Ratten: Liebenswerte Riesenmäuse. - A. Ketschau - E-Book

Ratten: Liebenswerte Riesenmäuse. E-Book

Ketschau A.

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3,99 €

Beschreibung

Ratten sind kleine, freche Kobolde. Die liebenswerten "Großmäuse" haben einige Bedürfnisse, die in diesem Buch näher beleuchtet werden. Der Leser erfährt einiges über ihre Abstammung, Haltung, Fütterung, Genetik, Vereine und Gesundheit. Einige liebevolle Zeichnungen runden diesen kleinen Ratgeber ab. Das Buch richtet sich an Ersthalter und interessierte Laien.

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Seitenzahl: 110

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INHALT

Wander- und Hausratten

Geschichte der Farbratten

Vorurteile & Mythen

Anatomie, Wesen und Verhalten

Farbschläge und Genetik – Eine Einführung

Vereine

Überlegungen vor dem Kauf von Ratten

Zoofachhandel

Züchter

Tierheim und Nothilfeorganisationen

Private Vermittlungsstellen

Eingewöhnung

Das richtige Zuhause für die Ratten

Vergesellschaftung

Hausputz im Rattenheim

Die richtige Rattenernährung

Ratten richtig beschäftigen

Gesunde Ratte – kranke Ratte

Alter & Abschied

Literatur

Wander- und Hausratten

Name

Wanderratte (Rattus norvegicus)

Hausratte (Rattus rattus) (auch Dach- oder Schiffsratte genannt)

Ursprung

Asien

Südostasien

Lebensraum

Auf ebenem Boden, in Menschen- und Wassernähe, Felder, Kanalisation, Keller, Ställe, Müllhalden, Garagen

Dachböden und andere höher gelegene Orte, aber auch sonstige Schlupfwinkel im Freien

Körperbau

Kräftig, Schwanz mäßig lang, relativ stumpfe Schnauze

Zierlicher gebaut, relativ große Augen und Ohren, langer Schwanz, spitze Schnauze

Körperlänge

20 - 28 cm

16 – 24 cm

Schwanzlänge

17 – 23 cm

18 – 25 cm

Körpergewicht

Ca. 250 – 600 g, gelegentlich auch mehr

Ca. 200 – 400 g

Fellfarbe

Rot, gräulich oder braun mit hellem Bauch

Schwarz oder braun

Verbreitung

Weltweit

In Deutschland beinahe ausgerottet. Sie steht in Deutschland unter Schutz, obwohl sie als Schadnager gilt.

Tragezeit

Ca. 24 Tage.

Ca. 21-23 Tage.

Wurfstärke

Ca. 8-15 Welpen.

Ca. 7-12 Welpen.

Gemeinsamkeiten

4 Zehen an den Vorder- und 5 Zehen an den Hinterpfoten

Die Wanderratte ist die Stammutter unserer Farbratte. Sie stammt wahrscheinlich aus Asien, wo sie vornehmlich in Wassernähe in unterirdischen Bauten lebt. Als blinder Passagier kam sie auf Schiffen nach Amerika und Europa. Als äußerst vermehrungsfreudiges, intelligentes und anpassungsfähiges Nagetier verbreitete sich die Wanderratte so über die ganze Welt. Wanderratten sind Allesfresser, die pflanzliche Kost bevorzugen. Nahrung finden sie inner- und außerhalb des Wassers. Das Fell ist rotbraun bis gräulich, das Bäuchlein heller. Diese Wildfärbung nennt man auch Agouti. Wanderratten sind intelligente, hochsoziale Tiere, die in Rudeln von bis zu 200 Tieren leben. Hausratten stammen ebenfalls aus Asien. Früher lebten sie auf Bäumen, heute bevorzugen sie Dachböden und andere hoch gelegene Plätze. Sie leben in Rudeln von ca. 20-60 Tieren. Die Hausratte wurde inzwischen von der Wanderratte fast verdrängt. Sie gehört heute zu den bedrohten, besonders geschützten Arten. In Deutschland wird sie seit 2009 auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten geführt. Die Hausratte ist zierlicher als die Wanderratte gebaut, Augen und Ohren sind größer, der Schwanz etwas länger, die Schnauze spitzer. Hausratten sind manchmal braun, meistens schwarz. Ratten gehören zu den mäuseartigen Nagetieren. Genaugenommen handelt es sich hierbei um Großmäuse innerhalb der Familie der Echten Mäuse.

Geschichte der Farbratten

Die ersten Wanderratten kamen Anfang des 18. Jahrhunderts auf Schiffen aus Asien nach Europa und Amerika. Was das bedeuten würde, ahnte damals noch niemand. Während die Laborratten für Gesundheitsvorsorge und Forschung stehen, denken die Menschen noch immer an Nahrungsschädlinge und Krankheitsüberträger, wenn von Wildratten die Rede ist. Farbratten, also von Wanderratten abstammende Haustierratten, um die es in diesem Buch gehen soll, sind dagegen beliebte Heimtiere bei Jung und Alt. Im 19. Jahrhundert oder auch schon früher hielten professionelle Rattenfänger Ratten, die sie eingefangen hatten, um ihr Verhalten besser zu beobachten. Jack Black, einer der bekanntesten Rattenfänger aus jener Zeit, verkaufte bereits zahme Ratten an Interessenten. Die Domestikation (Haustierwerdung) der Wanderrate begann Anfang des 20. Jahrhunderts. Fahrende Zirkusleute und Schausteller stellten Albinoratten, die aus normalen Wanderratten gefallen waren, aus. Diese Ratten waren bereits zahmer und friedlicher als ihre wilden Vorfahren. Nach einiger Zeit entdeckten auch Labore und Versuchstierinstitute die zahmen Ratten für sich, was ihnen den Beinamen „Laborratte“ bescherte. Das „Wistar Institute for Anatomy and Biology“ der University of Pennsylvania, Philadelphia, USA, züchtete ab etwa 1906 Ratten als Labortiere. Die Nachfahren dieser Ratten sind heute unter dem Namen „Wistar-Ratten“ oder „WISTA-RAT“ auf der ganzen Welt als Versuchstiere in Forschungslaboren vertreten. Von 1957-1994 wurden in Deutschland vom „Zentralinstitut für Versuchstierzucht“ Ratten als Labortiere gezüchtet. Später kamen immer mehr Farbschläge hervor. Und so erhielten die zahmen Nachfahren der Wanderratten den Namen „Farbratte“. Man versuchte dabei, eine möglichst große genetische Vielfalt zu erreichen bzw zu bewahren. Inzwischen haben sich die Wander- und Farbratten in Physiologie, Anatomie und Verhalten relativ deutlich voneinander entfernt. Damit gilt die Farbratte als domestizierte Nachfahrin der Wanderratte. Inzwischen gibt es auch einige Zuchtvereine, die sich der Zucht von möglichst gesunden und freundlichen Farbratten verschrieben haben. Wie wir in diesem Buch noch sehen werden, tun die Zuchtvereine und Züchter einiges dafür, gesunde Farbratten zu züchten. Wie wir in diesem Buch allerdings ebenfalls noch sehen werden, ist eine seriöse Zucht leider auch kein Garant für lebenslang gesunde Nachzucht. Wahrscheinlich hat sich durch die jahrelange gezielte, genetische Manipulation auch das Erbgut der Ratten verändert – und das nicht unbedingt positiv. Inzwischen gibt es auch einige seriöse Vereine, die sich der Zucht von gesunden, wesensfesten Farbratten und/ oder der Vermittlung von in Not geratenen Ratten verschrieben haben. Diese Vereine beraten auch Interessenten und Rattenhalter und unterstützen die gezielte Rattenzucht (siehe Kapitel „Vereine“).

Der Schwarze Tod, die Pest, hatte seinen Höhepunkt Mitte des 14. Jahrhunderts. Etwa ein Drittel der europäischen Bevölkerung fiel der Pest zum Opfer. Bei der Beulenpest bekommen Infizierte schwarze Flecken auf der Haut, die durch die Flohstiche hervorgerufen werden. Die Erkrankung führt zu hohem Fieber und starken Schmerzen. Im Mittelalter starben die Infizierten, da es keine Behandlungsmöglichkeit gab. Als Folge der Beulenpest kann die Lungenpest auftreten. Durch Tröpfcheninfektionen kann die Pest ebenfalls übertragen werden, z.B. durch Husten oder Niesen. Nicht die Ratten selbst übertrugen die Pest, sondern wahrscheinlich die Flöhe, die auf den Ratten lebten. Die Flöhe benutzten die Ratten als Wirt und sprangen auf Menschen über, wenn die Ratten gestorben waren. Also wurde die Pest nicht durch die Haus- oder Dachratten selbst übertragen (von Wanderratten schon gar nicht), sondern von den Flöhen, die AUF den Hausratten lebten. Inzwischen wird allerdings auch das angezweifelt. Ratten mögen so einige Seuchen tatsächlich verbreitet haben, für die Pestepidemien kann man sie nicht verantwortlich machen. Wahrscheinlicher ist es, dass die Menschen selbst die Pest untereinander übertragen haben. In den Haushalten waren innerhalb der eigenen Familie die Fallzahlen ungewöhnlich hoch. Das damalige Klima in Nordeuropa soll ebenfalls für die Ratten nicht günstig gewesen sein. Man geht heute eher davon aus, dass Menschenflöhe und Läuse die Pesterreger übertragen haben. Die Ratten waren also zumindest im Mittelalter in den meisten Fällen unschuldig! Menschenflöhe und Läuse passen als Überträger viel eher ins Bild. Beißt ein Floh einen infizierten Menschen und springt dann auf den nächsten Menschen über, um diesen ebenfalls zu beißen, kann die Pest übertragen werden.

Übrigens: gepflegte Ratten stinken nicht, und sie sind auch nicht schmutzig. Im Gegenteil, Ratten sind äußerst reinliche Tiere, die täglich viele Stunden mit der eigenen Fellpflege und dem gegenseitigen „Groomen“ verbringen. Es sind also sehr hygienische Tiere! Natürlich haben Ratten einen gewissen Eigengeruch, wie alle Menschen und Tiere, aber gepflegte, gesunde und vernünftig ernährte Ratten, bei deren Behausung auch immer auf gute Hygiene geachtet wird, stinken nicht! Übrigens: Ratten sind intelligente, gesellige Rudeltiere. Niemals dürfen Ratten einzeln gehalten werden, das ist pure Tierquälerei. Ratten benötigen mindestens einen, besser zwei oder mehr Artgenossen. Wer genug Zeit, Platz, Geld und Freude daran hat, kann auch gerne ein größeres Rattenrudel halten. Wenn man sich genug mit seinen Ratten beschäftigt, werden auch ganze Rudel zahm. Dagegen gibt es auch scheue Einzeltiere. Verbringt man nicht genug Zeit mit seinen Ratten und überlässt sie zuviel sich selbst, können sie schnell scheu und bissig werden. Das gilt für Einzeltiere ebenso wie für Rudel. Und nochmals: eine Ratte darf niemals einzeln gehalten werden, das ist schiere Quälerei für ein intelligentes Rudeltier. Die Ratte sieht ihren Menschen zwar als geliebten Freund und Pfleger, aber nicht als Rattenersatz! D.h., Ratten müssen mindestens zu zweit, besser aber noch zu dritt oder zu mehreren gehalten werden. Nur dann können sie ein artgemäßes Sozialverhalten zeigen und sind glücklich.

Vorurteile & Mythen

Um Ratten – zahme wie wilde – ranken sich einige Mythen. Auf einige der am meisten verbreiteten Mythen möchte ich an dieser Stelle eingehen.

Ratten sind schmutzig. Das ist schlichtweg falsch. Im Gegenteil. Ratten sind äußerst reinliche Tiere, die viel Zeit mit der eigenen und gegenseitigen Fellpflege verbringen.

Ratten übertragen Krankheiten. Ratten übertragen die Pest. Nun, im Prinzip kann wohl jedes Tier irgendwelche Krankheiten und Parasiten übertragen. Zahme Farbratten übertragen keine Pest. Und auch die Wanderratte, von der die Farbratte abstammt, ist kein Pestüberträger. Die Pest wurde von Flöhen, die AUF den (Haus-) Ratten lebten, und / oder von Mensch zu Mensch übertragen. Ratten, zumindest Farb- und Wanderratten, sind daran unschuldig. Sie sind nicht mehr und nicht weniger Überträger als andere Tiere und Menschen. Bei Wildratten ist es mitunter tatsächlich der Fall, dass sie Krankheiten übertragen (betrifft aber nicht alle Wildratten gleichermaßen), wie bei den meisten anderen Wildtieren auch. Gesunde, gut gepflegte Farbratten, die als Heimtiere gehalten werden, übertragen nicht mehr und nicht weniger Krankheiten und Parasiten als andere Tiere! Wenn sie keinen Kontakt zu fremden Ratten/ Tieren haben, können sie sich schlecht Parasiten/ Krankheiten einfangen, es sei denn über die Menschen, mit denen sie Kontakt haben. D.h., die Ratten werden eher von den Menschen angesteckt als umgekehrt.

Ratten übertragen Toxoplasmose. Bei Schwangerschaft der Halterin müssen die Ratten abgegeben werden. Diese Sorge ist unbegründet!

Ratten haben ein Vorkoster. Ratten haben keinen Vorkoster. Sie sind lediglich intelligent genug, Nahrung, die irgendetwas Schlechtes bei der Ratte auslöste, in Zukunft zu vermeiden. Sie meiden auch Nahrung, die bei einem Rudelgenossen etwas Schlechtes auslöste. Aus diesem Grund wirken die meisten Rattengifte, die gegen Wildratten ausgelegt werden, verzögert. Sie wirken erst einige Zeit nach der Aufnahme, damit die Ratten das Aufnehmen des Gifts und die für die Ratten bösen Folgen nicht miteinander in Verbindung bringen können. Die Ratten sterben daran qualvoll an inneren Blutungen. Übrigens können diese Gifte auch anderen Tieren und Menschen gefährlich werden!

Alle Blue-Ratten sind Bluter. Das ist so nicht richtig. Früher gab es eine anfällige Zuchtlinie, die zufällig Blue war. Einen direkten Zusammenhang zwischen Blue bzw der Fellfarbe und dem Bluter-Gen scheint es jedoch nicht zu geben. Es sind nicht alle Blue-Ratten Bluter, und nicht alle Ratten, die an der Bluterkrankheit leiden, gehören dem Farbschlag Blue an.

Dumbos sind immer taub, geistig beeinträchtigt und eine Qualzucht. Der Verdacht besteht, und in einigen Fällen haben Dumbos tatsächlich unter Taubheit und anderen Dingen zu leiden, die man mit der Kopfform in Verbindung bringt. Es scheint aber auch Dumboratten zu geben, die absolut gesund und putzmunter sind. Bei der Zucht sind immer nur einwandfrei gesunde und wesensstarke Tiere zu verpaaren!

Rattenwelpen haben Welpenschutz. Man kann Rattenwelpen unter 10 Wochen direkt zu fremden Ratten setzen. Davon ist abzuraten. Man sollte vorgehen, wie unter dem Punkt Eingewöhnung beschrieben. Ein genereller Welpenschutz besteht nicht. Eine unüberlegte, falsche Zusammenführung kann deshalb zu argen Problemen und Aggressionen führen, Jungtiere können auch von älteren getötet werden.

Man kann Ratten leichter in das Rudel integrieren, wenn man sie mit Babypuder, Teebaumöl o.ä. einreibt, um den individuellen Geruch zu überdecken. Vorsicht! Manche Substanzen wie Teebaumöl sind giftig. Anfangs kann es helfen, den Geruch zu überdecken, aber irgendwann kommt der jeweils eigene Geruch durch. Man sollte vorgehen, wie im Kapitel über die Eingewöhnung beschrieben und nichts überstürzen.

Ratten, die einmal gebissen oder Blut geleckt haben, sind aggressiv und blutrünstig. Das ist Schwachsinn!

Ratten klettern gerne. Die Höhe des Käfigs ist wichtiger als die Breite. Der Käfig muss nicht groß sein. Ratten bewegen sich nicht nur kletternd fort. Sie bewegen sich viel und gewandt, und die ideale Voliere sollte breit, tief und hoch sein.

Am Farbschlag einer Ratte kann man ihren Charakter und ihre Gesundheit erkennen. Das ist Schwachsinn!

Rotäugige Ratten sind scheu, aggressiv und bissig. Das stimmt so nicht. Da rotäugige Ratten aber häufig Probleme mit den Sinnesorganen haben, z.B. zu Blindheit und Sehbeschwerden leiden, können sie sich schneller erschrecken und damit auch mal mit Schnappen reagieren. Beim Umgang mit den Tieren sollte man das bedenken und sich entsprechend bei solchen Tieren bemerkbar machen.

Druckerschwärze ist giftig. Früher war das so. Heute ist das normalerweise nicht mehr der Fall.

Ratten brauchen Heu. Sie brauchen es nicht. Man kann es ihnen zum Spielen und zum Nestbau anbieten. Allerdings staubt es teilweise stark, was den empfindlichen Atemwegen der Ratten nicht unbedingt guttut. Heunester, in deren Innerem sich ein Drahtgeflecht befindet, können für die Ratten gefährlich werden.

Ratten wurden auf Krebs gezüchtet. Das ist nur die halbe Wahrheit. Natürlich wurden Ratten früher fast ausschließlich für die Forschung verbraucht, und man geht davon aus, dass sich damit auch das Erbgut der Ratten entsprechend (negativ) verändert hat. Allerdings sterben bzw leiden auch Ratten aus seriösen Zuchten oft an Krebs und anderen Krankheiten wie z.B. Atemwegserkrankungen. Möglicherweise sind Ratten an sich schon eine anfällige Spezies.

Wildratten und Kreuzlinge zwischen Farb- und Wildratten sind gesünder und leben länger. Auch das lässt sich leider nicht pauschal bejahen, obwohl es solche Fälle gibt. Kreuzlinge aus Wildratten können scheuer sein als normale Farbratten.

Es gibt unterschiedliche Rassen. Bei Ratten werden eher unterschiedliche Typen (wie z.B. Haartexturen) und Farbschläge unterschieden, Rassen kennt man bei der Farbratte im Allgemeinen nicht.

Inzucht verursacht Krankheiten, Verhaltensprobleme u.ä.