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Beschreibung

Wirkungsvoll Einfluss nehmen mit Nadel oder Laser. Ob Anfänger oder Fortgeschrittener: In diesem Buch finden Sie alles Wissenswerte zur genauen Anatomie der Ohrreflexzonen sowie zur Diagnostik über die Ohrareale. Die elektrische Detektion (Punktsuchgerät) und die Pulstastung (RAC, VAS, Nogier-Reflex) sind ausführlich und gut nachvollziehbar beschrieben. Spannende Themen wie die präzise Austestung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Zahnmaterial, homöopathischen Mitteln oder Bachblüten sind hier erstmals in dieser Form veröffentlicht. Profitieren Sie von der Erfahrung der Autoren und steigern Sie Ihre Behandlungserfolge.

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EPUB

Seitenzahl: 747

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Frank Bahr, Beate Strittmatter

Das große Buch der Ohrakupunktur

2., aktualisierte Auflage366 Abbildungen

Autor

Prof. mult. h.c. VRC, Dr. med. Frank R. BahrGeboren 1944, Medizinstudium 1963–1969 an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Staatsexamen und Promotion 1969. Nach seiner anschließenden Tätigkeit als Medizinalassistent Ausbildung am Institut für Anästhesiologie der Universität München, ab 1972 niedergelassen als Arzt für Allgemeinmedizin.

Ab 1972 Studium der Klassischen Chinesischen Akupunktur und Ohrakupunktur u.a. in China, Deutschland und Frankreich. Gründer und langjähriger Präsident der 1973/1974 gegründeten Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin (DAA), München.

974 bis heute: Forschungsarbeiten Ohrakupunktur in enger Zusammenarbeit mit Dr. Paul Nogier, Lyon, Präsident der Europäischen Akademie für Akupunktur e.V. (gegründet 1980), Forschungen im Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin.

1998 Ernennung zum Gastprofessor an der Nanjing Universität für Traditionelle Chinesische Medizin, wo er auch während der Kulturrevolution 1975 bereits ehrenhalber Mitglied des Lehrkörpers war. Im Jahr 2000 Ernennung zum Professor h.c. der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, Akupunkturforschung am Institut für Angewandte Chemie in Peking. 2001 Ernennung zum Professor h.c. der Nanjing Universität für Traditionelle Chinesische Medizin. Ehrenpräsident der Deutschen Akademie für Akupunktur, der Österreichischen Gesellschaft für kontrollierte Akupunktur sowie Ehrenpräsident der Schweizer Ärztegesellschaft für Aurikulomedizin und Akupunktur.

Dr. med. Beate StrittmatterGeboren 1956. Medizinstudium in Frankfurt, Glasgow (Schottland) und Homburg/Saar. Staatsexamen und Promotion 1982. Neunjährige klinische Weiterbildung (Schwerpunkt Orthopädie), Ausbildung in Körper- und Ohrakupunktur, Neuraltherapie, Manueller Medizin. Seit 1990 niedergelassen als Fachärztin für Allgemeinmedizin mit den Zusatzbezeichnungen Naturheilverfahren, Akupunktur und Sportmedizin.

Praxisschwerpunkte: spezielle Schmerztherapie, Störherderkennung und -behandlung. Seit 1985 Dozentin der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin (DAA), München; seit fast 20 Jahren Ausbildungsleiterin der DAA. Zahlreiche Publikationen, u. a. zwei Lehrbücher (Taschenatlas Ohrakupunktur und Der Störherd und seine Entstörung – beide inzwischen auch auf Englisch) sowie ein interaktives Ohrakupunktur-Lernprogramm. Seit 1989 Leiterin der Redaktion Ohrakupunktur der Zeitschrift Schmerz und Akupunktur, Med-Komm Verlag, davon vier Jahre lang zusätzlich Schriftleitung dieser Fachzeitschrift.

Aktives Vorstandsmitglied des ACI (Auriculotherapy Certification Institute, Los Angeles), Chief Trainer der Kanadischen Schule Vitalprinciple in Halifax, Gastreferentin in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate, Dozententätigkeit an der Universität Miami, Florida und für die American Academy of Medical Acupuncture (AAMA), Washington.

Danksagung

Wenn neben großen Teilen der knappen Freizeit über zweieinhalb Jahre auch einige Urlaube für ein solches Buchmanuskript draufgehen, braucht es Einverständnis und grenzenlose Geduld der Familie und insbesondere des Partners. Ich danke meinem Mann Patric Eyer, ohne dessen Unterstützung diese Arbeit niemals hätte fertiggestellt werden können.

Ein Buch steht und fällt auch mit der Qualität des Lektorats – mein Dank gilt hier Frau Anneliese Schäffner, die mich bis in die letzten Winkel der Texte zurückgeschickt hat, wenn sie meinte, für den Leser sei etwas unklar ausgedrückt. Es war nicht immer angenehm für mich und dennoch – danke dafür! Frau Monika Grübener und Frau Ulrike Marquardt vom Hippokrates Verlag waren unermüdlich ansprechbar und haben sich mit großem Engagement für das Werk eingesetzt. Danke auch hier!

Saarbrücken, im Juni 2010

Dr. Beate Strittmatter

Vorwort

Vor etwa 15 Jahren meldete sich der Hippokrates Verlag bei mir mit der Bitte um ein Lehrbuch zur Ohrakupunktur. Damals meinte Prof. Bahr, dass er ein solches Buch doch lieber selbst schreiben wollte. Schließlich stammten die allermeisten Techniken der Ohrakupunktur von ihm. Allerdings war er permanent beschäftigt mit Forschung und weiteren Neuentwicklungen im Bereich der Ohrakupunktur sowie der Organisation unserer großen Akademie für Akupunktur, der DAA, sodass es zum Schreiben nie wirklich gereicht hat. In der Folgezeit entstanden jedoch mit seiner Unterstützung meine Bücher Der Störherd und seine Entstörung, der Taschenatlas Ohrakupunkur und das interaktive PC-Programm Ohrakupunktur (heute für unsere Mitglieder im Internet verfügbar).

Jetzt, nach 25 Jahren Zusammenarbeit, bot ich Prof. Bahr noch einmal an, sein Lebenswerk aufzuschreiben. Es war gedacht als Geschenk an meinen Lehrer, der mein berufliches Leben und Fortkommen in entscheidendem Maße beeinflusst hat. Außerdem lag es mir seit vielen Jahren auf der Seele, dass man einige der wertvollsten und zugleich einfachsten und praktischsten Techniken, die wir in der Ohrakupunktur haben, entweder gar nicht oder nicht zusammenhängend nachlesen konnte.

Herausgekommen ist ein gemeinsames Lehrbuch mit allen Techniken, die uns zur Zeit zur Verfügung stehen: von den Anfängertechniken der exakten Auffindung der Ohrpunkte mittels elektrischer Messung bis hin zur Anwendung des Lasers, des Polarisationsfilters und der RAC-kontrollierten Testmethoden von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, homöopathischen und pflanzlichen Mitteln oder zahnärztlichen Werkstoffen.

Der Text bezüglich der neurologischen Lokalisationen entstand in enger Zusammenarbeit mit Herrn Prof. Matthias Strittmatter. Als Neurologe mit Forschungsschwerpunkt Schmerzverarbeitung hat er mir bei der Beschäftigung mit den neurologischen Strukturen am Ohr geholfen, viele Zusammenhänge zu verstehen. Damit wurden für mich und natürlich für viele andere Akupunkteure die neurologischen Reflexzonen und -punkte am Ohr besser nutzbar. Gerade in der Neurologie hilft uns die Kenntnis eines Reflexpunktes am Ohr nur so viel, wie wir über die Funktion der abgebildeten Struktur wissen. Ich möchte ihm hier meinen Dank ausdrücken für die Geduld und die Zeit, mit der er mir auch bei meiner Forschungsarbeit bezüglich der vor 15 Jahren von mir neu kartografierten neurologischen Lokalisationen am Ohr zur Seite gestanden hat.

Den beiden Kolleginnen Rita Klowersa aus Berlin und Dr. Martina Jacob aus Bad Sobernheim möchte ich danken, die mit mir die Tabelle über „die verschiedenen möglichen Positionen der Hochvolt-Stäbe“ erstellt haben. Manchmal schafft man solche Sisyphus-Arbeiten einfach nicht alleine.

Zum Kapitel über die Übersäuerung: Hier bin ich ich meinem Freund und Kollegen Dr. Carlos Grosz aus Zürich sehr verbunden, der mir dieses Thema vor einigen Jahren mit viel Sachkenntnis nahe brachte und damit einer ersten Veröffentlichung über den Zusammenhang Übersäuerung/Akupunktur die Grundlage gab. Er hat sich auf dieses Thema spezialisiert und wesentlich an dem Kapitel mitgearbeitet. Ein übersäuertes Terrain torpediert den Erfolg der besten Akupunktur! Frank Bahr wurde durch unsere Beschäftigung mit diesem Thema dazu inspiriert, den neuen Ohrpunkt für den ph-Wert zu finden.

Last not least – ich bin glücklich, dass wir es nach so vielen Jahren doch noch geschafft haben – es gibt Das große Buch der Ohrakupunktur!

Saabrücken, im Juni 2010

Dr. Beate Strittmatter

Vorwort

Im Jahr 1972 lernte ich die Ohrakupunktur von Dr. Paul Nogier persönlich. Damals interessierten sich nur eine Handvoll Kollegen dafür. Infolge meiner kontinuierlichen Beschäftigung mit dieser Methode gründete ich die Deutsche Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin und durch die konsequente Ausbildungsarbeit für Ärzte hat sich die Ohrakupunktur zu einer der wichtigsten, am häufigsten angewendeten und am meisten beachteten Methoden der Komplementärmedizin in Europa entwickelt. Einen herausragenden Anteil an der Weiterentwicklung und Verbreitung dieser Heilmethode hat die Kollegin Frau Dr. Beate Strittmatter, seit über 20 Jahren Ausbildungsleiterin der Deutschen Akademie.

Durch zahlreiche Publikationen hat sie wesentlich dazu beigetragen, das bis dahin oftmals fragmentarische Wissen um die Möglichkeiten der Ohrakupunktur in eine systematische Form zu bringen und es so einer großen interessierten Leserschaft erst zugänglich zu machen. Gleichzeitig hat sie es in ihrer langjährigen Ausbildungsarbeit immer verstanden, die Ohrakupunktur gleichermaßen pragmatisch, praxisorientiert und passioniert darzustellen. Auch hat sie mit Beharrlichkeit und Leidenschaft unser Wissen in die USA und nach Kanada getragen und dort wurde, dank ihrer Aktivität, inzwischen eine eigene Schule der Europäischen Ohrakupunktur gegründet. Auch in anderen Ländern war sie gern eingeladene Gastreferentin. Auf dieser weltweiten Mission ist ihr noch immer kein Aufwand zu hoch und keine Anreise zu weit. Es ist nur konsequent, dass ihre beiden Lehrbücher (Taschenatlas Ohrakupunktur nach Nogier/Bahr und Der Störherd und seine Entstörung) bereits seit 10 Jahren in Englisch vorliegen.

Seit Jahren lag sie mir in den Ohren, dass wir endlich auch das kostbare Wissen für die weiter Fortgeschrittenen in der Ohrakupunktur in Buchform bringen müssten. Aber wie sie bereits in ihrem eigenen Vorwort erwähnt, fand ich dafür nie wirklich Zeit.

Nun hat sie mir, selbst seit vielen Jahren Dozentin, diese Arbeit abgenommen, als Geschenk an mich, ihren eigenen Lehrer. Gleichzeitig hat sie die Gelegenheit wahrgenommen, auch ihre eigenen Forschungen mit einzubringen, die seit Langem Bestandteil unseres Ausbildungscurriculums sind. Besonders im Bereich der Neurologie konnte die alte Karte der Reflexzonen wesentlich erweitert werden. Auch war sie die Erste, die entdeckte, wie man verdeckte Zahnstörherde finden kann, die sich in der normalen Störherddiagnostik nicht zeigen, und die, wenn man sie nicht aufdeckt oder ignoriert, den ganzen Behandlungserfolg einer guten Ohrakupunktur torpedieren können.

Auf dieser Basis ist ein unter didaktischen Gesichtspunkten hervorragendes Buch entstanden, das unser langjähriges Wissen auf den Punkt bringt. Möge dieses Lehrbuch viele zu einer vertieften Anwendung dieser Methode führen, denn Anwendung ist die Voraussetzung für Erfahrung, und Erfahrung schafft letztendlich Evidenz. So soll es den zahlreichen Patienten dienen, denen bislang keine noch so gute und evidenzbasierte Methode hat helfen können.

München, im Juni 2010

Prof. mult. h.c. VCR, Dr. med. Frank R. Bahr

Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Vorwort

1 Einführung

1.1 Geschichte der Ohrakupunktur

1.2 Ohrakupunktur ist zuallererst Diagnostik

2 Anatomie/Reflexzonen am Ohr

2.1 Die Anatomie des Ohres

2.1.1 Areale am Ohr

2.2 Lokalisation der wichtigsten Ohrreflexpunkte

2.2.1 Die wichtigsten Ohrlokalisationen der Anthelix, der Scapha und der Fossa triangularis

2.2.2 Die wichtigsten Ohrlokalisationen im Cavum conchae

2.2.3 Die wichtigsten Ohrlokalisationen am Lobulus

2.2.4 Die wichtigsten Ohrlokalisationen im Bereich des Tragus und vor der Ohrmuschel

2.2.5 Die wichtigsten Ohrlokalisationen im Bereich der Helix und verdeckte Lokalisationen

2.2.6 Die wichtigsten Ohrlokalisationen auf der medialen (retroaurikulären) Ohrseite

2.2.7 Die wichtigsten Psychischen Punkte

2.2.8 Weiterführende und spezielle Lokalisationen

2.3 Energetische Schwächen der Organe mit Bedeutung für den Bewegungsapparat

2.3.1 Niere, Leber, Milz

2.3.2 Energetische Schwäche der Mitte

2.4 Hilfslinien und Achsen am Ohr

2.4.1 Hilfslinien durch den Nullpunkt

2.4.2 Andere Hilfslinien

2.5 Selbstüberprüfung

B. Strittmatter

3 Praxishinweise für Linkshänder

3.1 Punkte unabhängig von der Händigkeit

3.1.1 Organpunkte, Schmerzpunkte

3.1.2 Störherdpunkte

3.1.3 Wahl des Nadelmetalls

3.2 Punkte abhängig von der Händigkeit

3.2.1 Übergeordnete Punkte

3.3 Voruntersuchung

3.4 Dauernadeln

4 Diagnostik Wissensstufe 1

4.1 Notwendige Voraussetzungen

4.2 Das Auffinden der Ohrpunkte

4.2.1 Mechanische Punktsuche mit dem Drucktaster

4.2.2 Elektrische Punktsuche

4.3 Zusammenfassung der Diagnostik der Wissensstufe 1

5 Störherde

5.1 Wie alles entdeckt wurde

5.2 Auswirkungen von Störherden

5.3 Mögliche Störherde

5.3.1 Chronisch entzündliche Störherde

5.3.2 Zahnstörherde

5.3.3 Narbenstörherde

5.4 Das Finden von Störherden

5.5 Störherd beseitigung

5.6 Wie geht es weiter?

6 Therapie

6.1 Hinweise zu den Akupunkturnadeln

6.1.1 Die Dauernadel

6.2 Notwendige Ausrüstung

6.3 Therapie Wissensstufe 1

6.4 Anmerkungen zur Therapie bei Linkshändern

6.5 Praktische Hinweise zur Therapie

6.6 Unterstützende Maßnahmen zur Therapie

6.6.1 Massage von Akupunkturpunkten durch den Patienten

6.6.2 Transkutane Nervenstimulation (TNS)

6.6.3 Verbesserung der muskulären Balance und der Statik

6.7 Therapiehindernisse

6.7.1 Therapiehindernis Nahrungsmittel-Unverträglichkeit

6.7.2 Therapiehindernis Darmdysbiose

6.7.3 Therapiehindernis „blockierte Mitte“

6.7.4 Therapiehindernis Übersäuerung

6.8 Probleme bei der Therapie

6.8.1 Keine Besserung der Symptomatik

6.8.2 Ohr nach Dauernadel entzündet

6.8.3 Zustand nach Ohrmuschelanlegeplastik

6.8.4 Unklare Händigkeit

6.8.5 Erstverschlimmerung

6.8.6 Nadelangst

6.8.7 Therapiehindernisse

6.9 Zusammenfassung der Therapie in der Wissensstufe 1

6.10 Vorgehen bei einer Amalgambelastung

6.10.1 Medikamentöse Unterstützung durch Präparate

7 Indikationen der Ohrakupunktur

Frank Bahr

7.1 Allergische Erkrankungen

7.1.1 Heuschnupfen

7.1.2 Allergisches Asthma

7.1.3 Neurodermitis/Allergisches Ekzem

7.2 Atemwegserkrankungen und Krankheiten im Mund- und Rachenraum

7.2.1 Asthma bronchiale

7.2.2 Bronchitis, bronchopulmonaler Infekt

7.2.3 Sinusitis

7.2.4 Tonsillitis

7.2.5 Parotitis

7.3 Erkrankungen des Bewegungsapparates

7.3.1 Oberes zervikales Syndrom

7.3.2 Mittleres zervikales Syndrom

7.3.3 Unteres zervikales Syndrom

7.3.4 Blockade der 1. Rippe

7.3.5 Bandscheibenvorfall

7.3.6 Lumbago, Lumboischialgie

7.3.7 Ileosakralgelenkblockade

7.3.8 Morbus Bechterew

7.3.9 Kokzygodynie

7.3.10 Schulterbeschwerden

7.3.11 Epicondylitis lateralis

7.3.12 Karpaltunnelsyndrom

7.3.13 Morbus Sudeck der Hand

7.3.14 Arthrose des Daumengrundgelenks und Polyarthrose der Hände

7.3.15 Koxarthrose

7.3.16 Gonarthrose, Meniskopathien, Chondropathia patellae

7.3.17 Sprunggelenk (Arthrosen, Bandläsionen, Distorsionen)

7.3.18 Achillodynie (Achillessehnenreizung)

7.3.19 Fersensporn

7.3.20 Fußbrennen

7.3.21 Gichtzehe

7.3.22 Chronische Polyarthritis (PcP, Rheuma)

7.3.23 Fibromyalgie

7.3.24 Phantomschmerz

7.4 Gastrointestinale Erkrankungen

7.4.1 Gastritis und Ulcus pepticum

7.4.2 Hepatitis, Hepatopathien

7.4.3 Entzündliche und funktionelle Darmerkrankungen

7.5 Herz-Kreislauf-Erkrankungen

7.5.1 Arterieller Hypertonus

7.5.2 Arterieller Hypotonus

7.5.3 Herzinsuffizienz

7.5.4 Herzrhythmusstörungen

7.5.5 Angina pectoris

7.6 Hormonelle Erkrankungen

7.6.1 Prämenstruelles Syndrom/Menstruationsbeschwerden

7.6.2 Klimakterische Beschwerden

7.6.3 Kinderwunsch

7.6.4 Hyperemesis gravidarum

7.7 Migräne, Kopf- und Gesichtsschmerz

7.7.1 Spannungskopfschmerz

7.7.2 Migräne

7.7.3 Clusterkopfschmerz

7.7.4 Trigeminusneuralgien

7.7.5 Myoarthropathie des Kiefergelenks

7.8 Tinnitus/Hörsturz/Morbus Menière

7.9 Psychische und vegetative Beschwerden

7.9.1 Angstsyndrome

7.9.2 Depressionen

7.9.3 Konzentrationsstörungen

7.9.4 Schlafstörungen

7.9.5 Schwindel

7.10 Suchterkrankungen

7.10.1 Adipositas/Essstörungen

7.10.2 Anorexia nervosa

7.10.3 Nikotinsucht

7.11 Urogenitaler Bereich

7.11.1 Reizblase/Rezidivierende Harnwegsinfekte

7.11.2 Enuresis

7.11.3 Potenzstörungen

7.11.4 Prostatitis

7.11.5 Ureterkolik/Harnleiterstein

8 Laseranwendung in der Akupunktur

8.1 Grundlagen des Lasers

8.1.1 Was ist Laserlicht?

8.1.2 Merkmale von Laserlicht

8.1.3 Warum Lasertherapie für biologische Systeme?

8.1.4 Laserakupunktur und optische Resonanz

8.1.5 Art und Dauer der Lasertherapie

8.1.6 Indikationen für die Laserakupunktur

8.1.7 Für wen ist die Laserakupunktur geeignet?

8.1.8 Resonanz-RAC durch Bestrahlen bestimmter Punkte

8.1.9 Praktische Anwendung des Lasers

8.1.10 Therapie mittels Laser

8.1.11 Laserbestrahlung des Blutes

8.1.12 Wahl des Lasergerätes

9 Diagnostik mittels Nogier-Reflex (syn. RAC; Wissensstufe 2)

9.1 Was der RAC bietet

9.2 Entdeckung des RAC

9.3 Wissenschaftliche Grundlagen

9.3.1 Das Analogmodell

9.4 RAC -Nachweis mit der bidirektionalen Doppler-Sonografie

9.4.1 Der Rebound-Effekt

9.5 Technik der Pulstastung (RAC)

9.5.1 Fehlerquellen beim RAC-Tasten

9.6 Das Elektro hämmerchen (3-Volt-Hämmerchen)

9.6.1 Das neue 3-Volt-Hybrid-Hämmerchen nach Bahr – der Bahr-Detektor

9.6.2 Anwendung des Bahr-Detektors

9.7 9-Volt-Stab nach Bahr

9.7.1 Die drei Gewebeschichten

9.7.2 Elektrische Hilfsmittel zur Untersuchung der Gewebeschichten

9.7.3 Die Steuerpunkte der Gewebeschichten

9.8 Systematisches Vorgehen in der Praxis

9.8.1 Voruntersuchung

9.8.2 Störherddiagnostik

9.9 Zusammenfassung Wissensstufe 2

9.9.1 Vorteile der Techniken der Wissensstufe 2 gegenüber den Techniken der Wissensstufe 1

9.10 Weitere Anwendung des 9-Volt-Stabes

10 Laseranwendung für Fortgeschrittene

10.1 Die Frequenzanalyse

10.2 Laser statt 3-Volt-Hämmerchen

10.2.1 Vorteil des Lasers gegenüber dem 3-Volt-Hämmerchen

10.3 Weiteres Verfahren zur Bestimmung der Lateralität

10.3.1 Persönlicher Punkt gegen Oszillation (PgO)

10.4 Verdeckte (isolierte) Zahnherde

10.4.1 Fragen

10.5 Anwendungsstudie zu den verdeckten Herden im Zahn-Kiefer-Bereich

11 Fortgeschrittene Therapie (Wissensstufe 2)

11.1 Störherd behandlung

11.1.1 Infiltration einer Narbe unter RAC-Kontrolle

11.1.2 Therapiekontrolle

11.1.3 Unterstützende Maßnahmen zur Therapie

11.1.4 Langfristiger Therapieverlauf

11.1.5 RAC-gestützte Diagnostik von Tendinopathien

11.1.6 Diagnostische TLA

11.2 Selbstüberprüfung

12 Einführung in weit fortgeschrittene Techniken

12.1 Das Polarisationsphänomen – Die Arbeit mit dem Polarisationsfilter

12.1.1 Polarisationsfilter – Grundlagen

12.1.2 Testung mit dem Polarisationsfilter

12.2 RAC verstärken: Hochvolt-Technik

12.2.1 Suche von Energieverlusten

12.2.2 Hochvolt-Technik für die mittlere Gewebeschicht

12.2.3 Besonderheit der mittleren Gewebeschicht mit Hochvolt-Stäben: Gewebeschicht M2

12.2.4 Entdeckung des überstarken Störherds

12.2.5 MgO – Cherry Plum

12.3 Energetische Ohrakupunktur

12.3.1 Der sog. Yin-Kreis

12.3.2 Der sog. Yang-Kreis

12.3.3 Unterstützung der Selbstheilung durch Behandlung der Basisschwäche

12.3.4 Weitere Möglichkeit der energetischen Stärkung Meisterpunkt der Qi-Bewegung

12.4 Ohrakupunktur und Schmerzgedächtnis – Neue Therapiemöglichkeiten

12.4.1 Behandlungsmöglichkeiten

12.5 Die Cerebrale Regenerations-Akupunktur (CRA)

Leopold Dorfer

12.5.1 Vordenker

12.5.2 Vergleichbare Beobachtungen

12.5.3 Grundsätzliche Überlegungen und Ziele der CRA

12.5.4 Praktische Anwendung der CRA

12.5.5 Indikationen für die CRA

12.5.6 Testergebnisse nach der Therapie

12.5.7 Reaktionen der Patienten

12.6 Die pychischen Blockadepunkte in der Praxis

12.6.1 Verdeckte psychische Störfelder

12.7 Übersäuerung als Ursache für Therapieversagen in der Schmerzakupunktur

12.7.1 Einige Grundbegriffe zum Stoffwechsel

12.7.2 Folgen der Übersäuerung

12.7.3 Säure-Basen-Gleichgewicht und Krankheit

12.7.4 Praktische Diagnostik einer Übersäuerung

12.7.5 Therapiemöglichkeiten

12.7.6 Möglichkeiten einer Diagnostik der Übersäuerung für Fortgeschrittene

12.8 Praktischer Nutzen der Meridiane am Ohr

12.8.1 Lungen-Meridian

12.8.2 Dickdarm-Meridian

12.8.3 Magen-Meridian

12.8.4 Milz-Pankreas-Meridian

12.8.5 Herz-Meridian

12.8.6 Dünndarm-Meridian

12.8.7 Blasen-Meridian

12.8.8 Nieren-Meridian

12.8.9 Kreislauf-Sexus-Meridian (Perikard)

12.8.10 3-Erwärmer-Meridian

12.8.11 Gallen-Meridian

12.8.12 Leber-Meridian

12.8.13 Konzeptionsgefäß

12.8.14 Lenkergefäß

13 Anhang

13.1 Patienten information

13.1.1 Anti-Raucher- Akupunktur

Frank Bahr

13.1.2 Dauernadeln

Frank Bahr

13.1.3 Was ist Akupunktur?

Frank Bahr

13.1.4 Ohrakupunktur

13.1.5 Was ist Laserakupunktur?

Petra Dahlhausen

13.1.6 Die Bedeutung von Störherden

13.1.7 Wer kann mit Laserakupunktur behandelt werden?

13.1.8 Heilungshindernis Störherd

Beate Strittmatter

13.1.9 Störung der Mitte

Beate Strittmatter

13.1.10 Testtabelle Nahrungsmittel-Unverträglichkeit

Beate Strittmatter

13.1.11 Nahrungsmittel-Unverträglichkeit

Beate Strittmatter

13.1.12 Amalgam

Petra Dahlhausen

13.1.13 Formaldehyd

Heike-Dorit Schmid (†)

13.1.14 Säure-Basen-Balance und Akupunktur

Beate Strittmatter

13.1.15 Übergewicht

Beate Strittmatter

13.2 Auricular Acupuncture Stimulation Measured On Functional Magnetic Resonance Imaging

David Alimi, MD, Alfred Geissmann, MD, Denis Gardeur, MD

13.3 Überprüfung der Reflexpunkte für das Knie im chinesischen und französisch-deutschen System mittels fMRT

David Alimi

13.4 Ergebnisse klinischer Forschung: Transkutane elektrische Stimulation eines Ohrakupunkturpunktes verringert den Bedarf an Anästhetika

Sonja Laciny und Robert Greif

13.4.1 Hintergrund der Studie zur Aurikulo-Elektro-Stimulations-Anästhesie

13.4.2 Das Protokoll der Studie

13.4.3 Der standardisierte Schmerzreiz und die Messungen

13.4.4 Die Ergebnisse

13.4.5 Diskussion der Ergebnisse

13.5 Kontaktadressen zur Ausbildung

13.6 Bezugsadressen

13.7 Mitarbeiterverzeichnis

13.8 Abbildungs nachweis

13.9 Sachverzeichnis

„Aurikulomedizin: gestern traditionell, heute aktuell und morgen wissenschaftliche Medizin“Prof. Dr. David Alimi, Paris

1 Einführung

Die Akupunktur ist eines der ältesten Heilverfahren in der Menschheitsgeschichte. Sie wurde bereits vor mehr als 4000 Jahren in China angewandt. Neueste Forschungen am „Mann im Eis“ (Ötzi) belegen, dass dieses Heilverfahren sogar noch älter ist und bereits vor über 5000 Jahren im heutigen europäischen Raum angewendet worden sein muss [1–5]. Wir wissen heute, dass die Akupunktur eine Reflextherapie ist, die über bestimmte Akupunkturpunkte Störungen oder Symptome an zugehörigen Organen oder anderen Strukturen positiv beeinflussen kann.

Für den Körperakupunkturpunkt lässt sich schon seit Langem ein spezifisches morphologisches Substrat beschreiben [6]. Es besteht aus einem Gefäß-Nerven-Bündel, das die oberflächliche Körperfaszie durchstößt. Im Perforationsbereich sind um die Nerven mindestens zwei dünnwandige, konzentrische kollagene Zylinder entwickelt, die mit lockerem Bindegewebe gefüllt sind. Gegenüber der umgebenden Haut besteht im Bereich des Akupunkturpunktes ein leicht veränderter Hautwiderstand. Diese anatomischen Besonderheiten stellen die Grundlage für die elektrischen Auffälligkeiten eines Akupunkturpunktes dar, die sich auf die Haut projizieren. Man kann die Akupunkturpunkte mit Widerstandsmessgeräten (Punktsuchgeräten) auffinden. Das macht sie für jeden verifizierbar.

Ferner ist der Körperpunkt durch eine Häufung verschiedener Rezeptoren (Meissner’sche und Krause’sche Körperchen, Glomusorgane, glatte Muskelzellen) gekennzeichnet. Im histologischen Schnitt ist im Punkt eine Rezeptorendichte von 0,31/mm2 zu finden und außerhalb des Punktes nur von 0,16/mm2 [6].

Der Akupunkturpunkt weist in der Regel zu seiner umgebenden Haut auch eine Potenzialdifferenz auf (2– 60 mV). Der Erfahrene kann mit speziellen Techniken der Influenzverschiebung (Tastung mit dem Nogier-Reflex, 3-Volt-Hämmerchen) diese Potenzialdifferenz zur gezielten Diagnostik nutzen. Dass Akupunktur in ihren verschiedenen Formen wirkt, ist inzwischen durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten belegt worden. Man konnte beweisen, auf welchen Ebenen des Körpers die Methode Veränderungen hervorruft, was ein Akupunkturpunkt ist und welche Stoffwechselprodukte durch das Nadeln moduliert werden [8, 9].

1.1 Geschichte der Ohrakupunktur

Wann und wo erstmals die Ohrmuscheln therapeutisch genutzt wurden, ist nicht überliefert. Der älteste Bericht stammt von dem 460 v. Chr. auf der griechischen Insel Kos geborenen Griechen Hippokrates. Nach seiner Ausbildung, die ihn u. a. auch nach Ägypten führte, übte er seine Kunst auf der Wanderschaft durch Griechenland aus und gründete später auf Kos eine medizinische Akademie. So hatte er beispielsweise während seiner Lehrzeit in Ägypten Aderlässe an den Ohrvenen kennengelernt. Für diese Behandlung gab es viele Indikationen, z. B. soll auch Unfruchtbarkeit bei Männern und Frauen damit behandelt worden sein. Wir gehen davon aus, dass die therapeutische Wirkung durch die Einstiche am Ohr erfolgt ist und weniger durch das Blutenlassen.

Der Wissensstand zur gleichen Zeit in China: Etwa aus der gleichen Zeit stammt das Nei-King, das erste in der Medizingeschichte bekannt gewordene und sehr ausführlich gehaltene chinesische Lehrbuch der Medizin. Nach ihm werden die Grundlagen der energetischen Akupunktur, Behandlungsanweisungen, Meridianverläufe und Punktlokalisationen beschrieben. Allerdings enthält es nur zwei Akupunkturpunkte in Ohrnähe. Es sind die Endpunkte des Dreifachen Erwärmers und des Dünndarm-Meridians. Von einer „chinesischen Ohrakupunktur“, wie sie fälschlicherweise oft angenommen wird, kann zu damaliger Zeit somit keine Rede sein.

Begründer der modernen Aurikulotherapie ist Paul Nogier, praktischer Arzt in Lyon, mit einer Ausbildung in klassischer chinesischer Akupunktur. Um 1950 waren ihm auf den Ohrmuscheln seiner Patienten Narben aufgefallen. Die Befragung ergab, dass es sich um Spuren einer – von Heilkundigen durchgeführten – Ischiasbehandlung handelte. Eine bestimmte Stelle der Ohrmuschel war mit einem glühenden Eisenstab gebrannt (kauterisiert) worden (▶ Abb. 1.1). Übereinstimmend wurde ihm berichtet, dass die Beschwerden in kürzester Zeit – oftmals schon während der Behandlung – nachgelassen hätten.

▶ Abb. 1.1 Kauterisationstelle bei Ischias, Punkt L 5/S 1 am Ohr.

Und genau an dieser Stelle darf man dankbar ein wenig innehalten: Denn allein Nogiers Unvoreingenommenheit und Neugier einer „Barfußtherapie“ gegenüber ist es zu verdanken, dass damals der Grundstein für die Entdeckung und systematische Entwicklung dieser inzwischen weltweit verbreiteten, effizienten und dennoch leicht erlernbaren Methode gelegt werden konnte.

In seinem Buch Lehrbuch der Aurikulotherapie von 1969 [19] schildert er seine Entdeckung:

„Etwa im Jahre 1950 entdeckte ich in der Gegend von Lyon, wo ich meine Praxis habe, in der Ohrmuschel einiger Patienten eine seltsame Narbe, die meine Neugierde erweckte. Ich erkundigte mich genauer danach und erfuhr, dass es sich hier um eine besondere Behandlungsart der Ischias handelte. Man hatte den oberen Teil sowie den Rand der Anthelix auf der gleichen Seite, auf der man die Neuralgie festgestellt hatte, kauterisiert. Erst sehr viel später erfuhr ich, dass man seit dem Altertum die Ohrmuschel reizte, um bestimmte Funktionen zu beeinflussen und bestimmten Störungen entgegenzuwirken.

Da ich damals nichts von den Erfahrungen, die man im Altertum gesammelt hatte, wusste, dachte ich, es handle sich um etwas Neues, und ich untersuchte das Ganze als etwas Neues und beobachtete unvoreingenommen die Reaktionen derjenigen, die auf diese Weise behandelt worden waren. Fast einstimmig sagten die von mir befragten Kranken, dass die Schmerzen sehr schnell (innerhalb von einigen Stunden, manchmal Minuten) nachgelassen hatten, so dass man an dem Zusammenhang zwischen der Kauterisation und der Schmerzlinderung nicht zweifeln konnte. Außerdem, und dies überraschte noch mehr, handelte es sich oft um Kranke, die vorher nach den verschiedensten bewährten Verfahren behandelt worden waren, was vermuten ließ, dass es sich um besonders schwer zu heilende Fälle handelte. Ich nahm daraufhin selbst einige Kauterisationen vor, die sich als erfolgreich erwiesen, anschließend erprobte ich andere weniger barbarische Verfahren.

Das einfache trockene Stechen mit einer Nähoder Stecknadel zeigte bei Ischiasfällen eine positive Wirkung, wenn man am gleichen oberen Teil der Anthelix und an den Punkten, die in diesem Bereich druckempfindlich waren, stach.

Plötzlich erkannte ich, dass diese kauterisierte Stelle vielleicht der Articulatio lumbosacralis entspricht und dass in diesem Fall die ganze Anthelix die Wirbelsäule darstellt, aber auf den Kopf gestellt, und dass der Antitragus dem Kopf entspricht; so konnte das Ohr im großen und ganzen als das Abbild eines Embryos in utero erscheinen.“ (▶ Abb. 1.2)

▶ Abb. 1.2 Ähnlichkeit der Korrespondenzpunkte am Ohr mit der Fötuslage.

Nogier durchforschte die Literatur der Vergangenheit. Neben den Berichten des Hippokrates fand weitere frühere Arbeiten:

Zacatus Lusitanus, portugiesischer Arzt, beschreibt 1637 die Behandlung von Lumbalgien und Ischialgien durch Kauterisation der Ohrmuschel.

1717 berichtet der italienische Arzt Valsalva über erfolgreiche Kauterisation der Ohrmuschel bei Zahnschmerzen. Es handelte sich hierbei um neue Areale, die sich von den zu dieser Zeit bereits bekannten Stellen der Ohrmuschel unterschieden, die für eine Behandlung von Ischialgien empfohlen wurden. In seiner Schrift

De Aure Humana Tractatus

gab er als Anweisung zur Unterdrückung von Zahnschmerzen an: „… der Chirurg muss hinter dem Antitragus und quer zum Ohr einen erhitzten Eisenstab ansetzen …“ (

 

Abb. 1.3

,

1.4

). Dieser Punkt wurde akupressiert oder kauterisiert. Er wurde dann in der späteren Literatur unter dem Begriff „Point H. Calmant L’Odontalgie“ beschrieben.

Um 1850 gab es in Frankreich ganze Serien von Publikationen zu diesem Thema. Für etwa 10 Jahre scheint eine Ohr-Euphorie zu bestehen. Zumindest spricht die Vielzahl der in dieser Zeit veröffentlichten Arbeiten dafür. Während der Zeit von 1850–1900 ließen manche Patienten nicht nur bei Zahnschmerzen Ohrkauterisationen durchführen, manchmal versuchte man auf diese Weise sogar, eine Extraktion zu vermeiden. Behandlungen von Dentalneuralgien durch Kauterisationen und Einschneiden der Helix folgten. Auch Fazialisstörungen wurden im 19. Jahrhundert durch Reizungen an der Ohrmuschel behandelt.

▶ Abb. 1.3 Urkunde Valsalva.

▶ Abb. 1.4 Anweisung von Valsalva zur Akupressur des Ohres während Zahnextraktionen.

Dennoch geriet diese Behandlungsform nach verhältnismäßig kurzer Zeit wieder in Vergessenheit. Scheinbar war die wissenschaftliche Unerklärbarkeit Grund für die Ablehnung der Methode. Die auch damals von den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen geprägte Medizin hatte keinen Platz für eine Erfahrungsheilkunde, die nicht in wissenschaftliche Denkmuster einzuordnen war. Somit blieb die Ohrmuschelreizung wieder einzelnen Volksheilkundigen vorbehalten.

Nogiers Entdeckung, dass „aktive“ Reflexzonen, also solche, die zu einer Pathologie des Körpers gehören, auch drucksensibel sind, führte dazu, dass in der Folge zu Pathologien des Körpers gehörige Reflexpunkte leicht am Ohr aufzufinden waren. Beschreibungen von Reflexpunkten gelangen somit immer präziser. Später entdeckte er dann, dass aktive Ohrpunkte auch elektrisch verändert sind: Dies ermöglichte die präzise elektrische Messung bzw. Detektion aktiver Ohrpunkte, wie wir sie noch heute mittels Punktsuchgerät (PSG) durchführen.

Allerdings scheiterten zunächst seine Versuche, diese Beobachtungen der Kollegenschaft mitzuteilen. Kaum jemand interessierte sich dafür. 1955 sprach er Niboyet an, der bereits zu diesem Zeitpunkt als unumstrittener Meister der Akupunktur in Frankreich galt. Niboyet war von der Arbeit Nogiers angetan und bestand darauf, dass dieser seine Erkenntnisse den französischen ärztlichen Akupunkteuren zugänglich machte. Nogier berichtet über seine Therapie auf dem 1. Kongress französischer Akupunkteure 1956. Sein Vortrag wurde von Gerhard Bachmann, dem damaligen Herausgeber der Deutschen Zeitschrift für Akupunktur übernommen und so deutschen ärztlichen Akupunkteuren zugänglich gemacht. Der russische Professor Wrogralik zitierte Nogiers Aufsatz 1957 in seiner Forschungsarbeit über die Grundlagen der Akupunktur in der UdSSR.

1958 berichtete der chinesische Arzt Yeh Hsiaolin [21] über die Arbeit Nogiers. Dieser Bericht war Anstoß zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft für Ohrakupunktur in Shanghai. In dieser Arbeitsgemeinschaft waren neun Ärzte der Stadt tätig. Sie bestätigten die Beobachtungen Nogiers und fügten ihre eigenen Erfahrungen hinzu.

1959 erschien ein Artikel über die französische Ohrakupunktur in der chinesischen Zeitschrift für „Populäre Medizin“ [22]). Nogier wird als Entdecker der Methode anerkannt (▶ Abb. 1.5 [4. Zeile von oben]).

Die Erfolge waren auch in China beeindruckend und darüber hinaus mit so geringem Aufwand zu erzielen, dass diese Methode auch den chinesischen „Barfußärzten“ vermittelt wurde. (Die sog. Barfußärzte waren Sanitäter mit nur minimaler Ausbildung. Die Bezeichnung entstand während der Kulturrevolution, einer Zeit, bei der jegliches Wissen als staatsfeindlich verdächtigt wurde.)

Die Ohrakupunktur half in China, ohne die ohnehin knappen Medikamente verwenden zu müssen, den Barfußärzten bei ihrer Arbeit als Ersthelfer. Das chinesische Gesundheitsministerium ließ für deren Ausbildung Anschauungstafeln in stark vereinfachter Darstellung herausgeben. Tafeln, die nach Europa gelangten, wo sie fälschlich als Beweis für die Existenz einer urchinesischen Heilmethode aufgenommen wurden! Die „original chinesische Ohrakupunktur“ wurde bekannt. Es ist unbestreitbar, dass chinesische Beobachtungen und Erfahrungen die Arbeit Nogiers ergänzt haben, aber erst er hat die Voraussetzungen dafür geschaffen.

Mao Tse Tung soll sich in diesem Zusammenhang wie folgt geäußert haben: „Die Vergangenheit soll der Zukunft, und ausländische Dinge sollen China dienen.“

Im Laufe der letzten 30 Jahre gab es im Rahmen der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin wesentliche eigene Weiterentwicklungen des französischen Wissens, die sich in der Praxis erfolgreich etabliert haben: z. B. die Medikamentenvergleichbaren Punkte, die Achsenprogramme, die „Zangentechnik“, die Bedeutung der Lateralität mit dem Lateralitätssteuerpunkt, die Störherdhinweispunkte, die Meridiane am Ohr, die Schmerzgedächtnispunkte, die energetischen Punkte, neue neurologische Lokalisationen, die verdeckten Zahnherde, die neuen psychisch wirksamen Punkte u. a.m. [10–16].

Die elektrische Messung mit dem Punktsuchgerät (PSG) und auch die Testung mit dem Resonanzphänomen (Nogier-Reflex, syn. RAC, VAS) macht diese Punkte jederzeit objektivierbar (▶ Kap. 9; [17]). Die Besonderheit der deutschen Schule liegt vor allen Dingen auch in der Störherderkennung und -behandlung, ein Thema, zu dem Nogier den wesentlichen Anstoß gegeben hat (▶ Kap. 4.2.2; [18]).

Der aktive Ohrkorrespondenzpunkt zeigt zwar keine histologischen Veränderungen, aber histologische Auffälligkeiten: Die ganze Ohrmuschel hat eine besonders hohe Dichte an freien Rezeptoren im Verhältnis zum übrigen Körper.

Außerdem weist der Ohrakupunkturpunkt gegenüber der Umgebung eine messbare Spannungsdifferenz auf. Zudem bestehen ein verändertes Temperaturverhalten und eine erhöhte Drucksensibilität. Bei einem gesunden Menschen lassen sich in der Regel keine elektrisch aktiven Ohrakupunkturpunkte nachweisen. Erst wenn das zur entsprechenden Reflexlokalisation gehörige Körperteil oder Organ erkrankt ist, wird der Ohrakupunkturpunkt nachweisbar (ähnlich den einzelnen Projektionszonen der Großhirnrinde).

▶ Abb. 1.5 Veröffentlichung der chinesischen Zeitschrift für „Populäre Medizin“ 1959. Oben: Originalzeichnung Nogiers, die 1957 von G. Bachmann veröffentlicht wurde.

1.2 Ohrakupunktur ist zuallererst Diagnostik

Dieser Aspekt allein ist schon kostbar, findet man doch über die Untersuchung der Ohrreflexzonen schnell das Primärorgan eines Beschwerdekomplexes heraus oder auch einen Störherd, der den Organismus an der Heilung hindert (▶ Kap. 4.3).

Aus dieser Diagnostik resultiert dann die für den jeweiligen Patienten individuell passende Therapie.

Beachte: Ohrpunkte werden niemals nach Rezept gestochen, immer nur nach vorheriger Diagnostik der aktiven Punkte.

Die gesamte Ohrmuschel ist wie erwähnt gegenüber ihrer Umgebung ungewöhnlich dicht innerviert, was ihre Prädisposition als Reflexort erklären könnte. Neueste Arbeiten von der Universität in Paris (Alimi) beweisen mittels funktionellem Kernspin (fMRI), dass es direkte Verbindungen von den Reflexzonen der Ohroberfläche zur Großhirnrinde gibt: Die Reizung des Daumen-Punktes bewirkte in zehn Probanden eine Aktivierung des Daumenareals im Gyrus postcentralis der Großhirnrinde auf der Gegenseite [7]. Mit diesem Nachweis lassen sich die meisten der bisher anstehenden Fragen bezüglich der Ohrakupunktur erklären (s. auch ▶ Kap. 13.2).

Die Anwendung der Akupunktur in der Allgemeinmedizin oder anderen Fachrichtungen (auch in der Zahnheilkunde) ist zunächst primär nicht als Alternative, sondern als hervorragende Ergänzung zur sog. Schulmedizin zu sehen. Allerdings sieht man oft verblüffende Soforterfolge, die mit konventionellen Methoden so leicht nicht erreicht werden können. Beispiel: Ischiasschmerzen oder Wirbelblockierungen. Allerdings können durchaus Symptome einer irreversiblen pathologischen Veränderung, wie z. B. einer Kniearthrose, zumindest gebessert werden.

Merke: Akupunktur kann nur heilen, was funktionell ge stört ist und nicht, was durch irreversible biochemische Reaktionen zerstört ist.

Die Ohrakupunktur hilft, schnellere Schmerzfreiheit und Heilung zu erzielen, als dies mit der konventionellen Medizin allein möglich ist. In vielen Fällten ist sie auch der Schlüssel für einen Heilungserfolg bei bisheriger Therapieresistenz (Störherderkennung und -behandlung über die Ohrreflexzonen, ▶ Kap. 5).

Verwendete Literatur

[1] Dorfer L, Moser M, Bahr F, Spindler K, Egarter-Vigl E, Giullén S, Dohr G, Kenner T. A medical report from the stone age? Lancet 1999; 354: 1023–1025

[2] Dorfer L, Moser M, Spindler K, Bahr F, Egarter-Vigl E, Giullén S, Dohr G. 5200-Year-Old Acupuncture in Central Europe? Science 1998; 282(5387): 239

[3] Dorfer L, Moser M, Kenner T, Bahr F, Spindler K, Egarter-Vigl E. Akupunktur vor 5200 Jahren – die Tätowierungen der Tiroler Gletschermumie. MMW 1999; 141(12): 151–153

[4] Dorfer L, Moser M, Bahr F, Spindler K, Egarter-Vigl E, Kenner T. Tätowierungen der Tiroler Gleschermumie (Ötzi) – 5200 Jahre alte Akupunktur – Therapie arthrotischer Veränderungen? GAMED 1999; 2: 11–145

[5] Moser M, Dorfer L, Spindler K, Bahr F, Egarter-Vigl E, Dohr G, Kenner T. Are Otzi‘s Tattoos Acupuncture? Skin markings on the Tyrolean Iceman may have been treatment for his ills. Discovering Archaeology 1999; 1(1): 16-17

[6] Heine H. Anatomische Korrelate der Akupunkturpunkte. Spektrum der Wissenschaft 1993; 07

[7] Alimi D, Geissmann A, Gardeur D. Auricular Acupuncture Stimulation measured on functional magnetic resonance imaging. Medical Acupuncture 2002; 13(2)

[8] Siedentopf Ch et al. Functional magnetic resonance imaging detects activation of the visual association cortex during laser acupuncture of the foot in humans. Neurosci Lett 2002; 327

[9] Meissner W, Weiss Th, Trippe RH, Hecht H, Krapp Cl, Miltner W. Acupuncture Decreases Somatosensory Evoked Potential Amplitudes to Noxious Stimuli in Anesthetized Volunteers. Anaesthesia & Analgesia 2004; 98: 141–147

[10] Bahr F. Einführung in die wissenschaftliche Akupunktur. München: MMV; 1998

[11] Bahr F. Ohrakupunktur (Stufe 2). München: Eigenverlag; 2000

[12] Bahr F. Systematik und Praktikum der wissenschaftlichen Ohrakupunktur für Fortgeschrittene (Stufe 3). München: Eigenverlag; 2004

[13] Bahr F. Systematik und Praktikum der wissenschaftlichen Ohrakupunktur für weit Fortgeschrittene (Stufe 4). München: Eigenverlag; 2004

[14] Bahr F. Die neuen Akupunkturpunkte zur Beeinflussung der Hirnnerven an der Hand. Der Akupunkturarzt/Aurikulotherapeut 2001; 4

[15] Strittmatter B, Strittmatter M. Lokalisationen auf der Ohrmuschel – zentrales, peripheres und autonomes Nervensystem. Der Akupunkturarzt/Aurikulotherapeut 1995; 3

[16] Strittmatter B. Verborgene Zahnstörfelder – häufiger Grund für „unerklärliche“ Therapieresistenz in der Akupunktur. Der Akupunkturarzt/Aurikulotherapeut 1997; 1 und 2

[17] Moser M, Dorfer L, Muhry F, Messerschmidt D, Frühwirth M, Bahr F. Untersuchungen zur Physiologie des Nogier-Reflexes. Der Akupunkturarzt/Aurikulotherapeut 1998; 2

[18] Strittmatter B. Der Störherd und seine Entstörung. 2. Aufl. Stuttgart: Hippokrates; 2005

[19] Nogier P. Lehrbuch der Aurikulotherapie. Sainte Ruffine. Maisonneuve: 1973

[20] Valsalva AM. De aure humana tractatus. 1707

[21] Yeh Hsiao-lin. Einführung in die Therapie der Ohrnadelung. Shanghaier Zeitschrift für chinesische Medizin; 1958

[22] Kollektiv der Arbeitsgemeinschaft für Ohrakupunktur der Stadt Shanghai. Die Therapie der akupunkturmäßigen Ohrnadelung. Ta-chung-i-hsüeh-Zeitschrift; 1959: 83

2 Anatomie/Reflexzonen am Ohr

Im Folgenden wird ein Überblick gegeben über die wichtigsten Ohrlokalisationen, aufgegliedert nach den verschiedenen Ohrarealen. Zum genauen Studium – und weil es auch in die Kitteltasche passt – empfehlen wir den Taschenatlas der Ohrakupunktur nach Nogier/Bahr []. Dort sind die Reflexpunkte nach Themengebieten einzeln besprochen, sehr detailliert in ihrer genauen Lage, ebenso sehr ausführlich in der Anwendung und den Einsatzmöglichkeiten. Während die nachfolgende Darstellung die Punkte für die einzelnen Ohrzonen beschreibt (Lobulus, Helix usw.) beschäftigt sich der Taschenatlas Ohrakupunktur systematisch mit einem anatomischen Thema (z. B. Orthopädie, Innere Medizin, Neurologie, Psychische Punkte), auch wenn die dazu gehörenden Punkte sich über mehrere Ohrzonen verteilen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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