Gefangen zwischen Eis und Feuer - June T. Michael - E-Book

Gefangen zwischen Eis und Feuer E-Book

June T. Michael

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Beschreibung

Als Fenia von ihrer Familie nach Erytan geschickt wird, ist dies Segen und Fluch zugleich. Dort muss sie nicht geheim halten, dass sie es liebt, sich sexuell zu unterwerfen, benutzt und geschlagen zu werden. Doch als gleich zwei schöne Frauen mit ihr spielen wollen, fürchtet sie nichts mehr als die Entscheidung, ob sie vor dem Feuer oder dem Eis knien will. Wird sie lernen, ihre Bedürfnisse zu akzeptieren und von alten Verletzungen zu heilen? BDSM-Fantasy in einer fremdartigen Welt. Ein Roman über Selbstakzeptanz, leckeres Essen und heiße Sessions.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Gefangen zwischen Eis und Feuer

Erotische Abenteuer in Arl Sere: 1

Roman

June T. Michael

Erstausgabe im August 2020

Alle Rechte bei June T. Michael

Copyright © 2025

c/o Autorenservice Gorischek

Am Rinnergrund 14/5

8101 Gratkorn

Österreich

https://fantasyundfantasien.wordpress.com

Dieses Buch enthält Content Notes - diese finden sich am Ende des Buches. Zusätzlich finden sie sich auf meiner Homepage unter https://fantasyundfantasien.wordpress.com/content-notes-gefangen-zwischen-eis-und-feuer-nach-kapitel/

Coverdesign: June T. Michael unter Verwendung eines Shutterstock-Fotos mit der Nummer 1314943754, Fotografie von "Monstar Studio".

Lektorat: skalabyrinth

***

Für alle, die diese Geschichte gerade brauchen - ob als Seelentrost, zur Unterhaltung oder einfach so.

Viel Vergnügen!

Inhalt

Die Ankunft

In der "Mondmotte"

Der Weg zur Schattenschwingenvilla

Das Spiel

Das Bad

Unterwegs zum Palast

Die Prinzessin

Von Handel und Handlungen

Royale Spiele

Ein kleiner Ausflug

Mondmotte und Sonnenfalkin

Nachgespräche

Seelentrost

Mistress, Prinzessin und Händlerin

Die Dinge nach dem Buchende

Danksagung

Über die Person hinter dem Buch

Weiterlesen - Band 2 ist ebenfalls verfügbar!

Vollständige Liste aller Content Notes nach Kapitel

Die Ankunft

Das also war Sorlys. Die Stadt war, das musste Fenia zugeben, beeindruckender, als sie erwartet hatte. Vom Fenster ihres Luftschiffs aus sah sie gleißende Tempel aus Kristall und einen Palast, der an einen geschliffenen Diamanten erinnerte. Das Meer, umrahmt von schneeweißen Felsen, glitzerte wunderschön in der Sonne und sie seufzte sehnsüchtig. Bestimmt war es warm genug, um darin zu baden – das würde sie zu gerne tun nach einer mehrtägigen Reise in einem öffentlichen Schiff, eng zusammengepfercht mit anderen Handelstreibenden und in einer eher muffigen Atmosphäre.

Als das Luftschiff endlich endgültig landete und Fenia aussteigen konnte, war sie mehr als froh darüber und atmete die laue Frühlingsluft tief ein. Es war viel wärmer als in Syrlain, sie würde schwimmen gehen können, falls sie es schaffte, Zeit dafür zu erübrigen. Und sich ein Badekleid zu organisieren.

Der griesgrämigen Zöllnerin zeigte sie einen Beleg vor, dass ihre Waren bereits bei der Nordfestung erschöpfend geprüft worden waren und sie alle Gebühren bezahlt hatte. Sie errötete leicht, als sie sich an den Abend erinnerte.

Eigentlich wollte Fenia nur in der Unterkunft für Handelsreisende unterkommen und ein paar Stunden schlafen, bis es mit dem vollgetankten Luftschiff weiter in Richtung Hauptstadt gehen konnte. Die Zollabfertigung war nicht gerade freundlich gewesen, ihre Ware wurde so ausgiebig durchkämmt, als hätte sie nicht Golddraht und Tuch, sondern sonstwas für verbotene Substanzen in den Kisten.

Die Frau, einen ganzen Kopf größer als sie, hatte anschließend auf eine Leibesvisitation bestanden. »Du glaubst nicht, was wir schon für Juwelen an den interessantesten Stellen einer Frau gefunden haben.«

Fenia – verschwitzt und seit zwei Tagen nicht in der Lage, zu duschen und ihre Kleidung zu wechseln, weil irgendwer die Luftschiffduschen verstopft hatte – hätte die behandschuhten Hände am liebsten von sich geschlagen, doch das ging nicht. Damit hätte sie sich verdächtig gemacht, obwohl sie unschuldig war und so musste sie es wohl über sich ergehen lassen, dass die Frau über ihren Körper die Nase rümpfte und ihren Handschuh so tief in Fenias Leib schob, dass sie vor Schmerz wimmerte. »Was …«

»Na, sag bloß, du wurdest noch nie so berührt.«

Großartig. Da kam zur ganzen Sache auch noch Demütigung hinzu. »Wurde ich wohl!« Eine Zöllnerin ging ihr Liebesleben nichts an.

»Dreh dich um, mal schauen, ob dein zweites ›Geheimversteck‹ auch leer ist.«

War es selbstredend und so musste Fenia sich mit puterrotem Kopf ihre Sachen wieder überziehen und darauf hoffen, sich in der Unterkunft endlich waschen zu können. Ob die Zöllnerin auch andere so schikanierte? Fenia überlegte, bei nächster Gelegenheit einen Beschwerdebrief aufzusetzen.

Vielleicht würde ja während des nächtlichen Aufenthalts in der Festung die Dusche repariert, das würde sie sich wirklich wünschen.

Sie speisten zusammen mit der Festungsgarnison – Männer und Frauen, von denen einige definitiv Falkenblut haben mussten, das erkannte sie an den saphirblauen Augen einiger Leute. Fenia machte sich hungrig über ihren Eintopf her und rutschte, sobald sie halbwegs gesättigt war, auf ihrer Bank herum. Scheiße, die Zöllnerin hatte sie doch mit Absicht viel unsittlicher berührt, als notwendig, dessen war sie sich sicher. Was vor wenigen Stunden noch eine demütigende Erfahrung war, verwandelte sich in der Erinnerung immer mehr in etwas, das ganz andere Gefühle in ihr auslöste.

Bei dem Gedanken an die Scham fragte sie sich, ob ihr eine heiße oder eine kalte Dusche besser tun würde.

Dass die Einheimischen einander andauernd berührten, half nicht – ständig sah sie Wesen, die den Arm um einander legten, einander beiläufig über die Hände streichelten, sich gegenseitig Haare aus dem Gesicht strichen. Einige knieten oder bedienten bei Tisch, obwohl ihr Status anhand der Kleidung nicht niedriger sein konnte als der Status der von ihnen Bedienten – freiwillig Unterworfene.

In Syrlain war das Ganze ein wenig … nun, gelinde gesprochen verpönt. Es war nicht üblich, bei Erinnerungen an erniedrigende Berührungen tatsächlich Lust zu empfinden und so musste Fenia warten, bis sie an der Reihe war, im Namen ihres Handelshauses ins südlichere Erytan zu gehen. Dorthin, wo alles erlaubt war. Dorthin, wo Fenia einfach sie selbst sein konnte.

Sie lächelte und entschloss sich für eine ausgiebige, heiße Dusche. Und mit etwas Glück würde es entweder so laut sein, dass sie nicht auffiel – oder aber sie würde allein sein und somit in der Lage, sich selbst ein bisschen Entspannung zu gönnen. Die brauchte sie nach zwei Tagen im Luftschiff auch ganz dringend, so verspannt ihr Nacken war. In den engen Kojen konnte man sich zu leicht verlegen.

Fenia blickte sich aufmerksam um. Wie viele von denen, die mit ihr gekommen waren, saßen noch am Tisch und aßen? Gab es andere Reisende? Sie hatte keine angedockten Luftschiffe gesehen, aber das musste nichts heißen. Vielleicht hatte man die Schiffe in die angrenzende Kleinstadt geschickt, um sie aufzutanken. Oder die Leute wollten nur bis hierher fliegen und würden dann mit anderen Mitteln weiterreisen.

Kutschen, Flussschiffe, Pferde. Es gab viele Wege, um durch das Land zu kommen.

Ihre Blicke trafen die der Zöllnerin, die ebenfalls an einem der Tische saß und sie errötete heftig. Hastig löffelte sie ihren Eintopf aus, brachte ihren Teller zu einer Ablage für schmutziges Geschirr und eilte in die zugewiesenen Quartiere. Schließlich musste sie noch ihre saubere Kleidung mitnehmen. In ihre verschwitzten Sachen wollte sie freiwillig nicht zum zweiten Mal an diesem Tag schlüpfen.

Schöner wäre es, in gar keine Kleidung schlüpfen zu müssen, aber das würde sich wohl nicht so schnell ergeben, zumindest fürchtete Fenia dies. Sie kannte das Handelshaus in Sorlys und wusste, dass sie dort herzlich wenig Intimsphäre haben würde. Aber gut, sie kam zum Arbeiten dort hin.

Mit einem Beutel in der Hand und einem Stück Seife in der anderen ging sie den Flur entlang zu den Waschräumen. Auch die waren ihr aus früheren Fahrten bestens vertraut.

In Erytan hielt man offenbar nach wie vor nichts von Geschlechtertrennung, anders konnte sie sich nicht erklären, warum Männer und Frauen munter im selben Bereich duschen durften.

Oder aber man hatte einfach bei den Duschbereichen für die Gäste gespart, immerhin waren sie von denen für die Garnison abgetrennt. Und es gab Kabinen. Sie hatte auch schon Gemeinschaftsduschen kennen gelernt, in denen alle in zwei langen Reihen unter dem Wasser standen und sich säuberten. Da war an private Dinge nicht zu denken gewesen.

Fenia machte sich am Mechanismus aus mehreren Reglern und kleinen Hebeln zu schaffen, bis sie das Wasser in der nötigen Stärke und der nötigen Wärme eingestellt hatte – diese Technik war wirklich übertrieben kompliziert – und genoss erst einmal, es eine Weile auf sich niederprasseln zu lassen. Die warmen Tropfen in ihrem Nacken lösten allmählich ihre Verspannungen und sie fühlte, wie ihre Haare richtig nass wurden nach zwei Tagen, in denen sie den Fettfilm auf ihnen regelrecht riechen konnte.

Sie seufzte wohlig auf und machte sich mit einem kleinen Handschuh daran, ihre Haut erst einmal nur mit Wasser ordentlich zu schrubben, so lange, bis ihre Oberschenkel leicht rot und gut durchblutet waren und ihre empfindlichen Brustwarzen aufrecht standen und beinahe von der groben Behandlung schon schmerzten.

Fenia zog den Waschhandschuh aus, hängte ihn an einen Haken an der Kabinenwand und fuhr sich mit der Hand langsam zwischen die Beine. Zeit für ein bisschen Entspannung nur für sich alleine. Sie dachte an das strenge Gesicht der Zöllnerin, stellte sich vor, wie diese darauf bestand, sie noch ausgiebiger zu untersuchen. Ihren Unterleib mit einem kleinen Spreizer leicht zu dehnen, damit sie auch wirklich in sie hineinschauen konnte, ehe ihre behandschuhten Finger in sie drangen, um nach Schätzen zu suchen. Verwandelte die durchlittene Erniedrigung in lustvolle Unterwerfung.

Sie spreizte mit der anderen Hand leicht die Vulvalippen und drang mit gleich zwei Fingern ein, ungeduldig und erhitzt.

Ein Stromstoß durchlief ihren Leib, so heftig, dass ihre Knie weich wurden und sie sich mit dem Rücken an der Wand abstützten musste, um nicht zu stürzen. Sie biss sich auf die Lippen, um ihr Seufzen zu dämpfen und bewegte ihr Becken ihren eigenen Fingern entgegen, die andere Frau vor ihrem geistigen Auge.

Mit jeder noch so erniedrigenden Prozedur, die sie sich vorstellte, wurden ihre Finger schneller und zog sich ihr Unterleib stärker zusammen. Sie biss sich bald die Lippen blutig, so sehr musste sie ihr Stöhnen zurückhalten.

Und dann stellte sie sich für einen Augenblick vor, die Zöllnerin hätte in ihrem Unterleib ein Säckchen mit Diamanten entdeckt und müsste sie deswegen in Fesseln legen. Ein Gedanke, der ihren Unterleib sich besonders heftig zusammenziehen ließ.

Mit einem halb unterdrückten Stöhnen sank Fenia in sich zusammen, rutschte an der Kabinenwand herab und fand sich auf dem Boden sitzend vor, die Finger noch in ihr und der Atem so heftig, dass ihr Herz aus der Brust zu springen drohte.

Der Rest des Abends war irgendwo in den Untiefen der Erinnerung verschwunden – immerhin war sie seitdem eine weitere Woche mit dem Luftschiff gereist. Eine zermürbende Reise mit immerhin wieder funktionierender Dusche, aber in beengten Verhältnissen und stickiger Luft.

Nein, das war wirklich nicht hilfreich, sich an die Zöllnerin auf der Festung zu erinnern. Sie spürte, wie beim Gedanken an ihre Fantasien wieder Hitze in ihr aufstieg und kicherte etwas nervös.

Die griesgrämige Frau sah sie skeptisch an. »Habe ich etwas im Gesicht?«

»N…Nein. Keine Sorge, ich … habe nur vor mich hingeträumt.« Von der heißen Frau aus der Festung, aber das würde sie einer vollkommen Fremden lieber nicht auf die Nase binden. Am Ende würde das noch gegen sie verwendet werden – indem ihre Waren noch einmal verzollt wurden. Das konnte sich Fenia beim besten Willen nicht leisten.

Es dauerte trotzdem mindestens eine halbe Stunde, bis sie endlich ihre Waren nehmen und auf einen gemieteten Karren verladen konnte. Sie lenkte ihn selbst, auch wenn ihr das von der Bevölkerung der Hauptstadt komische Blicke einbrachte. Eine im Vergleich zu den anderen viel zu blasse, hellhaarige Frau, die ihren Handelskarren lenkte.

Sie wusste, dass sich das in Sorlys nicht gehörte, wo sogar einfache Handelsleute wie sie Unfreie für genau diese Art von Dienst hatten. Wesen, auf den ersten Blick nicht von den anderen zu unterscheiden, mit den Zeichen ihres Hauses auf dem Hals tätowiert.

Es war für Fenia immer recht schwer einzuschätzen, ob sie freier und glücklicher waren als die Wesen in Sorlys, die zwar keine Unfreien kannten, dafür jedoch unter dem Joch des Glaubens der Fünf waren. Ob das besser war? Zumindest lächelten sie, wenn Fenia sie ansah.

Ob sie tatsächlich so glücklich waren, wie es in den von der Königin Merekis geschriebenen Pamphleten beschrieben war? Sie zweifelte daran – Wesen waren nie glücklich. Selbst in einem perfekten Staat würde ihnen immer etwas nicht genug sein, würden sie immer etwas finden, was ihnen nicht passte. Würden sie mehr Dinge geschenkt haben wollen, als ihnen zustünde.

Nun, Fenia war es gewohnt, alles Glück in ihrem Leben mit harter Arbeit zu verdienen und das würde sich auch in ihrer Zeit im Handelshaus nicht ändern.

Es befand sich unweit eines Tempels, der aussah, als bestünde er aus dem fließenden Wasser, das in seinem Inneren wohl verehrt wurde. Sie wagte es auch jetzt, bei ihrem dritten Besuch, nicht, die Mauern anzufassen. War dies eine schlaue optische Täuschung oder bestanden die Wände wirklich aus nichts als dem Meer? Sie fürchtete den Zorn der fremden Gottheit, sollte sie es herausfinden wollen und begnügte sich mit ihren eigenen Mutmaßungen.

Im Handelshaus angekommen, wies sie die anwesenden Dienstboten an, ihre Waren zu verstauen und kontrollierte dabei sorgfältig, dass nicht auch das kleinste Stück Golddraht bei dieser Gelegenheit in deren Taschen wanderte. Das waren freie Einheimische und sie wusste nicht, wie stark die Vorurteile Syrlain gegenüber waren. Vielleicht stark genug, um die Fremdländerin einfach zu bestehlen, sie war jedenfalls nicht besonders erpicht darauf, es herauszufinden.

Sobald alles verstaut und gut abgeschlossen war, nahm sie erst einmal eine Dusche – allein und ohne heiße Gedanken. Für die würde sie sich später noch Zeit nehmen. Zunächst galt es jedoch, sich vorzeigbar zu machen und mit einer Probe ihrer Waren direkt zur Königin zu gehen. Das Königinnenhaus der Sonnenfalken hatte ihrer Familie schon viel abgekauft und wenn sie einen Großteil ihrer Ware direkt im Palast veräußern konnte, würde sie sich den Rest der Zeit mit anderen Geschäften beschäftigen können. Es gab schließlich die drei Monate, die sie zu bleiben hatte, einiges zu tun. Je mehr sie in einem Rutsch erledigen konnte, desto besser.

Fenia steckte sich die Haare gemäß erytanischer Mode mit viel zu vielen Haarnadeln fest und ließ ein paar Locken verspielt ein wenig heraushängen. Zwar war Merekis schon in ihren Fünfzigern und soweit Fenia es beurteilen konnte, hatte sie bislang keine Anstalten gemacht, wesentlich jüngere Händlerinnen aus dem Ausland zu vernaschen, aber was nicht war, konnte noch werden. Fenia hielt sich für begehrenswert genug und auch für fantasievoll genug, um selbst einer so erfahrenen Frau wie Königin Merekis noch etwas bieten zu können.

Sie hielt eine der vorbeifahrenden offenen Kutschen an, zahlte einige Kupferspatzen und ließ sich zum Palast kutschieren, sorgsam auf ihre Haltung bedacht. Denn hier in diesem Land galt eine würdevolle Körperhaltung viel. Sie musste immerzu die richtige Würde ausstrahlen, zeigen, dass sie es wert war, ernst genommen zu werden.

Denn das wollte Fenia. Ernst genommen werden und gute Geschäfte machen. Alles andere würde sich daraus schon ergeben, so hoffte sie es zumindest. Und wenn nicht, auch gut. Sie hatte zwei gesunde Hände und ein paar Hilfsmittel in ihrem privaten Gepäck.

In der "Mondmotte"

Der Palast strahlte aus der Nähe noch heller als vom Luftschiff aus. Fenia fragte sich, wie das möglich war. Ob die Wände wirklich aus Glas waren? Oder lediglich mit Kristallen ummantelt? Denn wie sollte eine solche Wand einen Angriff zurückhalten? Es müsste ja alles direkt zersplittern, wenn Geschosse darauf prallten.

Aber was wusste Fenia schon. Das würde man vermutlich im Griff haben, sonst stünde der Palast nicht an so einer exponierten Stelle, fast direkt am Meeresufer, sodass feindliche Schiffe ihn mühelos beschießen konnten. Vielleicht schoss Königin Merekis ja zurück.

Sie nahm ihren Korb mit den Warenproben und eilte die Außentreppe hinauf, um sich ankündigen zu lassen. Schließlich kam nicht jede dahergelaufene Händlerin einfach bis zur Königin, selbst wenn sie aus Syrlain angereist war.

Gerade als sie sich besonders elegant vor dem an der Tür stehenden Unfreien verbeugen und sich vorstellen wollte, schlugen die Flügeltüren auf und eine Frau sprang schimpfend und gestikulierend heraus, warf Fenia dabei um und schlug ihr den Korb aus der Hand.

Sie schaffte es nicht, sich zu drehen und schlug schmerzhaft mit dem Steiß auf dem Boden auf. Tränen schossen ihr in die Augen und sie rief der forteilenden Fremden einen sehr unflätigen Fluch nach – allerdings in ihrer Sprache.

»Lady, die meisten hier dürften Sie bestens verstanden haben.« Die Frau blieb stehen, lief zur Treppe zurück, verbeugte sich vor ihr und hielt Fenia dann die Hand hin, um ihr aufzuhelfen.

Fenia schlug sie weg und rappelte sich alleine so weit auf, dass sie ihre Proben wieder aufsammeln konnte. Das Tuch war natürlich verknittert und an einigen Stellen verschmutzt, so würde es keinen Sinn ergeben, es der Königin zu präsentieren. Großartig. Dann war der ganze Weg umsonst.

Die Fremde trat von einem Bein aufs andere, sah zu den Flügeltüren und dann wieder zu Fenia. »Es tut mir leid, ich …«

»Oh, steck dir das in den Allerwertesten, dein Mitleid.« Den Tag hatte Fenia damit schon mal unwiederbringlich verloren, es würde eine Weile dauern, die Proben waschen und glätten zu lassen. Sie würde außerdem Zeit brauchen, um zu prüfen, ob der Draht beim Fallen Löcher hineingebohrt hatte, dann konnte sie auch gleich andere Ballen nehmen.

»Aber …«

»Geh mir aus den Augen.« Das Geld, das sie für die Fahrt zum Palast ausgegeben hatte, war ebenfalls vergeudet. Noch eine Ausgabe, die sie gegenüber dem Handelshaus verantworten musste. Dass ihr niemand von den Umstehenden half, ihre Sachen einzusammeln, tat das Übrige – die zwei Unfreien an der Tür rührten sich nicht einmal und andere Personen huschten vorbei und würdigten sie meist keines Blickes. Und wenn doch, so blieben sie nicht stehen. Nur diese Erytanerin, die an allem schuld war, stand immer noch herum und streckte immer wieder die Hand nach dem Stoff aus.

»Wie wäre es mit einem Abendessen auf meine Kosten? In einer Gegend, die sich eine Händlerin nicht leisten kann?«

»Aber nur, wenn die Fahrt dorthin ebenfalls auf dich geht. Und die Fahrt zurück zum Handelshaus.«

»Fabiola mein Name.« Sie knickste höflich und klopfte Fenia etwas Straßenstaub von ihrem Kleid.

Erneut schlug sie ihre Hand weg. »Also ob ich mich anfassen lasse, entscheide ich nach dem Abendessen.«

»Ich nehme dich beim Wort.« Sie versuchte erneut, ihr die Hand zu reichen, aber Fenia zog ihre Hand weg und wartete darauf, dass die Frau endlich eine Kutsche rief.

Wie spät es wohl war? Fenia hatte keine öffentlichen Zeitmesser gesehen und sie selbst besaß keine Uhr, konnte es also nicht erkennen. Die Gegend hier lag so viel südlicher – obwohl es später Abend sein musste, war es noch hell wie am Tag und sie konnte sich nicht vorstellen, dass es so spät sein könnte. Ihr knurrender Magen erinnerte sie allerdings daran, dass sie zuletzt beim Frühstück auf dem Luftschiff etwas zu sich genommen hatte und so war sie umso dankbarer für Fabiolas Angebot. Vermutlich war es ohnehin besser, die Königin erst am nächsten Tag zu behelligen.

Sie setzte sich in die von Fabiola herbeigewunkene, offene Kutsche und fragte sich, wer sie eigentlich war. In diesem Land hatten jene, die nicht von Adel waren, nicht allzu viel zu sagen, dafür trat sie doch recht selbstsicher auf. Außerdem hätte sie sonst nichts im Palast verloren gehabt. Also mit Sicherheit eine Adelige. Aber warum so eine freche noch dazu?

Langsam wurde ihr warm – die Kutsche fuhr zwar schnell genug, um ihr durch den Fahrtwind ein wenig Linderung zu verschaffen, von kühler Abendluft war das Wetter dennoch weit entfernt und sie erinnerte sich wieder daran, dass in diesem Land alle mit diversen Fächern herumliefen. Allerdings musste sie aufpassen, es war gesellschaftlich kodiert und sagte alles Mögliche über die Trägerin aus, es wäre unklug, den erstbesten Fächer zu nehmen. Nicht, dass sie falsche Signale ausschickte.

Fabiola zupfte beiläufig an den Löckchen in ihrem Nacken. »Ist Euch ein wenig warm?« Und noch ehe Fenia antworten konnte, spürte sie eisige Kälte in ihrem Nacken, die sich ausbreitete und prickelnd unter ihren Haaransatz kroch.

Sämtliche Körperhaare stellten sich ihr auf und sie zitterte trotz der Wärme. »Was … Was war das?« Bei den sinistren Sieben, diese Kälte ging ihr durch Mark und Bein und verschwand nicht, als Fabiola ihre Hand längst wieder von Fenias Haut genommen hatte.

»Ach, ich dachte, die Lady wäre vielleicht erfreut über eine Abkühlung.« Sie grinste schelmisch und ihre Augen leuchteten kurz silbrig auf.

»Durchaus, aber was bitte war so unverständlich daran, dass ich noch nicht erlaubt habe, mich anzufassen?«

»Das … Oh … ich … es sollte eine freundliche Geste sein und ich dachte, du meinst damit nur …«

Fenia schüttelte den Kopf. »Ich meinte jede Art von Anfassen und das gerade war mir zudem viel zu anzüglich.«

»So war das nicht … Zum ersten Mal in Erytan?«

»Nein, das nun nicht …« Fabiola fing langsam an, sie zu verunsichern und das hasste sie. Als müsste sie eigentlich wissen, was sie für ein Wesen war. Woher? Sie konnte es ihr nun nicht gerade an der Nasenspitze ablesen.

»Man nennt uns Schattenflügel.«

»Ah. Verstehe.« Tat sie nicht, aber sie setzte einen weltgewandten Ausdruck auf und versuchte, so zu tun, als ob.

Fabiola hob den Arm, als würde sie ihn um sie legen wollen. Sie zog ihn allerdings zurück und lachte etwas verlegen. »Sag mal, auf welcher Seite stehst du? Es gibt einige Ausnahmen, aber die meisten sind entweder auf der oberen Seite oder auf der unteren einer Münze.«

»Was genau versuchst du gerade herauszufinden?« Fenia versteifte sich ein wenig. Nach der kalten Überraschung war sie nicht sonderlich erpicht darauf, blind vorzustoßen.

»Nun, bei einer Erytanerin erkennt man es an ihrem Fächer. Besteht er aus weichen Federn, die höchstens streicheln können oder …« Sie deutete einen Fächerhieb auf den Oberschenkel an.

»Freches Biest!« Fenia packte ihre Hand und drückte sie weg. »Habe ich es dir erlaubt?«

Sie schüttelte betroffen den Kopf. »Tut mir leid, ich wollte nur meine Frage ein wenig untermalen … nur andeuten. Nicht wirklich anfassen.«

»Untersteh dich!«

»Ja. Es tut mir wirklich leid.« Nun sah Fabiola sie verwirrt und etwas unsicher an.

»Gut.« Fenia grinste. »Dieses Abendessen wird dir teuer kommen.«

»Das habe ich mir gedacht.« Sie neigte den Kopf und deutete eine Art Verneigung an. »Wir sind fast da.«

»Sehr schön, ich habe Hunger.« Fenia erhob sich, kaum dass die Kutsche hielt und wartete nicht darauf, dass Fabiola ihr heraushalf. Selbstbewusst sprang sie selbst heraus und schaute sich um. »Wo ist es nun?«

Fabiola folgte ihr aus der Kutsche und reichte ihr den Arm. »Darf ich?«

»Geht doch. Warum nicht gleich so?« Fenia hakte sich ein und ließ sich führen.

»Tut mir leid. Du bist wirklich sehr attraktiv und ich konnte nicht widerstehen …«

Fenia schüttelte den Kopf. »Fabiola, das ist keine Entschuldigung. Ich hätte nackt sein können. Ich hätte gefesselt sein können, du hättest kein Recht gehabt, mich ungefragt zu berühren.«

»Ja. Du hast Recht.«

»Also um das auszubügeln, musst du dich vorbildlich verhalten. Und glaube mir, ich habe starken Hunger …« Fenia grinste sie an. »Auf Essen, ehe du mir wieder irgendetwas Sexuelles unterstellst.«

Fabiola hob die Brauen. »Als würde ich sowas tun. Ich bin die Unschuld in Person.«

Im nächsten Moment brachen beide in Lachen aus – Fenia musste sich an der erstbesten Hauswand festhalten, um nicht zusammenzubrechen.

»Da ist es, das Schild mit dem Mond und der Motte!« Fabiola hustete etwas. »Traditionelles erytanisches Abendessen, du bestellst einen Auflauf und nimmst dir dann vom kalten Buffet, was du magst.«

Fenias Magen knurrte beim Wort ›Auflauf‹ sehr vernehmlich. »Gut. Und sobald mein Bauch nicht mehr klingt, als würde er dich fressen wollen, reden wir noch einmal über Grenzen, Einverständnis und andere Dinge, ohne die ich dich nicht mal in die Nähe meines Körpers lasse, egal wie attraktiv und verführerisch du sein magst.«

»Dann reden wir darüber, andere Teile deines Körpers zu … essen?« Fabiola lächelte anzüglich.

»Oder deines Körpers.« Fenia schob die Tür zum Lokal auf und schaute hinein. »Aber erst nach dem Essen, ich knie so ungern unter einem Tisch.«

»Aber du kniest.« Fabiola schob die Tür auf und grinste triumphierend.

»Vielleicht.« Es duftete im Inneren herrlich nach gegrilltem Fisch, Fleisch und Meeresfrüchten. Das Lokal hatte eine Art Vorzimmer, geweißt und mit blauen und grünen Kristallen an der Decke beleuchtet. Als wäre Fenia unter Wasser.

Eine Frau, auf deren Hals ein Fisch tätowiert war, verbeugte sich vor den beiden. »Meine Damen …«

»Ein Tisch für zwei, Risou. Nicht zu weit von der Küche, aber etwas diskreter, wenn es geht.«

Risou verbeugte sich und ging voran.

»Ach? Diskret? Was hast du denn vor?« Fenia kicherte.

Fabiola hob die Brauen. »Nichts, ich mag es nur nicht, beim Essen beobachtet zu werden.«

»Das ist alles?« Fenia grinste sie an und ließ sich von der Unfreien dann durch den Raum führen. Auch hier waren die Wände weiß und das Licht kam von kleinen Fenstern unter der Decke und weiteren Kristallen. Anders als im Vorraum, waren hier auch gelbe darunter. Und kleine, rote, die zart pulsierten.

»Das ist alles. Oder magst du es, beobachtet zu werden?«

»Vielleicht.« Sie passierten eine Art mitten im Hauptsaal aufgebaute Feuerstelle, auf der ein hagerer Mann mehrere appetitliche Häppchen wendete. Fertiges Essen beträufelte er mit etwas Olivenöl und Oregano, ehe es ihm von anderen Besuchenden aus den Händen gerissen wurde. Davor standen Schüsseln voller Gemüse und Salat, mit glitzernden Kristallen besetzt. Von ihrem vorigen Besuch wusste sie, dass sie das Innere der Schüsseln kühlten. Buntes Dressing stand ebenfalls bereit.

Fabiola kicherte frech. »Ich bevorzuge etwas Abgeschiedenheit. Und ich mag es, angefasst zu werden.«

Risou führte sie zu einem Tisch, der von einer versetzten Wand etwas vom Hauptsaal getrennt war.

»Abgeschiedenheit also.« Fenia zog den Stuhl für Fabiola zurück. Wenn Anfassen erlaubt – und angesichts des Kicherns offenbar erwünscht – war, musste sie das testen. Sie streifte Fabiolas Seite, als diese sich niedersetzte, und grinste leicht. »Du solltest die Getränke bestellen, immerhin kennst du die hiesigen Weine.« Sie ließ sich ihr gegenüber nieder.

Fabiola zog scharf die Luft ein und verschränkte ihre Arme vor der Brust. »Kommt darauf an, was die Dame essen will.«

»Reisauflauf mit Oliven und Thunfisch. Darauf habe ich mich gefreut, seit ich erfahren habe, dass ich nach Erytan gehen darf.«

Risou nickte dienstbeflissen.

»Zucchini-Käse-Auflauf für mich.« Fabiola atmete sichtbar durch. »Ich esse kein Fleisch. Ich hoffe, das ist kein Hindernis für dich?«

»Ob du für eine fremdländische Auster eine Ausnahme machst?« Fenia schlüpfte aus ihrem Schuh und strich mit den Zehenspitzen über Fabiola Wade.

»Vielleicht?« Fabiola zog ihr Bein so weit zurück, dass Fenia es nicht mehr erreichen konnte.

»Dann mögen die Spiele beginnen?«, flüsterte Fenia, sobald Risou außer Hörweite war.

»Mögen die Spiele beginnen. Darf ich erfahren, wie meine reizende Mitspielerin heißt?«

»Fenia Estar. Vielleicht zu Diensten.«

Es war unhöflich, zum Buffet zu gehen, ehe der bestellte ›Sorlyser Rosé‹ für Fenia und der ›Liebliche Beerenwein‹ serviert waren. Genug Zeit, um einander genau zu betrachten.

»Dann hatte ich recht, dass du eine Spielerin bist. Wesen weiß ja nie …« Fabiola lächelte vielsagend.

»Sieht man es mir an?«

»Nein. Ich habe nur vermutet und gehofft.« Fabiolas Augen leuchteten silbern auf, an ihrem Fingernagel bildete sich eine Spitze aus Eis, die im Licht der Kristalle schimmerte. Beiläufig fuhr sie damit ihre eigene Wange entlang. »Und natürlich freue ich mich, dass ich Recht hatte.«

»Was …«

»Oh, das.« Fabiola streckte die Hand aus und ließ Fenia das Eis begutachten.

Vorsichtig ergriff Fenia ihr Handgelenk und berührte die eisige Spitze. Scharf. Und kalt, kälter als Gletschereis. Gänsehaut überzog sie allein beim Gedanken, diese Hand zu spüren. »Wie ist das möglich?«

»Durch jahrelange Übung natürlich. Wie jede magische Kraft auch.« Fabiola drehte ihre Hand aus Fenias Griff und strich ihr mit dem Fingernagel über die Handfläche.

Kälte, ein zarter Schmerz, Fenias Herz schlug schneller, die Gänsehaut unübersehbar und quälend. Nicht wimmern, nur nicht wimmern, das wäre zu peinlich, jederzeit konnte Risou zurückkehren. »M… Magisch also.« Fenias Stimme klang trotz ihrer Mühen belegt.

»Ja, magisch. Gibt es das in Syrlain nicht?«

Natürlich gab es in Syrlain einiges. »Nicht auf diese Weise. Das sehe ich zum ersten Mal.«

»Dann kann ich dir ja ein paar Dinge zeigen.« Fabiola grinste anzüglich.

Ein Grinsen, das in Fenia viel zu viele Gedanken auslöste, die sie ihre Beine aneinander reiben ließen. Vorstellungen von Eis auf nackter Haut, verlockend, weil es im ersten Moment unangenehm war. Gänsehaut und scharf eingezogener Atem.

Fabiola beugte sich vor. »Du bist rot geworden.«

Es wurde nicht besser, als Risou an ihren Tisch trat und eine Karaffe mit Wasser, je zwei Gläser und zwei Weinflaschen zwischen sie stellte. Sie schenkte je ein Glas ein, verbeugte sich und entschwand wieder.

»Nun?« Sie lehnte sich wieder zurück, das schmalfüßige Kristallglas mit den eingeschliffenen Vögeln in der braunen Hand.

Fenia atmete tief durch und nippte an ihrem eigenen Wein, verdünnte ihn mit etwas Wasser und nippte erneut. Das war besser. »Also … wenn zwischen uns was laufen soll …«

»Ich will es, du willst es, warum sollte zwischen uns nichts laufen?«

»… dann brauchen wir klare Vorgaben.«

---ENDE DER LESEPROBE---