Das habe ich nicht gewollt! - Viola Maybach - E-Book

Das habe ich nicht gewollt! E-Book

Viola Maybach

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Beschreibung

Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an. Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt. Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen. Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert. »Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du Mirko keine Spielzeugwaffen schenken sollst?« Aufgebracht stand Annalena Jordan vor ihrem Vater. »Ich will es nicht haben, und daran solltest du dich bitte halten!« Gerhard Jordan versuchte schon seit zehn Minuten vergeblich, seine Tochter zu beschwichtigen. »Jetzt mach doch deswegen nicht so ein Theater, Lena! Mirko wollte diese Laserpistole unbedingt haben, er hat wochenlang davon gesprochen, und du weißt doch, dass ich ihm nicht gut einen Wunsch abschlagen kann.« »Du bist sein Großvater, und ich bin die Mutter, richtig?« Gerhard nickte stumm. Dieses Mal regte sie sich noch mehr auf als sonst, er ahnte schon, was jetzt kommen würde. »Gut, und ich erziehe ihn. Ich halte Spielzeugwaffen für falsch und gefährlich, und ich will nicht, dass mein Sohn mit solchem Zeug aufwächst. Ich will auch nicht, dass er schon ein Smartphone bekommt – mit sieben! – und dass er Videospiele spielt, in denen es darum geht, seine Gegner möglichst reihenweise zu erledigen. Ich kämpfe darum, all diese Dinge so lange wie möglich einigermaßen von ihm fernzuhalten, bis er hoffentlich die Gründe für meine Haltung nachvollziehen kann. Jetzt ist er dafür noch zu jung, das ist mir schon klar. Er sieht nur, was andere haben, und das will er dann auch, deshalb diskutiere ich mit ihm darüber nicht mehr. Stattdessen muss ich jetzt mit dir diskutieren. Würdest du bitte aufhören, dich ständig in meine Erziehung einzumischen? Richte dich, auch wenn es dir nicht passt, endlich nach meinen Regeln! Es ist schon schwer genug heutzutage, einen Siebenjährigen allein aufzuziehen, da braucht man wahrhaftig keinen Großvater, der einem dauernd in den Rücken fällt.«

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Seitenzahl: 115

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Der neue Dr. Laurin – 22 –Das habe ich nicht gewollt!

Den kleinen Mirko plagt sein schlechtes Gewissen

Viola Maybach

»Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du Mirko keine Spielzeugwaffen schenken sollst?« Aufgebracht stand Annalena Jordan vor ihrem Vater. »Ich will es nicht haben, und daran solltest du dich bitte halten!«

Gerhard Jordan versuchte schon seit zehn Minuten vergeblich, seine Tochter zu beschwichtigen. »Jetzt mach doch deswegen nicht so ein Theater, Lena! Mirko wollte diese Laserpistole unbedingt haben, er hat wochenlang davon gesprochen, und du weißt doch, dass ich ihm nicht gut einen Wunsch abschlagen kann.«

»Du bist sein Großvater, und ich bin die Mutter, richtig?«

Gerhard nickte stumm. Dieses Mal regte sie sich noch mehr auf als sonst, er ahnte schon, was jetzt kommen würde.

»Gut, und ich erziehe ihn. Ich halte Spielzeugwaffen für falsch und gefährlich, und ich will nicht, dass mein Sohn mit solchem Zeug aufwächst. Ich will auch nicht, dass er schon ein Smartphone bekommt – mit sieben! – und dass er Videospiele spielt, in denen es darum geht, seine Gegner möglichst reihenweise zu erledigen. Ich kämpfe darum, all diese Dinge so lange wie möglich einigermaßen von ihm fernzuhalten, bis er hoffentlich die Gründe für meine Haltung nachvollziehen kann. Jetzt ist er dafür noch zu jung, das ist mir schon klar. Er sieht nur, was andere haben, und das will er dann auch, deshalb diskutiere ich mit ihm darüber nicht mehr. Stattdessen muss ich jetzt mit dir diskutieren. Würdest du bitte aufhören, dich ständig in meine Erziehung einzumischen? Richte dich, auch wenn es dir nicht passt, endlich nach meinen Regeln! Es ist schon schwer genug heutzutage, einen Siebenjährigen allein aufzuziehen, da braucht man wahrhaftig keinen Großvater, der einem dauernd in den Rücken fällt.«

»Aber das tue ich doch überhaupt nicht!«, protestierte Gerhard, obwohl ihre Worte natürlich ins Schwarze getroffen hatten. Er war im Schützenverein und hatte selbst Spaß am Schießen – auf Tontauben und Zielscheiben. Vor zehn Jahren war er sogar einmal Schützenkönig seines Vereins gewesen. Für ihn war Schießen ein unschuldiger Spaß – niemand, den er kannte, kam auf die Idee, seine Waffe für etwas anderes als den Freizeitsport zu benutzen.

»Natürlich tust du das! Du bringst Mirko dazu zu denken, dass Waffen etwas für Männer sind und dass Frauen davon nichts verstehen. Und dass Waffen etwas Erstrebenswertes sind. Wenn du ihm noch einmal so ein Geschenk machst, ist Schluss mit seinen Wochenenden bei euch, das garantiere ich dir. Ich finde auch eine andere Betreuungsmöglichkeit für ihn, wenn es sein muss.«

Annalenas Mutter Petra kam herein, sichtlich verstört. »Hört auf zu streiten«, bat sie.

»Dann soll Papa aufhören, Mirko Spielzeugwaffen zu schenken. Mit diesem blöden Laserschwert hat es angefangen, und jetzt sind wir schon bei Pistolen, die er ständig mit sich herumschleppt.«

»Das geht doch auch wieder vorbei, alle Jungs in dem Alter sind von Schwertern, Degen, Pistolen und Kanonen begeistert«, behauptete Gerhard, bei dem das jedenfalls vor über fünfzig Jahren so gewesen war. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich daran grundsätzlich etwas geändert hatte.

»Es gibt auch Jungs, die sich für andere Dinge interessieren«, widersprach Annalena, »es kommt nämlich auch darauf an, was ihre Eltern und Großeltern ihnen vorleben. Außerdem finde ich es respektlos von dir, Papa, dass du dich ständig meinen Wünschen widersetzt. Also sage ich es dir hiermit noch einmal ganz deutlich: Wenn du damit nicht aufhörst, seht ihr Mirko in Zukunft nur noch, wenn ich dabei bin – und das auch sehr viel seltener als bisher.«

Es war das erste Mal, dass sie eine solche Drohung ausstieß, und das blieb nicht ohne Wirkung. Ihrer Mutter Petra, die immer auf Ausgleich und Harmonie bedacht war, traten Tränen in die Augen, während Gerhard zunächst einmal sprachlos war. »Also, jetzt übertreibst du aber wirklich«, sagte er schließlich. »Du tust ja gerade so, als hätte ich ein Kapitalverbrechen begangen.«

»Nein, das tue ich nicht. Ich sage dir nur endlich einmal ganz deutlich, dass du meine Vorgaben missachtest und meine Autorität untergräbst. Mirko weiß ganz genau, dass ich solches Spielzeug nicht schätze, aber weil du es ihm trotzdem kaufst, denkt er, dass meine Meinung nicht zählt, dass sie nicht wichtig ist. Und das drückt sich unter anderem darin aus, dass er auch andere Verbote, die ich ausspreche, nicht ernst nimmt. Du arbeitest gegen mich, Papa, und ich nehme das nicht länger hin.«

Annalena stand auf, sie fühlte sich erschöpft, war aber trotzdem zufrieden, dass sie endlich deutlich ausgesprochen hatte, was schon seit vielen Wochen in ihr arbeitete. Sie hatte mit ihren Freundinnen darüber diskutiert, mit Mirkos Klassenlehrerin, mit seiner Ärztin, Frau Dr. Laurin – alle hatten ihr im Prinzip das Gleiche gesagt: Sie war verantwortlich für ihren Sohn, also trug sie auch die Verantwortung dafür, mit welchen Werten er aufwuchs. »Denkt darüber nach«, sagte sie. »Ich gehe jetzt.«

Sie wandte sich zur Tür, wurde aber von der Stimme ihrer Mutter noch einmal aufgehalten. »Aber ich dachte, du holst Mirko ab, und dann essen wir hier zusammen.«

Noch einmal drehte sich Annalena um. »Heute nicht, Mama, ich bin müde«, sagte sie, und dann ging sie.

Das Gespräch – falls man es so nennen konnte, denn eigentlich hatte ja nur sie geredet – war anstrengend für sie gewesen. Ihr Vater war für Mirko ein toller Großvater, das wusste sie. Er ließ sich immer etwas einfallen, was er mit seinem einzigen Enkel unternehmen konnte, die beiden waren ein Herz und eine Seele. Hätte es nicht diesen einen Punkt gegeben, über den sie sich nicht einigen konnten, wäre alles gut gewesen.

Aber ihr Vater hatte nun einmal zu Waffen ein vollkommen anderes Verhältnis als sie. Er war früher auch auf die Jagd gegangen, das immerhin tat er nicht mehr. Sie hatte ihn einmal begleitet und war in Tränen ausgebrochen, als er einen Hirsch geschossen hatte und darüber stolz und glücklich gewesen war. Heute hatte sie zur Jagd ein anderes Verhältnis, aber ihr Entsetzen über das, was Waffen anrichten konnten, war geblieben. Mirko war gerade erst auf die Welt gekommen, als sie sich schon geschworen hatte, er werde mit Büchern und Holzspielzeug aufwachsen.

Das hatte freilich überhaupt nicht geklappt, nicht nur wegen ihres Vaters. Mirko war von Anfang an ein Draufgänger gewesen, immer in Bewegung. Er hatte gern gerauft, war auf Spielplätzen durch besonders waghalsige Klettertouren aufgefallen und hatte das Holzspielzeug unbeachtet in der Ecke liegen lassen. Abends im Bett wollte er eine Geschichte hören, da durfte sie ihm vorlesen, aber nur, wenn die Geschichte spannend war. Tagsüber fand er Bücher langweilig, nicht einmal als ganz kleiner Junge hatte er sich Bilderbücher ansehen wollen. Stattdessen spielte er Fußball, lernte schon mit vier schwimmen, raste auf seinem Kinderfahrrad die Gehwege entlang und lernte seit neuestem Karate. Das immerhin diente der Selbstverteidigung, dagegen hatte Annalena keine Einwände erhoben.

Aber dann hatte ihr Vater angefangen, ihm die Art von Spielzeug zu schenken, von der Mirko sprach, seit er in die Schule gekommen war. Seltsam, das fiel ihr erst jetzt auf, da sie auf dem Heimweg war: Im Kindergarten war das noch kein Thema gewesen. Aber in der Schule war er dann offenbar mit Kindern zusammengekommen, die zu Hause ein Zimmer voller Spielzeugwaffen und auch entsprechende Spiele hatten. Und bei ihrem Vater waren seine immer deutlicher zum Ausdruck gebrachten Wünsche auf bereitwilliges Entgegenkommen gestoßen …

Nachdem sie auf die Uhr gesehen hatte, beschleunigte sie ihre Schritte. Es war Montag, ihr freier Tag, den sie für dieses Gespräch mit ihren Eltern, vor allem ihrem Vater, genutzt hatte, aber jetzt musste sie sich beeilen, denn Mirko würde bald aus der Schule kommen. Eingekauft hatte sie bereits, aber sie musste noch kochen.

Annalena war Friseurin, und sie liebte ihren Beruf. Ihre Chefin war zum Glück noch eine ›vom alten Schlag‹. Sie hatte den Salon behutsam modernisiert, war aber nicht auf den Zug aufgesprungen, alle Dienstleistungen superbillig anzubieten. Im Gegenteil: Sie verlangte ziemlich viel Geld, bot dafür aber auch eine Menge, wie Annalena fand. Sie selbst hatte ihre Meisterprüfung gemacht, und sie nahm regelmäßig an Schulungen teil, bei denen man die neuesten Schnitttechniken lernte und neue Pflegeprodukte ausprobieren konnte. Die Bezahlung war auch in Ordnung. Reich wurde man in dem Beruf nicht, aber sie kam gut zurecht, zumal viele ihrer Kundinnen und Kunden großzügige Trinkgelder gaben.

Um ihren Rücken zu entlasten hatte sie angefangen zu joggen, und sie machte Yoga. Das war ihr zunächst seltsam vorgekommen, sie fand viele von den Stellungen albern, aber mit der Zeit war ihr aufgegangen, dass es ihrem Körper guttat, wenn sie ihm regelmäßig eine Stunde ihrer Zeit widmete, in der sie nichts anderes tat, als zu atmen und sich in ruhigen, fließenden Abläufen zu bewegen.

Sie hätte also, dachte sie, als sie ihre Wohnung betrat, glücklich sein können – wäre nicht der Ärger mit ihrem Vater gewesen, der mit der Zeit immer größer geworden war, und hätte sie einen Partner gehabt. Ihr fehlte ein Gegenüber in ihrem Leben, jemand, mit dem sie ihren Alltag teilen konnte. Jemand, der sie in den Arm nahm, wenn sie es brauchte und der morgens neben ihr aufwachte. Jemand für die Liebe, für Zärtlichkeit, für all die unerfüllten Sehnsüchte, die im Frühling besonders stark zu werden schienen. Und, natürlich, fehlte in ihrer Minifamilie ein Mann, der auch für Mirko ein Leitbild hätte sein können.

Sie seufzte. Jetzt war sein Opa Mirkos Vorbild, womit sie im Großen und Ganzen einverstanden war, bis auf ihren Streitpunkt. In Bezug darauf wollte sie ganz bestimmt nicht, dass Mirko seinem Großvater nacheiferte.

Im Flur sah sie sich im Spiegel und hielt kurz inne. Wie grimmig sie aussah! Rasch zauberte sie ein Lächeln in ihr Gesicht, fuhr sich einmal schnell mit beiden Händen durch die dichten braunen Locken und schüttelte sie. Schon besser.

Sie ging in die Küche, packte die Einkäufe aus und machte sich daran, das Essen vorzubereiten. Spätzle mit Eiern und Käse, dazu Tomaten-Gurken-Salat. Zum Glück war Mirko, was das Essen anging, ein völlig problemloses Kind. Es gab kaum etwas, das ihm nicht schmeckte.

Sie war gespannt, was er heute für Neuigkeiten aus der Schule mitbrachte.

*

»Meine Mama ist ausgerastet«, berichtete Mirko. »Sie hat die Pistole gesehen und wollte sie am liebsten aus dem Fenster werfen, dabei hatte ich sie mir so gewünscht. Das wusste mein Opa.«

»Aber sie hat sie nicht aus dem Fenster geworfen, oder?«, erkundigte sich Mirkos Freund Andrea Batello besorgt.

Andreas Name hatte in der Schule zunächst für Heiterkeit gesorgt. »Das ist doch ein Mädchenname«, hatte jemand gerufen, als die Lehrerin ihn vorgestellt hatte. »Du kannst nicht wie ein Mädchen heißen!«

»In Italien ist es ein Name für Jungen«, hatte Andrea geantwortet, »und da kommen meine Eltern her. Mein Opa heißt Andrea, mein Papa – und jetzt ich.«

Das war den Kindern damals neu gewesen, aber sie hatten sich schnell daran gewöhnt. Andrea war Mirkos bester Freund geworden, weil sie viele gemeinsame Interessen hatten. Spielzeugwaffen gehörten dazu. Andreas Mama schien bislang nichts dagegen zu haben.

»Nee, natürlich nicht, aber sie hätte es am liebsten getan, das konnte ich ihr ansehen. Ich habe die Pistole ein bisschen versteckt, damit sie sie nicht dauernd sieht und sich immer von neuem darüber aufregen kann. Zuerst hatte ich Angst, dass sie sie mir wieder wegnehmen will, deshalb habe ich gleich Theater gemacht, damit sie gar nicht erst auf die Idee kommt.«

Andrea blieb stehen. »Aber wieso hat sie überhaupt was dagegen? Ich verstehe das nicht. Wie sollen wir denn Sternenkrieger spielen, wenn wir keine Schwerter und Degen und Pistolen haben?«

»Weiß ich auch nicht. Ich glaube, es liegt daran, dass es früher, als sie noch ein Kind war, solche Sachen nicht gab. Deshalb ist sie nicht daran gewöhnt.«

»Aber dein Opa doch auch nicht«, gab Andrea zu bedenken. »Und der ist noch älter als deine Mama.«

Mirko dachte kurz über diesen Einwand nach, dann wusste er, wie er ihn entkräften konnte. »Ja, aber er ist ein Mann, deshalb hat er dafür mehr Verständnis«, sagte er.

Andrea nickte, sie waren sich einig, wie meistens.

Als sie die Ecke erreicht hatten, an der sich ihre Wege trennten, stellten sie sich in Kampfhaltung gegenüber, machten ein paar Karateschritte, stießen Kampfschreie aus und lachten sich kaputt, als eine ältere Frau sie ermahnte, ihre Streitigkeiten friedlich auszutragen.

»Wir spielen doch nur!«, sagte Mirko. »Bis nachher, Andrea.«

»Ciao!« Andrea rannte los und war gleich darauf nicht mehr zu sehen, Mirko ließ sich mehr Zeit.

Die ältere Frau ging kopfschüttelnd weiter.

*

»Alles in bester Ordnung, Frau Brüggemeier«, sagte Dr. Leon Laurin, nachdem er Luise Brüggemeier untersucht hatte, die zu den älteren Patientinnen gehörte, die er in seiner gynäkologischen Sprechstunde betreute.

Er war nach wie vor in seinen beiden medizinischen Fachrichtungen, der Chirurgie und der Gynäkologie tätig, obwohl er seit dem Rückzug seines Schwiegervaters aus der Kayser-Klinik auch noch deren Leitung übernommen hatte. Aber da er mit einem ausgezeichneten Team zusammenarbeitete und verschiedene Aufgaben an andere abgegeben hatte, fühlte er sich nicht überfordert, im Gegenteil: Noch immer fand er, dass seine so unterschiedlichen Arbeitsgebiete einander befruchteten.

»Der Abstrich ist auch unauffällig.«

Luise Brüggemeier atmete auf. »Da bin ich aber froh, Herr Doktor«, sagte sie. »Mir reicht meine eine Baustelle.«

»Ihr Herz?«, fragte er.

Sie nickte stumm.

»Ich dachte, die neuen Medikamente gegen das Vorhofflimmern hätten gut angeschlagen.«

»So war es ja auch am Anfang, aber letzte Nacht ging es schon wieder los. Dann stolpert das Herz, und ich habe das Gefühl: Gleich setzt es ganz aus.«

»Und dann bekommen Sie Panik.«

»Ja. Ich versuche zwar, mich selbst zu beruhigen, aber das gelingt nicht immer.«

»Dann machen Sie bitte einen Termin bei den Kardiologen und lassen sich noch einmal untersuchen. Sie haben doch auch Ablagerungen in Ihren Halsschlagadern. Wann sind die zum letzten Mal kontrolliert worden?«

Ihr Blick war schuldbewusst, als sie gestand: »Das ist schon eine Weile her. Sie wissen ja, ich habe bei jedem Arztbesuch Angst, dass wieder etwas entdeckt wird, deshalb schiebe ich solche Termine gerne auf.«

»Was ziemlich dumm ist, aber das wissen Sie natürlich.«