Das Leben ist Magisch - Emily Rose - E-Book

Das Leben ist Magisch E-Book

Emily Rose

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Beschreibung

"Alle Dunkelheit der Welt kann das Licht einer einzigen Kerze nicht auslöschen." In einer Welt voller Intrigen und unerwarteter Wendungen hat Maria endlich erreicht, was sie begehrte - Victoria an ihrer Seite. Doch als Victoria die Seiten wechselt, setzen Dan und ihre unerschrockenen Freunde alles daran, sie zurückzugewinnen. Zwischen gefährlichen Hürden und unvorhersehbaren Bedrohungen wird ihre Reise zu einem atemlosen Wettlauf gegen die Zeit. Die Frage hängt in der Luft: Werden sie es schaffen, Victoria zurückzugewinnen, wenn das eigene Herz eine unvorhersehbare Rolle spielt? Tauche ein in ein fesselndes Abenteuer, in dem Liebe, Loyalität und die Macht der Freundschaft auf eine harte Probe gestellt werden.

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Seitenzahl: 277

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Für alle, die gelernt haben, im Dunkeln zu leuchten.

Für alle, die gegangen sind, obwohl ihr Herz geblieben ist.

Und für alle, die sich selbst erst verlieren mussten, um sich wirklich zu finden.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Trigger Warnung

Prolog

-Victoria-

Kapitel 01

-Victoria-

Kapitel 02

-Victoria-

Kapitel 03

-Blair-

Kapitel 04

-Victoria-

Kapitel 05

-Victoria-

Kapitel 06

-Victoria-

Kapitel 07

-Victoria-

Kapitel 08

-Victoria-

Kapitel 09

-Victoria-

Kapitel 10

-Victoria-

Kapitel 11

-Victoria-

Kapitel 12

-Victoria-

Kapitel 13

-Dan-

Kapitel 14

-Dan-

Kapitel 15

-Victoria-

Kapitel 16

-Victoria-

Kapitel 17

-Victoria-

Kapitel 18

-Victoria-

Kapitel 19

-Lucian-

Kapitel 20

-Dan-

Kapitel 21

-Victoria-

Kapitel 22

-Dan-

-Dan-

Kapitel 23

-Victoria-

Kapitel 24

-Victoria-

-Dan-

Kapitel 25

-Maria-

Kapitel 26

-Victoria-

Kapitel 27

-Victoria-

Kapitel 28

-Victoria-

Kapitel 29

-Dan-

-Victoria-

Kapitel 30

-Dan-

-Victoria-

Epilog

-Victoria-

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser, mit Band 2 dieser Herzensreihe darf ich dich erneut auf eine Reise mitnehmen. Eine Reise voller Emotionen, Entscheidungen und innerer Kämpfe. Während Band 1 den Anfang machte, tauchen wir nun tiefer in die Welt ein, die mir so sehr am Herzen liegt.

Dieses Buch ist für mich nicht nur eine Fortsetzung, sondern ein persönlicher Meilenstein. Die Charaktere haben sich weiterentwickelt, sind gewachsen, gefallen und wieder aufgestanden und ich mit ihnen.

Es war ein aufwühlender, intensiver Schreibprozess, der mir mehr abverlangt hat, als ich erwartet hätte. Ich habe gezweifelt, gehofft, gelitten und geliebt, Seite für Seite.

Dass du nun dieses Buch in den Händen hältst, bedeutet mir mehr, als Worte es je ausdrücken könnten. Danke, dass du wieder hier bist. Danke, dass du Victoria und den anderen folgst, ihre Stärken und Schwächen mitfühlst und diese Geschichte zu deiner machst.

Ich wünsche dir von Herzen viel Freude, Spannung und Gänsehautmomente beim Lesen dieses Bandes. Möge er dich so berühren, wie er mich verändert hat.

Alles Liebe, Emily Rose

Trigger Warnung

Bitte beachte, dass im Verlauf der Geschichte folgende Themen explizit erwähnt oder dargestellt werden:

psychische und physische Gewalt

sexualisierte Gewalt (nicht detailliert, aber thematisch relevant)

Gewaltverherrlichung durch bestimmte Figuren

psychische Erkrankungen und depressive Episoden

Blut und Verletzungen

Tod und Trauer

Kriegssituationen und Folter

Erinnerungsverlust (Amnesie)

emotionale Manipulation, Identitätskonflikte

einvernehmliche sexuelle Szenen

Die Geschichte setzt sich auf vielschichtige Weise mit Schmerz, Trauma und innerem Überleben auseinander. Bitte achte auf dich selbst beim Lesen. Wenn du merkst, dass dich bestimmte Passagen überfordern, nimm dir eine Pause oder suche Unterstützung, du bist nicht allein.

„Meine Zunge wird die Wut meines Herzens erzählen, oder mein Herz, das es verbirgt, wird brechen."

-William Shakespeare-

Prolog

-Victoria-

Es beginnt nicht mit einem Schrei.

Nicht mit einem Kampf, einem Blitz oder einem Tod.

Es beginnt, wie so vieles, mit einer Entscheidung.

In einer Welt zwischen Licht und Schatten, in der Magie nicht nur Gabe, sondern Bürde ist, beginnen sich die Fäden zu straffen. Was einmal verborgen lag, drängt nun ans Licht, und wer einst sicher war, beginnt zu zweifeln.

Die Wahrheit, lange unter Masken und Mauern vergraben, pocht unaufhaltsam an die Türen derer, die sie am meisten fürchten. Erinnerungen flackern auf, nicht als Trost, sondern als Prüfung. Die Vergangenheit verlangt ihren Preis, und niemand bleibt verschont.

Ein Haus, das in Flammen steht, ist nicht nur ein Ort, der vergeht. Es ist ein Symbol. Für das, was war. Für das, was nie hätte sein dürfen. Und für das, was kommt.

Sie ist nicht mehr das zerbrochene Mädchen mit zitternden Händen.

Und doch ist sie nicht ganz frei. Noch nicht.

Denn mit jeder Erinnerung kehrt nicht nur Klarheit zurück, sondern auch Schmerz.

Mit jeder Wahrheit, die ans Licht kommt, wird das Herz schwerer.

Und die Liebe gefährlicher.

Der Ball war nur der Anfang.

Ein Tanz am Rande des Abgrunds, verkleidet als Fest.

Doch die Masken sind gefallen.

Und wer jetzt noch tanzt, tanzt auf glühender Asche.

Die dunkle Magie regt sich.

Sie lebt.

Sie fordert.

Sie wartet.

Die Frage ist nicht, wer stark genug ist, um zu kämpfen.

Sondern wer bereit ist, den Preis zu zahlen.

„Und manchmal ist es nicht die Dunkelheit, vor der wir fliehen, sondern das Licht, das uns zeigt, wer wir wirklich sind.“

Kapitel 01

-Victoria-

Ich stand an einem Baum in einem dunklen, nebligen Wald und wartete genervt auf den Mann, der uns etwas bringen sollte. Die dichten Bäume um mich herum schirmten das schwache Licht des späten Nachmittags ab und tauchten die Umgebung in ein geheimnisvolles Dämmerlicht.

Meine Cousine Blair stand an einem anderen Baum und beobachtete mich aufmerksam aus der Ferne. Sie hatte den Auftrag erhalten, mich zu beschatten, nachdem sie von ihren eigentlichen Aufgaben entbunden worden war, um mir zur Seite zu stehen. Als ob ich verschwinden würde, jetzt, wo ich endlich frei war. Frei von meiner nie endenden Qual, dank meiner Mutter, die mich aus meinem Leid erlöst hatte.

Ich erinnerte mich an die unzähligen Nächte, in denen ich wach lag, während die Dunkelheit draußen den Raum durchdrang. Es war, als wäre ich in einem endlosen Tunnel gefangen gewesen, ohne Aussicht auf Licht oder Erlösung.

Jetzt konnte ich endlich meiner wahren Natur nachgehen, ohne mir Gedanken darüber machen zu müssen, was andere dachten. Die Last meiner Vergangenheit war von mir genommen worden, und ich atmete tief durch, während ich an meine neue Freiheit dachte. Meine Erinnerungen waren wie ein schwaches, verschwommenes Bild, das nur noch gelegentlich durch meine Gedanken schimmerte. Es war besser, mich nicht zurückzuerinnern, denn sie hatte gesagt, es würde mich nur wieder verletzen. Noch einmal konnte sie mich nicht retten. Warum sollte ich mich an etwas erinnern wollen, das so schmerzhaft war, dass ich mich umbringen wollte?

Die schneidende Kälte der Brücke, der beängstigende Abgrund darunter, all das kam mir wieder in den Sinn. In einem letzten Moment, als ich schon das kalte, eisige Geländer losgelassen hatte, hatte sie meine Hand ergriffen und mich vor dem Tod bewahrt. Diese Erinnerung brannte sich tief in mein Gedächtnis ein, wie ein flüchtiger, aber lebendiger Lichtstrahl in der Dunkelheit. Das war eine der wenigen klaren Erinnerungen, die ich an die Vergangenheit habe. Im Regen stand ich auf der anderen Seite der Brücke, bereit, alles aufzugeben. Meine Hände ließen los, und in diesem Moment hörte ich nur noch eine Stimme, die meinen Namen rief, eine Stimme, die mich zurück in die Welt zog, die ich gerade verlassen wollte.

Das Knacken von Ästen unter meinen Füßen riss mich aus meinen Gedanken. Instinktiv drehte ich mich um. Ein Mann, kaum älter als 45, stand da, sein Gesicht von den Schatten des Waldes verzerrt. Er starrte mich verwirrt an, seine Augen weit aufgerissen, als hätte er mich nicht erwartet oder als wäre er sich unsicher, ob ich die richtige Person war.

"Planänderung. Maria schickt mich, um das entgegenzunehmen, was du hoffentlich in deiner Tasche hast“, erwiderte ich, meine Stimme klang schärfer als beabsichtigt.

Der Mann runzelte die Stirn.

"Warum wird mir das nicht gesagt, dass ich mit jemandem... so unerfahrenem Gesicht wie deinem zu tun habe?" Er suchte nach den passenden Worten und ließ seinen Blick über mich gleiten, als wollte er mich messen.

Ich warf ihm einen warnenden Blick zu, doch bevor ich etwas sagen konnte, ergriff Blair das Wort. Sie trat aus dem Schatten des Waldes hervor, ihre Präsenz unverkennbar.

"Ich würde sie an deiner Stelle nicht so provozieren, das wird dir nicht guttun. Glaub mir!"

Ihre Stimme war fest und unmissverständlich.

Der Mann schien die Warnung zu hören, doch sein Gesicht blieb von Zweifel und Misstrauen gezeichnet. Er schwieg, was für ihn das Beste war.

"Also, kannst du mir das jetzt geben?", fragte ich ihn, während ich mich bemüht, meine Ungeduld zu verbergen.

Er zögerte, bevor er antwortete.

"Also, Maria hat mich darum gebeten..."

"Ich weiß, worum sie dich gebeten hat“, unterbrach ich ihn genervt, meine Geduld war aufgebraucht.

"Ähm, ja, okay“, erwiderte er, etwas überfordert.

"Also, gebe ich dir das wohl einfach."

"Ich bitte darum und beeile dich“, erwiderte ich kalt und schaute ihn mit einem leicht genervten Blick an.

Ich hatte Besseres zu tun, als meine wertvolle Zeit im Wald zu verschwenden, nur weil er Zeit schinden wollte. Entschlossen ging ich auf ihn zu und hielt ihm meine Hand entgegen. Der Mann überreichte mir schließlich einen dunklen Beutel, der sich schwer in meiner Hand anfühlte, als wäre er voller Geheimnisse oder bedeutender Lasten.

Obwohl meine Mutter es mir verboten hatte, hineinzuschauen, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen und öffnete den Beutel. Ein goldenes Amulett funkelte darin auf, als ob es von innen heraus leuchtete. Die Details des Amuletts waren faszinierend, feine Gravuren, die sich wie zarte Ranken um den dunkelroten Kristall wanden, und die Goldoberfläche schien fast lebendig zu pulsieren. Ich zog es heraus und betrachtete es fasziniert, der Glanz des Amuletts reflektierte sich in meinen Augen.

"Dann wären wir fertig“, sagte ich, als ich es wieder zurücklegte und mich bereits zum Gehen wandte. Doch der Mann stellte sich mir in den Weg und ließ seine Stimme zittern, als er protestierte.

"Was ist mit meiner Belohnung?"

"Was für eine Belohnung? Du dienst der Familie! Deine einzige Belohnung ist, dass du weiterleben darfst!", erwiderte ich kalt und unnachgiebig.

"Aber ich habe wochenlang danach gesucht. Es war gefährlich..." Seine Stimme verriet sowohl Frustration als auch Angst.

"Sei endlich still!", unterbrach ich den jämmerlichen Versuch des Mannes.

"Wenn du mir jetzt Probleme machst, bin ich gezwungen, andere Seiten aufzuziehen“, fügte ich hinzu, meine Stimme schneidend und meine Augen funkelten vor entschlossener Bedrohung.

"Drohst du mir?" Er konnte es kaum fassen.

"Oh nein, ich drohe dir nicht. Ich verspreche es dir“, sagte ich honigsüß und zwinkerte ihm zu, als ob es ein Spiel wäre.

"Was glaubst du, wer du bist?! Du kannst so nicht mit mir reden, du bist erst seit kurzem Teil der Familie..."

Ich schaute kurz zu Blair, die mir ermutigend zunickte.

"Ich bin Victoria, Tochter von Maria, damit eine Revertera und ich werde mit dir reden, so wie ich es für richtig halte. Nun geh mir aus dem Weg oder du wirst es bereuen."

Nun stand ich direkt vor ihm, mein Blick scharf und eindringlich, während ich das warme Gefühl in meinen Fingerspitzen spürte. Es breitete sich aus und wurde intensiver, als die Flammen meine Hand gefährlich umschlugen. Der Mann wich bei dem Anblick der Flammen zurück, sein Gesicht blass vor Angst.

"Na geht doch...", sagte ich mit einer Stimme, die süß und zufrieden klang und ohne ein weiteres Wort ging ich an ihm vorbei.

"Gut gemacht, Victoria“, meinte Blair, als wir außer Reichweite des Mannes waren. Ihr Gesicht zeigte Stolz und Erleichterung.

"Ich habe doch gar nichts gemacht“, erwiderte ich, etwas verwirrt von ihrer Reaktion.

"Doch, du hast gezeigt, zu wem du gehörst. Du hast genauso reagiert wie die Familie“, widersprach sie stolz, ihre Augen leuchteten vor Anerkennung.

"Wenn du meinst“, sagte ich nur und ging weiter, die Bedeutung ihrer Worte in meinem Inneren nachhallend.

Natürlich wollte ich zeigen, zu wem ich gehörte. Schließlich war es mein Geburtsrecht, das mir jahrelang verwehrt worden war. Jetzt, da ich endlich wusste, wohin ich gehörte, vertrat ich meine Position mit Überzeugung. Die Macht, die mir verliehen wurde, war sowohl befreiend als auch berauschend. Ehrlich gesagt, es gefiel mir.

Schweigend machten Blair und ich uns auf den langen Weg zum Anwesen unserer Familie. Die Ruhe des Waldes um uns herum war fast meditativer Natur. Das sanfte Rascheln der Blätter und das gelegentliche Knacken der Äste auf dem Waldboden waren die einzigen Geräusche, die unsere Schritte begleiteten. Das Anwesen, das in der Ferne auftauchte, war ein imposantes Gebäude, umgeben von gepflegten Gärten und hohen Mauern, die unsere familiäre Macht symbolisierten.

Als wir die Wächter am Tor erreichten, verneigten sie sich respektvoll und ließen uns passieren. Wir gingen direkt zu meiner Mutter, die zusammen mit ihrem Ehemann Victor im Garten saß. Der Garten war ein wunderschöner, gepflegter Ort, voll von exotischen Pflanzen und Blumen, die in lebhaften Farben blühten. Victor, der nicht mein leiblicher Vater war, versuchte stets, diese Rolle auszufüllen, auch wenn es ihm nicht immer gelang. Trotzdem schätzte ich seinen Bemühungen, auch wenn seine Position in der Familie manchmal zwiespältig war.

Neben meiner Mutter war noch eine andere Frau anwesend. Sie trug ein langes, dunkelblaues Kleid, schlicht, ohne Verzierungen, aber ich fand, es sah dennoch sehr ansprechend aus. Die Frau hatte eine ruhige, aber selbstbewusste Haltung. Ihr langes, blondes Haar fiel in sanften Wellen über ihre Schultern, und ihre Augen schimmerten mit einer Klarheit, die sowohl Weisheit als auch Freundlichkeit ausstrahlte.

Mutter erblickte mich und kam uns in schnellen Schritten entgegen, ihre Gesichtszüge zeigten Freude und Erleichterung.

"Habt ihr es geschafft?“, fragte sie und zog mich in eine herzliche Umarmung.

"Wären wir sonst hier, Mutter?“, erwiderte ich grinsend und übergab ihr den dunklen Beutel. Die Berührung ihrer Umarmung war warm und vertraut, ein Gefühl, das ich lange vermisst hatte.

"Gut gemacht, gab es Schwierigkeiten?", erkundigte sie sich, während sie den Beutel entgegennahm und zwischen mir und Blair hin und her schaute. Ihre Augen funkelten vor Interesse und Sorge.

"Der Wicht meinte sich quer stellen zu wollen, wollte eine Belohnung. Aber Vici hier hat bewiesen, dass sie ein Teil von uns ist. Sie ist definitiv deine Tochter“, erklärte Blair mit einem Schmunzeln.

„Fabelhaft“ sagte Mutter stolz, ihre Stimme war voller Zufriedenheit. Sie wandte sich dem Beutel zu und öffnete ihn behutsam. Als sie hineinsah, grinste sie, und ein Ausdruck der Freude und Erleichterung breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Sie schloss den Beutel wieder und ließ ihn in ihren Händen verschwinden.

"Frag nicht, er ist nun in Sicherheit“, meinte sie, als sie meinen verwirrten Blick sah. Ich nickte und wollte mich bereits auf den Weg machen, doch meine Mutter hielt mich sanft an den Schultern fest.

"Moment, ich möchte dir noch jemanden vorstellen."

Sie zeigte fast unauffällig auf die Frau neben Victor, die gerade mit ihm lachte und einen Moment der Ungezwungenheit genoss. Ein kleiner Anflug von Eifersucht überkam meine Mutter, doch sie wandte sich dennoch mit mir ihrem Besuch zu. Wir gingen gemeinsam zum Pavillon, der im Garten stand und einen wundervollen Blick auf die umliegenden Landschaften bot. Die Atmosphäre war entspannt und zugleich festlich.

Im Augenwinkel sah ich, dass Blair sich in die andere Richtung bewegte und schließlich verschwand. Die Atmosphäre des Pavillons war von einer angenehmen Ruhe erfüllt, die durch das sanfte Plätschern eines kleinen Springbrunnens noch verstärkt wurde.

"Ach, wenn das nicht die verlorene Tochter ist“, sagte die Frau lächelnd, als sie mich erblickte.

Sie stand auf und kam auf mich zu, ihre Bewegungen waren geschmeidig und anmutig. Ihr langes blondes Haar fiel ihr über die Schultern und verbarg ihre strenge Art in den Augen, was ich von meiner Mutter schon kannte.

"Oder einfach nur Victoria“, stellte ich mich vor, mein Tonfall war neutral. Ich fand den Ausdruck "verlorene Tochter" merkwürdig, auch wenn ich wusste, dass er eine tiefere Bedeutung hatte.

"Aber natürlich“, erwiderte die Frau zuckersüß. "Ich bin Sarah, die Hohepriesterin und Beraterin der Familie."

"Schön, Ihre Bekanntschaft zu machen“, sagte ich freundlich, während ich einen höflichen Blick auf sie warf.

"Du kannst mich ruhig duzen“, erwiderte Sarah lächelnd. Ihre Stimme war warm und einladend, und ich konnte einen Funken von Respekt und Bewunderung in ihren Augen sehen.

Ich nickte und warf einen kurzen Blick zu Mutter, die mich einladend ansah.

"Dann kannst du jetzt gehen“, meinte Mutter zu mir.

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Mit einem sanften Lächeln und einem Gefühl der Erleichterung verschwand ich in einer dunklen Rauchwolke, die sich schnell auflöste, als ich mich entfernte.

„Es ist nicht das Vergessen, das schmerzt, sondern das Flackern der Erinnerung, wenn die Wahrheit leise zurückkehrt.“

Kapitel 02

-Victoria-

„Hey, pass doch auf!“, rief ich, als ich mit einem Ruck am See landete und gegen jemanden prallte. Der Aufprall war unerwartet, und ich taumelte einen Moment, bevor ich mich von der Person abstoßen konnte, die mich gerade noch an der Hüfte festhielt und mir so einen unsanften Aufprall ersparte. Ich starrte in ein Paar eisblauer Augen, die mich mit einer Intensität ansahen, die mich fast in den Bann zog. Die letzten Strahlen des untergehenden Sonnenuntergangs reflektierten sich in diesen Augen und verliehen ihnen eine eindringliche, fast durchdringende Kälte.

„Du solltest aufpassen, wo du landest“, sagte er in einem nüchternen Ton, der wenig Raum für Widerspruch ließ, und ließ mich schließlich los.

Völlig verdattert starrte ich ihn an, mein Herz pochte noch immer heftig in meiner Brust, als ob es versuchen wollte, mich vor diesem mysteriösen Fremden zu warnen.

„Was starrst du so? Verschwinde, wenn du nichts zu sagen hast“, fuhr er mich genervt an, während er sich von mir abwandte. Seine dunklen, welligen Haare glänzten im letzten Licht des Tages, und der Rest seines Körpers schien ebenso eindrucksvoll wie seine Augen.

Ich verdrehte leicht die Augen und zog eine Augenbraue nach oben.

„Du weißt wohl nicht, wer ich bin“, sagte ich herausfordernd und versuchte, ein Lächeln zu erzwingen, das meine Unsicherheit verbergen sollte.

„Stell dir vor, es interessiert mich auch nicht“, unterbrach er mich schnippisch, obwohl seine Augen eine unerwartete Neugierde verrieten. Es schien fast so, als ob er versuchte, mehr über mich herauszufinden, obwohl sein Tonfall dies nicht widerspiegelte.

„Großer Fehler“, meinte ich zuckersüß und zwang ein Lächeln auf meine Lippen, das sich in seiner Ungezwungenheit von ihm abfärben ließ.

Er schmunzelte, versuchte es zwar zu verbergen, doch es gelang ihm nicht ganz. Ich drehte mich um und stolzierte davon, ohne mich noch einmal umzudrehen. Dennoch vernahm ich einen leisen, verwirrten Seufzer von ihm, der in der sanften Abendbrise verwehte.

Mit schnellen, doch sanften Schritten ging ich meinen Weg, meine Gedanken jedoch immer noch bei dem geheimnisvollen Fremden.

Die Sonne sank langsam und tauchte den Himmel in warme Rottöne, während die ersten Sterne allmählich am Firmament erschienen und die Dunkelheit der Nacht einläuteten.

Die Abenddämmerung schien voller Magie und Geheimnisse zu stecken, und ich konnte nicht anders, als darüber nachzudenken, was dieser seltsame Mann für eine Rolle in meinem Leben spielen könnte.

Schließlich erreichte ich meinen Platz am See, der von einer alten Trauerweide gesäumt war. Die schattigen, herunterhängenden Zweige der Weide wiegten sich sanft im Wind, und das beruhigende Plätschern des Wassers erfüllte die Luft mit einer melodischen, fast hypnotisierenden Klangkulisse.

Ich setzte mich auf den weichen Boden, zog mein dickes Buch aus meiner Umhängetasche und begann, darin zu lesen. Obwohl ich es erst seit ein paar Tagen hatte, war ich bereits zur Hälfte durch, da ich die Anforderungen meiner Mutter an Bestleistungen erfüllen wollte.

Das Buch behandelte schwarze Magie, eine der faszinierendsten und komplexesten Arten von Magie. Während ich las, stieß ich auf einen Abschnitt über einen Schattentraumzauber, der den Feind in einen alptraumhaften Schlaf versetzte. Ein seltsames Gefühl überkam mich, diesen Zauber bereits zu kennen. Vielleicht hatte ich ihn schon in meinem früheren Leben gelesen oder sogar praktiziert.

Die Gedanken an mein vergangenes Leben, an Erfahrungen, die ich vielleicht gemacht hatte, beschäftigten mich oft, und ich fragte mich, wie sie mit meiner gegenwärtigen Existenz verwoben waren.

Plötzlich tauchte in meinem inneren Auge ein Bild auf, dunkle Augen, ein Gesicht im Nebel verborgen. Nur die Augen waren klar zu erkennen, und etwas an ihnen löste ein Gefühl der Vertrautheit und Zärtlichkeit in mir aus. Es war, als ob diese Augen mir etwas sagen wollten, das ich nicht vollständig verstehen konnte.

Das Bild vergrößerte sich, und ich konnte mehr von dem Gesicht erkennen. Ein trauriger Ausdruck zeigte sich in den wunderschönen Augen, Sehnsucht und Verletzlichkeit waren unverkennbar. Der Mund öffnete sich, doch kein Ton kam über seine Lippen.

Stattdessen formte er ein stummes „Bitte“, das mich in seiner Stille besonders berührte.

Ich streckte meine Hände aus, als ob ich versuchen wollte, diesen stummen Aufruf zu ergreifen, doch plötzlich verschwand das Bild wieder im Nebel und ließ mich allein im Nichts zurück.

Die Leere, die mich nun umhüllte, war bedrückend, und ich konnte nichts tun, um den Zustand der Verwirrung zu lindern, den ich gerade erlebte.

Ich schreckte auf, mein Herz klopfte schneller als je zuvor. Die Dämmerung hatte die Landschaft in ein schummriges Zwielicht gehüllt, und der Mond begann langsam, seinen silbernen Schleier über die Welt zu legen.

Die Nacht war eine Zeit voller Geheimnisse und Magie, und ich liebte es, in ihr zu verweilen. Dennoch barg sie auch Dunkelheit und Unsicherheit, die oft schwer zu ergründen waren. Aber sie war auch perfekt, um Zauber auszuüben und in die Tiefen der Magie einzutauchen.

Ich schaute zum Mond, überlegte, ob ich noch ein Bad im mondlichtgetränkten See nehmen sollte, bevor ich mich aufmachte. Doch dieser Gedanke verflog schnell, da ich bereits relativ müde war.

Ich packte mein Buch weg und stand auf, meine Beine waren noch ein wenig wackelig von der unbequemen Position, in der ich eingeschlafen war. Die Beine schmerzten leicht, doch ich machte mich entschlossen auf den Rückweg zum Haus.

Immer wieder tauchte das Bild der braunen Augen vor meinem inneren Auge auf, und ich fragte mich, warum es mir solch ein Gefühl der Vertraut-und Geborgenheit gab.

War es eine Erinnerung aus meinem früheren Leben?

Eine Person, die ich kannte?

Jemand, der mir nahestand?

Ich schob den Gedanken beiseite und ging weiter. Als ich das Anwesen erreichte, konnte ich die sanften Lichter im Garten durch die Fenster des Hauses sehen.

„Meine Liebe, wo warst du?“, fragte Mutter besorgt, als sie mich erblickte. Ihre Stimme klang von leiser Besorgnis durchzogen, was mich überraschte, da ich es nicht gewohnt war, solch eine Reaktion von ihr zu erleben.

Sarah und Victor saßen immer noch im Pavillon, und dieses Mal hielten sie Gläser mit Wein in der Hand, was auf eine entspannte Atmosphäre hindeutete.

„Ich bin eingeschlafen“, antwortete ich, während ich meine Müdigkeit versuchte, zu verbergen. Kaum hatte ich das gesagt, hörte ich ein leises Schnaufen. Als ich mich umdrehte, erblickte ich den Mann, der Maria verdeckt hatte, den Mann von vorhin. Meine Neugier wurde erneut geweckt, doch ich wollte nicht direkt nachfragen.

„Ich gehe in mein Zimmer. Gute Nacht“, sagte ich in die Runde und wandte mich zum Haus. Meine Schritte waren etwas hastig, während ich versuchte, die Begegnung mit dem komischen Typen zu ignorieren. Doch in meinem Kopf hatte ich ihn immer noch im Blick. Etwas an ihm machte mich neugierig, doch ich konnte nicht genau sagen, was es war. Egal, ich würde es schon noch herausfinden.

„Was wirst du herausfinden, mi Amore?“, fragte er in perfektem Spanisch, als ob er mich auf Schritt und Tritt verfolgte.

Offenbar beherrschte er auch diese Sprache. Anstatt mich umzudrehen, ignorierte ich ihn und versuchte, den Weg zum Haus so schnell wie möglich zu erreichen. Doch bevor ich die Tür öffnen konnte, spürte ich, wie er mein Handgelenk packte und mich damit herumdrehte. Widerwillig schaute ich ihn genervt an, während er mir ein selbstgefälliges Grinsen schenkte.

„Was willst du? Hast du niemand anderen, den du nerven kannst?“, fragte ich genervt. Mein Ärger kochte langsam hoch, und ich konnte das warme Kribbeln in meiner rechten Hand spüren, das darauf hindeutete, dass meine Geduld am Ende war.

„Ach, warum so zynisch?“, erwiderte er, seine Stimme war sanft, aber voller Spott. Ich rollte mit den Augen und wollte am liebsten weitergehen, doch er fing an zu sprechen.

„Du bist also die Tochter von Maria?“, fragte er grinsend. Es klang mehr wie eine Feststellung als wie eine Frage.

„Ja, warum interessiert es dich auf einmal?“, fragte ich, bemüht, meinen Ton neutral zu halten.

„Ehrlich gesagt, ich dachte, du wärst ein einfaches, eingebildetes Mädchen, vielleicht eine arme Seele, die Maria als Schülerin aufgenommen hat“, gestand er unverblümt.

„Aber jetzt weiß ich ja, woher deine Art kommt, Princessa. Und diese Tatsache macht dich sehr interessant“, fügte er schelmisch hinzu.

„Eingebildet? Wenn das einer ist, dann bist du es“, erwiderte ich scharf. Trotz seiner guten Ausstrahlung konnte ich nicht übersehen, wie sehr mich seine Attitüde irritierte. Sein Grinsen wurde breiter.

„Sollte ich erwähnen, dass ich die Kunst der Telepathie beherrsche?“

Ups. Ich merkte, dass ich mir vielleicht zu viele Gedanken gemacht hatte.

„So, so, du findest mich also gutaussehend.“

Er grinste mich noch breiter an, als ich sprachlos vor ihm stand. Anstatt ihm zu antworten, seufzte ich genervt und versuchte, mich von ihm zu lösen.

„Lässt du mich bitte durch? Ich habe keine Zeit für diesen Unsinn.“

„Mi Amore...“ Langsam wurde ich sauer, und ein warmes Kribbeln breitete sich in meiner rechten Hand aus, welches ein Anzeichen für eine drohende magische Reaktion war.

„Entweder du machst den Weg frei, oder ich brenne mir den Weg frei“, sagte ich mit einem Ausdruck entschlossener Wut.

„So temperamentvoll“, sagte er leise grinsend. Doch trotz seines Spottes ließ er schließlich meinen Arm los und öffnete den Weg.

Ich ging an ihm vorbei, blieb dann jedoch stehen.

„Wie heißt du überhaupt?“

„Hmmm, jetzt willst du es wissen... Ich bin

Lucian“, stellte er sich mit einem schelmischen Grinsen vor.

„Dann sieht man sich ja bestimmt nochmal“, sagte ich und drehte mich um, um das Haus zu betreten.

„Ach, das hoffe ich doch, Prinzessin“, zwinkerte er mir zu und ging anschließend, seine Schritte hallten leise in der Nacht wider.

Als ich das Haus betrat, lief ich die Treppe hinauf zu meinem Zimmer. Die Treppenstufen knarrten leise unter meinen Füßen, als wäre das Haus selbst ein lebendiges Wesen, das auf meine Anwesenheit reagierte. Der Mond schien durch mein Fenster, und ich konnte die sanften Strahlen auf der gegenüberliegenden Wand tanzen sehen.

Ich öffnete die Tür zu meinem Zimmer und trat ein. Der Raum war im Schein des Mondes in ein sanftes Silberlicht getaucht. Bevor ich mich hinlegte, öffnete ich das Fenster und ließ die kühle Nachtluft herein. Der Duft von Blumen und frischem Gras drang herein und ließ meine Sinne erwachen. Ich griff nach den Kristallen auf meinem Nachttisch und legte sie auf die Fensterbank. Das Mondlicht tanzte auf ihrer glatten Oberfläche, und ich spürte die Energie des Mondes, die in sie strömte. Es war faszinierend, zu sehen, wie die Kristalle das Licht aufnahmen und in den schönsten Farben schimmerten. Der Anblick berührte mein Herz, und ich fühlte, wie meine eigene Magie mit der Mondenergie verschmolz. Es war, als würde der Mond selbst durch mich hindurchstrahlen und mich mit seiner urtümlichen Kraft erfüllen.

Nachdem ich das Fenster wieder geschlossen hatte, setzte ich mich im Schneidersitz auf den Boden. Die Kristalle leuchteten noch immer intensiv, und ich spürte ihre magische Präsenz. Ich schloss meine Augen, atmete tief ein und aus, und versetzte mich selbst in Trance. In diesem Zustand fühlte ich mich schwerelos, mein Körper schien sich aufzulösen, und ich tauchte ein in eine andere Welt, die Astralwelt.

Ich schwebte in der Luft, umgeben von glitzernden Sternen und schillernden Farben. Die Energien dieser Welt durchströmten mich, und ich fühlte mich lebendiger denn je. Doch plötzlich tauchten wieder die braunen Augen vor mir auf. Sie waren klarer, intensiver als zuvor, und ich spürte eine seltsame Verbindung zu ihnen.

„Wer bist du?“, flüsterte ich, doch meine Worte schienen im Nichts zu verhallen. Das Bild der Augen verschwamm erneut, und ich folgte ihm in den Nebel. Die Dunkelheit umhüllte mich, und ich konnte nichts sehen. Ich rief nach ihm, doch es kam keine Antwort. Ein weiterer Blitz, und ich wurde aus der Astralebene herausgerissen.

Ich fand mich wieder in meinem Zimmer, der Druck in meinem Kopf verstärkte sich. Ich stand auf, setzte mich auf mein Bett und versuchte, die Eindrücke zu verarbeiten. Es klopfte leise an meiner Tür, und Blair trat herein.

„Alles okay?“, fragte sie besorgt. Ihre Augen suchten nach einer Erklärung für die Verwirrung, die in meinem Gesicht geschrieben stand.

„Ja, alles gut“, versicherte ich ihr, obwohl ich wusste, dass es noch viele Fragen in meinem Inneren gab, die ungelöst blieben.

„Hmm, okay, wenn du meinst...“, sagte sie schließlich und verließ mein Zimmer.

Kaum war sie fort, übermannte mich die Müdigkeit, und ich ließ mich auf mein Bett sinken. Mit einem letzten Blick auf den Mond, der durch mein Fenster schien, schloss ich meine Augen und ließ mich von der Dunkelheit der Nacht umfangen.

Die Gedanken an Lucian und die geheimnisvollen Augen schwebten noch immer in meinem Kopf, während ich in einen tiefen Schlaf fiel.

„Manche Schatten greifen nicht nach dir, um dich zu verschlingen, sondern um dich daran zu erinnern, dass du einst im Licht standest.“

Kapitel 03

-Blair-

Ich stand noch immer vor Victorias Tür und spürte, wie eine unangenehme Vorahnung mich überkam. Es war, als läge etwas Schweres und Unsichtbares in der Luft, dass ich nicht greifen konnte, doch mein Instinkt schrie förmlich danach, dass hier etwas nicht stimmte. Victoria war nervös gewesen, bevor sie sich hingelegt hatte, und diese Unruhe schien nun den Raum zu erfüllen, als wäre sie ein lebendiger Teil von ihr. Ich atmete tief ein, ließ den Atem durch meine Nase strömen, und lauschte in die Stille, die nur von meinem eigenen Herzschlag unterbrochen wurde.

Etwas war im Gange. Etwas, das ich nicht verstand, was aber so greifbar war, dass es mir eine Gänsehaut bescherte. Leise öffnete ich die Tür einen Spalt und spähte vorsichtig hinein. Mein Herz setzte für einen Moment aus, als ich den Raum erblickte.

Eine dichte, dunkle Wolke, fast wie ein Nebel, schwebte durch den Raum. Sie war schwarz wie die tiefste Nacht und pulsierte mit einer unheilvollen Energie.

Der Nebel war überall, umhüllte die Möbel, verschluckte das Licht und machte den Raum zu einem unheimlichen Ort, der nichts mit dem gemütlichen Rückzugsort zu tun hatte, der er noch vor wenigen Momenten gewesen war.

Meine Augen weiteten sich vor Schreck, als ich Victoria sah. Sie lag auf ihrem Bett, doch sie schien nicht mehr die Kontrolle über sich zu haben. Ihre Augen waren geschlossen, aber ihr Gesicht war von einer seltsamen Anspannung gezeichnet. Es war, als würde sie gegen etwas kämpfen, etwas Dunkles, das sie überwältigte. Sie wirkte fast gequält, als ob in ihrem Inneren ein Konflikt tobte, den ich nicht verstehen konnte.

Und dieser Nebel ... dieser verfluchte Nebel. Er war ein Ausdruck dessen, was in ihr vorging, dessen war ich mir sicher.

„Victoria!“ Meine Stimme zitterte, als ich ihren Namen rief, in der Hoffnung, sie aus diesem Albtraum zu befreien.

Sie zuckte zusammen, als hätte ich sie aus einem tiefen Schlaf gerissen, und in dem Moment begann der Nebel zu verschwinden. Er löste sich auf, verschwand in der Dunkelheit des Raumes, als hätte er nie existiert, doch die bedrückende Atmosphäre blieb. Ich atmete schwer, immer noch von dem Schock erfasst.

„Was zum Teufel …“, stieß ich aus, unfähig, die richtigen Worte zu finden. Victoria setzte sich abrupt auf, ihre Augen geweitet vor Panik. Sie sah sich um, als hätte sie keine Ahnung, was gerade passiert war. Der Raum war wieder normal, doch die Energie, die er ausgestrahlt hatte, schien in ihren Augen geblieben zu sein.

„Du hast … du hast gezaubert! Im Schlaf!“, stieß ich fassungslos aus.

Es war schwer zu glauben, was ich gerade gesehen hatte, aber es gab keine andere Erklärung. Dieser Nebel, diese Dunkelheit…das war keine gewöhnliche Magie. Und das war sicherlich nicht etwas, das jemand im Schlaf hervorrufen sollte.

Victoria schien noch verwirrter, aber bevor ich weiterreden konnte, hob sie eine Hand, und die Tür vor mir schloss sich mit einem heftigen Krachen.

Ich stand jetzt im Flur, ausgesperrt und wütend darüber, dass sie mich so einfach weggeschickt hatte. Wie konnte sie das einfach ignorieren? Etwas war ganz und gar nicht in Ordnung, und ich war nicht bereit, das einfach hinzunehmen. Aber ich wusste, dass ich nichts tun konnte, wenn sie nicht mit mir reden wollte.

Genervt seufzte ich und machte mich auf den Weg, Maria zu suchen.

Während ich durch die dunklen Flure des Hauses schritt, konnte ich die Unruhe nicht abschütteln. Was immer mit Victoria los war, es war gefährlich, für sie und vielleicht auch für uns alle. Der schwarze Nebel, die Art und Weise, wie er den Raum erfasst hatte, es war nicht nur eine zufällige Entladung von Magie. Es war etwas Tieferes, Dunkleres, etwas, das mich an das erinnerte, was ich über verbotene und verlorene Magie gelernt hatte. Meine Schritte wurden schneller, als ich den Raum erreichte, in dem Maria sich oft zum Lesen zurückzog.

Ich fand sie in ihrem Sessel, ein dickes Buch auf den Knien, als wäre alles wie immer. Doch in meinem Inneren wusste ich, dass das, was ich gesehen hatte, nichts Normales war.

„Maria, dir wird das alles um die Ohren fliegen. Etwas stimmt nicht …“, begann ich, in der Hoffnung, dass sie meine Besorgnis teilen würde. Doch bevor ich weitersprechen konnte, hob Maria eine Hand, um mich zu unterbrechen.

„Ich habe alles im Griff, Blair. Mach dir keine Sorgen“, sagte sie in einem Tonfall, der keine Widerrede duldete. Sie sah nicht einmal von ihrem Buch auf.

Diese Gelassenheit, diese verdammte Ruhe, machte mich fast wahnsinnig. Wie konnte sie nur so ruhig bleiben, wenn etwas so offensichtlich falsch war?

„Tía ... sei einfach vorsichtig. Sie hat gerade im Schlaf schwarzen Nebel um sich gehabt. Da stimmt etwas nicht!“, drängte ich, meine Stimme etwas lauter