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Lange Zeit verschloss das »Jahrhundert der Wölfe« den Zugang zu Ossip Mandelstam. Sein Werk, ein Meilenstein der Weltliteratur, blieb in Russland bis in die 1980er Jahre verboten. Für den deutschsprachigen Leser macht es Ralph Dutli mit seiner zehnbändigen Werkausgabe auf mustergültige Weise zugänglich. Mit viel gelobten Übersetzungen der Gedichte, Briefe und Prosa, präzisen und ausführlichen Kommentaren und glänzenden Nachworten erschließt er uns einen bis dahin Unbekannten. »Ein herrlicher Dichter, der größte von allen, die in Russland unter der Sowjetherrschaft zu überleben versuchten.« Vladimir Nabokov »... dass der Gesang des ›modernen Orpheus‹ (so Joseph Brodsky) auch unsere westlichen Gestade erreicht hat, verdanken wir Ralph Dutlis grandioser Mandelstam-Ausgabe.« Michael Braun, Frankfurter Rundschau
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Seitenzahl: 2740
Veröffentlichungsjahr: 2016
Ossip Mandelstam
10 Bände in einem E-Book
Lange Zeit verschloss das »Jahrhundert der Wölfe« den Zugang zu Ossip Mandelstam. Sein Werk, ein Meilenstein der Weltliteratur, blieb in Russland bis in die 1980er Jahre verboten. Für den deutschsprachigen Leser macht es Ralph Dutli mit seiner zehnbändigen Werkausgabe auf mustergültige Weise zugänglich. Mit viel gelobten Übersetzungen der Gedichte, Briefe und Prosa, präzisen und ausführlichen Kommentaren und glänzenden Nachworten erschließt er uns einen bis dahin Unbekannten.
»Ein herrlicher Dichter, der größte von allen, die in Russland unter der Sowjetherrschaft zu überleben versuchten.«
Vladimir Nabokov
»... dass der Gesang des ›modernen Orpheus‹ (so Joseph Brodsky) auch unsere westlichen Gestade erreicht hat, verdanken wir Ralph Dutlis grandioser Mandelstam-Ausgabe.«
Michael Braun, Frankfurter Rundschau
Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de
Ossip Mandelstam, am 15. Januar 1891 in Warschau in einer jüdischen Familie geboren, studierte in Petersburg, Paris und Heidelberg. Seine Gedichtbände ›Der Stein‹ (1913) und ›Tristia‹ (1922), autobiographische Prosa ›Das Rauschen der Zeit‹ (1925) und ›Die ägyptische Briefmarke‹ (1928), sowie seine Essays ›Über Poesie‹ (1928), sind Meilensteine der russischen Dichtung des 20. Jahrhunderts. Ab 1929 politischer Verfolgung ausgesetzt, konnte sein Werk erst Jahrzehnte nach seinem Tod erscheinen. Mandelstam ist eines der prominenten Opfer von Stalins Regime der Terrorjahre. Aufgrund eines satirischen Epigramms auf Stalin im Mai 1934 verhaftet und verbannt, wurde er 1938 erneut verhaftet und zu Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt. Er starb am 27. Dezember 1938 in einem Lager bei Wladiwostok. Seine Gedichte wurden von seiner Frau, Nadeschda Mandelstam, auswendig gelernt, versteckt und von Helfern in die USA geschmuggelt. Das Gesamtwerk, auf Deutsch 1985 bis 2000 im Ammann Verlag erschienen, ist im S. Fischer Verlag erhältlich.
Ralph Dutli, geb. 1954 in Schaffhausen (Schweiz), studierte Romanistik und Russistik, lebt als freier Schriftsteller in Heidelberg. Er ist Romanautor, Lyriker, Essayist, Biograph, Übersetzer und Herausgeber der zehnbändigen Ossip-Mandelstam-Gesamtausgabe und erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.a. den »Johann-Heinrich-Voß-Preis« der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung 2006, den »Rheingau Literaturpreis« 2013 und den »Preis der LiteraTour Nord« 2014 für seinen Roman ›Soutines letzte Fahrt‹, sowie den »Düsseldorfer Literaturpreis« 2014 für sein literarisches Gesamtwerk.
Veröffentlichungen (Auswahl): Meine Zeit, mein Tier. Ossip Mandelstam. Eine Biographie (2003); Russische Literaturgeschichte, erzählt von Ralph Dutli (Hörbuch, 2003); Nichts als Wunder. Essays über Poesie (2007); Liebe Olive. Eine kleine Kulturgeschichte (2009; neu 2013); Das Lied vom Honig. Eine Kulturgeschichte der Biene (2012); Soutines letzte Fahrt. Roman (2013).
Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de.
Erschienen bei FISCHER E-Books
Die Einzelbände der zehnbändigen Ossip-Mandelstam-Gesamtausgabe erschienen in den Jahren 1985 bis 2000 im Ammann Verlag, Zürich; das Gesamtwerk erschien 2000 ebenfalls im Ammann Verlag.
© 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main
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Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
ISBN 978-3-10-403802-5
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Das Rauschen der Zeit Die ägyptische Briefmarke Vierte Prosa
Das Rauschen der Zeit
Musik in Pawlowsk
Kindlicher Imperialismus
Unruhen und Französinnen
Der Bücherschrank
Finnland
Jüdisches Chaos
Die Konzerte Hofmanns und Kubeliks
Die Tenischew-Schule
Sergej Iwanytsch
Julij Matwejitsch
Das Erfurter Programm
Familie Sinani
Die Komissarschewskaja
»In einem allzu herrschaftlichen Pelz«
Feodosia
Der Hafenkommandant
Ein Vögelchen der alten Frau
Im Ornat des Gesetzes
Mazessa da Vinci
Reiseskizzen und Erinnerungen 1922–1927
Der Pelz
Batumi
Die Rückkehr
Die Menschewiken in Georgien
Ein kalter Sommer
Die Sucharewka
Kiew
Kislowodsk im Frühjahr
Die ägyptische Briefmarke
I.
II.
III.
IV.
V.
VI.
VII.
VIII.
Ein Dichter über sich selbst
Vierte Prosa
I
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
Namen, Notizen
Das Rauschen der Zeit
Feodosia
Der Pelz
Batumi
Die Rückkehr
Die Menschewiken in Georgien
Ein kalter Sommer
Die Sucharewka
Kiew
Kislowodsk im Frühjahr
Die ägyptische Briefmarke
Ein Dichter über sich selbst
Vierte Prosa
Chronologie zu Ossip Mandelstams Leben und Werk
PROSA IST
Eine Zeit als Geruch und Geräusch
Das Konzert in einem gläsernen Bahnhof
Der Weg zum Wort
Nicht wiedergutzumachen
Die Geschichte des Zitronenkerns
Fieber
Der Kupfergeschmack in meinem Mund
Der Tod der Sängerin
Der Eintritt ins Inferno
Ein Akt der Freiheit
Abgestohlene Luft
Der Bruch (ein Reichtum)
Der Pelz
Besorgnis über die Epoche
Essenz und Lappalie
Prosa
Mitternacht in Moskau
I
II
Notizen
Atemluft, Zorn, Requiem
I
II
III
Der Stein
Aus dem Umkreis des STEINS
NOTIZEN
Aus dem Umkreis des STEINS
SCHWERE LEICHTHEIT
I
II
III
IV
V
Über den Gesprächspartner
I
ÜBER DEN GESPRÄCHSPARTNER
DER MORGEN DES AKMEISMUS
FRANÇOIS VILLON
IL JA EHRENBURG »PUSTEBLUMEN«
JORIS-KARL HUYSMANS »PARISER SKIZZEN«
JACK LONDON »GESAMMELTE WERKE«
IGOR SEWERJANIN »DER DONNERKOCHENDE POKAL«
INNOKENTIJ ANNENSKIJ »THAMYRAS DER KITHARÖDE«
NOTIZEN ÜBER CHÉNIER
TSCHAADAJEW
PUSCHKIN UND SKRJABIN (Fragmente)
ÜBER DIE ZEITGENÖSSISCHE POESIE
II
STAAT UND RHYTHMUS
DAS WORT UND DIE KULTUR
DAS BLUTIGE MYSTERIENSPIEL DES 9. JANUAR
EIN PAAR WORTE ÜBER DIE GEORGISCHE KUNST
BRIEF ÜBER DIE RUSSISCHE POESIE
DAS »GROTESK«-THEATER
ÜBER DIE NATUR DES WORTES
MENSCHENWEIZEN
DAS GEWITTER ALS URBILD DES EREIGNISSES
DER DACHSBAU
LITERARISCHES MOSKAU
LITERARISCHES MOSKAU: DIE GEBURT DER FABEL
DAS ENDE DES ROMANS
DAS 19. JAHRHUNDERT
III
HUMANISMUS UND GEGENWART
NOTIZEN ÜBER POESIE
STURM UND DRANG
EIN REVOLUTIONÄR IM THEATER
ANDREJ BELYJ»AUFZEICHNUNGEN EINES SONDERLINGS«
GERHART HAUPTMANN»DER KETZER VON SOANA«
A. SWENTIZKIJ»DAS BUCH DER SAGEN VON KÖNIG ARTUS UND DEN RITTERN DER TAFELRUNDE«
ÜBER DAS EPOS DES FRANZÖSISCHEN MITTELALTERS
AUGUSTE BARBIER
DAS MOSKAUER KÜNSTLERTHEATER UND DAS WORT
EINE ARMEE VON DICHTERN
DIE ERSTE INTERNATIONALE BAUERNKONFERENZ
NGUYEN AI QUOC (HO CHI MINH)
DER UMBRANDETE SARG
ZU F.K. SOLOGUBS JUBILÄUM
EIN AUSFALL
NOTIZEN
ÜBER DEN GESPRÄCHSPARTNER
DER MORGEN DES AKMEISMUS
FRANÇOIS VILLON
ILJA EHRENBURG, »PUSTEBLUMEN«
JORIS-KARL HUYSMANS, »PARISER SKIZZEN«
JACK LONDON, »GESAMMELTE WERKE«
IGOR SEWERJANIN, »DER DONNERKOCHENDE POKAL«
INNOKENTIJ ANNENSKIJ, »THAMYRAS DER KITHARÖDE«
NOTIZEN ÜBER CHÉNIER
TSCHAADAJEW
PUSCHKIN UND SKRJABIN (Fragmente)
ÜBER DIE ZEITGENÖSSISCHE POESIE
STAAT UND RHYTHMUS
DAS WORT UND DIE KULTUR
DAS BLUTIGE MYSTERIENSPIEL DES 9. JANUAR
EIN PAAR WORTE ÜBER DIE GEORGISCHE KUNST
BRIEF ÜBER DIE RUSSISCHE POESIE
DAS »GROTESK«-THEATER
ÜBER DIE NATUR DES WORTES
MENSCHENWEIZEN
DAS GEWITTER ALS URBILD DES EREIGNISSES (Fragment)
DER DACHSBAU (Alexander Blok)
LITERARISCHES MOSKAU
LITERARISCHES MOSKAU: DIE GEBURT DER FABEL
DAS ENDE DES ROMANS
DAS 19. JAHRHUNDERT
HUMANISMUS UND GEGENWART
NOTIZEN ÜBER POESIE
STURM UND DRANG
EIN REVOLUTIONÄR IM THEATER
ANDREJ BELYJ, »AUFZEICHNUNGEN EINES SONDERLINGS«
GERHART HAUPTMANN, »DER KETZER VON SOANA«
A. SWENTIZKIJ, »DAS BUCH DER SAGEN VON KÖNIG ARTUS«
ÜBER DAS EPOS DES FRANZÖSISCHEN MITTELALTERS
AUGUSTE BARBIER
DAS MOSKAUER KÜNSTLERTHEATER UND DAS WORT
EINE ARMEE VON DICHTERN
DIE ERSTE INTERNATIONALE BAUERNKONFERENZ
NGUYEN AI QUOC (HO CHI MINH)
DER UMBRANDETE SARG (Lenin)
ZU F.K. SOLOGUBS JUBILÄUM
EIN AUSFALL
Gespräch über Dante
I
JULES ROMAINS
TATARISCHE COWBOYS
DAS »BERESIL«-THEATER
JACQUES WURDE GEBOREN UND STARB
MICHOËLS
KINDERLITERATUR
ICH SCHREIBE EIN SZENARIO
JACHONTOW
VICTOR HUGO»DAS JAHR DREIUNDNEUNZIG«
GEORGES DUHAMEL»HERZENSGEOGRAPHIE EUROPAS«
DER FÄCHER DER HERZOGIN
»DER FAGOTTIST«
DIE MILLIONENSCHWERE PUPPE
EIN MAULHELD
PFUSCH VOM FLIESSBAND
VON LITERARISCHEN ÜBERSETZUNGEN
DAS EIGENE LYRISCHE THEMA
II
RUND UM DIE NATURFORSCHER
DARWINS LITERARISCHER STIL
III
GESPRÄCH ÜBER DANTE
Entwürfe zum»GESPRÄCH ÜBER DANTE«(Notizbuch)
IV
GOETHES JUGEND
Aus den Entwürfen zu»GOETHES JUGEND«
ÜBER TSCHECHOW
ÜBER DAS TRAGISCHE
ÜBER DIE AUFMERKSAMKEIT
NOTIZEN
JULES ROMAINS
TATARISCHE COWBOYS
DAS »BERESIL«-THEATER
JACQUES WURDE GEBOREN UND STARB
MICHOËLS
KINDERLITERATUR
ICH SCHREIBE EIN SZENARIO
JACHONTOW
VICTOR HUGO, »DAS JAHR DREIUNDNEUNZIG«
GEORGES DUHAMEL,»HERZENSGEOGRAPHIE EUROPAS«
DER FÄCHER DER HERZOGIN
»DER FAGOTTIST«
DIE MILLIONENSCHWERE PUPPE
EIN MAULHELD
PFUSCH VOM FLIESSBAND
VON LITERARISCHEN ÜBERSETZUNGEN
DAS EIGENE LYRISCHE THEMA (Fragment)
RUND UM DIE NATURFORSCHER
DARWINS LITERARISCHER STIL (Notizbuch)
GESPRÄCH ÜBER DANTE
ENTWÜRFE ZUM »GESPRÄCH ÜBER DANTE« (Notizbuch)
GOETHES JUGEND (Eine Rundfunk-Skizze)
AUS DEN ENTWÜRFEN ZU «GOETHES JUGEND«
ÜBER TSCHECHOW
ÜBER DAS TRAGISCHE
ÜBER DIE AUFMERKSAMKEIT
NACHWORT
DAS IMMERWÄHRENDE GESPRÄCH
Denn Poesie ist das Bewußtsein ihrer Rechtlichkeit
Sakralisierung und Verweltlichung
Der Anti-Buddhist
Bewegung vor allen Dingen
NAMENREGISTER
Tristia
GEDICHTE 1921–1925
Aus dem Umkreis von TRISTIA und GEDICHTE 1921–1925
NOTIZEN
Tristia
Gedichte 1921–1925
Aus dem Umkreis von TRISTIA und GEDICHTE 1921–1925
SCHWARZE SONNE ÜBER PETERSBURG
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
Armenien, Armenien!
DIE REISE NACH ARMENIEN
SEWAN
ASCHOT HOWHANNESJAN
DAS SAMOSKWORETSCHJE-VIERTEL
SUCHUMI
DIE FRANZOSEN
RUND UM DIE NATURFORSCHER
ASCHTARAK
DER ALAGÖS
DAS NOTIZBUCH ZUR »REISE NACH ARMENIEN«
SEWAN
MOSKAU
SUCHUMI
DIE FRANZOSEN
RUND UM DIE NATURFORSCHER
PALLAS
ASCHTARAK
DER ALAGÖS
AUS EINEM BRIEF
ARMENIEN
Aus dem Umkreis des Gedichtzyklus »ARMENIEN«
DREI DOKUMENTE
OSSIP MANDELSTAM AN MARIETTA SCHAGINJAN, NACH BORIS KUSINS VERHAFTUNG
Boris S. Kusin: ERINNERUNGEN (Auszüge)
Nadeschda Mandelstam: MANDELSTAM IN ARMENIEN
NOTIZEN
DIE REISE NACH ARMENIEN
DAS NOTIZBUCH ZUR »REISE NACH ARMENIEN«
ARMENIEN (Gedichte I–XII)
Aus dem Umkreis des Gedichtzyklus »ARMENIEN«
DREI DOKUMENTE
OSSIP MANDELSTAM AN MARIETTA SCHAGINJAN, NACH BORIS KUSINS VERHAFTUNG
Boris S. Kusin: ERINNERUNGEN (Auszüge)
Nadeschda Mandelstam: MANDELSTAM IN ARMENIEN
KLEINE AUSWAHLBIBLIOGRAPHIE ZU »DIE REISE NACH ARMENIEN«
REISEKUNST
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
NAMENREGISTER
Die Woronescher Hefte
I
II
III
Aus dem Umkreis der WORONESCHER HEFTE
NOTIZEN
I
II
III
Aus dem Umkreis der WORONESCHER HEFTE
UND DAS, WAS SEIN WIRD, IST NUR EIN VERSPRECHEN
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
Die beiden Trams
DER PRIMUSKOCHER
DIE BEIDEN TRAMS
LUFTBALLONS
DIE KÜCHE
VERSTREUTE KINDERGEDICHTE
SCHERZGEDICHTE, SELBSTPORTRÄTS, EPIGRAMME AUF ZEITGENOSSEN 1911–1937
ZWEI DOKUMENTE
KINDERLITERATUR
MANDELSTAMS GEDICHTE FÜR KINDER
NOTIZEN
DER PRIMUSKOCHER
DIE BEIDEN TRAMS
LUFTBALLONS
DIE KÜCHE
VERSTREUTE KINDERGEDICHTE
SCHERZGEDICHTE, SELBSTPORTRÄTS, EPIGRAMME AUF ZEITGENOSSEN 1911–1937
ZWEI DOKUMENTE
EIN KLEINES GEDICHT AUF EINEN SCHNEIDER
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
Du bist mein Moskau und mein Rom und mein kleiner David
I ZEIT DER ERWARTUNGEN: PARIS, HEIDELBERG, PETERSBURG
1. AN FLORA UND EMIL MANDELSTAM
2. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
3. AN FLORA MANDELSTAM
4. AN WLADIMIR GIPPIUS
5. AN EMIL MANDELSTAM
6. AN ALEXANDER MANDELSTAM
7. AN WJATSCHESLAW IWANOW
8. AN ALEXANDER MANDELSTAM
9. AN WJATSCHESLAW IWANOW
10. AN MAXIMILIAN WOLOSCHIN
11. AN MAXIMILIAN WOLOSCHIN
12. AN WJATSCHESLAW IWANOW
13. AN WJATSCHESLAW IWANOW
14. AN WJATSCHESLAW IWANOW
15. AN WJATSCHESLAW IWANOW
16. AN WJATSCHESLAW IWANOW
17. AN WJATSCHESLAW IWANOW
18. AN WJATSCHESLAW IWANOW
19. AN WJATSCHESLAW IWANOW
20. AN FJODOR SOLOGUB
21. AN SERGEJ MAKOWSKIJ
22. AN FLORA MANDELSTAM
23. AN SOFJA WERBLOWSKAJA
24. AN FLORA MANDELSTAM
II NACH DER REVOLUTION: LÄRM UND NACHTIGALLENFIEBER
25. AN NADESCHDA CHASINA
26. AN MAXIMILIAN WOLOSCHIN
27. AN NADESCHDA CHASINA
28. AN WERA CHASINA
29. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
30. AN DEN VORSTAND DES ALLRUSSISCHEN SCHRIFTSTELLERVERBANDES
31. AN EMIL MANDELSTAM
32. AN EMIL MANDELSTAM
33. AN DEN »PETROPOLIS«-VERLAG
34. AN LEW GORNUNG
35. AN DIE WIRTSCHAFTSKOMMISSION DES ALLRUSSISCHEN SCHRIFTSTELLERVERBANDES
36. AN DEN VORSTAND DES ALLRUSSISCHEN SCHRIFTSTELLERVERBANDES
37. AN DEN VORSTAND DES ALLRUSSISCHEN SCHRIFTSTELLERVERBANDES
38. AN EMIL MANDELSTAM
39. AN DEN ALLRUSSISCHEN SCHRIFTSTELLERVERBAND
40. AN EMIL MANDELSTAM
41. AN EMIL UND JEWGENIJ MANDELSTAM
42. AN ALEXANDER SCHIRJAJEWEZ
43. AN DIE PRESSEABTEILUNG DES ZK DER RKP (B)
44. AN SOFJA FJODORTSCHENKO
45. AN ALEXANDER WORONSKIJ
III NADESCHDA AM SCHWARZEN MEER:
46. AN NADESCHDA MANDELSTAM
47. AN NADESCHDA MANDELSTAM
48. AN NADESCHDA MANDELSTAM
49. AN NADESCHDA MANDELSTAM
50. AN NADESCHDA MANDELSTAM
51. AN NADESCHDA MANDELSTAM
52. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
53. AN EMIL MANDELSTAM
54. AN EMIL MANDELSTAM
55. AN EMIL MANDELSTAM
56. AN NADESCHDA MANDELSTAM
57. AN NADESCHDA MANDELSTAM
58. AN NADESCHDA MANDELSTAM
59. AN NADESCHDA MANDELSTAM
60. AN NADESCHDA MANDELSTAM
61. AN NADESCHDA MANDELSTAM
62. AN NADESCHDA MANDELSTAM
63. AN NADESCHDA MANDELSTAM
64. AN NADESCHDA MANDELSTAM
65. AN NADESCHDA MANDELSTAM
66. AN NADESCHDA MANDELSTAM
67. AN NADESCHDA MANDELSTAM
68. AN NADESCHDA MANDELSTAM
69. AN NADESCHDA MANDELSTAM
70. AN NADESCHDA MANDELSTAM
71. AN NADESCHDA MANDELSTAM
72. AN NADESCHDA MANDELSTAM
73. AN NADESCHDA MANDELSTAM
74. AN NADESCHDA MANDELSTAM
75. AN NADESCHDA MANDELSTAM
76. AN NADESCHDA MANDELSTAM
77. AN NADESCHDA MANDELSTAM
78. AN NADESCHDA MANDELSTAM
79. AN NADESCHDA MANDELSTAM
80. AN NADESCHDA MANDELSTAM
81. AN NADESCHDA MANDELSTAM
82. AN NADESCHDA MANDELSTAM
83. AN EMIL MANDELSTAM
84. AN NADESCHDA MANDELSTAM
85. AN NADESCHDA MANDELSTAM
86. AN NADESCHDA MANDELSTAM
87. AN NADESCHDA MANDELSTAM
88. AN NADESCHDA MANDELSTAM
89. AN NADESCHDA MANDELSTAM
90. AN NADESCHDA MANDELSTAM
91. AN NADESCHDA MANDELSTAM
92. AN NADESCHDA MANDELSTAM
93. AN NADESCHDA MANDELSTAM
94. AN NADESCHDA MANDELSTAM
95. AN NADESCHDA MANDELSTAM
96. AN NADESCHDA MANDELSTAM
97. AN NADESCHDA MANDELSTAM
98. AN NADESCHDA MANDELSTAM
99. AN NADESCHDA MANDELSTAM
IV DIE EULENSPIEGEL-AFFÄRE: DER BRUCH
100. AN ALEXANDER MANDELSTAM
101. AN ARTEMIJ CHALATOW
102. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
103. AN MICHAIL SENKEWITSCH
104. AN JEWGENIJ SAMJATIN
105. AN P. KOROBOWA
106. AN A. WENEDIKTOW
107. AN BENEDIKT LIWSCHIZ
108. AN ANNA ACHMATOWA
109. AN DIE REDAKTION DER »MOSKAUER ABENDZEITUNG«
110. AN MICHAIL SENKEWITSCH
111. AN NADESCHDA MANDELSTAM
112. AN ILJA IONOW
113. AN EMIL MANDELSTAM
114. AN DIE FÖDERATION DER SOWJETISCHEN SCHRIFTSTELLERVEREINIGUNGEN (FOSP)
115. AN DIE FÖDERATION DER SOWJETISCHEN SCHRIFTSTELLERVEREINIGUNGEN (FOSP)
116. AN DAS REDAKTIONSKOLLEGIUM DES STAATSVERLAGES
117. AN DIE REDAKTION DER »LITERATURNAJA GASETA«
118. AN DAS EXEKUTIVBÜRO DER FÖDERATION SOWJETISCHER SCHRIFTSTELLERVEREINIGUNGEN (FOSP)
119. AN NADESCHDA MANDELSTAM
120. AN DAS MOSKAUER GOUVERNEMENTSGERICHT
121. AN ANNA ACHMATOWA
122. AN DIE LENINGRADER SCHRIFTSTELLER
123. AN WISSARION SAJANOW
124. AN DIE ZENTRALE KONTROLLKOMMISSION DER KPdSU (B)
125. AN DIE ZENTRALE KONTROLLKOMMISSION DER KPdSU (B)
126. AN DIE SOWJETISCHEN SCHRIFTSTELLER
127. OFFENER BRIEF AN DIE SOWJETISCHEN SCHRIFTSTELLER
128. AN EINEN UNBEKANNTEN ADRESSATEN
V IM BUDDHAHAFTEN MOSKAU: NOMADENLEBEN
129. AN NADESCHDA MANDELSTAM
130. AN NADESCHDA MANDELSTAM
131. AN NADESCHDA MANDELSTAM
132. AN NADESCHDA MANDELSTAM
133. AN NADESCHDA MANDELSTAM
134. AN EMIL MANDELSTAM
135. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
136. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
137. AN EMIL MANDELSTAM
138. AN WJATSCHESLAW POLONSKIJ
139. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
140. AN NADESCHDA MANDELSTAM
141. AN NADESCHDA MANDELSTAM
142. AN IWAN GRONSKIJ
143. AN DAS SCHRIFTSTELLERSTADTKOMITEE
144. AN EINEN UNBEKANNTEN ADRESSATEN
145. AN EMIL MANDELSTAM
146. AN MARIETTA SCHAGINJAN
147. AN EINEN UNBEKANNTEN ADRESSATEN
148. AN EINEN UNBEKANNTEN ADRESSATEN
149. AN JEWGENIJ MANDELSTAM UND TATJANA GRIGORJEWA
150. AN EMIL MANDELSTAM
151. AN EMIL MANDELSTAM
152. AN DEN VERLAG DER SCHRIFTSTELLER IN LENINGRAD
153. AN EMIL MANDELSTAM
154. AN WLADIMIR BONTSCH-BRUJEWITSCH
155. AN JEWGENIJ CHASIN
156. AN NADESCHDA MANDELSTAM
157. AN NADESCHDA MANDELSTAM
158. AN NADESCHDA MANDELSTAM
159. AN NADESCHDA MANDELSTAM
160. AN NADESCHDA MANDELSTAM
161. AN EMIL MANDELSTAM
162. AN SERGEJ RUDAKOW
163. AN SERGEJ RUDAKOW
164. AN SERGEJ RUDAKOW
165. AN NADESCHDA MANDELSTAM
166. AN NADESCHDA MANDELSTAM
167. AN NADESCHDA MANDELSTAM
168. AN NADESCHDA MANDELSTAM
169. AN NADESCHDA MANDELSTAM
170. AN NADESCHDA MANDELSTAM
171. AN NADESCHDA MANDELSTAM
172. AN JEWGENIJ CHASIN
173. AN BORIS PASTERNAK
174. AN JELIKONIDA POPOWA
175. AN SERGEJ RUDAKOW
176. AN EMIL MANDELSTAM
177. AN DIE REDAKTION DER ZEITSCHRIFT »SWESDA«
178. AN NIKOLAJ TICHONOW
179. AN BORIS PASTERNAK
180. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
181. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
182. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
183. AN DIE REDAKTION DER ZEITSCHRIFT »SWESDA«
184. AN JURIJ TYNJANOW
185. AN EINEN UNBEKANNTEN ADRESSATEN
186. AN KORNEJ TSCHUKOWSKIJ
187. AN DIE REDAKTION DER ZEITSCHRIFT »SNAMJA«
188. AN NIKOLAJ TICHONOW
189. AN WERA CHASINA
190. AN JEWGENIJ CHASIN
191. AN KORNEJ TSCHUKOWSKIJ
192. AN NIKOLAJ TICHONOW
193. AN NADESCHDA MANDELSTAM
194. AN NADESCHDA MANDELSTAM
195. AN NADESCHDA MANDELSTAM
196. AN NADESCHDA MANDELSTAM
197. AN NADESCHDA MANDELSTAM
198. AN DAS SEKRETARIAT DES SOWJETISCHEN SCHRIFTSTELLERVERBANDES
199. AN NADESCHDA MANDELSTAM
200. AN WLADIMIR STAWSKIJ
201. AN NADESCHDA MANDELSTAM
202. AN NADESCHDA MANDELSTAM
203. AN NADESCHDA MANDELSTAM
204. AN NADESCHDA MANDELSTAM
205. AN JEWGENIJ CHASIN
206. AN WLADIMIR STAWSKIJ
207. AN EINEN UNBEKANNTEN ADRESSATEN
208. AN EMIL MANDELSTAM
209. AN JELIKONIDA POPOWA
210. AN BORIS KUSIN
211. AN WLADIMIR STAWSKIJ
212. AN BORIS KUSIN
213. AN EMIL MANDELSTAM
214. AN ALEXANDER MANDELSTAM UND NADESCHDA MANDELSTAM
DOKUMENTE (AUS DEN JAHREN 1938 BIS 1941)
1. WLADIMIR STAWSKIJ, GENERALSEKRETÄR DES SOWJETISCHEN SCHRIFTSTELLERVERBANDES, AN NIKOLAJJESCHOW, VOLKSKOMMISSAR FÜR INNERE ANGELEGENHEITEN (NKWD). ANLAGE: GUTACHTEN VON PJOTR PAWLENKO
2. OBERLEUTNANT DER STAATSSICHERHEIT VIKTOR JURJEWITSCH AN ALEXANDER SCHURBENKO, LEITER DER 4. SEKTION DER HAUPTVERWALTUNG STAATSSICHERHEIT: ERMITTLUNG
3. ANKLAGESCHRIFT IM ERMITTLUNGSVERFAHREN NR. 19390 BETREFFEND ANKLAGE MANDELSTAMS O.E. WEGEN VERBRECHEN NACH ART. 58–10
4. NADESCHDA MANDELSTAM AN OSSIP MANDELSTAM (DER LETZTE BRIEF)
5. NADESCHDA MANDELSTAM AN LAWRENTIJ BERIJA, VOLKSKOMMISSAR FÜR INNERE ANGELEGENHEITEN (NKWD)
6. SERGEANT DER STAATSSICHERHEIT NIKITOTSCHKIN AN DEN LEITER DES SEKRETARIATES DER NKWD-SONDERGERICHTE UND DEN STELLVERTRETENDEN VOLKSKOMMISSAR FÜR INNERE ANGELEGENHEITEN MERKULOW
NOTIZEN
I ZEIT DER ERWARTUNGEN: PARIS, HEIDELBERG, PETERSBURG 1907–1916
1. AN FLORA UND EMIL MANDELSTAM
2. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
3. AN FLORA MANDELSTAM
4. AN WLADIMIR GIPPIUS
5. AN EMIL MANDELSTAM
6. AN ALEXANDER MANDELSTAM
7. AN WJATSCHESLAW IWANOW
8. AN ALEXANDER MANDELSTAM
9. AN WJATSCHESLAW IWANOW
10. AN MAXIMILIAN WOLOSCHIN
11. AN MAXIMILIAN WOLOSCHIN
12. AN WJATSCHESLAW IWANOW
13. AN WJATSCHESLAW IWANOW
14. AN WJATSCHESLAW IWANOW
15. AN WJATSCHESLAW IWANOW
16. AN WJATSCHESLAW IWANOW
17. AN WJATSCHESLAW IWANOW
18. AN WJATSCHESLAW IWANOW
19. AN WJATSCHESLAW IWANOW
20. AN FJODOR SOLOGUB
21. AN SERGEJ MAKOWSKIJ
22. AN FLORA MANDELSTAM
23. AN SOFJA WERBLOWSKAJA
24. AN FLORA MANDELSTAM
II NACH DER REVOLUTION: LÄRM UND NACHTIGALLENFIEBER 1919–1924
25. AN NADESCHDA CHASINA
26. AN MAXIMILIAN WOLOSCHIN
27. AN NADESCHDA CHASINA
28. AN WERA CHASINA
29. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
30. AN DIE LEITUNG DES ALLRUSSISCHEN SCHRIFTSTELLERVERBANDES
31. AN EMIL MANDELSTAM
32. AN EMIL MANDELSTAM
33. AN DEN »PETROPOLIS«-VERLAG
34. AN LEW GORNUNG
35. AN DIE WIRTSCHAFTSKOMMISSION DES ALLRUSSISCHEN SCHRIFTSTELLERVERBANDES
36. AN DEN VORSTAND DES ALLRUSSISCHEN SCHRIFTSTELLERVERBANDES
37. AN DEN VORSTAND DES ALLRUSSISCHEN SCHRIFTSTELLERVERBANDES
38. AN EMIL MANDELSTAM
39. AN DEN ALLRUSSISCHEN SCHRIFTSTELLERVERBAND
40. AN EMIL MANDELSTAM
41. AN EMIL UND JEWGENIJ MANDELSTAM
42. AN ALEXANDER SCHIRJAJEWEZ
43. AN DIE PRESSEABTEILUNG DES ZK DER RKP (B)
44. AN SOFJA FJODORTSCHENKO
45. AN ALEXANDER WORONSKIJ
III NADESCHDA AM SCHWARZEN MEER: 1925–1926
46. AN NADESCHDA MANDELSTAM
47. AN NADESCHDA MANDELSTAM
48. AN NADESCHDA MANDELSTAM
49. AN NADESCHDA MANDELSTAM
50. AN NADESCHDA MANDELSTAM
51. AN NADESCHDA MANDELSTAM
52. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
53. AN EMIL MANDELSTAM
54. AN EMIL MANDELSTAM
55. AN EMIL MANDELSTAM
56. AN NADESCHDA MANDELSTAM
57. AN NADESCHDA MANDELSTAM
58. AN NADESCHDA MANDELSTAM
59. AN NADESCHDA MANDELSTAM
60. AN NADESCHDA MANDELSTAM
61. AN NADESCHDA MANDELSTAM
62. AN NADESCHDA MANDELSTAM
63. AN NADESCHDA MANDELSTAM
64. AN NADESCHDA MANDELSTAM
65. AN NADESCHDA MANDELSTAM
66. AN NADESCHDA MANDELSTAM
67. AN NADESCHDA MANDELSTAM
68. AN NADESCHDA MANDELSTAM
69. AN NADESCHDA MANDELSTAM
70. AN NADESCHDA MANDELSTAM
71. AN NADESCHDA MANDELSTAM
72. AN NADESCHDA MANDELSTAM
73. AN NADESCHDA MANDELSTAM
74. AN NADESCHDA MANDELSTAM
75. AN NADESCHDA MANDELSTAM
76. AN NADESCHDA MANDELSTAM
77. AN NADESCHDA MANDELSTAM
78. AN NADESCHDA MANDELSTAM
79. AN NADESCHDA MANDELSTAM
80. AN NADESCHDA MANDELSTAM
81. AN NADESCHDA MANDELSTAM
82. AN NADESCHDA MANDELSTAM
83. AN EMIL MANDELSTAM
84. AN NADESCHDA MANDELSTAM
85. AN NADESCHDA MANDELSTAM
86. AN NADESCHDA MANDELSTAM
87. AN NADESCHDA MANDELSTAM
88. AN NADESCHDA MANDELSTAM
89. AN NADESCHDA MANDELSTAM
90. AN NADESCHDA MANDELSTAM
91. AN NADESCHDA MANDELSTAM
92. AN NADESCHDA MANDELSTAM
93. AN NADESCHDA MANDELSTAM
94. AN NADESCHDA MANDELSTAM
95. AN NADESCHDA MANDELSTAM
96. AN NADESCHDA MANDELSTAM
97. AN NADESCHDA MANDELSTAM
98. AN NADESCHDA MANDELSTAM
99. AN NADESCHDA MANDELSTAM
IV DIE EULENSPIEGEL-AFFÄRE: DER BRUCH 1927–1930
100. AN ALEXANDER MANDELSTAM
101. AN ARTEMIJ CHALATOW
102. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
103. AN MICHAIL SENKEWITSCH
104. AN JEWGENIJ SAMJATIN
105. AN P. KOROBOWA
106. AN A. WENEDIKTOW
107. AN BENEDIKT LIWSCHIZ
108. AN ANNA ACHMATOWA
109. AN DIE REDAKTION DER »MOSKAUER ABENDZEITUNG«
110. AN MICHAIL SENKEWITSCH
111. AN NADESCHDA MANDELSTAM
112. AN ILJA IONOW
113. AN EMIL MANDELSTAM
114. AN DIE FÖDERATION DER SOWJETISCHEN SCHRIFTSTELLERVEREINIGUNGEN (FOSP)
115. AN DIE FÖDERATION DER SOWJETISCHEN SCHRIFTSTELLERVEREINIGUNGEN (FOSP)
116. AN DAS REDAKTIONSKOLLEGIUM DES STAATSVERLAGES (GIZ)
117. AN DIE REDAKTION DER »LITERATURNAJA GASETA«
118. AN DAS EXEKUTIVBÜRO DER FÖDERATION DER SOWJETISCHEN SCHRIFTSTELLERVEREINIGUNGEN (FOSP)
119. AN NADESCHDA MANDELSTAM
120. AN DAS MOSKAUER GOUVERNEMENTSGERICHT
121. AN ANNA ACHMATOWA
122. AN DIE LENINGRADER SCHRIFTSTELLER
123. AN WISSARION SAJANOW
124. AN DIE ZENTRALE KONTROLLKOMMISSION DER KPdSU (B)
125. AN DIE ZENTRALE KONTROLLKOMMISSION DER KPdSU (B)
126. AN DIE SOWJETISCHEN SCHRIFTSTELLER
127. OFFENER BRIEF AN DIE SOWJETISCHEN SCHRIFTSTELLER
128. AN EINEN UNBEKANNTEN ADRESSATEN
V IM BUDDHAHAFTEN MOSKAU: NOMADENLEBEN 1930–1934
129. AN NADESCHDA MANDELSTAM
130. AN NADESCHDA MANDELSTAM
131. AN NADESCHDA MANDELSTAM
132. AN NADESCHDA MANDELSTAM
133. AN NADESCHDA MANDELSTAM
134. AN EMIL MANDELSTAM
135. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
136. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
137. AN EMIL MANDELSTAM
138. AN WJATSCHESLAW POLONSKIJ
139. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
140. AN NADESCHDA MANDELSTAM
141. AN NADESCHDA MANDELSTAM
142. AN IWAN GRONSKIJ
143. AN DAS SCHRIFTSTELLER-STADTKOMITEE
144. AN EINEN UNBEKANNTEN ADRESSATEN
145. AN EMIL MANDELSTAM
146. AN MARIETTA SCHAGINJAN
147. AN EINEN UNBEKANNTEN ADRESSATEN
148. AN EINEN UNBEKANNTEN ADRESSATEN
149. AN JEWGENIJ MANDELSTAM UND TATJANA GRIGORJEWA
150. AN EMIL MANDELSTAM
151. AN EMIL MANDELSTAM
152. AN DEN VERLAG DER SCHRIFTSTELLER IN LENINGRAD
153. AN EMIL MANDELSTAM
154. AN WLADIMIR BONTSCH-BRUJEWITSCH
155. AN JEWGENIJ CHASIN
VI VOM »WORONESCHER WUNDER« ZUR HÖLLE: 1935–1938
156. AN NADESCHDA MANDELSTAM
157. AN NADESCHDA MANDELSTAM
158. AN NADESCHDA MANDELSTAM
159. AN NADESCHDA MANDELSTAM
160. AN NADESCHDA MANDELSTAM
161. AN EMIL MANDELSTAM
162. AN SERGEJ RUDAKOW
163. AN SERGEJ RUDAKOW
164. AN SERGEJ RUDAKOW
165. AN NADESCHDA MANDELSTAM
166. AN NADESCHDA MANDELSTAM
167. AN NADESCHDA MANDELSTAM
168. AN NADESCHDA MANDELSTAM
169. AN NADESCHDA MANDELSTAM
170. AN NADESCHDA MANDELSTAM
171. AN NADESCHDA MANDELSTAM
172. AN JEWGENIJ CHASIN
173. AN BORIS PASTERNAK
174. AN JELIKONIDA POPOWA
175. AN SERGEJ RUDAKOW
176. AN EMIL MANDELSTAM
177. AN DIE REDAKTION DER ZEITSCHRIFT »SWESDA«
178. AN NIKOLAJ TICHONOW
179. AN BORIS PASTERNAK
180. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
181. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
182. AN JEWGENIJ MANDELSTAM
183. AN DIE REDAKTION DER ZEITSCHRIFT »SWESDA«
184. AN JURIJ TYNJANOW
185. AN EINEN UNBEKANNTEN ADRESSATEN
186. AN KORNEJ TSCHUKOWSKIJ
187. AN DIE REDAKTION DER ZEITSCHRIFT »SNAMJA«
188. AN NIKOLAJ TICHONOW
189. AN WERA CHASINA
190. AN JEWGENIJ CHASIN
191. AN KORNEJ TSCHUKOWSKIJ
192. AN NIKOLAJ TICHONOW
193. AN NADESCHDA MANDELSTAM
194. AN NADESCHDA MANDELSTAM
195. AN NADESCHDA MANDELSTAM
196. AN NADESCHDA MANDELSTAM
197. AN NADESCHDA MANDELSTAM
198. AN DAS SEKRETARIAT DES SOWJETISCHEN SCHRIFTSTELLERVERBANDES
199. AN NADESCHDA MANDELSTAM
200. AN WLADIMIR STAWSKIJ
201. AN NADESCHDA MANDELSTAM
202. AN NADESCHDA MANDELSTAM
203. AN NADESCHDA MANDELSTAM
204. AN NADESCHDA MANDELSTAM
205. AN JEWGENIJ CHASIN
206. AN WLADIMIR STAWSKIJ
207. AN EINEN UNBEKANNTEN ADRESSATEN
208. AN EMIL MANDELSTAM
209. AN JELIKONIDA POPOWA
210. AN BORIS KUSIN
211. AN WLADIMIR STAWSKIJ
212. AN BORIS KUSIN
213. AN EMIL MANDELSTAM
214. AN ALEXANDER MANDELSTAM UND NADESCHDA MANDELSTAM
DOKUMENTE (AUS DEN JAHREN 1938 BIS 1941)
1. WLADIMIR STAWSKIJ, GENERALSEKRETÄR DES SOWJETISCHEN SCHRIFTSTELLERVERBANDES, AN NIKOLAJ JESCHOW, VOLKSKOMMISSAR FÜR INNERE ANGELEGENHEITEN (NKWD). ANLAGE: GUTACHTEN VON PJOTR PAWLENKO.
2. OBERLEUTNANT DER STAATSSICHERHEIT VIKTOR JURJEWITSCH AN ALEXANDER SCHURBENKO, LEITER DER 4. SEKTION DER HAUPTVERWALTUNG STAATSSICHERHEIT: ERMITTLUNG
3. ANKLAGESCHRIFT IM ERMITTLUNGSVERFAHREN NR. 19390 BETREFFEND ANKLAGE MANDELSTAMS O.E. WEGEN VERBRECHEN NACH ART. 58–10
4. NADESCHDA MANDELSTAM AN OSSIP MANDELSTAM (DER LETZTE BRIEF)
5. NADESCHDA MANDELSTAM AN LAWRENTIJ BERIJA, VOLKSKOMMISSAR FÜR INNERE ANGELEGENHEITEN
6. SERGEANT DER STAATSSICHERHEIT NIKITOTSCHKIN AN DEN LEITER DES SEKRETARIATES DER NKWD-SONDERGERICHTE UND DEN STELLVERTRETENDEN VOLKSKOMMISSAR FÜR INNERE ANGELEGENHEITEN MERKULOW
PERSONENREGISTER
CHRONOLOGIE ZU LEBEN UND WERK
HAST DU IN MELITOPOL EINE ZUCKERMELONE GEKAUFT?
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
DICHTER ÜBER OSSIP MANDELSTAM
Gesammelte «autobiographische» Prosa der 20er Jahre
Ich kann mich gut an Rußlands dumpfe Jahre erinnern – die neunziger Jahre, ihr langsames Dahinkriechen, ihre kränkliche Ruhe, ihr tief provinzielles Dasein. Eine stille, flache Bucht: letzte Zuflucht eines sterbenden Jahrhunderts. Beim Frühstückstee Gespräche über Dreyfus, die Namen der Obersten Esterhazy und Picquart, nebelhafte Wortgefechte über irgendeine »Kreutzersonate« und den Dirigentenwechsel am hohen Pult des gläsernen Bahnhofs in Pawlowsk, der mir vorkam wie ein Wechsel von Dynastien. Reglos dastehende Zeitungsverkäufer an den Straßenecken, ohne jeden Ausruf, ohne Bewegung, wie Klötze auf den Trottoirs festgewachsen, und schmale Droschken mit dem kleinen Klappsitz für den dritten Passagier – so fügen sich die neunziger Jahre in meiner Vorstellung eins ums andere aus verstreuten Bildern zusammen, die dennoch innerlich miteinander verbunden sind durch eine stille Ärmlichkeit und die kränkliche, todgeweihte Provinzialität eines sterbenden Lebens.
Weite Puffärmel an den Damenkleidern, üppig aufgepolsterte Schultern und eingeengte Ellbogen, enggeschnürte Wespentaillen, Schnurrbärte, Spitzbärte, geschniegelte Bärte; Männergesichter und Frisuren, denen man heute wohl nur noch in der Porträtgalerie irgendeines heruntergekommenen Friseurs begegnen könnte, Haarschöpfe à la Capoul und Frisuren in der Eierschalenmode.
[zur Notiz]
Worin die neunziger Jahre bestanden, läßt sich in zwei Worten sagen. Puffärmel und Musik in Pawlowsk. Die Kugeln dieser Damenärmel drehen sich wie alles andere um den gläsernen Bahnhof in Pawlowsk, und im Zentrum dieser Welt steht – der Dirigent Galkin.
Mitte der neunziger Jahre eilte ganz Petersburg nach Pawlowsk wie in irgendein Elysium. Pfiffe von Dampflokomotiven und die Klingelzeichen vor der Abfahrt der Züge mischten sich mit der patriotischen Kakophonie der Ouvertüre auf das Jahr 1812, und ein besonderer Geruch stand in diesem riesigen Bahnhof, in dem Tschaikowskij und Rubinstein regierten. Feuchtende Luft modriger Parks, der Geruch fauliger Warmbeete und Treibhausrosen, und ihm entgegen – die schweren Ausdünstungen des Büfetts, beißender Zigarrenrauch, brandige Bahnhofsluft und die Kosmetika einer vieltausendköpfigen Menschenmenge.
Der Zufall wollte es, daß wir Pawlowsker Vorstädter wurden, d.h. wir wohnten das ganze Jahr über in einem Winterhaus dieser Stadt der alten Weiblein, in diesem russischen Halbversailles, dieser Stadt der Hoflakaien, Staatsratswitwen, rothaarigen Polizeioffiziere, schwindsüchtigen Pädagogen (in Pawlowsk zu wohnen galt für gesünder) und bestechlichen Beamten, die das Geld für eine Villa zusammengerafft hatten. Ach diese Jahre, als Figner die Stimme verlor und zusammengesetzte Bildchen die Runde machten: auf der einen Seite singt er, auf der andern hält er sich die Ohren zu. Diese Jahre, als die sorgsam gebundenen Zeitschriften »Ackerland«, »Neuland der Welt« und »Der Bote der ausländischen Literatur« für lange Zeit das Fundament der Spießbürgerbibliotheken bildeten und die Gestelle und Lombertischchen eindrückten.
[zur Notiz]
Solche Enzyklopädien der Wissenschaft und der Technik wie jene gebundenen Märchenungeheuer gibt es heute nicht mehr. Doch all diese »Weltpanorama«- und »Neuland«-Blätter waren eine wahrhaftige Quelle der Weltkenntnis. Ich liebte die Rubrik »Vermischtes« mit ihren Meldungen über Straußeneier, zweiköpfige Kälber und Feste in Bombay und Kalkutta, und ganz besonders die Abbildungen, die großen, die eine ganze Seite einnahmen: an Brettern festgebundene malaiische Schwimmer, die über Wellen von der Höhe eines zweistöckigen Hauses gleiten, oder das geheimnisvolle Experiment des Herrn Foucault – eine Metallkugel und ein riesiges Pendel, das sich um diese Kugel bewegt, und die das Schaustück umdrängenden würdevollen Herren mit Halsbinden und Spitzbärtchen. Mir scheint, daß die Erwachsenen dasselbe lasen wie ich, d.h. vor allen Dingen die Beilagen, die endlose damals ins Kraut schießende Literatur der Beilagen zum »Ackerland« und anderen. Unsere Interessen waren überhaupt immer gleich, und mit sieben oder acht Jahren war ich ganz auf der Höhe meiner Zeit. Immer öfter hörte ich den Ausdruck »fin de siècle«, der mit leichtsinnigem Stolz und koketter Melancholie ausgesprochen wurde. Es war, als hätte dieses seltsame Jahrhundert, kaum hatte es Dreyfus freigesprochen und die Sache mit der Teufelsinsel erledigt gehabt, seinen Sinn verloren.
[zur Notiz]
Ich habe den Eindruck, die Männer seien Tag und Nacht ausschließlich von der Dreyfus-Affäre verschlungen gewesen, und die Frauen, d.h. die Damen mit den Puffärmeln, hätten nichts anderes getan, als Dienstmädchen einzustellen und wieder zu entlassen, was eine unerschöpfliche Nahrung für angenehme und lebhafte Gespräche abgab.
Am Newskij-Prospekt, im Pfarrhaus der katholischen Katharinenkirche, lebte ein ehrwürdiges altes Männchen – Père Lagrange. Zu Hochwürdens Obliegenheiten gehörte es, arme junge Französinnen als Kindermädchen an ordentliche Häuser zu empfehlen. Die Damen gingen mit ihren Besorgungen aus dem Kaufhof direkt zu Père Lagrange, um sich von ihm beraten zu lassen. Im einfachen Priesterrock kam einem das alte Männchen entgegen und machte gütig mit den Kindern salbungsvolle, katholische Späßchen, die mit französischem Esprit gewürzt waren. Die Empfehlungen von Père Lagrange galten sehr viel.
Das berühmte Vermittlungsbüro für Köchinnen, Bonnen und Gouvernanten in der Wladimirskaja, wohin ich recht oft mitgenommen wurde, glich einem richtigen Sklavenmarkt. Die auf eine Stelle hoffenden Mädchen wurden der Reihe nach vorgeführt. Die Damen beschnupperten sie und verlangten Zeugnisse. Das Zeugnis einer vollkommen unbekannten Dame, ganz besonders einer Generalsgattin, war von einigem Gewicht. Manchmal jedoch geschah es auch, daß das zum Verkauf vorgeführte Geschöpf seinerseits die Käuferin von oben bis unten musterte, ihr ins Gesicht schnaubte und sich darauf abwandte. Dann lief auch schon die Vermittlerin dieser Sklavenmädchen herbei, entschuldigte sich und sprach vom Niedergang der guten Sitten.
Noch einmal schaue ich auf Pawlowsk zurück und gehe am Morgen über die Pfade und Parkettböden des Bahnhofs, wo in einer Nacht gute dreißig Zentimeter hoch Konfetti und Papierschlangen angeweht worden sind – Spuren eines Sturms, der den Namen »Benefice« trug. Die Kerosinlampen verwandelten sich in elektrische Lampen. Auf den Petersburger Straßen fuhr noch immer die Pferdebahn, von stolpernden Gäulen gezogen, die aussahen, als kämen sie direkt aus dem Don Quijote. Auf der Gorochowaja verkehrte, bis zum Alexandergarten, das »Kutschchen«, die älteste Form öffentlicher Fortbewegung in Petersburg. Nur über den Newskij sausten, in schrillem Geklingel, die neuen Wagen der Expreßbahn, gelb gestrichen im Unterschied zu den alten, schmutzig-bordeauxroten, und gezogen von kräftigen und satten Pferden.
Um die Reiterstatue Nikolajs des Ersten gegenüber dem Ratsgebäude stapfte unablässig ein vom Moos des Alters überwachsener Grenadier im Kreis herum, der im Sommer wie im Winter eine zottige, tief ins Gesicht gezogene Hammelfellmütze trug. Der Kopfschmuck glich einer Mitra und hatte fast die Größe eines ganzen Hammels.
Wir Kinder unterhielten uns mit dem altersschwachen Wachposten. Er enttäuschte uns, weil er nicht aus dem Jahr 1812 stammte, wie wir gedacht hatten. Dafür erzählte er uns dann auch von anderen Großväterchen, daß sie die letzten Wachtsoldaten seien, die noch unter dem Zaren Nikolaj gedient hätten, und daß von ihnen in der ganzen Kompanie vielleicht fünf oder sechs Leute übriggeblieben seien.
[zur Notiz]
Der Eingang in den Sommergarten von der Quaistraße her, wo der Gitterzaun und die Kapelle stehen, und genau gegenüber der Ingenieursschule, wurde von medaillendekorierten Wachtmeistern bewacht. Sie bestimmten, ob ein Mensch anständig angezogen war oder nicht, und jagten Leute in Russenstiefeln fort, ließen Schirmmützen und ärmliche Kleider nicht hinein. Die Sitten und Gebräuche der Kinder im Sommergarten waren hoch zeremoniell. Nach einem Geflüster mit seiner Gouvernante oder dem Kindermädchen näherte sich so ein Nacktbeinchen einer Parkbank, machte seinen Kratzfuß oder seinen Knicks und piepste: »Kleines Mädchen (oder kleiner Junge – so war die offizielle Anrede), hätten Sie nicht Lust, ein wenig ›Goldenes Tor‹ oder ›Diebsstöcklein‹ mit mir zu spielen?«
Nach einem solchen Auftakt kann man sich vorstellen, wie lustig das Spiel dann war. Ich spielte nie, allein schon die Begrüßung war mir zu gezwungen.
So kam es, daß meine frühe Petersburger Kindheit unter dem Zeichen eines richtigen Militarismus sich abspielte, und das war tatsächlich nicht nur meine Schuld, sondern auch die Schuld meines Kindermädchens und einer bestimmten Straße des damaligen Petersburg.
Wir gingen auf der Großen Morskaja spazieren, in ihrem menschenleeren Teil, wo die rote Lutheranerkirche stand und das Mojka-Ufer mit Holzklötzen gepflastert war.
So näherten wir uns unmerklich dem Krjukow-Kanal, dem holländischen Petersburg der Schiffsbauhallen und der Neptunsbögen mit ihren Flottenemblemen, und schließlich den Kasernen der Gardemarine.
Dort wurden auf einem grünen, unbefahrenen Straßendamm die Marinegardisten gedrillt, und Kupferpauken und Trommeln erschütterten das stille Wasser des Kanals. Mir gefiel die Auswahl der Soldaten nach physischen Gesichtspunkten: alle waren sie überdurchschnittlich groß. Das Kindermädchen teilte meinen Geschmack vollkommen. So hatten wir uns einen Matrosen ausgesucht, der uns von allen am besten gefiel – einen »mit schwarzem Schnauzbart«, und kamen immer, um ihn ganz persönlich uns anzuschauen, hatten ihn auch sofort in der Formation ausfindig gemacht und konnten dann bis zum Schluß der Übung kein Auge mehr von ihm wenden. Auch heute noch würde ich ohne jegliches Schuldbekenntnis sagen, daß ich mit sieben oder acht Jahren das ganze Massiv Petersburgs, seine mit Granitwürfeln oder Holzklötzen gepflasterten Stadtviertel, das ganze zarte Herz der Stadt mit seiner Meeresflut an Plätzen, mit seinen lockigen Gärten, den Inseln der Denkmäler, den Karyatiden der Eremitage, der geheimnisvollen Millionnaja-Straße, wo nie auch nur ein Passant zu sehen war und wo ein einziges Kramlädelchen sich zwischen die Marmorblöcke hatte hineinzwängen können, ganz besonders aber den Generalstabsbogen, den Senatsplatz und das holländische Viertel für etwas Heiliges und Feierliches hielt.
Ich weiß nicht, womit die Phantasie der kleinen Römer ihr Kapitol bevölkert hat – ich jedenfalls bevölkerte diese Festungen und Plätze mit einer unerhörten, idealen, allumfassenden Parade.
Bezeichnend, daß die Kasaner Kathedrale, trotz des tabakfarbenen Halbdunkels ihrer Gewölbe und ihres zerlöcherten Fahnenwaldes, für mich auch nicht für einen Groschen Glaubwürdigkeit besaß.
Auch dieser Ort hatte etwas Ungewöhnliches an sich, doch davon später. Das Hufeisen der steinernen Kolonnaden und das breite, kettengesäumte Trottoir waren wie geschaffen für Unruhen, und deshalb war dieser Ort in meiner Phantasie nicht weniger interessant und bedeutsam als die Maiparade auf dem Marsfeld. Wie wird das Wetter sein? Wird sie auch nicht abgesagt? Und wird sie dieses Jahr überhaupt stattfinden? … Doch da wurden entlang dem Sommerkanal auch schon Bretter und Stangen ausgeladen, schon hämmern auf dem Marsfeld die Zimmerleute, schon schwellen Tribünen zu Berghöhen auf, schon wirbeln Staubwolken herum von simulierten Attacken und winken die als Markierungspunkte aufgestellten Infanteristen mit ihren Signalfähnchen. In rund drei Tagen war die Tribüne erbaut. Diese Schnelligkeit kam mir wie ein Wunder vor, und die Ausmaße des Baus schienen mir erdrückend wie beim Kolosseum. Jeden Tag besuchte ich die Baustelle, bewunderte den flüssigen Fortgang der Arbeit, kletterte auf den Leitern herum, fühlte mich wie auf einer Bühne, als Mitwirkender bei dem herrlichen Schauspiel des folgenden Tages, und beneidete sogar die Bretter, die gewiß die Attacke würden sehen dürfen.
Wenn man sich unbemerkt im Sommergarten verstecken könnte! Und dann das Durcheinander von hundert Kapellen, ein Feld, auf dem Bajonette wie Ähren aufschießen, die Ackerstreifen der Infanterie und der berittenen Formationen, als stünden da keine Regimenter, sondern Buchweizen, Roggen, Hafer und Gerste. Unmerkliche Bewegung zwischen den Regimentern entlang den inneren Schneisen! Und dann – silberne Trompeten, Hörner, ein Babylon von Schreien, Pauken und Trommeln … Die Lava der Kavallerie sehen!
Ständig hatte ich das Gefühl, daß sich in Petersburg unbedingt etwas sehr Prachtvolles und Feierliches ereignen müsse.
Ich war begeistert, als man anläßlich der Begräbnisfeierlichkeiten für den Thronfolger die Straßenlaternen mit Trauerflor überzog und mit schwarzen Bändern umwand. Die militärischen Wachablösungen bei der Alexandersäule, Generalsbegräbnisse und die »Durchfahrten« waren meine tagtäglichen Unterhaltungen.
»Durchfahrten« nannte man damals die Stadtrundfahrten des Zaren und seiner Familie. Ich hatte mir ein besonderes Geschick zugelegt, solche Dinge herauszukriegen. Da kamen etwa beim Anitschkow-Palast Offiziere der Palastpolizei wie beschnauzte rötlichbraune Küchenschaben hervorgekrochen: »Nichts Besonderes, Herrschaften. Gehen Sie bitte weiter. Seien Sie so freundlich …« Aber schon streuten die Hausmeister mit Holzschaufeln einen gelben Sand, die Schnurrbärte der Polizeiinspektoren waren frisch gewichst, und an der Karawannaja oder der Konjuschennaja waren Polizisten wie die Erbsen ausgestreut.
Mir machte es Spaß, die Polizisten mit meinen Fragen zu belästigen – wer denn ausfahren würde und wohin, was sie sich nie zu sagen getrauten. Ich muß zwar gestehen, daß mich das Vorüberflitzen einer wappengeschmückten Kutsche mit ihren goldenen Vögelchen auf den Laternen oder eines englischen Schlittens mit seinen netzbedeckten Trabern immer wieder enttäuschte. Trotz allem fand ich dieses Durchfahrtsspiel recht lustig.
Die Petersburger Straßen erweckten in mir einen Durst nach großen Schauspielen, und allein schon die Architektur dieser Stadt rief in mir einen kindlichen Imperialismus hervor. Ich phantasierte von den Harnischen des Leibgarderegiments, den römischen Helmen der Gardekavalleristen und den silbernen Posaunen der Preobraschenskij-Regimentskapelle, und mein liebstes Vergnügen war, nach der Maiparade, die Regimentsfeier der Gardekavallerie an Mariä Verkündigung.
Ebenso erinnere ich mich an den Stapellauf des Panzerkreuzers »Osljabja«, wie da die ungeheure Meeresraupe auf das Wasser hinauskroch, und an die Hebekräne und die Metallrippen der Schiffsbauhalle.
Dieser ganze Wust von Säbelgerassel und einer Art Polizeiästhetik hätte nun dem Söhnchen irgendeines Korpskommandanten mit den entsprechenden Familientraditionen weit besser angestanden als mir, und paßte sehr schlecht zu den Küchendünsten unserer mittelbürgerlichen Wohnung, zum Arbeitszimmer meines Vaters, das scharf nach Leder roch, Glacéleder und Kalbleder, und zu den jüdischen Geschäftsbesprechungen.
Die Tage der Studentenunruhen bei der Kasaner Kathedrale waren immer schon im voraus bekannt. In jeder Familie gab es einen Studenten, der die Sache ankündigte. So kam es, daß eine ganze Publikumsmasse zusammenströmte, um sich, natürlich aus respektvoller Entfernung, diese Unruhen anzusehen: Kinder mit ihren Kindermädchen, Mamas und Tantchen, die es nicht geschafft hatten, ihre Rebellen zu Hause zurückzuhalten, alte Beamte und allerlei Müßiggänger. Am Tag der angekündigten Unruhen wogte auf den Trottoirs des Newskij-Prospekts von der Sadowaja bis zur Anitschkow-Brücke eine dichte Zuschauermenge. Dieser laute Haufen hatte Angst, bis zur Kasaner Kathedrale vorzugehen. Die Polizei war in den Innenhöfen versteckt, etwa im Hof der katholischen Katharinenkirche. Der Kasanerplatz war verhältnismäßig leer, da gingen erst kleine Häufchen von Studenten und richtigen Arbeitern auf und ab – auf die letzteren wurde mit Fingern gezeigt. Plötzlich ertönte vom Kasanerplatz her ein langgezogenes, immer lauter anschwellendes Geheul, etwas in der Art eines anhaltenden »u-u-u« oder »i-i-i«, das in ein drohendes Gebrüll überging und immer näher kam. Dann wichen die Zuschauer jäh zurück, und berittene Polizisten drängten die Menschen zusammen. »Die Kosaken! – Die Kosaken!« fuhr es wie ein Blitz durch die Menge, schneller noch, als die Kosaken selber herangesaust kamen. Die eigentlichen »Unruhestifter« wurden umzingelt und in die Michails-Manege abgeführt, und der Newskij lag auf einmal so verlassen da, als hätte ihn ein Besen leergefegt.
Die dunklen Volksmassen auf den Straßen waren meine erste klare und bewußte Wahrnehmung. Ich war genau drei Jahre alt. Es war das Jahr 1894, man hatte mich von Pawlowsk nach Petersburg mitgenommen, weil meine Eltern die Begräbnisfeierlichkeiten für Alexander III. sehen wollten. Am Newskij, irgendwo gegenüber der Nikolajewskaja, hatten wir im dritten Stock eines möblierten Hauses ein Zimmer gemietet. Bereits am Vorabend war ich aufs Fensterbrett geklettert, sah von da aus die Straße, die schwarz war vor Menschen, und fragte: »Wann fahren sie denn?« – »Morgen«, wurde mir gesagt. Daß all diese vielen Menschen die ganze Nacht auf der Straße verbringen würden, versetzte mich ganz besonders in Erstaunen. Selbst der Tod noch erschien mir bei der ersten Begegnung in einer völlig unnatürlichen, prachtvollen und pompösen Gestalt. Einmal ging ich mit meinem Kindermädchen und meiner Mama am schokoladefarbenen Gebäude der italienischen Botschaft am Mojka-Ufer vorbei. Plötzlich gehen da die Türflügel auf, und alle läßt man ungehindert hineingehen, nach Harz riecht es da, nach Weihrauch und etwas Süßem und Angenehmem. Schwarzer Samt dämpft den Eingang und die Wände, überall Silber und tropische Pflanzen. Hoch oben lag der einbalsamierte italienische Gesandte. Was ging mich dies alles an? Ich weiß es nicht, doch es waren starke und helle Eindrücke, die mir wertvoll geblieben sind bis auf den heutigen Tag.
Das Alltagsleben der Stadt war arm und einförmig. Jeden Tag gab es gegen fünf Uhr den Spaziergang auf der Großen Morskaja – von der Gorochowaja bis zum Generalstabsbogen. Alles was in der Stadt an Müßiggang und Herausgeputztheit vorhanden war, bewegte sich langsam auf den Trottoirs hin und zurück, verbeugte sich voreinander und lächelte sich zu: Geklirr von Sporen, französische und englische Gespräche, lebendiggewordenes Schaufenster eines englischen Ladens oder Jockey-Clubs. Gerade hierher führten die Bonnen und Gouvernanten, jugendliche Französinnen, die ihnen anvertrauten Kinder: nur um zu seufzen und Vergleiche zu ziehen zwischen der Morskaja und den Champs-Elysées.
Für mich stellte man so viele Französinnen ein, daß all ihre Züge durcheinandergeraten und zu einem einzigen Porträtfleck zusammengeflossen sind. Meiner Ansicht nach waren all diese Französinnen und Schweizerinnen von den vielen Liedern, Schreibvorlagen, Lesebüchern und Konjugationen in ihre eigene Kindheit zurückgefallen. Im Zentrum ihrer durch die Lesebücher verzerrten Weltanschauung stand die Gestalt des großen Kaisers Napoleon und der Krieg von 1812, dann folgte Jeanne d’Arc (mir fiel übrigens auch eine Schweizerin zu, die Calvinistin war), und wie sehr ich mich in meiner Wißbegierde auch bemühte, von ihnen etwas über Frankreich in Erfahrung zu bringen – es wollte sich nichts ergeben außer der Vorstellung, daß es ein herrliches Land sei. An den Französinnen schätzte man die Kunst, viel und schnell zu reden, an den Schweizerinnen ihre Kenntnis von Liedern, deren Krönung das Liedchen von »Malbrough« war. Diese armen Mädchen waren durchdrungen vom Kult großer Persönlichkeiten: Hugo, Lamartine, Napoleon und Molière … Sonntags ließ man sie zur Messe gehen, keinerlei Bekanntschaften waren ihnen erlaubt.
Irgendwo in der Ile-de-France: Weintraubenfässer, weiße Wege, Pappeln, ein Winzer ist mit seinen Töchtern zur Großmutter nach Rouen gefahren. Er kommt zurück – alles »scellé«, Kelterpressen und Bottiche sind plombiert, an den Türen und Kellern – Siegellack. Der Verwalter hatte versucht, ein paar Eimer jungen Wein zu verheimlichen, um der Verbrauchssteuer zu entgehen. Er wurde erwischt. Die Familie ist ruiniert. Eine riesige Geldstrafe – und in der Folge schenkten mir Frankreichs gestrenge Gesetze eine Erzieherin.
Aber was konnten mich die Regimentsfeiern der Garde angehen, die einförmige Schönheit der Infanteristenheere und Pferde, die Bataillone der steinernen Gesichter, die mit dröhnendem Schritt durch die von Granit und Marmor graue Millionnaja strömten?
Diese ganze schöne Fata Morgana Petersburgs war nur ein Traum, eine über den Abgrund geworfene glänzende Decke, um mich herum jedoch breitete sich das Chaos des Judentums, keine Heimat, kein Haus, kein Herd, sondern ein Chaos, ein dunkler Schoß, aus dem ich hervorgegangen war, eine unvertraute Welt, die ich fürchtete, die ich verworren ahnte und vor der ich weglief, immerzu weglief.
Jüdisches Chaos drang durch alle Ritzen unserer steinernen Petersburger Wohnung, drohte mit Zerstörung, tauchte im Zimmer auf als Mütze eines Gastes aus der Provinz, als Schrifthäkchen in den Büchern der »Genesis«, die nie gelesen wurden und auf dem untersten Brett des Bücherschrankes, unter Goethe und Schiller, in den Staub verbannt dastanden – und schließlich als Fetzen eines schwarz-gelben Rituals.
Das kräftige, rotwangige russische Jahr kullerte durch den Kalender mit seinen buntgefärbten Eiern, den Weihnachtsbäumen, den stählernen finnischen Schlittschuhen, seinem Dezembermonat, den glöckchengeschmückten Schlitten zur Karnevalszeit und den Sommerferien in einem Landhaus. Und bei uns nun ging ein Gespenst um – Neujahr im September, unfrohe, seltsame Feiertage, die mein Ohr peinigten mit ihren wilden Namen: Rosch Haschana und Jom Kippur.
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Wie ein einziger Krümel Moschus ein ganzes Haus mit seinem Duft erfüllt, so überflutet der kleinste Einfluß des Judaismus ein ganzes Leben. Oh, wie ist er stark, dieser Geruch! Ich mußte ja merken, daß es in jüdischen Häusern anders roch als in den arischen. Und nicht nur die Küchen rochen anders, sondern auch die Menschen, die Gegenstände, die Kleider. Noch heute erinnere ich mich, wie der süßliche jüdische Geruch im Holzhaus meines Großvaters und meiner Großmutter an der Kljutschewaja-Straße im deutschen Riga mich einhüllte. Schon der Arbeitsraum meines Vaters bei uns zu Hause hatte keinerlei Ähnlichkeit mit dem granitenen Paradies meiner schönen Spaziergänge, schon er führte mich in eine mir fremde Welt, und das Kunterbunt seiner Einrichtung hat sich meinem Geiste als unauflösliche Verbindung eingeprägt. Da war vor allem der handgefertigte eichene Lehnstuhl mit einer Balalaika und einem Fausthandschuh darauf und der Inschrift »Eile mit Weile« auf dem kleinen Bogen der Rückenlehne – ein Tribut an den pseudorussischen Stil unter Alexander dem Dritten. Dann der türkische Diwan, mit Hauptbüchern vollgepackt, deren Blätter aus Zigarettenpapier von einer winzigen gotischen Handschrift mit Geschäftsbriefen in deutscher Sprache beschrieben waren. Anfangs glaubte ich, die Arbeit meines Vaters bestehe darin, seine Briefe auf das Zigarettenpapier zu drucken, wenn er die Kurbel der Kopiermaschine drehte. Noch heute scheint mir der Geruch von Joch und Arbeitsmühe ein allesdurchdringender Geruch von gegerbtem Leder zu sein, und die tatzenförmigen Glacélederstücke, die auf dem Fußboden lagen, und die fingerhaft lebendigen Auswüchse des flaumweichen Wildleders – all dies schwimmt, zusammen mit dem bürgerlichen Schreibtisch und seinem marmornen Tischkalender, in dichtem Tabaksdunst und dem Rauchgeruch des Leders. Und inmitten der spröden Einrichtung dieses Arbeitsraumes stand ein kleiner Bücherschrank mit Glastür und einem grünen Taftvorhang. Von dieser Bücheraufbewahrung möchte ich nun erzählen. Der Bücherschrank der frühen Kindheit ist ein Begleiter des Menschen für sein ganzes Leben. Die Anordnung seiner Fächer, die Auswahl der Bücher, die Farbe der Buchrücken gilt ihm als die Farbe, Höhe und Anordnung der Weltliteratur selber. Ja, jene Bücher, die nicht im ersten Bücherschrank gestanden haben, werden es nie schaffen, ins Weltgebäude einzudringen, das die Weltliteratur bedeutet. Ob man will oder nicht, ist jedes Buch im ersten Bücherschrank klassisch, und auch nicht einen einzigen Buchrücken könnte man daraus entfernen.
Diese seltsame kleine Bibliothek hatte sich im Laufe der Jahrzehnte wie geologische Schichtungen, nicht zufällig so abgelagert. Das väterliche und das mütterliche Element in ihr hatten sich nicht vermischt, sondern existierten getrennt voneinander, und der kleine Schrank war ein Längsschnitt durch die Geschichte der geistigen Bemühungen eines ganzen Geschlechts und des mit ihm vereinigten fremden Blutes.
Das unterste Fach ist in meiner Erinnerung stets das chaotische: die Bücher standen nicht Rücken neben Rücken, sondern lagen da wie Ruinen. Rötlichbraune Sammlungen der Fünf Bücher Mose mit zerrissenen Einbänden, eine Geschichte der Juden, in der schwerfälligen und zaghaften Sprache eines russisch schreibenden Talmudisten. Es war das in den Staub gestürzte jüdische Chaos. Auch meine althebräische Kinderfibel fiel sehr bald dorthin, da ich ohnehin kein Hebräisch lernen mochte. In einem Anfall heimatverbundener Reue stellten meine Eltern für mich einen richtigen jüdischen Hauslehrer ein. Da kam er dann aus seinem Händlerviertel und gab mir Unterricht, ohne seine Mütze abzunehmen, was mich verlegen machte. Sein Russisch war fehlerlos, doch klang es falsch. Meine hebräische Kinderfibel zeigte auf allen Bildern – je nachdem mit einer Katze, mit einem Buch, einem Eimer oder einer Gießkanne – ein und denselben Jungen, der eine Schirmmütze trug und ein sehr trauriges Erwachsenengesicht hatte. In diesem Jungen erkannte ich mich nicht wieder und lehnte mich deshalb mit meinem ganzen Wesen gegen dieses Buch und gegen die Wissenschaft auf. Etwas an diesem Lehrer war für mich verblüffend, auch wenn es ganz unnatürlich klang: sein Stolz auf das jüdische Volk. Er sprach von den Juden, wie eine Französin von Hugo oder Napoleon spricht. Doch ich wußte, daß er seinen Stolz verbergen würde, sobald er auf die Straße hinaustrat, und deshalb glaubte ich ihm nicht.
Über den jüdischen Ruinen begann eine Ordnung der Bücher. Es waren die Deutschen: Schiller, Goethe, Kerner und Shakespeare in deutscher Sprache – alte, in Leipzig oder Tübingen erschienene Ausgaben, dickbauchig und knirpsig, in bordeauxroten, bedruckten Einbänden, mit kleinem, für jugendliche, gesunde Augen gedachtem Druck und weichen Kupferstichen in leicht antikisierendem Stil: flehend händeringende Frauen mit gelöstem Haar, eine Lampe, die eher wie ein großer Leuchter gezeichnet war, Reiter mit hoher Stirn, und als Vignetten – Weintraubengrappen. Es waren die Bücher meines Vaters, der sich als Autodidakt aus dem Talmuddickicht in die germanische Welt durchgeschlagen hatte.
Weiter oben standen die russischen Bücher meiner Mutter – unter anderem Puschkin in der Ausgabe von Issakow aus dem Jahr 1876. Noch heute finde ich, daß das eine herrliche Ausgabe ist, und sie gefällt mir besser als die Akademieausgabe. In ihr gibt es nichts Überflüssiges, das Schriftbild ist harmonisch schön, die Verskolonnen strömen frei dahin wie fliegende Bataillone und werden angeführt von klugen, exakten Jahreszahlen bis hin zum Todesjahr 1837. Die Farbe Puschkins? Jede Farbe ist zufällig – welche müßte man sich für ein Sprachengemurmel ausdenken? Ach, dieses idiotische Farbenalphabet Rimbauds!
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Mein Puschkin hatte ein Gewand, das gar keiner bestimmten Farbe angehörte, er stand da im Kalikoeinband der Schulbücher, in einem schwarzbraunen, ausgeblichenen Gewand mit sandig-erdfarbenem Einschlag; er fürchtete weder Flecken noch Tinte, weder Feuer noch Kerosin. Ein Vierteljahrhundert lang hatte das sandigschwarze Gewand liebevoll alles in sich aufgesogen – und die geistige Schönheit dieses Alltagskleides, die fast körperliche Anmut des Puschkins meiner Mutter ist für mich eine lebendige Empfindung geblieben. In diesem Buch steht mit rötlichbrauner Tinte die Widmung: »Der Schülerin der 3. Klasse für ihren Fleiß«. Mit diesem Puschkin verknüpft sind Erzählungen über ideale Lehrer und Lehrerinnen mit Schwindsuchtröte auf den Wangen und durchlöcherten Stiefelsohlen – die achtziger Jahre in Wilna. Meine Mutter und besonders meine Großmutter sprachen das Wort »Intellektueller« mit großem Stolz aus. Bei Lermontow war der Einband blaugrün und irgendwie soldatisch – er war ja auch Husar. Nie ist er mir als Bruder oder Verwandter Puschkins erschienen, während ich Goethe und Schiller für Zwillinge hielt. Dort jedoch erkannte ich das Andersartige und trennte die beiden bewußt. Denn nach Puschkins Tod im Jahre 1837 rauschten sowohl das Blut wie auch die Verse ganz anders.
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Und was waren Turgenjew und Dostojewskij? Eine Beilage zur Zeitschrift »Ackerland«. Äußerlich sahen sie sich wie Brüder ähnlich. Pappbände, mit einer dünnen, durchsichtigen Hülle überzogen. Auf Dostojewskij lag ein Verbot, eine Art Grabplatte, und man sagte von ihm, daß er »schwer« sei; Turgenjew war vollkommen erlaubt und stand mir offen mit seinem Baden-Baden, den »Frühlingsfluten« und seinen gemächlichen Gesprächen. Doch ich wußte bereits, daß es ein so ruhiges Leben wie bei Turgenjew nicht mehr gab und nirgends mehr geben konnte.
Aber wollt ihr nicht den Schlüssel zu dieser Epoche haben, jenes Buch, das von den vielen Berührungen heiß geworden war, das um keinen Preis sterben wollte und wie lebendig im engen Sarg der neunziger Jahre lag; jenes Buch, dessen Seiten vorzeitig vergilbten, sei’s vom vielen Lesen, sei’s von der Sonne auf den Gartenbänken eines Landhauses, und dessen erste Seite die Züge eines Jünglings mit inspiriertem Haarschopf offenbarte, Züge, die zur Ikone geworden waren? Wenn ich mir das Gesicht des Jünglings Nadson genauer ansehe, so verblüfft mich das wirkliche Feuer in diesen Zügen und gleichzeitig deren völlige Ausdruckslosigkeit, ihre beinah hölzerne Einfalt. Ist nicht das ganze Buch so? Und war nicht die ganze Epoche genau so? Schick ihn nach Nizza, zeig ihm das Mittelmeer – er wird doch immer nur sein Ideal besingen und seine leidende Generation, mag er auch eine Möwe dazutun oder einen Wellenkamm. Lacht nicht über den Nadsonkult – er ist ein Rätsel der russischen Kultur, und eigentlich ist sein Klang nicht zu ergründen, weil wir nicht dasselbe hören und verstehen, was die Menschen damals gehört und verstanden haben. Wer war er denn, dieser hölzerne Mönch mit den ausdruckslosen Zügen des ewigen Jünglings, dieser entrückte Götze der studierenden Jugend (ja gerade der studierenden Jugend, die für ein paar wenige Jahrzehnte das auserwählte Volk war), dieser Prophet der Poesieabende von Gymnasiasten? Wie oft habe ich, als ich bereits wußte, daß Nadson ein schlechter Dichter war, sein Buch wiedergelesen und mich bemüht, den dichterischen Hochmut der Gegenwart abzulegen, die kränkende Ahnungslosigkeit dieses Jünglings zu übersehen und seinen Klang so zu hören, wie jene Generation ihn gehört hatte. Wie sehr haben mir die Tagebücher und Briefe Nadsons dabei geholfen: immer wieder – schwere literarische Feldarbeit, Kerzenlicht, Beifallklatschen, glühende Gesichter, der umschließende Ring einer Generation und in der Mitte ein Altar – das Tischchen des Rezitierenden mit einem Glas Wasser darauf. Wie Sommerinsekten unter einem erhitzten Lampenglas – so ließ sich eine ganze Generation ankohlen und verbrennen am Feuer dieser literarischen Festlichkeiten mit ihren Girlanden aus sinnbildlichen Rosen. Der Menschenauflauf hatte Kultcharakter und war ein Sühneopfer für die Generation. Hier fanden sich diejenigen ein, die das Schicksal dieser Generation bis hin zum Untergang zu teilen gewillt waren – mochten sich die Hochmütigen abseits halten bei Tjutschew und bei Fet. Genaugenommen hatte sich die gesamte große russische Literatur von dieser schwindsüchtigen Generation mit ihrem Ideal und ihrem Baal abgewandt. Was war ihr denn geblieben? – Papierrosen, das Kerzenlicht der Poesieabende und die Barkarolen Anton Rubinsteins. Die achtziger Jahre in Wilna, wie meine Mutter sie geschildert hat. Überall dasselbe: sechzehnjährige Mädchen versuchten John Stuart Mill zu lesen, lichtvolle Persönlichkeiten mit ausdruckslosen Gesichtszügen verbreiteten in der Ferne ihren Schimmer, mit viel Pedal und auf dem piano fast vergehend spielte man an den Konzertabenden die neuesten Stücke des löwenmähnigen Anton. Doch im Grunde genommen geschah folgendes: angeführt von jenen lichtvollen Persönlichkeiten, die in ihrem heiligen Narrentum den Weg unter den Füßen nicht mehr sehen konnten, schritt die Intelligenzia samt diesen Buckles und Rubinsteins zur Selbstverbrennung. Wie hohe Pechfackeln verbrannten die geheimbündlerischen Volkstümler zusammen mit Sofia Perowskaja und Scheljabow vor aller Augen, und alle, das ganze provinzielle Rußland und jene »studierende Jugend«, verschmachteten vor Mitleid – nicht ein einziges grünes Blatt sollte da noch übrigbleiben.
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Was für ein dürftiges Leben, was für armselige Briefe, was für humorlose Späße und Parodien! Man zeigte mir im Familienalbum eine Aufnahme von Onkel Mischa, einem Melancholiker mit aufgedunsenem und kränklichem Gesicht, und erklärte dazu, er sei nicht einfach verrückt geworden, sondern »verbrannt«, wie es die Sprache jener Generation auszudrücken beliebte. So sprach man auch von Garschin, und viele Tode fügten sich in das eine, große Ritual.
Semjon Afanassjewitsch Wengerow, ein Verwandter meiner Mutter (die Familie stammte aus Wilna, dazu Gymnasiumserinnerungen), verstand nichts von der russischen Literatur und befaßte sich berufshalber mit Puschkin. Doch »das« verstand er, und dieses »das« hieß bei ihm: der heroische Charakter der russischen Literatur. Gut sah er aus mit seinem heroischen Charakter, wenn er, am Arm seiner älterwerdenden Ehefrau hängend, über den Sagorodnyj zur Kartothek trottete und in seinen buschigen Bart hineinschmunzelte, der an einen Ameisenhaufen erinnerte!
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Der rötliche Schrank mit dem grünen Vorhang und jener Lehnstuhl mit der Inschrift »Eile mit Weile« sind recht oft von einer Wohnung in die andere umgezogen. Sie standen in der Maximilian-Gasse, von wo aus am Ende des pfeilartigen Wosnessenskij-Prospekts der galoppierende Zar Nikolaj zu sehen war, und in der Offizerskaja, über dem Blumengeschäft Eilers, in der Nähe des Theaters, wo die Oper »Ein Leben für den Zaren« gespielt wurde, und dann auch am Sagorodnyj-Prospekt. Im Winter, zur Weihnachtszeit, waren wir in Finnland, in Wyborg, und während der Sommerferien – in Terioki. In Terioki gab es den Sand, die Wacholdersträucher, die Uferstege, die Hundehüttchen der Badeplätze mit ihren eingeritzten Herzen und den Kerben für jedes genossene Bad, und schließlich den zum Hause gehörigen Ausländer, der dem Herzen eines jeden Petersburgers lieb war, jener kühle Finne, Liebhaber von Johannisfeuern und Bärenpolkas auf der Wiese des Volkshauses, unrasiert und grünäugig, wie Alexander Blok ihn beschrieben hat. Das vorrevolutionäre Petersburg, von Wladimir Solowjow bis Alexander Blok, war von der Luft Finnlands durchdrungen, ließ sich seinen feinen Sand durch die Finger rieseln, wischte den leichten finnischen Schnee von seiner granitenen Stirn und horchte in seinem schweren Fiebertraum auf das Schellengeläute der kleinen Finnenpferdchen. Dunkel fühlte ich immer die besondere Bedeutung Finnlands für die Petersburger, fühlte, daß sie dorthin fuhren, um das zu Ende zu denken, was sie in Petersburg nicht geschafft hatten; hier dachten sie es zu Ende, zogen sich den tiefliegenden Schneehimmel bis an die Augenbrauen ins Gesicht und schlummerten in kleinen Gasthäusern ein, wo das Wasser in den Krügen eisigkalt war. Auch ich habe dieses Land geliebt, wo alle Frauen tadellose Wäscherinnen waren und wo die Kutscher wie Senatoren aussahen.
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