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Windhunde gehen auf einen uralten Hundetyp zurück. Sie sind schneller als ein Hase, sehen so ähnlich aus wie Rehe und schlafen am liebsten auf dem Sofa. Sie sind meist sanftmütig, kinderfreundlich und pflegeleicht. Die liebenswerten Hunde sind alles in einem: Jagdhund, Begleithund, Familienhund, Kinderfreund und Kuschelhund. Das Buch informiert über Herkunft, Pflege, Haltung und Fütterung, Windhundeigenheiten, geht auf die Gesundheit ein und zeigt, wie man Windhunde sinnvoll beschäftigt. Ein Überblick über die vielfältigen Windhunderassen gibt ein umfassendes Bild dieser faszinierenden Hunde. Auch Themen wie Vereine und Genetik sind Bestandteil dieses Buchs. Viele Zeichnungen runden das Buch ab.
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Seitenzahl: 283
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Italienisches Windspiel
Als Windhunde bezeichnet man hochläufige, mehr oder weniger schlanke Hetzhunde, die ihre Beute vornehmlich auf Sicht jagen. Ihre ursprüngliche Aufgabe bestand darin, gesundes Wild (Hasen, Füchse, Rehe, Hirsche usw) im Laufen einzuholen. Windhunde zählen nach dem Geparden zu den schnellsten Landtieren der Erde. In der Systematik der FCI gehören die Windhunde zur Gruppe 10. Einige windhundähnliche Rassen aus der Familie der Podencos werden in der Gruppe 5 – Spitze und Hunde vom Urtyp geführt. Letztere sollen nicht Gegenstand dieses Buchs sein. In Großbritannien führt man die Windhunde als Teil der Hound Group. Die im Deutschen verbreitete Bezeichnung Windhund bedeutet ursprünglich wendischer (slawischer) Hund, als Hinweis darauf, dass Windhunde im deutschen Sprachraum vor allem aus dem slawischen Raum bekannt gewesen seien. Auch der Bezug zum deutschen Wort Wind (Luftzug) scheint gegeben. Nach anderer Auffassung handelt es sich bei dem älteren Begriff „wint“ um eine Abwandlung des lateinischen „vertragus.“ Diese Bezeichnung stammt wohl ursprünglich aus dem Keltischen und bezieht sich auf die Schnelligkeit der Hunde. Die Zusammensetzung zu Wind-Hund oder Wind-Spiel entstand erst später. Wint bezeichnet im Althochdeutschen die Jagd. Im Englischen werden Windhunde nach ihrer Jagdmethode, der Jagd auf Sicht, als Sighthound oder Gazehound (Sichthund, Hetzhund) bezeichnet. Je nach Beute werden sie auch als „Hasenhund“ bezeichnet (frz. lévrier, ital. levriero, span. lebrel, port. lébrel). Verschiedene Windhundrassen entsprechen in ihrem Namen dem Begriff „Windhund“ in der Sprache des Herkunftslandes: spanisch galgo (Galgo Español), ungarisch agár (Magyar Agár), polnisch chart (Chart Polski), russisch borsaja (Barsoi). Gemeinsam mit dem Molosser gehört der Windhund zu den ältesten bekannten Beispielen phänotypischer Spezialisierung des Haushundes auf eine bestimmte Verwendung. Früheste Abbildungen von Hunden zeigen Windhundtypen: schlanke, hochläufige Hunde mit spitzem Fang. In verschiedenen Regionen haben sich durch Züchtung unterschiedliche Windhunderassen entwickelt, angepasst an die jeweiligen Umweltbedingungen. Die ältesten Bilder von Windhunden finden sich in altägyptischen Darstellungen aus der prädynastischen Zeit (4. Jahrtausend v. Chr.) Die schlanken, hochläufigen Jagdhunde der Ägypter ähneln im Typ modernen Podencos. Im Mittelalter wurde der Besitz von Windhunden zu einem Vorrecht des Adels. König Knut der Große von England erließ 1016 Gesetze, in denen u.a. festgehalten war, dass nur Adlige Windhunde besitzen durften. Entgegen des Standes anderer Hunde genossen Windhunde ein hohes Ansehen. So erließ König Howell der Gute im 10. Jahrhundert in Wales ein Gesetz, wonach auf das das Töten eines Windhundes die Todesstrafe stand. Außerdem wurden für Windhunde sogar höhere Preise verlangt als für eine Leibeigene.
Im 16. Jahrhundert verfasste der Duke of Norfolk im Auftrag der Königin Elisabeth I. erstmals Regeln zur Hasenhetze mit Windhunden. Dort wurden z.B. die Anzahl Hunde pro Hase, der dem Hasen zu gewährende Vorsprung und die Bestimmungen zur Wertung eines Laufs festgehalten. Windhunde wurden zur Hetzjagd auf Sicht gezüchtet. Sie verfolgen ihre Beute nicht mit Hilfe des Geruchssinns, sondern mit Hilfe des Sehsinns. Trotzdem haben sie wie meisten Hunde einen ausgesprochen guten Geruchssinn und eignen sich auch für Nasenarbet. Außerhalb Europas, aber auch in europäischen Ländern wie Spanien, Russland und Irland werden Windhunde noch immer zur Jagd verwendet, meist bei der Hasenhetze. Neben der Hasenhetze wurden die Windhunde auch zur Hetzjagd auf Sicht auch als Methode zur Jagd auf größere Tiere genutzt, beispielsweise auf Hirsche (Deerhound, Staghound) und Wölfe (Barsoi, Irischer Wolfshund). Windhunde werden heute im Amerikanischen Westen noch zur Jagd auf Kojoten eingesetzt. Auf der Arabischen Halbinsel werden Salukis im „Team“ mit Falken zur Jagd auf Hasen und Gazellen verwendet. Alle Windhundrassen sind excellente Jäger. In den meisten europäischen Ländern werden sie heute nur noch als Haus-, Familien- und Begleithunde gehalten. Zur Auslastung werden sie meist auf Amateur-Sportveranstaltungen wie Hunderennen und Coursings eingesetzt. In den angelsächsischen Ländern sind kommerzielle Windhundrennen verbreitet, bei denen fast ausschließlich Greyhounds und Whippets zum Einsatz kommen. In Deutschland gibt es meines Wissens keine kommerziellen Windhunderennen, d.h. Rennen, auf denen hohe Geldgewinne winken.
Innerhalb der Windhunde werden nach geografischer Herkunft weiterhin folgende Gruppen unterschieden:
Okzidentale Windhunde (Rosenohren, Sprinter), z.B. Whippet -Kleiner Englischer Windhund
Orientale Windhunde (Schlappohren, vom Wesen eigenständiger, ausdauernder), z.B. Azawakh - Tuareg-Windhund
Mediterrane Windhunde (erkennbar an den Stehohren, wie sie der Pharaoh Hound aufweist), z.B. Podenco Ibicenco (mediterraner Typ)
Zu den okzidentalen Windhunden gehören Barsoi, Chart Polski, Deerhound, Galgo Español, Greyhound, Irish Wolfhound, Italienisches Windspiel, Magyar Agár, Whippet.
Zu den orientalischen Windhunden gehören Afghanischer Windhund (Afghane), Azawakh (Tuareg-Windhund), Saluki (persischer Windhund) und Sloughi (nordafrikanischer Windhund).
Zu den mediterranen Windhunden zählen Cirneco dell’Etna, Pharaoh Hound, Podenco Canario, Podenco Ibicenco und Podengo Português. Die mediteranen Windhunde/ Laufhunde sollen nicht Gegenstand dieses Buchs sein.
Windhunde können zusätzlich aufgrund ihres Jagdverhaltens eingruppiert werden in Rassen, die ihre Beute einholen und töten sollen (kill, zum Beispiel Greyhound, Whippet, Silken Windsprite, Irish Wolfhound), und Rassen, die ihre Beute einholen und festhalten, bis der Jäger eintrifft und die Beute tötet (zum Beispiel Azawakh, Deerhound).
Von der FCI werden derzeit dreizehn Rassen in der Gruppe 10 und fünf Rassen in der Gruppe 5 anerkannt, die sich in Haarkleid, Größe und Erscheinungsbild stark unterscheiden. Die folgenden Windhundrassen sind derzeit in der FCI-Gruppe 10 anerkannt:
Sektion 1: Langhaarige oder befederte Windhunde (Afghanischer Windhund (Afghane), Barsoi, Saluki)
Sektion 2: Rauhhaarige Windhunde (Deerhound; Irish Wolfhound)
Sektion 3: Kurzhaarige Windhunde (Azawakh, Chart Polski, Galgo Español, Greyhound, Italienisches Windspiel, Magyar Agar (Ungarischer Windhund), Sloughi, Whippet)
Windhundähnliche Rassen: In der FCI-Gruppe 5 befinden sich die folgenden windhundähnlichen Rassen, die manchmal auch als „Mediterrane Windhunde“ bezeichnet werden (Cirneco dell’Etna, Pharaoh Hound (Kelb tal-Fenek), Podenco Canario, Podenco bicenco, Podengo Português.
Nicht FCI-anerkannte Windhundrassen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): American Staghound, Chortaj, Kritikos Lagonikos (VDH-anerkannt), Longhaired Whippet/ Silken Windsprite (VDH-anerkannt), Mittelasiatischer Tazi, Mudhol Hound, Podenco Andaluz (VDH-anerkannt), Silken Windhound, Taigan (VDH-anerkannt).
Hybridhunde mit Windhundanteil: Lurcher, Longdog.
Afghanischer Windhund (Afghane)
Der Afghanische Windhund (afghanisch Thasi) ist eine der ursprünglichsten Windhundrassen aus dem Hochland des Hindukusch. Bereits um 4000 v. Chr. züchteten die Nomaden Afghanistans einen Hundetyp, der heute als Vorfahr des Afghanischen Windhunds gilt. Dieser soll vom Nahen Osten nach Afghanistan gekommen sein. Der Körperbau, speziell der Kopf, weist Ähnlichkeit zum Saluki und zum kirgisischen Taigan auf Der genaue Ursprung ist nicht mehr eindeutig zu ermitteln. In ihrer Heimat Afghanistan wurde die Rasse hoch geschätzt und teilweise wie eine Kostbarkeit behandelt. Das karge Leben der Nomaden in den zerklüfteten Bergen, die weiten Steppen dieses Landes und seine rauhe Natur erforderten einen Hund, der als Jagdhund das Überleben seiner Besitzer sicherte. Außerdem wird er für die als Privileg geltende Beizjagd eingesetzt, um das Wild aufzuscheuchen. Es sind drei ursprüngliche Typen des Afghanischen Windhunds bekannt, der Bakhmull mit langem seidigem Haar, der glatthaarige Luchak und der ebenfalls glatthaarige mit langen Haaren an Beinen und Ohren Kalagh genannte Typ. Teilweise werden sich die Schläge vermischt haben. Die Hunde wurden als sehr kostbar erachtet und durften nicht exportiert werden. Ab und an wurden sie aber aus dem Land geschmuggelt oder gingen als Geschenk ins Ausland. Britische Soldaten, die im zweiten Anglo-Afghanischen Krieg kämpften, nahmen erste Exemplare mit nach Europa. Die Hündin „Mortee“ wurde als erster Afghanischer Windhund auf einer Ausstellung in Bristol gezeigt. Nachdem mehrere Tiere der unterschiedlichen Typen nach England gebracht worden waren und verschiedene Rassestandards existierten, legte der Standard von 1925 endgültig die Zucht auf den Typ des Bergafghanen fest. Später entwickelte sich der Standard vom einstigen Jagdhund mehr in Richtung Showhund. Das Haar wurde länger und voller. Auf Rennund Hetzeigenschaften wurde nicht mehr soviel Wert gelegt. Dadurch gibt es unterschiedliche Zuchtlinien (Show- und Racing Dogs). Der wesentliche Unterschied zwischen beiden besteht hauptsächlich im Fell, das bei Rennhunden zwar lang, aber immer noch deutlich kürzer als bei Ausstellungshunden ist. Besonders üppige und lange Behaarung zeigen amerikanisch-stämmige Ausstellungshunde. Durch die Spezialisierung der Zucht auf Erfolge bei Windhunderennen oder bei Ausstellungen entstehen so sehr unterschiedliche Typen vom Afghanischen Windhund, der Rennafghane und der reine Showafghane. Allerdings sind die Typen dazwischen breit gefächert. Es gibt auch Bewertungskategorien, die Erfolge von Ausstellung und Rennbahn berücksichtigen.
Der Hund soll Eleganz, Stolz und Würde zum Ausdruck bringen, aber auch die Kraft und Schnelligkeit der Rasse. Der Schädel ist lang, nicht zu schmal, mit langem Haarschopf. Der Gang ist elegant und leicht federnd. Das lange und seidige Fell darf alle Farben aufweisen. Meist ist es Creme, Silber, Schwarz, Schwarz-loh, Silberschwarz, elfenbeinfarben oder Domino. Domino" ist eine Fellfarbe, die eine helle Gesichtsmaske mit einem sogenannten "Witwenspitz" und dunkle Haarspitzen aufweist. Der Witwenspitz ist eine helle oder weiße Färbung im Gesicht, die das dunklere Fell überlagert. Eine schwarze oder blaue Maske ist zugelassen. Der Hund ist annähernd quadratisch gebaut. Widerristhöhe 63–74 cm. Der Bauch ist aufgezogen mit tiefem Brustkorb. Das Gewicht liegt bei 20–30 kg. Afghanen werden ca. 1214 Jahre, manchmal älter. Im Haus verhält sich der Afghane sanft, ruhig und unauffällig. Draußen will er laufen und rennen, die Jagdleidenschaft kann durchbrechen. Bei sehr großem Hetztrieb sollte er in Wald und Flur nicht abgeleint werden. Er ist er verträglich mit Artgenossen, Schutztrieb kennt er nicht. Sein Gang ist stolz, auch sein Wesen. Er ist unabhängig, ruhig, sensibel, manchmal misstrauisch gegenüber Fremden. Beim Afghanen kommt gelegentlich die Afghanenmyelopathie vor, eine vermutlich erblich bedingte Erkrankung des Rückenmarks, die zur vollständigen Lähmung der Gliedmaßen führt.
Afghane
Barsoi
“Barsoi” kommt aus dem Russischen und bedeutet „schnell und wendig“. Diese edel anmutenden Windhunde gehören zu den europäischen oder westlichen Windhunden, charakterlich ähneln sie den orientalischen oder östlichen Windhunden. In Russland wurden sie von der Aristokratie geliebt, waren beliebte Hunde für die Wolfsjagd. In Deutschland zählten Barsois zu den ersten Windhundrassen auf Windhundrennen, neben Greyhounds, Afghanen und Whippets. Der Barsoi ist eine große Rasse mit bis zu 80 cm Schulterhöhe. Der Kopf ist lang und schmal mit einem spitzen Fang. Das Fell ist lang und seidig, ist immer mehr oder weniger gewellt oder gelockt. Es neigt nicht zum Verfilzen, muss aber regelmäßig gekämmt und gebürstet werden. In Schritt und Trab laufen die Hunde federnd, beim Galopp machen sie große Sprünge. Sie sind gehorsam und charakterstark, lernen schnell und wollen es ihrem Herrn Recht machen. Das Rangordnungsverhalten ist ausgeprägt, deshalb muss der Hund seine Stellung im Rudel bzw in der Familie genau kennen. Er ist gutmütig und verträglich mit anderen Hunden. Trotzdem können Rangordnungskämpfe, besonders unter Rüden, vorkommen. Dies sollte durch rechtzeitiges Eingreifen unterbunden werden. Im Haus ist der Barsoi ruhig, ausgeglichen und anhänglich. Draußen dreht er auf und muss auf seine Kosten kommen. Er ist freundlich und gutmütig. Im Ernstfall verteidigt er aber sein Zuhause und die zugehörigen Menschen und Tiere. 68 bis 85 cm Widerristhöhe. Zugelassen sind alle Farben mit schwarzen Lefzen und Nasenspiegeln. D.h., kein Braunfaktor und keine stark abgeschwächten / stark verdünnten Farben, die ohne schwarze Hautpigmentierung einhergehen (z.B. blau, braun, leberfarben).
Barsoi
Saluki
Der Saluki, auch Persischer Windhund genannt, ist wahrscheinlich die älteste Windhundrasse. Er stammt ursprünglich aus dem Mittleren Osten. Gemeinsam mit Falken und zweibeinigen Jägern ging der Saluki auf Gazellenjagd. Beduinen setzten ihn als Jagdhund ein, denn der Saluki war schnell genug, das Wild zu fangen und zu erlegen. Der Saluki ist ca. 60-70 cm groß. Es gibt kurzhaarige Salukis, überwiegend finden wir bei uns aber Salukis mit Befederung. Das heißt, das Fell ist kurz, aber an Rute, Ohren und Läufen ist es länger. Salukis kommen in allen Farben vor, auch mit verschiedenen Abzeichen. Für einen Windhund ist der Saluki relativ einfach zu erziehen. Er ist sehr anhänglich und menschenbezogen. Er sollte wie alle Windhunde nicht dauerhaft im Zwinger gehalten oder aufgezogen werden. Er muss schon beim Züchter gut auf alle möglichen Menschen und Umweltreize sozialisiert werden. Manche Salukis arbeiten erfolgreich im Hundesport außerhalb des Windhundrennens, z.B. Breitensport, Flyball oder Agility, oder legen erfolgreich Begleithundeprüfungen ab. Man sollte aber nicht enttäuscht sein, wenn sich ein Windhund als zu jagdfreudig oder zu eigenwillig dafür erweist.
Saluki
Da der Wüstensand sehr heiß wird, brachte man Salukis früher mit dem Kamel zur Jagd. Heute wird der Hubd mit dem Auto in das Jagdgebiet gefahren. Auf unseren Rennbahnen finden wir auch Salukis, allerdings weniger häufig als früher. Da der Saluki in seiner Heimat ursprünglich als Einzeljäger eingesetzt wurde, ist auch Coursing eine gute Beschäftigung für ihn.
Deerhound
Der Deerhound (Schottischer Hirschhund) ist eng mit dem Irish Wolfhound verwandt, aber etwas schmaler gebaut und sein Rücken ist etwas runder. Er ist sanftmütig und stammt aus Schottland, wo er ursprünglich vom Adel für die Jagd auf Hirsche und Wildschweine verwandt wurde. Er benutzt auch seine Nase, während die anderen Windhunde das zwar auch können, aber meist nicht tun. Sein Fell ist rauh, drahtig und wetterfest. Es darf auch gestromt oder rot sein, aber meist kommt es in sehr variablen Grautönen vor. Das unwirtliche Klima in Schottland macht einen wetterfesten Jagdhund notwendig. Der Deerhound ist ca. 75 cm groß und braucht viel Bewegung und Beschäftigung. Er braucht ausgedehnte Spaziergänge, die alleine aber nicht ausreichen. Wenn er sich dafür begeistern kann, kann man Nasenarbeit anbieten. Außerdem muss man seinem Bewegungs- und Hetztrieb Rechnung tragen. Windhundrennen bieten sich an, aber Coursing ist meist besser geeignet. Der Deerhound ist freundlich, mutig und unerschrocken. Bei der Aufzucht ist auf eine angepasste Fütterung und Bewegung zu achten. Der Deerhound ist sensibel und ruhig, ein guter Haus- und Begleithund, aber auch ein kinderfreundlicher Familienhund. Er ist sensibel und gelassen und strahlt etwas Erhabenes aus.
Irish Wolfhound
Der genaue Ursprung des Irischen Wolfshundes ist nicht bekannt. Archäologische Funde beweisen, dass es große Windhunde von über 70 cm schon um 700 v. Chr. in Irland, England und Wales gab. Auch in altrömischen Quellen ist von der Rasse die Rede. „Ganz Rom sah sie mit Erstaunen und stellte sich vor, sie müssten in Eisenkäfigen hierher gebracht worden sein“, schrieb Quintus Aurelius Symmachus 391 n. Chr. in einem Brief, in dem er sich für die ihm übersandten Hunde bedankte. Der Irish Wolfhound hatte seine Blütezeit im antiken und mittelalterlichen Irland vor der Einführung von Feuerwaffen und wurde zur Jagd auf Wölfe und anderes Großwild eingesetzt. Damals wurden Irish Wolfhounds nur vom Hochadel gehalten. Von großen indischen Windhunden ist in diversen alten Sagen die Rede, z,B.:
„Ich möchte Dir einen Rüden darreichen, den ich aus Irland bekam. Er hat riesige Gliedmaßen und ist als Begleiter einem kampfbereiten Manne gleichzusetzen. Darüber hinaus hat er den Verstand eines Menschen, und er wird deine Feinde anbellen, niemals aber deine Freunde. Er wird es einem jeden Menschen vom Gesicht ablesen, ob er gegen dich Gutes oder Schlechtes im Schilde führt. Und er wird sein Leben für dich lassen.“ (Brennu Njáls saga, Island, ca. 1000 n. Chr.).
Im 16., 17. Jahrhundert war der Wolfhound in England zur Jagd auf Bären und Wölfe ein geschätzter Jagdhund. Mit Erfindung der Handfeuerwaffen wurde der Wolf in England und Irland so gut wie ausgerottet. Die Rasse verlor ihr ursprüngliches Betätigungsfeld und wäre beinahe ausgestorben. Oliver Cromwell erließ Mitte des 17. Jahrhunderts ein Ausfuhrverbot aus Irland, um die letzten verbliebenen Hunde zu retten. Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich der Schotte Capt. George Augustus Graham für die Rasse ein. Er entwarf einen Rassestandard und kreuzte die wenigen verbliebenen Exemplare mit einigen anderen Rassen, z.B. Deerhounds, Doggen, Barsois. Das Ergebnis war der Irish Wolfhound, wie wir ihn heute kennen.
Nachdem der Bestand der Rasse zwischen 1860 und 1914 anfing, sich zu erholen, und auch einige Exporte von Zuchttieren auf den europäischen Kontinent und nach Nordamerika erfolgt waren, wurden die Hunde durch die Nahrungsmittelknappheit und -rationierung im Ersten Weltkrieg erneut dezimiert. In der Zwischenkriegszeit erholte sich der Bestand abermals, die Zucht dehnte sich auch auf Kontinentaleuropa aus. Die meisten Würfe fielen weiterhin in Großbritannien und Nordamerika. Der Zweite Weltkrieg richtete erneut große Schäden in der Rasse an. In Europa verschwand sie nahezu vollständig. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1960er Jahre erholte sich die Population nur langsam, wobei sich die Zucht nach wie vor zum größten Teil im angelsächsischen Raum konzentrierte. Seit Mitte der 1960er Jahre ist weltweit ein Anstieg der Zuchtpopulation zu beobachten, seit den 1970er Jahren auch in Kontinentaleuropa.
Die Mindest-Schulterhöhe beträgt bei Rüden 79 cm und bei Hündinnen 71 cm, wenige erreichen eine Schulterhöhe von über 100 cm. Er gilt als die größte Windhunderasse der Welt; nur die Deutsche Dogge erreicht eine vergleichbare Größe. Sein Haar ist rau und hart. Die Standardfarben sind grau, gestromt, rot, schwarz, reinweiß, rehfarben oder jede beim Deerhound vorkommende Farbe. Seine kleinen Ohren werden greyhoundartig getragen und als Rosenohren bezeichnet. Der Irish Wolfhound ist ein gutmütiger Riese, bei entsprechender Auslastung ein liebevoller Familienhund. Seinen Hetz- und Renntrieb kann er beim Coursing oder auf der Rennbahn ausleben.
Wie die meisten Riesenrassen haben auch Irische Wolfshunde im Vergleich zu kleinen Hunden nur eine kurze Lebenserwartung zwischen 6 und 10 Jahren. Selten werden sie älter als 10 Jahre.
Aufgrund ihres allgemein eher gemächlichen, ruhigen Wesens können Wolfshunde auch schmerzhafte Krankheitssymptome lange Zeit unterdrücken. Deshalb werden Krankheiten oft erst in fortgeschrittenem Stadium erkannt, was sich negativ auf die Heilungschancen auswirken kann. Daneben existieren in der Rasse verschiedene Erbkrankheiten und zumindest teilweise erbliche Dispositionen. Die häufigsten davon sind Dilatative Kardiomyopathie, Osteosarkom (Knochenkrebs), Magendrehung, Portosystemischer Shunt (intrahepatisch), Osteochondrose. Außerdem kommen Epilepsie, Rückenmarksembolien, Primäre Ciliäre Dyskinesie/ Rhinitissyndrom, Progressive Retinaatrophie, Von-Willebrand-Krankheit und Calcinosis circumscripta gehäuft vor. Mitunter wird Hypothyreose (Unterfunktion der Schilddrüse) als Rasseproblem erwähnt. Allerdings haben Irische Wolfshunde laut der Veterinary Medical Database der Purdue University im Vergleich zur gesamten Hundepopulation ein um zwei Drittel geringeres Risiko, an dieser Krankheit zu erkranken. Windhunde, auch Irish Wolfhounds, haben eine vergleichsweise geringere Toleranz für Anästhetika. Die Dosen sind entsprechend zu reduzieren. Widerristhöhe: Rüde: min. 79 cm, Hündin min. 71 cm. Gewicht: Rüde: min. 54,5 kg. Hündin: min. 40,5 kg.
Azawakh (Idi, Osca, Tuareg-Windhund)
Der Azawakh, auch Tuareg-Windhund, wird von den Nomaden der Sahelzone als Jagd-, Wach- und Schutzhund gehalten. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die Staaten Mali, Niger und Burkina Faso. Bei den südlichen Tuareg wird er Idi (pl. Iadan) genannt, "Hund". In der zentralen Sahelzone existiert keine andere Hundeform. In den nördlicheren, bereits in der Sahara gelegenen Regionen des Verbreitungsgebietes wird auch die Bezeichnung Osca (pl. Oscaten) verwendet, die im Tamascheq für besonders selektierte und edle Windhunde steht. Die Bezeichnung Azawakh, unter der die Rasse auch von der FCI anerkannt ist, geht zurück auf das Azawakhtal, im Grenzgebiet der Staaten Mali und Niger und damit im Zentrum der Ursprungsregion gelegen.
Der Azawakh macht einen eleganten Eindruck, der sich aus seinem schmalen und feingliedrigen Körperbau ergibt. Sein Wesen ist unabhängig und eigenwillig. In Relation zur gesamten Körperlänge sind die Gliedmaßen ziemlich lang. Dadurch wirkt der Azawakh hochbeinig. Die Lebensumstände im Ursprungsland sind für Mensch und Tier hart. Sie sind gekennzeichnet von Nahrungs- und Wassermangel. Die Skelettstruktur und Muskulatur sind deutlich unter dem trockenen Bindegewebe zu sehen. Dies ist ein ausdrücklich im Standard erwähntes Rassemerkmal. So können normal ernährte Hunde bei Ausstellungen oft keine vorderen Plätze erreichen. Mitunter kommt es zu Verwechslungen zwischen Azawakh und Sloughi. Dies ist zurückzuführen auf die ähnlichen Umweltbedingungen in den Ursprungsgebieten der Hunde. Außerdem lässt es sich auch durch Einkreuzungen beider Rassen erklären. Dieser Windhund hat eine Widerristhöhe von 60 bis 74 cm, bei einem Gewicht von 15 bis 25 kg. Das Fell ist kurz, dünn, der Bauch ist spärlich behaart oder gänzlich haarlos. Farben sind rot, sand, gestromt. Die Scheckung soll laut Rassestandard auf die Gliedmaßen beschränkt sein, allerdings kommen in der Ursprungsregion auch Hunde mit weit stärkerer Weißzeichnung vor. Alle Farbvarianten von Hellsandfarben bis zum dunklen Fauve, sind erlaubt. Eine schwarze Maske ist zulässig, eine weiße Blesse ebenfalls. Weißer Brustfleck erwünscht. Alle vier Gliedmaßen sollten weiße «Stiefel» aufweisen. Schwarze Stromung ist zugelassen. Die Haut ist dünn und straff anliegend. Der Kopf ist windhundtypisch lang, fein, trocken, ziseliert, schmal, die Ohren hoch angesetzt, dünn, hängend und flach, mit breiter Basis und am Schädel anliegend. Sie sind dreieckig mit leicht abgerundeter Spitze. Die Rute ist tief angesetzt, lang, dünn, sich zur Spitze verjüngend mit einem weißen Pinsel an der Spitze. Der Gang ist elegant und geschmeidig, vor allem im Trab und Schritt mit hoher Aktion der Läufe, der Galopp sprunghaft. Der Azawakh vermittelt den Eindruck von Leichtigkeit und Elastizität.
Chart Polski (Polnischer Windhund)
Der Chart Polski ist in Polen seit dem 13. Jahrhundert bekannt. Eine Verwandtschaft zum Barsoi ist wahrscheinlich. Der Einfluss von asiatischen bzw. orientalischen Windhunden ist ebenfalls sichtbar. Greyhounds waren in ganz Europa in den Fürstenhäusern heimisch und auch an der Entstehung dieser Rasse beteiligt. Aufgrund des Exterieurs und auch des Standards (Ohren, Größe, Haar, Fellfarben, mit blau und isabell) wird davon ausgegangen, dass der Chart Polski eng mit Barsoi, Saluki und Greyhound verwandt ist. Nach dem zweiten Weltkrieg schien es in Polen keinen Chart Polski mehr zu geben. Er galt als ausgestorben, zumal schon 1946 das Halten und die Jagd mit Windhunden in ganz Polen verboten worden war. Zum Glück hatten einige wenige Exemplare in abgelegenen Dörfern überlebt bei Menschen, die die Hunde zum Wildern einsetzten, um sich in den kargen Kriegs- und Nachkriegsjahren hin und wieder etwas Fleisch zu verschaffen. 1972 rief Dr. Maciej Mroczkowski die polnischen Kynologen dazu auf, die Rasse in Polen zu erhalten. In der Folge wurde der Chart Polski als eine der vier polnischen Hunderassen international anerkannt. Einige polnische Züchter begannen mit dem Wiederaufbau der Rasse, auch gegen den Widerstand offizieller Stellen, die den Chart Polski als klassenfeindliches Symbol ansahen. Am 27.2.1986 wurde der Chart Polski von der FCI provisorisch mit der Standardnummer 333 als polnische Nationalrasse anerkannt. 1991 kam die erste Chart-Polski-Hündin nach Deutschland. 1996 fiel der erste Chart-Polski-Wurf im DWZRV. Inzwischen hat sich die Rasse auch in Deutschland eine kleine Fan-Gemeinde erobert.
Der polnische Windhund ist groß, kräftig, muskulös, deutlich stärker und nicht so fein gebaut wie die anderen kurzhaarigen Windhunde. Er gleicht dem Typ des asiatischen Windhundes, auf den er zurück geht. Starker Knochenbau, kurzer Körper, deutlich sichtbare Muskulatur und mächtige Kiefer zeichnen ihn aus. Er wurde in seiner Heimat unter unwirtlichen klimatischen Bedingungen zur Jagd auf Hase, Fuchs, Reh, Trappe und Wolf eingesetzt. Die ursprünglichen Polnischen Windhunde waren äußerst gehorsam. Auf das Hornsignal des Jägers ließen sie sofort vom Wild ab und kamen zum Jäger zurück. Der polnische Windhund ist selbstbewusst, sicher, mutig und doch abwartend und zurückhaltend. Bei der Jagd ist er schnell, geschickt und ausdauernd, reagiert blitzartig. Der Chart Polski ist intelligent und leichtführig, anhänglich und pflegeleicht. Er ist ruhig, angenehm, wachsam, bei guter Sozialisierung nicht aggressiv und kinderlieb. Er ist liebevoll-anhänglich und für einen Windhund relativ leicht erziehbar. Zu vertrauten Menschen ist er anhänglich und liebevoll, zu Fremden freundlich bis reserviert. Er ist ausdauernd, robust, mitunter etwas derb, aber nicht aggressiv. Er hat einen selbstständigen Charakter, gegenüber anderen Hunden selbstsicher, bisweilen dominant. Widerristhöhe 68 – 80 cm. Alle Fellfarben erlaubt. Das Haar ist elastisch, ziemlich hart, weder drahtig noch seidig. An der Rückseite der Hinterschenkel und an der Unterseite der Rute ist das Haar lang; es bildet leichte Hosen und eine Bürste.
Galgo Español
Galgo Español bezeichnet den traditionellen Windhundes Spaniens. Die antike Bezeichnung „canis gallicus“ – keltischer Hund – wurde zu Galgo. In Spanien heißen alle Windhunde Galgo. Mit Galgo Espaõl ist der „echte“, von der FCI anerkannte Spanische Windhund gemeint, in Abgrenzung etwa zum englischen (Greyhound) oder auch afrikanischen Windhund (Sloughi oder Azawakh) zu bezeichnen. Wie Grey- und Deerhound soll er von den Kelten im Zuge der Völkerwanderung noch vor der Zeitenwende in die entsprechenden Landstriche mitgebracht worden sein. Wie er damals ausgesehen hat, lässt sich nur schwer rekonstruieren. Es existieren nur einige lateinische Texte, die von den keltischen Hunden reden.
Von schnellen und eleganten Hunden mit rauem oder glattem Fell ist die Rede. Die Jagd ist so beschrieben wie heutige spanische Hasenjagden im Gelände. Im Mittelalter wurden wahrscheinlich Sloughis eingekreuzt, die maurische Herrscher nach Spanien mitbrachten. Etwa 1930 bis 1935 brachten reiche Grundbesitzer des südlichen Spaniens Greyhounds aus England mit und kreuzten sie mit den originalen Galgos. Das kommerzielle Windhundrennen auf Rennbahnen nach englischem Muster setzte sich durch. Da Greyhounds auf kurze Distanzen und über ebene Strecken schneller laufen als der eigentliche Galgo Español, der wiederum besser in unebenem Gelände über weite Strecken galoppiert, wurden Greyhounds und Galgos gekreuzt. Der reinrassige Galgo Español starb praktisch aus. Die meisten spanischen Windhunde waren praktisch Greyhound-Galgo-Kreuzlinge. Inzwischen gibt es ein paar Züchter, die sich abseits der Rennbahnen bemühen, mit den wenigen reinrassigen verbliebenen Galgo Español zu züchten. Die FCI hat 1972 die Rasse offiziell anerkannt. 1982 sowie 2002 wurde der Standard überarbeitet und soll die Unterschiede zum Greyhound verdeutlichen. Er beschreibt eine Anatomie, die der speziellen Verwendung eines Sichtjägers für die ausdauernde Hasenjagd im Gelände gerecht wird. Der fein gebaute Hund ist mit 60 bis 70 cm Schulterhöhe kleiner als der Greyhound gebaut. Die Erscheinung ist in allen Teilen langgezogen. Der Kopf ist sehr schmal und der Übergang zum langen Fang zeigt kaum Stop. Das Ohr ist ein gefaltetes Rosenohr, bei Aufmerksamkeit leicht vom Kopf abgestellt. Der Hals ist lang und seitlich abgeflacht. Der Brustkasten ist nicht sehr tief, deshalb hat die Unterlinie auch einen weniger starken Bauchaufzug, den viele Windhundrassen zeigen. Der Galgo Español ist meist glatthaarig, kann aber auch rauhaarig vorkommen. Der Galgo Español liebt seine Menschen, ist aber auch freundlich zu Fremden, niemals aufdringlich, gelegentlich etwas zurückhaltend. Er liebt seinen Besitzer, ist sehr verträglich mit anderen Hunden und verhältnismäßig gut erziehbar.
Greyhound
Kaum ein anderes Tier ist annähernd so schnell wie der Greyhound. Bis zu 70 km/h kann er erreichen. Der Grey ist elegant und grazil, mit langen Beinen. Er ist ruhig, intelligent und liebt seine Menschen. Das Fell ist pflegeleicht, kann aber aufgrund der Kürze recht stark haaren. Widerristhöhe bis 76 cm, Gewicht 23-33 kg. Fell kurz, fein und dicht. Farben: schwarz, weiß, rot, loh, sand, gestromt, blau; weiße Abzeichen möglich. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei ca. 12-14 Jahren. Die Heimat des Greyhounds ist das Vereinigte Königreich. Er zählt zu den ältesten Hunderassen auf der Insel. Die Geschichte mit den nordeuropäischen Veränderungen und Umbrüchen der Gesellschaftsstrukturen der letzten 2000 Jahre verbandelt. Dieser Windhund-Typ war schon im Mittelalter europaweit verbreitet. Allerdings war der Greyhound Begleiter des Adels, der Pinscher hingegen eher Hund der Mittelschicht. Damals besaß beinahe jeder Adelige eine Jagdhund-Zucht incl. Windhunden. Ziel war, die Hunde für die Hetzjagd auf Hasen und andere Wildtiere noch schneller zu machen. Auch Windhundrennen waren schon damals populär. Doch die Geschichte der Greyhounds reicht weiter zurück. Schon die Römer berichteten über Hunde dieses Typs.
Der bekannteste Züchter des Greyhounds ist der vierte Earl of Orford. Er kreuzte 1770 Bulldogs ein, um seinen Hunden „einen ganz neuen Biss bei der Jagd“ zu verpassen. Angestrebt war ein Charakter wie beim Irish Wolfhound. Charles Darwin, der bekannte Naturforscher, bezeichnete diese Kreuzungen des Earls als „gelungene Beispiele für die Vereinbarkeit von Arten“ in seinen Schriften zur Evolutionstheorie.
Die Schnelligkeit wurde ihnen zum Verhängnis. Windhundrennen, bei denen hohe Geldgewinne winken, sind heute besonders in Irland, den USA und Australien beliebt. Die Champions können große Summen gewinnen. Hunde, die keine Leistungen mehr erbringen, werden von ihren Besitzern einfach entsorgt. In Irland sind die Tiere sogar zur Euthanasie zugelassen. Siehe auch „Die Schattenseiten des Windhunddaseins…“
Seit 2004 ist es verboten, Greyhounds in England und Wales zur Hetzjagd einzusetzen. In Deutschland ist diese Form der Jagd schon deutlich länger verboten. Der Hetztrieb ist aber immer noch vorhanden. Windhunde sind in Deutschland echte Familienmitglieder und werden auch so behandelt.
In Deutschland wird der Greyhound im an den VDH angeschlossenen Deutschen Windhundzucht- und Rennverband betreut. Auch um das Tierwohl wird sich vermehrt gekümmert. Der Tierschutzverein ProGreyhound zum Beispiel nimmt sich den ausgemusterten irischen Rennhunden an.
Greyhounds kommen bei Rennen leicht auf 60 - 70 km/h. Bei uns nicht zur Jagd eingesetzt, bleibt ihnen der Drang zum Hetzen doch erhalten. Sie sind Jäger und Sprinter. Sie beobachten bei Spaziergängen aufmerksam ihre Umgebung. Ist eine passende Beute gesichtet, sind sie kaum noch zu halten. Wie die meisten Windhunde, kann man Greyhounds kaum im Gelände ableinen. Ein regelmäßiger Ausgleich, z.B. Windhundrennen, Coursing, eventuell Nasenarbeit und Reizangeltraining, muss deshalb unbedingt gegeben sein. Rennen und Coursing sollte dabei an erster Stelle stehen, Nasenarbeit und Reizangeltraining sind eher zusätzliche Auslastung und kein gleichwertiger Ersatz. Einige Vereine stellen dafür ihre Rennbahnen zur Verfügung.
Zu Hause schläft und schmust der Greyhound – wie die meisten Windhunde – am liebsten auf der Couch. Draußen muss er auf seine Kosten kommen. Der Greyhound ist menschen- und hundefreundlich. Er ist gut erziehbar; natürlich kann der Hetztrieb mitunter Probleme machen. Greyhounds sind ruhig und intelligent, lieb und anpassungsfähig. Sie besitzen kaum Aggression und sind auch beliebte Familienhunde.
Der FCI-Rassestandard legt fest: „Er besitzt ein bemerkenswertes Durchhaltevermögen und Ausdauer. Intelligent, freundlich, anhänglich und ausgeglichen.“
Der Grey ist mit einer Widerristhöhe von bis zu 76 Zentimetern sehr groß. Er ist geschmeidig, elegant, nahezu grazil. Seine Kraft und Schnelligkeit werden in seiner Statur klar sichtbar. Er hat sehr lange Beine und ist für die Sichtjagd über lange Strecken geeignet. Der Schädel ist lang, die Augen vorne platziert. So verliert der Greyhound die Beute auf der Jagd nicht aus den Augen.
Zugelassene Farben sind Schwarz, Weiß, Rot, Loh, Sandfarben, Gestromt, Blau. Weiße Scheckung und Abzeichen sind zulässig.
Das Fell ist kurz, fein und dicht. Der Grey ist pflegeleicht, aber durch die kurze Beschaffenheit des Haarkleids kann dieses relativ stark haaren. Ein einfacher Noppenhandschuh reicht für die Fellpflege aus. Der Grey ist robust und gesund. Eigengeruch besitzt er kaum. Obwohl hier gesagt werden muss, dass permanent stinkende Hunde in aller Regel ungepflegt, krank oder schlicht nicht richtig ernährt sind.
Italienisches Windspiel
Das Piccolo Levriero Italiano, wie die Originalbezeichnung der Rasse ist, oder eben im deutschsprachigen Raum das Italienische Windspiel, ist eine der alten klassischen Windhundrassen mit einer mehr als tausendjährigen Geschichte. In seiner heutigen Erscheinung ist es seit Jahrhunderten bekannt. Wahrscheinlich stammt es von den kleinwüchsigen Windhunden am Hofe der Pharaonen in Ägypten ab. Die ägyptische Königin Cleopatra soll Julius Cäsar Windspiele zum Geschenk gemacht und damit nach Rom gebracht haben.
Wahrscheinlich kamen Windspiele jedoch über Griechenland auf den Kontinent. Viele alte Abbildungen zeigen Windspiele oder ähnliche Hunde. Ihre Blütezeit erlebten die Windspiele in der Renaissance an den Höfen des Adels und wurden weit über die Grenzen Italiens hinaus in ganz Europa bekannt. So kamen sie auch nach England. Im Rokoko war natürlich das verspielte Windspiel in seiner Zartheit und Anmut besonders beliebt. Friedrich der Große wurde der bekannteste Liebhaber dieser Rasse. Um ihn und seine Windspiele ranken sich viele Geschichten und Anekdoten. Noch heute sind die Grabplatten seiner Lieblingshunde in Potsdam auf der Terrasse von Sanscoussi erhalten. Das Windspiel ist seit jeher eine beliebte, kleine Hunderase. Es ist anpassungsfähig, klein, temperamentvoll, verspielt, aufgeweckt, wachsam und seinen Menschen äußerst zugetan.
Durch seine Kleinheit eignet sich das Windspiel auch für engere Wohnverhältnisse. Es benötigt aber wie alle Windhunde viel Auslauf und rassegerechte Beschäftigung. Das heißt nicht, dass es 5 Stunden täglich über die Coursingbahn hetzen muss. Aber es muss sich regelmäßig auspowern können. Es braucht lange Spaziergänge, windhundgerechte Beschäftigung (evtl. Windhundrennen, Coursing), verschläft aber auch gerne mal einen Tag auf der Couch. Nicht selten finden es Windspiele gar nicht toll, wenn sie ihren warmen, gemütlichen Platz auf dem Sofa gegen einen Spaziergang im kalten Regen eintauschen sollen. Das feine Fell ist pflegeleicht. Das Windspiel ist ein richtiger Wind- und Jagdhund, wie die großen Rassevertreter auch. Sein Bewegungsbedürfnis muss befriedigt werden. Rennbahn/ Coursing sind natürlich die erste Wahl. Aber es geht auch ohne. Der Standard schreibt eine Widerristhöhe von 32 bis 38 cm und ein Gewicht bis zu maximal 5 kg vor. Das Format ist hochrechteckig bis quadratisch. Zugelassene Farben sind grau, schwarz und isabell in verschiedenen Tönen. Kleine weiße Abzeichen an Brust und Pfoten sind nicht erwünscht, aber zugelassen. Es gibt auch andere Farben wie Schecken, die jedoch unerklärlicherweise derzeit nicht vom Standard akzeptiert werden, obwohl es sie seit altersher gibt.
Das Windspiel ist eine attraktive Erscheinung. Der Miniatur-Windhund hat einen feinen, schmalen, hochgetragenen Kopf, einen eleganten Hals und eine leicht geschwungene Oberlinie mit abfallender Kruppe. Der Brustkorb ist tief und ca. bis zu den Ellbogen reichend. Der Bauch ist stark aufgezogen. Die Läufe sind zartknochig. Die Muskeln zeichnen sich unter dem feinen Fell ab.
Das Windspiel bewegt sich leichtfüßig, elastisch und federnd mit sehr gutem Raumgriff. Das Windspiel kann bei rassegerechter Haltung sehr alt werden. Trotz seiner eleganten Erscheinung ist das Windspiel robust. Am wohlsten fühlt es sich mit Artgenossen.
Bei guter Sozialisierung und der Berücksichtigung der Bedürfnisse beider Seiten ist das Windspiel ein echter Kinderfreund.
Windspiele sind selbstbewusst. Man muss sie gut auf Hunde aller Rassen und Größen sozialisieren. Gegenüber großen Hunden setzen sich Windspiele durch oder versuchen es. Aus diesem Grund sollten sie möglichst mit gutmütigen, gut (auch auf kleine Hunde) sozialisierte Hunden zusammen gelassen werden, denn mitunter überschätzen sich die selbstbewussten Windspiele. Das kann gegenüber einem genervten, großen Hund dumm ausgehen… Und natürlich sollte man die Gutmütigkeit der Großen niemals ausnutzen.
Das Windspiel lernt schnell und ist leicht erziehbar. Es lässt sich im Freilauf besser abrufen als andere Windhunde. Trotzdem ist das Windspiel ein Hetzjäger, also aufgepasst!
Italienische Windspiele
Magyar Agar (Ungarischer Windhund)
Der Magyar Agar geht auf verschiedene Windhundtypen zurück. Alte Funde deuten darauf hin, dass bereits zur Zeit der Pannonier (sie zählen zu den Kelten) der gallische Vertragus zur Jagd genutzt wurde. Pannonia war eine römische Provinz zur Zeit des Römischen Reiches, gelegen zwischen der Donau und den Alpen mit Stützpunkt Vindobona (das spätere Wien). Während der Völkerwanderung (4.- 6. Jahrhundert) kamen Ostgoten, Langobarden und Hunnen ins Land. Wahrscheinlich brachten die Hunnen auch orientalische Windhunde mit. 890 strömten Magyaren unter Arpad ins Land. Dieses kriegerische Reitervolk stammte aus den Steppengebieten des Ural. Wahrscheinlich brachten sie Barsois mit. Diese dürften mit den vorhandenen Windhunden gekreuzt worden sein. So entwickelte sich der
