Das geheime Wissen der Schamanen - Alberto Villoldo - E-Book

Das geheime Wissen der Schamanen E-Book

Alberto Villoldo

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Beschreibung

Die Inkas, eine der größten Zivilisationen des amerikanischen Kontinents, waren nicht nur berühmte Städtebauer, sondern besaßen auch ein außergewöhnliches Medizinsystem. Ihre Schamanen entwickelten vor mehr als 5000 Jahren eine Technik, Krankheiten mit Geist und Licht zu heilen. Alberto Villoldo studierte 25 Jahre lang die heilende Macht dieser energiemedizinischen Tradition. Aufbauend auf dem alten Heilsweg, stellte er ein praktikables Programm zusammen, das es ermöglicht, sich selbst und andere zu heilen und Krankheiten zu vermeiden. Kernstück seines Konzepts sind die lichtvollen Energiefelder, die den materiellen Körper umgeben und sich im Krankheitsfall verändern. Schritt für Schritt macht Villoldo den Leser mit den Techniken vertraut, die Aura zu sehen und das Energiefeld zu harmonisieren.

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Buch

Die Inkas, eine der größten Zivilisationen des amerikanischen Kontinents, waren nicht nur berühmte Städtebauer, sondern besaßen auch ein außergewöhnliches Medizinsystem. Ihre Schamanen entwickelten vor mehr als 5000 Jahren eine Technik, Krankheiten mit Geist und Licht zu heilen. Alberto Villoldo studierte 25 Jahre lang die heilende Macht dieser energiemedizinischen Tradition. Aufbauend auf dem alten Heilsweg, stellte er ein praktikables Programm zusammen, das es ermöglicht, sich selbst und andere zu heilen und Krankheiten zu vermeiden. Kernstück seines Konzepts sind die lichtvollen Energiefelder, die den materiellen Körper umgeben und sich im Krankheitsfall verändern. Schritt für Schritt macht Villoldo den Leser mit den Techniken vertraut, die Aura zu sehen und das Energiefeld zu harmonisieren.

Autor

Dr. Alberto Villoldo lebt in Los Angeles und ist klassisch ausgebildeter medizinischer Anthropologe. 25 Jahre lang bereiste er die Hochländer der Anden und des Amazonas und studierte die schamanischen Heilpraktiken. In seinen Seminaren führt er alljährlich Tausende von Medizinern und Laien in die energiemedizinischen Techniken ein. Er ist Autor zahlreicher Bücher, darunter »Tanz der vier Winde« und »Insel der Sonne«.

Inhaltsverzeichnis

Über den AutorWidmungDanksagungVorwort
Schwarze und weiße Magie
Teil 1: Die Lehren der Schamanen
1 - Heilung und Unendlichkeit
Die Suche nach dem Spirit
2 - Die leuchtenden Heiler
Don Antonio MoralesDon Manuel QuispeDoña LauraDon Eduardo
3 - Das Leuchtende Energiefeld
Die Anatomie der SeeleFlüsse des LichtsDie ChakrasEin langes und strahlendes LebenAbdrücke von Gesundheit und KrankheitGeerbte AbdrückeSieben GenerationenDas Entfernen der Abdrücke
Teil 2: Die leuchtende Welt
4 - Die Chakras
Die Anatomie der ChakrasDie ErdchakrasDie Himmelchakras
5 - Die schamanistische Art des Sehens
Wie unser normales Sehen funktioniertVerlier deinen Kopf, und verlass dich auf deine SinneDas Aufspüren von Energien
6 - Heiliger Raum
Die KrafttiereDas Öffnen eines heiligen RaumsDie Ausweitung des Leuchtenden Energiefelds
Teil 3: Die Arbeit des Schamanen
7 - Der Illuminationsprozess
Das Verbrennen von EnergienDie einzelnen Schritte des Illuminationsprozesses
8 - Der Extraktionsprozess
Das Extrahieren von kristallisierten EnergienDas Extrahieren verhärteter EnergienEindringende Wesen und EnergienEntfernen eingedrungener Wesen und Energien
9 - Tod, Sterben und darüber hinaus
Wenn wir sterbenVorbereitung auf den FriedenSterberitualeDie letzten RitualeSpirituelle UnterstützungSymbolischer Tod
EpilogCopyright

Für Helena Kriel, in Liebe

Danksagung

Es fällt mir schwer, meine Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die dieses Buch möglich gemacht haben, in Worte zu fassen. An allererster Stelle steht mein Mentor Don Antonio, der die Vision, die Geduld und die Ausdauer hatte, einen jungen westlichen Anthropologen in die schamanistischen Künste einzuführen. Mein besonderer Dank gilt auch meiner Herausgeberin Patty Gift vom Verlag Random House, die tief in die alten Medizinlehren eingetaucht ist und mich auf die höchsten Gipfel der Anden begleitet hat, um dort mit den letzten Eingeweihten der Inka zu arbeiten. Ohne sie wäre dieses Buch nicht entstanden. Ich danke Laura Wood und Normandi Ellis von Herzen für ihre Hilfe bei der Gestaltung des Manuskripts. Mein Dank geht an Stanley Krippner, der immer an mich geglaubt und meine Forschungsarbeit in jungen Jahren unterstützt hat. Und an meine Agentin Sue Berger für ihre beharrliche Ermutigung. Zum Schluss möchte ich mich bei den Studenten und der Lehrerschaft der Healing the Light Body School dafür bedanken, dass sie die Techniken und Praktiken, die in diesem Buch vorgestellt werden, erprobt und damit zu ihrer endgültigen Ausformung beigetragen haben. Ein großes Dankeschön auch an Lisa Summerlot für ihre unermüdliche Liebe und Unterstützung.

Vorwort

Das vorliegende Buch ist das Ergebnis meiner Reisen mit den Schamanen der Inka und der Ausbildung, die ich durch sie erhielt. Die Inka sind eine der großen amerikanischen Zivilisationen. Als Erbauer von Machu Picchu lebten sie in Städten in den Wolken, deren gepflasterte Straßen jeden Abend mit Wasser aus dem städtischen Kanalsystem gereinigt wurden. Inka-Schamanen praktizieren energetische Medizin schon seit mehr als 5000 Jahren und geben ihr Wissen mündlich von einer Generation zur nächsten weiter. Ich bin 25 Jahre bei den besten Heilern und Heilerinnen der Inka in die Lehre gegangen. Die Rituale, denen ich mich in den Anden oder im Amazonasgebiet unterzog, entstammen einer uralten Tradition und erforderten manchmal monatelange Vorbereitung. Sie befreien den Anfänger von einem Leben in Angst, Gier, Gewalt und fehlgeleiteter Sexualität. Meine Ausbildung wurde von einem alten Inka namens Antonio Morales geleitet. Die Abenteuer, die ich mit Don Antonio im Amazonasgebiet und in den Anden erlebt habe, sind in meinen Büchern Die Macht der vier Winde und Island of the Sun dokumentiert.

Die Heilmethoden durch Spirit und Licht, die in diesem Buch vorgestellt werden, sind meine zeitgenössische Interpretation uralter Heilungspraktiken. Versionen der schamanistischen Art des Sehens, die ich die Zweite Wahrnehmung und den Extraktionsprozess nenne, sind in Nord- und Südamerika immer noch in Gebrauch. Die Sterberituale stammen aus dem Amazonasgebiet und sind Teil eines Wissens, das Männer und Frauen entdeckt haben, die über unsere normale Wahrnehmung von Raum und Zeit hinausgegangen sind. Den Illuminationsprozess habe ich zusammen mit meinem Mentor Don Antonio aus Bruchstücken einer fast vergessenen Heilmethode der Inka entwickelt, die auf dem Leuchtenden Energiefeld beruht. Diese Methoden sind außerordentlich kraftvoll und effektiv. Man sollte sie nur benutzen, wenn man bereit ist, sich strengsten ethischen Maßstäben zu unterwerfen.

Im ersten Teil des Buches wird die Vorstellungswelt beschrieben, auf der diese Heilmethoden beruhen. Teil zwei befasst sich mit den Techniken, die notwendig sind, um die schamanistische Art des Sehens zu lernen und um einen heiligen Raum und heilige Praktiken zu schaffen, mit denen du in deinem persönlichen Heilungsprozess experimentieren kannst. Wende sie bitte niemals auf andere an, solange du keine entsprechende Ausbildung bei einem praktizierenden Meister genossen hast. Der dritte Teil enthält Techniken für Fortgeschrittene, die nur von einem praktizierenden Meister ausgeführt werden dürfen, der eine Ausbildung bei einem erfahrenen Lehrer gemacht hat. In den Kapiteln des dritten Teils werden Verfahren beschrieben, mit denen du die Immunreaktion des Körpers aufheben und eingedrungene Wesen und Energien entfernen, aber auch einer geliebten Person helfen kannst, in die Welt des Spirits zurückzukehren.

Die energetische Medizin birgt jedoch auch Gefahren in sich, und zwar sowohl für den Klienten als auch für den Heiler selbst. Zu viele schlecht ausgebildete Praktizierende führen die Energieheilung aus, ohne die Funktionsweise des menschlichen Energiefelds zu verstehen. Ich hatte mit Menschen zu tun, die Krebs hatten und deren Tumor mit »Energieheilung« behandelt wurde, mit dem Ergebnis, dass sich der Krebs auf den ganzen Körper ausbreitete. Sie konnten es nicht glauben, dass das Krebswachstum offensichtlich durch bestimmte Energieformen begünstigt wird. Ich kannte auch Menschen, die unter ernsthaften psychischen Problemen litten und von unqualifizierten Heilern behandelt wurden. Ihre neurotischen Symptome oder dysfunktionalen Wahrnehmungsweisen wurden dadurch nur verstärkt. In einem Fall suchte mich eine Frau auf, die ihr Kind bei einem Autounfall verloren hatte. Sie war bei einer Hellseherin gewesen, die zu ihr meinte, dass ihre kleine Tochter immer noch an ihrer Seite sei. Alles, was sie tun könne, sei, »offen« zu sein, um die Gegenwart ihrer Tochter zu fühlen. Die Frau verspürte eine sofortige Erleichterung. Ein paar Tage später konnte sie jedoch nicht mehr einschlafen. Nach einer Woche ohne Schlaf kam sie zu mir. Als erstes meinte sie, dass sie sterben wolle und bereit sei, sich das Leben zu nehmen. Der Test auf die Anwesenheit eines eingedrungenen Wesens (siehe auch Kapitel 8) war positiv. Der verwirrte Spirit des Mädchens hatte sich an das Leuchtende Energiefeld der Mutter gehängt, in der Hoffnung auf Zuflucht nach einem traumatischen Tod. Der Rat der Hellseherin, »offen« zu sein – obgleich sicherlich gut gemeint  –, hielt Mutter und Tochter in emotionalem Aufruhr und psychischem Schmerz.

In unserer ersten Sitzung übergab die Mutter ihre Tochter an leuchtende Heiler, die sie ins Licht der Spirit-Welt begleiteten. Es war nicht leicht für sie, ihre Tochter loszulassen. Während des Illuminations-Prozesses sah sie den Tod als Tor zur Unendlichkeit. Sie konnte fühlen, dass ihre Tochter von ihr nur durch einen dünnen Schleier getrennt war. Kurz darauf konnte sie wieder ruhig schlafen. Wir versiegelten die Öffnung in ihrem Leuchtenden Energiefeld, durch die der Spirit des Mädchens hereingekommen war. Wie eine offene Wunde war der Riss in ihrem Energiefeld eine Einladung an alle umherirrenden Geistwesen und gestörten Energien. In den nächsten Sitzungen beschäftigten wir uns mit ihrer Trauer. Ich ermutigte sie, eine Psychotherapeutin aufzusuchen, die darauf spezialisiert war, Menschen zu behandeln, die einen großen emotionalen Verlust erlitten haben. Ich bin überzeugt, dass sie Selbstmord verübt hätte, wäre sie der Anweisung der Hellseherin weiterhin gefolgt. Stattdessen ging sie konsequent den Weg der eigenen Heilung. Heute ist sie eine talentierte und mitfühlende Heilerin, die anderen hilft, mit schmerzlichen Verlusten im Leben fertig zu werden.

Schwarze und weiße Magie

Ich war Anfang 20 und bereitete mich gerade auf eine Expedition ins Amazonasgebiet vor, als ich einen Anruf von der Stiftung erhielt, die meine Forschungsarbeit finanzierte. Sie brauchten einen Anthropologen, um eine Untersuchung über Voodoo-Heiler auf Haiti abzuschließen. Da ich nur sehr wenig über Heilmethoden afrikanischer Herkunft auf Haiti wusste, war ich nicht sehr begeistert. Man sagte mir, dass es nur zehn Tage dauern würde, dem leitenden Anthropologen bei der Fertigstellung eines Projekts zu helfen. Als man schließlich drohte, mein Forschungsvorhaben im Amazonasgebiet zu streichen, willigte ich ein. Fünf Tage später landete ich in Port-au-Prince. Der leitende Anthropologe war Ende 30 und schon seit einem halben Jahr auf Haiti. Er erklärte mir, dass die französischen Kolonisatoren der Insel die schlimmsten Sklaven-ausbeuter der Neuen Welt gewesen waren. Lag die durchschnittliche Lebenserwartung eines afrikanischen Sklaven nach seiner Ankunft in Amerika bei 30 Jahren, so hatte ein Sklave, der das Pech hatte, auf Haiti zu landen, im Durchschnitt nur noch zwei Lebensjahre vor sich. Der Anthropologe erzählte mir, dass Voodoo ursprünglich eine Heilmethode sei, die aus dem Afrika südlich der Sahara stammte. Auf Haiti werde sie jedoch auch dazu missbraucht, seinen Feinden Schaden zuzufügen, besonders den berüchtigten Sklaventreibern. Die Techniken seien identisch, erklärte er. Dieselben Methoden, die jemanden heilen, können auch jemanden verletzen. Techniken, mit denen man das Immunsystem stimulieren kann, um ein bösartiges Geschwür zu entfernen, können auch dazu benutzt werden, dem Immunsystem zu schaden, sodass das Opfer in nur wenigen Wochen an einer Lungenentzündung stirbt.

Ich war, wie gesagt, erst Anfang 20 und meinte, es besser zu wissen. Ich war davon überzeugt, dass schwarze Magie nur dann wirksam werden konnte, wenn man an sie glaubte. Wenn man sich nicht auf das dazugehörige Glaubenssystem einließe, konnte sie einem nichts anhaben. Ich erinnere mich, wie ich dem leitenden Anthropologen diese Tatsachen entgegenstellte, während wir in einem kleinen Café am Wasser saßen. Er schaute mich an und grinste. »Ich wette mein Geld, dass es anders nicht funktioniert«, sagte ich. »Akzeptiert«, antwortete er. Wir wetteten um 100 Dollar, dass Voodoo keine Auswirkungen auf mich hatte, und suchten einen Voodoo-Priester auf, mit dem er gearbeitet hatte. Der alte Mann lebte in einer klapprigen Holzhütte auf einem Hügel, von wo man einen herrlichen Blick über die Stadt hatte. Nach ein paar beiläufigen Begrüßungsfloskeln im lokalen kreolischen Dialekt, den mein Kollege fließend sprach, erklärte er dem Mann, dass ich ein Ungläubiger sei, der behauptete, der Zauber des alten Mannes sei nur Schaumschlägerei, und dass er mir eine Lektion erteilen solle. Ich verstand genug Französisch, um ein paar Worte aufzuschnappen. »Verletzen Sie ihn nicht«, sagte der Anthropologe. Woraufhin der alte Mann mich anschaute und lachte. »Du willst eine Kostprobe?«, fragte er in seinem gebrochenen Akzent und schüttelte sich vor Lachen. Wir einigten uns darauf, dass er seine Arbeit am Montag der kommenden Woche machen sollte, wenn ich wieder in Kalifornien sei.

An dem verabredeten Tag war ich abends mit Freunden zusammen essen, und ich erzählte ihnen von meinen Erfahrungen auf Haiti und der Heilkraft des Voodoo. Ich prahlte damit, dass der Glaube ein wichtiges Glied in der Wirkungskette sei, und zwar sowohl in Bezug auf eine heilsame als auch auf eine schädliche Wirkung. Wenn man sich außerhalb des Glaubenssystem befände, erklärte ich großspurig, funktioniere es einfach nicht. Ich sei der lebende Beweis meiner These, denn gerade an diesem Abend versuchte der gemeinste Voodoo-Priester ganz Haitis, mir Schaden zuzufügen, aber – wie alle sehen konnten – ohne Erfolg. Die Anwesenden erhoben daraufhin ihr Weinglas und tranken auf meine Gesundheit. Dies geschah am Montagabend. Dienstag und Mittwoch ging es mir gut, aber am Donnerstagnachmittag bekam ich Kopfschmerzen, die sich bis zum frühen Abend zu einer Migräne ausweiteten. Um acht Uhr hatte sich mein Darm zu einem Knoten verschnürt. Ich hatte starke Krämpfe und musste immer wieder unkontrolliert würgen. Um Mitternacht klingelte das Telefon, und am Apparat war der Anthropologe aus Haiti. Leider konnten sie nicht, wie verabredet, am Montag mit mir arbeiten, aber heute hätten sie sich um mich »gekümmert«. Er sei gerade von der Voodoo-Zeremonie in sein Hotel zurückgekehrt und wollte wissen, ob ich irgendetwas fühlen würde. Ich stöhnte ins Telefon und sagte ihm, er solle sofort zum Voodoo-Priester zurückgehen und ihn auffordern, seinen Zauber von mir zu nehmen. Ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich lieber sterben wollte, als die Schmerzen noch länger ertragen zu müssen.

Am anderen Morgen war mein Gesundheitszustand fast wieder normal, und ich redete mir ein, dass ich mir irgendeinen Eingeweidewurm eingefangen hatte. Ich ging zum Gesundheitszentrum der Universität und ließ mich ärztlich untersuchen. Die Testergebnisse zeigten, dass ich keinerlei Parasiten im Darm hatte. Die Lektion kostete mich 100 Dollar, was damals viel Geld für einen Studenten war, und die schlimmste Nacht meines Lebens. Ich musste erfahren, dass man Menschen mit energetischer Medizin heilen, aber auch schaden kann. Später begriff ich, dass Energieheilung durch einen unqualifizierten Heiler oft das Gleiche ist wie schwarze Magie, auch wenn es der Heiler oder die Heilerin noch so gut meint. Schwarze Magie geschieht nicht nur auf Haiti oder im Süden von Louisiana, sondern überall dort, wo schlecht ausgebildete Personen ihre Hände auf andere Menschen legen und ihnen beim Versuch, sie zu heilen, unbewusst schädliche Energie übertragen. Oft höre ich von meinen Studenten, dass so etwas nicht geschehen kann, wenn du auf einen anderen Menschen Liebe überträgst, da die Liebesenergie rein und heilig sei. Ich erinnere dann diese Studenten an das viele Leid, das wir anderen im Namen der Liebe zufügen. Im Laufe der Zeit entdeckte ich auch eine Spielart der schwarzen Magie, die wir auf uns selbst anwenden: nämlich all die negativen Gedanken und Glaubenssätze, die uns von unserer persönlichen Kraft abschneiden und unser Immunsystem schwächen.

Aber ich lernte in jener Nacht eine wichtige Lektion, denn ich erkannte, welch entscheidende Rolle die ethische Grundeinstellung des Heilers spielt. Die oft jahrzehntelange Ausbildung des Schamanen gilt der Entwicklung einer hohen Ethik, eines Wertsystems, das in der tiefen Verbundenheit mit allem Leben wurzelt. Nur dann können die einzelnen Techniken wohlbringend angewendet werden. Auch ein Doktor der westlichen Medizin braucht mindestens fünf Jahre, bis er sein Handwerk zu beherrschen anfängt. Ist es daher sinnvoll, seine Gesundheit jemandem anzuvertrauen, der meint, Energieheilung in einem Wochenendseminar gelernt zu haben?

Mein Interesse am Schamanismus entsprang dem Wunsch, meine innere Zerrissenheit zu überwinden. Indem ich meine eigenen seelischen Wunden heilte, lernte ich, mich selbst und andere zu lieben. Ich folgte dem Pfad des verwundeten Heilers und lernte, Schmerz, Trauer, Wut und Scham in Quellen der Stärke und des Mitgefühls zu transformieren. Ich konnte den Schmerz des anderen fühlen, weil ich wusste, was es bedeutete, verletzt zu werden. In der Healing the Light Body School lässt sich jeder Student auf einen Prozess ein, in dessen Verlauf er sich selber heilt, indem er seine seelischen Wunden in Quellen der Stärke verwandelt. Den Studenten wird beigebracht, dass die Entdeckung der Kraft, die im Schmerz liegt, eines der größten Geschenke ist, die sie später ihren Klienten anbieten können. Außerdem lernen die Studenten, dass Heilung nicht eine Handlung ist, die der Heiler oder die Heilerin ausführt, sondern vielmehr eine Reise, auf die sich der Klient aus eigenem Antrieb einlässt.

Zum Schluss möchte ich betonen, dass die Heilmethoden, die in diesem Buch angeführt werden, meine eigene Synthese uralter Heilungspraktiken sind, die ich auf meine Weise interpretiere. Ich spreche nicht für meine Lehrer und auch nicht für die Inka oder für indianische Schamanen. Obwohl ich das Privileg genoss, von den besten Heilern der Inka ausgebildet worden zu sein, erhebe ich nicht den Anspruch, eine bestimmte Tradition der Inka in ihrer Gesamtheit darzustellen. Die Heilmethoden, die ich beschreibe, stammen von meiner Ausbildung zum Schamanen, und ich übernehme die volle Verantwortung für ihre Schönheit und für ihre Mängel.

1

Heilung und Unendlichkeit

Wir waren schon tagelang unterwegs. Ich sagte zu Antonio, dass ich genug Geld hätte, um einen Bus oder sogar ein Taxi zu bezahlen. Aber er wollte mit all dem nichts zu tun haben. Er erlaubte mir noch nicht einmal, Pferde auszuleihen. »Meine Leute sind immer nur zu Fuß gegangen«, sagte er. Es machte ihm sichtlich Spaß, mir zu zeigen, dass er mit seinen fast 70 Jahren immer noch schneller und ausdauernder war als ich.

Habe meine Schuhe ausgezogen, sobald wir in Sillustani waren, und meine Füße im eiskalten Wasser des Titicacasees gebadet. Es ist ein unheimlicher Ort, ein Friedhof erstreckt sich über Dutzende von Meilen, wie das Tal der Könige in Ägypten. Ausschließlich Schamanen, Könige und Königinnen liegen hier am Ufer unter gigantischen Türmen begraben. Die besten Steinmetze stammten aus dieser Gegend. Warum entwickelte sich diese Technik ausgerechnet hier an einem See auf dem Dach der Welt?

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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