen
June T. Michael
Alle Rechte bei June T. Michael
Copyright © 2023
c/o Autorenservice Patchwork
Schlossweg 6, A-9020 Klagenfurt
https://fantasyundfantasien.wordpress.com
Coverdesign: June T. Michael
9783757959500
Eiris' Widmung:
Für Tante Camelia und für mein Elter Rhaise, in tiefster Dankbarkeit.
Junes Widmung:
Für alle, die gerade den Trost eines süßen Märchens gebrauchen können.
1. Maie
2. Orla
3. Maie
4. Orla
5. Maie
6. Orla
7. Maie
8. Orla
Nachwort von Eiris Elsett
Danksagung
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Content Notes
Maie fühlte sich verloren. Ihr Haar und Leib von Gold bestäubt, der Beutel schwer von noch mehr Gold, aber am schwersten war ihr Herz. Drei Jahre war sie im Dienst der Winterherrin geblieben und es waren ihre glücklichsten Jahre. Voller Hingabe und Herausforderungen.
Doch die Winterherrin hatte ihr von Anfang an gesagt, dass ihr Dienst nicht von Dauer sein würde und es war Maies Selbstverleugnung, die sie diese Tatsache verdrängen ließ. Bis es zu spät war.
Nun aber hatte sich das Hoftor der Winterherrin zum zweiten und letzten Mal für sie geöffnet. Kaum war Maie hindurchgetreten und stand im Wald nahe ihres einstigen Zuhauses, verschwand es und ließ nur noch eine Wand aus nackt geschüttelten Herbstbäumen hinter Maie zurück.
Es gab nur einen Weg und der führte vom Wald weg. Zurück zum Hof, auf dem alles begonnen hatte.
Sie blieb erst stehen, als sie wieder den Brunnen erreichte, mit dem ihr Dienst begonnen hatte. Vielleicht, wenn sie sich erneut an der Spindel stach und die Tore mit ihrem Blut öffnete … Nein. Die Herrin hatte deutlich genug gesagt, dass Maie nicht zurückkehren konnte. An diesem Brunnen hatte sie nichts mehr zu hoffen und das zugehörige Gehöft war zerstört. Als wäre sie nicht drei, sondern dreißig Jahre fortgewesen.
Auch hier gab es für Maie nichts mehr zu finden. Wider besseren Wissens schaute sie sich dennoch um. »Mutter?« Sie hasste es, die Stiefmutter so zu nennen. Aber auf der anderen Seite hatte sie durch sie das Dulden gelernt, das ihr so viel Freude bereitet hatte. Dafür konnte sie ihr auch deren Wunsch erfüllen, sie ›Mutter‹ zu nennen.
Doch das einst lebhafte Haus lag still, das Dach in Teilen eingefallen und in dem geweißelten Ofen lebte eine alte Natter.
Maie bemerkte seltsame, gelb-gräuliche Flecken überall. Auf dem Boden, den Bänken. In den halb verrotteten Überresten eines Waschzubers. Ihre Spur führte sie in den Verschlag, in dem früher die Familienkuh gelebt hatte. Doch nun lag zwischen fauligem Stroh lediglich das Skelett eines Menschen, die Fingerknöchel mit der seltsamen Masse verklebt.
Maie stellten sich die Härchen im Nacken so sehr auf, dass die veränderte Hautspannung physisch schmerzte. Sie ging in die Hocke, streifte den Ärmel über ihre Hand und berührte die Knochen.
Ein dunkler Nebel stieg von dem Gebein auf und durchdrang mühelos den dichten Wollstoff, berührte heiß ihre Finger und für einen Augenblick hörte sie das Lachen ihrer Stiefschwester Reija.
Maie schüttelte den Kopf. Ihr Verstand spielte ihr wohl Streiche. Vielleicht war es die erdrückende Atmosphäre des zerstörten Gebäudes, samt Skelett und Brunnen. Sie machte sich nicht einmal die Mühe, die Ruine noch nach Verwertbarem zu durchsuchen. Angesichts des Goldes, das sie bei sich trug, war das ohnehin unnötig. Sinnvoller war es, sich zur nächsten Ortschaft zu begeben. Vielleicht konnte sie dort einen Wagen mieten oder ein Pferd kaufen.
