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Das Kamasutram, ein Klassiker der indischen Literatur, ist weit mehr als nur ein Handbuch der Erotik – es ist ein kulturhistorisches Dokument über das menschliche Streben nach Harmonie in Liebe, Beziehungen und sinnlichem Leben. Verfasst im dritten Jahrhundert unserer Zeitrechnung vom indischen Philosophen Vatsyayana, dient das Werk bis heute als Inspirationsquelle für Menschen, die ihre Beziehungen bewusst, respektvoll und erfüllend gestalten möchten. Seine Bedeutung liegt nicht nur in der Vielfalt der beschriebenen Liebespraktiken, sondern vor allem in der philosophischen Tiefe, mit der es das Gleichgewicht zwischen geistigem, emotionalem und körperlichem Leben thematisiert. Diese Ausgabe enthält die originalen Illustrationen des ehrwürdigen Textes, welche die Beschreibungen und Anleitungen visuell ergänzen und das Verständnis der symbolischen wie praktischen Aspekte erheblich vertiefen. Im Zentrum des Werkes stehen keineswegs nur körperliche Techniken, sondern vielmehr ein ganzheitlicher Zugang zur Liebe. Das Kamasutram gliedert sich in sieben Abschnitte und behandelt Themen wie Partnerwahl, Beziehungspflege, Rollenvorstellungen, gesellschaftliche Etikette und natürlich auch körperliche Vereinigung. Es ist zugleich ein Spiegel der damaligen indischen Gesellschaft und ein Zeugnis dafür, wie tief verwurzelt der Gedanke war, dass Sexualität und Liebe nicht im Widerspruch zur spirituellen Entwicklung stehen. Seine Ausgewogenheit zwischen Ethik und Sinnlichkeit, Disziplin und Lust, hat Generationen von Lesern fasziniert und beeinflusst. In der westlichen Welt wurde das Werk im 19. Jahrhundert durch Übersetzungen bekannt, oft skandalisiert, aber ebenso häufig als Ausdruck einer aufgeklärten Sexualkultur rezipiert. Seine nachhaltige Wirkung reicht bis in die Gegenwart: In der Paartherapie, der Sexualpädagogik oder als Quelle alternativer Lebensentwürfe findet das Kamasutram noch immer Anwendung. Auch in Kunst, Film und Literatur hat es Spuren hinterlassen – nicht zuletzt durch seine ikonischen Illustrationen, die als künstlerisches Kulturgut gelten. Das Kamasutram ist damit nicht nur ein Buch über Sexualität, sondern ein philosophisch fundiertes Plädoyer für gegenseitigen Respekt, Aufmerksamkeit und Genuss in zwischenmenschlichen Beziehungen. Es bleibt ein einzigartiger Text, der über Jahrtausende hinweg Menschen inspiriert hat – und es noch immer tut.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Das Kāmasūtram des Vātsyāyana ist hier von einigen wahrlich in irriger Weise zur Sprache gebracht worden; deshalb will ich dazu einen Kommentar mit dem Titel Jayamaṅgalā schreiben, nachdem ich mich vor dem Allwissenden verneigt habe.
Hier (in Indien) gibt es vier Kasten, die der Brahmanen usw., und vier Lebensstufen: den Brahmanenschüler, den Hausherrn, den Einsiedler und den Bettler. Dabei gilt für die Hausherren unter den Brahmanen usw. das dreifache Lebensziel1, da ihnen die Erlösung (von den Banden der Welt) noch nicht erwünscht ist, und zwar ist dabei nach der Meinung der Liebeskundigen die Liebe als Ergebnis von Frömmigkeit und Erwerb das erhabenste Ziel und die Krone des Ganzen. In der Überzeugung nun, daß sie ohne Hilfsmittel nicht entsteht, hat der Meister Mallanāga2, um diese Mittel anzugeben, vorliegendes Lehrbuch verfaßt, indem er sich dabei den Meinungen älterer Lehrer anschloß. – Muß man aber nicht die in den Lehrbüchern niedergelegten (Satzungen über) Frömmigkeit und Erwerb annehmen, da sie die Liebe ergeben? Gewiß! Aber wiewohl die Liebe aus ihnen sich ergibt, erfordert sie doch andere Regeln, da ihr Wesen in der fleischlichen Verbindung besteht: diese erfordert Regeln, die Kenntnis dieser jedoch schöpft man aus dem Kāmaśāstra, nicht aber aus den Lehrbüchern über Frömmigkeit und Erwerb. Der Verfasser hat ja auch weiter unten den Leitsatz: »Da die Liebe in der fleischlichen Vereinigung von Mann und Frau besteht, verlangt sie Regeln, und diese lernt man aus dem Kāmasūtra.« Hier sind also diese Mittel zu nennen: die Angabe derselben ist der Zweck, den das Lehrbuch der Liebe verfolgt. Wie sollte man anders aus dem Lehrbuche lernen? Leute aber, die das Lehrbuch nicht studiert haben, können die Kenntnis der Mittel, die darin enthalten sind, erlangen, wenn sie sich von anderen unterrichten lassen; denn von selbst kommt sie nicht. Wenn aber doch fremder Unterricht stattfindet, warum wird dann das Lehrbuch selbst nicht anerkannt? Gleicht doch auf diese Weise die Kenntnis der Mittel den Buchstaben, die ein Holzwurm dargestellt hat! Denn dann weiß man nicht, was man tun und lassen soll, um richtig zu handeln; und dann geschieht es, daß bei der Fülle von Regeln von solchen Lebemännern nichtzünftige Schöne für zünftige angesehen werden. Und so heißt es denn: »Wenn einem, der das Lehrbuch nicht kennt, einmal etwas glückt, so ist das nicht hoch anzuschlagen, sowenig wie ein von dem Holzwurme gebildeter Buchstabe.«
Wenn nun auch manche, die das Lehrbuch der Liebe kennen, bei ihren Unternehmungen wenig beholfen sind, so liegt die Schuld eben an ihnen und nicht am Lehrbuche. Wo die Erkenntnis mangelhaft ist, sind die Lehrbücher ja überall gleich wertlos: nicht alle, die sich in den Lehrbüchern über Heilkunde usw. auskennen, denken nun auch an bekömmliches Essen usw. Darum haben diejenigen ihre Förderung dem Lehrbuche zu verdanken, die voller Lernbegier zugleich liebevoll daran glauben.
Nun sagt der Verfasser, in der Meinung, daß, nachdem er zuerst die Gottheit angerufen habe, dann die Abfassung des Buches in ungehemmtem Laufe vor sich gehe:
Dem Dharma, Artha und Kāma Verneinung!
Hier findet kein unregelmäßiges Vorangehen eines Wortes vor dem anderen statt, wiewohl Artha (nach Pāṇini), als mit einem Vokal anfangend und schließend, voranstehen müßte: denn Dharma gilt mehr. Der Verfasser sagt ja später: »Immer das Vorangehende ist das Wichtigere.«
Warum nun ruft er diese an, da es doch noch andere Gottheiten genug gibt? Das erklärt er:
Weil sie in dem Lehrbuche immer wiederkehren.
Eine Regel lautet: »Bei der Behandlung von zur Sache gehörenden und nicht zur Sache gehörenden Gegenständen gilt die Erfassung des zur Sache gehörenden Gegenstandes als das Wichtigste.« Und wie in diesem Lehrbuche hier die Liebe als Lebensziel in den Vordergrund gestellt ist, so durch ihre Vermittlung auch Frömmigkeit und Erwerb: denn wer nach den dort gegebenen Regeln lebt, erreicht die Dreizahl der Lebensziele. So sagt der Verfasser auch später: »Die Dreizahl soll man zu erreichen suchen, eines an das andere anknüpfend. So ergeben sich mit einer ebenbürtigen Frau, die noch keinem anderen angehört hat und dem Lehrbuche gemäß erlangt worden ist, Frömmigkeit und Erwerb, Söhne, Verwandte, Mehrung des Anhanges und ungekünstelte Liebeslust.« – Da nun jene drei Ziele im Mittelpunkte des Interesses stehen, sind auch deren Schutzgottheiten an die Spitze gestellt worden. Diese sind aus Ehrfurcht bei ihrem Namen zu nennen. Sonst würde ihre Anrufung nicht am Platze sein, wenn sie nicht für die noch zu kennzeichnende Frömmigkeit usw. die Schutzgottheiten bedeuteten. Daß sie aber wirklich die Schutzgottheiten sind, ergibt sich aus der Überlieferung. Die Kenner alter Legenden erzählen nämlich: »Purūravas, der von der Erde in den Himmel gegangen war, um Sakra zu schauen, erblickte dort leibhaftig die Frömmigkeit usw. Er trat hinzu und erwies nur der Frömmigkeit, unter Vernachlässigung der beiden anderen, seine Verehrung, worauf er von diesen, die über die Hintansetzung empört waren, verflucht wurde. So ward er infolge des Fluches des Kāma von Urvaśī getrennt. Als das mit Mühe und Not wieder gutgemacht war, wuchs infolge des Fluches des Artha seine Habsucht so außerordentlich, daß er einem Brahmanen das Vermögen raubte. Da schlugen ihn die Grasbüschel tragenden Brahmanen, welche darüber aufgebracht waren, daß sie wegen der Wegnahme des Geldes keine Opferhandlungen usw. mehr vollbringen konnten, daß er starb.«
Verneinung auch den Lehrern, die das Wesen derselben zur Erkenntnis gebracht haben (avabodhaka).
»Derselben«, der Frömmigkeit usw. »Wesen«, Satzung. Sie erwecken (avabodhayanti), also bringen zur Erkenntnis: Lehrer der Satzungen derselben ... Die das Lehrbuch darüber verfaßt haben, um die Satzungen derselben aufzustellen, denen sei Verneigung dargebracht; d.h. anderen nicht. Warum? Darauf sagt er:
Wegen der Verbindung damit.
Der Sinn ist, weil sie mit diesem Lehrbuche hier in Verbindung stehen. Das (vorliegende) Lehrbuch ist nämlich verfaßt worden unter Abkürzung der von ihnen geschriebenen Lehrbücher.
Mit den Worten »Prajāpati nämlich« usw. fährt der Verfasser fort, wobei er der klaren Erkenntnis der Überlieferung halber die Reihenfolge der früheren Lehrer kennzeichnet:
Prajāpati nämlich trug, nachdem er die Geschöpfe erschaffen hatte, vor ihnen die Satzungen der drei Lebensziele, als die Grundbedingung ihrer Erhaltung, in hunderttausend Kapiteln vor.
»Prajāpati nämlich«: das Wort »nämlich« bedeutet den Grund. Diese richtige Überlieferung wird Glied für Glied mit den alten Lehrern belegt. – »Grundbedingung ihrer Erhaltung«: Die Geschöpfe haben drei Stadien, die als Schöpfung, Erhaltung und Vernichtung gekennzeichnet werden. Darunter ist die Erhaltung das ununterbrochene Fortbestehen nach der Schöpfung. Sie ist nun von zweierlei Art: glücklich oder unglücklich. Ebenso ist die Dreizahl der Lebensziele zweifach: annehmbar oder verwerflich. Im ersteren Falle Frömmigkeit, Erwerb, Liebe; im zweiten Mangel an Frömmigkeit, Mangel an Erwerb, Haß. So ist also der Lebensgang glücklich, der von der Frömmigkeit, unglücklich, der nicht von der Frömmigkeit geleitet wird; Erwerb bringt hier Genuß und tugendhaften Wandel, Armut mühseliges Leben und tugendlosen Wandel; Liebe bringt Glück und Nachkommenschaft, Haß keines von beiden. Ein solcher vom Glücke verlassener, kinderloser Mann führt ein Leben (wertlos) wie Gras. So ist also die Dreizahl der Lebensziele die Grundbedingung der Erhaltung. Da nun die Annahme oder Abweisung jener Dreizahl, je nachdem sie annehmbar oder verwerflich ist, nicht ohne Regeln stattfinden kann, so gibt es dafür das Lehrbuch, welches diese Regeln lehrt und bei gebührender Beachtung die Grundlage (für ein glückliches Leben) bildet. – »In hunderttausend«, einem laksa. – »Er trug vor«: damals war das das Gebräuchlichste, da es noch keine besonderen Lehrbücher gab. – In der Überzeugung, daß die Überlieferung Eigentum aller Menschen ist, trug er dieselbe, indem er sie in seinem Herzen wieder überdachte, als allgemeines Erinnerungsbuch mit Nachdruck vor.
Davon sonderte Manu Svāyaṃbhuva einen Teil ab, der den Dharma betraf.
»Davon«: Das von Prajāpati Gesagte bestand aus drei Teilen; davon sonderte Manu das, wo der Dharma behandelt war, ab; Bṛhaspati das, wo der Artha und Nandin das, wo die Liebe behandelt war. – »Svāyaṃbhuva«: wegen der Machtlosigkeit des Todesgottes ihm gegenüber. »Einen Teil, der den Dharma betraf«: das, wo der Dharma gelehrt wird. Der Sinn ist: das Dharmaśāstram.
Bṛhaspati den Teil, der den Artha betraf.
»Den Teil, der den Artha betraf«: d.h., er schrieb das Arthaśāstram. – Bei diesen beiden ist die Zahl der Kapitel nicht angegeben, da sie nicht bekannt sind.
Und des Mahādeva Diener Nandin lehrte gesondert in tausend Kapiteln das Lehrbuch der Liebe.
»Des Mahādeva (Diener)«: der dem Mahādeva nachgeht. Das ist kein anderer, beliebiger Mann namens Nandin; denn es heißt: »Als Mahādeva ein göttliches Jahrtausend mit Umā zusammen das Glück des Liebesgenusses genoß, trat Nandin an die Tür des Schlafgemaches und trug das Lehrbuch der Liebe vor« – Hier ist die Zahl der Kapitel angegeben, da das Buch bekannt ist.
Dasselbe aber verkürzte auf fünfhundert Kapitel Auddālaki Svetaketu.
»Dasselbe aber«: das von Nandin gelehrte. Von diesem einen Teil. Das Wort »aber« bedeutet das Spezialisieren. »Auddālaki«: Svetaketu, welcher ein Kind des Uddālaka ist. – Mit dem Besuchen fremder Frauen war es nämlich auf Erden früher so, daß es heißt: »Wie gekochte Speise, o Fürst der Könige, sind allen gemeinsam die Weiber: darum soll man sich über sie nicht ereifern, sich nicht in sie verlieben, sondern sie nehmen wie sie sind.« – Durch die Regeln, die in dem Lehrbuche des Auddālaki stehen, ist die Bestimmung so getroffen worden, daß es heißt: »Enthaltung der Brahmanen vom schweren, gepreßten Rauschtranke und der Menschen von fremden Frauen, wie der fromme Einsiedler Auddālaka lehrt. Mit der Erlaubnis des Vaters verfertigte darauf der fromme Büßer Svetaketu ruhig das Lehrbuch3, wobei er festsetzte, wen man besuchen dürfe und wen nicht.«
Dasselbe aber verkürzte wiederum auf anderthalbhundert Kapitel Bābhravya Pāñcāla in sieben Abschnitten, einem allgemeinen, einem über den Liebesgenuß, einem über den Verkehr mit Mädchen, einem über die verheirateten Frauen, einem über fremde Weiber, einem über die Hetären und einer Upaniṣad.
Davon behandelte Dattaka auf eine Aufforderung der Hetären von Pāṭaliputra hin den sechsten Abschnitt, den »über die Hetären«, gesondert.
»Davon«: von dem von Bābhravya verkürzten Buche. – »Den sechsten«: um zu zeigen, daß dies die gehörige Ordnung ist und keine andere. Die Zahlangabe ist (eigentlich) mit Unrecht aus dem (anderen) Texte entnommen: über die fortlaufende Zählung werden wir noch eingehend reden. – »Von Pāṭaliputra«: die in einer Stadt in Magadha, Pāṭaliputra mit Namen, wohnen .... – »Auf eine Aufforderung hin«: Irgendein Brahmane aus Mathurā schlug in Pāṭaliputra seine Wohnung auf. Als er schon vorgerückten Alters war, ward ihm ein Sohn geboren, bei dessen Geburt die Mutter starb. Der Vater überließ diesen einer anderen Brahmanin dort an Sohnes Statt und ging mit der Zeit in eine andere Welt ein. Die Brahmanin aber meinte: »Das ist mein angenommener Sohn« (dattaka) und gab ihm danach den Namen. Von ihr erzogen, lernte er nun in kurzer Zeit alle Wissenschaften und Künste; und da er eifrig disputierte, ward er bekannt als Meister Dattaka. Eines Tages nun kam ihm der Gedanke, das Treiben der Welt in seinem Höhepunkte kennenzulernen, das besonders bei den Hetären zu finden sei. Da ging er nun Tag für Tag zu dem Hetärenvolke, nachdem er mit ihnen bekanntgeworden war, und lernte das Treiben dort so gut kennen, daß er selbst von ihnen angegangen werden konnte, um Unterweisungen von ihm zu empfangen. Da sprachen die Hetären, die Vīrasenā an der Spitze, zu ihm: »Unterrichte uns, wie wir die Männer ergötzen sollen« Auf diese Aufforderung hin »behandelte er gesondert«. So berichtet die eine Legende. Eine andere aber, die auch Glauben gefunden hat, erzählt in ansprechender Weise wie folgt: »Ein gewisser Dattaka wurde von Siva, den er auf einer Prozession zur Erzielung von Kindersegen mit dem Fuße gestoßen hatte (?), verflucht und in ein Weib verwandelt. Im Verlaufe der Zeit durfte er einen Wunsch tun, worauf er wieder zum Manne wurde. Als solcher gab er, auf beiden Gebieten erfahren, die Sonderdarstellung. – Wenn er nun das Werk des Bābhravya bearbeitet hat, was hat er dann in seinen Lehrsätzen Besonderes geboten, daß man von seiner Kenntnis des doppelten Geschmackes spricht? Und wenn diese Sache auch dem Verfasser einleuchtete, würde er sagen ›Dattaka, der einen doppelten Geschmack besitzt, behandelte auf eine Aufforderung usw.‹ –
Im Zusammenhang damit behandelte Cārāyaṇa den allgemeinen Teil besonders; Suvarṇanābha den Abschnitt über den Liebesgenuß; Ghoṭakamukha den Abschnitt über den Verhehr mit Mädchen; Go nardīya den Abschnitt über die verheirateten Frauen, Goṇikāputra den Abschnitt über fremde Weiber, Kucumāra die Upanisad. So ward dieses Lehrbuch von vielen Meistern stückweise abgefaßt und sein. Zusammenhang unterbrochen. Weil nun dort die von Dattaka usw. verfaßten Abschnitte des Lehrbuches nur Bruchstücke sind, das des Bābhravya aber wegen seines Umfanges schwer zu studieren ist, wurde der ganze Stoff (von Vātsyāyana) zu einem kleinen Texte zusammengefaßt und so dieses Kāmasūtram geschrieben.
4Dattaka hatte den Abschnitt über die Hetären besonders behandelt: nun schrieben »im Zusammenhange damit« Cārāyaṇa usw. ebenfalls besonders, ausführlich. Ausführlichkeit in den Texten gibt Gelegenheit, eigene Meinungen aufzustellen: das wird (der Verfasser) in seinem Lehrbuche an den betreffenden Stellen nachweisen. – Mit den Worten »So ward« usw. gibt er den Endzweck seines eignen Werkes an: »Dieses Lehrbuch«, das von Bābhravya verfaßte. – »Stückweise«, indem sie einzelne Teile machten. »Zusammenhang unterbrochen«, gleichsam etwas unterbrochen, wie man es hier und da sehen kann. Das soll heißen: das von Nandin usw. Geschriebene ist eben unterbrochen. – »Dort«, im Gange des Werkes. »Abschnitte des Lehrbuches«, gleichsam seine Glieder. – Weil es »Bruchstücke« sind, kann man daraus alle die Sachen, die zu dem Körper der Liebe gehören, nicht zumal erfassen. – »Des Bābhravya«: Er gibt nun die Schattenseiten des obzwar vollständigen, von Bābhravya vorgetragenen Lehrbuches an: wenn es auch vollständig ist, so ist es doch »wegen seines Umfanges« unbequem zu studieren. Darum wurden die sieben Werke in sieben Abschnitten »zusammengefaßt«. »Der ganze Stoff zu einem kleinen Texte«: das deutet die Vollständigkeit und bequeme Handhabung an. – »Dieses«, damit meint er das Beabsichtigte; »geschrieben«, damit kündigt er das Vollendete an.
Mit den Worten »Hier« usw. gibt (der Verfasser) die einzelnen Teile des Inhaltes seines Buches an:
Hier die Darlegung seiner Abschnitte und Paragraphen: Übersicht über das Buch, Erreichung der drei Lebensziele, Darlegung des Wissens; Leben des Elegants; Erörterung über die Freunde und die Befugnisse der Botin des Liebhabers. So weit der erste, allgemeine Teil: fünf Kapitel, fünf Paragraphen.
Regeln für das Freien; Prüfung der Verbindungen; Gewinnen des Vertrauens des Mädchens; das Herangehen an ein Mädchen; Erklärung des Äußeren und der Gebärden; die Bemühungen eines einzelnen Mannes; das Aufsuchen des zu gewinnenden Mannes; Erlangung des Mädchens infolge der Annäherung; Hochzeitsfeier. – So weit der dritte Abschnitt, über den Verkehr mit Mädchen. Fünf Kapitel, neun Paragraphen.
Benehmen der einzigen Gattin; Wandel während der Reise des Mannes; Benehmen der ältesten Gattin gegenüber den Nebenfrauen; Benehmen der jüngsten Gattin; Benehmen der Witwe, die wieder geheiratet hat; Benehmen der Zurückgesetzten; Leben im Harem; des Mannes Umgang mit vielen Gattinnen. – So weit der vierte Abschnitt, über die verheirateten Frauen. Zwei Kapitel, acht Paragraphen.
Darstellung des Charakters von Mann und Frau (und die) Gründe der Zurückhaltung; die bei den Frauen vom Glück begünstigten Männer; die mühelos zu gewinnenden Frauen; das Anknüpfen der Bekanntschaft; die Annäherungen; die Prüfung des Wesens; die Taten der Botin; das Liebesleben großer Herren; das Treiben der Frauen im Harem; die Bewachung der Frauen. – So weit der fünfte Abschnitt, über die fremden Weiber. – Sechs Kapitel, zehn Paragraphen.
Musterung der Besucher; Gründe des Besuchens; Zurückweisen der Besucher; Hingebung an den Geliebten; Mittel für den Erwerb von Vermögen; Kennzeichen eines Gleichgültigen; Erkennen der Gleichgültigkeit; Verfahren bei dem Fortjagen; Wiederannahme eines Ruinierten; Arten des Gewinnes; Prüfung der Aussichten auf Gewinn und Verlust und des Risikos; Arten der Hetären. – So weit der sechste Abschnitt, über die Hetären. Sechs Kapitel, zwölf Paragraphen.
Bezaubern der Frauen; Gefügigmachen; Stimulantien; Wiedererweckung der erstorbenen Leidenschaft; Mittel, den Penis zu vergrößern; besondere Praktiken. – So weit der siebente Abschnitt, die Upanisad. Zwei Kapitel, sechs Paragraphen.
So ergeben sich sechsunddreißig Kapitel, vierundsechzig (?) Paragraphen und sieben Abschnitte. Tausend Sloken nebst einem Viertel.
Das ist die Übersicht über das Buch.
»Hier«, der folgende Text. – Wo die Gegenstände abgehandelt, zur Sprache gebracht werden (prakriyante), das heißt Paragraph (prakaraṇa). Deren und der Abschnitte »Darlegung«, kurze Bezeichnung. – »Übersicht über das Buch«, »Erlangung der drei Lebensziele« usw. sind die behandelten Gegenstände. In Übereinstimmung damit tragen auch Teile von Büchern dem (Inhalt) entsprechende Bezeichnungen, wie z.B. das Gedicht »Tod des Kaṃsa«. Dieses Lehrbuch nun besteht aus zwei Hauptteilen: der Hauptsache und den Zusätzen. So ist das, wodurch die Wollust eingerichtet, erzeugt wird, eine Hauptsache; z.B. Umarmungen. Wodurch das gelehrt wird, das ist auch eine Hauptsache: (z.B.) der Abschnitt über den Liebesgenuß. Wodurch Männer und Frauen vollständig gewonnen werden, das ist ein Zusatz; d.h. (z.B. der Abschnitt) »Mittel zur Vereinigung«. Wodurch das gelehrt wird, das ist ebenfalls Zusatz: z.B. die vier Abschnitte über den Verkehr mit Mädchen. Hierbei geschieht das Verrichten der Hauptsache und Zusätze nicht ohne die Beobachtung des Allgemeinen: darum wird vorher dieses abgehandelt. Die Upaniṣad aber wird der Verfasser zuletzt bringen, da sie zur Geltung kommt, wo Hauptsache und Zusätze nicht ausreichen. Beides aber fällt unter Hauptsache und Zusätze, indem es einen Teil davon bildet. – Dort im allgemeinen Teil ist am Anfange der Paragraph »Übersicht über das Buch« genannt, weil dasselbe darin zusammengefaßt wird. Mit dem »sechsunddreißig« usw. nennt er die Zahlen in seinem Buche nach Gliedern und im ganzen. Die Zahl der Kapitel gibt er dabei an, um zu zeigen, daß es im Vergleich mit den früheren Büchern klein ist; die Zahl der Paragraphen und Abschnitte, ohne auf andere zu zielen; die Zahl der Sloken, um zu zeigen, daß es nicht zu klein und nicht zu groß ist. – Als Übergang zu dem weiteren Texte sagt er:
Nachdem diese kurze Übersicht desselben gegeben worden ist, wird nun die ausführliche Darstellung folgen: denn erwünscht ist den Wissenden hienieden eine gedrängte und (zugleich) eine breite Darstellung.
»Desselben«, des Lehrbuches. – »Wird nun die ausführliche Darstellung folgen«, nach der kurzen Übersicht. – Auf die Frage, weshalb er denn das Buch so angelegt habe, antwortet er: »Denn erwünscht«. Diejenigen, welche »hienieden« mit dem Lehrbuche vertraut sind, heißen »Wissende«. Diesen ist es erwünscht, wenn sie ein Lehrbuch in kurzer und (zu gleich) breiter Darstellung im Herzen tragen. Denn wenn der Stoff der Paragraphen bekannt ist, ergibt sich nach Belieben tiefere Versenkung in denselben ohne Unsicherheit.
1 Dharma, Artha und Kāma (Frömmigkeit, Erwerb und Vergnügen).
2 Name für Vātsyāyana.
3 Mehrere Mss. (Notices XI, Nr. 313, Peterson IV, 25 und Peterson II, 109) lesen sukhaśāstraṃ statt des sukham śāstram der Ausgabe.
4 Der Kommentar bringt hier erst noch einmal den Text bis »Upaniṣad«.
Das Ergebnis des Lehrbuches ist die Erreichung der drei Lebensziele. Da ist es denn angebracht, hier die Mittel für deren Erreichung resp. Nichterreichung anzugeben. Aus diesem Grunde wird nach der »Übersicht über das Buch« sofort von der »Erreichung der drei Lebensziele« gehandelt, was den Zusammenhang der beiden Paragraphen bildet. Wie geschieht der Hinweis, muß man denken, da ja die Erwartung eines solchen ganz dem Zusammenhange entspricht? Die Erreichung ist eine dreifache: die Praxis, die Theorie und die richtige Erfassung. Da befaßt sich nun der Verfasser vor allem mit der Praxis, indem er sagt:
Der Mann, dessen Lebensdauer hundert Jahre beträgt, teile seine Zeit und beschäftige sich mit der Dreizahl der Lebensziele, eins an das andere anknüpfend, ohne daß sie sich dabei untereinander beeinträchtigen.
»Dessen Lebensdauer hundert Jahre beträgt«: einer, der hundert Lebensjahre hat. Das Wort »hundert« ist zwar eine allgemeine Bestimmung, gibt aber die Zahl der Jahre an, indem so das Wort in seiner uneigentlichen Bedeutung gebraucht ist; und was die Teilung der Zeit betrifft, so ist es damit ebenso: denn eine solche kann nicht vorgenommen werden, wenn die Lebensdauer abgekürzt wird. – »Der Mann«, um die Hauptsache zu nennen; die Frauen aber sind unselbständig und studieren deshalb die drei Lebensziele in Abhängigkeit von den Männern. – »Teilen«, in der später angegebenen Weise. – »Eins an das andere anknüpfend«, eines von den dreien, Dharma usw., mit zweien oder einem verbunden. Z.B. wenn sich jemand Kinder wünscht und sich seiner rechtmäßigen, aber ungeliebten Gattin zur Zeit nach der Menstruation nähert, so ist das Dharma, verknüpft mit Artha. Wenn jemand, der sich Kinder wünscht, sich seiner geliebten Gattin zur Zeit nach der Menstruation nähert, so ist das Dharma, verknüpft mit Kāma. Wenn ein unverheirateter Mann von einem Ebenbürtigen ein ungeliebtes Mädchen annimmt, so ist das Artha, verknüpft mit Dharma. Wenn ein verheirateter Mann ein geliebtes Mädchen aus einer tieferen Kaste annimmt, so ist das Artha, verknüpft mit Kāma. Wenn sich der Mann seiner rechtmäßigen, geliebten und liebeskranken Gattin nicht zur Zeit nach der Menstruation (nähert), so ist das Kāma, verknüpft mit Dharma. Wenn ein verheirateter Mann, der nichts sein eigen nennt, eine unebenbürtige, reiche und geliebte Frau gewinnt, so ist das Kāma, verknüpft mit Artha. Das sind die Fälle, wo eines mit mir einem anderen verknüpft ist. – Wenn ein unverheirateter Mann mit einer ebenbürtigen, noch unberührten, geliebten Frau sich rechtmäßig verbindet, so ist das Dharma, verknüpft mit Artha und Kāma. Wenn eben derselbe ein geliebtes, ebenbürtiges Mädchen gewinnt, so ist das Artha, verknüpft mit Dharma und Kāma. Wenn eben derselbe eine reiche und schöne, auf Grund gegenseitigen Verlangens geheiratete Frau besitzt, so ist das Kāma, verknüpft mit Dharma und Artha. Das sind die Fälle, wo eines mit zwei anderen verknüpft ist. – »Ohne daß sie sich dabei untereinander beeinträchtigen«: Wo keine Verknüpfung stattfindet, soll man so handeln, daß das eine die beiden anderen nicht schädigt; wo eine Verknüpfung mit einem stattfindet, soll man so handeln, daß das andere nicht geschädigt wird. Beispiele hierfür werden wir beibringen.
Jetzt gibt er die Einteilung der Zeit nach dem Lebensalter an:
In der Kindheit (beschäftige man sich) mit der Erlangung des Wissens und ähnlichen Gegenständen des Artha.
»In der Kindheit«: die Einteilung nach dem Lebensalter ist hier in diesem (Spruche) angegeben: »Bis zum sechzehnten Jahre ist man Kind, solange man von in Milch gekochtem Reis lebt; bis zum siebzigsten Jahre heißt man mittel, darüber hinaus alt.« – Man beschäftige sich mit denjenigen Gegenständen des Artha, deren erster die Erlangung des Wissens ist.
So –
Und in der Jugend mit der Liebe.
Weil sie da angebracht ist.
Im reifen Alter mit Dharma und Erlösung.
»Im reifen Alter mit Dharma und Erlösung«, weil man die weltlichen Dinge dann genossen hat. Das Erwähnen der Erlösung geschieht mit Bezug auf das höchste Wesen. Für die Wissenden ist das Lebensziel ein vierfaches: diese müssen eben in dieser Zeit ihre Gedanken auf die Allseele richten. – Da die drei Lebensziele jedes auf eine bestimmte Zeit beschränkt werden, so kann doch wohl keine gegenseitige Verknüpfung stattfinden, und dann ist die Möglichkeit da, gar keinem obzuliegen? (Nein!) So ist diese Beschränkung nicht zu verstehen! Wenn keine Verknüpfung vorhanden ist, dann spricht man auch, von Unverknüpftem. Oder man beschäftigt sich Tag für Tag, je nach der Zeit, weil die Beschränkung bezüglich des Dharma usw. auf ein Verbot (der anderen) hinauslaufen würde. Wenn man je nach der Zeit dem Dharma usw. obliegt und infolge davon eine Verknüpfung mit etwas anderem stattfindet, so sei es: es schadet nicht!
Oder man beschäftige sich mit ihnen, wegen der Unbeständigkeit des Lebens, wie es sich gerade trifft.
»Wegen der Unbeständigkeit« deutet an, daß man auch schon vor dem hundertsten Jahre sterben kann. – »Wie es sich trifft«, was sich gerade darbietet, dem möge man obliegen: in der Kindheit dem Artha und auch dem Dharma; in der Jugend dem Kāma, aber auch dem Dharma und Artha; im reifen Alter dem Dharma; aber wenn die Fähigkeit, dem Artha und dem Kāma obzuliegen, noch vorhanden ist, dann auch noch diesen beiden. Sonst, wenn man nur einem obliegt, dürften die Lebensziele nicht vollzählig erreicht werden. Die Wiederholung des Wortes »man beschäftige sich«1 dient dazu, den vorliegenden Fall von dem vorigen zu unterscheiden. In einem weiteten Falle bestimmt (der Verfasser), weil selbst in den drei Zeitabschnitten bei dem Streben nach der Erlangung des Wissens (bisweilen) nichts herauskommt:
Man bleibt aber Brahmanenschüler bis zur Erlangung des Wissens.
Solange man das Wissen nicht beherrscht, solange darf man nicht an Liebe denken. Sonst folgt nämlich Untugend, Unmöglichmachung des Erlangens der (Liebe) und die Unmöglichkeit, das Wissen und den Artha zu erreichen. Für die Erwerbung von Land usw. aber gibt es keine Beschränkung. Andere aber bestimmen, daß, abgesehen von der Erwerbung von Wissen, Land usw. (in der Kindheit) gewöhnlich nicht er worben werden darf, und teilen daher jedem Lebensabschnitte je dreiunddreißig Jahre und vier Monate zu. Da bei dieser Einteilung die Beschäftigung mit der Liebe nach dem sechzehnten Jahre stattfindet, so kann man schon in der Kindheit dem Dharma, Artha und Kāma obliegen. Damit ist die Praxis und die Theorie behandelt.
Die Definition und woher man sie erlernen kann, das beides gibt er nun an:
Dharma ist das lehrbuchsmäßige Anbefehlen von Opfern und ähnlichen Handlungen, die (aber) unterbleiben, weil sie nicht dieser Welt angehören und man (darum) keinen Erfolg sieht; sowie das lehrbuchsmäßige Abhalten vom Fleischgenuß und ähnlichen Handlungen, die (aber) geschehen, weil sie dieser Welt angehören und man den Erfolg sieht.
Weil ihr Wesen hier in dieser Welt nicht wie bei greifbaren Dingen usw. erkannt werden kann, so nennt man die Opfer usw. nicht dieser Welt angehörig. Warum aber wohl, da ihr Wesen wohl doch erkennbar ist, weil dazu erlesene Dinge, Tugenden und Handlungen gehören? Darauf erwidert er: »Weil man keinen Erfolg sieht«; weil man bei ihnen unmittelbar darauf keine Früchte erblickt. Und diese nicht dieser Welt angehörigen (Handlungen), deren Früchte man nicht erblickt, läßt man ungeschehen, »unterbleiben«, gerade so, wie von Umsichtigen ein Heilmittel nicht angewandt wird, dessen Wirksamkeit sie nicht gesehen haben. – Das Wort »ähnliche Handlungen« bedeutet Kasteiungen usw. »Das lehrbuchsmäßige Anbefehlen« dieser Handlungen, »die unterbleiben«, ist Dharma; und zwar ist das der Dharma, soweit er die Gebote betrifft. – »Weil sie dieser Welt angehören und man den Erfolg sieht«: die Handlungen, bei denen man den Erfolg in Gestalt von Sättigung usw. sieht und die dieser Welt angehören, werden von den Leuten, die danach verlangen, vorgenommen, wie der Genuß des Fleisches von Gazellen usw. – Darum »geschehen sie«, der Genuß des Fleisches usw. – Das Wort »und ähnliche Handlungen« bedeutet das Kränken der Wesen, das Entwenden von fremdem Eigentum usw. – »Das lehrbuchsmäßige Abhalten«, Verbot. Das ist der Dharma, soweit er die Verbote betrifft. – Wenn man nun hier fragt, wieso hier das Lehrbuch die Richtschnur abgibt, so wird der Verfasser weiter unten darauf antworten.
Diesen gewinne man aus der heiligen Überlieferung und dem Verkehr mit Rechtskundigen.
»Diesen«, den eben beschriebenen Dharma. – »Aus der heiligen Überlieferung« (Sruti) – aus dem Veda, der von der Smṛti ergänzt wird. Das ist der Dharma, der im Lehrbuche behandelt wird. Den dort nicht behandelten gewinne man »aus dem Verkehre mit Rechtskundigen«, d.h. aus dem Umgange mit Leuten, die das Wesen der Sruti und Smṛti kennen. – »Gewinne man«, lerne man.
Erwerb von Wissen, Land, edlem Metall, Vieh, Getreide, Geschirrvorrat, Freunden usw. und Mehrung des Erworbenen ist Artha.
»Wissen«, Logik usw. – »Land«, gepflügtes oder noch zu pflügendes. – »Edles Metall«, Gold usw. – »Vieh«, Elefanten, Pferde usw. – »Getreide«, frühe, mittlere und späte Aussaat. – »Geschirrvorrat«, Hausgerät aus Kupfer, Holz, Ton, Rohr und Leder. – »Freunde«, die am Spiele im Sande usw. teilnehmen. – Der Ausdruck »usw.« bedeutet Kleider, Schmucksachen usw. – »Der Erwerb« ist von zweifacher Art: die Aneignung von fertigen Dingen, wie Elefanten usw. und das Zustandebringen von unfertigen, wie Getreide usw. – »Des Erworbenen«: dieses eine Wort soll gehörig darauf hinweisen, daß sich der Erwerb und das Mehren auf jedes einzelne Ding beziehen; sonst wäre Artha nur das Erwerben und Mehren des Ganzen. »Die Mehrung« soll die Beschäftigung mit der Wohlfahrt, dem Genusse usw. andeuten, indem beides durch das Lehrbuch anbefohlen wird.
Diesen erwerbe man von dem Auftreten der Aufseher, den Kennern der Satzungen der Überlieferung und den Kaufleuten.
Wie die Aufseher auftreten, das bildet das »Auftreten der Aufseher«. – »Überlieferung«, Lehrbuch. Also ist der Artha gemeint, der im Lehrbuche behandelt ist. Den anderen lerne man »von den Kennern der Satzungen der Überlieferung«, den Kennern des Wesens des Ackerbaues, der Viehzucht, des Handels usw. – »Den Kaufleuten«, eine elliptische Bezeichnung: von Ackerbauern und Züchtern von Rindvieh usw. lerne man den Artha; so ist es zu verstehen.
Das in der gehörigen Ordnung und je auf ihrem Gebiete stattfindende Wirken der in dem zur Seele gehörenden Empfinden zusammengefaßten (Sinne): Gehör, Gefühl, Gesicht, Geschmack und Geruch ist Kāma.
»Gefühl«, ein körperliches Organ. Der Kāma ist von zweifacher Art: von allgemeiner und besonderer. Mit Bezug auf jenen sagt der Verfasser: »in dem zur Seele gehörenden Empfinden«. Seele ist das zusammenfassende Organ, weil in ihr die Qualitäten des Schmerz- und Lustempfindens, des Wünschens, des Hasses, des Wollens usw. zusammengefaßt sind. Wenn also bei ihr die Qualität des Wollens in Kraft tritt, dann ist sie mit Empfinden versehen. Empfinden gleich Sinnesorgan. Der auf diesem Wege »zusammengefaßten«: »je auf ihrem Gebiete«: in dieser Reihenfolge: Laut, Berührung, Gestalt, Speise, Duft. – »In der gehörigen Ordnung«: »das Wirken« der empfindenden Organe, des Gehörs usw., die über Aufzunehmendes und Nichtaufzunehmendes entscheiden, nach der natürlichen Ordnung, sobald die Seele den Wunsch hegt, Gegenstände der Sinnenwelt, Schlaf usw., zu genießen. Der Sinn ist: das Organ des Gehörs usw. ist von einem Wunsche erfüllt. Jenes Wirken, welches seinem Wesen nach das Genießen der Sinnenwelt ist, heißt metaphorisch Kāma. Denn wenn die Seele durch dessen Vermittlung die Sinnenwelt genießt und so Wonne empfindet, so ist diese Wonne hauptsächlich Kāma. Seine Grundbedingung ist das von einem Wunsche erfüllte Wirken, und das heißt Kāma. Darum ist der allgemeine Kāma, bei der Trennung zwischen Ursache und Wirkung, ein zweifacher. Ein Wirken aber in Opposition ist, weil es Schmerz verursacht, Haß. So ist der Sachverhalt klargelegt.
Der besondere Kāma ist von zweifacher Art: ein hauptsächlicher und ein nebensächlicher. Beides zeigt der Verfasser, indem er sagt:
Das erfolgreiche, infolge der besonderen Berührungen von der Wonne des Selbstbewußtseins begleitete richtige Empfinden derselben aber ist hauptsächlich Kāma.
»Infolge der besonderen Berührungen aber«: Stimme, Hände, Füße, After und Geschlechtsteile sind Organe für sinnliche Verrichtungen, insofern sie das Sprechen, das Reichen, das Gehen, die Entleerung und die Wollust bewirken. Da ist nun bei Mann und Frau das unten befindliche Geschlechtsglied, die Vulva usw., ein Organ des Gefühles, weil nur darauf sein Wesen beruht. Davon heißt eine gewisse Stelle das Geschlechtsorgan, welches bei Gelegenheit des Samenergusses das Wollustgefühl erzeugt. – Das Empfinden, welches auf diesem Gebiete stattfindet, nämlich während der besonderen, an diesen Geschlechtsteilen vorgenommenen Berührung, ist das »richtige Empfinden«, nämlich das des Gefühlsorganes. Sein Grund ist der Zustand, der den Namen Verliebtheit führt und von dem Verlangen nach Beischlaf gekennzeichnet ist. – »Derselben«: der Seele der Frau und der Seele des Mannes. Hierbei kommt die Seele der Frau zum Verständnis des Gefühlsorgans der weiblichen Geschlechtsteile infolge der besonderen Berührung derselben seitens des Mannes; und die Seele des Mannes kommt zum Verständnis des Gefühlsorgans der männlichen Geschlechtsorgane infolge der besonderen Berührung derselben durch die Frau: so ist der Sinn. Durch die Wahl des Wortes »besondere Berührung« soll angedeutet werden, daß die (gewöhnliche) Empfindung, wie sie der Mann gelegentlich der (gewöhnlichen) Berührung in der Gegend der Schenkel, Achseln usw., die Frau gelegentlich der (gewöhnlichen) Berührung in der Gegend der Schenkel, des Nabels usw. hat, hier nicht gemeint ist: denn die ist ja nebensächlicher Art! – Eine solche Empfindung ist nur allgemeiner Kāma: wie ist es nun mit dem besonderen? Da sagt denn der Verfasser: »das erfolgreiche«. Wenn jenes Empfinden ununterbrochen hergestellt wird, dann spricht man von Wonne, nämlich dem Ergusse des Samens und dem gleichzeitig sich einstellenden Wollust genannten Erfolge. Ein damit verbundenes Empfinden gelegentlich besonderer Berührung ist ein sekundäres: sein Mittel ist eben das erste, erfolglose Empfinden. Also gibt es rücksichtlich des Gegenstandes und des Wesens ein zweifaches Empfinden. »Richtiges Empfinden«: selbst ein erfolgreiches Empfinden – das soll das »richtig« bedeuten – ist noch kein Kāma, da (z.B.) eine Berührung mit den Geschlechtsteilen im Schlafe nicht die richtige ist; weil sie dann Nebensache ist. Wenn es sich so verhält, dann ist eben solches richtiges Empfinden auch vorhanden bei unnatürlicher oder mechanischer Befriedigung und bei Abwesenheit von Zuneigung? Darauf entgegnet der Verfasser: »Von der Wonne des Selbstbewußtseins begleitet.« Über die Wonne des Selbstbewußtseins, der Küsse usw., wird er noch sprechen! Wenn nämlich Küsse, Kratz- und Beißmale usw. hier und dort, jedes an seiner Stelle, angebracht werden, so gilt das als Wonne für Mann und Weib, da sie währenddem unter dem Banne leidenschaftlichen Verlangens stehen. Von dieser Wonne begleitet – ein bei so angedeuteten Zurüstungen vor sich gehendes richtiges Empfinden ist hauptsächlich Kāma: danach ist selbst ein erfolgreiches, richtiges Empfinden von Mann und Frau, bei unnatürlicher oder mechanischer Befriedigung und bei der Abwesenheit von Zuneigung, kein Kāma, da er der Wonne des Selbstbewußtseins entbehrt und nebensächlich ist. Darum also ist der besondere Kāma der, welcher zum Gegenstande Besonderheiten der zu berührenden Dinge hat.
Diesen lerne man aus dem Lehrbuche der Liebe und aus der Verbindung mit der Lebewelt.
»Diesen«, den eben gekennzeichneten allgemeinen und besonderen, hauptsächlichen und nebensächlichen. »Aus dem Lehrbuche der Liebe«: aus diesem hier. Das ist der im Lehrbuche behandelte Kāma: den andern »lerne man« aus »der Verbindung mit der Lebewelt«: aus der Berührung mit den Leuten, die sich auf Liebesgeschäfte verstehen. –
Da es also nicht angeht, den Dharma usw. auf einmal zu üben oder zu erfassen, so muß man auch deren Verhältnis zueinander betreffs ihrer relativen Wichtigkeit kennen. Darum sagt der Verfasser:
Bei einer Kollision derselben ist immer der Vorangehende der Wichtigere.
»Bei einer Kollision«, bei einem Zusammentreffen, wenn die Mittel dazu gegeben sind. – »Immer der Vorangehende«. Wichtiger als Kāma ist Artha, da der Kāma durch den Artha erst ermöglicht wird; und wichtiger als dieser ist der Dharma, da auch hierbei der Artha durch den Dharma erst ermöglicht wird.
Das ist aber nicht für alle die Reihenfolge der Regeln: deshalb sagt der Verfasser:
Für den König der Artha, weil darin der Gang der Welt wurzelt; und ebenso für die Hetäre. – Soweit die Erreichung der drei Lebensziele.
»Der Artha« aber ist »für den König« das wichtigste, »weil darin ... wurzelt«. Das Auftreten je nach den Kasten und Lebensstadien ist das Merkmal des Ganges der Welt. Darüber zu wachen, daß das nicht geändert werde, ist des Königs Pflicht; und das (kann nur geschehen), wenn er Herrschermacht besitzt. Diese beruht auf den Finanzen, dem Polizeiwesen und dem Heere; und da diese wiederum vom Gelde abhängen, so gründet sich auf dieses der Gang der Welt. – »Und ebenso für die Hetäre« ist das Geld das wichtigste, da ihr Lebensunterhalt vom Gelde abhängt. Einer Hetäre nämlich geht es so: sie läßt den ihr zusagenden Dharma und Kāma, nämlich einen liebeskranken Brahmanen und einen geliebten Lebemann, fallen, in der Meinung, daß diese ihr später auch noch zu Gebote stehen werden, und wendet sich zu einem wenn auch ungeliebten Manne, weil er Geld spendet.
»Soweit die Erreichung der drei Lebensziele«, d.h. gekennzeichnet nach der Seite der Theorie und Praxis.
Jetzt zeigt der Verfasser die richtige Auffassung unter Vorausschickung der falschen, indem er sagt:
Für den Dharma, der ja nicht dieser Welt angehört, ist ein Lehrbuch, welches darüber handelt, angebracht (und ebenso für den Artha), da er nur unter Beobachtung gewisser Regeln glücklich zustande gebracht wird. Die Regeln (aber) ersieht man aus dem Lehrbuche.
Im Lehrbuche der Liebe zeigt er gerade die falsche Auffassung davon: »der ja nicht dieser Welt angehört«, wie oben gesagt worden ist. »Welches darüber handelt«, belehrt. »Da er glücklich zustande gebracht wird«: Zustandebringen des Artha nennt man Erwerben und Mehren. – Sonst, wenn, man ohne Beobachtung von gewissen Regeln lebt, dürfte sich sogar Schaden einstellen und Gefahr.
Da ist also ein Lehrbuch für den Dharma und Artha am Platze; für den Kāma aber nicht! So sagt (der Verfasser):
Da jedoch sogar bei den Tieren der Kāma von selbst geübt wird und angeboren ist, so ist mit einem Lehrbuche (darüber) nichts anzufangen, sagen die Lehrer.
»Sogar bei den Tieren«: Bei den Kühen usw., die doch in tiefer Unkenntnis leben, sieht man, daß der Kāma ohne den Unterricht durch ein Lehrbuch geübt wird, und bei den Menschen, die so viel Intellekt besitzen, soll es nicht möglich sein?! Heißt es doch: »Ohne Unterricht, ungenannt und nicht gelehrt wird die Liebe doch mit Glück geübt: wer lehrt denn die Gazellen und Vögel das Mittel, die Geliebte zu ergötzen?« – »Und da er angeboren ist«: In der Seele, die zur Substanzkategorie gehört, wohnen immer Verlangen, Abneigung und andere Gefühle: darum ist auch der Kāma angeboren. Heißt es doch: »Die Herzen der Lebewesen hängen von Natur an dem Verlangen nach dem Sinnesgenusse, selbst nach Erlösung verlangend sind sie selig in ihrer Entsagung, die voller Leidenschaft ist!« Darum ist nicht das Handeln nach einem bestehenden Lehrbuche, sondern das Verzichten darauf in Ordnung. – »Die Lehrer«: die Kenner von Dharma, Artha und Erlösung.
Hier gibt der Verfasser die richtige Auffassung an:
Da (der Kāma) in der fleischlichen Vereinigung von Mann und Frau besteht, verlangt er ein Hilfsmittel.
»Da (der Kāma) in der fleischlichen Vereinigung besteht«: der besondere wie der gewöhnliche Kāma besteht in der fleischlichen Vereinigung. Diese nun ist von zweifacher Art: eine Vereinigung bezüglich des Gegenstandes und eine bezüglich der Attribute. Dabei ist der Gegenstand der Liebe das Substrat Frau, die Attribute sind Kränze usw. Heißt es doch: »Liebe ist Wonne, und ihre Attribute bilden Schmucksachen, Salben und Kränze; ferner ein Wäldchen, flaches Hausdach, Laute(nklang), berauschende Getränke usw. Ihr Gegenstand sind Frauen von ausgelassener Schönheit, Jugend und Koketterie, von artigem Wesen, die die Herzen der Menschen gewinnen.« – Hierbei ist nun die Vereinigung bezüglich des Gegenstandes von zweierlei Art: eine ist äußerlich und die andere innerlich. Die heimlich geschieht, ist die innerliche und heißt Beischlaf; sie ist das Anzeichen des besonderen Kāma. Die äußerliche hat als Kennzeichen das Zusammentreffen. Diejenige fleischliche Vereinigung, die durch die Vermittlung der einzelnen, jedes für sich wirkenden, empfindenden Organe entsteht, heißt die Vereinigung bezüglich der Attribute. Ihr Kennzeichen ist die nahe Beziehung zu den Objekten der Sinnesorgane; sie ist das Anzeichen des gewöhnlichen Kāma. Für diese beiden Fälle von Kāma ist, bei jedem einzelnen für sich, als Grundbedingung weiter oben das Verlangen genannt, weil dieses vorausgehen muß und, wo es fehlt, auch (der Kāma) nicht zustande kommt. – Da verlangt nun die erste Art der Vereinigung, die durch das Zusammentreffen gekennzeichnet ist, ein Hilfsmittel, wenn von Mann und Frau der eine Teil kein Verlangen empfindet, bewacht wird, sich schämt oder sich fürchtet, wenn die Frau einem andern gehört und so die Sache nicht glücken will. Und die zweite Art, genannt Beischlaf, wie soll die zustande kommen, wenn man die vierundsechzig Künste nicht kennt? Also das Lehrbuch ist das Hilfsmittel! Auch die zweite Art der fleischlichen Vereinigung erfordert Hilfsmittel, da sie ohne das alltägliche und besondere Treiben der Lebemänner nicht möglich ist.
Und die Kenntnis dieser Hilfsmittel schöpft man aus dem Lehrbuche der Liebe, sagt Vātsyāyana.
Man erfährt die Regeln aus dem Lehrbuche der Liebe, indem sie von diesem gelehrt werden. – »Vātsyāyana« ist der gemeinsame Name, den seine Familie trägt; und Mallanāga ist der Weihename.
Wie ist es nun bei den Kühen usw.? Darauf antwortet (der Verfasser):
Bei den Tieren dagegen findet die Ausübung (der geschlechtlichen Funktionen) ohne Hilfsmittel statt, da die Weibchen nicht versteckt gehalten werden, der Geschlechtstrieb während, der Brunstzeit bis zur Befriedigung gebracht wird und (der Akt) von keiner Überlegung begleitet ist.
Das Wort »dagegen« bezeichnet das Spezialisieren. »Da (die Weibchen) nicht versteckt gehalten werden«; da keine Verhüllung durch Bewachung usw. stattfindet. Die Weibchen leben selbständig; wozu braucht man da also ein Hilfsmittel? Darum »findet die Ausübung (der geschlechtlichen Funktionen) ohne Hilfsmittel statt«; so ist der Zusammenhang. – Mit dem Worte »Ausübung« sind beide Arten von Vereinigung gemeint, da sie in dem Entstehen der Liebe ihren Ursprung hat. – Da hier kein Verstecken stattfindet, so geschieht das Zusammentreffen ohne die von den Lehrern erwähnten Hilfsmittel; das ist der Sinn. – »Während der Brunstzeit bis zur Befriedigung«: die Tiere begatten sich nur in der Zeit nach der Menstruation; die Menschen aber, wenn sie Kinder haben wollen, in der Zeit (unmittelbar) nach der Menstruation, wenn sie aber bloß die Frau ergötzen wollen, auch außerhalb dieser Zeit. Das ist der Unterschied. So heißt es denn: »In der Zeit nach der Menstruation nahe man der Frau oder jederzeit, da es nicht verboten ist.« – Und dabei begatten sie sich »bis zur Befriedigung«, bis eben das Ziel erreicht ist, welches durch die Sättigung gekennzeichnet ist; nicht aber verlangen sie nach einem zweiten Begattungsgenossen, indem sie denken: »Ist der satt geworden oder nicht?« Darum findet (bei den Tieren), da sie nicht das gleiche Ziel verfolgen (wie die Menschen), die innerliche Vereinigung ohne Hilfsmittel statt. Wenn es nun heißt, eine Liebe, die aus (der Verfolgung) gleicher Ziele entsteht, sei kein Mittel, die Weiber zu bewachen, wohl aber bei den Menschen, so lautet die Lehre davon allerdings so; denn sonst wäre das kein (rechtes) Mittel, wenn das eigene Ziel dem anderer gliche. Wenn eine Frau mit einem fremden Manne lebt, dann erreicht der betreffende gar kein Lebensziel: denn es heißt: »Wenn jemandes Geliebte, von Leidenschaft erfüllt, einen andern genießt, dann flieht der Dharma, stirbt der gute Wandel, weilt das Glück ferne und wird die Familie getötet.« Deshalb ist eine aus der Verfolgung gleicher Ziele entstehende Liebe doch das Mittel, die Frau zu bewachen. Was Manu wegen der Bewachung der Frauen angibt, häusliche Arbeit, Stampfen usw., um sie unzart zu machen, so ist das kein rechtes Mittel, da es in der Anwendung Ärgernis erregt. So heißt es denn: »Manu nannte um der Bewachung der Frauen willen unzarte Arbeiten, gleichsam Kränze, die einem Fesselpfosten für wilde Elefanten entsprechen sollen. Das alles geschieht nur bei mangelnder Liebe; so verharren die Lehrer: aus der Gleichwertigkeit lernt man das, nicht aber aus einem Lehrbuche.« – »Da der Akt von keiner Überlegung begleitet ist«: sie handeln nicht in dem Gedanken, daß Dharma, Artha, Nachkommen, Verwandte und Mehrung des Anhanges sich ergeben werde. Einzig nach der bloßen tierischen Art geschieht es; also findet die Funktion, die innerliche Vereinigung, ohne Hilfsmittel statt, da sie des Mittels der Motive entbehrt. Gott hat die kiṃśuka-Blüten rot gefärbt: was sollen also die Tiere, ebenso wie die Menschen, die sich gewogen sind, ein Lehrbuch handhaben? Auf der anderen Seite aber findet umgekehrt die Annäherung vermittels Hilfsmitteln statt: da ist die Handhabung eines Lehrbuches am Platze.
Nun nennt (der Verfasser) eine irrige Auffassung auf dem Gebiete des Dharma:
Man vollbringe keine Taten des Dharma, da der Lohn dafür erst künftig kommen soll und wegen der Zweifelhaftigkeit.
»Da der Lohn dafür erst künftig kommen soll.« Gemeint sind Opfer usw., die nicht dieser Welt angehören und erst in einer späteren Geburt Früchte bringen. Ein Wissender wünscht nicht, das in seinen Händen befindliche Gut wegzugeben; vielmehr verschafft er sich damit hienieden Nutzen in Gestalt von Ländereien usw. und genießt es, ohne eine stete Folge zu verlangen. – »Wegen der Zweifelhaftigkeit«, nämlich des künftigen Lohnes. Es wird die Zweifelfrage getan: »Wenn unter den gebührenden Vorbereitungen, mit mühsamer Askese und Geldverschwendung ein Opfer usw. veranstaltet worden ist, wird dann als Lohn der Himmel usw. erlangt werden oder nicht?« – weil man die Notwendigkeit des Eintretens der Wirkung dieser Taten nicht sieht. Und wo ist der Mann, der an eine zweifelhafte Sache einen unzweifelhaften Besitz verschwenden möchte? – Das sind die zwei Gründe.
Für das erste davon gibt (der Verfasser) eine sprichwörtliche Redensart an:
Denn welcher Nichtkindische würde wohl das in der Hand Befindliche einem andern einhändigen?
»Denn welcher Nichtkindische«, Wissende. Sowenig jemand das in seinen Händen befindliche Geld wegwirft, indem er es einem andern einhändigt, wobei er gedenkt, in der Zeit der Not hingehen zu wollen und sich dafür Gemüse oder (anderes) Essen zu verschaffen, ebensowenig wird einer dasselbe wegwerfen, indem er es auf Opfer usw. verwendet, in der Hoffnung, er werde es in einer anderen Existenz genießen.
Hier kann jemand sagen: Hienieden kann man mit Geld so viel oder so lange Erfolg erringen; im Jenseits ist es anders; so sagt man:
Besser heute eine Taube als morgen ein Pfau.
Wie für jemand, der Vogelfleisch essen will, der Gewinn einer Taube heute wichtiger ist als die bedeutende Errungenschaft eines Pfaues morgen, so ist es auch hier.
Für das zweite gibt der Verfasser eine sprichwörtliche Redensart an:
Besser als ein zweifelhafter Brustgoldschmuck ist ein unzweifelhaftes Goldstück – Das sind die Ansichten der Materialisten.
(Es sagt jemand:) »Nimm das Goldstück: wenn nicht, (dann warte:) ich werde heute hundert Goldstücke einnehmen; dann will ich dir einen Brustgoldschmuck geben!« Da ist das zwar kleine, aber sichere Goldstück für jemand, der in Verlegenheit ist, mehr wert als der zweifelhafte Goldschmuck. – »Materialisten« sind diejenigen, welche ihre Gedanken auf das Irdische richten.
Nun gibt der Verfasser die richtige Auffassung an:
Da das Lehrbuch zum Mißtrauen keine Veranlassung geben kann; da man sieht, daß Behexung und Beschwörung, bisweilen Erfolg hat; da man sieht, daß die Mondhäuser, der Mond, die Sonne und der Kreis der Planeten gleichsam mit Überlegung für die Welt wirken; da das Treiben der Welt durch das Leben nach den Satzungen der Kasten und Stadien gekennzeichnet wird, und da man sieht, daß man den in der Hand befindlichen Samen um des künftigen Getreides willen auswirft, so vollbringe man die Handlungen des Dharma. So lehrt Vātsyāyana.
»Das Lehrbuch«: für den Dharma, der ja nicht dieser Welt angehört, ist ein Lehrbuch, welches darüber handelt, angebracht. Dieses Lehrbuch stammt entweder von den Menschen oder es stammt nicht von den Menschen. Da ist denn das erste mißtrauisch zu betrachten: »Ist es Wahrheit oder Lüge?« Denn die Menschen reden auch Unwahres, wenn sie von den Leidenschaften usw. und von Unwissenheit verblendet sind. Das nicht von den Menschen stammende Lehrbuch, genannt Veda, ist nicht schlecht und darf kein Mißtrauen erregen, weil es mit den Menschen keinen Zusammenhang zeigt. So heißt es denn: »Bei einem von Menschen herrührenden Werke ist es angebracht zu sagen, daß es Mängel hat oder keine Mängel hat; bei dem Veda aber, der nicht gemacht worden ist, haben wir keinen Mangel zu befürchten.« Über seinen nichtmenschlichen Ursprung ist anderwärts gehandelt. – Darum vollbringe man hier die Handlungen des Dharma, so ist der Zusammenhang. So gilt jenes (oben Gesagte) also nicht, daß man von Zweifelhaftigkeit spricht. – »Behexung« ist eine Handlung, die in einer Schädigung an Leib oder Gut besteht; »Beschwörung« ist eine Zeremonie, die auf das Ausbleiben einer üblen Wirkung und auf das Gedeihen abzielt. Wenn diese beiden ausgesprochen werden, wie z.B.: »Wer behexen will, soll einen Falken opfern« usw. – »Bisweilen«: wo sie angewendet werden, da sieht man den Erfolg in Gestalt von Schädigung, Ausbleiben übler Wirkung und Gedeihen: darum wird auch das übrige, das Feueropfer usw., seinen Erfolg in Gestalt des Himmels usw. haben, und deshalb möge man die Handlungen des Dharma vollbringen. Denn da die einzelnen Glieder des Lehrbuches infolge ihres nichtmenschlichen Ursprungs nicht auseinandergerissen werden können, ist auch dabei die Annahme eines Unterschiedes von wahr und unwahr nicht am Platze: wenn das eine unwahr wäre, ergäbe sich auch für das andere Unwahrheit. – Nun nennt der Verfasser übernatürliches Wirken: »Mondhäuser«. Mondhäuser, Aśvinī usw. »Sonne und Mond« sind bekannt. »Die Planeten«, fünf, Mars usw. Deren radförmiger »Kreis«, die auf die zwölf Teile der Ekliptik verteilte, besondere Art der Stellung. »Für die Welt«, nicht für sich selbst. »Gleichsam mit Überlegung«: gerade als ob er2 Überlegung hätte. Wie irgendein Mensch mit Überlegung handelt, so sieht man auch jene, die Sonne usw., vereinigt mit dem Mondhause, bald so, bald so wandeln; und doch auch wieder nicht so, sagt das Wort »gleichsam«. Denn sie handeln nicht in der Absicht: »Das wollen wir für die Welt tun!« Das ist in einem anderen Lehrbuche sehr ausführlich behandelt. – Mit dem Ausdrucke »man sieht« wird gezeigt, daß man das deutlich durch die sinnliche Wahrnehmung erkennt. Der Erfolg für die Welt ist bei diesem Wirken ein günstiger oder ungünstiger und von zweierlei Art: ein allgemeiner und ein besonderer. Der allgemeine besteht in guten und schlechten Zeiten usw. und ist aus der Astrologie zu ersehen. Der besondere aber beschränkt sich auf das einzelne Wesen, auf Gewinn, Verlust, Glück, Unglück usw. und ist aus der Nativitätslehre zu ersehen. Dieses so beschaffene Wirken läßt auf eine besondere, übernatürliche Ursache schließen, deren Wirkung aus der Wohlfahrt oder dem Mißgeschick der Welt ersehen werden kann. Was sonst sollte das stete Wirken oder Nicht wirken dieser eingestaltigen, von anderen Wirkungen unabhängigen Körper sein? Etwa Schicksalsnotwendigkeit? Aber auch sie ist ja von Ursachen ewig unabhängig! Darum ist also deren Tätigkeit eine übernatürliche, und man liege deshalb dem Dharma ob. Es heißt: »Das Netz der Mondhäuser und Planeten ruht Tag und Nacht auf dem Treiben der Welt; zwischen Glück und Unglück schwankt das All und offenbart die Taten in den früheren Existenzen.« – »Kasten, Stadien usw.«: Kasten, Brahmanen usw.; »Stadien«; Brahmanenschüler, Hausherren usw. – Deren »Satzungen«: ihr Dharma. – »Das Leben darin«: der Zustand. »Das Treiben der Welt«, welches diesen als Kennzeichen besitzt, ist gemeint. Deutlich wird darauf abgezielt, daß es durch die Materialisten kein rand- und bandloses werden und keine »Fischordnung«3 bekommen solle: denn die Dreizahl4 dient nur zur Zügelung. – Die Kenner des Treibens der Welt, die danach handeln, um Zutrauen in der Welt zu erwecken – warum leben die nicht nach dem Dharma? Was ist das für eine Verkehrtheit, wenn einer, der den Sachverhalt kennt, handelt wie einer, der ihn nicht kennt! Mit jenem Worte: »Man vollbringe keine Taten des Dharma« zeigt der Verfasser, daß das ein Hindernis ist, die wahre Erkenntnis zu erlangen; und wenn gesagt worden ist: »da der Lohn dafür erst künftig kommen soll«, so beweist er, daß das auch bei sichtbaren Gegenständen geschieht, wenn er sagt: »den in der Hand befindlichen«. Wenn man auf der einen Seite handelt, auf der anderen sich zurückhält, während in gleicher Weise der Erfolg erst ein künftiger ist, so ist das Ungereimte dieser Handlungsweise gekennzeichnet. Wenn man niemals dabei also etwas sieht, warum dann die Verschiedenheit der Handlungsweise in der Welt? Denn nirgends erlangt man einen Erfolg wie Herrschaft usw. aus einer sichtbaren gleichartigen Ursache. Das wäre auch nicht natürlich, da immer die Möglichkeit des Gelingens oder Nichtgelingens vorhanden ist.
Nun nennt der Verfasser eine irrige Ansicht über den Artha:
Man vollbringe keine Taten des Artha: denn selbst mit Mühe erstrebt werden Gelder (bisweilen) niemals erlangt; sogar ohne daß man danach strebt, kommen sie ganz von selbst.
Geld erlangt man durch Anwendung von Hilfsmitteln. Der Sinn ist, man soll so streben, daß man dabei Hilfsmittel beobachtet, da Vermögen gemäß dem Ausschluß oder der Zulassung eines solchen glücklich erlangt wird. So sagt der Verfasser: »mit Mühe«. Der Sinn ist: Wenn man sie mit Gewalt zu erreichen sucht, werden sie niemals erlangt. Geschieht es doch, dann meinen die Leute, es geschehe nach Schicksalsverfügung. – »Ohne daß man danach strebt«, d.h. mit Mühe, »kommen sie ganz von selbst«, zufällig, durch Entdeckung eines Schatzes usw. Darum ist auch das Lehrbuch überflüssig, welches die Erkenntnis der Hilfsmittel zum Gegenstande hat. Wie ist es also hier mit? – Darauf lautet die Antwort:
Das alles wird vom Schicksal bewirkt.
»Schicksal«, das ewige, gehört zur Kategorie der Substanz. Von diesem »bewirkt« bedeutet, daß der Mensch davon abhängig ist, da das Wirken des Schicksals ein ursächliches ist.
Das zeigt (der Verfasser), indem er sagt:
Das Schicksal nämlich bringt die Menschen zu Reichtum und Armut, Sieg und Niederlage, Glück und Unglück.
Der Sinn ist: Bei diesen sechs Dingen, Gewinn – Verlust usw., die zu verwerfen oder zu wählen sind, ist eben das Schicksal die Grundursache; darum gebe man sich selbst keine Mühe wegen des Aufgebens oder Annehmens.
Nun nennt er eine sprichwörtliche Redensart:
Vom Schicksal wurde Bali zu Indra gemacht, vom Schicksal wurde er gestürzt; eben das Schicksal wird ihn auch wieder erhöhen. – Das ist die Meinung der Fatalisten.
Wiewohl er von zu meidender Art und infolge sei nes Halbgötterstandes unwürdig war, wurde er doch an die Stelle Sakras gesetzt, wo er weilte, bis er »gestürzt« wurde. Durch das umschlagende Schicksal wurde er aus dieser Stellung entfernt und in die Unterwelt gestürzt. – »Wird ihn wieder erhöhen«: der Sinn ist: wenn das Schicksal wieder umschlägt, wird es ihn (aus der Unterwelt wieder) entlassen und zu Indra machen. So sagt man denn: »Das Schicksal reift die Wesen, das Schicksal rafft die Geschöpfe weg; das Schicksal wacht bei den Schlafenden: dem Schicksal kann man ja nicht entgehen«. – »Fatalisten« sind diejenigen, welche ein Walten des Schicksals annehmen. Ebenso kann man die Deisten betrachten, weil sie jenen nach Erwerb und Erhaltung ihres Besitzes ähnlich sind.
Nun gibt der Verfasser die richtige Auffassung:
Die Grundlage aller Betätigungen sind die Hilfsmittel, da sie von der menschlichen Wirksamkeit abhängen.
Die Betätigungen eines nach der Erreichung von Reichtum, sei es durch Schicksalsgunst, sei es durch Hilfemittel, Verlangenden sind insgesamt als von menschlicher Wirksamkeit abhängig anzusehen, indem dieselbe in beiden Fällen dabei beteiligt ist. Die menschliche Tätigkeit vermag aber ohne Hilfsmittel keinen Reichtum zustande zu bringen; darum »sind die Hilfsmittel die Grundlage«, d.h. die Ursache des glücklichen Erwerbes von Reichtum. Denn gerade wie die menschliche Tätigkeit bei dem Erwerben von Reichtum auf das Schicksal angewiesen ist, ebenso auch die Fähigkeit, Gelegenheit und Ausführung auf die Hilfsmittel: wenn sie alle fehlen, kann auch das Schicksal nichts machen; und wenn das Schicksal fehlt, sind sie auch ohnmächtig. Darum sind diese aufeinander angewiesenen Faktoren: Fähigkeit, Gelegenheit, Schicksal und Ausführung der Hilfsmittel, die das Ziel erreichen helfen. So erlangt man also Reichtum, indem die menschliche Wirksamkeit sich auf dem Gebiete der Fähigkeit usw. betätigt. Bei dem Vorhandensein unendlich vieler Vorzüge kann es sicherlich auch einmal vorkommen, daß jemand zufällig in den Besitz von Reichtum kommt: das geschieht aber auch unter dem Einfluß eines Hilfemittels, nämlich des zufällig Geschehenden. So sagt der Verfasser:
Auch ein notwendig erfolgendes Vermögen ist durch Hilfsmittel bedingt: ein Untätiger hat kein Glück. – So lehrt Vātsyāyana.
Weil es so ist, deshalb hat »ein Untätiger«, der des Beobachtens der Hilfsmittel ermangelt, »kein Glück«, Wohlfahrt. Da soll man also die Taten in früheren Existenzen für nutzlos erachten? Nein! Es ist vielmehr die Sache so anzusehen, daß beides, einander erfordernd, wirksam ist; wie es denn heißt: »Götter- und Menschenwerk waltet über der Welt.« Damit ist auch die Theorie widerlegt, die nur das Göttliche gelten läßt.
Nun führt (der Verfasser) eine irrige Auffassung vom Kāma an:
Man vollbringe keine Taten des Kāma, wegen ihrer Rivalität mit den beiden Hauptsachen Dharma und Artha und anderen trefflichen Menschen. Sie bewirken bei dem Menschen Verkehr mit Niedrigen, schlechte Unternehmungen, Unreinlichkeit und Vernichtung der Zukunft.
Die »beiden Hauptsachen«, weil aus ihnen der Kāma ersteht. »Wegen ihrer Rivalität«: weil man, im Banne des Kāma, nicht nach dem Wandel im Dharma fragt, ja entgegengesetzt handelt und auch kein Geld zu erwerben sucht: der Kāma bildet dafür ein Hindernis, wegen der häßlichen Ausgaben für berauschende Getränke, Hurenlohn und Geschenke. »Treffliche Menschen«: eifrige Gelehrte und fromme Büßer, diese Trefflichen meiden den dem Kāma Ergebenen. – »Niedrige« sind solche, die diesen feindlich gegenüberstehen, Schauspieler, Tänzer, Sänger usw. Berührung mit diesen »bewirken« sie. »Schlechte Unternehmungen«, unrühmliche Beschäftigung, wie die nächtlichen Liebesbesuche, Überklettern über Mauern usw. »Unreinlichkeit« wegen der genannten Umgehung des Reinlichen. »Vernichtung der Zukunft«, Unfähigkeit bei dem »Liebesesel«5.
Ferner Nachlässigkeit, Leichtsinn, Mißtrauen (bei Anderen) und Meidung (seitens der Mitmenschen).
»Ferner Nachlässigkeit«, Beschädigung des Leibes beim Besuche usw. fremder Frauen usw. »Leichtsinn«, Wankelmut infolge ihres unbedachten Lebenswandels. »Mißtrauen«: Verlust der Vertrauenswürdigkeit wegen des Umganges mit schlechten Menschen. »Meidung«, Verwerfung wegen ihres ehrlosen Treibens.
Man hört von vielen der Liebe Ergebenen, die sogar samt ihrer Begleitung untergegangen sind.
»Viele«, nicht nur einer, der Liebe Untertane »sind untergegangen«, so ist der Zusammenhang. »Samt ihrer Begleitung«: d.h. nicht nur die Verliebten selbst, sondern auch ihre Diener.
Um das zu erhärten, folgt noch eine kleine Geschichte:
So ging der Bhoja namens Dāṇḍakya, welcher die Tochter eines Brahmanen beschlafen hatte, infolge der Liebe samt Sippe und Reich unter.
»Dāṇḍakya« ist der Name. »Bhoja« bedeutet, aus dem Bhoja-Geschtechte stammend. »Beschlafen«, entehren. Als er nämlich auf die Jagd gegangen war, erblickte er in einer Ein siedelei die Tochter des Bhārgava, verliebte sich in sie und entführte sie auf seinem Wagen. Da kam Bhārgava mit Holz und heiligem Grase zurück, und als er jene nicht sah, erkannte er durch Meditation den wahren Sachverhalt und verfluchte den König. Da fand dieser »samt Sippe und Reich«, von einem Sandregen verschüttet, seinen Tod. Diese Stätte wird heute noch als Daṇḍaka-Wald besungen.
