Das Haus der Offenbarung - Lilly Leev - E-Book

Das Haus der Offenbarung E-Book

Lilly Leev

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Beschreibung

»Überlege es dir gut, ob du es wirklich tust.« Kurz nach dem Tod seiner Mutter erhält John von seinem Vater eine Holztruhe mit mysteriösem Inhalt. John fördert nicht nur alte Fotografien, Kindermalereien und nie verschickte Briefe ans Licht, sondern auch das Tagebuch einer unbekannten Frau, das ein Geheimnis offenbart, welches eng mit Johns Leben verknüpft ist. Gemeinsam mit seiner Freundin reist er nach Australien, um dort nach der Wahrheit zu suchen. Das Buch ist eine Neuveröffentlichung, das 2016 unter dem realen Namen der Autorin bereits erschienen ist.

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Über die Autorin

Lilly Leev

DAS HAUS DER

OFFENBARUNG

Australien-Roman

Das Zitat am Ende von Kapitel 2 ist von Jean Antoine Petit-Senn

Bei dem Buch handelt es sich um eine Neuauflage von »Das Haus der Offenbarung« von Jessica Pietschmann aus dem Jahr 2016. Bei Lilly Leev handelt es sich um ein Pseudonym der Autorin.

© 2016 / 2023 Jessica Pietschmann Weidacher Hauptstr. 6

82515 Wolfratshausen

Covergestaltung: © 2023 Jessica Pietschmann

Lektorat: Nico Pietschmann

Für meinen Seelenmann Nico

Inhalt

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Über die Autorin

1

Neuseeland, Christchurch

April 2015

Im Schein der Nachttischlampe griff sie erneut zu einem Blatt Papier. Es lagen mittlerweile zehn zerknüllte Blätter auf dem antiken Sekretär. Mit einer fahrigen Bewegung strich sie sich durch ihr graues kurzes Haar, bevor sie langsam begann, den Brief an ihren Sohn neu zu formulieren.

12. April 2015

Lieber John,

ich weiß nicht, wie ich dir alles erklären soll. Ich weiß auch nicht, ob ich es dir erklären soll. Es ist so viel Zeit vergangen und eigentlich ist es nicht wichtig. Doch aus irgendeinem Grund, habe ich trotz allem ein schlechtes Gewissen – dir und auch mir gegenüber.

William ist der Meinung, dass du jetzt alt genug bist, um es zu erfahren und auch gescheit genug, um zu unterscheiden, was gut und was schlecht war. Sicherlich hat er da recht.

»Ach, ich kann das nicht!« Sie nahm das Papier und knüllte es zusammen. Während sie es in ihrer knochigen Hand festhielt, starrte sie aus dem Fenster in die Dunkelheit. Kein Stern war am Himmel zu sehen, aber das nahm sie gar nicht wahr. Sie dachte an ihren Sohn. Sie hatte Angst, mit der Beichte einen noch größeren Fehler zu begehen als den, den sie in der Vergangenheit begangen hatte.

Traurig stand sie auf. Dabei musste sie sich mit all ihrer Kraft am Tisch abstützen. Ihre alten Knochen schmerzten sehr. Sie hatte zu lange auf dem Stuhl gesessen, ihre Beine waren ganz steif geworden. Ihr Bett sah sehr einladend aus mit dem weichen Federkopfkissen. Liebevoll sah sie ihren Mann an, der schon tief und fest schlief. Lediglich sein ruhiges Atmen war zu vernehmen. Sie schlug ihre Bettdecke zurück und stieg in das hohe Bett. Dann löschte sie das Licht. Es dauerte einige Zeit, bis sie richtig und gemütlich lag, so dass die Knochen nicht zu sehr schmerzten.

Noch einmal dachte sie an ihren Sohn, der nur einige Zimmer weiter schlief.

»Wie soll ich es dir nur sagen? Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich es nicht schon früher getan habe. Aber ich glaubte immer, du würdest mich hassen, wenn du es erfährst. Und das ist das Letzte, was ich will. Ich will nicht mein restliches Leben lang wieder nur mit Verachtung begutachtet werden«, murmelte sie leise vor sich hin.

Dann schloss sie die Augen und fiel in einen unendlich tiefen Schlaf.

2

Es regnete. Die dunklen Wolken passten sich der Beerdigung an. Traurig und trostlos hingen sie am Himmel. Auf dem Barbadoes-Street-Friedhof in Christchurch stand eine kleine Trauergemeinde im Nieselregen an der Gruft der Familie Spencer. Die alte Dame Gabriele McAlester-Spencer war vor einigen Tagen plötzlich und unerwartet friedlich eingeschlafen. Nun wurde sie von ihrem Sohn John, ihrem Mann William und einigen guten Freunden der Familie auf ihrer letzten Reise begleitet.

John stützte seinen Stiefvater. William sah gebrechlich aus und wirkte um Jahre gealtert. Der Verlust seiner Frau brach ihm das Herz. John tat es mehr weh, William so zu sehen, als es der Tod seiner Mutter tat. Er hatte zu viel mit den Vorbereitungen der Beerdigung und der Versorgung von William zu tun gehabt, so dass er die Trauer noch nicht zulassen konnte. Die Beileidsbekundungen nahm er zwar wahr, doch sie prallten an ihm ab. Es war für ihn jetzt wichtiger, für den alten Mann da zu sein. Höflichst bat er die Anwesenden um Verständnis, dass die Trauerfeier ohne ihn und William stattfinden würde. William bräuchte Ruhe. John hatte Angst, dass die ganze Aufregung einen erneuten Herzinfarkt bei William auslösen würde. Und so schnell wollte er nicht wieder jemanden beerdigen müssen.

Sein ganzes Leben lang hatte er immer die Unterstützung seiner Eltern gehabt, so dass jetzt die Zeit gekommen war, das ganze umzukehren. Jetzt war John an der Reihe zu geben.

Ein paar Tage später traf seine Stiefschwester Catrina mit zwei großen Koffern ein. Sie hatte John sofort ihre Hilfe zugesagt, als sie von Gabrieles Tod erfuhr. Sie war im Urlaub gewesen und war erst spät abends am Abend der Beisetzung nach Hause gekommen. Catrina wollte die Pflege ihres Vaters von nun an übernehmen.

»Weißt du, John, du hast dein Leben noch vor dir. Du bist noch jung. Du musst einfach an dein Studium denken. Ich habe zwar eigentlich auch etwas anderes vorgehabt, aber besser ich versauere hier, als dass du nicht weiterkommst im Leben«, sagte sie zu ihm, als sie ihn fest in den Arm nahm und an sich drückte.

John warf seiner Schwester einen dankbaren Blick zu und beauftragte die Haushälterin Louisa das Gästezimmer herzurichten, da Catrina vorerst in die Villa einzog. Sie wohnte drei Stunden entfernt, so dass es ihr nicht möglich war, mehr als einmal wöchentlich vorbeizukommen. Da sie selbst allein lebte und ihre erwachsene Tochter ihre Hilfe nicht ständig benötigte, war es für sie selbstverständlich, ihrem Bruder unter die Arme zu greifen. Außerdem wollte sie selbst noch Zeit mit ihrem Vater verbringen. Denn wer wusste schon, wie lange er noch leben würde.

»Ich bin gerade das erste Mal in meinem Leben darüber begeistert, dass meine Stiefschwester dreißig Jahre älter ist als ich«, verriet John am Abend seiner Freundin beim Essen. Auf seinem Gesicht lag ein leichtes Grinsen.

Jill verdrehte die Augen. »John, hör auf! Ich finde es immer wieder seltsam mit deinen Familienverhältnissen. Ich weiß nicht, ob ich mich jemals daran gewöhnen werde.« Bedeutungsvoll legte sie ihre Gabel hin. »Deine Mutter war sechzig, als sie dich bekommen hat! Sechzig! Ich frage mich ehrlich, wie das passieren konnte. Ich habe noch nie zuvor davon gehört, dass eine so alte Frau noch schwanger werden kann und dann sogar einen gesunden Jungen zur Welt bringt. Und nachdem dein Vater gestorben war, heiratet sie nicht mal ein Jahr später einen Mann, der schon eine dreißigjährige Tochter hatte. Das ist doch nicht normal.« Sie schüttelte den Kopf und sah John an, dass er wütend wurde. »Jetzt reg dich bitte nicht auf, John.«

»Und ob ich mich aufrege! Glaubst du nicht, dass es langsam reicht, Jill? Wie oft willst du mir noch erzählen, dass meine Mutter schon so alt war? Ich weiß das selbst! Ich wurde in der Schule damit aufgezogen, bei meiner Oma zu leben. Später hieß es sogar sie wäre meine Uroma! Mein Gott! Es reicht! Lasst es doch einfach ein für alle Mal gut sein! Sie war meine Mutter! Und es ist verdammt nochmal egal, wie alt sie war. Ich glaube, ich bin weitaus besser erzogen worden als einige Jungs und Mädels, die junge Mütter haben. Meine Mutter war alles für mich! Egal wie alt sie war! Ich kann jetzt wenigstens sagen, sie ist in hohem Alter friedlich gestorben. 85 wird schließlich auch nicht jeder.« Nachdem er Jill erst vor Wut angeschrien hatte, fing er jetzt hemmungslos an zu weinen.

»Endlich!« murmelte Jill und ging zu ihrem Freund, um ihn tröstend in den Arm zu nehmen. Behutsam streichelte sie John über den Rücken.

Endlich begann John, um seine Mutter zu trauern.

Es tat Jill einerseits leid, dass sie John wieder auf das leidige Thema angesprochen hatte, mit dem er seit Beginn der Schulzeit leben musste, doch war sie andererseits froh, ihn wütend gemacht zu haben. So ließ er jetzt endlich seine Gefühle zu.

Kurz bevor die beiden schlafen gingen, hob Jill einen Zettel auf, der John anscheinend aus der Tasche gefallen war. Sie faltete den Zettel auseinander und nun schossen auch ihr wieder Tränen in die Augen.

»Der Tod einer Mutter ist der erste Kummer, den man ohne sie beweint.«

3

Am nächsten Tag rief William seinen Stiefsohn zu sich. Der alte Mann lag in seinem Bett. Er sah John mit müden Augen an und stammelte, er solle sich zu ihm setzen. Catrina brachte den beiden Tee und verließ mit den Worten »Dad, überlege es dir gut, ob du es wirklich tust!« den Raum.

»Was tust?« fragte John William irritiert.

William nippte langsam an seinem Tee und blickte auf das Bild von seiner verstorbenen Frau, das vor ihm im Bett lag. Es war ein schönes Portrait aus längst vergangener Zeit.

John wusste, bei dem alten Mann war Geduld angesagt. Und normalerweise besaß er diese auch. Doch heute wollte er sofort alles wissen. Er spürte eine Unruhe in sich, die er sich selbst nicht erklären konnte.

»Dad? Bitte sag mir, was los ist.« Er nahm William die Tasse ab, die dieser ihm mit zittrigen Händen übergab.

»Immer mit der Ruhe, John.« Vorsichtig hielt er das Portrait seiner Frau fest und blickte es liebevoll an. Zärtlich strich er ihr über die Wangen.

John rutschte ungeduldig auf seinem Stuhl hin und her und räusperte sich. William wandte sich nun endlich zu ihm hin. Mit heiserer Stimme begann er zu erzählen. Dinge, auf die sich John keinen Reim machen konnte.

»John, ich habe vor fünfundzwanzig Jahren eine Frau kennengelernt. Sie hieß Eleonore. Eleonore Malony. Sie war eine wunderschöne Frau.« Ein Strahlen machte sich in seinen Augen breit. »Ich traf sie in Melbourne. Weißt du, wo das liegt, John?«

John nickte. »Sicher. In Australien. Was wolltest du dort?«

»Richtig, richtig, mein Sohn. In Victoria genauer gesagt. Ich war dort zu einem Geschäftsessen. Ich traf mich mit einem wichtigen Mann der größten Bank Australiens. Dort sah ich sie. Sie war mit einem Mann dort, der sie zu langweilen schien. Als sie für einen Augenblick allein dort saß, ging ich zu ihr hinüber und bat sie, mit mir abends etwas trinken zu gehen.«

»War das, bevor du Mum kennengelernt hast?«

»Das war zur selben Zeit. Durch Elly lernte ich sie kennen.« William brach ab und sah wieder auf das Foto von Gabriele.

Auch John blickte in das schöne Gesicht seiner Mutter. Es versetzte ihm einen Stich im Herzen, als er das warmherzige Lächeln von ihr wahrnahm. Es tat ihm weh zu wissen, dass sie nie wieder vor ihm stehen und ihn anlächeln würde. Ihm kam es so vor, als sei es erst gestern gewesen, dass er sich als kleiner Junge das Knie aufgeschlagen hatte und Gabriele ihm mit einem Lächeln auf den Lippen gesagt hatte: »Das wird schon wieder, John«. Immer wenn ihm später jemand diesen Satz sagte, sah er seine Mutter mit ihrem wunderschönen Lächeln vor seinen Augen.

John strich liebevoll über das Gesicht auf dem Foto und wartete darauf, dass William mit seiner Erzählung fortfuhr. Doch der alte Mann schien ebenfalls in Gedanken verloren zu sein. Es wirkte auf John so, als ob er gerade in die Vergangenheit gereist war, um das erste Treffen mit Gabriele noch einmal zu durchleben.

Doch John wollte unbedingt wissen, wie es weiterging. Ungeduldig forderte er seinen Stiefvater auf weiter zu erzählen.

»Und? Ist diese Eleonore abends erschienen? Hatte sie Mum mitgebracht?«

»Nein.« Ein zaghaftes Lächeln umspielte Williams Mund. »Nein, John, deine Mutter kam allein.«

John musste grinsen. William war anscheinend ein Aufreißer gewesen, trotz seines damals schon fortgeschrittenen Alters.

»John, ich weiß nicht genau, wie ich dir das alles erzählen soll, also wie alles zusammenhängt. Und du weißt, ich kann auch nicht mehr so viel auf einmal reden.« Es stimmte, William war sehr heiser und dadurch schlecht zu verstehen.

»Ja, aber was möchtest du mir denn erzählen? Und warum meinte Catrina, du sollst dir gut überlegen, ob du es tust?«

Anstatt zu antworten, wies William mit seiner Hand auf eine große Holztruhe, die John nie zuvor in seinem Leben gesehen hatte.

»Nimm sie bitte mit in dein Zimmer. Dort findest du alles, was du wissen musst. John, ich möchte mich schon mal dafür entschuldigen, dass du es nie von Gabriele selbst erfahren hast. Sie wollte es dir wirklich sagen. Sie wollte es in einem Brief erklären. Sie hat am Abend bevor sie starb unzählige Male versucht, einen Brief zu verfassen. Und nun nimm die Truhe und geh bitte. Ich möchte allein sein.«

John sah seinen Stiefvater irritiert an. Er wusste genau, ihm jetzt noch eine Frage zu stellen, war zwecklos. Er würde ohnehin nicht antworten. Also ging John samt der Holztruhe hinaus.

4

Obwohl John sich auf eine Prüfung vorbereiten musste, wollte er erst einen Blick in die geheimnisvolle Truhe werfen. Knarrend gaben die alten Scharniere nach, als er den Deckel anhob. Obenauf lagen ein paar sehr alte Strampler. John nahm sie heraus und musterte sie. In einigen waren an den Innenseiten Namen eingestickt. Zwei Namen: Daniel und Michael. Sorgfältig faltete er die Strampler wieder zusammen und legte sie beiseite.

Als nächstes hob er einen Stapel mit alten Briefen heraus. Sie waren alle ungeöffnet. John sah sie sich genauer an. Alle waren an diese beiden Namen adressiert.

Daniel Malony und Michael Malony

High Farm

Red Cliffs

Victoria/Australien

An diese Adresse sollten die Briefe gesendet werden. Sie waren frankiert, jedoch nie verschickt worden. John drehte den Stapel um, um den Absender ausfindig zu machen.

Eleonore Malony, Christchurch, Neuseeland stand dort, aber nicht, wo genau diese Eleonore gewohnt hatte. Stirnrunzelnd legte John die Briefe zu den Stramplern und fragte sich, warum jemand so viele Briefe schrieb, Briefmarken darauf klebte, aber sie nie weggeschickt hatte.

In der Truhe lagen nun noch einige Fotos, ein paar Bilder, die von Kindern gemalt wurden und ein sehr dickes Lederbuch. John sah sich zuerst die gemalten Bilder an. Auf den meisten standen in irgendeiner Ecke wieder die Namen: Daniel und Michael. Eines zeigte zwei kleine Jungs und zwei Erwachsene vor einem Schloss.

---ENDE DER LESEPROBE---