Das Garmaron-Partikel - Christian Lentz - E-Book

Das Garmaron-Partikel E-Book

Christian Lentz

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Beschreibung

Wie weit würdest du gehen, um die Menschheit zu retten? Seit tausenden von Jahren schützt das Clipeus Scutum das Reich der Menschen vor den finsteren Mächten der Istilaci. Doch die uralte Maschine, die den mächtigen Schutzschild um den Planeten Orion 1 mit Energie versorgt, besitzt eine Schwachstelle, von der nur wenige Eingeweihte wissen. Sie benötigt Unmengen an Energie, um verlässlich zu funktionieren. Mutige Individuen aus dem Space Troopers Orden der Raven Templars durchstreifen daher das gesamte Universum, um geeignete Energiequellen zu finden und nach Orion 1 zurückzubringen. Doch nachdem der Kontakt zu immer mehr Space Troopers abgebrochen ist, fehlt seit kurzem auch jede Spur vom letzten noch verbliebenen Sucher. Und allmählich wird die Zeit knapp, da sich die noch vorhandene Energie des Clipeus Scutum langsam dem Ende neigt und die bösen Mächte der dunklen Thalni und der Istilaci nur darauf warten, in das Reich der Menschen einzufallen. Unverhofft treibt das Schicksal derweil in einem anderen Winkel des Universums dem vom Leben gezeichneten Sicherheitsoffizier Lazarus Diamanti eine geheimnisvolle Reliquie in die Hände, die über die Zukunft des Universums entscheiden könnte. Nichtsahnend, welche Macht er in seinen Händen hält, lässt er sich auf das Abenteuer ein, das geheimnisvolle Kreuz nach Orion 1, der Heimatwelt der Raven Templars, zurückzubringen. Aber wird er es schaffen, den Planeten rechtzeitig zu erreichen und sich den Mächten, die ihr ganz eigenes Interesse am Erwerb der Reliquie haben, zu entziehen? Von seinem Erfolg hängt das Schicksal der Menschheit und des gesamten Universums ab.

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Seitenzahl: 370

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Seid mir nur nicht gar so traurig,dass die schöne Zeit entflieht,dass die Welle kühl und schauriguns in ihre Wirbel zieht;dass des Herzens süße Regung,dass der Liebe Hochgenuss,jene himmlische Bewegung,sich zur Ruh begeben muss.Lasst uns lieben, singen, trinken,und wir pfeiffen auf die Zeit;selbst ein leises Augenwinkenzuckt durch alle Ewigkeit.

(Wilhelm Busch)

Für alle Tunichtgute, Freunde der gepflegten Firlefanzerei und an alle, die gemeinsam mit mir auf die Zeit pfeiffen. Und für meine lieben Eltern, die mich lehrten, das Leben zu lieben und auch in schweren Zeiten dessen schöne Seiten nie aus den Augen zu verlieren.

CHRISTIAN LENTZ

***

DAS GARMARON-PARTIKEL

© 2019 Christian Lentz

Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

Paperback:

978-3-7482-8430-7

Hardcover:

978-3-7482-8431-4

e-Book:

978-3-7482-8432-1

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Prolog

Die Menschheit brach vor zehntausenden von Jahren zu den Sternen auf. Ihr Drang nach neuen Entdeckungen und ausufernder Expansion konnte von der Erde alleine nicht mehr gestillt werden und so forschten die klügsten Köpfe der Menschheit nach einem Weg zu den Sternen. Und sie sollten fündig werden.

Nach Jahrhunderten der schrittweisen Gehversuche, während derer sich die Menschen immer weiter in den Weltraum hinauswagten, sollten sie tatsächlich auf bewohnbare Planeten stoßen. So expandierte die Menschheit und ihr Reich wurde immer größer. Aber bald mussten sie erkennen, dass sie nicht alleine im Universum und nicht alle fremdartigen Rassen und Lebensformen ihnen freundlich gesinnt waren. Nach diversen Konflikten, bei denen sich die Zurückdrängung stets mit erneuten Eroberungen abwechselten und somit ein Krieg an unzähligen planetaren Fronten entbrannte, waren es zwei Abgesandte aus den Welten zweier fremder Völker, die beim Imperator der Menschheit um Hilfe im Kampf gegen die Mächte der Istilaci vorsprachen und sich mit dieser unverhofften Bekanntschaft alles für die Menschheit ändern sollte. Ein Zweckbündnis aus Menschen, Thalni und Kedo, so erklärten es die Abgesandten, sei stark genug, um die bösen Mächte der Istilaci zu besiegen, die aus ihren Paralleluniversen immer wieder Mittel und Wege fanden, um in das Universum der Menschen einzudringen. Als Anreiz und Dank zugleich versprachen sie den Menschen Zugang zu ihren Technologien, die es ihnen ermöglichen würden, dank eines Hyperantriebs interstellare Reisen durchzuführen und damit an Orte im Universum zu gelangen, die bislang bloß als schwarze, unerreichbare Flecken auf den Sternenkarten der Menschheit auftauchten. Was sie dabei großzügig vergaßen dem Imperator und seinen Beratern mitzuteilen, war die Tatsache, dass sie mit jeder dieser Reisen, bei denen sie in den Lichttunnel eintauchten um die langen Distanzen in geringer Zeit hinter sich zu bringen, auch dem Warpstrom und damit den Universen der Istilaci bedrohlich nah kamen.

Ohne dieses Wissen und tief beeindruckt und stolz, von solch fortschrittlichen Lebensformen um Hilfe gebeten zu werden, rüstete sich das bislang noch kleine Imperium der Menschen zum Krieg. Dank eines Forschungszweigs, der die genetische Manipulation und Verbesserung von ausgewählten, mental und körperlich besonders geeigneten Menschen ermöglichte, schafften es die Menschen binnen kürzester Zeit, eine Eliteeinheit verbesserter Krieger zu erschaffen, die fortan als eiserne Faust des Imperators die Menschheit gegen alle bösen Einflüsse von außen verteidigen sollte. Fortan waren diese Krieger bekannt unter dem Namen Space Troopers. Sie waren zu Beginn nur wenige und unterstanden als persönliche Armee allein dem Befehl des Imperators. Dieser war, anders als man es aus den Chroniken der Menschheit bei unzähligen seiner Vorgänger kannte, ein gütiger, fairer und weiser Anführer, der stets umsichtig und mit großem politischem und strategischem Geschick das Reich der Menschen verwaltete und regierte. Neben der Politik war der Imperator aber auch ein versierter Kämpfer und Soldat, und es war für ihn selbstverständlich, dass auch er sich den Torturen der genetischen Verbesserung an seinem Körper unterzog. Wenn die Gefahren durch die Mächte der Istilaci sein Reich bedrohten, wollte er Seite an Seite mit seinen tapferen Kriegern stehen und sein Imperium mit Schweiß und Blut verteidigen. Größer und muskulöser als die meisten Menschen und gehüllt in schwere Rüstungen, dazu bewaffnet mit den neuesten und besten Waffen aus den Forschungsabteilungen und Schmieden des Imperiums, sollte der Imperator bald Gelegenheit bekommen, seinem Feind Auge in Auge gegenüberzutreten.

Kundschafter der Thalni und der Kedo hatten eine riesige Streitmacht der Istilaci ausgemacht, die durch den Warpstrom reiste und einen Austrittspunkt nahe der Erde ansteuerte. Nach kurzer Vorbereitungszeit zogen die drei intergalaktischen Völker aufgrund dieser akkuten Bedrohungslage ihre vorhandenen Truppen im Sonnensystem um die Erde zusammen.

Der Imperator war sich im Klaren darüber, dass die Zukunft seiner gesamten Rasse in diesem Konflikt entschieden werden würde und dass es für Weltenverschlinger wie die Istilaci, die nach den Erzählungen der Kedo und der Thalni bereits ganze Völker ausgelöscht hatten, nur logisch war, den Heimatplaneten der Menschen als oberstes Ziel auszuwählen.

Nach Jahren des erbitterten Kampfes, bei denen es sowohl zu unzähligen Kämpfen auf den Planetenoberflächen als auch zu Raumschlachten kam, schien das Bündnis von Menschen, Thalni und Kedo ihre Belastungsgrenze erreicht zu haben. Die Völker der Thalni, die auf riesigen Weltenschiffen durch das Universum reisten, und der Kedo, die Millionen von Lichtjahren von der Erde entfernt ihre Heimatwelten hatten, waren soweit aufgerieben, dass sie keinen Nachschub mehr stellen konnten.

Verzweifelt, wie er sein Volk nun, da scheinbar alle Hoffnung verloren war, noch retten konnte, entschied sich der Imperator zu einer Tat heroischen Ausmaßes. Er forderte den Anführer der Istilaci-Streitmacht, ein Wesen Namens Etzel, zum Zweikampf heraus. Dieser sagte dem Kampf verschlagen zu, brachte jedoch eine kleine Armee mit auf die Erde, da er nicht vorhatte, dem Imperator im ehrlichen Zweikampf entgegen zu treten.

Jedoch hatte er nicht mit der stillen Reserve aus Space Troopers gerechnet, deren große Stunde nun gekommen war und die gemeinsam mit ihrem Imperator gegen Etzel und dessen Istilaci-Krieger zu Felde zogen. Vom Rückzug abgeschnitten, konnte Etzel nun nichts anderes mehr tun, als dem Imperator der Menschheit gegenüber zu treten.

Die weiße, glänzende Rüstung des Imperators, das lange, wallende Haar und sein von den besten Waffenschmieden gefertigtes Schwert standen im starken Kontrast zu dem in dunkelrote Panzerplatten gerüsteten Wesen, dessen bleiche, von Pusteln überzogene Gesichtshaut und die tiefschwarzen Augen den inneren Wahnsinn dieser Kreatur auch äußerlich sichtbar machten. Ein über mehrere Stunden andauernder Kampf entbrannte, der sich vom Innenhof des imperialen Palastes in den Innenbereich verlagerte und schließlich, hoch oben auf der Plattform des Astronomieturms, seinem Höhepunkt entgegen steuerte.

Obwohl der Imperator bereits mehrfach getroffen wurde und aus unzähligen Wunden stark blutete, hatte es Etzel bislang nicht geschafft, den Anführer der Menschen zu töten.

Der Glaube an sein Volk hielt den Imperator am Leben und seine genetisch verbesserte Physionomie ließ ihn auch jetzt noch weiterkämpfen, Angriffe seines Gegners parieren und selbst auf Etzel einschlagen, wo sein früherer Körper längst kapituliert hätte. Nun, da aber auch seine Kräfte immer mehr schwanden und er keine Schwachstelle bei seinem Gegner ausmachen konnte, entschied er sich zu einem drastischen Schritt. Er musste dieses Wesen töten, wenn seine Rasse überleben sollte. Diese Verantwortung, an der andere vielleicht zerbrochen wären, setzte im Imperator neue Kräfte frei. Sein nächster Schwertstreich, in den er all seine noch verbliebenen Kräfte gelegt hatte, prallte jedoch an der Rüstung des Istilaci ab und die Klinge zerbarst. Er spürte, wie die Zuversicht aus seinem lahmen Körper wich und er ließ Etzel scheinbar wehrlos dessen tödliches Werk fortführen. Etzel rammte dem Imperator sein Schwert mit unbändiger Kraft in den Bauch, so dass die Rüstung des Imperators brach und der Schwertstoß ihm, seine Eingeweide zerfetzend, die Luft aus den Lungen trieb. Etzel musste für diesen Angriff ganz nah an den Menschen herankommen und mehr wollte der Imperator auch gar nicht. Er würde sterben, das wusste er bereits, bevor er diesem Wesen gegenübertrat. Zu übermächtig war alles, was er von den Istilaci hörte und sah. Aber das war seine Gelegenheit, sein Moment, um allen dort draußen zu zeigen, dass auch das kleine Volk der Menschen nicht so einfach ausradiert werden konnte, wie es vielleicht den Anschein hatte.

Seine müden Augen sahen nun ein Licht am Himmel, das durch einen kleinen Schlitz in der Wolkendecke auf ihn herab schien. Er spürte neue Kraft und Zuversicht in sich auflodern. Mit der letzten noch verbliebenen Energie ergriff er den Schädel des Wesens und begann, scheinbar unbeeindruckt von all dem, was er bislang erleiden musste, damit, mit den Überresten seiner Schwertklinge, die noch vom Griff ragten, Etzels ungeschützten Schädel abzuschlagen. Das erste Mal spürte er in dem Wesen, das sich offenbar von der Angst seiner Feinde zu ernähren schien, ebenfalls einen Anflug von Panik. Aber es war bereits zu spät für ihn. Ohne die nun hilflosen und unkontrollierten Schläge und Tritte des Wesens zu spüren, krallte sich der Imperator mit der einen Hand im Schädel seines Gegners fest, während er mit drei beherzten Schlägen die Existenz von Etzel beendete und mit dieser Tat dem hart getroffenen Volk der Menschen eine Zukunft ermöglichte. Als die Istilaci-Krieger am Boden den Imperator dort oben im Lichtkegel stehen sahen, wie er den abgeschlagenen Schädel ihres Anführers in der Hand hielt, gerieten auch sie in Panik und es war für die Space Troopers ein Leichtes, sie zu besiegen. Kraftlos spürte der Imperator, wie seine Beine nachgaben und das Gewicht des toten Istilaci, dessen Schwert immer noch in seiner Rüstung steckte, ihn mit nach unten zog. Und es war in Ordnung. Er hatte alles versucht und alles gegeben, um sein Volk zu retten und er hatte es geschafft. Gemeinsam stürzten beide Körper in den Abgrund. Nebeneinander fielen sie unzählige Meter hinab und schlugen hart auf dem Boden des Innenhofs auf. Der Imperator wusste, dass er seinem Volk nicht mehr geben konnte und dass er nun, da der größte Feind besiegt schien, guten Gewissens aus seinem irdischen Leben treten konnte.

Die Menschen waren jedoch nicht damit einverstanden, ihren Retter und Anführer so einfach gehen zu lassen.

Zwar konnten sie ihn nicht mehr retten, es gab aber Möglichkeiten, um zumindest seine sterbliche Hülle am Verfall zu hindern. Die besten Mediziner und Forscher der Menschheit schafften es, seinen tödlich verletzten Körper in eine Maschine einzubetten, die ihn seither am Leben hält. In eine Art Koma verfallen, beten die Menschen im ganzen Universum fortan diesen für sie zum Gott gewordenen Imperator an und hoffen darauf, dass er, wenn die Not am größten ist, aus seinem komaähnlichen Zustand erwachen und sie erneut retten wird.

Nach der Vernichtung der Istilaci und dem Rückzug der Thalni und Kedo, wählten die Menschen einen Senat, der aus den klügsten und weisesten Männern und Frauen bestand und in Abwesenheit des Imperators fortan die Geschicke der Menschheit lenken sollte. Dieser hohe Senat mit Sitz auf der Erde, sollte in Zukunft mit klugen Entscheidungen dafür Sorge tragen, dass sich das Reich der Menschheit binnen weniger

Jahrhunderte immer weiter ausdehnte und in immer weiter entfernte Regionen des Universums vordrang.

Das finstere Geheimnis, dass die Thalni und Kedo den Menschen vor allem deshalb die Mittel zur interstellaren Reise gaben, um die Istilaci dadurch von ihren eigenen Heimatwelten und Weltenschiffen abzulenken, nahmen die Vertreter der Außerirdischen ungesagt wieder mit sich in die unendlichen Weiten des Universums.

Und so sollte der Stern der Menschheit in den folgenden Jahrtausenden immer heller erstrahlen und zwischen unzähligen Konflikten, Kriegen, Handelsbeziehungen und Zweckbündnissen mit anderen Völkern des Universums weiter wachsen und gedeihen.

In einem der unzähligen Systeme dieses Universums soll die folgende Geschichte stattgefunden haben, die sich in den Archiven des Imperiums genauso wiederfinden lässt.

Erster Teil

System: CoronaPlanet: Korbinian Prime

Kapitel 1 Der Überfall

Damian de Gruyter konnte die Vibrationen des Motors unter seinem Sitz spüren. In seinem Bein pochte der Schmerz, den die Kugel, die er einem Scharfschützen der Separatisten zu verdanken hatte, verursachte. Sein Zug, das 24. Korbinianische Panzerregiment hatte die Zivilisten in der Makropole Epsylon 2 so lange es ging gegen die Invasoren verteidigt. Die Separatisten hatten sie kalt erwischt. Im Morgengrauen waren sie aus den umliegenden Wäldern geströmt und hatten die Stadt im wahrsten Sinne des Wortes überrannt. Als sie bereits zwei Drittel der Stadt eingenommen hatten, stießen sie auf den ersten ernst zu nehmenden Wiederstand in Form von de Gruyters Panzerregiment.

Wenige Minuten nachdem der Notruf auf ihrem Stützpunkt eingegangen war, hatte er sich mit zwei Panzern und 50 Infanteristen auf den Weg gemacht. Viel zu wenig, wie er nun konstatieren musste. Grimmig hielt er den Griffel in seiner rechten Hand, viel zu fest, bis dieser schließlich in zwei Teile brach. Einen zweiten Stift zur Hand nehmend, kritzelte er diese Erkenntnis in sein Tagebuch, das ihm später als Gedankenstütze für den Einsatzbericht dienen sollte.

Er schloss das ledergebundene Büchlein, stand von seinem Platz auf der Sitzbank, die an der Wand des Panzers montiert war, auf und humpelte mit schmerzverzerrtem Gesicht nach vorne in das Führerhaus des Panzers. Als er den eigentlich kurzen Weg halb hinter sich gebracht hatte, sah er das Gesicht des Schützen Okoronkwo über sich auftauchen.

»Kontakt, Sir. Eine Geschützstellung in dem Säulengang auf zwei Uhr. Sieht aus, als hätten sie nicht mehr damit gerechnet, dass noch jemand hier ist.«

De Gruyters Mund umspielte ein teuflisches Grinsen. »Leichte Beute. Wir nehmen mit, was wir kriegen können, bevor wir hier verschwinden. Laden sie den großen Hänsel!«

Er hörte, wie die Ladevorrichtung über ihm aktiviert und ein Geschoss in die Kammer des Hauptgeschützes geladen wurde. »Geladen und Ziel anvisiert.«

De Gruyter ließ sich widerwillig auf die Bank neben sich fallen, um von der gleich eintretenden Erschütterung nicht umgeworfen zu werden. Mit nur einem gesunden Bein würde er diesen Stoß sonst nicht ausbalancieren können. Dann schrie er laut auf: »Feuer!«

Der Donner über ihm war ohrenbetäubend. Einen Wimpernschlag später meldete sich der Schütze erneut.

»Wir haben sie erwischt. Keine Bewegung mehr«, bestätigte Okoronkwo seinem Kommandanten den gelungenen Abschuss.

Es war bereits das 28. Projektil, das an diesem Tag sein Ziel fand. Der große Hänsel hatte heute Blutdurst, so viel war sicher. Jetzt, wo sie kaum noch Munition hatten und der Großteil der Zivilbevölkerung entweder tot oder bereits evakuiert war, würde er seinen Männern den Rückzug befehlen—jedenfalls denjenigen, die es bis hierhin geschafft hatten, am Leben zu bleiben. Die allermeisten seiner Infanteristen waren entweder aufgerieben oder tot. Zu groß war die Zahl an Feinden, denen sie sich gegenübersahen. Jeder Einzelne hatte tapfer gekämpft, seine Aufgabe erfüllt und dafür gesorgt, dass die Verluste unter der Zivilbevölkerung so gering wie möglich ausfielen.

Vor etwa zwei Stunden war ihr Panzer an eine Kreuzung gekommen, an der eine Flüchtlingsfamilie offenbar auf Hilfe wartete. De Gruyter war mit seinem ersten Offizier ausgestiegen, um ihre Hilfe anzubieten und an neue Informationen zu gelangen. Als sie aber die Seitentüre des Panzers geöffnet und auf die Menschen zugegangen waren, eröffneten diese unvermittelt das Feuer. Die erste Salve aus den Gewehren der Feinde schnitt de Gruyters ersten Offizier Mason glatt in zwei Teile. Geistesgegenwärtig ließ sich de Gruyter nach hinten fallen, um ein möglichst kleines Ziel zu bieten, griff in das Holster unter seiner Achsel und zog seine halbautomatische Pistole hervor. Noch im Fallen gab er zwei Schüsse ab, von denen einer die Frau von den Beinen holte, während der andere knapp neben dem Kopf des Mannes in die Wand hinter ihm einschlug.

De Gruyter rollte sich herum, stand blitzschnell wieder auf den Beinen und rannte in die Deckung hinter dem Panzer, während er in der Laufbewegung den Mann mit drei weiteren Kugeln in den Torso fällte. Plötzlich hörte er einen einzelnen Schuss und spürte einen Moment später einen stechenden Schmerz in seinem linken Bein. Nur Sekunden später hörte er das laute, ratternde Geräusch des schweren Maschinengewehrs, das auf dem Turm des Panzers montiert war. »Scharfschütze auf dem Turm! Hab ihn erwischt.«

Die weißen Zähne in dem sonst durch und durch schwarzen Gesicht des Schützen Okoronkwo blitzten de Gruyter vom Panzer entgegen.

Als sein Bein notdürftig verbunden war, nahmen sie sich einen kurzen Moment, um den Verlust von Mason zu betrauern. Dann stiegen sie wieder in den Panzer zurück und fuhren weiter.

Nun startete der Kommandant den zweiten Versuch, das Cockpit seines Fahrzeugs zu erreichen. Vorne angekommen fragte er den Fahrer, wie viel Treibstoff noch im Tank sei und ob sie damit die Luftkampfbasis Echo 7 erreichen würden.

»Schwer zu sagen. Das sind rund 200 Kilometer Richtung Norden. Wenn wir es schaffen sollten, dann mit den letzten Tropfen.«

»Nehmen Sie Kurs!«, befahl de Gruyter. Er hatte auf seiner Datentafel die Information erhalten, dass der Planet evakuiert wird und überall auf dem Planeten ähnliche Angriffe auf Imperiale Städte und Stützpunkte stattfanden.

Der Befehlsstand gab die Order aus, dass sich alle Einheiten zum Rückzugspunkt der Echo-Basis begeben sollten, um sich dort zu sammeln und kontrolliert die Überlebenden auszufliegen. Der Gouverneur, der irgendwo in einem riesigen Kriegsschiff des Imperiums im Orbit saß, schien die Entscheidung getroffen zu haben, den gesamten Planeten mit Orbitalbomben anzugreifen und die Separatisten bis auf den letzten Mann auszulöschen.

Das jedenfalls die offizielle Version. De Gruyter hatte aber im Laufe seiner Karriere beim Militär gelernt, Entscheidungen von obersten Befehlsstellen und Politikern stets kritisch zu hinterfragen.

So oder so, viel Zeit blieb ihnen nicht mehr, bis der finale Angriff aus dem Orbit kam. Wenn erst einmal genug Einheiten vom Planeten geschafft und die Evakuierung der Bevölkerung ein akzeptables Maß erreicht hatte, würde der Rest als Kollateralschaden geopfert.

»Geben sie Gas, Anderson«, mahnte der Kommandant seinen Fahrer zur Eile.

Kapitel 2 Unstimmigkeiten

Sie waren bereits einige Zeit unterwegs und die urbane Umgebung wich immer mehr einer kargen Wüstenlandschaft. De Gruyter sah aus dem kleinen Fenster an der Seite seines Panzers und sein Blick glitt nachdenklich über das unendliche Meer aus Sand.

»Wieso bombardierte man einen ganzen Planeten bloß um ein paar Separatisten zu eliminieren?«

Der Gedanke ging dem Kommandanten nicht mehr aus dem Kopf, er zwang sich aber, bisweilen nicht mehr darüber nachzudenken. Das Wichtigste war jetzt, sein Team von diesem totgeweihten Planeten runterzubringen. Für Nachforschungen, was hier tatsächlich vor sich ging, war dann immer noch Zeit. Er wendete seinen Blick von der kargen Wüstenlandschaft dort draußen ab und besah sich das, was von seiner Eingreiftruppe noch übrig war. Es war nicht viel. Gerade Mal dieser eine Panzer und die vier Männer, die ihm treu zur Seite standen und wie durch ein Wunder ebenfalls unverletzt oder nur, wie er, mit leichten Blessuren davongekommen waren. Schmerzhaft dachte er an den Moment, als sich das Blatt in diesem Konflikt zu ihren Ungunsten wendete.

Sie besaßen scheinbar die Oberhand, als die Separatisten mit voller Härte aus dem Hinterhalt angriffen. Es war der Geistesgegenwart seines Fahrers Henrique Anderson zu verdanken, dass sie noch lebten. Mit einem riskanten Manöver scherte der Fahrer von de Gruyters Kommandopanzer aus der Phalanx aus und steuerte das Fahrzeug unter eine Brücke, wo sie vor dem schlimmsten Beschuss sicher waren. Die Infanteristen und der zweite Panzer wurden von den wie im Rausch heranstürmenden Angreifern niedergemäht. Irgendwer musste sie aufgerüstet haben, denn neben den einfachen Maschinen- und Lasergewehren konnte der Kommandant auch teures Kriegswerkzeug wie Raketenwerfer und sogar eine Plasmakanone ausmachen. Es roch nach Ozon als er hilflos mit ansehen musste, wie die grünen Energiekugeln seine schutzlosen Infanteristen zu Asche verbrannten. Er wollte Anderson für seine intuitive Entscheidung rügen, aber er sah ein, dass sie ebenfalls dem massierten Beschuss aus Raketen und Plasmasalven zum Opfer gefallen wären, hätte er sie nicht aus der Gefahrenzone gebracht.

Der Schütze seines Panzers hieß Ezeqiel Okoronkwo. Seine rabenschwarze Haut zierten rituelle Narben, die er sich für jeden Abschuss selbst zufügte und damit seinen Feinden Ehre erwies. Er diente seit dem ersten Tag unter de Gruyter und hatte sich stets als treuer Verbündeter und verteufelt guter Schütze erwiesen. Die beiden weiteren, noch verbliebenen Mitglieder der Panzerbesatzung waren der Techniker Hank Knudsen, der gerade damit beschäftigt war, Kontakt zur Echo Basis herzustellen, sowie der Ladeschütze Killian Duksch. Dieser wollte sich mit dem Einsatz seine ersten Sporen verdienen und de Gruyter nahm ihn gerne in seine Panzertruppe auf. Der junge Mann mit dem geschorenen Schädel und den wachen blauen Augen arbeitete schnell und gewissenhaft, hatte eine rasche Auffassungsgabe und arbeitete sich geschwind in alle relevanten Systeme des Panzers ein. Okoronkwo und er bildeten schnell ein perfektes Team, bezüglich ihrer Hauptaufgabe, dem Laden und Abfeuern des Hauptgeschützes, anging.

»Wie sieht’s aus Knudsen? Haben sie Kontakt?«

»Kein Sterbenswörtchen, Sir. Unser Funkspruch geht durch, aber es meldet sich niemand am anderen Ende der Leitung.«

»Nicht gut. Versuchen Sie es weiter. Anderson, wie lange noch?«

»80 Kilometer. Das wird eine Punktlandung, was den Sprit angeht«, erklärte der Fahrer.

Der Panzer ruckelte verlässlich über den Sand der Wüstenlandschaft. Links und rechts taten sich hohe kahle Berge auf, auf denen spärliche Vegetationen zu erkennen waren. Vereinzelte Bäume und Sträucher, ein wenig Gras. De Gruyter war froh, dass sie noch genug Vorräte hatten, um ohne Rationierungen auskommen und nach Wasser und Nahrung suchen zu müssen. Solange sie in dem Panzer saßen war alles in Ordnung. Er sah an seinem Bein hinunter und fragte sich, ob er diesen Planeten wohl mit zwei Beinen verlassen würde.

Sein verwundetes Bein fühlte sich taub an. Dies empfand der Kommandant in diesem Moment jedoch als etwas positives, da er dadurch auch keine größeren Schmerzen verspürte. Erneut blickte er aus dem Fenster und versuchte angestrengt, die Lage um sie herum einzuschätzen. Plötzlich entdeckte er ein Objekt am Horizont, das sich schnell bewegte und auf sie zukam.

»Was ist das da am Himmel, verdammt nochmal!«, schrie de Gruyter in Richtung Knudsen und spannte sich innerlich an, da er sich schon auf den Aufprall des Geschosses vorbereitete.

Offenbar hatten sie begonnen, den Planeten aus dem Orbit heraus zu bombardieren. Als hätte Knudsen die Gedanken seines Kommandanten gehört, sagte er: »Sir, das ist weder ein Orbitalschlag noch ein Projektil einer Kanone oder dergleichen.«

»Verdammt nochmal Knudsen, sehen sie doch hin. Das Ding kommt immer näher. Auf den Schirm und maximale Vergrößerung, schnell!«, befahl de Gruyter.

Der taktische Bildschirm, der an der linken Innenwand des Panzers angebracht war und bislang wechselnde Ausschnitte der Landschaft wiedergab, die die Kameras von der Außenseite des Panzers aus aufnahmen, zeigte nun stark vergrößert das vermeintliche Projektil, das einen Flammenschweif hinter sich herzog und für einen Moment noch heller zu strahlen schien als die Sonne.

»Das ist ein Sternenjäger. Skyjumper-Klasse. Sehen sie!«, gab Okoronkwo wieder, der als Erster die Sprache wiedergefunden hatte und nun auf die Signatur am Rumpf des Schiffs zeigte.

»Roter Alarm, alle Waffen in Gefechtsbereitschaft!«, raunte de Gruyter seinen Trupp an.

Er wurde erst wieder ruhiger als er auf dem taktischen Bildschirm sah, dass sich das Schiff nicht auf Angriffskurs auf seinen Panzer befand, sondern es, so zeigte es der Schirm, stark beschädigt war und abzustürzen drohte.

»Behält es seinen derzeitigen Kurs bei, lässt sich der Radius des Auftpralls auf rund zwei Kilometer von unserer derzeitigen Position berechnen«, meldete Knudsen, der die Berechnungen des Computers seinem Trupp mitteilte.

De Gruyter spürte, wie sich seine Anspannung langsam zu lösen begann.

»Wechseln sie auf gelben Alarm. Halten sie das Objekt weiter im Visier, falls es doch noch seinen Kurs ändern sollte. Und halten sie unseren Kurs. Wir sehen zu, dass wir hier wegkommen.«

Kapitel 3 Die Absturzstelle

Anderson plagten Gewissensbisse. Seine ganze Familie kam bei einem Flugzeugabsturz auf seinem Heimatplaneten ums Leben und nachdem er den Ausschnitt des brennenden Jägers gesehen hatte und nun durch sein kleines Sichtfenster im Fahrerverschlag dabei zusehen musste, wie das stark beschädigte Fluggerät dem Boden entgegenraste, wurde ihm ganz schwer ums Herz.

»Sir…«, begann er zu stammeln.

»Was brennt ihnen auf der Seele, Junge?«, fragte de Gruyter mit nun gutväterlichem Klang in der Stimme.

»Ich möchte vorschlagen, Sir, dass wir einen kurzen Schlenker zur Unfallstelle machen und uns vergewissern, ob vielleicht jemand unsere Hilfe braucht.«

»Abgelehnt«, entgegnete de Gruyter kühl.

»Ich bringe nicht meine gesamte Besatzung und meinen Panzer in Gefahr, nur um ein Wrack zu überprüfen. Reichen ihnen unsere Verluste noch nicht?«, fragte de Gruyter, während er gedankenverloren aus dem Sichtfenster schaute. Dort konnte er beobachten, wie die Skyjumper in diesem Moment auf den Boden aufschlug. Zu seiner Verwunderung geschah jedoch nichts weiter.

»Sie ist nicht explodiert«, rief Anderson.

»Merkwürdig. Vielleicht hatte sie schon zu viel Treibstoff verloren. Der Scanner hat vorhin angezeigt, dass das Schiff bereits vor dem Absturz ein fliegendes Wrack war«, erklärte Knudsen.

Nun intervenierte auch Okoronkwo, der sich aus seinem Geschützsitz hinab in den Innenbereich des Panzers gleiten ließ.

»Sir, ich möchte zu bedenken geben, dass es unsere Pflicht als Imperiale Soldaten ist, in Not geratenen Brüdern und Schwestern zu helfen.«

»Pflicht…was verstehen sie davon? Die selben Leuten, die an unsere Pflicht appelliert und uns auf diesen Planeten geschickt haben, verheizen uns jetzt und geben uns, auf ihren fetten Ärschen sitzend, aus dem Orbit den Rest. Zum Wohle des Imperiums.«

De Gruyter machte eine abwertende Geste. Einen Augenblick später hatte er es sich aber wohl anders überlegt.

»Scheiß drauf…Scheiß auf das Imperium, scheiß auf alles. Meinetwegen, meine Herren, fahren wir zu dieser Absturzstelle. Aber eines sollen sie wissen: Ich bin für sie verantwortlich und jedes Mitglied dieser Panzerbesatzung wird es von diesem Planeten runterschaffem, ist das klar?«

»Jawohl Sir!«, tönte es ihm wie aus einem Mund entgegen.

Anderson holte alles aus der Maschine heraus, was er guten Gewissens verantworten konnte und schon bald erreichten sie die Absturzstelle. Der Raumjäger vom Typ Skyjumper war in einer Felsformation nahe einem kleinen Anstieg zu Boden gekommen. Der Rumpf war komplett aufgerissen, der hintere Teil der Skyjumper war, wohl bedingt durch den harten Aufprall, abgerissen und lag einige Meter weit weg.

De Gruyter, Duksch und Okoronkwo verließen den Panzer, während Knudsen, der die Scanner und Geräte im Auge behielt, und Anderson im Fahrzeug blieben. Flankiert von Okoronkwo, der mit seinem automatischen schweren Lasergewehr die Umgebung nach potentiellen Zielen absuchte, die womöglich ebenfalls auf den Absturz aufmerksam geworden sind und Duksch, der eine Schrotflinte trug, ging de Gruyter schnurstracks auf das Cockpit des Jägers zu. Und tatsächlich wurde er fündig. Blutüberströmt sah er einen blonden, langhaarigen Mann im Pilotensitz hängen, der das Bewusstsein verloren zu haben schien, aber flach atmete.

»Ein echtes Wunder. So einen Absturz überlebt man normalerweise nicht.«

Sofort aktivierte er sein Funkgerät.

»Knudsen, kommen sie hier raus und bringen sie ein Medikit und den Schweißbrenner mit.«

Die Cockpithaube der Skyjumper ließ sich nicht einfach öffnen. Der Zugang zum Inneren dieses Schifftyps erfolgte über eine kleine Luke, die in der Mitte des Rumpfs angebracht war. Durch den Aufprall und den dadurch entstandenen Riss im Rumpf war die Luke aber so verklemmt, dass man sie mit bloßer Muskelkraft nicht einfach aufstemmen konnte.

Okoronkwos Vorschlag, sich einen Zugang hineinzusprengen, wies de Gruyter mit strengem Blick zurück.

»Erst wollen sie hier herfahren, um Menschen zu retten und jetzt wollen sie sie in die Luft sprengen. Mister Okoronkwo, entscheiden sie sich, wo ihre Prioritäten liegen.«

Knudsen war erfahren im Umgang mit dem Schweißgerät und schon bald hatte er einen runden Zugang in die Außenhülle geschnitten, der so groß war, dass man bequem in das Innere des Schiffs klettern konnte. Der Techniker ging als Erster hinein, Duksch folgte ihm. Der Ladeschütze staunte nicht schlecht, als er sich das Innere des Schiffs genauer ansah.

»Sir, der Pilot lebt. Aber hier drin ist noch etwas anderes.«

Mit großer Kraftanstrengung wuchtete Duksch einen Stahlträger zur Seite und hatte nun freien Blick auf das, was er zuvor nur ansatzweise sehen konnte.

»Ich weiß nicht wer der Kerl ist oder wo er hinwollte, aber er hat eine ganze Menge Feuerkraft hier an Bord.«

»Was ist mit dem Piloten? Knudsen, können wir ihn bewegen und aus dem Ding rausholen? Ich möchte nicht allzu lange hier bleiben, also Beeilung«, erkundigte sich de Gruyter.

Knudsen war gerade dabei, die Gurte des Pilotensitzes, an denen der verletzte Pilot hing, mit seinem Kampfmesser aufzuschneiden. Dabei kam er dem stark blutenden Kopf des langhaarigen Mannes für einen Augenblick ganz nah, der plötzlich und unerwartet die Augen aufriss und ihn aus stahlblauen Augen anstarrte.

»Wo bin ich?«, stammelte der Unbekannte.

»Sie sind in Sicherheit. Wie durch ein Wunder haben sie den Absturz ihres Schiffs überlebt. Wer sind sie, Sir? Und woher kommen sie?«, fragte Knudsen und die Güte und Freundlichkeit in seiner Stimme sorgten dafür, dass sich der unbekannte Pilot kurz zu entspannen schien.

Er schloss die Augen, so als ob er sich zu fokussieren versuchte, öffnete sie kurz darauf wieder und sprach mit letzter Kraft: »Ich bin…Lazarus Diamanti…Sie sind vielleicht in Schwierigkeiten.«

Dann sackte der Mann wieder in sich zusammen und verlor das Bewusstsein.

Zweiter Teil

System: PleolaWelt: Omega 7

Kapitel 4 Die Makropolenwelt

Wochen zuvor…

Es war einer dieser Tage, an denen einen das Alltagsphlegma vollkommen in seinen festen Griff genommen hatte. Nach 10 Jahren bei den Sicherheitstruppen der Makropolenwelt Omega 7 wusste Offizier Lazarus Diamanti ganz genau was erals näachstes zu tun hatte.

»Einen großen Becher Kaffee und die besten Pfannkuchen dieser Welt bitte«, rief er der Kellnerin zu, die ihn nach seiner Bestellung gefragt hatte. Es war ein dreckiges kleines Diner in einem der Randbezirke der Makropole. Diamanti war bereits seit sechs Uhr auf den Beinen und hatte sich seine Mittagspause redlich verdient.

Die Serviererin kam wenig später mit einem Tablett zurück, auf dem heißer Kaffee und süßlich duftende Fladen appetitlich dampften und darauf warteten, verspeist zu werden.

»Bitte sehr Sir, lassen sie es sich schmecken.«

Mit dem Ansatz eines Lächelns bedankte sich Lazarus,, nahm einen ersten Schluck des heißen Getränks und spürte, wie der synthetisch hergestellte Wachmacher seine Wirkung auf den Organismus entfaltete. Gedankenverloren starrte er auf die schwarze Flüssigkeit in der Tasse vor sich und dachte nach.

»Was für eine verdammte, ungerechte Welt.«

Lazarus machte sich Gedanken über das, was um ihn herum geschah und wie sich das Leben auf diesem Planeten entwickelt und verändert hatte. Und worauf er dabei kam, gefiel ihm ganz und gar nicht. Die wenigen Superreichen dieser Makropole schotteten sich in ihren Türmen und gesicherten Bezirken im Zentrum der riesigen Stadt komplett ab, alle anderen mussten sehen, wo sie blieben. Aber war es früher wirklich so viel besser?

Lazarus lebte schon immer auf Omega 7. Er war noch ein Kleinkind, als der Angriff der dunklen Thalni seinen Planeten völlig unvorbereitet traf und beinahe die Hälfte allen Lebens und mehr als 90 Prozent der Städte, Infrastruktur und Versorgungsmöglichkeiten vernichtet hatte. Inklusive seiner Eltern, Großeltern und seiner beiden Brüder. Da Omega 7 in einem Quadranten dieser Galaxis liegt, die eine strategische Bewandtnis für das Imperium besitzt, schickte das Imperiale Oberkommando seine stählerne Faust, die Krieger der Space Troopers, um den Planeten zurückzuerobern. Nach über einem Jahr des erbitterten Kampfes war der Planet zwar von seinen Besatzern befreit, jedoch existierte nicht mehr viel, worauf die Überlebenden ihre Gesellschaft neu aufbauen konnten.

Der Kanzler der ansässigen Handelsgilde, ein machtbesessener, herrischer Greis, ergriff die Gelegenheit und verkündete, eine neue, den Umständen angepasste Stadt errichten zu wollen, in der jeder willkommen sein würde, der etwas für die Gesellschaft beizutragen hatte. Nach Jahren des Aufbaus entstand so die Makropole »Elysis«, die auf eine Art und Weise konstruiert wurde, die sie gegen alle feindseligen Bedingungen, seien es natürliche oder von Feindeshand geschürte Einflüsse, schützen sollte. Eine dicke Stahl-Armaplast-Legierung, die mehrere Meter dick und wie eine riesige Kuppel über das Stadtgebiet gestülpt war, sollte selbst einem Bombardement aus dem Orbit standhalten.

So weit so gut, jedoch geschah das was immer passiert, wenn viele Menschen auf engstem Raum unter einer Käseglocke eingeschlossen werden. Es kam zu Neid und Missgunst innerhalb der Bevölkerung. Die die wenig hatten, wollten mehr, die die viel hatten, wollten nichts von ihrem Besitz abgeben. Wo normale Sicherheitskräfte in einer solchen Situation überfordert gewesen wären, war die Einheit, bei der auch Lazarus seinen Dienst tat, die letzte Instanz, um noch ein Mindestmaß an Recht und Ordnung aufrecht zu halten.

»Diese Stadt kotzt mich an«, raunte Lazarus in Richtung seines Kaffees, bevor er anfing, die Pfannkuchen Bissen für Bissen zu vertilgen. Sie schmeckten herrlich warm und süß und lenkten ihn ein wenig von seinen finsteren Gedanken ab. Als er aufgegessen und seinen Kaffee ausgetrunken hatte, zahlte er bei der Bedienung und ließ ein gutes Trinkgeld springen.

»Danke Sir, beehren sie uns bald wieder«, freute sich die dralle Frau, die laut ihres Namensschildes Betty-Clare gerufen wurde.

Als er das Diner verließ, rannte an ihm eine Gruppe Skanks vorbei, die einen Mann in Anzug und mit Aktentasche verfolgten. Skanks, das war der mieseste Abschaum, den man in dieser Stadt finden konnte.

Viele Menschen aus Elysis gerieten unverschuldet und durch die korrupten Machenschaften der Obrigkeit und der Unternehmen, die den Großteil der erwirtschafteten Gewinne für sich behielten, in Armut und mussten irgendwie sehen, wie sie an ein paar Credits für ihr Überleben kamen. Aber diese Skanks waren nichts dergleichen. Sie hatte nie versucht, auf ehrlichem Wege an Arbeit oder Credits zu kommen. Sie stahlen, mordeten und taten alles, was ihrem Begriff von Freiheit entsprach, ohne sich um die Regeln und Gesetze zu scheren. Diamanti freute sich stets darüber, wenn sich ihre Wege kreuzten. Umso schöner war es, dass er seit der neuesten Verfügung des Gouverneurs befugt war, alles ihm richtig und notwendig erscheinende zu tun, um das Skanks-Problem zu lösen. Im Eilverfahren wurde besagte Verfügung in Kraft gesetzt, nachdem sich vor einigen Jahren mehrere Skank-Gruppen zusammengetan, den Palast des Gouverneurs gestürmt und es fast bis zu seinen Privatgemächern geschafft hatten. In der Folge überzeugte der Gouverneur den Senat davon, die Sicherheitstruppen der Stadt massiv aufzurüsten und mit entsprechenden Befugnissen auszustatten, die sie in die Lage versetzen sollte, das Problem offensiv anzugehen.

»Ein Geschwür kannst du nicht nur durch Gebete zum Imperator beseitigen. Du musst es rausschneiden. Und wir werden es rausschneiden!«, hatte er damals öffentlich verkündet und der Bevölkerung versprochen, die innere Sicherheit in seiner Makropole wieder herzustellen. »Mit allem, was hierfür notwendig ist«, hatte er als bedeutungsschwere Zusatzbemerkung hinterhergeschickt.

Lazarus konnte den Gouverneur nicht leiden. Mit seiner Meinung hinsichtlich der Skanks hatte er jedoch recht. Zu oft schon musste er sich wegen angeblich unlauterer Methoden vor der Kommission verantworten, wenn er verzogenen, halbstarken Sprösslingen einflussreicher Politiker, die sich aus Langeweile einer Skank-Gruppe anschlossen, Knochen gebrochen, Zähne ausgeschlagen oder sie anderweitig zur Ordnung gerufen hatte. Durch das neue Gesetz konnte er nun ungestört seinem Beruf nachgehen, ohne sich den lästigen Fragen der Dienstaufsicht stellen zu müssen. Er kannte sich und wusste, dass er diese Privilegien nicht zu sehr ausnutzen würde. Gleichzeitig kannte er aber auch genug Kollegen, die dieses Gesetz als Legitimation ansahen, um nicht nur gegen Skanks, sondern auch jeden durchschnittlichen Taschendieb aggressiver vorzugehen. Lazarus war das egal. Vom Leben gezeichnet und früh verweist, hatte er von seinem Mentor, dem langjährigen Sicherheitschef Adam Kolarov, neben seinem harten Training auch das höchste Maß an Werten und Moralvorstellungen mit auf den Weg bekommen und fuhr sehr gut mit seinem Verständnis von Gerechtigkeit.

Er hörte nun kein Rennen mehr. Die Schreie veränderten sich in jene stumpfen Laute, die man von sich gab, wenn man eine ordentliche Tracht Prügel bezog. Lazarus war auch ohne seine Ausrüstung schon eine respekteinflößende Erscheinung. Er war gut 1,90m groß, wog rund 100 Kilogramm, hatte schulterlanges, dunkelblondes Haar und stahlblaue Augen. Er war muskulös, und verfügte über ein markantes Gesicht mit einem Ausdruck, das vielen Menschen das Blut in den Adern gefrieren ließ. Zusammen mit der schwarzen Ganzkörperpanzerung und dem langen Ledermantel sowie den Insignien, die ihn als Offizier der Sicherheitskräfte auswiesen, wirkte er absolut autoritär und er hatte über die Jahre gelerntent, entsprechend aufzutreten, so dass seine Gegenüber daran auch keinen Zweifel hegen würden. Mit einer fließenden Bewegung griff er unter seinen Mantel und überprüfte routiniert seine Ausrüstung, bevor er in die Gasse einbog.

Mit seinen gewonnenen Erkenntnissen zufrieden trat er den sechs Skanks entgegen, die den am Boden liegenden, blutenden Mann mit Tritten und Schlägen bedeckten und im Begriff waren, ihm mit einem Eisenrohr den Rest zu geben.

»Legt sofort das Eisenrohr auf den Boden, geht von dem Mann weg und ergebt euch!«, rief Diamanti mit seiner tiefen, rauen Stimme, vor der sich selbst Kollegen manchmal erschraken.

»Verpiss dich bloß«, schrie der etwas zu kurz geratene und augenscheinlich wohlgenährte Anführer der Skank-Gruppe, dessen Augen vorwitzig in Lazarus` Richtung funkelten. Er hatte kurzgeschorenes Haar und einen blauen Streifen auf den Schädel tätowiert. Sein Gesicht war, wie das der gesamten Gruppe, mit metallenen Spitzen gespickt.

»Genau! das geht dich gar nichts an. Das ist unser Gebiet und wenn du nicht sofort abziehst, dann machen wir dich kalt«, krächzte ihn ein anderer an.

Lazarus grinste. So liebte er das. Jegliches moralische Restverständnis für das, was gleich mit diesen Leuten passieren würde, war wie weggefegt. Er machte zwei Schritte auf die Gruppe zu, was dazu führte, dass sich die beiden Figuren, die offensichtlich so etwas wie die Beschützer der kleinen, krächzenden Gestalt waren, in den Vordergrund schoben. Ohne Vorwartung griffen sie Diamanti an. Aus dem Augenwinkel nahm er einen geraden Schlag wahr, der ihm wohl glatt den Kopf abgerissen hätte. Er duckte sich unter dem Schlag hinweg, was ein unkontrolliertes taumeln seines verdutzten Gegenübers zur Folge hatte. Bevor der andere Angreifer reagieren konnte, griff Diamanti unter den Mantel und zog seinen Elektrokampfstab aus dem Mehrzweckgürtel.

Mit einer fließenden Bewegung rammte er die Nahkampfwaffe seinem gegenüber in dessen ungepflegten, kaum noch bezahnten Mund und wartete einige Sekunde ab, bis der Stromstoß sein Werk vollbracht hatte und der Gegner dampfend und zuckend zu Boden glitt. Eine Körperdrehung später rammte er dem zweiten Opponenten sein Knie in den Unterleib, drehte seinen Arm unter protestierendem Schnaufen des Skanks in eine ungesund wirkende Position und schlug mit dem Schlagstock in einer Aufwärtsbewegung so kompromisslos und hart gegen das Elbogengelenk, dass dieses nach oben wegbrach. Ein gezielter Schlag auf die Unterkante des Kinns ließ den unwürdigen Gegner K.O. gehen.

Lazarus drehte sich langsam zu den vier verbliebenen Skanks um, die teils verblüfft, teils ängstlich und ohne Idee, was sie nun tun sollten, den Offizier anstarrten. Einzig ihr Anführer regte sich, ergriff den am Boden liegenden Geschäftsmann und zog eine kleine, selbstgebaute Pistole aus seinem Gürtel.

»Dafür wirst du büßen«, keifte er und hielt den verletzten Mann wie ein Schild vor sich.

»Letzte Chance«, rief Diamanti in gebieterischem Ton. »Lass ihn los und leg dich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden.«

Der Skank-Anführer kicherte nur noch krankhafter vor sich hin und raunte die anderen an, anzugreifen. Die Gruppe blieb aber wie angewurzelt stehen und guckte ihren Boss verständnislos an. Dieser kurze Moment der Verwirrung reichte Lazarus Diamanti für seinen nächsten Zug. Den Schutzbügel seines BeinHolsters, in dem seine großkalibrige Pistole ruhte, hatte er vor dem Betreten der Seitenstraße bereits heruntergeklappt. Durchgeladen war die Waffe seit seinem Dienstantritt am Morgen. Der Kaffee und das körpereigene Adrenalin sorgten dafür, dass sich dieser Moment für Lazarus wahnsinnig intensiv und gut anfühlte. Er spürte, wie ruhig und gleichzeitig hochgradig erregt und fokussiert er war.

Wiederum mit einer fließenden, durch tausendmaliges Üben automatisierten Bewegung riss er die Pistole hoch und entsicherte mit dem Daumen die Waffe. Sie fühlte sich gut an in seiner Hand. Schwer und mächtig. Nachdem er auf den Kopf des Skank-Anführers gezielt hatte, gab er einen einzelnen Schuss ab, der den Gegner genau zwischen die Augen traf. Das Geschoss drang in den Schädel ein und explodierte darin mit einem dumpfen Knall. Einen Moment später sank der schlaffe Körper in sich zusammen und der Geschäftsmann fiel verängstigt zu Boden.

»Ihr anderen, ergebt euch!«, raunte er die restlichen Skanks an, die seiner Aufforderung sofort, tief beeindruckt, folge leisteten.

Nachdem Diamanti die Skanks gefesselt und sich nach dem Befinden des Mannes erkundigt hatte, rief er die Ambulanz sowie seine Kollegen, die die Unruhestifter abholen und in die Halle der Züchtigung bringen sollten. Mitleid hatte er keines. Jedoch wusste er, was mit diesen Kriminellen dort passieren würde und dass nach ihrem Aufenthalt eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft nicht mehr möglich sein würde. Anders, als es die Propagandaabteilung des Gouverneurs verkündete, ging es in dieser Anstalt nicht um Resozialisierung. Vielmehr sollten Folter, Schlafentzug und mentale Konditionierung den Unglückseligen mögliche Geheimnisse über die Skank-Netzwerke innerhalb der Makropole entlocken.

Lazarus lächelte, während er zu seinem Dienstmotorrad zurückging, das er neben dem Diner geparkt hatte. Als er gerade die Zentrale wegen möglicher neuer Einsatzziele für den weiteren Tag kontaktieren wollte, hörte er hinter sich eine Explosion.

Kapitel 5 Die Begegnung

Zwei Blocks weiter musste irgendwas Großes heruntergekommen sein dachte Diamanti, während er sein Motorrad startete. Es war nur eine kurze Strecke bis zu dem Ort, von dem grauer Dunst aufstieg. Zwei Abbiegungen später hörte er bereits lauten Kampflärm, was alle seine Sinne sofort in Alarmbereitschaft versetzte.

»Zentrale, schicken sie Verstärkung mit schwerem Geschütz. Hier sieht es aus wie in einem Kriegsgebiet«, gab er durch, bevor er von seinem Gefährt stieg und auf die Quelle des Lärms zuging. Schreiende Menschen kamen ihm entgegengelaufen, er konnte die Panik in ihren Augen sehen.

»Was ist da vorne los, zum Teufel?«, fragte er einen jungen Mann, den er fest am Arm hielt und ihm eindringlich in die Augen sah.

»…Monster…riesige, gepanzerte Monster…«, stotterte der Mann bevor er sich losriss und weiterrannte.

Diamanti zog seine Pistole und näherte sich, abwechselnd Deckung hinter Fahrzeugen und Mülltonnen suchend, dem Zentrum der Wolke. Verschwommen konnte er zwei Gestalten wahrnehmen, die tatsächlich riesig aussahen. Einige Augenblicke später löste sich die Ungewissheit auf. Es waren zwei Space Troopers. So gleich und doch so unterschiedlich.

Beide waren mindestens 3 Meter groß, gehüllt in eiserne Rüstungen und mit Helmen auf ihren Köpfen. Soviel zu den Ähnlichkeiten. Aber während der eine Krieger in eine dunkelgrüne Rüstung gehüllt war, ein in dunkles Blau gehülltes, knisterndes Energieschwert schwang und den zweiköpfigen Adler, das Wappentier des Imperators, auf der Brust trug, wirkte sein Gegner seltsam verzerrt. Seine Rüstung war scharlachrot, zwei unnatürlich aussehende Hörner gingen von seinem nietenbesetzten Helm ab. Von seinen Schulterpanzern hingen seltsam anmutende Trophäen herab, die sich bei näherer Betrachtung als Schädel von Menschen entpuppten.

In seinen in schwarze, gepanzerte Handschuhe gehüllten Händen trug er eine riesige Axt, bei der es sich ebenfalls um eine Energiewaffe handelte und die in rotem Licht funkelte. Statt des Adlers trug er die Fratze eines Dämons auf seinem Brustharnisch.

Dies alles konnte Lazarus aus der Distanz erkennen, weil sich die beiden Krieger umkreisten und vollends aufeinander fokussiert waren. Scheinbar lauerten sie auf einen Fehler des andern und analysierten parallel mögliche Angriffspunkte. Wie aus dem Nichts schnellte der Dämomenanbeter plötzlich hervor und zielte auf den Kopf des Space Troopers. Dieser konnte mit einem für seine schwere Rüstung von Lazarus für unmöglich gehaltenen Reflex ausweichen und hieb seinerseits mit dem Schwert auf seinen Gegner ein. Die Klinge streifte die Panzerung und hinterließ einen dampfenden Riss. Ein ohrenbetäubendes Kreischen kam von dem Punkt des Helms, wo Lazarus den Mund des Monsters vermutete.

»Falls diese Dinger überhaupt einen Mund besitzen«, dachte er sich, während er wie paralysiert dastand und dem skurrilen Schauspiel zusah.

In wilder Raserei sprang der Axtträger wieder vor und hieb wild um sich. Fünf der sechs Axtschwinger konnte der Trooper mit seinem Schwert abwehren, der sechste traf ihn mit voller Wucht frontal gegen seine Rüstung und schnitt ein großes Stück heraus. Metall fiel zu Boden und Blut spritzte aus einer tiefen Wunde, als der rote Krieger seine Axt wieder aus seinem Gegner herausriss. Der Trooper wurde auf den Rücken geschleudert und kam nach einigen Metern zum Liegen. Schwerfällig und keuchend richtete sich der Getroffene unter dem Blick seines Kontrahenten wieder auf. »Unfassbar«, dachte Diamanti. Ein Schlag, der einen wilden Jakobo in der Mitte zerteilt hätte, und der Kerl stand einfach wieder auf. Von Wut und blindem Hass seiner falschen Götter getrieben, setzte der teuflische Kämpfer zu einer weiteren Offensivaktion an, doch diesmal war er zu übermütig. Der grüne Schwertkämpfer wich dem Angriff aus und trennte mit einem sauberen Strich seines Schwertes den linken Arm des Gegners vom Körper. Unnatürlich schwarzes, dickflüssiges Sekret tropfte sofort aus der Wunde.

»Das sind…keine Menschen«, stammelte Lazarus vor sich hin, der nach wie vor seine mittlerweile für ihn wie eine Spielzeugpistole wirkende Schusswaffe merklich fester hielt.

»Beenden wir es«, rief der Space Trooper mit einer metallenen Stimme und machte ein paar schwerfällige Schritte auf seinen Feind zu, der sich mühsam auf seine Knie kämpfte. In die Ausholbewegung des Schwertkämpfers hinein schoss der verbliebene Arm des in rotes Metall gehüllten Istilaci-Kriegers plötzlich mit einer Urgewalt hoch und rammte seine Axt erneut in die ungeschützte Wunde seines Gegners. Der Trooper taumelte, bevor er mit einem letzten verzweifelten Strich seines Schwertes versuchte, den Kopf seines Gegners zu treffen. Und er traf! Jedoch schlug er lediglich den Helm vom stark deformierten und mit Schläuchen und Kabeln übersäten Schädel seines Gegners. Dann sank er, die Axt noch in seiner Brust steckend, zu Boden. Der Istilaci richtete sich auf, bereit, sein Werk zu Ende zu bringen.